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Romano Centro, Sonderheft Nr.

88, Dezember 2017

ANTIZIGANISMUS
IN ÖSTERREICH

Falldokumentation 2015 – 2017


Informationen für Betroffene und ZeugInnen
Die Erstellung dieses Berichtes
wurde gefördert von:

THARA
Eine Initiative der
Volkshilfe Österreich,
die sich für die Anliegen der
Roma und Romnija am
österreichischen Arbeitsmarkt
einsetzt.

THARA bietet:
■ Berufs-, Karriere- und
Sozialberatung
■ Qualifizierung und Weiterbildung
■ Infotainment-Veranstaltungen
■ Workshop-Angebote für
MultiplikatorInnen
■ Workshop-Angebote für Frauen

Mehr Informationen unter:


thara@volkshilfe.at
www.volkshilfe.at/thara-romani-zor
www.facebook.com/roma.thara

Diese Maßnahme
Volkshilfe Thara Romani Zor!
wird aus Mitteln
des Europäischen Große Sperglasse 26
Sozialfonds finanziert. 1020 Wien
INHALT

Vorwort Staatsekretärin Muna Duzdar /....................................................................2


Einleitung /............................................................................................................3
Antiziganismus verstehen – das Grundlagenpapier der Allianz gegen Antiziganismus /.....4
Antiziganismus und Ordnungspolitik: Die Einführung von „Bettler-Datenbanken“ /........6
Medien /................................................................................................................7
Rechtsextreme Medien /..........................................................................................9
Politik /............................................................................................................... 10
Zugang zu Gütern und Dienstleistungen /................................................................ 11
Internet /............................................................................................................. 13
Polizei /............................................................................................................... 17
Öffentlicher Raum /............................................................................................... 18
Arbeitswelt /........................................................................................................ 20
Bildung /.............................................................................................................. 22
Weitere Fälle /...................................................................................................... 23
Vielversprechende Maßnahmen gegen Antiziganismus /........................................... 24
Empfehlungen /.................................................................................................... 25
Zusammenfassung /............................................................................................. 26
Unterstützungsangebote für Betroffene und ZeugInnen /........................................... 28

ROMANO CENTRO – VEREIN FÜR ROMA


Der Verein Romano Centro wurde 1991 gegründet. Romano Centro
vertritt Roma und Romnja unterschiedlicher Herkunft und Gruppen­
zugehörigkeit. Schwerpunkte der Vereinstätigkeit liegen in den
Bereichen Kultur und Bildung, in der Frauen- und Sozialberatung, in der IMPRESSUM
Anti-Rassismus-Arbeit und im Bereich Arbeitsmarkt. Medieninhaber:
Romano Centro – Verein für Roma
Hofmannsthalgasse 2/2, 1030 Wien
Tel. 0043-1-7496336-15
Fax: 0043-1-7496336-11
www.romano-centro.org
ROMANO CENTRO UNTERSTÜTZEN office@romano-centro.org

Bankverbindung:
Anti-Rassismus-Arbeit kostet Geld! Die Erstellung dieses Berichtes, die Bank Austria
Unterstützung und Rechtsberatung von Betroffenen benötigen Zeit und IBAN: AT70 1200 0006 7110 6508,
Geld! Spenden Sie für die weitere Arbeit des Vereins Romano Centro BIC: BKAUATWW
gegen Antiziganismus und für die Rechte der Betroffenen! Redaktion: Ferdinand Koller
Bank Austria IBAN: AT 70 1200 0006 7110 6508, BIC: BKAUATWW unter Mitarbeit von Bente Gießelmann
und Irina Spataru
Druck: Donau Forum Druck Ges. m. b. H.

1
VORWORT
Mag.a Muna Duzdar, Staatssekretärin für Diversität, Öffentlichen Dienst und Digitalisierung

I ch freue mich, dass Sie nun den bereits dritten Bericht


zu Antiziganismus in Österreich in Ihren Händen hal­
ten. In den Jahren 2013 und 2015 erschienen die ersten
Sinti gesprochen wird, sondern dass mit Roma und Sinti
gesprochen wird. In einer online Konsultation haben wir
der Roma Community die Möglichkeit gegeben, selbst
beiden Berichte. Beide hatten den Anspruch, physische darzulegen, wo ihrer Meinung nach noch großer Hand­
und psychische Übergriffe auf Roma und Sinti zu doku­ lungsbedarf besteht, um die Teilhabe an der Gesellschaft
mentieren und damit die Sensibilität gegenüber einem zu stärken.
immer noch tabuisierten Thema zu erhöhen. Gleichzei­ 39 Prozent der Befragten haben dabei angegeben, dass
tig sollen die Berichte auch jenen Mut machen, die von der Bekämpfung des Antiziganismus dabei ein breiterer
antiziganistischer Diskriminierung betroffen sind, sich zu Raum eingeräumt werden müsse. Aus diesem Grund ha­
wehren und aktiv dagegen aufzutreten. ben wir uns auch entschieden, dieses Thema als einen
Dies ist auch die Intention des vorliegenden Berichts, der der Schwerpunkte neu in die Strategie aufzunehmen und
aufzeigt, dass Antiziganismus weiterhin besteht. Der Hass auch erste Maßnahmen eingeleitet.
auf Minderheiten ist ein weitverbreitetes Phänomen in der
Gesellschaft. Dagegen gilt es mit aller Kraft anzukämpfen. Als erstes und wichtigstes Ziel muss dabei die Sensibilisie­
Aufgabe der Politik ist es, die Stimme gegen jede Art von rung der Bevölkerung stehen. Dazu zählt auch die Sen­
Ausgrenzung zu erheben und Rahmenbedingungen zu sibilisierung des Öffentlichen Dienstes. In eigenen Semi­
schaffen, um dagegen vorzugehen. naren, zu denen MitarbeiterInnen der Verwaltung, etwa
von der Polizei oder LehrerInnen geladen waren, stand
Als verantwortliche Staatssekretärin für die Interessen das Thema Antiziganismus und der Umgang damit im
der Volksgruppen, war und ist mir die Unterstützung der Mittelpunkt.
Roma und Sinti ein besonderes Anliegen. Immer noch Einen besonderen Einfluss auf das öffentliche Bild, das die
gibt es vielfach Ausgrenzung, Ungleichheit und Diskrimi­ Bevölkerung über Roma und Sinti hat, besitzen selbstver­
nierung gegen die mit zwölf Millionen Menschen größte ständlich die Medien. Daher ist es umso wichtiger, auch
ethnische Minderheit in Europa. In vielen Ländern der Medienverantwortliche, JournalistInnen und Redakteu­
europäischen Union haben Roma und Sinti immer noch rInnen an ihre Verantwortung zu erinnern. Es wurde
mit Hindernissen bei Berufswahl und Bildung zu kämpfen bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich in einem
und sind massiven Vorurteilen von Seiten der Mehrheits­ ersten Schritt mit der Darstellung von Roma und Sinti in
gesellschaft ausgesetzt. Das zeigt nicht zuletzt der Fort­ der medialen Berichterstattung auseinandersetzen soll. In
schrittsbericht der EU-Kommission, der in regelmäßigen einem zweiten Schritt werden dann Maßnahmen erarbei­
Abständen veröffentlicht wird. tet, wie der – teilweise sehr stereotypen – Berichterstat­
Auch wenn Österreich im europäischen Vergleich bei der tung begegnet werden kann.
Teilhabe von Roma und Sinti in der Gesellschaft gut da­
steht und immer wieder gelobt wird. Auch bei uns gibt es Letztlich ist es auch notwendig, den Roma und Sinti selbst
Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierung von eine Stimme zu geben. Mit dem Projekt Romblog.at, das
Roma und Sinti. Und das 24 Jahre nach der Anerkennung in Kooperation mit dem ORF durchgeführt wurde, be­
der Roma als Volksgruppe. kommen junge Roma die Chance, selbst Medien zu ge­
Zu welchen verheerenden Auswirkungen Antiziganismus stalten und ihre Sicht der Dinge darzustellen.
führen kann, hat im Jahr 1995 der Anschlag auf Roma Insgesamt also eine Vielzahl von Maßnahmen, die dazu
in Oberwart, bei dem vier junge Roma ums Leben ge­ beitragen sollen, dass Stereotype und Vorurteile abgebaut
kommen sind, auf drastischste Art und Weise vor Augen werden und damit ein Schritt zur besseren Teilhabe der
geführt. Auch heute sind Vorurteile und Stigmatisierun­ Roma und Sinti in der Gesellschaft erreicht wird.
gen, die mit dem Antiziganismus einhergehen, noch lan­
ge nicht ausgeräumt, wie unter anderem der vorliegende Abschließend möchte ich allen, die am Zustandekommen
Bericht zeigt. des dritten Berichts zu Antiziganismus in Österreich betei­
Von politischer Seite sind wir bemüht, hier gestaltend ligt waren, für ihren Einsatz für ein positives Miteinander
einzugreifen und haben daher bereits viele wichtige Maß­ in Österreich danken. /
nahmen gesetzt. Eine davon ist die Roma Strategie 2020,
die die wichtigsten Maßnahmen zusammenfasst. Dabei Wien, November 2017
war es uns besonders wichtig, dass nicht über Roma und Muna Duzdar

2
EINLEITUNG

D er dritte Bericht zu Antiziganismus in Österreich


umfasst den Zeitraum von November 2015 bis Ok­
tober 2017. Ebenso wie die beiden Publikationen in den
werden. Das Parlament fordert unter anderem, dass der
Bekämpfung von Antiziganismus im EU-Rahmen für na­
tionale Strategien zur Integration der Roma nach 2020
Jahren 2013 und 2015 verfolgt dieser ein zweifaches Ziel: besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll.

Wir möchten erstens die Öffentlichkeit auf das Thema Der vorliegende Bericht ist keine wissenschaftliche Studie,
Antiziganismus aufmerksam machen. Zweitens ist es uns sondern eine Darstellung einzelner Vorfälle, die an Roma­
wichtig, jenen Personen, die von Antiziganismus betroffen no Centro und andere Beratungsstellen gemeldet wurden.
sind, Mut zu machen, über Vorfälle zu berichten und sich Aussagen zur Häufigkeit antiziganistischer Vorfälle lassen
zu wehren. sich daraus ebenso wenig ableiten wie etwa eine Feststellung
darüber, wo es in Österreich am meisten derartiger Vorfälle
Die ersten beiden Berichte haben viel Interesse hervorgeru­ gibt. Es kann damit jedoch sehr wohl gezeigt werden, dass
fen und international Beachtung gefunden. Sie stellen eine Antiziganismus ein ernstzunehmendes Problem darstellt
wichtige Grundlage für die „Strategie zur Fortführung der und in welchen Bereichen aktuell Handlungsbedarf besteht.
Inklusion der Roma in Österreich“ dar, die am 28.06.2017
im Ministerrat beschlossen wurde und waren ein wesentli­ Wir bedanken uns bei allen KooperationspartnerInnen,
cher Grund dafür, dass das Thema Bekämpfung von Anti­ ohne deren Unterstützung dieser Bericht nicht zustande
ziganismus in diese Strategie aufgenommen wurde. gekommen wäre. Folgende Organisationen haben Vorfälle
dokumentiert und diese anonymisiert zur Verfügung ge­
Wir nehmen insgesamt ein steigendes Interesse am The­ stellt: ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, der
ma Antiziganismus und eine erhöhte Sensibilität wahr, Verein Karika in Oberwart, der Verein Phurdo in Salzburg,
auch wenn diese Entwicklung langsam geschieht. Unse­ die Roma-Pastoral in Eisenstadt, die BettelLobby Ober­
re Berichte zu diesem Thema sind für Interessierte eine österreich, Tirol und Wien, die Plattform Armutsmigration
wichtige Informationsquelle, was sich an zahlreichen Vorarlberg, das Dokumentationsarchiv des österreichischen
Verweisen, der großen Zahl an Downloads der On­ Widerstands und die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Die
line-Version und anhand der vielen Rückmeldungen Rechtsanwaltskanzlei Ronald Frühwirth aus Graz hat die
feststellen lässt. Es ist zu hoffen, dass diese Entwicklung rechtlichen Informationen aufbereitet. Der Vereinsvorstand
so weit fortschreitet, dass die Bekämpfung von Anti­ bedankt sich auch beim Redaktionsteam Ferdinand Koller,
ziganismus – ebenso wie die Bekämpfung des Antisemi­ Bente Gießelmann und Irina Spataru. /
tismus – als wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe
angesehen wird, an der sich viele Organisa­tionen, Privat­
personen, Medien und PolitikerInnen beteiligen. Roma- WIR INFORMIEREN
Organisationen können dazu wichtige Beiträge leisten,
Anstoß geben und ihre Perspektiven einbringen. Eine si­ Workshops und Trainings zu
gnifikante Veränderung wird jedoch nur gemeinsam mit
• A
 ntiziganismus
allen relevanten Akteuren der Gesellschaft gelingen. • G eschichte, Sprache und Kultur der
Roma/Romnja
Auf europäischer Ebene verhält es sich ähnlich: Anti­
ziganismus erhält vermehrt Anerkennung durch die In­ halbtägig, ganztägig und mehrtägig,
stitutionen der Europäischen Union. Wurde bisher vor durchgeführt von Roma/Romnja und
allem die Integration der Roma vorangetrieben, steigt Sinti/Sintizze
das Bewusstsein dafür, dass die Hauptursache der Prob­ • für Jugendliche und Erwachsene
leme wie Armut und niedriges Bildungsniveau bekämpft • Gruppen bis 20 Personen
werden muss: der allerorts vorhandene Antiziganismus
und die daraus resultierenden Exklusionsmechanismen. Anfragen an:
office@romano-centro.org
Das Europäische Parlament hat am 25.10.2017 eine Ent­
bzw. 01 749 63 36 15
schließung angenommen, in der das Problem von Anti­
ziganismus breit dargestellt und zahlreiche Empfehlungen Wir machen Ihnen ein passendes Angebot!
an die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten gemacht

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ANTIZIGANISMUS VERSTEHEN –
DAS GRUNDLAGENPAPIER DER
ALLIANZ GEGEN ANTIZIGANISMUS
Die Allianz gegen Antiziganismus hat 2016 ein Grundlagenpapier zu Antiziganismus herausgege-
ben. Dieses soll zu einem besseren Verständnis dieser Form des Rassismus führen, wesentliche
Merkmale und Erscheinungsformen beschreiben und dazu beitragen, europaweit effektive Maß-
nahmen zur Bekämpfung von Antiziganismus zu entwickeln. Die wichtigsten Inhalte werden
in der Folge kurz zusammengefasst. Das vollständige Papier steht in deutscher und engli-
scher Version auf der Internetseite www.antigypsyism.eu zur Verfügung, ebenso findet
sich dort eine Liste der Mitglieder der Allianz.

EINE SPEZIELLE FORM FOKUS AUF DIE beliebige als „Zigeuner” imaginierte
DES RASSISMUS MEHRHEITS­GESELLSCHAFT Person auszuschließen.
Das heißt in der Folge, dass die Be­
Antiziganismus ist eine spezielle Es ist von zentraler Bedeutung, zu kämpfung der Auswirkungen von
Form des Rassismus, die sich ge­ verstehen, dass Antiziganismus kein Diskriminierung, wie beispielsweise
gen Roma/Romnja, Sinti/Sintiz­ „Minderheitenthema” ist. Er ist ein Armut, schlechte Wohnverhältnisse
ze, Fahrende und andere Personen Phänomen dessen Ursprung darin zu oder unzureichende Bildung, zwar
richtet, die von der Mehrheitsge­ suchen ist, wie die Angehörigen der dringend notwendig ist, dass dies aber
sellschaft als „Zigeuner” bzw. „Zi­ Mehrheitsgesellschaft jene wahrneh­ nichts zur Beseitigung der Ursache
geunerinnen“ stigmatisiert werden. men und behandeln, die sie als „Zi­ dieser schlechteren sozialen Situation
Obwohl der Begriff Antiziganismus geuner” begreifen. Folglich muss, um beiträgt. Antiziganismus kann daher
eine zunehmende institutionelle An­ Antiziganismus zu bekämpfen, der mit einem konstanten starken Gegen­
erkennung erfährt, gibt es noch kein Fokus auf die Mehrheitsgesellschaft wind verglichen werden: Solange die­
allgemein anerkanntes Verständnis gelegt werden, wobei gleichzeitig die ser weiterbläst, bleibt eine „Roma-In­
seiner Bedeutung und möglicher Stimmen jener gehört werden müs­ klusion” illusorisch.
Folgen. Dementsprechend fehlt sen, die systematisch unter Antiziga­
auch eine allgemein akzeptierte De­ nismus leiden und dadurch häufig Schließlich zeichnet sich Antiziganis­
finition von Antiziganismus, die von zum Schweigen gebracht werden. mus bis heute durch seine hohe gesell­
Zivilgesellschaft, öffentlichen Ins­ Antiziganismus ist weder als die Fol­ schaftliche Akzeptanz aus. Die mora­
titutionen und Wissenschaft geteilt ge schlechter Lebensbedingungen zu lische Verurteilung, mit der anderen
werden würde. verstehen, in denen viele Roma-Ge­ Formen von Rassismus begegnet
meinschaften leben müssen, noch ist wird, ist in Fällen antiziganistischen
Antiziganismus wird häufig in einer er Resultat dessen, dass die Ange­ Handelns und Sprechens kaum vor­
engen Auslegung verwendet, um hörigen dieser Gruppen angeblich handen. Antiziganismus ist nicht nur
gegen Roma/Romnja und Sinti/ „ganz anders” seien. Die Annahme, weit verbreitet, sondern auch tief in
Sinitizze gerichtete Einstellungen, dass eine erfolgreiche Integration der sozialen und kulturellen Normen und
öffentliche Äußerungen negativer Roma/Romnja etwas gegen Anti­ institutionellen Praktiken verwurzelt.
Stereotype oder Hassrede zu be­ ziganismus bewirken könne, ist ein Antiziganismus spornt rechtsextre­
zeichnen. Er umfasst jedoch ein Trugschluss, der die Ursprünge und mistische Personen und Gruppen zu
weit größeres Spek­trum an diskrimi­ den wahren Kern des Antiziganismus Gewalt und Hassreden an, ist aber in
nierenden Äußerungen und Hand­ verschleiert. Ursache und Wirkung der gesamten Gesellschaft weit ver­
lungsweisen, darunter viele, die nur werden dabei auf den Kopf gestellt. breitet und wird von staatlichen In­
implizit oder versteckt auftreten: Es ist der Antiziganismus und nicht ir­ stitutionen akzeptiert. Die Aufgabe,
Relevant ist dabei nicht nur, was ge­ gendein gemeinsamer Charakterzug Antiziganismus entgegen zu treten,
sagt oder was getan wird, sondern real existierender Roma/Romnja, wird so schwieriger und dringlicher
auch, was unterlassen wird. der Gesellschaften dazu antreibt, jede zugleich.

