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Freitag, 29. September 2017

Piazza

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Aufklärergeist trifft auf verbohrten Adel

Literatur Was hatten sich Wilhelm von Humboldt und Beat Fidel von Zurlauben zu sagen, als sie sich im Jahre 1789 trafen? Heinz Greter fasst die historisch belegte Begegnung in eine Erzählung. Und zeigt auf, wie zeitlos gewisse Kontroversen des 18. Jahrhunderts sind.

Andreas Faessler andreas.faessler@ zugerzeitung.ch

«Er hat gewiss mancherlei Kennt- nisse, ist aber nicht interessant.» Ganz schön kecke Worte, wenn sie von einem 22-jährigen Jung- spund kommen, der sich soeben mit einem greisen Aristokraten mit viel Lebenserfahrung unter- halten hat. Das Zitat ist das wenig schmeichelhafte Urteil über eine ganz besondere Begegnung im Jahre 1789. Der junge Wilhelm von Humboldt – als bedeutender Gelehrter, preussischer Staats- mann und Gründer der Berliner Universität in die Geschichte ein- gegangen – besucht auf seiner Schweizerreise den 69-jährigen Baron Beat Fidel Zurlauben in dessen «Châtau» in Zug. Es prallen sprichwörtlich zwei Welten, zwei Epochen aufeinan- der: Humboldt, ein hochgebilde- ter, aufgeklärter, progressiver Geist – Zurlauben, ein angesehe- ner zwar, aber konservativer, re- aktionärer, verbohrter Anhänger des Ancien Régime mit ausge- prägtem Adelsdünkel. Nicht nur die entgegengesetzten Gesinnun- gen der beiden macht die Begeg- nung so delikat, sondern auch die politischen Verhältnisse in Euro- pa. Die Französische Revolution nimmt Fahrt auf – Humboldt war kurz nach dem Sturm auf die Bas- tille noch in Paris gewesen und hält die Ideen des Umbruchs hoch, dem edlen Zurlauben sind sie «naturgemäss» ein Greuel.

Historische Erzählung auf Fakten basierend

So also würdigt Humboldt seine Begegnung mit Zurlauben mit einem vernichtenden Fazit – die Eingangs zitierten Worte sind Humboldts Tagebuch zu entneh- men. Sie sind Beleg, dass dieses Aufeinandertreffen tatsächlich

stattgefunden hat. Ausgehend von dieser knappen Notiz Hum- boldts hat sich der Zuger Histori- ker und Schriftsteller Heinz Gre- ter an ein herausforderndes Buchprojekt gemacht: «Herr von Humboldt schockiert Herrn von Zurlauben» ist eine historische Erzählung, welche ausgehend von Belegbarem das Aufeinan- dertreffen dieser illustren Per- sönlichkeiten wiedergibt. In der Zuger Anthologie ist Heinz Greter auf Wilhelm von Humboldt und dessen Reise in die Schweiz gestossen. So spinnt der Autor, welcher übrigens in denselben Mauern wohnt wie einst Baron von Zurlauben, die überlieferten Fakten im Spiegel vom Damals zu einer Erzählung, in der er in die Gedankenwelt der beiden Hauptprotagonisten schaut. Dies in zwei Erzählsträn- gen, welche schliesslich zusam- mengeführt werden, wenn Hum- boldt in Zug persönlich auf Zur- lauben trifft – und diesen durch seine Aussagen und Ansichten gelinde gesagt in grosses Erstau- nen versetzt.

Verklärte Sicht auf den Adelsmann

Durch Greters Auseinanderset- zung mit den beiden Figuren ha- ben sich ihm deren Charaktere so weit erschlossen, dass der fiktive Teil der Erzählung so authentisch und schlüssig wird, dass man denkt: Ja, genau so kann sich die Geschichte abgespielt haben. Das Gespräch zwischen Humboldt und Zurlauben «rekonstruiert» Greter anhand der Aufzeichnun- gen. «So erzählt Humboldt dem Herrn Zurlauben, was er in Paris erlebt hat», gibt Greter Einblick in seine Erzählung. «Er berichtet ihm von den gesellschaftlichen Verhältnissen im revolutionie- renden Frankreich und wie sehr

im revolutionie- renden Frankreich und wie sehr In seinem neuen Buch spürt der Zuger Historiker und

In seinem neuen Buch spürt der Zuger Historiker und Autor Heinz Greter zwei Persönlichkeiten nach, die

unterschiedlicher nicht sein könnten.

