Sie sind auf Seite 1von 2

1

andré zacher, dipl.-toningenieur VDT, www.film-ton.com

Vorteile von On-Location-Harddisk-Recordern :

Pre-Record-Funktion:

Im Standby-Modus verarbeitet der Recorder die an seinen Eingängen anliegenden Signale – ohne momentan aufzuzeichnen - in einem eigens dafür vorhandenen Pre-Record-Puffer. Dieser wird praktisch, insofern sich das Gerät in dem dafür vorgesehenen Standby-Modus befindet, ständig gefüllt und entleert wie ein Durchgangsspeicher. Beim Auslösen der Record-Taste wird das aktuell gepufferte Material dann direkt zusätzlich mit in das zu generierende Sound-File geschrieben. Die Aufnahme beginnt also eigentlich zu einem früheren Zeitpunkt als der Moment des Betätigens der Record-Taste. Vor allem beim dokumentarischen Drehen können so viele unvorsehbare interessante Momente (z.B. Ruf:“Land in Sicht!“ oder Herunterfallen eines Tellers etc.) rückwirkend akustisch auf die Festplatte gebannt werden. Beim Cantar ist der Pre-Record-Buffer beispielsweise auf bis zu 30 Sekunden, beim SD744T auf bis zu 10 Sekunden Länge einstellbar.

Einfache und schnelle Sicherheitskopien des Audiomaterials

Kopien von DAT- oder Nagra-Bändern können stets nur in Echtzeit und nur auf teures zusätzliches Material (Bänder) angefertigt werden.Das Lesen und Kopieren vorhandenen Audiomaterials auf einer Festplatte oder Compact-Flash- Karte (alternatives Medium, z.B. beim 744T) erfolgt um ein Vielfaches schneller, die Recorder benutzen Festplattenformate (meist FAT32), die von den gängigen Computer-Betriebssystem (Windows, MacOS) ohne Zusatzsoftware gelesen werden können. Es ist sogar oft möglich, schon bei der Aufnahme auf zwei verschiedene Medien (z.B. zusätzliche externe Festplatte, CF-Karte etc.) gleichzeitig aufzuzeichnen. Durch die Verwendung von den gleichen Festplatten, Speicherkarten, opt. Medien (z.B. DVD-R) wie in der Computerwelt, sind diese zusätzlichen Datenträger heutzutage sehr günstig und in riesigen Kapazitäten zu bekommen.

Zeitersparnis durch direkten Zugriff aufs Audiomaterial

Beim Sichten, Sortieren, Kopieren und Durchhören des Materials ist es möglich, direkt auf jedes Audio-File ohne Spulzeiten (vgl. z.B. DAT) etc. zuzugreifen.

Ordnung durch Filesystem

Wie Computersysteme arbeiten Festplattenrekorder mit Ordner- und Dateistrukturen. Die aufgezeichneten Files erhalten so je nach Bedarf zeitliche, namentliche, thematische etc. Zuweisungen und lassen sich so später leichter wieder finden und ordnen. Jedes aufgezeichnete File enthält dabei außer einer individuellen Dateibenennung, zusätzliche Metadaten, in denen z.B. Timecode-Informationen, zusätzliche inhaltliche Beschreibungen etc. enthalten sein können. Je nach Recorder gibt es verschiedene Funktionen zur automatisierten Benennung der Files, z.B. automatische Erhöhung der „Take“-Benennung beim Betätigen der Record-Taste

geringere Fehleranfälligkeit

Die mobilen Miniatur-Festplatten, die heute in Harddisk-Recordern eingesetzt werden, sind qualitativ vergleichbar mit denen von hochwertigen Computer-Notebooks und so entsprechend fehlerunanfällig, d.h. es treten keine Dropouts wie bei manchen DAT-Bandtypen auf. Man muss bedenken, dass bei der Verwendung solcher Harddisks in beispielsweise portablen Computersystemen nur ein einziges fehlerhaftes Bit zur Funktionsuntüchtigkeit einer ganzen Software führen würde, es wird also durchaus auch hier vorausgesetzt, dass diese Festplatten stets absolut fehlerfrei laufen. Zusätzlich sind die Massenspeicher in den Recordern stoßgedämpft gelagert, z.B. mit speziellen Gummi- Aufhängungen (beim Aaton Cantar X) oder Schaumstoffdämpfungen (Beim SD744T).