4
geunerrasse“ begründet. Gegenwär­ werden, verbreitet durch Alltagsspra­
ARBEITSDEFINITION tiger Antiziganismus argumentiert che und Kulturprodukte wie Musik,
meist nicht mehr mit „Rasse”, aber Filme, Literatur, sowie durch Mas­
Antiziganismus ist ein historisch
hergestellter, stabiler Komplex ei-
er transportiert häufig dasselbe ideo­ senmedien oder politische Debatten.
nes gesellschaftlich etablierten logische Konstrukt, indem er einer Antiziganistische Ideologie ist auch
Rassismus gegenüber sozialen Gruppe eine absolut andere „Kul­ in vermeintlich positiven Zuschrei­
Gruppen, die mit dem Stigma „Zi- tur” zuschreibt, die jede und jeden bungen enthalten, das romantische
geuner” oder anderen verwandten
der Angehörigen dieser Gruppe un­ Klischee des „sorgenfreien Zigeuners
Bezeichnungen belegt werden. Er
umfasst veränderbar präge. Die „Zigeuner“ mit Geige“ hat letztlich dieselbe Be­
werden dabei insbesondere als nicht deutung wie das Bild eines „Sozial­
1.eine homogenisierende und es-
sentialisierende Wahrnehmung ausreichend zivilisiert beschrieben, schmarotzers“: er lebt nicht – wie
und Darstellung dieser Gruppen, da sie Normen und Werte der Mehr­ die Angehörigen der Mehrheits­
[das bedeutet, dass alle so be- heitsgesellschaft nicht teilen wollten gesellschaft – von „harter Arbeit“.
zeichneten Personen als einan- oder könnten oder diese noch nicht Ebenso ist es wichtig aufzuzeigen,
der gleich und in ihrer Wesensart
als unveränderbar angesehen
ausreichend verinnerlicht hätten. Die dass nicht alle Erscheinungsformen
werden] ihnen zugeschriebenen Eigenschaften des Antiziganismus notwendiger­
sind das Gegenbild der Normen und weise böswillig sind. Auch wohlmei­
2. d
 ie Zuschreibung spezifischer Ei-
genschaften an diese [beispiels- Werte der Mehrheitsgesellschaft, das nenden Motiven können rassistische
weise Kriminalität, Nicht-Arbei- Bild des „Zigeuners“ hat daher immer Vorstellungen zugrunde liegen, was
ten-Wollen oder Unehrlichkeit] auch eine disziplinierende Funktion sich in paternalistischen Handlungs­
und
für die Angehörigen der Mehrheit. ansätzen sozialer Projekte zeigt, die
3. vor diesem Hintergrund entste- Die durch diese Vorstellungen aus der teils ebenso davon ausgehen, dass
hende diskriminierende soziale Gesellschaft ausgesonderten Gruppen Roma/Romnja fundamental anders
Strukturen und gewalttätige Pra-
xen, die herabsetzend und aus-
und Einzelpersonen werden dadurch wären und daher einer spezifischen
schließend wirken und struktu- auch als weniger wertvoll und als ei­ Behandlung bedürften. Verantwort­
relle Ungleichheit reproduzieren. ner Gleichbehandlung unwürdig er­ liche in Politik oder Behörden igno­
Diese Arbeitsdefinition betont den achtet. Sie werden tendenziell nicht rieren Antiziganismus häufig so lan­
konstruierten Charakter der Objek- als Teil der „Nation“ oder der „Ge­ ge wie möglich. Wenn sie Stellung
te des antiziganistischen Denkens: sellschaft“ gesehen. nehmen, wird häufig jede Verant­
Denn es werden nicht Roma und
Wie bei anderen von Rassismus be­ wortlichkeit geleugnet. Bei besonders
Romnja abgelehnt, so wie sie tat-
sächlich sind, sondern „Zigeuner“, troffenen Personen kann es zu einem tragischen Vorfällen wird Empathie
so wie sie sich die Gesellschaft vor- bewussten Gebrauch solcher Stereo­ und tiefe Betroffenheit ausgedrückt,
stellt. Es geht um eine Projektion type kommen, z.B. aus ökonomischen meist jedoch ohne in der Folge kon­
bestimmter Eigenschaften, die ver- Gründen. Eine weitere mögliche Re­ krete Maßnahmen gegen Antiziga­
meintlich von der Norm abweichen,
auf eine Gruppe. Dabei muss un-
aktion ist die Identifizierung mit die­ nismus zu setzen.
missverständlich deutlich gemacht sen Zuschreibungen, beispielsweise Maßnahmen gegen Antiziganismus
werden, dass die Betroffenen nicht indem Vorstellungen eigener Minder­ müssen auf das gesamte Spektrum
die Ursache dieser Ideologie sind. wertigkeit akzeptiert oder Klischees antiziganistischer Positionen gerich­
Diskriminierung und Verfolgungen zur Selbstbeschreibung verwendet tet sein. Für die Bekämpfung von
in der Vergangenheit haben fort- werden. Antiziganismus in Europa ist es drin­
währende negative Auswirkungen
gend notwendig, dass politisch Ver­
auf die sozialen, wirtschaftlichen
und psychischen Lebensbedingun- antwortliche und Institutionen diese
gen der verfolgten Menschen und ERSCHEINUNGSFORMEN Form des Rassismus in all seinen Er­
bewirkten außerdem einen Verlust DES ANTIZIGANISMUS scheinungsformen besser verstehen
kulturellen Reichtums und von und als soziales und politisches Pro­
Sprachkenntnissen.
Eine große Gefahr geht von rechts­ blem ernst nehmen. /
extremen Gruppen aus, die immer
wieder eine reale Bedrohung der
physischen Unversehrtheit der Be­
„WIR“ UND „DIE ANDEREN“ Die Allianz gegen Antiziganismus ist
troffenen darstellen. Antiziganismus ein europaweiter Zusammenschluss
Die Grundlage antiziganistischer ist aber nicht auf rechtsextreme von 100 Organisationen, die sich
für gleichberechtigte Teilhabe von
Ideologie bildet die Annahme fun­ Gruppen begrenzt. Viele antiziga­ Roma/Romnja und Sinti/Sintizze
damentaler Unterschiede zwischen nistische Vorstellungen finden in der einsetzen. Sie unterstützt die vor-
„uns” und „ihnen”. Die Vorstellung gesamten Gesellschaft breite Zustim­ geschlagene Arbeitsdefinition und
unüberwindlicher Fremdheit wurde mung. Sie müssen deshalb als Teil fördert ein gemeinsames kritisches
Verständnis von Antiziganismus.
einst mit dem Konzept einer „Zi­ des „Allgemeinwissens“ verstanden

5
ANTIZIGANISMUS UND ORDNUNGS-
POLITIK: DIE EINFÜHRUNG VON
„BETTLER-DATENBANKEN“ Bente Gießelmann

S tilles Betteln ist ein verfassungsrechtlich garantiertes


Recht. Die jahrelange Diskussion über unterschied­
liche Bettelverbote in Städten und Bundesländern hat
Kriminalität vor. Nicht selten werden die Bezeichnungen
„Bettler“ und „Roma“ synonym verwendet. Die Einfüh­
rung einer Datenbank, mit der pauschal alle bettelnden
durch die Einführung von Datenbanken in Oberöster­ Menschen erfasst werden, ist in einem von Vorurteilen und
reich (2015) und Niederösterreich (2016) eine neue Stufe Rassismus geprägten Klima leicht durchsetzbar. Grund­
der Kriminalisierung von BettlerInnen erreicht. Dies wäre rechtliche Fragestellungen werden außer Acht gelassen.
ohne die antiziganistische Rahmung des Betteldiskurses
nicht möglich und ist mit Blick auf die jüngere Geschichte Die Erfassung in den Datenbanken fußt auf einer Sonder­
höchst bedenklich. gesetzgebung, die Menschen allein aufgrund ihrer Anwe­
senheit und ihrer Herkunft verdächtigt. Der Pauschalver­
Die Einführung einer Datenbank wurde in Oberösterreich dacht des „gewerbsmäßigen“ Bettelns und die Annahme
gleichzeitig mit dem Tatbestand des „gewerbsmäßigen“ von „der Bettelmafia“ zugehörigen „Clans“ entspringen
Bettelns beschlossen. Niederösterreich hat die Regelung einem antiziganistischen Diskurs. Erleben wir mit diesen
ein Jahr später übernommen. Das Oberösterreichische Datenbanken ein Revival polizeilicher Erfassungspraxis
Polizeistrafgesetz sieht in § 9 vor, dass personenbezogene der 1920er Jahre, in der soziale und ethnische Zuschrei­
Daten aller Personen, die betteln, in einem „Infomations­ bungen die systematische Erfassung ganzer Bevölkerungs­
verbundsystem“ verarbeitet werden sollen – unabhängig gruppen unter der Kategorie „Zigeuner“ mit dem Attribut
von etwaigen Verwaltungsübertretungen. Mehrfaches „asozial“ ermöglichte? Die polizeiliche ethnische Markie­
Betteln wird als Indiz für das Vorliegen von gewerbsmäßi­ rung auch Jahrzehnte nach dem Nationalsozialismus ist
gem Betteln angesehen und soll mithilfe einer Datenbank bis heute nicht aufgearbeitet worden. Die bayrische Polizei
sehr einfach nachzuweisen sein. hat 1899 eine „Zigeunerzentrale“ eingerichtet, die unter
wechselnden Namen bis in die 1960er Jahre für die Erfas­
Dass hierbei personenbezogene und auch sensible Daten sung von als „Zigeuner“ titulierten Menschen zuständig
gespeichert werden, erachtet die Juristin Barbara Carg­ war. Auch in Österreich wurden „Zigeuner“ ab den 1920er
nelli-Weichselbaum als Eingriff in das Recht auf Daten­ Jahren systematisch erfasst, was später den Völkermord
schutz sowie auf Achtung des Privat- und Familienlebens. an Tausenden erleichterte. 2013 wurde bekannt, dass die
Defizite beim Rechtsschutz, unrechtmäßige Verbreitung schwedische Polizei jahrelang mehrere Tausend Roma
sowie unrechtmäßige Verwendung durch die Zugriffsmög­ und Romnja in einer Kartei erfasst hat – die Kartei wurde
lichkeit vieler Personen stellen ein konkretes Gefahrenpo­ mittlerweile gelöscht und die Betroffenen sollen entschä­
tenzial einer solchen Datenbank dar. Der Kontrolle der digt werden. Auch wenn eine solche Kartei in Österreich
Einhaltung der Bettelverbote dient die Datenbank kaum nicht bekannt oder geplant ist: Die Erfassung bettelnder
bis gar nicht. Notlagen erlauben auch das mehrmalige Menschen hat eine antiziganistische Dimension, die nicht
Betteln, ohne dass eine „Gewerbsmäßigkeit“ vorliegt. Die offen ausgesprochen wird. Der antiziganistische Diskurs
Anwesenheit mehrerer bettelnder Personen an einem Ort um das Thema Betteln ist aber ein wesentlicher Faktor,
weist nicht deren „Organisiertheit“ nach. Obwohl sich der die Einführung dieser Datenbanken ermöglicht hat.
die Mehrzahl der bettelnden Personen in keiner Weise Eine datenbankgestützte Erfassung aller bettelnden Men­
strafbar macht, werden alle erfasst. Die Verfassungsjuris­ schen ist mit Blick auf die ethnisierend-kriminologische
tin bezeichnet die Datenbank aus genannten Gründen als Erfassung von Personengruppen sowie auch datenschutz­
„völlig unverhältnismäßig und damit verfassungswidrig“. rechtlich hoch problematisch. Weder die Kriminalisierung
Der Diskurs um das Betteln wurde in den letzten Jahren und Überwachung von Armut noch der damit verbunde­
in Österreich stark stigmatisierend und antiziganistisch ge­ ne antiziganistische Diskurs dürfen gesellschaftliche Nor­
führt: BettlerInnen aus Osteuropa seien „meist den Roma malität werden. /
zugehörig“, Familien oder Gruppen werden abwertend
und kriminalisierend als „organisierte Banden“ dargestellt. Literatur:
Vice versa kommen Roma/Romnja in medialen Darstel­ Barbara Cargnelli-Weichselbaum (2016): Sichtbare Armut durch bettelnde Menschen – aktu­
elle Fragestellungen zu Bettelverboten aus verfassungsrechtlicher Perspektive, in: Journal für
lungen großteils nur im Zusammenhang mit Betteln und Rechtspolitik 24, Verlag Österreich, 85–106.

6
MEDIEN
Antiziganistische Darstellungen finden sich vor allem in der Berichterstattung der Boulevardmedien, die immer
wieder Kampagnen gegen bettelnde Menschen starten. Sie bedienen dabei antiziganistische Vorurteile und
verwenden häufig eine abwertende und kriminalisierende Sprache, Familien werden etwa regelmäßig als
„Banden“ oder „Clans“ bezeichnet. In anderen Medien zeigt sich eine zunehmende Sensibilität.

1/ KAMPAGNE GEGEN
BETTELNDE MENSCHEN / 2/ 
BERICHTERSTATTUNG
ZU BRANDANSCHLAG
IN ROM /
Personen ohne jede Begründung in
die Nähe von Kriminalität. Der Ar­
tikel impliziert außerdem, dass die
Die Tageszeitung Österreich ver­ Ein Brandanschlag auf eine Roma- Familien diese Lebensweise freiwil­
öffentlicht immer wieder Artikel, Familie fordert im Mai 2017 drei lig gewählt hätten.
in denen massiv gegen betteln­ Todesopfer. Das Tatmotiv ist unklar,

4/
de Menschen Stimmung gemacht viele Medien berichten aber darüber,
wird. Dies geschieht vor allem in der dass es sich möglicherweise um eine 
„BETTELMAFIA“
Vorweihnachtszeit (z.B. im Artikel „Fehde unter rivalisierenden Roma-­ AM ROCHUSMARKT /
„Bettel-Mafia immer aggressiver“ Clans“ gehandelt haben könnte.
vom 21.11.2016), aber auch vor Os­ Dadurch werden die Betroffenen be­ Wenige Tage nach der Ausstrah­
tern. Es werden Fotos von bettelnden grifflich in die Nähe der Kriminalität lung des Weihnachts-Tatorts „Klin­
Menschen veröffentlicht, die ihre Zu­ gerückt. Bezeichnungen wie „Fehde“ gelingeling“, der im Milieu einer
stimmung zur Veröffentlichung nicht oder „Clan“ bestärken außer­dem die vermeintlichen Bettelmafia spielt
gegeben haben. Die Darstellungen Vorstellung, dass Roma ein archai­ und zahlreiche Klischees bedient,
sind teilweise erfunden, teilweise stark sches, rückständiges Volk wären. veröffentlicht die Kronen Zeitung
übertrieben und enthalten antiziga­ Auch österreichische Medien über­ am 1.1.2017 zwei Artikel über die
nistische Elemente, wie etwa das Bild nehmen diese abwertenden Bezeich­ Bettel­mafia. Einer der Artikel be­
der „Bettel-Mafia“. Am 3.4.2017 wird nungen und berichten nach einer richtet von den vermeintlichen Um­
ein Artikel unter dem Titel „Bett­ Meldung der Austria Presse Agentur trieben der Bettelmafia am Wiener
ler-Terror“ am Ostermarkt in Florids­ (APA) über eine mögliche Fehde un­ Rochusmarkt. Die dort immer wie­
dorf veröffentlicht. Er beschreibt, wie ter Clans. Ein Angehöriger der Fami­ der bettelnden Menschen werden als
ein „König der Bettler“ jeden Tag mit lie veröffentlicht eine Stellungnahme Teil einer kriminellen Organisation
einer 20-köpfigen Bande die Besucher gegen diese diffamierenden Bezeich­ beschrieben. Sozialarbeiter­Innen,
des Marktes belästigt und sich unter nungen. Romano Centro leitet die­ die häufig mit den betroffenen Per­
den Rumänen auch einer befinde, se an die betreffenden Redaktionen sonen zu tun haben, betonen je­
der im Rollstuhl sitzt. Fotos von Bett­ weiter. Die Redaktion von orf.at. doch, dass es sich um armutsbetrof­
lern sollen die Geschichte untermau­ antwortet umgehend und korrigierte fene Personen handle, die in keiner
ern, auch der Mann im Rollstuhl ist den Text, Puls 4 und derstandard.at Weise kriminell organisiert wären.
abgebildet. Als dieser den Bericht in bedauern die Wortwahl. Der Kurier,

5/
der Zeitung liest, wendet er sich an die Salzburger Nachrichten und die
eine Sozialarbeiterin. Die Darstel­ APA antworten nicht auf die Anfrage. 
TÄTER ZUMEIST
lung seiner Person im Artikel würde ROMA /

3/
nicht der Wahrheit entsprechen und
er würde sich gerne öffentlich dazu Die oberösterreichische Zeitung
äußern. In einem Video erklärt er „BETTELBANDEN“ / Wochenblick veröffentlicht nach ei­
dann, wer auf den Bildern zu sehen ner Presseaussendung der Polizei am
ist, dass der vermeintliche „König“ Die Kronen-Zeitung veröffentlicht 12. Juli 2017 einen Artikel mit dem
ein Straßenzeitungsverkäufer sei, am 6.5.2017 einen Artikel mit dem Titel „Polizei warnt vor ‚Messer­
mit dem er nichts zu tun habe, dass Titel „Erst sieben Monate altes Bett­ schleifer‘ im Mühlviertel“. Während
er für niemand anderen bettle als für lerkind lebt in Zelt“. Die Familie des die Presseaussendung der Polizei
sich und seine Familie und dass er aus Kindes und andere in Linz obdach­ keinerlei Hinweis auf die ethnische
Bulgarien komme und nicht wie im lose Familien aus Rumänien werden Zugehörigkeit der Täter enthält, be­
Artikel behauptet, aus Rumänien. als „Bettelbanden“, sogar Babies als tont die Redaktion des Wochenblick
Das Video erreichte über facebook „Clanmitglieder“ bezeichnet. Diese am Ende des Artikels, dass die Täter
mehr als 150.000 Menschen. Wortwahl rückt die beschriebenen meist Roma wären. Die Pressestel­

