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Römische Militaria aus der jüngeren römischen Kaiserzeit in Norwegen - „Export“ römischer negotiatores oder „Import"germanischer principes?

von Claus von Carnap-Bornheim und Jørgen Ilkjær

Der Handel mit Waffen stellt sicherlich nicht nur in der Neuzeit einen der sensibelsten Bereiche kommerzi- eller Tätigkeit dar‘. In hohem Maße sind diese Handels- aktivitäten von politischen Konstellationen abhängig, die sich bekanntermaßen schnell ändern können und somit ein flexibles Geschäftsgebahren verlangen. Nicht zuletzt muß hier mit einem ganz erheblichen Graube- reich gerechnet werden, in dem der Handel mit Waffen zwischen der Legalität und Illegalität hin und her pen- delt. Dies gilt sicherlich auch für die römische Kaiser- zeit. Ohne Zweifel war die römische Waffentechnologie insbesondere seit der augusteischen Zeit jener der Bar- baren weit überlegen 2 ; als Beispiel sei hier nur an römische Schwerter oder die römische Artillerie erin- nert. Dennoch finden sich schon seit dem Beginn der römischen Kaiserzeit immer wieder römische Waffen im Barbaricum, die auf unterschiedlichen Wegen und vor dem Hintergrund einer wechselvollen Geschichte zwischen Römern und Barbaren interpretiert werden müssen 3 Die Diskussion bezüglich römischer Waffen im ger- manischen Barbaricum ist im wesentlichen durch zwei Fragen gekennzeichnet: l) War der Handel mit römi- schen Waffen (insbesondere Schwertern) legal oder ille- gal, ab wann können entsprechende Vorschriften nach- gewiesen werden und haben diese einen Einfluß auf die Zuführ römischer Waffen in das Barbaricum 4 , und 2) Können römische Waffen im Sinne einer politisch-mili- tärischen Einflußnahme Roms auf grenznahe Provinzen (etwa in Nordwestdeutschland) interpretiert werden 5 . Beide Ansätze liefern wertvolle Überlegungen zum Charakter römischen Waffenimports in das Barbari- cum, sie diskutieren aber kaum die Frage, welche Rolle diesen Waffen innerhalb der germanischen Gesellschaft zukommt. Dieser Ansatz soll im folgenden vor dem Hintergrund römischer Waffen wie Schwerter oder aber Schwertscheidenzubehör einerseits in dänischen Mooren, andererseits in norwegischen Waffengräbem diskutiert werden. Der gute Forschungsstand zur kaiser- zeitlichen Bewaffnung in Skandinavien erlaubt hier interessante Einblicke, wobei wichtig erscheint, daß dieser Bereich - anders als das unmittelbare Limes- vorland - kaum im Blickfeld römischer Machtpolitik lag. Römische Militaria können hier somit nicht als

Mittel politischer Einflußnahme im Sinne des Modells von M. Erdrich interpretiert werden 6 . Vielmehr müssen andere Mechanismen den Import dieser wertvollen Ware bedingt haben.

Römische Waffen in Norwegen - eine Übersicht

Die beeindruckendste Gruppe römischer Waffen in Norwegen stellen sicherlich die zweischneidigen Lang- schwerter mit Inkrustationen dar 7 . Heute sind insgesamt vier Exemplare dieses Typs aus Norwegen bekannt, die sowohl in Opland (Jevnaker, Øvre Stabu, Rør) als auch in Nord-Tröndelag (Egge Steinkjer) entdeckt wurden 8 . Die Spatha aus Egge repräsentiert einen rela- tiv frühen Horizont importierter römischer Waffen, ver- mutlich noch am Ende des l. oder am Beginn des 2. Jh.s, während die Schwerter aus Jevnaker, Øvre Stabu, Rør schon an den Beginn des 3. Jh.s zu datieren sind 9 (Abb. l). Neben die Klingen mit figürlichen Inkrusta- tionen sind solche Stücke zu stellen, die mit Stempel- marken verziert sind (By, Einang, Arnelund, Røllang), von denen zumindest die Stücke aus Arnelund und Einang der 2. Hälfte des 3. Jh.s (C2) zuzuweisen sind 10 . Inschriften wie „ACIRONIO" (Røllang) oder "RAN- VICI" (Einang) beweisen ihre römische Provenienz. Wir möchten annehmen, daß auch die übrigen, ein- fachen zweischneidigen Schwerter der Periode Cl in Norwegen als Importe aus dem Imperium zu betrachten sind 11 , da typologische Unterschiede zu den gestem-

1 Dieser Beitrag erschien - in leicht veränderter Form - in dänischer Sprache in: I. Fuglestvedt/T. Gansum/A. Opedal (Red.), Vennebok til Bjørn Myhre på 60-årsdagen. AmS-Rapport, 1999 Arkeologisk museum in Stavanger.

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Erdrich 1994.

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Ebd.

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Zusammenstellungen bei Bishop/Coulston 1993. - Feugère 1993

Kaczanowski 1992. - Kaczanowski 1994.

Kunow 1986. - Lønstrup 1986.

Rosenqvist 1970. - Rygge 1970.

Zusammenstellung bei Biborski 1994.

So auch Bemmann/Hahne 1994, 365.

