Sie sind auf Seite 1von 3

ELEKTROINSTALLATION

AUF EINEN BLICK

AUF EINEN BLICK

 

ELEKTRONISCHER MOTORSCHUTZ Aus Kostengründen verzichten viele Anwender heute noch auf elektronischen Motor- schutz – berücksichtigen dabei aber nicht die ausfallbedingten Folgekosten

KOMMUNIKATIONSFÄHIG Elektronische Motorschutzschalter bieten umfassende Meldefunktionen, u. a. Diagnose-, Status- und Überlastmeldungen oder den aktuel- len Stromfluss.

 

D ie Verfügbarkeit von Anlagen der Ge- bäude- oder Automatisierungstechnik

spielt eine immer wichtigere Rolle. Motoren und Antriebe sind eine der häufigsten Ursa- chen für Stillstände. Die meisten Ausfälle entstehen hier durch Überlast. Zudem tre- ten in Folge von Überspannungen oder Ver- schmutzung immer wieder Isolationsfehler auf, die zu Erdschluss, Windungsschluss oder Windungskurzschluss führen. Motorschutzschalter sind Schalter zum Schalten, Schützen und Trennen von Stromkreisen mit motorischen Verbrau- chern. Sie schützen die Motoren vor Schä- den bzw. Zerstörung durch blockierten An- lauf, Überlast, Kurzschluss und Ausfall ei- nes Außenleiters (in Drehstromnetzen).

Thermisches Auslöseprinzip nicht immer geeignet

Klassische Motorschutzschalter haben einen thermischen Auslösemechanismus:

Ein Bimetall erwärmt sich infolge eines erhöhten Stroms und löst verzögert (in der Regel nach mehreren Sekunden) aus. Im normalen Betrieb des Motors (konstante Belastung) inkl. des Anlaufs erfüllen herkömmliche Motorschutzschal- ter ihre Funktion.

Betrieb des Motors (konstante Belastung) inkl. des Anlaufs erfüllen herkömmliche Motorschutzschal- ter ihre Funktion.

Schutz von Motoren

ELEKTRONISCHE VARIANTE MIT VORTEILEN

Zum Schutz von Motoren und Antrieben

kommen noch überwiegend Motorschutzschalter mit thermischem Auslöser zum Einsatz. Seite einigen Jahren gibt es auch Geräte mit elektronischem Auslöser. Sie bieten eine Reihe

von Vorteilen, wie einen vergrößerten Stromeinstelllbereich und Condition Monitoring.

Quelle: Eaton
Quelle: Eaton

Bild 1: Motorschutzschalter PKE 65 mit elektronischem Weitbereichsüberlastschutz

Quelle: Eaton
Quelle: Eaton

Bild 2: Eine typische Anwendung für elektronische Motorschutzschalter: In einem Brech- und Siebwerk laufen vereiste Transportbänder so lange »warm«, bis der Betriebsstrom auf »Leerfahrt« gesunken ist – erst dann wird die Materialbeschickung freigegeben

Es gibt jedoch Betriebsweisen, bei denen der thermische Motorschutz an Grenzen stößt, etwa der Aussetzbetrieb mit hoher Schalthäufigkeit und/oder wechselnder Belastung. Hier kann das Thermorelais das thermische Verhalten des Motors nur angenähert nachbilden.

Bei häufigen Anläufen im Aussetz- betrieb bewirkt die gegenüber dem Motor wesentlich kürzere Zeitkonstante des Bi- metalls im klassischen Motorschutzschal- ter eine vorzeitige Auslösung. Daher kann die thermische Kapazität des Motors nicht voll genutzt werden.

