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IMC OnAir ...

Broadcasting show No. 62


– 17th August 2010 (Tuesday - 21:00-21:58 p.m.)
radio station: TideRadio 96.0 (www.tidenet.de)

Raga CDs des Monats:

„Voice of Tradition
Dr. Ganguabi Hangal (portrait)“
- Moderationstext / DOKU v. 17.08.2010-1 -

! seit 1.8.2007 gibt’s IMC OnAir als echtes Internetradio !


LiveStream  http://radiostream.india-meets-classic.net

© 08/2010 – Verbundkonzept EUFLETZ (Stiftung i.G.) – Teilprojekt IMC – India meets Classic (Lothar J.R. Maier)
Hintergrund ...
IMC OnAir gliedert sich als Radiosendung (Kabel/Antenne + Internetstream/PodCast)
historisch u. hierarchisch in folgenden Aufbau. Die Struktur soll als konzeptionelle
Markenarchitektur für alle sozialen Projekte von IMC verstanden werden.
Projektbüro „Sinn-Macher.net“ – personalisierte Marke des
Ideengebers und Initiators Lothar J.R. Maier mit
Erstkonzeptionierung in 04/2003.
Die Inhalte dieser auf „Sinn“ fokussierten Website (www.sinn-
macher.net) befasst sich mit nahezu allen Aspekten rund um die
Begrifflichkeit “Sinn” – Und reflektiert das lebensphilosophische
Verständnis, aus dem alle Teilprojekte wie IMC
(www.india-meets-classic.net) entwickelt werden.
Die Teilprojekte von IMC sind Bestandteile des
Gesamtkonzeptes der EUFLEHTZ Stiftung i.G. (Europäisches
Forschungs-, Lehr-/Lern- u. Therapiezentrum für Life-Sciences)
– www.eufletz-stiftung.de .
IMC wurde gegründet zur Realisierung von
musiktherapeutischen Angeboten auf der Basis indisch
klassischer Musik, als Ergänzung zu dem segeltherapeutischen
Konzept „3iE“.
Unter IMC – India meets Classic subsumieren sich alle IMC-
Teilsegmente. Das Logo darf als Dachmarke aller Teilleistungen
und Sub-Brands verstanden werden.
„IMC OnAir“ steht für die Broadcasting-Plattform von IMC via
Radio (www.imcradio.net) und konvergenter Medien, wie das
PodCasting (RSS Feeds – Push-&Pull-Technologie) oder
PhoneCasting.

IMC-Förderinitiative „TablaPerformance – TablaGroup


Hamburg“, das erste der Öffentlichkeit vorgestellte Teilprojekt ...
unter der Themenüberschrift „Heimat – Individuum &
Gesellschaft“ wurde als Weltpremiere beim Festival der Kulturen
2005 das Textrezitativ (Deutschfassung) des englischen
Originalwerkes „Creative Unity“ (1922) von Rabindranath Tagore
interpretiert, Indien’s grösster Philosoph und erster
Nobelpreisträger für Literatur.
Culturebridge „Water is Life – Living with Water“ wurde im
Rahmen des Förderwettbewerbes der FHH in 4/2005 als
Konzept vorgestellt. Es legt den Focus auf Live-Performances
(„night of ragas“) u. Nachwuchsförderung (Schüleraustausch-
programm) mit dem Ziel des interkultureller Dialoges, für einen
KnowHow-Transfer von Indien nach Deutschland.
IMC – India meets Classic verfügt in seinem Gesamtansatz über
ein Konzept für musikpädagogische Arbeit an Schulen als
kleinere Teilleistung (6-wöchiger Workshop).
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(Vorlage - Sendemoderation /16082010-2)

Raga CDs des Monats:

Voice of Tradition – Dr. Gangubai Hangal (Portrait)


Erstausstrahlung: 17.08.2010 (21:00-21:58 Uhr)
Wiederholungstermin: ---

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IMC OnAir/Raga CDs des Monats: Voice of Tradition – Dr. Gangubai Hangal - 17.8.10 (21:00-21:58 /Sendeplatz: www.tidenet.de)

[0.] Jingle (Intro)

IMC - India meets Classic ... eine Sendung für indisch klassische Musik.

