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MULTIMEDIA 2010

Eine Umfrage von Steffen Leidel und Marcus Bösch

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Man muss sich auch damit auseinandersetzen, dass es schlicht keinen nennenswerten
Markt für journalistische Multimediaproduktionen gibt. Jedenfalls nicht zur Zeit und auch
nicht in absehbarer Zukunft, dazu im überschaubaren deutschsprachigen Raum. Jungen
Multimediajournalisten etwas anderes zu suggerieren, wäre m. E. nicht in Ordnung.

Das hat Zeit-Redakteur Fabian Mohr Anfang Juli in einem Blogpost geschrieben.
Debattiert haben wir ob das stimmt, ob man es sich so einfach machen kann und / oder
sollte. Eine wirklich abschließende Antwort haben wir dazu nicht gefunden. Deshalb haben
wir die Frage weitergereicht an Menschen, die in Deutschland multimediale Produkte und
Projekte erstellen und vorantreiben - mit und ohne großes Medienunternehmen im
Rücken.

Verschickt haben wir einen kleinen Fragebogen mit folgenden Fragen:

• Name:

• Jobbeschreibung:

• Laufendes Projekt:

• Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

• Wenn ja, wie und wo und wie viel?

• Wenn nein, warum nicht?

• Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen? Warum?

• Was muss man als Multimediaproduzent können?

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Geantwortet haben:

• Seite 4: Volker Lannert und Benjamin O'Daniel (medialism.net)


• Seite 5: Multimedia-Produzent und Videojournalist Jörg Pfeiffer (joergpfeiffer.de)
• Seite 6: Videoproducer Frerk Lintz (folge-mag.com)
• Seite 7: Fotojournalist Uwe H. Martin Initiator (spillthebeans.de)
• Seite 11: Multimedia-Journalist Fabian Schweyher (fabian-schweyher.de)
• Seite 12: Simon Sticker (simonsticker.com)
• Seite 14: Sportredaktion FR Online Oliver Bechmann (bechmann.org/appl-z)
• Seite 17: Stefan Domke - freier Autor WDR.de (stefan-domke.de)
• Seite 19: Filmemacher Mirko Kubein (madeforfullscreen.typolis.net)
• Seite 21: Daniel Nauck (2470media.com)
• Seite 22: Matthias Eberl - Freier Journalist (rufposten.de)

Es zeigt sich: Das Feld des Multimedia-Journalimus ist weit und noch nicht einmal richtig
umrissen. Schon bei der Definition, was Multimedia-Journalismus überhaupt sein soll,
beginnen die Diskussionen. „Ich hab diesen Task die ganze Zeit schon hier herumliegen
und würde euch gerne helfen bei eurer Umfrage - aber ich habe insgesamt ein Problem
mit der ganzen Debatte“, schreibt beispielsweise Matthias Eberl. Seine kompletten
Ausführungen am Ende.

Hier unkommentiert alle Antworten. Als Denkanstoß. Als Inspiration. Diskutieren Sie mit
uns auf dem lab-Blog (http://training.dw-world.de/lab) oder bei Twitter: Marcus Bösch
@blogschau und Steffen Leidel @online_simple). Hashtag #mumi10

Köln, August 2010

Steffen Leidel steffen.leidel@dw-world.de


Marcus Bösch m@marcus-boesch.de

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Name: medialism.net , Volker Lannert und Benjamin O'Daniel

Jobbeschreibung: medialism.net konzipiert und produziert Audio-Slideshows und andere


multimediale Formate abseits ausgetretener Pfade für die Medienbranche, als
Auftragsarbeiten unter anderem für Wissenschaftseinrichtungen, Verbände, Stiftungen
und Unternehmen und in der Werbung.

Laufendes Projekt: Wir haben bisher sowohl im journalistischen als auch im PR-Bereich
Audio-Slideshows und andere Formate erstellt. Nun sind wir mit einer aktualisierten Seite
online gegangen. Neue Projekte gibt es immer aktuell auf unserer Homepage zu sehen,
das nächste Projekt ist in Vorbereitung und startet voraussichtlich im September.

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

Wir meinen: Ja. Es entwickeln sich gerade verschiedene, neuartige Geschäftsmodelle für
mediale Inhalte im Netz, über die sie ja auch regelmäßig berichten. Multimediale Produkte
von der größeren, gesamten Entwicklung abkoppeln und fragen, ob man damit Geld
verdienen kann - macht das überhaupt Sinn? So oder so: In welche Richtung es geht,
zeigt uns Mediastorm. Aber auch folgende Projekte aus der letzten Zeit finden wir
großartig: http://www.agirlstory.org/ (Finanzierung über Zuschauer) http://
prisonvalley.arte.tv/?lang=de (großes Spezial, bei dem sich der Aufwand lohnt) http://
californiaisaplace.com/cali/#scrapertown (einfach weil es so genial ist).

Wenn nein: Einfach nein sagen und finito: Das wär' ein bisschen langweilig, oder?

Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?

