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Leitfaden

zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von


Schimmelpilzwachstum in Innenräumen
(„Schimmelpilz-Leitfaden“)
Erstellt durch die Innenraumlufthygienekommission des Umweltbundesamtes
Vorsitz: Dr. Bernd Seifert, Umweltbundesamt

Mitglieder:
PD Dr. Dr. Wolfgang Bischof, Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dr. Joachim Dullin, Verbraucher-Zentrale NRW
Prof. Dr. Martin Exner, Hygiene-Institut der Universität Bonn
Prof. Dr. Klaus Fitzner, Hermann-Rietschel-Institut der Technischen Universität Berlin
Dr. Birger Heinzow, Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein
Prof. Dr. Olf Herbarth, UFZ-Umweltforschungszentrum, Leipzig-Halle GmbH
Dr. Caroline Herr, Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Universität Gießen
Dr. Hermann Kruse, Klinikum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Dr. Inge Mangelsdorf, Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Aerosolforschung, Hannover
Dipl.-Chem. Wolfgang Misch, Deutsches Institut für Bautechnik, Berlin
Prof. Dr. Hans-Günter Neumann, Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität
Würzburg
Prof. Dr. Henning Rüden, Institut für Hygiene der Freien Universität Berlin
Dr. Helmut Sagunski, Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales, der Freien und Hansestadt
Hamburg
Prof. (CS) Dr. Martin Schata, Madaus AG, Köln
Dr. Jürgen Wuthe, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung Baden-Württemberg.

Als weitere Sachverständige haben mitgewirkt:


Dipl.-Phys. Christoph Baudisch, Landesgesundheitsamt Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin
Dr. Andreas Czepuck, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Dr. Steffen Engelhart, Hygiene-Institut der Universität Bonn
Dr. Norbert Englert, Umweltbundesamt, Berlin
Dr. Guido Fischer, Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Rheinisch-Westfälische Techni-
sche Hochschule Aachen
Dr. Thomas Gabrio, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Stuttgart
Dr. Snezana Jovanovic, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Stuttgart
Dr. Heinz-Jörn Moriske, Umweltbundesamt, Berlin
Dr. Elke Roßkamp, Umweltbundesamt, Berlin
Dr. Klaus Senkpiel, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Medizinische Universität
Lübeck
Dr. Hartmut Stirn, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin
Dr. Regine Szewzyk, Umweltbundesamt, Berlin
Dr. Christoph Trautmann, Umweltmykologie, Berlin
Dr. Detlef Ullrich, Umweltbundesamt, Berlin.
Impressum

Impressum:

Herausgeber und Redaktion:


Umweltbundesamt
Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes

Bismarckplatz 1
14193 Berlin
Tel.: 030 - 8903 - 0
Fax: 030 - 8903 - 2285
http://www.umweltbundesamt.de

Bearbeiter:
Dr. Heinz-Jörn Moriske
Dr. Regine Szewzyk

Gesamtherstellung:
KOMAG GmbH

© 2002 Umweltbundesamt Berlin

II
Inhalt

Kapitel Inhalt Seiten

Vorwort 1

Einleitung 3

Teil A A-1 Eigenschaften und Vorkommen von


Grundsätzliches Schimmelpilzen in Innenräumen 5
A-2 Wirkungen von Schimmelpilzen
auf den Menschen 10
A-2.1 Allergische Reaktionen 11
A-2.2 Reizende und toxische Wirkungen 13
A-2.3 Pulmonale Mykosen 15

Teil B B-1 Bauseitige Maßnahmen 16


Vorbeugende B-2 Richtiges Lüftungs- und Heizverhalten 16
Maßnahmen gegen B-2.1 Luftfeuchtigkeit und Lüftung 17
Schimmelpilzbefall B-2.2 Luftaustausch im Gebäude 19
B-2.3 Richtiges Lüften 21
B-2.4 Raumlufttechnische Anlagen 23

Teil C C-1 Schadensaufnahme bei Vorkommen von


Bestandsaufnahme Schimmelpilzen in Gebäuden 25
und Sanierung bei C-1.1 Begehung 27
Schimmelpilz- C-1.2 Bestimmung von Schimmelpilzbelastungen 30
wachstum C-1.2.1 Messung kultivierbarer Schimmelpilze in der
in Innenräumen Innenraumluft 31
C-1.2.2 Messung von kultivierbaren Schimmelpilzen im
Hausstaub 33
C-1.2.3 Messung kultivierbarer Schimmelpilze durch
Sedimentation 34
C-1.2.4 Messung der kultivierbaren Schimmelpilze in
Material- und Oberflächenkontaktproben 34
C-1.2.5 Messung der Gesamtzellzahl (Gesamtsporenzahl) 35
C-1.3 MVOC-Messungen 36
C-1.4 Schimmelpilzspürhunde 39
C-1.5 Qualitätssicherung 40
C-1.5.1 Qualitätsanforderungen an die
Untersuchungseinrichtung 40
C-1.5.2 Hilfestellungen zur internen und externen
Qualitätssicherung 42
C-2 Beurteilung von Schimmelpilzen im Innenraum 43
C-2.1 Bewertung von Materialproben 43
C-2.2 Bewertung von Luft- und Staubproben 45
C-2.2.1 Bewertung von Luftproben 46
C-2.2.3 Bewertung von Staubproben 49

III
Inhalt

Kapitel Inhalt Seiten

C-3 Ursachensuche und Sanierungsmaßnahmen 49


C-3.1 Ursachensuche 50
C-3.2 Sanierung 53
C-3.2.1 Kurzfristige Maßnahmen 54
C-3.2.2 Langfristige Maßnahmen 54

Teil D Fallbeispiel 1: Autohaus 58


Fallbeispiele Fallbeispiel 2: Schule A 59
Fallbeispiel 3: Kindergarten 60
Fallbeispiel 4: Verbindungsflur mit Altschaden 61
Fallbeispiel 5: Schule B 63

Anhänge Anhang 1: Begehungsprotokoll 66


Anhang 2: Weiterführende Literatur 72

IV
Vorwort

Vorwort
Im Umweltbundesamt häufen sich in letzter Reihe noch offener Fragen nicht immer si-
Zeit die Anfragen mit der Bitte um Informa- cher.
tionen über das Auftreten von Schimmelpil-
zen in Gebäuden. Schimmelpilzwachstum Die Innenraumlufthygiene-Kommission des
kann bei Feuchteschäden in Mauerwerks- Umweltbundesamtes hat in dem vorliegen-
und Gebäudestrukturen auftreten, wird zu- den Leitfaden das gesamte Thema aufge-
nehmend aber auch in Gebäuden beobach- griffen und die derzeit vorliegenden Er-
tet, die aus energetischen Gründen aufwän- kenntnisse zusammenfassend dargestellt.
dig abgedichtet wurden. Die Feuchtigkeit Ihr Ziel ist es, mit diesem Leitfaden die Öf-
– in Wohnungen vor allem durch die Bewoh- fentlichkeit zu informieren und den Weg für
nerinnen und Bewohner verursacht – wird in eine einheitliche Erfassung und Bewertung
solchen Gebäuden oftmals nur unzurei- von Schimmelpilzen in Innenräumen zu
chend durch natürliche Lüftung abgeführt ebnen. Praktische Hinweise zeigen, wie sich
und reichert sich deshalb im Raum an. An Schimmelpilzschäden vermeiden lassen.
wenig durchlüfteten Stellen kann es dann im
Laufe der Zeit zum Schimmelpilzwachstum Die Mitglieder der Kommission wurden bei
kommen, das nicht immer nur mit verstärk- ihrer Arbeit von anderen Fachleuten und
tem Lüften vermeidbar ist. von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des
Umweltbundesamtes unterstützt. Ich danke
Bis heute gibt es in der Fachwelt keine allen Beteiligten für ihre Arbeit.
schlüssige Antwort auf die schwierige
Frage, wie Schimmelpilzschäden metho-
disch sicher und auf einheitliche Weise zu Berlin, November 2002
erfassen sind und wie man insbesondere
verdeckte Schäden feststellen kann. Auch
die gesundheitliche Bewertung der Schim- Prof. Dr. Andreas Troge
melpilzbelastungen geschieht wegen einer Präsident des Umweltbundesamtes

1
2
Einleitung

Einleitung Restbaufeuchte das Schimmelpilzwachs-


tum begünstigen.
Dem Auftreten von Schimmelpilzen in Ge-
bäuden wird zunehmend Beachtung ge- Bis heute gibt es keine einheitlichen Erfas-
schenkt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. sungsmethoden und Bewertungsmaßstäbe
Voraussetzung für das Schimmelpilzwachs- für Schimmelpilzkontaminationen in Innen-
tum ist generell Feuchtigkeit. Höhere Feuch- räumen. Dieser Leitfaden soll helfen, ein-
te im Innenraum kann durch bauliche Män- heitliche Vorgehensweisen und Empfehlun-
gel oder durch falsches Nutzerverhalten gen zu schaffen. Er soll darüber hinaus dazu
auftreten. beitragen, Schimmelpilzbelastungen in Ge-
bäuden vorzubeugen.
In älteren und in nicht vorschriftsgemäß er-
richteten neuen Gebäuden kann durch Der Leitfaden wendet sich an alle diejenigen,
bauliche Mängel (undichtes Dach, Risse im die mit der Vorbeugung, Erfassung, Bewer-
Mauerwerk) oder Fehler in der Gebäude- tung und Beseitigung von Schimmelpilzbela-
konstruktion Feuchtigkeit in Wände, Fuß- stungen in Gebäuden befasst sind. Hierzu
böden und Decken eindringen sowie zur gehören die Fachleute der einschlägigen Be-
Gebäudeinnenseite wandern. Durch Wär- hörden (Umwelt-, Gesundheits-, Bauauf-
mebrücken oder unzureichend oder falsch sichtsämter) und verschiedenen Berufsgrup-
angebrachte Wärmedämmungen kommt pen (Baufachleute, Analytiker, Hygieniker
es zu einer erhöhten relativen Feuchte an und Mikrobiologen) sowie die Gebäudeei-
der Oberfläche bis hin zur Tauwasserbil- gentümer und -betreiber (Hausverwaltun-
dung an Innenflächen der Gebäudewände. gen, Wohnungsbaugesellschaften etc.).
Um dies zu verhindern und einem Schim-
melpilzbefall vorzubeugen, müssen an er- Der Leitfaden beschränkt sich grundsätzlich
ster Stelle solche baulichen Mängel besei- auf die Problematik der Schimmelpilzbela-
tigt werden. stungen in Räumen und Gebäuden, die auf
natürliche Weise (Fenster, Türen) belüftet
Das Verhalten der Raumnutzer kann eben- werden können. Auf Besonderheiten, die
falls zu erhöhter Feuchte im Innenraum bei- sich durch den Betrieb von mechanischen
tragen. Vor allem unsachgemäßes Lüftungs- Be- und Entlüftungseinrichtungen, z.B. in kli-
verhalten der Bewohnerinnen und Bewoh- matisierten Büroarbeitsräumen, ergeben,
ner in Verbindung mit Tätigkeiten, bei denen wird jedoch ergänzend hingewiesen. Schim-
Feuchtigkeit entsteht (Duschen, Kochen, melpilzprobleme in Krankenhäusern und in
Wäschetrocknen etc.), erhöht die Feuchtig- produktionstechnisch belasteten Arbeits-
keit der Raumluft. Dies kann zu Schimmel- platzinnenräumen (z.B. Abfallverwertungs-
pilzwachstum führen. Besonders bei nach- anlagen) werden nicht behandelt; ebenso
träglich wärmegedämmten und nach den wenig derjenige Schimmelpilzbefall, der
geltenden Wärmeschutzvorschriften neu er- durch verdorbene oder unsachgemäß gela-
richteten Gebäuden ist wegen des verrin- gerte Lebensmittel entsteht und bei Genuss
gerten natürlichen Luftwechsels (das ist der dieser Lebensmittel für die Betroffenen ge-
Luftaustausch mit der Außenluft, der z.B. sundheitliche Probleme verursachen kann.
über Fugenundichtigkeiten bei geschlosse-
nen Fenstern und Türen auftritt) ein sachge- Der Leitfaden ist folgendermaßen aufge-
rechtes Lüften erforderlich. baut:

Nicht zuletzt können unvollständig oder un- Im einem Grundsatzteil (Teil A) wird zu-
sachgemäß beseitigte Wasserschäden oder nächst auf Eigenschaften, Quellen und Vor-

3
Einleitung

kommen der verschiedenen Schimmelpilz- hung der betroffenen Gebäude, der mes-
arten in Gebäuden eingegangen und die ge- stechnischen Erfassung der Schimmelpilz-
sundheitliche Bedeutung von Schimmelpil- belastung und der hygienischen Bewertung
zen und der von ihnen gebildeten Stoff- beschrieben. Hieran schließt sich eine Dar-
wechselprodukte beschrieben. stellung kurz- und langfristiger Maßnahmen
zur Reduzierung des Schimmelpilzbefalls
Teil B befasst sich mit vorbeugenden Maß- und zur Sanierung betroffener Räume an.
nahmen, um Schimmelpilzbefall in Gebäu-
den zu vermeiden. Es werden Hinweise auf Teil D enthält Fallbeispiele, wie in der Praxis
bauseitige Maßnahmen sowie auf richtiges vorgegangen werden kann.
Nutzerverhalten gegeben.
Der Anhang umfasst – neben einem Bege-
Teil C betrifft den Schadensfall. Es werden hungsprotokollmuster – weiterführende Lite-
geeignete Vorgehensweisen bei der Bege- ratur zum Thema „Schimmelpilze“.

4
Teil A, Grundsätzliches

Teil A Problemen im Innenraum führen können (ty-


pischer erdig-modriger Geruch), wird in die-
Grundsätzliches
sem Leitfaden nur auf die Schimmelpilze
Schimmelpilze sind ein natürlicher Teil unse- eingegangen.
rer belebten Umwelt und ihre Sporen sind
daher auch in Innenräumen vorhanden. Die Schimmelpilze bilden in der Wachstumspha-
Vermehrung von Schimmelpilzen in Innen- se Zellfäden (Hyphen), deren Gesamtheit
räumen kann dagegen ein hygienisches man als Myzel bezeichnet. Da diese Fäden
Problem darstellen. meist farblos sind, ist der Schimmelpilz in
dieser Phase normalerweise mit dem blo-
Wirksame Maßnahmen, um Schimmelpilz- ßen Auge nicht sichtbar. Zur Vermehrung
wachstum zu vermeiden, setzen die genaue und Verbreitung bilden Schimmelpilze
Kenntnis der Schimmelpilze und ihrer Um- asexuelle Verbreitungsorgane (Sporangio-
weltansprüche voraus. sporen und Konidien) und, viel seltener,
sexuelle Verbreitungsorgane (Zygosporen,
Ascosporen). Alle Verbreitungsorgane
A-1 Eigenschaften und Vorkommen werden im folgenden unter dem Begriff
von Schimmelpilzen „Sporen“ zusammengefasst (vgl. Abb.1). Da
in Innenräumen die asexuellen Sporen meist in großer Zahl
produziert werden und oft gefärbt sind, wer-
„Schimmelpilze“ ist ein Sammelbegriff für den die Schimmelpilze in diesem Stadium
Pilze, die typische Pilzfäden und Sporen mit bloßem Auge (z.B. als Schimmelpilz-
ausbilden können und dadurch makrosko- flecken) sichtbar.
pisch als (oft gefärbter) Schimmelbelag
sichtbar werden. Es handelt sich dabei aber Schimmelpilzsporen umfassen mit wenigen
nicht um eine einheitliche Gruppe von Pil- Ausnahmen den Größenbereich von 3 bis
zen, vielmehr sind unter dem Begriff 20 µm (maximaler Bereich 2-100 µm, 1 µm
„Schimmelpilze“ Fadenpilze aus mehreren entspricht 1/1000 mm). Die meisten Sporen
Pilzgruppen (Zygomycetes, Ascomycetes, haben Durchmesser unter 10 µm. Sie kön-
Fungi imperfecti) zusammengefasst. nen damit eingeatmet werden sowie in der
Luft über weite Strecken schweben und mit
Die einzelnen Schimmelpilze werden mit dem Wind transportiert werden.
einem lateinischen Doppelnamen bezeich-
net. Dabei steht der erste Teil des Namens
für die übergeordnete Pilzgattung (z.B. Schimmelpilze sind ein natürlicher Teil
Aspergillus, Penicillium), der zweite Teil be- unserer Umwelt und daher auch in
nennt die einzelne Pilzart (synonym: Pilz- Innenräumen vorhanden.
spezies; z.B. Aspergillus fumigatus, Penicil-
lium chrysogenum). Ein Schimmelpilzwachstum im Innen-
raum sollte jedoch vermieden werden.
Manchmal werden in den Begriff „Schim-
melpilze“ zusätzlich bestimmte schimmel- Die Schimmelpilzkonzentration in der
pilzartig bzw. fadenförmig wachsende Bak- Außenluft ist starken Schwankungen
terien, die Actinomyceten, eingeschlos- unterworfen. Daher muss bei Schim-
sen. Dies mag aus praktischen Gründen ge- melpilzmessungen in der Innenraum-
rechtfertigt sein, aus systematischen Grün- luft parallel auch die Außenluft unter-
den ist eine solche Zuordnung jedoch nicht sucht werden.
korrekt. Obwohl auch Actinomyceten zu

5
Teil A, Grundsätzliches

Abb.1: Verschiedene Schimmelpilzarten, die in einer Petrischale auf Nährmedium wachsen und Sporen
bilden (Bild: Trautmann, Umweltmykologie)

Schimmelpilze sind an der Zersetzung von Schimmelpilze, die in der Innenraumluft


organischem Material beteiligt und spielen nachgewiesen werden, können zwei Quel-
damit eine wichtige Rolle im Kohlenstoff- len haben. Zum einen können sie bei Lüf-
kreislauf der Natur. Ihre Konzentration in der tungsvorgängen aus der Außenluft in den
Außenluft ist je nach Ort, Klima, Tages- und Innenraum gelangt sein; zum anderen kön-
Jahreszeit großen Schwankungen unter- nen sie aus Quellen im Innenraum stam-
worfen (vgl. Abb. 2). Diese Schwankungen men. Um hier unterscheiden zu können, ist
werden durch natürliche Einflüsse hervorge- es notwendig, bei Untersuchungen der
rufen, beispielsweise durch Änderung der Innenraumluft immer parallel eine verglei-
Temperatur und Feuchtigkeit im Jahresver- chende Messung in der Außenluft durchzu-
lauf sowie durch Abhängigkeit von der geo- führen.
graphischen Lage, Ansammlung von verrot- Das Schimmelpilzwachstum im Innen-
tendem Material oder Aufwirbelung von raum wird hauptsächlich durch drei Fakto-
Erde. Weiterhin können Schimmelpilze auch ren bestimmt: Feuchtigkeit, Nährstoffange-
durch Produktionsprozesse freigesetzt wer- bot und Temperatur. Weitere Faktoren, die
den, wie z.B. in Kompostierungsanlagen, das Wachstum oder bestimmte Stoffwech-
Wertstoffsortierungsanlagen, Tierhaltungs- selvorgänge beeinflussen können, sind der
anlagen oder in der Getreideverarbeitung. pH-Wert des Substrates, Licht (Sporenbil-

6
Teil A, Grundsätzliches

Abb. 2: Jahreszeitlicher Verlauf der Schimmelpilzkonzentration in der Außenluft. Die Boxplots zeigen den
Medianwert (dicke schwarze Linie), das 25. und 75. Perzentil (Begrenzung grauer Bereich), das 5.
und 95. Perzentil sowie Ausreißer (❍) und maximale Werte (✳).

12000
Pilzsporenkonzentration, KBE/m3 Luft

10000

8000

6000

4000

2000

0
N= 22 20 19 22 19 19 22 22 20 20 21 18
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Monat

Quelle: Koch, A., K.J., Heilemann, J., Heinrich, H.E., Wichmann; W., Bischof (2000): Indoor viable mold spores – a com-
parison between two cities, Erfurt (Eastern Germany) and Hamburg (Western Germany). Allergy 55: 176-180

dung), der Sauerstoffgehalt der Luft sowie In unseren Breiten finden mesophile Schim-
chemische Substanzen. melpilze am ehesten optimale Temperatur-
Schimmelpilze können in einem weiten bedingungen außerhalb von Räumen. In
Temperaturbereich wachsen (vgl. Tab. 1). diese Gruppe gehören die wichtigsten Ver-
Pilzarten, die in einem mittleren Temperatur- treter der Gattung Penicillium. Aspergillus-
bereich wachsen, werden als mesophil, sol- Arten bevorzugen höhere Temperaturen
che, die auch noch bei hohen Temperaturen und zählen daher zum großen Teil zu den
gut wachsen können, als thermotolerant be- thermotoleranten Schimmelpilzen. Thermo-
zeichnet. Liegt das Wachstumsoptimum bei phile Schimmelpilze, wie der gesundheitlich
hohen Temperaturen, handelt es sich um bedeutsame Aspergillus fumigatus, kom-
thermophile Pilze. men dagegen vergleichsweise selten vor.

Tabelle 1: Wachstumstemperaturen mesophiler, thermotoleranter und thermophiler Schimmelpilze

Bezeichnung Wachstumstemperatur °C

Minimum Optimum Maximum

Mesophile Schimmelpilze 0–5 25–35 ca. 40

Thermotolerante Schimmelpilze 0–5 30–40 ca. 50

Thermophile Schimmelpilze 20–25 35–55 ca. 60

Quelle: Mücke M, Lemmen Ch (1999): Schimmelpilze, Vorkommen, Gesundheitsgefahr, Schutzmaßnahmen. ecomed-


Verlagsgesellschaft, Landsberg. Verändert.

7
Teil A, Hygienische Anforderungen im praktischen Schulbetrieb

Schimmelpilze können eine Vielzahl von aw = pD/pS (1)


Materialien als
nutzen wie z.B.: Der aw-Wert kann berechnet werden, wenn
– Holz, Spanplatten, die relative Luftfeuchtigkeit (RH) über dem
– Papier, Pappe, Karton (auch Gipskarton), Material bekannt ist:
– Tapeten, Tapetenkleister,
– Kunststoffe, Gummi, Silikon, Folien, aw = RH (%)/100 (2)
– Teppichböden, Kleber für Fußbodenbelag,
– Farben, Lacke, Diese Zusammenhänge gelten exakt jedoch
– Leder. nur unter Gleichgewichtsbedingungen in
Auch Materialien wie Zement und Beton geschlossenen Systemen, wie sie bei La-
können Nährstoffe für Schimmelpilze ent- borexperimenten in Feuchtekammern ein-
halten. Schimmelpilze können außerdem gestellt werden können. Die Einstellung sol-
auf Materialien wachsen, die selbst keine cher Gleichgewichtsbedingungen kann je
Nährstoffe abgeben, wenn sich organische nach Material Wochen oder Monate dauern.
Partikel und Stäube aus der Luft auf diesen
abgesetzt haben (z.B. auf Glas). In der Praxis treten fast nie Gleichgewichts-
zustände auf, da die Feuchte über dem Ma-
Da die Temperaturen in Innenräumen meist terial laufend durch Temperaturänderungen,
in einem für Schimmelpilzwachstum günsti- Luftströmungen und Feuchteproduktion im
gen Bereich liegen und sich außerdem in Raum u.a. beeinflusst wird.
Innenräumen genügend Nährstoffe für
Schimmelpilze in Form von Holz, Tapeten, Um diesen Schwankungen gerecht zu wer-
Teppichen, Wandfarbe, u. ä. befinden, den, sollte daher in der Praxis zur Beurtei-
kommt der Feuchtigkeit die entscheidende lung der Oberflächenfeuchte die relative
Rolle für das Wachstum zu. Feuchtigkeit auf der Oberfläche des Materi-
als über einen längeren Zeitraum mit einem
Schimmelpilze in Innenräumen kön- Hygrometer bestimmt werden. Der aw-Wert
nen auf einer Vielzahl von Materialien kann dann aus diesen Daten nach Glei-
und in einem weiten Temperaturbe- chung (2) berechnet werden. Eine Berech-
reich wachsen. nung aus einem einzelnen Messwert ist
nicht sinnvoll. Genauere Daten, auch bei
Feuchtigkeit hat dabei eine entschei- Einzelmessungen, erhält man durch eine
dende Bedeutung. Feuchtebestimmung mit einem Feuchtefüh-
ler, der ins Material eingebracht wird.

Schimmelpilze können auf Materialien nur Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung
wachsen, wenn eine bestimmte Mindest- des aw-Wertes führt über die Bestimmung
feuchte vorhanden ist. Dabei ist nicht die des Wassergehaltes von entnommenen Ma-
Gesamtfeuchte des Materials ausschlag-
gebend, sondern nur das den Pilzen zur
1 Bringt man ein anfangs getrocknetes Material in
Verfügung stehende „freie“ Wasser. Dieser eine Umgebung konstanter relativer Luftfeuchte, so
Anteil wird ausgedrückt als Wasseraktivität nimmt dieses solange Feuchtigkeit auf, bis ein
Gleichgewicht entstanden ist. Bei einer Erhöhung
(aw-Wert) und ist definiert als Quotient des dieser Luftfeuchte wird vom Material weitere
Wasserdampfdruckes im bzw. auf dem Sub- Feuchte aufgenommen bzw. bei einer Erniedrigung
strat (pD)1 und des Sättigungsdruckes (pS) abgegeben. Das Erreichen eines Gleichgewichts
bedeutet, dass der Wasserdampfdruck in den
des reinen Wassers bei derselben Tempera- Poren des Materials der gleiche ist wie in der
tur: Umgebungsluft.

8
Teil A, Hygienische Anforderungen im praktischen Schulbetrieb

terialproben. Dabei muss berücksichtigt melpilze können also auch auf Materialien
werden, dass die Wasseradsorption ver- wachsen, die nicht sichtbar nass sind. Es
schiedener Materialien sehr verschieden genügt eine relative Luftfeuchtigkeit von un-
sein kann. In Abbildung 3 sind vergleichend gefähr 80 % an der Oberfläche des Materi-
verschiedene Materialien und ihr Verhalten als. Besonders gute Wachstumsbedingun-
bei Feuchtigkeit dargestellt. Deutliche Unter- gen finden sich immer dann, wenn es zu
schiede sind z.B. zwischen dem Verhalten Tauwasserbildung auf oder im Material
von Holz und Ziegelstein zu beobachten. Mit kommt. Die unterschiedlichen Stoffwechsel-
Hilfe von solchen Sorptionsisothermen (vgl. funktionen von Pilzen laufen bei unter-
Abb. 3) kann der aw-Wert bestimmt werden. schiedlichen Mindest-Wasseraktivitäten ab.
So tritt bei niedrigeren aw-Werten zwar
Der Wassergehalt des Materials (und damit Wachstum auf; für die Sporenproduktion
der aw-Wert) ist abhängig von der chemi- und auch die Mykotoxinproduktion sind in
schen Zusammensetzung des jeweiligen der Regel jedoch höhere aw-Werte notwen-
Substrates, der Temperatur und dem pH- dig.
Wert des Materials.
In Tabelle 2 sind einige Schimmelpilzarten
Durch Laborexperimente konnte gezeigt mit ihren minimalen zum Wachstum benö-
werden, dass die meisten Schimmelpilze tigten aw-Werten aufgeführt. Xerophile Ver-
zum Wachstum aw-Werte von mindestens treter, wie z.B. Aspergillus restrictus können
0,80-0,85 benötigen. Besonders xerophile bereits ab einer Feuchte von 71–75 % über
(trockenliebende) Pilze können aber bereits dem Material wachsen. Stachybotrys char-
bei aw-Werten von 0,7 wachsen (Tab.2). tarum dagegen braucht sehr viel mehr
Optimal für Schimmelpilzwachstum sind Feuchtigkeit zum Wachstum (minimaler
aw-Werte im Bereich von 0,90–0,99. Schim- aw-Wert von 0,94) und tritt daher nur bei

Abb.3: Zusammenhang zwischen Materialfeuchte (Volumenfeuchte) uv und relativer Luftfeuchte ϕ über


dem Material für unterschiedliche Materialien.

20 5

4
15

3
uv (%)

10 z
Hol

2
n
beto
Gas
in
ton ste
5 Be nd
Sa
in
dste 1
san
Kalk
n
plittbeto Ziegel
Ziegels
s
ip
G

0 20 40 60 ϕ/% 100 0 20 40 60 ϕ/% 100

Quelle: Kupfer, K. et al. (1997) Materialfeuchtemessung. Grundlagen-Meßverfahren-Applikationen-Nor-


men, S. 236. expert-Verlag Renningen-Malmsheim. Verändert.

