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Der handelsrechtliche Jahresabschluss nach den Regelungen des BilMoG

Prof. Dr. Heni Sommersemester 2010

1

1.

Inhalt (1)

Grundlagen

1.1 Zwecke und Bereiche der Rechnungs- legung

1.2 Konzeption und Anwendungsbereich des 3. Buches des HGB

1.3 Buchführung, Inventar und Jahresabschluss

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

1.6 Inhalt und Funktion der Bilanz

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

1.8 Die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz

2

Inhalt (2)

2. Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung

2.1 Anschaffungskosten-/ Herstellungskostenprinzip

2.2 Niederstwertprinzip

2.3 Strenges und gemildertes Niederstwertprinzip

2.4 Höchstwertprinzip

2.5 Zuschreibungsgebot

3

Inhalt (3)

3. Die Bilanz – Inhalt, Aufbau und Bewertung

3.1 Ansatzgebote, -verbote, -wahl- rechte

3.2 Grundsatz der Vollständigkeit, Verrechnungsverbot

3.3 Finanzinstrumente

4

Inhalt (4)

4. Entwicklung der Gesetzgebung

4.1 Entwicklungslinien im regulatorischen Umfeld

4.2 Ablauf des Gesetzgebungsverfahrens

4.3 Ziele/Grundgedanken der BilMoG-Reform

4.4 Kernbereiche der BilMoG-Änderungen

4.5 Erstanwendungszeitpunkte des BilMoG

4.6 Schwachstellen/Kritikpunkte am BilMoG

5

Inhalt (5)

5. Ansatz, Bewertung und Ausweis der Aktivposten

5.1 Wirtschaftliche Zuordnung

5.2 Anlagevermögen

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

5.2.2 Sachanlagen

5.2.3 Finanzanlagen

6

 

Inhalt (6)

5.3

Umlaufvermögen

5.3.1 Vorräte

5.3.2 Forderungen

5.3.3 sonstige Vermögensgegenstände

5.3.4 Wertpapiere

5.3.5 Kassenbestand und Bankguthaben

5.3.6 Rechnungsabgrenzungsposten

5.4 Aktiver Unterschiedsbetrag aus Vermögensverrechnung

 

7

 

Inhalt (7)

6. Ansatz, Bewertung und Ausweis der Passivposten

 

6.1

Eigenkapital

6.1.1 Gezeichnetes Kapital

6.1.2 Kapitalrücklage

6.1.3 Gewinnrücklagen

6.1.4 Gewinn-/Verlustvortrag

6.1.5 Jahresüberschuss/-fehlbetrag

6.1.6 Zusammenhang der EK-Posten

8

Inhalt (8)

6.2 Rückstellungen

6.2.1 Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

6.2.2 Steuerrückstellungen

6.2.3 sonstige Rückstellungen

9

Inhalt (9)

6.3 Verbindlichkeiten

6.3.1 Anleihen

6.3.2 Verbindlichkeiten gegenüber Kredit- instituten

6.3.3 Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen

6.3.4 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

6.3.5 Verbindlichkeiten aus Annahme ge- zeichneter Wechsel und Ausstellung eigener Wechsel

10

Inhalt (10)

6.3.6 Verbindlichkeiten gegenüber ver- bundenen Unternehmen

6.3.7 Verbindlichkeiten gegenüber Unter- nehmen, mit denen ein Beteiligungs- verhältnis besteht

6.3.8 sonstige Verbindlichkeiten

11

verhältnis besteht 6.3.8 sonstige Verbindlichkeiten 11 Inhalt (11) 7. Gewinn- und Verlustrechnung 7.1 Funktion der

Inhalt (11)

7. Gewinn- und Verlustrechnung

7.1 Funktion der GuV

7.2 Inhalt der GuV

7.3 Gliederung der GuV

7.4 Größenabhängige Erleichterungen

7.5 Inhalt der einzelnen GuV-Posten

12

Inhalt (12)

8. Anhang

9. Lagebericht

10. Sonstige wesentliche Änderungen durch das BilMoG

11. Latente Steuern

 

13

Inhalt (13)

12. Anwendungs- und Übergangs- regelungen

 

14

Inhalt (14)

Anlagen:

1. Aufgabenteil

2. Rückstellungs-ABC

Checkliste zu ergebnisorientiertes Prüfungsprogramm sonstige Rückstellungen

3. Checkliste für die Aufstellung und Prüfung des Anhangs der GmbH

15

Inhalt (15)

4. Checkliste für die Aufstellung und Prüfung der AG und KGaA

5. Checkliste zur Prüfung des Lageberichts

16

1. Grundlagen

17

1.1 Zwecke und Bereiche der Rechnungslegung

18

1.1 Zwecke und Bereiche der Rechnungslegung

Zweck der Rechnungslegung:

Wert- und mengenmäßige Erfassung und Überwachung des Leistungserstellungs- und Leistungsverwertungsprozesses (=betrieblicher Umsatzprozess)

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1.1 Zwecke und Bereiche der Rechnungslegung

Bereiche der Rechnungslegung Finanz- Betriebsbuchhaltung Statistik, Planungsrechnung buchhaltung (Kostenrechnung)
Bereiche der Rechnungslegung
Finanz-
Betriebsbuchhaltung
Statistik,
Planungsrechnung
buchhaltung
(Kostenrechnung)
Vergleichsrechnung

20

1.1 Zwecke und Bereiche der Rechnungslegung

Finanzbuchhaltung Jahres- Nebenbuch- Inventar abschluss haltung Bilanz Inventur Anlagenbuch- GuV haltung Anhang
Finanzbuchhaltung
Jahres-
Nebenbuch-
Inventar
abschluss
haltung
Bilanz
Inventur
Anlagenbuch-
GuV
haltung
Anhang
Materialbuch-
haltung
Lohnbuch-
haltung

Betriebsbuchhaltung

(Kostenrechnung)

Selbstkosten-

rechnung

Kostenträger-

stückrechnung

(Kalkulation)

21

Kostenträger- stückrechnung (Kalkulation) 21 Betriebsab- rechnung Kostenarten- rechnung

Betriebsab-

rechnung

Kostenarten- rechnung Kostenstellen- rechnung Kostenträger- zeitrechnung Kurzfristige Erfolgsrechnung
Kostenarten-
rechnung
Kostenstellen-
rechnung
Kostenträger-
zeitrechnung
Kurzfristige
Erfolgsrechnung

1.1 Zwecke und Bereiche der Rechnungslegung

Statistik, Vergleichsrechnung

Statistik

beschreibende

Statistik

erklärende

Statistik

Vergleichs-

rechnung

Zeitvergleich

Soll-Ist-Vergleich

Verfahrens-

vergleich

zwischenbetrieb-

licher Vergleich

Planungsrechnung Einzelplanung Gesamtplanung Absatzplan Produktionsplan Integriertes Beschaffungsplan System aller
Planungsrechnung
Einzelplanung
Gesamtplanung
Absatzplan
Produktionsplan
Integriertes
Beschaffungsplan
System aller
Teilpläne
Finanzplan
u.a.
22

1.2 Konzeption und Anwendungsbereich des 3. Buches des HGB

23

1.2 Konzeption und Anwendungsbereich des 3. Buches des HGB 3. Buch des HGB 1. Abschnitt
1.2 Konzeption und Anwendungsbereich
des 3. Buches des HGB
3. Buch des HGB
1. Abschnitt
2. Abschnitt
3. Abschnitt
4. Abschnitt
Ergänzende
Vorschriften für
Ergänzende
Ergänzende
Unternehmen
Vorschriften für
Vorschriften für
Vorschriften für
bestimmter
Kapitalgesell-
alle Kaufleute
eingetragene
Gesellschafts-
schaften und
GmbH & Co.KG
Genossenschaften
zweige
(Kreditinstitute/
Versicherungen)
§§ 238 –
263 HGB
§§ 264 –
§§ 336 ff. HGB
§§ 340 ff. HGB
24
289
HGB

1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

25

1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

Nach § 238 Abs. 1 HGB ist jeder Kaufmann verpflichtet Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buch- führung ersichtlich zu machen.

Kaufmann im Sinne des HGB:

§ 1 HGB Nach Abs. 1 ist nach HGB jeder ein Kaufmann, der ein Handelsgewerbe betreibt. Als Handelsgewerbe wird nach Abs. 2 jeder Gewerbebetrieb bezeichnet, der nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert.

26

1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

Ist diese Erfordernis nicht gegeben, liegt kein Gewerbebetrieb vor.

§ 2 HGB

Liegt nach § 1 HGB die Kaufmannseigenschaft nicht schon vor, so kann ein gewerbliches Unternehmen die Kaufmannseigenschaft durch Eintragung ins Handelsregister herbeiführen.

§ 5 HGB

Ein bestehender Gewerbebetrieb, der im Handelsregister eingetragen ist, ist prinzipiell Kaufmann i. S. des § 1 HGB.

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1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

Die Kaufmannseigenschaft ist für § 238 HGB entscheidend. Nach dieser Vorschrift ist jeder Kaufmann zur Buchführung verpflichtet.

Welche Voraussetzungen die Buchführung nach HGB erfüllen muss, ist in § 239 HGB geregelt.

Die Buchführungspflicht beginnt mit der Aufnahme des Handelsgewerbes. Sie endet wenn die Kaufmannseigenschaft nicht mehr besteht, also das Handelsgewerbe eingestellt wird.

28

1.3 Buchführung, Inventar und Jahresabschluss

Inventar und Inventur

Nach § 240 Abs. 1 HGB hat jeder Kaufmann zu Beginn seines Handelsgewerbes alle Ver- mögensgegenstände und Schulden genau zu verzeichnen. § 240 Abs. 2 HGB schreibt weiterhin vor, dass am Schluss eines jeden Geschäftsjahres eine Inventur vorzunehmen ist.

Inventur = Bestandsaufnahme aller Vermögens- gegenstände und Schulden Inventar = Verzeichnis aller Vermögensgegen- stände und Schulden (Ausgangsbasis für die Bilanz)

29

1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

 

Inventurverfahren

 

körperliche

 

buchmäßige

 

Bestandsaufnahme anhand von Urkunden

Bestandsaufnahme

Bestandsaufnahme

   

Bei immateriellen

Vermögensgegen-

ständen und bei

Materielle

Vermögensgegen-

Bestandsaufnahme

von immateriellen

Vermögens-

gegenständen,

sich im Besitz von Dritten befindlichen

stände werden durch zählen, messen und

wiegen festgestellt

Forderungen

und Schulden

bzw. nicht zugänglichen

Vermögens-

gegenständen, z. B. Patenturkunden,

30

Versandpapiere

1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

Inventurzeitpunkt

Stichtagsinventur

Bilanzstichtag und

Inventurstichtag

fallen zusammen

vor- oder nachverlegte Stichtagsinventur

Bestandsaufnahme er- folgt innerhalb der letzten drei Monate vor bzw. der ersten beiden Monate nach dem Bilanzstichtag.

Der ermittelte Bestand muss dann nur noch wertmäßig, d. h. nicht mehr nach Art und Menge auf den Bilanzstichtag fortgeschrieben bzw. zurückgerechnet werden

permanente

Inventur

Die körperliche Bestandsaufnahme wird über das gesamte Geschäftsjahr verteilt

1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

In der Regel erfolgt die Inventuraufnahme durch zählen, messen und wiegen aller Vermögens- gegenstände und Schulden.

Die einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden werden einzeln nach

Art (Bezeichnung)

Menge (Stückzahl, Gewicht, Länge, etc.)

Wert (zum Stichtag)

erfasst.