Die Frage ist doch weniger, ob sich einzelne Formate gegen andere durchsetzen. Für die
User gibt keinen Krieg der Formate. Die Frage ist vielmehr: Für welchs Thema und für
welche Zielgruppe passt welches Format am besten? Durchsetzen wird sich
wahrscheinlich eine Mischung aus allem.

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Was muss man als Multimediaproduzent können?

Den Mut haben, die Dinge einfach anzugehen. Die Kreativität besitzen, auf inhaltlicher und
technischer Ebene die Dinge neu zu denken. Faszination und Spaß daran haben.
Interessiert sein, Neues zu erlernen.

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Name: Jörg Pfeiffer

Jobbeschreibung: Multimedia-Produzent und Videojournalist

Laufendes Projekt: Reise-Specials für Spiegel Online (KM42, Pfeiffers Reisen)

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

Ja, aber es deckt gerade mal die Fixkosten.

Wenn ja, wie und wo und wie viel?

Fixkosten = Ehemals besetztes Haus in Kreuzberg + KSK + 100! Altersvorsorge + Handy


Flatrate + Spaghetti aglio e olio
Für alles darüber hinaus sind publizierte Multimedia-Formate gute Werbung.

Wenn nein, warum nicht?

Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?


Warum?

Das Durchsetzungsvermögen hängt natürlich mit der Massenkompatibilität zusammen und


da ist zur Zeit Video nach wie vor am stärksten.

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Aber wenn endlich TV und Internet eins werden und Herr Müller abends gemütlich mit
dem Bier vor der interaktiven Glotze sitzt, dann räume ich auch einer kollaborativen
Twitter-Facebook-Youtube-Audioslideshow echte Chancen ein.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

1. Inhaltlich:
Eine Geschichte finden und erzählen können.

2. Technisch:
Wo fängt Multimedia an? Film + Text? Foto + Ton? Dafür reicht iMovie.
Multimedia-Produktionen nach meinem Geschmack sprechen die Sprache des Netzes.
Dafür sind Programmierkenntnisse genauso wichtig wie Final Cut Pro.

3. Sich vermarkten können.

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Name: Frerk Lintz

Jobbeschreibung: Videoproducer

Laufendes Projekt: folge-mag.com

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

Ja.

Wenn ja, wie und wo und wie viel?

Gewerbliche Schnittmenge zwischen Film und Internet, Online Werbung. Vierstellige Euro
Beträge pro Auftrag, abhängig vom Umfang.
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Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?
Warum?

Ich hoffe, dass wir Formate haben werden, die man, egal ob in der Form einer App oder
einer halb geschlossenen Website, unbedingt haben muss – wie ein gutes Buch, und wir
so von den hysterisierenden News Websites wegkommen. Die Verlage sehen Online
größtenteils immer noch als Bedrohung an und trauen sich, ihren Mitarbeitern und den
Usern nichts zu. Wir brauchen mehr Dave Eggers, Tyler Brûlé, Jörg Koch, Vincent Moon
und Vice Magazine.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

Storytelling. Technik. Ästhetik. So in etwa.

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Name: Uwe H. Martin :: Spill The Beans!

Jobbeschreibung: Fotojournalist, Initiator Spill The Beans!

Laufende Projekte: Spill The Beans! arbeitet gerade an der Übersetzung der nächsten
Beiträge und der englischen Version unserer Seite.

Persönlich arbeite ich parallel an mehreren langfristigen Dokumentarprojekten.

1. Ich dokumentiere die sozialen und ökologischen Folgen des globalen Baumwollanbaus
mit den Medien Fotografie und Film. Die ersten vier Teile der Serie die am Ende aus
sechs bis sieben Teilen bestehen wird, habe ich seit 2007 in Zentralasien, Indien, Texas
und Burkina Faso umgesetzt. Da ich noch allein fotografiere und filme habe ich die Zeit
on location verdoppelt um eine hohe Qualität in beiden Medien zu erreichen. Im Schnitt
bin ich 6 bis 8 Wochen pro Region unterwegs.

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2. Daneben erweitere ich mein ursprünglich nur mit Fotografie und Audiointerviews
begonnenes Projekt über Menschen mit der Schlafkrankheit Narkolepsie durch
Filmaufnahmen.

3. Mit der Künstlerin Ursula Biemann organisiere ich ein künstlerisch-visuelles


Forschungsprojekt zu Ressourcengeografien, an dem neben Künstlern aus sieben
Ländern auch Universitäten aus Deutschland, Brasilien, England und der Schweiz
beteiligt sind.

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

1. klassische Medien und Verlage:

Aufwändige journalistische Projekte lassen sich nur in Ausnahmefällen über die


klassischen Verlage finanzieren. Das gilt allerdings nicht nur für multimediale Filme auf
ihren Webseiten, sondern ebenso für gedruckte Magazine und Zeitschriften. Um es mit
den Worten einer Bildredakteurin zu sagen:

Für die ZEIT arbeitet man nicht um Geld zu verdienen, sondern für das Renommee.“
Und Spiegel Online: „Wir haben leider für Fotografie kein Budget. Aber das ist doch
eine ganz tolle Werbung für Sie!“ Ist das so? - Jedenfalls gibt es genügend Kollegen,
die sich darauf einlassen und ihr Honorar selbst mitbringen. Deshalb wird sich hier
auch in Zukunft nichts zum Besseren wenden.

