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Der Konflikt zwischen der NSDAP und demc


ANDREAS HOFER ² BUND in den Jahren
1931/32c
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Die NSDAP existierte in Tirol seit 1919/20, seit der Gründung einer Ortsgruppe in
Innsbruck, war sie aber für lange Jahre bedeutungslos; meist agierte sie im Schlepptau
der Heimatwehr.c

Im Jahre 1926 erfolgte die Eingliederung der österreichischen Organisation als


ÅLandesverband Österreich´ in die deutsche ÅNSDAP ² Hitlerbewegung´, konnte aber
trotzdem kaum Erfolge verzeichnen (Nationalratswahlen 1927).c

Mit dem Erfolg in Deutschland begann auch der Aufstieg der NSDAP (National
Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei) in Österreich und Tirol, die aus dem Schatten
der Heimwehr heraustrat. Mit diesem Bedeutungszuwachs verschärfte sich der Streit
seit dem Beginn der 30er Jahre zwischen dem Andreas Hofer ² Bund und der NSDAP. c

Dazu kam noch, dass Innsbruck, der Standort des Hoferbundes , das Zentrum der
Südtirolpolitik war, der Ort, wie Mersi schreibt, Åwo alle Fäden («) aus Deutschland,
Österreich und Südtirol selbst zusammenliefen, und es war auch der Ort, in dem unter
dem Eindruck des Nationalsozialismus die heftigsten Gefechte über die Haltung zu
Südtirol entbrannten´.c

Dabei muss aber eines hervorgehoben werden, nämlich, dass diese


Auseinandersetzung vor allem von der Bundesleitung des Andreas Hofer ²
Bundes getragen wurden, während viele Mitglieder dieses Vereins der NSDAP angehörten
und ein allzuscharfes Vorgehen gegen die Nationalsozialisten deshalb ablehnten, wodurch
es innerhalb des Andreas Hofer ² Bundes ebenfalls zu Konflikten kam.c

Einige Bundesgruppen, die mit der Haltung, die die Bundesleitung gegenüber der NSDAP
einnahm, nicht einverstanden waren, erhoben sogar den Vorwurf, dass sie sich einer
parteipolitischen Einstellung schuldig machen würden, was diese aber entschieden
bestritt. c

In Bezug auf die Kritik an ihrer Haltung zur NSDAP erklärte man, ´daß die
Bundesleitung nicht etwa aus eigensüchtigen Beweggründen einzelner ihrer
Mitglieder geleitet wurde, sondern einzig und allein vom Bestreben, den
Gedanken an unsere verlorene Heimat nicht durch politische, besser gesagt
parteipolitische Einstellungen v erblassen zu lassen ´.c
Für die meisten Vorstandsmitglieder des Andreas Hofer ² Bundes war die
Südtirolfrage eine tirolische Angelegenheit, für die die Gründung des Bundes
vorgenommen worden war und in dessen Satzung der Kampf für diese Sache in erster Linie
verlangt wurde.c

Daher mussten nach dem Verständnis der Bundesleitung auch die Nationalsozialisten,
solange diese auf ihrer Südtirolpolitik beharren, konsequent als Gegner angesehen und
bekämpft werden, Ånie aber darf der allenfalls persönliche Standpunkt in der
Einstellung zur NSDAP die sachliche Erwägung beeinflussen. ´c
Dabei hatte die NSDAP wegen der Einstellung Hitlers zur Südtirolfrage in Tirol einen
schweren Stand, da man auf den Widerstand der Bevölkerung stieß; die propagandistische
organisatorische Führung der Gegenbewegung oblag dem Andreas Hofer ² Bund, den
Ostmärkischen Sturmscharen und den Kaiserjägern. Dennoch gelang es der NSDAP, im
Laufe der Jahre durch geschicktes Taktieren weite Teile der Bevölkerung auf ihre Seite
zu bringen; so betrieb die westösterreichische NSDAP eine antiitalienische Propaganda,
die sich gegen den Status Italiens als Garant der österreichischen Unabhängigkeit
richtete, setzte man sich doch für den Anschluss ein; weiters vermochte man den
Eindruck zu erwecken, der wahre Verräter an Südtirol wäre die österreichische
Regierung, die sich Italien verkauft hätte; eine Argument, auf das die Bevölkerung Tirols
einging, fühlte man sich doch tatsächlich von Wien im Stich gelassen. Im Jänner 1931
wollte der Hoferbund bereits eine Kampagne gegen die Nationalsozialisten starten, blies
sie aber ab, da ihm Landeshauptmann Stumpf seine Unterstützung versagte.c

