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Die besten Köpfe gewinnen
Wie umwirbt man die besten Kandidaten für Wissenschaft
und Forschung?

Katja Simons

Der Beitrag gibt Ratschläge, wie man Kandidaten während eines Berufungsverfahrens betreut. Ein
zuvorkommender Umgang, die intensive Beschäftigung mit dem Kandidaten und eine transparente
Informationspolitik tragen ganz entscheidend dazu bei, wie die Einrichtung wahrgenommen wird.

Gliederung Seite

1. Anwerben von WissenschaftlerInnen 2


2. GAIN – German Academic International Network 5

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F 5.1 Zielgruppen im Visier: Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige?

Kampf um die besten Wissenschaftler

1. Anwerben von WissenschaftlerInnen


Der Dekan lädt zum Spargelessen ein, Mitglieder der Berufungskom-
mission erscheinen zum Frühstück, potenzielle Kollegen zeigen dem
oder der Kandidatin das Labor. Erkennen Sie solche Szenarien wieder?

Wie umwirbt man die Es gibt zahlreiche Empfehlungen zur Ausgestaltung von Berufungs-
besten Kandidaten? verfahren. Wir werden im Folgenden nur auf die Betreuung der Kan-
didaten während des Bewerbungsverfahrens eingehen. Wie umwirbt
man die besten Kandidaten für Wissenschaft und Forschung? Ein zu-
vorkommender Umgang, die intensive Beschäftigung mit dem Kandi-
daten und eine transparente Informationspolitik tragen ganz entschei-
dend dazu bei, wie die Einrichtung wahrgenommen wird.

GAIN GAIN (German Academic International Network) – das Netzwerk für


deutsche WissenschaftlerInnen in Nordamerika – hat in den vergange-
nen Jahren viele Forscherinnen und Forscher kennen gelernt, die sich
wünschten, dass ihnen die Berufungsverfahren in Deutschland in bes-
serer Erinnerung geblieben wären.

Berufungsverfahren Viele WissenschaftlerInnen haben in den USA positive Erfahrungen


in den USA mit Bewerbungsverfahren gesammelt, an deutschen Hochschulen hin-
gegen Verfahren erlebt, die verbesserungswürdig sind. Eine deutsche
Wissenschaftlerin, die mehrere Berufungsverfahren in den USA und
Deutschland kennen gelernt habt, hat das Erlebte eindrücklich fest-
gehalten: “Während der zwei Interviewtage in den USA ist der Be-
werber kaum eine Minute allein, der Terminplan ist eng gefüllt mit
halbstündigen ‚appointments’ und selbst zum Frühstück erscheinen
üblicherweise Mitglieder der Berufungskommission oder der Dekan,
um ‚Pancakes’ effektiv mit einem Informationsaustausch zu kombinie-
ren…Das nachhaltige Interesse einer Institution spiegelte sich einige
Tage nach dem Interview in einer Flut von Emails potenzieller Kolle-
gen wider, die versprachen, bei einer möglichen Wohnungssuche,
beim Hauskauf oder bei der Beantragung von Forschungsgeldern be-
hilflich zu sein” (Kuhl 2007).

Berufungsverfahren an An deutschen Hochschulen werden die Vorstellungstermine dagegen


deutschen Hochschulen oft sehr knapp gehalten, so die Erfahrung vieler WissenschaftlerInnen.
Die Fakultät nimmt sich nicht genug Zeit für den einzelnen Kandida-
ten und oftmals werden mehrere Kandidaten gleichzeitig eingeladen.
Häufig haben sie auch keine Gelegenheit, Einzelgespräche zu führen
und potenzielle Kollegen kennenzulernen oder gar die Räumlichkeiten
zu sehen. Viele Hochschulen versäumen es, das Bewerbungsverfahren
dafür zu nutzen, die Kandidaten zu umwerben und die Hochschule
von ihrer vorteilhaftesten Seite zu zeigen.

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Kampf um die besten Wissenschaftler

Literaturhinweise:

[1] Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Ausgestaltung von Berufungsverfahren


(Drs. 6709-05), 2005.
[2] Kuhl, Ellen: “The Final Countdown”. Die Stellensuche einer Juniorprofessorin –
ein Erfahrungsbericht”, in Lehre & Forschung 03/2007
[3] Die Junge Akademie (Giovanni Galizia und Julia Fischer, AG Wissenschaftspo-
litik): Konkurrenz und Kooperation - Zum Thema Berufungsverfahren in
Deutschland, 2005
[4] Centrum für Hochschulentwicklung (Prof. Dr. Tassilo Schmitt, Dr. Nina Arnhold
Magnus Rüde): Berufungsverfahren im internationalen Vergleich. Arbeitspapier
Nr. 53, 2004

Informationen zur Autorin:


Katja Simons leitet seit September 2003 die Gemeinschaftsinitiative GAIN beim Deutschen
Akademischen Austauschdienst (DAAD) in New York. Sie ist Ansprechpartnerin für deutsche
WissenschaftlerInnen in Nordamerika, organisiert Informations- und Diskussionsveranstaltungen für
sie, hält eine Webseite mit Datenbank am Laufen und gibt einen Newsletter mit aktuellen
Stellenangeboten und Entwicklungen im Hochschulwesen und der Forschungspolitik in
Deutschland/Europa heraus.
Vor ihrer Tätigkeit beim DAAD in den USA war Katja Simons wissenschaftliche Mitarbeiterin und
Lehrbeauftragte am Arbeitsbereich Stadt- und Regionalsoziologie an der Humboldt-Universität zu
Berlin. Sie hat an der Ruhr-Universität Bochum in einem Graduiertenkolleg zu "Industriellen
Ballungsregionen im Vergleich" am Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung (ZEFIR)
promoviert.

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