2

de 15 – 16.2012

Elektronische Auslöser im Vorteil

Demgegenüber bieten elektronische Mo- torschutzgeräte die Möglichkeit, die ther- mischen Verhältnisse im Motor für jede Betriebsart wesentlich genauer abzubil- den als z. B. bei Thermorelais auf der Ba- sis von Bimetallen. Neben einer exakteren Einstellung des Stromwerts und damit ver- bessertem Schutz bei unterschiedlichen Anlauf- und Betriebsbedingungen bieten elektronische Motorschutzschalter erwei- terte Schutz-, Kontroll-. Überwachungs- und Steuerfunktionen. Motorschutzschalter mit elektroni- schem Weitbereichsüberlastschutz erfas- sen den Stromanstieg über die im Auslöse- block integrierten Stromwandler und wer- ten ihn durch eine entsprechende Elektro- nik aus. Bei Überlast sendet die Elektronik mittels Aktorik einen Impuls auf das Schaltschloss. Die Auslösezeit hängt ab vom Verhältnis des Motorstroms zum Ein- stellstrom und ist in Form einer langzeit- stabilen Auslösekennlinie hinterlegt. Elektronische Motorschutzschalter ar- beiten mit einem größeren Stromüberset- zungsverhältnis. Hierdurch verfügt das Gerät, im Vergleich zu konventionellen Motorschutzschaltern auf Basis Bimetall, über einen weiten Stromeinstellbereich im Verhältnis 1:4 (Bi-Metall 1:1,6). Die gro- ßen Stromeinstellbereiche reduzieren die Variantenzahl um bis zu 75 %. Das mini- miert den Projektierungsaufwand und senkt die Kosten. Drei Grundgeräte und fünf Auslöseblöcke decken einen Strom- bereich bis 65 A ab. Weitere Vorteile hat der Anwender bei modulare aufgebauten Geräten: So sind z. B. beim PKE von Eaton (Bild 1) das Grundgerät und der Auslöseblock (Steuer- einheit) voneinander getrennt. Der Auslö- seblock wird einfach auf das Grundgerät gesteckt. Ohne Lösen der Hauptstromver- drahtung kann man so benötigte Funktio- nen innerhalb des Auslöseblocks auch noch später definiert werden. Auch wenn eine andere Motorgröße als ursprünglich geplant zum Einsatz kommt, erfordert dies kein erneutes Verdrahten – man steckt einfach den passenden Auslöseblock ein. Motorschutzschalter PKE haben ge- genüber der Bimetall-Lösung eine um bis zu 85 % geringere Verlustleistung, was den Energieverbrauch und somit die Ener- giekosten reduziert. Auch die Wärmeent- wicklung im Schaltschrank sinkt.

www.elektro.net

ELEKTROINSTALLATION

im Schaltschrank sinkt. www.elektro.net ELEKTROINSTALLATION FERTIGUNG IN DEUTSCHLAND Quelle: Eaton Bild 3: Das Werk

FERTIGUNG IN DEUTSCHLAND

Quelle: Eaton
Quelle: Eaton

Bild 3: Das Werk Neuwied fertigt jedes Jahr einige Millionen Schaltgeräte

Die Motorschutzschalter von Eaton werden nach wie vor in Deutschland gefertigt. Sie stammen aus dem Werk Neuwied. Wir hat- ten Gelegenheit, die Produktion zu besich- tigen. Offiziell heißt die Fertigungsstätte »Werk Gladbach« (Bild 3), sie befindet sich in Neuwied, das zwischen Köln und Mainz gelegen ist. Gegründet wurde das Werk 1964 von Gert Moeller – wie viele andere Moeller-Werke am Standort einer ehema- ligen Mühle. Das alte Mühlengelände in Neuwied steht heute noch, es beherbergt inzwischen die Kantine des Werks. In Neuwied fertigt Eaton heute u. a. Mo- torschutzschalter und -relais, den PV-Feuer- wehrschalter sowie Leistungsschalter. Auf einer Produktionsfläche von rund 7 500 m 2 sind rund 215 Mitarbeiter beschäftigt. Stolz ist man auf die Ausbildungsquote von über 10 %. »Wir fühlen uns der Region ver­ pflichtet und bilden daher hier weit über unse­ ren eigenen Bedarf aus«, so Markus Weis (Bild 4). Der 50-Jährige ist seit 34 Jahren bei Eaton bzw. Moeller beschäftigt, seit rund 20 Jahren leitet er das Werk in Neuwied. Pro Jahr verlassen einige Millionen Schaltgeräte das Werk, der »Renner« ist der Motorschutzschalter PKZM0 für Moto- ren ≤ 15 kW. »Ein PKZ besteht aus rund 120 Einzelteilen«, erläutert Markus Weis. »Dennoch erfolgt die Montage hoch effi­ zient, und durch die integriere Stückprü­ fung sichert wir den hohen Qualitätsstan­ dard von Eaton«. Gefertigt wird in Neuwied in drei Schich- ten rund um die Uhr. Eine Besonderheit ist bei der Kunststoffspritzerei zu beobach- ten: Die beiden Nachtschichten sind voll automatisiert. Dies ist keineswegs trivial, erklärt der Werksleiter auf einem Betriebsrundgang. So etwas funktioniere nur, wenn man auch die kleinen und kleinsten Fehler eliminiert, die tagsüber kaum auffallen, weil sie in wenigen Minu- ten behoben sind. Charakteristisch für das Werk Neuwied ist die hohe Fertigungstiefe. Von der Sprit-

