Sie sind auf Seite 1von 805

LEXIKON DER GESAMTEN TECHNIK

U N D IHRER HILFSWISSENSCHAFTEN

VIERTER BAND
Holzfreie* Papier
LEXIKON
DER GESAMTEN TECHNIK
UND IHRER HILFSWISSENSCHAFTEN

IM V E R E I N MIT FACHGENOSSEN
HERAUSOEGEBEN VON

OTTO LUEGER

MIT Z A H L R E I C H E N ABBILDUNGEN

ZWEITE, VOLLSTÄNDIG N E U B E A R B E I T E T E A U F L A G E

VIERTER BAND

FEUERUNGSANLAGEN BIS HAUSTELEGRAPHEN

STUTTGART UND LEIPZIG


DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT
Alle Rechte, befanden die der Ueberfetzutig, vorbehalten

Druck der Deutschen Vertaga-AnsUlt In Stuttgart


Papier von der Papierfabrik Salach In Salach, WOrttembeff
F
Feuerungsanlagen, Einrichtungen, die den Zweck haben, irgend einen
Stoff zu verbrennen (f. B r e n n f t o f f e ) , um die dadurch entftehende Wärme zu
gewinnen. Die Einrichtungen hierfür find verfchieden, je nachdem die erzeugte
Wärme zur Heizung von Dampfkeffeln oder zum Brennen von Tonwaren, Tür
metallurgifche Prozeffe, für Abdampf-, Trocknungs-, Heizungsanlagen, für häus-
liche, für chemifche, für Beleuchtungszwecke u.f. w. dienen foil. In manchen Fällen
ift der Verbrennungsprozeß fo innig mit dem technifchen Prozeß verfchmolzen, daß
die Feuerungsanlage gar nicht felbftändig als folche auftritt, z. B. bei Hochöfen,
Schmelzöfen, Ringöfen u. f. w. Wir haben an diefer Stelle mit der Einteilung
keine Rückficht auf folche Spezialfeuerungen zu nehmen, da diefelben in ge-
sonderten Artikeln behandelt werden, und unterscheiden deshalb nach Art des
zur Verbrennung kommenden Materials: Feuerungen für 1. ftückige, 2. Staub-
förmige, 3. flüffige und 4. gasförmige Brennftoffe. Die erftere Art läßt fich
wiederum einteilen nach ihren Einrichtungen in betreff der Art und Lage des
Roftes, der Zuführung und Auffchichtung der Brennftoffe fowie der Entwicklung
und Führung der Flamme. Aber alle die letztgenannten Unterfchiede find
ebenfalls nicht fcharf begrenzt; doch werden wir diefelben an der Hand einer
fyftematifchen Entwicklung kennzeichnen. Auch die Sogenannten rauchfreien
Feuerungen bilden keine beftimmt abgegrenzte Klaffe für fich; wir werden
deshalb nur der r a u c h f r e i e n V e r b r e n n u n g als Solcher, unter Hineinziehung
der hauptfächlichften Feuerungsarten, einen Abfchnitt einräumen.
I. F e u e r u n g e n für f t ü c k i g e B r e n n f t o f f e .
Die elnfachfte Einrichtung einer Feuerungsanlage' in Form eines einfachen Holzhaufens
genügt nur für wenige Zwecke, wie etwa als fogenanntes Kaminfeuer. Dlefes befteht in einem
Haufen Holz, das in einer Nlfche der Zimmerwandung brennt, von welcher aus ein Kanal den
Rauch nach oben hinaus Ins Freie fahrt Wohl in keinem andern Falle darf die erzeugte Wirme
aus dem Feuer einfach nach allen Seiten ausilrahlen; gewöhnlich muß fie in einen befonderen
Raum (Ofen) behufs ihrer nutzbringenden Verwendung hineingeführt werden, und dann ift
das Feuer an feiner Entftehungsftelle felbft rundherum durch unverbrennliche Wandungen ein-
zufchliefien, in denen einige Oeffnungen vorgefehen werden muffen.
D i e f o
r L„ entftehende Feuerungsanlage Ift in Fig. 1—4 abgebildet Die Wandungen W
ichließen einen viereckigen Raum ein, in den durch die Oeffnung L (Luftluke) die zur Ver-
brennung erforderliche Luft eintritt, weil der allfeitige Luftzutritt jetzt abgefperrt ift. R ift ein
«rernes Oltter (Roft, auch Herd genannt), auf dem der Brennftoff lagert, nachdem er durch die
ueflnung T (Feuertür) eingeführt worden ift. Die durch L eintretende Verbrennungsluft durch-
urömt den Afchenfall A, zieht durch den Roft R und durch den darauf locker und luftig auf-
geichichteten, {glühenden Brennftoff, wo fich ihr Sauerftoff mit dem Kohlenftoff zu Kohlenfäure
und mit dem Wafferftoff zu Wafferdampf verbindet welche beiden Produkte nebft den übrigen
e
f n r f « n d e n Qafen (vgl. Brennftoffe) die .Verbrennungsgafe* oder „Feuergafe* bilden, die
in dem Verbrennungsraume V fich mifchen, um die Verbrennung der noch unverbrannten Qafe
vei
f£ yoIlftandigen und zu flehern, um dann in glühendem Zuftande durch die Oeffnung F
treuerluke) abzuziehen. Es Iß In allen Füllen wefentlich, daß gleich hinter der Feuerluke fich
M 0 0 f e n
»fi A < > befinde, in welchem die Feuergafe Ihre Warme abgeben M e n , weil felbft
dum r!? k u r a e f t e n
Zwifchenwege etwas Wärme und Temperatur verloren gehen wurden. Aus
e n
c!u I werden die Feuergafe dann durch den Kanal K («uch F a c h » genannt) nach-dem
»chornftelne S (auch Effe oder Kamin genannt, vgl. S c h o r n f t e i n ) in höher liegende Luft-
L
» » * t r , Uxlkon der fthintM Ttchnlk. S. Aufl. IV* j
2 Feuerungsanlagen

fchichten abgeleitet, wo fie möglich!! wenig luftig werden. Zu einer vollftändigen Feuerungs-
anlage gehört alfo immer: die Feuerung felbft und der S c h o r n i l e i n (f. d.); zwifchen beiden
wird die Verwendungsftelle, der Ofen, angeordnet.
Die Feuerluke F ill über einem niedrigen Damm D (Feuerbrücke) angebracht, der den
Brennftoff zufammcnzuhalten h a t , aber auch dafür forgt, daß nicht ein Teil der Feuergafe auf
der Kanalfohle entlangfchleicht und lieh der Mifchung entzieht, denn der Feuerluke füllt mit
die wefentliche Aufgabe zu, für die vollfländigfte Mifchung der Feuergafe die letzte Gelegenheit

Flg. 2. Flg. 3. Flg. 4.


zu bieten, indem alle Gafe durch diefe möglichft klein gehaltene Oeffnung hindurchziehen
muffen. Die Feuerluke kann auch in jeder andern Wand des Verbrennungsraumes angebracht
fein, z. B. in der Decke bei F oder, was feltener vorkommt, in einer Seitenwand; denkbar ift
x

fie auch in der Vorderwand. — Die foeben befchriebene Feuerungseinrichtung, bei welcher der
Roft eine ebene (plane) Fläche bildet und wagerecht oder nahezu wagerecht liegt, ift allgemein
bekannt unter dem Namen Planroftfeuerung. — Liegt dabei die Feuerung v o r dem Ofen
(Fig 1), fo nennt man fie auch im befonderen P l a n r o f t v o r f e u e r u n g . Es kann zweckmäßig
fein, fie u n t e r den Ofen zu legen und die Flamme durch F überzuführen; dann nennt man
t

fie P l a n r o f t u n t e r f e u e r u n g . Auch i n den Ofen kann man fie einbauen, wie man es mit
Vorteil bei D a m p f k e f f e l n (f.d.) tut; dann nennt man fie P i a n ro ft i n n e n f e u e r u n g ,
zwifchen zwei Keffelteilen angeordnet heißt fie P l a n r o f t z w i f c h e n f e u e r u n g .
D i e W a n d u n g e n d e r P l a n r o f t f e u e r u n g muffen eine genügende Dicke haben, um
die Wärme möglichft vollftändig zufamm'enzuhalten, und aus einem Material (vgl. Schamotte
unter T o n w a r e n ) beliehen, das in der Hitze möglichft widerftandsfähig ift, d . h . nicht fchmilzt.
Die Wanddicke follte immer mindeftens 40 cm betragen, wo angängig, auch 50—60 cm. I.uft-
fehichten in den Wänden, der Ifolierung wegen, anzulegen, hat wenig Erfolg, da die Teil-
wände felbfl dann weniger dicht und kompakt werden. Die Innenfläche der Wandungen, zum
Schutze diefer, mit einem feuerfeften Mörtel abzuputzen, ift zweckmäßig, da diefer gelegentlich,
wenn er dennoch abfchmelzen follte, leicht wieder erneuert werden kann. Auch ift ein Ueberzug
der Außenflächen mit Afphalt der Dichtheit wegen empfehlenswert. Bei Dampfkeffeln eignen
fich die ftets durch Waffer gekühlten Keffelwandungen felbfl hervorragend gut gleichzeitig als
Feuerungswände, weshalb dort die Innenfeuerungen gern angewendet werden.
V e r a n k e r u n g e n . Durch die Hitze entliehen in den Feuerungswänden fehr leicht Riffe
und Sprünge, die fchädlich wirkende Luft einladen und die Anlage bald baufällig machen.
Das einzige Mittel hiergegen ift eine von vornherein gut angelegte Verankerung. Man um-
kleidet deshalb mitunter die fiimtlichen Wände mit gußeifernen Platten, die unter fich feft ver-
bunden werden. Das Verfahren ill koftfpielig, die Platten brechen oft genug felbfl und ver-
hindern eine Ucberwachung der eigentlichen Wandungen auf ihren Zuftand. Ausreichend und
zweckmäßig ift eine Einfaffung aller Mauerkanten durch gewalztes Winkeleifen a (Fig. 2).
D a s V e r m a u e r n v o n h e i ß w e r d e n d e n E i f e n t e i l e n vermeidet man fo viel wie
nur irgend möglich, da fonft durch deren größere Ausdehnung das Mauerwerk immer zerftört
wird; vorkommende Einfteigeöffnungen verfchließt man deshalb nicht durch eiferne Einfätze,
Feuerungsanlagen 3
fondern durch Zufctzen mit Mauerfleinen. Bei der Feuertür ift allerdings Eifen nicht zu ver-
meiden, das man aber der ftrahlenden Hitze möglichft entzieht. — Eine gußeiferne Zarge d
wird außen gegen die gemauerte Wandung gelegt und durch zwei Anker e feilgehalten. Die
Tflr felbft befleht aus einem gußeifernen Rahmen / mit einer Schamottefüllung; fie führt fleh
beim Auf- und Abfchieben in der Zarge fowie mit dem Stabe h in der Oefe /. Die Tür hängt
an einem Seil (Kette), das am hinteren Ende mit dem Fuchsfchieber k verbunden ift, fo, daß
beide Schieber miteinander ausbalanciert find, fleh leicht bewegen und beim Oeffnen der
Kohlentür der Fuchsfchieber .felbfttätig" nahezu gefchloffen wird, um den Durchzug fchädlicher
Mengen kalter Luft zu verhüten und um ebenfo felbfltätig durch Schließen der Tür wieder ge-
öffnet zu werden. Durch Verkürzungen und Verlängerungen am Verbindungsfeile läßt fleh der
Schieberabfchluß weniger oder mehr vollftändig bewirken. Wo man einen felbfttätigen Ver-
fchluß durch k nicht braucht oder wo man außer ihm, wie bei Dampfkcffeln, die Zugftärke
viel zu regulieren hat, bringt man einen befonderen Verfchluß, am beften eine Drehklappe,
und zwar im Schornftein an, wie bei / Fig. 1. Von dem Drehhebel / aus kann eine Zugftange m
bis nach dem Heizerftande hin geführt werden.
Der Roft könnte aus einer einfachen durchlochten Platte beliehen, wie er auch hin und
wieder ausgeführt wird, und zwar mit Löchern, die fleh nach unten erweitern. Durch das nicht
immer zu vermeidende Erhitzen derfclben zerfpringen diefe Platten aber, ziehen fleh krumm und
klaffen an den Auflagen. Deshalb wird der Roft gewöhnlich aus einer oder mehreren Reihen
gußeiferner Stäbe n (Fig. 1 und 2), „Roftftäbe" genannt, gebildet, die auf mehrere eiferne Balken o
gelegt werden.
Fig. 5 zeigt den Querfchnitt eines folchen Stabes, der fleh nach unten verjüngt, damit
der Spalt fleh erweitert und weder Schlacke noch Kohle fich feftklemmen können. Infolge einer
Knagge p an jedem Kopfende bleibt zwifchen zwei aneinander gelegten Stäben ein Zwifchen-
raum, .Roftfpalte' genannt. Fig. 5 a zeigt den Quer-
fchnitt fchmicdcciferner Stäbe, welche gewöhnlich
gruppenweife zufammengenietet find. Diefe können
leichter gehalten werden. Die Summe der Oeff-
nungen aller Spalten nennt man die .freie Roft-
fläche", gegenüber der .totalen Roftfläche", d. i. der
Gefamtfläche des Rottes. Die Roftftäbe würden bald
glühend werden und verzundern, wenn die hindurch-
ureichende kalte Luft fie nicht fortgefetzt wieder
Fig.S. F l g . S a .
abkühlte; je größer die Zugftärke, defto beffer die
Kühlung. Bei geringer Zugftärke werden fie leicht fehr heiß, ziehen
fich krumm und zundern a b ; deshalb macht man fie möglichft hoch,
damit die Wärme von oben beffer nach unten geleitet und mehr
Berührungsfläche mit der Kühlluft geboten wird. Damit bei Er-
wärmung die Stäbe fich frei dehnen können, läßt man an ihren
Enden einen Spalt frei, und gegen unwillkürliches Verfchieben
werden fie durch hakenartiges Uebergreifen der Roflbalken ge-
fichert. Schwere kräftige Koflftäbe find dauerhafter als leichte, Flg. 8.
fchmale Stäbe, weshalb man fie nicht unter 1 0 m m dick machen follte Noch beffer ifl eine
obere Dicke von 20—25 m m , wobei fie jedoch Querfchlitze erhalten muffen, damit die freie
Roftfläche nicht zu klein wird; diefe Schlitze verhüten auch fehr das Krummwerden, wenn die
Stäbe oben entlang einmal wefentlich heißer werden füllten als unten. — Auch diefe Quer-
fpalten muffen fich nach unten erweitern, und folche Rotte erhalten dann die Form der Fig. 6,
bekannt unter dem Namen .Sparrofl'. Sind bezüglich Widerftandsfähigkeit gegen Hitze große
Anforderungen an die Roftftäbe zu flellen, wie es zeitweife vorkommt, fo werden fie mit der
oberen Fläche in weißem Gußeifen hart, abgefchreckt, gegoffen, während der Schaft möglichft
weich und grau bleibt, um das Springen zu verhüten. Da folche Stäbe fich nicht mit Quer-
fchlitzen gießen laffen, nähert man fich letzteren durch Wellenform an, wie in Fig. 7, .Schlangen-
roft* genannt. Die Querfchlitze führt man — mit wenig Berechtigung — in den verfchiedenflen
Formen aus und fetzt damit die mannigfachften Mufler zufammen, wie z. B. den Polygonroll
(Fig. 8). — Mehr Berechtigung haben die Rofteinrichtungen,
die für befondere Fälle den Zweck künfllicher Kühlung
verfolgen. Steht in dem Afchenfalle unten befländig etwas
Walter, fo wirkt es durch Strahlung kühlend auf den Roft;
ferner bildet fich durch die herabfallenden glühenden
Schlacke- und Koksftticke etwas Dampf, der auch ent-
fprechend kühlend wirkt. Mehr kommt diefe Kühlung zur
Geltung, wenn möglichft nahe unter den Roft ein Waffer-
kaflen gefchoben wird. Noch wirkfamere Kühlung erzielt
man durch Einleiten von verbrauchtem Dampfe in den
Afchenfall, und noch beffere durch Wafferflaub, der an
die Roftftäbe von unten her geblafen wird. Ferner hat man die Roflftäbe felbft hohl gegoffen
und Luft durchgezogen (Caddy, Fig. 9), was wenig wirkfam ift, oder man leitet Waffer hindurch,
was wieder Waffer und Wärme koftet. Auch hat man die ganze Roftfläche als niedrigen Kaften K
ausgeführt (Fig. 10), durch welchen aus B (Kühlbottich) befländig Waffer hindurchgeleitet wird,
während die Luft durch befondere Düfen von genügend großer Anzahl hindurchtritt ( W a l t h e r
& C i e . , Kalk-Köln).