7
MEDIEN
Großteil der Roma/Romnja und Wort. Die Darstellung der Familie
EMPFEHLUNGEN Sinti/Sintizze ist seit Jahrhunderten bedient nicht nur sämtliche antiziga­
DES EUROPARATES sesshaft. Romano Centro erhält eine nistischen Klischees, sondern geht
In ihrer Allgemeinen Politischen Beschwerde von einer Leserin und noch einen Schritt weiter. Einer der
Empfehlung Nr. 3 zur Bekämp- weist die Autorin in einem E-Mail Charaktere, der einen Rom darstel­
fung von Rassismus und Intole- auf diesen Fehler hin. Bis Redakti­ len soll, wird vom Bediensteten der
ranz gegen Roma/Sinti, sowie in onsschluss erfolgt keine Antwort. Gastgeber als „Ding“ bezeichnet,
Empfehlung Nr. 13 zur Bekämp- wodurch ihm die menschliche Wür­
de abgesprochen wird. Als ob das

7/
fung von Romafeindlichkeit und
der Diskriminierung von Roma, 
KINOFILM übliche Repertoire an allgemein ver­
empfiehlt die Europäische Kom- „HEREINSPAZIERT“ / breiteten rassistischen Vorstellungen
mission gegen Rassismus und nicht auseichen würde, werden noch
Intoleranz (ECRI) unter anderem Am 22.9.2017 startet die franzö­ bisher unbekannte vermeintliche
dafür zu sorgen, dass in den Me- sische Komödie „Hereinspaziert“ „Bräuche“ der Roma dazu erfun­
dien keine Fremdbezeichnungen in den österreichischen Kinos. Der den, wie etwa, dass ein Kind als hei­
verwendet werden. Die ethnische Film handelt von einem linken In­ ratsfähig gelte, sobald die Füße beim
Zugehörigkeit von Personen soll tellektuellen, der im Fernsehen sagt, Sitzen bis zum Boden reichen. Der
nur dann genannt werden, wenn er würde eine bedürftige Roma-Fa­ Film sorgte bereits in Frankreich für
dies zum Verständnis des Sach- milie aufnehmen, wenn er danach viel Kritik, auch in Österreich wird
verhaltes unbedingt notwendig gefragt werden würde. Kurze Zeit der Film beim Kinostart aufgrund
ist. Medien sollen sich ihrer Ver- später steht eine Familie vor sei­ der rassistischen Darstellung der Ro­
antwortung bewusst sein und
nem Haustor und nimmt ihn beim ma-Familie kritisiert.
so berichten, dass Intoleranz,
Diskriminierung, Hass oder gar
Gewalt nicht geschürt werden.
Das Bewusstsein der Journalis-
ÖSTERREICHISCHER PRESSERAT
tInnen für eine derartige Bericht-
erstattung soll gefördert werden. Der Österreichische Presserat (Kontakt siehe Seite 28) überwacht die
Pauschalverurteilungen ganzer Einhaltung der Grundsätze für publizistische Arbeit, des sog. Ehrenko-
Communities sollen durch diffe- dex für die österreichische Presse. Er ist für die Printmedien und deren
renzierte Darstellungen vermie- Online-Auftritte zuständig. Der Ehrenkodex untersagt unter anderem Pau-
den werden. schalverdächtigungen und Pauschalverunglimpfungen von Personen und
Personengruppen sowie jede Diskriminierung wegen des Alters, einer Be-
hinderung, des Geschlechts sowie aus ethnischen, nationalen, religiösen,
le der Polizei antwortet auf Anfra­ sexuellen, weltanschaulichen oder sonstigen Gründen. Persönliche Dif-
ge von Romano Centro, dass diese famierungen, Verunglimpfungen und Verspottung verstoßen ebenso ge-
Information nicht von der Polizei gen das journalistische Ethos. Medien, die sich zu einer verantwortungs-
stamme und es auch nicht nachvoll­ vollen Ausübung der Pressefreiheit bekennen, können sich der Kontrolle
ziehbar sei, woher die Zeitung diese des Presserates freiwillig unterwerfen, um sich in konkreten Anlassfällen
Information habe. durch diesen prüfen zu lassen. Dazu nicht bereit erklärt hat sich etwa die
Kronen Zeitung. Es gibt zwei Möglichkeiten, sich z.B. gegen einen rassis-

6/
tischen Artikel beim Presserat zu beschweren: Das selbständige Verfahren
VAGABUNDIEREN kann von jeder Person durch Meldung eines medienethischen Verstoßes
ALS KULTUR / in einem (auch nicht dem Presserat unterworfenen) Printmedium oder auf
einer zugehörigen Webseite angeregt werden. Die Entscheidungen des
In einer Kritik des Filmes „Das Ge­ Presserates werden regelmäßig veröffentlicht. Das Beschwerdeverfahren
setz der Familie“ im Kurier vom kann nur durch Personen eingeleitet werden, die von der beanstande-
17.7.2017 wird behauptet, das Va­ ten Berichterstattung individuell betroffen sind. Dabei kann zwischen der
gabundieren wäre Teil der Kultur betroffenen Person und dem Medium eine Schiedsvereinbarung abge-
der Roma und Sinti. Diese Aussa­ schlossen werden. Jene Medien, die Mitglied des Presserates sind, haben
ge ist falsch und reproduziert die sich dieser Schiedsgerichtsbarkeit generell unterworfen. Im Beschwerde-
Vorurteile der Heimatlosigkeit und verfahren kann der Abdruck der Entscheidung des Presserates im betrof-
fenen Medium durchgesetzt werden.
des dauernden Herumziehens. Der

8
RECHTSEXTREME MEDIEN
In Online- und Print-Medien, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind, finden sich insgesamt
wesentlich weniger antiziganistische Artikel als im letzten Monitoring-Zeitraum. Vor dem Sommer 2015 er-
schienen immer wieder rassistische Artikel, vor allem zum Thema der Zuwanderung aus Rumänien und
Bulgarien. Inzwischen hat die Flucht-Thematik diese Debatten überlagert. Antiziganismus ist damit
aber nicht vollständig aus rechtsextremen Diskursen verschwunden. Während die derzeitige ras-
sistische Hetze gegen geflüchtete Menschen in rechten Medien prinzipiell auch andere Formen
von Rassismus, darunter Antiziganismus, verfestigt, sind die Themen „Bettelmafia“, Durchrei-
se und Stellplätze, Kriminalität sowie die Bezeichnung „Zigeuner“ wiederkehrend und vor
allem online vorzufinden.

8/
„BETTEL-TERROR“/
knüpfung von ethnischer Zugehörig­
keit und (organisierter) Kriminalität.
Städte und deren EinwohnerInnen
ist Verunreinigung. Am 31.3.2016
wird berichtet, dass in Linz „eine
Zigeunerstadt“ geschlossen worden
Die FPÖ-nahe „Zur Zeit“ widmet werden zu Opfern stilisiert, Rassis­ sei und „Berge an Müll“ zurückgeb­
im August 2016 dem „Bettel-Ter­ mus und Armut werden verschwie­ lieben seien. Am 4.7.2017 heißt es
ror“ einen 2-seitigen Artikel und gen. In mindestens zwei Artikeln auf unter dem Titel „Steyr: Roma-Clan
schreibt „den Zigeunern“ ein „auf­ „unzensuriert.at“ wird Kriminalität verwüstete Lagerplatz mit Exkre­
dringliches“ Zeitungsverkaufen zu. mit der Zugehörigkeit zu den Roma menten“: „Alle Jahre wieder werden
Anhand eines nicht belegten Ein­ in Verbindung gebracht – hier beide durchziehende Roma-Clans zum
zelfalles kommt der Artikel zu dem Male mit Andeutungen wie „ver­ Ärgernis für die Anrainer rund um
Schluss, dass „man“ von „Terror“ mutlich ein Roma“ (10.7.2017) oder ihre Lagerplätze entlang der ös­
sprechen könne. Einzelne Zeitungs­ Täter „oftmals aus der Volksgruppe terreichischen Transitrouten. Jetzt
verkäuferInnen werden dabei als der Roma“ (12.7.2017). Diese wie­ hat es die oberösterreichische Stadt
Teil einer Gruppe dargestellt, die derholten Zuschreibungen bestärken Steyr erwischt.“ Neben dem wieder­
aggressiv und bedrohlich vorgehe. die Ethnisierung von Kriminalität holten Motiv einer Stadt als Opfer
und entbehren jeglicher journalisti­ von „durchziehenden Roma-Clans“
scher Ethik und Relevanz. werden den im weiteren Text auch

9/ BLOG unzensuriert.at / Ein weiteres Thema der rechten


antiziganistischen Berichterstattung
als „Zigeuner“ bezeichneten Men­
schen eine mangelnde Hygiene und
Sorglosigkeit unterstellt.
Der rechte Blog „unzensuriert.at“
propagiert ein „Bettlerunwesen“ in
Innsbruck, die Stadt „leide massiv
unter Roma-Banden“, die „durch
Aggressivität, Kriminalität, Vanda­
Die Grüne Bildungswerkstatt Minderheiten unterstützt die
lismus und Verwüstung“ auffielen
(5.9.2017). Am 2.10.2017 wird in
einem Artikel zur Einführung eines
Schlafverbotes von „Wegelagerei
asozialer Elemente“ gesprochen. In
Linz, so der Blog am 22. April 2016,
„wo viele Bettler der Volksgruppe
der Roma angehören“, würde den
Kindern der bettelnden Mütter
Alkohol verabreicht. BettlerInnen
werden mit Roma gleichgesetzt und
ihnen werden ohne recherchierten
Hintergrund pauschal und prinzi­
piell Straftaten unterstellt. Der Aus­ http://www.minority-safepack.eu
druck „Roma-Banden“ zeigt sehr
deutlich die antiziganistische Ver­

9
POLITIK
Politikerinnen und Politiker zeigen meist wenig Sensibilität für Antiziganismus. Besonders in Debatten über
den Umgang mit armutsbetroffenen EU-BürgerInnen, werden diese mit antiziganistischen Aussagen dif-
famiert, um zu rechtfertigen, dass keine Unterstützungen angeboten und Vertreibungsmaßnahmen wie
Räumungen informeller Schlafplätze oder Bettelverbote umgesetzt werden. Viele dieser Verbote sind
rechtlich problematisch (siehe Artikel auf Seite 6). Positiv erscheint die verstärkte Anerkennung
und Verurteilung von Antiziganismus durch die „Roma-Strategie“ der Bundesregierung.

10/ REAKTION AUF


BRANDANSCHLÄGE / 11/ 
DEBATTE IN
VORARLBERG / 12 / KEIN ZEITUNGS­
VERKAUF? /
Die Linzer Stadtpolitik reagiert auf Bereits im letzten Bericht zu Anti­ Am 19.3.2016 berichtet der ORF,
eine Serie von drei Brandanschlägen ziganismus wurde auf die im Herbst dass die Dornbirner Bürgermeisterin
im Februar und März 2016 (siehe Fall 2015 aufflammende Debatte um ar­ Andrea Kaufmann (ÖVP) und Lan­
29 und 37) mit einer Verurteilung von mutsbetroffene rumänische Roma-­ desrat Johannes Rauch (Grüne) die
Gewaltakten gegen Minderheiten. Familien in Vorarlberg hingewiesen. Straßenzeitung Marie kritisieren. Bei­
Die Verantwortlichen der Stadt ver­ In der von Stereotypen geprägten de würden es nicht für sinnvoll halten,
weigern jedoch jede Unterstützung Debatte ist vor allem eine Erklärung dass „Roma“ die Zeitung verkaufen
für die betroffenen Familien und stel­ der BürgermeisterInnen der fünf dürfen. Es wird kein weiterer Grund
len auch nachdem deren Zelte bereits Städte bemerkenswert, die zahlrei­ genannt, warum diese Personen vom
zum dritten Mal mit Brandsätzen che antiziganistische Klischees be­ Verkauf ausgeschlossen werden soll­
angezündet wurden, keine sichere dient. Romano Centro kritisiert diese ten. Die Betreiber geben diesem An­
Unterkunft zur Verfügung. In einer Darstellung der Familien, da sie nur liegen jedoch nicht nach und betonen,
Presseaussendung vom 3.3.2016 dif­ dazu diene, die armutsbetroffenen sie würden die Marie als Projekt ver­
famiert Bürgermeister Klaus Luger Familien zu diffamieren und die nicht stehen, das niemanden ausschließt.
(SPÖ) die Familien, indem er von geleistete Unterstützung und Vertrei­ Landesrat Rauch informiert die Ver­
„Organisiertem Betteln“ spricht und bungsmaßnahmen zu legitimieren. antwortlichen der Marie in der Folge
ihnen diesbezüglich Missbrauch von Die PolitikerInnen veröffentlichen darüber, dass seine Aussagen nicht
korrekt wiedergegeben wurden und
Kindern vorwirft. Die Kinder würden wiederum Gegendarstellungen und
er nicht gegen einen Verkauf der Zei­
„brutal instrumentalisiert“ und diese wehren sich gegen die Kritik.
tung durch Roma/Romnja sei.
Personen hätten ein „Geschäftsmo­

13/
dell“, welches „menschenverachtend, Landeshauptmann Markus Wallner
verabscheuungswürdig und nicht tole­ behauptet am 2. Dezember 2015
ERNEUT CAMPIER-
rierbar“ wäre. Noch im selben Monat gegenüber dem ORF Vorarlberg, VERBOT IN WELS? /
wird eine Verschärfung des Bettelver­ keine der Roma-Gruppen in Vor­ In Wels wird im September 2017 er­
bots in Linz diskutiert und wenig spä­ arlberg „ist interessiert am Erlernen neut ein Campierverbot für Roma
ter beschlossen. Der ÖVP-Vizebür­ der Sprache, niemand ist interessiert diskutiert. Ein solches wurde bereits
germeister Bernhard Baier bezeichnet an einer echten Integration, nie­ 2013 beschlossen, von der Landes­
das Vorgehen gegen die armutsbetrof­ mand ist wirklich interessiert, sich regierung allerdings wegen Rechts­
fenen Familien als „Schulterschluss auch im Sinne von Arbeit einzubrin­ widrigkeit 2015 wieder aufgehoben.
gegen kriminelle Bettler-Banden“. gen“. Wiederum werden Roma und VP-Obmann Peter Csar fordert er­
In der Debatte im Gemeinderat wird Romnja pauschal als integrationsun­ neut ein Verbot, weil einige Familien
von mehreren RednerInnen der SPÖ, willig und arbeitsscheu dargestellt. In mit ihren Wohnwagen auf dem Mes­
ÖVP und FPÖ betont, es handle sich den folgenden Monaten werden in segelände campiert haben. Seitens
bei den armutsbetroffenen Personen den Städten sektorale Bettelverbote der Bürgermeister-Partei FPÖ heißt
um „organisierte Banden“. Stadtrat beschlossen. Es kommt zu zahlrei­ es am 25.9. vorerst, dass es keine Be­
Giegler meint, das Betteln hätte „kul­ chen Fällen von Diskriminierung anstandungen gegeben habe. Einen
turelle Gründe“ und wäre „teilweise aufgrund der ethnischen Zugehörig­ Tag später jedoch betont die Partei,
[…] die Lebensform einer Bevölke­ keit (siehe zum Beispiel die Fälle 14 die erneute Einführung eines Cam­
rungsgruppe“. und 15). pierverbots für Roma zu befürworten.

10
ZUGANG ZU GÜTERN
UND DIENSTLEISTUNGEN
Diskriminierung aufgrund antiziganistischer Vorurteile findet auch in Alltagssituationen statt, wie
beim Benützen öffentlicher Verkehrsmittel oder beim Einkaufen. Bekannt wird von diesen Fäl-
len vermutlich nur ein Bruchteil, der Großteil wird wohl weder von den Betroffenen noch von
ZeugInnen gemeldet. So sind beim Zugang zu Wohnraum in diesem Bericht keine Fälle von
Diskriminierung dokumentiert, obwohl diese immer wieder vorkommen.

14/ ROMA WERDEN Einbringen eines Rechtsmittels ge­


NICHT BEDIENT / gen diese Strafe wird diese vom Lan­
DISKRIMINIERENDE
desverwaltungsgericht bestätigt. DIENSTLEISTUNGS­
Die MitarbeiterInnen eines Schuh­ VERWEIGERUNG
geschäfts in einem Einkaufszen­

15/
Das Einführungsgesetz zu den Ver-
trum in Dornbirn weigern sich am WEGWEISUNG VOM waltungsverfahrensgesetzen (EGVG)
2.2.2017 zweimal, an Romnja Schu­ BAHNHOF DORNBIRN / bietet eine Möglichkeit, sich gegen
he zu verkaufen. Sie begründen ihre rassistische Diskriminierung oder
Diskriminierung aufgrund der Religi-
Vorgehensweise damit, dass Roma Am 1.12.2015 werden mehrere on oder einer Behinderung oder ge-
in den Geschäften des Einkaufszen­ Roma und Romnja von einem Mit­ gen die Hinderung am Zugang zu für
trums grundsätzlich nicht bedient arbeiter einer Sicherheitsfirma vom den öffentlichen Gebrauch bestimm-
ten Orten und Dienstleistungen, etwa
werden würden. Es würde sich um Bahnhof Dornbirn weggewiesen. beim Einkaufen oder beim Zutritt zu
eine Anweisung der Geschäftslei­ Laut einer Zeugin haben die Perso­ Lokalen, zu wehren. Diskriminierun-
tung des Einkaufszentrums handeln. nen keinerlei Handlungen gesetzt, gen in diesem Bereich können bei
der Bezirkshauptmannschaft (in Wien
Auf Anfrage von Vertretern der die gegen die Hausordnung versto­ beim Magistrat) angezeigt und mit
Plattform Armutsmigration bestä­ ßen hätten. Sie haben lediglich auf Verwaltungsstrafen bis zu 1.090 Euro
geahndet werden. Ebenso wird die
tigt der Leiter des Einkaufszentrums Bekannte gewartet. Einige haben
Verbreitung nationalsozialistischen
diese Anweisung. Daraufhin wird im dortigen Supermarkt eingekauft. Gedankenguts im Sinne des Ver-
bei der Bezirkshauptmannschaft Der Mitarbeiter der Sicherheitsfir­ botsgesetzes nach dem EGVG mit
einer Geldstrafe bis zu 2.180 Euro
Dornbirn eine Anzeige nach der ma rechtfertigt seine Vorgehenswei­
bestraft. Betroffene können im Ver-
Gewerbeordnung und nach dem se erst damit, dass er von seinem waltungsstrafrecht im Verfahren bloß
EGVG (siehe Kasten) eingebracht. Vorgesetzten eine diesbezüglich An­ als ZeugInnen auftreten. Sie werden
daher nicht über den Ausgang des
Außerdem ergeht eine Beschwerde weisung erhalten habe. Später ver­ Verfahrens informiert. Auch sieht
an die Zentrale des Schuhgeschäf­ sucht er die Vertreibung damit zu das EGVG – anders als das Gleich-
tes, von wo aus umgehend eine Ent­ rechtfertigen, dass die 15 Personen behandlungsgesetz (siehe unten) –
keine Möglichkeit des Schadener­
schuldigung erfolgt und betont wird, keine Fahrkarten hätten. Allerdings satzes für Betroffene vor.
dass sich die MitarbeiterInnen nicht befinden sich zu diesem Zeitpunkt
Nach der Gewerbeordnung wäre die
an eine derartige Weisung hätten sehr viele andere Personen auf den Gewerbeberechtigung im Falle eines
halten sollen. Nach Bekanntwerden Bahnsteigen, deren Fahrkarten nicht obengenannten Verstoßes gegen das
der Vorfälle meldet sich eine weitere kontrolliert werden und es ist nicht EGVG von der Bezirksverwaltungs-
behörde zu entziehen. Soweit über-
Person, die in einem Modegeschäft erforderlich eine Fahrkarte zu ha­ blickbar, ist es aufgrund rassistischer
im selben Einkaufszentrum ebenfalls ben, um sich im Bahnhofsbereich Diskriminierung in der Praxis jedoch
noch nie zu einem Entzung der Ge-
nicht bedient wurde, als sie für zwei aufzuhalten. Nach Aussagen von
werbeberechtigung gekommen.
Roma-Mädchen Kleidung kaufen ZeugInnen ist es schon vor diesem
Das Gleichbehandlungsgesetz schützt
wollte. Die Zentrale der Modekette Vorfall mehrfach zu ähnlichen Ver­ ebenfalls bei Diskriminierungen beim
bestreitet nach einer schriftlichen treibungen gekommen, die allesamt Zugang zu Gütern, Dienstleistungen
Beschwerde den Vorwurf. ausschließlich eine Gruppe rumäni­ und Wohnraum, wenn diese aufgrund
des Geschlechts oder der ethnischen
Der Geschäftsführer des Einkaufs­ scher Roma und Romnja betroffen Zugehörigkeit erfolgen. Das Gesetz
zentrums zeigt sich nicht einsichtig haben. Ein Rechtsanwalt verfasst sieht auch einen Ersatz des Vermö-
und wird von der Bezirkshaupt­ einen Beschwerdebrief an das Bun­ gensschadens und eine Entschädi-
gung für die erlittene persönliche Be-
mannschaft Dornbirn mit einer desministerium für Verkehr, welches einträchtigung vor.
Strafe von 550 Euro belegt. Nach darauf nicht reagiert.