9
Teil A, Hygienische Anforderungen im praktischen Schulbetrieb

starker Durchfeuchtung des Materials, z.B. Da auch von nicht vermehrungsfähigen


nach Wasserschäden, auf. Schimmelpilzen gesundheitliche Wirkungen
ausgehen können (vgl. A-2), gibt es Metho-
Tabelle 2: Für das Wachstum unterschied- den, bei denen alle Schimmelpilze – ver-
licher Schimmelpilze erforderliche mehrungsfähige und nicht vermehrungsfä-
minimale Wasseraktivitäten (mini- hige – gezählt werden. Die Angabe der
male aW-Werte) Konzentration erfolgt in diesem Fall als Ge-
samtsporenzahl bzw. Gesamtzellzahl pro
Schimmelpilzart Minimale aW-Werte m3, pro g oder pro Flächeneinheit (vgl. C-
1.2.5).
Aspergillus restrictus 0,71–0,75

Aspergillus versicolor 0,78

Aspergillus fumigatus 0,85–0,94 A-2 Wirkungen von


Schimmelpilzen auf den
Cladosporium cladosporioides 0,86–0,88
Menschen
Fusarium solani 0,87–0,90
Zahlreiche epidemiologische Studien zu ge-
Penicillium chrysogenum 0,78–0,81
sundheitlichen Auswirkungen durch Schim-
Rhizopus stolonifer 0,93 melpilze belegen einen Zusammenhang zwi-
Stachybotrys chartarum 0,94 schen einer Exposition der Normalbevölke-
rung gegenüber luftgetragenen mikrobiologi-
Wallemia sebi 0,69–0,75
schen Stoffen in der Umwelt – auch durch
Quelle: Northolt MD, Frisvad JC, Samson RA Feuchtigkeit sowie Schimmelbildung im
(1995): Occurrence of food-borne fungi Innenraum – und Atemwegsbeschwerden.
and factors for growth. In: Samson RA
et al. (ed.) Introduction to food-borne
In keiner dieser umweltepidemiologischen
fungi., CBS, Baarn, NL
Studien konnte jedoch bislang aufgrund der
vielen möglichen Einflussfaktoren eine
Zur Vermeidung von Schimmelpilzwachs- Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen der
tum im Innenraum ist die Reduktion der Konzentration an Schimmelpilzen in der Luft
Feuchte im Material bzw. auf seiner Oberflä- und den gesundheitlichen Auswirkungen
che von entscheidender Bedeutung (vgl. Teil aufgestellt werden. Dies bedeutet, dass es
B). Auch bei der Sanierung von Wohnungen, nicht möglich ist anzugeben, ab welchen
die mit Schimmelpilzen befallen sind, ist ein Konzentrationen von Schimmelpilzen im
langfristiger Erfolg nur zu erreichen, wenn Innenraum mit welchen Erkrankungshäufig-
die Ursachen für die erhöhte Feuchtigkeit keiten zu rechnen ist (vgl. C-2.). Bei sehr
gefunden und beseitigt werden (vgl. C-3). hohen Schimmelpilzkonzentrationen, wie
sie an belasteten Arbeitsplätzen auftreten
Die Konzentration von vermehrungsfähigen können, wurden in neueren epidemiologi-
Schimmelpilzen wird nach Entnahme einer schen Studien Dosis-Wirkungsbeziehungen
Probe (Luft, Staub, Material) durch Kultivie- zwischen der Konzentration an Schimmel-
rung auf festen Nährmedien bestimmt. Auf pilzen in der Luft und gesundheitlichen Aus-
den Agar-Nährmedien wachsen die Schim- wirkungen gefunden; derartig hohe Konzen-
melpilze zu sichtbaren Schimmelpilzkolo- trationen treten jedoch außerhalb des Ar-
nien heran. Die Konzentrationsabgabe er- beitsplatzbereiches nicht auf.
folgt als koloniebildende Einheiten (KBE)
pro untersuchtem Volumen (m3), pro g oder Sporen und Stoffwechselprodukte von
pro Flächeneinheit (vgl. C-1.2). Schimmelpilzen können, über die Luft ein-

10
Teil A, Hygienische Anforderungen im praktischen Schulbetrieb

geatmet, allergische und reizende Reaktio- A-2.1 Allergische Reaktionen


nen bzw. Symptomkomplexe beim Men-
schen auslösen (vgl. A-2.1, A-2.2). In selte- Schimmelpilze sind in der Lage, aller-
nen Fällen können einige Schimmelpilzar- gische Reaktionen auszulösen.
ten darüber hinaus bei bestimmten Risiko-
gruppen auch Infektionen hervorrufen (sog. Eine der möglichen gesundheitlichen Reak-
Mykosen; vgl. A-2.3). Diese verschiedenen tionen des Körpers auf eine erhöhte Schim-
gesundheitlichen Auswirkungen werden im melpilzkonzentration im Innenraum ist das
Folgenden nach der Häufigkeit ihres Auftre- Auftreten von Allergien, die durch Einatmen
tens und der Bedeutung für den Innenraum von Sporen ausgelöst werden. Es wird an-
kurz dargestellt. Dabei ist es wichtig zu be- genommen, dass grundsätzlich alle Schim-
achten, dass allergische und reizende Wir- melpilze in der Lage sind, bei empfäng-
kungen sowohl von lebenden als auch von lichen Personen allergische Reaktionen
abgestorbenen Schimmelpilzen ausgehen auszulösen.
können, während zur Auslösung von Infek-
tionen nur lebende befähigt sind. Bei Allergien setzt sich das Immunsystem
des Körpers nicht gegen gefährliche Fremd-
Die häufigsten bei Schimmelpilzbelastun- stoffe (z.B. Krankheitserreger) sondern
gen im Innenraum beschriebenen Sympto- fälschlicherweise gegen an sich harmlose
me sind unspezifisch, so z.B. Bindehaut-, Fremdstoffe (wie z.B. Pollen, Bestandteile
Hals- und Nasenreizungen sowie Husten, von Lebensmitteln) zur Wehr. Beim ersten
Kopfweh oder Müdigkeit. Einige dieser Kontakt mit dem Fremdstoff (Antigen) tritt
Symptome (Bindehaut- oder Nasenreizun- noch keine allergische Reaktion ein, son-
gen) können sowohl im Zusammenhang mit dern der Körper bereitet sich durch die Pro-
leichten allergischen (vgl. A-2.1) als auch duktion von Abwehrstoffen (Antikörpern) auf
mit reizenden Wirkungen (vgl. A-2.2) ste- die Bekämpfung des Fremdstoffes vor. Man
hen. Die anderen werden vor allem mit rei- bezeichnet eine solche Person als „sensibi-
zenden Wirkungen in Verbindung gebracht. lisiert“. Erst bei erneutem Kontakt mit dem
Fremdstoff kann es dann zu allergischen Er-
scheinungen kommen, bei denen eine
Epidemiologische Studien geben Hin- ganze Kette von Reaktionen im Körper ab-
weise auf einen Zusammenhang zwi- läuft, an deren Ende die typischen Sympto-
schen Schimmelpilzexpositionen und me allergischer Reaktionen, wie Schnupfen,
Atemwegsbeschwerden. Niesen, gerötete Augen, Hautausschlag etc.
stehen.
Wissenschaftlich abgesicherte Aussa-
gen über eine Dosis-Wirkungsbezie- In der Normalbevölkerung sind Allergien
hung zwischen der Schimmelpilzexpo- häufig. Ein Teil davon (genaue Angaben
sition in Innenräumen und gesundheit- über die Höhe sind in der Literatur strittig)
lichen Beschwerden der Bewohner wird auf Schimmelpilze zurückgeführt.
sind jedoch nicht möglich. Schimmelpilzallergien sind aber weniger
häufig als Pollenallergien (Heuschnupfen)
Daher kann aus gemessenen Schim- oder Milbenallergien und treten oft in Kom-
melpilzkonzentrationen nicht unmittel- bination mit anderen, bereits bestehenden
bar auf gesundheitliche Wirkungen Allergien auf. Der Anteil von Patienten mit
geschlossen werden. einer atemwegsbedingten Allergie, die eine
Sensibilisierung gegen Pilzallergene auf-
weisen, wird in verschiedenen Studien mit

11
Teil A, Hygienische Anforderungen im praktischen Schulbetrieb

INFOBOX
Epidemiologische Studien – Beispiele
Ein qualitativer Zusammenhang zwischen Atemwegssymptomen oder Allergien und dem Vor-
kommen von Feuchtigkeit oder Schimmel in der Wohnung wurde in zahlreichen Studien ge-
zeigt. Eine aktuelle Zusammenfassung bisheriger Studien findet sich bei Bornehag et al. (1).
In einer weiteren Zusammenschau (2) wurden viele Studien zur Auswirkung des Auftretens von
Schimmelpilzen im Wohnbereich auf Erkrankungen der Atemwege analysiert. Es wurde ein um den
Faktor 1,5–3,5 höheres Risiko („Odds Ratio“ 1,5–3,5) für Kinder, die in pilzbelasteten Wohnungen
wohnten, errechnet – im Vergleich mit Kindern in nicht mit Schimmelpilzen belasteten Wohnungen.
Garrett et al. (3) konnten beispielhaft zeigen, dass eine erhöhte Raumluftkonzentration von Pe-
nicillium-Arten signifikant mit kindlichem Asthma bronchiale korrelierte. Dabei wurde jedoch
kein Zusammenhang zwischen der Konzentration anzüchtbarer Schimmelpilzsporen und
Atemwegssymptomen oder Allergien bei Kindern gefunden.
Bei der Mehrzahl der Studien wurde die Exposition gegenüber Schimmelpilzen nicht gemes-
sen sondern über Fragebögen abgeschätzt. Gefragt wurde nach dem Auftreten von feuchten
Stellen bzw. Schimmel oder Schimmelgeruch in der Wohnung. Da vorhandene Schimmelpilz-
belastungen sowie feuchte Stellen nicht in allen Fällen optisch wahrgenommen werden kön-
nen, weisen solche Fragebogenangaben eine relativ große Unsicherheit auf. Das wiederum
hat einen Einfluss auf die Zuverlässigkeit der gesundheitsbezogenen Aussagen.
Seit 1992 werden im Rahmen des Projektes „Beobachtungsgesundheitsämter“ in Baden-
Württemberg Untersuchungen bei Kindern der 4. Klasse durchgeführt (4). Für den Zeitraum
1996–1997 ergab sich für Kinder aus Wohnungen, in denen feuchte Stellen oder Schimmel
beobachtet wurden, ein um den Faktor 1,5 bzw. 1,7 höheres Risiko für Asthma und Ekzem
gegenüber Kindern aus Wohnungen, in denen keine feuchte Stellen oder Schimmel wahrge-
nommen wurden. Auch hier wurde das Auftreten von Schimmel bzw. feuchten Stellen über
einen Fragebogen erfasst.
In einer aktuellen Studie (5) wurden Säuglinge mit einem erhöhten Risiko für Allergien (erhöh-
te IgE-Titer, beide Elternteile allergisch vorbelastet, geringes Geburtsgewicht) ausgewählt. Im
Alter von drei Jahren wurde bei diesen Kindern eine Untersuchung über den Zusammenhang
zwischen Schimmelpilzbelastung im Kinderzimmer und Erkrankungen durchgeführt. Es ergab
sich ein um den Faktor 7 erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen oder erhöhte IgE-Titer gegen
Gras bei erhöhten Konzentrationen an Penicillium bzw. Aspergillus (> 100 KBE/m3).
(1) Bornehag CG, Blomquist G, Gyntelberg F, Jarvholm B, Malmberg P, Nordvall L, Nielsen A,
Pershagen G, Sundell J. (2001) 71: Dampness in buildings and health. Nordic interdisci-
plinary review of the scientific evidence on associations between exposure to „dampness“
in buildings and health effects (NORDDAMP). Indoor Air 2001 Jun;11(2):72–86 .
(2) Peat JK, Dickerson J, Li J, (1998). Effects of damp and mould in the home on respiratory
health: a review of the literature. Allergy 53: 120-8
(3) Garrett MH, Rayment PR, Hooper MA, Abramson MJ, Hooper BM (1998). Indoor airborne
fungal spores, house dampness and associations with environmental factors and respira-
tory health in children, Clin Exp Allergy, 28: 459–467
(4) Projekt Beobachtungsgesundheitsämter. Belastungs- und Wirkungsmonitoring. Bericht zur
Untersuchung 1998/1999, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, August 2000,
ISSN 1616–2358.
(5) Müller A, Lehmann I, Seiffart A, Diez U, Wetzig H, Borte M, Herbarth, O (2001). Increase
of incidence of allergic sensitation and respiratory disease by mould exposure: results of
the Leipzig Allergy High Risk Children Study (LARS). Int. J. Hyg. Environ. Health, accep-
ted for publication

12
Teil A, Hygienische Anforderungen im praktischen Schulbetrieb

2–30 % angegeben. Oft wird aber eine diesen Schimmelpilzen – z.B. am Arbeits-
Schimmelpilzallergie nicht erkannt, da es platz – wider, lässt jedoch keine Rückschlüs-
erst für einige wenige Schimmelpilze se auf das Vorhandensein oder den Schwe-
Extrakte für die Allergietestung gibt. regrad einer allergischen Reaktion zu.

Zu den allergischen Symptomen, die durch


Schimmelpilze ausgelöst werden, zählen A-2.2 Reizende und toxische
z.B. Rhinitis (Heuschnupfen-ähnliche Wirkungen
Symptome), Asthma und allergische Al-
veolitis (siehe unten). Diese können sich
unmittelbar, innerhalb von Minuten (Allergie Reizende und toxische Wirkungen von
vom Typ I) nach Sporenkontakt oder erst Schimmelpilzen wurden bisher – fast
nach 4 bis 8 Stunden (Allergie vom Typ III) ausschließlich – an belasteten Arbeits-
bzw. 24–48 Stunden (Allergie vom Typ IV) plätzen mit hohen Schimmelpilzkon-
entwickeln. Rhinitis- und Asthma-Anfälle tre- zentrationen nachgewiesen.
ten innerhalb weniger Minuten nach dem
Kontakt mit Schimmelpilzen auf und gehö- Die Bedeutung dieser Wirkungen bei
ren damit zum Reaktionstyp I. Bei bereits Schimmelpilzwachstum in Innenräu-
sensibilisierten Personen können auch ge- men ist unklar.
ringe Schimmelpilzkonzentrationen, wie sie
in niedrig-belasteten Innenräumen vorkom-
men können, ausreichend sein, um allergi- Gesundheitliche Probleme durch reizende
sche Reaktionen (z.B. Asthmaanfälle) aus- Wirkungen von Schimmelpilzen treten vor
zulösen. allem an Arbeitsplätzen auf, an denen hohe
Konzentrationen von Schimmelpilzen vor-
Die sehr viel seltener und fast ausschließ- kommen. Das Organic Dust Toxic Syn-
lich am Arbeitsplatz auftretende exogen- drom (ODTS) wird in ursächlichen Zu-
allergische Alveolitis (EAA= Hypersensi- sammenhang mit dem Einatmen von sehr
tivitätspneumonie) wird im allgemeinen hohen Konzentrationen an Schimmelpilzen
durch wiederholte Exposition gegenüber (109 Sporen/m3) oder Bakterien (1–2 µg/m3
sehr hohen Konzentrationen von Sporen Endotoxin) gebracht, wie sie an produk-
(106 bis 1010 Sporen/m3) ausgelöst, wie sie tionstechnisch belasteten Arbeitsplätzen,
im Innenraum nicht zu erwarten sind. Bei nicht jedoch im Innenraum vorkommen kön-
dauerhafter Exposition kann die EAA in eine nen. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet
Lungenfibrose münden. Die EAA kann zur durch Fieber, grippeartige Symptome und
Entwicklung von spezifischen Berufserkran- Erschöpfungszustände sowie teilweise auch
kungen, wie z.B. der Farmerlunge führen. Haut- und Schleimhautreizungen. Die Reak-
Hier spielen Sporen aus verschimmeltem tion erfolgt innerhalb weniger Stunden nach
landwirtschaftlichen Material wie Heu, der Exposition. Die unter den Begriffen Dre-
Stroh, Getreide und Gemüse die wesentli- scher-, Getreide- bzw. Mühlenfieber be-
che Rolle. schriebenen Krankheitsbilder gehören zum
ODTS.
Eine Möglichkeit zur Abschätzung, ob eine
Person Schimmelpilzen ausgesetzt war, ist Weitere schleimhautreizende Symptomati-
die Bestimmung von spezifischen Antikör- ken werden mit dem Begriff Mucous Mem-
pern (IgG) verbreiteter Schimmelpilze im brane Irritation Syndrom (MMI) bezeich-
Blut-Serum. Die Konzentration der Antikör- net, die ebenfalls nur aus dem Arbeitsbe-
per spiegelt zwar den Kontakt der Person zu reich bekannt sind und sich nach mehrwö-

13
Teil A, Hygienische Anforderungen im praktischen Schulbetrieb

chiger Exposition gegenüber mittleren 1,3-ß-D-Glucan ist ein Toxin, das Bestand-
Schimmelpilzkonzentrationen (> 103 Spo- teil der Zellwand von Pilzen ist und aus Pilz-
ren/m3) entwickeln können. hyphen sowie Sporen extrahiert werden
kann. Es hat, wie die Endotoxine aus Gram-
Außerhalb des Arbeitsplatzbereiches, gibt negativen Bakterien, eine entzündungsför-
es nur wenige Einzelfallbeschreibungen von dernde Wirkung und wurde bei Untersu-
akuten toxisch-reizenden Erkrankungen. chungen in Bürogebäuden mit mangelhafter
Ungeklärt ist allerdings, wie sich niedrige Innenraumluftqualität mit dem Auftreten von
Konzentrationen von Schimmelpilzen und Schleimhautreizung und Müdigkeit in Zu-
deren Stoffwechselprodukten bei lang an- sammenhang gebracht.
haltender Exposition auf die Gesundheit
auswirken können. In epidemiologischen Bei den von Schimmelpilzen produzierten,
Studien wurden bei Schimmelpilzbelastung den charakteristischen Schimmelgeruch
im Innenraum ähnliche Symptomatiken be- verursachenden, flüchtigen organischen
schrieben wie beim MMI. Verbindungen (MVOC, englisch = Microbial
Volatile Organic Compounds), handelt es
Die Ursachen derartiger Wirkungen von sich um ein Gemisch aus verschiedenen
Schimmelpilzen sind im Einzelnen nicht be- Stoffen (z.B. Alkohole, Terpene, Ketone,
kannt. Es wird vermutet, dass von Schim- Ester, Aldehyde). Einige Studien weisen auf
melpilzen abgegebene giftige Stoffe, sog. einen Zusammenhang zwischen MVOC-Ex-
Mykotoxine, sowie 1,3-ß-D-Glucan und position und gesundheitlichen Beschwerden
möglicherweise MVOC (siehe unten) und wie Schleimhautreizungen und Kopfschmer-
andere bisher unbekannte Stoffwechselpro- zen hin.
dukte oder Bestandteile von Schimmelpil-
zen beteiligt sind. Prinzipiell sind alle Schim- Toxische Wirkungen der MVOC sind nach
melpilze (und Bakterien) in der Lage, solche heutigem Kenntnisstand im Innenraum nicht
Symptome auszulösen. relevant, da solche Wirkungen – wenn über-
haupt – erst bei Konzentrationen auftreten,
Verschiedene Schimmelpilzarten sind in der wie sie im Innenraum nicht erreicht werden.
Lage Mykotoxine zu produzieren. Anders
als für den Bereich der Lebensmittel ist das Der Bedeutung von möglichen Geruchsbe-
Datenmaterial über toxische Wirkungen von lästigungen durch MVOC ist jedoch Beach-
Mykotoxinen, was die Aufnahme über die tung zu schenken, da die Geruchsschwellen
Atemwege oder die Haut anbelangt, zur Zeit einiger MVOC im unteren µg/m3-Bereich lie-
noch sehr begrenzt. Die derzeit vorliegen- gen (vgl. C-1.3).
den Ergebnisse aus Tierversuchen zeigen
aber, dass auch Mykotoxine, die über die Der analytische Nachweis von MVOC in der
Luft verbreitet und eingeatmet werden, zu Innenraumluft kann auch als Indikator für
Erkrankungen führen können. Die im Innen- verdeckte Schimmelpilzvorkommen be-
raum auftretenden Konzentrationen an My- trachtet werden (vgl. C-1.3).
kotoxinen sind im Allgemeinen gering und
die Wirkung von derart niedrigen Konzentra-
tionen auf die Gesundheit bei langfristiger
Exposition derzeit nicht bekannt. Aus Vor-
sorgegründen ist aber das verstärkte Auftre-
ten von Mykotoxin-produzierenden Schim-
melpilzarten im Innenraum kritisch zu be-
werten.

14
Teil A, Hygienische Anforderungen im praktischen Schulbetrieb

A-2.3 Pulmonale Mykosen Mykosen treten fast ausschließlich bei be-


sonders empfänglichen, meist stark immun-
Infektionen durch Schimmelpilze (My- geschwächten Personengruppen (z.B.
kosen) kommen nur sehr selten und nur Krebspatienten nach Chemotherapie, Trans-
bei besonders empfänglichen, stark im- plantations-Patienten, HIV-Patienten) auf.
mungeschwächten Patienten vor. Dies ist daher auch nicht in erster Linie ein
Problem im Wohnbereich, sondern primär
Stark immungeschwächte Patienten, eines im klinischen Bereich. Allerdings ist
die ambulant behandelt werden, soll- mit der Verlagerung der Behandlung solcher
ten von ihrem behandelnden Arzt un- Patienten in den ambulanten Bereich und
bedingt über die Risiken einer Infek- durch die Tatsache, dass die Patienten auf-
tion durch Schimmelpilze aufgeklärt grund der gestiegenen Lebenserwartung
werden. immer älter werden und alte Menschen an-
fälliger für Atemwegsinfektionen sind, mit
Durch Schimmelpilze hervorgerufene Infek- einer Zunahme von Schimmelpilzinfektio-
tionen der Lunge (pulmonale Mykosen) nen zu rechnen. Stark immungeschwächte
kommen nur sehr selten vor. Die am häufig- Patienten, die ambulant behandelt werden,
sten beschriebene Mykose ist die von ver- sollten von ihrem behandelnden Arzt unbe-
schiedenen Aspergillusarten hervorgerufe- dingt über die Risiken einer Infektion durch
ne sog. Aspergillose. Schimmelpilze aufgeklärt werden.

15
Teil B, Vorbeugende Maßnahmen gegen Schimmelpilzbefall

Teil B Norm gibt vereinfachte Nachweisverfahren


für die Einhaltung der Anforderungen an.
Vorbeugende Maßnahmen
Für bestimmte Konstruktionen enthält DIN
gegen Schimmelpilzbefall 4108 Beiblatt 2 einige Ausführungsdetails.

Die wichtigste Voraussetzung für das Bei Beachtung der Vorgaben dieser Norm
Schimmelpilzwachstum ist das Vorhanden- ist davon auszugehen, dass bei üblicher
sein von Feuchtigkeit, was meist auf bauli- Raumnutzung Schäden durch Schimmel-
che Mängel und/oder falsches Nutzerver- pilzwachstum im Allgemeinen nicht auftre-
halten zurückgeführt werden kann. Fachge- ten.
rechte bauseitige Maßnahmen und vernünf-
tiges Raumnutzerverhalten müssen zu- Die Berechnungen zur notwendigen Wär-
sammenwirken, um eine Wohnung frei von medämmung hatten in der Vergangenheit
Schimmelpilzwachstum zu halten. Beide als wichtigstes Kriterium die Vermeidung
Aspekte werden im Folgenden behandelt. von Tauwasserbildung vorgegeben (Tau-
wasserkriterium). Basierend auf der Er-
kenntnis, dass ein Schimmelpilzwachstum
B-1 Bauseitige Maßnahmen bereits bei einer Luftfeuchtigkeit von ca. 80
% an der Materialoberfläche möglich ist,
Grundvoraussetzung für eine Woh- wurde in der DIN 4108-2:2001 eine weiter-
nung ohne Schimmelpilzwachstum ist reichende Forderung dadurch aufgestellt,
eine Errichtung des Gebäudes nach dass in die Norm weitergehende Vorgaben
dem Stand der Technik. zur Berechnung von Wärmedämmmaßnah-
men aufgenommen wurden, um Schimmel-
Für die Vermeidung von Schimmelpilz- pilzwachstum auszuschließen (Schimmel-
wachstum durch Feuchteschäden sind be- pilzkriterium).
sonders folgende Maßnahmen zu nennen:
Bei vielen wärmegedämmten Häusern ist
■ Mindestwärmeschutz (DIN 4108-2:2001- diese weitergehende Anforderung noch
03) nicht erfüllt, und es kann vor allem bei
■ Schutz vor Schlagregen (DIN 4108-3) Raumnutzungen mit erhöhter Feuchtigkeits-
■ Abdichtung gegenüber aufsteigender produktion oder ungünstiger Luftzirkulation
Bodenfeuchte (DIN 18195) (vgl. B-2) zu Schimmelpilzwachstum kom-
■ Regelgerechte Dachkonstruktion (Hand- men.
werkliche Richtlinien)
■ Wasserdichte Installationen.
B-2 Richtiges Lüftungs- und
Der bauaufsichtlich geforderte Mindestwär- Heizverhalten
meschutz ist in DIN 4108-2:2001-03 „Wär-
meschutz und Energieeinsparung in Ge- Der Wohnungsnutzer kann durch sein Ver-
bäuden – Teil 2: Mindestanforderungen an halten dazu beitragen, dass Schimmelpilze
den Wärmeschutz“ konkretisiert. DIN 4108- in der Wohnung keine günstigen Wachs-
2 ist als technische Baubestimmung bau- tumsbedingungen finden. Durch richtiges
aufsichtlich eingeführt. In Abschnitt 6.2 der Lüften und Heizen kann die Feuchtigkeit im
Norm werden Hinweise zur Vermeidung von Gebäude begrenzt werden. Die relative
Schimmelpilzbildung angegeben. Hiernach Feuchte der Luft im Gebäude sollte dauer-
ist eine besondere Aufmerksamkeit auf den haft 65–70 % (direkt über Materialien
Bereich der Wärmebrücken zu richten. Die < 80 %) nicht überschreiten.

16
Teil B, Vorbeugende Maßnahmen gegen Schimmelpilzbefall

Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit, die durch von 5 °C in einen Raum eingebracht und mit
die Aktivitäten im Raum entsteht (z.B. einer Temperatur von 20°C und einer relati-
Feuchtigkeitsabgabe des Menschen, Du- ven Feuchte von 60% wieder hinaus geför-
schen, Kochen, Waschen), durch regelmä- dert, dann werden je kg Luft 8,7 – 5,5 =
ßiges Lüften nach außen abgeführt wird. 3,2 g Wasser (vgl. Tab. 3) nach außen trans-
portiert. Hier erkennt man die Möglichkeit,
die Feuchtigkeit in einem Raum durch Lüf-
B-2.1 Luftfeuchtigkeit und Lüftung tung zu reduzieren.

Die Möglichkeit, durch Lüftung Feuchtigkeit Der zur Abfuhr von Feuchtigkeit erforderli-
aus dem Raum zu entfernen, beruht darauf, che Luftaustausch lässt sich berechnen,
dass Luft abhängig von der Temperatur wenn bekannt ist, wie viel Wasser anfällt. In
unterschiedliche Mengen Wasserdampf auf- einem Dreipersonenhaushalt werden durch
nehmen kann. In Tabelle 3 ist das beispiel- die Wasserdampfabgabe der Personen (30
haft für einige Temperaturen dargestellt. bis 100 g/h je Person) durch Duschen, Wa-
schen, Wäschetrocknen, Kochen sowie
Wie man aus der Tabelle erkennt, nimmt der durch Pflanzen, Aquarien und andere
maximal mögliche Wassergehalt der Luft Feuchtequellen täglich etwa 10 ± 4 kg Was-
mit der Temperatur stark zu. Warme Luft ser freigesetzt. Eine Zusammenstellung von
enthält bei gleicher relativer Feuchte viel Erfahrungswerten gibt Tabelle 4 wieder.
mehr Wasser als kalte Luft. Kalte Außenluft
im Winter enthält wenig Wasser, auch wenn
ihre relative Feuchte hoch ist.

Wassertransport beim Lüften:


Tabelle 3: Wassergehalt (absolute Feuchte)
Kalte Außenluft, die beim Lüften in den in g Wasser/kg trockene Luft* bei
Innenraum gelangt, nimmt beim Er- verschiedenen Raumlufttempera-
wärmen Feuchtigkeit auf, die mit der turen und relativen Feuchten
erwärmten Luft wieder nach außen
abgeführt wird. Bei kalter Außenluft Raumluft Relative Feuchte in %**
kann im Innenraum – selbst bei Regen- temperatur 30 50 60 100
°C (gesättigt)***
wetter – durch Lüftung eine Austrock-
nung erzielt werden. 0 1,1 1,9 2,3 3,8

5 1,6 2,7 3,3 5,5


Je kälter die Luft ist, desto mehr Was-
ser kann sie beim Erwärmen aufneh- 10 2,3 3,8 4,6 7,7

men. Daher kann im Winter durch Lüf- 15 3,2 5,3 6,4 10,8
ten mit kalter Außenluft mehr Feuch-
20 4,4 7,3 8,7 14,9
tigkeit aus einem Raum entfernt wer-
den als im Sommer. 25 5,9 9,8 11,8 20,3

30 7,9 13,2 15,8 27,6


Luft ist also in der Lage mehr Wasser auf-
zunehmen, wenn sie erwärmt wird. Dies * 1m3 Luft wiegt ca. 1,2 kg
** Die relative Feuchte ist näherungsweise gleich
kann ausgenutzt werden, um Feuchtigkeit dem Wassergehalt bezogen auf den Wert bei Sätti-
durch Luftaustausch aus einem Raum ab- gung bei gleicher Temperatur.
*** Beim Erreichen der maximal aufnehmbaren Was-
zuführen. Wird zum Beispiel Wasserdampf- sermenge nennt man die Luft „wasserdampfgesät-
gesättigte Außenluft mit einer Temperatur tigt“. Die relative Feuchte beträgt dann 100 %.