S. auch Rygge 1970, 225 f.

So auch Bemman/Hahne 1994, 366.

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Abb. l: Römische Militaria aus norwegischen Waffengräbem. Schwert von 0vre Stabu und Jevnaker (n. Biborski

Abb. l: Römische Militaria aus norwegischen Waffengräbem. Schwert von 0vre Stabu und Jevnaker (n. Biborski 1994 Abb. 3b); Schwertriemenbügel, Doppelknopf und Beschlag aus Hunn, F 20 (n. Resi 1986, Taf. 10, l u. 2); Schwertriemenbügel aus Solberg (n. Rygh 1885, Abb. 199 a); Balteusbeschlag aus Jevnaker (n. Rygh 1885, Abb. 198 a).

pelten oder inkrustierten Klingen nicht erkennbar sind. Unsere Aufstellung (Tab. 2) erhebt zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit; dennoch ergibt sich ein- deutig, daß der Zustrom von römischen Schwertern so wie er durch norwegische Waffengräber rekonstruiert werden kann - in der Periode Clb (erste Hälfte des 3. Jh.s) mit einem Anteil von ca. 40% der insgesamt erfaßten Stücke am höchsten ist. Wird dabei noch die relativ kurze Zeitspanne von ca. 40 Jahren für die Peri- ode Clb (vor dem Hintergrund der ca. 350 Jahre von Periode B2 [ab ca. 50 n. Chr] bis Periode C3 [bis ca. 400 n. Chr.] ) berücksichtigt, so wird das Bild noch eindrücklicher.

Weitaus geringer ist die Zahl der sicher römischen Schwertscheidenbeschläge, die aus norwegischen Grab- funden stammen. Hier ist zunächst der inkrustierte Bügel aus Solberg (Opland) zu erwähnen 12 (Abb.l), dazu kommen drei bronzene Riemenbügel mit ring- förmiger Kopfplatte aus Hunn und aus Hilden 13 . Zum Grabfund von Solberg verfügen wir leider über keine sicheren Fundbeobachtungen, ob es sich um ein

12 Rygh l880,Fig. 199.

13 Hunn: Resi 1986, Taf. 10, 2. - Hilden: Grieg 1926, 31 u. 67, Fig. 25u. 26.

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geschlossenes Inventar handelt ist unsicher 14 , das Stück scheint jedoch an das Ende der Periode B2 (Mitte des 2. Jh.s. n Chr.) datierbar. Auch Grab l aus Hunn wird in den jüngeren Abschnitt der Periode B2, also in die Mitte des 2. Jh.s, gestellt, dagegen repräsentiert Grab 2 von Hilden einen jüngeren Horizont (Periode Clb). Schwieriger zu beurteilen sind die Ortbänder aus norwegischen Grabfunden der jüngeren römischen Kaiserzeit. Sowohl die einfachen Dosenortbänder als auch andere, einfachere Formen dürften aus ein- heimischer Produktion stammen. Eindeutig römische Stücke sind bislang nicht sicher nachweisbar 15 . Mög- licherweise würden hier Röntgenuntersuchungen wei- tere Anhaltspunkte liefern. Es kann somit festgestellt werden, daß nur Schwerter und in einigen wenigen Fällen Schwertscheidenbeschläge aus dem Imperium nach Norwegen gelangten. Schildbuckel, Lanzen oder Speere, die sicher als römischer Import angesprochen werden können, fehlen dagegen. Eine kleine, aber dennoch bemerkenswerte Gruppe stellen römische Beschläge von Schwertgurten dar, die in einigen wenigen Fällen in norwegischen Gräbern nachweisbar sind. Hier ist zunächst der emaillierte Bal- teusbeschlag aus dem leider unsachgemäß geborgenen Grab von Jevnaker zu erwähnen 16 (Abb. l). Zu diesem Inventar gehören Bestandteile eines aufwendig verzier- ten Schildes mit bronzenem Schildbuckel und preß- blechverzierten Beschlägen sowie Teile einer Schwert- garnitur. An der Datierung dieses Inventars in die Peri- ode Clb (l. H. des 3. Jh.s.) besteht kaum ein Zweifel. Ein weiterer, möglicherweise römischer Balteusbeschlag fand sich im Grabfund von Hammer (Nord-Trøndelag), zusammen mit einem zweischneidigen Schwert und einem Dosenortband mit Einlagen(?) sowie einem Speer, einer Lanze und Keramik. Auch ein Doppelknopf aus Grab l von Hunn kann möglicherweise als römischer Import angesprochen werden 17 (Abb. l). In Verbindung mit dem römischen Schwertriemenbügel und dem zweischneidigen Lang- schwert könnte dieses Stück zu einer Garnitur zusam- mengefügt werden, bei der der Schwertgurt sowohl durch einen Doppelknopf als auch durch einen gewölb- ten Bronzebeschlag erschlossen wurde 18 , wenn auch

14 Ilkjær 1990, Kat. Nr. 659. - Bemmann/Hahne 1994, Kat. Nr. 112;

15 So auch Bemmann/Hahne 1994, 394 ff. Möglicherweise ist jedoch das Ortband aus Hammer (Nord-Trendelag; Ilkjær 1990, Kat. Nr. 247) aufgrund seiner Einlagen römischer Provenienz.

