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Staldenried, 12.

Juli 2010
Freidenker Wallis Postfach 118 3922 Stalden

Valentin Abgottspon
Zur Kirche
3933 Stalenried

Dienststelle für Unterrichtswesen


z.Hd. Marcel Blumenthal

Termin für ein Gespräch bezüglich öffentlicher Schule und


Religion/Kirche

Sehr geehrter Herr Blumenthal

Ich möchte Sie bitten, mir einen Termin vorzuschlagen, damit wir uns über die
unten erwähnten Themen unterhalten können.

Wo finde ich die rechtlichen Grundlagen (Gesetz, Verordnung) zu


Schulmessbesuch (insbesondere während der regulären Unterrichtszeit)?
In vielen Schulzentren im Oberwallis (ich habe mich mit der Situation im Mittel-
und Unterwallis bis anhin noch nicht vertraut gemacht) scheinen Gottesdienste
während der regulären Unterrichtszeit besucht zu werden. Sollte das so
weitergeführt werden, bedarf es meines Erachtens mindestens einer
gesetzlichen Grundlage.
Ich weiss nicht, wie es an anderen Schulen der Stufe Sek. I im Oberwallis
aussieht, kann jedoch mitteilen, dass die Situation in Stalden (ich unterrichte
dort) wohl verfassungswidrig ist.
Mich interessiert freilich nicht nur die Situation in Stalden oder nur die Situation
auf der Stufe Sek. I, sondern die Situation an sämtlichen öffentlichen Schulen
des Kantons.

An nahezu allen (meinem Informationsstand nach sogar an einem


multikulturellen Ort wie Visp) Primarschulen wird während der Unterrichtszeit
(wöchentlich?) ein Gottesdienst besucht. Wie ist das geregelt, wo sind die
Entlastungen für die Lehrpersonen, ist das in der Stundentafel eingerechnet?

Wo finde ich die rechtlichen Grundlagen für Aufsicht und Aufsichtspflicht von
Lehrpersonen, wenn Schulen/Schulklassen z.B. anschliessend an den Unterricht
Gottestdienste besuchen? Es kann nicht angehen, dass dieses System einfach
durch "sanften Druck der Schulleitungen" funktioniert und keine rechltiche
Grundlage hat.

Hat es im Wallis Ihres Wissens nach bereits rechtliche Auseinandersetzungen zu


diesem Thema gegeben?

Freidenker-Vereinigung – die Stimme der konfessionsfreien Menschen in der Schweiz


www.frei-denken.ch/de/sektionen/wallis | wallis@frei-denken.ch | Postkonto:
Was geschieht mit einer Lehrperson, die sich weigert, Schüler z.B. in einen
Gottesdienst zu begleiten?
Inwiefern sind die Schulleitungen durch die Dienststelle zu diesen Themen
informiert worden?

Wie sind aktuell die Schulleitungen informiert über die rechtliche Situation
bezüglich Kruzifixen oder anderen religiösen Symbolen in Schulzimmern und in
Schulgebäuden? Haben Sie Kenntnis davon, in welchen Schulen noch Kruzifixe
hängen und in welchen nicht?
Ihnen ist die Berichterstattung während des Jahres 2009/2010 vielleicht auch
noch in Erinnerung. Es steht ein Entscheid eines europäischen Gerichts an,
dieser ist jedoch für die Schweiz nicht dermassen massgeblich, zumal es ja
bereits einen geltenden und gültigen Bundesgerichtsentscheid (BGE 116 Ia 252)
gibt, der eindeutig festlegt, dass in Schulzimmern keine Kruzifixe zu hängen
haben. (Siehe auch die Kampagne der FVS: http://www.frei-
denken.ch/de/2009/11/keine-religiosen-symbole-in-offentlichen-schulen/)

Einige Grundlagen findens Sie bei http://www.frei-denken.ch/de/2009/03/kt-vs-


staat-und-kirchen/ zusammengefasst.

Ich zitiere aus dem Gesetz über das öffentliche Unterrichtswesen vom 4. Juli
1962:

"Art. 28 Religionsunterricht
Der Religionsunterricht ist Teil des Programms der öffentlichen Schulen. Die
Schüler werden auf Grund eines schriftlichen Gesuches seitens der Eltern oder
des Vormundes durch den Klassenlehrer von der Verpflichtung befreit, diesen
Unterricht zu besuchen."

Wo finde ich weiter gehende Hinweise und Richtlinien zur Situation der vom
Religionsunterricht befreiten Schülerinnen und Schüler? Müssen sie während der
Lektion im selben Raum wie die restlichen Schüler verbleiben? (Dann wäre es
keine Befreiung vom Unterricht, sondern streng genommen fast nur eine
Notendispens und die Erlaubnis, nur teilweise mitzuarbeiten.) Sind sie bei einer
anderen Lehrperson unter Aufsicht? Wie wird diese Lehrperson entschädigt für
die Zusatzarbeit?

Situation an der Primarschule (zumindest an vielen Zentren der Seitentäler


scheint die Situation wie geschildert zu sein):
Das religiös-konfessionelle Ereignis der ersten Kommunion und der Konfirmation
erstreckt sich über viele Fächer und wird nicht strikte und ausschliesslich auf den
kofessionellen Religionsunterricht begrenzt. Beispiel: Im Werkunterricht wird an
der Altardekoration gearbeitet, im Musikunterrischt werden Gesang und
Instrumentalbegleitung für das religiöse Ereignis eingeübt, womöglich werden
auch in Mensch und Umwelt und im Deutschunterricht Themen behandelt, die
auf das Ziel dieses Rituals ausgerichtet sind. Dieser Zustand ist unhaltbar. In
diesem Bereich bedarf es wohl klarer Weisungen durch die Dienststelle/das
Departement.

Vielleicht wollen Sie sich kurz die "FAQ zur Konfessionsfreiheit an der
Volksschule" anschauen, die wir kürzlich zusammengestellt haben. Es betrifft im
Grossen und Ganzen die gesamtschweizerische Situation. Falls Sie Hinweise und
Korrekturen (spezielle Änderungen z.B. das Wallis betreffend) dazu

www.frei-denken.ch/de/sektionen/wallis | wallis@frei-denken.ch | Postkonto:


vorzuschlagen haben, wäre ich für eine Rückmeldung dankbar. http://www.frei-
denken.ch/de/2010/07/faq-zur-konfessionsfreiheit-an-der-volksschule/

Valentin Abgottspon

Präsident der Sektion Wallis


der Freidenker-Vereinigung Wallis

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