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Masterarbeit

von Mascha von Berg

Thema:

Eine Treppe zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein

Diese Masterarbeit ist der Beziehung zwischen dem Bewusstsein und dem Unterbewusstsein gewidmet.

1.

Einleitung

Die vorliegende Masterarbeit untersucht Beziehungen zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Sie zeigt eine Möglichkeit auf, die Beziehung zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein zu verbessern und vorhandene Potentiale zu erkennen und nutzbar zu machen. Dass es das Unterbewusstsein gibt, ist spätestens seit Sigmund Freud weit verbreitet und gilt als allgemein anerkannt. Nach Freud (1856-1925) gibt es unbewusste, vorbewusste und bewusste Inhalte der Psyche. Vorbewusste Inhalte können jederzeit leicht zugänglich gemacht werden. Die unbewussten Inhalte sind schwer zugänglich, vor allem da durch Widerstände der Zugriff darauf verwehrt wird. Die Bewusstmachung und Auseinandersetzung mit diesen unbewussten Inhalten ist Gegenstand therapeutischer Sitzungen in der Psychoanalyse.

Carl Gustav Jung (1875-1961) erweiterte das Konzept des Unbewussten hauptsächlich um das kollektive Unbewusste mit Inhalten aus der Mythologie. Nach Jung ist dieses angeboren und allen Menschen gemeinsam. Jung nimmt an, dass die ins Bewusstsein kommenden psychischen Elemente nach kollektiven Urbildern bzw. Grundmustern (Archetypen) zu Bildern geordnet werden. Die Psyche beschreibt Jung als selbstregulierendes System, in dem sich Bewusstsein und Unterbewusstsein zueinander kompensatorisch verhalten, während die Grenze zwischen beiden in bestimmtem Ausmaß verschiebbar ist. Das Bewusstsein wird von Jung in unterschiedlichen Bildern dargestellt. Zum Beispiel als eine Haut über einem ausgedehnten, unbewussten Gebiet mit unbekanntem Umfang oder als eine Kugel, deren bewusster Teil aus dem Wasser herausragt.

Im Gegensatz dazu beschreibt Alfred Adler (1870-1937) in seiner „Individualpsychologie“ den Menschen als unteilbare Einheit. Adler betont hier die Ganzheit und vermeidet eine Unterteilung der Psyche.

Friedemann Schulz von Thun wiederum spricht vom inneren Team (Miteinander reden 3- Das innere Team und situationsgerechte Kommunikation, 2006). Er verwendet unter anderem die Metapher der inneren Mannschaftsaufstellung, die je nach Situation bestimmte Stammspieler auf den Plan ruft. Zusätzlich verwendet er das Bild der inneren Bühne, auf der es Hauptdarsteller, deren verdeckte Antipoden, Souffleure usw. gibt. Das heißt, er unterscheidet bewusstere, weniger bewusste und unbewusste Persönlichkeitsanteile.

Ein Modell des Neurolinguistischen Programmierens, kurz NLP, arbeitet ähnlich. Hier wird bei verschiedenen Interventionen das Teilemodell zu Hilfe genommen (s. Susanne Haag, Klaus Grochowiak- Das Arbeitsbuch zur Practitioner Ausbildung NLP, 2003). Zum Beispiel kann als therapeutische Technik einem körperlichen Symptom ein dafür verantwortlichen Teil in uns zugeordnet werden. Mit diesem Persönlichkeitsanteil wird dann gezielt gearbeitet.

Spannend bleibt dabei die Frage ist das Unterbewusstsein Freund oder Feind, Verbündeter oder Unruhestifter? Es ist auf jeden Fall nicht bewusst und das könnte zu zwei extremen Vorannahmen führen. Für manche ist es vielleicht der Schatten im Verborgenen, unergründlich, das Tier in uns, unkontrollierbar, kurzum das beängstigend Unbekannte. Getreu der Mundart: „Was der Bauer net kennt, frisst er net.“ Der ein oder andere könnte es aber auch als Quelle von unermesslicher Kreativität, Wissen, Energie, Instinkt und vielem mehr sehen.

Für welche dieser zwei zugegebenermaßen extremen Sichtweisen würden Sie sich lieber entscheiden? F. Schulz von Thun drückt es so aus: „Wenn wir aber erst erkannt haben, dass es keine Ausnahme, sondern eine menschliche Regel ist, dass mindestens zwei Seelen (und meist viel mehr) in unserer Brust wohnen und dass das Durchschauen der daraus resultierenden inneren Gruppendynamik, verbunden mit der Fähigkeit zu einer inneren Teambildung, eine große Quelle von Kraft und Klarheit darstellt, dann lohnt es, sich mit diesem Stück Menschenkunde näher zu befassen.“

Der kurze Einblick in die theoretischen Modelle und Ansichten, die den Aufbau der menschlichen Psyche beschreiben, hat das Ziel, diese mit dem eigenen Modell zu vergleichen und dieses bei Bedarf individuell anzupassen. Ganz nach der NLP Vorannahme „wenn etwas nicht funktioniert, probier etwas anderes“. Eine andere Vorannahme ebenfalls aus dem NLP ist, dass hinter jedem Verhalten eine positive Absicht steckt (Vorannahmen des NLP s. S. Haag, K. Grochowiak-Das Arbeitsbuch zur Practitioner Ausbildung NLP, 2003) Mit dieser Kenntnis wäre also eine gesunde Basis für einen harmonischen Umgang mit dem Unterbewussten geschaffen. Dennoch kann es sinnvoll sein, eine bewusste Linie vorzugeben, um die Frage zu beantworten: „Who drives the bus?“ Eine Möglichkeit ist der Vergleich der inneren Gemeinschaft mit den Angestellten einer Firma. In einem Unternehmen spielt nicht nur die Führungsebene eine Rolle, sondern auch die Mitarbeiter. Auch hier werden immer mehr Einflussfaktoren auf den Erfolg in den Fokus der Betrachtung gerückt. Betrachtet man zum Beispiel das TQM (Total Quality Management) geht es darum, in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess unter Einbeziehung aller Ressourcen zum Ergebnis zu kommen. Das heißt, das Unternehmen ist die Gesamtheit aller Mitarbeiter und je höher die Motivation der Mitarbeiter, desto besser das Ergebnis. In einem Unternehmen jedoch können unliebsame Mitarbeiter entlassen werden. Im Gegensatz dazu ist die Entlassung des Unterbewusstseins eher unwahrscheinlich. Eine pathologische Abspaltung soll hier außer Acht gelassen werden. Unser Unterbewusstsein gehört zu uns, ob wir wollen oder nicht. Unsere innere Gemeinschaft ist ein komplexes Hochleistungsunternehmen, bei dem sich immer nur ein Teil bewusst betrachten lässt. Was glauben Sie welchen Wert es für ein Unternehmen hat, wenn alle Mitarbeiter hochmotiviert und fokussiert auf ein Ziel zusteuern, Konflikte gemeinsam in einem kontinuierlichen Verbesserungskonzept gemeistert werden und gegenseitige Unterstützung selbstverständlich ist. Wie werden wohl die Ergebnisse in so einem Unternehmen sein?