11
ZUGANG ZU GÜTERN UND DIENSTLEISTUNGEN

16/ B
 ESCHIMPFUNG
IM GESCHÄFT / 17/ 
W EGWEISUNG
EINER HELFERIN / betrügen. Der Leiter des Bekleidungs­
geschäftes, der ebenfalls dazukommt,
Im Februar 2017 kauft eine Romni aus Ein Mitarbeiter einer Security-Firma meint, sie solle 10 Euro bezahlen, da
Oberwart in einem Textilgeschäft ein. verweigert am 4.1.2016 einer ehren­ sie ein Stoffetikett eines Kleidungs­
Als sie an der Kassa bezahlen möchte, amtlichen Helferin den Aufenthalt stückes beschädigt habe. Gegen die
sagt die Verkäuferin: „Sie stinken!“. am Bahnhof Dornbirn, indem er Kundin wird eine Anzeige erstattet.
Die Frau bezahlt ohne sich über die sie auffordert, diesen zu verlassen. Im darauffolgenden Verfahren wird
Beleidigung zu beschweren. Während Die Helferin hält sich am Bahnhof sie freigesprochen.
die Verkäuferin das Geld entgegen­ auf, um sich dort um wohnungslose

19/
nimmt, sagt sie: „Ich will nicht wissen, rumänische StaatsbürgerInnen zu
wie es bei euch allen zu Hause aus­ kümmern und verfügt über eine gül­ BESCHIMPFUNG
schaut!“. Nach Verlassen des Geschäf­ tige Fahrkarte, zeigt diese auch unauf­ DURCH ZUGFÜHRER /
tes erleidet die Frau eine Panikattacke. gefordert vor und besteht darauf am
Zu Hause angekommen, kontaktiert Bahnhof zu bleiben. Sie wird darauf­ Am 1.4.2017 wird ein Mann beim
sie eine Roma-Organisation, die um­ hin angeschrien, der Mitarbeiter der Aussteigen aus der S-Bahn in Wien­
gehend einen Beschwerdebrief an Security Firma sagt ihr, dass er „von Floridsdorf vom Zugführer als
die Firmenzentrale richtet. Der Brief oben“ die Anweisung erhalten habe, „Scheiß Trottel Zigeuner“ beschimpft.
bleibt unbeantwortet. sie vom Bahnhof zu verweisen, da sie Mindestens 10 weitere Fahrgäste hö­
„mit den Roma gemeinsame Sache ren dies. Der Betroffene wendet sich
mache“. Sie werde außerdem ver­ an die Beratungsstelle ZARA, die den
DISKRIMINIERUNG dächtigt, mit den Roma am Bahnhof Vorfall der ÖBB meldet. Von Seiten
IM BEREICH WOHNEN kriminelle Geschäfte zu machen. Eine der ÖBB erfolgt eine Entschuldigung
Das Gleichbehandlungsgesetz ver- Beschwerde eines Rechtsanwalts an und es wird versichert, dass mit dem
bietet Diskriminierungen aufgrund das Bundesministerium für Verkehr Zugführer gesprochen wird und inter­
der ethnischen Zugehörigkeit und
aufgrund des Geschlechts beim Zu- bleibt unbeantwortet. ne Maßnahmen ergriffen werden.
gang zu Wohnraum. Wird z.B. der
Abschluss eines Mietvertrages ver-

18/ 20/
weigert, besteht Anspruch auf Er-
satz des Vermögensschadens und 
UNBEGRÜNDETER 
UNBEGRÜNDETER
auf Entschädigung für die erlittene
BETRUGSVERDACHT / DIEBSTAHLS­
persönliche Beeinträchtigung. Scha-
denersatz muss beim zuständigen
VERDACHT /
Bezirksgericht eingeklagt werden. Am 4.12.2015 kauft eine Romni in
Die Gleichbehandlungsanwaltschaft
(Kontakt siehe Seite 27) bietet dabei
einem Bekleidungsgeschäft in Nie­ Ein Rom wird im September 2015 in
kostenlose rechtliche Beratung und derösterreich ein. Sie probiert einige einem Supermarkt in Wien von einem
Unterstützung. Kleider und bezahlt an der Kassa, als Mitarbeiter am Arm gepackt und un­
Auch nur an ÖsterreicherInnen ge- ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma freundlich aufgefordert, die Taschen
richtete Wohnungsinserate sind ver-
boten. sie auffordert, in einen Raum mitzu­ zu leeren. Nachdem er die Vermu­
Sind Wohnungen aus dem Zustän-
kommen. Er durchsucht ihre Taschen tung äußert, dass nur so mit ihm um­
digkeitsbereich der Länder betroffen, und greift er ihr dabei an die Brust. Er gegangen wird, weil er ein Rom sei,
kommen deren Antidiskriminierungs- wirft der Kundin vor, die Preisschilder wird er beschimpft. Er wird wegen
gesetze zur Anwendung. In Wien und
Niederösterreich verlangen diese ein ausgetauscht zu haben, um weniger Diebstahls angezeigt, bei Gericht je­
Schlichtungsverfahren: Die Einbrin- bezahlen zu müssen. Er nimmt 30 doch freigesprochen. Er wendet sich
gung einer Klage bei Gericht ist erst
möglich, wenn die zuständige Stelle Euro aus ihrer Geldtasche, weil das die zur Beratung an die Gleichbehand­
(NÖ: Antidiskriminierungsstelle, Wien: Differenz zum Kaufpreis wäre. Polizis­ lungsanwaltschaft, die ein Schreiben
Stelle zur Bekämpfung von Diskrimi-
ten kommen dazu, sie klären den Mit­ an das Unternehmen richtet. Das Un­
nierungen), das Nichtzustandekom-
men einer Einigung bestätigt. Kommt arbeiter der Sicherheitsfirma auf, dass ternehmen bestreitet ein rassistisches
eine Einigung zu Stande, kann dieser er eine solche Durchsuchung nicht Motiv und die Beschimpfungen und
Vertrag von beiden Seiten gerichtlich
durchgesetzt werden. durchführen hätte dürfen. Dieser gibt rechtfertigt die Anzeige durch Hin­
In Wien unterstützen die Wohnpartner
das Geld zurück, besteht dann aber weise einer Kundin. Das Verfahren
BewohnerInnen von Gemeindebau- darauf, dass die Kundin 150 Euro vor der Gleichbehandlungskommissi­
ten bei Nachbarschaftskonflikten. bezahlt, weil sie versucht hätte, zu on ist derzeit noch offen.

12
INTERNET
In den Foren von Online-Medien, auf Facebook, Twitter oder Youtube finden sich zahllose rassistische
Kommentare. Auch antiziganistische Aussagen und Parolen sind im Internet häufig, immer wieder
sind diese so gravierend, dass es zu Verurteilungen wegen Verhetzung kommt. Obwohl Hass im Netz
seit Jahren ein großes Problem darstellt, ist es bisher noch nicht gelungen, die großen Firmen
vermehrt in die Pflicht zu nehmen und sie zu veranlassen, die Verbreitung von Hetze zu unter-
binden. Ein wichtiger Schritt ist die Einrichtung der Beratungsstelle #GegenHassimNetz, die
Betroffenen Unterstützung anbietet.

21/ 
„SIE BRINGEN
NICHTS ALS
KRIMINALITÄT“ /
gehören einfach in ein Lager und dort
24/7 bewacht bis sie selbst wieder
ausreisen. Daten inkl. DNA und Fin­
reiche abwertende und rassistische
Kommentare. Die Roma-Familien
und die gesamte Volksgruppe wer­
gerabdrücke nehmen und bei wieder­ den vor allem als integrationsunwillig
Unter einem Artikel auf kurier.at zu holtem Einreisen mind. 10 Jahre Haft. dargestellt. Es wird außerdem unter­
einem Brandanschlag auf eine Ro­ Aber nicht in einem Kuschelknast, in stellt, sie wären nicht arm, sondern es
ma-Familie in Rom, bei dem drei eigens für diese Zigeuner erstelltem handle sich um einen selbstgewähl­
Schwestern starben, verfasst eine Lager ohne Chance auf Ausbruch. ten Lebensstil.
Person einen rassistischen Kom­ Wohin man blickt verursachen die

25/
mentar. Die Userin bezeichnet sich Zigeuner, genauso wie die Moslems,
selbst als Rechtsanwältin und äußert, massive Probleme und Kosten.“ Der „WIE BEI DEN
Roma brächten „…nichts als Krimi­ Verein Roma Service meldet den ZIGEUNERN“ /
nalität…“ und „…Rom (und an­ Tweet der Polizei. Über die weitere
deren europäischen Städten) nichts Vorgehensweise ist nichts bekannt. Auf der Internetseite gmx.at er­
Positives…“. Sie unterstellt außer­ scheint am 7.6.2017 ein Artikel über

23/
dem pauschal Vergewaltigungen, Handgreiflichkeiten bei einer Ausei­
Taschendiebstähle und Einbrüche. KOMMENTAR AUF nandersetzung in der SPÖ Zentra­
Romano Centro meldet den Kom­ standard.at / le. Ein Leser kommentiert das Ge­
mentar mittels der dafür vorgesehe­ schehen mit den Worten: „Zustände
nen Funktion. Der Kommentar bleibt Unter einem Artikel über die öster­ wie bei den (Sinti) Zigeunern,ein
online. Erst nachdem ein Mitarbeiter reichische Roma-Strategie postet ein passendes Sprichwort:“Pack schlägt
des Kurier auf den Kommen­tar auf­ User einen Kommentar, in dem er der sich,Pack verträgt sich“!!“ Trotz ei­
merksam gemacht wird, veranlasst Volksgruppe der Roma pauschal un­ ner Meldung wird der Kommentar
dieser die Schließung der Kommen­ terstellt, Kinder würden zum Betteln nicht gelöscht.
tarfunktion für den Artikel, wodurch und Stehlen gezwungen und dürften

26/
auch dieser Kommentar nicht mehr die Schule nicht besuchen. Der Kom­
sichtbar ist. mentar wird nach einer Meldung KOMMENTARE AUF
durch Romano Centro gelöscht. nachrichten.at /

22 / 
F ORDERUNG Auf der Internetseite nachrichten.at

24/
NACH LAGER 
KOMMENTARE erscheint am 28.06.2017 ein Artikel
AUF TWITTER / AUF vol.at zum Beschluss des Ministerrats, die
erweiterte Roma Strategie anzuneh­
Zu einem Artikel auf unzensuriert. Das Internetportal vol.at veröffent­ men. In den Kommentaren werden
at (siehe auch Fall 9) über einen Ru­ licht am 2.12.2016 einen Artikel mit Roma immer wieder als „Fahrende“
mänen, der verdächtigt wird, in Wien dem Titel „Bettelnde Roma werden oder als „fahrendes Volk“ bezeichnet,
eine Frau vergewaltigt zu haben, gibt in Vorarlberg nicht integriert“. Der es werden pauschal Tätigkeiten wie
es mehrere rassistische Kommen­ Artikel berichtet über die ablehnen­ Stehlen und Betteln zugeschrieben
tare auf dem Kurznachrichtendienst de Haltung der Landesregierung und unterstellt, dass Roma/Romnja
Twitter. Eine Person veröffentlicht am gegenüber armutsbetroffenen rumä­ nicht arbeiten wollten. Die Kommen­
18.11.2016 folgende Nachricht: „Die­ nischen Roma-Familien. Der Artikel tare wurden bisher nicht von den Be­
se transilvanischen Wanderwanzen provoziert bei den LeserInnen zahl­ treibern des Internetportals entfernt.

13
INTERNET

27/ VERURTEILUNG
WEGEN VERHET-
ZENDER E-MAILS /
in der Nähe von Linz Zelte der Roma
abgebrannt (abgefackelt?) wurden.
Wer kann darüber traurig sein ? Nur
29/ „Z IGEUNERPLAGE“
AUF WEBSEITE
DER STADT LINZ /
ein Dummkopf dem nicht bekannt ist
Am 21.2.2016, unmittelbar nach ei­ was dieser Abschschaum der Mensch­ Am 2.3.2016, wenige Stunden vor
nen Brandanschlag auf Roma in Linz heit überhaupt ist. Roma = Zigeuner dem dritten Brandanschlag auf Zel­
(siehe Fall 37), versendet ein 73-jähri­ = Asiatischer Parasit! Diebe, Gauner, te armutsbetroffener Roma-Famili­
ger Mann E-Mails mit verhetzendem arbeitsscheue Sozialschmarotzer“. en in Linz (siehe auch Fälle 10 und
Inhalt an mehrere öffentliche Dienst­ Der Mann wird in der Folge vom 37), wird die genaue Position der
stellen des Landes Oberösterreich und Landesgericht für Strafsachen Wien Zelte auf der Internetseite www.
der Stadt Linz sowie an 13 österrei­ wegen Verhetzung (siehe Kasten auf schau.auf.linz.at veröffentlicht. Die
chische Medien. Das E-Mail enthält Seite 16) zu sieben Monaten beding­ Webseite dient dem Beschwerde­
folgende Passage (Fehler im Original): ter Haft verurteilt. Medienberichten management, BürgerInnen können
„Nun ist es doch publik geworden daß zufolge hat er selbst 11 Vorstrafen we­ auf defekte Straßenbeleuchtungen,
gen Eigentumsdelikten. illegal entsorgten Müll oder Ähnli­
ches aufmerksam machen und er­
BERATUNGSSTELLE halten eine zeitnahe Antwort der
#GEGENHASSIMNETZ
Der Verein ZARA – Zivilcoura-
28/ VERHETZENDER
KOMMENTAR /
Stadtverwaltung. Die Seite wurde in
der Vergangenheit jedoch schon des
Öfteren genutzt, um gegen Roma
ge und Anti-Rassismus-Arbeit zu hetzen oder diese zu beleidigen.
betreibt seit September 2017
Die Stadt Wels macht am 15.3.2016 Wenige Stunden nach dem Brandan­
die Beratungsstelle #Gegen-
HassimNetz.
auf ihrer Homepage in einem Ar­ schlag postet eine Person folgenden
tikel auf Missstände beim Messe­ Kommentar mit dem Titel „Zigeu­
Juristisch und psychosozial gelände aufmerksam, die dort von nerplage wohin man sieht“ (Fehler
geschulte MitarbeiterInnen bie-
einer Gruppe durchreisender Roma im Original): „Hordenweise stürmne
ten Menschen, die von Hass-
kommentaren, Beschimp­­­
verursacht worden seien. Der Be­ Zigeuner die Strassenbahn, belästi­
fungen, Cy­ber­mobbing und richt zielt offensichtlich darauf ab, gen die Fahrgäste, sogar die kleinen
anderen Formen von psychi- das vom Landesverfassungsdienst Kinder betteln offensiv die Leute an.
scher und verbaler Gewalt im 2014 aufgehobene diskriminieren­ Die zahlenden Fahrgäste verlassen
Netz betroffenen sind, Bera- de Campierverbot (siehe dazu auch angewidert die Strassenbahn. Öffent­
tung an und unterstützen bei Fall 13) erneut zu propagieren. Auf liche WC‘s (Volksgarten, Station Uni­
möglichen rechtlichen und an- der Facebook-Seite der Stadt Wels onkreuzung) werden als Waschraum,
deren Schritten.
provoziert der reißerische Bericht Umkleidekabine und was weis Gott
Die Beratungsstelle meldet über die angeblichen Missstände ei­ noch alles benutzt. Es müsste mitt­
zudem entsprechende Hass­ nen verhetzenden Kommentar. Eine lerweile bis in die letzten Amtstuben
postings bei den jeweiligen
Person schreibt: „In da wav ist viel vorgedrungen sein das dieser Zustand
IT-Unternehmen, um eine
platz, großer offen“ (Fehler im Ori­ von der Bevölkerung nicht mehr lan­
Löschung zu erwirken und
erstattet Anzeige bei illega- ginal). Die Abkürzung WAV steht ge toleriert werden wird. Bitte endlich
len Inhalten (siehe https:// für Welser Abfallverwertung. Das wirksame Massnahmen gegen diese
beratungsstelle.counteract. Posting wird von PolitikerInnen der Landplage setzen.“ Die Verantwort­
or.at/) SPÖ gemeldet, noch 19 Stunden lichen bei schau.auf.linz reagieren
Das Angebot ist kostenlos, nach der Meldung ist es auf der Sei­ nach einem Hinweis auf den Kom­
die Beratung kann über Chat, te der Stadt zu lesen. Die SPÖ Wels mentar mit Unverständnis. Auf das
Messenger, E-Mail oder Tele- bringt wegen Verhetzung eine Sach­ Posting hingewiesen, antworten sie
fon erfolgen, auch persönliche verhaltsdarstellung bei der Staatsan­ am Telefon, dass das Posting zwar
Termine sind nach Vereinba- waltschaft ein. Bis Redaktionsschluss mit der Leitung besprochen wurde,
rung möglich (Kontakt siehe ist über den Ausgang des Verfahrens man habe aber entschieden, dass es
Rückseite).
nichts bekannt geworden. nicht gegen die Nutzungsbedingun­