16 Rygh 1885, Abb. 198 a, - Grieg 1926, 42 ff. Abb. 29 a. - Ilkjær 1990, Kat. Nr. 329. - Bemmann/Hahne 1994, Kat. Nr. 82.

17 Resi 1986,72 Taf. 10, l.

18 Mischform von Schwertgurt Gruppe 5 mit germanischem und römi- schem Beschlag; s. Camap-Bomheim/Ilkjær 1996, 308 f. Tab. 23 Abb.

210.

19 Ilkjær 1990. - Ilkjær 1993. - Camap-Bomheim/Ilkjær 1996.

20 Ilkjær 1993 mit weiteren Hinweisen.

21 Ilkjær 1993, 376 ff. Abb. 152.

nicht ausgeschlossen ist, daß dieser Knopf Teil eines Leibriemens war. Allgemein entsteht so ein recht homo- genes Bild römischer Militaria in Norwegen (s. auch Tab. l), das wir weiter unten, nach einer kurzen Betrachtung der kaiserzeitlichen Moorfunde in Süds- kandinavien, weiter diskutieren werden.

Zu den Mooropfern von Illerup Platz A und Vimose (3)

Der neuere Forschungsstand

Mit der umfassenden chronologischen, chorologischen und strukturellen Analyse der südskandinavischen Mooropfer ergeben sich interessante Perspektiven zur Neubewertung der norwegischen Waffengräber der römischen Kaiserzeit 19 . Zunächst soll hier kurz der Cha- rakter dieser Fundgruppe beschrieben werden. Beson- ders an der Ostküste Jütlands, aber auch auf Fünen, wurden seit dem letzten Jahrhundert große Komplexe von Waffen und persönlichen Ausrüstungen bekannt, die in der römischen Kaiserzeit in Mooren oder Seen versenkt wurden. Das außergewöhnliche Fundmaterial umfaßt das gesamte Spektrum germanischer Bewaff- nung wie Schwerter, Lanzen und Speere, Pfeile und Bögen, aber auch Schutzwaffen wie Schilde oder auf- wendige Pferdegeschirre. Dazu kommen die persönli- chen Ausrüstungen der Krieger, die im wesentlichen aus Gürteln mit Schnallen und Riemenzungen sowie aus Kämmen und anderen Gegenständen des persön- lichen Bedarfs bestehen 20 . Wir können heute davon ausgehen, daß die Waffen und persönlichen Ausrüs- tungen von einer lokalen Bevölkerung in Mooren oder Seen deponiert wurden. Sie wurden nach militäri- schen Auseinandersetzungen von eindringenden, frem- den Verbänden erbeutet und stellen im lokalen Umfeld ein fremdes Bewaffhungs- und Ausrüstungsmuster dar. Außergewöhnlich ist der Umfang der Niederlegungen:

so wurden etwa im Vimose 3500 Gegenstände ent- deckt, aus Illerup stammen ca. 15000 Funde. Zwar können im Rahmen dieses Beitrages kaum weitere Ein- zelheiten besprochen werden; es steht aber außer Zwei- fel, daß die Mooropfer Südskandinaviens zu den spek- takulärsten Fundkomplexen der kaiserzeitlichen Archä- ologie im Barbaricum zu rechnen sind. Wichtig ist nun die Frage, welche Gruppen oder besser, welche Regionen in diese Konflikte verwickelt waren. Belegen die Mooropfer regionale Auseinander- setzungen oder sind sie Ausdruck überregionaler Kon- fliktsituationen? Hier können die persönlichen Ausrüs- tungen der Krieger (Schnallen, Kämme) wertvolle Hin- weise liefern 21 . So zeigt die archäologische Analyse dieses Fundstoffes, daß zumindest die Krieger von Ille- rup Platz A und Vimose (3) mit hoher Wahrschein- lichkeit vom Süden der skandinavischen Halbinsel her

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(Südnorwegen, Südwestschweden) die Ostküste Jüt- lands - wenn auch erfolglos - angriffen (Abb. 2). Somit müssen wir besonders für die Zeit um 200 bis 250 n.Chr. (Clb-Horizont, Ilkjær Gruppen 5 und 6) mit jenen erfolglosen Vorstößen militärischer Einheiten aus dem südwestlichen Teil der skandinavischen Halbinsel rechnen, die zu den Opferungen in den ostjütischen Mooren führten. Diese Argumentation kann hier nicht im einzelnen nachgezeichnet werden, aus ihr ergibt sich aber die überraschende Einsicht, daß sich ein wertvol- les Material zur kaiserzeitlichen Geschichte Norwegens heute als Resultat der Ausgrabungen in Illerup und im Vimose in den Beständen dänischer Museen befindet. Wichtig erscheint aber auch ein zweiter Aspekt, nämlich der sichere Nachweis der gleichzeitigen Depo- nierung von ca. 12000 Gegenständen (Waffen und persönliche Ausrüstungen) in Illerup Platz A. Über die Fragmentzusammensetzungen kann nachgewiesen werden 22 , daß die zum Teil recht weit voneinander lie- genden Fundkonzentrationen zum gleichen Zeitpunkt im Rahmen einer einzigen, großen Opferungszeremo- nie deponiert wurden. Damit ergibt sich ein wesentli- cher methodischer Unterschied zum archäologischen Material z.B. aus norwegischen Waffengräbem der jün- geren römischen Kaiserzeit: Während diese lediglich „relativ-chronologisch" gleichzeitig sind, müssen die Funde aus Illerup Platz A auch als „absolut-chronolo- gisch" gleichzeitig betrachtet werden. Sie wurden zum gleichen Zeitpunkt deponiert und der inneren Logik der Mooropferfunde folgend, zum gleichen Zeitpunkt von Kriegern benutzt, die vergeblich Jütland bzw. Fünen angriffen.