Schauöffnungen. Es ift wichtig, beim Betriebe der Feuerungen .die Kohlenfchlcht


und die Flamme während ihrer ganzen Entwicklung beobachten und beurteilen zu können. Zu
4 Feuerungsanlagen

dem Zwecke muffen Schauöffnungen s (f. Fig. 1 und 2) angebracht werden, die außen nicht
größer find als das Auge, fich nach innen aber flark erweitern, um ein großes Gefichtsfeld zu
eröffnen. Will man das Einftrömen kalter Luft durch diefe engen Oeffnungen vermeiden, fo
ftöpfelt man fie mittels eines Steinpfropfens zu. — Der Verbrennungsherd felbft ift durch eine
Oeffnung s in der Feuertür, die fonfiige Flammenentwicklung teil weife durch eine feitliche
Oeffnung Sj (Fig. 2) zu überfehen; am beflen wird letztere hinter dem Ofen, gerade in der
Richtung der Flamme angebracht, was bei der
gezeichneten Anordnung allerdings nicht möglich
ift, da der Schornftcin fich unmittelbar anfchließt;
es wird aber gewöhnlich zwifchen Ofen und
Schornftein ein zuganglicher großer Raum ge-
laffen. Im übrigen kann man auch mit Spiegel-
und Linfeninftrumenten die Sichtbarkeit von faft
jeder beliebigen Stelle aus erreichen.
G r ö ß e u n d L e i f t u n g d e s R o t t e s . Die
Leiftung einer Feuerung der Menge nach ift ab-
hängig von der Größe der Roftfläche, der Stärke
des Zuges und der Art des Brennftoffes. Unter
gewöhnlicher, guter Zugflärke verbrennen ftünd-
lich auf der Roftflächeneinheit von rund 1 qm
80 kg Koks, 100 kg fchwere Steinkohle, bis 140 kg
leicht brennbare Steinkohle (oberfchlelifche),
180 kg böhmifche Braunkohle, 3 0 0 k g erdige
Braunkohle. Im großen Durchfchnitt kann man
alfo mit jeder Kohle auf 1 qm Roftfläche ftündlich
750000 Wärmeeinheiten entwickeln. Die Länge
eines Roftes foil der Bedienung wegen 2 m nicht
überfchreiten; die von einer Feuertür aus zu be-
herrfchende Breite ift 1 m. Die Rofthöhe über
Fußboden ift am bequemften 0,7 m, nicht unter
0,6 und nicht über 0,8 m. Die Höhe des Ver-
brennungsraumes über dem Roft wählt man bei
kleinftückiger Kohle 0,4 m , bei großftiiekiger
Kohle 0,5 m. Die Feuertür macht man 0,4 m
breit, 0,3 m hoch. Die Roftftablänge bewährt
fich am bellen mit 0,5—0,8 m , die Höhe mit
9 0 - 1 1 0 mm. Die Roftfpalten dürfen bei ganz
feinftückigen Kohlen nicht weiter fein als 3 m m ;
aber auch für größtftückige empfiehlt fich nicht
mehr als 5 mm. Nur bei ftark fchlackenden und
backenden Kohlen ift bis 8 mm Spaltweite zuläffig. Die Feuerbrücke wird 120—150 mm
hoch, und die Feuerluke bei kleineren Schornfteinen '/«, bei größeren Schornfteinen bis ca. Vio
der totalen Roftfläche gemacht; fie wird möglich!! quadratifch oder kreisrund geftaltet.
Z u g f t ä r k e . Je mehr Luft in derfelben Zeit durch die Feuerung zieht (f. S c h o r n f t e i n ) ,
um fo größer ist die .Zugftärke". Um diefe zu meffen, müßte die ftündliche Luftmenge nach
Kubikmetern beftimmt werden, ein unmöglich durchführbares Verfahren. Auch die Methode,
die Gefchwindigkeit und den Einftrömungsquerfchnitt zu meffen, gibt unfichere Refultate. Sehr
einfach ift die Methode, den Druckunterfchied außerhalb und innerhalb der Feuerung zu meffen,
da hiervon die Zugftärke ebenfalls abhängt. Das bewährtefte Inftrument hierzu ift ein U-Rohr aus
Glas mit teilweifer Wafferfüllung. Der eine Schenkel wird mit dem Innern der Feuerung durch
Schlauch oder Rohr in Verbindung gebracht, während auf den andern Schenkel die äußere
Luft drückt. Infolgedeffen ftellt fich der Wafferfpiegel im erften Schenkel um fo höher über
den andern, je größer der Druckunterfchied ift, und man mißt den Abftand beider nach Milli-
. metern. Man fagt deshalb, daß die Zugftärke beifpielsweife 20 mm Wafferfäule entfpreche. Um
eine zweckmäßige Zugftärke hervorzubringen, find bei Dampfkeffelanlagen im Schornftein etwa
20—25 mm Wafferfäule erforderlich, die nach dem Verbrennungsraum hin bis auf etwa 10mm
abfallen muß. Je geringer diefer Abfall, um fo fchwächer ift die Zugftärke. Der mittels Waffer-
fäule gemeffene Druckunterfchied ift nicht die Zugftärke, alfo nicht die Luftbewegung felbft,
fondern nur die Urfache dazu; er ift daher am richtigften als .Zugkraft der Schornfteine" zu
bezeichnen. — Der .Zugwiderftand" kann mit einer Verengung des wirklich vorhandenen Zug-
kanalquerfchnitts äquivalent gedacht werden [16]. Die Zugftärke foil für die Verbrennung nicht
zu klein fein, um eine lebhafte und heiße Verbrennung zu erzielen. In wenig Fällen nur ift
eine niedere Temperatur beabfichtigt und zweckmäßig. Wenige Kohlenforten verbrennen bei
mäßigem Zuge genügend vorteilhaft. Jedes auf dem Rofte liegende glühende KohlenftUck wird
durch die umfpülende Luft nur auf der Obertlächc oxydiert, verbrannt; je mehr Luft bei größerer
Zugftärke daran vorbeifpült, um fo mehr verbrennt Kohle in der Zeiteinheit, auch werden die
entftandenen Feuergafe fchärfer fortgefpült und der nachftrömenden frifchen Luft fchnellcr Platz
gemacht. Daher die lebhaftere Verbrennung bei größerer Zugftärke. Man kann in Wirklichkeit
auf 1 qm Roftfläche ftündlich, je nach der am Fuchsfchieber oder der Effcnklappe eingeftellten
Zugftärke, 5 0 - 1 5 0 kg Steinkohle verbrennen; in erfterem Falle fpricht man von geringer, in
letzterem Falle von ftarker Anflrengung (Forcierung) des Roftes. — Verfchiedene Eigenfchaften
der Kohlenarten bei der Verbrennung find von außerordentlich großem Einfluß auf die Leb-
haftigkeit und den Effekt der Verbrennung. Die meiden Kohlenforten enthalten Harze, Teer,
Feuerungsanlagen 5

Bitumen, allgemein . Kohlen wafferfloffe' genannt. In der Hitze der Feuerung vergafen diefe,
treten aus dem Innern des Stackes heraus, zerklüften es, entzünden an der Oberflache, erhitzen
es fchneller und tragen die Olut rafch bis in das Innere hinein. Je bituminöser die Kohle, um
fo leichter entzündet fie fich und um fo fchneller verbrennt lie. Deshalb entzündet fleh waffer-
ftoffarme Kohle, Anthradt, fchwerer, Graphit noch viel fchwerer, Diamant unter gewöhnlichen
Verhaltnlffen Uberhaupt nicht. In den Braunkohlen ift der Kohlenftoff durch Waflergehalt ftark
aufgelockert; fie entzünden fich daher im allgemeinen leicht, haben fie aber wenig Bitumen-
f ehalt, fo entzünden und verbrennen de trotzdem fo langfam, daS fie manchmal für fich allein
aum zu gebrauchen find und mit Steinkohle gemlfcht werden muffen. — Die StUckigkeit der
Kohle hat einen fehr großen Einfluß, indem die Kohlenfchicht um fo dichter liegt und die
Luft um fo fchwerer hindurchlast, je klelnftücklger und feiner die Kohle ift Kopfgroße Stücke
liegen zu hohl und verbrennen ungünftig; die Luft ftreicht durch die weiten Zwifchenrflume,
ohne mit der Kohle gehörig in Berührung zu kommen. In tauft- bis herab zu nußgroßen Stücken
eignet (Ich die Kohle am beften. In der Größe von Bohnen und Linfen bietet fie der durch-
ziehenden Luft fchon Schwierigkeiten, in der Größe von Qries und feinem Sand geht die Luft
nur noch bei künftlicher Prellung hindurch. Die K u d l i c z - F e u e r u n g [1] hat feit Anfang
der neunziger Jahre dlefes Prinzip häufig verwirklicht, indem durch etwa vier Dampfdüfen mit
}e 4 mm dickem Dampfftrahl Luft in den durch eiferne Wandungen vollftändig abgedichteten
Afchenfall (Windkaften) gepreßt wird. Diefer Raum ift durch eine guBeiferne Platte mit düfen-
förmigen Löchern abgedeckt, auf der das klare, minderwertige Brennmaterial liegt, durch das die
Preßluft hindurchblätl und deffen Verbrennung erzwingt. Diefe'Feuerung hat den Nachteil,
daß fie eine nicht unbedeutende Menge Dampf verbraucht (auf 100 kg Kohle etwa 72 kg
Dampf), daß diefer Dampf auch noch kühlend auf das Feuer wirkt und heißer abzieht, als er
eingeblafen wird. — Unterwindgeblafe find fchon früher angewendet und wieder verladen
worden. Auch bei Schiffskeffeln wurden fie verfucht [2].
B e t r i e b d e r F e u e r u n g e n . Liegt auf einem Rofte eine Anzahl glühender Kohlen-
ftücke in normaler Höhe aufgefchichtet, fo werden fie alle von der hindurchftreichenden Luft
umfpült, wahrend der Sauerftoff der letzteren vollftändig in Kohlenfäure und Wafferdampf um-
gewandelt wird. Die KohlenftUcke zeigen alle, auch die ganz oben liegenden, eine hochweiße
Glut. Ebenfo ift die Flamme weiß und intenfiv leuchtend, aber undurchfichtig; fie bildet einen
vollen, unzerrlffenen, glühenden Gasftrom, der fich wogend und wallend durch die Feuerung
und den Ofen walzt, 5—10 m weit hin mit abnehmender Helligkeit fichtbar, das Kennzeichen
einer guten, effektvollen Flamme. Nach einigen Minuten indeffen find-die einzelnen Kohlen-
ftUcke auf dem Rofte kleiner, die Zwlfchenräume größer, die Schicht Im ganzen niedriger ge-
worden. Die durchziehende Luft findet nicht mehr Berührungsgelegenheit/genug, um ihren
Sauerftoff vollftändig abgeben zu können; durch die dünnere Schicht zieht-außerdem mehr
Luft ein und fie kann nur teilweife — kaum die Hälfte oder ein Drittel — verbrennen. Die
Flamme Ift nicht mehr voll, fondern zerriffen, aus einzelnen flackernden Strahlen beflehend,
das Zeichen eines fchadlichen Luftüberfchuffes Innerhalb derfelben. Die Kohlenwafferftoffe find
aus den Kohlen auch alle ausgetrieben, deren glühende Kohlenftoffpartikelchen bei der Ver-
brennung die Flamme undurchfichtig machten; letztere wird daher immer dünner, durchfichtiger
und fchwflcher leuchtend. Es befindet fich nur noch fefter Kohlenftoff, Koks, in der Ver-
brennung; da und dort züngelt wohl auch ein blaues Flammchen empor, ein Zeichen für eine
Stelle reichlich hoher Kohlenfchicht, an der fich Kohlenoxydgas bildet, das in dem in der Um-
f ebung fleh vorfindenden LuftUberfchuffe noch zu Kohlenfäure verbrennt Dann ift es hohe
eit, frifchen Brennftoff aufzuwerfen; es hatte fchon früher gefchehen follen. Mit der Schaufel
foil diefer von dem Heizer fchnell und gleichmäßig Uber die Schicht hinweg geftreut werden,
die dünneren Stellen voller, die dickeren Stellen weniger voll, fo daß zuletzt eine recht gleich-
mäßig hohe Schicht entfleht, die aber nicht die vorhergehende Glut vollftändig begraben darf,
fondern fie nur an verfchiedenen Stellen, im ganzen etwa zur Hälfte, Uberdeckt. Die Olut foil
noch an verfchiedenen Stellen Achtbar bleiben, ungeftört hindurchbrennen und den Jetzt in
großer Menge aus den frifchen Kohlen auffteigenden Gafen und Rauchen zur Entzündung Ver-
neifen. Aber diefe fteigen fo rafch und mafflg auf, daß der fchon in der Kohlenfchicht großen-
teils verbrauchte Sauerftoff der eingetretenen Luft zu ihrer Verbrennung nicht mehr hinreicht;
die rauchigen Gafe können trotz genügender Temperatur nicht zur Verbrennung kommen, fie
werden dunkelrot, zuletzt fchwarz und vollkommen undurchfichtig; dem Schornfteine entfteigen
dicke Rauchwolken, und das Feuer leidet, entgegen dem Zuftande kurz vorher, an Luftmangel,
unverbrannte Gafe ziehen ab und erzeugen Verlufte. Diefe entliehen aifo einmal durch Luft-
mangel, das andre Mal durch LuftUberfchufi; ein recht unvollkommener Zuftand, der aber oft
noch verfchllmmert wird durch Anwendung übermäßiger Zugftarke, zu weitgehende Abkühlung
vor der folgenden Befchickung und vollftandiges Begraben des kleinen Olutreiles unter der
frifchen Kohle, wodurch vollends jede Temperatur zur Entzündung befeltigt wird, zumal da
wahrend der Zeit des Aufwerfens frifchen Brennfloffes die Feuertür weit geöffnet war. Die
Befchickung foil möglichft oft (5—6 minutlich) mit jedesmal wenig Kohle (zwei Schaufeln auf
ca. 1 qm Roflfläche) erfolgen.
. S c h w i e r i g k e i t e n u n d S t ö r u n g e n im B e t r i e b e d e r F e u e r u n g e n . Außer den
foeben genannten urfachen mangelhafter Verbrennungsvorgange gibt es noch eine ganze Reihe
andrer Einflüffe, die auf eine gute Verbrennung erfchwerend und Hörend einwirken. Sie find
vielfältiger Natur, weil die ftückigen Brennfioffe außerordentlich verschiedenartige Eigenfchaften
beim Verbrennen aufweifen, denn die Mengen und Arten der Kohlenbeftandtelle und die gegen-
feltigen Verbindungsverhaltniffe wechfeln fehr ftark. Es kommen z. B. in Betracht die Mengen
und die Zufammenfetzungen des Bitumens, der fehr fchwankende Gehalt an Waller fowie die
Menge und die Art der unverbrennlichen gasförmigen Stoffe und feiten Rückfttnde (Schlacke).
6 Feuerungsanlagen

V o r - u n d N a c h t e i l e d e r P l a n r o d f e u e r u n g e n . Vorteile: 1. Die gewöhnliche,


vorftehend gefchilderte Planrodfeuerung ift die einfachfte aller exitlierenden und denkbaren
Feuerungseinrichtungen, und diefer Umftand bürgt jedenfalls dafür, daß tie durch andre Ein-
richtungen nie ganz verdrängt werden wird; 2. lie leidet der Menge nach mindettens dasfelbe
und jedenfalls mehr als die meiden andern Rodfeuerungen; 3. unter fond nicht ungündigen
Umdänden und bei fachgemäßer Behandlung läßt fich mit ihr eine hohe Ausnutzung, alfo eine
hohe Leidung der Güte nach, erzielen; 4. fie id anwendbar für fad alle Kohlenforten und tech-
nifchen Zwecke. — Nachteile: 1. Die Befchickung mit frifchem Brenndoff findet nicht regel-
mäßig, fondern nur zeitweife datt, wodurch darke Schwankungen in der Wärmeerzeugung und
Temperatur, Verlüde an brennbaren Gafen und bereits erzeugter Wärme, Entwicklungen von
Rauch, Ruß u. f.w. entdehen; 2. die Arbeit des Befchickens und Abfchlackens muß bei geöffneter
Feuertür ausgeführt werden, wodurch Unterbrechung der Verbrennung und Verlud an Wärme
entdehen; 3. die Arbeit des Befchickens und Abfchlackens id fchwierig, Für die Heizer andrengend
und für den Bclitzer mit fortwährenden Koden verknüpft; 4. die Verbrennung bedarf einer
bedändigen Beobachtung und fachgemäßen Behandlung, ihr wirtfchaftlicher Erfolg id von dem
Fleiß, der Aufmerkfamkeit, den Fähigkeiten und dem guten Willen des Heizerperfonals abhängig;
5. die Verbrennung kleiner, griefiger Kohle bietet auf dem Planrode Schwierigkeiten, indem
folche Kohle dicht und fed liegt, die Luft nicht hindurchläßt und mindedens eines verdärkten
Zuges bedarf; 6. von folcher Grieskohle fällt zuviel durch die Rodfpalten hindurch; 7. es läßt
fich vorerhitzte Verbrennungsluft nicht anwenden, weil durch diefe die Rode zerdört würden.

Flg. 11. Fig. 12.

A b ä n d e r u n g e n d e r P l a n r o d f e u e r u n g find hauptfächlich auf Befeitigung des


unter 1. genannten Nachteils gerichtet, wodurch mehr oder weniger auch gleichzeitig die übrigen
Nachteile mit fortfallen oder gemildert werden follen. Das Ideal der Roflbefchickung würde
in einem Verfahren bedehen, bei dem jedes Kohlendück einzeln, regelmäßig, eins nach dem
andern auf den Rod und zwar auf die Stelle geworfen wird, wo die Schicht am dünnden liegt,
ohne daß eine Feuertür geöffnet würde. Diefes Ideal id noch nicht verwirklicht worden; jedoch
hat man fich demfelben anzunähern gefucht und zwar durch mechanifch
wirkende Wurf- oder Schleudervorrichtungen.
Solche Einrichtungen find zuerd in England befonders für Dampf-
keffel ausgeführt von I n k e s , D u m e r y , A r n o t t , H e n d e r f o n u . f . w . ;
diefelben find alle veraltet. In neuerer Zeit werden noch hier und
dort angewendet die von P r o c t o r , gebaut von M ü n c k n e r & C o . in
Bautzen i. S. [3]. Ferner wird von L. V o j ä c e k eine folche Einrichtung,
.Whittakers Patent Stokers", geliefert. Der automatifche Rodbefchickungs-
apparat von A x e r id mit einer felbdtätigen Zerkleinerung der Kohlendücke
kombiniert, eine für viele Kohlen nützliche Einrichtung, ausgeführt durch
H. P a u c k f c h , A.-G., Landsberg a. W. Der Apparat von L e a c h , der von
der S ä c h f i f c h e n M a f c h i n e n f a b r i k in Chemnitz In Deutfchland ein-
geführt worden id, foil als Beifpiel diefer Klaffe hier befchrieben werden.
In Fig. 11—13 id derfelbe abgebildet in der Anordnung für einen Zwei-
ilammrohrkeffel. Der ganze Apparat id an der Grundplatte a montiert
(Fig. 11 und 12). Der Trichter* dient zur Aufnahme der Kohle und führt
die letztere der Speifewalze c zu, die fünf Abteilungen befitzt. Infolge der
Rotation diefer Walze fällt die Kohle regelmäßig in das Wurfradgehäufe d
und wird durch die Wurfrädere auf den Rod gefchleudert. Dabei fliegen
Flg. 13.
die Kohlendücke teilweife gegen die Prellklappe/, die infolge ihrer ttetig
veränderten Stellung eine gleichmäßige Verteilung auf der Rodfläche bewirkt.
Die Welle g wird durch einen etwa 40 mm breiten Riemen angetrieben und macht 300 - 400
minutliche Umdrehungen, wodurch der ganze Mechanismus in Bewegung gefetzt wird. Von der
Schnecke h aus wird die Bewegung nach der Speifewalze c abgeleitet durch den in Fig. 13
Feuerungsanlagen 7

abgebildeten Mechanismus, mittels deffen die Bewegung der Walzen in fo weiten Grenzen
verändert werden kann, daß die eingeführte Kohlenmenge im Verhältnis 1:10 veränderlich ift.
Die P r e l l k l a p p e / wird durch einen Exzenter u mit Stange v und Hebel w in fchwingende
Bewegung verfetzt. Um zu verhindern, daß die oft harten KohlenftUcke beim Abftreichen einer
Abteilungsfüllung der Walzen c zerquetfcht werden muffen, ift die Vorderwand s (Fig. 11) der
Walzengehäufe t federnd eingerichtet und zwar fo, daß diefelbe bei gewöhnlicher Stückgröße
einfach nachgibt; wenn aber etwa ein größeres Stück Kohle, ein Stein, ein Stück Eifen u. dergl.
>m Brennftoff enthalten ift, fo klappt die Vorderwand auf und läßt das Hindernis herausfallen.
Die Feuertüren x dienen zum Abfchlacken und Schüren fowie zum Befchicken von Hand bei
vorkommendem Stillftand der Transmiffion.
Alle diefe Einrichtungen bilden aber noch keine vollkommenen Befchickungsvorrichtungen
und die Selbfltätigkeit findet nur innerhalb enger Grenzen ftatt, denn die Mitwirkung eines
Heizers kann nicht entbehrt werden, da nicht nur die Verbrennung zu überwachen und die
mechanifche Befchickung zu regulieren ift, fondern auch dünnere und dickere Schichtftellen
auf dem Rod ausgeglichen, backende Kohlen aufgebrochen und aufgelockert werden muffen;
auch bleiben alle Uebelftände des Abfchlackens in vollem Umfange beliehen. Ein fehr fühl-
barer Mangel befteht ferner darin, daß die Einrichtung nicht für jede Stückigkeit der Kohle
geeignet ift, da durch wefentliche Verfchiedenheit in der Stückgröße die Mechanismen in Un-
ordnung kommen. Die Kohlen dürfen auch nicht naß fein. Endlich ift die Einrichtung nicht
von der Einfachheit, wie fie für Feuerungen erwünfeht ift; der gute Gang des Apparates wird
durch die flrahlende Hitze des Feuers ungünftig beeinflußt.
Aus diefen Gründen ift auf
eine allgemeine Einführung
diefer Feuerungsart nicht zu
rechnen.