Eine Treppe zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein

Format 1. Runde

Schritt 1

Einleitungsworte, Rapport herstellen

Einführung einer Treppe als Symbol für die Verbindung zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein

Schritt 2

Beziehungsabfrage und Ökocheck

Fragen an das Bewusstsein:

Wie schätzt du (als Bewusstsein) auf einer Skala von 0 bis 10 Dein Verhältnis zu deinem Unterbewusstsein ein?

- 10 bedeutet effektive Kommunikation und gute Zusammenarbeit

- 0 schlechte Kommunikation und keine Zusammenarbeit

Öko Check

Möchtest du dein Unterbewusstsein besser kennen lernen und das Verhältnis zu ihm verbessern?

Fragen an das Unterbewusstsein:

Überprüfung des Verhältnisses zum Bewusstsein (Skala 0-10, s. o.)

Öko-Check

Wenn ja weiter im Format, sonst Ressourcen kreieren:

Wenn keine Kommunikation zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, zustande kommt, dann zur Problembehandlung 1,2,3-Position mit Bewusstsein, Unterbewusstsein und Metaposition oder alternative Behandlung. Anschließend zurück zu Anfang von Schritt 2.

Schritt 3

Elizitieren und Verändern der Treppe zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein

Elizitieren der Treppe:

- am Anfang (evtl. „Raum“ vom Bewusstsein)

- beim Stufengehen, besonders in der Mitte der Treppe

- am anderen Ende (evtl. „Raum“ vom Unterbewusstsein).

Vertiefende Fragen:

- Möchtest Du die Treppe, die Eure Verbindung darstellt, verändern? (Besonders die Art der Treppe, wie Material und Breite der Stufen, Breite der Treppe generell, Licht oder Dunkel, Anstellwinkel der Treppe)

- Möchtest Du an den Räumen von Bewusstsein oder Unterbewusstsein etwas ändern?

Schritt 4

Vereinbarung gemeinsamer Kommunikation

Möchtet ihr, Bewusstsein und Unterbewusstsein, eine Vereinbarung treffen, öfter miteinander zu kommunizieren („Teamsitzung“), wenn ja wie oft und mit welchem Signal?

Schritt 5

Future Pace

Schritt 6

Abschließende Bewertung

- Befragung des Bewusstseins und Unterbewusstseins, ob und wie sich das Verhältnis verändert hat.

- Danksagung und Würdigung aller Beteiligten (wichtig auch zwischendurch).

Format 2. Runde (ca. 4 Wochen nach 1.Runde)

Schritt 1

Bestandsabfrage

- Wiederholung des Ergebnisses vom letzten Mal

- Abfrage von eventuellen Veränderungen und des Ist-Zustandes:

Wie ist es dir damit ergangen? Hat sich etwas verändert, vielleicht auch am Verhältnis zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein? Wie sieht die Beziehungsskala für beide im Moment aus? Habt ihr eure Teamsitzung gemacht? u.s.w.

Schritt 2

Führungsstil

- Gibt es eine Führungsposition oder ein Oberhaupt, d. h. jemand der für die Koordination deiner Unternehmungen zuständig ist und wer ist das?

- Wo ist die Führungsposition untergebracht?

- Wie ist der Führungsstil in dieser Gemeinschaft? Erklärung der zwei extremen Führungsstile diktatorisch und laissez faire und dem Bereich dazwischen.

Ökochek:

Wollt ihr daran etwas verändern?

Schritt 3

Beziehung zu anderen

- Was ist um euer „Haus“ herum, wie sieht euer Gebiet aus, wo fängt das Gebiet von anderen an (eventuell aus der Vogelperspektive)?

- Wie seid ihr mit anderen verbunden?

- Habt ihr einen Übergangsbereich, Grenzbereich?

- Wie unterscheidet ihr, wen ihr rein lassen wollt und wen nicht?

Ökocheck:

Wollt ihr daran etwas verändern?

Schritt 4

Abschließende Bewertung

- Wollt ihr daran etwas verändern?

- Hat sich dadurch die Beziehung zwischen Euch weiter geändert, wie sehen die Skalen jetzt aus?

- Wollt ihr abschließend noch etwas vereinbaren, zum Beispiel bezüglich eurer Teamsitzung?

Schritt 5

Future Pace

3.

