Sie sind auf Seite 1von 4

G E R I C H T

S A N

A N D R E A S

S T A A T S V E R F A S S U N G S G E R I C H T S H O F

Aktenzeichen: GU 2017/11/07/01/vE

(bitte immer angeben)

07.11.2017

Im Namen des Volkes ergeht folgendes G R U N D S A T Z U
Im Namen des Volkes ergeht folgendes
G R U N D S A T Z U R T E I L:

Zeugen und Beschuldigte, die nicht durch die korrekte Angabe ihres Vor- und Zunamens, aus der die Identität des Betroffenen eindeutig hervorgeht, vor Gericht geladen werden, müssen der Ladung nicht folgen. Daraus folgt im Weiteren, dass diese betroffenen Personen aufgrund ihres Nichterscheinens nicht verurteilt und/oder mit einer Ordnungsstrafe belegt werden können. Ihnen dürfen aus dem Gerichtsverfahren also insgesamt keine negativen Folgen erwachsen.

Begründung:

I.) In der Strafsache Js 2017/10/17/03/MN sollte der Berufungskläger (BKl) zunächst durch Zustellung einer E-Mail-Konversation vom 27.10.2017 als Beschuldigter zu o.g. Gerichtsverfahren geladen werden. Darin wurde er fälschlicherweise als „Frau Maier“ betitelt. Auch auf Bemerkung der Mitangeklagten hin, dass es richtigerweise „Herr Maier“ heißen müsste, erfolgte keine Änderung der Ladung oder gar eine erneute Ladung des BKl.

II.) Auf Anraten seines Rechtsanwaltes blieb der BKl der Gerichtsverhandlung fern. Im Folgenden wurde er in seiner Abwesenheit mit Versäumnisurteil vom 01.11.2017 durch das Strafgericht zu einer Haftstrafe von 290 Tagen und einer Geldstrafe von 1.450.000 Dollar verurteilt.

III.) Der BKl ging gegen dieses Urteil mit Antrag vom 02.11.2017 frist- und formgerecht in

Berufung.

Dem

Berufungsantrage

wurde

am

selben

Tage

zugestimmt,

das

Berufungsverfahren wurde auf 06.11.2017 terminiert und bis zu einer Entscheidung des Staatsverfassungsgerichtshofes unterbrochen.

IV.) Gem. § 31 VI StPO sind alle Beteiligten zu einem Gerichtsverfahren in elektronischer Form, d.h. per E-Mail-Konversation, zu laden. Weitere Regelungen über die Ausgestaltung der Ladung von Beteiligten vor Gericht enthält das Strafverfahren nicht. Daher ist fraglich, wie der Staat in den Fällen einer fehlerhaften Ladung von Beteiligten zu verfahren hat.

Berufungsverfahren wurde auf 06.11.2017 terminiert und bis zu einer Entscheidung des Staatsverfassungsgerichtshofes unterbrochen. IV.) Gem. §

1.) Die E-Mail-Postfächer der Menschen in San Andreas sind als deren Briefkästen anzusehen. Ihnen gehen Briefe zu, wenn diese in deren Machtbereich gelangt sind. Jeder Bürger ist nämlich dazu angehalten, täglich oder mindestens alle zwei Tage seinen Briefkasten auf den Eingang neuer Post hin, zu überprüfen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Briefe tatsächlich auch gelesen werden. Entscheidend ist vielmehr, dass der Absender den Eingang seines Briefes bei dem Empfänger sicherstellen und daher nachweisen kann.

2.) Ladungen können fehlerhaft sein, wenn sie zwar in den Machtbereich des richtigen Empfängers gelangt sind, aber der richtige Empfänger in dem Schriftstück nicht zu erkennen gegeben wird. Fraglich ist zunächst, wie der Inhalt einer richtigen Ladung auszusehen hat:

a.) Nach der Auffassung des Gerichts muss der Beschuldigte oder Zeuge mit seinem Vor- und Nachnamen angesprochen werden. Auf die Anredeform, also Herr oder Frau, kommt es dabei nicht an. Dies lässt sich daraus schließen, dass sich im Staate San Andreas mehrere Millionen Einwohner niedergelassen haben. Zwar wird man sagen können, dass es im Staate mit Sicherheit mehrere Personen gibt, die jeweils denselben Vor- und Nachnamen tragen. Durch den Umstand aber, dass die Ladung unter Verwendung des richtigen Vor- und Zunamens in den konkreten Machtbereich des Einzelnen Eingang findet, würde die Gefahr einer Verwechslung minimal gehalten. Der Empfänger wäre also bei einem Missverständnis in der Pflicht, der Behörde den Fehler mitzuteilen.

b.) Ladung mit falscher Anrede, aber mit richtigem Vor- und Zunamen. Wird der Beteiligte mit seinem Vor- und Nachnamen, aber mit falscher Anredeform angesprochen, so darf nicht, wie unter a.) beschrieben, auf eine falsche Anredeform abgestellt werden. Eine derartige Ladung wäre dem Beteiligten damit wirksam zugegangen.

c.) Ladung mit richtiger Anrede, aber mit falschem Vor- oder Zunamen. Anders liegt der Fall, wenn der Beteiligte zwar mit der richtigen Anredeform, aber unter Verwendung des falschen Vor- oder Zunamens geladen wird. Eindeutig kann hier die zu erreichende Person

nicht identifiziert werden; es bestünde die Möglichkeit einer Verwechslung. Der Beteiligte müsste der Ladung somit keine Folge leisten.