17
Teil B, Für den Schulbereich relevante Schadstoffe und Schadstoffgruppen

Tabelle 4: Beispiele für durchschnittliche den Luftaustausch liegen an der unteren


tägliche Wasserdampfabgabe Grenze der wirklich erforderlichen Werte.
(Feuchtelast) in Drei-Personen-
Haushalten Aus hygienischer Sicht wird vielfach ein
Luftwechsel von 0,5-1,0/h bei normaler
Raum Quellen Wassermenge
in g/d
Wohnraumnutzung für sinnvoll erachtet. Es
Beispiel 1 Beispiel 2 gibt jedoch bis heute keine verbindliche
Festlegung von Mindestluftwechselstan-
Küche Kochen + 3.000 800
Feucht- dards. Bei hoher Raumbelegung, wie z.B. in
reinigung Schulklassen, können höhere Luftwechsel-
Bad/ Wasch- 150 0
raten notwendig sein. Welche Luftwechsel-
WC-Raum maschinenlauf raten sich bei welchen Lüftungskonstellatio-
nen in der Praxis ergeben können, ist an ei-
Duschbad 650 800
nigen Beispielen in Tabelle 5 aufgeführt.
Wäsche- nicht 1.250
trocknen untersucht

Andere ruhende 960 2.550 Tabelle 5: Luftwechsel bei verschiedenen


Räume Person
Fensterstellungen bzw. Lüftungs-
aktive Person 2.430 einrichtungen (Schwankungen nach
oben und unten sind möglich in Ab-
Topfpflanzen 3.600 720
hängigkeit von Fenstergrößen,
Sonstiges, z. B. 200 700 Raumvolumina, Temperaturdifferen-
nasse Kleidung
zen innen/außen, Dimension der Lüf-
freie 480 tungseinrichtungen etc.)
Wasserflächen

Wohnung alle 11.470 6.820 Fensterstellung/ Luftwechsel (h–1)


Lüftungseinrichtung

Quelle: Heinz, E. (2000): Kontrollierte Wohnungslüf- Fenster in Kippstellung 0,3–4


tung, Verlag Bauwesen, Berlin: S. 23
Fenster halb geöffnet 4–10

Fenster ganz geöffnet 4–20

Um 10 kg Wasser aus einem Haus abzufüh- Querstromlüftung


ren, müssen bei dem auf Seite 17 genann- (mehrere gegenüberliegende
Fenster ganz geöffnet ) 10–50
ten Beispiel (Abtransport von 3,2 g Wasser
pro kg Luft) 10 /0,0032 ≈ 3000 kg Luft durch Mechanische Lüftungseinrichtung
ohne Gebläse 0,5–4
das Gebäude gefördert werden. Häufig be-
zieht man den Luftaustausch auf das Ge- Mechanische Lüftungseinrichtung
mit Gebläse 0,5–10
bäudevolumen. Wenn das Gebäude ein Vo-
lumen von 360 m3 und damit einen Luftin-
Zusammenstellung aus Literaturangaben: (Wegner u.
halt von ca. 400 kg hat (vgl. Fußnote Tab. 3), Schlüter 1982; Erhorn 1986; Anonymous 1997; Krooß
muss dieser Luftinhalt mindestens 7 mal et al. 1997)
(7 x 400 kg = 2800 kg Luft) täglich ausge-
tauscht werden, um die 10 kg Wasser abzu-
transportieren. Der stündliche Luftwechsel Aus Tabelle 3 folgt nicht nur, warum durch
beträgt dann im Mittel 7/24 h = 0,3/h. Die Lüften eine Trocknung erreicht werden
Zahlen ändern sich entsprechend, wenn die kann, sondern auch warum es an kalten
Temperaturen und Feuchtequellen andere Wänden zu Tauwasserbildung kommen
sind. Die im Beispiel genannten Zahlen für kann.

18
Teil B, Für den Schulbereich relevante Schadstoffe und Schadstoffgruppen

Wird warme, mit Wasser gesättigte Luft ab- Trocknen der Raumluft. Keller, in denen
gekühlt, so muss die Luft Wasser als Tau- Schimmelpilzwachstum nicht verhindert
wasser oder Nebel ausscheiden. Aus der wird, sollten aber keine direkte Verbindung
Natur ist uns dieser Vorgang bekannt. In der zum übrigen Gebäude haben, etwa durch
Wohnung kann es entsprechend an kalten Treppen, Schächte oder nicht abgedichtete
Wänden, an denen die warme Raumluft ab- Öffnungen in der Kellerdecke.
gekühlt wird, zu Tauwasserbildung kommen
oder können sehr hohe relative Feuchten
erreicht werden, die ein Schimmelpilz- B-2.2 Luftaustausch im Gebäude
wachstum ermöglichen.
Der Luftaustausch in einem Gebäude kann
Je schlechter die Wärmedämmung der auf zwei Arten erfolgen:
Außenwände ist oder je mehr bauliche Feh-
ler bei der Gebäudekonstruktion gemacht 1. durch freie oder natürliche Lüftung durch
wurden (z.B. in Form von Wärmebrücken) Türen, Fenster und Undichtigkeiten in
und je schlechter Außenwände durch zirku- der Außenhülle des Gebäudes oder
lierende Raumluft erwärmt werden, zum 2. durch maschinelle Lüftung mit Ventilato-
Beispiel hinter Schränken oder hinter Wand- ren.
verkleidungen, um so niedriger ist im Winter
die Oberflächentemperatur dieser Außen- Bei der freien oder natürlichen Lüftung ent-
wände. Damit nimmt die relative Feuchte an steht die Luftbewegung durch Auftriebskräf-
der Innenwandoberfläche und die Gefahr te infolge von Temperaturunterschieden zwi-
der Tauwasserbildung entsprechend zu (vgl. schen innen und außen oder durch Druck-
C-3). unterschiede am Gebäude durch Wind (vgl.
Infobox).
Daher sollten an Außenwänden, vor allem
bei ungenügender Wärmedämmung, keine Bei vielen älteren Gebäuden sind die Un-
dicht abschließenden Möbelstücke, Bilder dichtigkeiten in der Gebäudehülle noch
oder schwere Gardinen aufgestellt bzw. auf- immer so groß, dass selbst bei geschlosse-
gehängt werden. Als Richtschnur kann ein nen Fenstern und Türen zweifache Luft-
Mindestabstand von ca. 10 cm angesehen wechsel je Stunde keine Seltenheit sind und
werden. der Luftaustausch bei geschlossenen Fens-
tern zur Erneuerung der Raumluft ausreicht.
Bei Kellerräumen ist die Wandtemperatur Hier kann zeitweise eher zu trockene Luft im
auch im Sommer häufig niedrig. Da aber die Winter ein Problem sein.
absolute Feuchte der Außenluft im Sommer
oft hoch ist, wäre dann häufiges Lüften mit Bei neuen Gebäuden werden die Außen-
Außenluft zum „Abtrocknen“ falsch, weil wände und die Fenster besser wärmege-
immer mehr Feuchtigkeit in den Raum ein- dämmt. Das ist ein Vorteil, da damit die
getragen wird und an den kalten Wänden Wände wärmer sind und die Gefahr der
kondensiert. Kondenswasserbildung geringer wird.
Gleichzeitig wird aber der Luftaustausch
In Kellerräumen, die nur als Lager dienen durch dichtere Wände und dichtere Fenster
und nicht für den längeren Aufenthalt von reduziert. Dadurch steigt die relative Feuch-
Personen bestimmt sind, wird Schimmelpilz- te im Gebäude und kann, obwohl die Ober-
befall häufig in Kauf genommen. Abhilfe flächentemperaturen durch bessere Wär-
wäre nur möglich durch bessere Wärme- medämmung erhöht sind, an den Innen-
dämmung, durch Beheizen oder durch flächen der Außenwänden kritische Werte

19
Teil B, Für den Schulbereich relevante Schadstoffe und Schadstoffgruppen

INFOBOX
Druckunterschiede am Gebäude und freie Lüftung

Die Schachtwirkung eines Gebäudes kann mit Hilfe der in Bild 1 schematisch dargestellten Si-
tuationen veranschaulicht werden. Die einzelnen Geschosse des Gebäudes sind nicht luftdicht
voneinander getrennt. Die Verbindungen entstehen durch Treppenhäuser, Technik- und Auf-
zugsschächte oder Atrien. Wenn in solchen Gebäuden die Temperatur innen höher als außen
ist, bilden sich gegenüber außen Druckdifferenzen aus.
Diese Druckdifferenzen hängen davon ab, wie die Undichtigkeiten in der Gebäudehülle verteilt
sind. Die Erläuterung sei unter Verwendung von Bild 2 gegeben. Wenn das Gebäude vollkommen
dicht ist bis auf eine Öffnung unten (vgl. Bild 1, Typ I), so liegt die Druckverteilung I von Bild 2 vor;
im unteren Gebäudeteil ist kein Druckunterschied zur Außenluft vorhanden, im oberen Gebäude-
teil ist der Druck höher als in der Außenluft. Eine andere Situation liegt bei einem dichten Gebäu-
de mit einer Öffnung oben vor (vgl. Bild 1, Typ II); im oberen Gebäudeteil ist keine Druckdifferenz
vorhanden, unten herrscht ein geringerer Druck als in der Außenluft (vgl. Bild 2, Kurve II).

Bild 1: Drei Schachttypgebäude Bild 2: Druckverteilung


am Schachttypgebäude

Weil – im Mittel – die Undichtigkeiten eines realen Gebäudes über die Oberfläche ungefähr
gleichmäßig verteilt sind (vgl. Bild 1, Typ III), tritt die in Bild 2 dargestellte Druckverteilung III
am häufigsten auf; geringerer Druck als in der Außenluft im unteren Gebäudeteil, höherer
Druck im oberen Teil. In der Gebäudemitte besteht kein Druckunterschied zur Außenluft, dort
besteht eine „neutrale Zone“. In diesem Fall strömt Luft unten in das Gebäude ein, durchströmt
es von unten nach oben und verlässt es oben wieder. Wenn die Feuchtigkeitsquellen im Ge-
bäude gleichmäßig verteilt sind, findet man in diesem Fall die schlechteste Luftqualität, auch
die höchste Luftfeuchtigkeit, im oberen Teil des Gebäudes.
Bei einer Temperaturdifferenz von 30 °C zwischen Innen- und Außenluft reicht die entstehen-
de Druckdifferenz im Winter in der Regel aus, um selbst bei geringer Öffnung der Fenster wirk-
sam zu lüften.
Als weiterer Antrieb für die Lüftung kann auch der Wind gelten. Bei Wind entsteht auf der an-
geströmten Seite des Gebäudes Überdruck, auf der abgewandten Seite Unterdruck.
Das Druckniveau lässt sich bei mechanischer Lüftung beeinflussen. Je nach Auslegung der
Zu- und Fortluftvolumenströme lässt sich Über- oder Unterdruck gegenüber der Umgebung
entsprechend den Kurven I bis III in Bild 2 im ganzen Gebäude einstellen.

20
Teil B, Für den Schulbereich relevante Schadstoffe und Schadstoffgruppen

erreichen. Das lässt sich durch Reduzierung B-2.3 Richtiges Lüften


der Feuchtequellen, mehr aktive Lüftung
über die Fenster oder maschinelle Lüftung Zur Verringerung der Feuchte im Raum soll-
verhindern. te mehrmals täglich eine kurze Stoßlüftung
(5-10 min. ein oder mehrere Fenster weit
Besonders in älteren Gebäuden haben Fen- öffnen) durchgeführt werden. Querlüftung
ster oft eine schlechtere Wärmedämmung ist dabei besonders effektiv. In Einzelfällen,
als die Wände. Das hat den Vorteil, dass Tau- wenn z.B. wegen Abwesenheit der Raum-
wasserbildung zuerst am Fenster auftritt und nutzer keine Stoßlüftung möglich ist, kann
damit ein Hinweis gegeben wird, dass mehr auch eine Spaltlüftung (geeignete Spaltma-
geheizt oder mehr gelüftet werden muss. ße vorausgesetzt) sinnvoll sein.

Bei dicht schließenden Fenstern mit besse- Bei neu erstelltem oder saniertem Wohn-
rer Wärmedämmung als bei den Wänden raum ist aufgrund der damit verbundenen
sind nicht mehr die Fenster, sondern die Baufeuchte über einen gewissen Zeitraum
Außenwände (vor allem die Außenecken) eine deutlich erhöhte Lüftung erforderlich.
die kältesten Stellen und damit die Stellen
mit der höchsten relativen Feuchte (siehe Bei Raumnutzungen mit hohem Feuchtean-
auch C-3). Dort wird eventuell auftretendes fall und guter Wärmedämmung ist es
Kondenswasser meist nicht so schnell er- manchmal nicht möglich, durch zumutbares
kannt als bei „beschlagenen“ Fensterschei- manuelles Lüften die Luftfeuchtigkeit auf
ben. Bei dicht schließenden, gut wärmege- das notwendige Maß zu reduzieren. In die-
dämmten Fenstern sollte daher vorsorglich sen Fällen kann eine mechanische Be- und
vermehrt gelüftet werden. Man kann auch Entlüftung Abhilfe schaffen.
Feuchtigkeitsmessgeräte zur Beurteilung
heranziehen, sollte dabei aber bedenken, Für die mechanische Be- und Entlüftung
dass einfache Feuchtemessgeräte sehr un- kommen vor allem zwei Systeme in Betracht:
zuverlässig sein können und häufig durch
Anzeige von mehreren Stellen nach dem 1. Bedarfslüftung mit Abluftventilatoren in
Komma eine unberechtigte Genauigkeit vor- Wohnbereichen mit großem Feuchte-
täuschen. Es wurde auch der Vorschlag ge- anfall, also in Küchen und Sanitärräu-
macht, mindestens ein kleines schlecht ge- men. Die Ventilatoren werden zweckmä-
dämmtes Fenster mit Kondensatablauf bei ßigerweise über Feuchtesensoren ge-
Sanierungen als Feuchteindikator zu erhal- schaltet.
ten, falls die Fenster besser wärmege-
dämmt sind als die Wände. 2. Zu- und Abluftsysteme mit Wärmerück-
gewinnung. Bei diesen Anlagen, die
In Gebäuden mit dicht schließenden möglichst so betrieben werden sollten,
Fenstern muss vermehrt gelüftet wer- dass die Fenster während der Heizpe-
den, um Feuchtigkeit aus dem Raum riode nicht geöffnet werden, sollte der
abzuführen und damit möglichen Luftaustausch den anfallenden Feuchte-
Schimmelpilzproblemen vorzubeugen. lasten angepasst werden und die Luft
dort abgesaugt werden, wo die Feuchte-
Vermieter sollten ihre Mieter unbe- quellen konzentriert sind. Neuerdings
dingt über die Folgen der Abdich- werden in größeren Anlagen zur Versor-
tungs- und Wärmedämm-Maßnahmen gung ganzer Gebäude zuluftseitig auch
informieren. Erdwärmetauscher verwendet. Sie kön-
nen im Frühjahr/Sommer zu einem

21
Teil B, Für den Schulbereich relevante Schadstoffe und Schadstoffgruppen

mikrobiellen Problem führen, wenn an relative Feuchte oder sogar Tauwasser


den Wänden der Wärmetauscher hohe auftritt.

TIPPS für richtiges Lüften

Zur Verringerung der Feuchte im Raum sollte vorzugsweise mehrmals täglich eine
kurze Stoßlüftung (5–10 min. bei weit geöffnetem Fenster) erfolgen.

BAD

Im Bad sollte, insbesondere bei Räumen mit ungenügender Lüftungsmöglichkeit, nach


dem Duschen das Wasser von Wänden und Boden entfernt werden. Es braucht dann
nicht mehr durch Lüftung abgeführt zu werden. Nach dem Duschen sollte man die
Fenster im Bad (soweit vorhanden) kurzzeitig weit öffnen.

Da nasse Handtücher und Wände im Badezimmer – trotz kurzzeitigen Lüftens – noch


viel Wasser enthalten können und sich damit längerfristig eine zu hohe relative Feuch-
te im Raum einstellt, kann es hilfreich sein, die Türen zu anderen beheizten Räumen
nach dem Lüften offen zu halten. Bei kleinen fensterlosen Räumen empfiehlt sich
außerdem die Installation einer möglichst über Feuchtesensoren gesteuerten, mecha-
nischen Belüftung.

KÜCHE

In der Küche kann durch einen Dunstabzug mit Abführung der Abluft ins Freie viel
Feuchtigkeit aus dem Raum entfernt werden. Ein solcher Abzug ist überdies unter dem
Gesichtspunkt der Abführung von Kochdünsten und – beim Kochen mit Gas – von Ver-
brennungsgasen sinnvoll.

Dunstabzugshauben mit Umluftführung sind zur Verringerung der Luftfeuchtigkeit in


der Küche nicht geeignet.

KÜHLE RÄUME

Weniger beheizte Räume (z.B. Schlafzimmer) sollten nicht mittels warmer Luft aus an-
deren Räumen (am Abend) aufgewärmt werden. Im kälteren Raum kann es sonst an
Wänden oder Fensterscheiben zu Tauwasserbildung kommen.

Bei Nutzung des – wenig beheizten – Schlafzimmers sollte durch gute Lüftung für die
Abfuhr von Feuchtigkeit (jeder Schlafende gibt Wasserdampf ab) gesorgt werden, da es
sonst zu Tauwasserbildung kommen kann.

22
Teil B, Für den Schulbereich relevante Schadstoffe und Schadstoffgruppen

TIPPS für richtiges Lüften (Fortsetzung)

In Räumen, die längere Zeit nicht benutzt und beheizt wurden, sollte bei erneutem Ge-
brauch vorher vermehrt gelüftet werden.

ABWESENHEIT

Können wegen Abwesenheit der Bewohner die Fenster einer Wohnung nicht mehrmals
täglich geöffnet werden, sollten wenigstens die Innentüren offen gehalten werden,
damit noch vorhandene Feuchte aus den feuchteren Bereichen (z.B. Küche, Bad)
gleichmäßig über alle Räume verteilt wird.

B-2.4 Raumlufttechnische Anlagen Gefahr von Pilzwachstum können bei die-


sen Anlagen a) in den erwähnten Erdwär-
Raumlufttechnische Anlagen lassen sich metauschern im Frühjahr/Sommer und b)
einteilen in einfache Be- und Entlüftungsan- auf den Filtern am Eintritt in den Erdwärme-
lagen und die sogenannten Klimaanlagen, tauscher bei hoher relativer Luftfeuchte im
die die Luft zusätzlich kühlen und befeuch- Winter bestehen.
ten können.
Anlagen, die die zusätzlichen Funktionen
Der Vorteil von raumlufttechnischen Anla- Kühlen und Befeuchten haben („Klimaanla-
gen besteht in dem garantierten Mindestluft- gen“), arbeiten ihrer Aufgabe entsprechend
austausch, unabhängig von der Witterung. in Bereichen hoher relativer Feuchten und
können deshalb auch zu Problemen führen.
Die in B-2.2 erwähnten Zu- und Abluftsyste- Wie solche Anlagen aus hygienischer Sicht
me mit Wärmerückgewinnung stellen eine geplant und betrieben werden sollten, wird
einfache Ausführungsform einer raumluft- in der VDI-Richtlinie 6022 beschrieben (vgl.
technischen Anlage dar. Sie sind vor allem Infobox). Die Angaben reichen von der rich-
im Wohnbereich anzutreffen. Die Anlagen tigen Wahl des Ortes der Luftansaugung
haben nur die Funktionen Lüften und Hei- über die Sauberkeit der Luftleitungen bis
zen, wobei das Lüften gleichzeitig die Ab- zum richtigen Umgang mit Befeuchtern und
fuhr von Luftverunreinigungen und Feuch- Filtern. Raumlufttechnische Anlagen sollten
tigkeit aus dem Gebäude bewirkt. Problem- regelmäßig durch geschultes Personal ge-
zonen mit hohen relativen Feuchten und der wartet werden.

23
Teil B, Für den Schulbereich relevante Schadstoffe und Schadstoffgruppen

INFOBOX
Wartung und Kontrolle raumlufttechnischer Anlagen
aus hygienischer Sicht (VDI 6022)

Sprühbefeuchter müssen regelmäßig alle 6 Monate gereinigt werden. Das Wasser in der Sam-
melwanne muss bei längerem Stillstand abgelassen werden und während des Betriebs regel-
mäßig erneuert werden. Das Befeuchterwasser darf nur 1000 KBE/ml enthalten.

Die Befeuchteranlage ist regelmäßig zu reinigen. Bei einer Kontamination durch Mikroorga-
nismen muss desinfiziert werden.

Für alle Wände der Luftleitungen gilt, dass Wasserniederschläge an keiner Stelle längerfristig
auftreten dürfen. Luftleitungen und alle Oberflächen, die von Luft berührt werden, müssen
„besenrein“ sein. Zur Überprüfung wird der Staub oder die Verunreinigung mit einem lösungs-
mittelhaltigen Wischtuch auf einer definierten Fläche entnommen und gewogen.

Bei Kühlern mit Kondensatanfall muss ein Ablauf mit Rückschlagsiphon für das Kondensat
vorhanden sein. Der Ablauf muss an der tiefsten Stelle liegen. Der Siphon darf nicht fest an
eine Abwasserleitung angeschlossen werden. Bewuchs und Ablagerungen auf den Lamellen
sind zu beseitigen.

Filter sind rechtzeitig zu wechseln, entweder beim Erreichen einer vorgegebenen Druckdiffe-
renz oder nach einer bestimmten Standzeit: Außenluftfilter spätestens nach einem Jahr, Se-
kundärfilter spätestens nach zwei Jahren.

24
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Teil C C-1 Schadensaufnahme bei


Bestandsaufnahme und Vorkommen von
Schimmelpilzen in Gebäuden
Sanierung bei
Schimmelpilzwachstum in Die Erfassung von Schimmelpilzen in Innen-
Innenräumen räumen erfolgt oftmals zur Klärung, ob bei
den Raumnutzern festgestellte Erkrankun-
Bei Verdacht auf Vorliegen eines Schimmel- gen bzw. gesundheitliche Beschwerden
pilzschadens werden die betroffenen (z.B. Allergien, Asthma) in Zusammenhang
Räume begangen, gegebenenfalls in Kom- mit dem Vorkommen von Pilzsporen in der
bination mit weitergehenden Untersuchun- Innenraumluft stehen könnten.
gen (vgl. C-1).
In manchen Fällen dient eine solche Unter-
Die Auswertung der Ergebnisse im Gesamt- suchung aber auch der vorsorglichen Abklä-
zusammenhang ermöglicht eine Aussage rung, ob eine gesundheitliche Gefährdung
zum Vorliegen einer Schimmelpilzquelle im gegeben sein kann. Dies kann z.B. der Fall
Innenraum (vgl. C-2). sein, wenn nach einem Wasserschaden
Feuchteflecken vorhanden sind und Hin-
Beim Vorliegen einer Schimmelpilzquelle im weise auf Schimmelpilzwachstum in Form
Innenraum sollten die Ursachen ermittelt von muffigem/modrigen Geruch oder dun-
und beseitigt werden (vgl. C-3). klen Flecken an Wänden, Decken oder Mo-
biliar auftreten.

An wen kann ich mich bei Ver- Die Untersuchung der Räume durch Bege-
dacht von Schimmelpilzwachs- hung (vgl. C-1.1) und Erfassung der Schim-
tum in der Wohnung wenden? melpilze (vgl. C-1.2-C-1.4) kann unter-
schiedliche Ziele haben. Es ist zu klären ob:
Wenn Sie befürchten, dass in Ihrer
Wohnung eine Schimmelpilzquelle ■ eine Schimmelpilzquelle vorhanden ist
vorhanden ist, die Ihre Gesundheit be- ■ bauliche Mängel vorliegen
einträchtigen könnte, dann lassen Sie ■ ein Fehlverhalten bei den Nutzern vor-
sich von Ihrem zuständigen Gesund- liegt.
heitsamt oder Verbraucherschutzzen-
tralen beraten. Abbildung 4 zeigt den verallgemeinerten
Ablauf einer Untersuchung zur Ermittlung
Wenn Sie bereits unter gesundheit- der Schimmelpilzbelastung in Gebäuden.
lichen Beschwerden leiden, von denen Eine solche Untersuchung setzt einen
Sie befürchten, dass Sie mit Schim- hohen Sachverstand voraus. Eine einfache
melpilzwachstum in Ihrer Wohnung schematische Herangehensweise ist höchst
zusammenhängen können, dann wen- problematisch, daher sind in Abbildung 4
den Sie sich an Ihren Hausarzt, um- mehrere Optionen angegeben, die je nach
weltmedizinische Zentren oder die Fragestellung gewählt werden. Es ist jeweils
Landes-Ärztekammer. der konkrete Einzelfall unter Hinzuziehung
aller vorhandenen Informationen zu beurtei-
len.

Da der potentiell Betroffene sein Lebens-


und Wohnumfeld am besten kennt, ist es

25
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Abb. 4: Ablauf der Untersuchung auf eine Schimmelpilzbelastung in Gebäuden

Anmerkung: Die in der Abbildung dargestellten Schritte sind denkbare Optionen, müssen im Ein-
zelfall und in Abhängigkeit der Ortsbegehung jedoch nicht alle durchgeführt werden. Weitere Er-
läuterungen im Text.