2

andré zacher, dipl.-toningenieur VDT, www.film-ton.com

besseres Handling

Durch Festplattenkapazitäten von bis zu 80GB sind weit längere Aufnahmen – auch in hoher Auflösung, mit hoher Samplingrate und mehreren Spuren – am Stück möglich, als beispielsweise die durch die Bandlänge begrenzte Stereo-Aufnahmen auf DAT oder Nagra. Ein lästiges Wechseln der Medien während des Drehs ist auch nicht mehr nötig.Außerdem kann die verbleibende Kapazität des Datenträgers stets in Abhängigkeit von verwendeter Auflösung, Samplingfrequenz und Spurenanzahl exakt berechnet und angezeigt werden.

Zeitersparnis bei der Datenübertragung in die Postproduktion durch direktes Verwenden der aufgezeichneten Audio- Files

Das Audiomaterial muss nicht umständlich wie bei DAT- oder Nagrabändern in Echtzeit auf ein Schnittsystem, z.B. Avid, überspielt oder eindigitalisiert werden. Die Audiodaten (z.B. im Broadcast Wave Format) können direkt von den angelieferten Medien (CD-R, DVD+/-R, DVD-RAM etc.) oder den Festplatten selbst gelesen und sofort verarbeitet werden. Bei großen Materialmengen (z.B. Dokumentarfilm) kann so sehr viel „Einspielzeit“ gespart werden.

Mehrspurfähigkeit

In Abhängigkeit vom Modell zeichnen Harddiskrecorder bis zu 4 (SD744T, Zaxcom DEVA2), 6 (Fostex PD-6, Aaton Cantar X), 8 (Zaxcom DEVA4, HHB Portadrive) oder 10 (Zaxcom DEVA5) Spuren gleichzeitig auf, im Gegensatz zu Stereo bei DAT oder Nagra. Viele separate gelichzeitige Signale müssen so nicht mehr on-location zusammengemischt werden, sondern können getrennt in die Postproduktion übergeben und dort effektiver ausgewertet werden. Auch Surround-Mikrofonanordnungen (z.B. für aufwändige Kino-Atmos) werden möglich.

höhere Auflösung und Samplingfrequenzen

Die meisten Recorder bieten auch 24 Bit (statt nur 16 Bit wie bei DAT) und Samplingfrequenzen bis zu 192 kHz.

Kompaktheit

Beispielsweise der Sound Devices 744T ist kompakter und leichter als jedes vergleichbare professionelle DAT- Gerät. In Anbetracht der Mehrspurfähigkeit sind auch die anderen Harddisk-Recorder sehr kompakt, verglichen mit äquivalenten Mehrspur-Bandmaschinen (z.B. Tascam DA-98 etc.).

Stromverbrauch

Im Vergleich zu DAT wird stets weniger Energie verbraucht, d.h. kleinere Akkus bzw. selteneres Akkuwechseln werden ermöglicht.

Geringere Empfindlichkeit gegen Umwelteinflüsse durch Locations und Wetter

An einem Harddisk-Recorder existieren keine offenen Teile wie beispielsweise die Kopftrommel eines DAT- Recorders bei offenem Kassettenschacht. Die Harddisks befinden sich stets in einem hermetisch abgedichteten Schacht, der optimal gegen Kondenswasser, Feuchtigkeit, Staub und andere negative Einflüsse durch Wetter und extreme Locations geschützt ist.