Erstmals wirklich akut wurde das Problem für den Andreas Hofer ² Bund mit der
Reaktion der NS-Reichsparteileitung bzw. von Hitler selbst auf die Rede des NS-
Abgeordneten Dr. Frank aus München im Innsbrucker Stadtsaal 1931, die vor allem in der
italienischen Presse großen Widerhall fanden. Dr. Reut ² Nicolussi und Ernst Mumelter vom
Vorstand des Andreas Hofer ² Bundes versuchten daraufhin, in München mit der
nationalsozialistischen Partei in Verbindung zu treten, was ihnen insofern gelang, dass sie
mit General Epp und Oberst Haselmayr von der NSDAP eine Besprechung hatten, die aber
zu keinem befriedigenden Ergebnis führte.c

Im Herbst 1931 unternahm man von Seiten des Andreas Hofer ² Bundes einen
neuerlichen Versuch, die Angelegenheit auf friedlichem Wege zu bereinigen, indem man
eine Aussprache mit Hitler selbst herbeiführen wollte. Zu diesem Zweck ersuchte eine
Delegation, bei der man bewusst auf die beiden Angehörigen des Vorstandes Dr. Pembaur
von der Großdeutschen Volkspartei und Hohenbruck von der Christlichsozialen Partei
verzichtete, um jeden parteimäßigen Anschein zu vermeiden, am 16. Oktober den NS-
Gauleiter von Tirol Ing. Rudolf Riedl ein Gespräch mit Hitler zu vermitteln, wozu sich Riedl
auch bereit erklärte. Nachdem der Andreas Hofer ² Bund längere Zeit vergeblich auf
eine Antwort gewartet hatte, fragte man erneut bei Riedl an, der aber nur erklärte, er
hätte die Bitte weitergeleitet.c

Währen die Verhandlungen mit der NSDAP noch im Gange waren, kam es am 30. November
bei einer Versammlung der christlichsozialen Partei im Innsbrucker Stadtsaal, an der auch
Anhänger der NS Partei und der Ostmärkischen Sturmscharen teilnahmen, zu einem Eklat,
als bei der Rede des Abgeordneten Kolb über die Südtirolfrage Tumulte ausbrachen, so
dass dieser nicht mehr in der Lage war, seine Rede fortzusetzen.c

Das veranlasste den Andreas Hofer ² Bund zu folgender Stellungnahme in der Tiroler
Presse, die sich hauptsächlich gegen die Nationalsozialisten richtete, aber auch
Christlichsozialen betraf, denen er vorwarf, das Südtirolproblem mit der Parteipolitik
verknüpft zu haben. Damit zeigte die Bundesleitung durchaus, dass sie ihrem Anspruch,
eine überparteiliche Einstellung zu besitzen, gerecht wurde, und sich gegen jeden wandte,
der der Südtirolsache, bewusst oder unbewusst, schadet. ÅDer Andreas Hofer ²
Bund für Tirol bedauert auf das Lebhaf teste, dass durch den Verlauf der
montägigen Versammlung im Stadtsaal zu Innsbruck die Südtiroler Frage
zum Mittelpunkt eines öffentlichen Skandals gemacht wurde. Das traurige
Schicksal unserer Südtiroler Brüder sollte jedem Tiroler und überhaupt
jedem Deutschen viel zu nahe gehen, als dass es in den Kampf der Parteien
und in den Streit um die Staatsform hineingezogen werden dürfte. Jedes
Wort über das Leid der Südtiroler sollte achtungsvollst angehört werden,
gleichviel welcher Gruppe oder welcher Partei d er Redner angehört. Der
Andreas Hofer ² Bund steht als Vertreter der Südtiroler Belange über den
Parteien und muß die unglückliche Verquickung der Südtiroler Frage mit
Staats- und politischen Zielsetzungen auf das entschiedenste ablehnen. Er
muß aber auch schärfstens verurteilen, dass eine Darstellung der
Südtiroler Frage durch einen Tiroler Redner von vornherein durch wüste
Lärmszenen unmöglich gemacht wurde. Der Andreas Hofer ² Bund für Tirol
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Inhalt genau das Gegenteil zur Folge haben würde, musste den Verantwortlichen aber von
Anfang an klar gewesen sein. Mit dieser Informationsschrift erregte man aber nicht nur
den Unwillen der NS Anhänger, sondern sie führte auch zu einem Konflikt mit dem VDA,
der sich unter seinem Vorsitzenden Dr. Gessler zugunsten der Nationalsozialisten
aussprach. Dieser befürchtete, dass das eigene Abkommen mit der NSDAP durch den
Alleingang des Andreas Hofer ² Bundes zum Scheitern verurteilt sein könnte.c

