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Mehr als Wohnen

Text Doris Kleilein

Berlin Award 2016 – Heimat in der Fremde

Auszeichnungen Kategorie 1: Kurzzeitunterkünfte

Hof.Haus 4mal4 design, Hannover, Paul Eichholtz, Fabian Wieczorek, Alisa Klauenberg, Tobias Hasselder; Studienar- beit am Institut für Entwerfen und Gebäudelehre, Leibniz Universität Hannover

Magdas Hotel, Wien (Bauwelt 48.2015) AllesWirdGut Archi- tektur ZT GmbH, Wien, A. Marth, M. Passler, H. Spiegl, C. Waldner; Auftraggeber: Caritas Erzdiözese Wien

Sofortprogramm Leichtbauhallen, München (Bauwelt 48.2015) günther & schabert architekten, München, Jan Schabert; Auftraggeber: Landeshauptstadt München, Kommunalreferat, vertreten durch Baureferat, Hochbau 2

Auszeichnungen Kategorie 2: Wohnprojekte

Neubau – on Königsberger Straße and Aleppoer Weg, Hamburg BeL Sozietät für Architektur, Köln, Anne-Julchen Bernhardt, Jörg Leser; Auftraggeber: Primus Developments GmbH & Co. KG, Hamburg

Initiative Haus der Statistik, Berlin (Bauwelt 6.2016) raum- labor berlin, Berlin - Andrea Hofmann, Christof Mayer, Frauke Gerstenberg, Markus Bader; Initiatoren: Allianz be- drohter Berliner Atelierhäuser – AbBA Gründer: Zentrum für Kunst und Urbanistik-ZK/U; Atelierbeauftragter Berlin, bbk Kulturwerk; Initiative Stadt Neudenken; Martinswerk e.V.; Belius Stiftung; Stiftung Zukunft Berlin; Schlesische 27; ARRIVO Berlin; CUCULA e.V.; Gyalpa e.V.

Wohnungen für Flüchtlinge und Obdachlose, Ostfildern u3ba; Arge camilo hernandez, urban 3 + Harald Baumann, baumannarchitects, Stuttgart, Camilo Hernandez, Harald Baumann; Auftraggeber: Sanierungs- und Entwicklungs- gesellschaft Ostfildern mbH, Stadt Ostfildern

SMAQ MAX!, St. Pölten (mehr dazu nächste Woche in Bau- welt 28–29) SMAQ GmbH; ARTEC Architekten – Wimmer und Partner – raum & kommunikation, Wien; Auftraggeber:

BWS – Gemeinnützige, allgemeine Bau-, Wohn- und Sied- lungsgenossenschaft, Wien

Auslober

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin

Jury

Oliver Elser, Donatella Fioretti, Jörg Friedrich, Çağla İlk, Regula Lüscher, Mamoun Fansa, Philipp Misselwitz

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İlk, Regula Lüscher, Mamoun Fansa, Philipp Misselwitz 10 Wer auf der Architekturbiennale in Venedig war, kennt
İlk, Regula Lüscher, Mamoun Fansa, Philipp Misselwitz 10 Wer auf der Architekturbiennale in Venedig war, kennt

Wer auf der Architekturbiennale in Venedig war, kennt die 150 eingereichten Arbeiten bereits – sie liegen als A3-Ausdrucke im Deutschen Pavil- lon zum Durchblättern bereit und ergänzen die Sammlung von Flüchtlingsunterkünften auf www.makingheimat.de. Die Berliner Senatsbau- direktorin Regula Lüscher hat in diesem Jahr den seit 2010 ausgelobten „Urban Intervention Award“ kurzentschlossen zum „Berlin Award 2016 –= Heimat in der Fremde“ umgewidmet und dazu aufgerufen, „innovative, realisierte und geplante Gebäude“ für Geflüchtete einzureichen. Ein wich- tiger, leider undotierter Preis, denn auch wenn Deutschland derzeit aufgrund der versperrten Balkan-Route deutlich weniger Geflüchtete auf- nimmt, bleibt die Situation prekär: Alleine in Berlin sind 2015 etwa 80.000 Geflüchtete angekom-

