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The Secret, Glück, und zwar gleich

von Claus Janew

Im größten Bestseller zur „magischen“ Realitätserschaffung, The Secret, wird die Methode, eine
erwünschte Realität anzuziehen, in drei Schritte zusammengefasst:

1. Bitten (um etwas)


2. Glauben (dass es kommt)
3. Empfangen (dafür bereit sein)

Wenn es nur so einfach wäre, stimmt’s? Auch wenn in dem Buch noch Details angeführt werden:
Dieses vereinfachte Verfahren funktioniert nur dann, wenn wir

1. im tiefsten Innern wissen, was wir eigentlich wollen,


2. ihm keine mehr oder wenig bewussten Konflikte überlagern,
3. offen für unerwartete Möglichkeiten sind.

In diesem Idealfall können sich die Schritte sogar zu einem einzigen verkürzen: einem egolosen
Geschehenlassen der Bedürfnisbefriedigung. Die Erfüllung ist einfach der nächste Schritt; er kommt
natürlich, ist einfach da - zu unserem mäßigen Erstaunen, denn wir hatten ihn innerlich längst
realisiert.

Doch in der Regel sind wir nicht ideal drauf, und dann klappt es bestenfalls mit unwesentlichen
Wünschen. Wir haben vielleicht tiefe innere Konflikte zu bewältigen, deren Lösung - wenn wir sie
überhaupt suchen - viele Jahre in Anspruch nehmen kann. In dieser Zeit können wir den Glauben an
die Magie des Lebens leicht verlieren, uns gar in Skeptizismus und Sarkasmus flüchten, die wir, um
mit unserem vermeintlichen Versagen klar zu kommen, als Realismus ausgeben.

Haben wir dennoch Erfolg, verfestigt dies unseren Tunnelblick. Doch Erfüllung finden wir so entweder
nicht oder allenfalls in einigen nicht so konfliktträchtigen Lebensbereichen. Der Mangel in den anderen
wird mit den Jahren unübersehbar und kann nun in eine absichtsvolle Lösungssuche münden oder in
eine Krise mit ungewissem Ausgang.

So etwas behandeln die Magie-Verkäufer nicht, die uns weismachen wollen, wir hätten nur ihre
Methode falsch angewendet. Sie geben auch selbst keine überzeugenden Vorbilder ab, wenn sie ihr
behauptetes Glück eben mit dem Verkauf jener idealtypischen Weisheiten erlangt haben. Oder wenn
sie eigene Erfolge anführen, deren Magie kein Hinterfragen überlebt. So wird ein Tunnelblick
entgegengesetzter Richtung begründet, der ebenso wenig glückverheißend ist und das Ganze als
Show entlarvt.

Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage: Für die meisten Menschen ist Glück nicht das vorrangige
Ziel. Denn Glücksgefühle ließen sich ja ganz leicht durch Drogen erzeugen. Warum aber lehnen wir
solche Gefühle ab? Würden wir sie akzeptieren, wenn die Chemikalien so raffiniert konstruiert wären,
dass sie keine Gefühlswünsche offen ließen? Würde dann doch etwas fehlen?

Echtheit, innere Gewissheit, gründet sich offenbar auf mehr als Gefühle. Sie beinhaltet ein subtiles
Empfinden, das all den Emotionen zugrunde liegt - sogar der Verliebtheit. Es ist etwas, das wir sehr
selten erforschen, die nächste Ebene der Realität. Dennoch macht sie sich in jedem Lebensbereich
bemerkbar, immer dann, wenn wir uns nicht für das Angenehme entscheiden, sondern für eine
schmerzhafte Bewusstseinserweiterung – für die subtile Erfüllung eines Bedürfnisses, welches das
Glück der Hirnbotenstoffe zur Illusion degradiert.

Natürlich sind diese Erfüllung und der Weg zu ihr auch irgendwie angenehm. Sie befriedigen einen
tieferen Impuls, erfüllen einen tieferen Wert, den Wunsch nach einem umfassenderen Dasein. Sie
führen so zu einer Bereicherung kaum beschreibbarer Qualität. Jeder kennt sie. Aber kaum einer weiß
sie zu fassen.

Ich habe selbst kein griffiges Wort dafür, nur einen abstrakten Begriff, I-Struktur (Infinitesimalstruktur),
der ihr Wesen rational-intuitiv beschreibt. Wer sich in dieses Konzept vertieft, kann es schließlich als
Synonym von Liebe erkennen und die zugehörigen Gefühle viel differenzierter und auf neuartige
Weise wahrnehmen. So können wir auch begreifen, dass das Leben vor allem eine bedeutungsvolle
Bewegung ist, ungeachtet dessen, wie viel Glück es uns bringt. Wir können ehrlich sein.

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