IMC bietet Ihnen ein monatliches Hör- und Leseangebot mit Werken indischer
Musikmeister, Raga-CDs, Festivalreports und Special Features.

Über die Website Ihres Radiosenders oder mit einem Besuch bei IMC im Internet
finden Sie in deutscher und englischer Sprache weitere Infos zu den
Musikmeistern, zu indischen Instrumenten, dem Musiksystem Indiens und
vorgestellten CD-Titeln.

IMC - India meets Classic wird auch im Podcasting-Verfahren, im MPEG-Format


als Download angeboten. Stellen Sie sich Ihr ganz individuelles Radioprogramm
zur indisch klassischen Musik zusammen unter:

www.imcradio.net
(Englisch: uu-uu-uu_dot_aiemciereidio_dot_net)
imcradio.net
(Deutsch: i em Ce Radio Punkt Net)

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1.1 Begrüssung...

Sehr verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer,


liebe Freunde der indisch-klassischen Musik!
Am Mikrophon begrüsst Sie Lothar J.R. Maier, mit einer neuen Sendung zur
indischen Musikkultur. IMC – India meets Classic präsentiert Ihnen ‚Voice of
Tradition’, eine biographische Sendung zu einer herausragenden Sängerin der
nordindischen Klassik.
Wie in all unseren Sendungen „Raga CDs des Monats“ hören Sie dazu
Beispiele original indisch-klassischer Musik. – Beachten Sie auch die
Hinweise zu unserem Hörertelefon und Internetangebot im weiteren Verlauf
der Sendung.
_____________________

1.2 Einführung... Bezug: Todestag 07/2009 u. Sendung aus 11/2009


Neben unserem spezial feature „StudioTalk“ haben wir bereits des öfteren
einige Sendungen einzelnen Musikern biographisch gewidmet, wie dem
Sitaristen Nikhil Bannerjee, dem Violinisten der südindischen Klassik Dr. K.R.
Vaidyanathan oder der Sarodlegende Ali Akbar Khan.
Aus gegebenem Anlass zum 1. Todestag einer der führenden Sängerin des
Khayalstiles steht die heutige Sendung unter der Überschrift „The Voice of
Tradition“. Diese Sendung widmen wir ganz Dr. Gangubai Hangal, die im Alter
von 97 Jahren, am 21. Juli 2009 in ihrer Heimatstadt Hubli verstarb.
Gangubai kam uns in der Sendung „Frauen in der indischen Klassik“ (Teil1)
schon einmal zu Gehör, neben bedeutenden Vertreterinnen der nord- und
südindischen Klassik. Auch diese Sendung finden Sie in unserem Online-
Archiv zum Nachhören.

1.3 1. Hörbsp. ... Livemitschnitt v. 13./14.03.1992 (Berlin)


Stimmen wir uns ein mit einem Live-Mitschnitt in der für Gangubai Hangal
charakteristischen Khayal-Interpretation, einem Gesangsstil der nordindischen
Klassik.
Am 13. und 14. März 1992 besuchte Dr. Gangubai Hangal Berlin. Sie wurde
für die 2-tägige Veranstaltung „Parampara – Indische Musik auf dem Weg
nach Westen“ eingeladen. Dieses Festival fand im Haus der Kulturen der
Welt statt und wurde von meinem wertgeschätzten Kollegen Peter Pannke
geleitet. Peter Pannke ist Journalist, Radiomacher und Buchautor... und
wurde selbst in den 70er Jahren im indischen Gesang ausgebildet.

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2.1 Abgrenzung: Hindustani – Carnatic.