Römische Waffen in Illerup Platz A und in Vimose (3)

Römische Waffen im Barbaricum gehören seit der Zeit um Christi Geburt zu seltenen, keineswegs aber ungewöhnlichen Funden 23 . Aufgrund ihres archäologi- schen Fundkontextes, ihrer Datierung und Verbreitung können diese Gegenstände auf sehr unterschiedliche Art und Weise in das Barbaricum gelangt sein. So kamen römische Militaria mit Truppenbewegungen römischer Legionen selbst in das Barbaricum 24 , doch können diese Waffen auch als Beute oder als legale oder illegale Handelsware das Barbaricum erreicht haben 25 . Denkbar ist aber auch, daß wertvollere Militaria etwa als Geschenke der Römer in die Hände der Barbaren gelangten (z.B. Helme) oder gar von römischen Hand- werkern selbst im Barbaricum hergestellt wurden 26 . Zuletzt kann auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, daß heimkehrende Barbaren, die über eine län- gere Periode in römischen Diensten standen, einzelne Waffen als persönlichen Besitz in ihre Heimat brachten.

Waffen als persönlichen Besitz in ihre Heimat brachten. Abb. 2: Periode Clb-Horizont n. Ilkjær mit Angriffen

Abb. 2: Periode Clb-Horizont n. Ilkjær mit Angriffen aus dem südwestlichen Bereich der skandinavischen Halbin- sel in das Umfeld des Kattegat (n. Ilkjaer 1993, Abb.

153).

Wir wollen uns im folgenden auf die kaiserzeitlichen Mooropfer der Periode Clb (l. H. des 3. Jh.s.) konzent- rieren, um die im Titel formulierte Frage weiter disku- tieren zu können. Umfangreichere Inventare römischer Militaria der Periode Cl liegen aus dem Vimose und aus Illerup vor 27 . Besonders auffällig sind zunächst die

22 Ilkjær 1990, 24 ff. Abb. 14-15.

23 Kaczanowski 1992. - Kaczanowski 1994.

24 Kalkriese (Deutschland): Schlüter 1992. - Mu‘sov (Mähren): Tejral 1992, 424 ff.

25 Zur Problematik: Kunow 1986. - Lønstrup 1986.

26 Eine entsprechende Möglichkeit deutet Rygge 1970, 223 an.

27 Die Funde aus Thorsberg werden hier nicht weiter berücksichtigt, da sie mit großer Wahrscheinlichkeit Angriffe repräsentieren, die nicht von der skandinavischen Halbinsel, sondern aus dem Umfeld der Elbe nach Norden hin vorgetragen wurden; vgl. Ilkjær 1993, 376 f. Abb. 152.

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zweischneidigen Langschwerter, von denen in Illerup ca. 147 (Platz A und B) und im Vimose ca. 70 Exem- plare entdeckt wurden 28 . Insgesamt sind aus diesen beiden Mooren mehr als 220 Stücke bekannt, die in mehreren Fällen mit Stempelmarken oder figürlichen Inkrustationen versehen sind 29 . Gegenstand der bishe- rigen Diskussion war dabei die Frage, ob die nicht- gestempelten Klingen möglicherweise aus barbarischer Produktion stammen könnten. Hier ist zumindest für das skandinavische Material der Nachweis für eine solche Produktion in der ersten Hälfte des 3. Jh.s nicht gesichert. Eine vorläufige Analyse der mit Namen gestempelten Klingen zeigt 30 , daß diese Waffen aus unterschiedlichen Provinzen des römischen Imperiums in die Hände der Barbaren gelangten. Eine zweite, quantitativ umfassende Gruppe römi- scher Militaria in den Mooropfern von Illerup und Vimose stellen Schwertscheidenbeschläge und römi- sche Beschläge für Schwertgurte (Baltei) dar. Betrachten wir zunächst die Schwertscheidenbeschläge. Zu dieser Gruppe gehören allgemein Mundbleche, Schwertriemenbügel, Ortbänder sowie Rand- und Zier- beschläge. Im hier zur Diskussion gestellten Material sind als römischer Import Schwertriemenbügel und Ortbänder sicher nachweisbar (s. Tab. l). In Illerup ist ihre Menge relativ gering, dagegen sind aus dem Vimose ca. 230 römische Gegenstände bekannt, die diesen beiden Komponenten zugeordnet werden 31 . Bei den Schwertriemenbügeln handelt es sich um ein sehr homogenes Material. In aller Regel sind es bronzene Stücke mit trapezoider Brücke, die mit herzförmigen Fuß- und peltaförmigen Kopfplatten versehen sein können 32 . Seltener sind eiserne Bügel mit Rollenkopf, die gelegentlich mit qualitätvollen Inkrustierungen ver- ziert sind. Ausnahmen stellen Riemenbügel aus Elfen- bein dar, die im Material der kaiserzeitlichen Moorop- fer nur sehr selten zu finden sind. Auffällig ist sicher- lich, daß römische Riemenbügel aus Edelmetall oder mit aufwendigen Verzierungen etwa mit Stein- oder Glaseinlagen nicht in das nördliche Europa gelangten.