Flg. 14. Fig. IS. Flg. 16.

Auch andre Methoden der Planroftbefchickung find verfucht worden. In neuerer Zeit ifl
fpeziell von der Aktiengefellfchaft D e u t f c h e B a b c o c k - & W i l c o x - D a m p f k e f f e l w e r k e
es in Oberhaufen die mechanifche Kettenroftfeuerung aufgenommen worden, nachdem Verfuche
«•cy von andrer Seite vor ca. 40 Jahren gefcheitert waren [4)7 Das Prinzip der wandernden Kohlen-
fchicht hat fich inDeutfchland nach Art der .Mechanical Stoker* von M c D o u g a 11 noch in einigen
O Ausführungen erhalten, z. B. von der S p a r f e u e r u n g s g e f e l l f c h a f t , A.-G. in Düffcldorf [4].
Die Unvollkommenheiten der mechanifchen Befchickungsvorrichtungen find Grund genug,
um andre Mittel anzuftreben, mit Hilfe welcher die Kohle regelmäßig auf den Rofl befördert
•SC wird. Es läßt fich z. B. denken, daß man auf den Rofl einen beliebig hohen Haufen Kohlen
CO
fchüttet (Fig. 14), wie M ü l l e r in Hamburg eine Feuerung eingerichtet hatte, wobei die Flamme
nicht nach oben durch die Kohlenfchicht hindurch, fondern unter ihr parallel mit dem Rofle
•-—
über diefen hinwegzieht und bei a austritt. Der dazu erforderliche Trichter T muß feuerfefl
fein, weshalb M ü l l e r denfclben aus Eifen doppelwandig machte und die Zwifchenräume mit
Waffer füllte, ihn bei Dampfkeffeln mit diefen fo zufammenbaute, daß Keffelwaffer bei b ein-, bei c
mit dem entflandenen Dampfe austrat. Sehr viel einfacher ifl die Einrichtung von W i l m s -
m a n n (Fig. 15), die fogenannte W e h r f e u e r u n g , auf demfelben Prinzip beruhend. Diefe
benötigt überhaupt weder Trichter noch Feuertür. Leider ifl eine folche Flammenführung nur
möglich bei ganz dazu geeigneten Kohlen, die großflückig find, nicht backen, nicht fchlacken u.f.w.,
und da folche Kohlen zu feiten vorkommen, fo ifl diefen Feuerungseinrichtungen nur wenig
Bedeutung beizumeffen. Hierher gehört auch die Feuerung von F r a n k e l & C o . in Leipzig-
Lindenau (Fig. 16), bei welcher der Rofl gg nicht ganz plan-, fondern etwas muldenförmig
angeordnet ift. Die Kohle wird durch E eingefüllt und liegt vorrätig in dem Räume dd, aus
dem fie, dem Abbrande entfprechend, auf den Rofl riefelt. Von diefem zieht die Flamme
durch die Räume cc ab. Diefe Einrichtung ifl für Meufelwitzer Braunkohlen in der Leipziger
Gegend vielfach eingeführt. Selbflverfländlich eignet fie fich nur für Braunkohlen.
Ein andres Mittel zur Ausbreitung des Brennfloffes über den Rofl bildet das Eigengewicht
der Kohlen, indem der Planroft fchräg gerichtet wird, damit die frifchen Kohlen fortwährend
aus einem an der höchflen Stelle angebrachten Fülltrichter felbfltätig nachfallcn, in dem Maße,
in welchem fie unten wegbrennen; fie werden Schrägroftfeuerungen, auch Schflttroft-
feuerungen genannt. Es find folche in Fig. 17 und 18 nach O t t o T h o f l in Zwickau dar-
geflellt. Die Neigung des Roftes ifl für jedes Brennmaterial durch Probieren auszuwählen;
mindeflens muß der Winkel dem Böfchungswinkel des Brennfloffes entfprechen; je mehr aber
die Kohle backt und fchlackt, um fo Heiler muß der Winkel fein. Der Rofl felbfl kann im
übrigen ebenfo geformt und geftaltet fein wie der wagcrechte Planroft. ' Unten jedoch fchließt
er nicht unmittelbar an die Wandung der Feuerung an, denn es bleibt ein Zwischenraum, der
8 Feuerungsanlagen

durch einen Planrofl (Fig. 17) oder durch einen Haufen Afche (Fig. 18) abgefchloffen wird. Die
Afche wird teilweife abgezogen, fobald tie lieh zu hoch in den Feuerraum hinein anhäuft. Dabei
entfleht der Vorteil, daß während des Abfchlackens weder die Verbrennung unterbrochen noch
kalte Luft cingelaflen wird; auch ift die Arbeit weniger mühfam.
Ein prinzipieller Nachteil liegt in dem Umflande, daß die glühende
Kohle allmählich nach unten zufammengefchoben wird und die
frifche von oben her auf dem Rofle
nachfehurrt. Letztere findet aber
durch die von ihr abgewendete
Flamme nur wenig Gelegenheit zur
Entzündung, und liebrennt deshalb
im allgemeinen zu langfam an.
Diefem Uebelflande hilft die
Ten B r i n k - F e u e r u n g ab. Diefe, in

Fig. 19 dargeflellt, ift


auch eine Schrägrofl-
fchtlttfeuerung; bei
ihr wird aber die
unten brennende
Flamme nach oben Fig. 17.
(Iber den frifchen
Brennftoff hinweggeführt (wie der Pfeil andeutet),
um ihn fchnellcr zu entzünden. Diefe Flammen-
führung ift das wefentliche Prinzip der fogenannten
.Gegenbrenner" oder .Rückbrenner" und der Vor-
zug der T e n B r in k - F e u e r u n g unter allen Schräg-
roflen. Ausführlicheres in [5], rot D i e T e n B r i n k -
Feuerung hat die mannigfachlten Abänderungen
erfahren, fo z. B. als Außenfeuerung bei Dampf-
kefleln (Fig. 20): auch wird lie von K u h n in ein vorn erweitertes Flammrohr direkt eingebaut
(Fig. 21). Auch fogenannte H a l b - T e n B r i n k - F e u e -
r u n g e n (ähnlich wie in Fig. 17), ganz in Mauerwerk
ausgeführt, find angewendet worden.
Das Prinzip der Schrägrofle hat den mechanifeh be-
fchickten Planrollen gegenüber die Vorteile großer Ein-
fachheit, der leichteren Abfchlackung, der nicht unter-
brochenen Verbrennung und der geringeren Abhängigkeit
von der Sttlckgröße des Brennfloffes voraus. Als fchwer-
wiegender Nachteil ift aber anzuführen, daß in Wirklich-
keit die Kohle nicht fo zuverläflig abwärts gleitet, wie es
erwünfeht wäre. Backende Kohlen bilden einen feflcn
Klumpen, der erfl mehr oder weniger weit ausgebrannt
fein muß, bevor er nachfinkt und die obere Kohle weiter-
glciten läßt. Dann aber
bricht er p l ö t z l i c h m

zufammen, wodurch der


ganze Rofl mit frifcher
Kohle überfcliüttet wird,
oft mehr noch, als es
beim wagerechten Plan-
rofte aus Unverfland des
Heizers gefchieht, und
F i g . 20.
es treten dann diefelben
Uebelflande wie bei diefem Rofl ein. Deshalb find die Schütt-
feuerungen nur für beflimmte Sorten, wie Braunkohlen, leichte,
nicht backende Steinkohlen mit trockener, nicht
fchmelzcnder Schlacke, geeignet. Auch klare,
griefige Kohle ift dafür nicht geeignet, weil diefe
während des Heruntergleitens durch die Spalten
fiebt und in die Afche verloren geht. Die Ge-
wölbe folchcr Feuerungen haben auch gewiffe
Nachteile; lie fchmelzen bei hoher Temperatur an
der Oberfläche, Flugafche bleibt daran haften,
diefe fchmilzt wieder, wenn fie leicht fchmelzbar
ift, und dadurch kann es vorkommen, daß der
ganze Verbrennungsraum bis auf einen nicht mehr
genügenden Reft .zuwächft". Ferner wirkt die 'TmtmJMmSEmS®®
flrahlende Glut der Gewölbe ungünflig auf die H g . 21.
Feuerungsanlagen 9

Schlacke ein, indem fie diefelbe zum Schmelzen bringt. Endlich find die Gewölbe häufigen
Reparaturen unterworfen. Ein läfliger Umftand aller Schrägrofte liegt ferner in der ftarken
Abnutzung der Eifentcile, da diefe unten in der glühenden Afchc, oben in der Nähe der heißeften
Flamme liegen. Deshalb läßt man lie unter Umfländcn in Waffer tauchen.

Flg. 22.

Eine befondere Art der Schrägroflfeuerungcn ift die Cario-Feuerung (Fig. 22) mit feit-
licher Neigung und zwangsweifem Nachfchub der Kohlenfchicht [17]. Dieter Nachfchub wird
dadurch bewirkt, daß die frifchen Kohlen mittels einer muldenartigen Schaufel A eingefchoben
werden, wobei letztere die ausgebrannte Kohlenfchicht durchfehneidet und fie nach beiden

Fig. 25. Flg. 24.

Seiten abwärts zufammenfehiebt. In die erzeugte


Furche werden die frifchen Kohlen gefchüttet,
wodurch fie weniger flürmifch vergafen. Die zwei-
feitig pendelnde Tür B öffnet und fchlicßt beim
Einfchieben und Ausziehen der Mulde ganz fclbft-
tätig, fo daß lie entweder gefchloffen ift oder
durch die Kohlenmulde ausgefüllt wird. Durch die
Türen D wird abgefchlackt.
Um das felbfttätige Nachfallen der Kohle
möglichft ficher und fclbfttätig zu erreichen, hat
man die Rotte nicht nur fehr (teil,
fondern fogar vertikal gerichtet,
d. h. man hat die Kohle zwifchen
zwei fenkrechte, nahezu parallele
Rofte gebracht (D o n n el e y-
F e u e r u n g , Fig. 23). Die frifche
Verbrennungsluft zieht durch den
einen Roft hinein, durch den
andern Roft zieht die Flamme
hinaus. Damit letzterer nicht ver-
brennt, muß er aus mit Waffer
gekühlten Röhren beliehen; er ift
alfo nur für Waffer- oder Dampf-
F , g
keffel anwendbar, mit denen er fo '
verbunden wird, daß das Waffer unten in die Röhren ein-, oben heraustritt. Trotzdem find
diefe Röhren meift einer darken Abnutzung ausgefetzt. Backende Kohle eignet fich für diefe
Feuerung gar nicht, da fie zum Auflockern fehr fchwer zugänglich Ift Deshalb hat man diefen
Röhrenroft auch wagerecht, mit dem Röhrenroft nach unten, angeordnet, wodurch der gewöhn-
liche Roft ganz in Wegfall kommen kann und die Kohlenfchicht befländig frei und offen vor
Augen liegt. Aber hier zirkuliert das Waffer noch weniger als vorher, die Röhren verbrennen
leichter und werden feitens des Heizers mehr befchädigt. Bei beiden zuletztgenannten Roftlagen
aber tritt auch noch der Nachteil auf, daß die Flamme vom frifchen Brennfloff abgewendet ift.
Treppenrofte find von den Schrägroftcn trotz der äußeren Achnlichkeit prinzipiell wohl
zu unterfcheiden. Es handelt fich hier nicht um einen geneigten Planroft mit Längsfläben,
fondern um eine Reihe von qucrliegcnden Stäben, flufcnartig angeordnet wie in Fig. 24. Sie
können gefchlitzt (Fig. 25) oder auch glatt fein. Gemeinfam mit den Schrägroften haben lie
den Charakter der Schüttfeuerungen. Zweck der Treppenrofte ift, horizontal gerichtete Spalten
zu bilden, bei denen auch die klarfle Kohle nicht hindurchfallen kann (Fig. 24). Diefe An-
ordnung hat aber auch noch den großen Vorteil gegenüber den Schrägroftcn, daß die glühende
10 Feuerungsanlagen

Kohle nicht darauf heruntergleiten und oben einen kalten Roft zurücklalTen kann, fondern es
bleibt auf jeder Stufe ftets ein Teil der Glut liegen, der für fchnelle Entzündung der nach-
fallenden frifchen Kohle forgt. Diefe Rofte find daher befonders gut für griefige, kleine Kohle
geeignet. Leider hat die Einrichtung den wefentlichen Nachteil, daß zwifchen den Stäben
brennende Kohle liegt (Fig. 24) und daß die Stäbe in der Glut flecken faft wie in einem
Schmiedefeuer, wodurch fie dem
Verbrennen fehr flark ausgefetzt
find. Der Treppenroft ift deshalb
nur für ganz minderwertige Kohle,
z. B. erdige Braunkohle mit hohem
WafTergehalt, geeignet. Bei Stein-
kohlen , fogar fchon bei böhmi-
fchen Braunkohlen, verbrennt der
Rofl in kurzer Zeit. So wichtig
daher der Treppenroft für minder-
wertige Kohle ift, fo wenig befitzt
er allgemeine Anwendungsfähig-
keit. Fig. 26 ftellt eine vollftändige
Treppcnroftfeuerung dar, die nur
weniger Erklärungen bedarf. In
den Trichter T werden die frifchen
Kohlen vorrätig geworfen, aus
dem fie, der einftellbaren Weite«A
entfprcchend, in paffender Schicht-
dicke über die abbrennende
Kohlenfchicht fall beftändig hin-
wegriefeln. Die Neigung des
Roftes ift abhängig von verfchie-
denen Umftänden, zunächft vom
Böfchungswinkel der Kohle, der
nahezu 38° beträgt. Damit aber
die Kohlenfchicht oben höher liege
als unten, weil fie oben weniger verbrennen als vergafen foil, fo legt man den Roft flacher,
und zwar bewährt fich am bellen eine Neigung von 28—32°. Um diefe Lage herum fchwankt
aber die richtigfte Neigung noch je nach verfchiedenen Nebenumftänden, wie Trockenheitsgrad
der Kohle, Feinheit des Kornes, Schlackengehalt, Zugftärke u. dergl.; fie wird deshalb auch ein-
ftellbar eingerichtet an dem Auflager d. Am
Fuße der Treppe A liegen zwei Schieber B
und C, der obere B ift roftartig durchbrochen,
der andre ift voll. Hat fich auf B ein Haufen
Schlacke angefammelt, fo wird der Schieber
gezogen; die Schlacke fällt auf C, ohne daß
für die Kohlenfchicht die untere Stütze ver-
loren geht. Nachdem B wieder gefchloffen
ift, wird auch C entleert. Eine richtig funktio-
nierende Treppenroftanlage muß bis auf das
Anfüllen des Trichters, das oft auch durch
Transportvorrichtungen mechanifch erfolgt,
und das Abfchlacken felbfttätig gefchehen; vor
allem muß die Kohle felbfttätig und regel-
mäßig nachfallen. Gefchieht das nicht und
ift ein Nachfchüren durch den Heizer er-
forderlich, was gewöhnlich mit einer Stange
durch den Zwifchenraum D hindurch ge-
fchieht, fo ift der Effekt mangelhaft. Sonder-
flg 27 konftruktionen wie die von S c h u l z e in
Halle, V ö l k e r in Bernburg, C . R e i c h in
Hannover, J . A . T o p f & S ö h n e in Erfurt bieten prinzipiell nichts Neues. Vorgefchlagen hat
man dagegen Treppenrofte mit fcitlicher Neigung (D.R.P. Nr. 32833), die manche Vorteile ver-
fprechen, da das Feuer überfichtlicher und der Roft beim Abfchlacken zugänglicher ift. —
In Süddeutfchland kommt der .Münchner Stufenroft" vorzugsweife zur Anwendung (Fig. 27)
und zwar für die oberbayrifche Kleinkohle. Diefelben vertragen höhere Temperatur, indem die
Stufen nicht horizontal, fondern geneigt find und die fonft glühende Afche unter dem Rolle
durch Waffer immer kaltgehalten wird.
II. F e u e r u n g e n für f t a u b f ö r m i g e Brennftoffe.
Es ift hier zunächft der Unterfchied zwifchen Staubkohle und Kohlenftaub klarzuftellcn,
da im Kohlenbergbau der Ausdruck .Staubkohle" für das bei der Kohlengewinnung und beim
Umladen durch Rütteln und Werfen der Kohlen entftehende ftaubartige Kohlenklein gebräuchlich
ift, ein Produkt, das auf dem Rofte kaum, höchftens mit verftärktem Zuge ( K u d l i c z - F e u e r u n g ) ,
brennbar ift, während .Kohlenftaub" nur durch Mahlen künltlich erzeugt wird und den feinden
Puder darfteilt, der durch ein Sieb mit 900 Mafchen auf 1 qcm ohne Rückftand geht und auf
Rollen überhaupt unverbrennltch ift. Dagegen verbrennt er momentan, wenn er in einem
Feuerungsanlagen 11