Ergebnisse der praktischen Arbeit

3.1. Klient 1

3.1.1. Formatrunde 1

Das Bewusstsein und das Unterbewusstsein des Klienten gaben beide Ihr Einverständnis zum Anschauen der Treppe. Das Bewusstsein schätzte das Verhältnis auf 8-9 und das Unterbewusstsein auf 6. Die Treppe wurde als gerade und nach unten führend beschrieben. Die Stufen waren breit und das Ende der Treppe leicht sichtbar. An der seitlichen Wand rechts und links waren lauter Nischen mit Figuren darin. Ein Handlauf und Treppenstufen aus Stein waren zu erkennen. Oben war ein Fenster wodurch Licht nach unten in den Raum fiel, dessen Türen und Wände mit dunkelrotem Samt ausgeschlagen war. Der Klient wollte die Treppe gerne verschönern. Er gestaltete tiefere Stufen und machte den Anstellwinkel der Treppe flacher. Dadurch wurde es Ihr möglich, direkter nach oben zu schauen. Hier wurde es automatisch hellblau und Stuck wurde an der Decke sichtbar. Die Art der Fenster änderte sich und diese stellten jetzt den Ausblick auf die Zukunft dar, der dadurch frei war. Es entstand der Wunsch, die Nischen zu sehen. Auf der rechten Seite waren zwei, auf der linke Seite 4 Nischen mit jeweils Figuren darin. Die Statuen oben waren leichter und aus weißem Marmor, die nächsten aus Gold und die unteren aus noch wertvollerer Jade. Auf die Frage für was das wichtig sei, bekam der Klient zur Antwort, dass die Figuren die folgende Bedeutung unterstützen. Wertvoller für den Klienten gleichzusetzen mit reicher an Erfahrung, Wissen, eigentlich an allem, d. h. „je tiefer, desto wertvoller“. Erfahrung und Wissen war dem Unterbewusstsein leichter zugänglich und jetzt wurde ein leichterer Austausch mit dem Bewusstsein möglich. Das Bewusstsein wollte als nächstes wissen, was hinter den Türen ist und hatte gleichzeitig Angst vor der Gefahr sich in der Unendlichkeit der Räume zu verlieren. Die Lösung bot das Unterbewusstsein mit Hilfe von Informationsboten, die die Treppe hoch und runter laufen und Botschaften vermitteln. Mit deren Hilfe sollten die Räume nacheinander angesehen werden und damit die Menge der Informationen begrenzt werden. Zusätzlich wurde unten ein Raum mit einer Rundbank zum zusammensetzen kreiert. Es kam der Vorschlag, sich auf einer Vertrauensbasis auf einen inneren Dialog einzulassen und sich dabei besser Zeit zu lassen. Dann sollte der Klient auch Antworten auf die Fragen bekommen, die das Bewusstsein stellt und durch diesen Austausch sollte ein Gefühl von Reichtum, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit entstehen. Das brachte den Klienten zu der Aussage: „Das führt mich dann wieder ein Stück weiter und ich brauche mein Umfeld weniger und habe gleichzeitig mehr Wissen zur Verfügung.“ Die Rundbank wurde noch zu einer Nische mit Rundbankdivan umgebaut. Das Bewusstsein wollte auch ein Gegenstück im oberen Raum, dort sind jetzt deckenhohe Türen nach draußen, dieser Raum ist voll mit altmodischen Sofas und in der Mitte des Raumes geht ein runder Aufzug direkt in den abgeschotteten Konferenzraum. Es wurde pro Woche ein Austausch ausgemacht und vereinbart, am Abend zu schauen, ob Post da ist. Für das Unterbewusstsein war es wichtig unten die Räume Stück für Stück anzuschauen, auch als Thema bei den Konferenzen. Nach den Vereinbarungen kam plötzlich ein großer Raum für Kreativität dazu. Das Verhältnis zueinander wurde abschließend von beiden auf 9 geschätzt. Alles andere wurde auf die zweite Formatrunde vertagt und ausgemacht, bis dahin zu üben.

3.1.2.

Formatrunde 2

Die zweite Formatrunde begann mit Einschätzung des Verhältnisses von Unterbewusstsein zu Bewusstsein und umgekehrt auf eine 8-10 abhängig von der jeweiligen Situation. In der Zwischenzeit waren weitere Räume dazu gekommen. Wie ein Behandlungsraum mit „innerem Heiler“, in dem Utensilien zu erkunden waren oder auch einer Bibliothek mit Büchern, in denen die Antworten auf gestellte Fragen standen. Das Haus ging bis zu einer Glaskuppel nach oben, die bei Bedarf zum Universum hin zu öffnen war. Wichtig war jetzt „eine Zwischenzone“ in der Mitte der Treppe, die von Bewusstsein und Unterbewusstsein bei Bedarf aufgesucht wurde, um von dort aus nach Erlaubnis für den Zutritt zu fragen. Keiner von beiden wollte für „selbstverständlich genommen“ werden.

Teamsitzungen wurden fast jeden Abend im Konferenzzimmer abgehalten. Der Führungsstil, der zuerst extrem laissez faire gewesen war, hatte zu der Erkenntnis geführt : „Nichts läuft von allein“. Deshalb wurden jetzt strikte Anweisungen gegeben, die vorher in einem Gespräch ausgehandelt wurden. Wichtig war dabei diese Anweisungen wie ein neues Konstruktionspapier zuerst an alle Abteilungsleiter und dann der inneren Hierarchie nach weiterzugeben. Auch auf die Art des Einhaltens der Anweisungen sollte geachtet werden und das ohne extreme Kontrolle, sondern mit Hilfe guter Kommunikation und „für jeden so wie er es braucht“.

Außerhalb des Hauses befand sich ein großer Park, der eine Pufferzone zur Straße hin darstellte, auf der „das äußere Leben“ stattfand. Dieser war von einem Gartenzaun mit großem Eingangstor umrandet. An der Rückseite des Hauses ging ein Privatweg ins dazugehörige Gebirge, wo Treffen mit Helfenden stattfanden. Im Park selbst gab es noch eine Art kleines Dorf mit Häusern für Seminare und Gespräche mit anderen. Es gab Wächter, die darauf achteten, dass keiner das Gartentor durchschritt, der nicht willkommen war. Hier war die Erkenntnis wichtig immer wieder neu nachzusehen, ob das auch optimal funktionierte, ohne das Vertrauen zu den Wächtern durch übermäßige Kontrolle zu stören. Dem Klienten war nicht bewusst, dass er mit den Wächtern keine Absprache getroffen hatte. Laut eigener Aussage konnte sich der Klient „hundertprozentig auf sie verlassen, hatte sie aber zu wenig geordnet und benannt“. Das heißt auch hier war mehr seiner Fürsorge notwendig. Die innere Kommunikation sollte in dieser Regelmäßigkeit beibehalten werden. Abschließend wurde das Beziehungsverhältnis von Bewusstsein und Unterbewusstsein von beiden Seiten auf einen Level von 8-10 und nach den Konferenzen sogar auf eine 10 geschätzt.

3.2.