28 Illerup: vorläufige Aufstellung bei Ilkjær 1994, Tab. l. - Vimose:

Engelhardt 1869, 14f.

29 Biborski 1994.

30 Rald l994.

31 Schwertriemenbügel: ca. 170; s. Carnap-Bornheim 1991, Tab. 17. - Ortbänder: vorläufige Zählung: ca. 60 Exemplare.

32 Im folgenden nach Camap-Bomheim 1991.

33 Engelhardt 1869, Taf.10, 90-91, 99, 103. - vgl. auch Oldenstein 1976, 110 f. Taf.18-20.

34 Engelhardt 1869, 17 Taf. 10, 87-89.

35 Engelhardt 1869, 17 Taf. 9, 82-85. - vgl. auch Carnap-Bornheim/ Ilkjær 1996, 346 f.

36 Engelhardt 1869, Taf. 6, 10.

37 Im folgenden n. Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 308 ff. Abb. 210 u.

211.

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Etwas schwieriger sind römische Ortbänder des aus- gehenden 2. und 3. Jahrhunderts zu beurteilen, da eine umfassende Zusammenstellung bislang fehlt. Die ca. 60 Stücke aus dem Vimose können zumindest teilweise dem sog. Typ Novaesium zugewiesen werden, die aus Bronze gegossenen und mit peltaförmigen Aussparun- gen versehen sind 33 . Seltener sind tauschierte Stücke aus Eisen 34 , die möglicherweise mit den tauschierten Riemenbügeln zu kombinieren sind. Eine sehr seltene Gruppe stellen elfenbeinerne Ortbänder da, die in einer beeindruckenden Kollektion im Vimose entdeckt wurden 35 . Römische Mundbleche und Schwertscheidenrand- beschläge können im hier zur Diskussion gestellten Material nicht nachgewiesen werden. Es entsteht der Eindruck als seien Ortbänder und Riemenbügel zusam- men mit den Schwertklingen als Einzelteile importiert worden, die erst später auf den hölzernen Brettern der Schwertscheiden montiert wurden. Ein Beleg hierfür könnte eine Schwertscheide aus dem Vimose sein, auf der sich ein barbarisches Mundblech zusammen mit einem römischen Riemenbügel befindet 36 . Sicherlich können hier nur größere Serien von Holzbestimmungen weitere Informationen erbringen. Betrachten wir das römische Waffenmaterial, das, aus Südnorwegen/Westschweden stammend, in der Zeit zwischen 200 und 250 n.Chr. als Folge eines fehlge- schlagenen Angriffes in die dänischen Moore gelangte, so entsteht ein recht monotones Bild: Es handelt sich fast ausschließlich um Schwerter und Schwertscheiden- beschläge. Pila finden ebenso wenig Eingang in das germanische Waffenmilieu wie etwa Geschütze oder römisches Pferdegeschirr. Auch andere gängige römi- sche Ausrüstungsgegenstände wie etwa die Pionieraxt (dolabra) oder Zelte mit eisernen Zeltnägeln sind im nordischen Material nicht nachweisbar. Sowohl in Illerup, insbesondere aber in Vimose (3) sind für die Niederlegungen der Periode Clb (l. H. des 3. Jh.s) zahlreiche römische Balteusbeschläge nachweis- bar, die zwei unterschiedlichen Typen von Schwertgurten zugewiesen werden können. Zum einen handelt es sich um Gurte, die mit einfachen, gegossenen Knöpfen aus Bronze ausgestattet sind, die zur Verbindung von zwei Lederriemen im Bereich der Schwertscheide selbst dien- ten (Ilkjær Gruppe 5) 37 , zum anderen um solche Stücke, die durch runde Beschlagplatten mit Befestigungsöse ver- sehen sind (Ilkjær Gruppe 6; hier Abb. 4). Während für Illerup Platz A insgesamt 9 Garnituren der Gruppen 5 und 6 nachweisbar sind, muß deren Anzahl im Vimose weitaus größer gewesen sein. Sie dürften aufgrund der in den Museen von Kopenhagen und Odense vorliegenden gegossenen Bronzeknöpfe bei mehr als 70 Exemplaren gelegen haben. Schwerer zu beurteilen ist die Anzahl der sicher römischen Beschlagplatten mit Befestigungsöse im Vimose; insgesamt sind hier ca. 40 Stücke nachweis-

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Abb.3 Römische Militaria der Niederlegung Vimose (3). Schwerter, Schwertriemenbügel, Balteusbeschläge und Doppelknöpfe

Abb.3 Römische Militaria der Niederlegung Vimose (3). Schwerter, Schwertriemenbügel, Balteusbeschläge und Doppelknöpfe aus dem Vimose (n. Engelhardt 1869, Taf. 6; 7; 8; 11).

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Abb. 4. Schwertgurte mit römischen Beschlägen aus Illerup. Gruppe 5 und 6 n. Ilkjær (n.