glühenden Verbrennungsraum und in der Luft fchwebend


lieh befindet. Demnach befleht eine Feuerung für Kohlen-
ftaub aus nichts weiter als aus einem Verbrennungsraum
mit glühenden Wandungen und einem Apparate vor dem-
felben, der den Kohlenftaub hineinftreut, die dazu erforder-
liche Verbrennungsluft eintreten läßt und eine möglichfl
innige Mifchung beider befördert. Der Schornfleinzug forgt
für beftändige Abführung der entflehenden Feuergafe und
Nachfaugung frifcher Verbrennungsluft. Ein Roft ift dem-
nach nicht erforderlich, und diefe Art gehört deshalb zu den
„rofllofen Feuerungsanlagen*. In Fig. 28 ift eine folche An-
lage nach Rieh. S c h w a r t z k o p f f in Berlin gezeichnet. V ift der von
n dem glühenden Mauerwerk q umgebene Verbrennungsraum, der z. B.
in dem Flammrohr p eines Dampfkeffels angeordnet ift. a ill ein Füll-
trichter mit dem Kohlenvorrat, der unten durch ein federndes Blech c
abgefchloflen wird; d ift eine federnde Rückwand des Fülltrichters,
die durch ein flarres Blech e von dem Kohlendruck entladet id. Unter
dem Trichter liegt eine rotierende, walzenförmige Drahtbürde / , in
der ein fogenannter Hammer g befedigt id. Bei jeder der etwa
800 minutlichen Umdrehungen der Bürde drückt der Hammer g gegen
den Bügel h des Bleches d und öffnet dadurch den Trichter unter
Rütteln; es fällt ein Quantum Kohle auf die Bürde, die es in Form
eines bedändigen Strahles k in den Verbrennungsraum fchleudert.
Die Verbrennungsluft zieht wie der Pfeil n ein; außerdem tritt kalte
Luft in der Richtung der Pfeile c, l, m ein und kühlt gleichzeitig die Bürde und die übrigen
Eifenteile. An der Schraube b wird das federnde Blech c mehr oder weniger zurückgebogen,
w o d u r c h die Trichteröffnung nach Bedarf mehr oder w e n i g e r erweitert und die KohlenzuTuhr
dem Bedarf angepaßt wird. Die erforderliche Luftmenge wird zum Teil an dem Regider o,
genauer aber an dem Schorndeinfchieber eingedellt. Zur ficheren Entzündung id das Vorhanden-
fein einer Schamotteauskleidung q des Verbrennungsraumes erforderlich, die fleh immer in
hoher Glut befinden muß.
Vorausfetzung der Kohlendaubfeuerung id das Vorhandenfein von Kohlendaub, der vor-
läufig im Handel noch nicht vorkommt und deshalb an der Verbrauchsdelle erzeugt werden
muß. Aber die Schwierigkeiten, hohen Koden und Umdändlichkeiten der Kohlenmüllerei haben
die Kohlendaubfeuerungen nicht aufkommen laden, und die Ausfichten auf Ueberwindung diefer
Schwierigkeiten find gering. An fich id die Kohlendaubfeuerung eine für Kohlen ideale Ein-
richtung. Ihre befonderen Vorzüge find: 1. Wegfall des Rodes und aller damit zufamtnen-
hängenden Schwierigkeiten, wie Abfchlacken, Verfchlacken, Backen der Kohlen, Schüren der-
felben, Befchickung von Hand, offene Feuertüren, Schwankungen im Luftüberfchuß und Luftmangel;
2. die Regulierung der Verbrennung auf Menge fowohl wie auf Güte läßt fich fehr leicht er-
zielen, und mit Sicherheit id eine Verbrennung dauernd aufrecht zu erhalten, die der theoretifchen
fehr nahe kommt; 3 . die Verbrennung id mit Sicherheit und ohne jeden Nachteil volldändig
rauchfrei zu führen; 4. volle Verwertbarkeit jeder beliebigen, kleinen, griefigen, abfallenden und
geringwertigen Kohle, die fchon bis zu 4 0 % Afchegehalt mit Vorteil verwendet worden ift.
III. F e u e r u n g e n für f l ü f f i g e Brennftoffe.
Diefe Feuerungsart befitzt wegen des befchränkten Vorkommens flüffiger Brenndoffe keine
allgemeine, für befondere Fälle jedoch eine hervorragende Bedeutung. In den Gegenden des
Vorkommens von Erdölen werden fie vielfach in indudriellen Feuerungen verbrannt, und in
neuerer Zeit find auch Kriegsfchiffe vielfach damit ausgerodet. — Es handelt fich heutzutage
meift um die Verbrennung von Abfall-
ölen, Teerrückdänden u.f. w. Technifch
hat eine Oelfeuerungsanlage die größte
Aehnlichkeit mit einer folchen für Kohlen-
daub. Wie diefe bedeht auch jene aus
demfelben gemauerten, glühenden Ver-
brennungsraum, vor dem lieh ein Apparat
befindet, der das Oel fein zerftäubt und,
mit der erforderlichen Verbrennungsluft
gemifcht, in den Verbrennungsraum ein-
führt, wo e s fich fofort zu einer hellen,
weißglühenden Flamme entzündet. Die
früheren Verbrennungsmethoden, das
Oel in eine Schale zu gießen und Luft
darauf zu leiten (Schalenfeuerung, Fig. 29)
oder es im Verbrennungsraum herunter-
tropfend zu entzünden (Tropffeuerung)
oder es vorher zu vergafen, fei es in
größerem Vorrat oder laufend unmittelbar
vor der Verbrennung, find alle ver-
altet. Ein Flüfligkeitszerftäuber ill unter
dem Namen „Refraichifleur" allgemein
bekannt. Durch ein Rohr a (Fig. 30)
12 Feuerungsanlagen

wird das betreffende Oel, durch Rohr b Dampf unter Druck zugeführt. Bei c zerbläfl der Dampf-
ftrahl den austretenden Flüfligkeitsftrahl zu Staub; durch die umgebende Oeffnung in der
Feuertür A wird gleichzeitig die Verbrennungsluft angefaugt, die fleh mit dem Oelflaub ver-
mifcht und in dem glühenden Raum V entzündet. Die Tür A fowohl wie die Rohre a und b
gehen zum Zweck des Oeffnens in einem Scharnier d. Der Dampfflrahl hat den Nachteil, daß
er Dampf verbraucht, daß der Dampf das Feuer kühlt und daß
diefer zu feiner Ueberhitzung Wärmcverlufle erzeugt. Man hat des-
halb den Dampf durch Luft erfetzt, die gleichzeitig zur Verbrennung
dient; aber da diefe Luft vorher durch KomprefToren zufammen-
gepreßt werden muß, fo wird die Anlage umftändlich und die Luft-
ftrahlerzeugung teuer. Beide Methoden befitzen noch den Nachteil
eines unangenehmen Geräufches. Die vollkommenfte Einrichtung
ift deshalb die von T e n t e 1 e w , bei welcher der Strahl rotierend aus
einer Düfe tritt und durch Schleuderkraft fich felbft zerftäubt (Zentri-
Fig. 30. fugalzerftäuber). In Fig. 31 ift diefe Düfe, aus Stahl beliebend, im
Durchfchnitt dargeflellt (Bezugsquellen: G e b r . K ö r t i n g in Han-
nover, S c h a f fer & B u d e n b e r g in Magdeburg). Die Oeffnungen find if 1, 1,5 und 2 mm weit
(l

je nach der beabfichtigten Leiftung. Das Petroleum muß auf 40° erwärmt, filtriert und darauf
wiederholt auf 70—80" erwärmt werden, damit es, durch Pumpen unter einen Druck von
3—6 Atmofphären gebracht, ausfpritzend zerftäubt. Eine Düfe von 1 mm Oeffnung liefert
ftündlich 0,2 kg zerftäubtes Petroleum. Für dick- und zähflüffige Oele, Mafut, Teer u. dergl. ift,

Fig. 31 a.

wenn fie durch Erwärmung nicht genügend dünnflüffig werden, der Zerftätiber nach Fig. 30
erlorderlich. Fig. 31 a zeigt die Armierung einer folchen Düfe, behufs leichter Zugänglichmachung
im Betrieb. Darin ift ü das Zerftäubergehäufe, V der Verfchlußdeckel, 5 die Verfchlußfchraube,
B der Verfchlußbügel, A der Halter für das Zerftäubergehäufe und O die Oclzuführung. Fig. 31 b
zeigt die Anbringung einer folchen Zerftäubereinrichtung an einer Feuerung, wo Z der Zerftäuber,
R der Ringfchieber für die Luftregulierung, L die Lufteintrittsöffnungen und B die fogenannte
Feuerbrücke find. Letztere befleht aus Schamotte und zieht fich nahe an die Spitze des Strahlen-
kegels heran, damit das Schamottefutter weniger weit in das Rohr hinein verlängert werden
muß, wo es der Abnutzung Itärkcr ausgefetzt fein würde. —. Das Anfeuern gefchieht durch
Schalenfeuerung. Diefe Art der Oelgasfeuerungen hat fich am bellen bewährt. Eine andre Art
belleht noch darin, das Oel durch ein Syflem von Röhren zu leiten, das im Feuer liegt, fo daß
es in Dampfform ins Feuer tritt und mit Luft gut gemifcht werden kann. Indeffcn fetzen fich
in den Verdampfern Rückflände, Oelkoks u. dergl. an, die den Betrieb fehr ftören.
IV. F e u e r u n g e n für g a s f ö r m i g e Brennftoffe.
Wir nehmen zunächft das brennbare Gas hier im Sinne des Brennftoffes als vorhanden
und gegeben a n , entweder als natürlich vorkommendes oder als künftlich dargeflelltes. Die
Einrichtung zur Verbrennung desfelben belleht aus nichts weiter als aus dem mehrfach erwähnten
Verbrennungsraum V (Fig. 32), in den das Gas durch den Kanal g und die Verbrennungsluft
durch den Kanal / eintritt, fo daß fie fich erft während des Eintrittes in den Verbrennungsraum
mifchen und keine Explofion herbeiführen können. Um die Mifchung zu befördern, wird das
leichtere Gas immer unterhalb, der fchwerere Luftflrom oberhalb eingeführt. Aus diefem Grunde
find auch die Kanäle / und g niedrig und dafür breit geftaltet. Hierdurch entlieht eine all-
mähliche Mifchung und Verbrennung, deshalb eine lange Flamme, die fich über eine große
Ofenfläche hin verbreitet Soll fie kürzer werden, dann führt man die beiden Kanäle unter
einem Winkel zufammen, fo daß die beiden Ströme fich durchfehneiden, fchneller mifchen und
eine kürzere Flamme geben, die um fo kürzer wird, je flumpfer der Winkel zwifchen beiden
Kanälen ift. Die intenlivfte und fchnellfte Mifchung wird dadurch erzielt, daß die Luft durch
einen fenkrechten Kanal / (Fig. 33) von oben herab, das Gas durch einen fenkrechten Kanal g
von unten herauf zugeführt wird, wodurch beide direkt gegeneinander flößen, fich fcharf durch-
dringen und innigfl mifchen. Soll eine Gasfeuerung auf DampfkcfTcI angewendet werden, fo
darf der Verbrennungsraum V nicht durch die verhältnismäßig kalten Keffelwandungcn gebildet
Feuerungsanlagen 13
werden; er ift vielmehr aus demfelben Grunde, der bei Kohlenftaubfeuerungen erörtert worden
ift, und ebenfo, wie in Fig. 30 gezeichnet, mit Mauerwerk auszukleiden. Der Zweck der Gas-
feuerungen ift zunachft, die in der Natur oder als Nebenprodukt (z. B. bei Hochöfen) vorkommenden
Oafe nutzbringend zu verwerten. Die Vorteile derfelben find dlefelben wie die der Kohlenftaub-
feuerungen in erhöhtem Grade, und die Gasfeuerungen muffen als die vollkommensten aller
Feuerungsarten bezeichnet werden.— Als Nachtelle und nur aufzuführen: 1. die größereMög-
lichkeit von Gasexplofionen, fobald durch fehlerhafte Bedienung explofible Gasgemifche fleh im
Ofen anfammeln und nachtraglich entzünden; 2. das feltene Vorkommen von brennbaren Gafen
und die Notwendigkeit der künftlichen Herftellung des Gafes.
Methoden der künftlichen Gaserzeugung gibt es verfchiedene: A. Die trockene Deftillation,
wie fie zum Zweck der Leuchtgasbereitung erfolgt. B. Verdampfung von Oelen. C. Generator-
gasbereitung. D. Waffergasbereitung. Methode A und B f. unter Gasfabrik und L e u c h t g a s .

Pfg-.S3. Plf. 33,


Generatoren find Feuerungsanlagen, bei denen die Verbrennung unter Luftmangel ftatt-
findet, fo, daß die entftehenden Gafe noch brennbar find, fobald ihnen unter Erhitzung Luft
zugemifcht wird. — In Fig. 34 ift ein folcher Generator in feiner natürlichften Form abgebildet
R Ift der Kofi, auf dem die zu vergafende Kohle liegt. Bei gewöhnlicher Verbrennung würde
die Kohle nur die Schichthöhe A erhalten, wahrend fie im Generator die Höhe H hat, etwa
1 m hoch und eventuell noch höher. Unmittelbar über dem Rofte innerhalb der Schichthöhe h
findet im Generator auch eine gewöhnliche Verbrennung zu CO, ftatt. Indem diefe Kohlen-
fäure aber emporfteigt und die darüber liegende, hohe, glühende Kohlenfchicht paffiert, ver-
bindet fich ein Teil des O der CO* mit Kohlenftoff zu CO (Kohlenoxydgas) und die CO* wird
auch In CO umgewandelt; fo entftehen 2 Teile CO neben dem Stickftoff der eingetretenen
Verbrennungsluft, und diefe Gafe zufammen heißen .Oeneratorgafe*. Sie find brennbar und
dienen den Oasfeuerungen als Brennftoff, wobei fich CO wieder mit O zu CO»
verbindet und von neuem VerbrennungswBrme erzeugt wird, allerdings nur
ein Bruchteil von der Warme, die bei dem direkt zu CO» verbrennenden C
entfteht; aber der andre Bruchteil ift bei der Verbrennung von C zu CO
entstanden, welches letztere Gas diefe Warme größtenteils mit in die Gas-
feuerung hinüberführen und dort zur Geltung bringen kann. Die Zufammen-
fetzung der Oeneratorgafe, aus Koks erzeugt, ift nach E d e l m a n n durch-
fchnlttiich CO = 34, # = 0 , 1 , CO*== 1,9, 7V"= 64 Gewichtsprozente; 1 kg
.desfelben entwickelt beim Verbrennen 860 W.E. und eine maßige Temperatur
von ca. 800°. Solche Gafe find zuerft von S i e m e n s in die Induftrie ein-
geführt worden, man nennt fie daher S i e m e n s - oder O e n e r a t o r g a f e . Der
Vorgang im Generator ift nach Vorflehendem fehr einfacher Art; weniger ein-
fach ifl aber der praktifche Betrieb des Generators. Zunachft darf keine
Außenluft in den Generator eintreten; die Befchickung erfolgt deshalb von
oben durch den Trichter, der oberhalb mit einem Deckel d in Sanddichtung,
unten durch eine Klappe k verfchließbar eingerichtet ift Der frifche
Brennftoff wird zuerft in den unten durch k gefchloffenen Trichter ge-
bracht, der darauf mittels des oberen Deckels a gefchloffen wird; dann
wird durch Oeffnen von k der Trichterinhalt in den Generatorraum geftürzt Flg. 34.
Auch die Mauerung muß dicht und forgfaitlg hergeftellt fein; der vorficht wegen foil aber im
Generator etwas höherer Druck als außen herrfchen; die Verbrennungsluft muß alfo mechanlfch
eingeblafen werden, was auch fchon der hohen Kohlenfchicht wegen erforderlich Ift, eine wenig
angenehme Zugabe. Sehr wählerifch muß man zu Werke gehen bei Anwendung der Kohlen;
fie dürfen nicht backen, weil fonft das fUrkfte Gebiafe die Luft nicht hindurchzudrucken vermag,
eventuell muffen de durch Beimifchen von Koks locker gehalten werden. Aus demfelben
Grunde darf die Kohle nur möglichft wenig fchlacken. Die Entfernung der Schlacke vom Rofte
aber bereitet große Schwierigkeiten. Um diefe beffer zu überwinden, hat Siemens einen Schrag-
roft (Fig. 35) angewendet, bei dem die Schlacke durch den Zwlfchenraum o abgezogen werden
kann. Soll ganz kleinftückiger Brennftoff, erdige Braunkohle, Sägefpäne, Kohlengries u. dergl.
vergalt werden, in deren Verwendung ein Hauptvorteil der Gasfeuerung liegt da das Gas aus
diefen Stoffen denfelben Wert erhalt wie aus beften Steinkohlen, fo wendet man einen Treppen-
roft für den Generator ebenfowohl an wie für die direkte Verbrennung. Indeffen ift die ge-
wölbte, fchiefe Ebene E nicht erforderlich und die neueren Einrichtungen der Schachtgeneratoren
von B l e z l n g e r verdienen den Vorzug. Hierbei fallt die Schlacke zwifchen zwei gegeneinander
14 Feuerungsanlagen

Hegenden Schr&groften heraus und halt (wie bei der T e n Brink-Feuerung) die Oeffnung ge-
fchloffen, indem fie fich in einem Haufen unter den Rotten anfammelt. Auch in Form rotierender
Zylinder find Generatoren von Blezlnger in neuerer Zeit ausgeführt worden [9]. Bei allen
Generatoren ift eine forgfältigeUeberwacnung des Prozeffes erforderlich, damit nicht unverbrannter
Sauerftoff oder nicht reduzierte Kohlenfäure in erheblichen Mengen mit in die Gafe gelangen
und daß die Verbrennung immer in dem Maße des Bedarfes vor fich gehl Befonders t>ei
etwas fchlackender oder backender Kohle ift das Schüren und rechtzeitige, wenig Hörende
Abfchlacken des Generators eine wichtige und fchwierige, gutes Urteil und Sorgfalt erneifchende
Arbelt. Eine einzige Ungefchlckllchkeit bringt oft große Störung in der Gasentwicklung hervor
und es bedarf mitunter mehrerer Stunden angelangter Nachhilfe, um wieder einen regelmäßigen
Qang zu erzielen. Ein großer Uebelftand des Generatorbetriebes liegt auch in dem Umftande,
daß er nur für kontinuierlichen Betrieb geeignet ift Unterbrechungen wahrend der Nacht find
unmöglich, well die In- und Außergangfetzung viel zu viel Zeit (6—10 Stunden) beanfprucht
Waffergasbereltung. Wird Wafferdampf durch eine mindeftens meterhohe, weißglühende
Kohlenfchicht, am beften von oben nach unten, hindurchgeleitet, fo verbindet fich der Sauerftoff
des Waffers mit Kohlenftoff zu CO und der Wafferftoff wird frei (C 4- H O = CO + H»). Es
t

entfteht demnach theoretifch ein Gemifch von 50 Volumprozenten Kohlenoxydgas und eben-
fovlel Waflerfioffgas, ein vorzüglich reines und brennbares Gasgemifch. Dem Gewicht nach befteht
es aus CO = 93»/ %, H = 6«/» %. Praktlfch ift das Gas in diefer vollkommenen Reinheit nicht her-
8