Klient 2

3.2.1. Formatrunde 1

Das Verhältnis vom Bewusstsein zum Unterbewusstsein wurde auf 4 und umgekehrt auf 6 geschätzt. Beide gaben ihr OK für das Format. Beim Betrachten führte die Treppe nach unten ins Dunkel, wie in einem Altbaukeller oder Bunker. Die Wände waren mit Moos bewachsen und der Eingang zur Treppe lag unter einer Falltür. Oben war der Raum hell, groß und weit und es gab kein Dach. Die Wände hatten Fenstern, durch die Sonnenstrahlen herein fielen. Die Treppe war kurz. Das Unterbewusstsein wollte einiges verbessern. Zuerst sollte das Treppenhaus hell gemacht werden und die Klappe weg fallen. Die Treppe und die Wände wurden weiß gefärbt und an jeder Seite eine Leuchte angebracht. So entstand zuerst einmal das Gefühl, lieber in den Keller gehen zu wollen als vorher. Das Bewusstsein erschuf jetzt über seinem Raum ein Dach und der Raum wurde so nach oben geschlossen. Dadurch entstand aber milchiger Nebel und es gab keine klare Sicht mehr. Nach Hinterfragen der Bedeutung kam als Antwort das Bewusstsein habe Angst, jemand läuft ihm den Rang ab. Das Bewusstsein zeigte sich symbolhaft in dem Bild von einem grimmigen Stier, der um Selbstbewusstsein und Macht kämpft. Da die Reaktionen sehr heftig waren, wurde hier eine Metaposition in der Mitte der Treppe generiert, die dazu Rat und Tipps gab. Ein entscheidender Tipp war, dass beide sich eigentlich gegenseitig ergänzen. Dazu kam die Erkenntnis, dass das Unterbewusstsein wesentlich sanfter reagierte als erwartet und sich in die Situation des Bewusstseins auch einfühlen konnte. Dies stimmte das Bewusstsein auch weicher und die Stimmung wurde friedvoller. Beim Abfragen des Verhältnisses zueinander, gab das Unterbewusstsein zum Abschluss eine 8 und das Bewusstsein eine 7 an. Eine weitere Veränderung wurde als zu viel auf einmal angesehen.

3.2.2. Formatrunde 2

In der zweiten Formatrunde gab der Klient an, er hätte in der Zwischenzeit noch einmal umgeräumt und die Treppe noch einmal verändert. Die Stimmung war durch das viele weiß zu kalt und die Treppe sei jetzt aus Holz. Teamsitzungen hatte der Klient nicht bewusst gemacht, aber er hatte an einem schlechten Tag das Unterbewusstsein um Rat gefragt. Dieses hatte er im Keller etwas umräumen sehen, was ihm als Erklärung dafür reichte, dass er etwas zu sortieren hätte. Alleine durch diese Erkenntnis ging es dem Klienten schon besser. An einem Abend bekam er von seinem Bewusstsein zur Antwort, es sei zu müde und brauche eine Auszeit. Die nahm sich der Klient, was ihm gut bekam.

Der Klient gab an, keine Führungsposition zu haben, aber er sagte, er hätte gerne eine. Bei näherem Hinterfragen stellte sich heraus, dass das Bewusstsein fast gar nichts zusagen hatte und sich das auch nicht zutraute, während das Unterbewusstsein die Oberhand hatte und als manipulativ und geschickt darin beschrieben wurde, das Bewusstsein zu umgehen. Das Gebiet des Bewusstseins um die Treppe herum, hatte eher den Charakter einer überdachten Laube als eines Hauses und es gab keine Tür nach draußen.

Es gab aber das Einverständnis sich das Gebiet darum anzuschauen und es bildete sich sofort eine Tür, von dessen Schwelle aus der Klient erst einmal nicht

herunter wollte. Von dort aus war nur Nebel und Wolken zu sehen und der Klient gab an, er hänge in der Luft, in einer Art Sperrgebiet oder Niemandsland, in dem er wie ausgestoßen wäre und die anderen würden ihn dort meiden und kämen nicht herein. Da der Klient diesen Zustand nicht beibehalten wollte, wollte er erst mit einem Stock nachsahen, wie weit der Boden, den er unter dem Nebel vermutete, wirklich weg war. Dann verschwand der Nebel und er konnte hinaus auf den Boden treten, der nun direkt vor ihm lag. Zum ausreichenden Schutz vor anderen wurde eine Mauer um einen umzirkelten Bereich gezogen, der damit zu einer grünen Wiese wurde. Jetzt hatte der Klient den Eindruck, dass Kontakt mit anderen auf eine gesunde Art und Weise möglich sei.

Damit das Bewusstsein eine Führungsposition einnehmen konnte, wurde ein Schreibtisch installiert. Das Unterbewusstsein beantwortete dies prompt mit „ich lasse mir nicht die Butter vom Brot nehmen“. Anschließend wurde die positive Absicht des Unterbewusstseins hinter dem Verhalten erfragt, das Bewusstsein „manipulativ, geschickt zu umgehen“. Zusätzlich wurde die Frage gestellt, ob sich nach Veränderung des Außenbereichs daran schon etwas geändert hatte. Das brachte die Erkenntnis, dass dem Unterbewusstsein auch nicht viel anderes übrig blieb, als das Ruder selbst in die Hand zu nehmen, da sich das Bewusstsein sowieso „nichts zutraute“. Die Leistung des Unterbewusstseins, das gemeinsame Schiff ohne große Hilfe des Bewusstseins zu steuern, wurde gewürdigt. Das Bewusstsein erkannte, dass es mit Hilfe des Unterbewusstseins stark genug war, eine Führungsposition einzunehmen. Nun waren beide zu einer Probephase unter einer Führungsperson bereit. Automatisch änderte sich der Laubencharakter zu einem festgemauerten Raum mit Steinfließen und Licht an den Wänden, das alles heller werden ließ. Die Tür zum Unterbewusstsein wurde von einer Klappe zu einer normalen Tür ersetzt. Ein Schreibtisch wurde an die passende Position, wie in einem Empfangsraum gebracht und der Raum damit zum Chefbüro gemacht. Die Treppe zum Unterbewusstsein änderte sich zu einem Aufzug und die Aufzugstür änderte sich zu einer Glastür, damit „das Bewusstsein erkennen kann, wer hoch kommt und vorgewarnt ist“. Jetzt erschien dem Klienten das Kellerloch des Unterbewusstseins nicht länger passend. Als passendes Gegenstück zum Schreibtisch wurde eine große Sofaecke aus Leder installiert, Wandleuchten angebracht und ein Kamin tauchte auf. Dadurch war alles „heller geworden“. Von dort gelangte man in weitere Teile des Unterbewusstseins, die Katakomben, vor denen erst einmal eine Tür angebracht wurde, es war zwar klar, dass „diese mal gemacht werden müssten, aber nicht jetzt“. Das Bewusstsein wollte ebenfalls eine Sofaecke haben und es wurden im Chefbüro Pflanzen aufgestellt. Auf der Wiese vor dem Haus wurden Bäume gepflanzt. Eine überdachte Gartenecke wurde eingerichtet, um andere einzuladen, die aber erst einmal noch nicht benutzt werden sollte. Abschließend wurde ausgemacht, sich jeden Mittwochabend zu treffen und Wichtiges zu besprechen, auch um sich an die neuen Möglichkeiten zu gewöhnen und neue Perspektiven einzuführen. Der Klient hatte während des Future-Pace den Eindruck, alles würde jetzt „klarer und aufgeräumter laufen, mehr Ordnung herrschen und Ziele der Priorität nach besser erreicht werden“.