32

1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

Der Gesetzgeber erlaubt durch § 241 Abs. 1 HGB eine Erleichterung der Inventur. Hiernach darf die Bestandsaufnahme der Ver- mögensgegenstände nach Art, Menge und Wert mit Hilfe anerkannter mathematisch-statistischer Methoden aufgrund von Stichproben ermittelt werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass das Verfahren den GoB entspricht und dass der Aussagewert einer solchen Inventur dem einer körperlichen Bestandsaufnahme gleichkommt.

33

1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

Weitere Voraussetzungen der Stichprobeninventur:

von jedem Vermögensposten muss eine Stich- probe gezogen werden jeder einzelne Vermögensgegenstand des Lagerbestandes muss die gleiche Chance haben, bei der Auswahl der Stichprobe aus-gewählt zu werden

Beispiel in den Ergänzungen

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1.3 Buchführung, Inventar und Jahresabschluss

Befreiungsregelungen für Einzelkaufleute nach § 241a HGB

Einzelkaufleute, die

nicht mehr als 500.000 Euro Umsatzerlöse UND 50.000 Euro Jahresüberschuss

an zwei aufeinander folgenden Abschlussstich- tagen aufweisen, haben das Wahlrecht zur Befreiung von den §§ 238 bis 241 HGB und somit auch von § 242 HGB.

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1.3 Buchhaltung, Inventar und Jahresabschluss

Pflicht zur Aufstellung § 242 HGB

Jeder Kaufmann hat zu Beginn und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluss (Eröffnungsbilanz, Bilanz) aufzustellen.

den Schluss eines jeden

Zudem hat

Geschäftsjahres eine Gegenüberstellung der Aufwendungen und Erträge (Gewinn- und Verlustrechnung) aufzustellen.

Bilanz und GuV bilden den Jahresabschluss.

er

für

36

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

37

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Der Begriff der GoB umfasst alle Buch- führungs- und Bilanzierungsgrundsätze.

Bei den GoB handelt es sich um Rechts- normen, deren Inhalt unbestimmt ist.

38

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Bei den GoB wird zwischen formellen GoB materiellen GoB und kodifizierten GoB (§ 239 HGB) unterschieden.

39

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Formelle GoB:

Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit (§ 238 Abs. 1 S. 2 u. 3 HGB)

Dieser Grundsatz formuliert grundlegende An- forderungen an eine ordnungsmäßige Buch- führung. Diese muss insbesondere für einen sachverständigen Dritten in angemessener Zeit nachvollziehbar sein und die Geschäftsvorfälle müssen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung nachverfolgen lassen.

40

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Nach diesem Grundsatz muss der Jahresab- schluss formell richtig sein. Er bezieht sich auf

die eindeutige Bezeichnung der einzelnen Abschlussposten die übersichtliche Anordnung der Posten in Bilanz und GuV

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1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Formelle Kontinuität :

Es sind stets die gleichen Gliederungsbegriffe zu verwenden. In der Eröffnungsbilanz müssen die Wertansätze eines Geschäftsjahres mit den an- gesetzten Werten der Schlussbilanz des vorher- gehenden Geschäftsjahres identisch sein. Damit wird die Grundvoraussetzung der Vergleichbar- keit geschaffen.

42

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Materielle GoB:

Grundsatz der Vollständigkeit und Richtigkeit

Nach dem Grundsatz der Vollständigkeit sind sämtliche buchungspflichtigen Geschäftsvorfälle im Jahresabschluss zu erfassen. Zusätzlich müssen in der Buchhaltung und im Jahresab- schluss auch solche Veränderungen erfasst werden, die nicht als Geschäftsvorfall erkennbar sind, wie z. B. Schwund oder Verderb.

43

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Der Grundsatz der Richtigkeit besagt, dass der Jahresabschluss nach den gültigen Regeln er- stellt wurde sowie die Ansätze in nachprüfbarer, objektiver Form aus ordnungsgemäßen Belegen und Büchern herzuleiten sind. Ebenso müssen die einzelnen Positionen den Tatsachen ent- sprechen.

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1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Materielle Kontinuität:

Bewertungs- und Bilanzierungsstetigkeit

Die materielle Kontinuität beinhaltet, dass die einzelnen Positionen immer auf die gleiche Weise zu ermitteln, abzugrenzen und zusammenzu- stellen sind.

45

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Kodifizierte GoB:

Klarheit und Übersichtlichkeit (§ 243 i. V. m. § 238 Abs. 1 S. 2 u. 3 HGB)

True and fair view (§ 264 Abs. 2 HGB)

Der Jahresabschluss von Kapitalgesellschaften und GmbH & Co. KG soll ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Ver- mögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesell- schaft vermitteln.

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1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Grundsatz der Bilanzidentität (§ 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB)

Die Werte der Eröffnungsbilanz des Geschäfts- jahres müssen den Werten der Schlussbilanz des Vorjahres entsprechen.

Zwischen der Schlussbilanz des VJ und der Er- öffnungsbilanz des darauffolgenden GJ dürfen keine Geschäftsvorfälle verbucht und keine Änderungen des Inhalts der Bilanz oder der Be- wertung vorgenommen werden.

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1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Kodifizierte GoB:

Going-Concern-Prämisse (§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB)

Nach dieser Vorschrift hat die Bewertung unter der Annahme der Unternehmensfortführung zu erfolgen.

Als fundamentalen Bilanzierungsgrundsatz unterstellt § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB für die An- wendung der Bewertungsvorschriften die Fort- führung der Unternehmenstätigkeit als Regelfall.

48

1.4

Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Geht man von der Fortführung des Unter- nehmens aus, werden die Werte nach dem HGB angesetzt.

Geht man nicht mehr von der Fortführung des Unternehmens aus, müssen die Zerschlagungs- bzw. Liquidationswerte angesetzt werden, z. B. bei geplanten Betriebseinstellungen oder bei Insolvenz.

Insolvenzgründe können sein:

 

Überschuldung, Zahlungsunfähigkeit

49

1.4

Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Kodifizierte GoB:

 

Vorsichtsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB) Das Vorsichtsprinzip liegt dem gesamten handelsrechtlichen Bewertungsrecht zugrunde.

Es gilt: Der Kaufmann soll sich im Zweifel eher zu arm, nicht aber zu reich rechnen.

 

50

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Vorsichtsprinzip Realisationsprinzip Imparitätsprinzip
Vorsichtsprinzip
Realisationsprinzip
Imparitätsprinzip

Gewinne sind nur zu berück- sichtigen, wenn sie am Ab- schlussstichtag realisiert sind.

Das Realisationsprinzip sieht die Gewinnrealisation in jenem Zeitpunkt vor, zu dem der Kfm. das seinerseits zur Lieferung erforderliche getan oder die Dienstleistung er- bracht hat.

Verluste sind bereits im Zeitpunkt ihres Eintritts zu erfassen.

Wertminderungen sind bereits dann zu berücksichtigen, wenn sie mit hinreichend großer Wahrscheinlichkeit drohen. Hier sind z. B. drohen- de Verluste aus schwebenden Geschäfte oder Wertminder- ungen von VG zu berück-

sichtigen.

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Kodifizierte GoB:

Stichtagsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB) Verluste und Risiken, die vor dem Bilanz- stichtag verursacht worden sind, sind zu be- rücksichtigen, auch wenn sie erst später er- kannt worden sind (Wertaufhellung), während Verluste und Risiken, die erst nach dem Bilanzstichtag entstanden sind, erst im Folgejahr erfasst werden dürfen.

52

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Werterhellende Tatsachen:

Wenn Informationen über Sachverhalte ein- gehen, die schon vor dem Bilanzstichtag ein- getreten waren und die dem Kaufmann somit zum Zeitpunkt des Bilanzstichtags bereits hätten bekannt sein können, handelt es sich um Wert- aufhellung. Diese Informationen müssen im Jahresabschluss berücksichtigt werden.

Beispiel in den Ergänzungen

53

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Wertbegründende Tatsachen:

Wenn Informationen über Sachverhalte eingehen, die erst nach dem Bilanzstichtag eingetreten sind, handelt es sich um wertbegründeten Einfluss und die Informationen müssen nicht mehr berücksichtigt werden.

54

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Kodifizierte GoB:

Grundsatz der Erfolgsabgrenzung (§ 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB) Der Grundsatz besagt lediglich, dass der Gewinn nicht durch einen Einnahmen- Ausgaben-Vergleich zu ermitteln ist, sondern durch einen Aufwands-Ertrags-Vergleich.

55

1.4

Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Definitionen:

Zielgrößen

Rechengrößen

Definition

Liquidität

Einzahlungen/

Zugang/Abgang liquider Mittel pro Periode

Auszahlungen

Liquidität

Einnahmen/

Wert aller veräußerten Leistungen/Wert aller zugegangenen Güter und Dienstleistungen pro Periode

Ausgaben

Erfolg

Erträge/

Wert aller erbrachten

Aufwendungen

Leistungen/aller ver- brauchten Güter und Dienstleistungen pro

Periode

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1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Bei Einzahlungen und Auszahlungen handelt es sich um tatsächliche Geldzahlungen, die den Bestand an flüssigen Mitteln verändern. Beispiele sind alle Bareinkäufe und –verkäufe. Wird z. B. ein Vermögensgegenstand eingekauft und in bar bezahlt, liegt eine Auszahlung vor.

Einnahmen und Ausgaben sind Begriffe für Vorgänge, die einen Rechtsanspruch bzw. eine Rechtsverpflichtung herbeiführen. Der Abschluss eines Kaufvertrages bewirkt, dass der Verkäufer das betreffende Gut liefern muss. Für den Käufer liegt eine Rechtsverpflichtung zur Zahlung von Geldbeträgen (Ausgaben) und für den Verkäufer ein Rechtsanspruch auf Zufluss von Geldbeträgen (Einnahmen) vor.

57

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Aufwendungen und Erträge (z. B. Umsatzerlöse bzw. Material- oder Personal- aufwendungen) sind Begriffe für den Wert- zuwachs (Ertrag) bzw. Wertverzehr (Aufwand) in der Finanzbuchhaltung eines Unternehmens.

Beispiel in den Ergänzungen.

58

1.4 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Kodifizierte GoB:

Materielle Kontinuität (§ 252 Abs.1 Nr. 6 HGB) Grundsatz der Bewertungsstetigkeit

59

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

60

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Kompetenzabgrenzung zwischen Eignern und Managern

Konflikt zwischen Eignern und Managern

Schlichtung dieses Konflikts mittels Kompetenzabgrenzung

Der Jahresabschluss dient als Grundlage der Kompetenzabgrenzung zwischen Eignern und Managern

Grenzen der Ausschüttungsbemessung im Rahmen der Kompetenzabgrenzung von Eignern und Managern

61

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Ausschüttungsbemessungsfunktion

Ziel einer Unternehmung: Erhalt der Einlage zzgl. angemessener Verzinsung (= Gewinn)

Der Gewinn ist nach festen Grundsätzen zu ermitteln

Die handelsrechtliche Bilanz dient damit der Ermittlung des ausschüttungsfähigen Gewinns einer Periode

Der Eigner-Gläubiger-Konflikt

62

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Pflichten zur Offenlegung des Jahresabschlusses

§§ 325 ff. HGB Jahresabschluss, Lagebericht sowie Bericht des Aufsichtsrats sind spätestens am 31.12. des Folgejahres beim Betreiber des elektronischen Bundesanzeigers elektronisch einzureichen.

Werden o. g. Unterlagen nicht oder nicht recht- zeitig eingereicht, wird ein Ordnungsgeld fest- gesetzt, dessen Höhe mindestens EUR 2.500 und höchstens EUR 25.000 beträgt.