• Ortsbesichtigung, Begehung
mit Befragung der Betroffenen
• Erhebung von Randbedingungen (wie z.B.
Luftfeuchte, Temperatur, Lüftungsverhalten,
Materialfeuchte)

• Kein/wenig sichtbarer
Schimmelpilzbefall, aber
– Geruch
– Feuchtigkeit Starker sichtbarer Schimmelpilzbefall
– bauliche Mängel
– gesundheitliche Beschwerden

Messung der
Schimmelpilze in
der Innen- u. Außenluft
Messstrategie durch konkrete Fragestellung bestimmt

Messung der
Schimmelpilze
im Staub

Materialprobe
• Materialprobe
• Oberflächenkontaktprobe
Messung der MVOC in
der Innen-u. Außenluft

Einsatz eines
Schimmelpilz-
spürhundes

abschließende Beurteilung

26
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

wichtig, dass er darüber befragt wird, ob Für die abschließende Beurteilung einer
Hinweise oder Anzeichen einer Schimmel- Innenraumbelastung mit Schimmelpilzen
pilzbelastung festzustellen sind. Seine Ver- müssen alle gesammelten Informationen
mutungen oder ein gezielt geäußerter (alle Befragungs- und Messergebnisse, An-
Verdacht sind eine wesentliche Hilfe dafür, gaben im Begehungsprotokoll, physikali-
das Problem einer Schimmelpilzbelastung sche Daten) im Gesamtzusammenhang ge-
in Gebäuden in geeigneter Weise anzu- sehen werden. Die Beurteilung einer Schim-
gehen. melpilzbelastung aus Teilinformationen oder
Einzelmessungen ohne Kenntnis der Gege-
Vor Durchführung mikrobiologischer Unter- benheiten vor Ort ist nicht sinnvoll.
suchungen sollte zunächst eine Ortsbege-
hung stattfinden. Bei dieser Ortsbegehung Durch eine solche Gesamtbeurteilung ist es
sollten die möglichen Ursachen für eine in der Regel möglich festzustellen, ob eine
Schimmelpilzbelastung abgeklärt und in Schimmelpilzquelle im Innenraum vorliegt.
einem Begehungsprotokoll festgehalten Diese Beurteilung setzt einen hohen Sach-
werden (vgl. C-1.1). Außerdem sollte durch verstand voraus, da keine allgemein an-
die Begehung abgeklärt werden, ob eine wendbaren Beurteilungskriterien vorhanden
oder mehrere allgemein bekannte Quellen sind und damit immer eine Einzelfallprüfung
für Schimmelpilze in Innenräumen vorlie- notwendig ist (vgl. C-2). Die Bestimmung
gen. Die relevanten Randbedingungen, wie und Bewertung sollte nur durch Personen,
z. B. Luft- und Materialfeuchte, Temperatur, Laboratorien oder Institutionen erfolgen, die
Lüftungsverhalten sind zu bestimmen und bestimmte Qualitätskriterien erfüllen (vgl.
zu dokumentieren. C-1.5). Mit der Feststellung des Vorhanden-
seins einer Schimmelpilzquelle ist zunächst
Je nach Ergebnis der Ortsbegehung und noch keine Aussage zur gesundheitlichen
der Art der Fragestellung können anschlie- Gefährdung verbunden (vgl. C-2).
ßend Schimmelpilz-Untersuchungen in der
Luft, im Staub sowie direkt auf dem befalle-
nen Material notwendig sein (vgl. C-1.2). Zur C-1.1 Begehung
Beurteilung der Frage, ob sich eine verdek-
kte Schimmelpilzquelle im Innenraum befin- Durch eine Ortsbesichtigung sind die mög-
det, kann auch die Bestimmung von MVOC lichen Ursachen für eine Schimmelpilzbe-
(vgl. C-1.3), zur Lokalisierung der Scha- lastung abzuklären. Erhoben werden dabei
densquelle auch der Einsatz eines Spür- zum einen wichtige physikalische Parame-
hundes von Nutzen sein (vgl. C-1.4). ter, wie Temperatur und Feuchtigkeit im
Raum und auf Materialien, zum anderen
Angaben über die Wohnung sowie mögliche
Bei der Ortsbegehung werden physi- Quellen für Schimmelpilze. Zur Begehung
kalische Daten (z.B. Temperatur, gehört auch eine Abfrage zu gesundheit-
Feuchtigkeit) und allgemeine Angaben lichen Beeinträchtigungen bei den Raum-
über die Wohnung erhoben. Außerdem nutzern.
findet eine Befragung der Bewohner
statt. Schon diese Aufzählung macht deutlich,
dass es sich bei der Abklärung von Schim-
Aus diesen Informationen ergibt sich melpilzwachstum in einer Wohnung und
der weitere Ablauf der Untersuchun- damit eventuell einhergehenden gesund-
gen. heitlichen Auswirkungen um ein multidiszi-
plinäres Problem handelt, bei dem Experten

27
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

unterschiedlicher Fachrichtungen (z.B. Bau- ten. Durch Feuchtigkeitsmessungen von


fachleute, Mikrobiologen, Umweltmediziner) Luft und Wandmaterialien kann man mei-
zusammenarbeiten müssen. Dabei ist es stens feststellen, ob die Feuchtigkeit auf
besonders wichtig, dass diese Experten mangelnder Lüftung oder Heizung beruht
sich auf diese Problemstellung spezialisiert oder baulich bedingt ist (z.B. Wärmebrücke
haben und auch die Arbeitsweise der ande- vgl. B-1).
ren Disziplinen verstehen, um eine fruchtba-
re Zusammenarbeit zu ermöglichen. Bei unklaren Ergebnissen können auch
weitergehende bauphysikalische Untersu-
chungen (z.B. Thermographie, Blower-Door-
INFOBOX Verfahren) eingesetzt werden. Eine Be-
Wer führt Wohnungsbegehungen schreibung dieser Verfahren findet sich z.B.
durch? im Bericht des Landesgesundheitsamtes
Baden-Württemberg zu Schimmelpilzen in
Möchten Sie wissen, wer in Ihrer Nähe Innenräumen (siehe Literaturliste in An-
Wohnungsbegehungen und Schimmel- hang 2, S. 73).
pilzanalysen durchführt, so lassen Sie
sich durch Ihr zuständiges Gesundheits-
amt oder eine Verbraucherschutzzentrale
beraten. INFOBOX
Schimmelpilze im Keller –
Achten Sie bei der Vergabe von Aufträ- ein Sommerproblem
gen für Schimmelpilzmessungen darauf,
dass die Laboratorien ein internes Quali- Im Gegensatz zum normalen Wohnraum
tätssicherungssystem haben und sich re- können im Keller im Sommer Probleme
gelmäßig erfolgreich an externen Quali- mit Taupunktunterschreitungen vorkom-
tätssicherungsmaßnahmen (Ringversu- men.
che) beteiligen (vgl. C-1.5).
Wenn die Kellerräume unbeheizt sind,
kann die warme und feuchte Außenluft,
die beim Lüften in die Räume gelangt, an
Durch Bestimmung physikalischer Para- den kalten Wänden zu Tauwasserbildung
meter wie Temperatur und Feuchte soll bei mit daraus resultierenden Problemen
der Begehung abgeklärt werden, ob es in führen. In solchen Fällen sind bauphysi-
bestimmten Bereichen der Wohnung zu kalische Messungen auch im Sommer
Tauwasserproblemen mit anschließendem sinnvoll (vgl. B-2.1)
Schimmelpilzwachstum kommen kann
(siehe auch C-3).

Temperaturmessungen sind nur in der kal- Bei der Begehung sollten auch weitere
ten Jahreszeit zu empfehlen und sollten an Angaben über die Wohnung erhoben wer-
der kältesten Stelle des Raumes erfolgen. den.
Optimal sind Langzeit-Temperaturmessun-
gen mit Registrierung von Taupunktunter- Die Erfassung allgemeiner Angaben zur
schreitungen. Dadurch kann beobachtet Wohnung und deren Nutzung sowie mög-
werden, zu welchen Zeiten oder bei wel- licher bekannter Quellen für Schimmelpilze
chen Aktivitäten kritische Konstellationen ist für eine sinnvolle Interpretation der Mes-
von Temperatur und Luftfeuchtigkeit auftre- sergebnisse zum Vorkommen von Schim-

28
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

melpilzen im Innenraum (C-1.2) und für eine – Sammeln von Biomüll oder „Grüner-
möglicherweise notwendige Sanierung Punkt -Müll“ in der Wohnung
(C-3) unerlässlich. – unsachgemäße Lagerung von Abfäl-
len im Wohnbereich
Folgende Angaben sollten erfasst werden: – Topferde von Zimmerpflanzen
– Fugen, z. B. Silikonfugen in Feuchte-
■ Wohnung und Umfeld: bereichen
– Wohnung allgemein – verdorbene Lebensmittel, Tierfutter
(Lage und Größe, Alter des Gebäu- – Haustierhaltung (insbesondere Käfig-
des, bauliche Besonderheiten, tiere)
Nassräume, Baumaterialien, Unter- – Gewächshaus in Verbindung mit der
kellerung, Dämmung, Art der Fenster) Wohnung
– Ausstattung der Wohnung (Fußbö- – Luftbefeuchter, Zimmerspringbrun-
den, Wände, Möblierung, Gardinen, nen
Topfpflanzen, Raumlufttechnische An- – Aquarium in der Wohnung
lagen, Luftbefeuchter) – Wasserschäden, Heizungsleckage.
– Bewohner, Haustiere
– Heizungs- und Lüftungsverhalten Um diese Angaben zu standardisieren, ist
– Wärmedämmmaßnahmen es sinnvoll, ein Begehungsprotokoll zu
– Renovierungen, Umbauten verwenden, in das alle Informationen einge-
– Geruch: Art und Intensität tragen werden.
– Umgebung des Hauses, Bebauungs-
dichte Ein solches Begehungsprotokoll kann meh-
rere Ziele haben. Es ist zum einen eine Hil-
■ Mögliche Schimmelpilzquellen im Um- festellung als Checkliste für die Untersu-
feld chung vor Ort. Es soll eine vergleichbare
– emittierende Betriebe in der Umge- und nachvollziehbare Dokumentation er-
bung wie Kompostwerke, landwirt- möglichen. Für das Labor müssen Daten
schaftliche Betriebe o.ä. enthalten sein, die eine eindeutige Zuord-
– Mülltonnen, Komposthaufen nung und Charakterisierung der Probe er-
lauben (Probenahmeprotokoll). Außerdem
■ Hinweise auf Schimmelpilzbefall und/ kann das Begehungsprotokoll als Unterlage
oder Feuchteschäden im Innenraum für Sachverständige (Architekten, Umwelt-
– Früheres oder aktuelles Auftreten von mediziner) dienen.
Feuchte- bzw. Schimmelpilzproble-
men (inklusive bisher erfolgter Maß- In Anhang 1 ist beispielhaft ein Begehungs-
nahmen) protokoll aufgeführt. Je nach Zielgruppe und
– Sichtbarer Schimmelpilzbefall, Feuch- Fragestellung sollte es in entsprechend an-
teflecken und sonstige Feuchteschä- gepasster Fassung eingesetzt werden.
den
– Materialien mit Feuchteschäden (z. B, Die Ergebnisse der Ortsbegehung bestim-
Mauerwerk, Holz, Fachwerk, Fenster- men das weitere Vorgehen bei der Bestim-
rahmen, Dämmmaterialien, Tapeten, mung der Schimmelpilzbelastung (siehe
Teppiche, Möbel, Matratzen, Bücher) auch Abbildung 4).
– Baumaßnahmen mit Feuchteeintrag
Bei optisch eindeutig wahrnehmbarem star-
■ Mögliche weitere Schimmelpilz- oder ken Schimmelpilzbefall und erkennbarer
Feuchtequellen im Innenraum Schadensursache ist eine Messung der

29
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Schimmelpilzkonzentration überflüssig. Es C-1.2 Bestimmung von


sollten vielmehr direkt Schritte zur Sanie- Schimmelpilzbelastungen
rung (Abschnitt C-3) unternommen werden.
Um entscheiden zu können, ob eine Schim-
melpilzbelastung in Gebäuden vorliegt, kön-
INFOBOX nen je nach Fragestellung folgende Proben
Verdeckte Schimmelpilze hinter untersucht werden:
Möbeln
■ Luft – sowohl Innenraum- als auch
Schimmelpilze finden oft gute Wachs- Außenluft (vgl. C-1.2.1)
tumsbedingungen hinter Möbelstücken ■ Hausstaub – Staub von Teppichböden,
an Außenwänden, da hier die Luftzirkula- Betten, Polstermöbeln (vgl. C-1.2.2)
tion unterbunden wird. In Verbindung mit ■ Materialien und deren Oberflächen (vgl.
kalten Wänden kann es zu erhöhten C-1.2.3).
Oberflächenfeuchten in diesem Bereich
kommen. Neben der Bestimmung der Gesamtzahl
von kultivierbaren Schimmelpilzen
Daher sollte bei einer Wohnungsbege- (bestimmt als koloniebildenden Einheiten
hung auch hinter Regalen, Schränken (KBE, siehe Abschnitt A-1) ist es wichtig, die
und Polstermöbeln auf Schimmelpilz- Art der Schimmelpilze zu bestimmen. Sie
wachstum geachtet werden, vor allem, gibt Hinweise auf die Ursachen einer mög-
wenn die Möbel dicht an Außenwänden lichen Belastung und auf die gesundheitli-
stehen. che Gefährdung durch spezielle Schimmel-
pilze (Abschnitt A-2).

Wenn eine genaue Angabe über die Schim- Da oft nur ein Teil der tatsächlich vorhande-
melpilzart gewünscht wird, ist eine Material- nen Sporen kultivierbar ist, andererseits
probe bzw. Oberflächenkontaktprobe (Ab- allergische und toxische Wirkungen auch
klatschverfahren oder Klebestreifenverfah- von den nicht kultivierbaren Schimmelpilzen
ren) ausreichend (C-1.2.4). ausgehen (Abschnitt A-1), wurden Metho-
den entwickelt, um die Gesamtsporenzahl
Bei Verdacht auf Schimmelpilzbefall ohne der Schimmelpilze bzw. die Gesamtzellzahl
oder mit nur wenigen sichtbare/n Schimmel- der Schimmelpilze und Bakterien zu erfas-
pilzflecken (z. B. aufgrund eines dauerhaften sen (C-1.2.4).
„muffigen“ Geruchs oder bei gesundheit-
lichen Beschwerden von Bewohnern) kann, Es gibt kein Verfahren zur Probenah-
wie beschrieben, eine Untersuchung der me, Aufarbeitung und Bestimmung
Raumluft (vgl. C-1.2.1 und C-1.3) oder von von Schimmelpilzen, das für alle Fra-
Staubproben (vgl. C-1.2.2) Klarheit schaf- gestellungen anwendbar ist.
fen. Bei begründetem Verdacht einer ver-
deckten Pilzquelle kann der Einsatz eines Ein standardisiertes Messverfahren gibt es
Schimmelpilzspürhundes die Lokalisation momentan nur für Luftmessung im arbeits-
der Quelle erleichtern (vgl. C-1.4). Befallene medizinischen Bereich (Technische Regeln
Materialien können direkt untersucht wer- für biologische Arbeitsstoffe = TRBA
den (vgl. C-1.2.3). 430,1997). Diese Methode wird modifiziert
auch im umweltmedizinischen Bereich ge-
nutzt. Aufgrund der veränderten Aufgaben-
stellung ist sie hierfür allerdings beträchtlich

30
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

zu erweitern (u.a. selektive Nährmedien, Nährmedium wird je nach Fragestellung bei


Bestimmung der Arten, vgl. C-1.2.1). einer definierten Temperatur ca. 7 Tage be-
brütet. Anschließend werden die sich bilden-
Eine nähere Beschreibung der unten ange- den Kolonien ausgezählt.
sprochenen Methoden mit Hinweisen zu
Vor- und Nachteilen sowie zu sinnvollen Ein- Um unterscheiden zu können, ob eine
satzbereichen finden sich im Bericht des Schimmelpilzbelastung auf eine innerhalb
Landesgesundheitsamtes Baden-Württem- oder außerhalb der Wohnung liegende
berg zu Schimmelpilzen in Innenräumen Quelle zurückzuführen ist, ist zeitgleich zur
(siehe Literaturliste). Messung der Innenraumluft auch die
Außenluft zu untersuchen. Die Außenluft-
probenahme sollte möglichst auf der dem
Wind zugewandten Seite (Luv-Seite), am
C-1.2.1 Messung kultivierbarer Schim- besten 0,5 m vor dem Fenster durchgeführt
melpilze in der Innenraumluft werden. Es sollte möglichst keine Probe-
nahme bei Regenwetter und erhöhten Wind-
Die quantitative Methode zur Bestimmung stärken durchgeführt werden, da dies die
der kultivierbaren luftgetragenen Pilzsporen Ergebnisse der Gesamt-KBE-Bestimmun-
in der Innenraumluft ist die am weitesten gen beeinflussen kann. Wenn eine Verschie-
verbreitete Methode zur Erfassung von bung des Messtermins nicht möglich ist, ist
Schimmelpilzen in Gebäuden. Sie stellt eine eine überdachte, windgeschützte Stelle auf
Momentaufnahme der Schimmelpilzkonzen- der Windseite des Gebäudes zu wählen. Die
tration in der Raumluft dar. jeweiligen Umgebungsbedingungen sind
genau zu protokollieren.
Die Methode beruht darauf, dass die kulti-
vierbaren Schimmelpilzsporen nach geeig- Die Konzentration der Schimmelpilze in der
neter Sammlung auf Agarnährböden ange- Außenluft ist saisonalen und regionalen
züchtet werden. Dadurch werden sie makro- Schwankungen unterworfen (vgl. A-1, Abb.
skopisch auszählbar. Sie werden als Ge- 2). Außerdem können lokale Schimmelpilz-
samtzahl der koloniebildenden Einheiten quellen wie Biotonnen oder Komposthaufen
pro Luftvolumen (Gesamt-KBE/m3) ange- zu einer erhöhten Schimmelpilzkonzentra-
geben (vgl. A-1). Der Vorteil dieser Methode tion in der Außenluft beitragen. Der gleich-
ist, dass damit nicht nur eine Bestimmung zeitig mit der Innenraumluftmessung erho-
der Gesamtkoloniezahl, sondern auch eine bene Außenluftmesswert erfasst die aktuel-
Differenzierung (Unterscheidung) der ein- le Situation in der Außenluft. Damit kann ab-
zelnen vorhandenen Schimmelpilzarten geschätzt werden, ob die in der Innenraum-
möglich ist. luft nachgewiesenen Schimmelpilze aus der
Außenluft stammen, oder aus einer Innen-
Geeignete Verfahren zum Sammeln von raumquelle kommen.
Schimmelpilzen aus der Luft sind die Filtra-
tion und die Impaktion. Dabei wird eine de- Darüber hinaus ist es hilfreich, eventuell vor-
finierte Luftmenge mit einer Pumpe ange- handene, für die Jahreszeit und die Wohn-
saugt, und die in der Luft enthaltenen gegend typische Außenlufterfahrungswerte
Schimmelpilzsporen werden auf einem Fil- bei der Beurteilung heranzuziehen. Damit
ter (Filtration) oder direkt auf dem Nährme- können auch ungewöhnliche Belastungen in
dium (Impaktion) abgeschieden. Bei der Fil- der Außenluft (z.B. durch Komposthaufen)
termethode wird das Filter nach der Probe- des aktuell untersuchten Gebäudes erkannt
nahme auf das Nährmedium aufgelegt. Das werden.

31
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Bei der Innenraumluftprobenahme kann Eine Schimmelpilzquelle ist dann im


während der Probenahme das Ergebnis Innenraum zu vermuten, wenn die Anzahl
durch die Zahl der Personen und ihre Akti- der Schimmelpilze im Innenraum deutlich
vitäten beeinflusst werden. In dem zu unter- über der Anzahl der Schimmelpilze in der
suchenden Raum sollten 8 – 12 Stunden vor Außenluft liegt und/oder die Zusammenset-
der Messung die Fenster geschlossen blei- zung der Arten im Innenraum deutlich von
ben, so dass das aktuelle Keimspektrum im der Zusammensetzung der Arten in der
Innenraum nicht zu stark durch die Außen- Außenluft abweicht (siehe C-2).
luft beeinflusst wird.
Die Beantwortung der Frage, ob eine
Außer der Messung der Konzentration der Schimmelpilzquelle im Innenraum vorliegt,
Schimmelpilze in der Innen- und Außenluft wird in der Praxis aber oft erschwert, da
ist die Bestimmung der dominierenden Gat-
tungen oder Arten der Schimmelpilze von ■ mikrobiologische Bestimmungen mit
großer Bedeutung als Hinweis für die mögli- einer hohen Streuung behaftet sind.
che Ursache erhöhter Schimmelpilzkonzen- Schimmelpilzsporen sind in der Luft nicht
trationen sowie zur Abschätzung der ge- gleichmäßig verteilt, sondern ihre Vertei-
sundheitlichen Gefährdung (C-2). lung hängt von den unterschiedlichsten
Parametern (z. B. Luftzirkulation, Bewe-
Das Untersuchungsergebnis hängt vor gungen im Raum, relative Feuchtigkeit)
allem von folgenden Einflussfaktoren ab ab. Daher sind einzelne Schimmelpilz-
(die Reihenfolge sagt nichts über die Be- messungen mit einem großen Unsicher-
deutung dieses Parameters aus): heitsfaktor behaftet. Es wird empfohlen
mehrere Parallelmessungen durchzufüh-
■ Ansaughöhe ren.
■ Ansaugvolumen, Ansaugzeit
■ Sammelprinzip und Art des Luftkeim- ■ die bisherigen Messverfahren weitge-
sammlers hendst auf Kurzzeitmessungen (meist
■ Nachweis und Bestimmungsmethode 5–15 min.) basieren und trotz Mehrfach-
■ Belegung, Raumnutzung, Aktivität messungen eine verallgemeinernde Ein-
■ Belüftung (Belüftungsart, Luftwechsel) schätzung nur bedingt möglich ist.

Normalerweise wird die Innenraumluft in 1 ■ nicht alle vorhandenen Schimmelpilze


bis 1,5 m Höhe untersucht. Aus statistischen kultivierbar sind.
Gründen sollten mehrere Parallelmessun- Manche Schimmelpilzarten wachsen
gen eventuell mit unterschiedlichen Volumi- sehr schlecht auf den Nährmedien, be-
na durchgeführt werden (siehe unten). Ge- sonders, wenn sie unter Stressbedin-
eignet sind Filtrations- und Impaktionsver- gungen (z.B. längeres Austrocknen)
fahren, mit denen Partikel von 1 µm noch überleben müssen. Je nach Zusammen-
gut erfasst werden können. Als Nährmedien setzung der Schimmelpilzpopulation
werden DG 18-Agar (allgemein) und Malz- können kulturell auf Nährböden deutlich
extraktagar (für bestimmte Schimmelpilze weniger Schimmelpilze nachgewiesen
wie Stachybotrys, Chaetomium) empfohlen. werden als wirklich vorhandenen sind.
Die Ermittlung der Gesamtsporenkon-
Aus dem Vergleich der in der Innenraumluft zentration, die unabhängig vom Wachs-
und in der Außenluft erhaltenen Messwerte tum auf Nährmedien ist, kann diesem
kann meist festgestellt werden, ob es im Problem Rechnung tragen (siehe
Innenraum eine Schimmelpilzquelle gibt. C-1.2.4).

32
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

■ die allgemein anerkannte und genutzte Ergänzung einer wohnhygienischen Über-


Bezugsgröße für eine Innenraumbela- prüfung hilfreich.
stung die Außenluftbelastung ist, die ih-
rerseits sehr starken örtlichen, witte- Im Gegensatz zu Luftproben (vgl. C-1.2.1),
rungsbedingten und jahreszeitlichen Ein- die die momentane Situation erfassen, liefert
flüssen unterliegt. die Analyse von Staubproben Langzeitinfor-
mationen, da sich im Staub Schimmelpilze
Die Messung kultivierbarer Schimmel- über einen längeren Zeitraum anreichern
pilze in der Innenraumluft „Gesamt- können. Staubuntersuchungen geben daher
KBE“) stellt eine Momentaufnahme Auskunft über eine mögliche andauernde
der Schimmelpilzkonzentration in der Schimmelpilzbelastung im Innenraum.
Raumluft dar.
Durch die Untersuchung von Haus-
Eine Differenzierung der Schimmel- staub erhält man Auskunft über eine
pilzarten ist eine wichtige Vorausset- mögliche andauernde Schimmelpilz-
zung zur Beurteilung der Schimmel- belastung im Innenraum, da sich im
pilzbelastung. Hausstaub Schimmelpilze über einen
längeren Zeitraum anreichern können.
Parallelmessungen an mehreren Stel-
len in der Wohnung sind notwendig, Die Probenahme von Hausstaub erfolgt in
um die ungleichmäßige Verteilung der der Regel durch Absaugen des Teppichbo-
Schimmelpilze in der Raumluft zu er- dens. Bei speziellen Fragestellungen kann
fassen. auch ein Absaugen der Matratze des Bettes,
der Polstermöbel oder anderer Flächen in
Es sollte immer zeitgleich eine Unter- Betracht kommen. Der Staub wird unter defi-
suchung der Außenluft stattfinden. nierten Bedingungen (Zeit, abgesaugte Flä-
che, Saugvolumen) an repräsentativen Stel-
Aus dem Vergleich der Ergebnisse der len vorzugsweise mit einem Spezialgerät
Innenraumluft- und Außenluftmessun- (Laborpumpe, Industriestaubsauger), das mit
gen kann zumeist festgestellt werden, einem Planfilterhalter ausgestattet ist, abge-
ob es im Innenraum eine Schimmel- saugt. Eine Staubprobenahme auf glatten
pilzquelle gibt. Fußböden ist auf Grund der meist geringen
Staubmenge schwieriger durchzuführen.

C-1.2.2 Messung von kultivierbaren Die Staubproben werden anschließend mit


Schimmelpilzen im Hausstaub einem Direktverfahren oder einem Verdün-
nungsverfahren weiter untersucht. Beim Di-
Pilzsporen sedimentieren in Abhängigkeit rektverfahren wird der Staub direkt auf das
von Sporengröße und Zeit. Sie sind auf Nährmedium aufgebracht. Beim Verdün-
Oberflächen und vor allem im Hausstaub nungsverfahren wird der Staub in einem
nachweisbar. Eine sehr hohe Pilzsporen- wässrigen Medium suspendiert und ein be-
konzentration im Hausstaub birgt die Gefahr stimmter Anteil dieser Suspension wird auf
einer Remobilisierung in die Umgebungs- dem Nährmedium ausgebracht. Mit dem
luft. Besonders Kleinkinder, die noch auf Verdünnungsverfahren werden höhere
dem Fußboden spielen, können in verstärk- Werte ermittelt als mit dem Direktverfahren.
tem Maße solchen aufgewirbelten Staub
einatmen. Die Bestimmung kultivierbarer Die Analyse von Staub aus Staubsauger-
Schimmelpilze im Hausstaub ist daher zur beuteln, die bereits länger im Gebrauch

33
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

waren, wird nur als Notlösung empfohlen. C-1.2.4 Messung der kultivierbaren
Sie kann zwar eine Aussage über längerfri- Schimmelpilze in Material- und
stige Belastungen geben, die Probe ist aber Oberflächenkontaktproben
zu undefiniert, um zuverlässige Aussagen
zu ermöglichen. Nützlich ist in vielen Fällen die Untersu-
chung einer Materialprobe (wie z. B. Putz,
In dem gesammelten Hausstaub können Tapete, Holzteile, Estrich, aber auch Blu-
auch andere wichtige Innenraumallergene menerde und Dämmmaterialien), die Hin-
wie Milbenallergene, Katzenallergene oder weise auf die eigentliche Lokalisation der
Schabenallergene bestimmt werden. Schimmelpilzquelle liefern kann und durch
Bestimmung der vorkommenden Schimmel-
pilzarten eine klare Abgrenzung des Keim-
C-1.2.3 Messung kultivierbarer Schim- spektrums im Innenraum von dem der
melpilze durch Sedimentation Außenluft ermöglicht. Auch wird damit die
Gefahr einer Fehlinterpretation verringert,
Beim Sedimentationsverfahren werden Plat- die bei ausschließlicher Luftbeprobung z.B.
ten (Petrischalen) mit Nährmedien für eine durch einzelne, zufällig von außen eingetra-
bestimmte Zeit im Innenraum aufgestellt, gene Pilzsporen entsteht. Einige Schimmel-
um damit die sich aus der Luft absetzenden pilzarten (z.B. Stachybotrys chartarum) las-
Schimmelpilze aufzufangen. sen sich überdies schwierig in der Luft
nachweisen.
Die Messung kultivierbarer Schimmel-
pilze durch Sedimentation liefert keine Die Untersuchung von Schimmelpilzen
quantitativen und reproduzierbaren auf oder in Materialien gibt Hinweise
Ergebnisse und wird daher nicht emp- auf die Schimmelpilzquelle.
fohlen.
Eine Differenzierung der Pilzarten ist
Die Platten mit den Nährmedien können aussagekräftiger als die Angabe einer
allerdings nur kurze Zeit offen ausgelegt Schimmelpilzkonzentration.
werden, da ansonsten die Nährbodenober-
fläche austrocknet. In dieser Zeit wird aus Beim Nachweis der Schimmelpilze auf be-
dem Bioaerosol der Luft in Abhängigkeit von fallenem Material steht die Differenzierung
der Pilzsporengröße und deren Aggregatzu- der Schimmelpilzart zur Bewertung der ge-
stand nur ein Bruchteil der vorhandenen sundheitlichen Gefährdung sowie des Um-
Schimmelpilze sedimentieren. Viele Schim- fangs und der Dringlichkeit der Sanierung
melpilze bilden überdies sehr kleine Sporen im Vordergrund. Die Artbestimmung gibt
(Aspergillusarten haben z.B. Konidiosporen auch darüber Auskunft, ob es sich um
von nur 2 – 3 µm), die sehr lange in der Luft Schimmelpilze mit toxischem oder infektiö-
schweben und sich nur wenig absetzen, so sem Potential handelt. Die Angabe einer
dass sie mit dem Sedimentationsverfahren Schimmelpilzkonzentration pro Fläche ist
gar nicht erfasst werden. dagegen weniger hilfreich.

Mit dem Sedimentationsverfahren können Um eine Orientierung über die Schimmel-


daher keine reproduzierbaren quantitativen pilzarten auf befallenen Materialien zu er-
Ergebnisse erhalten werden. Es kann daher halten, werden Oberflächenkontaktproben
nicht zum Nachweis kultivierbarer Schim- untersucht. Dies ist auf zweierlei Weise
melpilzsporen bei Luftuntersuchungen im möglich, mit Hilfe einer Abklatschprobe oder
Innenraum empfohlen werden. eines Klebefilmpräparates.