14
INTERNET
gen verstoße und daher online blei­ Kommentare werden auf Youtube
ben soll. Der Kommentar wird erst gemeldet. Außerdem nimmt Roma­
RASSISMUS IM INTERNET
gelöscht, nachdem Romano Centro no Centro Kontakt mit dem Jugend­ Rassistische Beleidigungen und
betont, dass eine Anzeige gegen den zentrum auf, welches das Projekt be­ Drohungen, die im Internet geäu-
User und gegen die Betreiber der treut. Die Kommentarfunktion wird ßert werden, sind ebenso straf-
Internet-Seite eingebracht wird. Die in der Folge geschlossen. rechtlich relevant wie jene in der
nicht-virtuellen Welt und können
Staatsanwaltschaft Linz stellt das
bei der Polizei oder der Staats-
Verfahren ein, da der Kommentar

31/
anwaltschaft angezeigt werden.
anonym abgegeben wurde und die „G RÜNES Die Foren der Online-Medien
Identität der Person nicht ermittelt ZIGEUNERPACK“ / werden moderiert, die Kom-
werden konnte. mentare und Postings der Use-
Immer wieder werden auf der Web­ Zur Unterstützung des Bundespräsi­ rInnen können auf ihren Inhalt
seite die Positionen von Schlafplät­ dentschaftskandidaten Alexander Van geprüft werden. Die Nutzungs-
zen armutsbetroffener, obdachloser der Bellen gründen Wiener Lokale bedingungen vieler Online-Me-
dien untersagen u.a. rassistische
Personen genannt und deren Räu­ eine Initiative. Auf der Facebook-Seite
Kommentare. UserInnen können
mung verlangt. Die Stadtverwaltung der Initiative kommt es zu mehreren
auch selbst unangemessene
kommt diesen Aufforderungen nach. rassistischen Postings, unter anderem oder rassistische Postings mel-
meint ein Mann: „Da trifft sich das den. Leider reagieren die Re-
ganze Grüne Zigeunerpack!!“

30/
daktionen der Medien nicht im-
KOMMENTARE mer auf diese Meldungen oder
AUF YOUTUBE / können ihre Kontrollfunktion

32/  DEBATTE AUF aufgrund der Fülle der Postings


nur unzureichend wahrnehmen.
Im Rahmen eines Jugendprojektes FACEBOOK / In sozialen Netzwerken und auf
in Wien gestaltete ein Roma-Ju­
anderen Internet-Seiten besteht
gendlicher ein Video, in dem er mit Am 22.6.2016 meldet eine Frau ras­ die Möglichkeit, sich direkt an
anderen über seine ethnische Zuge­ sistische Aussagen, die auf Facebook die BetreiberInnen zu wenden
hörigkeit spricht. Das Video wurde getätigt wurden, an die Beratungsstel­ und das Löschen eines Inhalts
auf der Videoplattform YouTube im le ZARA. In einer von beiden Seiten zu verlangen, wenn ein Verstoß
Internet veröffentlicht. Es gibt dazu untergriffigen Auseinandersetzung gegen die Nutzungsbedingun-
zahlreiche Kommentare, viele davon zwischen „Rechten“ und „Linken“ gen (z.B. eine Beleidigung) vor-
liegt. Auch hier gilt allerdings,
abwertend und negativ. Eine Pri­ fällt folgender verhetzender Kom­
dass eine Meldung entsprechen-
vatperson wird auf die rassistischen mentar: „rumänien ist ja schlecht­
der Postings oder Seiten oftmals
Kommentare aufmerksam und mel­ hin als das ‚zigeunerviertel‘ europas ohne Konsequenz bleibt.
det sie dem Verein Romano Centro. bekannt. leistungsverweigerer und
Die Kommentare von drei Perso­ schmarotzer, einschleichdiebe, räu­
nen enthalten grobe Beleidigungen ber, etc..... so sind dem durchschnitt­ über die Ausstellung. Viele Kom­
(„Scheiß Ratten“) und Androhungen seuropäer die rumänen im gedächt­ mentare zu diesem Artikel werden
von Gewalt mit deutlichen Bezügen nis.“ ZARA meldete diesen und einen entfernt, da sie durchwegs rassistisch
zum Völkermord während der Zeit weiteren rassistischen Kommentar an und menschenverachtend sind. Den
des Nationalsozialismus („Ab ins Facebook und die NS-Meldestelle. Roma/Romnja wird unter anderem
KZ“, „Ihr gehört ausgerottet“, „Alle parasitäres Verhalten zugeschrieben.
an die Wand“, „wenn ich […] das Einige Kommentare sind trotz ihres
asoziale sehe denk ich nur dran euch
zu köpfen so wie Hitler es mit euch
gemacht hat ihr scheiß Ratten“, alle
33/ K OMMENTARE
AUF vol.at /
rassistischen Inhalts noch auf der
Internetseite sichtbar. Ein User kom­
mentiert: „Keine Schule besucht, fast
Fehler im Original). Romano Centro Im Zuge der Eröffnung der Ausstel­ alle Analphabeten, total arbeitsscheu
übermittelt eine Sachverhaltsdarstel­ lung „Romane Thana – Orte der und „ Arbeit“ ist für die ein Fremd­
lung an die Staatsanwaltschaft Wien, Roma und Sinti“ im Vorarlberg Mu­ wort, weil sie kommen ja eh durch
da einige Kommentare den Tatbe­ seum, veröffentlicht die Internetseite organisierte Bettelei durchs Leben, als
stand der Verhetzung erfüllen. Die vol.at am 23.05.2017 einen Beitrag was ist jetzt mit den Vorurteilen ?????“

15
INTERNET

VERHETZUNG
Das Verbot der Verhetzung ist in Österreich in § 283 bezeichneten Gruppen oder gegen ein Mitglied einer
des Strafgesetzbuches (StGB) definiert. Mit der im Jahr solchen Gruppe befürworten, fördern oder dazu aufsta-
2016 erfolgten Novellierung wurde der Tatbestand ein cheln, in gutheißender oder rechtfertigender Weise ver-
weiteres Mal hinsichtlich der geschützten Gruppen und breitet oder sonst öffentlich verfügbar macht, wodurch
der Tatbegehungsformen ausgeweitet und sieht zudem sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich werden, ist
gänzlich neue Tatbestände vor, die vor allem internatio- mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe
nalen Vorgaben entsprechen sollen. zu bestrafen.

Nunmehr ist mit Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren Aufgrund der Wendung „nach den vorhandenen oder
zu bestrafen, wer öffentlich auf eine Weise, dass es vie- fehlenden Kriterien (…) der Staatsangehörigkeit“ kann
len Menschen zugänglich wird, nunmehr auch Hetze gegen AusländerInnen tatbe-
standsmäßig sein. Mit kürzlich ergangenem Urteil des
1. zu Gewalt gegen eine Kirche oder Religionsgemein-
Obersten Gerichtshofes (OGH) wurde klargestellt, dass
schaft oder eine andere nach den vorhandenen oder
infolge Fehlens der Staatsangehörigkeit sowohl Auslän-
fehlenden Kriterien der „Rasse“, der Hautfarbe, der
derInnen als auch AsylwerberInnen zu den gegen Ver-
Sprache, der Religion oder Weltanschauung, der
hetzung geschützten Gruppen iSd § 283 StGB gehören
Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder natio-
(vgl OGH 05.04.2017, 15 Os 25/17s).
nalen oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts,
einer körperlichen oder geistigen Behinderung, des Verhetzung ist nunmehr auch in kleinerem Rahmen
Alters oder der sexuellen Ausrichtung definierte strafbar. So werden eine „öffentliche Begehung“ ab
Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer etwa zehn Personen und „viele Menschen“ bei etwa 30
solchen Gruppe ausdrücklich wegen der Zugehörig- Personen angenommen, während die Zugänglichma-
keit zu dieser Gruppe auffordert oder zu Hass gegen chung für eine „breite Öffentlichkeit“ im Vergleich zum
sie aufstachelt, oder Grunddelikt nunmehr eine höhere Strafdrohung nach
2. in der Absicht, die Menschenwürde anderer zu ver- sich zieht.
letzen, eine der oben bezeichneten Gruppen in einer
Bei „bloßen“ Beschimpfungen nach § 283 Abs 1 Z 2
Weise beschimpft, die geeignet ist, diese Gruppe
StGB ist es weiterhin erforderlich, dass es dem/der Tä-
in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen
terIn auch darauf ankommt, die Menschenwürde an-
oder herabzusetzen, oder
derer zu verletzen. Diese Voraussetzung ist etwa dann
3. im Gesetzestext besonders definierte Verbre- erfüllt, wenn den Angehörigen der angegriffenen Grup-
chen des Völkermordes, der Verbrechen gegen die pe das Menschsein an sich abgesprochen wird, indem
Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen oder des etwa ihr Lebensrecht als gleichwertige BürgerInnen be-
Verbrechens der Aggression billigt, leugnet, gröblich stritten wird oder sie als minderwertige oder wertlose
verharmlost oder rechtfertigt, wenn die Handlung Teile der Gesamtbevölkerung dargestellt werden.
gegen einer der oben bezeichneten Gruppen oder
gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe gerichtet Bewirkt die verhetzende Person, dass andere Personen
ist und in einer Weise begangen wird, die geeignet tatsächlich gegen ein Mitglied einer der geschützten
ist, zu Gewalt oder Hass gegen die Gruppe oder das Gruppen Gewalt ausübt, erhöht sich die Strafdrohung
Mitglied aufzustacheln. auf bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Schließlich ist nunmehr auch nicht nur das selbststän-


Wird eine solche Tat auf eine Weise begangen, wodurch
dige Verfassen von Hetzpropaganda strafbar, sondern
sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wird, erhöht
auch das Weiterverbreiten derartiger Inhalte, z.B. im In-
sich die angedrohte Freiheitsstrafe auf bis zu drei Jah-
ternet.
re. Wenn durch eine solche Tat bewirkt wird, dass an-
dere Personen gegen eine der bezeichneten Gruppen Welche Auswirkungen die nunmehr erfolgte Novellie-
oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe Gewalt rung des Tatbestandes in der Praxis haben wird, bleibt
ausüben, erhöht sich die angedrohte Freiheitsstrafe auf abzuwarten.
bis zu fünf Jahre, wobei eine Mindeststrafe von sechs
Monaten vorgesehen ist. Wer, abgesehen von den ge- Trotz anhaltender Kritik hält der Gesetzgeber weiterhin
nannten Tathandlungen, Materialien von Ideen oder am Begriff der „Rasse“ fest, der impliziert, dass es un-
Theorien, die Hass oder Gewalt gegen eine der oben terschiedliche „Menschenrassen“ gäbe.

16
POLIZEI
Bei rassistischen Vorfällen und der Bekämpfung des Antiziganismus spielt die Polizei eine sehr wich-
tige Rolle. Antiziganistische Einstellungen sind aber auch in der Polizei verbreitet. Immer wieder
kommt es in Presseaussendungen zu unzulässigen ethnischen Zuschreibungen oder zu beleidi-
genden antiziganistischen Aussagen durch Polizeibeamte. Wenden sich von Antiziganismus be-
troffene Menschen an die Polizei oder wird ein rassistischer Vorfall gemeldet, geschieht es
immer wieder, dass diese Vorfälle nicht ernst genommen oder verharmlost werden.

34/
„ROMA-TYP“ /
ihrem Lebensgefährten in einem
Geschäft ein. Vor dem Eingang des
Geschäftes fahren mehrere Polizei­
36/ „V ERMUTLICH
VOLKSGRUPPE
ROMA/SINTI“ /
In einer Presseaussendung der Lan­ wagen vor, die Beamten nehmen
despolizeidirektion Vorarlberg vom ihren Lebensgefährten fest, da meh­
27.7.2016 wird wegen eines Ein­ rere Anzeigen gegen ihn vorliegen. Nach zwei Trickdiebstählen im Be­
schleichdiebstahles in Au/Bregenzer Frau D. ist erschrocken, sie versucht zirk Oberpullendorf veröffentlicht die
Wald die Beschreibung der beiden mit den Beamten zu sprechen, da Landespolizeidirektion Burgenland
tatverdächtigen Frauen veröffent­ sie der Meinung ist, dass gegen ih­ am 24.2.2017 eine Presseaussendung,
licht. Die Beschreibung der ersten ren Lebensgefährten nichts vorliege. die Beschreibungen der vier Täterin­
Frau enthält dabei die diskriminie­ Einer der Polizisten drängt Frau D. nen und Täter enthält. Die Polizei er­
rende Zuschreibung „Roma-Typ“: daraufhin zur Seite und beschimpft sucht die Medien, die Bevölkerung vor
„Frau, zw. 35 und 40 Jahre alt, Ro­ sie mit „Scheiß-Zigeunerin! Halt die diesen Personen zu warnen, auf der
ma-Typ, 160-165 cm groß, gefleckte Goschn, was wüllst jetzt!“. Internetseite meinbezirk.at erscheint
Gesichtshaut – braun geschippert, Frau D. ist zutiefst bestürzt, von ei­ ein entsprechender Artikel. Die Be­
normale Statur, dunkle Haare mit nem Exekutivbeamten im Zuge einer schreibungen enthalten aber neben
langem geflochtenem Zopf, beklei­ Amtshandlung auf diese verletzende Angaben zu Geschlecht, Körpergrö­
det mit knielanger beiger Hose und und rassistische Weise beschimpft ße, Statur, Haut- und Haarfarbe so­
karierter Damenbluse sowie festem zu werden. Mit Unterstützung von wie zur Kleidung alle den Vermerk
Schuhwerk – Wanderschuhe, trug ZARA bringt sie wegen der Be­ „vermutlich (Volksgruppe Roma/
einen kleinen flachen hellfarbenen schimpfung eine Richtlinienbe­ Sinti)“. Diese Zuordnung der Tatver­
Rucksack“. Der Hinweis auf die (ver­ schwerde bei der zuständigen Dienst­ dächtigen zu den Volksgruppen der
meintliche) ethnische Zugehörigkeit stelle ein. Des Weiteren erstattet sie Roma oder Sinti ist willkürlich und
der Frau bringt der Beschreibung der bei der Staatsanwaltschaft Anzeige trägt nichts zu einer besseren Identi­
Täterin keinerlei Zusatzinformati­ wegen qualifizierter Beleidigung fizierbarkeit der Tatverdächtigen bei.
on. Romano Centro beschwert sich aufgrund der ethnischen Herkunft. Romano Centro und der Vorsitzende
bei der zuständigen Stelle über die­ Nach Prüfung der Beschwerde stellt des Volksgruppenbeirates der Roma
se Aussendung. Von Seiten der Po­ die Polizeibehörde einen Verstoß verfassen nach Bekanntwerden der
lizei bedankt man sich kurz für das gegen die Richtlinienverordnung Aussendung einen Beschwerdebrief
Schreiben, geht aber nicht näher auf fest und entschuldigt sich in ihrem an die Verantwortlichen der LPD
den Inhalt der Beschwerde ein und Antwortschreiben bei Frau D. Im Burgenland. Der Landespolizeidirek­
drückt auch keinerlei Verständnis für Strafverfahren wegen Beleidigung tor entschuldigt sich in der Folge für
die geäußerte Kritik aus. bestätigen zwei Zeugen, darunter ein den Vorfall und versichert, dass die
Polizeibeamter, die Beleidigung. Das Führungskräfte der Landespolizeidi­
Gerichtsverfahren endet allerdings rektion, die Bezirkskommandanten

35/ RASSISTISCHE trotzdem mit einem Freispruch für sowie die Verantwortlichen der Pres­
BESCHIMPFUNG den Polizeibeamten. Frau D. erfährt, sestelle aufgrund der Beschwerde in
DURCH EINEN dass die zuständige Staatsanwalt­ einer Dienstbesprechung darauf hin­
POLIZEIBEAMTEN / schaft ein Rechtsmittel gegen das gewiesen worden seien, dass Beschrei­
Urteil erhoben hat. Das Urteil ist zu bungen von TäterInnen keine Hin­
Im März 2016 kauft Frau D., eine Redaktionsschluss daher noch nicht weise auf eine (vermutete) ethnische
Romni aus dem Burgenland, mit rechtskräftig. Zugehörigkeit enthalten sollten.

17
ÖFFENTLICHER RAUM

In den Jahren 2016 und 2017 ist es in Wien zu einem sehr deutlichen Anstieg von antiziganistischen
Botschaften im öffentlichen Raum gekommen. Bei Betroffenen lösen derartige Botschaften Unbe-
hagen und Angst aus. Romano Centro hat in zahlreichen Fällen die zuständigen Stellen infor-
miert und um Entfernung ersucht. Bezirksvertretungen, Magistratsabteilungen, Werbefirmen,
die Wiener Linien oder die Polizei haben rasch und mit viel Verständnis auf diese Ansuchen
reagiert und die Entfernung dieser Botschaften veranlasst oder durchgeführt. Im öffent-
lichen Raum präsent und sichtbar sind insbesondere armutsbetroffene Personen oder
Familien aus den östlichen EU-Staaten, die immer wieder Ziele von antiziganistisch
motivierten Anfeindungen und Gewalt werden.

