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Der

Ophthalmologe
Zeitschrift der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft

Elektronischer Sonderdruck für


H.-R. Walther
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Ophthalmologe 2010 · 107:746–749 · DOI 10.1007/s00347-009-2082-2


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privaten Homepage und Institutssite des Autors
© Springer-Verlag 2009

A.-R. Walther · B.-M. Walther · I. Romberger · E. Schnabel · F. Hampel · H.-R. Walther

Softokulopression

www.DerOphthalmologe.de
Originalien

Ophthalmologe 2010 · 107:746–749 A.-R. Walther1 · B.-M. Walther1 · I. Romberger1 · E. Schnabel2 · F. Hampel2 ·  


DOI 10.1007/s00347-009-2082-2 H.-R. Walther1
Online publiziert: 29. Januar 2010 1 Operative Augenarztpraxis, Weimar
© Springer-Verlag 2010 2 Anästhesiepraxis, Weimar

Softokulopression

Die Okulopression dient der Reduk­ führt wurde die Okulopression vor in­ len und hat sich millionenfach be­
tion von Glaskörperdruck bei intra­ traokularen Operationen von Vörös­ währt [3]. Durch verschiedene An­
okularen Eingriffen. Es kommt zu ei­ marthy [4], nach Ansicht anderer Au­ wender wurden unterschiedlichs­
ner Volumenreduktion okularer Kom­ toren von Sommer [2]. Die Durch­ te Methoden beschrieben, um Druck
partimente mit Einschluss von Kam­ führung der Okulopression wird von auf das zu operierende Auge und sei­
merwasser und Glaskörper und ver­ zahlreichen Gremien und Experten ne Adnexe auszuüben und so den ge­
mutlich auch Aderhaut [1]. Einge­ vor intraokularen Eingriffen empfoh­ wünschten Effekt zu erreichen.

Abb. 1 8 Mit vorgewärmtem Leitungswasser gefüllter Schutzhandschuh Abb. 3 8 Der Okulopressor liegt auf dem Gesicht und entfaltet die Haupt-
druckwirkung über dem Auge

Abb. 2 8 Platzierung des Handschuhs auf dem Auge Abb. 4 7 Modellversuch

746 |  Der Ophthalmologe 8 · 2010


Zusammenfassung · Abstract

Patienten und Methode Ophthalmologe 2010 · 107:746–749  DOI 10.1007/s00347-009-2082-2


© Springer-Verlag 2010
100 Patienten wurden nach parabulbärer
A.-R. Walther · B.-M. Walther · I. Romberger · E. Schnabel · F. Hampel · H.-R. Walther
Injektion von 4 cm3 Lokalanästhetikum
Softokulopression
im Rahmen ambulanter Kataraktchirur-
gie einer von uns entwickelten besonders Zusammenfassung
schonenden Methode der Okulopressi- Hintergrund.  Die sog. Okulopression dient drucksenken­de Wirkung (Durchschnitts-IOD
on unterzogen und die erreichte Druck- der Reduktion von Intraokulardruck bei intra- vor Injektion 18,94 mmHg, nach Injektion  
senkung gemessen. Dabei wurde ein han- okularen Eingriffen. Es wurde im Rahmen am- 31,34 mm­­­Hg und nach Softokulopression
bulanter Kataraktchirurgie eine schonende 20,31 mmHg) nachweisen.
delsüblicher Schutzhandschuh mit etwa
und für den Patienten angenehme Alternati- Schlussfolgerungen.  Die von uns erprobte
350 ml vorgewärmtem Leitungswasser ge- ve erprobt, die eine einfache und sichere An- Softokulopression empfiehlt sich wegen ihrer
füllt (. Abb. 1) und nach Akinesie und wendung mit guten Ergebnissen der Druck- ausgezeichneten selbstkalibrierenden druck-
parabulbärer Injektion 10 min so auf dem senkung verbindet. senkenden Wirkung bei angenehmer und
zu operierenden Auge platziert, dass die Patienten und Methode.  Bei 100 Patienten einfacher Durchführbarkeit.
„Handfläche“ das OP-Auge bedeckt und wurde ein handelsüblicher Schutzhandschuh
mit 350 ml vorgewärmtem Leitungswasser Schlüsselwörter
die „Finger“ rechts und links der Nase auf
gefüllt und nach Injektion 10 min auf dem zu Okulopression · Ambulante Katarakt · Peribul-
dem Gesicht ruhen (. Abb. 2). operierenden Auge platziert. bäre Anästhesie · Präoperativer Augeninnen-
Durch die floatende Wasserfüllung Ergebnisse.  Es ließ sich eine ausgezeich- druck · Praxistest neues Verfahren
balanciert sich der „Okulopressor“ so nete und außerdem selbstkalibrierende
aus, dass er ohne weitere Befestigung si-
cher auf dem Gesicht liegen bleibt und die
Soft oculopression
Hauptdruckwirkung über dem Auge ent-
faltet wird (. Abb. 3). Abstract
In der Praxis empfiehlt sich die Arbeit Background.  The method of so-called oc- pressure could be shown (average intraocu-
mit mindestens 2 wassergefüllten Hand- ulopression is used to reduce the intraocu- lar pressure before injection: 18.94 mmHg, af-
schuhokulopressoren, die bei einem „Ab- lar tension before intraocular operations. For ter injection: 31.34 mmHg and after soft ocu-
outpatient cataract operations we tested a lopression: 20.31 mmHg).
sturz“ durch Patientenbewegungen ab-
gentle and, especially for the patient, plea­ Conclusion.  The method of soft oculopres-
wechselnd desinfiziert werden können. sant alternative which combines an easy and sion can be recommended because of its ex-
Im Modellversuch (. Abb. 4) konnte safe treatment with good results for tension cellent self-calibrating tension reducing ef-
nachgewiesen werden, dass sich die Ge- reduction. fect combined with a pleasant and easy ap-
wichtsauflage durch die Softokulopres- Patients and method.  For a total of 100 pa- plication.
sion mit der Hornhautscheitelhöhe des tients a routine examination glove was filled
with 350 ml of warm tap water and after in- Keywords
anästhesierten Auges über dem Orbita-
jection placed for 10 min on the eye sche­ Oculopression · Outpatient cataract surgery ·
rand automatisch erhöht (. Abb. 5). Bei duled for surgery. Peribulbar anesthesia · Preoperative intraocu-
einem injektionsbedingten Exophthal- Results.  With this method, an excellent and lar tension · Practical test of new method
mus von 0,5 cm liegt die Gewichtswir- self-calibrating reduction of the intraocular
kung unter 20 g, bei 2,5 cm Exophthal-
mus schon über 120 g.