Laut Beschluss der Vorstandssitzung des Andreas Hofer ² Bundes in Innsbruck vom
8. Februar erschien diese Kampfschrift als Leitartikel in der Folge 3 der Zeitung ÅDer
Südtiroler´ und sollte in einer Auflage von 10.000 Stück in ganz Tirol verbreitet werden.
Die Verteilung erfolgte auch sofort nach der Drucklegung, auer in Innsbruck, wo sie sich
wegen der Erkrankung des Geschäftsführers verzögert hatte. Zu diesem Zeitpunkt
ersuchte Reichsminister Dr. Gessler in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des VDA
den Andreas Hofer ² Bund dringendst, mit Rücksicht auf den ÅBurgfrieden´, den man
gemeinsam mit dem DSB und der NSDAP ausgehandelt hatte, diese Schrift unter allen
Umständen zurückzuhalten.c

Der Andreas Hofer ²Bund lehnte dieses Ansinnen, das sowieso nur mehr die für Innsbruck
bestimmten Exemplare betroffen hätte, da die anderen bereits ausgesendet worden
waren, mit der Begründung, Åder AHB ist als politischer Kampfbund für die
Rechte Deutsch - Tirols gegründet worden und hat bisher im Gegensatz
zum VDA vorwiegend mit der politischen Seite der Tirolerfrage befasst,
die kulturelle Betreuung hingegen dem VDA überlassen. So wird die
Aufgabe des AHB in Tirol aufgefasst, und wir halten uns verpflichtet, der
politischen Seite unserer Heimatfrage nach wie vor das gröte Augenmerk
zuzuwenden ´, kategorisch ab.c
Auch die Darstellung Dr. Gesslers, es hätte ein ÅBurgfrieden´ bestanden, wurde
entschieden zurückgewiesen, da die Gespräche, die zwischen den Nationalsozialisten unter
der Führung von Adolf Rosenberg, dem Schriftleiter des NS-Organs ÅVölkischer
Beobachter´, und dem Abgeordneten Hinkl auf der einen Seite und dem Grafen Bossi -
Fedrigotti, als Vertreter für Südtirol, sowie einem Mitglied der Hauptleitung des VDA,
Herr Badenik, auf der anderen Seite in Berlin geführt worden waren, und die einen
gewissen Abschluss gebracht hatten, rein privater Natur gewesen wären, weil
der Andreas Hofer - Bund , ebenso die Arbeitsstelle, weder vorher noch nachher
offiziell davon unterrichtet worden waren.c