Aufwändige journalistische Produktionen müssen auch weiterhin quer finanziert


werden. Die einzelnen Teile einer Multimediaproduktion lassen sich in den jeweiligen
Medien Print, Radio und Fernsehen vermarkten. Voraussetzung dafür ist eine sehr
hohe Qualität in jeder der einzelnen Sparten.

Statt gut recherchierte aufwändige journalistische Multimediaproduktionen für wenig


Geld an die klassischen Verlage und Medien zu verkaufen (verschwenden?), sollten
Autoren selbst das Ruder in die Hand nehmen und ihre Projekte unabhängig
produzieren und veröffentlichen (z.B. die tollen Projekte zur
WM: Wintermärchen 2010 und Soccer For Life).

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Um hochwertige journalistische Multimedia Projekte aus aller Welt in Deutschland zu
zeigen haben wir die autorengeführte, unabhängige Plattform Spill The
Beans! gegründet. Träger der Plattform ist ein Verein von professionellen Fotografen,
Journalisten, Filmemachern und Bildredakteuren. Durch eine fünfköpfige Jury, die
durch den Verein und die auf der Plattform präsentierten Autoren gewählt wird, wollen
wir sicher stellen, dass eine gleichbleibend hohe Qualität gewährleistet ist. Je mehr
professionelle Mitglieder, Förderer und Sponsoren wir gewinnen, umso eher können wir
neue journalistische Multimediaprojekte durch Stipendien fördern.

Ein anderer Weg für Multimediaproduzenten liegt in sehr einfach, schnell und billig
produzierten Audioslideshows/Videos. Mit einem klaren Konzept, dass sich auf das
Nötigste beschränkt ohne in die Tiefe zu gehen und perfekter Organisation ist es
möglich mehrere Berichte an einem Tag zu produzieren. Wenn es dann gelingt, diese
schnell und nicht exklusiv parallel an mehrere Medien für je 200 bis 300 Euro zu
verkaufen, sollte sich davon leben lassen - ebenso wie von Schulfotografie und anderer
Fließbandarbeit.

2. Organisationen und NGO‘s:

Bei Hilfsorganisationen und Vereinen entwickelt sich ein immer stärkerer Bedarf,
interessant zu kommunizieren. In diesem Bereich sehe ich ein großes
Entwicklungspotential, weil sich die beauftragten Projekte nicht verkaufen müssen,
sondern als Teil der Kommunikationsstrategie angesehen werden.

Meine Narkolepsiereportage habe ich z.B. an einen Selbsthilfeverein verkauft, der


damit auf Ärztekongressen und Messen über die Krankheit aufklärt. Momentan
versucht der Verein Geld zu akquirieren, um die Reportage nicht nur im direkten
Kontakt, sondern auch im Web zeigen zu können. Das ist ein langsamer Prozess, aber
insgesamt sind so bisher etwa 3000 Euro zusammengekommen.

3. Unternehmen und PR

Gerade mittelständische Unternehmen, die sich keine aufwändigen Imagefilme


zusätzlich zu ohnehin benötigten Fotos leisten können sind potentielle Kunden für
Multimediageschichten.

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Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?
Warum?

Das Erzählen im Internet und auf neuen mobilen Geräten, wie dem I-Pad und I-Phone
steht ganz am Anfang seiner Entwicklung. Welche Formate sich durchsetzen werden ist
noch nicht absehbar. Wahrscheinlich wird es eine Vielzahl unterschiedlicher
Multimediaformate geben, von Audioslideshows (Curse of the Black Gold) über Stop
Motion Animationen mit Typografie (Airsick), komplexen Flashprojekten (For Want of
Water), bis interaktiven Erzählungen (Journey to the End of Coal) und beliebigen
Kombinationen aus allen diesen Formaten. Das Format sollte immer von der jeweiligen
Geschichte abhängen, nicht von Modeerscheinungen und dem Abgesang bestimmter
Formate, weil sie im Verwertungskontext etablierter Verlage nicht funktionieren.

Generell glaube ich, dass Autoren verstärkt in direkten Kontakt zu den Usern treten
werden und der Zwischenhändler Verlag unwichtiger wird. Es wird Festivals für
Multimediageschichten geben. Autoren werden Kinos und Stadthallen mieten und ähnlich
Diavorträgen live erzählen.

Große komplexe Projekte, die mit vielen Medien und deren Kombination arbeiten und
versuchen eine vielschichtige Welt abzubilden, einzuordnen und zu bewerten werden auf
vielen unterschiedlichen Märkten Aufmerksamkeit erreichen. Ein Teil dieser Produktionen
wird in Magazinen und Zeitungen, Radio und Fernsehen veröffentlicht, im Netz multimedial
zusammengefügt, im Kunstmarkt in Video- und Fotoinstallationen de- und rekonstruiert,
als Buch konzipiert und im wissenschaftlichen Kontext zur Generierung von Wissen
genutzt werden. Dabei wird erst das Projekt und dann der Produzent zur eigenständigen
Marke.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

Das Wesentliche hat sich nicht geändert: Die Fähigkeit eine gute Geschichte spannend
erzählen zu können. Dazu braucht man viel Neugier, ein waches Auge, Allgemeinbildung
und Interesse an den Menschen und der Welt.