Unsere heutige Sendung ist Dr. Gangubai Hangal gewidmet. Sie ist eine der
herausragenden Vokalisten der nordindischen Klassik. Die Indische Klassik
gliedert sich in zwei grundlegende Systeme, die nordindische Klassik,
Hindustani-Musik und südindische Klassik, die karnatische Musik.
Gangubai wurde 1913 im südindischen Bundesstaat, in Karnataka, geboren.
Gangubai stammt aus einer einfachen Familie, deren frühere Generationen
den Gangamats angehörten, der Kaste einfacher Bootsleute, die auch
Ackerbau betreiben. Ihre Herkunft aus diesem sozial-einfachen Millieu brachte
Gangubai in ihrer frühen Karriere die Ablehnung der orthodoxen Brahmanen
ein. Es schickte sich nicht für Frauen, sich mit Künsten den Lebensunterhalt
zu verdienen.
Obgleich ihr Vater, Shri Nadgir und ihr Ehemann, Shri Gururao Kaulgi
ebenfalls der Kaste der Brahmanen angehörten, herrschte in ihrer Familie das
Standesbewusstsein vor, dass Frauen eine Zierde eines Mannes seien:
Angavashtra. In der Wortbedeutung heisst dies in etwa: ein zusätzliches
Kleidungsstück, das feingeistigen Männern als Statussymbol schmückt.
Gangubai’s Mutter, Ambabai und auch ihre Großmutter Kamlabai, waren
herausragende Musikerinnen, die sich diesem Selbstverständnis
widerstandslos unterworfen hatten. Gangubai’s Mutter war in der südindischen
Klassik ausgebildet. Dass sich ihre Tochter der nordindischen Klassik
zuwandte, erklärt sich aus dem Wohnort der Familie.
Die Heimat von Gangubai war der südindische Bundesstaat Karnataka,
unterhalb von Mumbai an der Westküste Indiens gelegen, mit Blick aufs
arabische Meer.
Die Familie von Gangubai zog 1928 von Dharwad, ihrem Geburtsort zu dem
20 Kilometer süd-östlich gelegenen Hubli, damals wie heute ein kommerzielles
Zentrum mit ca. 1.5 Millionen Einwohnern.
Der musikalische Stil Südindiens, Karnataka Sangeet entstand etwa im 12ten,
13ten Jahrhundert. Während sich die nordindische Musik im 16. Jahrhundert
unter dem Einfluß der persischen Moghuls eigenständig weiterentwickelte,
finden sich beide Stile des Nordens und Südens im Karnataka Bundesstaat
wieder.
Im alten Mysore (Old Mysore), in Hoysala Kamataka, und in Teilen von
Dakshin und Uttara Kannada ist eher der südindische Stil vertreten, während
in der Region um Hyderabad Karnataka, Belgaum und Hubli-Dhaarwad, den
Orten der Kindheit von Gangubai, der Nordindische dominiert.

2.2 2. Hörbsp. ... Miyan Ki Malhar / Drut Khayal - Bol Re Papiyaraa.


Die nun folgende Interpretation der Ragaskala Miyan-Ki-Malhar in dem für den
Khayal ungewöhnlich schnellen Tempo Drut stammt aus der CD-Serie
Classic Raaga Collection“, bei Venus Records & Tapes im Jahre 1994
veröffentlicht.
Miyan-Ki-Malhar ist einer der antiken Ragas, die auf den berühmten Sänger
Miyan Tansen im 16. Jahrhundert zurückgehen. Raga Malhar wird die
Wirkung zugesprochen, es regnen zu lassen.

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3.1 Abgrenzung: Khayal... Gesang der nordindischen Klassik...