37/ B
 RANDANSCHLÄGE
IN LINZ /
sche Botschaften und übermalt die­
se selbst. Am 9.3.2016 fotografiert
sie die Worte „Romavolk rauss“ auf
39/ B ESCHMIERTE
LEUCHTREKLAME /

In Linz werden am 14.2.2016 die Zel­ derselben Fläche und leitet die An­ Am 1.4.2016 wird eine rassistische
te von armutsbetroffenen, obdachlo­ gelegenheit an die Bezirksvertretung Botschaft in Wien Landstraße ge­
sen rumänischen StaatsbürgerInnen Mariahilf weiter. Diese veranlasst, meldet. Eine City-Light-Leucht­
in Brand gesteckt, das gesamte Hab dass die Wand übermalt wird. reklame, mit einem Foto von Miss
und Gut der Familien verbrennt,
insgesamt sind ca. 50 Personen da­
von betroffen, darunter auch Kinder. BELEIDIGUNG
Bereits zwei Tage später erfolgt ein
weiterer Brandanschlag auf diese Per­ Wer öffentlich oder vor mehreren Personen eine Person beschimpft,
sonengruppe, die sich neue Zelte be­ verspottet, am Körper misshandelt oder mit einer körperlichen Miss-
sorgt und an einem anderen Ort nie­ handlung bedroht, ist nach § 115 des Strafgesetzbuches (StGB) we-
dergelassen hatte. Am 2.3. werden die gen Beleidigung zu bestrafen. Dabei muss die Tat in Gegenwart von
Unterkünfte dieser Familien erneut in drei Personen begangen werden, die weder TäterIn noch angegriffene
Brand gesteckt, diesmal wurde die ge­ Person sind, und für diese wahrnehmbar sein. Die Tat ist grundsätzlich
naue Position des Lagers vorher im In­ nur auf Verlangen der verletzten Person zu verfolgen, da es sich bei
strafbaren Handlungen gegen die Ehre um sogenannte Privatankla-
ternet publik gemacht (siehe Fall 29).
gedelikte handelt, d.h. die Strafverfolgungsbehörden ermitteln nicht
Die Täter können in der Folge nicht
von sich aus.
ausgeforscht werden. Die Betroffenen
werden von der Caritas betreut, von Von Amts wegen zu verfolgen sind Beleidigungen aber dann, wenn sie
Seiten der Stadt Linz werden die Vor­ gegen die verletzte Person wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer in § 283
fälle zwar verurteilt, gleichzeitig wer­ Abs 1 StGB (siehe Seite 16) bezeichneten Gruppen begangen werden
den die Familien allerdings diffamiert und entweder in einer Misshandlung oder Bedrohung mit einer Miss-
und es wird kein sicheres Quartier zur handlung oder in einer Beschimpfung oder Verspottung bestehen,
Verfügung gestellt oder eine andere die geeignet sind, die verletzte Person in der öffentlichen Meinung
verächtlich zu machen oder herabzusetzen. Dasselbe gilt, wenn die
Form der Unterstützung angeboten
strafbare Handlung gegen die Ehre gegen eine/n SeelsorgerIn einer
(siehe Fall 10).
im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft während der
Amtsausübung begangen wird oder die Handlung auf eine Weise be-

38/
gangen wird, dass sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wird (§
„ROMAVOLK 117 StGB). Bei derartigen Beleidigungen müssen daher die Strafver-
  RAUSS“ / folgungsbehörden ermitteln und bei der verletzten Person anfragen,
ob sie zur Strafverfolgung die Ermächtigung erteilt. Einem daraufhin
Eine Passantin entdeckt an der Wand geführten Strafverfahren können sich Opfer als Privatbeteiligte an-
einer Baustelle in der Wiener Maria­ schließen und ihre Ansprüche, z.B. auf Schadenersatz, ohne Prozess-
hilfer Straße immer wieder rassisti­ kostenrisiko schon im Strafverfahren geltend machen.

18
ÖFFENTLICHER RAUM

Austria 2012 Amina Dagi, wurde sind mit den Worten „Roma rauss“ deckt hat. Romano Centro meldet
unter anderem mit den Worten „Zi­ beschmiert worden. Während des den Aufkleber umgehend der zu­
geunerschweine rauss“ beschmiert. langen Wahlkampfes werden bis ständigen Stelle, die umgehend die
Romano Centro informiert darauf­ November auf den Plakaten des Entfernung veranlasst. In der Folge
hin das zuständige Unternehmen Kandidaten Van der Bellen noch tauchen diese und ähnlich Aufkle­
und bittet um Entfernung der Hass­ weitere ähnliche Beschmierungen ber, die sich gegen geflüchtete Men­
botschaft. Die Reinigung wird am gemeldet. Die Parole „Roma Rauss“ schen und Muslime richten, immer
nächsten Tag durchgeführt. wird 2016 und 2017 sehr häufig ge­ wieder auf. Romano Centro sam­
meldet: insbesondere im Bereich der melt die Meldungen, verständigt die
Mariahilfer Straße, aber auch an Polizei sowie die Bezirksvertretung

40/
„ROMA RAUSS!“ /
Orten wie dem Hauptbahnhof oder
in U-Bahn- oder Straßenbahnstati­
onen. Romano Centro meldet diese
und bringt bei der Staatsanwalt­
schaft eine Sachverhaltsdarstellung
wegen Verhetzung ein. Die Bezirks­
Am 24.4.2016 werden dem Roma­ Beschmierungen immer wieder an vertretung sichert zu, der Hetze mit
no Centro rassistische Botschaften die zuständigen Stellen, erstattet erhöhter Aufmerksamkeit zu be­
auf Wahlplakaten für die Bundes­ Anzeige und bittet um Entfernung gegnen und rasch zu reagieren. Im
präsidentenwahl gemeldet. Plakate der Parolen. Trotz Ermittlungen der Dezember 2016 und im Juli 2017
des Kandidaten Van der Bellen (und Polizei konnte der Täter oder die entdecken Passanten dieselben Auf­
ein einzelnes des Kandidaten Khol) Täterin bis Redaktionsschluss nicht kleber und melden diese an Roma­
ausgeforscht werden. no Centro. Der Verfassungsschutz
ermittelt, bis Redaktionsschluss sind
RASSISTISCHE aber keine Ermittlungsergebnisse
BOTSCHAFTEN IM

41/
bekannt geworden.
ÖFFENTLICHEN RAUM – 
VERHETZENDE
WAS TUN? PAROLEN /

43/
Wenn Sie eine rassistische
Botschaft im öffentlichen
Am 2.5.2016 meldet eine Passan­ PAROLEN UND
Raum sehen, ist es wichtig,
tin dem Romano Centro eine Be­ SYMBOLE AM
diese zu melden. Sie können
schmierung in der Rochusgasse in ROCHUSMARKT /
dies bei der Polizei tun oder Wien. Auf einer Säule stehen die
bei der Gemeinde-, Stadt- oder Parolen „Juda Verrecke“, SS und Im Juni 2017 meldet eine Passan­
Bezirksverwaltung. Diese Stel- „Todt (sic!) allen Zigeunern“. Ro­ tin eine Reihe von antisemitischen,
len müssen dann klären, wer mano Centro meldet den Sachver­ rassistischen und antiziganistischen
für die betroffene Fläche zu- halt dem Polizeikommissariat Land­ Botschaften, die auf Mülltonnen,
ständig ist und können die Rei- straße, diese reagiert umgehend, Zeitungsständern und anderen Flä­
nigung oder Entfernung veran- veranlasst die Reinigung der Säule chen im Bereich des Wiener Ro­
lassen. Im Stationsbereich von und erstattet Anzeige wegen Verhet­ chusmarktes geschmiert wurden.
öffentlichen Verkehrsmitteln ist zung. Neben den Parolen finden sich
in der Regel die jeweilige Be-
Hakenkreuze, Galgen, Zielschei­
treibergesellschaft zuständig.
ben und das rechtsextreme Symbol

42/
Meldungen können an den
Kundendienst gerichtet wer- V ERHETZENDE der Wolfsangel, eine Rune die auch
den. Übermitteln Sie mit Ihrer AUFKLEBER / von SS-Verbänden verwendet wur­
Meldung ein Foto und eine de. Die Passantin dokumentiert die
möglichst genaue Beschrei- Am 2.8.2016 meldet ein Passant Aufschriften, entfernt sie und mel­
bung des Standortes. Sie kön- einen rot-weiß-roten Aufkleber mit det sie an Romano Centro. Roma­
nen Ihre Meldung aber auch der Aufschrift „Zigeuner bringen no Centro leitet die Unterlagen an
an Romano Centro oder ZARA Kriminalität & Krankheiten nach das Polizeikommissariat Landstraße
richten (Kontaktdaten siehe Österreich“, welchen er in der May­ weiter, welches das Landesamt für
Seite 28). erhofgasse in Wien-Wieden ent­ Verfassungsschutz einschaltet.

19
ARBEITSWELT
Diskriminierungen im Bereich der Arbeitswelt sind leider keine Seltenheit. Viele Roma/Romnja haben
daher Angst, dass ArbeitskollegInnen oder Vorgesetzte erfahren könnten, dass sie dieser Volks-
gruppe angehören. Sie hören antiziganistische Aussagen und befürchten deshalb auch für sich
negative Folgen, wenn ihre ethnische Zugehörigkeit bekannt werden würde. Die hier gezeigten
Fälle beweisen leider, dass diese Angst begründet ist und Antiziganismus und Diskriminie-
rung in der Arbeitswelt ein ernstzunehmendes Problem darstellen.

44/ 
IHR SEID NICHT
VERMITTELBAR! /
taurant in Wien. Der Arbeitgeber
beschimpft die beiden wiederholt
als „Zigeuner“, die Frau wird dazu
sich davon keine Besserung erwar­
tet. Er wendet sich im April 2017
aber an die Gleichbehandlungs­
Im Jänner 2016 hat eine Romni ei­ noch von einem Kollegen immer anwaltschaft, um seine rechtlichen
nen Kontrolltermin beim Arbeits­ wieder sexuell belästigt. Der Ar­ Möglichkeiten abzuklären. Er will
marktservice in Oberwart. Die Be­ beitgeber leistet keine Abhilfe. Er zunächst abwarten, wie sich die Si­
raterin macht gegenüber der Kundin drängt das Ehepaar Anfang 2017 tuation weiter entwickelt, da sie sich
keinen sonderlich bemühten Ein­ zu einer einvernehmlichen Auflö­ nicht verbessert, entscheidet er sich,
druck, obwohl diese wie vereinbart sung des Dienstverhältnisses. Das zu kündigen. Er findet schnell einen
ihre fünf Bewerbungen vorlegt. Die Paar informiert sich in einer Bera­ neuen Arbeitsplatz und entschei­
Beraterin sagt der Frau während des tungsstelle des Österreichischen Ge­ det sich deshalb, keine rechtlichen
Gespräches, dass sie weder in den werkschaftsbundes. Im Austausch Schritte gegen seinen ehemaligen
ersten noch in den zweiten Arbeits­ mit der Arbeiterkammer und der Arbeitgeber zu setzen.
markt vermittelt werden kann. Auf Gleichbehandlungsanwaltschaft
Nachfrage nach den Gründen für wird das Paar zu Schadenersatzan­

48/ B
 ENACHTEILIGUNG
diese negative Beurteilung ihrer Si­ sprüchen beraten. Sie entscheiden
tuation sagt die Beraterin: „Ihr seid sich dafür, mit Unterstützung der BEI BEZAHLUNG
nicht vermittelbar!“ Arbeiterkammer die ausständigen UND BEWERBUNG /
Gehaltszahlungen zu erkämpfen.

45/
Hinsichtlich der Belästigungen ent­ Eine Romni mazedonischer Her­
B ESCHIMPFUNG scheiden sie sich, keine Schritte ge­ kunft ist seit Jahren im Einzelhan­
DURCH CHEFIN / gen den Arbeitgeber zu setzen. del als Verkäuferin tätig und hat
bereits zwei Filialen als Marktleite­
Eine Romni arbeitet seit dem Früh­ rin geführt. In dieser Funktion als

47/ R
 ASSISTISCHE
jahr 2017 in einem Gastronomie-Be­ Marktleiterin darf sie zwar selbst
das Personal aussuchen und Bewer­
trieb auf einem Wiener Markt. Sie AUSSAGEN EINES
bungsgespräche führen, sie kann
wird von ihrer Chefin immer wieder KOLLEGEN aber nicht selbst über die Einstu­
als „Zigeunerin“ beschimpft, was die
fung der von ihr aufgenommenen
Frau sehr stört und verletzt. Sie weiß, Ein Mann wird an seinem Arbeits­
MitarbeiterInnen entscheiden. Sie
dass ihre Chefin gegen das Gesetz platz in Wien immer wieder mit ras­
entdeckt durch Zufall, dass Mit­
verstößt und sie sich gegen diese Be­ sistischen und fremdenfeindlichen
arbeiterInnen aus Ex-Jugoslawien
leidigungen wehren könnte. Sie tut Aussagen eines Arbeitskollegen kon­
schlechter eingestuft sind als Ös­
dies aber nicht, da sie aufgrund ihres frontiert. Bei einem direkten verba­
terreicherInnen. Dies betrifft auch
Aufenthaltsstatus darauf angewiesen len Angriff meint der Kollege, dass
sie selbst als Marktleiterin, obwohl
ist, dass sie den Job behält, um ein der Betroffene einen „Zigeunerna­ sie einige Jahre an Vordienstzeiten
Einkommen nachweisen zu können. men“ hätte. Der Arbeitskollege tut aufzuweisen hat. Der von ihr kon­
diese Bemerkung als Scherz ab, der

46/
taktierte Betriebsrat ist der Ansicht,
 BELÄSTIGUNG AM Betroffene fühlt sich jedoch in seiner die Einstufung sei in Ordnung. Die
ARBEITSPLATZ / Würde verletzt und bittet den Kolle­ Frau wendet sich aber an die Ge­
gen, ihn in Ruhe zu lassen. Er ver­ werkschaft, weil sie der Meinung ist,
Ein rumänisches Ehepaar arbeitet sucht gar nicht, mit seinem Vorge­ dass sie aufgrund ihrer ethnischen
seit mehreren Jahren in einem Res­ setzten darüber zu sprechen, da er Zugehörigkeit benachteiligt wird.

20
ARBEITSWELT
Sie hat sich nämlich in ihrer Firma
auch um eine Stelle als Regionallei­ DISKRIMINIERUNG IN DER ARBEITSWELT
terin beworben. In dieser Position
Das Gleichbehandlungsgesetz schützt auch vor Diskriminierung in der Arbeits-
wäre sie für 10 Märkte zuständig
welt. Erfasst sind alle Bereiche, die mit der Ausübung eines Jobs zu tun haben:
gewesen. Sie erhält jedoch eine Stellenausschreibungen, die Begründung und Beendigung eines Arbeitsverhält-
schriftliche Ablehnung, ohne dass nisses, Weiterbildung, Praktika und Volontariate, Berufsberatung, die Angebote
sie zu einem Bewerbungsgespräch des Arbeitsmarktservice sowie der Zugang zu selbständiger Erwerbstätigkeit.
eingeladen worden wäre. Das ist
Kostenlose Beratung und Unterstützung für Betroffene bieten etwa die Gleich-
für sie sehr verwunderlich, da sie
behandlungsanwaltschaft, die Arbeiterkammer oder verschiedene Einrich-
ja bereits ihre Leitungserfahrung in tungen in den Bundesländern, z.B. die Antidiskriminierungsstelle Steiermark,
zwei Märkten unter Beweis gestellt an (siehe Seite 27). Im (kostenlosen und) nicht öffentlichen Verfahren vor der
hat. Die Frau geht davon aus, dass Gleichbehandlungskommission wird geprüft, ob eine Diskriminierung vor-
der Personalleitung wegen ihres Na­ liegt. Dieses Verfahren kann von Betroffenen selbst oder mit Unterstützung
mens und ihrer Herkunft aus Maze­ der Gleichbehandlungsanwaltschaft oder anderer Einrichtungen eingeleitet
donien ihre ethnische Zugehörigkeit werden. Es endet mit einer rechtlich unverbindlichen Feststellung der Gleich-
als Romni bekannt ist. Die Frau behandlungskommission, ob eine Diskriminierung vorliegt und Wiedergutma-
wendet sich mit ihrem Anliegen an chung empfohlen wird. Die Gleichbehandlungskommission kann keinen Scha-
die Gleichbehandlungsanwaltschaft, denersatz zusprechen oder ein durchsetzbares Urteil erlassen.
der weitere Ausgang des Falles ist Rechtlich durchsetzbar sind hingegen gerichtliche Entscheidungen und Ver-
aber nicht bekannt. gleiche. Bei einer Diskriminierung in der Arbeitswelt hat die betroffene Person
nach dem Gleichbehandlungsgesetz Anspruch auf Ersatz des Vermögensscha-
dens und auf Entschädigung für die erlittene persönliche Beeinträchtigung.
Schadenersatz muss beim zuständigen Arbeits- und Sozialgericht eingeklagt
werden, wobei das Prozesskostenrisiko zu beachten ist. Kostenlose rechtliche
Beratung und Unterstützung bieten dabei z.B. die Mitgliedsorganisationen des
Klagsverbandes (siehe Seite 27).

WER SORGT FÜR


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21
BILDUNG
Antiziganistische Vorurteile wirken sich negativ auf die Arbeit der Lehrpersonen mit den Schüler­
Innen aus. Fälle von direkter Diskriminierung – wie etwa eine Beleidigung durch eine Lehrper-
son – werden selten gemeldet. Häufig jedoch werden Roma-Kinder in der Schule als erste be-
schuldigt, gestohlen zu haben, wenn in der Klasse ein Gegenstand nicht mehr auffindbar ist.
Ein weiteres Beispiel für die Folgen von Vorurteilen ist, dass Lehrpersonen soziale Pro­bleme als
kulturelle Eigenschaften verstehen: Es kommt zu oft vor, dass häufiges Fehlen von Kindern
als gegeben akzeptiert wird („Bei denen ist das halt so“) anstatt dahinterliegende soziale
Probleme zu identifizieren und an Lösungen zu arbeiten.