Bild: Maria Schmid (Zug, 19. September 2017)

die Schweizer Söldner verhasst sind.» Dabei war doch gerade das Söldnerwesen die Grundlage für die Pension von Schweizer Aris- tokraten wie Zurlauben. «Dieser muss von mehreren Seiten be- leuchtet werden, um sein Wesen und Denken zu begreifen», meint Heinz Greter. «Die Zuger hatten eine etwas verklärte Sicht auf ihn.» Gewiss war er nicht zu Un- recht angesehen, war er doch

äusserst bibliophil und ist seiner ausgeprägten Sammelleiden- schaft der enorme inhaltliche Umfang der «Zurlaubiana» zu verdanken. «De facto war der Mann aber nicht so gebildet, wie man denken möchte. Er häufte zwar mit Hingabe Bücher und Schriften an, las sie aber kaum. Auch war er weitgehend unfähig für politische Urteile und histori- sche Analysen.»

Und jetzt ist da dieser junge Ge- lehrte aus Berlin im Anmarsch, der in Zürich auf Leonhard Meis- ter trifft, ein aufklärerisch ge- sinnter Publizist, der Humboldt ermuntert, jenen Zurlauben in Zug aufzusuchen. Und in Kappel begegnet der junge Mann dem dortigen Pfarrer. Auch dieser er- zählt ihm vom eigensinnigen Ad- ligen in Zug. So schildert Heinz Greter Humboldts Stationen auf

dem Weg nach Zug und wechselt zwischendurch den Schauplatz in den Salon Zurlaubens, wo die- ser sitzt und über sich und sein Leben sinniert.

Symbolhaft für zeitlose Fragestellungen

«Am Kanton Zug ist ein Stück Weltgeschichte vorbeigeschli- chen», meint Verleger Bernd Zo- cher an der Buchvernissage in der Bibliothek Zug am Mittwoch- abend. «Heinz Greter fasst die Auseinandersetzung dieses ‹jun- gen Wilden› mit dem adligen Herrn gekonnt zu einer Erzählung zusammen.» Die Exzerpte, wel- che der Autor daraufhin vorliest, zeugen von seinen eingängigen Recherchen, beinhalten viel Wort- witz, was das interessierte Publi- kum wiederholt schmunzeln lässt. Heinz Greter zeichnet ein aus- führliches Bild dieses hochrangi- gen Sonderlings, der in seinem Privatleben mehrmals gescheitert ist. So gibt Greter dem Leser einerseits auf unterhaltsame Wei- se eine Fülle an Geschichtswissen mit. Andererseits aber – und das ist das Brisante an diesem Werk – steht die Begegnung dieser bei- den grundverschiedenen Men- schen symbolhaft für zeitlose und aktuelle Fragestellungen, unter anderem in Bezug auf die Rechte der Menschen, auf die kontrover- se Betrachtung unterschiedlicher Lebensphilosophien oder politi- schen Auffassungen. Heinz Gre- ter transportiert die Grundgedan- ken der Aufklärung ins Heute und gibt mit einer überaus gehaltvol- len Erzählung wertvolle Anstösse zur Reflexion.

Hinweis Heinz Greter, «Herr von Hum- boldt schockiert Herrn von Zur- lauben», gebunden, 144 Seiten, Elster Verlag, Fr. 24.–.

Promi-Bettgeflüster mit Michael Elsener

Zug Er wünscht wieder allen eine gute Nacht. Dieses Jahr will Michael Elsener in seiner etwas anderen Talkshow unter anderen FDP-Ständerat Joachim Eder, Jonny Fischer von «Divertimento» und Bildungsdirektor Stephan Schleiss aus der Reserve locken.