Ambabai, die Mutter von Gangubai, gab das Singen im südindischen Stile auf,
damit ihre Tochter nicht abgelenkt würde. Mit ihrem Gesangstalent wurde
Gangubai im nordindischen Gesang ausgebildet. Bereits im Alter von 11
Jahren sang sie die indische Nationalhymne am Eröffnungstag des indischen
Nationalkongresses. Wir schreiben das Jahr 1924. So war Gangubai eine der
wenigen, die vor Mahatma Gandhi und (Jawaharlal) Nehru sang.
Im relativ späten Alter von 13 Jahren begann die eigentliche musikalische
Ausbildung von Gangubai in der Musikschule von Krishna Acharya.
Bereits mit 16 wurde sie, typisch für das Indien der 20er Jahre, an einen
Anwalt aus der Brahmanenkaste verheiratet. Mit Gururao Kalgui hatte sie zwei
Söhne und eine Tochter, die Gangubai im Jahre Ihrer Heirat zur Welt brachte.
Gangubai überlebte ihre Tochter, die an Krebs in 2004 im Alter von 75 Jahren
verstarb. Gangubai’s Söhne, Narayan Rao und Babu Rao waren auch noch
an der Seite ihrer Mutter, als sie im Juli 2009, im Alter von 97 Jahren
entschlief.
Den künstlerischen Durchbruch erlangte Gangubai im Alter von 20 Jahren, mit
einem Konzert im damaligen Bombay, 1933. Maßgeblichen Einfluss auf die
gesanglichen Qualitäten von Gangubai waren neben ihrem musikalischen
Talent die strenge Ausbildung, die sie 15 Jahre lang von Pandit Rambhau
Kundgolkar erhielt, in Indien eher bekannt als Sawai Gandharv.

Sawai Gandharv, so Gangubai selbst, lehrte sie nicht mehr als vier Ragas. In
ihrer strengen Ausbildung, die oft stundenlanges, monotones Üben einzelner
Phrasierungen bedeutete, folgte ihre Lehrer dem Prinzip, wie man mit Geld
umgehen sollte. Jede Note sollte so sparsam wie möglich eingesetzt werden.
Dieser Regel blieb Gangubai in ihrer 80-jährigen Musikerkarriere stets treu.
Während sie noch zu Beginn Lieder der leichten indischen Klassik, Bhajans
und Thumris präsentierte, verschrieb sie sich später ganz dem Khayal, dem
modernen Gesangsstil der nordindischen Klassik.
Mit diesem Rüstzeug konnte Gangubai noch im Alter von 93 Jahren, am 12.
März 2006 ihr letztes Konzert geben, obgleich sie, besonders von dem Verlust
ihrer Tochter in 2004, gezeichnet, im Rollstuhl saß und für die letzten Jahre
ihres Lebens pflegebedürftig wurde.

3.2 3. Hörbsp. ... Raga Basanta (Tintal).


Die Stammhörer von „India meets Classic“ sind damit vertraut, dass in
unseren Sendungen und spezial features nur Original-Musik aus Indien
gespielt wird, die bei indischen Labels veröffentlicht wurde.
Für den folgenden Live-Mitschnitt eines Konzertes in Delhi wollen wir eine
Ausnahme machen. Die CD “The Voice of Tradition - Vocal Music from North
India” wurde 1991 beim deutschen Label Wergo/Spectrum veröffentlicht. Das
Tondokument ist auch Namensgeber unserer Sendung. Dieses Erstausgabe
wurde in 1999 wiederveröffentlicht, ist aber heute im Handel leider nicht mehr
erhältlich.
Der Frühlingsraga Basanta (o. Vasant) wird von Gangubai in einem 16er Beat
– Teental - gesungen, das sind eine Gruppe von 4x4 Schlägen.

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4.1 Gharanas... Kirana Gharana...