WETTBEWERBE ENTSCHEIDUNGEN

men, viele von ihnen leben nach wie vor in Not- unterkünften. Die Einreichungen kamen aus 13 Ländern, prä- miert wurden allerdings ausschließlich Projekte aus Deutschland und Österreich. Mit der Aus- zeichnung der „Initiative Haus der Statistik“ in Berlin hat die Jury ein politisches Zeichen gesetzt. Das Projekt wurde von Berliner Kulturschaffen- den ins Leben gerufen und ist derzeit in Verhand- lung mit dem Finanzsenator: Das Land Berlin, so die Forderung, soll alle weiteren Planungen für den Plattenbaukomplex am Alexanderplatz stoppen, die leerstehende Liegenschaft von der BIMA kaufen und die insgesamt 40.000 Quadrat- meter Nutzfläche für ein „Zentrum für Geflüchte- te, Kunst und Soziales“ zur Verfügung stellen. Raumlabor Berlin haben ein Standortentwick-

Bauwelt 27.2016

Mit dem „Berlin Award 2016 – Heimat in der Fremde“ wurden Unterkünfte und Wohnprojekte für Geflüchtete ausgezeichnet. Die Jury hat auch Arbeiten prämiert, die über das Wohnen hinausweisen

Preis Haus der Statistik

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Nutzungskonzept (grün:

integrative temporäre

Wohnformen, blau:

Ateliers, rot: Projekte für Geflüchtete, gelb:

Veranstaltungen).

2 Phase 1: Kurzfristige

Umnutzung bis Ende 2016

3 Phase 2: Sanierung Haus C und D bis Ende 2017

4 Phase 3: Möglicher Rück- bau, Neubau nach 2022

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2017 4 Phase 3: Möglicher Rück- bau, Neubau nach 2022 1 23 4 lungskonzept vorgelegt, das
2017 4 Phase 3: Möglicher Rück- bau, Neubau nach 2022 1 23 4 lungskonzept vorgelegt, das

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4 Phase 3: Möglicher Rück- bau, Neubau nach 2022 1 23 4 lungskonzept vorgelegt, das neben

lungskonzept vorgelegt, das neben „integrati- vem Flüchtlingswohnen“ auch Arbeitsräume für Kunst und Kultur, Bildungs- und Integrationsan- gebote für Geflüchtete und Veranstaltungsräume vorsieht. Ein Zentrum dieser Art in derart expo- nierter Lage könnte das schlechte Image der Stadt Berlin im Umgang mit den Geflüchteten auf- polieren und zum Modellprojekt auch für andere Städte werden. Neben dieser symbolträchtigen Initiative hat die Jury eine weitere Arbeit prämiert, die auf Nut- zungsmix setzt: das über die Grenzen Wiens hin- aus bekannte „Magdas Hotel“ von AllesWirdGut, in dem Geflüchtete ein Social Business betreiben. Es sind genau diese Mischkonzepte aus Wohnen und Arbeit, die für das Zusammenleben wichtig sind, da sie den Geflüchteten Einstiegspunkte in

Bauwelt 27.2016

650–1000 Bewohner könn- ten im ehemaligen Haus der Statistik (1968-70) am Ber- liner Alexanderplatz unter- gebracht werden und dort auf soziale Initiativen und Kulturschaffende treffen

unter- gebracht werden und dort auf soziale Initiativen und Kulturschaffende treffen WETTBEWERBE ENTSCHEIDUNGEN 11