ftellbar, fondern es befteht bei gutem Gange des Entwicklers aus 50% H, 43% CO, 4 «/«CO»
und 3 o/o N. Der durchftrömende Dampf kühlt die Glut allmählich ab, wodurch der CO*-Gehalt
allmählich größer, CO dagegen geringer wird und gleichzeitig auch mit ausftrömt, bis weiterhin
neben Dampf nur noch CO», dann, auch diefes abnehmend, überhitzter Dampf allein austritt
Bevor deshalb das erzeugte Gas das zuläffige Maximum von CO» erreicht hat, wird noch der
Dampf abgeftellt und ftatt deffen von unten nach oben Luft hindurchgeblafen, wodurch die
Kohlenfäule wieder in Brand und zur Weißglut kommt und die Dampfdurchftrömung-wieder
eingeleitet werden kann. Während der Luftdurchftrömung arbeitet die Anlage wie ein Generator
und es entfteht deshalb das dort gefchilderte Siemensgas, das für fich verwendet wird, ent-
weder zur Vorüberhitzung des zu zerfetzenden Dampfes, der dann weniger kühlend, alfo
fparfamer auf die Kohlenglut einwirkt, oder für andre Zwecke (Dampfkeffelheizung u. dergl.).
Mit 1 kg weftfälifcher Steinkohle erhält man rund 1 cbm Waffergas, und ein Apparat liefert
ftündlich etwa 240 cbm Gas. Die gefamten Nebenkosten werden für 1 cbm Gas zu 0,25 bis 1 <k
angegeben. . Näheres Über die Einrichtung zur Erzeugung von Waffergas in [10]. Als Vorteile
des Waffergafes werden angeführt: Rußfreies Verbrennen bei hoher Temperatur, Reinheit der
Verbrennungsprodukte von fchwefliger Säure, gleichzeitige Verwendung des Gafes zu Helz-
und Leuchtzwecken aus einer Leitung, ruhiges, angenehmes Licht bei Anwendung glühender
Magnefiaftäbe und Billigkeit des Gafes. — Als Nachteil gilt feine Giftigkeit, gepaart mit Geruch-
lofigkeit, wegen des hohen Oehaltes an CO, gegenüber Leuchtgas mit ca. 8% CO. Durch die
erforderlichen Perioden beim HerftellungsprozeS und die dazu bedingten Umfchaltvorrichtungen
fowie die erforderliche Sorgfalt bei dem Betriebe ftellt fich die Anlage und der Betrieb noch
nicht fo billig und einfach, wie es erwünfcht wäre. In den Fällen, bei denen es weniger auf
ein von unbrennbaren Qafen reines Waffergas ankommt, wie zum Betriebe von Oasmotoren,
wird die Anlage und Erzeugung desfelben wefentllch vereinfacht dadurch, daß man Dampf und
Luft gleichzeitig gemifcht durch die Kohlenfäule bläft, damit durch Verbrennung der Luft fort-
während die Wärme erzeugt wird, die der Dampf zu feiner Zerfetzung verbraucht, fo daß die
Kohlen immer In Weißglut verharren (vgl. K r a f t g a s und [11]). Allerdings ift dem fo produ-
zierten Waffergafe (Dowfongafe, Kraftgafe) dann aller Stickftoff aus der Verbrennungsluft und ein
Quantuni CO» beigemifcht, das beides mit in Kauf genommen werden muß, wofür aber der
Betrieb ohne Jede Unterbrechung dauernd glatt von Hatten geht. Sauggas ift dasfelbe wie
Dowfongas, bei dem die Verbrennungsluft aber nicht durch den Kohlenvorrat hindurchgeblafen,
fondern gefaugt wird, und zwar durch den damit zu betreibenden Gasmotor felbft
Regeneratoren find Einrichtungen, die den Zweck haben, das Verbrennungsgas und die
Verbrennungsluft vor der Verbrennung zu erhitzen, um dadurch die Verbrennungstemperatur
zu Reigern, wenn höhere Temperaturen erforderlich find, als ohne die Vorerhitzung entliehen,
z. B. zum Schmelzen von Eifen und Stahl, Glasmaffe u. f. w. Die Wärme zum Vorerhitzen wird
den aus dem Ofen abgehenden Feuergafen entzogen, die in diefen Fällen gewöhnlich noch
eine fehr hohe, nahezu die Verbrennungstemperatur haben. Die Regeneratoren find zuerft von
H o w a r d angewendet, von S i e m e n s aber umgebildet und in die Praxis eingeführt worden;
rig. 36 und 37 zeigen die Einrichtung derfelben im Auf- und Grundriß. — Ist V ein Schmelz-
ofen jfz. B. für Glasmaffe), in dem auch die Verbrennung ftattfindet, fo treten bei L und G Luft
und Gas ein (wie bei Fig. 32 fchon befchrieben), ziehen in der Richtung der Pfeile verbrennend
durch den Ofen und ftrömen durch Li Q\ wieder aus, durch die mit Zlegelfteinen ausgefetzten
Kammern I und II. Hier geben fie ihre Wärme an die Steine mehr oder weniger vollftändig
ab, indem diefe bis zur lebhaften Glut erhitzt werden; die Gafe ziehen dann weiter in der
Richtung der Pfeile I und II (Fig. 36) durch den Fuchs nach dem Schornfteine. Das aus dem
Generator kommende Qas aber zieht in der Richtung der Pfeile III durch die Kammer III empor
nach der Brenneröffnung Q (Fig. 36), während die frifche Verbrennungsluft in der Richtung
der Pfeile IV durch die Kammer IV empor nach der Brenneröffnung L (Fig. 36) ftrömt. Beide
nehmen, fich erhitzend, die in den Kammern III und IV aufgefpeicnerte Wärme auf, wodurch
erftere fich allmählich abkühlen, während I und II erhitzt werden. Hat die Abkühlung in III
und IV einen gewiffen Grad erreicht, fo werden die Klappen *i und k» in die punktierten
Stellungen gebracht und das Kammernpaar I und II vertaufcht feine Rolle mit dem Kammern-
paar III und IV; erftere dienen zum Erhitzen der Brenngafe und Luft, während III und IV die
Feuerungsanlagen 15

Abhitze zurückhalten und auffpcichern. — Auf diefe Weife läßt fich faft jeder beliebige Grad
von Verbrennungstemperatur erzielen, man nimmt an bis 3000" C. Die Grenze wird mehr durch
die unvollkommene Widerflandsfähigkeit der Baufteine gegen Hitze als durch die erreichbare
femperaturfleigerung fixiert. Am mciften leiden die Klappen k und k von der Hitze, die
{ t

beffer durch Glockenventilverfchlüffe mit Sand- oder Wafferdichtung erfctzt werden. Die Abhitze
kann jedoch nur mangelhaft ausgenutzt werden, indem die Steine der Kammern nur einen
gewiffcn Teilbetrag der Abgangstemperaturen annehmen können, und diefe kann auch nur
angenähert bis auf denfelben Teilbetrag herab erfchöpft werden; die übrige Wärme geht in den
Schornflein verloren. Ferner fchwanken durch die wechfelnden Perioden der Vorerhitzung die
Verbrennungstemperaturen und damit der erziclbare technifche Wärmeeffekt fehr ftark, was für
die erzeugten technologifchen Produkte gewöhn-
lich nachteilig ift. Durch häufigeres Umfchalten

Schorn-

Fl*. 36. Fig. 37.

der Kammern läßt fich zwar eine größere Gleichmäßigkeit erzielen, es geht aber in demfelben
Maße mehr Wärme in den Schornftein verloren. Es ifl deshalb in neuerer Zeit verfucht worden,
z . B . durch B l e z i n g e r , die Regenerierung mittels Wechfclkammern zu erfetzen durch eine
folche mittels Gegenltrömung der heizenden und der zu erhitzenden Gafe, womit man wieder
auf die einfachere Art von H o w a r d zurückkommt [12) und weit einfachere Bauart und Be-
dienung, Wegfall der häufigeren Reparaturen und belfere Ausnutzung der abgehenden Wärme
a; erzielt (vgl. a. [3] und die unter Brennfloffe aufgeführte Literatur). — Das Wort Regenerierung
eg würde genau genommen bedeuten: die zu Kohlenfäure verbrannten Gafe wieder in Kohlen-
oxydgas rückbilden, neu beleben, ein Verfahren, das nicht ausfichtslos ifl (vgl. B r e n n f l o f f e ,
Bd. 2, S. 294). Weitere als die dort befchriebenen Erfolge find mit dem Syftem G o b b e von
H e n n i g & W r e d e in Dresden erzielt worden, indem dabei ein Teil des im Waffergasgenerator
entftehenden Gafes durch ein Dampfflrahlgebläfe abgefaugt und das Gemifch von Gas und
CD Dampf durch einen Erhitzungsapparat (Rekuperator) geführt und hoch erhitzt wird; von hier
wird es wieder dem Generator zugeführt, für den es die Wärme mitbringt, die zur Reduktion
«s
des Wafferdampfes fonfl aus dem Generator verbraucht wird. Hierbei läßt fich aber flatt des
CO Gasgemifches CO 2 H aus dem Generator Kohlenwafferftoff anwenden, z. B. CH unter gleich-
t

zeitiger Benutzung der CO* aus den Abgafen von Ocfen hoher Temperaturen, und es entfleht
dann folgender Prozeß der Regenerierung: C + CH + COi +H,0
A = 3CO+ 3H . Aber auch
2

hier muffen praktifche Erfolge erft noch abgewartet werden [14].

F e u e r u n g e n für r a u c h f r e i e Verbrennung.
Unter Rauch pflegt man in weiterem Sinne die gasförmigen Verbrennungsprodukte über-
haupt zu verflehen. Im engeren Sinne verfleht man darunter die fichtbaren, mehr oder weniger
braun und fchwarz gefärbten abziehenden Gafe, die für das Auge, die Geruchsnerven und die
Sauberkeit der Umgebung unangenehm und läftig find. Bei vollfländiger Verbrennung beflehen
die Rauchgafe aus Stickftoff, Kohlenfäure und Wafferdampf, alles vollkommen unfichtbare Gafe,
es fei d e n n , daß der letztere vorübergehend fichtbar w ü r d e , der aber fofort in der Luft auf-
gelöfl oder niedergefchlagen wird und nicht die geringfle Beläfligung herbeiführt. Auf S. 5
ifl die Rauchentflehung gefchildert. Die Urfachen der Rauchbildung find demnach: 1. Derart
plötzliche und maffenhafte Vergafung der in der Kohle enthaltenen pechartigen Kohlenwaffer-
floffe (Bitumen), daß die durch den Rofl eintretende Luft zur Verbrennung nicht ausreicht;
2. Temperaturmangel und Unmöglichkeit der Entzündung infolge der zu weit abgebrannten
Kohle auf dem Rofte und zu weitgehender Abdeckung des Refles der Glut, zu welcher Fahr-
läffigkeit gewöhnlich eine zu große Roflfläche verleitet. Bei einer mittleren Temperatur ver-
brennt oft von den vergällen CH der leichter entzündliche H allein und C bleibt in feinden
Partikelchen übrig, die fich zu den bekannten Rußflocken zufammenballcn. Es id daher zwifchen
Rauch und Ruß wohl zu unterfcheiden. 3. Ungenügende Mifchung der entdehenden Ver-
brennungsgafe. 4. Ungenügende Zeit zur Verbrennung der benötigten Kohlenmenge oder, mit
andern Worten, zu fchwacher Zug oder zu kleine Rodfläche. Werden diefe vier Punkte bei
Abmeffung der Rod- und Zugverhältniffe und bei der Bedienung gebührend berückfichtigt, fo
id jeder Heizer in der Lage, mit jeder gewöhnlichen Planrodfeuerung einen belädigenden Grad
16 Feuerungsanlagen

des Rauchens zu vermeiden. Aber die fortwährend dazu erforderlichen Beobachtungen und
die richtige Beurteilung der Verhältniffe und Vorgänge, die fortwährende Veränderung der Luft-
menge nach den entftehenden Rauchgasmengen derart, daß auch kein fchädlicher Luftüberfchuß

Fig. 39.

entfteht, ift eine Aufgabe, der kein Heizer, überhaupt


kein Menfch fo leicht gewachfen ift. Um diefe Auf-
gabe zu erleichtern, kann man Mittel in der Ein-
richtung der Feuerungen und ihrer Bedienung zur
Anwendung bringen, und Feuerungen, mit folchen
Mitteln ausgerüftet, nennt man .rauchfreie Feuerungen*.
Die befonderen Mittel der Rauchvermeidung und zwar:
1. Anwendung eines bitumenfreien Brennltoffes, wie
Koks oder Anthracit; 2. Errichtung befonders hoher
Schornfteine; 3. Wafchen des Rauches, indem man
ihn durch einen künftlichen Regen ziehen läßt, bleiben
Pig
3 S hier außer Betracht, weil fie nur in ganz vereinzelten
Fällen anwendbar find, alfo keine allgemeine Bedeu-
tung haben, zu teuer werden, das zweite meift auch nur von geringer Wirkung
ift, das dritte den Schornfteinzug vernichtet u. f. w. Wir befaffen uns nur
mit der R a u c h V e r b r e n n u n g innerhalb des Verbrennungsraumes der Feuerung o d e r , mit
andern Worten, der Rauchvermeidung.
Die Hauptaufgabe ift die Vermeidung der erften Urfache der Rauchbildung, die Unregel-
mäßigkeit der Raucherzeugung. Hat der Heizer foeben die zur Rauchverbrennung erforderliche
Lufteinftrömung angeftellt, fo ift in der nächften Minute fchon wieder ein ganz andrer Luft-
bedarf eingetreten, fo daß eine fortwährende Regulierung erforderlich fein würde. Zur Er-
leichterung diefer Aufgabe ift der fogenannte .Zugregler" mehrfach angewendet worden, eine
Vorrichtung, die den Rauchfchieber offen hält und ihn nach jeder Befchickung des Roftes
langfam niederfinken läßt, in dem Maße, in dem wegen der abbrennenden Kohlenfchicht der
Luftbedarf geringer wird. Einer der älteften Apparate ift der von V. L. J e s p e r f e n in Ny-
kjöbing (Fig. 38). Der Rauchfchieber b, durch Gegengewicht a größtenteils ausbalanciert, hängt
an dem Uhrwerk U, das durch den Reft des Rauchfchiebergewichtes angetrieben und durch
Pendel/? gehemmt wird und den Schieber allmählich herunterfinken läßt, fobald diefer an der
Kugel t nach Schluß der Feuertür aufgezogen worden ift. Durch Einftellung der Pendellinfe
auf der Pendelftange kann die Periode des Schieberfchluffes verlängert oder verkürzt werden.
Andre Konftrukteure, z. B . O t t o H ö r e n z in Dresden, erfetzen das Pendel durch einen hydrauli-
fchen Widerftand (Flügel in Waffer). Andre wiederum, wie Th. S p e c k b ö t e l in Hamburg,
J ü r g e n s & M a r t e n s in Hamburg, erfparen dem Heizer das jedesmalige Aufziehen des
Schiebers, indem fie letzteren fo mit der Feuertür in Verbindung bringen, daß er felbfttätig beim
Oeffnen der Tür mit aufgezogen wird. Diefe Einrichtungen haben unter Umftänden dort einen
wirtfchaftlichen Erfolg, wo der Heizer gewohnt ift, die Kohlenfchicht weit niederbrennen zu
laffen, weil dann durch die Wirkfamkeit des Apparates gegen Ende der Periode weniger Luft-
überfchuß entfteht; aber auf die Rauchvermeidung wirken fie weniger ein, weil nach Befchickung
im letztgenannten Falle gewöhnlich Temperaturmangel entfteht und weil trotz des geöffneten
Schiebers doch noch lange nicht Luft genug durch den Rofl zieht, um den Rauch zu verbrennen.
Wirkfamer für die Rauchverbrennung ift dann fchon die Einrichtung, bei der die erforderliche
Rauchverbrennungsluft durch einen befonderen Kanal in der Feuerbrücke zugeführt wird [15].
Ein Beifpiel zeigt Fig. 39 in der nach K o w i t z k e aus gußeifernen Platten hergeftellten hohlen
Feuerbrücke. Diefe Art der Apparate hat den vorigen gegenüber betreffs Rauchverbrennung
den Vorzug, daß die Luftklappen fich leichter bewegen laffen und daß reine, entzündungs-
fähigere Luft dem Rauche beigemifcht wird; die Wirkung kann auch der Zeit und den Ver-
hältniffen der Rauchbildung in jedem Falle fpezieller angepaßt werden. Noch einfacher ift es,
die zum Rauchverbrennen erforderliche Luft durch die nicht ganz gefchloffene Feuertür ein-
ftrömen zu laffen und letztere zu fchließen, wenn der Luftbedarf vorüber ift, zumal die felbft-
tätigen Apparate dem wirklichen, fortwährend fchwankenden Luftbcdarfe fich nicht genügend
anpaffen laffen, auch leicht in Unordnung kommen, weil die Befchickungsperioden gewöhnlich
wechfelnd find, von feiten des Heizers fachverftändige Behandlung und Pflege notwendig ift,
eine Sorgfalt, die, dem Feuer felbft zugewendet, ohne jeden Apparat faft denfclben Vorteil zu
Feuerungsanlagen 17