63

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Erfüllung der Informationsfunktion

Alle potenziellen Adressaten des Jahres- abschlusses können die für ihre Entscheid- ungen notwendigen Informationen, da sie idR. keinen Zugriff auf interne Unterlagen besitzen, nur auf der Grundlage des veröffentlichten Jahresabschlusses erhalten.

Je

nach

Rechtsform

und

Größe

des

bilanzierenden

Unternehmens

werden

die

Offenlegungspflichten differenziert.

§ 326, § 327, § 327a HGB

64

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Ebenso gelten das Gesetz über elektronische Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie das Unternehmensregister (EHUG).

65

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Informationsfunktion des handelsrechtlichen Jahresabschlusses

Den Anteilseignern stehen in der Marktwirtschaft auch andere Anlageformen offen

Daher

betreffenden

Unternehmen Informationen aus entscheidungslogischer Sicht Die Offenlegung von Informationen sind gesetzlich normiert („Publizitätspflicht“)

die

benötigen

sie

Informationen

Anlage

im

über

Vorteilhaftigkeit

ihrer

sie Informationen Anlage im über Vorteilhaftigkeit ihrer Wie kann ein traditionell vergangenheitsorientierter

Wie kann ein traditionell vergangenheitsorientierter Jahresabschluss über künftige Sachverhalte informieren?

66

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Jahresabschlussadressaten

Anteilseigner (shareholder)

Gläubiger (Kreditgeber)

Kunden, Lieferanten

Öffentlichkeit

Aufsichtsinstanzen (Abschlussprüfer, Kartellbehörden, Börsenaufsicht)

Fiskus (Steuerbilanz)

67

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Jahresabschlussadressaten

Informationszwecke

Anteilseigner (Shareholder)

Rechenschaft über wirtschaftliche Lage und Erfolg

Verzinsung des investierten Kapitals

Wertsteigerungspotential

ausschüttungsfähiger Gewinn

Gläubiger

Bonität des Unternehmens

Kapitaldienstfähigkeit ( Zins + Tilgung)

Kreditüberwachung

Kunden, Lieferanten

Wirtschaftliche Stabilität und Entwicklungspotentiale Liquidität und Ertragslage Preisverhandlungsspielräume

68

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Jahresabschlussadressaten

Informationszwecke

Arbeitnehmer (-vertreter)

Arbeitsplatzsicherheit

Entwicklungsperspektiven für MA

Tarifverhandlungsspielräume

Öffentlichkeit

Wirtschaftliche Lage

Beschäftigungs-, Expansions- und Zukunftspotential

Steuerpotential

Standortpolitik

69

1.5 Aufgaben und Adressaten des Jahresabschlusses

Jahresabschlussadressaten

Informationszwecke

Aufsichtsinstanzen

Einhaltung bestehender Vorschriften (Gesetze, Standards)

Marktanteile

Geschäftsgebaren

(Abschlussprüfer,

Kartellbehörden,

Börsenaufsicht)

 

Fiskus (Steuerbilanz)

Bemessungsgrundlagen für verschiedene Steuerarten

steuerbarer Gewinn

Gesellschafterbeziehungen

70

1.6 Inhalt und Funktion der Bilanz

71

1.6 Inhalt und Funktion der Bilanz

Inhalt der Bilanz

Der Inhalt der Bilanz umfasst das Vermögen und das Kapital (Eigen- und Fremdkapital) des Unternehmens.

Allerdings weichen die Werte in der Bilanz oft von den tatsächlichen Werten ab, da verschiedene Rechtsnormen (z.B. HGB, EStG) Bewertungsvorschriften enthalten.

72

1.6 Inhalt und Funktion der Bilanz

Funktionen der Bilanz

Informationsfunktion Dient der Information aller, die mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, z. B. Anteilseigner, Gläubiger, Kunden, Lieferanten.

Rechenschaftsfunktion Dient als Rechenschaftsbericht gegenüber Anteilseignern bzw. Gesellschaftern

Dokumentationsfunktion Dient der Dokumentation der Entwicklung der Geld- und Güterbewegungen und der Bestands- und Wertveränderungen

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1.6 Inhalt und Funktion der Bilanz

Sicherungsfunktion Die Bilanz dient Gläubigern zur Absicherung, z. B. bei Gewährung von Krediten, um das Risiko von Forderungs- verlusten zu verringern.

Besteuerungsgrundlage Da die Steuerbilanz auf Grundlage der Handelsbilanz ermittelt wird, ist der in der Handelsbilanz ermittelte Gewinn als Grundlage anzusehen, auf der die steuerliche Bemessungsgrundlage entwickelt wird.

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1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

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1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Definitionen:

Anlagevermögen und Umlaufvermögen § 247 Abs. 2 HGB definiert das Anlagevermögen als Gegenstände, die dem Geschäftsbetrieb dauernd dienen. Nach dieser Definition ist bei Wirtschaftsgütern zu unterscheiden, ob sie dem Geschäftsbetrieb dauernd dienen oder nicht. Hiernach entscheidet sich, ob die Wirtschaftsgüter dem Anlage- oder dem Umlaufvermögen zuzuordnen sind.

Beispiele in den Ergänzungen

76

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Vermögensgegenstände, die zur Veräußerung, Verarbeitung oder zum Verbrauch angeschafft oder hergestellt werden, gehören zum Umlauf- vermögen. Hierunter fallen z. B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Erzeugnisse und Waren.

77

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Eigenkapital Das Eigenkapital sind die Mittel, die einem Unter- nehmen von seinen Eigentümern ohne zeitliche Begrenzung zur Verfügung gestellt werden. Das Eigenkapital ermittelt sich rechnerisch als Differenz zwischen den Vermögensgegen- ständen und den Schulden. Es entsteht entweder durch die Zuführung von Mitteln durch die Gesellschafter oder durch den Verzicht auf Gewinnausschüttungen (Selbstfinanzierung).

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1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten sind alle am Bilanzstichtag dem Grunde, der Höhe und der Fälligkeit nach feststehenden Schulden eines Unternehmens.

Merkmale von Verbindlichkeiten Es bestehen Belastungen des Vermögens oder werden hinreichend sicher erwartet. Sie
Merkmale von Verbindlichkeiten
Es bestehen Belastungen des Vermögens oder werden hinreichend sicher erwartet.
Sie beruhen auf einer rechtlichen, wirtschaftlichen oder faktischen Leistungsver-
pflichtung des Unternehmens. Die Leistung muss erzwingbar sein.
Sie sind selbständig bewertbar, d. h. sie sind abgrenzbar.
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Sie bestehen gemäß dem Außenverpflichtungsprinzip gegenüber fremden Dritten.

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Rückstellungen Bei Rückstellungen handelt es sich um einen Werteverzehr, der, wirtschaftlich betrachtet, dem abgelaufenen Wirtschaftsjahr zuzurechnen ist. Es handelt sich dabei um Verpflichtungen bzw. Verluste, die am Bilanzstichtag bestehen, aber noch keine konkrete Verbindlichkeit sind, weil

ihr Bestehen noch ungewiss ist

die Höhe der Verpflichtung nicht genau feststeht

der Zeitpunkt und die Fälligkeit noch nicht bekannt sind

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Für alle Kaufleute gelten für die Erstellung des Jahresabschlusses § 238 ff. HGB. (s. 1.3 Buchführung, Inventar und Jahresab- schluss)

81

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Bilanz

• § 266 HGB Gliederung der Bilanz

• § 267 HGB Umschreibung der Größen- klassen

• § 268 HGB Vorschriften zu einzelnen Posten der Bilanz, Bilanzvermerke

82

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Umschreibung der Größenklassen § 267 HGB

Unternehmenskategorien

Kleine Kapitalgesellschaft

Mittelgroße Kapitalgesellschaft

Große Kapitalgeselleschaft**

Abgrenzungsmerkmale *

     

(vgl. § 267 HGB)

• Bilanzsumme

< 4,840 Mio EUR

< 19,250 Mio EUR

> 19,250 Mio EUR

• Umsatzerlöse

< 9,680 Mio EUR

< 38,500 Mio EUR

> 38,500 Mio EUR

• Arbeitnehmer (AN)

< 50 AN

< 250 AN

> 250 AN

Rechnungslegungs-

     

erfordernisse

(vgl. §§ 264 Abs.1, 266, 276 HGB)

• Bilanz

verkürzte Form

ungekürzte Form

ungekürzte Form

• GuV-Rechnung

verkürzte Form

verkürzte Form

ungekürzte Form

• Anhang

verkürzte Form

ungekürzte Form

ungekürzte Form

Lagebericht

keiner

ungekürzte Form

ungekürzte Form

Aufstellungsfristen

6 Monate

3 Monate

3 Monate

Prüfungspflicht

keine

uneingeschränkt

uneingeschränkt

Offenlegungspflichten

     

(vgl. §§ 325 ff. HGB)

• Bestandteile

Bilanz, Anhang

Jahresabschluss (Bilanz und Anhang in verkürzter Form), Lagebericht

Jahresabschluss

Lagebericht

• Publizitätsorgan

elektronischer Bundesanzeiger

elektronischer Bundesanzeiger

elektronischer Bundesanzeiger

• Fristen

12 Monate

12 Monate

12 Monate (4 Monate § 325 Abs. 4!)

* 2 der Größenmerkmale müssen an 2 aufeinanderfolgenden Stichtagen über- bzw. unterschritten werden ** Eine Kapitalgesellschaft im Sinne des § 264d (Kapitalmarktorientierte KapG) gilt stets als große.

83

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Gliederung der Bilanz nach § 266 Abs. 2 und 3 HGB

84

1.7

Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

 

Aktiva

Passiva

A.

Anlagevermögen

A.

Eigenkapital

I.

Immaterielle Vermögensgegenstände

I.

Gezeichnetes Kapital

1. Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte;

II.

Kapitalrücklage

III.

Gewinnrücklagen

1. gesetzliche Rücklage

2. entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähn-

2. Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen

3. satzungsmäßige Rücklage

liche Rechte und Werte sowie Li- zenzen an solchen Rechten und Werten;

4. andere Gewinnrücklagen

3. Geschäfts- oder Firmenwert

IV.

Gewinnvortrag/Verlustvortrag

4. geleistete Anzahlungen

V.

Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag

II.

Sachanlagen

B.

Rückstellungen

1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der

1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

Bauten auf fremden Grundstücken

2. Steuerrückstellungen

2. technische Anlagen und Maschinen

3. sonstige Rückstellungen

3. andere Anlagen, Betriebs- und Ge- schäftsausstattung

 

4. geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau

85

1.7

Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

 

Aktiva

Passiva

III.

Finanzanlagen

C.

Verbindlichkeiten

1. Anteile an verbundenen Unternehmen

1. Anleihen

2. Ausleihungen an verbundene Unter- nehmen

3. Beteiligungen

davon konvertibel

2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten

4. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht

5. Wertpapiere des Anlagevermögens

3. erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen

4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

6. sonstige Ausleihungen

5. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Aus- stellung eigener Wechsel

B.

Umlaufvermögen

I.

Vorräte

6. Verbindlichkeiten gegenüber ver- bundenen Unternehmen

1. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe

7. Verbindlichkeiten gegenüber Unter- nehmen, mit denen ein Beteiligungs- verhältnis besteht

2. unfertige Erzeugnisse, unfertige

Leistungen

3. fertige Erzeugnisse und Waren

8. sonstige Verbindlichkeiten davon aus Steuern davon im Rahmen der sozialen Sicherheit

4. geleistete Anzahlungen

86

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Aktiva

Passiva

II.

Forderungen und sonstige Ver- mögensgegenstände

D. Rechnungsabgrenzungsposten

E. Passive latente Steuern

1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

2. Forderungen gegen verbundene Unternehmen

3. Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsver- hältnis besteht

4. sonstige Vermögensgegenstände

III.

Wertpapiere

1. Anteile an verbundenen Unter-

nehmen

2. sonstige Wertpapiere

IV.

Kassenbestand, Bundesbankgutha- ben bei Kreditinstituten und Schecks

C.

Rechnungsabgrenzungsposten

   

87

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Aktiva

D.

Aktive latente Steuern

E.

Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Ver- mögensverrechnung

§ 251 HGB Haftungsverhältnisse:

Unter der Bilanz sind Verbindlichkeiten aus der Begebung und Übertragung von Wechseln,

Bürgschaften, Garantien sowie sonstige vertragliche Haftungsverhältnisse, soweit sie nicht auf

der Passivseite auszuweisen sind, zu vermerken.

88

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Das Vermögen sowie das Kapital sind in der Bilanz nach ihrer Fristigkeit gegliedert:

Aktiva

Passiva

Anlagevermögen (Maschinen, Fuhrpark, Betriebs- und Geschäftsausstattung)

Eigenkapital (gezeichnetes Kapital, Gewinnvortrag, Rücklagen)

langfristig langfristig

langfristig

langfristig langfristig

langfristig

Umlaufvermögen (Vorräte, Forderungen, Zahlungsmittel)

Fremdkapital (Bankdarlehen, Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten)

kurzfristig kurzfristig

kurzfristig

kurzfristig kurzfristig

kurzfristig

89

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Aktiva

Passiva

Vermögen

Kapital

von Bilanz und GuV Aktiva Passiva Vermögen Kapital Mittelverwendung Wofür wird das Kapital verwendet?
von Bilanz und GuV Aktiva Passiva Vermögen Kapital Mittelverwendung Wofür wird das Kapital verwendet?

Mittelverwendung

Wofür wird das Kapital verwendet?

Mittelherkunft

Woher stammt das Kapital?

Das Wort Bilanz stammt aus dem italienischen (bilancia = Waage).

Die Bilanz muss folglich zwei gleich große Seiten haben, also ausgeglichen sein.

90

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Nach § 266 Abs. 1 HGB dürfen kleine Kapital- gesellschaften eine verkürzte Bilanz aufstellen, d. h. sie können nur die mit Buchstaben und römischen Zahlen bezeichneten Posten der Bilanz ausweisen.

91

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

GuV

• § 275 HGB Gliederung der GuV

• § 276 HGB Größenabhängige Erleichterungen

• § 277 HGB Vorschriften zu den einzelnen Posten der GuV

92

1.7 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung von Bilanz und GuV

Die Gliederung der GuV richtet sich nach dem angewendeten Verfahren:

Gesamtkostenverfahren § 275 Abs. 2 HGB

Umsatzkostenverfahren § 275 Abs. 3 HGB

Ausführliche Erläuterungen s. Punkt 7

93

1.8 Die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz

94

1.8

Die Maßgeblichkeit der

Handelsbilanz für die Steuerbilanz

 

§ 5 Abs. 1 S. 1 EStG definiert den Grundsatz der Maß- geblichkeit der handelsrechtlichen GoB für die Steuer- bilanz:

„Bei Gewerbetreibenden, die aufgrund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen, […] ist für den Schluss des Wirtschaftsjahres das Betriebsvermögen anzusetzen, das nach den handelsrechtlichen Grund- sätzen ordnungsmäßiger Buchführung auszuweisen ist, es sei denn, im Rahmen der Ausübung eines steuerlichen Wahlrechts wird oder wurde ein anderer Ansatz gewählt.“

 

95

1.8

Die Maßgeblichkeit der

Handelsbilanz für die Steuerbilanz

 

Das bedeutet:

Eine nach den GoB aufgestellte Handelsbilanz bildet zugleich die Grundlage für die steuerliche Gewinn- ermittlung.

 

96

1.8 Die Maßgeblichkeit der

Handelsbilanz für die Steuerbilanz

Handelsbilanz

Steuerbilanz

Aktivierungsgebot

AktivierungsgebotAktivierungsgebot

Passivierungsgebot

PassivierungsgebotPassivierungsgebot

Aktivierungsverbot

AktivierungsverbotAktivierungsverbot

Passivierungsverbot

PassivierungsverbotPassivierungsverbot

Aktivierungswahlrecht

AktivierungspflichtAktivierungswahlrecht

Passivierungswahlrecht

PassivierungsverbotPassivierungswahlrecht

97

1.8 Die Maßgeblichkeit der

Handelsbilanz für die Steuerbilanz

Handels- und steuerrechtliche Unterschiede beim Ansatz

Handelsrecht

Aktivierungswahlrecht

Passivierungswahlrecht

Grundsatz

Steuerrecht

Aktivierungsgebot

Passivierungsverbot

Aktivierungswahlrecht § 250 Ab. 3 HGB

Beispiele

Disagio

Aktivierungspflicht § 5 Abs. 5 S. 1 EStG

Passivierungspflicht § 249 Abs. 1 S. 1 HGB

Drohverlustrückstellung

Disagio Aktivierungs pflicht § 5 Abs. 5 S. 1 EStG Passivierungs pflicht § 249 Abs. 1

Passivierungsverbot

98

§ 5 Abs. 4a EStG

Passivierungs verbot 98 § 5 Abs. 4a EStG

1.8 Die Maßgeblichkeit der

Handelsbilanz für die Steuerbilanz

Die umgekehrte Maßgeblichkeit der Steuerbilanz für die Handelsbilanz nach § 5 Abs. 1 S. 2 EStG wurde durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz abgeschafft.

durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz abgeschafft. Die Ausübung steuerrechtlicher Wahlrechte ist künftig

Die Ausübung steuerrechtlicher Wahlrechte ist künftig unabhängig von der handelsrechtlichen Bilanzierung möglich.

künftig unabhängig von der handelsrechtlichen Bilanzierung möglich. Dadurch ist keine Einheitsbilanz mehr möglich. 99

Dadurch ist keine Einheitsbilanz mehr möglich.

99

1.8 Die Maßgeblichkeit der

Handelsbilanz für die Steuerbilanz

Durchbrechung der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz gem. § 5 Abs. 6 EStG

Handelsbilanz für die Steuerbilanz gem. § 5 Abs. 6 EStG Explizite steuerliche Vorschriften schreiben einen vom

Explizite steuerliche Vorschriften schreiben einen vom Handelsrecht abweichenden Ansatz vor.

schreiben einen vom Handelsrecht abweichenden Ansatz vor. Beispiele: Rückstellungen für drohende Verluste aus

Beispiele:

Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften müssen im Handelsrecht gebildet werden (§ 249 Abs. 1 S. 1 HGB). Die explizite Regelung im Steuerrecht (§ 5 Abs. 4a EStG) verhindert die Übernahme dieser Regelung.

Spezielle Vorschriften zur Gebäudeabschreibung in der Steuerbilanz

gem. § 7 Abs. 4 EStG.

100

1.8 Die Maßgeblichkeit der

Handelsbilanz für die Steuerbilanz

Zusammenfassung:

Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz § 5 Abs. 1 S. 1 EStG Handelsrechtliche GoB bzw. konkrete Wertansätze in der Handelsbilanz sind für die steuerliche Gewinn- ermittlung maßgeblich, es sei denn, ein steuerliches Wahlrecht wurde gewählt. Durchbrechung in Steuerrecht beachten.

Durchbrechung der Maßgeblichkeit § 5 Abs. 6 EStG Explizite steuerliche Vorschriften (insbesondere § 5 Abs. 2 bis 5 EStG). Entstehung von latenten Steuern.

101

2. Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung

102

2.1 Anschaffungskosten-/ Herstellungskostenprinzip

103

2.1 Anschaffungskosten-/ Herstellungskostenprinzip

Nach dem Anschaffungskosten- bzw. Her- stellungskostenprinzip bilden die Anschaff- ungskosten bzw. Herstellungskosten die Obergrenze der Bewertung.

bzw. Herstellungskosten die Obergrenze der Bewertung. § 253 Abs. 1 HGB Vermögensgegenstände sind höchstens

§ 253 Abs. 1 HGB Vermögensgegenstände sind höchstens mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten […] anzusetzen.

104

2.1 Anschaffungskosten-/ Herstellungskostenprinzip

Höhere Kosten als die historischen An- schaffungs- bzw. Herstellungskosten dürfen

nicht angesetzt werden.

Bei abnutzbaren Vermögensgegenständen ist die Folgebewertung mit den fortgeführten An- schaffungskosten bzw. Herstellungskosten abzüglich der Abschreibungen vorzunehmen (AK/HK ./. Abschreibungen). Dieser Wert stellt die Obergrenze für die Bewertung dar.

105

2.2 Niederstwertprinzip

106

2.2 Niederstwertprinzip

Nach dem Niederstwertprinzip nach § 253 HGB wird ein Vermögensgegenstand für den alternative Werte bestehen, mit dem niedrigeren beizulegenden Wert am Bilanzstichtag bewertet.

Das Niederstwertprinzip wird bei Vermögens- gegenständen des Anlagevermögens dann an- gewandt, wenn eine voraussichtlich dauernde Wertminderung vorliegt (§ 253 Abs. 3 S. 3 HGB), d. h. hier ist eine außerplanmäßige Abschreibung auf den niedrigeren Wert, der am Bilanzstichtag vorliegt, vorzunehmen.

107

2.2 Niederstwertprinzip

Bei Finanzanlagen kommt das Niederstwertprinzip nach § 253 Abs. 3 S. 3 HGB zum Ansatz. Finanzanlagen sind bei voraussichtlich dauernder Wertminderung mit dem niedrigeren Wert zum Bilanz- stichtag anzusetzen. Es ist eine außerplanmäßige Abschreibung vorzunehmen.

Nach § 253 Abs. 3 S. 4 HGB besteht für Finanz- anlagen ein Wahlrecht, bei voraussichtlich vorübergehender Wertminderung, den niedrigeren Wert anzusetzen, d. h. eine außerplanmäßige Abschreibung vorzunehmen.

108

2.2 Niederstwertprinzip

Nach § 253 Abs. 4 HGB ist bei Vermögens- gegenständen des Umlaufvermögens der niedrigere Wert anzusetzen, der sich aus einem Börsen- oder Marktpreis am Bilanz- stichtag ergibt. Auf diesen Wert ist eine Abschreibung vorzunehmen.

109

2.2 Niederstwertprinzip

Beim Niederstwertprinzip ist § 253 Abs. 5 HGB zu beachten. Hiernach ist ein niedrigerer Wertansatz für Vermögensgegenstände des Anlage- vermögens bei voraussichtlich dauernder Wertminderung, für Finanzanlagen bei voraussichtlich dauernder und vorübergehender Wertminderung sowie für Vermögensgegen- stände des Umlaufvermögens nicht beizu- behalten, wenn die Gründe hierfür weggefallen sind (Zuschreibungsgebot).

110

2.2 Niederstwertprinzip

Ausnahme:

Beim entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert ist der niedrigere Wertansatz beizubehalten.

111

2.2 Niederstwertprinzip

Dauernde Wertminderung:

Nach herrschender Meinung liegt eine dauernde Wertminderung vor, wenn der Stich-tagswert den Wert, der sich aus planmäßigen Abschreibungen ergibt, während eines er-heblichen Teils der Restnutzungsdauer nicht erreichen wird.

Bei Vermögensgegenständen des Anlage- vermögens tritt die dauerhafte Wertminderung durch Beschädigung oder Zerstörung von Anlagen bzw. der Verseuchung des Grund und Bodens ein. Ein weiterer Grund kann die Ertragskraft des relevanten Marktes sein.

112

2.3 Strenges und gemildertes Niederstwertprinzip

113

2.3 Strenges und gemildertes Niederstwertprinzip

Strenges Niederstwertprinzip Für das gesamte Umlaufvermögen ist nach § 253 Abs. 4 HGB von den genannten Werten auf jeden Fall der am Stichtag niederste Wert anzusetzen.

114

2.3 Strenges und gemildertes Niederstwertprinzip

Gemildertes Niederstwertprinzip Bei der Bewertung des Anlagevermögens braucht ein niedrigerer Wert als die An- schaffungs- oder Herstellungskosten, ver- mindert um die planmäßige Abschreibung, nur dann angesetzt werden, wenn er von voraussichtlicher Dauer ist.

115

2.4 Höchstwertprinzip

116

2.4 Höchstwertprinzip

Nach dem Vorsichtsprinzip darf sich ein Unter- nehmen nicht reicher machen, als es tatsächlich ist. Das bedeutet, dass die Verbindlichkeiten mit dem höheren Kurs am Bilanzstichtag bewertet werden müssen.

Vorhersehbare Risiken und Verluste sind grund- sätzlich zu berücksichtigen, damit nicht durch einen höheren Erfolgsausweis und damit ver- bundene Gewinnausschüttungen Gläubiger Nachteile erreichen.

117

2.5 Zuschreibungsgebot

118

2.5 Zuschreibungsgebot

Unter Zuschreibung ist die Pflicht zur Wert- aufholung bei außerplanmäßig abgeschrie- benen Vermögensgegenständen zu ver-

stehen.

Entfallen die Gründe für die außerplanmäßige Abschreibung, so ist nach dieser Vorschrift für Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, für Finanzanlagen und für Vermögensgegen- stände des Umlaufvermögens der Wert aufzu- holen.

für Finanzanlagen und für Vermögensgegen- stände des Umlaufvermögens der Wert aufzu- holen. § 253 Abs. 5

§ 253 Abs. 5 HGB

119

2.5 Zuschreibungsgebot

Zum einen darf die Wertaufholung höchstens in der Höhe vorgenommen werden, abzüglich der planmäßigen Abschreibungen, die angefallen wäre, wenn nicht außerplanmäßig abge- schrieben worden wäre.

Zum anderen ist die Wertaufholung dadurch be- grenzt, dass nicht mehr zugeschrieben werden darf, als der eingetretenen Werterholung ent- spricht.

120

2.5 Zuschreibungsgebot

jetziger Verkehrswert/ beizulegender Wert

- jetziger Buchwert

= eingetretene Werterholung

Beachte:

Nach § 253 Abs. 5 HGB ist bei einem entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert der niedrigere Wertansatz beizubehalten.

121

3. Die Bilanz Inhalt, Aufbau und Bewertung

122

3.1 Ansatzgebote, -verbote, -wahlrechte

123

3.1 Ansatzgebote, -verbote, -wahlrechte

§ 247 Abs. 1 HGB

In der Bilanz sind das Anlage- und das Umlaufvermögen, das Eigenkapital, die Schulden sowie die Rechnungsabgrenz- ungsposten gesondert auszuweisen …“

§ 247 Abs. 1 i. V. m. § 240 Abs. 1 HGB

Rechnungsabgrenz- ungsposten gesondert auszuweisen …“ § 247 Abs. 1 i. V. m. § 240 Abs. 1

Bilanzierungsgebot

124

3.1 Ansatzgebote, -verbote, -wahlrechte

Hierbei ist § 246 Abs. 1 Satz 2 HGB zu beachten.

Demzufolge ist demjenigen der Vermögens- gegenstand zuzuordnen, dem er wirt- schaftlich zuzurechnen ist. Bei ihm erfolgt der Ausweis in der Bilanz.

Schulden

Schuldners ausgewiesen.

werden

in

der

Bilanz

des

125

3.1 Ansatzgebote, -verbote, -wahlrechte

§ 248 Abs. 1 HGB

Aufwendungen für die Gründung eines Unternehmens

Aufwendungen für die Beschaffung des Eigenkapitals

Aufwendungen für den Abschluss von Versicherungs- verträgen

die Beschaffung des Eigenkapitals Aufwendungen für den Abschluss von Versicherungs- verträgen Bilanzierungsverbot 126

Bilanzierungsverbot

126

3.1 Ansatzgebote, -verbote, -wahlrechte

§ 248 Abs. 2 HGB

Selbstgeschaffene immaterielle Vermögens- gegenstände des Anlagevermögens

§ 248 Abs. 2 HGB Selbstgeschaffene immaterielle Vermögens- gegenstände des Anlagevermögens Bilanzierungswahlrecht 127

Bilanzierungswahlrecht

127

3.1 Ansatzgebote, -verbote, -wahlrechte

§ 248 Abs. 2 HGB

ABER:

Selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Ver- lagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens

Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens Bilanzierungsverbot 128

Bilanzierungsverbot

128

3.2 Grundsatz der Vollständigkeit, Verrechnungsverbot

129

3.2 Grundsatz der Vollständigkeit, Verrechnungsverbot

Grundsatz der Vollständigkeit § 246 Abs. 1 HGB:

- sämtliche Vermögensgegenstände,

- Schulden,

- Rechnungsabgrenzungsposten,

- Aufwendungen und

- Erträge müssen im Jahresabschluss enthalten sein.

130

3.2 Grundsatz der Vollständigkeit, Verrechnungsverbot

Verrechnungsverbot § 246 Abs. 2 Satz 1 HGB

Keine Verrechnung von :

- Posten der Aktivseite mit Posten der Passivseite

- Aufwendungen mit Erträgen

- Grundstücksrechten mit Grundstückslasten

mit Posten der Passivseite - Aufwendungen mit Erträgen - Grundstücksrechten mit Grundstückslasten Saldierungsverbot 131

Saldierungsverbot

131

3.2 Grundsatz der Vollständigkeit, Verrechnungsverbot

ABER § 246 Abs. 2 Satz 2 HGB

Saldierungsgebot von Schulden mit Plan- vermögen für Altersvorsorge oder ähnliche gegen Arbeitnehmer eingegangene Ver- pflichtungen – Saldierung der zu verrechnenden Vermögensgegenstände zum beizulegenden Zeitwert mit den Verpflichtungen, die nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung mit dem notwendigen Erfüllungsbetrag bewertet werden.

132

3.2 Grundsatz der Vollständigkeit, Verrechnungsverbot

Folgt daraus:

beizulegender Wert der Vermögensgegen-

Stände (Zeitwert ohne AHK)

>

der Vermögensgegen- Stände (Zeitwert ohne AHK) > Betrag der Schulden Ausweis des übersteigenden Betrages

Betrag

der

Schulden

Ausweis des übersteigenden Betrages unter gesondertem Posten in der Bilanz § 266 Abs. 2 Bs. E HGB

133

3.3 Finanzinstrumente

134

3.3 Finanzinstrumente

• Unterscheidung zwischen

- originären Finanzinstrumenten

- derivativen Finanzinstrumenten

135

3.3 Finanzinstrumente

Originäre Finanzinstrumente eigenkapitalbezogen fremdkapitalbezogen Aktien Forderungen Einlagen Verbindlichkeiten
Originäre Finanzinstrumente
eigenkapitalbezogen
fremdkapitalbezogen
Aktien
Forderungen
Einlagen
Verbindlichkeiten
Genussscheine
Schuldverschreibungen
Venture Capital
Pfandbriefe
nachrangiges Kapital
Schuldscheine

136

3.3 Finanzinstrumente Derivative Finanzinstrumente Optionen Finanztermingeschäfte Swaps Devisenoptionen Futures
3.3 Finanzinstrumente
Derivative Finanzinstrumente
Optionen
Finanztermingeschäfte
Swaps
Devisenoptionen
Futures
Zinsswaps
Zinsoptionen
Forwards
Währungsswaps
Aktienoptionen
Index-Optionen
137
4. Entwicklung der
Gesetzgebung
138

4.1 Entwicklungslinien im regulatorischen Umfeld

139

 

4.1 Entwicklungslinien im regulatorischen Umfeld

 
 

Internationale Entwicklungen

   

BilReG: Bilanzrechtsreformgesetz BilKoG: Bilanzkontrollgesetz APAG: Abschlussprüferaufsichtsgesetz

• USA: Sarbanes-Oxley Act (2002)

 

10-Punkte-Programm

der Bundesregierung

zur St ärkung

2004
2004
 

• EU:

Unternehmensintegrität

AnSVG: Anlegerschutzverbesserungsgesetz

 

- Fair-Value-Richtlinie (2001)

 

- IAS-Verordnung (2002)

UMAG: Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts

- Schwellenwertrichtlinie (2003)

2005
2005

- Modernisierungsrichtlinie (2003)

 

- Corporate Governance Initiativen (seit 2003)

- Marktmissbrauchsrichtlinie (2003)

- Transparenzrichtlinie (2004)

- Modernisierung der 8. EU-Richtlinie (2006)

KapMuG:

Musterverfahrensgesetz VorstOG: Vorstandsvergütungs-

Kapitalanleger-

offenlegungsgesetz

 

- Abänderungsrichtlinie (2006)

und des Anlegerschutzes

2006
2006
 

Nationale Entwicklungen

Übernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetz

 

Gesetzesinitiativen (1998 – 2002)

 

TUG: Transparenzrichtlinie-UmsetzungsG EHUG: Gesetz über elektronische Handels-, Genossenschafts-, Unternehmensregister BARefG: Berufsaufsichtsreformgesetz

- Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG; 1998)

- Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz (KapAEG; 1998)

2007
2007

- Kapitalgesellschaften und Co.-Richtlinie- Gesetz (KapCoRiLiG; 2000)

(2003)

2008
2008

MoMiG: Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen

-

Transparenz- und Publizitätsgesetz (TransPuG; 2002)

 

Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK; 2002 – seither jährlich überprüft)

2010
2010
 

140

BilMoG: Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

4.2 Ablauf des bisherigen Gesetzgebungsverfahrens

141

4.2 Ablauf des bisherigen Gesetzgebungsverfahrens des BilMoG

• „Maßnahmenkatalog der Bundesregierung zur Stärkung der Unternehmensintegrität und des Anlegerschutzes

2003

• Bilanzrechtsreformgesetz: Ankündigung des BilMoG

2004

• BilMoG-Referentenentwurf BMJ (IAS-Orientierung)

08.11.2007

• BilMoG-Gesetzesentwurf der Bundesregierung

21.05.2008

• Verabschiedung durch den Bundestag

26.03.2009

• Zustimmung durch den Bundesrat

03.04.2009

• Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 28, Seite 1102 ff. (Datum des Gesetzes 25.5.2009)

28.05.2009

142

4.3 Ziele / Grundgedanken der BilMoG-Reform

143

4.3 Ziele/Grundgedanken der BilMoG- Reform

• Entwicklung eines zeitgemäßen Handelsbilanzrechts.

• HGB-Bilanzrecht soll eine vollwertige Alternative zu den internationalen Rechnungslegungsstandards bieten, ohne deren Nachteile (hohe Komplexität, hoher Zeitaufwand, hohe Kosten) zu übernehmen.

• Informationsanforderungen an die HGB-Bilanz müssen in einigen Punkten ausgebaut und verbessert werden.