WETTBEWERBE ENTSCHEIDUNGEN

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das gesellschaftliche Leben bieten. Leider hat sich die Ausschreibung des „Berlin Award 2016“ auf die monofunktionalen Kategorien Kurzzeit- unterkünfte und Wohnprojekte beschränkt, so- dass nur wenige gemischt genutzte Projekte eingereicht wurden. Die weiteren Preisträger sind demnach Woh- nungsbauten und Notunterkünfte, wobei zwei Arbeiten explizit auf ein gemeinsames Wohnen von Geflüchteten mit anderen gesellschaftlichen Gruppen (Studierende, Obdachlose) setzen. Mit dem Entwurf Hof.Haus schlagen Architektur- studierende der Leibniz Universität Hannover ei- nen zweigeschossigen Holzskelettbau vor, in dem die privaten Räume zugunsten der Gemein- schaftsfläche minimiert sind: Die Zimmer im Obergeschoss sind über Leitern zu erreichen. Ein Projekt, das als Nachverdichtung von Universi- tätsstandorten denkbar wäre, eine kommunika- tive Alternative zu getrennten Wohnheimen für Studierende und Geflüchtete. Wie das Zusammenwohnen funktionieren kann, zeigt der Preisträger „Wohnen für Flücht- linge und Obdachlose“ in Ostfildern von u3ba, ein 2015 gebautes Ensemble aus drei schwarz ge- strichenen Holzhäusern mit Pultdächern, in dem kleine, kombinierbare Zweizimmerwohnungen untergebracht sind.

kombinierbare Zweizimmerwohnungen untergebracht sind. Preis Hof.Haus Sportliches Wohnen: Kein Treppenhaus,

Preis Hof.Haus Sportliches Wohnen: Kein Treppenhaus, sondern ein Gemeinschaftsraum mit Leitern zu kleinen Zimmern im Obergeschoss Grundriss im Maßstab 1:150

Zimmern im Obergeschoss Grundriss im Maßstab 1:150 12 WETTBEWERBE ENTSCHEIDUNGEN Bauwelt 27.2016 Neben diesen

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WETTBEWERBE ENTSCHEIDUNGEN

Bauwelt 27.2016

1:150 12 WETTBEWERBE ENTSCHEIDUNGEN Bauwelt 27.2016 Neben diesen Lösungen für eine dezentrale Unterbringung
1:150 12 WETTBEWERBE ENTSCHEIDUNGEN Bauwelt 27.2016 Neben diesen Lösungen für eine dezentrale Unterbringung

Neben diesen Lösungen für eine dezentrale Unterbringung wur- den in Berlin auch zwei Projekte ausgezeichnet, die sich mit großmaßstäblichem Wohnungsbau beschäftigen und dabei ver- gleichbare konstruktive Ansätze verfolgen: Maison-Dom-ino- Konstruktionen aus Stahlbeton, die in Leichtbauweise gefüllt werden. Das prämierte Bausystem „SMAQ MAX!“ kommt derzeit erstmalig im österreichischen St. Pölten zum Einsatz, wo bis 2017 ein städtischer Neubau mit 185 Wohnungen entsteht. Drei Meter tiefe Laubengänge und Loggien ergeben dabei ein „wei- ches, von den Nutzerinnen geprägtes Fassadenbild“. Anne-Julchen Bernhardt und Jörg Leeser gehen einen Schritt weiter und heben mit ihrer Modellstudie „Neubau – on Königs- berger Straße and Aleppoer Weg“ das System Wohnparkhaus auf die städtebauliche Ebene, indem sie vier „spekulative Selbst- baustädte“ vorschlagen, eine Weiterentwicklung des für die IBA Hamburg konzipierten Wohnhauses „Grundbau und Siedler“ (Bauwelt 35.2013). Die Konstruktion soll aus Betonfertigteilen errichtet und mit „Siedlerboxen“ bestückt werden. Warum die beiden letzten Arbeiten für Geflüchtete besonders gut geeignet sein sollen, erschließt sich mir nicht, es sind eher allgemeine Ansätze für seriell vorgefertigten Wohnungsbau. Dennoch: Die große Bandbreite der prämierten Arbeiten, vom ostentativen Massenselbstbau bis hin zum kleinen Wohnhaus, spiegelt die Vielfalt der Bauaufgaben, die sich, soll das Zusammenleben gelingen, nicht über einen Kamm scheren lassen.

Bauwelt 27.2016

I N T E R N A T I O N A L E R ARCHITEKTURKONGRESS

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21. SEPT 2016 /// CCD OST
21. SEPT
2016 ///
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