3.3. Klient 3

3.3.1. Formatrunde 1

Das Bewusstsein gab als Bewertung der Beziehung zum Unterbewusstsein eine 6-7 an und gab ein deutliches ja zur Zusammenarbeit. Der Vorraum vom Bewusstsein zur Treppe wurde als sehr hell, sehr gelb, sehr hoch beschrieben. Von dort gingen verschiedene Eingangstüren ab und zum Unterbewusstsein eine Treppe nach oben. Diese führte um die Ecke und der obere Raum wurde nach der Biegung sichtbar. Oben war es auch sehr hell, sehr gelb, sehr hoch, fast so wie unten. Die Treppe war aus dunklem Holz und sehr eng, aber nicht sehr steil. Der obere Absatz war nicht groß. Da das Unterbewusstsein keine Antwort auf die gestellten Fragen gab und es für die Klientin am besten schien, wurde der Kontakt mit dem Unterbewusstsein feierlich auf später verschoben. Der Hinweis für den Klienten war, dass durch die Ecke das wesentliche nicht offensichtlich ist, aber wenn er erst mal um die Ecke ist dann hat er es geschafft. Das Unterbewusstsein ist dann für das Bewusstsein da und nicht nur „wie im Schaufenster zum anschauen“. Es kam dem Klienten vor wie ein Berg der überwunden werden muss, auf dem alles von Schnee bedeckt ist und den er wie eine übergroße Last zu tragen hat. Hier wurde das Format verlassen und mit der Metapher vom Berg weitergearbeitet. Nach einnehmen der Vogelperspektive, dem separieren der eigenen Last von der der anderen und einführen anderer Sichtweisen und Ressourcen, wusste der Klient, es ist noch kein Grün sichtbar, aber es war da. Er konnte danach eine Position auf dem Berg einnehmen, um sich auszuruhen und sich alles in Ruhe anzuschauen. Das gab dem Klienten ein schönes Gefühl, was im Gesicht deutlich zu erkennen war. Der Klient sagte aus, er habe damit schon sehr viel verändert und fühle sich erschöpft. Unter Absprache mit dem Unterbewusstsein wurde eine zweite Formatrunde vertagt.

3.4.

Klient 4

3.4.1. Formatrunde 1

Beim Befragen des Bewusstseins hatte dieses Angst als Einwand und war gleichzeitig neugierig. Die Neugier war größer und als Umgang mit der Angst wurde ausgemacht, das Bewusstsein bei jedem Schritt zu hinterfragen. Das Unterbewusstsein gab langsam Antwort, war aber eher bereit zur Zusammenarbeit als das Bewusstsein, nachdem es seine erste Botschaft für das Bewusstsein losgeworden ist: „ Ich will gesehen werden.“ Ihr Verhältnis zu einander wurde von beiden als 3 auf der Skala angegeben. Es führte eine Kellertür aus Holzbrettern, die wie eine Schuppentür aussah, runter ins Dunkel. Oben wurden Farben wie Hellblau, Creme und Taubenblau beschrieben. An der Tür war ein eisernes, verrostetes, altes Schloss. Kommentar:

Das müsste mal abgeschliffen werden, und die Spinnweben müsste man erst mal weg machen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ist nicht nur meins.“ Zuerst wurde daraufhin alles weggefiltert, was nicht wirklich zum Klienten gehörte. Es entstand ein neues, schlichtes Haus und der Eingang zum Unterbewusstsein wurde damit sichtbarer. Oben wirkte jetzt alles ein bisschen feiner. Beim runter gehen wurden die Treppenstufen aus einfachen Holzbohlen beschrieben. Es war dunkel, staubig und es gab wenig Licht. Es kam der Einwand dort unten ist ein Chaos, welches ich nicht kenne, dort traue ich mich nicht hinunter. Als Hilfestellung wurde angeboten nicht gleich das ganze Chaos in Augenschein zu nehmen, sondern zuerst einmal auf die erste Ebene des Unterbewusstseins zu gehen. Jetzt war es dem Klienten möglich nach unten zu gehen. Hier war das Erstaunen darüber groß, dass die Wände hinter einem vergammelten Putz aus Gold gebaut waren. So ähnlich wie bei dem Türschloss kam dann der Hinweis hier müsste jemand mal die Wände behandeln. Das Bewusstsein war von dem versteckten Glanz richtig berührt und anstatt der Angst entstand die Freude darüber den Kellerraum zu kennen. Das Unterbewusstsein machte darauf aufmerksam, sich ungepflegt, kalt, nass im dunkelen Keller zu fühlen. Da das Gefühl der anstehenden Aufräumarbeiten in so großem Ausmaß eine Ohnmacht erzeugte, wurden aus dem Unterbewusstsein die nötigen Ressourcen generiert unter der Vorannahme, das in den unermesslichen Weiten des Unterbewusstseins ja schon alle Fähigkeiten dazu vorhanden sind. Danach wurde alles hell, golden, prunkvoll, es entstand sogar blendend warmes Licht und alles sah verschnörkelt aus wie in einem Schloss. Das Bewusstsein reagierte erstaunt, ein wenig erschrocken und erschlagen von der Veränderung, fühlte sich aber gut und kam zu der Aussage, es brauche Zeit sich einzugewöhnen. Als nächster Einwand kam die Angst vor dem „prunkvollen“ Eigenleben des Unterbewusstseins. Hier war ein als-ob Rahmen nötig und als Ergebnis kam der Hinweis es wäre zwar wichtig oben alles schlicht zu lassen, aber es wurden kleine Schätze verteilt, um den Prunk unten durch wertvolle Gegenstände oben anzugleichen. Automatisch kam ein dann roter Teppich auf der Treppe dazu. In der Mitte der Treppe trafen das Licht von oben und von unten mit verschiedenen Farben aufeinander und die verschiedenen Lichtpunkte stießen sich ab. Erst durch das Einnehmen einer Meta- bzw. Beraterposition in ausreichendem Abstand dazu wurde ein Austausch möglich. Es wurde ein Treffen von Unterbewusstsein und Bewusstsein eingerichtet, wie auf einer Art Plateau mit schwebenden schönen Sesseln in denen jeder seinen festen Sitz hat und auch „Abgrunddinge“ gehört werden sollen. Das Schloss an der Tür aber blieb wichtig.