erreichen geflattet. Die Aufmerkfamkeit und Mühe des Heizers wird um fo geringer, je gleich-
mäßiger der Rauch in der Feuerung entfleht, weil dann der Luftbedarf auch ein gleichmäßigerer
und weniger regulierbedUrftig wird. Auf diefen Umfland ftützt fich daher eine ganze Reihe von
Befchickungsmethoden und Feuerungseinrichtungen. Eine alte Befchickungsregel lautet: .Den
frifchen Brennftoff auf den vorderen Teil des Rottes aufhäufen, ihn abgafen und verkoken laffen
und ihn vor der nächflen Befchickung über den ganzen Rofl hinweg ausbreiten.* Da hierbei
die frifche Kohle weniger dicht mit der Olut in Berührung kommt, fo ift auch die Entgafung
eine wenig ftürmifche, der entflehende Rauch kann gleichmäßiger verbrennen. Bedenklicher
aber ift es beim Ausbreiten des Kohlenhaufens; dabei entlieht meift viel Rauch, da in der
verfügbaren Zeit ein Durchglühen des Haufens bis innen hinein nicht möglich ift; ferner hat
der Heizer die doppelte Arbelt, es fleht längere Zelt die Türe offen und die Lei flung des Rottes
ift deshalb eine geringere, auch wegen der langfameren Entzündung. — Diefes Prinzip der
ruhigeren Deftillatton des frifchen Brennfloffes liegt der Carlo-Feuerung (Flg. 22) zugrunde.
Noch beffer wird das Prinzip gleichmäßiger Rauchentwicklung verwirklicht durch die regel-
mäßigen, mechanifchen Befchickungsvorrichtungen. Diefe vermeiden tatfächlich die Rauch-
bildung, die fonfl durch die Befchickung verurfacht wird, aber die melden Kohlenforten muffen
zeitweife gefchürt und aufgelockert werden, wobei oft mehr Rauch entlieht als beim Kohlen-
aufwerfen.
Die Abfleht einer Reihe andrer Einrichtungen ift auf beftändige Sicherung der Entzündungs-
temperatur (zweite Urfache der Rauchbildung) gerichtet. Man führt deshalb befondere Gewölbe
auf, wo folche, wie bei DampfkefTelinnenfeuerungen, nicht fchon vorhanden waren, oder man
erteilt der Feuerluke die Form vieler kleinen Oeffnungen in der Feuerbrücke. Dabei bewirkt
aber die Glut der Gewölbe eine fchnellere, alfo eine ungleichmäßigere Gasentwicklung und ein
leichteres Schmelzen der Schlacken. Diefe Mauern und bei Steinkohlen auch häufigeren
Reparaturen unterworfen. Ferner verfetzt die anfchmelzende Afche die Oeffnungen in der
Feuerbrücke, und endlich find alle folchen Hilfsmittel doch unwirkfam, wenn der Zutritt der
Verbrennungsluft nicht gleichzeitig dem Bedarfe genau angepaßt wird. Die Temperatur zu
erzielen und nicht zu tief Anken zu laffen, ift die leichterte Aufgabe für den Heizer; dazu
können befondere Einrichtungen entbehrt werden. Dagegen wirkt es etwa wie läuternd, weil
zerfetzend, auf den Rauch, wenn er durch eine Schicht glühender Kohlen hindurchgeleitet
Wird. Diefe Methode wird angenähert verwirklicht durch die D o n n e l e y - F e u e r u n g (Fig. 23),
vollftandlger durch den horizontalen Röhrenroft (vgl. S. 9), ferner durch die Müllerfche
Feuerung (Fig. 14) und die W i 1 m s m a n n fche Wehrfeuerung (Fig. 15), ferner durch den bereits
veralteten Langenfchen Etagenroft; doch haben alle diefe Einrichtungen aus den dort
erörterten Gründen keine allgemeine Bedeutung.
Aus diefen Darlegungen geht hervor, daß. keine Roftfeuerung als allen Anfprüchen
genügende Rauchverbrennungsanlage gelten kann. Dagegen find die neueren roftlofen Feuerungs-
anlagen, wie Kohlenftaub-, Oel- und Gasfeuerungen, als zuverläfflge rauchfreie Feuerungen zu
erachten, da es bei diefen fehr leicht ift, das richtige Verhältnis zwifchen Kohlen- und Luft-
menge momentan herzuflellen und es bei allen Wechfeln und Schwankungen des Wärmebedarfes
zu erhalten, weil ferner die Temperatur des Feuerungsraumes nicht zu tief Anken kann und
weil endlich die Roftgröße in Ermanglung eines Rofles ohne Einfluß ift,
D i e K o n t r o l l e der F e u e r u n g s a n l a g e n
hat den Zweck, die Wärmeverlufte zu Uberwachen und möglichft einzufchränken; fie bildet
einen wefentlichen Punkt in dem Beftreben, einen wirtfehaftlichen und vorteilhaften Betrieb zu
flehern. Bei einer folchen Ueberwachung ift zunachft für die Richtigkeit und den guten Zufland
der Einrichtungen und Baulichkeiten, z.B. für beftändige Dichtheit und gute Ifolierung der
Wandungen, für die notwendigfte Reinheit der Zugkanäle, guten Zuftand des Rofles u. dergl.
Sorge zu tragen. Im weiteren aber, und das ift die mUhfamere Kontrolle, find die Vorgänge
der Verbrennung laufend zu überwachen, z. B. der Luftüberfchuß und Luftmangel, Angemeffenheit
der Zugflärke, Anfangs- und Endtemperatur, Roftgröße, gewonnene und verlorene Wärmemengen,
Güte des Brennfloffes, feine Eigenfchaften für den vorliegenden Zweck, Frage nach dem für
den befonderen Fall geelgnetflen und billigften Brennftoff, Sammlung von Erfahrungswerten
und Vergleich derfelben mit den jeweils beobachteten Daten. — Auf den erflen Teil, betreffs
Zuftandes der baulichen Einrichtungen, näher einzugehen, ift entbehrlich, dagegen bedarf der
andre Teil, die laufende Kontrolle, der Erörterung.
Wärmeverlufte durch Luftüberfchuß. Wenn 1 cbm Luft mit bituminöfer Kohle voll-
ftändig verbrennt, fo verbinden fich erfahrungsgemäß, alles in Volumprozenten ausgedrückt,
18—19»fo O mit C zu ebenfoviel Prozent CO« (vgl. Brennfloffe). 2—3% 0 verbinden fich
mit H zu doppelt fo viel, 4—6»/ Wafferdampf; diefe Gafe mlfchen fich mit den 79% N der
0

Luft zu den fogenannten Verbrennungsgafen. Es entliehen alfo durch vollftändiges Verbrennen


von 100 cbm Luft 102—103 cbm Verbrennungsgafe (bei gleicher Temperatur). Bei gewöhnlicher
Temperatur kondenfiert der Dampf als Waffer aus und es bleiben 97—98 cSm Verbrennungsluft
übrig, deren Gewicht um das Gewicht des aufgenommenen C, d. i. 10,97 kg, größer ift als vor
der Verbrennung. Da 98 cbm Luft 126,71 kg wiegen, fo ift das fpez. Gew. der Verbrennungs-
gafe 126.71 +10,97:126,71 = 1,087, das fich dem fpezififchen Gewicht der Luft (d. 1.1) um fo
mehr nähert, je mehr folche unverbrannte Luft in den Verbrennungsgafen enthalten ift. Da fich
durch feine chemlfche Gaswagen (f. D a f y m e t e r und G a s w a g e n ) das fpezififche Gewicht
von Gafen laufend beobachten läßt, fo bieten folche ein einfaches Mittel zur Feftflellung des
COj-Gehaltes; leider find fie für den rohen Betrieb der Praxis zu fein'und empfindlich.
Zur Beftimmung der vollfländigen Zufammenfetzung der Feuergafe ift die chemifche
Unterfuchung anzuwenden. Ergibt eine folche Unterfuchung z.B. CO»% Gehalt an Kohlen-
L u t g e r , Lexikon der getarnten Technik. 2. Aufl. IV. 2
18 Feuerungsanlagen

fäure, 0 % Sauerftoff- und N% Stickftoffgehalt (immer Volumprozent), fo ift die durch das
Feuer wirklich hindurchgezogene Luftmenge 2 1 : [21—79 ( 0 : AO) mal fo groß als die zur Ver-
brennung theoretifch erforderliche Luftmenge. Da die Feuerluft bei allen technifchen Anlagen
wärmer ab- als zuftrömt, fo nimmt der hierdurch entftehende Wärmeverluft zu mit der Luft-
menge und mit dem Temperaturunterfchied zwifchen der abftrömenden (T° C.) und der ein-
ftrömenden (f°C). Da die Temperatur T gewöhnlich über 100° beträgt, fo geht das durch
Verbrennung entftehende und in der Kohle, enthaltene Waffer als Dampf ab, fo daß deffen
Verdampfungswärme auch mit verloren ift. Die in den Feuergafen noch enthaltene, von
jedem Kilo Brennftoff verloren gehende Wärme beftlmmt fich deshalb durch die Formel
+ 0 , 0 0 4 8 H + ( r — : W , E = P r o z e n t d e s
100 &£cÖ» ^ ^ ] ^ ' »"'gewendeten Wärmewertes,
worin bedeutet: C = Kohlenftoffgehalt der verbrannten Kohle In Gewichtsprozenten,
CO» = Kohlenfäuregehalt der Feuergafe in Volumprozenten,
H = Wafferftoffgehalt der verwendeten Kohle in Gewichtsprozenten,
W =Waffergehalt . , . .
W.E. = Wärmeeinheiten . . . . 1 kg,
T = Temperatur der abziehenden Feuergafe,
T = Temperatur der in die Feuerung einftrömenden Luft.
Für Steinkohlen kann man ftatt vorftehender mit genügender Genauigkeit die An-
näherungsformel 0,65 (T— r): CO» fetzen [18]. Die Gleichung läßt fich bequem graphifch dar-
fteilen [19].
Wärmeverlufte durch Luftmangel. Bei Luftmangel enthalten, wie oben erörtert, die
Feuergafe noch brennbare Gafe, und zwar CO, bei bituminöfen Kohlen auch H, C^H lt

CtHi I C H» u. f. w. Diefe chemifch feftzuftellen ift für die Praxis zu umftändlich; man be-
t

gnügt fich daher, CO» und O zu beftimmen. Wenn beide zufammen 19°/ ausmachen, fo 0

können keine brennbaren Gafe mehr vorhanden fein; ift die Summe aber kleiner als 18,5, dann
kann der Fehlbetrag als brennbares Gas angenommen werden. Nimmt man an, daß dasfelbe
nur aus CO befteht, fo ift der Prozentsatz des Verluftes durch unvollkommene Verbrennung
= (CO • 70): (2 CO» + CO), worin CO und CO» die bei der Gasanalyfe gefundenen Prozent-
zahlen des Kohlenoxydes und der Kohlenfäure bedeuten. Ift alfo z. B. CO» = 14, CO = 1, fo
ift der Verluft = a »TO): ( 2 - 1 4 + 1 ) = 2,4%. Kohlenwafferftoffgafe kommen nur während des
Rauchens in den Feuergafen vor und kann ihre Menge dann allerdings erfahrungsmäßig bis
4o/o, ihr Heizwert bis 12% betragen.
Ein weiterer Verluft an Wärme entfteht bei allen Feuerungsanlagen durch Ausftrahlung
und Ableitung. Diefen Verluft zu beftimmgn gibt es noch keine bewährten Methoden, weshalb
er ftets als Reft berechnet wird [20]. Hat z. B. eine beftimmte Steinkohle einen kalorimetrifch
oder analytifch beftimmten Heizwert von 7300 W.E. und ift mit 1 kg derfelben bei einem
Dampfkeffel 8,34 kg Waffer von 40« in Dampf von 7 Atmofphären Ueberdruck verwandelt
worden, fo läßt fich die Wärmebilanz in folgender Weife aufftellen. Der Dampf von 8 Atmo-
fphären abfolut enthält in 1 kg 658 W.E. (vgl. D a m p f ) ; 40 W.E. enthielt das Waffer bereits,
mithin find 658 — 40-=618 WTE.fUr 1 kg Dampf aufgewendet worden. Um Waffer von 0« in
Dampf von 100» zu verwandeln, find aber 637 W.E. erforderlich; mithin entfpricht obige Dampf-
menge von 8,34 kg der reduzierten Dampfmenge von 8,34 •618:637 = 8,09 kg. Diefelbe hat
alfo «,09 -637 = 5 ß 4 W.E. zu Ihrer Erzeugung verbraucht, d. i. ausgenutzt, oder 5154 • 100:7300
= 70,6% der von 1 kg Kohle aufgewendeten Wärmemenge aufgenommen, d.h. der Nutzeffekt
der Anlage beträgt 70,6%, ein Verhältnis, wie es bei heueren Dampfkeffelanlagen gewöhnlich
befteht. Je nach dem Grade des guten Zuftandes, fachverftändigen Betriebes, geeigneter Kohlen-
forte und mäßiger Anftrengung kann der Nutzeffekt bis etwa 80% gefteigert werden, allerdings
findet man ihn nicht feiten zu 50% und noch niedriger. — Hat nun die Abgangstemperatur
fraglicher Anlage 275° und die Außentemperatur 25° betragen, fo ift in obiger Formel
T—T = 250». War ferner der C0 -Gehalt im Fuchs 8 % , der C-Gehalt der Kohle 7 5 % , der
8

. //-Gehalt 5 % und der Waffergehalt 3 % , fo Hellt fich der Schornfteinverluft auf


1 0 0 0 0048 2 0 0 0
["o^eTF* ' P-W)] w= ' '°-
Es bleibt dann für die Ausftrahlung 100 — 70 — 2 0 = 1 0 % Verluft übrig.
Bei oberflächlicherer Unterfuchung einer Dampfkeffelanlage wird nur der Kohlenfäure-
gehalt und die Temperatur gemeffen, und man begnügt fleh, wenn erfterer nicht unter 1 3 - 1 4 % ,
letztere nicht über 250—300« beträgt. — Die Beftimmung des Heizwertes der Kohlen wird ent-
weder auf Grund einer chemifchen Analyfe berechnet (vgl. Brennftoffe) oder kalorimetrifch
direkt gemeffen (vgl. K a 10 r i m e t e r).
Befondere Feuerungsanlagen f. in den Artikeln: B r o t f a b r i k a t i o n , Dampfkeffel,
Dampfkeffelberechnung, Dampfkeffelbetrieb, Eifengießerei, Flußeifen,
G i e ß e r e i , G l a s , Glafuröfen, H e i z u n g gefchloffener Räume, K e h r i c h t v e r -
b r e n n u n g , L e i c h e n v e r b r e n n u n g , L o k o m o b i l e n , L o k o m o t i v e n , O e f e n , metallur-
gifche, O e f e n zum Brennen von Ziegeln, R e t o r t e n ö f e n , R o h e i f e n , S c h i f f s k e f f e l ,
S c h w e i ß e i f e n u.f.w. „ „ .
Literatur: [1] Olafers Annalen, Bd. 33, 1893, S. 31. — [2] Zeltfchr. d. Ver. deutfeh. Ingen.
1891, S. 627, 691, 728, 937, 970. — [3] Zeitfchr. f. Dampfkeffel- u. Mafchinenbetr. 1902, S. 338. —
[4]Dief., S. 340. — [5] Reiche, H. v., Anlage und Betrieb der Dampfkeffel, Leipzig 1886, S. 161.
— [6] Zeitfchr. d. Ver. deutfeh. Ingen. 188f, S. 351; 1889, S. 150. — [7] Zeitfchr. d. intern. Ver-
bandes der Dampfkeffelüberwachungsvereine 1895, Nr. 16, 18, 19, 20; 1896, Nr. 12 und 13. —
[8] Dief. 1896, Nr. 1. — [9] Zeitfchr. d. Ver. deutfeh. Ingen. 1892, S. 23. — [10] Dief. 1884, S. 666;
Feuer, unterbrodienes — Feuerwerkerei 19
5 S 4 9 9 u n d 8 0 0 1 8 8 6 s 4 0 7
n« i - : • - - — I " ! Olef. 1887, S. 1007. — [12] Dief. 1892, S. 24. —
Yfi Stegmann, H., Gasfeuerung und Oasöfen, Berlin 1877. — [14] Uhlands Wochenfchrift 1896,
Nr. 27. — [151 Zeitfchr. d. intern. Verb. d. Dampfkeffelüberwachungsvereine 1894, Nr. 15 (Kowltzke).
7„[16] Zeitfchr. f. Dampfkeffel u. Mafchlnenbetr. 1904, Nr. 46. - [17] Dief. 1902, Nr. 37. —

i J° Siegert, A., Zeitfchr. d. Ver. deutfch. Ingen. 1888, S. 1099. — [19] Dief. 1891, S. 791. —
4)] Protokoll der 33. Verfamml. des Intern. Verbandes der Dampfkeffelüberwachungsvereine 1904 zu
»armen, S. 252. — Sonftige Literatur: Jüptner v. Jonstorff, H., Heizverfuche an Keffelfeuerungen,
zi 1 8
t>Ü,PS 9 4 ; Barr, W. M., Boilers and furnaces consid. in their relations to steam engineering,
rniladelphla 1879; Püttfch, Neuere Qas- u. Kohlenftaubfeuerungen, Berlin 1899; Haier, Dampf-
Keflelfeuerungen zur Erzielung einer möglichft rauchfreien Verbrennung, Berlin 1899. C. Carto.
Feuer, unterbrochenes, Feuer, das in gleichen, längeren Zeitabfchnitten
durch eine oder mehrere kurze Verdunklungen unterbrochen wird und ein Licht
von gleichbleibender Stärke zeigt. Die Farbe des Lichtes
iu in der Regel weiß, kann aber auch wechfeln, fo daß
einmal ein weißes, nach der Paufe ein rotes und dann
wieder ein weißes Feuer zu fehen ift (f. die Figur). Vgl. a. L e u c h t f e u e r .
Literatur: Verzeichnis der Leuchtfeuer aller Meere, Reichsmarineamt. wmNießtn.
Feuervergoldung, -verfllberung, f . V e r g o l d e n , V e r f i l b e r n .
Feuerwehr und damit zufammengefetzte Stichwörter f. unter F e u e r f c h u t z
und F e u e r r e t t u n g s w e f e n .
Feuerweiher, f. F e u e r f c h u t z u n d F e u e r r e t t u n g s w e f e n , Bd. 3, S.788.
Feuerwerkerei (Pyrotechnik), die künftliche Anfertigung und Anwendung
jener Mittel, durch die mittels Verbrennung geeigneter Materialien fowohl die
Hervorbringung einer großen Hitze und die gleichzeitige Entwicklung Harken
Gasdrucks zur Benutzung als bewegende Kraft als auch Feuerleitungs-, Zünd-
und Beleuchtungszwecke erreicht werden. Die Geftaltung diefer Mittel (der
sogenannten Feuerwerkskörper), die mannigfaltigen Bedingungen, unter denen
fie gezwungen werden, ihre Kraft auszuüben, laffen die Feuerwerkerei in Kriegs-
oder Ernftfeuerwerkerei und Luftfeuerwerkerei einteilen. Der Zweck der Luft-
feuerwerkerei ift, dem Auge angenehme Feuergebilde, dem Ohr das Ertönen
von Kanonaden, Maffengewehrfeuer u. f. w. unter Ausfchluß jeder Gefahr für
die Zufchauer vorzuführen; im Kriege werden — wenn hier von der M u n i t i o n
abgefehen wird — die im folgenden befprochenen Feuerwerkskörper teilweife
zu Signalen u. f. w. verwendet.
Die Satze. Jedes in der Feuerwerkerei verwendete Gemenge brennbarer Subftanzen
nennt man einen Feuerwerksfatz oder kurzweg einen Satz. Je nach den Wirkungen, die man
von den Feuerwerksfätzen haben will, und Je nach den Zwecken, denen fie dienen Collen, ift
Ihre Zufammenfetzung eine wechfelnde. Nur aus einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von
Körpern werden die Mifchungen herge.ftellt. Einerfelts dienen als Beftandteile der Satze leicht
verbrennbare Körper, wie Kohle, Schwefel, Schwefelantimon, Harze, Teer, an der fei ts muffen
fauerftoffabgebende Körper zugemifcht werden, wie Salpeter (Kallfalpeter) und cklorfaures Kali.
Eine dritte Reihe von Körpern dient zur Hervorbringung der Lichteffekte (Baryum-, Strontium-,
Kupfer- und andre Salze), alfo zur Färbung der Flammen, und feingerafpelte Metalle, gröbere
Kohlenpartlkelchen zur Erzeugung von Funken- und Sprühfeuern. Man unterfcheidet folgende
rundamentalfätze:
1. S c h i e ß p u l v e r . Man verwendet Kornpulver zu Stoßladungen, alfo zum Heraus-
fchleudern von Feuerwerkskörpern aus Bomben, Mörfern, Gewehren u. f. w., oder zur Hervor-
}"ingung eines Knalles (Kanonenfchläge, Knallfatz in Raketen, Schwärmer u. f. w.). Die Körnung
n o t w e n d u r
M 'g z Erzielung einer lebhaften Verbrennung und fchnellfter Gasentwicklung.
M e h l p u l v e r ift gemahlenes Sprengpulver und wird in wechfelnder Zufammenfetzung benutzt;
«s kommt zur Anwendung, wenn ein langfames Abbrennen erforderlich ift
2. S a l p e t e r f c h w e f e l , ein Gemenge von 3Teilen Salpeter und 1 Teil Schwefel. Er
liefert bei der Verbrennung nur wenig Gas und dient als Grundlage für die meiften Leuchtfatze.
3. G r a u e r S a t z , eine Mifchung von 7 Teilen Mehlpulver auf 100 Teile Salpeterfchwefel;
er dient z. B. zur Herftellung von Feuerballen und in Mifchung von Schwefelantimon zur Her-
uellung von Leuchtfackeln.
4. K o h l e n f a t z , ein Mehlpulver, dem auf 500Teile 6—8Teile Kohle zugefetzt find.
Hierher gehören die als f a u l e oder m a t t e Sätze bezeichneten Mifchungen, die aus Mehlpulver
beliehen, deflen Wirkung durch weiteren Kohlezufatz verlangfamt ifl Außerdem fpricht der
Pyrotechniker noch von r a f c h e n und l a n g s a m e n Schwärmerlätzen und g r ü n e n Sätzen,
das find folche, die aus .grauen und faulen Sätzen" oder aus Mifchungen von diefen bereitet
und. Weiter gehören hierher die aus Mehlpulver, Salpeter, Kohle (und zuweilen etwas chlor-
laurem Kali) beflehenden T r e i b f ä t z e und die ihnen ähnlichen F u n k e n f ä t z e , welche
Mifchungen aus Salpeter, Schwefel und Kohle (oder Salpeterfchwefel und Kohle) vorftellen.
pftere werden in der Kriegsfeuerwerkerei zur Herftellung von Signalraketen und in der Kunft-
leuerwerkerei ebenfalls zu Raketen verwendet.
R a k e t e n find ftarke Papierhülfen, die mit einem ftark verdichteten, über einen .Dorn'
20 Feuerwerkerei

