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Der deutsche Bildungsroman

Definition:

Bildungsroman ist der Name jener Romane, die sich auf die Entwicklung, Ausbildung oder
Erziehung einer zentralen Figur konzentrieren. Es ist eher eine Untergattung, denn wir finden es
gemischt mit Picareske, Realismus, Fantasy, historische Fiktion und so weiter.

Die Untergattung bildungsroman hat viele Variationen in seiner Art wie Entwicklungsroman
(Roman der Entwicklung), Erziehungsroman (Roman der Bildung), Kunstlerroman (Das Leben
und Entwicklung des Künstlers) und Zeitroman, die die Entwicklung der Ära, in der der Held
lebt, mit seiner persönlichen Entwicklung verbindet.

2. Merkmale des Bildungsromans

Der deutsche Bildungsroman ist oft geteilt im drei Teile: das Schema – Jugendjahre –
Wanderjahre – Meisterjahre, die auch in Goethes Wilhelm Meisters identifiziert werden kann;
aber nicht alle deutschen Romane folgen dieses Schema, jedoch es ist sehr wichtig
nachzuzeichnen.

- es gibt eine Suche nach der Bedeutung des Protagonisten; geht von einer unerfahrenen
Figur zu einem guten Kenner der Welt, der Menschen, der Gesellschaft.

- am Anfang ist der Held jung, naiv und am Ende ist er wesentlich weiser, intelligenter,
erlebten Mann.

- es gibt auch einen Vorfall, der den Protagonisten auf seine Reise treibt. Der Vorfall ist
normalweise ein großer emotionaler Verlust, wie ein Tod oder ein Herzschmerz

- während der Reise, der Held getestet werden; er muss mit allen Kräften kämpfen

- es gibt eine Revelation, eine Offenbarung für den Helden und das ganz verändert den
Helden als Person
- Die Geschichte konzentriert sich auf den Reifungsprozess einer einzelnen Person.

- der Held macht viele Erlebnisse, Abenteuer usw. durch, die ihn ein neuer Mensch
machen

- der Prozess der Reife ist lang, mühsam und graduell, bestehend aus wiederholten
Zusammenstößen zwischen den Wünschen des Protagonisten und den Ansichten und
Urteilen, die von einer ernsten sozialen Ordnung durchgesetzt werden.

Die Entstehung des Bildungsromans

Wie in der Enzyklopädie der deutschen Literatur erwähnt: Historisch gesehen bildete der Begriff
der Bildung den Zusammenfluß einer säkularisierten Version der pietistischen
Menschenauffassung als einer Schöpfung im Bilde des Gottes mit dem universalen Verständnis
des menschlichen Agens als Subjekt, das durch angeborene rationale Fähigkeiten reguliert
wurde. Die politische Aufgabe, die in den Idealen der Bildung im späten 18. Jahrhundert
enthalten war, bestand daher darin, die Staatsbürgerbeziehung so zu reformieren, dass der
Hauptzweck des Staates darin bestand, die Bedingungen für die volle Selbstverwirklichung und
Freiheit seiner Bürger zu schaffen , der wiederum dem Staat als freie Subjekte dienen würde. Die
Entstehung von Bildung war somit tief in die breiteren republikanischen Ideale der Aufklärung
verwickelt und spiegelte einen tiefen Glauben an die harmonische Gegenseitigkeit der
individuellen und kollektiven Selbstgesetzgebung wider. (Konzett 107)

Der Begriff "Bildungsroman" wurde 1819 vom Philologen Karl Morgenstern in seinen
Vorlesungen geprägt und später von Wilhelm Dilthey, der ihn 1870 legitimierte und 1905
popularisierte, berühmt.

Zu Beginn des frühen 18. Jahrhunderts begannen viele Autoren, lange Erzählungen in Prosaform
zu schreiben. Zum Beispiel: Daniel Defoe, Samuel Richardson und Henry Fielding. Die meisten
ihrer Romane waren episodische und plot-orientierte Geschichten wie Robinson Crusoe (1719)
und Moll Flanders (1722) von Defoe. In Deutschland wird die Geburt des Bildungsromans
normalerweise auf die Veröffentlichung von Christoph Martin Wielands Geschichte des Agathon
von 1767 oder Wilhelm Meisters Lehrwerk von Johann Wolfgang Goethe in 1795-96 datiert. Es
hatte einen starken Einfluss zuerst in Europa und später in der ganzen Welt. Thomas Carlyle
übersetzte Goethes Roman ins Englische und nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1824
schrieben viele britische Autoren Romane, die von ihm inspiriert waren. Im 20. Jahrhundert
verbreitete es sich in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Amerika und mehreren anderen
Ländern auf der ganzen Welt.