Zwar gestand man diesen Åprivaten´ Bemühungen zu, dass sie dankenswert wären,
Åindessen wird man dem AHB nicht verargen können, wenn er derartige
ohne Fühlungnahme mit Tirol getroffene Vereinbarungen als für sich
vorerst einmal formell gewiss nicht verpflichtend annehmen kann ´c
Gegenüber dem VDA betonte man aber nicht nur, dass dessen Aufgaben bezüglich Südtirol
nur die kulturellen Seiten zu betreffen hätten, sondern vor allem, dass sie Südtirolfrage
in Tirol Åhinsi htli h der useinandersetzung mit den Nationalsozialisten
ihre besondere Färbung besitzt, daß hier auf die lokalen
Strmungen, Gegensätze und Empfindli hkeiten anderer Rü ksi ht
genommen ÷erden muß als im Rei h  .c
Indirekt kritisierte man au h den VD ÷egen seiner Haltung zu den Nationalsozialisten
mit der Feststellung, Å÷enn es also für rei hsdeuts he Verhältnisse belanglos
sein mag, ob si h die Nationalsozialisten untereinander des
Fas histengrußes bedienen, so ist hingegen in Tirol darin ein kt der
Herausforderung zu erbli ken, der die besten Kreise der Bevlkerung
ständig reizen und erbittern ÷ird, au h ÷enn im übrigen die s hnsten
Erklärungen der artei vorliegen ÷ürden .c
ber man beabsi htigte, ÷ie man Gessler erklärte, dadur h eine Bereinigung des
Konfliktes mit der NSD, ÷ollte aber im Interesse einer ÷ahren Verständigung au h zu
sol hen Verhandlungen zugezogen ÷erden, das Re ht dazu hätte man si h ja dur h eine 14-
jährige rbeit für Südtirol er÷orben.c

ndererseits hielt der ndreas Hofer ² Bund die stattgefundenen Verhandlungen dur h
Graf Bossi-Fedrigotti und den VD bereits für ges heitert, da na h seine uffassung der
Gegner dur h seine Unzuverlässigkeit den angebli hen Burgfrieden no h am Tage der
Bespre hung gebro hen hätte, ÷eil die nationalsozialistis he arteikorrespondenz über
diese Unterredung eine ÅFals hmeldung mit dem Titel ÅDie Südtiroler treu zu dolf
Hitler, der Zentrumshetzer ater Innerkofler bloßgestellt verbreitet hatte, der am 15.
Februar im resseorgan der NSD, dem ÅVlkis hen Beoba hter, no h ein
entspre hender rtikel folgte. Gegen diese Verunglimpfung Innerkoflers, des Obmannes
der Wiener HB-Bundesgruppe, ver÷ahrte man si h ents hieden.c

Darüberhinaus ÷arf man den Nationalsozialisten no h ein südtirolverhhnendes Verhalten


vor, da diese na h dem Vortrag von Graf Bossi-Fedrigotti in Chemnitz einen fas histis hen
Gegenredner in Uniform zum Rednerpult geleitet hatten.c

Wegen dieses Streites mit den Nationalsozialisten ÷aren die Südtirolvereine angebli h an
den VD herangetreten, damit er in der erson seines Vorsitzenden Dr. Gessler
vermitteln ÷ürde, ÷omit jener grundsätzli h einverstanden ÷ar, ÷eil man ja auf das
glei he Ziel hinarbeiten ÷ürde, Ådie Deuts hen Südtiroler dem deuts hen
Volkstum erhalten bis zu dem Tag, ÷o dieses s hne Land au h staatli h
zur deuts hen Volksgemeins haft zurü kkehren kann . ber sol he
Vermittlungsversu he Gesslers ers hienen der HB-Bundesleitung in Innsbru k s hon
deshalb als sinnlos, da Gessler si h im Grunde auf die Seite der
Nationalsozialisten gestellt hatte, als er na h einem Vortrag am 17. März 1932 in Kln den
HB-Vertretern Dr. Reut-Nikolussi und Ernst Mumelter erneut den Vor÷urf ma hte, den
Burgfrieden nicht eingehalten zu haben, sowie ihnen überhaupt unterstellte, die
Auffassung der in Südtirol lebenden Deutschen nicht mehr zu repräsentieren. Schlielich
verweigerte Gessler dem Hoferbund seine Unterstützung, damit der VDA nicht in
diesen Streit hineingezogen würde; und zwar mit der Ausrede, dass die Mitglieder des
VDA sich aus praktisch allen Parteien des Reiches rekrutierten, also auch aus den Reihen
der Nationalsozialisten, auf die man Rücksicht zu nehmen hätte. Ein Eingriff zugunsten
des Andreas Hofer ² Bundes würde die Arbeit des VDA für Südtirol auf das
ernsteste gefährden. Als eine weitere Begründung seiner abweisenden Haltung gab er
noch an, Å an deutschem Bruderkampf wolle und könne wir uns nicht beteiligen. c

Im Klartext hie das, dass er sich weigerte, für den Andreas Hofer Bund in dieser
Situation die Partei zu ergreifen, weil er sich bereits für die NSDAP entschieden hatte.c