Abb. 4. Schwertgurte mit römischen Beschlägen aus Illerup. Gruppe 5 und 6 n. Ilkjær (n. Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, Abb. 210 u. 211).

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bar 38 , allerdings ist hier auch mit germanischen Nach- ahmungen zu rechnen. Doch finden sich unter diesen auch eindeutig römische Importe 39 , deren Zahl insgesamt wohl bei ca. 10 Exemplaren liegen dürfte. Zwei Beobachtungen sind in Verbindung mit den Schwertgurten von ganz besonderer Bedeutung: l) Die römischen Gürteltypen mit Beschlagplatte oder Dop- pelknöpfen erlauben - im Gegensatz zu bestimmten ger- manischen Schwertgurten 40 - eine individuelle Einstel- lung der Gürtellänge; 2) Als Rangabzeichen hoher mili- tärischer Ränge spielen die römischen Schwertgurte im Gegensatz zu aufwendigen germanischen Baltei aus Silber, keine übergeordnete Rolle 41 . Wir werden auf diesen Befund weiter unten zurückkommen.

Interpretationsversuch

Die geschilderten Befunde zu römischen Militaria in Norwegen und in den dänischen Mooropfern erlauben einige interessante Interpretationen, die hiermit zur Diskussion gestellt werden sollen:

1) Die Anzahl der zur Verfügung stehenden römi- schen Waffen war in Norwegen im 3. Jh. n. Chr. weit- aus größer als dies die Grabfunde erwarten lassen. Diese Annahme ergibt sich notwendigerweise aus der Beobachtung, daß die Waffen der Niederlegungen des Clb-Horizontes in Illerup Platz A und in Vimose (3) vom westlichen Teil der skandinavischen Halbinsel stammen müssen. Illerup Platz A und Vimose (3) sind somit Niederlegungen, die mit den südnorwegi- schen/westskandinavischen Verhältnissen in den Jahren zwischen 200 und 250 n.Chr. direkt verknüpft werden können. Diese Tatsache führt uns aber auch ganz besonders deutlich vor Augen, daß Grabfunde eben doch nur bedingt die „lebende Kultur" nach H. J. Eggers widerspiegeln 42 . 2) Die Homogenität in der Zusammensetzung des römischen Waffenmaterials einerseits in Norwegen, andererseits in den skandinavischen Moorfunden von Illerup und Vimose ist - trotz der großen quantitativen Unterschiede (Tab. l) - das Ergebnis eines Zustroms von römischen Waffen, der durch die militärischen Eliten initiiert, betrieben und „finanziert" wurde. Zunächst ist festzuhalten, daß die Homogenität der römischen Mili- taria des „Norwegischen Komplexes" kaum auf einen zufälligen Zustrom dieser Waffen etwa durch Beute oder durch die persönliche Mobilität heimkehrender barbarischer Söldner erklärbar ist. Auch scheint es uns ausgeschlossen, daß diese Waffen - von einigen Ausnahmen abgesehen - durch Geschenke von südli- chen, kontinentalen Eliten in den Norden gelangten, da ihnen als Rangabzeichen offensichtlich eine nur sekun- däre bzw. untergeordnete Bedeutung zukam. Vielmehr scheinen diese Waffen als Folge eines gezielten Han- dels, möglicherweise über Himlingøje oder Lundeborg, in den Norden gelangt zu sein. Dabei soll hier -

ganz bewußt - die Frage, ob dieser Handel legal oder illegal war - außer Acht gelassen werden; möglicher- weise wird eine Neubearbeitung der entsprechenden römischen Quellen zu einem ganz neuen Bild führen 43 . Auch ein mögliches Interesse der römischen Außenpo- litik kann in diesem Zusammenhang nicht ganz aus- geschlossen werden („discordia hostium"), wenn auch die schriftlichen Quellen hier keinen auf Skandinavien bezogenen Hinweis enthalten. Vielleicht sind diese Fragen im konkreten Zusam- menhang falsch formuliert. Skandinavien spielte in der römischen Außenpolitik sicherlich keine übergeordnete Rolle, so daß die nordgermanischen Eliten kaum mit Waffen oder anderen Geschenken beeinflußt werden mußten. Dagegen waren römische Waffen, und hier ins- besondere Schwerter, seit der Zeit um 200 n.Chr. von entscheidender Bedeutung für jede militärische Planung bezüglich interner Auseinandersetzun-gen germanischer Gruppen und Stämme. In dieser Zeit verschwinden die einschneidigen Hiebschwerter sowohl in den Gräbern als auch in den Mooren aus der germanischen Bewaff- nung und werden durch zweischneidige Langschwerter römischer Provenienz ersetzt. Es waren also die germa- nischen Kriegereliten der Mitte des 2. Jh.s, die diese römische Waffe benötigten. Ein gesicherter Zustrom war offensichtlich von entscheidender Bedeutung. Wir können mit großer Sicherheit postulieren, daß die Eliten sowohl auf dem Kontinent als auch in Skandinavien in ein effektives Handelsnetz für römische Waffen eingebunden waren, das durch die römische Gesetzge- bung kaum zu unterbinden war. Als dominierendes Ele- ment müssen wir hier die militärischen Bedürfnisse der barbarischen „princi-pes" und nicht die geschäftlichen Interessen der römischen „negotiatores" betrachten. 3) Werden die Befunde zu römischen Militaria in den kaiserzeitlichen Moorfunden von Illerup und Vimose mit jenen in norwegischen Grabfunden der jüngeren römischen Kaiserzeit kombiniert, so entsteht der Ein- druck, als sei der Import und die Distribution dieser Waffen durch die militärischen Eliten jener Zeit kon- trolliert worden. Wie auch schon für die Lanzen und Speere vermutet 44 , so waren vielleicht auch die impor- tierten römischen Militaria in „Waffenkammern" ver- wahrt. Sie wurden den Kriegern nur im Bedarfsfall,

38 Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 312 f.