Michael, deine Gute Nacht Show geht also in eine nächste Runde. Bleibt alles beim Alten? Das Tolle an der Gute Nacht Show ist, dass ich bei jeder Aus- gabe etwas Neues lerne. Das ver- suche ich dann beim nächsten Mal gleich umzusetzen. Das Grundkonzept aber bleibt das- selbe: Ich lade bekannte Men- schen auf meine Bettkante ein. Wir reden miteinander, ich kitzle sie mit Fragen, die sie auch mal in Verlegenheit bringen, und wir machen ein Spiel zusammen. Der Abend lebt von ganz viel Sponta- neität. Schliesslich weiss ich sel- ber ja auch nicht, wie meine Gäs- te reagieren werden.

In deiner Oktober-Show am nächsten Montag ist der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder zu Gast. Worauf kann er sich gefasst machen? Er kann davon ausgehen, dass ich weiss, was er die letzten Jahre in Bern gemacht hat. Darauf werde ich ihn ansprechen. Ich möchte mit ihm aber vor allem darüber reden, was bei der Bundesrats-

wahl hinter den Kulissen alles so abgegangen ist. Ich will dafür sorgen, dass er uns möglichst vie- le Details verrät und mir zusi- chern kann, dass meine Lieb- lingsparodie Schneider-Ammann noch mindestens acht Jahre im Amt bleibt.

Mit Jonny Fischer von Diverti- mento stehst du im November zum ersten Mal gemeinsam in Zug auf der Bühne. Eine Art doppeltes Heimspiel wie letztes Jahr mit Marco Rima. Was macht es speziell, einen Berufskollegen aus der eige- nen Heimat aufs Korn zu nehmen? Da gibt es doch sicher auch besondere Her- ausforderungen, oder? Jonny und ich kennen uns echt sehr gut. Ich glaube, das wird ein sehr vertrauensvolles Gespräch über sein Leben und beispiels- weise darüber, wie man auf der Bühne mit heiklen Situationen umgeht. Ich werde ihm keine Fragen stellen, die er schon zig Mal gehört hat. Und ich glaube, die Leute werden von uns beiden Neues erfahren. Und logisch

die Leute werden von uns beiden Neues erfahren. Und logisch Talkmaster Michael Elsener ist parat. Bild:

Talkmaster Michael Elsener ist parat.

Bild: Alexandra Wey

werden wir uns auch hochneh- men.

Im Dezember wird’s wieder politischer, wenn du den Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss auf der Bühne hast. Gib uns einen Hinweis, wie du ihn aus der Reserve locken willst. Also, meine erste Hoffnung ist, dass er überhaupt kommt und nicht auch seinen eigenen Auf- tritt einspart. Da ich weiss, dass er dies hier liest: Ich freue mich schon sehr auf das Spiel, das ich mit ihm machen werde.

Wer von deinen Gästen macht dich im Vorfeld besonders nervös? Nervös bin ich nicht. Ich hoffe mehr, dass ich mit jedem Gast den richtigen Umgang finde. Im November kommt beispielswei- se auch noch der SVP-Gemein- depräsident von Oberwil-Lieli, Andreas Glarner, vorbei. Da bin ich gespannt, was ich seinen teils krassen Aussagen entgegnen kann. Und im Dezember sitzt überdies Roger de Weck auf mei-

nem Bett. Das hätte ich mir nicht erträumen lassen. Ich habe Hochachtung vor seiner Elo- quenz.

Interview: Andreas Faessler andreas.faessler@ zugerzeitung.ch

Hinweis Gute Nacht Show am 4. Oktober, 8. November und 20. Dezember jeweils 20 Uhr in der Galvanik Zug. www.michaelelsener.ch

Tickets zu gewinnen

Unter ihren Abonnenten verlost die «Zuger Zeitung» heute 2-mal 2 Tickets für Michael Else- ners Gute Nacht Show vom Mon- tag, 4. Oktober, um 20 Uhr in der Galvanik, Zug. Und so funktioniert’s: Rufen Sie heute zwischen 14 und 14.05 Uhr die Telefonnummer 041 725 44 09 an. Wenn Sie zu den ersten zwei Anrufern gehören, haben Sie bereits gewonnen.

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