An und für sich erklärte der Andreas Hofer ² Bund zu einer Verständigung mit der
NSDAP bereit, nahm durch die Vorstandmitglieder Dr. Reut ² Nikolussi und Ernst
Mumelter auch wieder Kontakt auf, die zu Gesprächen mit der NS-Gauleitung Tirol sowie
Vertreten der Hitlerbewegung in München führten, aber man stellte von Anfang an
klar, Ådass wir uns für die Südtirolsache nur dann einen Erfolg versprechen,
wenn es gelingt, Herrn Hitler von seiner bisherigen verhängnisvollen Linie in
der Südtirolfrage abzubringen. c
Tatsächlich gelang es den beiden Vertretern des Andreas Hofer ² Bundes durch
Vermittlung von Münchner Freunden endlich eine Unterredung mit Adolf Hitler
herbeizuführen, die dann am 30. März 1932 im ÅBraunen Haus´ in der Briennstrae in
München stattfand. (siehe Artikel Å Die Südtiroler bei Hitler. Die Begegnung Dr.
Eduart Reut ² Nicolussi mit Adolf Hitler Ostern 1932 in München´ als Beilage zur
Monatsmitteilung des AHBT vom 01. September 2008). c

Nach dem ergebnislosen Verlauf dieses Gespräches mit dem Führer der NSDAP selbst
(wenn man auch feststellen konnte, dass Hitlers Weg in der Südtirolfrage in seiner Partei
nicht ganz unumstritten war) blieb dem Andreas Hofer ² Bund nichts anderes übrig,
als weiterhin seine bisherige Taktik zu verfolgen, d.h. Åderc

Andreas Hofer Bund unternimmt gegen die NSDAP, solange diese die
Südtiroler Frage nicht wieder anschneidet, nichts, sondern wartet
wachsam den Verlauf der Dinge ab ´. Weiter Konflikte waren damit
vorprogrammiert, im Sommer folgte der nächste Zusammensto.c

Diesmal griff der Andreas Hofer ² Bund auch in den politischen Kampf zwischen der
Christlichsozialen Partei und der NSDAP ein. Diese beiden Parteien werfen einander
gegenseitig vor, Südtirol verraten zu haben. Dr. Gamper von der Christlichsozialen Partei
und Dr. Lantschner von den Nationalsozialisten lieferten sich in ihren Blättern, dem den
Christlichsozialen nahe stehendem ÅTiroler Anzeiger´ bzw. dem nationalsozialistisch
gefärbten ÅInnsbrucker Nachrichten´, regelrechte Artikelduelle. Dr. Gamper gab im
ÅTiroler Anzeiger´ vom 26. Juli 1932 in einer Erklärung für seine Person ein offenes
Bekenntnis zu Südtirol ab, von der der Andreas Hofer ² Bund Åmit Freuden ´
Kenntnis nahm., stand es doch im Gegensatz zum üblichen Schweigen der
Christlichsozialen, die ja die staatstragende Partei in Österreich bildeten, in der
Südtirolproblematik; auerdem wertete der Bund diese Aussage überhaupt als Bekenntnis
der Partei Dr. Gampers (zumindest als das der Tiroler Christlichsozialen).c

Für diese Stellungnahme drückte der Andreas Hofer ² Bund Dr. Gamper offiziell
seinen Dank aus und richtete an die Obmänner der anderen Parteien in Tirol, des
Bürgerlichen Städtebundes, der Grodeutschen Volkspartei, der Sozialdemokratischen
Partei in Tirol und ebenso der NSDAP, die Bitte, eine gleichlautende Erklärung abzugeben.c