39 Engelhardt 1869, Taf. 12, 26 u. 28.

40 Z.B. bei Schwertgurten, die Schnallen mit Domverschluß aurweisen;

vgl. Ilkjær 1993, 132 Abb. 9. - Aus dem Vimose: Engelhardt 1869, Abb.

22.

41 Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, bes. 323 ff.

42 Eggers 1951, 23 f.

43 Vortrag B. Rankov (London), The Roman ban on the export of wea- pons of the Barbaricum: a misunderstanding;Rankow. ROMEC XI in Mainz, 10.-13. 9. 1998; unpubl.

44 Carnap-Bornheim 1992, 50 f. - Carnap-Bornheim/Ilkjær 1996, 328.

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etwa bei einem Zug nach Süden, zur Verfügung gestellt. So ließe sich erklären, warum gerade die römischen Schwertgurte individuell verstellt werden konnten und warum sie kaum zur Kennzeichnung hoher militärischer Ränge verwendet wurden. Andererseits erlaubten solche Waffenkammern den militärischen Eliten aber auch die effektive Kontrolle der gefährlichen Waffen, so daß interne Auseinandersetzungen zumindest erschwert wurden. Damit stellt sich aber schon die nächste Frage: Wie

gelangten die römischen Militaria, insbesondere die Schwerter, aus dem Besitz der militärischen Eliten in die Hände der Krieger bzw. in ihre Gräber. Sicher- lich ist hier auch mit individuellen Ereignissen, etwa der Auszeichnung eines Kriegers durch eine wertvolle Waffe oder der Möglichkeit des individuellen Besitzes zu rechnen. Letztendlich sind dies aber juristische Fragen nach Besitzverhältnissen. Hier könnten nur schriftliche Quellen, kaum aber die archäologischen Quellen weiterhelfen!

Waffenart/-gruppe

Norwegen

Illemp, Platz A/B

Vimose (3)

B2/C1

Zweischneidige Langschwerter

> 50

> 140

> 70

röm. Schwertriemenbügel

4

vorh.

> 172

 

(s.

röm. Baltei)

röm. Ortbander

l?

vorh.

ca. 60

 

(s.

röm. Baltei)

röm. Baltei mit Doppelknöpfen (Gruppe5)

l?

14

> 30

röm. Baltei mit runder Beschlagplatte (Gruppe 6)

2

2

>5

Elfenbein

vorh.

vorh.

Tabelle l: Römische Waffen der jüngeren römischen Kaiserzeit in norwegischen Waffengräbem und in den südskandinavischen Mooropfern von Illerup, Platz A und Vimose, Niederlegung Periode Clb.

Landschaft

Name

Sogn

Datierung

Ilkjær

Bemmann/

 

1990

Hahne 1994

Kat.Nr.

Kat.Nr.

Akershus

Frøihov Bringsvær Bringsvær høj 2 Mollestad By Hole(l) By Hole (2) Hunstad Hurum Lundteigen Sætrang Finstad Fjølstad Øvre Gøstad Gutteberg Hovin Østre Kvalstad Kvam Lillene Møistad Rør Sæli Saug Stordøen BøSteigen Føregravl

Udenes C l a Fjære Fjære Birkenes Hole Hole Sigdal Hurum Fiskum Haug Løten Ringsaker Ringsaker Vang Ringsaker Ringsaker Nes Fumes Vang Veldre Vang

179

12

Aust-Agder

B2

58

Aust-Agder

C l b

59

189

Aust-Agder

C3

494

191

Buskerud

C2

74

144

Buskerud

C2

75

144

Buskerud

C l b

298

149

Buskerud

C2

299

150

Buskerud

C l b

458

153

Buskerud

C3

735

156

Hedmark

C3

164

21

Hedmark

C l b Clb C l a

168

40

Hedmark

222

24

Hedmark

218

25

Hedmark

B2

290

Hedmark

Clb

397

29

Hedmark

B2

398

Hedmark

B2

444

Hedmark

Clb

500

32

Hedmark

Clb

584

33

Hedmark

B2

734

Hedmark

 

Cla

596

34

Hordland

Stord

B

704

Nordland

Steigen

Clb

78

409

Nordland

Clb

182

410

9

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Landschaft

Name

Sogn

Datierung

Ilkjær

Bemmann/

 

1990

Hahne 1994

Kat.Nr.