Gangubai Hangal wird auch als der „Vater des Khayals“ bezeichnet. Während
ihres künstlerischen Wirkens litt sie unter einer Krankheit, durch die sich ihre
Stimme aus den höheren Lagen zu einer tieferen, androgynen, fast
männlichen Stimme verwandelte. Dennoch gelang es Gangubai, mit diesem
ungewohnten Tembre dem Khayal eine neue, emotionale Tiefe zu verleihen.
Beim Publikum war sie damit äusserst beliebt.
Khyal, das bedeutet „Imagination“. Dieser Gesangsstil hat sich aus dem
Qawwali, aus der Sufi-Musik mit muslimischer Prägung entwickelt, im 17ten
Jahrundert am Hofe von Mohammed Shah Rangile (1719-1748). Der Khayal
gibt dem Musiker viel Freiraum für Improvisation und besitzt dennoch eine
klare Grundstruktur, entweder im langsamen Tempo, bada khyal oder als
chhota Khayl, im schnellen Tempo.
Gangubai ist dafür bekannt, dass sie den Khayal in langsamen Tempo
ausführte, Note für Note, dem wesentlichen Merkmal der Kirana Gharana,
eine der indischen Musikschulen.
Für den Khayal gibt es 13 verschiedene Gharanas. Die Kirana Gharana wurde
von Nayak Gopal im späten 17ten Jahrhundert entwickelt. Kirana ist ein Dorf
im Uttar Pradesh. Von hier stammt der bedeutendste Khayalvertreter des
frühen 20sten Jahrhunderts: Ustad Abdul Karim Khan (1872-1937). Karim
Khan selbst liess sich von Gestaltungsformen der südindischen Klassik
beeinflussen, von einer Ornamentik, mit der die Notation in wellenförmigen
Mustern verläuft.

4.2 4. Hörbsp. ... Raga Bageshree - Vilambit (Ektaal, 12er), Drut Teentaal (16er)
Gangubai Hangal wird uns nun den antiken Raga Bageshree, ein
Spätnachtraga in beiden Khayalformen zu Gehör bringen: bada khyal, im
langsamen Tempo, Vilambit mit Übergang zu chhota Khayl, im schnellen
Tempo Drut. Dabei wechselt auch die Rhythmik: von Ektaal, einem 12er- zu
einem 16er-Beat, Teental.
Die CD “Maestro's Choice Series One - Gangubai Hangal” wurde von Music
Today / Living Media India Ltd. In 1991 veröffentlicht.
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5.1 Gesellschaftliche Bedeutung...


Um dem Gesamtbild gerecht zu werden, das wir uns über Dr. Gangubai
Hangal mit dieser Sendung machen, muss erwähnt werden, dass es nicht nur
gesundheitliche Probleme waren, die sich in dem einzigartigen Klangbild ihrer
Stimme und ihrer Liebe für den Khayal in der Tradition der Kirana Gharana
wiederspiegeln.
Über viele Jahre litt Gangubai auch unter Existenzängsten und Geldknappheit.
Ihr Ehemann wurde nicht als Anwalt tätig, vielmehr verdingte er sich in
Spekulationsgeschäften und Gangubai musste die Gläubiger durch Verkäufe
ihrer privaten Habseligkeiten bedienen.
Gesellschaftlich war es in Indien zu jener Zeit höchst verpönt, sich als
Gesangskünstlerin den Lebensunterhalt zu verdienen. Gangubai liess sich
aber nicht beirren und machte trotz aller Schicksalsschläge aus ihrem Herzen
keine Mördergrube... und zeichnete sich durch ein sanftes, freundliches
Wesen aus, für das sie von allen bewundert und geliebt wurde.
In der geschichtlichen Bedeutung wir Gangubai als die einflussreichste
Künstlerin gesehen, die Frauen zur Emanzipation im indischen Gesang
verholfen hat.