Währen unter anderem selbst die Sozialdemokratische Partei, der Årote Erzfeind´ der
Christlichsozialen, dieser Aufforderung nachkam und mitteilen lie, sie hätte Åseit dem
Tag, als Südtirol auf Grund der ÅFriedensverträge´ Italien zugesprochen wurde, gegen die
Vergewaltigung Deutschsüdtirols in Wort und Schrift Protest erhoben und wird dies
fernerhin zu jedem geeigneten Zeitpunkt tun´, reagierte die NSDAP auf dieses Ansinnen
völlig konträr. Sie erklärte demAndreas Hofer ² Bund , dass sie die Äuerungen Dr.
Gampers, dem sie noch einen Åunqualifizierten und gehässigen Angriff gegen eine
angesehene Tiroler Persönlichkeit, wie es unser Dr. Lantschner ist´, zur Last legten, als
Auslassung ansähen die sie aber nicht als amtliche Auslassung der Christlichsozialen Partei
(obwohl diese ihr politischer Gegner währe) einstufen würde; des weiteren würde sie sich
weigern, Åmit der bekannt vaterlandfeindlichen Partei der Sozialdemokraten eine
gemeinsame Erklärung abzugeben.c

Aus diesem Schreiben ist deutlich ersichtlich, wie die NSDAP-Leitung in Tirol es
vermeiden wollte, zur Südtirolfrage auf offizielle Weise Stellung zu beziehen; anstatt
einer, wie auch immer gearteten, klaren Aussage zu diesem Thema beschränkte sie sich
darauf andere Parteien anzugreifen.c

Nach einer längeren Unterbrechung der Verhandlungen mit den Nationalsozialisten nahm
schlielich das AHB- Mitglied Dr. Pembaur als Privatperson Verhandlungen mit den
Nationalsozialisten auf, um sie für eine Mitarbeit in der Südtirolsache zu gewinnen. Er
schlug ihnen eine Art Burgfrieden vor, demzufolge der Andreas Hofer ² Bund sich
verpflichten sollte, unter das Vergangene einen Strich zu ziehen und weitere Angriffe auf
die NSDAP zu unterlassen (wobei er sich aber vorbehielt, bei Vorkommnissen, die das
Ansehen Tirols und Südtirols schädigen, dies in der Öffentlichkeit aufzuzeigen). Die
Nationalsozialisten sollten ihrerseits zwei ihrer Vertreter in den mit dem AHB
verknüpften Deutschen Schulverein Südmark entsenden, deren Aufgabe es sein sollte, in
der NSDAP eine positive Einstellung zu erreichen. c

In der Vorstandssitzung des AHB vom 17. Oktober 1932 wurde dieser Schritt Pembaurs
gut geheien, man schlug sogar vor, dass man Nationalsozialisten anbieten sollte, auch im
AHB mitzuarbeiten. An 26. Oktober wurden dann zwei Nationalsozialisten, der
Gendarmerie-Oberinspektor Albert und der Major d.R. Lap, in den Bundesvorstand
gewählt. c
Damit schien der Weg für eine Zusammenarbeit geebnet, aber drei Tage später kam es
wieder zu einem Bruch, nachdem bekannt geworden war, dass an der Feier der
Faschistischen am ÅSiegesdenkmal´ in Bozen 30 Nationalsozialisten in Uniform
teilgenommen haben. (siehe Beilage ÅTirol. Gegen Faschismus und Nazismus´ in der
Mitteilung unseres Bundes vom 01. Juli 2008.)c

Der Andreas Hofer ² Bund verurteilte das Auftreten der Nationalsozialisten mit
scharfen Worten. ÅWenn heutzutage Mitglieder einer großen deutschen artei
auf der Treppe dieses Siegesdenkmals inmitten italienischer Frontkämpfer
jeder Waffengattung sich huldigend aufstellen, so reihen sie sich damit
von selber unter die Feind tirolerischen Lebens und Erlebens ein un d haben
das Rech verloren, sich fortan Sachwalter des deutschen Volkes zu nennen.
Der Andreas Hoferbund spricht seine tiefste Emprung über ein solches
Verhalten aus, für das er keine geeignete deutsche Bezeichnung findet. c
Diese Vorkommnisse schienen selbst der Führung der NSDA zu weit gegangen zu sein,
denn auf eine Anfrage des VDA gab die Reichsparteileitung eine ressesendung heraus, in
der man versicherte, dass es sich bei dieser Gruppe um keine offizielle Abordnung der
NSDA handelte, «dass ihnen nicht bewusst wurde, sich an die Stufen des Siegesdenkmal
zu stellen, als sie der als Ehrung gedachten Einladung der Faschisten Folge leisteten, den
Vorbeimarsch mitabzunehmen. Sie würden eine bewusste Handlung dieser Art selbst
ebenso scharf missbilligen, wie die Reichsleitung´.c