49/ 
VERHARMLOSUNG
RASSISTISCHER
BELEIDIGUNG /
50/
BESCHIMPFUNGEN /
Seitens der Schule wird beteuert,
dass der Vorfall so sicher nicht statt­
gefunden habe und der betroffene
In einer ersten Klasse Mittelschule Junge sehr schlimm wäre. In der
In einer Wiener Volksschule wird in Wien gerät ein Schüler, der Rom Schule herrsche aber ein rauer Um­
eine Schülerin einer vierten Klasse ist, in Verdacht einen nigerianischen gangston, die Lehrpersonen wären
von einem ihrer Mitschüler ständig Mitschüler rassistisch beleidigt zu nicht in der Lage auf jede einzelne
als „Scheiß Zigeunerin“ beschimpft. haben. Er bestreitet den Vorwurf Beschimpfung unter den SchülerIn­
Sie wendet sich im Mai 2017 an die und beteuert, dass es sich um ein nen zu reagieren.
Roma-Schulmediatorin, die diese Missverständnis gehandelt habe.
Vorfälle umgehend mit der Lehrerin Laut seinen Angaben habe die Leh­
bespricht. Die Lehrerin wirft dem rerin dann zu ihm vor der Klasse
Mädchen vor, zu lügen. Die Ro­ gesagt: „Ist es schön für dich, wenn
ma-Schulmediatorin besteht darauf, jemand Zigeuner zu dir sagt?“ Er
dass die Lehrerin mit jenem Mit­ habe nicht geantwortet. Die Lehre­ DISKRIMINIERUNG
schüler sprechen soll, dem das Mäd­ rin habe dann den nigerianischen IN DER SCHULE
chen die rassistischen Beleidigungen Schüler aufgefordert, den anderen
vorwirft. Der Mitschüler gibt zu, das Jungen als „Zigeuner“ zu beschimp­ Das Gleichbehandlungsge-
Mädchen beschimpft zu haben und fen. Dieser folgte der Aufforderung, setz verbietet Diskriminie-
entschuldigt sich. Die Lehrerin je­ worauf der Roma-Junge wütend ge­ rungen aufgrund der eth-
doch verharmlost die Beschimpfun­ worden wäre und zurückgeschimpft nischen Zugehörigkeit und
gen gegenüber der Roma-Schulme­ habe. Er berichtet, den Rest des Ta­ aufgrund des Geschlechts
diatorin, dem betroffenen Mädchen ges und an den darauffolgenden Ta­
im Bereich der Bildung und
und deren Familie indem sie meint, gen wäre er von den MitschülerIn­
Ausbildung. Bei Diskrimi-
sie verstehe nicht, warum das eine nen immer wieder als „Zigeuner“
nierungen oder Belästigun-
Beleidigung wäre. Sie sehe keinen beschimpft worden, auch vor der
gen sind LehrerInnen bzw.
Bedarf, das Thema in der Klasse Lehrerin, die nicht darauf reagiert
die Schulleitung aufgrund
anzusprechen, um den SchülerIn­ habe. Der Vater und der Schüler
schulrechtlicher Bestim-
nen zu vermitteln, dass es sich bei wenden sich im Mai 2016 an Ro­
mungen verpflichtet, ein-
derartigen Aussagen um diskrimi­ mano Centro, nach einem Erstbe­
nierende Beleidigungen handelt. ratungsgespräch nimmt die Familie zuschreiten. In bestimmten
Trotz der unzureichenden Reaktion Beratung bei der Gleichbehand­ Fallkonstellationen besteht
der Lehrerin verbessert sich die Si­ lungsanwaltschaft in Anspruch. auch eine Abhilfeverpflich-
tuation, da nach dem Gespräch mit Nachdem die Lehrerin am Ende des tung nach dem Gleichbe-
dem Mitschüler keine weiteren Be­ Schuljahres aber die Schule verlässt, handlungsgesetz.
leidigungen vorkommen. setzen sie keine weiteren Schritte.

22
WEITERE FÄLLE
51/ 
STREIT AM
STAMMTISCH /
Roma-Organisation wurde im Vorfeld
um eine Führung angefragt, eine Ver­
treterin dieser Organisation sollte diese
Besitzerin scheint sehr interessiert an
der Thematik Betteln. Als es jedoch
um die Situation der Roma auf dem
Bei einem Stammtisch in einer Wohn­ durchführen. Schon als sie beim Treff­ Balkan geht, erklärt die Dame der So­
haussiedlung in Oberwart, in der viele punkt in den Reisebus einsteigt und zialarbeiterin ausführlich, dass sie sich
Roma leben, bezeichnet im Juni 2016 dem Fahrer erklärt, wo er hinfahren schon auskenne und dass „…wir ja
eine Frau einen Lebensmittelhänd­ muss, hört sie im Bus die ersten Kom­ alle Wissen wie die Zigeuner so sind,
ler als Betrüger und Verbrecher, der mentare. „Na da schau her, es gibt ja dies ist ja schon seit langem bekannt
„wie ein Zigeuner“ wäre. Daraufhin auch fesche Zigeuner“, tönt es aus den und die Zigeuner möchten sich auch
entsteht ein Streit mit den anwesen­ hinteren Reihen. Bei der Gedenkstätte nicht ändern.“ Damit endet das Ge­
den Roma. Der Verein Karika sucht angekommen, erzählt sie der interes­ spräch. Die Geschäftsinhaberin be­
im Anschluss das Gespräch mit den sierten Gruppe über die Geschichte tont noch, künftig jedes Mal die Poli­
Beteiligten und erreicht, dass sich die der Roma im Burgenland, über das zei anzurufen, wenn sich die Frau vor
Frau für ihre Äußerung entschuldigt Attentat im Jahr 1995 und über die ihr Geschäft setzt.
und der Konflikt gelöst werden kann. aktuelle Situation der Roma. Sie wird

52/ „LERN MAL


DEUTSCH!“ /
danach in ein Kaffeehaus eingeladen
und beantwortet dort weiter die Fra­
gen der interessierten BesucherInnen.
55/ „ZIGEUNER“ -
PRODUKT­
BEZEICHNUNGEN /
Ein junger Mann setzt sich aber dann
Im Jänner 2016 wird eine Romni an den Tisch und beginnt ihr vorzu­ Produkte, die die diskriminierende
aus Oberwart bei der Bezirkshaupt­ werfen, dass alles Blödsinn sei, was sie Fremdbezeichnung „Zigeuner“ im
mannschaft vorstellig, um Fragen zu erzähle. Er wirft mit antiziganistischen Namen tragen, wie „Zigeuneraufstri­
einem Sachverhalt zu klären. Nach­ Vorurteilen um sich, behauptet, dass che“ verschwinden zusehends aus dem
dem sie mehrere Fragen gestellt hat, die „Zigeuner“ alle nicht arbeiten wol­ Produktsortiment der Supermärkte.
wird sie von der zuständigen Sach­ len und versucht sie und die anderen Verblieben sind die „Zigeunerräder“
bearbeiterin mit den Worten „Lern von seinen Ansichten zu überzeugen. der Firma Kellys, die ihr Produkt
mal Deutsch – das ist a Wahnsinn“ Ein älterer Mann distanziert sich von auch mit antiziganistischen Klischees
beschimpft. Die Frau spricht sehr gut den Aussagen und entschuldigt sich. bewirbt („Leidenschaft im Blut? Lust
Deutsch und empfindet diese rüde auf feurige Tänze! Spaß am Tempera­
Ansprache als Beleidigung. Sie wen­ ment!“). Aufstriche wurden in den letz­
det sich an einen Roma-Verein, der
die Sachbearbeiterin auf ihr Fehlver­
halten hinweist. Die Sachbearbeite­
54/ „WIR WISSEN JA, WIE
DIE ZIGEUNER SIND“ /
ten Jahren in „Scharfer Aufstrich“ um­
benannt. Die Firma Wojnar begründet
diesen Schritt auf Anfrage damit, dass
rin entschuldigt sich in weiterer Folge Eine Sozialarbeiterin des Vereins eine Konsumentin den Anstoß gege­
bei der betroffenen Frau. Phurdo in Salzburg wird im Mai ben habe, den Namen zu diskutieren
2017 zu einem Modegeschäft geru­ und dass die Umbenennung entschie­

53/
fen, um zwischen der Besitzerin des den wurde, obwohl das Produkt eines
RASSISTISCHER Geschäftes und einer Romni, die vor der bestverkauften der Firma ist. Die­
BESUCHER / dem Geschäft bettelt, zu vermitteln. ser Schritt wird rückblickend sehr po­
Im Juni 2017 besucht eine Reisegrup­ Der Grund sind Beschwerden und sitiv gesehen: Es gab keine Umsatzein­
pe die Gedenkstätte für die Opfer des befürchtete Umsatzeinbußen. Das bußen und nur eine einzige negative
Bombenattentates in Oberwart. Eine Gespräch beginnt angeregt und die Reaktion eines Kunden.
QUELLEN:
1. Österreich, Artikel vom 10. Presseaussendung Bürgermeis- 19. ZARA 32. ZARA 45. Romano Centro
21.11.2016, 3.4.2017; ter Luger vom 3.3.2016 20. Gleichbehandlungsanwaltschaft 33. vol.at, 23.5.2017 46. Gleichbehandlungsanwaltschaft
Video auf 11. Romano Centro; orf.at, 21. kurier.at,w 12.5.2017 34. Presseaussendung der 47. Gleichbehandlungsanwaltschaft
www.bettellobby.at, 6.4.2017 Bericht vom 2.12.2015 22. ZARA LPD Vorarlberg vom 27.7.2016; 48. Gleichbehandlungsanwaltschaft
2. Romano Centro; orf.at, 12. Vorarlberg.orf.at, 19.3.2016; 23. derstandard.at, 6.4.2017 Romano Centro 49. Romano Centro
Beitrag von 12.5.2017 Straßenzeitung Marie 24. vol.at, 2.12.2016 35. Verein Karika 50. Romano Centro
3. Kronen Zeitung/Linz Morgen, 13. nachrichten.at, 25.9.2017 und 25. gmx.at, 7.6.2017 36. Presseaussendung der 51. Verein Karika
6.5.2017 26.9.2017 26. nachrichten.at, 28.6.2017 LPD Burgenland, 24.2.2017 52. Verein Karika
4. Kronen Zeitung, 1.1.2017 14. Plattform Armutsmigration 27. Der Standard, 5.12.2016; 37. Romano Centro 53. Romapastoral der Diözese
5. Wochenblick.at, Artikel vom Vorarlberg Landesgericht für Strafsachen 38. Romano Centro Eisenstadt
12.7.2017; LPD Oberösterreich 15. Plattform Armutsmigration Wien 39. Romano Centro 54. Verein Phurdo
6. Kurier, 17.8.2017 Vorarlberg 28. Homepage der Stadt Wels, 40. Romano Centro 55. Romano Centro
7. „Lachen gegen die Anderen“, 16. Verein Karika SPÖ Wels 41. Romano Centro
orf.at, 20.9.2017 17. Plattform Armutsmigration 29. Romano Centro 42. Romano Centro
8. Zur Zeit 31/2016 Vorarlberg 30. YouTube: Romano Centro; 43. Romano Centro
9. unzensuriert.at 18. ZARA 31. ZARA 44. Verein Karika

23
VIELVERSPRECHENDE MASS­NAHMEN
GEGEN ANTIZIGANISMUS

Antiziganismus ist in den meisten europäischen Ländern ein vielschichtiges Problem, welches die Le-
benssituation der Betroffenen negativ beeinflusst. Doch wie wird dieser Herausforderung in anderen
Ländern begegnet? Wir stellen hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einige vielversprechende
Maßnahmen vor, die auch für Österreich Vorbildcharakter haben können. Die vielen Beispiele
aus Deutschland resultieren aus dem starken nationalen und internationalen Engagement in
der Bekämpfung von Antiziganismus in den letzten Jahren.

Aufarbeitung der Geschichte in Schweden Dokumentation antiziganistischer Vorfälle


in Berlin
Schweden kann als positives Beispiel für die Aufarbeitung
der Geschichte bezeichnet werden. Im Jahr 2014 veröf­ Die Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen
fentlicht die Regierung eine umfangreiche Aufarbeitung Diskriminierung fördert die Dokumentation antiziganis­
des von Rassismus geprägten institutionellen Umgangs tischer Vorfälle. Viele davon betreffen den Umgang von
mit der Minderheit. „The Dark Unknown History. White Bediensteten der Stadtverwaltung mit MigrantInnen aus
Paper on Abuses and Rights Violations Against Roma Bulgarien und Rumänien. Die Stadtverwaltung erhofft
in the 20th Century“ behandelt Missbrauch und Men­ sich Erkenntnisse für die Fortbildung der Bediensteten, um
schenrechtsverletzungen, die Roma und Romnja im 20. Diskriminierungen abzubauen. Die Förderung ermöglicht
Jahrhundert in Schweden zugefügt wurden. Aufgear­ es dem Verein Amaro Foro, ganzjährig personelle Ressour­
beitet werden Themen wie die rechtswidrige Erfassung cen zum Monitoring und zur Dokumentation einzusetzen.
aller Roma, Zwangssterilisationen, die Unterbringung Die Stadtverwaltung unterstützt bei der Verbreitung der
von Kindern in staatlichen Fürsorge-Einrichtungen, jährlich erscheinenden Ergebnisse.
Einreiseverbote oder Diskriminierung beim Zugang zu
Wohnraum, Bildung und Arbeit. Der Staat hat damit sei­
ne Verantwortung für die aktuelle Situation der Roma/
Forschungsstelle Antiziganismus
Romnja in Schweden anerkannt. Der Bericht dient auch Am Historischen Seminar der Universität Heidelberg wur­
als Grundlage zur Entwicklung von Unterrichtsmateria­ de im Mai 2017 die Forschungsstelle Antiziganismus eröff­
lien zu diesem Thema, die in Schulen eingesetzt werden. net. Dies stellt einen wichtigen Schritt für die Erforschung
Diese Form der Aufarbeitung ist ein Vorbild für andere von Antiziganismus in Vergangenheit und Gegenwart dar.
Staaten, obwohl zu Recht kritisiert wird, dass sich die Re­ Vier WissenschafterInnen werden dort künftig forschen.
gierung bisher nicht offiziell für das Unrecht entschuldigt
hat.
Förderprogramm „Demokratie leben!“
Denkmal für die im Nationalsozialismus Deutschland hat – anders als Österreich – einen Natio­
ermordeten Sinti und Roma Europas nalen Aktionsplan gegen Rassismus, in welchem Antiziga­
nismus als eine der „Ideologien der Ungleichwertigkeit“
Bereits 2012 wurde das Denkmal in zentraler Lage neben angeführt wird. Im Rahmen des Programmes „Demokra­
dem Deutschen Bundestag in Berlin eröffnet. Es ist künst­ tie leben“ werden neun mehrjährige Modellprojekte ge­
lerisch anspruchsvoll gestaltet und bietet den vielen (auch fördert, die sich dezidiert der Bekämpfung von Antiziga­
zufällig) vorbeikommenden Personen in Form von Texten nismus widmen. Durchgeführt werden Maßnahmen wie
in Deutsch und Englisch eine kurze Übersicht über die die Entwicklung von Materialien für die Bildungsarbeit,
Verfolgung und den Völkermord an den Roma und Sinti. Sensibilisierungsangebote für Jugendliche, Beratung für
Dadurch trägt es viel zu einem besseren Verständnis der Betroffene, MultiplikatorInnen-Ausbildungen, Bildungs­
aktuellen Situation bei. Jedes Jahr finden am 27.1. und am angebote für Angehörige der Mehrheitsgesellschaft, dar­
2.8 finden Gedenkveranstaltungen statt. Eine Erweiterung unter auch für die Polizei, Justiz, die öffentliche Verwal­
des Informationsangebotes ist geplant. tung oder Medien.

24
EMPFEHLUNGEN
Eine erfolgreiche Bekämpfung des Antiziganismus ist eng verknüpft mit der Aufarbeitung der antiziga-
nistischen Verfolgung in der Vergangenheit. Das Wissen um diese Verfolgungsgeschichte und die Sen-
sibilität für Antiziganismus sind im Allgemeinen gering ausgeprägt. Der Verein Romano Centro ist
davon überzeugt, dass Maßnahmen in diesem Bereich Antiziganismus entgegenwirken können
und präsentiert hier einige Empfehlungen.

Geschichte aufarbeiten auswirken, wie etwa bei Medien­ Empfehlungen zu Armuts-


schaffenden, Lehrpersonen, Sozial­ migration ausarbeiten
Die Geschichte der Verfolgung und arbeiterInnen, Polizeibeamten und
Vernichtung der Roma/Romnja, Angestellten der Verwaltung. Die Migration armutsbetroffener
Sinti/Sintizze, Jenischen und an­ EU-BürgerInnen und damit verbun­
derer als „Zigeuner“ stigmatisierter dene Herausforderungen werden
Antiziganismus erforschen
Menschen in der Zeit vor und wäh­ häufig in antiziganistisch geprägten
rend des Nationalsozialismus ist nicht Antiziganismus wird in Österreich medialen und politischen Debatten
ausreichend erforscht. Eine Aufar­ kaum erforscht, es existieren lediglich verhandelt. Das Ergebnis sind teils
beitung der Rolle der beteiligten einzelne Publikationen. Wissenschaft­ grundrechtlich bedenkliche Vertrei­
Institutionen ist ebenso wichtig wie liche Studien sind jedoch eine wichti­ bungsmaßnahmen. Diese Vorge­
die Erforschung des Antiziganismus ge Grundlage für das Verständnis die­ hensweise schürt Vorurteile und löst
der Nachkriegszeit. Diese Geschichte ses Phänomens und die Entwicklung keine Probleme. Eine Gruppe von
sollte auch in lokalen, regionalen und von Gegenmaßnahmen. Diese For­ unabhängigen ExpertInnen sollte
nationalen Museen präsent sein. schungslücke könnte durch themen­ eingesetzt werden, um Empfehlungen
gebundene Stipendien und/oder der für Gemeinden und Länder zu erar­
Einrichtung einer Forschungsstelle beiten. Dabei sollten Beispiele guter
Erinnerungsorte errichten
geschlossen werden. Praxis aus dem Ausland Beachtung
Die Erinnerung an den Völkermord finden.
während der Zeit des Nationalsozia­
Antiziganismus anerkennen
lismus ist immer noch nicht allerorts
und verurteilen NAP Rassismus einführen
möglich. In immer mehr Gemeinden
werden Gedenktafeln errichtet, man­ Es ist wichtig, dass politisch Verant­ Das Komitee zur Beseitigung ras­
cherorts wird dies jedoch verweigert. wortliche Antiziganismus anerken­ sistischer Diskriminierung der
Besonders in Wien fehlt ein Geden­ nen, bei antiziganistischen Vorfällen Vereinten Nationen hat der ös­
kort für die Opfergruppe der Roma/ oder Aussagen deutlich Position be­ terreichischen Bundesregierung
Romnja. Ein Denkmal an einem zen­ ziehen und diese Form des Rassismus bereits 2012 empfohlen, einen
tralen Ort in Wien, das Erinnerung klar benennen und ablehnen. Dies ge­ Nationalen Aktionsplan (NAP) ge­
ermöglicht und BesucherInnen Infor­ schieht bisher nur unzureichend. Der gen Rassismus einzuführen. Zur
mationen bietet, könnte viel Aufmerk­ Europarat hat 2017 die „Declaration Bekämpfung von Rassismus stellt
samkeit für historischen Antiziganis­ of mayors and elected local and re­ dies ein wichtiges Instrument dar.
mus schaffen. gional representatives of Council of Antiziganismus muss darin als spe­
Europe member States against an­ zifische Form des Rassismus adres­
Bildungsangebote schaffen ti-Gypsyism“ veröffentlicht, damit eu­ siert werden.
ropaweit möglichst viele PolitikerIn­
Das Bildungsangebot zum Thema nen auf lokaler und regionaler Ebene
Gegenmaßnahmen fördern
Antiziganismus für Kinder, Jugend­ durch ihre Unterschrift ein klares
liche und Erwachsene muss stark Zeichen gegen Antiziganismus setzen. Organisationen der Zivilgesellschaft
ausgeweitet werden. Der Sensibili­ Aus Österreich haben bisher nur die spielen in der Umsetzung von Ge­
sierung bestimmter Berufsgruppen Landesregierungen aus Kärnten und genmaßnahmen eine wichtige Rol­
kommt ebenfalls große Bedeutung Salzburg unterschrieben. Die Unter­ le. Um diese Aufgabe wahrnehmen
zu, insbesondere wenn sich Vorur­ zeichnung dieser Erklärung bietet die zu können, benötigen sie finanzielle
teile negativ auf die Arbeit und den Möglichkeit einer klaren Abgrenzung Mittel, die der Bekämpfung von An­
Umgang mit bestimmten Personen und Verurteilung von Antiziganismus. tiziganismus gewidmet sind.