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Technisch werden Multimediaproduzenten breiter aufgestellt sein und neben Fotografie,
Film, Interview- und Recherchetechniken auch Grundkenntnisse in Filmschnitt, Flash,
HTML, Musik und Infografik brauchen.

Ich glaube nicht, dass sich langfristig auf einem hohen Level die One-Man-Band
durchsetzen wird. Erstens sind die unterschiedlichen Fähigkeiten zu komplex, als dass ein
Autor in allen Gebieten Spitzenleistungen bringen kann. Zweitens ist dieses Model auch
nicht ökonomisch sinnvoll, weil Generalisten für die einzelnen Schritte zu viel Zeit
brauchen.

Deshalb werden sich Multimediaproduzenten vernetzen und sich je nach den


Anforderungen des Projekts flexible Teams zusammen stellen, in denen Fotografen mit
Journalisten, Filmern, Cuttern, Codern und Musikern zusammen arbeiten.

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Name: Fabian Schweyher

Jobbeschreibung: Online-Redakteur Augsburger Allgemeine, freiberuflicher


Multimedia-Journalist

Laufendes Projekt: Zurzeit keines, weil mit Recherchestipendium in Vietnam.

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das


Internet) in Deutschland Geld verdienen?

Mein Eindruck: Mit Online-Videos lässt sich Geld verdienen. Ob man damit ein
erträgliches Leben führen kann, ist eine andere Frage. Allgemein sind multimediale und
besonders höherwertige Produktionen kaum gefragt. Die Gründe: Sie erfordern einen
großen Zeitaufwand, die Kosten sind hoch und die erwartbaren Page Impressions sind
gering.

Wenn ja, wie und wo und wie viel?


s.o.

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Wenn nein, warum nicht?
s.o.

Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach durchsetzen?


Warum?

Videos werden weiter zunehmen. Das Format ist flexibel, die User sind es vom TV
gewohnt und die Menschen in den Marketingabteilungen schätzen es. Gleichzeitig eignen
sich immer mehr Redakteure Video-Kenntnisse an. Audio Slideshows werden eine
Spielform bleiben, jedoch in einer Nische. Multimedia-Pakete mit zahlreichen miteinander
verknüpften Inhalten haben sich nicht durchgesetzt.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

Auf den ersten Blick erschreckend viel: Video, Fotografie, Audio sowie Komposition und
Storytelling. Dazu Flash, Html und vielleicht noch Design. Allerdings hängt es von den
Arbeitsschwerpunkten ab, was man wirklich benötigt. Auch für eine Professionalisierung ist
das sinnvoll. Und in Multimedia-Teams sollten die Aufgaben sowieso entsprechend dem
Können der Mitarbeiter verteilt werden.

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Name: Simon Sticker

Jobbeschreibung: Photographie, Multimedia, Video

Laufendes Projekt: exploring Climate Change, von Dü backstage

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

Es ist schwierig, denke ich, selbst wenn viele Fotojournalisten es als Allheilmittel sehen.
Der Vergleich zu Video ist immer sehr nahe und bisher ist wenig passiert, was diese
Medien miteinander verbindet und die Vorteile wirklich und bewusst miteinander verbindet.
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Und in dem Moment, wo ich es verkaufen will, muss ich oft die Frage beantworten, warum
nicht gleich Video? Es wird noch etwas Zeit brauchen und ich glaube auch, dass der
wirkliche Mehrwert erkannt und anerkannt wird. Und wirklich Geld damit zu verdienen,
dafür braucht es denke ich im Nachrichtensektor auch ein gutes Konzept für die
Darstellung und wie man mit dem Internet Geld verdienen kann. Es ist zwar schön, wenn
eine Multimediageschichte irgendwo bei Spiegel online, TAZ und co läuft, aber solange es
nicht wirklich bezahlt wird, ist es kaum ein zukunftsträchtiges Konzept.
Andererseits ist bei meiner Arbeit mit NGOs, ein gutes Argument für Audioslideshows,
Multimedia & co auch, dass die Fotos auch anderweitig verwendet werden können, eine
NGO, die in der Regel kaum Geld für visuelle Dokumentation hat, den Content relativ
einfach transmedial nutzen kann. Da TV in der Regel nicht wirklich die Priorität ist, sind
Bilder da von höherem Nutzen.

Wenn ja, wie und wo und wie viel?

Es ist schwer wirklich konkrete Aussagen zu machen. Manche NGO Geschichten sind
auch durch Sponsoren, Fördermittel, usw. finanziert oder auch einfach Pro Bono. Ich
versuche in der Regel einen gewissen Tagessatz einzuhalten und nicht drunter zu gehen,
was nicht immer ganz einfach ist. Es hängt auch vom Kunden ab. NGOs liegen aber eher
am unteren Rand. Das meiste Geld verdiene aber ich nach wie vor mit Video oder Fotos,
weniger für Multimedia an sich.

Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?


Warum?

Ich glaube, wenn man Multimedia als Web-basiertes Medium betrachtet, wird sich die
Entwicklung auf zwei wesentliche Kerne konzentrieren. Zum einen, sehr naheliegend, in
der weiteren Verknüpfung von verschiedenen Medien, die sehr bewusst mit den jeweiligen
Stärken umgeht und diese bewusst einsetzt um die Geschichten zu erzählen. Nur weil
man auch Video kann, heißt das noch nicht, dass es immer Sinn macht. Genauso mit
Foto, Grafiken, usw. Wenn wir da einen hohen Standard erreichen werden Multimediale
Inhalte die Möglichkeit bieten Geschichten besser zu erzählen als es Video (als größter
Konkurrent) kann.
Der zweite Schritt in meinen Augen ist hin zur Interaktivität. Das Internet ist durch social
media, web 2.0, wie auch immer, deutlich interaktiver geworden. Es wird nicht mehr nur
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noch konsumiert, sondern vielmehr mit dem content interagiert. Diese Möglichkeiten kann
man bei einem Medium für das Internet wie Multimedia in meinen Augen vielfältig nutzen
und bietet unendlich Möglichkeiten die Geschichten anders zu erzählen. Und ich glaube
fest daran, dass in dem Moment, wo man den Nutzer vom reinen konsumieren
wegbekommt und aktiviert bewusste Entscheidungen zu treffen, wie er sich die
Geschichte erschließt, welche Teile spannend sind, welche nicht, wir auch ein höheres
Aufmerksamkeitslevel erreichen und damit ein tieferes Verständnis.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

Ja, das ist die große Frage. Ich glaube das wichtigste ist erstmal offen zu sein für neue
Entwicklungen. Multimedia wird auch nur ein weitere Schritt sein. In fünf Jahren werden
sich daraus vielleicht schon ganz andere Möglichkeiten entwickelt haben. Von der
technischen Seite muss man ein bißchen Jack-of-all-trades sein. Fotografie, Video, Audio
sind Grundvoraussetzungen, wenn man wirklich zukunftsfähig mit Multimedia arbeiten will.
Gute Editing skills jetzt mal mit eingeschlossen. Etwas Verständnis von HTML, Flash und
co schadet kaum, hängt aber auch etwas davon ab, wohin man es verkaufen will, welche
Größenordnung die Projekte haben, usw. Und natürlich als wichtigstes gute Storytelling
skills und ein klares Verständnis, wie ich die verschiedenen Medien für bestimmte Teile der
Geschichte einsetzen kann und wie es die Geschichte beeinflusst, bzw. weiter bringt. Was
auch eine gewisse multi-tasking Fähigkeit erfordert, wenn man immer wieder zwischen
den verschiedenen Medien hin und her switcht.

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Name: Oliver Bechmann

Jobbeschreibung: Online-Macher in der Sportredaktion der Frankfurter Rundschau. Die


FR hat im Zuge ihrer diversen Reformen die althergebrachte Online-Redaktion als
separierte Abteilung gegenüber den Print-Redaktionen abgeschafft und Mitarbeiter in die
klassischen Ressorts als Online- und Multimedia-Spezialisten integriert. Am Ende des
Prozess soll irgendwann mal die "konvergente Redaktion" (Uwe Vorkötters Diktum)
entstehen, bei der Redakteure & Reporter an Inhalten arbeiten und (andere) Redakteure
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über deren Verwendung und Platzierung (Zeitung, Online-Ausgabe, iPad-App etc)
disponieren.

In meinem Falle bestimmt mein persönliches Engagement und Knowhow in Sachen Foto,
Audio und Video, dass ich außer der Tätigkeit als Online-Macher (vergleichbar dem Print-
Macher/Blattmacher auf der anderen Seite des Schreibtisches im FR-Newsroom)
multimediale Inhalte erstelle.

Laufendes Projekt: Es gibt zwei wöchentliche, kontinuierliche Videokolumnen - beide zu


Eintracht Frankfurt bzw zu Bundesliga-, Champions League- und WM-Fussball. Einerseits
den "Volltreffer!" (zwei Fachredakteure diskutieren den Eintracht-/Bundesliga-Fußball des
vergangenen Wochenendes) und andererseits das "Waldstadion" (früher "Eintracht
aktuell"), bei dem ich den Livekommentar eines Redakteurs zur Vorbereitung der Eintracht
auf das kommende Bundesligaspiel, zu neuen Spielern, zu neuen und alten Ärgernissen
mit Szenen vom Training kombiniere.

Außerdem Foto / Audio / Video Stücke (je nach Schwerpunktsetzung) zum Ironman in
Frankfurt (möglichst auch zum Ironman 70.3 in Wiesbaden und möglicherweise zukünftig
auch zum Marathon Frankfurt).

