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So spannend kann Wissenschaft sein
Mit dem Erfolgsmodell Kinder-Uni erwerben sich Hochschulen und
Hochschullehrer viele Sympathien

Michael Seifert

Mit der Kinder-Uni erzielt eine Hochschule die größtmögliche Breitenwirkung und hohe Sympa-
thiewerte mit relativ geringem (finanziellen) Aufwand. Es ist also sinnvoll, Kinder-Unis durchzu-
führen. Im Beitrag wird aufgezeigt, warum gerade auch Professoren, denen die Kinder-Uni viel
Arbeit macht, davon profitieren. Sie erhalten hier Tipps für die Vorbereitung einer Kinder-Uni-
Vorlesung. Außerdem werden praktische Hinweise gegeben, wie man eine Kinder-Uni gründet und
organisiert. Die große Kinder-Uni-Vorlesung kann ergänzt werden durch Formate mit kleineren
Teilnehmerzahlen, in denen die Kinder selbst aktiv werden.

Gliederung Seite

1. Kinder-Uni ist# 2
2. Warum macht eine Universität so was? 3
3. Warum tut ein Professor sich das an? 3
4. Über den Stellenwert von Kinder-Uni im Bildungssystem 4
5. Warum kommt Kinder-Uni bei Kindern überhaupt an? 5
6. Verschiedene Konzepte 6
7. Wie gründet man eine Kinder-Uni? 7
8. Wie organisiert man eine Kinder-Uni? 8
8.1 Vorbereitung des Programms 8
8.2 Konkrete Vorbereitungsphase 9
9. Wie hält man eine Kinder-Uni-Vorlesung? 10
10. Kinder-Uni-Forschertag: In kleinen Gruppen aktiv werden 14
11. Faszination Kinder-Uni 15

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E 14.1 Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür?

Wissenschaft erlebbar machen

1. Kinder-Uni ist#

• … ein mit mehreren Hundert Kindern randvoll gefüllter großer


Hörsaal einer Universität;
• … ein Professor, der dieser Menge als „Löwenbändiger“ gegenü-
bertritt, vorbereitet wie noch nie auf eine Vorlesung, und versucht,
die Kinder mit einer spannenden Darbietung seiner wissenschaft-
lichen Disziplin mitzureißen;
• … eine Veranstaltung exklusiv für Kinder: Außer dem Professor
sind nur ganz wenige Erwachsene im Saal;
• … nach 45 Minuten: prasselnder Beifall durch Klopfen auf die
Tische, wie man es an der Uni macht, aber in einer Intensität und
Lautstärke, die einen schwindelig werden lässt.

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Bildnachweis: David Haas, Pressestelle Universität Tübingen

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Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür? E 14.1

Wissenschaft erlebbar machen

2. Warum macht eine Universität so was?


Sie hat doch gegenüber Kindern keinen Bildungsauftrag, Kinder-Uni
gehört nicht zu ihren gesetzlich festgelegten Aufgaben. Sie trägt ohne-
hin eine allseits beklagte Überlast, ihr Personal ist vielfach überlastet.

Sie bietet dennoch Kinder-Uni an, weil Gut für die Universität
• sie gegenüber der Gesellschaft eine Bringschuld hat, ihre Arbeit
öffentlich zu präsentieren;
• es ihr zentrales Anliegen sein muss, sich als offene, dialogbereite
Institution zu präsentieren und Berührungsängste abzubauen;
• sie sich in sonst nicht erreichbarer Weise Sympathien erwirbt sowie
neue Freunde und potenzielle Förderer;
• sie schon Kinder mit wissenschaftlichen Fragestellungen, wissen-
schaftlicher Arbeitsweise, dem Berufsstand "Wissenschaftler" und
der Lebensform Wissenschaft vertraut macht, Kinder, die einmal
den wissenschaftlichen Nachwuchs der Zukunft bilden werden;
• sie dadurch schon sehr früh potenzielles Studentenmarketing be-
treiben kann;
• sie Schwellenängste im Hinblick auf ein künftiges Studium abbau-
en und damit Information über Studienmöglichkeiten schon auf Er-
fahrungen in der Schülerzeit verankern kann.

„Mit der Kinder-Uni erzielt eine Universität die größte Breitenwir-


kung“ (Petra Giegerich, Pressesprecherin der Universität Mainz), da
die Veranstaltungen Generationen überspannend sind und Großeltern,
Eltern und Kinder gleichzeitig erreichen.

3. Warum tut ein Professor sich das an?


... obwohl eine Kinder-Uni-Vorlesung um ein Vielfaches mehr an Vor- Gut für die Professoren
bereitung benötigt als normale Vorlesungen. Fast alle Professoren, die
sich als Kinder-Uni-Dozenten betätigt haben, heben hervor,
• dass es eine einmalige, nie zuvor erlebte Erfahrung war, vor einem
derart begeisterten Publikum zu sprechen;
• dass auf die ungeheuerliche Herausforderung im Erfolgsfall auch
ein hohes Glücksgefühl folgt;
• dass die Überlegungen, wie Wissenschaft einem ganz anderen Pub-
likum zu vermitteln ist, auch zu einem völlig neuen Nachdenken
über die alltägliche Lehre und didaktische Praxis führt und Kinder-
Uni frischen Wind in die Universität bringt.

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E 14.1 Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür?

Wissenschaft erlebbar machen

Informationen zum Autor:


Michael Seifert, Jahrgang 1953, ist seit 1988 Pressesprecher der Universität Tübingen und war
vorher drei Jahre Vorstandsreferent bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Studiert hat er an
den Universitäten Bonn, Toulouse und Tübingen Germanistik und Romanistik. Er war Mitinitiator der
überhaupt ersten Kinder-Uni, die seither mehrfach ausgezeichnet wurde: u. a. mit dem PR Fuchs
2003 des Vereins ProWissenschaft, dem Descartes Prize for science Communication der EU 2005
und als „Ort der Ideen 2006".

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