gefchlagenen Treibfatze gefallt find und an der Spitze einen Knallfatz oder fonft
eine Verfetzung enthalten (farbige Sterne u. f. w.). Die geladene Hülfe ift an einem
leichten vierkantigen Holzftab angebracht, welcher der Rakete die Balance und die
Richtung zu geben hat. Das Wichtlgfte bei der Rakete ift die Seele oder Ausbohrung.
Die Raketen dienen nicht nur zu Feuerwerksfchauftücken, fondern auch zu SignaT-
zwecken, zum Wetterfchießen und die großkalibrigen (5—8 cm lichte Weite und
70—90 cm Lange) zur Rettung Schiffbrüchiger, indem man mit der Rakete vom Strand
aus Leinen zum Schiff (Wrack) hinüberfchießt, an denen Taue nachgezogen werden.
Die Hülfen find häufig von dünnem Blech. Die Wurfraketen werden auf befonders
konftruierten Lafetten aufgelegt, die man wie ein Qefchütz mittels Kurbel nach dem
Zielpunkt richten kann. Außerdem dienen fie auch als Torpedofortbewegungs-
mittel (fogenannte Wafferraketentorpedos).
Nebenftehende Figur gibt den Durchfchnitt einer R a k e t e mit Hut. Z ift die
Zehrung, d. h. der dicht eingedampfte Teil des Satzes; die Zehrung Ift durch die
durchlochte Schlagfcheibe x abgefchloffen; hinter x befindet fich der Knallfatz; h ift
der Hut, k die Kammer, in welche die Verletzungen kommen, s die Seele, d. h. die
Ausbohrung der Rakete; A enthält die Anfeuerung.
Die F u n k e n f a t z e werden zur Herftellung von fogenannten B r ä n d e r n
(Hülfen, am vorderen Ende, der Kehle, zu einer engen Ausftrömungsöffnung gewürgt),
benutzt, welche dann in entfprechender Montierung und Gruppierung die Sonnen,
Kaskaden, Fächer, Palmbäume, Fixfterne, Triangelfeuerräder u. f. w. liefern. Diefe
Funkenfatze werden außer mit der ein rötliches Licht gebenden Kohle mit Metall-
fpänen u. f. w. verfetzt; im letzteren Fall nennt man fie B r i l l an tf ä t z e . Andre
Satzmifchungen und ihre Bezeichnung find in der Zufammenftellung weiter unten
angegeben, die auch die Verwendungsart der Sätze in einer Reihe von Feuer-
werksftücken erkennen laßt. Näheres über die Herftellung derartiger Artikel, auch der
Raketen u. f. w., ift in den zahlreich vorhandenen .Rezeptbüchern* der Kunftfeuerwerkerei
nachzulefen [1]—[3].
L e u c h t - o d e r F a r b e n f ä t z e enthalten ebenfalls einen der obengenannten Sätze oder
Mifchungen derfelben, ferner faß ausnahmslos chlorfaures Kali und die entsprechenden farbige
Feuer erzeugenden Chemikalien (Strontian-, Barytfalpeter u. f. w.). Die Sätze muffen aus fcharf
etrockneten Chemikalien zufammengemifcht werden. Die Erzeugung der Buntfeuer (fogenanntes
engalifches Feuer), die fleh unterfcheiden Iaffen in Flammen (zur Beleuchtung großer Räume
mit farbigem Licht), die gewöhnlich in Tiegeln und ähnlichen Oefäßen, alfo offen, abgebrannt
werden, in Lichter, bei denen der Satz in dünne Hülfen gefüllt ift (zur Gruppierung von Farben),
und in Sterne, deren Zweck fchon der Name angibt (Verbrennung, während fie in der Luft
fchweben), beruht auf der Eigentümlichkeit der in Betracht kommenden Chemikalien, beim Ver-
brennen farbiges Licht auszuzahlen. Hiernach erfcheint es auf den erften Blick leicht, einen
Leuchtfatz fich felbft zufammenzumifchen; die Sache ift jedoch fo einfach nicht, weil noch
einige Faktoren mitfprechen, wie die Gefchwindigkeit des Abbrennens (bei Sternen muß fie am
größten, bei den Lichtern geringer und bei den offenen Flammen am geringften fein), die Tem-
eratur, bei welcher der farbgebende Körper am fchönften wirkt, die Schlackenbildung und die
f chmelzbarkeit der Schlacken. Mifcht man verfchiedenartig brennende Sätze zufammen, fo
erhält man teils andre Farbentöne, teils, anftatt der zu erwartenden Mifchfarbe, eine nahezu
weiße Flamme. Durch Mifchen von Rot und Gelb erhalt man ein fchwaches Orange. Blau
und Gelb geben ein nicht intenßves fchwaches Grün. Rot und Blau zufammen geben Violett,
als die einzige durch Mifchen der andern Farbenfeuer herftellbare gu4e Mifchfarbe. Rot und
Grün geben Weiß. So befteht z.B. ein Weißfeuer, ein franzöfifches Präparat, aus Strontium-
nitrat (rot brennend), Baryumnltrat (grün brennend) und Schellack. Laffen fich die Satzbeftand-
teile unmittelbar einfach zufammenmifchen, fo nennt man die Sätze k a l t e S ä t z e (das Kalt-
gefchmolzenzeug unfrer alten Bombardiere und Feuerwerker). Warme Sätze (Warmgefchmolzen-
zeug) find dagegen diejenigen Mifchungen, die durch Zufammenfchmelzen hergeftellt find.
K a l i u m c h l o r a t f c h w e f e l , nennt man einen aus 123 Teilen KaHumchlörat und
35 Gewichtsteilen Schwefel beftehenden Satz, der als Beimifchung für Leuchtfätze genommen
Wird. Hier kann das Kaliumchlorat durch das weniger gefährliche Kaliumperchlorat erfetzt werden.
Aus diefen Sätzen feien noch erwähnt die B r a n d f ä t z e , mittels deren man den Zweck
verfolgt, brennbare Objekte auf größere Entfernungen hin in Brand zu Hecken. Diefelben
muffen fo gemifcht fein, daß fle mit der Eigenfchaft, langfam abzubrennen, eine möglichft große
Wärmeentwicklung verbinden. Der preußifche Satz für Brandgefchoffe beftand z. B. aus 76 Teilen
grauem Satz und 24 Teilen Kolophonium. In Bayern war ein Satz von Mehlpulver und fo-
genanntes „Warmgefchmolzenzeug" üblich.
Die S t a n k k u g e l f ä t z e haben den Zweck, beim Abbrennen eine große Menge unatem-
bares Gas zu liefern, was mit Hilfe von ftark fchwefelhaltigen Sätzen (z. B. Verletzen des
Salpeterfchwefels mit fo viel Kohle, daß er fortbrennt) durch Entwicklung der ftechend riechenden
und die Atemwerkzeuge reizenden fchwefligen Säuren erreicht wird. Mit ähnlichen Sätzen find
die Feuerlöfchdofen gefüllt, da eine reichliche Entwicklung fchwefliger Säure die Verbrennung
unterdrückt oder, mit andern Worten, das Feuer erftickt. Auch die .Desinfektionsfchwärmer*,
die früher zur Desinfektion von Wohnräumen u. f. w. empfohlen worden find, waren mit folchen
Sätzen hergeftellt Ihre Wirkung beruhte auf den desinfizierenden Eigenfchaften der fich bei
ihrem Abbrennen entwickelnden fchwefligen Säure.
Ueber die H a u p t r e p r ä f e n t a n t e n d e r K u n f t f e u e r w e r k f t ü c k e mit ihren Sätzen
kann nur ein Ueberbllck zur Orientierung gegeben werden. Die quantitative Zufammenfetzung
der Sätze und die Herftellung der Feuerwerkskörper ift in den untenangegebenen Anleitungen
Feuerwerkerei 2\

2".Kunftfeuerwerkerei nachzufehen. Brillantfontänen ohne Knall enthalten Mehlpulver, gröbere


g r o b e
£Pu*. c
Stahlfpäne (befonders fogenannte Filiere). Der Kanonenfchlag enthält Kornpulver
e b
g 5 j e n - ) und Mehlpulver. Zu Kaskaden mit Brändern benötigt man Mehlpulver, Kohle, feine
atanllpäne. Umläufer mit zwei Brändern: ein Bränder enthält z. B. Ooldfandfatz (das ift ein
u s Menl
«f S i ? P u l v e r , Kohle und Ooldfand [.Katzengold']), der andre Mehlpulver, Kohle und
ötanlfpäne. Kaskaden mit drei Brändern (drehend): Mehlpulver, Kohle und grobe Stahlfpäne;
'"•"gelfeuerräder mit drei Brändern werden z. B. Je mit Kohlenfatz, mit grünem Satz und mit
uoidfandfatz geladen; Tourbillons (Tlfchraketen) brauchen Kohlenfatz. Telegraphenraketen, ein*
wehe und doppelte, die auf Schnüren laufen, enthalten Kohlenfatz. Chinefifche Fächer mit
arei Brändern lädt man mit Kohlenfatz und bengalifchen Körnern (Strontian, Baryt), letztere
cmorathaltig. Kometenkäften (Pots-ä-feu) erfordern eine Stoßladung (Pulver), dann Bränder mit
acnwärmerfatz und mit Kohlenfatz. Zum Laden großer Schwärmer und kleiner Schwärmer
ajent halbgrüner Satz (Mehlpulver, Schwefel, Kohle und Salpeter); zu Salonfchneckenrädchen
grüner Satz. Die Kalofpinthe erhält grünen Satz mit groben Stahlfpänen und Pfeiffand (pikrin-
laure Magnefia) — der Feuerftrahl entfährt beim Entzünden dem in der Hand gehaltenen Feuer-
erkskörper unter lautem Pfeifen. Brillantbuketts erfordern grünen Satz mit groben Stähl-
end Aluminiumfpänen. Pots-ä-feu mit Schwärmern: Stoßladung von Pulver und kleine Schwärmer,
u m , t F r ö f c h e n :
5* oi Stoßladung von Pulver und Fröfche. Die Konfettibomben erhalten eine
otoßladung (Pulver) und ausgehauene verfchiedenfarblge Paplerblättchen in der Größe und Form
eines Albernen Zwanzlgpfennigftückes. Brillantpalmen erhalten Kohlenfatz mit groben Stahl-
•pänen. Römifche Lichter mit bunten Leuchtkugeln führen eine Stoßladung von Pulver, fchwachen
0 f m a t t e n
U i Satz und Leuchtkugeln, letztere aus chlorathaltigem Farbenlatz hergeftellt. Raketen
erhalten faulen Satz (Kohlenfatz); von Wichtigkeit ift hier die Seele (Ausbohrung). Magnefium-.
'•ekeln grün: Baryumnitrat und Schellack, rot: Strontiumnitrat und Schellack, mit wenig Kalium-
fa
k- v?i *' Brillantfterne enthalten vorne Schellackkugelfeuer (auch grün bengalifches Feuer), dann
Kohlenfatz. Handfchlangen find Hülfen mit wenigen Pulverkörnchen (Stoßladung), die einen
meinen Schwärmer herausftoßen. Knallraketen: fauler Satz mit Knall (ScheibenpuTver). Pracht-
itabeumläufer werden aus Brändern hergeftellt, die zur Abwechllung j e mit Kohlenfatz und Blei«
glätte und mit Goldfandfatz geladen find. Vulkane führen grauen Satz mit Stahlfpänen.
rröfche, große und kleine, enthalten Mehlpulver. Goldchop-Pelotonfeuer: a) aus ganz kleinen
och wärmern, b) aus größeren Schwärmern hergeftellt; bengalifche Fackeln beliehen aus benga-
liichem Schellackfeuer (chlorathaltig). Radfahrerbomben (große Knallerbfen): grobe Sandkörner
mit etwas Knallqueckfilber.
. C h e m i f c h e U n t e r f u c h u n g d e r S ä t z e : Bei der Mannigfaltigkeit der Mifchungen
lauen fich hierfür Normen nicht aufstellen. Man hat die Analyfe wie die Pulverunterfuchung 14]
vorzunehmen und die anorganifchen Körper nach dem allgemeinen Gang der Analyfe zu ermitteln.
Die Zündungen für die Feuerwerkskörper find ein wichtiger Hilfsteil der Feuerwerkerei;
von ihrem richtigen Funktionieren hängt das Gelingen des ganzen Feuerwerks ab. Man
unterfcheidet:
1. Den A n f e u e r u n g s t e i g , ein Gemenge von Mehlpulver und Alkohol (Spiritus). Die
Anfeuerung dient zur Bestreichung der Stoppinen bei den Brandlöchern in den durch das
Würgen der Hülfen entstandenen Keffeln (Beteiligung des Zunders bei Fröfchen und Schwärmern)
und derjenigen Stellen, die Feuer fangen follen.
2. Die Z ü n d f c h n ü r e (Lunten, Ludelfäden, Stoppinen). Diefe beliehen aus drei- bis
vierfachem, mit dicker Anfeuerung vollständig imprägniertem und mit Mehlpulver beftreutem
Baumwollgarn. Nach einer Artillerievorfchrift benötigt man zu einer Zündfchnur von 100 m
Länge und 0,52 cm Durchmeffer an Materialien: 2,94 kg Mehlpulver, 4,351 Spiritus, 21,2g
Gummiarabikum und 0,24 kg Baumwollgarn. Brennzeit: 1 m = 24 Sekunden. Beim fogenannten
Leitfeuer ift die Stoppine durch Papierhülfen verdeckt Diefe Verdeckung dient zur Sicherung
Oer zu entzündenden Feuerwerkskörper. Ludelfäden oder Papierftoppinen find ebenfalls in
rapierhülfen befindliche Zündfchnüre. In der Regel ca. 28 cm lang und von 0,33—0,21 cm
"urchmeffer, dienen fle dem gleichen Zweck wie die Leitfeuer. Die Luntenbeize: Der Zweck
üer Luntenbeize ift ein doppelter; einesteils foil fle den Luntenfaden oder die Zündfchnur
brennbarer machen, d. h. die Verbrennung befchleunigen, andernteils verlangt man ein ficheres,
ruhiges und gleichmäßiges Fortbrennen der damit gebeizten Zündfäden (z. B. bei den Zeit-
zündern). Die Beize befteht aus einer Salpeterlöfung, und zwar 1 Teil Salpeter auf 10 Teile
Waffer. Man l e g t die trockenen Baumwollfäden in Strähnen in die Löfung ein, läßt fie 12 Stunden
darinnen, ringt aus und trocknet. L a n g f a m b r e n n e n d e L u n t e n , z. B. für Tafchenfeuer-
'euge, beliehen aus locker gefponnenen oder geflochtenen Stricken aus Baumwollgarn, die mit
Bleinitrat oder mit Bleiacetat und Kallumchromat imprägniert find. Letztere Schnüre find infolge
Q
es gebildeten Blelchromats fchön gelb. Z ü n d p a p i e r kann bei trockenem Wetter unmittelbar
anftatt der Lunte zu Feuerleitungen dienen, auch wird es zu mannigfachen Zündzwecken benutzt
Man Hellt e s dar, Indem man auf Löfchpapier belderfeitig dünne Anfeuerung gleichmäßig auf-
tragt und fie mit Mehlpulver beftreut
3. SchießwollzUndfchnflre. Darftellung wie Schießbaumwolle (f. Sprengftoffe
und [4]). Unter allen Zündvorrichtungen pflanzen fie das Feuer am rafcheften fort. Ein folcher
«•undfaden dient hauptfächlich zum Entzünden großer kombinierter FeuerwerksfchauftUcke. Er
.k?\ Seheuer rafch und teilt das Feuer z.B. einem Zündpapier, um das er gewickelt ift,
n t
un