Ergebnisse

Nach dokumentierter Erprobung an 100


operierten Patienten (Datenblatt) ließ sich
eine ausgezeichnete drucksenkende Wir-
kung (Durchschnitts-IOD vor Injektion
18,94 mmHg, nach Injektion 31,34 mmHg
und nach Softokulopression 20,31 mmHg)
nachweisen (. Abb. 6, 7).
Die Patienten empfanden das Prozedere 
durchweg als angenehm. Ein Modellver-
such (. Abb. 4) bewies, dass die Soft­
okulopression eine selbstkalibrierende
progressive Wirkung entfaltet, d. h. sich
eine mit der Hornhautscheitelhöhe des
anästhesierten Auges über dem Orbita-

Der Ophthalmologe 8 · 2010  | 747


Originalien
Gewicht durch Softokulopression (g) 140.0

120.0
rand automatisch wachsende Gewichts-
auflage einstellt (. Abb. 5).
100.0

80.0 Diskussion
60.0
Im Vergleich zu den in der Literatur an-
40.0 gegebenen und auch in der Praxis ange-
20.0 wandten oft sehr martialischen Metho-
den  der  Okulopression  zeigte  die  von 
0.0
0.0 0.5 1.0 1.5 2.0 2.5 3.0 Abb. 5 9 Gewicht  uns entwickelte Softokulopression eine 
Hornhautscheitelhöhe nach PBI über Orbitarand (cm) durch Softokulo- ausgezeichnete drucksenkende Wirkung 
pression (g)
bei  gleichzeitig  angenehmer  und  ein-
facher Durchführbarkeit. Vorteile sehen 
35 31,34 wir v. a. in
Durchschnittlicher

30
Augeninnendruck

25 F  der einfachen und ökonomischen 
18,94 20,31
Herstellung,
(mmHg)

20
15 F  der variablen Dosierbarkeit durch un-
10 terschiedliche Füllmengen,
5
F  der selbstkalibrierenden Wirkung,
0
Vor parabulbärer Injektion Nach parabulbärer Nach Softokulopression F  einer Abdeckung und Druckwirkung 
Injektion auf die gesamte operierte Seite des 
Parameter Gesichts, wodurch das Lokalanästhe-
tikum vorzüglich verteilt und Anäs-
Abb. 6 8 Entwicklung des Augeninnendrucks (Durchschnitt aller 100 Patienten) thesie- und Akinesiewirkung verbes-
sert werden (. Abb. 8a, b),
20 F  einer damit möglichen Dosis- und 
18 Volumenreduktion des Anästheti-
16 kums auf 4 cm3,
14 F  der angenehmen Anwendung für die 
Zahl der Patienten

Patienten, verbunden mit einer Auto-
12
sedierung (Handschuh wirkt wie eine 
10
beruhigende Hand).
8
6 Fazit für die Praxis
4
2 Die von uns im Rahmen ambulanter Ka-
taraktchirurgie erprobte schonende und 
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 15 20 30 für den Patienten angenehme Alternati-
Augeninnendruckabsenkung (mmHg) ve der Okulopression mittels wasserge-
fülltem Schutzhandschuh verbindet eine 
Abb. 7 8 IOD-Bilanz nach PBI durch Softokulopression einfache und sichere Anwendung mit gu-
ten Ergebnissen der Drucksenkung durch 
eine autokalibrierende Gewichtsauflage 
des Okulopressors.