3.4.2.

Formatrunde 2

In der zweiten Formatrunde gab der Klient auf die Frage nach der Verbindung zur Antwort, er habe die Treppe, die wieder eine hölzerne Treppe sei, weggesprengt, weil von „unten ganz viel feuriges komme“. In Skalenteilen ausgedrückt war das Bewusstsein bei einer 5 und das Unterbewusstsein bei einer 1. Der Klient hatte zwar in der Zwischenzeit an die Teamsitzungen gedacht, diese aber nicht bewusst durchgeführt. Er sagte dazu aus, dass es wohl eine Teamebene im Unterbewusstsein gäbe, dort die Teamsitzungen aber ohne das Bewusstsein stattfänden. Er wusste genau, dass es anstand, das „feurige Material aus dem Unterbewusstsein aufzuarbeiten“ und er gleichzeitig darauf achten musste, es nicht zu heftig werden zu lassen und dafür „festhalten“ nötig sei.

Der Führungsstil seiner Führungsposition war entweder extrem im Zustand von laissez faire oder extrem diktatorisch. Seinen Sitz hatte er vor der Tür auf einer erhöhten Position. Auf Hinterfragen, gab er als optimalen Führungsstil, den Wunsch nach Richtlinien der Gewaltfreien Kommunikation an, mit denen er sich schon ausgiebig beschäftigt hatte. Der Einwand dagegen war aber, dass das viel zu viel Zeit und zu große Anstrengung kosten würde, um allen zuzuhören und die beste Strategie auszuwählen. Außerdem war für das Unterbewusstsein noch eine große, undefinierbare Angst vor Enttäuschung dabei. Da verschiedene Versuche andere Perspektiven und Ressourcen einzuführen, kein Einverständnis zur Änderung des Führungsstils zeigten, wurde entschieden, den dritten Schritt erst einmal vorzuziehen.

Das Reich des Unterbewusstseins war für den Klienten deutlich als „seins“ erkennbar, während im Gebiet des Bewusstseins die Zimmer des Hauses ungeordnet und geteilt in der Luft herum flogen. Zugleich kam die Bemerkung „das müsste mal zusammengesetzt und neu aufgebaut werden“. Als Bedeutung übersetzte der Klient dieses Bild mit einem Glaubenssatz: „Ich muss für andere da sein und darf nicht für mich sein, das ist viel zu egoistisch.“ Obwohl er sich mit diesem Thema schon auseinandergesetzt hatte, war ihm die Vehemenz, die sich für ihn in den umherfliegenden Zimmern zeigte, bis dahin völlig unklar. Eigentlich war er jemand der für „sich selbst viel Platz braucht“ und es nicht wirklich als gesund betrachtete, so „unabgegrenzt zu anderen“ zu sein. Die Zimmer wurden in passender Art und Weise zu einem Haus zusammengesetzt und dann wurde ein Gartenbereich als Grenzbereich installiert, der ein Ort zum Kennenlernen darstellte und Mauern darum gezogen. Er hatte zusätzlich die Möglichkeit bei Bedarf zum Schutz die Fenster zuzumachen. Die Unterscheidung, wer in den Grenzbereich darf und wer nicht, traute der Klient sich zuerst nicht selbst zu. Als Antwort, wie er das denn sicher stellen könne, kam die Lösung in Form des „Höheren Selbst“, mit dem er durch die „Arbeit mit dem inneren Kind“ als Instanz gearbeitet hatte. Dieses wollte er um Hilfe bitten, wenn die Führungsperson selbst unsicher war. Danach war es kein Problem mehr, den gewünschten Führungsstil gedanklich zu praktizieren. Bei Nachfragen nach der Treppe, kam noch einmal die Antwort „dort unten sei soviel Feuriges“. Bei der Frage, ob das nach geänderter Außenabgrenzung immer noch so sei, war er Klient ganz erstaunt und erzählte plötzlich, vielleicht sei das ja auch ein Hausdrache, der das eigene Haus wenn nötig verteidigen könnte. Mit dieser neuen Sichtweise war er sichtlich zufrieden und wollte sich erst einmal daran gewöhnen und diesen Zustand genießen.

3.5.