25
ZUSAMMENFASSUNG

N ach 2013 und 2015 ist der vorliegende Bericht be­


reits die dritte Einzelfalldokumentation, die vom
Verein Romano Centro veröffentlicht wird. Er deckt den
auch nach dem zweiten und dritten Brandanschlag keine
sichere Unterkunft zur Verfügung stellte, war geradezu
fahrlässig.
Zeitraum von November 2015 bis Oktober 2017 ab. Da
es sich nicht um eine quantitative Gesamtdokumentation Auch wenn es nur in Einzelfällen zu Gewalt kommt: Der
aller antiziganistischen Vorfälle handeln kann, ist es auch antiziganistisch geführte Diskurs um das Thema Migra­
nicht möglich, Vergleiche mit den Vorjahren zu ziehen. tion armutsbetroffener EU-BürgerInnen hängt unmit­
Die bisherigen Berichte haben zur Bewusstseinsbildung telbar mit zahlreichen in diesem Bericht dargestellten
wesentlich beigetragen und stellen für die Anerkennung Fällen zusammen. Für eine erfolgreiche Bekämpfung
des Problems von Antiziganismus in der Roma-Strate­ von Antiziganismus in Österreich muss dieser Heraus­
gie der österreichischen Bundesregierung eine wichtige forderung mit neuen Mitteln begegnet werden, ohne die
Grundlage dar. Obwohl das Thema damit auf der poli­ Betroffenen zu diffamieren.
tischen Agenda angekommen ist, sind die wesentlichen
Probleme weiterhin ungelöst. Menschen werden in allen Im Bereich Arbeitswelt, wo der gesetzliche Diskrimi­
Lebensbereichen mit antiziganistischen Vorurteilen kon­ nierungsschutz am stärksten ist, kommt es häufig zu
frontiert, oft in Form von Benachteiligungen oder Belei­ Belästigungen und Diskriminierungen aufgrund anti­
digungen. ziganistischer Denkweisen von KollegInnen oder Arbeit­
geberInnen. Hier ist die Situation für die Betroffenen
Die gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen gegen Anti­ besonders schwierig, da sie häufig von bestehenden Ar­
ziganismus sind immer noch unzureichend. Vielmehr beitsverhältnissen abhängig sind beziehungsweise auf­
zeigt sich: Sowohl Politiker und Politikerinnen als auch grund von Diskriminierung nur sehr schwer am Arbeits­
Medien verbreiten weiterhin antiziganistische Vorurteile markt Fuß fassen können.
und legitimieren damit die daraus entstehende Ableh­
nung, den Hass oder gar Gewaltbereitschaft. Klare Aus­ Wie in den Vorjahren wurden sehr viele Fälle aus dem
sagen von PolitikerInnen gegen Antiziganismus werden Bereich Internet gemeldet und dokumentiert. Antiziga­
immer wieder von den Grünen oder auch von Staatsse­ nistische Hetze kommt in Sozialen Medien oder auf In­
kretärin Muna Duzdar (SPÖ) geäußert, sind aber nach ternetseiten, vor allem in Diskussionsforen, sehr häufig
wie vor selten. Ebenso verhält es sich mit Antiziganis­ vor. Viele dieser Kommentare sind aufgrund von Aufru­
mus-Kritik in den Medien. Dort hat jedoch die Bericht­ fen zur Gewalt und ihrer Nähe zum Nationalsozialismus
erstattung über Roma und damit einhergehend die Häu­ strafrechtlich relevant und werden auch verfolgt, wenn sie
figkeit antiziganistischer Darstellungen abgenommen. angezeigt werden. Die Betreiberfirmen nehmen ihre Kon­
Dies dürfte in der Fokussierung auf das Thema Flücht­ trollfunktion jedoch nach wie vor nur unzureichend war.
linge begründet sein. Doch vor allem Boulevardmedien Die Einrichtung der Beratungsstelle #GegenHassimNetz
verbreiten im Kontext der Thematik des Bettelns immer stellt einen wesentlichen Fortschritt für die Unterstützung
noch häufig antiziganistische Bilder. Erfreulich ist, dass Betroffener dar.
im Herbst 2017 von der Nationalen Roma-Kontaktstelle
im Bundeskanzleramt eine Studie zur Darstellung von Neu und gleichzeitig erschreckend ist die Häufigkeit anti­
Roma in den Medien beauftragt wurde, die vom Institut ziganistischer Botschaften im öffentlichen Raum in Wien
für Publizistik der Universität Wien durchgeführt wird seit 2016, sowohl in Form von Schriftzügen als auch
und als Grundlage für weitere Maßnahmen in diesem von Aufklebern. Obwohl die Verantwortlichen nach
Bereich dienen soll. Meldungen meist schnell reagieren und die Entfernung
veranlassen, bleiben verhetzende Botschaften bis dahin
Antiziganismus führt auch in Österreich zu gewalttätigen oft lange sichtbar. Die TäterInnen konnten bisher nicht
Übergriffen: Die Brandanschläge auf armutsbetroffene ausgeforscht werden.
Roma-Familien in Linz 2016 waren ein erschreckendes Eine positive Entwicklung ist, dass im Berichtszeitraum
Beispiel dafür, wie antiziganistisch geführte politische viele von Antiziganismus und Diskriminierung Betrof­
und mediale Debatten zu einer realen Bedrohung für fene Unterstützungs- und Informationsangebote in An­
die Betroffenen werden können. Die unzureichende Re­ spruch genommen haben und sich teilweise auch erfolg­
aktion seitens der Politik, die den Familien mit Kindern reich zur Wehr gesetzt haben. /

26
UNTERSTÜTZUNGSANGEBOTE
FÜR BETROFFENE
Es gibt österreichweit zahlreiche Institutionen und Einrichtungen, an die sich von Rassismus
und Diskriminierung Betroffene oder ZeugInnen wenden können, um Informationen und Un-
terstützung zu erhalten oder Vorfälle dokumentieren zu lassen. Die angeführten Einrich-
tungen stellen eine Auswahl dar.

ANTIDISKRIMINIERUNGSSTELLE STEIERMARK GLEICHBEHANDLUNGSANWALTSCHAFT UND


Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark ist eine Anlaufstelle GLEICHBEHANDLUNGSKOMMISSION
für Betroffene jeglicher Form von Diskriminierung und berät
über mögliche Vorgehensweisen. Das Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) schützt in der Arbeitswelt
Stigergasse 2, 8020 Graz | Tel. 0316 / 714 137 vor Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts (auch in Be­
buero@antidiskriminierungsstelle.steiermark.at zug auf den Familienstand), vor Diskriminierungen aufgrund
der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschau­
ung, des Alters oder der sexuellen Orientierung. Außerhalb der
ANTIDISKRIMINIERUNGSSTELLE SALZBURG Arbeitswelt sind Ungleichbehandlungen beim Zugang zu und
ABZ – Haus der Möglichkeiten der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen aufgrund des
Kirchenstraße 34, 5020 Salzburg Geschlechts oder der ethnischen Zugehörigkeit verboten (z.B.
0676 8746 6979 | office@antidiskriminierung-salzburg.at Wohnraum, diverse Freizeiteinrichtungen, etc.). Aufgrund der
ethnischen Zugehörigkeit ist zudem eine Diskriminierung in
den Bereichen Bildung, soziale Vergünstigungen und Sozial­
ARBEITERKAMMER schutz untersagt.
Die Arbeiterkammer bietet Unterstützung und Beratung für An­ Die Gleichbehandlungsanwaltschaft ist für die Beratung und
gestellte, die am Arbeitsplatz diskriminiert werden. Kontaktdaten Unterstützung von Opfern von Diskriminierung zuständig.
für die jeweils nächstgelegene Beratungsstelle finden Sie auf Außerdem kann sie Studien zum Thema Diskriminierung in
www.arbeiterkammer.at. Auftrag geben oder selbst erstellen. Vorfälle können der Gleich­
behandlungskommission zur Überprüfung vorgelegt werden.
Ihre Senate entscheiden auf Antrag von Betroffenen oder In­
BUNDESAMT FÜR VERFASSUNGSSCHUTZ teressensvertretungen über Verstöße gegen das GlBG und kön­
UND TERRORISMUSBEKÄMPFUNG nen auch allgemeine Gutachten zum Thema Diskriminierung
Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbe­ erstellen. Für betroffene Personen ist dieses Verfahren vor der
kämpfung ist eine Sicherheitsbehörde, die unter anderem für Gleichbehandlungskommission kostenlos. Im Gegensatz zu ei­
die Bekämpfung von terroristischen und extremistischen Aktivi­ nem gerichtlichen Urteil ist eine Entscheidung der Gleichbe­
täten zuständig ist. Das BVT beobachtet daher auch die rechts­ handlungskommission rechtlich nicht bindend.
extreme Szene in Österreich und betreibt zu diesem Zweck Taubstummengasse 11, 1040 Wien
eine Meldestelle für NS-Wiederbetätigung (ns-meldestelle@ Tel. 01 532 02 44
bvt.gv.at), wo neonazistische und rassistische Inhalte aus dem gaw@bka.gv.at
Internet gemeldet werden können. www.gleichbehandlungsanwaltschaft.at

LANDESVOLKSANWALT VON VORARLBERG


KLAGSVERBAND ZUR DURCHSETZUNG DER
In Vorarlberg können sich Betroffene von Diskriminierung auf­ RECHTE VON DISKRIMINIERUNGSOPFERN
grund der ethnischen Zugehörigkeit an das Büro des Landes­
volksanwaltes wenden. Der Klagsverband unterstützt Opfer von Diskriminierung
Landwehrstrasse 1, 6900 Bregenz vor Gericht. Bevor es zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist
Tel. 05574 470 27 | buero@landesvolksanwalt.at aber eine Beratung bei einem der Mitgliedsvereine notwen­
dig. Der Klagsverband ist keine Erstberatungsstelle! Weitere
Arbeits-Schwerpunkte des Klagsverbands sind die Dokumen­
ROMANO CENTRO (Wien) tation von Gesetzen und Rechtsprechung im Bereich Antidis­
Der Verein Romano Centro bietet – neben Beratungs-, Bildungs- kriminierung und Gleichstellung und die Verbesserung der
und Informationsangeboten – Unterstützung für Betroffene von Gesetzgebung durch Stellungnahmen und Schattenberichte.
Diskriminierung an und setzt sich gegen Antiziganismus ein. Ein umfangreiches Workshop- und Seminarangebot zu den
Themen Antidiskriminierung und Gleichstellung runden das
Hofmannsthalgasse 2/2, 1030 Wien
Angebot des Klagsverbands ab.
Tel. 01 749 63 36 15
office@romano-centro.org www.klagsverband.at

27
ÖSTERREICHISCHER PRESSERAT – VEREIN ZUR
SELBSTKONTROLLE DER ÖSTERREI­CHISCHEN PRESSE TIPPS FÜR BETROFFENE UND ZEUGINNEN
Der Presserat kontrolliert die Einhaltung des Ehrenkodex der
österreichischen Presse (siehe Infokasten Seite 8). Es ist möglich, sich in Österreich gegen Rassismus
Franz-Josefs-Kai 27, 1010 Wien und Diskriminierung zu wehren. Wer Zeuge/Zeugin
Tel. 01 23 699 84 11 | info@presserat.at von rassistischen und/oder diskriminierenden Vor-
fällen wird oder selbst betroffen ist, sollte in jedem
Fall die Unterstützung einer Beratungseinrichtung in
STELLE ZUR BEKÄMPFUNG Anspruch nehmen.
VON DISKRIMINIERUNGEN (Wien)
Die Stelle zur Bekämpfung von Diskriminierungen ist für Perso­ Für Betroffene können folgende Tipps
nen zuständig, die sich u.a. aufgrund ihrer ethnischen Zugehö­ hilfreich sein:
rigkeit in den Bereichen (sofern diese durch Landesrecht geregelt
sind) Soziales, Gesundheit, Bildung, Zugang zu und Versorgung • Fordern Sie PassantInnen oder andere Anwesende
mit Gütern und Dienstleistungen (einschließlich Wohnraum) auf, Ihnen zu helfen.
sowie Zugang zu selbstständiger Erwerbstätigkeit diskriminiert
fühlen. Die Stelle ist auch für alle Bediensteten der Gemeinde • Bringen Sie sich, wenn notwendig, in Sicherheit
Wien zuständig. Darunter fällt diskriminierendes Verhalten ei­ und rufen Sie die Polizei zu Hilfe.
nes/einer Bediensteten in Ausübung einer dienstlichen Tätigkeit • Sprechen Sie Personen an, die den Vorfall beobach-
oder diskriminierendes Verhalten gegenüber einer/eines anderen tet haben, notieren Sie Namen und Kontaktdaten.
Bediensteten der Gemeinde Wien.
• Schreiben Sie sich auf, was genau passiert ist (Da-
Muthgasse 62, Riegel C 3.07, 1190 Wien
Tel. 01/4000-38951 | post@bsb.wien.gv.at tum, Uhrzeit, Wer hat was gesagt/getan?).

• Beziehen Sie eine Vertrauensperson (Freund/


TIGRA – Freundin, Eltern, Lehrer/Lehrerin, Direktorin, Vor-
Tiroler Gesellschaft für rassismuskritische Arbeit gesetze, Betriebsrat,…) ein.

Der Verein TIGRA ist eine regionale Anlaufstelle und Dreh­ • Nehmen Sie die Unterstützung einer Beratungs-
scheibe für Fragen und Anliegen rund um das Thema Rassismus. stelle in Anspruch.
Die Hauptarbeitsbereiche umfassen Beratung, Dokumentation
und Information: TIGRA bietet Menschen mit Rassismus-Er­ • Zeigen Sie rassistische Übergriffe oder Diskriminie-
fahrungen und ZeugInnen sowie Professionals kostenlose Unter­ rung beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen
stützung, grundlegende Beratung und Vermittlung (Clearing) an. bei der Polizei an, lassen Sie sich dabei von einer
Als regionale Melde- und Dokumentationsstelle protokolliert und Vertrauensperson (etwa von einer Person einer
dokumentiert TIGRA Vorfälle und Übergriffe mit rassistischem Beratungsstelle) begleiten.
Hintergrund und macht sie u.a. über den jährlich erscheinenden
• Melden Sie rassistische Vorfälle oder Diskriminie-
Tiroler Rassismus-Bericht für die breite Öffentlichkeit sichtbar.
Des Weiteren bietet TIGRA themenbezogene Informations- und rung bei der Arbeit oder in der Schule dem/der
Bildungsarbeit an. Vorgesetzten, dem Betriebsrat, einer Lehrperson.
Lassen Sie sich dabei von einer Vertrauensperson
Salurner Straße 1, 6020 Innsbruck
0680 214 91 00 | info@tigra.cc | www.tigra.cc begleiten.
Beratung und Meldung: Tel. 0680 231 03 13 | meldung@tigra.cc
Zeugen/Zeuginnen sollten folgende Tipps
beachten:
VEREIN KARIKA (Oberwart)
Der Verein setzt sich gegen jede Form des Rassismus und der • Fordern Sie PassantInnen oder andere Anwesende
Diskriminierung und für die Verständigung zwischen Roma und
auf, Ihnen zu helfen.
Nicht-Roma ein. Schwerpunkte der Vereinstätigkeit liegen ins­
besondere in den Bereichen Menschenrechts- und Bürgerrechts­ • Bieten Sie der betroffenen Person Unterstützung an.
arbeit, pädagogische Arbeit, Information und Beratung. • Bringen Sie sich und die betroffene Person, wenn
Andreas Hofergasse 18/2, 7400 Oberwart notwendig, in Sicherheit und rufen Sie die Polizei
Tel. 0676 930 66 94 | verein.karika@gmx.at zu Hilfe.

• Schreiben Sie sich auf, was genau passiert ist


ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit (Datum, Uhrzeit, Wer hat was gesagt/getan?).
Der Verein ZARA in Wien informiert österreichweit über recht­
liche und andere Möglichkeiten bei rassistischen Vorfällen und • Bieten Sie der betroffenen Person für ein allfälliges
Übergriffen und begleitet KlientInnen. Alle gemeldeten Fälle Verfahren Unterstützung als Zeugin/Zeuge an, ge-
werden dokumentiert, eine Auswahl erscheint im jährlichen Ras­ ben Sie ihr Ihre Kontaktdaten.
sismus-Report. ZARA setzt Projekte und Kampagnen zur Sensi­
• Informieren Sie über Beratungsangebote, lassen Sie
bilisierung für rassismusbasierte Problematiken um und betreibt
Präventionsarbeit in Form von Schulungen und Workshops. sich bei Bedarf auch selbst beraten.

Schönbrunner Straße 119/13 (Eingang: Am Hundsturm 7, 1050 Wien)


Tel. 01 929 13 99 | beratung@zara.or.at | www.zara.or.at

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Mit freundlicher Unterstützung von Vienna Paint und adb.

WENN WERTE MIT FÜSSEN GETRETEN WERDEN, TRETEN WIR FÜR SIE EIN.
Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende! SOS Mitmensch setzt sich lautstark, tatkräftig und unabhängig
für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und die Würde aller Menschen ein. Danke für Ihre Mithilfe.
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Beratungsstelle
#GegenHassimNetz
Beratung und Unterstützung für Betroffene
von Hass und Hetze im Internet.
Sie sind von Hass und Hetze im Internet betroffen? Die neue Beratungsstelle
#GegenHassimNetz kann Ihnen in solchen Situationen helfen!
Die Berater*innen unterstützen Sie dabei sich aktiv gegen Hass im Netz zu
wehren und informieren Sie über mögliche rechtliche Schritte.

Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz ist erreichbar von:


Mo – Mi: 9.00 – 16.30 Uhr
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