Kat.Nr.

l Nordland Nord-Trøndelag Nord-Trøndelag Nord-Trøndelag Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Opland Østfold Østfold Østfold Rogaland Rogaland Rogaland Sogn og Fjordane Sogn og Fjordane Sogn og Fjordane Sogn og Fjordane Sogn og Fjordane Sogn og Fjordane Sogn og Fjordane Sør-Trøndelag Sør-Trøndelag Sør-Trøndelag Sør-Trøndelag Sør-Trøndelag Sør-Trøndelag Telemark Vest-Agder Vestfold Vestfold Vestfold Vestfold

Steigen kirke

Steigen

C2

694

420

Dalem(l)

Sparbu

Clb

117

389

EggeSteinkjer(l)

Steinkjer

B2

138

Hammer

Skatval

Clb

247

393

Amelund

Vestre Slidre

C2

10

41

Bakkejordet u/Valle

Hof

B2

18

Brunsberg

Hof

Clb

67

45

Dynna

Gran

C2

131

48

EggeØvre

Brandbu

B2

139

Einanghøjl

Slidre

C2

141

50

Gevle

Austsinni

C3

191

58

Gisleberg Nordre

Gran

Cla Clb Clb Cla C l b Clb Cl Bl Clb

194

62

Gullen(l)

Gran

213

66

Hilden (2)

Brandbu

274

74

Horgen

Gran

283

7

Hov Øvre

Gran

288

134

Hval

Gran

317

80

Klauvstad Vestre

Tingelstad

354

73

Molden

Gran

493

NesØvre

Brandbu

505

135

Nordsveen

Ulnes

C2

510

93

Røllang

Ulnes

Clb

581

101

Smedby Østre Østre Toten

Clb

642

133

Snipstad

Hof

C2

648

110

StabuØvre

Hof

C l a Clb Clb Clb

688

137

Sukkestad

Hof

719

119

Vang

777

94

Vennolum

Gran

784

128

Vøien

Gran

C2

802

132

Hunn(l)

Borge

Clb

295

2

Hunn(2)

Borge

B2

296

Vidsta (Vesten) Avaldsnes Ha præstegård Håland Hauge Lærdal Kvamme Modvo Nummedal Prestegården Vangen Tryti Vetle Guhaug Hove Foss mandsgrav Gravraak Herrem Malvik Rømme Ven Nordgården Eiken As (l) As (2) Fevang Nordre

Borge

Clb

788

5

Avaldsnes

Cl

16

208

Nærbø

Cl

323

216

C3

324

218

Lærdal

C3

259

312

Kvamsøy

C3

399

318

Hafslo

C3

491

323

Vik

C3

516

330

Vangen

Clb C l a Clb

545

331

Vik

764

345

Vik

787

349

Horg

C3

173

375

Melhus

C l a Clb Clb Clb

201

376

Rennebu

271

377

Malvik

472

374

Orkanger

582

382

Høilandet

C3

783

388

Seljord

C3

508

179

Eiken

C3

140

194

Sande

C3

846

169

Sande

Clb

847

170

Sandar

Clb

162

162

Tveitane(5)

Brunlanes

C2

767

167

Tabelle 2. Ausgewählte Grabfunde mit zweischneidigen Schwertern in Norwegen; n. Ilkjær 1990, 341 ff.

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Roman militaria from thé later Roman impérial period in Nor-way - "Export" by Roman negotiatores or «import» by Teutonic principes?

Summary

With this present article, an attempt is made to introduce a new aspect into thé discussion on Roman militaria in theTeutonic barbaricum. Particularly in the fîrst haif of the 3rd century, Scandinavia was characterised by internai military conflicts in part affecting regions lying far apart from one another (e.g. southem Norway

or the eastem coast of Jutland). The weapons and armaments sacrificed in southem Scandinavian bogs are an expression of these conflicts. Roman swords and Roman sword sheath accoutrements are to be found particularly often in thèse complexes In this context, they represent weapons of high technical value which were absolutely necessary as the basic equipment of a unit effective in combat. The Teutonic principes must hâve been to a high degree dependent on the import of these weapons. It may thus be assumed that this group - and not perhaps Roman traders - was the motor for a flow of imports which also included those regions which certainly lay outside thé Roman sphere of interest in the barbaricum.

Militaria romaine de l‘époque impériale romaine tardive en Norvège. „Expor- tation“ des negotiatores romains ou „importations“ des principes germains

Résumé

Le présent mémoire tente d‘introduire un nouvel aspect dans la discussion sur la militaria romaine dans le Bar- baricum germain. En particulier dans la 1ère partie du 3ième siècle la Scandinavie est marquée par des conflicts militaires internes qui concernaient en partie des régions éloignées les unes des autres (par exemple:

le Sud de la Norvège, la côte Est de Jutland) . Preuve de ces conflits sont les armes et les armures sacrifiées dans les marécages du Sud de la Scandinavie. On y trouve particulièrement souvent représentés des épées et des fourreaux romains. Dans ce contexte ils représentent des armes d'un haut niveau technique qui étaient indis- pensables comme équipement de base d'une troupe germaine efficace pour une action militaire. Pour cette raison les principes germains étaient certainement hautement dépendants de l‘importation de ces armes. On peut pour cette raison supposer que ce groupe - et non les commerçants romains - était le moteur d'un cou- rant d'importation qui englobait également des régions qui se trouvaient sûrement au de là des sphères d'intérêt romains dans le Barbaricum.

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