Was ich nicht in der Online-Ausgabe der FR unterbekomme, findet häufig Verwendung im
von mir für die FR betriebenen Ironblog. Zusätzlich leiste ich manchmal "Amtshilfe" für die
Lokalredaktion Frankfurt - etwa bei einem Video über die Situation von Rollstuhlfahrern in
der Stadt - oder bringe dort eigene Projekte unter (Foto-Audio-Video-Kombi zur
Großmarkthalle, bevor diese für die EZB in Frankfurt umgebaut wird).

Wunschprojekt: Multimediale Sportlerporträts (in und um Rhein-Main/Hessen gibt's ne


Menge bekannter Sportstarts wie Sebastian Vettel, Timo Boll, Ariane Friedrich etc), sind
prinzipiell besprochen und abgesegnet - es fehlte bislang nur die Zeit (der Sommer war
bislang von einer Fußball-WM und einem FR-Relaunch dominiert).

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

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An Tageszeitungen jedenfalls nicht. Wenn man bedenkt, dass ein ambitioniertes
multimediales Projekt einiges an Knowhow und Einsatz gleichermaßen in Foto / Audio /
Video - sowohl bei Aufnahme wie Postproduktion - braucht, dann kann ich mir nur
schwerlich vorstellen, dass eine Tageszeitung (auch eine wirtschaftlich potentere als die
FR) in der derzeitigen ökonomischen Situation dafür das entsprechende Geld ausgeben
würde. Zumal, wie bei iso800 und anderswo diskutiert, die aufwändigen multimedialen
Projekte gerade bei Newssites schnell in irgendeiner weniger gut besuchten Ecke landen
und dann nicht mehr wahrgenommen werden.

Ausnahme möglicherweise: iPad-App. Die braucht attraktive Bewegtbildinhalte - die iPad-


Entwickler im Hause FR reißen mir derzeit geradezu aktuelle wie ältere Foto- u./o. Audio- /
u./o. Video-Inhalte aus der Hand.

Aber: Dass mein Arbeitgeber mir einiges an Spielraum für multimediale Inhalte gibt, hat
sehr viel damit zu tun, dass sie überwiegend rund um das Thema "Eintracht" kreisen, das
unglaubliche Zugriffszahlen bringt und wo daher klar ist, dass sich der Aufwand lohnt. Bei
weniger klickträchtigen Themen - ob Sport oder anderes Ressort - sieht das schon anders
aus.

Wenn ja, wie und wo und wie viel?

Wenn es ein "ja" geben sollte, dann nur bei den ganz Großen wie SpOn, Focus oder eben
bei NGO's.

Wenn nein, warum nicht?

Zu teuer, siehe oben.

Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?


Warum?

Vermutlich - leider - das pure Video. Ist halt gegenüber einem guten Multimedia-Stück aus
Foto + Audio + Video + Text (ganz zu schweigen von + Infografik + animierte Grafik) in
überschaubarer Zeit zu drehen und (post-)zu produzieren und damit auch zu
(re-)finanzieren. Läßt sich auch am leichtesten und einfachsten, weil in der Regel linear,
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konsumieren. Bei großen Multimedia-Stücken passiert es selbst mir als echtem Fan von
sowas, dass ich sie mir zurücklege für einen Moment mit mehr Muße - und der kommt
dann nie und das Stück versauert bei del.icio.us als Link-Tipp.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

Da liegt schon das nächste Problem: Der Einzelne als One-Man-Band stößt schnell a
Grenzen von Kompetenzerwerb und Zeiteinsatz. Multimedia müßte eigentlich im Team
produziert werden - wodurch das Ganze noch teurer wird.
Aber wenn man es schon als eierlegende Wollmilchsau versuchen (und sich dabei immer
mal wieder blamieren oder einen Job versemmeln) will, dann wohl Foto (solide
fotografieren können + Lightroom / Photoshop), Audio (ein Aufnahmegerät wie H4n o.ä.
beherrschen können plus Software wie Adobe Soundbooth - gut für schnelle brauchbare
Ergebnisse ohne endlos rumfummeln zu müssen ) und Video (Videoschulung notwendig;
ob Camcorder oder HDSLR lasse ich mal dahingestellt; ich komme ansonsten für die
relativ schnelle, Tagesnews-Produktion mit iMovie und Final Cut Express aus). Man muss
schon unglaublich Spaß an diesen Dingen und Geräten und dem Zubehör haben, um da
immer up-to-date zu bleiben. ;-)

Ansonsten natürlich das übliche journalistische: neugierig sein. Und das neue
journalistische: Storytelling bzw. Dramaturgie.

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Name: Stefan Domke

Jobbeschreibung: freier Autor WDR.de

Laufendes Projekt:
http://www.wdr.de/themen/kultur/360grad/kulturkanal/index.php

http://www.wdr.de/themen/panorama/loveparade_2010/hintergruende/360grad/index.php

http://www.wdr.de/themen/wissen/1/energie_der_zukunft/index.html

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Ab 20.8. (bis zum 24.8.)

http://www.wdr.de/themen/kultur/kulturhauptstadt_2010/ruhrtour/index.php

Ruhr Tour 2.0 , multimedial aufbereitete 6-Etappen-Kajak-Tour auf dem Kultuhauptstadt-


Gebiet der Ruhr. Mit Livevideostream einer Onboard-Kamera, Live-Geotagging von Fotos
und Standort via Bing, zusätzliches Blog.