34
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Bei der Abklatschprobe wird ein geeignetes gewandten Probenahme- und Untersu-
präpariertes Nährmedium gegen die Fläche chungsbedingungen.
gedrückt, von der vermutet wird, dass sie
mit Schimmel befallen ist (Abklatsch). Das Auch bei der Materialuntersuchung ist neben
Nährmedium wird anschließend direkt wie der Konzentrationsbestimmung die Differen-
in Abschnitt C-1.2.1 beschrieben bebrütet. zierung der vorhandenen Arten von Schim-
Bei der Beurteilung der Ergebnisse muss melpilzen wichtig für eine fundierte Aussage.
beachtet werden, dass das Wachstum auch
durch Schimmelpilzsporen, die nicht aus Bei der Untersuchung von Materialien ist zu
dem Schimmelpilzschaden stammen son- beachten, dass mit einer geringen Zahl von
dern zufällig von anderen Quellen (z.B. Blu- Pilzsporen in allen Materialproben zu rech-
mentöpfen) dorthin verfrachtet wurden, her- nen ist. Dies sollte nicht zu dem Schluss füh-
vorgerufen werden kann. ren, dass das Material befallen ist. Durch se-
dimentierten Staub können auch höhere
Beim Klebefilmpräparat werden die Schim- Konzentrationen „materialfremder“ Schim-
melpilze vom Material auf eine durchsichti- melpilze im Material nachgewiesen werden.
ge Klebefolie überführt. Der Nachweis der Dies sollte durch Vermeidung staubiger Pro-
Schimmelpilze erfolgt anschließend mikro- ben ausgeschlossen werden. Bei der mikro-
skopisch. In diesem Fall kann durch Nach- skopischen Untersuchung liefert der Nach-
weis von Myzel das Wachstum auf dem Ma- weis von Myzel im Material einen Hinweis
terial bestätigt werden. darauf, dass es sich um Schimmelpilzwachs-
tum im Material handelt. Zur Vermeidung von
Beide Verfahren erlauben keine quantita- Fehlinterpretationen ist die oben genannte
tive Aussage. Die Angabe eines Messwer- Erarbeitung einer „Datenbank“ mit Orientie-
tes in koloniebildenden Einheiten (KBE) rungswerten für unterschiedliche Materialien
pro Fläche ist nicht zu empfehlen, da die nützlich. Solche Orientierungswerte liegen
Keimdichte großen Schwankungen ausge- bisher jedoch nur für wenige Materialien vor.
setzt ist, so dass hier eine verbale Be- Die Interpretation der Ergebnisse von Materi-
schreibung oder eine fotografische Doku- aluntersuchungen ist daher oft schwierig.
mentation der befallenen Fläche sinnvoller
erscheint.

Zur Untersuchung der Schimmelpilze im C-1.2.5 Messung der Gesamtzellzahl


befallenen Material wird eine Materialprobe (Gesamtsporenzahl)
entnommenen, zerkleinert und analog der
Staubprobe (vgl. C-1.2.2) mit dem Verdün- Toxische und sensibilisierende Wirkungen
nungsverfahren untersucht. Um eine annä- luftgetragener Pilzsporen gehen sowohl von
hernde Vergleichbarkeit von untersuchten kultivierbaren als auch von nicht kultivierba-
Materialproben anzustreben, ist die Unter- ren Sporen aus (Abschnitt A-1). Für beson-
suchung einer abgewogenen Menge des dere Fragestellungen ist daher die Bestim-
Materials zu empfehlen. Dadurch kann sich mung der Gesamtzellzahl durch Verfahren,
jedes untersuchende Laboratorium eine Da- die nicht auf einer Kultivierung beruhen, sinn-
tenbank mit Orientierungswerten zu einzel- voll. So kann z.B. Stachybotrys chartarum,
nen Materialien aufbauen, die bei der Er- eine Schimmelpilzart, die zur Bildung von
gebnisbeurteilung neuer Proben gleicher Mykotoxinen fähig ist, oft nicht durch Kultivie-
oder ähnlicher Materialien hilfreich ist. Diese rung (vgl. C-1.2.4) nachgewiesen werden,
Zahlen lassen sich jedoch nicht verallgemei- sondern nur bei der direkten Bestimmung der
nern, sondern gelten nur für die jeweils an- Gesamtzell- oder Gesamtsporenzahl.

35
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Nach einer Sanierung kann die Bestimmung gesetzt, die Schlitzdüsenimpaktion und die
der Gesamtzell- oder Gesamtsporenzahl Camnea-Filtermethode. Neue Methoden zur
ebenfalls sinnvoll sein, um zu belegen, dass Bestimmung der Anzahl der Sporen, z.B. mit
die Schimmelpilze nicht nur abgetötet, son- einem „Cellcounter“-Analysesystem, sind in
dern wirklich entfernt wurden. der Entwicklung.

Ein großer Vorteil dieser Methoden ist die


INFOBOX schnelle Auswertung, da die zeitaufwändige
Methoden zur Bestimmung der Kultivierung entfällt. Der Nachteil ist aller-
Gesamtzellzahl dings, dass nicht zwischen lebenden und ab-
gestorbenen Mirkoorganismen unterschie-
Schlitzdüsenimpaktion auf beschichte- den werden kann und dass eine Artbestim-
te Objektträger (Gesamtsporenzahl): mung nur sehr eingeschränkt möglich ist.
Mit einem Partikelsammler (z.B. Holbach-
Objektträger) werden luftgetragene Spo- Mit der Bestimmung der Gesamtspo-
ren auf einem beschichteten Objektträger renzahl werden sowohl die kultivierba-
fixiert und nach Anfärbung mikroskopisch ren als auch die nicht kultivierbaren
ausgewertet. Bakterien werden mit die- Schimmelpilze erfasst.
ser Methode nicht erfasst. Die Sporen-
zahl wird auf 1 m3 Luft bezogen. Eine Differenzierung der Pilzgattungen
und -arten ist nur eingeschränkt mög-
Camnea-Filtermethode (Gesamtzell- lich.
zahl, Palmgren et al. 1986):
Diese Methode dient der parallelen
Untersuchung der kultivierbaren Schim- C-1.3 MVOC-Messungen
melpilze und der Gesamtzellzahl der
Schimmelpilze und Bakterien. Die Anrei- Schimmelpilze können beim Wachstum eine
cherung von luftgetragenen Mikroorga- ganze Reihe von flüchtigen organischen
nismen erfolgt über Nuclepore-Filter (Po- Verbindungen bilden. Analog zu den flüchti-
rengröße: 0,4 µm). Die auf dem Filter ge- gen organischen Verbindungen, die allge-
sammelten Mikroorganismen werden in mein als VOC (=Volatile Organic Com-
eine Pufferlösung aufgenommen. Ein Teil pounds) bezeichnet werden, wurde speziell
dieser Suspension wird zur Kultivierung für die von den Mikroorganismen produzier-
der Schimmelpilze verwendet. Der ande- ten VOC der Begriff MVOC (Microbial Vola-
re Teil wird mit Acridine Orange ange- tile Organic Compounds) geprägt. Die
färbt, auf ein schwarzes Filter filtriert und MVOC umfassen ein breites Spektrum
unter dem Mikroskop ausgewertet. Die unterschiedlicher chemischer Stoffklassen,
Sporenzahl wird auf 1 m3 Luft bezogen z.B. Aldehyde, Alkanole, Alkenole, Ester,
Ether, Carbonsäuren, Ketone, schwefelhalti-
Palmgren U, Ström G, Blomquist, G, ge Verbindungen, Terpene, Terpenalkohole
Malmberg, P (1986). Collection of air- und Sesquiterpene. Bisher wurden etwa 30
borne microorganisms on Nuclepore fil- solcher Verbindungen identifiziert, die von
ters, estimation and analysis – CAMNEA Schimmelpilzen gebildet werden können.
method. J. Appl. Bacteriol. 61: 401-406
Nicht immer lässt, wie beschrieben, der
quantitative Nachweis von luftgetragenen
Zur Bestimmung der Gesamtzahl werden Mikroorganismen gesicherte Aussagen über
vor allem zwei verschiedene Methoden ein- mikrobielle Schäden im Innenraum zu, da nur

36
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

ein Teil der in der Luft vorhandenen Mikroor- Die Messung von MVOC kann mit zwei Me-
ganismen mit Kultivierungsmethoden (siehe thoden erfolgen (vgl. Infobox, S. 39). Die Er-
C-1.2) erfasst werden kann oder es sich um gebnisse aus beiden Methoden sind quanti-
verdeckte mikrobielle Schäden handelt. Die tativ nicht in allen Fällen miteinander ver-
qualitative Bestimmung der charakteristi- gleichbar. Die Auswertung der Proben um-
schen MVOC (siehe C-1.3.1) kann in solchen fasst die Quantifizierung aller relevanter
Fällen ein gutes Hilfsmittel zum Aufdecken Verbindungen. Zur Bewertung werden die
von mikrobiell bedingten Bauschäden sein. Ergebnisse mit denen einer Referenzprobe
aus der Außenluft oder falls möglich aus
In verschiedenen Untersuchungen wurden einem „unbelasteten“ Raum verglichen.
MVOC sowohl an produktionstechnisch be-
lasteten Arbeitsplätzen (z.B. in Abfallbe- Bei der Bewertung von MVOC-Messungen
handlungsanlagen), in Innenräumen als im Innenraum ergeben sich in der Praxis ei-
auch in der Außenluft nachgewiesen. Häufig nige Schwierigkeiten, da nicht alle als
ist ein muffiger Geruch ein Hinweis auf die MVOC bestimmten Verbindungen auch tat-
Bildung von MVOC durch Schimmelpilze sächlich mikrobieller Herkunft sein müssen.
oder Bakterien. So werden zum Beispiel aliphatische Alko-
hole (Ethanol, Propanol, Butanol, etc.) häu-
Eine Auswahl der MVOC, für die bisher eine fig auch als technische Lösemittel verwen-
mikrobielle Herkunft bekannt ist, ist in Ta- det.
belle 6 aufgeführt.
Ein weiteres Problem ist, dass das Spek-
Die besten Indikatoren für einen mikro- trum von MVOC, das die Schimmelpilze bil-
biellen Befall sind 3-Methylfuran, Dimethyl- den, abhängig ist von dem Material, auf
disulfid, 1-Octen-3-ol, 3-Octanon und 3-Me- dem die Schimmelpilze wachsen. Viele
thyl-1-butanol. Weniger spezifische Indika- Schimmelpilze können neben den bisher
toren sind Hexanon, Heptanon, 1-Butanol als charakteristisch angesehenen MVOC
und Isobutanol, da diese auch aus Baupro- eine Vielzahl weiterer Verbindungen bilden.
dukten oder Farben ausgasen können (vgl. Innerhalb einer Art ist das Spektrum dabei
Tab. 6). noch ziemlich einheitlich, jedoch treten bei
unterschiedlichen Arten von Schimmelpil-
Schimmelpilze können beim Wachs- zen große Unterschiede auf. Ergebnisse
tum flüchtige organische Verbindun- aus Laborversuchen mit künstlichen Sub-
gen (MVOC) bilden. straten lassen sich nur bedingt auf die Ver-
hältnisse beim Schimmelpilzwachstum im
Die Bestimmung „charakteristischer“ Innenraum übertragen.
MVOC kann somit zum Erkennen ver-
deckter Schimmelpilzschäden beitra- Das Auftreten bestimmter MVOC ist an das
gen. Dabei muss jedoch berücksich- Vorkommen lebender Mikroorganismen ge-
tigt werden, dass manche – als MVOC bunden, während dies bei anderen MVOC
gemessene – Substanzen, auch aus nicht der Fall ist. Bei sogenannten „inakti-
anderen Quellen stammen können. ven“ Schäden, wo nicht-lebensfähige Mikro-
organismen quantitativ überwiegen, wird
Eine Abschätzung der gesundheit- häufig nur wenig oder kein 3-Methylfuran
lichen Gefährdung sollte durch nachgewiesen, während 1-Octen-3-ol noch
MVOC-Messungen nicht vorgenom- lange Zeit nach Absterben der Mikroorga-
men werden. nismen in erhöhten Mengen nachweisbar
ist. Das Mengenverhältnis zweier Substan-

37
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Tabelle 6: Charakteristische MVOC aus Reinkulturen unterschiedlicher Schimmelpilzarten nach


verschiedenen Autoren

Autor* Geruchs- Geruchs- Andere


Verbindung A B C D E schwelle eindruck Quellen**
(µg/m3)

2-Methyl-furan + +
3-Methyl-furan + + + +
2-Methyl-1-propanol + + + 3 moderig-muffig, 1, 2
pilz-ähnlich
1-butanol + 1
3-Methyl-1-butanol + + + + + 30 sauer, stechend
2-Methyl-1-butanol + + + + 45 sauer, stechend
2-Pentanol +
2-Hexanon + 3
2-Heptanon + + + 94 pilz-ähnlich, 2, 3
moderig-muffig,
3-Octanon + + + + 30.000 mild, fruchtig 3
3-Octanol + + + +
1-Octen-3-ol + + + + + moderig-muffig,
pilz-ähnlich 3
2-Octen-1-ol + moderig-muffig,
pilz-ähnlich
2-Methyl-iso-borneol + + + erdig
Geosmin + + 7 erdig 4
(1-10-Dimethyltrans-
9-decalol)
2-Isopropyl- + erdig
3-methoxypyrazine
Dimethyldisulfid + + 0,1 moderig, faulig 2

(1) Quelle: Fischer, G.: Comparison of microbiological and chemical methods for assessing the exposure to air-borne
fungi in composting plants. Dissertation. In: Akademische Edition Umweltforschung Band 10 – Publikationsreihe des
interdisziplinären Umwelt-Forums der RWTH Aachen (2000). ISBN 3-8265-6926-1.
*Autoren: A: Börjesson et al. (1993). Volatile fungal metabolites as indicators of mould growth in stored cereals. Ph.D.
Thesis. Swedish University of Agricultural Sciences. Uppsala, ISBN 91-576-4706-2.
B: Ström, G., J. West, B. Wessén, and U. Palmgren. (1994). Quantitative analysis of microbial volatiles in
damp Swedish houses, 291–305. In R. A. Samson, B. Flannigan, M. E. Flannigan, A. P. Verhoeff, O. C. G.
Adan, and E. S. Hoekstra (ed), Health implications of fungi in indoor environments. Air quality monographs,
vol. 2. Elsevier Science B.V., Amsterdam, The Netherlands.
C: Larsen, T. O. and Frisvad, J. C. (1995). Chemosystematics of Penicillium based on profiles of volatile
metabolites. Mycol. Res. 99: 1167–1174
D: Keller, R., Senkpiel, K. and Ohgke, H. (1998). Geruch als Indikator für Schimmelpilzbelastungen in natür-
lich belüfteten Innenräumen – Nachweis mit analytischer MVOC-Messung. In: Gesundheitliche Gefahren
durch biogene Luftschadstoffe – Schriftenreihe des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Heft
2 (Edited by R. Keller), Medizinische Universität, Lübeck, ISSN 1433-030X.
E: Fiedler, K. und Schütz, E. (1998). Nachweis flüchtiger organischer Verbindungen von Schimmelpilzen
mittels HS-SPME-Technik. Schriftenreihe des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Medi-
zinischen Universität zu Lübeck, Heft 2, ISSN 1433-030X

**Mögliche andere Quellen: 1 = Lösungsmitteln in Farben; 2 = CO2-Laser-Pyrolyse;


3 = Autoxidation von Lipiden; 4 = Actinomyceten

zen kann also Auskunft über das Alter oder kalisiert werden. Erst danach kann über Art
die Qualität des Schadens geben. und Ausmaß der Sanierung entschieden
werden.
Im Allgemeinen kann die Bestimmung der
MVOC lediglich einen Hinweis darauf Eine Abschätzung der gesundheitlichen Ge-
geben, ob ein verdeckter mikrobieller Scha- fährdung sollte aus der Messung von MVOC
den vorliegt – dieser muss dann genauer lo- nicht vorgenommen werden.

38
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

INFOBOX
Methoden zur Messung von MVOC

Methode 1: Probenahme mittels Aktivkohle und anschließender Elution:


Die MVOC werden auf Aktivkohleröhrchen angereichert. Diese Röhrchen müssen einer stren-
gen laborinternen Qualitätskontrolle unterliegen, um Blindwerte zu minimieren, die von Char-
ge zu Charge unterschiedlich sein können. Die Probenahme erfolgt aktiv bei einem definier-
ten Volumenstrom über 4 Stunden (Gesamtvolumen 120 bis 240 Liter) als Doppelbeprobung.
Die Probenahmezeit von 4 Stunden soll kurzfristige Schwankungen des MVOC-Gehaltes aus-
gleichen und die Nachweisgrenze im Hinblick auf eine Elution der Aktivkohle senken.

Methode 2: Probenahme mittels Tenax und anschließender Thermodesorption:


Die MVOC werden auf Tenax TA oder Tenax GR (60/80) angereichert. Die Probenahme wird
als Doppelmessung durchgeführt. Die Probenahmezeit darf bei einem Durchsatz von 10
ml/min je nach Expositionsverhältnissen 1 Stunde nicht überschreiten, da sonst das Durch-
bruchvolumen für einige alkoholische Verbindungen überschritten wird. Das Durchbruchvolu-
men ist für die entsprechenden Verbindungen und Adsorbentien jeweils zu bestimmen.

Diese Methoden werden im Bericht des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg zu


Schimmelpilzen in Innenräumen (siehe Literaturliste) genauer beschrieben. Eine VDI-Richtli-
nie (4255) zur Messung von MVOC wird zur Zeit erarbeitet. Eine vorläufige Zusammenstellung
wurde in Form eines Statuspapiers dieser Richtlinienarbeit veröffentlicht: Tilkes, F., Dott, W.,
Fischer, G., Grün, L., Harpel, S., Hartung, J., Keller, R., Koch, A., Linsel, G., Manns, A., Mar-
tens, W., Palmgren, U., & Seidel, H.-J. Mikrobielle Luftverunreinigungen – Verfahren zur Er-
fassung und Diagnose von Endotoxinen, Mykotoxinen und MVOC. In : Schriftenreihe des Ver-
eins für Wasser-, Boden-, und Lufthygiene. Band 104. 211 – 243. 1999.

C-1.4 Schimmelpilzspürhunde setzten flüchtigen Verbindungen (MVOC, vgl.


C-1.3) sind zwar so geruchsintensiv, dass der
Der Einsatz eines Schimmelpilzspürhundes Mensch sie bei massivem Schimmelpilzbefall
wird als Ersatz oder als Ergänzung mikro- noch riechen kann, die menschliche Nase
bieller Messungen oder von MVOC-Mes- versagt aber bei geringeren Konzentrationen.
sungen bei nicht sichtbaren, aber vermute- Hier kann ein Tier mit seinem besserem Ge-
ten Schimmelpilzschäden in Gebäuden vor- ruchssinn eingesetzt werden.
geschlagen.
Hund und Hundeführer müssen in speziel-
Hunde sind seit langem im Dienst von len Schulen zum Aufspüren von Schimmel-
Rauschgiftfahndern erfolgreich im Einsatz. pilzen ausgebildet werden. Dabei werden
Ebenso wie ausgebildete Tiere in solchen dem Tier Schimmelpilzproben vorgesetzt,
Fällen durch Geruchswahrnehmung die zu deren Geruch es sich merken soll. Die Aus-
suchenden Stoffe aufspüren, können speziell bildung und deren Überprüfungen müssen
ausgebildete Schimmelpilzspürhunde in der von Zeit zu Zeit wiederholt werden. Der
Lage sein, verdeckte Schimmelpilzbelastun- Hund wird darauf trainiert, den vorhandenen
gen im Einzelfall geruchlich wahrzunehmen. Schimmelpilzschaden zu „markieren“ (z.B.
Einige der von den Schimmelpilzen freige- durch Kratzen mit der Pfote) und so dem

39
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

anwesenden Hundeführer zu signalisieren, melpilzbewuchs vorhanden ist; ggf. muss


dass ein Schimmelpilzbefall, der auch ver- durch weitere Messungen festgestellt wer-
deckt sein kann (z.B. hinter einer Gipskar- den, welches Ausmaß der Schaden hat.
tonplatte), vorhanden ist. Erst danach sollte über weitere Maßnahmen
zur Beseitigung des Problems entschieden
Die Anwesenheit eines gut ausgebildeten werden.
Hundeführers, der gemeinsam mit dem
Hund die Ausbildung zum Schimmelpilzein-
satz absolviert hat, ist unerlässlich, um das C-1.5 Qualitätssicherung
Verhalten des Tieres richtig zu interpretie-
ren. Die Beurteilung, ob es sich um ein gut Vor der Auftragsvergabe an ein Untersu-
ausgebildetes Hund/Hundeführer-Gespann chungslaboratorium sollte sich der Kunde
handelt, ist für den Auftraggeber einer bestätigen lassen, dass in dem Laborato-
Untersuchung sehr schwierig. Ein erster rium die notwendigen Qualitätssicherungs-
Hinweis können Zeugnisse von mit Erfolg maßnahmen (vgl. C-1.5.1, C-1.5.2) etabliert
absolvierten Trainingskursen sein. sind.

Zu beachten ist, dass der Aktionsradius des


Hundes auf den Fußboden und den unteren C-1.5.1 Qualitätsanforderungen an die
Wandbereich beschränkt ist und dass der Untersuchungseinrichtung
vom Hund im Raum markierte Standort
nicht unbedingt der Befallsort sein muss. Für die Ermittlung einer Schimmelpilzbelas-
Dies ist z.B. der Fall, wenn die MVOC nicht tung in Gebäuden gibt es keine verbindlich
unmittelbar an der Befallsstelle austreten. In vorgeschriebene Vorgehensweise, auch
solchen Fällen kann die Interpretation der existieren bisher keine standardisierten
Markierung des Schimmelpilzhundes Nachweisverfahren. Dadurch sind die Er-
schwierig sein. gebnisse von verschiedenen Untersu-
chungseinrichtungen oft nicht miteinander
Schimmelpilzspürhunde können ver- vergleichbar. Häufig sind die erhobenen Er-
deckte Schimmelpilzquellen lokalisie- gebnisse auch als Grundlage für eine Beur-
ren, da sie in der Lage sind, MVOC in teilung ungeeignet, da der Wissensstand
geringen Konzentrationen zu riechen. und die apparative Ausrüstung in den ein-
zelnen Labors z. Z. noch sehr unterschied-
Eine Entscheidung für oder gegen eine lich sind.
Sanierung der betroffenen Räume
sollte aus den Ergebnissen solcher Daher kommt den Angaben in den entspre-
Untersuchungen aber nicht abgeleitet chenden Gutachten bezüglich der ange-
werden. wandten Nachweisverfahren, der erhaltenen
bauphysikalischen Daten, der Dokumenta-
Es ist daher nicht sinnvoll, allein auf der tion des vorgefundenen Zustandes (Bege-
Basis eines von einem Schimmelpilzspür- hungsprotokoll, bildliche Darstellung), den
hund erkannten und markierten Schimmel- verwendeten Beurteilungskriterien und der
pilzbefalls eine Sanierungsentscheidung Interpretation und Bewertung von Schim-
abzuleiten. Vielmehr sollte bei positivem Be- melpilzuntersuchungen im Innenraum eine
fund der markierte Bereich weiter unter- besondere Bedeutung zu.
sucht werden, auch durch Öffnen von Ver-
schalungen oder Hohlräumen. Damit kann Die sachgerechte Ermittlung einer Schim-
man erkennen, ob dort tatsächlich Schim- melpilzbelastung und ihrer Ursachen ist

40
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

eine komplexe Aufgabe. Es ist daher häufig durchgeführten Untersuchungsverfahren


sinnvoll, dass die entsprechenden Untersu- angepasst sein. Zur spezifischen Aus-
chungen unter Beteiligung von Personen stattung eines mykologischen Labors ge-
mehrerer Fachdisziplinen arbeitsteilig hören u. a. Brutschränke, eine Steril-
durchgeführt werden. Hierzu gehören Bau- werkbank, ein Mikroskop, ein Stereomi-
sachverständige (für Probenahme, Mes- kroskop. Das mykologische Labor muss
sung der bauphysikalischen Gegebenhei- über ein L2-Labor verfügen. Die Anforde-
ten, Probenahmeprotokoll, Ermittlung der rungen zum Arbeiten mit Krankheitserre-
baulich bedingten Ursachen), Mykologen gern nach dem Infektionsschutzgesetz
(für die Probenahme, Differenzierung der (IfSG) § 44 (vormals Bundesseuchenge-
Schimmelpilze), Hygieniker, Umweltmedizi- setz § 19) und die Anforderungen nach
ner, Allergologen oder Pulmologen (für die der Biostoffverordnung (BioStoffV) sind
gesundheitliche Bewertung). Die Vertreter zu beachten.
der unterschiedlichen Fachdisziplinen soll-
ten kooperativ – entsprechend der konkre- ■ Vorgehen nach schriftlich fixierten Ar-
ten Fragestellung – nach einer abgestimm- beitsvorschriften.
ten Strategie und unter Beachtung der all- Alle Arbeitsabläufe für eine Untersu-
gemein üblichen Anforderungen bezüglich chung müssen in schriftlicher Form vor-
der Qualitätssicherung zusammenarbeiten. liegen und sind bei Bedarf zu aktualisie-
ren. Diese Arbeitsvorschriften umfassen
Schimmelpilzuntersuchungen in Gebäuden z.B. die Vorgehensweise bei der Probe-
sind durch qualifizierte Untersuchungsein- nahme, der Schimmelpilzbestimmung
richtungen durchzuführen, die Fachkennt- und der Dokumentation der Ergebnisse.
nisse in der Probenahme, Mykologie Ferner müssen auch die Vorgehenswei-
(Schimmelpilzkunde), Bauphysik und Bau- sen beim Umgang mit gefährlichen Ar-
chemie sowie insbesondere in der Auswer- beitsstoffen und bei der Entsorgung des
tung und Interpretation der Ergebnisse kontaminierten Materials schriftlich fixiert
nachweisen können. werden.

Allgemein übliche Qualitätsanforderun- ■ Interne Qualitätssicherung des mykologi-


gen an die Untersuchungseinrichtungen schen Labors.
sind: Es müssen Maßnahmen zur internen
Qualitätssicherung etabliert sein. Be-
■ Nachweis des nötigen Sachverstandes sonders wichtig sind dabei die Kontrolle
der Untersuchungseinrichtungen. der Nährmedien und die regelmäßige
Die beteiligten Untersuchungseinrichtun- Wartung der Geräte.
gen und ihre Mitarbeiter müssen die er-
forderliche Qualifikation und eine lang- ■ Externe Qualitätssicherung des mykolo-
jährige Erfahrung im Zusammenhang mit gischen Labors.
Schimmelpilzuntersuchungen besitzen. Das Untersuchungslaboratorium muss
Eine regelmäßige Teilnahme an Fach- nachweisen können, dass es regelmäßig
kongressen und Fortbildungsmaßnah- und erfolgreich an Ringversuchen zum
men ist selbstverständlich. Nachweis von Schimmelpilzen teilnimmt.

