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Der Opfertod Jesu?!

Ein bedingungsloser „Gott“ (Liebe) braucht keine Opfer nicht mal Vergebung!

(Liebe ) braucht keine Opfer – nicht mal Vergebung! Sie waren ihm zum Teil von weither

Sie waren ihm zum Teil von weither gefolgt. Sie hatten ihm vertraut. Ihre ganze Hoffnung hatten sie auf ihn gesetzt. Wie einem König hatten sie ihm zugejubelt, als er auf einem Esel durch die vor Jerusalem liegenden Wohngebiete geritten war

Mit ihren Kleidern als Teppichersatz hatten sie seinen Weg geschmückt, mit Palmwedeln ihm zu gewunken und „Hosianna“ gerufen, „Hosianna dem Sohn Davids“. Er, der Wanderprediger und Wunderheiler aus Nazareth, war ihr großer Hoffnungsträger. Er wird die Wende bringen für sie. Mit ihm wird eine neue Zeit für sie anbrechen, eine, die genauso glücklich sein wird wie die damals zur Zeit des legendären König Davids. Er war beliebt bei ihnen, dem einfachen Volk, weil er auf ihrer Seite stand; weil er sich nicht zu gut dafür war, sich mit ihnen abzugeben und über Gott (die Liebe in uns) zu sprechen, ja sogar mit ihnen zu essen und zu trinken. Und weil er ganz offensichtlich ihre Fragen und Sorgen verstand, besser als ihre Priester und Schriftgelehrten. Und weil er so zu ihnen sprach, dass sie verstehen konnten, was er ihnen da so alles über Gott (die Liebe in uns) sagte. Freudige Aufbruchsstimmung herrschte bei ihnen überall, wo er auftauchte.

Erst wenn wir uns die großen Erwartungen dieser Menschen damals an Jesus bewusst machen, dann werden wir so richtig verstehen können, welch ein Schock, welch unglaubliche Enttäuschung es für sie gewesen sein muss, davon zu hören oder gar direkt mitzuerleben zu müssen, dass ihre „Lichtgestalt“ von den Machthabern im Lande festgenommen und öffentlich brutalst gefoltert wurde, bevor sie ihn elendiglich am Kreuz, man kann schon sagen, verrecken ließen.

Das machte sie fassungslos. Konnte so etwas Gottes Wille sein? Oder hatten sie sich in Jesus getäuscht? War er doch nicht der gewesen, für den sie ihn gehalten hatten?

Sie wollten verstehen, wieso das alles so passieren musste, und suchten dafür nach Deutungen in ihren heiligen Schriften, um dem furchtbaren Geschehnis irgendeinen Sinn abringen zu können.

Und da fanden sie, so erfahren wir aus den neutestamentlichen Texten, so manch scheinbar Erklärendes:

Zum Beispiel, und das lag ihnen im Zusammenhang mit dem Passahfest nicht sonderlich fern, das Bild vom Passahlamm, durch dessen Blut am Türpfosten die Israeliten seinerzeit in Ägypten verschont geblieben waren. War Jesus so etwas wie ein menschliches Passahlamm zur Befreiung aus der Sklaverei der Sünde?

Oder der Bundesschluss Gottes mit seinem Volk Israel am Berg Sinai, der mit dem Blut von Opfertieren besiegelt wurde. War Jesu Blut am Kreuz nicht doch nötig gewesen für einen neuen Bundesschluss mit Gott?

Oder war Jesus der Mensch gewordene Sündenbock, der nach dem Gesetz des Mose einmal im Jahr, am Jom Kippur, dem großen Versöhnungstag, beladen mit den Sünden des Volkes in die Wüste gejagt wurde, wodurch er dem sicheren Tod ausgeliefert wurde, um so das Volk von seinen Sünden zu befreien?

Oder sie dachten an den Opferkult im Tempel von Jerusalem, wo man Gott für auf sich geladene Schuld und Sünde Tiere opferte. War Jesu grausamer Tod das notwendige Opfer, um Gott gnädig zu stimmen?

Ein anderes Bild nahm der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief auf, wo er davon spricht, dass wir Menschen durch Jesu Tod losgekauft wurden von der Versklavung durch die Sünde.

Oder indem Paulus an anderer Stelle sagte, dass Jesus durch seinen Tod für uns Fürsprecher vor Gott, unserem himmlischen Richter, ist und durch seinen stellvertretenden Tod von ihm für uns den Freispruch erwirkt hat.

Oder sie kannten die Lieder vom leidenden Gottesknecht des Jesaja, die die Motive von Ablehnung, Anfeindungen, Folter und Tod aufnehmen, die demjenigen drohen, der sich bedingungslos für Gott einsetzt.

Oder schließlich dieser Psalm 22 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, der das gesamte Kreuzigungsgeschehen widerzuspiegeln scheint, obwohl er ca. 600 Jahre vor Karfreitag verfasst wurde.

Es gäbe noch weitere mögliche, vermeintlich dem für sie damals sinnlosen Kreuzigungsgeschehen Sinn gebende Deutungsmotive aus biblischen Texten. Aber die Genannten sollen genügen, um uns zu verdeutlichen: All diese Antworten und Bilder waren Versuche von Menschen damals, eine biblische Erklärung zu finden für den ihnen absolut unerklärlichen, für sie sinnlosen Kreuzestod ihres Hoffnungsträgers. Wir könnten auch sagen Hilfskonstruktionen, um für sie Unerklärliches zu erklären, für sie Sinnlosem einen Sinn geben zu können. Hilfskonstruktionen, die letztlich alle auf ein und dasselbe hinausliefen: Jesu Tod am Kreuz geschah als Sühne, als Opfer für unsere Sünden. Oder anders gesagt: Gott hat seinen Sohn geopfert zur Vergebung unserer Sünden. Sonst gäbe es für uns keine Vergebung. Der Kreuzestod Jesu als Opfertod!?