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

Ja.

Wenn ja, wie und wo und wie viel?

Der WDR bzw. WDR.de setzt z.B. seit etwa 2 Jahren regelmäßig Soundslides ein, um
besondere Themen in einer vertonten Fotogalerie zu präsentieren. Davon ab gibt es
immer wieder Specials, die (z.B. gemeinsam mit externen Agenturen) umgesetzt werden.
Die Honorierung ist Projekt, Tätigkeits- und Aufwands-abhängig. Das Honorar orientiert
sich grob an diesen Honorar-Positionen:
http://www.freienseiten.de/wdr/wdr_honorarrahmen_internet.pdf

Wenn nein, warum nicht?

Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?


Warum?

Ist schwer zu prognostizieren, das technische Umfeld ist viel zu schnelllebig. Ich würde
kein Geld drauf wetten, dass es Flash in fünf Jahren noch so geben wird, wie wir es heute
gewohnt sind.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Kombi Text +Bild (+Ton) für bestimmte Formate im
Netz gegenüber der klassischen Fernseh-Kombi Bewegtbild +Ton (=Video) behaupten
wird.

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Aber auch die bei uns derzeit häufiger zum Einsatz kommende Streetview-Präsentation
könnte sich u.U. weiter verbreiten. Sie ist (eine leichtere und kostengünstigere Nutzung als
bisher vorausgesetzt) die ideale Plattform, um alle drei Varianten (Bild, Text und
Ton) gleichberechtigt zu präsentieren.

Für anspruchsvollere und komplexere Formate/Themen bzw. deren multimediale


Umsetzung wird es ihn Zukunft sicher noch mehr interaktive Elemente geben. Soll heißen:
Der User wird individuell steuern können, welchen Teilaspekt er innerhalb eines großen
Gesamtthemas vertiefend betrachten/anhören/lesen möchte.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

Doofe Frage. ;-)

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Name: Mirko Kubein

Jobbeschreibung: freier Filmemacher und Medienkünstler. Videoproduzent.


Videoredakteur.

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

Ja. Definitiv. Multimedial klingt hochtrabend. Bei mir sind es letztlich nur Videos, die ich
speziell für das Internet produziere. Aber Film ist an sich schon multimedial.

Wenn ja, wie und wo und wie viel?

Verlage und Agenturen bezahlen mich dafür. Mal besser, mal schlechter. Projektbezogen
und/oder als festen freien Mitarbeiter. Ich lebe in diesem Jahr ausschließlich und gut
davon.

Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?


Warum?
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Es wird nicht das EINE Format geben. Die jetzt existierenden Formen sehe ich als
Versuche und Zwischenstadien. Ich glaube weiter an das kleine Portrait. Die Mini-
Reportage. Den unkommentierten und ungeschnittenen "O-Ton". Dass man in einem
Video mit Text, Ton, Standfotos und Grafiken arbeiten kann, sind für mich keine neuen
internetspezifischen oder gar multimedialen Möglichkeiten. Die gibt es seit Jahrzehnten
und passen sich nur der jeweiligen Technik an. Auch das Thema DSLR ist für mich im
Moment nur eine Randdiskussion: Formen der Ästhetisierung dokumentarischer
Inhalte gibt es schon immer und schon immer ist es ein Drahtseilakt, bei dem fehlendes
Bewußtsein für die eingesetzten Mittel gefährlich werden kann.
Interessanter ist für mich der Gedanke der Kompilation verschiedener Videos, auch Fotos
und Texte zu einem Ganzen, um sich Themen zu nähern und sie greifbarer zu machen.
Auf der Ebene glaube ich auch an eine weiterführende Art der Multimedialität. Nicht die
abgeschlossene Geschichte muss entstehen, sondern eher aufbereitete, weiterführende
Spuren sollten gelegt werden. Der Sprung von digitalen in die analoge/haptische Welt
sollte dabei keine Grenze darstellen.
Daneben glaube ich weiterhin an Reduktion. Wir brauchen nicht MEHR multimediale-
hyper-interactive-flashy Inhalte, sondern weniger, aber dafür richtig gute. Nicht jedes
Ereignis oder Thema oder Portrait braucht "bewegte Bilder". Ein guter Text bleibt gut.
Interaktivität sehe ich noch als Marketing-Krücke. Es ist eher eine Aufgabe für Designer
und Programmierer und weniger für Produzenten, sich dafür perfekte Lösungen einfallen
zu lassen.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