Klient 5

3.5.1. Formatrunde 1

Für das Bewusstsein war das Verhältnis auf der Skala je nach Situation schon eine 8-10, was dem Klienten auch als angemessen erschien. Dennoch wurde die Frage an das Bewusstsein, ob es das Format machen wolle mit „ja, natürlich“ beantwortet. Beim Bewusstsein befanden wir uns im oberen Stockwerk eines größeren Gebäudes mit mehreren Zimmern und einer großen Diele. Von dort aus ging eine breite Treppe nach unten, von der nur die ersten Stufen und schemenhaft ein Geländer sichtbar waren, da unten kein Licht war. Dennoch wirkte die Treppe einladend für den Klienten. Beim näheren Hinsehen erkannte der Klient ein „super 1A mit Schnitzereien verziertes Eichengeländer“, welches damit kommentiert wurde, dass diese Treppe wichtig für Repräsentation sei. Unten beim Unterbewusstsein war es nicht so hell wie oben, da kein direktes Licht von außen hereinfiel. Das Unterbewusstsein hatte alle Türen zu gemacht und meinte mürrisch: „Ihr hättet ja auch mal fragen können, bevor Ihr runter kommt.“ Sonst war alles relativ ähnlich wie oben, auch die Größenverhältnisse waren fast identisch. Oben herrschte nur stärkeres Treiben. Das Verhältnis zum Bewusstsein wurde vom Unterbewusstsein je nach Situation auf 6-8 geschätzt Nach einer Entschuldigung für das ungefragte Herunterkommen und der Vereinbarung das Unterbewusstsein jetzt vorher zu fragen, bekam das Bewusstsein eine Einladung in ein anderes Zimmer. Dieses war freundlich, hell und groß. Die Möbel wirkten beschwerlich und gleichzeitig komfortabel, wie für einen gemütlichen Aufenthalt gemacht. Besonders wichtig war in diesem Zimmer eine Art holzverkleideter Turm mit geschlossener Tür, die zu einer Wendeltreppe führte. Diese war eine schnellere und direktere Verbindung nach oben und zur ständigen Kommunikation miteinander gedacht. Bei Bedarf und nach anklopfen ist oben die Tür auch auf und dann fällt Licht in den sonst dunklen Turm. Direkte Beleuchtung war nicht notwendig und es war auch nicht notwendig zu wissen, wie die Treppe und der Turm von innen aussehen. Danach kam die Aussage, die große Treppe in der Halle sei für wichtige offizielle Anlässe und die direkte Wendeltreppe zum schnellen Direktkontakt und zum vorbereiten der wichtigen Anlässe. Alle sichtbaren Türen waren nicht verschlossen, es sollte aber angeklopft und um Erlaubnis gefragt werden. Licht war hier nicht so wichtig. Bei Bedarf sollten die Türen aufgemacht werden. Das Verhältnis zum Bewusstsein wurde jetzt vom Unterbewusstsein auf 9 geschätzt. Nach der Frage, ob noch etwas fehlen würde, wurde eine Wandtafel zur Ordnung der persönlichen Aktivitäten vorgeschlagen. Diese sollte den Ablauf verbessern und eine Sortierung nach Priorität ermöglichen. Jetzt fehlte dem Klienten aber der Spaßfaktor in seinem inneren Erleben. Zum Ausgleich fand ein Treffen in der großen Halle mit allen Teilen des Bewusstseins und Unterbewusstseins statt. Alle saßen an einer festlich gedeckten Tafel, aber erst als noch Musik und Tanz dazu kamen, bei dem jeweils ein Persönlichkeitsanteil des Bewusstseins mit einem Persönlichkeitsanteil des Unterbewusstseins tanzte und sie sich dabei die Hände reichten, war dem Klienten wieder genügend Spaßfaktor dabei. Zum Abschluss wurde ausgemacht, dies alles in den Alltag einzubauen und dann in der zweiten Formatrunde noch einmal nachzusehen.

3.5.2.

Formatrunde 2

In der zweiten Formatrunde war das Verhältnis aus Sicht von Bewusstsein und Unterbewusstsein eine 5-10 in Abhängigkeit von der Thematik mit der sich beide gerade beschäftigten. Die Erfahrungen aus der ersten Formatrunde waren in den Alltag integriert.

Der Führungsstil war patriarchalisch bis kollegial. Alle Argumente wurden bei den Besprechungen „andächtig angehört und die daraus folgenden Richtlinien und Anweisungen ohne wenn und aber durchgesetzt“. Daran sollte nichts verändert werden.

Vor dem Haus war ein großer Garten, in dem es eine große Lichtung für Sommerfeste, Wege zum Spazierengehen und Wasserläufe gab. Der Garten wirkte zum Teil sehr gepflegt und zum Teil sehr verwildert und es verwunderte den Klienten, dass es keinerlei Nutzanbau oder Blumen in dem Garten gab. Um den ganzen Garten führte ein hoher Zaun mit einem Eingangstor. Von dort gelangte man über eine Auffahrt, die wie eine Allee aussah zum Haus. Dem eigentlichen Hausbereich war eine Empfangshalle vorgelagert. Besuch kam nur bis dorthin und wer den Besuch eingeladen hatte, war auch dafür verantwortlich ihn wieder nach draußen zu begleiten. Die eine Seite des Hauses war verglast und so konnte man von dort sehen, wer das Eingangstor passierte. Die Frage, ob an der Art der Abgrenzung oder des Schutzes was verändert werden sollte, beantwortete der Klient mit nein.

Nur die Art und Dauer der Ausflüge aus dem Garten in die Außenwelt sollten für den Klienten noch geklärt werden. Durch die damit zusammenhängenden Unstimmigkeiten erklärte sich auch der zum Teil verwilderte Garten und die Einschätzung des Verhältnisses auf von beiden Seiten auf eine 5-10. Nach einer gemeinsam getroffenen Absprache änderte sich diese Einschätzung vom Bewusstsein aus wieder auf eine 8-10, während es für das Unterbewusstsein bei einer 5-10 blieb. Dabei wollte es der Klient erst einmal belassen.

4.

Diskussion

Die Treppe eignet sich sehr gut als Einstiegssymbol für die Art der Beziehung zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Bereits kleinste Veränderungen an deren innerer Repräsentation hatten schon eine enorme Wirkung. Auch beim Vergleich der in dieser Arbeit vorgestellten Treppenformen mit Timelinearbeiten (s. K. Grochowiak, Das NLP Masterhandbuch, 1999) hat sich in der Form der Treppe wiederholt, dass Ecken, plötzliche Verschmälerungen, aber auch der Anstellwinkel usw. Hinweis auf einen inneren Konflikt oder eine momentan schwierige Lage des Klienten sein können. Das zeigt auch die Tatsache, dass solche Erscheinungen nicht ohne weiteres gleich geändert werden konnten, obwohl der Klient dachte, dass eine andere Form besser für ihn wäre. Öfter kam auch der Hinweis, dass es noch nicht an der Zeit für bestimmte Veränderungen wäre, diese wurden dann vertagt oder die innere Repräsentation änderte sich automatisch, nachdem der Klient noch eine bestimmte Erkenntnis gewonnen oder etwas für sich geklärt hatte. Die Mitte der Treppe hatte für manche Klienten als Begegnungspunkt für das Bewusstsein und Unterbewusstsein eine besondere Bedeutung.

Beschreibungen von abgeschlossenen Türen, sowie Türen generell, scheinen als Abgrenzung in der inneren Welt von enormer Wichtigkeit zu sein. Aussagen wie „dann habe ich Angst überrollt zu werden“ muss man wahrscheinlich sehr ernst nehmen. Auch das Submodalitätenpaar hell/dunkel kommt sehr häufig vor, wobei es oft bei positiver Veränderung hell wird, was aber nicht zwingend nötig ist.

Extrem wichtig scheint für das Unterbewusstsein ein respektvoller Umgang zu sein, d.h. in den durchgeführten Formaten kam es oft zu Aussagen wie:

„Du hättest ja mal fragen können, bevor Du runter kommst.“ oder „ich möchte nicht als selbstverständlich gesehen werden.“ Die innere Repräsentation änderte sich oft erst nach dem Erkennen der positive Absicht und deren Würdigung und Anerkennung.