Wichtige Themen und Motive im Bildungsroman:

Die Bildungsromanuntergattung hat viele gemeinsame Motive und Themen wie "Identität und
das Selbst", „das Erwachsenwerden (Coming of Age)‟, „Erzhiehung‟, „die Liebe‟, mit
einzigartigen Präsentationsstilen. Die Reise ist ein sehr wichtiges Thema im Bildungsroman; Der
Held verlässt das Haus, das normalerweise in ländlicher Umgebung liegt, um in die weite Welt
der städtischen Umgebung zu reisen. Der Protagonist trifft also auf eine größere Gesellschaft, die
seine verschiedenen Möglichkeiten prüft. Vor allem das Thema Bildung ist ein weiterer
wesentlicher Bestandteil des Erziehungsroman. In dieser Art von Romanen ist das Leben eine
Erziehung und der Prozess des Wachsens ist eine Reihe von Erfahrungen, die viele Lektionen
lehren, die akademischer Natur sein können oder in anderen Bereichen wie dem Lernen von
sozialen Konventionen, geschäftlichen Angelegenheiten oder dem Erlangen von Integrität in
verschiedenen Beziehungen.

Entwicklung des Bildungsromans:

Am Anfang, war das Ziel des klassischen Bildungsromans, aus jungen Menschen voller Ideale
angepasste, funktionierende Bürger nach einem strikten Vorbild zu machen.

Georg Friedrich Wilhelm Hegel, ein sehr bekannten Deutschen Philosoph, verurteilte auch diese
fragwürdige Ansicht. Er verurteilte in seiner „Vorlesung über die Ästhetik“ dieses
zweifelhafte Bildungsideal, wenn "das Ende solcher Lehrjahre [darin bestehe], das sich das
Subjekt die Hörner abläuft, mit seinem Wünschen und Meinen sich in die bestehenden
Verhältnisse und die Vernünftigkeit derselben hineinbildet, in die Verkettung der Welt
eintritt und in ihr einen angemessenen Standpunkt erwirbt", um "ein Philister so gut wie
die anderen auch“ zu werden.

Die Romantiker hatten auch eine ganz andere Ansicht auf den Bildungsroman; während das Ziel
des klassischen Bildungsromans darin bestand, den Leser und den Protagonisten bereit für das
Leben in ihrer Gesellschaft zu machen, wollte der romantische Bildungsroman ein erfüllendes
Ende erreichen, eine Utopie, eine Welt, die sich erfüllte die Sehnsüchte und Wünsche der
Romantiker.

Vertreter – Novalis (Heinrich von Ofterdingen)

Im 20. Jahrhundert war der Bildungsroman darüber hinaus mit „Das Glasperlenspiel“ von
Hermann Hesse und ‘‘Der Zauberberg‘‘ von Thomas Mann vertreten. Hier ist es ein bisschen
schwerer, die charakteristischen Gemeinsamkeiten auszumachen, wenn man davon absieht, dass
alle Romane die geistige und kulturelle Entwicklung eines Helden zum Inhalt haben. Nach seiner
Blütezeit im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert führt der Bildungsroman heute ein
unscheinbares Dasein.

Vertreter – Hermann Hesse, Thomas Mann

Andere berühmte Beispiele auf Deutsch sind:

Franz Sternbalds Wanderungen – Ludwig Tieck (1798),

Kellers Der grune Heinrich (1854),

Freytags Soll und Haben (1855),

Stifters Der Nachsommer (1857)

Raabe’s Der Hungerpastor (1864)

Thomas Mann’s Konigliche Hoheit (1904), Der Zauberberg (1924) and Joseph und seine Bruder
(1933-42)

Einige andere Werke umfassen:

Lebensgeschichte Tobias Knauts von Johann Karl Wezel, Hyperion; oder, Der Eremit in
Griechenland von J. Hölderlin, Lucinde von F. Schlegel, Titan von J. Paul Friedrich Richter.

Zu guter Letzt: Die Gattung übersetzt sich direkt in die filmische Form, den Coming-of-Age-
Film (das Erwachsenwerdenfilm). (Deutschland oder Österreich: Woyzeck ( Werner Herzog),
Junges Licht, Requiem, Jenseits der Stille) (Amerika/Europa: Boyhood, The Breakfast Club,
Almost Famous)