■ Räumlichkeiten und Ausstattung des my- Mit diesen Ringversuchen wird nur ein
kologischen Labors. Teil der gesamten Untersuchung, näm-
Die apparative, technische und räumli- lich die Bearbeitung der Proben im
che Ausstattung des Labors muss den Labor, geprüft. Die Probenahme, die we-

41
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

sentlich zur Qualität der Ergebnisse bei- Bestimmungsmethode, zu den gegebenen-


trägt, kann mit diesen Ringversuchen lei- falls zu bestimmenden Schimmelpilzspe-
der nicht erfasst werden. zies, zur Angabe der Ergebnisse, zum
Nachweisbereich und zu den Beurteilungs-
■ Befundmitteilung. kriterien aufgelistet.
Dem Auftraggeber werden mit dem Be-
fund folgende Angaben mitgeteilt: Für die Bestimmung von Schimmelpilzen
wurden bisher kaum Ringversuche bzw. die
– Ergebnis der Ortsbegehung Teilnahme am Austausch realer Proben an-
– Probenahmeverfahren mit Angabe geboten. Der Arbeitskreis AQS führt mit fi-
von Messort, Zeitpunkt, Dauer und nanzieller Unterstützung des Umwelt-
Häufigkeit der Probenahme sowie der bundesamtes seit 2001 deutschlandweite
Probenahmegeräte Ringversuche durch. Bisher wurden Ring-
– Untersuchungsverfahren (mit nähe- versuche mit Reinkulturen durchgeführt.
ren Angaben z.B. zum Nährmedium, Später sollen auch Mischkulturen, z.B. auf
zur Bebrütungstemperatur und Be- Filtern verschickt werden, um den Bedin-
brütungszeit) gungen in der Praxis näher zu kommen.
– Bezugswerte für die Bewertung und Das Hauptgewicht der Auswertung liegt auf
Angabe der Herkunft der Bezugswer- der richtigen Differenzierung der Arten, da
te (basieren die Bezugswerte auf ei- auch im Innenraum die Bestimmung der
genen Daten, ist ihre Validität und Arten meist wichtiger ist als die Konzentra-
Plausibilität zu belegen) tionsbestimmung. Für die erfolgreiche Teil-
– Fehlerabschätzung des Analysener- nahme wird eine Teilnahmebescheinigung
gebnisses erteilt.
– Arbeitsbereich oder – wenn sinnvoll
(z.B. bei MVOC-Analysen) – Bestim- Die Untersuchung von Schimmelpilzen
mungsgrenze des Untersuchungsver- im Innenraum ist eine interdisziplinäre
fahrens. Aufgabe und sollte nur von qualifizier-
ten Untersuchungsstellen durchge-
führt werden.
C 1.5.2 Hilfestellungen zur
internen und externen Auftraggeber sollten sich vergewis-
Qualitätssicherung sern, dass von den gewählten Unter-
suchungsstellen entsprechende Quali-
Eine Prüfung der Laborqualifikation für ent- tätssicherungsmaßnahmen durchführt
sprechende Untersuchungen kann anhand und die Befunde dem Auftraggeber
der vom Arbeitskreis Analytische Qualitäts- ausführlich mitgeteilt werden.
sicherung (AQS) am Landesgesundheits-
amt Baden-Württemberg (LGA) herausge-
gebenen Entwürfe „Bestätigung der Labor-
qualifikation“ vorgenommen werden. In
einem „Forderungskatalog zur analytischen
Qualitätssicherung bei Bestimmung biologi-
scher Schadstoffe in Innenräumen“ werden
allgemeine Hinweise zu den gängigsten re-
levanten Parametern, zum Probenmaterial,
zu Probenahme, Probelagerung und Pro-
bentransport, zur Probenvorbereitung und

42
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

C-2 Beurteilung von den. Die Kenntnisse über die gesundheitliche


Schimmelpilzen im Innenraum Gesamtwirkung von Schimmelpilzen sind zur
Zeit noch sehr lückenhaft, so dass wissen-
Die in Abschnitt C-1 beschriebenen Vorge- schaftlich abgesicherte Aussagen hierzu nur
hensweisen und Untersuchungen haben sehr eingeschränkt möglich sind. Bei der Be-
zum Ziel herauszufinden, ob es eine Schim- urteilung der Wirkung von Schimmelpilzen ist
melpilzquelle im Innenraum gibt und wo und auch zu beachten, dass eine allgemeine
wie diese zu lokalisieren ist. Zur Beurtei- Dosis-Wirkung-Beziehung bisher nicht nach-
lung, ob im Innenraum eine Schimmelpilz- gewiesen wurde (siehe A-2). Vor allem das
belastung vorliegt, sind die Ergebnisse der toxische und das allergene Potential von
im Teil C-1 angegebenen Untersuchungen Schimmelpilzen ist von vielen Faktoren
zusammen mit den Angaben des Bege- (Wachstumszustand, Lebensbedingungen,
hungsprotokolls im Gesamtzusammenhang Stressfaktoren, spezifische Spezies) abhän-
auszuwerten. gig. Die zur Untersuchung eines Schimmel-
pilzschadens z.Z. allgemein verwendeten
Die Feststellung einer Schimmelpilzquelle im Nachweismethoden (C-1.2) erlauben, wenn
Innenraum ist nicht gleichzusetzen mit einer überhaupt, nur sehr eingeschränkt eine Ab-
akuten Gesundheitsgefährdung der Raum- schätzung dieses Potenzials.
nutzer. Das Ausmaß der Gesundheitsgefähr-
dung ist abhängig von der Art des Schadens Zur Abklärung auftretender gesundheitlicher
und der Empfindlichkeit der Raumnutzer und Beschwerden, die im Zusammenhang mit
kann im Einzelfall aufgrund fehlender wis- einer Schimmelpilzbelastung stehen, ist
senschaftlicher Daten meist nicht genau vom behandelnden Arzt eine gezielte An-
quantifiziert werden. Da aus epidemiologi- amnese durchzuführen. Die Beschreibung
schen Studien aber eindeutig hervorgeht, der für eine medizinischer Bewertung not-
dass mit Feuchteschäden und Schimmelpilz- wendigen Vorgehensweise ist nicht Gegen-
wachstum im Innenraum gesundheitliche stand dieses Leitfadens.
Beeinträchtigungen einhergehen können,
sollte Schimmelpilzwachstum im Innenraum
als hygienisches Problem angesehen und C-2.1 Bewertung von Materialproben
nicht hingenommen werden. Es sollte auch
in diesem Bereich das Vorsorgeprinzip An- In der Regel sind Schimmelpilzbelastungen
wendung finden, nach dem Belastungen zu im Innenraum auf kontaminierte Materialien
minimieren sind (Minimierungsgebot), bevor zurückzuführen. Sofern eine gezielte Ent-
es zu Erkrankungen kommt. nahme von belasteten Materialproben mög-
lich ist (diese können z.B. erkennbar sein
Ergibt die Beurteilung, dass eine Schimmel- durch Feuchtigkeit, Geruch oder sichtbaren
pilzquelle im Innenraum vorliegt, sollte Befall), sollten derartige Proben für die Be-
daher eine Sanierung erfolgen (vgl. C-3.2). urteilung eines Schadens herangezogen
Schimmelpilzquellen im Innenraum sind aus werden.
Gründen des vorbeugenden Gesundheits-
schutzes zu beseitigen. In Tabelle 7 werden drei Kategorien zur
Einstufung einer Belastung von Materia-
Die nachfolgend aufgestellten Beurteilungs- lien mit Schimmelpilzen vorgeschlagen.
schemata stellen eine Hilfe dar, um die
Schwere einer Belastung – aus hygienischer Kategorie 1: Normalzustand bzw. geringfü-
Sicht – zu beurteilen. Für eine medizinische giger Schaden.
Bewertung sollte ein Arzt hinzugezogen wer- In der Regel keine Maßnahmen erforderlich.

43
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Kategorie 2: Geringer bis mittlerer baulicher aufgrund von z.B. Rissbildungen bis tief
oder nutzungsbedingter Schaden. in das Mauerwerk (oder andere Materia-
Die Freisetzung von Pilzbestandteilen sollte lien) fortsetzt, muss der Schaden ent-
unmittelbar unterbunden werden und die Ur- sprechend dem Befallsumfang ggf. höhe-
sache sollte mittelfristig ermittelt und saniert ren Kategorien zugeordnet werden.
werden. ■ Die Zusammensetzung der Schimmel-
pilzarten ist zu berücksichtigen. Ein häu-
Kategorie 3: Großer baulicher oder nut- figes oder überwiegendes Auftreten von
zungsbedingter Schaden. Schimmelpilzarten, denen eine beson-
Die Freisetzung von Pilzbestandteilen sollte dere gesundheitliche Bedeutung zuge-
unmittelbar unterbunden werden und die Ur- ordnet wird (z.B. Aspergillus fumigatus,
sache des Schadens ist kurzfristig zu ermit- A. flavus, Stachybotrys chartarum), führt
teln und zu beseitigen. Die Betroffenen sind zu einer Verschiebung in die nächst hö-
auf geeignete Art und Weise über den Sach- here Kategorie.
stand zu informieren, eine umweltmedizini- ■ Es ist zwischen einem aktiven Befall und
sche Betreuung sollte erfolgen. Nach abge- einem getrockneten Altschaden oder
schlossener Sanierung sollte der Sanie- einer Sporenkontamination zu unter-
rungserfolg durch geeignete mikrobiologi- scheiden. Bei einem aktiven Befall sollte
sche Nachweisverfahren überprüft werden fallbezogen durch die Sachverständigen
(„Freimessung“) zum Nachweis, dass keine entschieden werden, ob die Kategorie
erhöhten Schimmelpilzkonzentrationen (vgl. um einen Wert erhöht wird, denn:
Tab. 8) vorliegen. – die Mikroorganismenpopulation kann
sich relativ schnell ändern, und es
Die Angaben in der Tabelle können nicht als können unerwartete krankheitserre-
Absolutwerte herangezogen werden. Bei gende Schimmelpilzarten auftreten
einer Beurteilung sind immer der Einzelfall – es können kontinuierlich, über länge-
sowie ggf. besondere Umstände zu prüfen. re Zeit hohe Mengen lebensfähiger
Insbesondere sind folgende Punkte zu be- Sporen abgegeben werden (bei
achten: einem Altschaden nimmt dagegen die
■ Nicht nur die Fläche des Befalls sondern Sporenkonzentration und deren Le-
auch die Art des Befalls (z.B. punktförmi- bensfähigkeit mit der Zeit ab)
ges Wachstum gegenüber rasenartigem – ein aktiver Schimmelpilzbefall stellt
Wachstum) ist zu berücksichtigen. häufig die Nährstoffgrundlage für an-
■ Die Tiefe des Schadens ist zu berück- dere Organismen, wie z. B. Milben,
sichtigen, wenn der Pilzbewuchs sich dar. Nach Austrocknung eines Scha-

Tabelle 7: Bewertung von Materialien mit Schimmelpilzbewuchs


Wichtige Anmerkungen siehe im Text

Kategorie 1* Kategorie 2* Kategorie 3*

Schadensausmaß keine bzw. sehr geringe mittlere Biomasse; ober- große Biomasse; große
(sichtbare und Biomasse (z. B. geringe flächliche Ausdehnung flächige Ausdehnung
nicht sichtbare Oberflächenschäden < 0,5 m2, tiefere Schichten > 0,5 m2, auch tiefere
Materialschäden) < 20 cm2) sind nur lokal begrenzt Schichten können
betroffen betroffen sein

* Für die Einstufung in die nächst höhere Bewertungsstufe reicht die Überschreitung einer Forderung. Beispiel: ein Be-
fall mit geringer Oberfläche ist nach Kategorie 2 oder 3 einzuordnen, wenn zusätzlich auch tiefere Materialschichten
betroffen sind.

44
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

dens nimmt in der Regel die Anzahl volle Bewertung möglich ist. In Einzelfällen
dieser Organismen schnell ab kann es nämlich vorkommen, dass z.B. Er-
– es gilt, noch nicht erforschten Gefah- gebnisse von Luftkeimsammlungen negativ
ren vorzubeugen. ausfallen, obwohl ein Schaden vorliegt.

Für die Erfassung und Bewertung von


Bei der Beurteilung von Materialpro- Innenraumquellen kommt der Artenzusam-
ben sollte neben der Fläche des Scha- mensetzung eine wesentlich größere Be-
dens auch die Tiefe und Art des Befalls deutung zu als der Gesamtkonzentration an
(Bestimmung der Schimmelpilzarten) Schimmelpilzen.
berücksichtigt werden.
Die Erfassung der Artenzusammensetzung
Für die Beurteilung ist es außerdem einer Luftprobe oder Staubprobe ist notwen-
wesentlich, ob es sich um einen feuch- dig, um das Auftreten von Pilzarten mit
ten, aktiven oder um einen getrockne- krankheitserregender oder toxischer Wir-
ten Schaden handelt. kung zu erkennen. Schimmelpilze, denen
eine besondere gesundheitliche Bedeutung
zugeordnet wird (z.B. Aspergillus fumigatus,
C-2.2 Bewertung von Luft- und Aspergillus flavus, Stachybotrys chartarum),
Staubproben sind besonders kritisch zu beurteilen.

Die Entscheidung über das Vorhandensein Durch die Analyse der Artenzusammenset-
einer Schimmelpilzquelle im Innenraum an- zung kann zusätzlich festgestellt werden, ob
hand von Luft- oder Staubproben setzt verstärkt Pilzarten auftreten, die auf Bau-
einen hohen Sachverstand voraus. Eine schäden hindeuten. Die verschiedenen Pilz-
schematische Herangehensweise ist pro- arten unterscheiden sich außerdem in ihren
blematisch. Es ist jeweils der konkrete Ein- Feuchteansprüchen (vgl. A-1 und Fußnote
zelfall unter Hinzuziehung aller vorhande- Tab. 8 zu „untyp A“) und können daher einen
nen Informationen zu beurteilen. Hinweis auf Feuchteschäden liefern. Wäh-
rend einige Pilze häufig auch in Blumentöp-
Neben den oben bereits angeführten bau- fen oder im Biomüll in erhöhten Konzentra-
physikalischen Daten und der mit Hilfe der tionen auftreten können (z.B. Aspergillus
Fragebögen erhobenen Daten muss bei der sp.), ist das Auftreten anderer Arten (z.B.
Beurteilung von Luft- und Staubproben der Stachybotrys sp.) stärker auf Bauschäden
regionale und jahreszeitliche Einfluss der begrenzt.
Außenluft auf die Artenzusammensetzung
und die Gesamt-KBE-Konzentration bzw. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die
die Sporenkonzentration beachtet werden „Flugfähigkeit“ von Sporen verschiedener
(vgl. C-1.2.1). Pilzarten sehr unterschiedlich sein kann.
Für die Beurteilung von Innenraumquellen
Weiterhin ist zu beachten, dass die bei der ist es daher wichtig, die einzelnen Pilzarten
Luftproben- (Luftkeimsammlung, Luftparti- nach dem Typ ihrer Sporenverbreitung zu
kelsammlung, MVOC) oder Staubproben- unterscheiden.
untersuchung erhaltenen Messwerte nicht
als alleinige Beurteilungsparameter heran- Die Erfahrung zeigt, dass Pilzarten mit so-
gezogen werden können, sondern nur im genannten trockenen, gut flugfähigen Spo-
Gesamtzusammenhang mit den bei der Be- ren bereits bei geringen Materialschäden zu
gehung erhaltenen Informationen eine sinn- erhöhten Sporenkonzentrationen in der Luft

45
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

führen können. Die Sporen dieser Arten entscheidend von den jeweiligen Probenah-
sind in der Regel relativ klein und werden in mebedingungen und insbesondere von den
großer Anzahl gebildet. Sie sind nicht in vorhandenen Aktivitäten im Raum beein-
eine „Schleimmatrix“ eingebettet, so dass flusst. Besonders hohe Schwankungen sind
einzelne Sporen oder kleine Sporenaggre- bei Kurzzeitmessungen zu erwarten, da
gate durch leichte Luftbewegungen verbrei- diese Momentaufnahmen darstellen und
tet werden können. Als Leitarten für diesen Pilzsporen nicht gleichmäßig im Raum ver-
Verbreitungstyp können Arten der Gattun- teilt auftreten.
gen Penicillium und Aspergillus gelten. We-
sentlich geringere Luftbelastungen werden Als Bewertungs- und Orientierungshilfe für
dagegen festgestellt, wenn Materialien von Schimmelpilzbestimmungen in der Innen-
Pilzen besiedelt wurden, deren Sporen rela- raumluft können nach gegenwärtigem Er-
tiv groß sind oder nach ihrer Bildung in kenntnisstand folgende drei Bereiche die-
Schleimsubstanzen gesammelt werden und nen (vgl. Tab. 8 und 9):
daher schlecht flugfähig sind. Als Leitarten
für diesen Verbreitungstyp gelten viele Arten ■ der Bereich der Hintergrundbelastung
der Gattungen Acremonium oder Fusarium für wichtige Pilzgattungen oder Pilzarten
sowie Sporen der Pilzart Stachybotrys char- ■ ein Übergangsbereich, innerhalb des-
tarum. sen erhöhte Konzentrationen der einzel-
nen Pilzgattungen oder Pilzarten liegen,
Es wird auch in Zukunft nicht möglich die bereits auf Innenraumquellen hinwei-
sein, einen einzelnen Richt- oder sen
Grenzwert für eine Pilzbelastung in ■ ein Bereich mit Konzentrationen, die die-
Luft- oder Staubproben anzugeben. sen Übergangsbereich überschreiten
und mit hoher Wahrscheinlichkeit auf
Einzelne Richtwerte können nur inner- eine Innenraumquelle hinweisen.
halb einer begrenzten Untersuchung
eine gewisse Aussagekraft liefern, Wichtig ist, dass nicht alle Problemsituatio-
was sich nicht ohne weiteres auf an- nen mit dem vorgeschlagenen Schema (Tab.
dere Situationen übertragen lässt. 8 und 9) bewertet werden können. So kann
z.B. die Bewertung einer Luftprobe im Spät-
In Innenräumen kommt der Pilzarten- herbst schwierig sein, wenn der Sporenge-
zusammensetzung eine wesentlich halt der Außenluft in kurzer Zeit stark verrin-
größere Bedeutung zu als der Gesamt- gert wird (Oktober-November mit kalter und
konzentration an Schimmelpilzen. feuchter Witterung). In diesem Zeitraum kön-
nen aus der Außenluft stammende Sporen,
Schimmelpilzarten, denen eine rele- die über die Vegetationsperiode zuvor im
vante gesundheitliche Bedeutung zu- Innenraum sedimentiert sind, das Ergebnis
kommt, sind besonders kritisch zu be- einer Luftprobe stärker beeinflussen (falls
urteilen. diese vor oder während einer Probenahme
aufgewirbelt werden) und im Verhältnis zur
Außenluft eine Belastung der Innenluft erge-
ben. Umgekehrt können auch ungewöhnlich
C-2.2.1 Bewertung von Luftproben belastete Außenluftproben eine Interpreta-
tion der Ergebnisse erschweren.
Die Sporenkonzentration in der Luft kann
starken Schwankungen unterliegen. Das Er- Bei der Bewertung der Ergebnisse sollte
gebnis einer Innenraumluftmessung wird außerdem immer berücksichtigt werden,

46
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

dass es sich um Kurzzeitmessungen han- Die angegebenen Bewertungsbereiche sind


delt. als vorläufige Werte zu verstehen, die bei
Vorliegen neuer Erkenntnisse ggf. ange-
Die Anwendung der Tabellen setzt daher passt werden müssen.
einen hohen Sachverstand voraus.

Tabelle 8: Bewertungshilfe für Luftproben – kultivierbare Schimmelpilze


Die drei Zeilen der Tabelle sind nicht als eigenständige Kriterien gedacht, sondern sind in einer umfassen-
den Auswertung gemeinsam zu betrachten.

Innenluft- Innenraumquelle Innenraumquelle Innenraumquelle


Parameter unwahrscheinlich nicht auszuschließen1) wahrscheinlich 2)

Cladosporium sowie Wenn die KBE/m3 einer Wenn die KBE/m3 einer Wenn die KBE/m3 einer
andere Pilzgattungen, die Gattung in der Innenluft Gattung in der Innenluft Gattung in der Innenluft
in der Außenluft erhöhte unter dem 0,7 (bis 1,0)- unter dem 1,5 ± 0,5- über dem 2-fachen der
Konzentrationen erreichen fachen der Außenluft lie- fachen der Außenluft lie- Außenluft liegen
können gen gen
(z.B. sterile Myzelien, Ityp A ≤ Atyp A × 0,7 (+0,3) Ityp A ≤ Atyp A × 1,5 (± 0,5) Ityp A > Atyp A × 2
Hefen, Alternaria,
Botrytis)

Summe der KBE der unty- Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi-
pischen Außenluftarten schen der KBE-Summe schen der KBE-Summe schen der KBE-Summe
Innenraumluft minus Innenraumluft minus Innenraumluft minus
Außenluft der untypischen Außenluft der untypischen Außenluft der untypischen
Außenluftarten Außenluftarten Außenluftarten
unter 150 KBE/m3 liegt unter 500 KBE/m3 liegt. über 500 KBE/m3 liegt.
IΣuntyp A ≤ AΣuntyp A + 150 IΣuntyp A ≤ AΣuntyp A + 500 IΣuntyp A > AΣuntyp A + 500

eine Art der untypischen Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi-
Außenluftarten (!) schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und
Außenluft einer untypi- Außenluft einer untypi- Außenluft einer untypi-
schen Außenluftart unter schen Außenluftart unter schen Außenluftart über
50 KBE/m3 liegt 100 KBE/m3 liegt 100 KBE/m3 liegt
IEuntyp A ≤ AEuntyp A + 50 IEuntyp A ≤ AEuntyp A + 100 IEuntyp A > AEuntyp A + 100

1) Indiz für Quellensuche 2) Indiz für kurzfristige intensive Quellensuche

KBE = koloniebildende Einheiten


I = Konzentration in der Innenraumluft in KBE/m3
A = Konzentration in der Außenluft in KBE/m3
typ A = typische Außenluftarten bzw. -gattungen (wie z. B. Cladosporium, sterile Myzelien, ggf.
Hefen, ggf. Alternaria, ggf. Botrytis)
untyp A = untypische Außenluftarten bzw. -gattungen (z. B. Pilzarten mit hoher Indikation für Feuchte-
schäden wie Acremonium sp., Aspergillus versicolor, A. penicillioides, A. restrictus,
Chaetomium sp., Phialophora sp., Scopulariopsis brevicaulis, S. fusca, Stachybotrys
chartarum, Tritirachium (Engyodontium) album, Trichoderma sp.)
Σuntyp A = Summe der untypischen Außenluftarten (andere als typ A)
Euntyp A = eine Art, die untypisch ist in der Außenluft
! = die angegebenen Konzentrationen gelten für Pilzarten mit gut flugfähigen Sporen. Für
Pilzsporen mit geringer Flugfähigkeit sowie für thermotolerante Pilzarten gelten deutlich
geringere Konzentrationen

47
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Tabelle 9: Bewertungshilfe von Luftproben – Partikelauswertung


Die sechs Zeilen der Tabelle sind nicht als eigenständige Kriterien gedacht, sondern sind in einer umfas-
senden Auswertung gemeinsam zu betrachten.
Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf Luftproben, die unter normalen Bedingungen gezogen wur-
den (keine gezielte Staubaufwirbelung).

Gesamtpilzsporen Innenraumquelle Innenraumquelle Innenraumquelle


Holbach Objektträger unwahrscheinlich nicht wahrscheinlich 2)
(C-1.2.5) auszuschließen1) 3)

Sporentypen, die in der Wenn die Summe eines Wenn die Summe eines Wenn die Summe eines
Außenluft erhöhte Konzen- Sporentyps in der Innen- Sporentyps in der Innen- Sporentyps in der Innen-
trationen erreichen z.B. luft unter dem luft unter dem luft über dem
Typ Ascosporen 1 (bis 1,4)-fachen der 1,6 (± 0,4)-fachen der 2-fachen der Außenluft
Typ Alternaria/Ulocladium Außenluft liegt Außenluft liegt liegt
Typ Basidiosporen Ityp A ≤ Atyp A × 1 (+0,4) Ityp A ≤ Atyp A × 1,6 (± 0,4) Ityp A > Atyp A × 2
Cladosporium spp.

Typ Penicillium/Aspergillus Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi-
schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und
Außenluft für den Sporen- Außenluft für den Sporen- Außenluft für den Sporen-
typ Penicillium/Aspergillus typ Penicillium/Aspergillus typ Penicillium/Aspergillus
nicht über 300 liegt nicht über 800 liegt über 800 liegt
IΣP+A ≤ AΣP+A + 300 IΣP+A ≤ AΣP+A + 800 IΣP+A > AΣP+A + 800

Typ Chaetomium spp. Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi-
schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und
Außenluft der Chaetomi- Außenluft der Chaetomi- Außenluft der Chaetomi-
umsporen ausgeglichen ist umsporen nicht über 5 liegt umsporen 5 übersteigt
IChaetom ≤ AChaetom IChaetom ≤ AChaetom + 5 IChaetom > AChaetom +5

Stachybotrys chartarum Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi-
schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und
Außenluft der Stachybo- Außenluft der Stachybo- Außenluft der Stachybo-
tryssporen ausgeglichen ist tryssporen nicht über 2 liegt tryssporen 2 übersteigt
IStachy ≤ AStachy IStachy ≤ AStachy + 2 IStachy > AStachy + 2

diverse Pilzsporen, Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi-
die nicht dem Typ Basidio- schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und
sporen oder Ascosporen Außenluft der diversen Außenluft der diversen Außenluft der diversen
angehören Pilzsporen nicht über 400 Pilzsporen nicht über 800 Pilzsporen 800 übersteigt
liegt liegt Idivers > Adivers + 800
Idivers ≤ Adivers + 400 Idivers ≤ Adivers + 800

Myzelstücke Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi- Wenn die Differenz zwi-
schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und schen Innenraumluft und
Außenluft der Myzelstücke Außenluft der Myzelstücke Außenluft der Myzelstücke
nicht über 150 liegt nicht über 300 liegt 300 übersteigt
IMyzel ≤ AMyzel + 150 IMyzel ≤ AMyzel + 300 IMyzel > AMyzel + 300

1)Indiz für Quellensuche, 2) Indiz für kurzfristige intensive Quellensuche


3)Bei einer geringen Sporenkonzentration (Indiz für Quellensuche) kann eine Beurteilung nur in Kombination mit einer
Luftkeimsammlung erfolgen.
A = Konzentration in der Außenluft in Anzahl Sporen/m3,
I = Konzentration in der Innenraumluft in Anzahl Sporen/m3
typ A = Sporentypen, die in der Außenluft erhöhte Konzentrationen erreichen wie z.B. Ascosporen,
Alternaria/Ulocladium, Basidiosporen, Cladosporium sp.
ΣP+A = Summe der Sporen vom Typ Penicillium und Aspergillus
Chaetom = Sporen vom Typ Chaetomium sp.
Stachy = Sporen vom Typ Stachybotrys chartarum
divers = diverse uncharakteristische Sporen, die nicht dem Typ Ascosporen, Typ Alternaria/Ulocladium, Typ Basi-
diosporen oder Cladosporium sp. angehören

48
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

C-2.2.3 Bewertung von Staubproben trationen an Schimmelpilzen, als bei Ver-


wendung von Methoden ohne Siebung.
Bei der Bewertung von Staubproben ist zu
berücksichtigen, dass Pilzarten, die häufig Die Diskussionen zur am besten geeigneten
bei Feuchteschäden auftreten, entspre- Methode zur Bestimmung von Schimmel-
chend ihrer Sporenbildung, Sporenverbrei- pilzkonzentrationen im Hausstaub sind noch
tung und Überlebensdauer unterschiedliche nicht abgeschlossen. Daher können in die-
Konzentrationen in belasteten Staubproben sem Leitfaden auch keine Aussagen zu
haben können. Für die Bewertung von Pil- Hintergrundkonzentrationen bzw. Konzen-
zen, die häufig bei Feuchteschäden im trationen in belasteten Wohnungen gemacht
Innenraum auftreten und die typischer werden.
Weise nicht über die Außenluft in erhöhten
Konzentrationen eingetragen werden, ist die Für die Erfassung von Schimmelpilzen
Aufstellung von Erfahrungswerten (Hinter- im Hausstaub gibt es noch keine allge-
grundkonzentrationen) hilfreich. mein anerkannte Methode. Es können
daher keine generellen Bewertungs-
Die Schimmelpilzkonzentration in Staubpro- hilfen angegeben werden.
ben wird vor allem in den Sommermonaten
stark durch die Sporenkonzentration der Zusammenfassend muss hinsichtlich der Be-
Außenluft beeinflusst. Die Bildung von An- wertung von Schimmelpilzbelastungen in
teilen einzelner Gattungen oder Arten an Innenräumen nochmals festgehalten werden,
der Gesamtkonzentration hat dementspre- dass die in diesem Leitfaden empfohlenen
chend nur wenig Aussagekraft, sofern der Kriterien und Wertebereiche zur Beurteilung
Einfluss der jahreszeitlichen Außenluft nicht einer Schimmelpilzquelle im Innenraum als
berücksichtigt wird. vorläufige – wenngleich weitgehend zwischen
verschiedenen Gremien auf Bundes- und
Im Jahreslauf sind insbesondere die Kon- Länderseite in Deutschland abgestimmte –
zentrationen von Hefen sowie Cladosporium Vorgehensweisen anzusehen sind. Die Innen-
spp. und sterilen Kolonien (ohne Sporenbil- raumlufthygiene-Kommission des Umwelt-
dung) relativ hohen Schwankungen unter- bundesamtes wird sich dieses komplexen
worfen. Der Bereich der normalerweise auf- Themas auch weiterhin widmen und bei
tretenden Hintergrundkonzentrationen für neuen Erkenntnissen ggf. eine Ergänzung der
diese Gruppen wird daher weit gespannt hier gemachten Empfehlungen vornehmen.
sein.

Die Konzentrationen von Aspergillus spp. C-3 Ursachensuche und


und Penicillium spp. gelten als relativ stabil Sanierungsmaßnahmen
im Jahresverlauf. Daher wird der Bereich
der normalerweise auftretenden Hinter- Bei nachweislichem Schimmelpilzwachstum
grundkonzentrationen für diese Gattungen im Innenraum sollten die Ursachen hierfür
relativ eng sein. ermittelt und beseitigt sowie die befallenen
Stellen saniert werden. Eine Schimmelpilz-
Bei der Beurteilung von Ergebnissen von sanierung ohne Beseitigung der Ursachen
Schimmelpilzmessungen im Hausstaub ist nicht sinnvoll, da früher oder später mit
muss außerdem die verwendete Methode einem erneuten Schimmelpilzwachstum zu
berücksichtigt werden. So findet man mit rechnen ist. Daher ist es unerlässlich, bei
Methoden, bei denen der Staub vor der wei- der Begehung die Ursachen für das Schim-
teren Analyse gesiebt wird, höhere Konzen- melpilzwachstum aufzuklären.