Meist sah das Gebiet des Unterbewusstseins viel schöner aus, als das vom Klienten erwartet wurde. Es wurde deutlich, dass das bewusste Wegschauen oder Verdrängen die innere Repräsentation „gespensterhafter“ werden ließ, als sie es dann beim „unter die Lupe“ nehmen tatsächlich war. Bei geänderter innerer Repräsentation wurde das Verhältnis zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein deutlich besser eingeschätzt, was sich auch an der Physiologie der Klienten zeigte. Bei der Frage, ob noch etwas fehlt, wollten beide häufiger eine ähnliche Ausstattung in „ihren Räumen“ haben. Zum Beispiel wollten Bewusstsein und Unterbewusstsein je ein Sofa oder für das Bewusstsein wurden kleine Schätze als Ergänzung zu prunkvollen Verzierungen im Unterbewusstsein verteilt oder die „Bauweise“ sollte angeglichen werden.

Bei den Teamsitzungen gab es bei mehreren Klienten den Konflikt zwischen Disziplin und Freiheit. Damit die Teamsitzungen stattfinden konnten, waren ein bestimmter Ort und eine bestimmte Zeit oder ein bestimmter Anlass entscheidend. Dies führte unter anderem dazu, in der zweiten Formatrunde die Art des Führungsstils des „Oberhaupts“ zu klären und bei Bedarf zu verändern. Um die Notwendigkeit einer Führungsposition zu verdeutlichen, kam die Metapher vom Schiff ohne Steuermann, das Zickzackkurs fährt und dann gar nicht im Hafen ankommt zum Einsatz. Wichtig war den meisten Klienten, dass durch die Führungsposition die Macht nicht ausgenutzt wird. Es sollte daher sichergestellt werden, dass beide, Bewusstsein und Unterbewusstsein besonders in wichtigen Angelegenheiten angehört werden und ihnen Wertschätzung entgegengebracht wird. Das zeigte sich an Einwänden wie „ich lasse mir doch nicht die Butter vom Brot nehmen“.

Auf der Ebene der bildlichen Beschreibungen wurde die Art der Abgrenzung sehr häufig für den Klienten verbessert. Es wurde die Metapher von einer Burg mit einem Verteidigungsring angewendet oder von einem Arzt der hinter seiner Praxis seine Privaträume hat und davor noch ein Wartezimmer.

Während der Arbeit änderten sich die zuerst gezeigten Bilder möglicherweise sehr schnell. Zum Beispiel entstanden mehrere Treppen oder die Treppe verwandelte sich in einen Aufzug usw. Auch die Art des Hauses konnte ganz unterschiedlich sein. Es gab Pyramiden, Schneckenhäuser, Schlösser, offene Galerien und vieles mehr. Das eigene Gebiet konnte eine Insel oder etwas anderes sein. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Dabei kamen manche Symbole wie Berge, Sofas und Pflanzen bei mehreren Klienten vor.

Insgesamt war das Ergebnis dieser Arbeit einfach genial! Einfach, weil die Idee mit der Treppe zum Unterbewusstsein wahrscheinlich schon so alt ist wie die Hypnosetherapie selbst und diese vom Klienten als Verbindung zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein bildlich beschreiben zu lassen, zuerst einmal trivial erscheinen mag. Genial, weil diese Arbeit einmal auf das Neue gezeigt hat wie wirkungsvoll Metaphern, Symbole und Submodalitätsbeschreibungen und -veränderungen im Besonderen für das Unterbewusstsein sind. Dabei war es erstaunlich, dass sich auch bei den Klienten, die sich schon viel mit Persönlichkeitsentwicklung auseinandergesetzt haben, durch dieses Format eine Menge geändert hat. Auch bei der Arbeit mit mir selbst als Klient war ich erstaunt, wie schnell sich durch die Bildsprache die Schwierigkeiten bei der inneren Kommunikation aufdecken ließen, zumal diese oftmals an anderer Stelle zu finden waren, als vor der Arbeit von mir vermutet.

5.

Schlusswort

Zusammenfassend lässt sich Folgendes sagen:

Nach mehrmaliger Durchführung dieses Formats hat sich der große therapeutische Nutzen besonders darin gezeigt, dass der Klient auf eine spielerische Art zu einer erfolgreichen Selbsterkundung kommt. Es verbessert effektiv die innere Kommunikation und eignet sich daher als guter Einstieg in ein eigenverantwortliches Arbeiten mit sich selbst. Wenn der Anwender erkannt hat, dass es „Räume, Keller, Katakomben“ zu erkunden gilt und wo diese liegen oder dass Teamsitzungen für die innere Harmonie viel beitragen können, ist der erste Schritt schon getan. Natürlich ist die Art der Wirkung auch davon abhängig, wie regelmäßig der Anwender selbst Teamsitzungen macht und wie ernst er die Antworten nimmt, die er bekommt. Bei der Durchführung des hier vorgestellten Formats wurde jede Art der Antwort ernst genommen und es wurde darauf geachtet, nicht durch eine mögliche Bewertung von Seiten des Klienten das auszusortieren, was ihm gefällt und was nicht. Ein besonders wichtiger Punkt war die Art der Abgrenzung, des Schutzes und des gleichzeitigen Kontaktes mit anderen. Auch für mich in der Klientenrolle war es extrem interessant auf der Symbolebene darüber nachzudenken. Eine Arbeit wie diese bringt den Stein nur ins Rollen, am Laufen muss der Anwender ihn aber selbst halten. Und zwar so regelmäßig und individuell wie es für jeden Sinn macht, um mit sich selbst und anderen einen harmonischeren und verantwortlicheren Umgang zu pflegen. Diese Art der therapeutischen Arbeit hat den Klienten und mir großen Spaß gemacht und neue Einblicke in das innere Erleben gegeben. Es bleibt also spannend und lohnt sich, sich weiter damit zu beschäftigen.

6. Literatur

Grochowiak, Klaus (1999) Das NLP Master Handbuch. Junfermann Verlag, Paderborn.

Grochowiak,

Klaus

und

Susanne

Haag

(2003)

Das

Arbeitsbuch

Ausbildung NLP. CNLPA Verlag, Wiesbaden.

zur

Practitioner

Kriz, Jürgen (2001) Grundkonzepte der Psychotherapie. Psychologie Verlags Union, Weinheim.

Thun, Friedemann Schultz von (2006) Miteinander reden 3: Das innere Team und situationsgerechte Kommunikation. Roeohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek.