Sie sind auf Seite 1von 57
Schneller, leichter, mehr – wie Sie sich 2017 Geld vom Finanzamt zurückholen! Liebe Leserin, lieber

Schneller, leichter, mehr – wie Sie sich 2017 Geld vom Finanzamt zurückholen!

mehr – wie Sie sich 2017 Geld vom Finanzamt zurückholen! Liebe Leserin, lieber Leser, die Steuererklärung

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Steuererklärung sollte in diesem Jahr mehr Freude machen als in den vergangenen Jahren. Das liegt an drei Entwicklungen. Erstens werden immer größere Teile der Steuererklärung, deren Bearbeitung im Finanzamt und der Erstellung des Steuerbescheids elektronisch abgewickelt. Fast die Hälfte aller Steuererklärungen wird inzwischen elektronisch erstellt, entweder mit einer Steuersoftware oder direkt mit dem Elster-Programm der Finanzverwaltung.

oder direkt mit dem Elster-Programm der Finanzverwaltung. Weil sich zweitens Daten automatisch einspielen lassen,

Weil sich zweitens Daten automatisch einspielen lassen, erleichtert das auch Ihre Arbeit an der Steuererklä- rung und die Arbeit der Finanzbeamten am Steuerbescheid. Auch die Zahl der Übertragungsfehler verringert sich dadurch hoffentlich. Und schließlich hat die Finanzgerichtsbarkeit einige Urteile gefällt, die Ihre Ausbeute als Steuerzahler erhöhen sollten. Besonders zu nennen sind zwei Bereiche: Mieter und Wohnungseigentümer können noch mehr Kosten für Dienstleistungen rund um Haus und Garten von der Steuer absetzen und sich so bares Geld vom Staat zurückholen. Und das Finanzgericht Niedersachsen hat Leiharbeitern zugestanden, dass der Weg zur Entleiherfirma nicht unter die Pendlerpauschale fällt, sondern vielmehr zu den Reisekosten zählt.

Das hat für eine Million Leiharbeiter erhebliche Auswirkungen. Reisekosten werden nach tatsächlich gefahrenen Kilometern abgerechnet, die Pendlerpauschale setzte nur die einfache Entfernung vom Arbeitgeber für das Ki- lometergeld an. Die Steuerersparnis für den Weg zur Arbeit verdoppelt sich also. Weitere Ersparnisse kommen dazu. 4,4 Millionen Rentner müssen inzwischen eine Steuererklärung abgeben, auch eine Folge der im vergan- genen Jahr deutlich gestiegenen Renten. Sie können mit einer Steuererklärung ihre Steuerlast meist deutlich mindern oder Steuern sogar ganz vermeiden. Zusammengezählt mit den mehr als zehn Millionen Steuerzah- lern, die Jahr für Jahr Steuererklärungen abgeben, gibt es jetzt für 15 Millionen Menschen ordentliche Vorteile. In der Vergangenheit waren das knapp 900 Euro pro Erklärung – insgesamt also viele Milliarden Euro.

Setzen Sie sich gleich morgen an den Schreibtisch. So viel Geld bekommen Sie sonst nicht so einfach aufs Konto. Durch alle Details führt Sie diese für die Abonnenten des Finanztip-Newsletters kostenlose Broschüre. Wenn Ihr Nachbar den Newsletter und den Steuer-Ratgeber noch nicht hat, sagen Sie ihm Bescheid.

Und dann viel Erfolg!

noch nicht hat, sagen Sie ihm Bescheid. Und dann viel Erfolg! Hermann-Josef Tenhagen Chefredakteur Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen Chefredakteur Finanztip

Inhalt
Inhalt

VORÜBERLEGUNGEN

4

1. ARBEIT

8

1.1. Einkommen

8

1.2. Werbungskosten

11

1.3. Doppelte Haushaltsführung

15

2. AUSBILDUNG UND STUDIUM

17

3. (ALTERS-)VORSORGE 

19

3.1. Basisversorgung

19

3.2. Sonstige Vorsorgeaufwendungen

20

3.3. Riester-Sparer

21

4. KINDER 

22

4.1. Kindergeld und Freibeträge

22

4.2. Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

28

4.3. Kinderbetreuungskosten

29

4.4. Sonderbedarf bei Kindern in Berufsausbildung (Ausbildungsfreibetrag)

31

4.5. Schulgeld

31

4.6. Kinderzulage bei der Riester-Förderung

31

5. KRANKHEIT UND PFLEGE 

32

5.1. Krankheitskosten

32

5.2.

Pflegekosten

34

6. WOHLTÄTIGKEIT

36

6.1. Spenden und Mitgliedsbeiträge

36

6.2. Unterstützung Bedürftiger

38

6.3. Kirchensteuer

40

7. WOHNUNG, HAUS & GARTEN

41

7.1. Haushaltsnahe Dienstleistungen

41

7.2. Handwerkerleistungen

47

7.3. Wiederbeschaffungskosten

51

8. TRENNUNG UND SCHEIDUNG 

53

8.1. Unterhaltsleistungen an den oder die Ex

53

8.2. Scheidungskosten

55

9. KAPITALEINKÜNFTE

56

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

VorüberleGunGen

VORÜBERLEGUNGEN

Zunächst sollten Sie klären, ob Sie eine Steuer- erklärung für das Jahr 2016 abgeben müssen. Das ist immer der Fall, wenn Sie einen Freibe- trag oder die Steuerklasse III, IV mit Faktor oder V haben. Aber auch wenn Sie im vergangenen Jahr beispielsweise Krankengeld, Erziehungs- geld oder Arbeitslosengeld erhalten haben, sind Sie zur Abgabe verpflichtet. Diese sogenannten Progressionseinkünfte müssen Sie in einer Steu- ererklärung angeben. Weitere Fälle haben wir im Ratgeber Steuererklärung aufgelistet.

Für die meisten Arbeitnehmer lohnt es sich, eine Steuererklärung für 2016 zu machen. Das müssen Sie grundsätzlich bis zum 31. Mai 2017 erledigen, wenn Sie dazu verpflichtet sind. Be- antragen Sie rechtzeitig eine Fristverlängerung beim Finanzamt, wenn Sie merken, dass Sie es nicht bis Ende Mai schaffen. Wer zu spät ab- gibt, riskiert einen Verspätungszuschlag.

Selber machen oder sich helfen lassen? Eine weitere Vorüberlegung ist, ob Sie selbst die Steuerklärung erledigen. Falls nicht, können Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine Sie unterstützen – das kostet allerdings Geld. Wenn

Ihr Steuerfall nicht so kompliziert ist, dann ver- suchen Sie es doch einfach selbst, am besten mit professioneller Steuersoftware oder zumin- dest mithilfe dieses Leitfadens.

Wenn Sie nicht selbstständig tätig sind, dann dür- fen Sie Papierformulare abgeben. Sie können die benötigten Formulare unter https://www.formu- lare-bfinv.de herunterladen. Die Steuererklärung lässt sich aber auch elektronisch übermitteln. Dafür können Sie entweder kommerzielle Steuer- software oder die kostenlose Elster-Software der Finanzverwaltung (Elsterformular) benutzen.

TIPP Die elektronische vorausgefüllte Steuererklärung Vorausgefüllte Steuererklärung bedeutet: Die beim Finanzamt

TIPP

Die elektronische vorausgefüllte Steuererklärung Vorausgefüllte Steuererklärung bedeutet:

Die beim Finanzamt gespeicherten Daten werden an den richtigen Stellen im elek- tronischen Formular eingelesen. Dafür können Sie sich auf www.elsteronline.de für die vorausgefüllte Steuererklärung registrieren lassen. Per Post bekommen Sie einen Code, mit dem Sie sich an-

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

VorüberleGunGen

melden. Die Daten, zum Beispiel von Ihrer

Lohnsteuerbescheinigung, werden dann

elektronisch abgerufen. Die Registrierung

für den sogenannten Belegabruf ist zwar

etwas mühselig, lohnt sich aber langfristig,

weil Sie sich Tipparbeit ersparen. Kontrol-

lieren Sie die von Arbeitgebern und Sozi-

alversicherungsträgern gelieferten Daten

aber unbedingt auf Richtigkeit. Mehr dazu

lesen Sie unter www.finanztip.de/elster/

und www.finanztip.de/belegabruf/.

Einzel- oder Zusammenveranlagung?

Bei Ehe- oder eingetragenen Lebenspartnern

stellt sich die Frage, ob sie eine gemeinsame

oder zwei einzelne Erklärungen abgeben. Eine

getrennte Einzelveranlagung kann unter Um-

ständen dann günstiger sein, wenn ein Partner

sehr hohe Progressionseinkünfte (Krankengeld/

Arbeitslosengeld) bezogen und daneben nur

geringfügige Einkünfte hatte. Diese Progres-

sionseinkünfte werden ansonsten auf das ge-

meinsame Einkommen aufgeschlagen und der

endgültige Steuersatz wird aus dem Gesamt-

einkommen berechnet.

Verdienen beide Partner recht unterschied-

lich, dann ist in aller Regel die Zusammen-

veranlagung

Steuern.

günstiger

und

spart

Den Splittingtarif können neben Ehepartnern

auch gleichgeschlechtliche eingetragene Le-

benspartner nutzen.

Haben Sie die Erklärung als Zusammenveranla-

gung abgegeben, können Sie aber innerhalb ei-

nes Monats nach Eingang des Bescheids noch

eine getrennte Einzelveranlagung beantragen –

oder umgekehrt.

Welche Formulare ausfüllen?

Hier eine kurze Auflistung der wichtigsten Einkommensteuer-Formulare:

Mantelbogen - „ESt 1 A“ heißt das Formular,

das alle ausfüllen müssen. Dort tragen Sie un-

ter anderem neben den allgemeinen Angaben

auch Sonderausgaben, außergewöhnliche Be-

lastungen, haushaltsnahe Dienstleistungen,

Handwerkerleistungen, Spenden an gemein-

nützige Organisationen oder Parteien, einen

verbleibenden Verlustabzug und Einkommens-

ersatzleistungen wie das Erziehungsgeld ein.

Für das Arbeitslosen- und Krankengeld gibt es

ein Extra-Feld.

Vereinfachte Steuererklärung - Bei einfachen

Arbeitnehmerfällen ohne größere Abzugsposi-

tionen reicht es manchmal, das nur zweiseiti-

ge Formblatt ESt 1 V abzugeben. Beispiel: Der

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

VorüberleGunGen

Steuerpflichtige hatte 2016 nur Arbeitslosen- geld als Einnahmen und als Ausgaben im We- sentlichen nur Fahrt- und Bewerbungskosten.

Anlage N - Jeder Arbeitnehmer muss ein eige- nes Formular ausfüllen.

Anlage Vorsorgeaufwand - In diesem Vordruck geben Sie Versicherungsbeiträge, insbeson- dere die gezahlten Sozialversicherungsbeiträ- ge (Sonderausgaben) an. Werden Schäden an Menschen abgesichert, sind diese steuerlich begünstigt, Schäden am Vermögen dagegen

nicht. Eine Hausratversicherung ist also nicht

steuerlich

Risikolebensversi-

cherung oder eine Unfallversicherung jedoch schon.

absetzbar,

die

Anlage Kind - Für jedes Kind, für das Sie Kinder- geld erhalten, ist diese Anlage Pflicht.

Anlage R - Jeder, der eine Rentenleistung er- hält und über dem Grundfreibetrag liegt (2016:

8.652 Euro pro Person, nach Abzug eventueller Freibeträge und Versicherungsbeiträge), muss darin Angaben machen.

Anlage KAP - Dank der Abgeltungssteuer kön- nen viele Sparer darauf verzichten. Liegt aber Ihr Durchschnittssteuersatz unter 25 Prozent,

so sollten Sie sich mit diesem Formular eine Steuererstattung sichern. Darin tragen Sie Er- träge aus Beteiligungen und sonstige Kapital- einkünfte ein.

Anlage AV - Riester-Sparer sichern sich damit ihre Zulagen oder alternativ einen Sonderaus- gabenabzug bis höchstens 2.100 Euro.

Welche Formulare gibt es noch? Neben den klassischen Formularen für Arbeit- nehmer müssen Sie bei entsprechenden Ein- nahmen und Ausgaben noch folgende Form- blätter einreichen:

Anlage S - Wer Einkünfte aus selbstständiger Arbeit bezieht, muss seinen Gewinn dort ein- tragen. Freiberufler müssen meistens zusätzlich noch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung in Form der Anlage EÜR abgeben. Für Landwir- te gibt es die Anlage L und 13a bei der Besteu- erung nach Durchschnittssätzen. Steuerpflichti- ge mit gewerblichen Einkünften haben diese in der Anlage G einzutragen. Das gilt beispielswei- se bei Einnahmen aus einer Photovoltaikanlage.

Anlage V - Vermieter tragen darin ihre Einnah- men und Werbungskosten ein.

Anlage SO - Unter „Sonstige Einkünfte“ fal-

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

VorüberleGunGen

len beispielsweise Unterhaltsleistungen, Aus- gleichsleistungen zur Vermeidung eines Ver-

sorgungsausgleichs,

Veräußerungsgeschäften wie einem Immobili- enverkauf (binnen zehn Jahre nach Erwerb) und Abgeordnetenbezüge.

privaten

Gewinne

aus

Anlage U - Wer Unterhalt an den dauernd ge- trennt lebenden oder geschiedenen Ehegatten zahlt und diesen als Sonderausgabe absetzen will, benötigt dieses Formular. Wer andere be- dürftige Menschen unterstützt – auch im Aus- land – , kann seine Angaben in der Anlage Unter- halt machen. Für jeden unterstützten Haushalt müssen Sie einen separaten Vordruck ausfüllen.

Anlage AUS - Ausländische Einkünfte und an- zurechnende ausländische Steuern tragen Sie in diesem Formblatt ein. Für Arbeitnehmer, die im Ausland Geld verdient haben, gibt es die An- lage N-AUS.

TIPP 6 Prozent Zinsen kassieren Wer freiwillig eine Steuererklärung ab- gibt, hat dafür vier Jahre

TIPP

6 Prozent Zinsen kassieren Wer freiwillig eine Steuererklärung ab- gibt, hat dafür vier Jahre Zeit. Für das Jahr 2016 bedeutet das: Bis zum 31. Dezember 2020 muss die Steuererklä-

rung beim Finanzamt eingegangen sein. Falls Sie ganz sicher sind, dass Sie mit einer Steuererstattung rechnen können und das Geld nicht dringend benötigen, dann können Sie sich viel Zeit lassen – und sich Ihre Steuererstattung mit jähr- lich 6 Prozent vom Finanzamt verzinsen lassen. Ab dem 16. Monat beginnt der Zinslauf – für das Jahr 2016 also ab April 2018. Für jeden Monat erhalten Sie 0,5 Prozent Zinsen. Der Wermutstropfen ist jedoch: Zinsen aus Steuererstattungen sind Kapitaleinkünfte, die mit 25 Prozent Abgeltungssteuer (plus Solidaritätszu- schlag plus eventuell Kirchensteuer) zu versteuern sind. Gegen diese Gesetzesnorm ist jedoch eine Verfassungsbeschwerde beim Bun- desverfassungsgericht anhängig (Az. 2 BvR 482/14). Werden Ihre Erstattungs- zinsen besteuert, legen Sie am besten unter Verweis auf das Verfahren Ein- spruch ein. Bei einem positiven Ausgang ändert das Finanzamt den betreffenden Bescheid automatisch.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

1. Arbeit - 1.1. EINKOMMEN

1. ARBEIT

Jeder Arbeitnehmer muss die Anlage N ausfül-

len. Bei einem Arbeitnehmer-Ehepaar gilt das

für beide, sodass zwei Anlagen abzugeben

sind. Die Angaben zum Arbeitslohn, den Steu-

erabzügen und gezahlten Sozialversicherungs-

beiträgen können Sie Ihrer Jahres-Lohnsteuer-

bescheinigung entnehmen.

Liegen Ihre Werbungskosten über dem Arbeit-

nehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro, dann

sparen Sie mit jedem Euro, den Sie als Wer-

bungskosten auf den Seiten 2 bis 4 eintragen

können, bares Geld. Grundsätzlich gilt: Die

Ausgaben müssen durch den Beruf veranlasst

sein.

Auf Seite 1 tragen Sie Ihre Einkünfte ein, ab

Seite 2 Ihre Werbungskosten. Haben Sie aus

beruflichen Gründen eine Zweitwohnung, von

der Sie zur Arbeit fahren, dann beantragen Sie

den Steuerabzug Ihrer Mehraufwendungen bei

doppelter Haushaltsführung auf Seite 3. Die

vierte Seite ist für Werbungskosten in Sonder-

fällen wie Abfindungen und steuerbegünstigte

Versorgungsbezüge vorgesehen.

1.1. Einkommen

Das Formular beginnt auf Seite 1 mit den per-

sönlichen Daten: Name, Vorname, Steuernum-

mer und eTIN. Das Kürzel steht für electronic

Taxpayer Identification Number. Sie finden die-

se auf Ihrer Lohnsteuerbescheinigung. Haben

Sie eine zweite Tätigkeit ausgeübt, können Sie

eine weitere eTIN aus der anderen Lohnsteuer-

bescheinigung rechts daneben eintragen.

Zahlen aus der Lohnsteuerbescheinigung

übernehmen

Ab Zeile 5 übertragen Sie die Zahlen von Ihrer

Lohnsteuerbescheinigung in folgende Felder:

Bruttoarbeitslohn,

Lohnsteuer,

Solidaritätszuschlag,

Kirchensteuer (Verheiratete, bei denen die

Partner unterschiedlichen Konfessionen

angehören, tragen die Kirchensteuer, die

vom Lohn des Ehegatten einbehalten wur-

de, in Zeile 10 ein).

Diese Zahlen tragen Sie in der Anlage N auf Seite 1 in die Zeilen 5 bis 10 ein.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

1. Arbeit - 1.1. EINKOMMEN

Wenn Sie parallel bei zwei Arbeitgebern be-

schäftigt waren, tragen Sie die entsprechenden

Angaben aus der zweiten Lohnsteuerbeschei-

nigung (Steuerklasse VI) in der rechten Spalte

ein. Sollten Sie keine weiteren Einnahmen au-

ßer Ihrem Gehalt haben, sind Sie mit der ersten

Seite der Anlage N fertig.

Pensionäre und Betriebsrentner

Betriebsrentner, die von ihrem früheren Un-

ternehmen eine Pension, Witwen- oder Wai-

sengeld erhalten, müssen diese Einnahmen

ebenfalls in der Anlage N eintragen. Von den

Versorgungsbezügen steuerreduzierend ab-

ziehbar sind der Versorgungsfreibetrag und der

Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag.

Diese Daten geben Sie in der Anlage N auf Seite 1 in die Zeilen 11 bis 16 ein.

ACHTUNG Versorgungsfreibetrag sinkt Die Versorgungsfreibeträge sinken seit 2006 schrittweise je nach Jahr des Ren-

ACHTUNG

Versorgungsfreibetrag sinkt

Die Versorgungsfreibeträge sinken seit

2006 schrittweise je nach Jahr des Ren-

teneintritts. Wer 2016 in Rente ging,

erhält einen Versorgungsfreibetrag von

22,4 Prozent und einen Zuschlag zum

Versorgungsfreibetrag von 504 Euro, so-

dass maximal 2.184 Euro steuerfrei blei-

ben können. Bis zum Jahr 2020 werden

diese Beträge regelmäßig abgeschmol-

zen. Ab 2040 gibt es keine Freibeträge

mehr, die Bezüge aus früheren Dienst-

verhältnissen (zum Beispiel Betriebsren-

ten) müssen voll versteuert werden.

Einmalzahlungen für mehrere Jahre

Häufigster Fall ist die Abfindung. Sie müssen

diese Einmalzahlung zwar als Arbeitslohn ver-

steuern, können diese aber ermäßigt besteuern

lassen (sogenannte Fünftel-Regelung). Wenn

Ihr Arbeitgeber die vollen Steuern abgezogen

hat, tragen Sie Ihre Daten ein und legen Sie

die Vertragsunterlagen bei, um die Ermäßigung

geltend zu machen.

Diese Daten geben Sie in der Anlage N auf Seite 1 ab Zeile 17 ein.

Arbeitslohn ohne Steuerabzug

Steuerpflichtiges Gehalt, von dem aber bislang

keine Steuern abgezogen wurden, tragen Sie in

Zeile 20 ein. Das kann eine Verdienstausfallent-

schädigung sein. Auch Beiträge von öffentlichen

Kassen zur gesetzlichen Rentenversicherung,

zu Arbeitnehmeranteilen der Krankenversiche-

rungsbeiträge und steuerpflichtige Teile der

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

1. Arbeit - 1.1. EINKOMMEN

Ausgleichs-Leistungen gehören in diese Zeile,

soweit diese nicht in der Lohnsteuerbescheini-

gung enthalten sind.

Diesen Arbeitslohn geben Sie in der Anla- ge N auf Seite 1 in Zeile 20 an.

Arbeit im Ausland

Dieser Teil des Formulars betrifft Sie nur, wenn

Sie im Ausland gearbeitet haben. Als Grenz-

gänger mit ausländischen Einkünften sind Sie

verpflichtet, für jeden ausländischen Staat eine

gesonderte Anlage N-AUS abzugeben. An die-

ser Stelle in der Anlage N müssen Sie einige

Angaben aus der Anlage N-AUS übertragen.

Bei einer elektronischen Steuererklärung wer-

den die Angaben aus der Anlage N-AUS auto-

matisch übernommen.

Steuerfreier Arbeitslohn bei einer Aus- landstätigkeit ist in der Anlage N auf Seite 1 in die Zeilen 21 bis 25 einzutragen.

Ehrenamt und Nebentätigkeit

Wenn Sie nebenberuflich beispielsweise als

Übungsleiter, Ausbilder oder Erzieher tätig sind,

tragen Sie diese Einnahmen in Zeile 26 ein. Bis

zu 2.400 Euro im Jahr sind steuerfrei. Auch Auf-

wandsentschädigungen aus öffentlichen Kas-

sen oder für weitere nebenberufliche Tätigkei-

ten im künstlerischen, gesundheitlichen oder

gemeinnützigen Bereich geben Sie dort an. Bei

einer ehrenamtlichen Tätigkeit im ideellen Be-

reich einer öffentlich-rechtlichen oder gemein-

nützigen Körperschaft können Sie jährlich 720

Euro steuerfrei erhalten (Ehrenamtspauschale).

Zusätzlich zum Übungsleiter-Freibetrag können

Sie jedoch nicht für dieselbe Tätigkeit von der

steuerfreien Ehrenamtspauschale profitieren.

Sollten Ihre Einnahmen aus dem Ehrenamt oder

der Nebentätigkeit höher liegen, können Sie

Ihre im Zusammenhang mit der freiwilligen Tä-

tigkeit angefallenen Ausgaben gegenrechnen,

um die Steuerfreiheit zu erhalten.

Steuerfreie Aufwandsentschädigungen und Einnahmen tragen Sie in der Anlage N auf Seite 1 in die Zeile 26 ein.

Lohnersatzleistungen

Kurzarbeitergeld, Aufstockungsbeträge nach

dem Altersteilzeitgesetz, einen Zuschuss zum

Mutterschaftsgeld oder eine Verdienstausfall-

entschädigung nach dem Infektionsschutzge-

setz tragen Sie in Zeile 27 ein. Außerdem gehö-

ren in diesen Abschnitt: Insolvenzgeld (Zeile 28)

und andere Lohnersatzleistungen wie Arbeits-

losengeld, Elterngeld.

Steuertipps 2016 1. Arbeit - 1.2. WERBUNGSKOSTEN
Steuertipps 2016
1. Arbeit - 1.2. WERBUNGSKOSTEN

Lohnersatzleistungen geben Sie in der Anla- ge N auf Seite 1 in den Zeilen 27 und 28 ein.

ACHTUNG Höherer Steuersatz Lohnersatzleistungen sind zwar steuer- freie Einnahmen, sie erhöhen aber den Steuersatz für

ACHTUNG

Höherer Steuersatz Lohnersatzleistungen sind zwar steuer- freie Einnahmen, sie erhöhen aber den Steuersatz für die übrigen Einkünfte auf- grund des sogenannten Progressions- vorbehalts. Daher kann es sein, dass Sie wegen der Lohnersatzleistungen, die Sie übers Jahr erhalten haben, Steuern nachzahlen müssen.

1.2. Werbungskosten

Werbungskosten reduzieren Ihr zu versteu- erndes Einkommen. Sollten Sie den Arbeit- nehmerpauschbetrag von 1.000 Euro unter- schreiten, dann lohnt sich das Ausfüllen der Seite 2 von Anlage N nicht. Doch geben Sie nicht allzu vorschnell auf. Es gibt mehr Ab- zugspositionen, als Sie vielleicht vermuten.

Sie müssen sich beim Eintragen nicht auf den Platz im Formular beschränken. Geben Sie zusätzliche Ausgaben unter den „Weite- ren Werbungskosten“ an und vermerken Sie

„siehe Anlage“ für weitere Posten, die Sie auf einem separaten Blatt auflisten.

TIPP belege sammeln Sammeln Sie Quittungen auf Verdacht und gehen Sie die Anlage N durch:

TIPP

belege sammeln Sammeln Sie Quittungen auf Verdacht und gehen Sie die Anlage N durch: Ha- ben Sie Bewerbungen geschrieben, ei- nen Sprachkurs an der Volkshochschule besucht oder sind Sie zu Vorstellungsge- sprächen gefahren? Haben Sie sich ei- nen neuen Computer, einen Schreibtisch oder Fachzeitschriften gekauft? Das sind Werbungskosten, mit denen Sie Ihr zu versteuerndes Einkommen drücken und so Ihre Steuerschuld senken können.

Fahrtkosten Unabhängig davon, wie Sie zur Arbeit kommen, steht Ihnen eine Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer zu. Das Finanzamt erkennt pro Arbeitstag jeden Kilometer der einfachen Wegstrecke an, egal, welches Verkehrsmittel Sie nutzen.

Arbeitnehmer, die an 230 Tagen im Jahr 15 Ki- lometer als einfache Wegstrecke zur Arbeit fah-

Steuertipps 2016 1. Arbeit - 1.2. WERBUNGSKOSTEN
Steuertipps 2016
1. Arbeit - 1.2. WERBUNGSKOSTEN

ren, kommen allein mit ihren Fahrtkosten schon

auf 1.035 Euro (= 15 x 230 x 0,30 Euro) und

übersteigen somit bereits den Arbeitnehmer-

pauschbetrag.

So ermitteln Sie Ihre Fahrtkosten: Ihre Arbeits-

tage müssen Sie genau berechnen. Dazu ziehen

Sie Ihre Urlaubs- und Krankheitstage von den

jährlichen Arbeitstagen in Ihrem Bundesland

ab. Einen Arbeitstagsrechner finden Sie hier.

Wenn Sie fünf Tage in der Woche arbeiten und

nicht länger krank waren, dann sind 220 bis 230

Arbeitstage für einen Finanzbeamten plausibel.

Fahren Sie mit dem Auto zur Arbeit, akzeptiert

das Finanzamt bei der Entfernungspauschale

höchstens 4.500 Euro im Jahr. Nutzen Sie hin-

gegen öffentliche Verkehrsmittel, können Sie

höhere Fahrtkosten nachweisen und absetzen.

Für Ihre Fahrtkosten sind in der Anlage N auf Seite 2 die Zeilen 31 bis 39 reserviert.

TIPP Mehrere Arbeitsorte Seit 2014 gilt das neue Reisekosten- recht . Haben Sie mehrere Tätigkeitsstät-

TIPP

Mehrere Arbeitsorte

Seit 2014 gilt das neue Reisekosten-

recht. Haben Sie mehrere Tätigkeitsstät-

ten, muss Ihr Arbeitgeber eine davon als

Ihre „erste Tätigkeitsstätte“ definieren. Für

diese können Sie weiterhin nur die Entfer-

nungspauschale geltend machen, Fahrten

zu weiteren Tätigkeitsstätten können Sie

dagegen als Dienstreisen abrechnen. Das

hat den Vorteil, dass für solche Fahrten

nicht die einfache Entfernung zählt, son-

dern sowohl der Hin- als auch der Rück-

weg. Hat der Arbeitgeber Ihnen einen Teil

oder die gesamten Fahrtkosten zwischen

Wohnung und Arbeitsstätte erstattet,

müssen Sie diese Erstattungen von Ihren

Werbungskosten wieder abziehen.

Ebenfalls jeden gefahrenen Kilometer

absetzen dürfen auch Leiharbeitneh-

mer. So hat es das Niedersächsische Fi-

nanzgericht entschieden (Urteil vom 30.

November 2016, Az. 9 K 130/16; Revisi-

on beim Bundesfinanzhof unter Az. VI R

6/17). Leiharbeitnehmer haben demnach

in aller Regel keine erste Tätigkeitsstätte

und können daher ihre Fahrtkosten nach

Reisekostengrundsätzen abrechnen – in-

klusive Verpflegungsmehraufwendungen

in den ersten drei Monaten. Geben Sie

dementsprechende Kosten in der Steuer-

erklärung an. Gegen einen ablehnenden

Steuerbescheid sollten Sie innerhalb ei-

nes Monats Einspruch einlegen und Ru-

hen des Verfahrens beantragen.

Steuertipps 2016 1. Arbeit - 1.2. WERBUNGSKOSTEN
Steuertipps 2016
1. Arbeit - 1.2. WERBUNGSKOSTEN

Mitgliedsbeiträge für Berufsverbände

Wenn Sie Mitglied einer Berufsvereinigung wie

der Handwerkskammer, der Ärztekammer oder

einer Gewerkschaft sind, können Sie Ihren Mit-

gliedsbeitrag eintragen. Aufwendungen, die

Ihnen wegen einer Tätigkeit für den Berufsver-

band entstehen, sind ebenfalls als Werbungs-

kosten absetzbar.

Ihre Mitgliedsbeiträge geben Sie in der Anlage N auf Seite 2 in Zeile 40 an.

Berufskleidung, Computer und Fachbücher

Alles, was Sie überwiegend für Ihre berufli-

che Tätigkeit nutzen, gilt als Arbeitsmittel und

lässt sich steuerlich absetzen. Dazu gehören

zum Beispiel Berufsbekleidung, Computer,

Software, ein Bücherregal und Fachlitera-

tur, deren Kosten Ihnen Ihr Arbeitgeber nicht

ersetzt hat. Oft erkennt das Finanzamt eine

Pauschale für Arbeitsmittel in Höhe von bis

zu 110 Euro im Jahr an.

Laptop, Handy, Telefon- und Reisekosten ge-

hören zu den Aufwendungen, die Sie auch

bei nur teilweiser beruflicher Veranlassung

entsprechend dem beruflichen Anteil abset-

zen können. Aber Achtung: Sind die Aufwen-

dungen für ein einzelnes Objekt höher als

410 Euro netto, können Sie die Ausgaben nur

über mehrere Jahre verteilt geltend machen.

Als Faustregel beim Computer gilt: Eine be-

rufliche Nutzung bis zu 50 Prozent (und somit

anteilige Werbungskosten) akzeptieren die Fi-

nanzämter in der Regel anstandslos. Eine be-

rufliche Nutzung von mehr 50 Prozent müs-

sen Sie plausibel darlegen.

Ihre Ausgaben für Arbeitsmittel tragen Sie in der Anlage N auf Seite 2 in den Zeilen 41 und 42 ein.

ACHTUNG Belege aufheben Sofern es sich nicht um Pauschbeträge wie bei der Entfernungspauschale han- delt,

ACHTUNG

Belege aufheben

Sofern es sich nicht um Pauschbeträge

wie bei der Entfernungspauschale han-

delt, müssen Sie Ihre Ausgaben nach-

weisen können, notfalls per Eigenbeleg.

Die Finanzämter versuchen jedoch, sich

vor der Flut mitgeschickter Quittungen

zu schützen. Daher hat der Fiskus in ei-

nem Merkblatt zusammengefasst, was

Sie sofort nachweisen müssen und was

eventuell erst auf Nachfrage – beispiels-

weise die Belege für Arbeitsmittel.

Steuertipps 2016 1. Arbeit - 1.2. WERBUNGSKOSTEN
Steuertipps 2016
1. Arbeit - 1.2. WERBUNGSKOSTEN

Arbeitszimmer

Wenn Ihnen für Ihre berufliche oder betrieb-

liche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur

Verfügung steht, können Sie die Kosten Ihres

häuslichen Arbeitszimmers mit bis zu 1.250

Euro im Jahr geltend machen. Vorausge-

setzt, Sie nutzen den Raum mindestens zu

90 Prozent beruflich. Falls Sie ausschließlich

zu Hause arbeiten und das häusliche Ar-

beitszimmer den Mittelpunkt der gesamten

beruflichen Tätigkeit bildet, sind Ihre Kosten

unbeschränkt abzugsfähig.

Kosten Ihres häuslichen Arbeitszimmers geben

Sie in der Anlage N auf Seite 2 in Zeile 43 an.

TIPP Geteiltes Zimmer doppelt absetzen Von einem neuen Urteil des Bundesfi- nanzhofs profitieren können Ehepartner,

TIPP

Geteiltes Zimmer doppelt absetzen

Von einem neuen Urteil des Bundesfi-

nanzhofs profitieren können Ehepartner,

die beide ein Arbeitszimmer benötigen

und sich eines teilen. Nach aktueller

Rechtsprechung kann nun jeder den

Höchstbetrag von 1.250 Euro für sich

beanspruchen, sodass insgesamt bis zu

2.500 Euro Werbungskosten abzugsfä-

hig sein können (Urteil vom 15. Dezem-

ber 2016, Az. VI R 53/12).

Fortbildung

Haben Sie einen Lehrgang, einen Computer-

kurs oder ein Seminar mit beruflichem Hin-

tergrund besucht und selbst finanziert, dann

tragen Sie die Kosten als Fortbildungskosten

ein. Auch Fahrtkosten zum Kurs oder Aufwen-

dungen für Material und die Prüfungsgebühr

können Sie uneingeschränkt geltend machen.

Handelt es sich allerdings um Kosten für eine

erstmalige Berufsausbildung, müssen Sie diese

im Mantelbogen eintragen.

Fortbildungskosten tragen Sie in der An- lage N auf Seite 2 in Zeile 44 ein.

Weitere Werbungskosten

Die Bandbreite weiterer abzugsfähiger Positionen

ist groß. Sie können beispielsweise angeben:

Bewerbungskosten wie Porto, Ausgaben

für Zeugniskopien oder Bewerbungsbilder,

Kontoführungsgebühren (Finanzämter ak-

zeptieren ohne Nachweis 16 Euro),

beruflich motivierte Umzugskosten,

unter Umständen sogar Aufwendungen für

eine gemeinsame Feier mit Berufskollegen,

Reinigungskosten für Dienstbekleidung,

50 Prozent der gezahlten privaten Unfall-

versicherungsbeiträge,

anteilige Rechtschutzversicherung sowie

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

1. Arbeit - 1.3. DOPPELTE HAUSHALTSFÜHRUNG

anteilige Steuerberatungskosten (auch die

Steuersoftware).

Weitere Werbungskosten tragen Sie in der An- lage N auf Seite 2 in die Zeilen 45 bis 48 ein.

TIPP Umzugskosten Sie müssen nicht unbedingt umgezogen sein, weil Sie eine neue Stelle in einer

TIPP

Umzugskosten

Sie müssen nicht unbedingt umgezogen

sein, weil Sie eine neue Stelle in einer an-

deren Stadt angetreten haben oder Ihr

Arbeitgeber den Standort gewechselt

hat, um die Umzugskosten absetzen zu

können. Es reicht, wenn sich Ihr einfa-

cher Arbeitsweg durch den Wohnungs-

wechsel um mindestens eine halbe Stun-

de verkürzt. Außerdem müssen Sie auch

nicht völlig leer ausgehen, wenn Sie aus

privaten Gründen umgezogen sind. In

diesem Fall bezuschusst der Fiskus die

Umzugsdienstleistungen (zum Beispiel

des Speditions- oder Umzugsunterneh-

mens) als haushaltsnahe Dienstleistung.

Reisekosten

Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen Ausgaben für

Dienstreisen nicht steuerfrei ersetzt hat, können

Sie diese Reisekosten in der Anlage N eintra-

gen. Für die Verpflegung werden Pauschalen je

nach Dauer der Abwesenheit ohne zusätzlichen

Nachweis anerkannt (12 Euro bei Abwesenheit

von mehr als 8 Stunden und 24 Euro für min-

destens 24 Stunden Abwesenheit). Die tatsäch-

lichen Aufwendungen für Übernachtungen und

Fahrtkosten müssen Sie dagegen nachweisen.

Sie können aber auch je nach Fahrzeug eine

feste Kilometerpauschale geltend machen.

Dazu müssen Sie die Gesamtfahrkosten und

Gesamtfahrkilometer ermitteln.

Ihre Reisekosten tragen Sie in der Anlage N auf Seite 2 in die Zeilen 49 bis 57 ein.

1.3. Doppelte Haushaltsführung

Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten

Haushalt am Arbeitsort führt, kann seine Aus-

gaben dafür von der Steuer absetzen, sofern

der Arbeitgeber sie nicht steuerfrei erstattet hat.

Voraussetzung für eine doppelte Haushaltsfüh-

rung ist, dass Sie auch einen eigenen Haus-

stand am privaten Wohnort haben. Außerdem

müssen Sie sich an Ihrem Erstwohnsitz mit min-

destens 10 Prozent an den Kosten für beispiels-

weise Miete und Lebensmittel beteiligen, damit

dieser als Lebensmittelpunkt anerkannt wird.

Steuertipps 2015
Steuertipps 2015

2. AuSbilDunG - 1.3. DOPPELTE HAUSHALTSFÜHRUNG

Allgemeine Angaben zu Ihrer doppelten

Haushaltsführung machen Sie in der Anlage

N auf Seite 3 in den Zeilen 61 bis 69 geltend.

Fahrtkosten

Sie können sowohl für die erste Fahrt zum Be-

schäftigungsort als auch für die Fahrt zurück zu

Ihrem eigentlichen Wohnort (letzte Fahrt) ent-

weder die Entfernungspauschale oder die tat-

sächlichen Kosten geltend machen. Ausgaben

für öffentliche Verkehrsmittel sowie Flug- und

Fährkosten müssen Sie separat nachweisen.

Als Familienheimfahrt wird eine wöchentliche

Fahrt anerkannt. Für diese Fahrten können Sie

die Entfernungspauschale von 30 Cent für je-

den vollen Kilometer der Entfernung zwischen

dem Ort Ihres eigenen Hausstands und dem

Ort Ihrer ersten Tätigkeitsstätte ansetzen.

Ihre Fahrtkosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung geben Sie in der Anlage

N auf Seite 3 in die Zeilen 70 bis 78 ein.

Unterkunft

Kosten der Unterkunft am Beschäftigungsort

sind in angemessener Höhe als Werbungskos-

ten absetzbar, seit 2014 jedoch höchstens bis

1.000 Euro im Monat. Insgesamt sind demnach

maximal 12.000 Euro für das Jahr 2016 abzugs-

fähig. Auch Ihre Fahrtkosten, Einrichtungskos-

ten, Mehraufwendungen für Verpflegung inner-

halb der ersten drei Monate und Umzugskosten

wirken sich steuermindernd aus.

TIPP Öfter heimgefahren Wenn Sie häufiger pendeln, können Sie statt der doppelten Haushaltsfüh- rung auch

TIPP

Öfter heimgefahren

Wenn Sie häufiger pendeln, können

Sie statt der doppelten Haushaltsfüh-

rung auch Fahrtkosten für mehr als eine

Heimfahrt wöchentlich geltend machen.

Diese geben Sie in Zeile 69 an. In Zei-

le 31 bis 39 tragen Sie die Strecken

ein, die Sie zwischen Arbeitsstätte und

Erstwohnsitz zurücklegen (§ 9 Absatz 5

EStG).

Steuertipps 2016 2. AuSbilDunG unD StuDiuM
Steuertipps 2016
2. AuSbilDunG unD StuDiuM

2. AUSBILDUNG UND STUDIUM

Kosten Ihrer eigenen erstmaligen Berufsausbil-

dung oder Ihres Erststudiums können Sie bis

zu 6.000 Euro im Jahr als Sonderausgaben ab-

setzen. Wenn sich bei Ehepaaren oder einge-

tragenen Lebenspartnerschaften beide Partner

in Berufsausbildung befinden, kann jeder den

Höchstbetrag ansetzen.

Zu den Ausbildungskosten gehören

insbesondere

Lehrgangs-, Studien-, Seminar- und Kurs-

gebühren,

Aufwendungen für Arbeitsmittel wie PC,

Schreibtisch, Fachbücher und anderes

Lernmaterial,

Unterkunfts- und Übernachtungskosten,

Mehraufwendungen für Verpflegung sowie

die Fahrtkosten zwischen Wohnung und

Ausbildungsstätte.

Ausgaben für Erstausbildung oder -studium tragen Sie auf Seite 2 des Mantelbogens in den Zeilen 43 und 44 ein – allerdings nur, wenn Sie sich mit dem Sonderausgabenab- zug begnügen möchten.

Sonderausgaben können sich nur in dem Jahr

auswirken, in dem sie entstanden sind, und

das auch nur, wenn überhaupt steuerpflichti-

ge Einkünfte vorhanden sind – also Einnahmen

oberhalb des Grundfreibetrags von 8.652 Euro

im Jahr 2016. Nur mit diesen Einkünften kön-

nen die Ausbildungskosten verrechnet werden.

Da viele Studierende und Auszubildende nicht

über so hohe Einkünfte verfügen, entfällt die-

ser Steuervorteil für sie. Wenn die Ausbildungs-

kosten dagegen Werbungskosten darstellen,

kann der Aufwand als Verlust in die Folgejahre

vorgetragen werden – ein sogenannter Verlust-

vortrag. Er mindert die Steuerlast in den ersten

Berufsjahren nach dem Studium.

Ihre Aufwendungen können als Werbungskos-

ten berücksichtigt werden, wenn sie für eine

weitere Berufsausbildung, für ein weiteres Stu-

dium (auch Promotion oder Habilitation), für ein

Erststudium nach einer bereits abgeschlosse-

nen nichtakademischen Berufsausbildung oder

im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnis-

ses entstanden sind. Anders als bei den Son-

derausgaben gilt für den Werbungskostenab-

zug keine Begrenzung nach oben.

Steuertipps 2016 2. AuSbilDunG unD StuDiuM
Steuertipps 2016
2. AuSbilDunG unD StuDiuM

In diesem Fall füllen Sie nicht Seite 2 des Mantelbogens zu den Sonderausgaben, sondern die Anlage N aus.

Neue Mindestanforderung seit 2015 Seit 2015 ist die Mindestdauer einer Erstaus- bildung gesetzlich geregelt. Sie muss mindes- tens zwölf Monate (bei Vollzeit) dauern und mit einem Abschluss beendet werden. Nur nach dieser Erstausbildung können Sie Ausgaben für eine Zweitausbildung als Werbungskosten gel- tend machen.

TIPP Einspruch einlegen Planen Sie, sich selbstständig zu machen, dann sollten Sie sämtliche Kosten eines

TIPP

Einspruch einlegen Planen Sie, sich selbstständig zu machen, dann sollten Sie sämtliche Kosten eines Erststudiums oder einer Erstausbildung in der Anlage N als Betriebsausgaben an- geben und sich nicht auf die 6.000 Euro beschränken. Sie können als Student die gesamten Kosten auch als vorweggenom- mene Werbungskosten ansetzen. Das Fi- nanzamt wird die Berücksichtigung der Kosten oberhalb dieser Grenze ablehnen. Gegen Ihren Steuerbescheid sollten Sie dann innerhalb eines Monats Einspruch einlegen und ein Ruhen des Verfahrens beantragen. Verweisen Sie dabei auf ein Verfahren, das beim Bundesverfassungs- gericht anhängig ist (Az. 2 BvL 24/14). Nur wenn Ihr Fall noch offen ist, können Sie später von einem etwaigen positiven Aus- gang des Verfassungsgerichtsprozesses profitieren.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

3. (AlterS-)VorSorGe - 3.1. BASISVERSORGUNG

3. (ALTERS-)VORSORGE

Damit das Finanzamt Ihre Vorsorgeaufwendung- en steuermindernd als Sonderausgaben berück- sichtigt, sollten Sie unbedingt die Anlage Vorsor- geaufwand vollständig ausfüllen. Wenn Sie einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, brauchen Sie zusätzlich auch die Anlage AV.

Bei den Vorsorgeaufwendungen wird zwischen drei Bereichen unterschieden:

Basisversorgung (gesetzliche Renten, be- rufsständische Versorgungswerke, land- wirtschaftliche Alterskassen und Rürup- Renten),

sonstige Vorsorgeaufwendungen (beispiels- weise Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und klassische private Lebensversicherung mit Abschluss vor

2005),

Zusatzversorgung (Riester-Rente).

3.1. Basisversorgung

Den Sonderausgabenabzug für die Aufwen- dungen zur Basisversorgung können Sie grund- sätzlich bis zu einem Höchstbetrag von 22.767 Euro, bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder Lebenspartnern bis 45.534 Euro geltend

machen. Allerdings befinden wir uns derzeit in einer Übergangsphase: Von den vollen Höchst- beträgen können Sie erst ab dem Jahr 2025 profitieren. Bis dahin sieht das Gesetz eine schrittweise Anhebung der jährlich abziehba- ren Basisvorsorge-Aufwendungen vor. Für die Steuererklärung 2016 sind es 82 Prozent von den Höchstbeträgen. Alleinstehende können also maximal 18.669 Euro absetzen, Paare 37.338 Euro.

Rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern kürzt das Finanzamt außerdem den eigentlich abziehbaren Anteil der Vorsorgeaufwendungen um den steuerfreien Anteil, den der Arbeitgeber in die Rentenversicherung einzahlt.

Beispiel für 2016

Arbeitnehmerbeitrag

3.500 €

Arbeitgeberbeitrag

3.500 €

Rürup-Rente

2.500 €

insgesamt

9.500 €

Höchstbetrag

22.767 €

82 % von 9.500 Euro

7.790 €

abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil

3.500 €

verbleibender Betrag

4.290 €

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

3. (AlterS-)VorSorGe - 3.2. SONSTIGE VORSORGEAUFWENDUNGEN

2016 kann der Arbeitnehmer im Beispiel Alters- vorsorgeaufwendungen in Höhe von 4.290 Euro als Sonderausgaben abziehen.

Diese gesetzliche Berechnungsweise ist um-

stritten, weil wie im Beispiel oben bei rentenver-

sicherungspflichtigen Arbeitnehmern ein großer

Teil der Vorsorgeaufwendungen nicht abziehbar

ist. Dazu sind Musterverfahren anhängig, und

die Finanzämter erlassen Einkommensteuer-

bescheide bezüglich der Abzugsmöglichkeiten

von Vorsorgeaufwendungen schon seit meh-

reren Jahren nur vorläufig. Das heißt: Wenn

Ihre Einkommensteuererklärung wegen dieses

Sachverhalts als vorläufig gekennzeichnet ist,

können Sie sich nach einem für Steuerzahler

günstigen Urteil vielleicht doch noch über eine

Rückerstattung freuen.

Für bestimmte Berufsgruppen, vor allem für

Beamte, Richter, Berufssoldaten und Geistli-

che, gilt die Kürzungsregelung ebenfalls. Wer

Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH

oder Vorstandsmitglied einer Aktiengesellschaft

ist, muss unter bestimmten Voraussetzungen

ebenfalls mit Kürzungen rechnen.

Ihre Aufwendungen tragen Sie in die An- lage Vorsorgeaufwand auf Seite 1 in die Zeilen 4 bis 10 ein.

3.2. Sonstige Vorsorgeaufwendungen

Seit 2010 können Sie Ihre Beiträge zur Kran-

kenversicherung grundsätzlich in voller Höhe

als Sonderausgaben von der Steuer absetzen.

Das gilt in der privaten Krankenversicherung al-

lerdings nur für den Basistarif, der Sie in etwa

auf dem Niveau der gesetzlichen Kranken- und

Pflegeversicherung absichert. Beiträge, die Sie

für eine darüber hinausgehende Absicherung

gezahlt haben, gelten als übrige Vorsorgeauf-

wendungen. Das sind beispielsweise Beiträge,

mit denen Wahlleistungen der Kassen finanziert

werden. Wer gesetzlich krankenversichert ist

und Anspruch auf Krankengeld hat, muss zu-

dem eine pauschale Kürzung des abzugsfähi-

gen Beitrags um 4 Prozent hinnehmen.

Ihre Aufwendungen zu Kranken- und Pfle- geversicherungen tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand auf den Seiten 1 und 2 in die Zeilen 11 bis 45 ein.

Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen wie

Beiträge zu Arbeitslosen-, Erwerbs-, Berufs-

unfähigkeits-,

Renten-

grundsätzlich ebenfalls berücksichtigt werden.

Allerdings wirken sich solche Versicherungs-

beiträge nur aus, wenn Sie die dafür geltenden

können

zu

Unfall-,

Haftpflicht-

sowie

und

Lebensversicherungen

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

3. (AlterS-)VorSorGe - 3.3. RIESTER-SPARER

jährlichen Höchstbeträge von 2.800 Euro für

Selbstständige und 1.900 Euro für Arbeitneh-

mer nicht schon durch Ihre Beiträge zu Basis-

kranken- und gesetzlicher Pflegeversicherung

ausgeschöpft haben.

Ihre sonstigen Aufwendungen tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand auf Seite 2 in die Zeilen 46 bis 52 ein.

3.3. Riester-Sparer

Sofern Sie zum begünstigten Personenkreis

gehören, der Zulagen aus der Riester-Rente

beanspruchen kann, können Sie möglicher-

weise von einem zusätzlichen Sonderausga-

benabzug in Höhe von 2.100 Euro profitieren.

Diese Möglichkeit haben vor allem rentenver-

sicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte

sowie Selbstständige, die (freiwillig) gesetzlich

versichert sind.

Aufwendungen für die Riester-Rente tragen Sie in der Anlage AV ein. Das Fi- nanzamt prüft, ob für Sie der Sonderaus- gabenabzug günstiger ist als die Zulagen- gewährung.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.1. KINDERGELD UND FREIBETRÄGE

4. KINDER

Eltern können eine ganze Reihe steuerlicher Vergünstigungen beanspruchen. Neben Kin- dergeld und alternativ Kinderfreibeträgen gibt es den Ausbildungsfreibetrag und den Entlas- tungsbetrag für Alleinerziehende, die die Steu- erlast senken können. Auch Kinderbetreuungs- kosten wirken sich steuermindernd aus. Wer einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, kann von der Kinderzulage profitieren.

Für jedes Kind füllen Sie eine eigene Anlage Kind aus. Mit diesem Steuerformular müssen Sie sich auch dann auseinandersetzen, wenn Ihre Lohnsteuerbescheinigung Angaben zu Ih- ren Kindern enthält. Denn dieser Eintrag spielt für den monatlichen Lohnsteuerabzug und für die Höhe der Einkommensteuer keine Rolle. Im Laufe des Jahres wirken sich die eingetra- genen Kinderfreibeträge aber auf die Höhe der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags aus, die Ihr Arbeitgeber einbehält.

4.1. Kindergeld und Freibeträge

Kindergeld steht Ihnen ab der Geburt Ihres Kinds zu.

Es betrug im Jahr 2016

für das erste und zweite Kind jeweils 190 Euro,

für das dritte 196 Euro und

ab dem vierten 221 Euro monatlich.

Kindergeld und Kinderfreibeträge erhalten Sie nicht nur für Ihren leiblichen Nachwuchs, son- dern auch für Pflegekinder, für adoptierte oder angenommene Kinder sowie Kinder des Ehe- gatten (Stiefkinder), Kinder des eingetragenen Lebenspartners und Enkelkinder. Vorausset- zung ist, dass Sie das Kind in Ihren Haushalt aufgenommen haben und das Kind somit stän- dig in der gemeinsamen Familienwohnung mit Ihnen lebt (§ 32 und 63 EStG). Die Bundes- agentur für Arbeit hat dazu ein Merkblatt ver- öffentlicht. Es gibt Ihnen einen Überblick über die gesetzlichen Regelungen zum Kindergeld. Außerdem enthält es Informationen zur Antrag- stellung, zu den Anspruchsvoraussetzungen, zur Höhe und zur Dauer der Zahlung.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.1. KINDERGELD UND FREIBETRÄGE

Kindergeld gibt es nur auf Antrag

Unabhängig von ihren steuerlichen Verhältnis-

sen sollten alle Eltern Kindergeld beantragen.

Es soll im Zusammenspiel mit den Kinderfrei-

beträgen das steuerliche Existenzminimum von

Kindern sicherstellen. Das bedeutet: Bei Eltern

wird ein Teil des Einkommens nicht besteuert,

damit sie Lebensunterhalt, Betreuung und Er-

ziehung oder Ausbildung ihrer Sprösslinge fi-

nanzieren können. Außerdem hängen zahlrei-

che Vergünstigungen im Steuerrecht davon ab,

dass Sie Anspruch auf Kindergeld haben. Ob

das der Fall ist, kann das Finanzamt nur wis-

sen, wenn Sie einen Kindergeldantrag gestellt

haben. Das Kindergeld beantragen Sie bei der

Familienkasse.

Kinderfreibeträge in der Steuererklärung 2016

Freibetrag für das Existenzminimum des Kinds

2.304 euro

Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf

+ 1.320 euro

Summe

3.624 euro

Euro je Kind haben Sie auch dann, wenn der an-

dere Elternteil des Kinds verstorben oder nicht

unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist. Das

gilt ebenfalls, wenn der andere Elternteil „unter-

getaucht“ ist und seine Unterhaltsverpflichtung

zu nicht mindestens 75 Prozent erfüllt oder sich

der Vater nicht amtlich feststellen lässt.

Leben die Eltern getrennt und sind die Kinder

nur bei einem Elternteil gemeldet, hat dieser

Anspruch auf den gesamten Betreuungsfreibe-

trag. Dieser muss in der Anlage Kind beantragt

werden.

Der Kinderfreibetrag und der Betreuungsfreibe-

trag sind jeweils Jahresbeträge. Sie ermäßigen

sich um je ein Zwölftel für jeden Kalendermo-

nat, in dem die Voraussetzungen für den Frei-

betrag nicht vorliegen.

Der Kinderfreibetrag kann auf Antrag vom einen auf den anderen Elternteil übertra- gen werden. Das geht in der Anlage Kind auf Seite 2 in den Zeilen 38 bis 43.

Diese Freibeträge gelten für jeden Elternteil und

verdoppeln sich, wenn die Eltern verheiratet sind

und zusammenveranlagt werden. Anspruch auf

die vollen Kinderfreibeträge von insgesamt 7.248

Verrechnung von Kindergeld und

Kinderfreibeträgen

Vielen ist nicht klar, wie sich Kindergeld und

Kinderfreibeträge zueinander verhalten. Grund-

sätzlich gilt: Sie können nicht Kindergeld erhal-

< Inhalt

< Inhalt

23

23

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.1. KINDERGELD UND FREIBETRÄGE

ten und zusätzlich die vollen Kinderfreibeträge von der Steuer absetzen. Das Finanzamt ver- rechnet nämlich das schon ausgezahlte Kinder- geld mit dem Steuervorteil, der sich durch die Kinderfreibeträge ergibt. Ihnen bleibt daher nur die Differenz zwischen Kindergeld und Steuer- freibeträgen. Die Kinderfreibeträge führen übri- gens nur bei etwa 5 Prozent aller Steuerzahler zu einem zusätzlichen Steuervorteil.

ACHTUNG Auch wenn Sie kein Kindergeld erhielten, wird ein Zufluss durch das Finanzamt fiktiv unterstellt

ACHTUNG

Auch wenn Sie kein Kindergeld erhielten, wird ein Zufluss durch das Finanzamt fiktiv unterstellt und bei der Vergleichs- berechnung Kindergeld versus Kinder- freibetrag herangezogen. Soweit noch nicht geschehen, sollten Sie also immer Kindergeld beantragen, selbst wenn Sie über ein sehr hohes Einkommen verfü- gen, so dass sich die Kinderfreibeträge steuerlich auswirken. Ein Kindergeldan- trag kann rückwirkend für vier Jahre ge- stellt werden.

Altersgrenzen bei Kindern Das Kindergeld fließt ohne Weiteres, solange Ihr Nachwuchs das 18. Lebensjahr noch nicht

vollendet hat. Von Kindergeld und Kinderfrei- beträgen können Sie aber auch bei volljährigen Söhnen und Töchtern bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres profitieren. Das ist möglich, wenn Ihr Kind für einen Beruf ausgebildet wor- den ist (einschließlich Schulausbildung). Auch wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter keinen Aus- bildungsplatz hatte und deshalb die Berufsaus- bildung nicht beginnen oder fortsetzen konnte, zahlt die Finanzkasse weiter.

Darüber hinaus erhalten Sie Kindergeld für ein volljähriges Kind, wenn es

ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr,

einen europäischen oder entwicklungspoli- tischen Freiwilligendienst,

einen Freiwilligendienst aller Generationen,

einen internationalen Jugendfreiwilligendienst,

einen Bundesfreiwilligendienst oder

einen anderen Dienst im Ausland geleistet hat.

Ihr Kindergeldanspruch bleibt auch dann er- halten, wenn sich Ihr Nachwuchs in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten oder zwischen einem Ausbildungsabschnitt und ei- nem der oben genannten Dienste befunden hat. Eine Besonderheit gilt für arbeitslose Kin- der, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.1. KINDERGELD UND FREIBETRÄGE

haben: Sie müssen bei einer Agentur für Arbeit

in Deutschland, in der Schweiz, in der Europä-

ischen Union oder in einem Land, das zum Eu-

ropäischen Wirtschaftsraum gehört, als arbeits-

suchend gemeldet sein.

Eltern können das Kindergeld sogar dann be-

anspruchen, wenn ihr Kind mit einem gut ver-

dienenden Partner verheiratet ist und falls eine

der oben genannten Voraussetzungen erfüllt ist.

Angaben zu Ihren volljährigen Kindern tragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 1 in die Zeilen 15 bis 22 ein.

Abgeschlossene Berufsausbildung

Auch nachdem Ihr volljähriges Kind unter 25

Jahren seine erste Berufsausbildung oder sein

Erststudium abgeschlossen hat, können Sie

weiterhin Kindergeld beziehen und von den

Freibeträgen profitieren. Das geht unter an-

derem, solange das Kind einer weiteren Aus-

bildung nachgeht, etwa ein Bachelor- oder ein

Masterstudium absolviert oder nach seiner

Erstausbildung beispielsweise einen Freiwilli-

gendienst leistet.

In diesen Fällen kommt allerdings eine wich-

tige Einschränkung hinzu: Ihr Kind darf nicht

erwerbstätig sein. Darunter versteht das Fi-

nanzamt alles, was über 20 Stunden vertraglich

vereinbarte, regelmäßige wöchentliche Arbeits-

zeit hinausgeht. Ein Ausbildungsdienstverhältnis

oder ein 450-Euro-Job schadet hingegen nicht.

Das Kind darf allerdings nicht mehrere Jobs ha-

ben, bei denen es mehr als 450 Euro verdient. Bei

solchen geringfügig entlohnten Beschäftigungen

spielen die wöchentliche Arbeitszeit und die An-

zahl der monatlichen Arbeitseinsätze keine Rolle.

Von einer geringfügigen beziehungsweise kurz-

fristigen Beschäftigung geht das Finanzamt auch

aus, wenn das Kind zwar mehr als 450 Euro im

Monat verdient hat, innerhalb des gesamten Jah-

res aber höchstens drei Monate oder 70 Arbeits-

tage gearbeitet hat.

Ihr Sohn oder Ihre Tochter darf auch eine gering-

fügige Beschäftigung neben einer anderen Er-

werbstätigkeit ausgeübt haben, solange dadurch

insgesamt nicht die 20-Stunden-Grenze über-

schritten wurde. Erlaubt ist auch eine vorüberge-

hende (höchstens zwei Monate lange) Auswei-

tung der Beschäftigung auf mehr als 20 Stunden,

wenn den Rest des Jahres durchschnittlich die

wöchentliche Arbeitszeit eingehalten wird.

Angaben zu einer Erwerbstätigkeit Ihrer volljährigen Kinder tragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 1 in die Zeilen 23 bis 27 ein.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.1. KINDERGELD UND FREIBETRÄGE

ACHTUNG 20 Stunden-Grenze einhalten Das Finanzamt versteht unter „Er- werbstätigkeit“ nicht nur das Arbeit-

ACHTUNG

20 Stunden-Grenze einhalten

Das Finanzamt versteht unter „Er-

werbstätigkeit“ nicht nur das Arbeit-

nehmerdasein. Auch eine land- und

forstwirtschaftliche, eine gewerbliche

und eine selbstständige Tätigkeit ge-

hören dazu. Wenn Ihr Kind schon laut

Arbeitsvertrag 20 Stunden in der Wo-

che arbeitet, sollte es also nicht zu-

sätzlich noch ein freiberufliches Ne-

bengewerbe anmelden.

Sonderregeln für behinderte Kinder

Kann Ihr Kind nicht selbst für sich sorgen,

weil es körperlich, geistig oder seelisch be-

hindert ist, wird es auch nach Vollendung des

25. Lebensjahres unbegrenzt berücksichtigt.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Behin-

derung schon vor dem 25. Geburtstag einge-

treten ist. Ein Kind ist außerstande, sich selbst

finanziell zu unterhalten, wenn es mit seinen

eigenen Mitteln nicht seinen Lebensunterhalt

bestreiten kann.

Gemeint ist damit der allgemeine Lebensbe-

darf (Grundfreibetrag in Höhe von 8.652 Euro)

und zusätzlich der individuelle behinderungs-

bedingte Mehrbedarf (unter anderem Kosten

für eine Heimunterbringung, Pflegebedarf in

Höhe des gezahlten Pflegegelds, gegebenen-

falls Behinderten-Pauschbetrag).

Dazu verlangt das Finanzamt eine Gegenüber-

stellung des notwendigen Lebensbedarfs mit

den eigenen finanziellen Mitteln des Kinds,

die sich aus dem verfügbaren Nettoeinkom-

men und den Leistungen Dritter zusammen-

setzen. Bei der Ermittlung des verfügbaren

Nettoeinkommens sind alle steuerpflichtigen

Einkünfte, alle steuerfreien Einnahmen und et-

waige Steuererstattungen zu berücksichtigen.

Abzuziehen sind tatsächlich gezahlte Steuern

und Vorsorgeaufwendungen – das heißt, die

Beiträge zu einer Basiskranken- und Pflege-

Pflichtversicherung sowie gesetzliche Sozial-

abgaben bei Arbeitnehmern. Das Vermögen

von Kindern mit Behinderung wirkt sich dabei

nicht auf den Anspruch auf Kindergeld aus.

Angaben zu einer Behinderung Ihres voll- jährigen Kinds machen Sie in der Anlage Kind auf Seite 1 in Zeile 21. Den Behin- derten-Pauschbetrag beziehungsweise dessen Übertragung beantragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 3 in den Zeilen 64 bis 66.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.1. KINDERGELD UND FREIBETRÄGE

Versicherungen Ihres Kinds

Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversiche-

rung für die Absicherung Ihres Kinds können

Sie als Sonderausgaben abziehen, sofern Sie

für dieses Kind Anspruch auf Kindergeld oder

Freibeträge für den Nachwuchs haben. Das

gilt unabhängig davon, ob Sie selbst Versiche-

rungsnehmer sind oder das Kind. Setzen Sie

selbst die Beiträge an, hat das Kind allerdings

keine Möglichkeit, die Versicherungsprämien

als Sonderausgaben abzusetzen. Denn die Be-

träge dürfen nicht doppelt berücksichtigt wer-

den.

Was Sie für die Absicherung Ihres Kinds zahlen, tragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 2 in die Zeilen 31 bis 37 ein.

Wenn Ihr Kind älter als 25 Jahre ist

Sie müssen steuerlich nicht unbedingt leer aus-

gehen, wenn Ihr Nachwuchs die maßgebende

Altersgrenze überschritten hat. Ihre Kosten für

den Unterhalt und eine Berufsausbildung Ihrer

Kinder können Sie für 2016 bis zu 8.652 Euro

als außergewöhnliche Belastungen geltend ma-

chen. Dieser Betrag erhöht sich noch um die

Kosten, die Sie für die Basisabsicherung Ihres

unterhaltsberechtigten Kinds in der Kranken-

versicherung und der gesetzlichen Pflegeversi-

cherung gezahlt haben.

Voraussetzung für den Ansatz als außerge-

wöhnliche Belastung ist allerdings die Bedürf-

tigkeit Ihres zu unterhaltenden Kinds. Diese

liegt vor, wenn das Kind nur geringe Einkünfte

und kein oder ein nur geringes Vermögen be-

sitzt (maximal 15.500 Euro). Der Höchstbetrag

vermindert sich dabei um die Einkünfte des

Kinds, sofern diese 624 Euro übersteigen.

Sonderfall Ausland

Die Kinderfreibeträge stehen Ihnen auch dann

zu, wenn Ihr Nachwuchs nicht in Deutschland

lebt. Das Finanzamt berücksichtigt dabei al-

lerdings die wirtschaftlichen Verhältnisse des

Staats, in dem Ihr Kind wohnt. Je nach Land

kürzt es die Freibeträge um ein Viertel, die Hälf-

te oder drei Viertel. Ausschlaggebend dafür ist

die sogenannte Ländergruppeneinteilung des

Bundesfinanzministeriums.

Ausbildung im Ausland

Wenn Ihr Kind sich nur wegen seiner Berufsaus-

bildung im Ausland aufhält, aber weiterhin zu Ih-

rem Haushalt gehört oder in Deutschland einen

eigenen Haushalt hat, tragen Sie die deutsche

Anschrift in der Anlage Kind ein. So sichern Sie

sich die vollen Kinderfreibeträge. Möglicherwei-

se erbringt der ausländische Staat dem Kinder-

geld vergleichbare Zahlungen. Dann erhalten

Sie entweder in Deutschland kein Kindergeld

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.2. ENTLASTUNGSBETRAG FÜR ALLEINERZIEHENDE

oder das im Ausland gezahlte wird auf das deut-

sche Kindergeld angerechnet. Eine Tabelle dazu

finden Sie beim Bundeszentralamt für Steuern.

TIPP Sprachaufenthalte im Ausland Als Berufsausbildung gilt auch ein Sprachaufenthalt. Unproblematisch ist es, wenn die

TIPP

Sprachaufenthalte im Ausland

Als Berufsausbildung gilt auch ein

Sprachaufenthalt. Unproblematisch ist

es, wenn die Sprachferien mit dem Be-

such einer allgemeinbildenden Schule,

einem College oder einer Universität

verbunden sind. In allen anderen Fällen

muss der Aufenthalt von einem theore-

tisch-systematischen Fremdsprachen-

unterricht mit wöchentlich zehn Stunden

begleitet werden. Das gilt vor allem bei

Auslandsaufenthalten im Rahmen von

Au-pair-Verhältnissen.

4.2. Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Wenn Sie Single sind und ein Kind erziehen, für

das Sie Anspruch auf Kindergeld beziehungs-

weise einen Kinderfreibetrag haben, können

Sie einen weiteren Entlastungsbetrag von 1.908

Euro steuerlich geltend machen. Das sind 600

Euro mehr als noch 2014.

Dazu muss Ihr Sohn oder Ihre Tochter zu Ihrem

Haushalt gehören. Davon geht das Finanzamt

in der Regel aus, wenn das Kind bei Ihnen ge-

meldet ist. Auch bei diesem Entlastungsbetrag

prüft die Behörde für jeden Monat gesondert,

ob er Ihnen auch tatsächlich zusteht. Wenn zum

Beispiel im August ein zweiter Erwachsener bei

Ihnen eingezogen ist, würde der Entlastungsbe-

trag ab September entfallen, da vermutet wird,

dass Sie gemeinsam wirtschaften (Haushalts-

gemeinschaft). Diese Vermutung können Sie

allerdings widerlegen, es sei denn, Sie leben in

einer eheähnlichen Gemeinschaft oder in einer

eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Falls Ihr Kind auch noch bei anderen Menschen

gemeldet ist, können Sie als Alleinerziehender

den Entlastungsbetrag trotzdem geltend ma-

chen, wenn Sie auch das Kindergeld erhalten.

Ab dem zweiten Kind bekommen Sie seit 2015

sogar einen Zuschlag von 240 Euro für jedes

weitere Kind. Im Lohnsteuerabzugsverfahren

entspricht der Entlastungsbetrag für Alleiner-

ziehende der Steuerklasse II.

Den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beantragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 2 in den Zeilen 44 bis 49. Sie müssen für jedes Kind eine eigene Anlage ausfüllen.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.3. KINDERBETREUUNGSKOSTEN

Außerdem können Sie als Alleinerziehende unter

Umständen den vollen Kinderfreibetrag und den

vollen Freibetrag für den Betreuungs- und Erzie-

hungs- oder Ausbildungsbedarf beantragen.

Die Übertragung eines kindbezogenen Freibetrags beantragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 2 in den Zeilen 38 bis 43.

4.3. Kinderbetreuungskosten

Sie können zwei Drittel Ihrer Kosten für die

Kinderbetreuung, bis maximal 6.000 Euro,

höchstens 4.000 Euro je Kind und Jahr, als

Sonderausgaben von der Steuer absetzen.

Dafür müssen folgende Voraussetzungen

erfüllt sein:

Das Kind gehört zu Ihrem Haushalt (bei

dauerhaft getrennt lebenden Eltern ist

grundsätzlich die Meldung des Kinds maß-

gebend).

Für das Kind steht Ihnen Kindergeld oder

ein Freibetrag für Kinder zu.

Das Kind hat sein 14. Lebensjahr noch

nicht vollendet.

Diese Altersgrenze gilt nicht, wenn das Kind

sich wegen einer körperlichen, geistigen oder

seelischen Behinderung nicht selbst unterhal-

ten kann, die eingetreten ist, bevor es das 25.

Lebensjahr vollendet hat. Eine Ausnahme lässt

der Gesetzgeber außerdem für Kinder zu, die

wegen einer körperlichen, geistigen oder see-

lischen Behinderung nicht selbst für ihren Le-

bensunterhalt sorgen können, die vor dem 1.

Januar 2007 in der Zeit ab Vollendung des 25.

Lebensjahres und vor Vollendung des 27. Le-

bensjahres eingetreten ist.

Ihre Kinderbetreuungskosten tragen Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung in der Anlage Kind auf Seite 3 in die Zeilen 67 bis 73 ein.

TIPP Belege aufheben Rechnungen und die Zahlungsnachweise müssen Sie zwar nur auf Verlangen des Finanzamts

TIPP

Belege aufheben

Rechnungen und die Zahlungsnachweise

müssen Sie zwar nur auf Verlangen des

Finanzamts vorlegen. Für diesen Fall soll-

ten Sie die Belege aber aufbewahren.

Folgende Aufwendungen können Sie beispiels-

weise in Ihrer Steuererklärung angeben:

die Unterbringung von Kindern in Kinder-

gärten, Kindertagesstätten, Kinderhorten,

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.3. KINDERBETREUUNGSKOSTEN

Kinderheimen und Kinderkrippen sowie bei Tagesmüttern, Wochenmüttern und in Ganztagspflegestellen,

die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen und Kinderschwestern,

die Beschäftigung von Hilfen im Haushalt, soweit sie Kinder betreuen, und

die Beaufsichtigung von Kindern bei der Erledigung der häuslichen Schulaufgaben.

Nicht berücksichtigt werden Aufwendungen für (Nachhilfe-)Unterricht, für die Vermittlung besonde- rer Fähigkeiten, für sportliche und andere Freizeit- betätigungen sowie für die Verpflegung des Kinds.

Der Abzug von Kinderbetreuungskosten setzt voraus, dass Sie für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten haben und das Geld auf das Konto des Erbringers der Leistung überwiesen haben. Barzahlungen und Barschecks erkennt der Fiskus nicht an.

Falls Sie im Rahmen eines sozialversicherungs- pflichtigen Beschäftigungsverhältnisses oder ei- nes Minijobs Arbeitgeber der Betreuungsperson sind, reicht als Nachweis der schriftliche Arbeits- vertrag. Wurde das Kind in einem Kindergarten oder Hort betreut, genügt der Bescheid des öf- fentlichen oder privaten Trägers über die zu zah- lenden Gebühren und der Überweisungsbeleg.

Häufig übernehmen nahe Angehörige wie die (Schwieger-)Mutter die Kinderbetreuung. So- fern die Betreuung gegen ein Entgelt erfolgt und Sie eindeutige Vereinbarungen getroffen haben, die Sie auch tatsächlich umsetzen, können Sie Ihre Kinderbetreuungskosten auch in diesem Fall von der Steuer absetzen. Die Betreuungs- person darf allerdings nicht mit Ihnen und Ihrem Kind in einem gemeinsamen Haushalt leben.

TIPP Freibetrag eintragen lassen Die Kinderbetreuungskosten, die Ihnen im laufenden Jahr voraussichtlich ent- stehen

TIPP

Freibetrag eintragen lassen Die Kinderbetreuungskosten, die Ihnen im laufenden Jahr voraussichtlich ent- stehen werden, können Sie als Freibe- trag im Lohnsteuerermäßigungsverfah- ren berücksichtigen lassen und so Ihr monatliches Nettogehalt erhöhen.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

4. KinDer - 4.4. SONDERBEDARF BEI KINDERN IN BERUFSAUSBILDUNG (AUSBILDUNGSFREIBETRAG), 4.5. SCHULGELD, 4.6. KINDERZULAGE BEI DER RIESTER-FÖRDERUNG

4.4. Sonderbedarf bei Kindern in Berufsausbildung (Ausbildungsfreibetrag)

Macht Ihr volljähriges Kind, für das Sie Anspruch auf

Kindergeld haben, eine Berufsausbildung und wohnt

es nicht in Ihrem Haushalt? Dann können Sie wegen

Ihres Sonderbedarfs von einem Freibetrag in Höhe

von 924 Euro pro Jahr profitieren. Der Freibetrag steht

jedem Elternteil grundsätzlich zur Hälfte zu, die Eltern

können aber gemeinsam eine andere Aufteilung bean-

tragen. Das Finanzamt kürzt den Ausbildungsfreibe-

trag, wenn die genannten Voraussetzungen nicht das

ganze Jahr erfüllt waren. Wenn Ihr Kind seine Berufs-

ausbildung zum Beispiel im Dezember abgebrochen

hat, verringert sich der Freibetrag um ein Zwölftel. Zur

Ausbildung gehört übrigens auch die Schulausbildung.

Den Freibetrag zur Abgeltung eines Sonderbe- darfs bei Berufsausbildung eines volljährigen Kinds beantragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 2 in den Zeilen 50 bis 52.

Falls Sie geschieden sind oder dauernd getrennt

leben, kann jeder Elternteil den Freibetrag zur Hälf-

te in Anspruch nehmen. Sie können ihn aber auch

in einem anderen Verhältnis aufteilen.

Dazu geben Sie in der Anlage Kind in Zeile 52 ei- nen Anteil in Prozent an und fügen Ihrer Steuerer- klärung einen formlosen Antrag beider Elternteile bei, aus dem Ihre Aufteilung hervorgeht.

4.5. Schulgeld

Sofern Ihr Kind, für das Sie Anspruch auf Kindergeld

oder Kinderfreibeträge haben, eine nicht-öffentliche

Schule besucht (in freier Trägerschaft oder überwiegend

privat finanziert) und Sie ein Schulgeld zahlen, können

Sie 30 Prozent des gezahlten Gelds als Sonderausga-

ben abziehen – höchstens jedoch 5.000 Euro. Die Schu-

le muss dabei zu einem anerkannten Abschluss führen

und sich in einem Mitgliedstaat des EU-/EWR-Raums

befinden. Für deutsche Schulen gilt der Sonderausga-

benabzug weltweit. Nicht geltend machen können Sie

Internatskosten, das heißt Aufwendungen für die Be-

herbergung, Betreuung und Verpflegung des Kinds.

Die Angaben zum Schulgeld tragen Sie in der Anlage Kind auf Seite 3 in die Zeilen 61 bis 63 ein.

4.6. Kinderzulage bei der

Riester-Förderung

Viele Steuerzahler haben für ihre private Alters-

vorsorge Riester-Verträge abschlossen. Die-

se werden steuerlich besonders gefördert: Es

gibt jährlich bis zu 300 Euro Zulage pro Kind.

Riester-Sparer können die Kinderzulage selbst

dann beanspruchen, wenn sie für ihren Sohn

oder ihre Tochter nur einen Monat lang im Jahr

Anspruch auf Kindergeld hatten.

Angaben zu Ihren Kindern machen Sie in der Anlage AV in den Zeilen 20 bis 23.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

5. KrAnKHeit unD PFleGe - 5.1. KRANKHEITSKOSTEN

5. KRANKHEIT UND PFLEGE

An privat veranlassten Ausgaben will sich der

Fiskus normalerweise nicht beteiligen. Es gibt

aber Ausnahmen – beispielsweise Krankheits-

und Pflegekosten. Solche Kosten können Sie in

Ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Be-

lastungen ansetzen. Ob sie tatsächlich steuer-

mindernd wirken, hängt von mehreren Faktoren

ab: etwa, wie viel Sie verdienen und ob Sie Kin-

der haben. In manchen Fällen – beispielsweise

bei behinderten Menschen – werden bestimmte

Beträge auch pauschal berücksichtigt.

5.1. Krankheitskosten

Durch Krankheiten verursachte Kosten gehören

typischerweise zu den außergewöhnlichen Be-

lastungen. Sie müssen aber nachweisen, dass

Ihnen die Kosten zwangsläufig entstanden sind

und dass sie notwendig und angemessen waren.

Berücksichtigt werden nur Kosten, die Ihnen

nicht steuerfrei ersetzt worden sind oder noch

werden (zum Beispiel von Ihrer Krankenkasse).

Die medizinische Notwendigkeit Ihrer Aufwen-

dungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel müs-

sen Sie durch die Verordnung eines Arztes oder

Heilpraktikers nachweisen. Das gilt auch für

nicht verschreibungspflichtige Medikamente.

Ihre Krankheitskosten tragen Sie im Mantelbogen auf Seite 3 in Zeile 67 ein.

Vor allem bei den folgenden Maßnahmen brau-

chen Sie schon vor Beginn der Heilmaßnahme

oder dem Kauf des medizinischen Hilfsmittels

ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche

Bescheinigung eines Medizinischen Diensts der

Krankenversicherung (MDK; § 275 SGB V):

Bade- oder Heilkur; bei einer Vorsorgekur

müssen Sie sich zusätzlich auch die Gefahr

einer durch die Kur abzuwendenden Krank-

heit, bei einer Klimakur den medizinisch an-

gezeigten Kurort und die voraussichtliche

Kurdauer bescheinigen lassen;

psychotherapeutische Behandlung;

medizinisch erforderliche auswärtige Unter-

bringung Ihres an Legasthenie oder einer

anderen Behinderung leidenden Kinds;

Begleitperson: ältere oder hilflose Men-

schen, die begleitet wurden, müssen auch

nachweisen, dass ihre Betreuung notwen-

dig war, sofern sie sich nicht schon aus

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

5. KrAnKHeit unD PFleGe - 5.1. KRANKHEITSKOSTEN

dem Nachweis einer Behinderung ergibt;

medizinische Hilfsmittel, die als allgemei- ne Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens im Sinne von Paragraf 33 Absatz 1 Sozialgesetzbuch V anzusehen sind;

wissenschaftlich nicht anerkannte Behand- lungsmethoden, beispielsweise Frisch- und Trockenzellenbehandlungen, Sauerstoff-, Chelat- und Eigenbluttherapie.

Alternativmedizin Kosten für Homöopathie, Bewegungstherapien oder für Pflanzenheilkunde können als außerge- wöhnliche Belastungen anerkannt werden. Ein amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheini- gung des MDK ist nicht erforderlich, wenn ein Arzt oder Heilpraktiker diese Behandlungen verordnet hat (Bundesfinanzhof, Urteil vom 26. Februar 2014, Az. VI R 27/13).

Die Finanzämter lassen folgende Nachweiser- leichterungen zu:

Bei Kosten einer Augen-Laser-Operation brauchen Sie kein amtsärztliches Attest.

Sind Sie chronisch erkrankt und brauchen Sie deshalb dauernd bestimmte Medika- mente, müssen Sie eine Verordnung nur einmal vorlegen.

Auch die Erstattungsmitteilung der privaten Krankenkasse oder der Beihilfebescheid ei- ner Behörde wird als Nachweis anerkannt.

Wenn ein Augenarzt bei Ihnen schon einmal die Notwendigkeit einer Sehhilfe festgestellt hat, reicht in den Folgejahren die Sehschärfenbestimmung durch einen Augenoptiker aus.

Sofern die Notwendigkeit einer Kur offen- sichtlich im Rahmen der Bewilligung von Zuschüssen oder Beihilfen anerkannt wurde, genügt bei Pflichtversicherten die Beschei- nigung der Versicherungsanstalt und bei öffentlich Bediensteten der Beihilfebescheid.

Wenn Ihr Ehepartner, Ihr eingetragener Le- benspartner oder Ihr Kind länger im Kranken- haus liegt, können Sie auch die Kosten Ihrer Besuchsfahrten ansetzen. Dazu brauchen Sie eine Bescheinigung des behandelnden Kran- kenhausarztes, in der er bestätigt, dass Ihr Be- such entscheidend zur Heilung oder Linderung einer Krankheit beitragen kann.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

KrAnKHeit unD PFleGe - 5.2. PFLEGEKOSTEN

TIPP Zumutbare Belastung umstritten Das Bundesverfassungsgericht muss noch in letzter Instanz entscheiden, ob die

TIPP

Zumutbare Belastung umstritten Das Bundesverfassungsgericht muss noch in letzter Instanz entscheiden, ob die zumutbare Belastung verfassungs- gemäß ist. Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte zuvor in zwei Verfahren keine Rechtsbedenken (Az. VI R 32/13 und VI R 33/13). Wahrscheinlich bleiben alle Steuerbescheide in diesem Punkt wei- terhin vorläufig. Sie sollten Ihre Krank- heitskosten ab dem ersten Cent in die Steuererklärung eintragen und die Ge- richtsentscheidung abwarten.

5.2. Pflegekosten

Pflegekosten können durch die Beschäfti- gung einer ambulanten Pflegekraft und durch die Unterbringung in einem Pflegeheim, in der Pflegestation eines Altenheims oder in einem Altenpflegeheim entstehen. Sind Ihnen selbst oder Ihrem/Ihrer Ehemann/-frau beziehungs- weise eingetragene(r) Lebenspartner(in) Pfle- gekosten entstanden, können diese Aufwen- dungen als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden.

Ihre Pflegekosten tragen Sie im Mantelbo- gen auf Seite 3 ab Zeile 67 ein.

Die Pflegebedürftigkeit oder eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz müssen Sie nachweisen. Sie brauchen eine Bescheinigung (zum Beispiel Leistungsbescheid oder -mittei- lung) der sozialen Pflegekasse oder des priva- ten Versicherungsunternehmens, bei dem die private Pflege-Pflichtversicherung läuft. Die ge- sundheitlichen Merkmale „blind” und „hilflos” lassen sich anhand eines Ausweises mit den Merkzeichen „Bl” oder „H” belegen.

Wer nicht zu diesem Personenkreis gehört, aber ambulant gepflegt wurde und die Rech- nung eines anerkannten Pflegediensts vorle- gen kann, in der die Pflegeleistungen geson- dert in Rechnung gestellt worden sind, kann diesen Posten ebenfalls angeben.

Pflegebedürftige übertragen der Pflegeper- son im Hinblick auf ihr Alter oder eine etwa- ige Bedürftigkeit als Gegenleistung vielfach Vermögenswerte (zum Beispiel ein Grund- stück). In diesem Fall sind Pflegekosten nur in der Höhe abziehbar, in der die Pflegeauf- wendungen den Wert des erhaltenen Vermö- gens übersteigen.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

KrAnKHeit unD PFleGe - 5.2. PFLEGEKOSTEN

Beachten Sie bitte: Wenn Sie die tatsächlichen Pflegekosten geltend machen, können Sie nicht daneben den Behinderten-Pauschbetrag in An- spruch nehmen.

Umzug in ein Altenpflegeheim Haben Sie Ihren Haushalt beispielsweise wegen des Umzugs in ein Altenpflegeheim aufgegeben, zieht das Finanzamt im Jahr 2016 eine Haushalts- ersparnis von 24,03 Euro täglich (721 Euro mo- natlich, 8.652 Euro jährlich) von Ihren Aufwendun- gen ab. 2016 werden diese Beträge steigen. Sie können auch Aufwendungen abziehen, die Ihnen aus der Pflegebedürftigkeit eines anderen Menschen zwangsläufig entstanden sind. In diesem Fall sollten Sie neben den von Ihnen und möglicherweise weiteren Personen getragenen Aufwendungen auch folgende Posten angeben:

TIPP Haushaltsnahe Dienstleistungen Für den Teil der haushaltsnahen Pflege- kosten, der durch den Ansatz der

TIPP

Haushaltsnahe Dienstleistungen Für den Teil der haushaltsnahen Pflege- kosten, der durch den Ansatz der zu- mutbaren Belastung bei Ihnen nicht als außergewöhnliche Belastungen berück- sichtigt wird, können Sie auf Seite 3 des Mantelbogens in Zeile 69 die Steuerer- mäßigung für haushaltsnahe Dienstleis- tungen beantragen. Weitere Eintragun- gen nehmen Sie dann ab Zeile 72 vor. Oft bringt der Abzug in dieser Kategorie eine deutlich höhere Steuerentlastung.

die Gesamtkosten der Heimunterbringung,

die Höhe der Erstattungen von dritter Seite (zum Beispiel Pflegekasse) und

die Höhe der eigenen Einkünfte und Bezü- ge des Pflegebedürftigen.

< Inhalt

< Inhalt

35

35

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

6. WoHltÄtiGKeit - 6.1. SPENDEN UND MITGLIEDSBEITRÄGE

6. WOHLTÄTIGKEIT

6.1. Spenden und Mitgliedsbeiträge

Spenden und Mitgliedsbeiträge zur Förderung

steuerbegünstigter Zwecke (gemeinnützige,

mildtätige und kirchliche) berücksichtigt das Fi-

nanzamt bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags

Ihrer Einkünfte.

Alle Spenden und Mitgliedsbeiträge für steu-

erbegünstigte Zwecke müssen Sie grund-

sätzlich anhand einer Zuwendungsbestäti-

gung nach amtlichem Muster nachweisen.

Diese erhalten Sie vom Spendenempfänger,

also einer gemeinnützigen Körperschaft wie

einem Verein oder juristischen Personen

des öffentlichen Rechts, sofern er sie nicht

schon elektronisch an das Finanzamt über-

mittelt hat.

Spenden und Mitgliedsbeiträge führen Sie auf dem Mantelbogen auf Seite 2 in den Zeilen 45 bis 56 auf.

Spendenvortrag

Falls Sie so großzügig waren, dass Ihre Spen-

den in einem Jahr den Höchstbetrag von 20

Prozent Ihrer Gesamteinkünfte überschritten

haben, können Sie die übersteigenden Beträge

in den Folgejahren absetzen – Fachleute spre-

chen vom Spendenvortrag. Falls das Finanz-

amt für Sie einen verbleibenden Spendenvor-

trag festgestellt hat, berücksichtigt es diesen

automatisch.

Vereinfachter Zuwendungsnachweis

Bei Spenden und Mitgliedsbeiträgen bis zu

200 Euro je Zahlung ist ein vereinfachter Nach-

weis erlaubt: Ist der Empfänger der Spenden

und Mitgliedsbeiträge eine juristische Person

des öffentlichen Rechts oder eine öffentliche

Dienststelle, reicht als Nachweis der Barein-

zahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung,

zum Beispiel ein Kontoauszug.

Haben Sie an gemeinnützige Einrichtungen wie

Vereine und Stiftungen gespendet, brauchen

Sie zusätzlich einen von dieser Einrichtung er-

stellten Beleg, der Angaben über die Freistel-

lung von der Körperschaftsteuer und die Ver-

wendung der Mittel enthält. Außerdem muss

erkennbar sein, ob es sich um Spenden oder

um Mitgliedsbeiträge handelt.

Sie können sogar Sachspenden wie Kleidung

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

6. WoHltÄtiGKeit- 6.1. SPENDEN UND MITGLIEDSBEITRÄGE

oder Spielzeug angeben. Eine Chance, dass das Finanzamt diese anerkennt, besteht aber nur, wenn Sie den Marktwert dieser Gegen- stände belegen können. Dazu bietet es sich an, den Neupreis, die Nutzungsdauer und den Zustand zum Zeitpunkt der Spende zu dokumentieren.

Parteispenden Spenden und Mitgliedsbeiträge an politische Parteien können Sie zur Hälfte unmittelbar von Ihrer ermittelten Steuerschuld abziehen – bis zu einem Höchstbetrag von 825 Euro (bei zusam- menveranlagten Ehepaaren/Lebenspartnern 1.650 Euro) im Jahr. Das Gleiche gilt für Spen- den und Mitgliedsbeiträge an unabhängige Wählervereinigungen, die die gesetzlichen Vor- aussetzungen erfüllen. Spenden Sie also 1.000 Euro an eine Partei, ermäßigt sich Ihre ermit- telte Einkommensteuerlast direkt um 500 Euro, nicht etwa Ihr zu versteuerndes Einkommen.

Soweit Ihre Spenden und Mitgliedsbeiträge an politische Parteien 1.650 Euro beziehungswei- se 3.300 Euro übersteigen, sind sie als Sonder- ausgaben bis zu 1.650 Euro beziehungsweise 3.300 Euro abzugsfähig. Für Zuwendungen und Mitgliedsbeiträge an unabhängige Wäh- lervereinigungen ist ein Sonderausgabenab- zug nicht möglich.

Stiftungen Spenden in den Vermögensstock einer Stif- tung des öffentlichen Rechts oder einer steu- erbegünstigten Stiftung des privaten Rechts sind bis zu 1 Million Euro (2 Millionen Euro bei zusammenveranlagten Ehegatten/Le- benspartnern) begünstigt. Ihre Spende kön- nen Sie wahlweise im Jahr der Zuwendung oder in den neun folgenden Jahren steuerlich geltend machen.

EU-/EWR-Ausland Auch Zuwendungen an steuerbegünstigte Or- ganisationen im EU-/EWR-Ausland können be- günstigt sein. Das ist möglich, wenn der aus- ländische Zuwendungsempfänger nach der Satzung, dem Stiftungsgeschäft oder der sons- tigen Verfassung und nach der tatsächlichen Geschäftsführung ausschließlich und unmit- telbar gemeinnützigen, mildtätigen oder kirch- lichen Zwecken im Sinne der Paragrafen 51 bis 68 der Abgabenordnung dient.

Um das nachzuweisen, müssen Sie geeignete Unterlagen einreichen, was sich aufgrund des Auslandsbezugs häufig als nicht ganz einfach erweist. Wenn die steuerbegünstigte Organisa- tion im EU-/EWR-Ausland Ihnen nur die Höhe der Zuwendungen bescheinigt, reicht das dem Finanzamt als alleiniger Nachweis nicht aus.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

6. WoHltÄtiGKeit - 6.2. UNTERSTÜTZUNG BEDÜRFTIGER

Sport, Heimatkunde und Karneval Mitgliedsbeiträge an Sportvereine können Sie nicht als Sonderausgaben absetzen. Das Glei- che gilt, wenn der Empfänger beispielsweise kulturelle Betätigungen, die in erster Linie der Freizeitgestaltung dienen, oder die Heimat- pflege und Heimatkunde fördert. Dazu dürften auch Tierzucht-, Pflanzenzucht-, Kleingarten- und Karnevalsvereine zählen. Dagegen können Spenden an solche Vereine durchaus als Son- derausgaben berücksichtigt werden, sofern sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.

Lose, Sonderbriefmarken & Co. Keine steuerlich begünstigten Spenden sind beispielsweise:

Aufwendungen für Lose einer Wohlfahrts- lotterie,

Zuschläge auf Wohlfahrts- und Sonder- briefmarken sowie

Zahlungen an gemeinnützige Einrichtun- gen, die als Bewährungsauflage im Straf- oder Gnadenverfahren auferlegt werden.

TIPP Ehrenamtliche können ihren Geldanspruch spenden Arbeiten Sie ehrenamtlich beispielsweise als Übungsleiter für

TIPP

Ehrenamtliche können ihren Geldanspruch spenden Arbeiten Sie ehrenamtlich beispielsweise als Übungsleiter für einen Verein oder für die Kirche? Dann können Sie Ihren Auf- wand unter Umständen als Spende geltend machen. Dazu sollten Sie dem Finanzamt eine im Voraus getroffene schriftliche Ver- einbarung einreichen, aus der hervorgeht, dass Sie Anspruch auf Aufwendungser- satz haben und förmlich darauf verzichten.

6.2. Unterstützung Bedürftiger

Wenn Sie einen bedürftigen Menschen unter- stützen, für den weder Sie noch jemand anders Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise Kinderfreibeträge haben, können Sie Ihre Auf- wendungen bis zu 8.652 Euro pro Jahr als au- ßergewöhnliche Belastungen steuermindernd geltend machen. Voraussetzung ist, dass Sie gegenüber der Person gesetzlich unterhaltsver- pflichtet sind und das Vermögen des Bedürfti- gen 15.500 Euro nicht übersteigt.

Dieser Höchstbetrag erhöht sich noch um Aufwendungen für die Basisabsicherung der

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

6. WoHltÄtiGKeit - 6.2. UNTERSTÜTZUNG BEDÜRFTIGER

unterhaltsberechtigten Person in der Kranken- versicherung und der gesetzlichen Pflegeversi- cherung. Das Finanzamt mindert den Höchst- betrag dabei allerdings um den Betrag, um den die eigenen Einkünfte und Bezüge der unter- stützten Person 624 Euro (Anrechnungsfreibe- trag) im Jahr übersteigen.

Ihre Unterstützungsleistungen und Angaben zur unterstützten Person tragen Sie in die vierseitige Anlage Unterhalt ein. Diese ist nicht identisch mit der Anlage U.

TIPP Unterhaltsbezieher gehört zum Haushalt Wenn die unterhaltsberechtigte Person zu Ihrem Haushalt gehört, müssen Sie

TIPP

Unterhaltsbezieher gehört zum Haushalt Wenn die unterhaltsberechtigte Person zu Ihrem Haushalt gehört, müssen Sie die Unterhaltsleistungen nicht einzeln nachweisen. Das Finanzamt geht zu Ih- ren Gunsten davon aus, dass Sie Aus- gaben in Höhe von bis zu 8.652 Euro im Jahr hatten. Dieser Betrag entspricht in der Höhe dem Grundfreibetrag.

Möglicherweise zahlen Sie nicht nur für den Unterhalt oder die Berufsausbildung der un- terstützten Person, sondern kommen noch für

weitere Kosten auf, zum Beispiel bei Krank- heit, Heimunterbringung oder anderen außer- gewöhnlichen Belastungen. Solche Kosten können Sie zusätzlich zum Höchstbetrag für Unterhaltsaufwendungen als allgemeine au- ßergewöhnliche Belastungen geltend machen. Dabei müssen Sie allerdings Ihre zumutbare Belastungsgrenze beachten. Dagegen kommt es beim Höchstbetrag für Unterhaltsleistungen von 8.652 Euro nicht auf Ihre individuelle zu- mutbare Belastungsgrenze an.

TIPP Auch ohne Unterhaltsverpflichtung Ihre Zahlungen können Sie in Ausnahme- fällen selbst dann von der

TIPP

Auch ohne Unterhaltsverpflichtung Ihre Zahlungen können Sie in Ausnahme- fällen selbst dann von der Steuer abset- zen, wenn Sie ohne Unterhaltsverpflich- tung an jemanden Unterhalt leisten. Dann müssen dem unterstützten Menschen wegen Ihrer Unterhaltsleistungen aber öf- fentliche Mittel gekürzt worden sein, die für seinen Unterhalt bestimmt waren. Die- se Regelung gilt vor allem für Partner ei- ner nichtehelichen Lebensgemeinschaft, bei denen Ansprüche auf Sozialhilfe und Arbeitslosengeld wegen der Unterhalts- leistungen gekürzt werden.

Steuertipps 2016 6. WoHltÄtiGKeit - 6.3. KIRCHENSTEUER
Steuertipps 2016
6. WoHltÄtiGKeit - 6.3. KIRCHENSTEUER

6.3. Kirchensteuer

Die Kirchensteuer, die Sie gezahlt haben, ist in

voller Höhe als Sonderausgabe abziehbar. Falls

Sie Kapitalerträge erzielen, die Sie mit Ihrem

persönlichen Steuersatz versteuern, zählt auch

die Kirchensteuer dazu, die auf die Kapitaler-

tragsteuer entfällt. Sofern das Finanzamt Ihnen

Kirchensteuer erstattet hat, müssen Sie auch

diese Erstattung angeben. Sie wird dann ge-

gengerechnet.

Auch sogenannte Kirchenbeiträge, die in min-

destens einem Bundesland als Körperschaft

des öffentlichen Rechts anerkannte Religions-

gemeinschaften erheben, sind als Sonderaus-

gaben abziehbar. Voraussetzung dafür ist, dass

Sie dem Finanzamt eine Empfangsbestätigung

der Religionsgemeinschaft über die Beiträge

vorlegen können, die Sie gezahlt haben. Auch

das in einigen Bundesländern erhobene Kirch-

geld ist als Sonderausgabe absetzbar (zum

Beispiel das Kirchgeld der katholischen Kir-

chengemeinden in Bayern).

Ihre Kirchensteuer tragen Sie im Mantel- bogen auf Seite 2 in der Zeile 42 ein.

ACHTUNG Ausnahme bei Kapitaleinkünften Keine Sonderausgabe sind Kirchensteu- ern, die als Zuschlag zur Abgeltungs-

ACHTUNG

Ausnahme bei Kapitaleinkünften

Keine Sonderausgabe sind Kirchensteu-

ern, die als Zuschlag zur Abgeltungs-

steuer einbehalten wurden.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG HAuS unD GArten - 7.1. HAUSHALTSNAHE DIENSTLEISTUNGEN

7. WOHNUNG, HAUS & GARTEN

7.1. Haushaltsnahe Dienstleistungen

Wenn Sie keine Zeit oder keine Lust haben,

Ihre Fenster oder die Wohnung selbst zu put-

zen, den Rasen zu mähen oder die Hecken zu

schneiden, haben Sie möglicherweise jeman-

den beauftragt, der das für Sie erledigt. Macht

er oder sie das legal gegen Rechnung, können

Sie sich einen Teil der Kosten vom Finanzamt

zurückholen. Wenn Sie gewisse Punkte be-

achten, dürfen Sie so insgesamt bis zu 4.000

Euro direkt von Ihrer Steuerschuld abziehen.

Das sind 20 Prozent von maximal 20.000 Euro

Arbeitskosten.

Ihre Ausgaben für haushaltsnahe Dienst-

leistungen tragen Sie auf Seite 3 des Mantelbogens der Steuererklärung für 2016 in der Zeile 72 ein, und zwar inklusi- ve Mehrwertsteuer.

Haushaltsnahe Tätigkeit

Die wichtigste Voraussetzung ist erfüllt, wenn

die von Ihnen als Privatperson bei einem

Dienstleister in Auftrag gegebenen Tätigkeiten

ansonsten von Mitgliedern Ihres Haushalts er

ledigt würden - also durch Ihren Ehe- oder Le-

benspartner oder Kinder, die zu Hause wohnen.

Es muss sich auch tatsächlich um eine reine

Dienstleistung handeln, die noch dazu in Ih-

rem Haushalt erfolgt. Deshalb wird die Zube-

reitung von Speisen in Ihrer Küche steuerlich

gefördert – nicht aber der Catering-Service,

der das Essen für Ihre Party anliefert. Die Ar-

beiten müssen in Ihrer Wohnung oder Ihrem

Haus oder auf dem dazugehörenden Grund-

stück anfallen.

TIPP Kombinieren Sie Sonderregeln gelten für Beschäftigte auf 450-Euro-Basis , die zu Hause für Sie

TIPP

Kombinieren Sie

Sonderregeln gelten für Beschäftigte auf

450-Euro-Basis, die zu Hause für Sie

tätig sind. In diesem Fall ist der Steu-

erabzug auf 510 Euro im Jahr begrenzt.

Die Vergünstigung können Sie aber zu-

sätzlich zum Abzug für haushaltsnahe

Dienstleistungen und den Arbeitskos-

ten von Handwerkern geltend machen.

So kommen Sie im besten Fall auf eine

Steuerersparnis von insgesamt bis zu

5.710 Euro.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG, HAuS & GArten - 7.1. HAUSHALTSNAHE DIENSTLEISTUNGEN

Handwerkerleistungen Sie können mit dem Anstrich der Fassade oder dem Legen neuer Fliesen im Bad einen Handwer- ker beauftragen, dessen Arbeitskosten Sie antei- lig als Handwerkerleistungen zusätzlich in Höhe von bis zu 1.200 Euro von Ihrer jährlichen Steu- erschuld abziehen können. Das sind 20 Prozent von höchstens 6.000 Euro Handwerkerkosten.

Rechnung per Überweisung zahlen Haben Sie einen selbstständigen Dienstleister oder eine Servicefirma mit den haushaltsnahen Arbeiten beauftragt, ist wichtig, dass die Tätigkeit legal erfolgt. Schwarzarbeit zählt selbstverständ- lich nicht. Ihnen muss eine Rechnung zugehen. Zudem dürfen Sie den Betrag nicht bar bezahlen. Nur wenn Sie die Summe überwiesen haben, er- kennt das Finanzamt Ihren Steuerabzug an.

Sie können bis zu 20.000 Euro im Jahr an Ar- beits-, Fahrt- oder Maschinenkosten für haus- haltsnahe Dienstleistungen geltend machen, von denen 20 Prozent Ihre Steuerschuld mindern. Das ergibt einen Abzug von bis zu 4.000 Euro.

Selbst gewisse Kosten für die Entsorgung von Ab- fällen können Sie in Ihrer Steuererklärung ansetzen – aber nur, wenn die Arbeit Teil einer haushaltsna- hen Dienstleistung ist. Die genaue Regelung finden Sie in Paragraf 35a des Einkommensteuergesetzes.

Materialkosten zählen nicht Steuerlich geltend machen können Sie vor allem den Arbeitslohn, den Sie für die haushaltsnahe Dienstleistung zahlen. Aber auch die Fahrtkos- ten Ihres Dienstleisters sowie die Kosten für die Nutzung von Maschinen wie Staubsau- gern oder Gartengeräten können Sie zu einem Fünftel in Ihrer Steuererklärung ansetzen. Auch Verbrauchsmaterialien zählen dazu, also etwa Spül- oder Reinigungsmittel oder das Streugut des Winterdiensts, der für Sie arbeitet.

Fallen zusätzliche Kosten an, wenn etwa ein Dienstleister Ihre Hecke schneidet oder den Rasen mäht und den Schnitt entsorgen muss, können Sie auch diese zu 20 Prozent von Ih- rer Steuerschuld abziehen. Prüfen Sie, welche Kosten Sie eventuell als außergewöhnliche Be- lastung geltend machen können.

Nicht absetzen können Sie dagegen die allgemei- nen Müllgebühren. Auch Nachhilfe- oder Musikun- terricht für die Kinder zählt nicht dazu – selbst wenn er bei Ihnen zu Hause erteilt wird. Ausgeschlossen sind auch die Kosten für die Grabpflege.

Der Verwalter Ihrer Wohneigentümergemein- schaft ist kein Dienstleister, der steuerlich ge- fördert würde; die Kosten für ihn können Sie aber wahrscheinlich an anderer Stelle steuer-

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG, HAuS & GArten - 7.1. HAUSHALTSNAHE DIENSTLEISTUNGEN

lich geltend machen. Haben Sie eine häusliche Pflegedienstleistung in Auftrag gegeben, kön- nen Sie Materialien wie ein spezielles Kranken- bett ebenfalls nicht als haushaltsnahe Dienst- leistung ansetzen.

Liste haushaltsnaher Dienstleistungen Das Bundesfinanzministerium hat in einem Schreiben vom 9. November 2016 die Liste der anerkannten Leistungen erweitert. Die Finanz- ämter erkennen unter anderem an:

Reinigung der Wohnung, des Teppichs oder der Fenster,

Fußwegreinigung und Winterdienst, auch auf öffentlichen Gehwegen,

teilweise Gartenarbeiten wie Rasen mähen, Baumpflege oder Hecken schneiden,

Pflegedienstleistungen,

Kinderbetreuung zu Hause sowie

Betreuung von Haustieren in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus sowie das Ausführen des Hunds.

Auf die Rechnung achten Achten Sie unbedingt darauf, dass Arbeits- und andere Kosten in der Rechnung Ihres Dienst- leisters aufgeschlüsselt sind. Sollte daraus nicht klar hervorgehen, was Sie wofür zahlen, verlangen Sie eine neue Rechnung.

Weitere Vergünstigungen nutzen Haushaltsnahe Dienstleistungen überschneiden sich teils mit der Tätigkeit von Handwerkern, die Sie mit Arbeiten in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus beauftragen. Diese können Sie ebenfalls steuerlich geltend machen. Das Bundesfinanz- ministerium versucht eine Abgrenzung, wonach die Gestaltung eines Gartens eine Handwerker- leistung, die Pflege hingegen als haushaltsnahe Dienstleistung begünstigt ist.

Steuerabzug für Mieter Auch als Mieter können Sie die Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen geltend ma- chen, die sich in Ihrer Nebenkostenabrechnung wiederfinden. Beispiele sind Ausgaben für den Putzdienst, Gartenarbeiten, Hausmeister oder den Winterdienst. Achten Sie darauf, dass die Posten in Ihrer Nebenkostenabrechnung de- tailliert aufgeschlüsselt und Ihrer Mietwohnung klar zugeordnet sind.

Notfalls lassen Sie sich von Ihrem Vermieter eine entsprechende Bescheinigung geben. Die Summe, die Sie von Ihrer Steuerschuld abzie- hen können, dürfte allerdings umso kleiner aus- fallen, je mehr Parteien zusammen mit Ihnen im Mietshaus wohnen.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG, HAuS & GArten - 7.1. HAUSHALTSNAHE DIENSTLEISTUNGEN

Kein Steuerabzug für Vermieter

Wenn Sie eine Wohnung oder ein Haus vermieten

und darin Renovierungsarbeiten angefallen sind,

dürfen Sie die Kosten nicht als Handwerkerlohn

absetzen. Sie können Sie aber als Werbungskos-

ten bei den Einkünften aus Vermietung und Ver-

pachtung geltend machen.

Tragen Sie die Gesamtsumme in Zeile 22 und in Zeile 50 der Anlage V ein.

Wohnungseigentümergemeinschaften

Auch wenn Sie Teil einer Wohnungseigentümer-

gemeinschaft sind und bestimmte Dienstleistun-

gen wie den Winterdienst gemeinsam an eine

Servicefirma vergeben, können Sie die Kosten

dafür teilweise in der Steuererklärung geltend

machen. Voraussetzung ist allerdings, dass die

insgesamt anfallenden Aufwendungen sauber auf

die einzelnen Eigentümer aufgeteilt sind. Achten

Sie deshalb darauf, dass sie in Ihrer Jahresrech-

nung detailliert aufgeführt und Ihrer Wohneinheit

klar zugeordnet sind. Sie können sich auch eine

Bescheinigung Ihres Verwalters dafür ausstellen

lassen, die Sie beim Finanzamt einreichen.

Ihre Ausgaben aus der Jahresabrechnung tragen Sie bei den haushaltsnahen Dienstleis- tungen auf Seite 3 des Mantelbogens in der Zeile 72 ein, und zwar inklusive Umsatzsteuer. Handwerkerkosten gehören in die Zeile 73.

Hilfe durch Au-pair

Haben Sie ein Au-pair in Ihren Haushalt aufge-

nommen, sind auch diese Kosten absetzbar.

Falls Sie im Arbeitsvertrag keine Regelung ge-

troffen haben, wie sich die Tätigkeit auf Kinder-

betreuung und Haushaltshilfe verteilt, ordnen

die Finanzämter jedem Bereich jeweils die Hälf-

te zu. Für Unterkunft und Verpflegung können

Sie die amtlichen Sachbezugswerte ansetzen.

Auch Vermittlungsgebühr, Aufenthaltserlaubnis,

Fahrkarten und Versicherungen dürfen Sie als

Arbeitgeber absetzen.

Wenn Sie im Vertrag festlegen, dass das Au-

pair ausschließlich Kinder betreuen soll, dann

können Sie die gesamten Kosten der Kinderbe-

treuung zuordnen und als Sonderausgaben ab-

setzen. Empfehlenswert ist das insbesondere,

wenn mehrere Kinder im Haushalt zu betreuen

sind, weil für jedes Kind bis zu 4.000 Euro Be-

treuungskosten absetzbar sind.

Im Vertrag sollte zudem die Vergütung unter

Hinweis auf die amtlichen Sachbezugswerte

geregelt sein. Die Formulierung könnte so lau-

ten: „Nach Abzug der freien Kost und Logis

werden x Euro an Taschengeld auf das Konto

x monatlich überwiesen.“ Falls das Finanzamt

nicht die kompletten Kosten als Kinderbetreu-

ungskosten anerkennt, können Sie den Rest bei

den haushaltsnahen Dienstleistungen angeben.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG, HAuS & GArten - 7.1. HAUSHALTSNAHE DIENSTLEISTUNGEN

Ihre Ausgaben für ein Au-pair geben Sie bei den haushaltsnahen Dienstleistungen auf Seite 3 des Mantelbogens in der Zeile 72 an.

Abzugsmöglichkeiten für Pflegebedürftige Dafür, dass eine haushaltsnahe Dienstleistung als in Ihrem Haushalt erbracht gilt, müssen Sie in der entsprechenden Wohnung oder im Haus nicht im- mer selbst wohnen: Die Steuervergünstigung gilt auch dann, wenn Sie wegen Krankheit oder Pfle- gebedürftigkeit vorübergehend außer Haus leben müssen. Auch darüber hinaus bestehen für Pflege- bedürftige einige Ausnahmen von den grundsätzli- chen Regelungen für haushaltsnahe Dienstleistun- gen. Sie können beispielsweise den Besuch der Friseurin oder des Fußpflegers als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen, obwohl diese Dienste normalerweise nicht von einem Angehörigen Ih- res eigenen Haushalts geleistet werden. Auch die Kosten für ein Notrufsystem sind beim Wohnen in einem Seniorenheim steuerlich abzugsfähig.

Pflegebedürftige tragen ihre Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen auf Seite 3 des Mantelbogens in die Zeilen 67 ein, und zwar inklusive Mehrwertsteuer.

Außergewöhnliche Belastungen Wenn Sie zwangsläufig höhere Aufwendungen haben als der durchschnittliche Steuerzahler

mit vergleichbar hohen Einkünften und in einer vergleichbaren Lebenslage, können Sie diese Kosten als außergewöhnliche Belastungen gel- tend machen. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Pflegekraft handeln. Die Ausgaben da- für gelten für die Finanzämter allerdings erst ab einer gewissen Höhe als außergewöhnlich. Für den darunter liegenden, gewissermaßen gewöhnlichen Betrag (zumutbare Belastung) haben Sie vielleicht die Möglichkeit, ihn zu- sätzlich als haushaltsnahe Dienstleistung an- teilig von Ihrer Steuerschuld abzuziehen. Sind die Pflegekosten für Sie vergleichsweise gering und damit kaum außergewöhnlich, raten wir, sie in der Steuererklärung vollständig dort an- zusetzen, damit Sie die Vergünstigung für haus- haltsnahe Dienstleistungen möglichst komplett nutzen können. Ab wann eine Belastung als au- ßergewöhnlich gilt, richtet sich unter anderem nach Ihrem Einkommen.

Wenn Ihre Pflegekosten als außergewöhn- liche Belastungen berücksichtigt werden sollen, tragen Sie sie im Mantelbogen auf Seite 3 in die Zeilen 67 und 68 ein.

Alternativ geben Sie die Pflegekosten bei den haushaltsnahen Dienstleistungen auf Seite 3 des Mantelbogens in Zeile 72 an.

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG, HAuS & GArten - 7.1. HAUSHALTSNAHE DIENSTLEISTUNGEN

Dienstleistungen von Partnern und Kindern Leistungen, die Ehepartner füreinander oder un- terhaltsberechtigte Kinder für ihre Eltern erbrin- gen, können grundsätzlich nicht in einem Vertrag geregelt werden, den das Finanzamt anerkennt. Der rechtliche Hintergrund sind die Verpflich- tungen, die in den Paragrafen 1360, 1356 sowie 1619 des Bürgerlichen Gesetzbuchs festgelegt sind. Die Passagen erstrecken sich auch auf die eingetragene Lebenspartnerschaft und nicht eingetragene Lebensgemeinschaften.

Wenn Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter mo- natlich 20 Euro für die Hilfe beim Rasenmähen zahlen, können Sie die Summe möglicherweise trotzdem absetzen – aber nur, wenn Ihre Ange- hörigen nicht in Ihrem Haushalt leben. Zudem muss der Vertrag zivilrechtlich korrekt zustande gekommen und so ausgestaltet sein, wie Sie ihn auch mit Fremden schließen würden. Und schließlich muss die vereinbarte Leistung auch tatsächlich erbracht worden sein.

Auch für Arbeiten im EU-Ausland nutzbar Selbst wenn Sie einen Hausmeisterdienst mit der Pflege Ihrer Finca auf Mallorca beauftragt haben:

Die Kosten dafür erstattet Ihnen zum Teil der deut- sche Fiskus. Das gilt für alle Ferien- oder Zweit- wohnungen, sofern sie innerhalb der 28 EU-Staa- ten sowie Liechtenstein, Norwegen oder Island

als Mitglieder im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) liegen. Allerdings gilt auch hier: Sie müssen die Immobilie selbst nutzen. Haben Sie diese ver- mietet, setzen Sie die Kosten als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpach- tung an.

In Ihrer Einkommensteuererklärung gehören diese Aufwendungen auf die zweite Seite der Anlage V. Tragen Sie die Gesamtsumme in Zeile 22 und in Zeile 50 ein.

Kinderbetreuung Auch wenn die Betreuung und die Aufsicht über die Kinder zu klassischen Arbeiten zählen, die von einem Familienmitglied ausgeführt werden: Die Kosten dafür sind nur zum Teil als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzbar; meistens dürfte das auch noch die steuerlich schlechtere Variante für Sie sein. Vielmehr können Sie die Kinderbetreu- ungskosten zu zwei Dritteln als Sonderausgaben ansetzen – bis zu einer Höhe von 4.000 Euro je Kind.

Einmaliger Abzug Was Sie schon anderweitig steuerlich geltend ge- macht haben, können Sie nicht noch einmal als haushaltsnahe Dienstleistung ansetzen. Haben Sie Aufwendungen beispielsweise als Sonderausga- ben oder außergewöhnliche Belastungen geltend

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG, HAuS & GArten - 7.2. HANDWERKERLEISTUNGEN

gemacht, fallen sie aus dem Steuerabzug heraus.

Dennoch ergeben sich Spielräume bei einigen Tä-

tigkeiten, für die Sie wahlweise auch die Vergüns-

tigungen für Handwerkerarbeiten nutzen können.

Prüfen Sie genau, was Sie wo geltend machen,

um Ihren Steuerabzug vollständig zu nutzen. Und

kombinieren Sie ihn möglicherweise damit, dass

Sie ihn als außergewöhnliche Belastung ansetzen.

Vor- und Rückträge sind nicht möglich

Nicht möglich ist der Übertrag entstandener Kos-

ten in das folgende oder das Vorjahr. Das heißt,

wenn Sie in einem Jahr keine Steuern zahlen, weil

Ihre Einkünfte zu gering sind, können Sie auch den

Steuervorteil nicht nutzen – die Vergünstigung ent-

fällt komplett.

Wilde Ehe und getrennte Veranlagung

Alleinstehende Steuerpflichtige, die zusammen

einen Haushalt bewohnen, können den gesamten

Steuerabzug für haushaltsnahe Dienstleistungen

insgesamt nur einmal in Anspruch nehmen. Des-

halb müssen Sie den Namen Ihres Partners sowie

sein Geburtsdatum im Mantelbogen der Einkom-

mensteuererklärung in Zeile 75 angeben.

In Zeile 76 des Mantelbogens können Sie angeben, wie Sie die Höchstbeträge bei den haushaltsnahen Dienstleistungen und den Handwerkerleistungen aufgeteilt haben möchten.

7.2. Handwerkerleistungen

Das Kinderzimmer musste mal wieder gestri-

chen, die Türen renoviert und das Bad geka-

chelt werden. Doch vielen fehlt die Zeit, solche

kleinen Verschönerungen selbst zu machen.

Oder die Arbeiten sind zu kompliziert, zum Bei-

spiel die Reparatur der Waschmaschine oder

des Fernsehers. Haben Sie damit einen Hand-

werker beauftragt, können Sie einen Teil des

Arbeitslohns, den Sie dem Maler, Tischler oder

Fliesenleger bezahlt haben, direkt von Ihrer

Steuerschuld abziehen, wenn Sie einige Regeln

beachten. So können Sie Ihre Zahlungen an

das Finanzamt um bis zu 1.200 Euro verringern.

Handwerkerleistungen tragen Sie auf Sei- te 3 des Mantelbogens in der Zeile 73 ein, und zwar inklusive Mehrwertsteuer.

Selbst genutzte Wohnung

Wichtigste Voraussetzung ist, dass Sie den Auf-

trag als Privatperson vergeben haben und dass

die Arbeiten in Ihrer selbst genutzten Wohnung,

Ihrem Eigenheim oder auf dem dazu gehören-

den Grundstück ausgeführt wurden. Die Förde-

rung erstreckt sich auf die Wiederherstellung,

Renovierung und Verschönerung von Räumen

und deren Einrichtung sowie der Reparatur

von Haushalts- und Elektrogeräten. Auch die

kompletten Kosten für Ihren Schornsteinfeger

< Inhalt

< Inhalt

47

47

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG, HAuS unD GArten - 7.2. HANDWERKERLEISTUNGEN

fallen darunter.

Nicht steuerlich gefördert ist das Schaffen von neuer Wohn- oder Nutzfläche. Wenn Sie eine neue Garage anbauen wollen, unter- stützt Sie der Fiskus dabei also nicht – wohl aber, wenn Sie Ihre alte Garage neu haben streichen lassen oder ihr ein neues Dach verpassen lassen. Haben Sie eine ausfahr- bare Markise über Ihrer Terrasse anbringen lassen, können Sie die Kosten teilweise von der Steuerlast abziehen – nicht aber, wenn Sie dort einen komplett neuen Wintergarten haben errichten lassen.

Ebenfalls nicht anerkannt werden grundsätz- lich die Tätigkeit eines Gutachters, vorge- schriebene Sicherheitsprüfungen etwa an der Heizungsanlagen sowie Entsorgungsdienst- leistungen, sofern sie nicht Teil einer Moder- nisierung oder eines Umbaus sind.

beglichen haben. Nur dann erkennt das Fi- nanzamt Ihren Beleg an. Lohn für Handwerker absetzbar Steuerlich geltend machen können Sie den Lohn für handwerkliche Arbeiten. Ansetzen kön- nen Sie bis zu 6.000 Euro im Jahr, von denen 20 Prozent Ihre Steuerschuld mindern; das sum- miert sich auf bis zu 1.200 Euro. Auch Fahrt- und Gerätekosten fallen darunter. Gleiches gilt für Verbrauchsmittel, die für die Arbeiten nötig sind, sowie die Entsorgung von Abfällen – aber nur dann, wenn das Teil Ihres Auftrags für Mo- dernisierungsarbeiten ist.

Nicht absetzen können Sie die Materialien, die für die Arbeiten nötig sind. Tapeten, Farben und Fliesen zahlen Sie also ganz allein.

Liste der Handwerkertätigkeiten Von den Finanzämtern anerkannt werden unter anderem:

Rechnung per Überweisung zahlen Ob es sich um einen eingetragenen Hand- werksbetrieb handelt, ist für den Steuerabzug nicht entscheidend: Wichtig ist aber, dass die Arbeiten legal erfolgt sind. Schwarzarbeit zählt selbstverständlich nicht. Sie müssen eine korrekte Rechnung vorweisen können, die Sie nicht bar, sondern per Überweisung

Malerarbeiten in der Wohnung oder am Haus,

Austausch oder Renovierung von Fenstern und Türen,

komplette Schornsteinfegerkosten,

Dach- oder Fassadenarbeiten,

Reparatur von Haushaltsgeräten, Elektro- nikgeräten und Computern,

Wartung der Heizungsanlage,

Steuertipps 2016
Steuertipps 2016

7. WoHnunG, HAuS unD GArten - 7.2. HANDWERKERLEISTUNGEN

Pflasterarbeiten auf dem Hof vor dem Haus,

Verlegung von Bodenbelägen wie Fliesen, Teppich oder Parkett,

Modernisierung der Einbauküche oder des Badezimmers,

Dichtheitsprüfung bei Abwasserleitungen.

Auf die Rechnung achten In der Rechnung Ihres Handwerkers müssen Lohn- und Materialkosten getrennt ausgewiesen sein. Ist das nicht der Fall, sollten Sie eine neue Rechnung verlangen. Ihr Handwerker darf den Rechnungsbetrag auch prozentual in Arbeits- und Materialkosten aufteilen, solange er dabei realistisch bleibt. Bei Wartungsaufträgen etwa für Ihre Heizung akzeptieren die Finanzämter auch eine Anlage zur Rechnung, aus der hervor- geht, wie hoch der anteilige Arbeitslohn ist.

Gartenarbeiten Es gibt Ausnahmen vom Grundsatz, dass nur die Renovierung, nicht aber der Bau von et- was Neuem gefördert wird. Der Bundesfinanz- hof hat entschieden, dass bei umfangreichen Gartenarbeiten der Arbeitslohn auch dann ab- setzbar ist, wenn dabei eine neue Stützmauer errichtet wird (Urteil vom 13. Juli 2011, Az. VI R 61/10). Gärtnerarbeiten können Sie entweder als Handwerkerkosten oder als haushaltsna- he Dienstleistungen geltend machen. Weil die

Finanzämter keine klare Abgrenzung machen, haben Sie einen gewissen Gestaltungsspiel- raum. Rechnen Sie nach, ob Sie bei einer der beiden Abzugsmöglichkeiten noch nicht voll ausgeschöpft haben.

Haushaltsgeräte reparieren lassen Wenn Sie sich fragen, welch