"Multimediaproduktion" ist ein etwas aufgeblasenes Wort für mich. Als One-Man-
Filmmaker vereine ich automatisch diverse multimediale Fähigkeiten. Ich muss schreiben
können. Ich muss fotografieren können. Ich muss drehen können. Ich muss Ton
aufnehmen können. Ich muss schneiden können. Ich muss Ich muss diverse technische
Formate herstellen können. All das wird besser, wenn ich über ein breites ästhetisches,
medientheoretisches, technisches, kulturelles Wissen und ein hervorragendes Auge und
Ohr verfüge. Ich muss das Internet kennen und begreifen. Ich muss mich letztlich auch
verwalten können, das Business abwickeln. Das schaffe ich im Moment noch ohne
Facebook, Twitter, iPad und iPhone.
Sicher könnte man noch mehr können müssen: Apps und Webseiten programmieren,
Flash, Grafikanimation... Ich glaube aber nicht, dass ein "Multimediaproduzent" in allen
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Disziplinen selbst gut sein kann und muss. Im Moment haben wir, gemessen an den
Fähigkeiten, die wir, früher verteilt auf fünf gut bezahlte Leute, jetzt in einer Person
vereinen, immer noch eine unterbezahlte Randposition, weil der Markt erst wächst. Auch
deshalb und weil jeder Lücken in seinem Profil aufweist, sollten sich immer ein paar
Produzierende zusammentun, um sich zu ergänzen und zu unterstützen. Irgendwann
werden die einzelnen Aufgaben vielleicht auch wieder auf einzelne Spezialisten
ausdifferenziert und dann wird es wie im Filmbusiness, wo der Produzent zusammen mit
Autoren und "Handwerkern" eine große Story herstellt, und nur noch die Fäden
zusammenführt. Vielleicht...

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Name: Daniel Nauck

Jobbeschreibung: 2470media

Laufendes Projekt: s. http://2470media.com

Kann man mit multimedialen Produkten (audio-visuelle Inhalte für das Internet) in
Deutschland Geld verdienen?

Zukünftig sicher, jenseits des Journalismus wird es eine verstärkte Nachfrage geben!
Freie Journalisten werden es aber schwer haben. Da helfen nur die Vernetzung
untereinander und Leitmedien als Kooperationspartner. Wir folgen unserer Berufung;.)

Wenn ja, wie und wo und wie viel?

Das muss jeder für sich rausfinden. Es gibt zahlreiche Wege.

Wenn nein, warum nicht?

Das kann ich nicht beantworten.

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Welche Multimedia-Formate werden sich - Ihrer Meinung nach - durchsetzen?
Warum?

Alle. Der Bedarf wächst. Von der Audioslideshow als Einstiegsmodell bis hin zu
aufwändigen Multimediareportagen und Webseiten/webdocumentaries.

Was muss man als Multimediaproduzent können?

Eigentlich zuviel, als das eine Person das stemmen kann. Der Nachfrage nach billigen
Inhalten sollte man nur nachgehen, wenn man/frau sich ausbilden lassen möchte.
Multimedialeute sind keine VJs !

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Name: Matthias Eberl

Ich glaube, das Problem ist, dass diese Debatte zwei Dinge miteinander vermischt, die
nichts miteinander zu tun haben. Einerseits sind da unsere Versuche, mit dem einen oder
anderen Medium journalistisch zu arbeiten und dann ist da ganz allgemein die
systemische Schwierigkeit des Journalismus, seine Produkte online zu Geld zu machen.

Diese zwei Dinge kommen natürlich in jedem von uns zusammen: Lohnt es sich, in das
Medium Audioslideshow (oder Onlinevideo) einzusteigen? Aber diese Frage kann man nur
in Bezug auf einen konkreten Fall beantworten. Die finanzielle Lage, die Wünsche und
Erwartungen gegenüber dem Beruf, die Ausbildung und das bisherige Portfolio, das
Können und die Reputation, mögliche Nebenerwerbsmöglichkeiten (und die damit
zusamenhängenden ethischen Probleme in Bezug auf NGOs wie im Beitrag von Fabian
Mohr), das Alter und vor allem das benötigte Geld (und damit das ganze Lebensmodell)
spielen hier eine Rolle. Man kann soetwas besprechen - aber nur im konkreten Fall. Sonst
wäre es, wie wenn man allgemein klären wollen würde, ob die Festanstellung oder die
freiberufliche Existenz das bessere Modell, ob man von Musik leben kann oder ob es klug
ist, vorderasiatische Archäologie zu studieren.

Wenn man allgemein diskutieren möchte, dann könnte man sich überlegen, wie die Audio-
Slideshow oder andere Medien im Onlinejournalismus funktionieren könnten, wie man mit
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ihnen erzählt, welche Genres und Formate damit möglich sind, ob sie beim Rezipienten
angenommen werden und wie Verlage oder privat betriebene Plattformen damit Geld
verdienen können. Das Interesse ist da (auch bei den Verlagen) und wer die Leidenschaft
für den Onlinejournalismus mitbringt, der kann mit ein bisschen Mut und klugen Ideen hier
sicher vieles bewegen (und auch verdienen). Wo der eine keinen Markt sieht, hat ein
anderer vielleicht sein Auskommen und ein dritter schafft einen Markt, wo es vorher keinen
gab.

Diese Frage - ob es sich lohnt - muss also jeder für sich nach seiner eigenen Situation und
Perspektive entscheiden, ob Verlag, Chefredakteur oder Freiberufler.

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