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ONLINE-AUFGABE 05: sthetische Emotionen

Ich las Herman Hesse: Narziss und Goldmund in zwei lngeren Sitzungen durch. Es war in
meinem neuen Zuhause und ich fhlte mich wohl. Von Beginn an fesselte mich die flssige
Verbundenheit der Schachtelstze, die im kleinen Bchlein schon mal eine ganze Seite
fllen knnen. Ich merkte alsbald, dass die Flssigkeit und Vertrautheit nicht nur ein
geschicktes jonglieren der Wrter, sondern ein Bildnis von Ideen und Vorstellungen waren,
die mich in eine Welt fhren deren Charaktere und ihre Wechselspiele mir etwas geben, was
ich in einer sozialen Situation nicht erfahren kann. War die Geschichte stellenweise
verwunderlich, so blieb ich doch immer am Ball und genoss sie. Bis dann am Ende einer der
beiden Freunde, der durch die Forcierung der Unterschiedlichkeiten erst die Wege der
beiden getrennt hat, erkennt, dass ihn ihm genau jenes Feuer brennt, wofr Goldmund sein
Leben seit dem Abschied aus dem Kloster gelebt hat. Den Moment, das ungewisse, das
Sinnliche. Dieses geniale Ende der Charakterspiele schafft in mir ein berhhtes
retrospektives Bild auf das Kunstwerk, ein grandioses Finale zum Nachdenken in einer
Geschichte, die auch genial gewesen wre, wenn es gefehlt htte. Es gab einen
regelrechten Freuderausch meinerseits in den letzten zwei Kapiteln, der Punkt der
Geschichte hat einfach so wunderbar viel zu sagen, ohne dass er allzu viel Schmerz,
Melancholie oder gar Kitschigkeit bedarf.