5.2 5. Hörbsp. ... Raga Marwa - Khayal Vilambit (Ektaal, 12er Beat)
Es ist nicht verwunderlich, dass es nur wenige Aufnahmen von Gangubai im
Zusammenwirken mit weiteren Musikerkollegen gibt - entgegen dem
allgemeinen Trend, dass das Duett erfuhr. Das Jugalbandi erfreute sich seit
den 50er Jahren beim Publikum immer grösserer Beliebtheit.
Es braucht wohl eine herausragende Persönlichkeit mit viel Eigensinn und
ästhetischem Feingespür, um sich ebenbürtig der Hartnäckigkeit Gangubai’s
entgegenstellen zu können.
Eine solche ist der Sänger Amir Khan, selbst Begründer der Indore Gharana
und eine der einflussreichsten Grössen der nordindischen Klassik. Diese
Musikschule ist benannt nach dem Geburtsort von Amir Khan und der
Herkunft seiner Musikerfamilie, Indore, im Bundesstaat Madhya Pradesh
gelegen. Indore entwickelte sich ab 1715 zu einem bedeutenden
Handelszentrum der Region und zählt heute etwa 1.6 Mio. Einwohner.
Von Amir Khan gibt es bedeutende Aufnahmen des Ragas Marva. Diesem 6-
Ton-Raga fehlt die 5. Stufe, Pa. Vollständige Ragas bestehen aus sieben (7)
Hauptnoten.
Marva ist in seinem Stimmungsbild ein heroischer Raga von ruhigem,
kontemplativen Gemüte. Er wird bevorzugt zum Sonnenuntergang gespielt.
Die CD „Classical Vocal. Ustad Amir Khan & Gangubai Hangal“ wurde 1995
von The Indian Record MFG. (Co.Ltd.) auf den Markt gebracht.

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6.1 Ehrungen...
An der Karnatak Universität lehrte Dr. Gangubai Hangal als
Honorarprofessorin für Musik. Die Ausbildung des Nachwuchses ist ihr immer
ein großes Anliegen gewesen. So hat Gangubai neben vielen Konzerten auch
sehr häufig Schulen besucht, um Kindern die indisch-klassische Musik
nahezubringen.
Trotz all des heftigen Gegenwindes, der Gangubai’s Karriere entgegenschlug,
wurde schliesslich ihre Hartnäckigkeit und unkonventionelle Handhabung ihrer
Gesangeskunst belohnt.
Gangubai erhielt 4 Ehrendoktorwürden. Mehr als 50 Auszeichnungen wurden
ihr zugesprochen.
Dennoch muss Kritik geübt werden. In Indien widerfährt vielen
herausragenden Gesangsmeistern, männlichen wie weiblichen Künstlern
gleichermassen das Schicksal, dass ihnen die gesellschaftliche Anerkennung
erst in hohem Alter, das nicht selten von Krankheit und Gebrechen gezeichnet
ist, erteilt wird.
1971 erhielt Gangubai im Alter von 58 den Padma Bhushan, und erst 2002
den Padma Vibhushan, der zweithöchste zivile Orden Indiens. 2002 war auch
das Jahr, in dem bei Gangubai Knochenkrebs diagnostiziert wurde, den sie
nach 3 Jahren Behandlung erfolgreich überwinden konnte.
1996 wurde sie zum ständigen Mitglied der Sangeet Natak Academi ernannt.
Diesen Status an der National Academy for Music, Dance and Drama haben
bisher nur 30 Personen erhalten. 1973 wurde Gangubai von dieser höchsten
Einrichtung Indiens zur Bewahrung des kulturellen Erbes mit dem Sangeet
Natak Academi Award bedacht.
Mit dem Tod von Gangubai am 21. Juli 2009 rief die Landesregierung von
Karnataka eine 3-tätige Staatstrauer aus.

6.2 6. Hörbsp. ... Raga Jaijaivanti


Die Auszeichnung von Gangubai mit dem Padma Vibhushan wurde auch von
dem indischen Label ‚Music Today’ gewürdigt. Im Jahre 2006 ist auf der CD
Padma Vibhushan eine frühere Ausgabe zweier Ragas wiederveröffentlicht:
die Ragas Jaijaivanti und Bihag. Die Originalaufnahmen entstanden bereits
1991 bei Living Media India.
Wir spielen nun den Raga Jaijaivanti. Jaijaivanti existiert in zwei
Ausführungen, steht er in enger Beziehung zu dem vollständigen Nachtraga
Desh oder dem bereits gehörten Spätnachtraga Bageshree.
Die ältere Verwandtschaft zu Raga Desh ist die auch noch heute am weitesten
verbreitete Interpretation.