d.) Kombination aus falscher Anrede, aber richtigem Zunamen, wenn der Vorname gänzlich weggelassen wird. Fraglich ist, wie der Fall zu behandeln wäre, wenn der Beteiligte zwar mit seinem Nachnamen angesprochen, der Vorname nicht erwähnt und die falsche Anredeform verwendet wird. Zwar kommt es, wie oben beschrieben, auf die Anredeform nicht an. Allerdings kann die Anredeform Indizeigenschaft haben, wenn das Geschlecht des Betroffenen näher bestimmt werden müsste. Im konkreten Fall handelte es sich um einen Herrn A. Maier, der in der Ladung aber als lediglich Frau Maier angesprochen worden ist. Wäre er mit Herr Maier betitelt worden, so hätte er davon ausgehen können, dass auch er gemeint gewesen ist. Der Verantwortungsbereich hätte sich dann auf den Betroffenen verlagert. Da er aber unter Frau Maier geladen worden ist, entwickelt sich aus der Anredeform eine bestimmte Indizeigenschaft, die darauf schließen lässt, dass es sich bei dem Beteiligten um eine Frau handeln müsste. Somit durfte der Betroffene davon ausgehen, dass die Post, die er erhalten hat, nicht an ihn gerichtet war.

nicht identifiziert werden; es bestünde die Möglichkeit einer Verwechslung. Der Beteiligte müsste der Ladung somit keine

e.) Der richtige Inhalt einer Ladung hat sich damit mindestens aus dem Vor- und Zunamen des Beteiligten zusammenzusetzen. Verwendet man dazu eine Anredeform, so kann sich aus ihr nur eine Indizeigenschaft zugunsten des Beteiligten entwickeln. Andernfalls darf auf die Anredeform nicht abgestellt werden.

3.) Rechtswirkungen, einer in IV.) 2.) d.) beschriebenen Ladung. Zwar gelangte die Ladung tatsächlich in den Machtbereich des Betroffenen, der auch von der Justizstelle so bestimmt war. Fraglich ist aber, ob dem Betroffenen eine Pflicht auferlegt ist, welche er bei Erhalt von falschen Ladungen, befolgen müsste.

a.) Denkbar wäre es, dem Betroffenen die Pflicht aufzuerlegen, dass er bei Erhalt von zweifelhaften Ladungen die elektronische Post an die abgebende Stelle zurückverweist, oder sie aber lediglich darauf hinweist, dass das Schriftstück falsch adressiert ist. Der Bürger kann nur durch Gesetz zu einem Tun, Dulden oder Unterlassen verpflichtet werden. Ein solches Gesetz existiert derzeit nicht. Somit kann dem Bürger in solchen Fällen auch nicht auferlegt werden, aus eigenem Antrieb tätig zu werden.

b.) Ferner ist der Staat durch § 31 VI StPO verpflichtet, die Beteiligten zu laden. Dem Staat obliegt es somit auch dafür Sorge zu tragen, dass die Briefe, die er versendet, die richtigen

Empfänger erreichen. Somit ist es ihm auch auferlegt, etwaige Zweifel auszuräumen, indem er die Ladungen korrigiert oder die Beteiligten anhand von neuen Schreiben, erneut lädt.

c.) Regelungslücken im Strafrecht können unter dem Grundsatz „nulla poena sine lege“ nur zugunsten des Beschuldigten durch die Anwendung einer Analogie geschlossen werden. Würde man dem Betroffenen nun zumuten, dass er unter den o.g. Umständen die Verantwortung zu tragen hat, würde man die Regelungslücke zu seinen Ungunsten schließen. Somit kann nichts anderes gelten, als den Verantwortungsbereich in solchen Fällen auf den Staat zu verlagern. Der Staat wäre somit verpflichtet gewesen, etwaige Zweifel auszuräumen. Bei einer Ladung ist nämlich auf den objektiven Empfängerhorizont abzustellen. Der Empfänger durfte davon ausgehen, dass eine Frau Maier geladen wird, jedoch nicht er, Herr A. Maier, selbst. Er stand somit nicht in der Verantwortung, sich mit der Justiz in Verbindung zu setzen.

D r. i u r. v o n E n g e l Stellvertretender oberster Richter
D r.
i u r.
v o n
E n g e l
Stellvertretender oberster Richter

d.) Verfahren bei offenbaren Unrichtigkeiten. Unter offenbaren Unrichtigkeiten versteht man Schreib- und Rechenfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten, die beim Erlass eines Verwaltungsaktes, eines Urteils oder einer Ladung dem Staate unterlaufen sind. Diese sind für jedermann offensichtlich und jedem Empfänger einer Ladung kann es zugemutet werden, den Verwaltungsakt oder die Ladung, trotz der offenbaren Unrichtigkeit, richtig zu deuten. Darunter fallen zum Beispiel falsch geschriebene Vor- oder Zunamen, unrealistisch hohe oder niedrige Geldsummen oder Haftzeiten. Jedoch fällt die Ladung einer Person unter falscher Anrede und richtigem Nachnamen nicht darunter.

V.) Das Urteil ist mit o.g. Tenor dem unter I.) genannten Berufungsverfahren anzuhängen.