Lange Zeit gab es über diese „Lösung“ und über sie hinaus kaum theologisches Nachdenken, weil es unmöglich, ja ketzerisch erschien, sie überhaupt in Frage zu stellen.

Wir dürfen froh sein, dass in den letzten Jahren bei vielen ein anderes, neues Nach-denken und Nach-fühlen über den Kreuzestod eingesetzt hat.

Weil die Opfertod-Theologie eigentlich, wenn wir genauer hinschauen, der Verkündigung Jesu nicht nur nicht entspricht, sondern ihr sogar vielmehr widerspricht. Wie ist das zu verstehen?

Macht Jesus das Zentrum seiner Verkündigung nicht im Gleichnis vom verlorenen Sohn sichtbar und erkennbar: Ein Sohn verlässt dort seinen Vater in der Meinung, ohne ihn besser durchs Leben zu kommen und scheitert damit kläglich. Er erkennt dies, gesteht sich dies ein und entscheidet sich schweren Herzens, zum Vater zurückzukehren, wobei er sich intensiv überlegt, wie er sich beim

Vater entschuldigen will. Als der Vater ihn von Ferne kommen sieht, eilt er ihm entgegen und noch bevor der Sohn sich entschuldigen kann, nimmt er ihn voller Liebe in den Arm, ohne ein Wort des Vorwurfs, ohne auch nur die geringste Forderung nach Wiedergutmachung weil er versteht, dass es für die (geistige) Entwicklung seines Sohnes wichtig war.

Das war das Bild, für das Jesus gelebt, geworben, gepredigt hat und für das er letztlich auch gestorben ist: Für den uns bedingungslos liebenden Gott - die Liebe in uns (und zu uns selbst), die uns dazu befähigt, dann wiederum auch unsererseits einander liebevoll anzusehen und anzunehmen.

Und wir dürfen wissen: Solch ein liebender, uns Menschen trotz all unserer Fehler und Schwächen annehmender weil verstehender Gott (Liebe in uns) braucht keine Opfer und muss erst recht nicht seinen Sohn dafür opfern, um uns vergeben zu können Denn das braucht es nicht Liebe braucht keine Vergebung weil sie nicht zu beschuldigen/verurteilen braucht da sie tief versteht!

Ein weiterer Hinweis in diese Richtung: Als Jesus die Jünger mehrfach auf die Möglichkeit seines Todes in Jerusalem hinwies, hat er nie davon gesprochen, dass dies „zur Vergebung der Sünden“ geschehen solle.

Und letztlich, und das dürfen wir uns bewusst machen, besteht ein unauflösbarer Widerspruch zwischen Liebe und Opfer. Ein liebender Gott (Liebe in uns) bedarf keiner Opfer! Gerade darin erweist sich ja seine (unsere) Liebe.

Weshalb also ist Jesus dann am Kreuz gestorben?

Weil er nicht um jeden Preis leben, aber um jeden Preis lieben wollte. Weil er sich auch durch Todesdrohungen nicht davon abbringen ließ, für die Botschaft der Liebe als Basis menschlichen Vertrauens Gott (der Liebe in uns) und den Menschen gegenüber zu leben. Das hat er damals gelehrt, dafür hat er geworben, dazu hat er zu allen Zeiten bis heute Menschen in seine Nachfolge gerufen mit dem Zuspruch „Du bist geliebt bei Gott(der Liebe in uns) und dem Anspruch „Liebe Gott (die Liebe in uns) deinen Nächsten wie dich selbst“.

Und abschließend: Liebe ist die größte Kraft. Aber oft zeigt es sich eben auch, dass liebevolle Menschen denen, die die Macht der Willkür, der Herrschsucht, der Habgier, des übersteigerten Egoismus und des Hasses (noch) favorisieren, äußerlich unterlegen scheinen.

Aber wie die Rückkehr des verlorenen Sohnes ist auch die Auferstehung nach dem Kreuztod ein deutliches Zeichen dafür, dass am Ende die bedingungslose Liebe durch Angst und Not hindurch zum Wunder-baren führt.

`bin mir nicht sicher ob Jesus (Buddha, Krishna…) wirklich (so) existiert haben – aber spielt das wirklich eine Rolle, wenn die Botschaft dieser „Lichtgestalten/Erleuchteten“ - die allesamt durch äußerste Tiefen gehen durftenum für das höhere(Selbst) Denken und Fühlen offen zu werden (wie auch Gandhi, Mandela, Tolle, Walsch…) – wenn diese Botschaft uns aus der Angst/Not/Trennung… zu (innerem und damit auch äußerem) Frieden, ja zu unserer Liebe (zu dem was wir eigentlich sind) zurückführt?! Weil wir alle Jesus sind: „all diese Wunder und noch viel mehr tun können - weil einzig unser Glaube (an Gott die Liebe in uns) zu klein ist“ – dessen bin ich mir ganz sicher, ´darf aus tiefstem Herzen dafür fühlen und es deshalb auch täglich erfahren/leben.

F.M. Stiefel 2017