• HGB-Bilanz soll die Grundlage der steuerlichen Gewinnermittlung und der Ausschüttungsbemessung bleiben.

• Eckpfeiler sollen erhalten bleiben: Anschaffungskostenprinzip, Vorsichtsprinzip, Gläubigerschutz, Maßgeblichkeit.

• Kleine und mittelständische Unternehmen sollen entlastet werden.

144

4.4 Kernbereiche der BilMoG- Änderungen

145

4.4 Kernbereiche der BilMoG- Änderungen 145 4.4 Kernbereiche der BilMoG- Änderungen  Änderungen im Bilanzansatz 

4.4 Kernbereiche der BilMoG- Änderungen

Änderungen im Bilanzansatz

Änderungen der Bewertungsregeln

Änderungen im Anhang

Änderungen im Lagebericht

Änderungen im Bereich der Konzern- rechnungslegung

Sonstige Änderungen

Übergangsregelungen

146

4.4 Kernbereiche der BilMoG- Änderungen

Wahlrecht zur Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (Entwicklungskosten)

Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten im Handelsbestand zum beizulegenden Zeitwert (bei Kreditinstituten)

Bilanzierung und Dokumentation von Sicherungsbeziehungen (Hedging)

Abschaffung von Wahlrechten beim Umfang der Herstellungskosten

Künftig

keine

so

genannten

Ermessensabschreibungen

Wertschwankungsabschreibungen

und

Abschaffung von Wahlrechten bei den Aufwandsrückstellungen

Realitätsnahe Bewertung von Pensions- und anderen Rückstellungen durch Berücksichtigung von Kostensteigerungen und Abzinsung

147

4.4 Kernbereiche der BilMoG- Änderungen

• Latente Steuern nach dem bilanzorientierten Abgrenzungs- konzept / Pflicht für aktive latente Steuern auf Verlustvorträge

• Aufhebung des Grundsatzes der umgekehrten Maßgeblichkeit

• Ausweis der ausstehenden Einlagen und der eigenen Anteile

• Konsolidierung von Zweckgesellschaften

• Erweiterte (Konzern-) Anhangsangaben

148

4.5 Erstanwendungszeitpunkte des BilMoG

149

4.5 Erstanwendungszeitpunkte des BilMoG

Die Bilanzierungsregelungen des BilMoG sind für Geschäftsjahre ab dem 1.1.2010 verpflichtend an- zuwenden. Sie können freiwillig bereits für den Ab- schluss 2009 angewendet werden, jedoch nur als Gesamtheit.

Einige Vorschriften, insbesondere zur Umsetzung EU- rechtlicher Vorgaben, gelten verpflichtend schon für das Geschäftsjahr 2009.

Bilanzierungserleichterungen für kleine und mittel- große Unternehmen können – sofern noch möglich - schon für das Geschäftsjahr 2008 angewendet werden.

150

4.5 Erstanwendungszeitpunkte des BilMoG

 

31.12.2007

 

31.12.2008

31.12.2009

 

§ 241a:

 

Alle übrigen §§

Befreiung von der Pflicht zur Buchführung und Erstellung eines Inventars

§ 242 IV: Pflicht zur Aufstellung

Vorschriften zur Umsetzung EU-rechtlicher Vorgaben, insbesondere:

Änd. § 285: Sonstige Pflichtan-

gaben

Änd. § 289: Lagebericht

Wahlrecht, Vorschriften auf das nach dem

31.12.2008 beginnende Geschäftsjahr anzuwenden

§ 267 I,II: Umschreibung der Größenklassen

§

289 a:

Erklärung zur

§ 293:

Größenabhängige

 

Unternehmens-

Befreiungen

führung

(Konzernabschluss)

Änd. § 317

 

318 III, VIII Änd. § 319a

§

 

§ Prüfung

319b

§ 320 IV

 

§ 321 IVa

 

151

4.6 Schwachstellen / Kritikpunkte am BilMoG

152

4.6 Schwachstellen/Kritikpunkte am BilMoG

• Das BilMoG orientiert sich teilweise an der Rechnungslegung nach IAS/IFRS, obwohl die dort vorherrschende „Kapitalmarktorientierung“ nicht relevant ist.

• Die Anwenderfreundlichkeit des Gesetzes ist durch vielfältige Verwendung nicht definierter Rechts- begriffe deutlich eingeschränkt.

• In einigen Bereichen werden die IFRS voraus- sichtlich als Auslegungshilfen herangezogen werden.

• Komplizierte Übergangsvorschriften

153

5. Ansatz, Bewertung und Ausweis der Aktivposten

154

5.1 Wirtschaftliche Zuordnung

155

5.1 Wirtschaftliche Zuordnung

§ 246 Abs. 1 Satz 2 HGB ist zu beachten

– Demzufolge ist demjenigen der Vermögens- gegenstand zuzuordnen, dem er wirtschaft- lich zuzurechnen ist. Bei ihm erfolgt der Aus- weis in der Bilanz.

– Schulden

werden

in

der

Schuldners ausgewiesen.

Bilanz

des

156

5.2 Anlagevermögen

157

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

158

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Definition

Immaterielle Vermögensgegenstände sind Güter, die keine (wesentliche) gegen- ständliche Substanz, d. h. keine Körper- lichkeit bzw. Greifbarkeit aufweisen und im Unterschied zu finanziellen Gütern, wie z. B. Forderungen und Verbindlichkeiten, nicht monetär sind. Es handelt sich somit um Gegenstände bzw. Werte mit fehlender oder unwesentlicher physischer Substanz, die nicht dem mone- tären, sondern dem operativen Bereich dienen.

159

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Ansatz der immateriellen Vermögensgegenstände

§ 248 HGB Ansatzverbot nach Abs. 1 für:

- Aufwendungen für die Gründung eines Unternehmens

- Aufwendungen für die Beschaffung des Eigenkapitals

- Aufwendungen für den Abschluss von Versicherungsverträgen

160

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Ansatz der immateriellen Vermögensgegenstände

§ 248 HGB

Ansatzwahlrecht nach Abs. 2 S.1 für:

- selbst geschaffene immaterielle Ver- mögensgegenstände des Anlagevermögens z. Bsp. selbst erstellte Rezepturen selbst erstellte Produktionsverfahren selbst erstellte Software

161

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände Aktivierung selbst erstellter VG des AV  Zu den selbst erstellten
5.2.1 Immaterielle
Vermögensgegenstände
Aktivierung selbst erstellter VG des AV
 Zu den selbst erstellten immateriellen VG
des AV gehören gewerbliche Schutzrechte,
ähnliche Rechte und Werte.
Schutzrechte
ähnliche Rechte
Werte
Patente
Nutzungsberechtigungen
Gebrauchsmuster
Belieferungsrechte
Urheberrechte
Vertriebsrechte
Ungeschützte Erfindungen
Rezepte
Know-how
EDV-Software
162
Eigenentwicklung

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Ansatz der immateriellen Vermögensgegenstände

§ 248 HGB

Ansatzverbot nach Abs. 2 S. 2 für folgende selbst erstellte immaterielle VG:

- Marken

- Drucktitel

- Verlagsrechte

- Kundenlisten

- u. ä.

163

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Ansatz der immateriellen Vermögensgegenstände

Voraussetzungen für die Aktivierung

1. Es dürfen nur die Entwicklungskosten angesetzt werden, d. h. eine strikte Trennung zwischen Forschungs- und Entwicklungskosten muss gegeben sein.

2. Die Ansatzkriterien nach IAS 38 sind erfüllt.

164

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Abgrenzung von Forschungs- und Ent-

wicklungskosten

Abgrenzung von Forschungs- und Ent- wicklungskosten § 255 Abs. 2a HGB - Die Feststellung des Zeitpunktes

§ 255 Abs. 2a HGB

- Die Feststellung des Zeitpunktes des Übergangs von der Forschungs- zur Entwicklungsphase ist in jedem Einzelfall gesondert zu beurteilen. Die Forschungsphase endet beispielsweise, wenn die auf die Erlangung neuer Kenntnisse gerichteten Aktivitäten abgeschlossen sind.

- Erfolgen Entwurf, Konstruktion und Test neuer Prototypen und Modelle vor der Aufnahme der eigentlichen Produktion, ist dies bereits der Entwicklungsphase zuzurechnen.

- Sind Forschungs- und Entwicklungskosten nicht verlässlich trennbar, sind alle angefallenen Aufwendungen – dem Vorsichtsprinzip folgend – aufwandswirksam zu erfassen.

165

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Ansatzkriterien gemäß IAS 38

- Der aus der Entwicklungsphase resultierende Vermögenswert muss zum Zwecke seiner Nutzung oder Veräußerung technisch realisierbar sein

- Das Unternehmen muss die Absicht haben, den Vermögenswert fertig zu stellen

- Das Unternehmen muss fähig sein, den immateriellen Vermögenswert zu nutzen oder zu verkaufen.

- Das Unternehmen muss den Nachweis des künftigen wirtschaftlichen Nutzenerbringens, und zwar entweder durch Nachweis der Existenz eines Marktes oder den Nachweis seines Nutzens bei der internen Verwendung erbringen

- Das Unternehmen muss über die technischen, finanziellen oder sonstigen Ressourcen verfügen, um die Entwicklung des immateriellen Vermögenswertes abzuschließen sowie ihn zu nutzen oder verkaufen zu können

- Das Unternehmen muss fähig sein, die während der Entwicklungsphase angefallenen Ausgaben verlässlich zu bewerten

166

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Bewertung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände Bewertung mit den Herstellungskosten Aktivierungswahlrecht für Entwicklungs- kosten (§ 255 Abs. 2a HGB) Aktivierungsverbot für Forschungskosten (§ 255 Abs. 2 HGB)

167

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Bewertung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände n. § 255 Abs. 2a HGB

Erstbewertung mit den Herstellungskosten abzüglich der anteiligen Abschreibungen im Anschaffungsjahr.

Die Folgebewertung erfolgt zum Restbuchwert vermindert um die planmäßige Abschreibung.

Bezüglich außerplanmäßiger Abschreibung siehe 5.2.2 Sachanlagen.

168

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Bewertung entgeltlich erworbener Vermögensgegenstände n. § 255 Abs. 1 HGB

Bewertung mit den Anschaffungskosten hierzu gehören auch Anschaffungs- nebenkosten sowie nachträgliche An- schaffungskosten.

169

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Bewertung entgeltlich erworbener Vermögens- gegenstände n. § 255 Abs. 2a HGB

Erstbewertung mit den Anschaffungskosten (zzgl. evtl. Anschaffungsnebenkosten und nachträgliche Anschaffungskosten) abzüglich der anteiligen Abschreibung im Anschaffungsjahr.

Die Folgebewertung erfolgt mit dem Rest- buchwert abzüglich der planmäßigen Abschrei- bung für das jeweilige Geschäftsjahr.

Bezüglich außerplanmäßiger Abschreibung siehe 5.2.2 Sachanlagen.

170

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Beispiele für entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände :

entgeltlich erworbene Software entgeltlich erworbene Lizenzen entgeltlich erworbene Konzessionen entgeltlich erworbene Belieferungsrechte entgeltlich erworbene Marken

171

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Ausweis in der Bilanz

für selbst erstellte immaterielle VG

Ausweis in der Bilanz für selbst erstellte immaterielle VG § 266 Abs. 2 Bs. A I.

§ 266 Abs. 2 Bs. A I. Nr. 1 HGB

für entgeltlich erworbene immaterielle VG

VG § 266 Abs. 2 Bs. A I. Nr. 1 HGB für entgeltlich erworbene immaterielle VG

§ 266 Abs. 2 Bs. A I. Nr. 2 HGB

172

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Die Ausschüttungssperre nach § 268 Abs. 8 HGB ist zu beachten.

Hiernach dürfen Erträge aus der Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögens- gegenstände des Anlagevermögens nur aus- geschüttet werden, wenn „… die nach der Aus- schüttung verbleibenden frei verfügbaren Rück- lagen zuzüglich eines Gewinnvortrags und ab- züglich eines Verlustvortrags mindestens den insgesamt angesetzten Beträgen abzüglich der hierfür gebildeten passiven latenten Steuern entsprechen.“

173

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Ansatz des Geschäfts- oder Firmenwerts

originärer Geschäfts- oder Firmenwert

selbst geschaffener Wert eines Unternehmens, z. B. Markenname, Know-How der Mitarbeiter, Wert der technischen Verfahren

Aktivierungsverbot nach § 248 Abs. 2 HGB

174

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Ansatz des Geschäfts- oder Firmenwerts

derivativer Geschäfts- oder Firmenwert

Nach § 246 Abs. 1 S. 4 HGB wird der entgeltlich erworbene Geschäfts- oder Firmenwert als zeitlich begrenzt nutzbarer Vermögensgegenstand definiert. Für ihn gilt Aktivierungspflicht.

Nach § 253 Abs. 3 S. 1 HGB ist der GoF über seine Nutzungsdauer planmäßig abzuschreiben.

entgeltlich erworbener Wert eines Unternehmens, z. B. Markenname, Know-How der Mitarbeiter, Wert der technischen Verfahren

175

5.2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände

Bewertung des derivativen GoF

Gesamtkaufpreis eines Unternehmens ./. Reinvermögen des gekauften Unternehmens

(= Zeitwert der erworbenen Vermögensgegenstände u. Schulden)

= entgeltlich erworbener GoF

176

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Geschäfts- oder Firmenwert

Die Nutzungsdauer des derivativen GoF lässt sich aus § 285 Nr. 13 HGB ableiten.

Hiernach beträgt die Nutzungsdauer des deri- vativen GoF 5 Jahre.

Eine längere Nutzungsdauer ist im Anhang zu rechtfertigen.

177

5.2.1 Immaterielle

Vermögensgegenstände

Geschäfts- oder Firmenwert

Ausweis in der Bilanz

Immaterielle Vermögensgegenstände Geschäfts- oder Firmenwert Ausweis in der Bilanz § 266 Abs. 2 Bs. A I.

§ 266 Abs. 2 Bs. A I. Nr. 3 HGB

178

5.2.2 Sachanlagen

179

5.2.2 Sachanlagen

Definition § 247 Abs. 2 HGB

Vermögensgegenstände, die bestimmt sind, dauerhaft dem Geschäftsbetrieb zu dienen.

Darunter fallen u. a.:

Grundstücke technische Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsausstattung

180

5.2.2 Sachanlagen

Anlagevermögen mit zeitlich begrenzter Nutzung

Gebäude technische Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsausstattung

Ansatz des Anlagevermögens

Ansatz nach § 253 Abs. 1 S. 1 i. V. m.

Abs. 3 HGB mit den Anschaffungs- oder Her- stellungskosten, vermindert um planmäßige

Abschreibungen.

§ 253

181

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung von Sachanlagen

Die Erstbewertung von Sachanlagen erfolgt zu den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten vermindert um die (anteilige) planmäßige Abschreibung im Jahr der Anschaffung bzw. Herstellung.

Die Folgebewertung erfolgt zum Restbuchwert abzüglich der planmäßigen Abschreibung im jeweiligen Geschäftsjahr.

Bei vorliegen voraussichtlich dauernder Wertminderung ist zusätzlich eine außerplanmäßige Abschreibung vorzunehmen (§ 253 Abs. 3 S. 3 HGB).

182

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Außerplanmäßige Abschreibungen sind nur bei voraussichtlich dauernder Wertminderung vorzunehmen. § 253 Abs. 3 S. 3 HGB

Bei der Ermittlung der Abschreibung sind folgende Faktoren einzubeziehen:

Anschaffungs- oder Herstellungskosten Abschreibungsdauer Abschreibungsmethode Restwert

183

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Abschreibungsbeginn ist der Zeitpunkt der Anschaffung bzw. der Fertigstellung (Anfang des Anschaffungs- bzw. Fertigstellungsmonats; Zeit- punkt des möglichen Nutzungsbeginns)

Die Abschreibung erfolgt pro rata temporis (zeitanteilig).

Durch die Abschreibung wird der Werteverzehr erfasst.

184

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Abschreibungsmethoden:

In der Handelsbilanz sind im Gegensatz zur Steuerbilanz alle Abschreibungsmethoden erlaubt. Hierunter fallen u. a.:

lineare, degressive (geometrisch, arithmetisch), progressive Abschreibung, Leistungsabschreibung

185

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Abschreibungsmethoden

Lineare Abschreibung Verteilung der Anschaffungs- oder Her- stellungskosten in gleichen Jahresbeträgen auf die Nutzungsdauer.

Beispiel in den Ergänzungen

186

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Abschreibungsmethoden

Degressive Abschreibung Bei der degressiven Abschreibung werden zu Beginn der Nutzungsdauer höhere Anteile der Anschaffungs- oder Herstellungskosten ab- geschrieben, als gegen Ende der Nutz- ungsdauer. Hierbei sinken die Abschreib- ungsbeträge jedes Jahr.

187

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Abschreibungsmethoden

geometrisch-degressive Abschreibung Berechnung der Abschreibungsbeträge mit gleichbleibendem Prozentsatz (siehe lin. Abschreibung), allerdings wird die Ab- schreibung nur im Jahr der Anschaffung bzw. Herstellung von den AK bzw. HK berechnet. Ab dem zweiten Jahr berechnet sich die Abschreibung vom jeweiligen Restbuchwert.

Beispiel in den Ergänzungen

188

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Abschreibungsmethoden

Progressive Abschreibung Die progressive Abschreibungsmethode zeichnet sich durch jährlich steigende Abschreib- ungsbeträge aus. Sie kann auch als umgekehrte degressive Abschreibungsmethode verstanden werden. Dementsprechend werden zunächst die Abschreibungsbeträge nach der geometrisch oder arithmetisch degressiven Abschreibungsmethode ermittelt und dann in umgekehrter Reihenfolge verrechnet.

189

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Abschreibungsmethoden

Leistungsabschreibung Die Berechnung der Leistungsabschreibung erfolgt auf Basis der konkreten Leistungsabgabe.

Bei dieser Abschreibungsmethode ist statt der Nutzungsdauer die voraussichtliche Gesamtleistung maßgeblich, die sich in Stück, Kilometer oder anderen Leistungseinheiten ausdrückt.

Diese Abschreibungsmethode erfasst zwar den technischen Verschleiß, berücksichtigt aber nicht die wirtschaftliche Abnutzung durch Überalterung oder technischen Fortschritt.

190

5.2.2 Sachanlagen

Da diese Abschreibungsmethode den tech- nischen Fortschritt nicht berücksichtigt, wurde in der Praxis dazu übergegangen, dass der Ab- schreibungswert in einen linearen und einen leistungsabhängigen Anteil aufgeteilt wird.

Beispiel in den Ergänzungen

191

5.2.2 Sachanlagen

Überblick über die Verfahren der planmäßigen Abschreibung

Abschrei- bungsver- fahren Merkmale
Abschrei-
bungsver-
fahren
Merkmale
 

Zeitabhängige Abschreibungsverfahren

   

Abschreibungsver-

   

degressiv

     

fahren nach Leistung oder

 

linear

geometrisch-degressiv

 

arithmetisch-degressiv

 

Stufen-degressiv

progressiv

Inanspruchnahme

   

um festen Prozentsatz vom Buchwert fallende Jahresbeträge

 

Um festen Degres- sionsbetrag fallende Jahresbeträge

   

In Jahreszonen ge- stufte, fallende Jahres- beträge

Geometrisch oder

   

Verlauf der

gleichbleibende

Arithmetisch steigende

Jahresbeträge abhän- gig von der Leistung oder Inanspruch- nahme

Jahresbeträge

Jahresbeträge

Jahresbeträge

           

Entsprechend

   
 

p

 

degressiver

 

JN

i

 

Bestimmungs-

1 AHK

a

   

'

Methoden, doch

a

 

AHK

     

'

1

 

gleichung für

 

100

 

1

p

a AHK

     

GNP

 

Jahresbetrag

 

AHK

i BW

a

i 1

p

100

 
AHK a    n 1  n  1    n
AHK
a
n
1
 n
 1
n
2

i

 

i

100

''

a AHK

''

i

p

steigender Verlauf

 

a i

n

BW

i

BW

i

1

a

i

   

a

'''

100

p

'''

AHK

 
 

p

100

1

n
n

BWn

AHK

i

100

Tendenzielle

BW a i
BW
a i

BW

 
a i
a i

t

   

a i

BW a i
BW
a i
 

a i

a i
 

Entwicklung der

a i

a i t

t

 
Entwicklung der a i t     BW BW t t BW t t
 

BW

BW
BW
BW

t

t

BW
BW

t

t

Buchwerte und

       

Jahresbeträge

t

t

 

t

 

t

t

t

Symbole:

a i

n= Jahre der (betriebsgewöhnlichen) Nutzungsdauer AHK=Anschaffungs-/Herstellungskosten

=Abschreibungs-/AfA-Jahresbetrag

BW i =(Rest-)Buchwert am Ende des Jahres i

P= Abschreibungs/ AfA-Prozentsatz GNP=gesamtes Nutzungspotential JN i =Jahresnutzung

192

5.2.2 Sachanlagen

Anlagevermögen ohne zeitlich begrenzte Nutzung

Grund und Boden Anlagen im Bau Anzahlungen Finanzanlagen

Ansatz der Sachanlagen

Ansatz nach § 253

Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten. § 253 Abs. 3

HGB erlaubt die Abschreibung nur für

Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist.

HGB mit den

Abs.

1

S.

1

S.

1

193

5.2.2 Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

Außerplanmäßige Abschreibungen sind nach § 253 Abs. 3 S. 3 HGB bei Anlagevermögen ohne zeitlich begrenzte Nutzung nur bei voraussichtlich dauernder Wertminderung vorzunehmen. Sie werden vorgenommen, um auf den niedrigeren beizulegenden Wert abzuschreiben.

194

 

5.2.2

Sachanlagen

Bewertung der Sachanlagen

 

Außerplanmäßige Abschreibungen erfolgen, wenn plötzliche Ereignisse wie Brand, Unfall oder Über- schwemmung ein Anlagegut in seinem Wert besonders mindern. Neben dem abnutzbaren Anlagevermögen können auch Grundstücke oder Beteiligungen außerplan- mäßig abgeschrieben werden.

Weitere Beispiele für außerplanmäßige Abschreibungen:

Katastrophenverschleiß, z. B. Brand, Unwetter, Explo- sion, Unfall, unsachgemäße Bedienung.

außergewöhnliche wirtschaftliche Ereignisse, wie z. B. technischer Fortschritt, Wechsel im Käufergeschmack.

Beispiel in den Ergänzungen

195

 

5.2.2

Sachanlagen

Ausweis in der Bilanz

 
§ 266 Abs. 2 Bs. A II. Nr. 1-4 HGB

§ 266 Abs. 2 Bs. A II. Nr. 1-4 HGB

 

196

5.2.3 Finanzanlagen

197

5.2.3 Finanzanlagen

Zu den Finanzanlagen gehören:

- Anteile an verbundenen Unternehmen

- Ausleihungen an verbundene Unternehmen

- Beteiligungen

- Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht

- Wertpapiere des Anlagevermögens

- sonstige Ausleihungen

198

5.2.3 Finanzanlagen

Anteile sind verbriefte oder auch unverbriefte Mitgliedschaftsrechte an einer anderen Gesell- schaft. Mitgliedschaftsrechte umfassen Ver- mögens- und Verwaltungsrechte.

