Sie sind auf Seite 1von 4

I 2.1

Wege zu erfolgreichen Kooperationen

Josef Gochermann

I 2.1 Wege zu erfolgreichen Kooperationen Josef Gochermann Um den „richtigen“ Partner für ein FuE-Vorhaben zu

Um den „richtigen“ Partner für ein FuE-Vorhaben zu finden, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss man wissen, wo und wie man diesen Partner finden kann. Hierzu bedient man sich auch in der Dienstleistungswelt „Forschung“ klassischer Marketingmethoden und -instrumente, sowohl angebots- wie auch nachfrageorientiert. Zum anderen müssen Motivation und Ziel des möglichen Forschungspartners verstanden und seine Anforderungen und Erwartungen bekannt sein, man muss „in den Kopf“ des potentiellen Forschungskunden gelangen. Science- und Technologiemarketing liefern hier wertvolle Hilfestellungen.

Partnerschaften in der Forschung bedürfen Vertrauen und Verständnis, erfolgreiche Kooperationen laufen zumeist über Personen. Forschungsdienstleister sollten daher ihre Alumni pflegen, strategi- sche Partnerschaften bilden und sich in Netzwerken beteiligen.

Gliederung

Seite

1.

Partner und Kunden im Forschungsmarkt

2

1.1 Was heißt, den „richtigen“ Partner finden?

2

1.2 Verschiedene Player im Forschungsmarkt

2

1.3 Ziele und Erfolgsmaßstäbe

3

1.4 Erwartungen und Anforderungen von Forschungskunden

4

2.

Der Weg zur Partneridentifikation

6

2.1 Angebots- vs. Nachfrageorientierung

6

2.2 Schritte zur Partnerfindung

7

2.3 Science- und Technologiemarketing

9

2.4 Aufgabe und Leistungen der Transferstellen

10

3. Vertrauen und Kooperationen

12

3.1 Kooperation geht über Personen

12

3.2 Strategische Partnerschaften und Netzwerke

12

I 2.1

Transfer: Wie vermarkte ich meine Leistung?

Den richtigen Partner finden

1. Partner und Kunden im Forschungsmarkt

1.1 Was heißt, den „richtigen“ Partner finden?

Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften sind nicht nur geprägt vom gegenseitigen Nutzen. Wesentliche Faktoren sind Vertrauen und Kompetenz. Es reicht nicht aus, lediglich Angebot und achfrage zusammenzubringen. Es müssen sich echte Partnerschaften entwi- ckeln, kurzzeitig für ein Projekt oder langfristig. Dafür ist das Ver- ständnis für den Partner und das Verstehen seiner Ziele und Bedarfe von grundlegender Bedeutung.

Zum Finden des richtigen Partners sind zwei Ebenen zu betrachten, die Angebot- achfrage-Ebene, und die Vertrauen-Kompetenz-Ebene.

Klassisches Vorgehen:

Segmentierung von Märkten

Vertrauen aufbauen und Kompetenzen verbinden

Die erste Ebene wird aufgespannt durch die Bedarfe von Forschungs- nutzern an Lösungen, Technologien oder Produkten und dem Wissen der Forscher. Um diese beiden Elemente passend zusammen zu brin- gen, kann man sich der Elemente des klassischen strategischen Marke- tings bedienen: Segmentierung von Märkten, Identifizierung von Ziel- gruppen, Ermittlung von Bedarfen und Anforderungen, Gewinnung und Bindung dieser Kunden.

Die zweite Ebene erfordert weitere operative und strategische Elemente. Forschungs-Know-how ist ein sensibles Wissen, die Partner müssen einander kennen und vertrauen. Der Aufbau des Vertrauens erfordert Zeit und Öffnung. Zudem sind FuE-Vorhaben häufig komplex und viel- schichtig. Die unterschiedlichen Kompetenzen müssen sich daher er- gänzen. Gleichermaßen müssen aber auch kompatible Grundkompeten- zen vorhanden sein, um das Projekt gemeinsam schultern zu können.

1.2 Verschiedene Player im Forschungsmarkt

Im Forschungsmarkt tummeln sich viele verschiedene Anbieter und Nutzer mit unterschiedlichen Interessen. Dabei kann man unterschei- den zwischen Forschungsanbietern, Forschungsnutzern und For- schungsförderern. Die wichtigsten Beteiligten sind:

Forschungsanbieter: öffentliche und private FuE-Institute und -Einrichtungen, Universitäten, Fachhochschulen, Forschungs- dienstleister, staatliche Forschungsstellen, Technologie-Unter- nehmen (Spin-Offs), Konzernforschungsstellen u. v. m.

Forschungsnutzer: Technologie-Unternehmen, Industrieunterneh- men (Konsumgüter- wie Investitionsgüterindustrie), kleine und mitt- lere Unternehmen (KMU), staatliche Stellen, FuE-Institute und FuE- Einrichtungen, Organisationen, Privatpersonen (selten) u. v. m.

Transfer: Wie vermarkte ich meine Leistung?