49
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

C-3.1 Ursachensuche sche und vollständige Trocknung der betrof-


fenen Bereiche um zu verhindern, dass sich
Voraussetzung für Schimmelpilzwachstum Schimmelpilze ansiedeln und wachsen.
ist in jedem Fall eine erhöhte Feuchte an be-
stimmten Stellen in der Wohnung. Solche Sonstige Feuchteschäden werden meist
hohen Feuchten können prinzipiell durch erst wahrgenommen, wenn bereits Schim-
folgende Hauptursachen bedingt sein (vgl. melpilze gewachsen sind und in Form von
auch Tab. 10): Verfärbungen (Schimmelpilzflecken) sicht-
bar werden bzw. eine Geruchsbelästigung
■ akute Feuchteschäden durch Rohrbruch, vorliegt. In jedem Fall muss die Frage nach
Überschwemmung u.ä. den Ursachen gestellt werden und diese
■ Feuchteschäden durch defekte Dächer müssen durch eine Begehung geklärt wer-
insbesondere Flachdächer, Dachrinnen den.
und Fallrohre
■ Baufeuchte im Neubaufall oder nach Sa- Bei Schimmelpilzwachstum aufgrund von
nierung durch ungenügendes Austrock- erhöhter Feuchte durch ungenügende Ab-
nen vor Erstbezug oder ungenügende dichtung liegt eindeutig ein Baufehler vor.
(dem Feuchteanfall nicht angepasste) Diese Baufehler können u. a. durch Mes-
Lüftung sung des Feuchteprofils mit Hilfe von Tie-
■ erhöhte Feuchte durch ungenügende fenmesssonden in der Wand nachgewiesen
Abdichtung wie z.B. fehlende Horizontal- werden (vgl. Tab. 10). Die Schimmelpilze
sperre (Durchfeuchtung bei Schlagre- müssen entfernt (vgl. C-3.2) und der Bau-
gen, aufsteigende Bodenfeuchte) mangel behoben werden.
■ erhöhte Feuchte durch Oberflächentau-
wasser (Wärmebrücken, hohe Luftfeuch- Am häufigsten tritt Schimmelpilzwachstum
tigkeit) oder, seltener, durch inneren Tau- im Zusammenhang mit Tauwasserbildung
wasserausfall (z.B. an Schichtgrenzen). an Oberflächen auf. In diesem Falle kann
die Ursache ebenfalls in einem Baumangel
Besonders problematisch ist die Durch- (z.B. Wärmebrücken) liegen; es können
feuchtung bei feinporigen Materialien, wie aber auch falsches Nutzerverhalten oder
z.B. Sandstein, Holz, Spanplatten oder Iso- eine Kombination beider Ursachen vorlie-
liermaterial. Bei ihnen wird die materialbe- gen. Aus mietrechtlicher Sicht ist daher die
günstigte hohe Feuchtigkeit lange Zeit auf- Abklärung der Ursachen von entscheiden-
rechterhalten. der Bedeutung.

Voraussetzung für das Schimmelpilz- Schimmelpilzschäden aufgrund von Tau-


wachstum im Innenraum ist erhöhte wasserbildung an Oberflächen treten oft in
Feuchte, die durch Bauschäden oder Gebäuden auf, die nachträglich saniert wor-
falsches Nutzerverhalten entstanden den sind, um eine bessere Wärmedäm-
sein kann. mung zu erreichen (dichte Fenster, Wand-
dämmungen) oder die bereits entsprechend
Die Ursache muss unbedingt ermittelt den aktuellen Wärmeschutzvorschriften ge-
und behoben werden. baut worden sind. Durch die erhöhte Dich-
tigkeit der Fenster wird der natürliche Luft-
Nur im Falle der akuten Feuchteschäden ist austausch reduziert. Die im Raum entste-
die Ursache direkt bekannt. Es sollten so hende Feuchtigkeit muss in diesen Wohnun-
schnell wie möglich Abhilfemaßnahmen ein- gen durch vermehrtes Lüften abgeleitet
geleitet werden. Wichtig dabei ist eine ra- werden (vgl. B-2). Bei manchen sehr dichten

50
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Tabelle 10: Merkmale unterschiedlicher Feuchtigkeitsprobleme

Eine Unterscheidung der unterschiedlichen Feuchtigkeitsprobleme ist anhand von einzelnen Merkmalen
nicht möglich, sondern nur in der Zusammenschau mehrerer Merkmale.

Vertikal aufsteigende Horizontal eindrin-


Tauwasserbildung
Feuchtigkeit gende Feuchtigkeit

Ursachen Tauwasserbildung an küh- Gebäude steht auf nas- An der Außenwand anste-
len Oberflächen (z.B. Wär- sem Grund, hat keine aus- hende Feuchtigkeit dringt
mebrücken, vgl. B-2.1) reichende Feuchtigkeits- auf Grund fehlender Ab-
absperrung und Wandma- dichtung in die Wand ein
terial mit Kapillareigen-
schaften

Ort und Zeitpunkt des Auf- An den Außenwandecken In der Bodenplatte, in An Außenwänden häufig
tretens und -kanten in der kälte- Außenmauern und innen bei nicht sachgemäßer
ren Jahreszeit. (in Keller- liegenden Mauern bei Ableitung von Regenwas-
räumen im Sommer siehe hohem Grundwasserspie- ser
C-1.1) Nur in speziellen gel oder Staunässe.
Fällen an Innenwänden
(Kaltwasserrohre ohne
Isolierung).

Salz-(auch Nitrat-)ausblü- Nein Ja1) Möglich, bei anhaltenden


hungen an Tapeten oder Schäden
Wandproben

Schimmelbildung Häufig Tritt bei verfügbaren Nähr- Tritt bei verfügbaren Nähr-
Schimmelflächen können stoffquellen auf. stoffquellen auf. Wird aber
zeitweise (Sommer) relativ Wird aber ggf. von einer ggf. von einer zunehmen-
trocken sein, daher oft zunehmenden Versalzung den Versalzung überdeckt
Entwicklung xerophiler überdeckt.
Schimmelpilze (vgl. A-1)

Schimmelbildung verstärkt In der Regel ja Nein Nein


hinter Bildern und Möbeln (kein primärer Zusammen- (kein primärer Zusammen-
an Außenwänden oder in hang3) hang3)
Außenwandecken sichtbar

Feuchtigkeit in verschie- Hohe Feuchtigkeit an der Abnehmender Feuchte- Häufig Feuchtegradient


denen Wandbereichen Wandoberfläche, niedrige gradient von tiefer liegen- von der Maueraußenseite
(unter Benutzung von im Inneren der Wand2) den Wandbereichen zu zur Innenseite
Tiefenmess-Sonden) höher liegenden Wandbe-
reichen.
Kein Feuchtegradient zwi-
schen Maueraußenseite
und Mauerinnenseite.

Einfluss zusätzlicher Ja Nicht durch Wasserdampf Nicht durch Wasserdampf


Wasserdampfquellen beeinflusst3) beeinflusst3)
(z.B. häufiges
Wäschetrocknen)

1) Aufsteigende Feuchtigkeit, die z.B. aus einer Betonrohdecke als Restbaufeuchte aufsteigt, muss nicht unbedingt zu
Salzablagerungen führen.
2) Feuchtigkeit im Wandinnern kann auf Tauwasserbildung zurückzuführen sein. Die Innenwandflächen zweischaliger
Wände sind aber normalerweise trocken.
3) Durch den Feuchteschaden kann sich Wasserdampf entwickeln und so Tauwasserprobleme verursachen. Außerdem
entsteht durch die Durchfeuchtung eine höhere Wärmeleitfähigkeit der Baustoffe und damit eine Absenkung der Ober-
flächentemperatur. Daher kann es vermehrt zu Tauwasserbildung kommen.

51
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Konstruktionen und Nutzeraktivitäten mit


INFOBOX
hoher Feuchtigkeitsabgabe muss über eine
Eigenkontrolle mit
technische Lösung zur Regelung der Lüf-
Thermo-Hygrometer
tung nachgedacht werden, da die Feuchtig-
keit auch durch mehrmaliges kurzzeitiges
Einfache elektronische Thermo- und Hy-
Lüften nicht ausreichend abgeleitet werden
grometer, die im Handel erhältlich sind,
kann (z. B. Bäder mit indirekter Belüftung;
liefern zwar keine exakten Messwerte,
vgl. B-2.3).
eignen sich wegen ihrer Kostengünstig-
keit und einfachen Handhabung dennoch
Langzeitmessungen der Temperatur und
zur Eigenkontrolle in Wohnungen.
der Feuchtigkeit in der Raumluft (Datenlog-
ger) und an der befallenen Stelle (elektri-
Werden sie an der Wand aufgehängt, die
sche Baufeuchtemessung) können Auskunft
von Schimmelpilzbefall betroffen ist, kann
geben, in welchen Situationen kritische
der interessierte Raumnutzer selbst be-
Kombinationen von Temperatur und Feuch-
obachten, wie sich die Lufttemperatur und
tigkeit entstehen, die zu Schimmelpilz-
relative Luftfeuchtigkeit im Laufe des
wachstum führen können und wie diese
Tages und bei unterschiedlichen Aktivitä-
durch die Lüftung und Heizung im Raum
ten (z.B. Wäsche trocknen) ändert. Außer-
beeinflusst werden. Andere weiterreichende
dem kann der Erfolg von Lüftungs- oder
Prüfverfahren sind die Endoskopie, die
Heizungsmaßnahmen direkt verfolgt wer-
Thermographie, das Blower-Door-Verfah-
den. Die relative Luftfeuchte sollte dauer-
ren, die Salzbestimmung im Material, die
haft nicht höher als 65–70 % (an der Ma-
gravimetrische Material-Feuchtegehaltsbe-
terialoberfläche unter 80 %) liegen.
stimmung und die Tracergas-Technik. Eine
Beschreibung einiger dieser Verfahren fin-
Solche Messungen können jedoch auf
det sich z.B. im Bericht des Landesgesund-
Grund der nicht exakten Messwerte ge-
heitsamtes Baden-Württemberg zu Schim-
naue Untersuchungen durch Fachleute
melpilzen in Innenräumen (siehe Anhang 2,
nicht ersetzen.
S. 73). Bei Vorliegen der entsprechenden
Bauunterlagen kann berechnet werden, ob
es zu einer Taupunktunterschreitung kom-
men kann und eine Wärmebrücke vorliegt. Wird vorschriftsmäßig nach DIN 4108 ge-
baut bzw. wärmegedämmt, so dürfen diese
Früher waren die Fenster diejenigen Bautei- kältesten Bereiche im Raum bei „normaler
le mit dem höchsten Wärmeaustrag und der Raumnutzung“ keine Probleme mit Tauwas-
stärksten Abkühlung (kälteste Bauteile) in serbildung aufweisen. Probleme ergeben
der Wohnung. War die Luft im Innenraum zu sich jedoch aus folgenden Gründen:
feucht, machte sich dies durch Tauwasser-
bildung an den Fenstern bemerkbar und ■ Es sind Wärmebrücken vorhanden, da
man wusste, dass vermehrt gelüftet werden die Vorgaben der DIN 4108 nicht erfüllt
muss. Nach dem Einbau von dichten Fens- sind (Baufehler).
tern, ist der kälteste Punkt in der Wohnung ■ Die Raumnutzung (Heizung, Lüftung,
nicht mehr die Fensterscheibe, sondern an- Luftfeuchtigkeit) entspricht nicht den in
dere Bereiche im Raum (z.B. Außenwände der DIN angenommenen Normalverhält-
und speziell Außenecken). Kommt es dort nissen (20 °C, 50 % Luftfeuchtigkeit im
zu Tauwasserbildung wird dies oft erst be- Raum).
merkt, wenn sich bereits Schimmelpilze ■ Durch dichte Möblierung an Außenwän-
ausgebreitet haben. den werden diese im Winter von der war-

52
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

men Heizungsluft abgeschnitten und Alle diese Ausführungen zeigen die Komple-
kühlen daher ab. xität der Probleme bei der Suche nach der
■ Schimmelpilzwachstum tritt nicht erst bei Ursache eines Schimmelpilzwachstums in
sichtbarer Tauwasserbildung auf, son- Innenräumen. Die Begehung muss daher un-
dern bereits bei anhaltender Luftfeuchte bedingt durch Sachverständige, die auf bau-
an der Materialoberfläche (ca. 80 %) physikalische Probleme spezialisiert sind, in
(vgl. B-2). Zusammenarbeit mit einem mykologischen
Labor durchgeführt werden. Die Ergebnisse
der Ursachensuche (Baufehler oder Nutzer-
fehlverhalten) sind nicht nur für die Sanie-
INFOBOX rungsmaßnahmen von größter Wichtigkeit,
Schimmelpilzbefall in Mietwohnungen sondern haben auch mietrechtliche Konse-
quenzen.
Schimmelpilzbefall einer Mietwohnung
wird von den Gerichten als Mietmangel
anerkannt. Über die Ursache des Schim- C-3.2 Sanierung
melpilzbefalls entsteht in der Praxis häufig
Streit, der am Ende oft vom Gericht – nach Schimmelpilzwachstum im Innenraum stellt
Anhörung von Sachverständigen – ent- ein hygienisches Problem dar, das aus Vor-
schieden werden muss. sorgegründen nicht toleriert werden kann.
Bei nachweislichem Schimmelpilzwachstum
Eine Schimmelpilzbelastung in Innenräu- im Innenraum müssen fachgerechte Sanie-
men stellt in jedem Fall ein hygienisches rungsmaßnahmen zur Beseitigung der
Problem dar (siehe Abschnitt C-2). Eine Schimmelpilze durchgeführt werden. Eine
Gesundheitsbelastung ist nicht auszu- Beseitigung des Schimmelpilzbefalls hat
schließen. Aus Gründen der Gesund- aber nur dann Sinn, wenn zuvor die Ursa-
heitsvorsorge sollten daher, möglichst im chen geklärt werden. Ohne diese Klärung
gegenseitigen Einvernehmen zwischen und die Behebung der Ursachen, die zu
Mieter und Vermieter, die Schäden ange- einem Wachstum geführt haben, ist ein er-
messen behoben werden. Bei ärztlichen neuter Befall vorprogrammiert.
Attesten von gesundheitlichen Beschwer-
den aufgrund einer Schimmelpilzbelas-
tung ist es wichtig, dass die Diagnose C-3.2.1 Kurzfristige Maßnahmen
einen plausiblen Zusammenhang zwi-
schen den Beschwerden und der Schim- Wenn nicht sofort mit den Sanierungsmaß-
melpilzbelastung erkennen lässt. nahmen begonnen werden kann, ist zu prü-
fen, ob die befallenen Stellen übergangs-
Die o.g. Hinweise können im Einzelfall weise möglichst ohne Staubverwirbelung
eine konkrete Rechtsberatung nicht er- gereinigt und desinfiziert werden können
setzen. Bei Zweifeln über die Rechtslage (z.B. mit 70 %-igem Ethylalkohol bei trocke-
und die bestehenden Rechte und Pflich- nen Flächen und 80 %-igem Ethylalkohol
ten sollten sich Mieter und Vermieter bei feuchten Flächen) oder ob es Möglich-
daher am besten frühzeitig rechtlich be- keiten gibt, die befallenen Stellen über-
raten lassen. Beratungsstellen, wie z.B. gangsweise abzudecken oder abzuschot-
Mietervereine oder Haus- und Grund- ten. Auch für diese vorübergehenden Maß-
eigentümervereine, können hier Hilfestel- nahmen müssen die unten (C-3.2.2) be-
lung leisten. schriebenen Schutzmaßnahmen beachtet
werden.

53
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Die Verwendung der häufig zitierten Essig- Bei glatten Oberflächen (Metall, Keramik,
lösung ist meist nicht sinnvoll, da viele Bau- Glas) kann eine Entfernung mit Wasser und
stoffe und insbesondere Kalk eine Neutrali- normalem Haushaltsreiniger erfolgen.
sation bewirken und außerdem mit dem
Essig organische Nährstoffe auf das Mate- Befallene poröse Materialien (Tapete,
rial gelangen. Die Verwendung von Fungi- Gipskartonplatten, poröses Mauerwerk, po-
ziden im Innenraum wird ebenfalls nicht röse Deckenverschalungen) können nicht
empfohlen. gereinigt werden. Leicht ausbaubare Bau-
stoffe wie Gipskartonplatten oder leichte
Durch gezieltes Lüften und Heizen der be- Trennwände sind auszubauen und zu ent-
fallenen Stelle kann die Feuchtigkeit redu- fernen. Schimmelpilze auf nicht ausbauba-
ziert und ein weiteres Schimmelpilzwachs- ren Baustoffen sind vollständig (d. h. auch in
tum eingeschränkt werden. Diese Maßnah- tiefer liegenden Schichten) zu entfernen.
me darf jedoch nur durchgeführt werden,
wenn zuvor bereits vorhandene Schimmel- Bei Holz ist prinzipiell zwischen der soge-
pilzsporen entfernt worden sind, um hohe nannten Holzbläue (oberflächlicher Befall
Konzentrationen in der Raumluft sowie die während der Holzverarbeitung ausgelöst
Entstehung von Sekundärquellen zu ver- durch den Pilz Aureobasidium pullulans)
meiden. und dem aktiven Schimmelpilzwachstum
aufgrund eines akuten Feuchteschadens
Durch vermehrtes Lüften und Heizen sowie mit starker Sporenbildung der Schimmelpil-
durch ein Abrücken der Möbel von Außen- ze zu unterscheiden. Bei normaler Holz-
wänden kann die Gefahr von Taupunkt- bläue besteht gewöhnlich kein Sanierungs-
unterschreitungen im Raum verringert und bedarf. Aktiv befallenes Holz hingegen ist
damit einem weiteren Schimmelpilzwachs- sehr schwer zu sanieren und muss meist
tum vorgebeugt werden. Auch diese Maß- entsorgt werden. In Ausnahmen kann ein
nahme ist nur sinnvoll, wenn zuvor bereits oberflächlicher Befall durch Abschleifen ent-
vorhandene Schimmelpilzsporen entfernt fernt werden.
worden sind.
Befallene Möbelstücke mit geschlossener
Oberfläche (Stühle, Schränke) sind ober-
C-3.2.2 Langfristige Maßnahmen flächlich feucht zu reinigen, zu trocknen und
gegebenenfalls mit 80 %-igem Alkohol zu
Grundvoraussetzung für den Erfolg einer Sa- desinfizieren (Brand- und Explosionsgefahr
nierung ist die Beseitigung der Ursachen, die sowie persönlichen Atemschutz beachten).
zu dem Auftreten des Schimmelpilzwachs-
tums geführt haben. Bauseitige Schäden Stark befallene Einrichtungsgegenstände
sind zu beheben und die Raumnutzer darü- mit Polsterung (Sessel, Sofa) sind nur selten
ber aufzuklären, wie in Zukunft ein Schim- mit vertretbarem Aufwand sinnvoll zu sanie-
melpilzwachstum vermieden werden kann. ren und sollten daher im Normalfall entsorgt
werden. Befallene Haushaltstextilien (Teppi-
Die Sanierung von schimmelpilzbefallenen che, Vorhänge) sind meist ebenfalls nur mit
Materialien muss das Ziel haben, die großem Aufwand sachgerecht zu sanieren,
Schimmelpilze vollständig zu entfernen. so dass je nach Anschaffungskosten eine
Eine bloße Abtötung von Schimmelpilzen Entsorgung vorzuziehen ist.
reicht nicht aus, da auch von abgetöteten
Schimmelpilzen allergische und reizende Bei der Sanierung von Schimmelpilzbefall
Wirkungen ausgehen können (vgl. A-2). auf Materialien können sehr hohe Konzen-

54
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

trationen an Sporen freigesetzt werden. Eine Befallene Tapeten bzw. Silikonfugen können
Sanierung sollte daher nur unter geeigneten entfernt, oberflächlich befallene Stellen feucht
Sicherheits- und Arbeitsschutzbedingungen abgewischt oder mit einem Staubsauger mit
von fachlich qualifizierten Personen durch- Feinststaubfilter (HEPA-Filter) abgesaugt
geführt werden. Des Weiteren ist zu beach- sowie mit 70–80 %-igem Ethylalkohol unter
ten, dass z.B. für Allergiker oder Vorgeschä- Beachtung der Brand- und Explosionsgefahr
digte mit chronischen Erkrankungen der (nur kleine Mengen verwenden, gut lüften,
Atemwege sowie für Personen mit ge- nicht rauchen, kein offenes Feuer) sowie der
schwächtem Immunsystem ein gesundheitli- Anforderungen des Arbeitsschutzes (Schutz-
ches Risiko nicht ausgeschlossen werden handschuhe, Mundschutz, Schutzbrille) be-
kann, so dass dieser Personenkreis keine handelt werden. Nach der Sanierung ist eine
Sanierungsarbeiten durchführen sollte. Entfernung von Feinstaubpartikeln (Feinreini-
gung) in der Umgebung der sanierten Stellen
Der Sanierungsaufwand muss dem Ausmaß vorzunehmen. Die bei der Sanierung anfallen-
des Schadens und der Art der Raumnut- den, mit Schimmelpilzen belasteten Abfälle,
zung angepasst werden. Dabei spielen u.a. können in Plastikbeutel verpackt mit dem
folgende Gesichtspunkte eine Rolle: Hausmüll entsorgt werden.
■ Größe der befallenen Fläche
■ Stärke des Befalls (einzelne Flecken Schutzmaßnamen bei Sanierungs-
oder dicker Schimmelbelag) maßnahmen kleineren Umfangs:
■ Tiefe des Befalls (oberflächlich oder
auch in tieferen Schichten) Schimmelpilze nicht mit bloßen Hän-
■ Vorkommende Schimmelpilzarten (Aller- den berühren – Schutzhandschuhe
gierisiko, Infektionsrisiko, Toxine) tragen.
■ Art der befallenen Materialien (auf aus-
baubaren Materialien oder im Mauer- Schimmelpilzsporen nicht einatmen –
werk) Mundschutz tragen.
■ Art der Nutzung (Lagerraum, Wohnraum,
Kindergarten, Krankenhaus). Schimmelpilzsporen nicht in die
Augen gelangen lassen – Staub-
Mit Hilfe dieser Kriterien ist mit Sachver- Schutzbrille tragen*.
stand eine Gesamteinschätzung vorzuneh-
men. Anschließend sind die sich daraus ab- Nach Beendigung der Sanierung du-
leitenden Schutzmaßnahmen bei der Sanie- schen und Kleidung waschen.
rung zu formulieren.
* Schimmelpilze können allergische Reak-
Sanierungsarbeiten kleineren Umfangs tionen im Auge auslösen.
(z.B. nur oberflächlicher Befall, befallene
Fläche nicht größer als ca. 0,4 m2, keine Umfangreichere Sanierungsarbeiten soll-
Bauwerksmängel), bei denen kein Risiko für ten von gewerblichen Firmen durchgeführt
gesunde Personen zu erwarten ist, können werden. Hierzu sind Firmen zu beauftragen,
im allgemeinen ohne Beteiligung von Fach- die mit solchen Sanierungsarbeiten, den
personal durchgeführt werden, wobei die In- hierbei auftretenden Gefahren, den erfor-
anspruchnahme einer vorherigen fachlichen derlichen Schutzmaßnahmen und den zu
Beratung zu empfehlen ist. beachtenden Vorschriften und Empfehlun-
gen vertraut sind. Eine Auswahl wichtiger
Beispielhaft ist dabei folgende Vorgehens- Arbeitsschutzvorschriften ist in der INFO-
weise anwendbar: BOX enthalten.

55
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Wichtig ist dabei, dass nicht nur die Sanie-


rer, sondern auch die Bewohner bei der Be- INFOBOX
seitigung des Schimmelpilzbefalls durch ge- Wichtige Arbeitsschutzmaßnamen bei
eignete Schutzmaßnahmen vor Schimmel- Sanierungsmaßnahmen
pilzexposition geschützt werden. Dabei durch gewerbliche Firmen
muss auch der Gesundheitszustand der
Nutzer (Gesunde, Allergiker, Immunsuppri- Tätigkeiten, bei denen Arbeitnehmer Be-
mierte) berücksichtigt werden. lastungen mit Schimmelpilzen und Acti-
nomyceten ausgesetzt sind, sind als
Außerdem muss verhindert werden, dass – nicht gezielte – Tätigkeiten mit biologi-
sich Schimmelpilze durch die Sanierungs- schen Arbeitsstoffen in die Risikogruppe
maßnahmen in andere Bereiche der Räume 1 und 2 gemäß Biostoffverordnung einzu-
oder Gebäude ausbreiten und dort eventuell stufen. Außerdem liegt eine Gefährdung
zu neuen Problemen führen. Auf jeden Fall durch sensibilisierende Gefahrstoffe vor,
sind Lebensmittel und andere Gegenstände da Schimmelpilz- und Actinomyceten-
wie Kinderspielzeug und Kleidung vor der haltiger Staub als sensibilisierender Ge-
Sanierung aus dem Raum zu entfernen. fahrstoff eingestuft ist

Bei größeren Schimmelpilzschäden sollten Zu berücksichtigen sind z.B. die Anforde-


die befallenen Bereiche staubdicht abge- rungen der folgenden Regelungen:
schottet werden oder andere Maßnahmen
ergriffen werden, um die Ausbreitung von – Biostoffverordnung
Schimmelpilzsporen zu minimieren. Nach – TRBA 400 (Handlungsanleitung zur
lokaler Beseitigung des Schimmels sind die Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkei-
Feinstaubpartikel in der Umgebung der sa- ten mit biologischen Arbeitsstoffen),
nierten Stellen zu entfernen („Feinreini- – TRBA (Technische Regel Biologische
gung“). Nach Abschluss der Sanierung soll- Arbeitsstoffe) 460 (Einstufung von Pil-
te eine „Freimessung“ zum Nachweis, dass zen in Risikogruppen),
keine erhöhten Schimmelpilzkonzentratio- – TRBA 461 (Einstufung von Bakterien
nen (vgl. Tab. 8) mehr vorliegen, vorgenom- in Risikogruppen),
men werden. – TRBA 500 (Allgemeine Hygienemaß-
nahmen: Mindestanforderungen),
– TRGS (Technische Regel Gefahrstof-
Schutzmaßnamen bei Sanierungsmaß- fe) 540 (Sensibilisierende Stoffe),
nahmen durch gewerbliche Firmen: – TRGS 524 (Sanierung und Arbeiten in
kontaminierten Bereichen),
Schimmelpilze dürfen bei der Sanie- – TRGS 907 (Verzeichnis sensibilisie-
rung nicht in andere Bereiche verteilt render Stoffe).
werden.

Der Schutz des Personals und der


Raumnutzer vor Schimmelpilzexposi- Eine ausführliche methodische Beschrei-
tionen muss durch geeignete Maß- bung der gewerblich anzuwendenden Sa-
nahmen (Arbeitsschutzmaßnahmen, nierungsverfahren ist nicht Gegenstand die-
staubdichte Abschottung) sicherge- ses Leitfadens. Die genannten Maßnahmen
stellt werden. und Hinweise erheben keinen Anspruch auf
Vollständigkeit. Sie sind eine Orientierungs-
hilfe für das allgemeine Vorgehen bei einer

56
Teil C, Bestandsaufnahme und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen

Sanierung. Im konkreten Einzelfall muss Maßnahmen einem erneuten Schimmelpilz-


das Vorgehen unter Umständen variiert wer- befall entgegenwirken. Dazu gehören die
den. Verwendung von Kalk- oder Silikatfarben
statt Kunststofffarben oder Lacken sowie
Beim Wiederaufbau von sanierten Flächen der Verzicht auf Tapeten bis zum vollständi-
können einige einfach zu realisierende gen Abtrocknen.