Korrespondenzadresse
PD Dr. H.­R. Walther
Operative Augenarztpraxis PD Dr. Walther
Humboldtstraße 21, 99423 Weimar
dr.hans-rainerwalther@t-online.de

Interessenkonflikt.  Der korrespondierende Autor 
gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Abb. 8 8 Die Softokulopression wirkt auf die gesamte operierte Seite des Gesichts

748 |  Der Ophthalmologe 8 · 2010
Fachnachrichten

Literatur Neue Gentherapie für Retinitis Literatur: Busskamp V, Duebel J, Balya D et al


pigmentosa? (2010) Genetic Reactivation of Cone Photore-
  1. van Aken H (2006) Lokalnaesthesie, Regionala- ceptors Restores Visual Responses in Retinitis
naesthesie, regionale Schmerztherapie. Thieme,
S 512 Die Retinitis pigmentosa umfasst eine Grup- Pigmentosa. Science 329, 413–417
  2. Jähne M (2006) Vortrag zur 104. Jahrestagung der pe von Erbkrankheiten, die irreversibel zur
DOG in Berlin: „Ophthalmic surgeon in Zittau: A Erblindung der Patienten führt. Weltweit Quelle:
forerunner in keratoprosthetics in Germany“
  3. BVA/DOG: Leitlinie Nr. 19a „OP der Katarakt (Grauer leiden etwa zwei Millionen Menschen an Re- Friedrich-Miescher-Institut für
Star) im Erwachsenenalter“ tinitis pigmentosa. Auch wenn die Ursachen Biomedizinische Forschung,
  4. Vörösmarthy D (1991) In: Küchle, Busse:Taschen- der Erkrankung unterschiedlich sind, so ist www.fmi.ch
buch der Augenheilkunde, S 320
ihr Verlauf in den meisten Fällen ähnlich: Die
Stäbchen, die das Sehen in der Dämmerung
ermöglichen, sterben ab. Im Gegensatz dazu
überleben die Zapfen länger, die für das
hochauflösende Farbsehen vor allem bei
Tageslicht verantwortlich sind, verlieren aber
auch mit der Zeit ihre Funktion.
Forscher vom Friedrich-Miescher-Institut für
Biomedizinische Forschung in Basel haben
nun eine neue Gentherapie entwickelt, um
die verlorengegangene Funktion der Zapfen
zumindest im Mausmodell wiederherzustel-
len. Dafür nutzten sie das lichtempfindliche
Protein Halorhodopsin aus verschiedenen
Arten von Archaebakterien.
Es gelang den Wissenschaftlern in Mäusen
mit Retinitis pigmentosa, Halorhodopsin in
funktionslosen Zapfen herzustellen. Sie konn-
ten zudem zeigen, dass diese modifizierten
Zapfen-Photorezeptoren mit dem restlichen
visuellen System interagieren. In Verhal-
tensversuchen konnte auch nachgewiesen
werden, dass die Informationen der Netzhaut
von den Tieren tatsächlich für Verhaltenswei-
sen genutzt werden, die auf ein funktionie-
rendes visuelles System zurückgreifen. Die
bei der Retinitis pigmentosa verbleibenden
Zapfen können also als Ziel einer Genthera-
pie für diese Erkrankung dienen.
Um in einem ersten Schritt diese Erkennt-
nisse auf den Menschen zu übertragen,
haben die Forscher in Zusammenarbeit mit
französischen Wissenschaftlern des Institut
de la Vision in Paris das Halorhodopsin der
Archaebakterien in funktionslose mensch-
liche Zapfen eingeschleust. Auch diese
modifizierten Zapfen in einer isolierten
menschlichen Retina reagierten daraufhin
auf Lichtreize.
Die Forscher gehen davon aus, einigen Pa-
tienten mit Retinitis pigmentosa helfen zu
können. In ersten Screenings werden nun
in Paris Patienten ausgewählt, die von der
vielversprechenden Gentherapie profitieren
könnten.

Der Ophthalmologe 8 · 2010  | 749