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7.1 Zukunft... Narayan Academy / Hangal Music Foundation ...


Wie ist es um die Zukunft des Khayals in der Tradition der Kirana Gharana
bestellt ? – Gangubai, der Rebell bleibt uns nicht nur in Tondokumenten
erhalten.
Am 17. Mai 2009, zwei Monate vor ihrem Ableben, hatte die „Stimme der
Tradition“ in Hubli die „Naryan Academy of Hindustani Classical Music“
eingeweiht. Ihr Enkel, Mahesh Hangal leitet nun diese Schule. Workshops und
Konzerte, die es bis dahin nicht in Hubli gab, sorgen für die Ausbildung des
musikalischen Nachwuchses mit herausragenden Gesangsmeistern in der
Traditoin der Kirana Gharana, wie Pandit Ajay Pohankar.
… und unter dem Dach der Hangal Music Foundation wird ein
Gedächtnispreis vergeben, als nationaler Award zur Auszeichnung von
Künstlern mit herausragenden Verdiensten um die indisch-klassische Musik
Die Einzelkategorie ist mit einem Preisgeld von 50,000 indischen Rupees
bedacht. In 2010 wird der Padmavibhushan Dr Gangubai Hangal Memorial
National Award an den herausragenden Sänger Pandit Bhimsen Joshi
vergeben. Bhimsen Joshi wurde diverse Male in unserer Sendung vorgestellt.
Er war selbst viele Jahrzehnte künstlerischer Weggefährte von Gangubai
Hangal. Auch Bhimsen Joshi hatte wie Gangubai Pandit Rambhau Kundgolkar
alias Sawai Gandharv als Lehrer bis 1940. Anders als Gangubai lebte
Bhimsen Joshi ganz in der Tradition der Lehrer-Schüler-Beziehung, Guru-
Shishya-Parampara, im Hause seines Gurus und war damit neben der
musikalischen Ausbildung für das Wohlergehen seines Lehrers zuständig.

7.2 7. Hörbsp. ... Raga Bihag


Zu den Beweggründen der Hangal Music Foundation sagte die auf
Völkerverständigung und Glaubenstoleranz bedachte Gangubai:
„Die Musik muss am Leben erhalten bleiben.
Es ist wichtig, eine lernendes Publikum zu erziehen.“
In dieser Sendung soll das letzte Wort die großartige Meisterin, der Vater des
Khayals nun aber in gesanglicher Form erhalten. „The Last Word in Hindustani
Vocal (part II)“ wurde als CD von dem indischen Label Music Today im
November 2009 veröffentlicht.
Raga Bihag, sehr häufig von Gangubai interpretiert, besitzt in der
aufsteigenden Skale 5, in der absteigenden Skala 7 Hauptnoten. Bihag wird in
der zweiten Hälfte der Nacht gespielt.

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8.1 Verabschiedung...
Dies war unsere Sendung „IMC – India meets Classic“ mit der Biographie
„Voice of Tradition“ zur nordindischen Sängerin Dr. Gangubai Hangal.
Vielen Dank fürs Zuhören.
Am Mikrophon verabschiedet sich Lothar J.R. Maier. - Und vielleicht bis zum
nächsten Mal. – Namaste.

8.2 Abspann...

Hinweise zu kommenden Sendeterminen entnehmen Sie dem Internetangebot Ihres


Radiosenders.

- Oder besuchen direkt die Website von IMC - India meets Classic:

www.imcradio.net
(Englisch: uu-uu-uu_dot_aiemciereidio_dot_net)
imcradio.net
(Deutsch: i em Ce Radio Punkt Net)
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Sie hörten die Sendung "IMC - India meets Classic" mit der Reihe "Raga CDs des
Monats".

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Tel.: +49-(0)40- 41431-2872 (Intern.: -2892)
Mobil: +49-(0)170- 882 81 76
Fax2eMail: +49-(0)180.5-999986-58919* (UMS)
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Authoren:
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