Nachdem dieser Vorfall tatsächlich von den Nationalsozialisten, noch dazu von der
arteileitung selbst, bedauert worden war (so fadenscheinig die Entschuldigung auch
klingen mochte), konnte der Versuch einer gemeinsamen Zusammenarbeit im AHBT
fortgesetzt werden.c

Viele wollten damit erreichen, dass Rücksicht auf die Nationalsozialisten innerhalb des
Hoferbundes genommen werde, da man satzungsgemäß dazu gezwungen wäre, sich streng
unpolitisch zu verhalten und jede politische Frage vom Bund fernzuhalten, Åum im
Mitgliederstand nicht Verluste zu erleiden und so der Schutzarbeit für
Südtirol zu schaden. c
Dr. embaur, der maßgeblich die Gespräche mit der NSDA initiiert hatte, bestand
nichtsdestotrotz auf den Forderungen des Hoferbundes, Ådass die Ortsgruppen der
NSDA in Südtirol verschwinden. Es gehe nicht an, dass in Südtirol
Mitglieder dieser artei mit den Faschisten in Freundschaft verkehren,
während Italien darangehe, die letzten Reste deutschen Volkstums
auszurotten´. Aber um in dieser Hinsicht wirkliche Ergebnisse erreichen zu knnen,
musste man nach Meinung zahlreicher AHB-Anhänger mit der NSDAP zu eine
Übereinkunft kommen, die von beiden Seiten akzeptiert werden könnte. Mehrere
Mitglieder glaubten aber, dass ein Abkommen nur dann zustande kommen würde, wenn man
mit den Nationalsozialisten zurückhaltender umginge als bisher, d.h. dass vor allem Reut -
Nicolussi wegen seiner betont unnachgiebigen Haltung unter vereinsinternen Beschuss
geriet. Auerdem gaben viele der gemäigteren Mitglieder des Schutzvereines, wie Dr.
Hohenbruck, Dr. Hauptpolter und Degische ihrer Sorge Ausdruck, dass die Arbeit des
Bundes durch diese ewigen Angriffe auf die NSDAP nur leiden konnte, da man einerseits
von den eigentlichen Zielen abgelenkt würde, und andererseits Gefahr laufen würde,
in politische Fahrwasser zu geraten, weshalb ein Burgfrieden zu empfehlen wäre.c

Ganz im Gegensatz dazu Dr. Reut ² Nicolussi, der derartigen Bestrebungen


entgegenhielt. Åder AHB ist ein Kampfbund und als solcher geschaffen. Er
mu wie ein wildes Pferd ausschlagen, ohne Rücksicht nach rechts und links.
Jede Durchbrechung der Solidarität des deutschen Volkes in der
Südtirolfrage ist so lange zu bekämpfen, bis diese Solidarität wieder
hergestellt ist.c
Aber Dr. Reut ² Nicolussi setzte sich mit seiner Auffassung vorerst nicht mehr durch,
denn am auerordentlichen Vertretertag vom 3. und 4. Dezember 1932, auf dem die neue
Linie beraten wurden, stellte Dr. Pembaur den Antrag, erneut zwei Nationalsozialisten,
Oberinspektor Alber und Oberstleutnand a.D. Ferdinand Lützow, in den Bundesvorstand zu
wählen. Trotz des heftigen Widerstandes Reut ² Nicolussis der sich gegen eine Aufnahme
zum damaligen Zeitpunkt aussprach, wie er die Auffassung vertrat, Åerst wenn die Nat.
Soz. Partei die natürliche und einzige mögliche Haltung zur Südtirolfrage
einnehme, könne mit ihr gearbeitet werden , wurde dieser Antrag von der
Mehrheit angenommen.c

Da sich aber die Haltung der verantwortlichen Stellen der NSDAP, in erster Linie
diejenige ihres Parteiführers Hitler, auch weiterhin nicht änderte, mussten dieses
zaghaften Versuche, die genau genommen auch zu einer Verschärfung der Situation in den
Reihen des Andreas Hofer ² Bundes selbst geführt hatten, scheitern. c
Ing.Winfried Matuellac

Schriftführer des Andreas Hofer²Bundes für Tirol.c


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