57
Teil D, Fallbeispiele

Teil D Ergebnis der Ortsbesichtigung (Novem-


ber):
Fallbeispiele
Eingeschossiges Stahl-Glas-Gebäude, mit
Elektro-Flachheizkörpern ausreichend be-
Das Fallbeispiel 1 zeigt den häufigen Fall, heizt, Klimageräte im oberen Fensterbe-
dass bei Vorhandensein einer Schimmel- reich nicht in Betrieb. Zwischen großen
pilzquelle sehr hohe Konzentrationen von Stahlträgern bilden Trapezbleche mit ca. 6
Schimmelpilzen in der Raumluft nachgewie- cm Bodenabstand den Träger für den Bo-
sen werden können. denaufbau; Bleche sollen mit PE-Folie als
Dampfsperre belegt und mit Alutape ver-
Die Fallbeispiele 2 und 3 belegen, wie wich- klebt sein; darüber mineralische Ausgleichs-
tig eine fachkundige Ortsbegehung ist. Ein- schüttung, dann Spanplatte (19 mm); darauf
zelne Messungen der Gesamtkoloniezahl Verbundelemente mit Spanplatte (24 mm)
(KBE/m3) in der Raumluft können zu fal- und Fermacell-Dämmung (40 mm); den
schen Schlussfolgerungen führen. Bei deut- oberen Abschluss bildet Parkett (Buche).
lich erkennbarem Schimmelpilzwachstum
ist eine Untersuchung der Raumluft norma- Beim Betreten wird sofort ein modriger Ge-
lerweise nicht notwendig (vgl. C-1). ruch (Gewächshaus-ähnlich) wahrgenom-
men; keine weiteren Auffälligkeiten.
Das Fallbeispiel 4 zeigt anhand eines älte-
ren Schadensfalls mit nicht fachgerechter Bisherige Maßnahmen: Anbringen von be-
Sanierung, wie bei Vorliegen guter Fach- lüfteten Drainagerohren unter dem gesam-
kenntnisse auch kompliziertere Sachlagen ten Bau. Dabei wurde eine starke Nässebil-
bewertet werden können. Dieses Beispiel dung auf den Stahlteilen festgestellt.
belegt auch, dass gerade bei solchen Schä-
den die Bestimmung der Gesamtsporenzahl Bisherige Messungen: Formaldehyd – ne-
wichtige Hinweise geben kann. gativ, Feuchtegehalt der Spanplatten im Be-
reich des Eingangs und der Sanitärräume –
Das letzte Fallbeispiel weist daraufhin, dass unauffällig (8–9%).
es wichtig ist, die Beschwerden der Raum- Ergebnis: Verdacht auf Schimmelpilzbefall
nutzer ernst zu nehmen, auch wenn die er-
sten Untersuchungsergebnisse gegen eine Untersuchungen (November):
Schimmelpilzbelastung sprechen. Der Ein- Raumluft-Analysen zeigen ein Innen-zu-
satz eines Schimmelpilzhundes konnte in Außen-Verhältnis für die Gesamtkonzentra-
diesem Fall wichtige Hinweise zur Lokalisa- tion kultivierbarer Schimmelpilze von ca.
tion einer Schimmelpilzquelle geben. 3000 KBE/m3 zu 900 KBE/m3 und für
Aspergillus sp. von ca. 2000 KBE/m3 zu 10
KBE/m3. Die Gesamtkonzentration kultivier-
barer Schimmelpilze in einer Luftprobe aus
Fallbeispiel 1: Autohaus der Revisionsöffnung im Sanitärbereich be-
trägt 12.400 KBE/m3.
Beschwerden:
Personal und Kunden eines Autohauses be- Im Vergleich mit Hintergrundbelastungen,
schweren sich über einen „modrigen“ Ge- die mit der gleichen Methode erhalten wur-
ruch. Es wird berichtet, dass der Geruch im den (Raumluftuntersuchungen in natürlich
Verkaufsraum des im April 1999 fertigge- belüfteten Bürogebäuden Deutschlands;
stellten Gebäudes seit August 1999 immer n=307; Messjahreszeit Winter: Median der
intensiver geworden sei. Pilzsporenkonzentrationen in der Raumluft

58
Teil D, Fallbeispiele

= 40 KBE/m3, Spannweite = 10 – 720 bodenaufbau nicht möglich. Der vorhande-


KBE/m3, 95-er Perzentil (P95) = 260 ne Fußbodenaufbau wurde bis zum tragen-
KBE/m3), sind die Messwerte gegenüber den Trapezblech entfernt und entsorgt. Ein
P95 um das 10fache (Raumluft) bzw. neuer Fußbodenaufbau erfolgte nach Sa-
47fache (Revisionsöffnung) erhöht. Gleich- nierungsvorschlägen des Baugutachters
zeitig lassen extreme Konzentrationen an u.a. mit einer dampfdichten horizontalen
Aspergillus sp. in der Luft der Revisionsöff- Sperrung, Einbau von Spanplatten mit Wär-
nung (12.200 KBE/m3) ein massives medämmung zur Verhinderung von Tauwas-
Wachstum dieser Gattung in der Bodenkon- serbildung und Dämmung der Stahlträger
struktion vermuten. zur Verminderung der Wärmebrückenbil-
dung und Gefahr der Kondenswasserbil-
Die Analyse von sedimentiertem Staub dung.
weist erhöhte Konzentrationen von kultivier-
baren Schimmelpilzsporen, besonders As- Ein Vergleich der Ergebnisse der Untersu-
pergillus-, Cladosporium- und Penicillium- chungen vor und nach Rekonstruktion des
Sporen auf. Fußbodens zeigte, dass sich die durchge-
führten Maßnahmen positiv auf die mikro-
Die Analyse von Material der Bodenkon- bielle Belastung des Innenraums des Auto-
struktion zeigt ein massives Vorkommen an hauses ausgewirkt haben. So wiesen die
Aspergillus- und Penicillium-Sporen. nach Sanierung durchgeführten Raumluft-
Analysen ein Innen-zu-Außen-Verhältnis für
Wochenprofile von Temperatur und relativer die Gesamtkonzentration kultivierbarer
Feuchte zeigen im Verkaufsraum einen der Schimmelpilze von 110–190 KBE/m3 zu 200
Jahreszeit entsprechenden normalen Ver- KBE/m3 und für Aspergillus sp. von 10–20
lauf für natürlich belüftete Gebäude. Die in KBE/m3 zu 20 KBE/m3 auf. Die quellennah
der Revisionsöffnung gemessenen Feuch- (Revisionsöffnung im Sanitärbereich) durch-
ten liegen bei Werten > 95 % und bestätigen geführten Untersuchungen ergaben für die
damit ideale Wachstumsbedingungen für Gesamtkonzentration kultivierbarer Schim-
Schimmelpilze. melpilze 150 KBE/m3 und für Aspergillus sp.
20 KBE/m3.
Bewertung:
Aufgrund der ermittelten Schimmelpilzspo-
renkonzentration, insbesondere von Asper-
gillus-Sporen, ist von einer starken Bela- Fallbeispiel 2: Schule A
stung der Nutzer auszugehen. Die Untersu-
chungen in der Revisionsöffnung weisen auf Vorgeschichte:
eine Quelle in der Bodenkonstruktion hin. In einer Grundschule war es durch Undich-
tigkeit des Flachdaches über ein Jahr lang
Empfehlung: Es sollte eine baugutachterli- wiederholt zum Wassereintritt mit Durch-
che Analyse und anschließende Sanierung feuchtung und Schädigung der Bausub-
der gesamten Bodenkonstruktion, ggf. Er- stanz, Kondenswasserbildung auf Oberflä-
satz durch eine andere konstruktive Lösung chen und nachfolgender Schimmelpilzbe-
erfolgen. siedlung gekommen. Dazu führte die un-
günstigerweise unterhalb des Straßennive-
Maßnahmen und Ergebnis: aus liegende Abwasserableitung des Ge-
Aufgrund der durch ein Baugutachten nach- bäudes wiederholt zu einem retrograden
gewiesenen Durchfeuchtung der Spanplat- Wasseraustritt aus den Waschbecken und
ten war deren Wiederverwendung im Fuß- zur Durchfeuchtung des Bodens und boden-

59
Teil D, Fallbeispiele

naher Wandbereiche. Verstärkt wurde die Bewertung:


Problematik durch unzureichendes Lüf- Die Messung der Gesamtkonzentration kul-
tungsverhalten. tivierbarer Schimmelpilze in der Innenraum-
luft ergab keine erhöhten Konzentrationen.
Beschwerden: Die Verschiebung der Artenzusammenset-
Von den acht in der Schule tätigen Lehrern zung im Vergleich zur Außenluft gab aber
klagten vier über Reizerscheinungen an den einen ersten Hinweis auf eine Schimmelpilz-
Schleimhäuten von Augen, Nase und Ra- quelle im Innenraum.
chen, über Kopfschmerzen, verstärkte Mü-
digkeit und Häufungen erkältungsähnlicher Empfehlung: Es sollte eine Sanierung erfol-
Symptome. Vereinzelt wurden auch von den gen, da bei der Ortsbegehung deutlich er-
Schüler/innen gehäufte rhinitische und bron- kennbares Schimmelpilzwachstum gefun-
chitische Symptome angegeben. Eine Aller- den wurde.
gie-Testung bei zwei der vier betroffenen
Lehrer hatte neben Sensibilisierungen u.a. Maßnahmen:
Sensibilisierungen (Typ I) gegen verschiede- Als langfristig wirksame Lösungsansätze
ne Schimmelpilze, darunter Aspergillus, Pe- zur Behebung des Schimmelpilzbefalls
nicillium und Cladosporium, ergeben. wurde ein neuer Kanalanschluss ohne
Rücklaufmöglichkeit in das Gebäude und
Ortsbesichtigung der Ersatz des Flachdaches durch ein Nei-
Bei der Ortsbegehung zeigten sich in meh- gungsdach beschlossen.
reren Räumen Teile der Decke und der an-
grenzenden Wand infolge des Wasserein- Kurzfristig wirksame Maßnahmen bis zur
tritts im Bereich der Dachwasserabflüsse Umsetzung dieser aufwendigen Schritte
durchfeuchtet. Teilweise war der Putz abge- umfassten die konsequente Raumlüftung
löst. In einigen Bereichen war deutlich er- mit einem geeigneten Lüftungsmodus, die
kennbares Schimmelpilzwachstum vorhan- oberflächliche Entfernung sichtbaren
den. Auch die Außenwand einiger Räume Schimmelpilzbewuchses, die Abschottung
wies teilweise feuchte Flecken mit blasiger einzelner befallener Flächen gegenüber der
Abhebung der Tapete auf. Vereinzelt fanden Raumluft, die vorübergehende Nichtbenut-
sich Schulbücher mit angeschimmelten zung des am stärksten betroffenen Rau-
Blatträndern. mes, Maßnahmen zur Verbesserung des
Dachwasserabflusses sowie die Aussonde-
Untersuchungen rung angeschimmelter Schulbücher.
In ausgewählten Räumen wurden Luftmes-
sungen auf Schimmelpilzsporen durchge-
führt. Die Innenraumluft-Konzentrationen an
Schimmelpilzsporen lagen durchweg niedri- Fallbeispiel 3: Kindergarten
ger ( zwischen 50 und 150 KBE/m3) als die
in der Außenluft (240 KBE/m3) gemessenen Vorgeschichte:
Sporenkonzentrationen, wobei erwartungs- In einem Kindergarten war es durch Undich-
gemäß innen (überwiegend Aspergillus, Pe- tigkeiten im Bereich des Flachdaches zu
nicillium und Cladosporium) und außen Wassereintritt gekommen. Auch nach Auf-
(überwiegend Alternaria und Cladosporium) setzen eines Neigungsdaches und Entfer-
ein etwas unterschiedliches Artenspektrum nung des oberflächlich sichtbaren Schim-
vorhanden war. Zum aktuellen Messzeit- melpilzwachstums in den Räumen blieb ein
punkt war also nicht von einer erheblichen muffig-modriger Geruch bestehen.
Innenraumluftbelastung auszugehen.

60
Teil D, Fallbeispiele

Beschwerden: Fallbeispiel 4:
Die Kindergärtnerinnen klagten gehäuft
Verbindungsflur mit
über Kopfschmerzen. Allergologische Unter-
suchungen gaben keinen Nachweis von
Altschaden
Sensibilisierungen gegen Schimmelpilze.
Vorgeschichte:
Ortsbesichtigung: Aufgrund gesundheitlicher Beschwerden
Bei der Begehung wurde kein äußerlich und dem Auftreten von „Stockflecken“ in
sichtbares Schimmelpilzwachstum festge- einem Verbindungsflur wurde ein Gutachten
stellt. Unter der abgehängten Holzdecke zum Vorkommen von Schimmelpilzen in
fand sich jedoch im Dämmmaterial (Stein- einer Dachetagenwohnung erstellt. Dabei
wolle) massives Schimmelpilzwachstum. wurden erhöhte Schimmelpilzkonzentratio-
Dabei handelte es sich vorherrschend um nen in der Raumluft und die Besiedlung der
verschiedene Penicillium-Arten. Offensicht- linken Wandfläche im Verbindungsflur fest-
lich war bei der Sanierung des Flachdaches gestellt. Insbesondere wurden neben den
das kontaminierte Dämmmaterial belassen Gattungen Penicillium und Aspergillus auch
worden und hatte aufgrund der mangelnden die Arten Stachybotrys chartarum und
Möglichkeit zur Austrocknung einem weite- Chaetomium globosum nachgewiesen. Auf-
ren Schimmelpilzwachstum Vorschub gelei- grund der Ergebnisse dieses Gutachtens
stet. wurde die Wohnung vom damaligen Mieter
fristlos gekündigt. Der Vermieter konnte nach
Untersuchungen: eigenen Angaben keine Anzeichen für eine
Orientierende Raumluftmessungen auf Schimmelpilzbesiedlung in der Wohnung
Schimmelpilzsporen ergaben niedrige Luft- feststellen und bezweifelte die Richtigkeit der
konzentrationen (unter 20 KBE/m3). Ergebnisse des ersten Gutachtens.
Vom Vermieter wurden daher erneute
Bewertung: Raumluftuntersuchungen und Oberflächen-
Die Messung von kultivierbaren Schimmel- beprobungen an den gleichen Probenahme-
pilzen in der Innenraumluft hatte keine er- stellen und mit vergleichbaren Messgeräten
höhten Konzentrationen ergeben. Bei der wie im ersten Gutachten in Auftrag gege-
Ortsbegehung war jedoch deutlich erkenn- ben. Ziel der Untersuchungen war es, fest-
bares Schimmelpilzwachstum im Dämm- zustellen, ob tatsächlich eine Schimmelpilz-
material gefunden worden. belastung insbesondere durch Sporen der
Pilzgattungen Stachybotrys und Chaeto-
Empfehlung: Es sollte eine Sanierung erfol- mium vorlag.
gen.
Ortsbesichtigung:
Maßnahmen und Ergebnis: Die Wohnung im Dachgeschoss verfügte
Nach der Entfernung des Isoliermaterials über 7 Zimmer, einer Küche, zwei Bade-
gingen auch die gesundheitlichen Be- zimmer/WC und einer Terrasse. Der Fußbo-
schwerden zurück. den war zum Teil mit Teppichboden und
zum Teil mit Parkett ausgestattet. Die
Wände waren mit Gipskartonplatten ver-
kleidet. Sie sahen wie neu gestrichen aus,
da sie weder Staubkanten noch andere
Abnutzungsspuren zeigten. Schimmelpilz-
schäden waren nicht sichtbar, und es konn-

61
Teil D, Fallbeispiele

te auch kein auffälliger Geruch festgestellt tarum; in der Außenluft waren diese Arten
werden. nicht nachweisbar).

An der linken Wand des Verbindungsflurs, Außerdem wurden Oberflächenkontaktpro-


die im ersten Gutachten als Schimmelpilz- ben an der Wand im Verbindungsflur ent-
belastet beschrieben worden war, fanden nommen. Sowohl bei der Kultivierung als
sich keine Hinweise auf Schimmelpilz- auch beim direkten Auszählen ergab sich,
wachstum oder Feuchtigkeit. Nach Entfer- dass die Wandbereiche im Verbindungsflur
nen der Scheuerleiste zeigten sich Fugen mäßig stark mit Sporen der Gattungen
zwischen Wand und Boden, so dass die Chaetomium spp. und Aspergillus versicolor
Trittschalldämmung im Anschlussbereich bzw. Penicillium spp. kontaminiert waren.
sichtbar wurde. Diese Dämmung (Mineral- Ähnliche Ergebnisse ergaben sich auch bei
wolle) war mit einem feinpulverigen schwar- der Untersuchung des schwarzen Staubes
zen Staub durchsetzt. Die linke Flurwand aus der Mineralwolle. Es wurde jedoch kein
war gleichzeitig die Innenwand der Küche. Myzel von Schimmelpilzen festgestellt.
An dieser Wand befand sich eine Einbaukü-
che. Die Wandoberfläche hinter der Küchen- Im Küchenwandbereich wurde aktiver
zeile war nicht einsehbar, da die Elemente Schimmelpilzbewuchs (Myzelbildung) ge-
der Küchenzeile mit Rückwänden zur Wand funden; hohe Sporenkonzentrationen von
verschlossen waren und eine Sockelleiste Vertretern der Gattungen Ulocladium, Acre-
die Küchenzeile zum Fußboden abschloss. monium, Penicillium und der Art Stachybo-
Nach Entfernung der Sockelleiste wurde trys chartarum wurden nachgewiesen.
eine starke Verschimmelung des unteren
Wandbereiches bis ca. 40 cm Höhe sicht- Bewertung:
bar, insbesondere an der Oberfläche in der Die festgestellten Konzentrationen von
Nähe der Küchenaußenwand. Ingesamt war Chaetomium sp. und Stachybotrys charta-
eine Fläche von ca. 1 m2 erkennbar mit rum sind sehr deutliche Hinweise auf eine
Schimmelpilzen bewachsen. Belastung durch Schimmelpilze, da diese
Sporentypen nur bei massiven Feuchte-
Untersuchungen: schäden nachgewiesen werden können.
Es wurden Messungen der Gesamtkonzen- Weiterhin ist auch die Konzentration von
tration kultivierbarer Schimmelpilze in der 950 Sporen des Typs Penicillium/Aspergillus
Raumluft des Verbindungsflures durchge- pro Kubikmeter Probenluft ein ergänzender
führt. Dabei wurden keine eindeutigen Hin- Hinweis auf einen Schimmelpilzschaden.
weise auf eine Schimmelpilzbelastung fest- Das Fehlen von auffälligen Konzentrationen
gestellt (z.B. DG 18-Agar: Außenluft 120 an kultivierbaren Pilzsporen in der Flurluft
KBE/m3, Innenraumluft 150 KBE/m3). deutet auf einen Altschaden hin, dessen
Sporen nur noch zum geringen Teil keimfä-
Bei der Messung der Gesamtsporenzahl in hig sind.
der Raumluft ergab sich jedoch ein deut-
licher Unterschied zwischen der Außenluft Die in der Innenraumluft als auffällig her-
und der Innenraumluft. In der Innenraumluft ausgestellten Pilzarten wurden auch an den
wurden erhöhte Sporenkonzentrationen von untersuchten Wandoberflächen und Materi-
Chaetomium sp., Stachybotrys chartarum alproben nachgewiesen, so dass davon
und vom Sporentyp Aspergillus/Penicillium auszugehen ist, dass zumindest ein Teil der
festgestellt (950 Sporen/m3 vom Typ Penicil- in der Raumluft festgestellten Pilzsporen
lium/Aspergillus, 60 Sporen/m3 Chaeto- von den untersuchten Wandbereichen frei-
mium und 30 Sporen/m3 Stachybotrys char- gesetzt wurde. An den untersuchten Wand-

62
Teil D, Fallbeispiele

bereichen im Verbindungsflur wurden keine Dennoch wurden in der Folgezeit immer


gewachsenen Pilzmyzelien gefunden, aber wieder Beschwerden geäußert, denen von
eine Kontamination mit Pilzsporen, wie sie der Verwaltung durch erneute Untersuchun-
für an Feuchteschäden angrenzende Berei- gen in den Räumen nachgegangen wurde.
che typisch ist. Im April 1998 durchgeführte Untersuchun-
gen ergaben im Innenbereich bei drei Paral-
Die aus dem Fußbodenbereich entnomme- lelmessungen 20, 70, 110 KBE/m3 und im
ne Mineralwolle-Probe enthielt dagegen ver- Außenbereich (zwischen 2 Regenschau-
einzelt Pilzmyzelien und große Sporenmen- ern!) 40 KBE/m3. Die Bestimmung der
gen. Insbesondere das Auftreten von Chae- MVOC durch ein ausgewiesenes Labor lie-
tomium sp. und Stachybotrys chartarum ist ferte den Hinweis auf das Vorkommen eines
für Mineralwolle-Proben sehr ungewöhnlich. Schimmelpilzbefalls. Im Juni 1998 ergaben
Allerdings werden diese Arten sehr häufig Kontrolluntersuchungen erneut den Hinweis
auf der Kartonbeschichtung von durchfeuch- auf MVOC und verdeckten Schimmelpilzbe-
teten Gipskartonplatten festgestellt. Das Er- fall. Erhöhte Feuchtigkeit als Ursache für
scheinungsbild vor Ort und das Ergebnis der einen Schimmelpilzbefall konnte jedoch
Mineralwolle-Probe lassen daher vermuten, nicht ermittelt werden.
dass nur ein begrenzter Anteil der festge-
stellten Sporen tatsächlich an der Mineral- Im September 2000 häuften sich Klagen
wolle gebildet wurde und dass der überwie- über muffigen Geruch in den Schulklassen.
gende Teil der Sporen in den Spalt zwischen Von 21 Personen gaben 14 einen muffigen,
Wand und Fußboden sedimentiert ist. modrigen Geruch und Gesundheitsbe-
schwerden an. Auf Grund der Beschwerden
Es bestätigte sich der Verdacht, das die im von Kindern und Lehrern (Kopfschmerzen,
ersten Gutachten als verschimmelt bezeich- Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Augen-
neten Wandbereiche tatsächlich von Schim- tränen und -reizung, Übelkeit, Hautreizun-
melpilzen bewachsen waren und der Scha- gen, Bronchitis, Muffgeruch der Kleidung)
densbereich vorbeugend mit Wandfarbe wurden erneut Untersuchungen veranlasst.
und möglicherweise mit Fungiziden überstri-
chen wurde, so dass eine oberflächliche Im Oktober 2000 wurden im Auftrag des Ge-
Schimmelbildung nicht mehr sichtbar war. sundheitsamtes Raumluftuntersuchungen
auf Schimmelpilze durch ein ausgewiese-
nes Institut durchgeführt mit dem Ergebnis,
Fallbeispiel 5: Schule B dass keine erhöhte Belastung der Raumluft
(KBE innen: 45–215/m3; außen: 775/m3)
Vorgeschichte: vorhanden seien und kein Anhalt für eine
Durch Lehrer- und Elternschaft wurde die wesentliche Schimmelpilzquelle vorliegen
schlechte Raumluftqualität und Formalde- würde, dass aber das unterschiedliche
hydbelastung in einer Schule bemängelt. Keimspektrum zwischen innen (Aspergillus
Daraufhin wurde der in den 70er-Jahren in fumigatus, Alternaria) und außen den Ver-
Fertigbauweise errichtete Pavillon vom dacht auf einen verdeckten Befall und somit
Schulträger grundlegend saniert. Unter Be- einen Feuchteschaden lenken würde.
teiligung einer Fachhochschule wurde unter Raumluftmessungen auf VOC im November
der Vorgabe der Verwendung geprüfter 2000 ergaben keine auffälligen Befunde
schadstofffreier, ökologisch unbedenklicher (Summe VOC ca. 100 µg/m3).
und nachwachsender Materialien ein Kon-
sens zur Sanierung mit allen Beteiligten ge- Als Ursache der Beschwerden und Gerüche
funden und im Jahr 1996 ausgeführt. wurden mangelnder Luftwechsel, ungenü-

63
Teil D, Fallbeispiele

gende Heizung während der Ferienzeit, un- mittelbarer Nachbarschaft liegenden Kin-
zureichend hinterlüftete Möbel sowie Aus- dergarten ging eine sehr starke Lärmbelas-
dünstungen aus dem Teppichbodenkleber tung aus. Auf Nachfrage gaben die Lehrer
(Phenoxyethanol) vermutet. an, dass aus Sicherheitsgründen und
wegen des Lärms die Fenster meistens ge-
Bei einer Begehung wurde in dem Raum schlossen blieben.
mit den meisten Beschwerden ein Akten-
schrank mit verschimmelter Rückwand ent- Es ergaben sich keine Hinweise auf Feuch-
deckt und beseitigt. Bei einer Wiederho- teschäden. Allerdings war ein schwacher,
lungsmessung im Februar 2001 wurden schwer definierbarer Geruch im Raum
keine erhöhten Schimmelpilzkonzentratio- wahrnehmbar.
nen in dem Raum festgestellt. Eine MVOC-
Messung im März 2001 ergab keinen ein- Untersuchungen und weitere
deutigen Befund, so dass ein verdeckter Ortsbesichtigung:
Befall zwar nicht ausgeschlossen werden Zur Vervollständigung der bisher erfolgten
konnte, aber als eher unwahrscheinlich an- Untersuchungen wurde noch eine Analyse
gesehen wurde. Gleichzeitig durchgeführte des Hausstaubes auf Biozide veranlasst.
Feuchtigkeitsmessungen im Wand- und Sie ergab unauffällige Befunde.
Bodenbereich durch einen Sachverständi-
gen ergaben unauffällige Werte. Der Sach- Aufgrund der geschilderten Beschwerden
verständige schloss das Fundament und und der in der Vergangenheit angedeuteten
die Gebäudesohle als Feuchtequelle und verdeckten Schimmelpilzproblematik wurde
Ursache der Beschwerden im Innenraum als letzte Maßnahme die Begehung mit
aus. einem Schimmelhund im Juli 2001 im Sinne
einer Ausschlussdiagnostik durchgeführt.
Im Mai 2001 wurden vom Gesundheitsamt
Raumluftmessungen auf den Gehalt an CO2 Der von einem erfahrenen Hundeführer ein-
während des Unterrichts bei geschlossenen gesetzte Schimmelhund markierte in den
Türen und Fenstern durchgeführt. Nach 20 einzelnen Klassenräumen an jeweils spie-
Minuten Unterricht wurden 1500 ppm und gelbildlichen Punkten (wie sich später her-
nach 40 Minuten 3000 ppm erreicht, ebenso ausstellte jeweils den Lagerhölzern der
erhöhte sich die relative Luftfeuchtigkeit. Holzständer). An zwei Stellen wurde darauf-
hin der Fußboden geöffnet. Der Aufbau des
Zusammenfassend wurden die Beschwer- Fußbodens bestand aus Betonsohle, locke-
den auf ungenügenden Luftwechsel zurück- rer Bitumenbahn, Einstreu aus teergetränk-
geführt. ten Getreidespelzen, Wellpappe und As-
phaltestrich. An der Wellpappe und unter
Da die Schulleitung mit Unterstützung der der Bitumenbahn war geringe Feuchtigkeit
Eltern sich weigerte die Räume zu nutzen, fühlbar; die Wellpappe roch muffig. In der
wurde eine abschließende Begutachtung Betonschicht selbst konnte (mit geeichtem
durch das Landesamt erbeten. Messgerät) keine aufsteigende Feuchtigkeit
festgestellt werden.
Ortsbesichtigung:
Es handelte sich um einen einzeln errichte- Bewertung:
ten Pavillonbau in gutem Bau- und Pflege- Aus bauphysikalischer Sicht ist der Fußbo-
zustand, am Rande des Schulgeländes. Von denaufbau unzulänglich, da eine ausrei-
dem durch einen baumbestandenen Grün- chende Dampfsperre fehlt und die Bitumen-
streifen (ca. 5 m) getrennten, aber in un- bahn nur lose aufliegt (nicht verschweißt!)

64
Teil D, Fallbeispiele

und an den Lagerhölzern der aufgehenden gesetzt, der Dachablauf verbessert und die
Holzständerwände endet. Da aufsteigende Fensterflügel mit Feststellern versehen.
Feuchtigkeit als Ursache ausscheidet, ist
anzunehmen, dass es durch Tauwasserbil- Lüftungsempfehlungen wurden erarbeitet
dung im Bereich der Lagerhölzer zu erhöh- und anhand der CO2-Diagramme erläutert.
ter Feuchtigkeit und Pilzbefall kommt, der zu Es bleibt zu hoffen, dass die Empfehlungen
den geruchlichen Wahrnehmungen in den auf Dauer beachtet werden.
Klassen führt. Begünstigt wird dies durch
ungenügende Lüftung während des Unter- Nach den großen Ferien wurden die Klassen
richts und in den Pausen. wieder genutzt und es sind seitdem keine
Klagen im Sinne der früheren Beschwerden
Maßnahmen und Ergebnis: mehr aufgetreten. Es wird aber bemängelt,
Obwohl definitive Anhaltspunkte für einen dass die Lüftung im Winterhalbjahr während
massiven Schimmelpilzbefall und eine Ge- des Unterrichts zu Zugluft führt.
sundheitsgefährdung nicht vorlagen, wurde
auf Empfehlung des Gesundheitsamtes Der Fall zeigt die Schwierigkeiten, die ge-
eine bauliche Sanierung beschlossen, da in naue Ursache des gestörten Wohlbefindens
der emotional erheblich vorbelasteten Situa- zu lokalisieren. Bedeutsam sind hier be-
tion eine schulische Nutzung im Einverneh- sonders die von Betroffenen geschilderten
men mit Eltern und Lehrerschaft andernfalls Beschwerden, die immer ernst genommen
fraglich geblieben wäre. werden sollten. Psychologische Momente,
die gern und auch in diesem Fall mehrfach
Die komplette Sanierung des Fußbodens in der Auseinandersetzung argumentativ
erfolgte während der Ferien im August 2001 bemüht wurden, sind eher unwahrschein-
durch eine ganzflächige, kraftschlüssig lich, da die erste Sanierung mit einer plausi-
verklebte Dampfsperre, Dämmplatten blen Hypothese und einer einvernehmlichen
(2x2,5 cm), Gussasphalt (3 cm) und Lino- „ökologischen“ Renovierung erfolgte, aber
leumbelag. Als flankierende Maßnahmen die Beschwerdewahrnehmung der Nutzer
wurde an der Nordseite eine Drainage ein- dadurch wenig verändert wurde.

65
Anhang 1, Begehungsprotokoll

Anhang 1 Begehungsprotokoll

66
Anhang 1, Begehungsprotokoll

67
Anhang 1, Begehungsprotokoll

68
Anhang 1, Begehungsprotokoll

69
Anhang 1, Begehungsprotokoll

70
Anhang 1, Begehungsprotokoll

71
Anhang 2, Weiterführende Literatur

Anhang 2 siedlungshygienischen Aspekten der Abfall-


entsorgung und -verwertung Band 30, Ber-
Weiterführende Literatur
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Praxisteil, Praktische Arbeitsanleitung mit Zahlenbeispielen

76