Hierunter fallen:

Aktien, GmbH-Geschäftsanteile, OHG- oder KG- Anteile, aber auch stille Beteiligungen.

199

5.2.3 Finanzanlagen

Definition verbundene Unternehmen nach § 271 Abs. 2 HGB

Verbundene Unternehmen sind solche, die nach § 290 Abs. 1 HGB aufgrund eines möglichen beherrschenden Einflusses als Mutterunter- nehmen oder Tochterunternehmen in einen Konzernabschluss einzubeziehen sind. Anteile an verbundenen Unternehmen können Anteile an Kapital-, Personen- oder ihnen gleich gestellte Gesellschaften sein.

Beispiel in den Ergänzungen

200

5.2.3 Finanzanlagen

Ausleihungen

schuldrechtlichen Vertragsverhältnissen.

entstehen

auf

Basis

von

Für den Schuldner besteht die Verpflichtung, den überlassenen Kapitalbetrag nach einer vereinbarten Zeit dem Gläubiger zurück- zugeben.

Hierunter fallen:

Hypotheken-, Grund- und Rentenforderungen oder Schuldscheindarlehen

Beispiel in den Ergänzungen

201

5.2.3 Finanzanlagen

Gem. § 271 Abs. 1 HGB sind Beteiligungen Anteile an anderen Unternehmen, die dazu bestimmt sind, dem eigenen Geschäftsbetrieb durch die Herstellung einer dauerhaften Ver- bindung zu dienen.

Hierunter fallen:

Aktien, GmbH-Anteile, Komplementär- oder Kommanditanteile einer KG oder OHG.

Beispiel in den Ergänzungen

202

5.2.3 Finanzanlagen

Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht

Unter diesem Posten werden Ausleihungen an das Unternehmen, das die Beteiligung hält, ebenso ausgewiesen wie an das Unternehmen, an dem die Beteiligung gehalten wird.

203

5.2.3 Finanzanlagen

Wertpapiere des Anlagevermögens

Hierunter fallen übertragbare und verwertbare verbriefte Wertpapiere, bei denen keine Beteiligungsabsicht bzw. –vermutung nach § 271 Abs. 1 S. 3 HGB gegeben ist.

Bei ihnen steht die Eigenschaft als langfristige Kapitalanlage im Vordergrund.

204

5.2.3 Finanzanlagen

Hierunter fallen:

Aktien ohne Beteiligungsabsicht Genussscheine Investmentzertifikate Anteile an Immobilienfonds Kommunal-, Industrie- und Bankobligationen

205

5.2.3 Finanzanlagen

Sonstige Ausleihungen

Die sonstigen Ausleihungen stellen einen Sammelposten für alle Forderungen an nicht ver- bundenen Unternehmen und an Unternehmen, mit denen kein Beteiligungsverhältnis besteht sowie auch Ausleihungen an sonstige Schuldner dar.

Voraussetzung ist allerdings, dass sie dem Anlagevermögen zuzuordnen sind.

206

5.2.3 Finanzanlagen

Hierunter fallen:

Vorauszahlungen bzw. Kautionen für länger- fristige Miet- und Pachtverträge

Kredite an Organmitglieder

207

5.2.3 Finanzanlagen

Ansatz der Finanzanlagen

Der Ansatz der Finanzanlagen erfolgt nach § 247 Abs. 2 HGB. Hierbei ist darauf zu achten, dass nur solche Finanzanlagen gemeint sind, die dem Geschäftsbetrieb dauernd zu dienen bestimmt sind.

208

5.2.3 Finanzanlagen

Bewertung der Finanzanlagen

Nach § 253 Abs. 1 S. 1 HGB werden Finanz- anlagen mit ihren Anschaffungskosten angesetzt.

Eine planmäßige Abschreibung ist nicht möglich.

Außerplanmäßige Abschreibungen sind bei vor- aussichtlich dauernder Wertminderung vorzu- nehmen (§ 253 Abs. S. 3 HGB). Bei voraus- sichtlich vorübergehender Wertminderung kann eine außergewöhnliche Abschreibung vorge- nommen werden (Wahlrecht § 253 Abs. 3 S. 4 HGB).

209

5.2.3 Finanzanlagen

Bewertung der Finanzanlagen

Nach § 253 Abs. 5 HGB ist eine Zuschreibung (höchstens auf die ursprünglichen Anschaff- ungskosten) vorzunehmen, wenn der Grund für die außerplanmäßige Abschreibung weggefallen ist.

210

5.2.3 Finanzanlagen

Ausweis in der Bilanz

5.2.3 Finanzanlagen Ausweis in der Bilanz § 266 Abs. 2 Bs. A III. Nr. 1-6 HGB

§ 266 Abs. 2 Bs. A III. Nr. 1-6 HGB

211

5.3 Umlaufvermögen

212

5.3 Umlaufvermögen

Definition Vermögensgegenstände, die bestimmt sind, nicht dauerhaft dem Geschäftsbetrieb zu dienen (Umkehrschluss aus § 247 Abs. 2 HGB).

Zum Umlaufvermögen gehören:

Vorratsbestände Forderungen Wertpapiere Kasse und Guthaben bei Kreditinstituten

213

5.3.1 Vorräte

214

5.3.1 Vorräte

Definition der Vorräte:

Vorräte umfassen Vermögenswerte, die zum Einsatz in der Produktion, zur Erbringung von Dienstleistungen oder zur Veräußerung ange- schafft oder hergestellt wurden.

215

5.3.1 Vorräte

Unter die Vorräte fallen folgende Posten:

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe unfertige Erzeugnisse unfertige Leistungen fertige Erzeugnisse und Waren sowie geleistete Anzahlungen

216

5.3.1 Vorräte

Definitionen:

Rohstoffe:

fließen unmittelbar in das Fertig- produkt ein und bilden dessen Hauptbestandteil.

Hilfsstoffe: gehen unmittelbar in das Fertig- produkt ein, stellen jedoch einen untergeordneten Bestandteil dar (z. B. Schrauben, Nägel etc.).

217

5.3.1 Vorräte

Definitionen:

Betriebsstoffe:

werden bei der Herstellung mittelbar oder unmittelbar verbraucht und bilden keinen Bestandteil des Fertigprodukts (z. B. Brennstoffe, Schmier- mittel, Reparatur- und Büro- material).

218

5.3.1 Vorräte

Definitionen:

unfertige Erzeugnisse:

sind noch nicht verkaufs- fähige Produkte, für die im Unternehmen jedoch schon Aufwendungen entstanden sind.

unfertige Leistungen:

sind noch nicht verkaufs- fähige Dienstleistungen.

219

5.3.1 Vorräte

Definitionen:

fertige Erzeugnisse und Waren:

geleistete Anzahlungen:

sind selbst erstellte oder gekaufte Vorräte.

sind Vorleistungen auf schwebende Geschäfte, die auf Grund von geschlossen- en Lieferungs- und Leistungs- verträgen zu erbringen sind.

220

5.3.1 Vorräte

Ansatz der Vorräte

Nach § 247 Abs. 1 HGB ist das Umlaufvermögen und somit die darin enthaltenen Vorräte in der Bilanz anzusetzen.

Es sind die in der Bewertung zu beachtenden Be- wertungsverfahren zu berücksichtigen. Des Weiteren muss die Vollständigkeit gegeben sein sowie die durch die Inventur erfassten Bestände berücksichtigt werden.

221

5.3.1 Vorräte

Für die Vorräte gelten folgende Bewertungsvorschriften:

(1) Ansatz nach § 253 Abs. 1 S. 1 HGB zu Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten.

(2) Ansatz nach § 253 Abs. 4 S. 1 HGB zum niedrigeren Börsen- oder Marktpreis.

(3) Ansatz nach § 253 Abs. 4 S. 2 HGB, wenn kein Börsen- oder Marktpreis feststellbar ist, zum beizulegenden Wert am Bilanzstichtag.

(4) Zuschreibungsgebot nach § 253 Abs. 5 HGB bei Wegfall des Grunds für die außerplanmäßige Abschreibung

222

5.3.1 Vorräte

Für die Vorräte gelten folgende Bewertungsvorschriften:

Der Ansatz mit den Anschaffungs- bzw. Her- stellungskosten nach § 253 Abs. 1 S. 1 HGB bildet den Grundsatz der Bewertungsvorschriften (Obergrenze). Für die Abschreibung auf den niedrigeren Börsen- oder Marktpreis nach § 253 Abs. 4 S. 1 HGB besteht eine Ansatzpflicht. Sollte kein Börsen- oder Marktpreis festgestellt werden können, so ist nach § 253 Abs. 4 S. 2 HGB auf den beizulegenden Wert am Abschlussstichtag abzuschreiben.

Bei der Bewertung der Vorräte ist grundsätzlich das strenge Niederstwertprinzip zu beachten.

223

5.3.1 Vorräte

Herstellungskosten setzen sich zusammen aus:

Fertigungseinzelkosten

Fertigungslöhne, Maschinenstundensatz, Lizenzkosten (Stücklizenzen)

Ansatzpflicht

Materialeinzelkosten

Material, Schablonen, Einkaufsteile, RHB

Ansatzpflicht

Fertigungsgemeinkosten

Miete f. Fertigungsgebäude, Produktionsleitung, Meisterbereiche

Ansatzpflicht

224

 

5.3.1 Vorräte

Materialgemeinkosten

 

Einkauf, Qualitätssicherung, Lagerbereich

Ansatzpflicht

Abschreibungen im Produktionsbereich

Abschreibungen auf Maschinen, Fertigungsgebäude, EDV-Software für Fertigung

Ansatzpflicht

 

Verwaltungsbereich

Rechnungswesen, Personal, soweit nicht auf Produktion entfallend

Ansatzwahlrecht

 

Entwicklungskosten

Ansatzwahlrecht

 

225

 

5.3.1 Vorräte

Finanzierungskosten des Fertigungszeitraums

Ansatzwahlrecht

Vertriebskosten

 

Vertriebsabteilung

Ansatzverbot

Forschungskosten

Forschungsbereich

Ansatzverbot

226

5.3.1 Vorräte

Bewertung der Vorräte

Vereinfachungsverfahren

Verbrauchsfolgeverfahren nach § 256 HGB FiFo (first-in-first-out) Beim FiFo-Verfahren wird angenommen, dass die zuerst angeschafften oder her- gestellten Vorräte auch als erstes wieder verbraucht oder veräußert werden.

Beispiel in den Ergänzungen

227

5.3.1 Vorräte

Bewertung der Vorräte

Vereinfachungsverfahren

Verbrauchsfolgeverfahren nach § 256 HGB LiFo (last-in-first-out) Beim LiFo-Verfahren wird angenommen, dass die zuletzt angeschafften oder her- gestellten Vorräte als erstes wieder verbraucht oder veräußert werden.

Beispiel in den Ergänzungen

228

5.3.1

Vorräte

Bewertung der Vorräte

 

Vereinfachungsverfahren

§ 240 Abs. 3 HGB Festwertverfahren

Das Festwertverfahren gilt nur für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, hier wird es vor allem für Verbrauchsstoffe wie z. B. Brennstoff oder Kleinmaterial angewendet.

 

229

5.3.1

Vorräte