zerei über die Stanzerei bis zur Endmonta- ge und Prüfung befindet sich alles unter einem Dach. »Nur so bekommen wir die gleichbleibend hohe Qualität hin«, ist Markus Weis überzeugt. Und die spielt bei Schutzgeräten eine große Rolle. Da die Schaltkraft z. B. eines Motorschutzschalters gerade einmal 0,5 N beträgt, kann man sich keine großen Toleranzen erlauben. Alle Produkte, die das Werk verlassen, wer- den einem 100-%-Test unterzogen (Bild 5).

Quelle: Eaton
Quelle: Eaton

Bild 4: Werkleiter Markus Weis (li.)

Quelle: Eaton
Quelle: Eaton

Bild 5: Jeder Motorschutzschalter wird einer umfassenden Endprüfung unterzogen

3

ELEKTROINSTALLATION

ELEKTROINSTALLATION 4 INFOS Fachbeiträge Effektive Schaltschrankverdrahtung »de« 9.2009 ¬ S. 67 Neue Norm für

4

INFOSELEKTROINSTALLATION 4 Fachbeiträge Effektive Schaltschrankverdrahtung »de« 9.2009 ¬ S. 67 Neue Norm für Sicherheit

Fachbeiträge

Effektive Schaltschrankverdrahtung »de« 9.2009 ¬ S. 67

Neue Norm für Sicherheit von Maschinen »de« 17.2007 ¬ S. 26

Stromabhängig verzögerter Überlastschutz

Die Anlaufphase eines Motors ist stets ein kritischer Moment, denn während des Starts nimmt der Motor wesentlich mehr Strom auf als im Nennbetrieb. Motor- schutzschalter PKE bieten wählbare Aus- löseklassen für den stromabhängig verzö- gerten Überlastschutz. Das Auslöseverhalten des Überlast- auslösers wird durch die Auslöseklasse

festgelegt, der er zugeordnet ist. Im Gerät sind hierfür Auslösekurven für den drei- phasigen Betrieb hinterlegt, die sich als Auslöseklassen (»Class«) anwählen las- sen, unter Beachtung des Hochlaufverhal- tens des Antriebs. Die Auslöseklassen las- sen sich einstellen von Class 5 bis Class

20.

Mit Meldefunktionen

Bislang konnten lediglich Schaltzustände oder Ausgelöstmeldungen ausgewertet wer- den, differenziert nach Überlast- oder Kurz- schlussauslösungen. Motorschutzschalter PKE mit elektronischem Überlastschutz bie- ten deutlich mehr Meldefunktionen wie Dia- gnose-, Status- oder Überlastmeldungen bis hin zum aktuellen Stromfluss. Die Daten vernetzter Motorstarter las- sen sich via »Smartwire-DT« direkt in die Steuerung übertragen und stehen anla- genweit bereit, so für ein Condition Monito- ring oder Fernwartungszecke (Bild 2). Die zunehmende Intelligenz der Motorschutz- schalter erweitert in Summa die Basis- funktion auf Aspekte wie Verfügbarkeit, Ef- fizienz und Wirtschaftlichkeit.

wie Verfügbarkeit, Ef- fizienz und Wirtschaftlichkeit. AUTOR Dipl.-Ing. Andreas Stöcklhuber Redaktion »de« de
wie Verfügbarkeit, Ef- fizienz und Wirtschaftlichkeit. AUTOR Dipl.-Ing. Andreas Stöcklhuber Redaktion »de« de
wie Verfügbarkeit, Ef- fizienz und Wirtschaftlichkeit. AUTOR Dipl.-Ing. Andreas Stöcklhuber Redaktion »de« de
wie Verfügbarkeit, Ef- fizienz und Wirtschaftlichkeit. AUTOR Dipl.-Ing. Andreas Stöcklhuber Redaktion »de« de
wie Verfügbarkeit, Ef- fizienz und Wirtschaftlichkeit. AUTOR Dipl.-Ing. Andreas Stöcklhuber Redaktion »de« de

AUTOR

Dipl.-Ing.

Andreas Stöcklhuber

Redaktion »de«

de 15 – 16.2012