I 2.1

Forschungsförderer: Staat, Länder und Ministerien, Europäische Union, Stiftungen, Unternehmen, Einzelpersonen u. v. m.

Für Forschungseinrichtungen und Know-how-Anbieter sind For- schungsförderer wie Forschungsnutzer Kunden in unterschiedlichen Märkten. Märkte sind gekennzeichnet durch Austauschvorgänge, bei- spielsweise Geld gegen Forschung, und durch Wettbewerb. In derarti- gen Märkten können Marketingmethoden und -instrumente erfolgreich eingesetzt werden.

1.3 Ziele und Erfolgsmaßstäbe

Die an der Forschung Beteiligten haben unterschiedliche Motivatio- nen, Zielsetzungen und Erfolgsmaßstäbe. Hierüber müssen sich beide Partner im Forschungsgeschäft im Klaren sein.

Den richtigen Partner finden

Kunden in

unterschiedlichen

Märkten

Motivationen, Zielsetzungen und Erfolgsmaßstäbe

Forscher und Wissensträger sind erkenntnisorientiert. Ihre Leistung definiert sich über die Neuheit der Erkenntnis und die Qualität des Ergebnisses. Je komplexer die gelöste Fragestellung, desto höher die Reputation. Die Denkweise von Forschern ist anders als die von Un- ternehmern!

Unternehmen sind problem- und ergebnisorientiert. Ihr Geschäftszweck ist nicht das Handeln mit Wissen und Erkenntnis, sondern mit Produk- ten und Dienstleistungen. Sie suchen keine speziellen Technologien oder Produkte, sondern Problemlösungen. Auf welche Art und Weise ihr Problem gelöst wird, ist nicht primär von der Qualität der technisch- wissenschaftlichen Lösung bestimmt, sondern von den Bedarfen ihrer Kunden und dem zu erzielenden Aufwand-Nutzen-Verhältnis. Wirt- schaftliche und andere Marktaspekte stehen im Vordergrund.

Forschungsförderer sind zumeist auftragsorientiert. Sie verfolgen ein von den Geldgebern vorgegebenes Ziel. Ihre Aufgabe ist es, die Mittel möglichst zielorientiert einzusetzen.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von For- schung und Anwendung ist das Zusammenpassen der unterschiedlichen Ziele und Vorgehensweisen. Bevor man eine Forschungszusammenar- beit angeht, sollte man die Ziele und die Erfolgskriterien festschreiben:

Beschreibung der eigenen Ziele der Forschungszusammenarbeit:

Was will ich erreichen? Wann ist die Zusammenarbeit erfolgreich? Was will ich auf keinen Fall?

Welche Ziele sollte ein Forschungspartner verfolgen, damit er zu meinem Vorhaben passt? Wann ist für ihn das Projekt erfolgreich? Welchen Nutzen zieht er aus der Zusammenarbeit?

Ziele müssen zueinander passen

Eigene Ziele mit Partnerzielen abstimmen

Transfer: Wie vermarkte ich meine Leistung?

I 2.1

Literaturhinweise

Den richtigen Partner finden

[1]

Baaken, Thomas (2007): „Science Marketing – ein innovativer Ansatz zur Wei- terentwicklung des Technologietransfers und zur erfolgreichen Drittmittelein- werbung“ in: TTN TechnologieTransferNetzwerk Hessen (Hrsg.): „Zukunftssze- narien des Wissens- und Technologietransfers zwischen Hochschulen und Wirt- schaft“ Bonn , S. 60-74. (ISBN 978-3-932306-85-3)

[2]

Frank, Andrea; Meyer-Guckel, Volker; Schneider, Christoph (2007): Innovati- onsfaktor Kooperation, Bericht des Stifterverbandes zur Zusammenarbeit zwi- schen Unternehmen und Hochschulen, Essen

[3]

Gochermann Josef (2004): Kundenorientierte Produktentwicklung, Marketing- wissen für Ingenieure und Entwickler, WILEY-VCH Verlag, Weinheim/Berlin

[4]

Gochermann, Josef; von Hagen, Friederike (2003): „Forscher als Dienstleister“, in: Mager, Birgit; Hamacher, Henderika (Hrsg.): Marketing und Kommunikation von Forschung, Köln, S.62-74. (ISBN 3-9808573-3-6)

[5]

Sydow, Jörg (1992): Strategische Netzwerke. Evolution und Organisation, Gabler Verlag, Wiesbaden

Informationen zum Autor:

Dr. Josef Gochermann verbindet seit Jahren die Themengebiete Marketing und Technologie auf unterschiedlichen Feldern. Der studierte Physiker leitete in der 90er Jahren ein selbständiges For- schungs- und Entwicklungsinstitut der angewandten Optik und Messtechnik, war Geschäftsführer eines kleineren High-Tech-Unternehmens und lehrte mehrere Jahre Technologiemanagement und Technologiemarketing an der Fachhochschule Münster. Heute bildet er unternehmensnah Studenten an der Berufsakademie Emsland aus und leitet als Geschäftsführer die Firma LOTSE GmbH.