•Dfolut ficher mit. Diefe Zündung hat noch den Vorteil der Billigkeit (gegenüber elektrifcher
Mündung) und der Verwendbarkeit bei Regenwetter. i
. 4. Z ü n d l i c h t e r . Die Zündlichter ermöglichen die fichere und rafche Entzündung v o n
a
T dungen und Feuerwerkskörpern. Das Zündlicht muß außerordentlich gut brennen und darf
leioft p e i m heftigften Sturzregen nicht verlöfchen. Sie find warm, d. h. durch Zufammen-
02 Feuerzangen — Feuerzeug, pneumatifdies

fchmelzen von Salpeterfchwefel, Mehlpulver und Kolophonium und nachheriges Pulvern zu


bereiten; ihre Hülfen find, damit fie mit verbrennen, mit Salpeter getränkt.
5. S a t z r ö h r c h e n . Die Satzröhrchen find im wefentlichen Zündlichter in kleinerem Maß-
ftabe, find an den Feuerwerksftücken beteiligt und follen eine fichere Zündung bewerkftelligen.
6. Z e i t z ü n d e r . Diefelben werden In der Feuerwerkerei gebraucht, wenn man Spreng-
ladungen oder Feuerwerkskörper nach Ablauf einer beftimmten Zelt entzünden will. Manche
FeuerwerksftUcke können nur glücken und die verlangte Wirkung hervorbringen, wenn ihre
Teile, z.B. Bränder, Schwärmer u.f.w., eine genau feftgeftellte Brennzeit haben. Sie Hellen
an einer Seite gefchloffene Röhren dar, die mit einem aus grauem Satz und Mehlpulver be-
ftehenden Satz derart gefüllt find, daß eine ganz beftimmte Brenndauer erzielt wird. Dies wird
erreicht durch Einhaltung eines geeigneten Mifchungsverhältnifles und einer geeigneten Satz-
dichte. Ueber elektrifche Zündungen, Momentzündfchnüre, Initialzündungen f. I n i t i a l -
z ü n d u n g e n und B o h r - u n d S p r e n g a r b e i t , Bd. 2, S. 219.
Verkehr mit Feuerwerkskörpera. In der Polizeiverordnung (19. Oktober 1893), be-
treffend den Verkehr mit Sprengftoffen (die württembergifche Minifterialverfügung ift vom
16. Auguft 1905), find die Feuerwerkskörper den Sprengftoffen zugezählt. Von Intereffe ift der
§ 26 diefer Verordnung, der fogenannte Spielwarenparagraph. Nach der neuen Verordnung find
gewiffe Feuerwerkskörper, wie K a n o n e n f c h l ä g e , F r ö f c h e , S c h w ä r m e r , direkt zu den-
jenigen Sprengftoffen gezählt, die an .Perfonen, von welchen ein Mißbrauch zu befürchten ift,
insbefondere an Perfonen unter 16 Jahren" nicht abgegeben werden dürfen. Diefe Verordnung
zählt obengenannte Feuerwerkskörper nicht zu den Spielwaren, die nur ganz geringe Mengen
Sprengftofle enthalten und die ohne weiteres verkauft werden dürfen. Ferner fei der § 29
erwähnt, der von den In den Kaufläden geftatteten Vorratsmengen handelt Im Kaufladen dürfen
nicht mehr als 2'|s kg, im Haufe nicht mehr als 10 kg Vorrat gehalten werden. Bei der polizei-
lichen Durchführung diefer Vorfchrift dürfte bei den Feuerwerkskörpern der Umftand zu berück-
fichtigen fein, daß hier nicht das Bruttogewicht, fondern nur das Oewicht der Satzmengen in
den im Hauptgewicht meift aus Pappe, Papier, Holz beftehenden Körpern in Anrechnung ge-
bracht wird. Näheres f. in [41; vgl. a. [6].
Literatur: [1] Meyer, F. S., Die Feuerwerkerei als Llebhaberkunft, Leipzig 1898. —
[2] Websky, Luftfeuerwerkerei, 8. Aufl., Wien 1891. — [3] Priker, Kunftfeuerwerkerei, Klagen-
furt 1892. — [4] Bujard, Leitfaden der Pyrotechnik, Stuttgart 1899. — f5] Muspratts Handbuch
der technifchen Chemie, S. 865. — [6] Unfallverhütungsvorfchriften für Betriebe zur Herftellung
von Feuerwerkskörpern (Reichsanzeiger vom 25. November 1893 und vom 16. Auguft 1897). —
Gefchichtliches in (4] und a. Romockl, Oefehichte der Explofivftoffe, Berlin 1895; Häußermann,
Sprengftoffe und Zündwaren, Stuttgart 1894; weitere Literatur f. unter I n i t i a l z ü n d u n g e n ,
Bujard.
Feuerzangen, f . S c h m i e d e n .
Feuerzeug, f. Z ü n d w a r e n .
Feuerzeug, pneumatlfches. D u Montiers pneumatifch.es Feuerzeug
{Kompreffions-, Luftfeuerzeug, Mollets P u m p e , Tachopyrion)
Ift ein Metallzylinder mit gut paffendem Kolben. Wird in dem unten ge-
fchloffenen Zylinder der Kolben rafch niedergedrückt, fo erwärmt fich die zu-
sammengepreßte Luft bis zur Entzündung eines in einer Höhlung des Kolbens
befindlichen Stückchens Feuerfchwamm, das nach dem alsbaldigen Zurückziehen
des Kolbens brennt.
Bei fehr rafcher Kolbenbewegurig, läßt fich die Temperaturänderung nach dem Oefetze
der adiabatifchen Zuftandsänderung der Qafe aus der Volumänderung oder Druckänderung
berechnen [1]. Sind T und 7i dje veränderliche Temperatur und die Anfangstemperatur (ab-
folute Temperatur von —273» C. an gezählt), v und v die entfprechenden Volume der Luft
x

Im Zylinder, p und p , die Drücke, fo ift:

. ••>•£-(*)" '(^y-ar-
wobei k = 1,41 das Verhältnis der beiden fpezififchen Wärmen bei Jtonftantem Druck und bei
konftantem Volumen bezeichnet. Daraus berechnet C l a u f i u s z.B. für Volumenänderungen bis
*u Vsi ty. Vio des urfprüngllchen Volumens die zugehörigen Temperaturen T—273» zu 90",-209»,
429» C. Für Demonftrationszwecke kann man nach T y n d a l l fich eines gläfernen Zylinders
bedienen und am Kolben ein Fläfchchen mit fchwefelkohlenftoffgetränkter Baumwolle anbringen.
Beim Niederdrücken des Kolbens entfteht dann ein Lichtblitz. .
Die amerikanlfche Pulverramme von S h a w [21 ift eine technifche Verwertung des pneu-
matifchen Feuerzeugs. Auf. dem einzurammenden Pflock ift ein Mörfer beteiligt, in den der
Rammklotz als gut paffender Kolben hineinfällt. Je vor dem Niederfallen des Klotzes wird in
den Mörfer eine Pulverladung geworfen, deren Explofion den Pfahl nach unten, den Ramm-
klotz wieder nach oben treibt.
. Bei den ehern if c h e n Feuerzeugen wird die durch Einleitung eines chemifchen Prozeffes
frei werdende Verbindungswärme zur Entzündung brennbarer Körper benutzt. Hierher gehört
das P l a t i n f e u e r z e u g , T a u c h f e u e r z e u g , P h o s p h o r f e u e r z e u g . Näheres f.unter den
Einzelartikeln. Eine eingehende Behandlung der verfchiedenen Konftruktionen findet fich in [31.
Literatur: [11 Claufius, Die mechanifche Wärmetheorie, Braunfchweig 1876, Bd. 1, S. 66.
T - [2] Riecke, Lehrbuch der Phyfik, Leipzig 1902, Bd. 2, S. 535. — [3] Stricker, Die Feuerzeuge,
Berlin 1874. A. Schmidt...
Fiale — Fichtenharz 23

Fiale, feltener Vi ale gefchrieben,


jft eine übereck geftellte Pyramide, die
«ich bei den gotifchen Bauten zumeift
über den Strebepfeilern erhebt (f. die
Pigur). Sie befteht wefentlich aus zwei
Teilen, aus dem hoch aufflrebenden
Spitzdach, dem Riefen (von dem alten
Wort reifen, fich erheben), auch Haupt
genannt, und aus dem unteren Teil, dem
Leib. Das Spitzdach ift zumeift an den
Kanten mit den fogenannten Krabben
verziert und endet mit einer Kreuz-
blume, während der Leib mit Stab- und
Maßwerk dekoriert wird und fehr häufig
einen Giebel an jeder Seite als oberen
Abfchluß hat. Wtinbrenner.
Fibroin C, / V A / , 0 , der ftickftoff-
5 23 6

haltige Körper (albuminoide Subftanz)


der Seide.
Wenig löslich in heißem Waffer, löft fleh
in organifchen Säuren, aber auch in kalter kon- Strebebogen und -pfeller mit Fielen
zentrierter Salzfäure. Die Löfung in Salzfäure (Kathedrale zu Amtens).
färbt fleh beim Erwärmen violett. Beim Kochen
tait Schwefelfäure (1:5) löft es fich auf und bildet nach einiger Zeit neben einer alkallfche
Kupferlöfung reduzierenden Subftanz Tyrofln, Leucin und Glykokoll. Fibroin fand fich auch In
Spinnenfäden ( S c h l o ß b e r g e r ) . Bujara.
Fichte, f. N u t z h ö l z e r .
Fichtenharz, dem Namen nach das Harz der Fichte oder Rottanne (Picea
excelsa Link), tatfächlich aber ein Harzprodukt verfchiedener Abdämmung und
Gewinnung. Das aus den Stamm- und Aftwunden mehrerer Nadelhölzer
(Coniferae) ausfließende Sekret heißt T e r p e n t i n (f.d.), der eine Löfung des
K o n i f e r e n h a r z e s i n T e r p e n t i n ö l darfteilt. Diefes Koniferenharz ift nun
das eigentliche F i c h t e n - , R o h - oder g e m e i n e H a r z (Resina pini, Resina
communis). Es kann infolge natürlicher Verdunftung des Terpentinöles während
des Terpentinausfluffes als Krufte an den Wundrändern (auch zwifchen Holz
und Rinde) zurückbleiben oder es wird bei der Darfteilung des Terpentinöls
als Rückftand erhalten. Demnach begreift man unter Fichtenharz zweierlei:
1. ein S a m m e l p r o d u k t , das natürliche Fichtenharz, und 2. die k ü n f t l i c h aus
Terpentin bezw. aus natürlichem Fichtenharz dargeftellten Rohprodukte [1]—[6],
I. D a s n a t ü r l i c h e F i c h t e n h a r z . - Von den europäifchen Koniferen find es die
franzöfifche S t r a n d k i e f e r (Pinus maritima Poir., P.pinaster Sol.), die g e m e i n e F i c h t e ,
die öfterreichifche S c h w a r z f ö h r e (Pinus larlcio Poir.), und die g e m e i n e ; F ö h r e (Pinus
sllvestrisZ,.), die Fichtenharz liefern. Amerikanifche Harzbäume find Pinus australls Midix.,
P-taeda Z.., P. ponderosa Dougl. — D a s der Strandkiefer, die in den .Pignadas' zwifchen
Bayonne und Bordeaux in ausgedehnten Forden gezogen wird, entflammende Harz wird Gall i p o t
genannt; was ferne von den Wunden abgefcharrt oder vom Boden aufgelefen wird, ift fefbft-
veriländlich mehr oder weniger verunreinigt und wird als B a r r a s bezeichnet[21. Oefterle[5]
gibt keinen Unterfchied zwifchen Barras und Gallipot an. Nach feiner Darfteilung wird .im
Februar an derjenigen Stelle des Stammes, an der die Verwundung, die C a r r e (Quarre), an-
gebracht werden foil, mit einem fcharfen Inftrumente (Pouffe, Barrasqufte, Sarc) die Rinde bis
auf eine dünne Schicht entfernt'. Vom März bis Oktober wird nun in beftimmten Zwifchen-
räumen die Carre nach oben vergrößert; ein Teil des Ausfluffes gelangt als dicke Flüffigkeit
( = Terpentin) in den am unteren Ende der Carre beteiligten Topf, ein andrer Teil .trocknet
auf dem ,Wege ein und bedeckt die Carre mit einer'gelblichweißen Krufte, dem B a r r a s oder
Q a l l l p o f . Im Juni und September wird diefes gefammelt, indem man am Fuße des Baumes
ein Tuen* ausbreitet und den Barras mit einem breiten Eifenhaken abkratzt. Gegenwärtig fucht
man die Bildung von Gallipot und Barras, als der viel weniger wertvollen Produkte, durch
rationellere Gewinnung des Terpentins möglichft zu verhindern. Gallipot ift ein vollftändig
kriflalllnifches, zerreibliches, hellbraunes oder gelbes, mitunter fettglänzendes Harz. Ein ähnliches.
Produkt ift das S c h a r r h a r z , das in Niederöfterreich von der Schwarzföhre gewonnen wird,
und das W e i ß f ö h r e n h a r z , das hauptfächlich in den Karpathen (Galizien) gefammelt wird.
— In Finnland, im Schwarzwald, im Schweizer Jura und in den Oftalpen (Salzburg) wird die
Fichte (Picea excelsa) geharzt. Das an den Riffen fich anfantmelnde Rohharz ifl, durch feine
allerdings ziemlich rafch fich verlierende pflrfichblütrote Farbe ausgezeichnet. (Eine von dem
Verfafler bei Radftadt in Salzburg gefammelte Probe behielt, forgfältig aufbewahrt, über ein Jahr
21 Fichtenrinde — Figurenkapitäle

ihre charakteriflifche Färbung.) Von demfelben Baume flammt auch das in manchen Gegenden
Böhmens, z. B. um Karlsbad, gefammclte W u r z e l p e c h , das zwifchen Rinde und Holz dicker
Wurzeläfte fchwefelgelbe Platten bildet [1]; ferner der W a l d w e i h r a u c h , weißliche, gelbliche
oder rötliche kleine, ziemlich weiche Körner, die vom Boden aufgelefen werden und fich auch
reichlich in den Bauten der Waldameifen vorfinden; fie ftellen wohl natürliche Tropfen v o r . —
Im allgemeinen bildet das natürliche Fichtenharz harte, brüchige oder noch etwas weiche,
gelbliche bis rotbraune halbdurchfichtige oder durchfcheinende Körner und Klumpen, oft von
ftalaktitifcher Form; es befitzt einen terpentinartigen Geruch und bitteren Gefchmack [3]. Die
mikrofkopifche Unterfuchung zeigt, daß das Harz aus einer homogenen Grundmaffe befleht, in
der zahlreiche wetzfteinförmige Kriftalle der Abietinfäure enthalten find.
2. K ü n f l l i c h h e r g e f l e l l t e R o h p r o d u k t e [4]. Wird der gemeine Terpentin behufs
Gewinnung des Terpentinöles mit Waffer der Deflillation unterworfen, fo bleibt eine gelbliche,
gepulvert weiße, leicht zerbrechliche Maffe, der g e k o c h t e T e r p e n t i n (Terebinthina cocta)
zurück, der gewöhnlich in nahezu zylindrifchen oder auch fpindelförmigen, an der Oberfläche
fpiralig gefurchten und geftreiften, weißen oder gelben, ftark feidenglänzenden, im Innern hell
g elbbraunen Stücken verkauft wird; bei längerem Liegen wird er an der Oberfläche braun.
ier gekochte Terpentin enthält nebft dem Harz noch Waffer und etwas Terpentinöl.— W e i ß e s
P e c h , W e i ß h a r z , W a f f e r h a r z (Pix alba, RtSsine hydrate^ wird aus dem natürlichen Fichten-
harz gewonnen, indem man dasfelbe fchmilzt, Waffer einrührt und hierauf zwifchen Stroh oder
in Hanffäcken auspreßt; die hierdurch abgefchiedenen Verunreinigungen (.Harzkuchen*) dienen
zur Gewinnung des K i e n r u ß . Das weiße Pech kommt in unregelmäßigen Klumpen oder
Scheiben vor, befitzt eine weißlichgelbe bis bräunliche Farbe, fchwachen Terpentingeruch und
ifl durch einen großen Waffergehalt ausgezeichnet. Die wafferhaltigen Poren find fchon mit
freiem Auge fichtbar. Beim Liegen an der Luft wird es an der Oberfläche b r a u n , und die
oberflächlichen Poren find mit Luft gefüllt [1]. — G e l b e s H a r z , g e l b e s P e c h (Resina lutea,
citrina, flava) ifl ein Mittelding zwifchen den zwei befchriebenen Sorten und dem Kolophonium.
Läßt man nämlich den gekochten Terpentin bei feiner Darftellung längere Zeit unter ftarkem
Umrühren mit Waffer erhitzen oder fetzt man das weiße Harz längere Zeit einer höheren
Temperatur aus, fo erhält man eine hochgelbe bis gelbbräunliche Maffe. — Als B u r g u n d e r -
p e c h (Pix Burgundica) bezeichnet man das durch Äusfchmelzen ( o h n e Waffer) und Kotieren
des natürlichen Fichtenharzes gewonnene Produkt. Auch verfchiedene Kunftprodukte, z. B
Gemenge von Kolophonium, Palmöl oder andern Fetten und Waffer gehen unter diefem Namen
[3], [4]. Echtes Burgunderpech ifl blaßgelb bis gelbbraun, hart, brüchig, leicht zerreiblich, in der
Oberfläche matt oder fettglänzend, mufchelig brechend, terpentinartig riechend, leicht löslich
in konzentrierter Efligfäure, in Aether und ftarkem Alkohol. — K o l o p h o n i u m (Colophonium,
Geigenharz) wird aus dem Rohharz (Terpentin), aus gekochtem Terpentin oder aus natür-
lichem Fichtenharz hergeflellt. Es bildet gegenwärtig das wichtigfle Harzprodukt, das in größter
Menge von Nordamerika in den Handel kommt. Daneben produzieren auch noch Frankreich,
Rußland, Portugal, Spanien und Oeflerreich Kolophonium. Das amerikanifche Produkt flammt
vorwaltend von Pinus australis Michx. ( = P. palustris Müll.) und Pinus hetcrophylla Elb. und
flellt nuß- bis fauftgroße, wie Bernflein durchfichtige, oberflächlich weiß befläubte Stücke dar,
die in Aether, Alkohol, Methyl- und Amylalkohol, Benzol, Chloroform, Terpentinöl, Toluol,
Schwefelkohlenfloff gänzlich löslich find. Es befleht aus «-, ß-, y-Abietinfäure (83°/o), ätherifchem
Oel (0,4—0,7o/o), Refen (5—6°/ ) und Bitterftoff.
n

Fichtenharz ifl ein wechfelndes Gemenge von kriftallifierbaren Harzfäuren mit Terpentinöl
und Waffer. Seine Verwendung ifl eine fehr vielfeitige: zu Firniffen, Lacken, Kitten, zur Dar-
ftellung des vegetabilifchen Harzleims für die Papierfabrikatiou, als Zufatz zu Mafchinen-
fchmieren und zur Erzeugung der Kohäfionsöle; die harzreichen Holzmaffen (Pechgriffe) zur
Erzeugung von Leuchtgas, Fluid, Pinolin, Teer u. f. w. [4], [81.
Literatur: [1] Wiesner, Rohfloffe des Pflanzenreiches, 2. Aufl., Leipzig 1873, Bd. 1, S. 220.—
[2] Flückiger, Pharmakognofie, 2. Aufl., Berlin 1883, S. 71. — [3] Vogl, A., Kommentar, Wien 1892,
Bd, 2, S. 455. — [4] Thenius, G., Die Harze und ihre Produkte, deren Abdämmung, Gewinnung
und Verwertung, Wien. — [5] Oefterle, Harzinduflrie im Südweflen von Frankreich, Bericht der
Deutfch. Pharm. Gefellfch., Berlin 1901.— [6] Tfchirch, Die Harze und die Harzbehälter, Berlin 1900.
— [7] Tfchirch u. Studer, Ueber das amerikanifche Kolo-
phonium, Archiv d. Pharm. 1903, Bd. 241, S. 4 9 6 - 5 2 2 . —
[8] Andres, Erwin, Die Fabrikation der Lacke, Firniffe
und des Siegellackes, 3. Aufl., Wien. T. F. lianaufek.
Fidelbogen, f. B o h r g e r ä t , Bd. 2, S. 187.
Fichtenrinde, f. G e r b f l o f f e .
Fieldkeffel, f. D a mp fke ffe 1, Bd. 2, S. 567,
und Schiff s k e f f e l .
Figurenguß, f. K u n f t g u ß .
Figurenkapitäle oder B i l d e r k a p i t ä l e ,
jene Säulenknäufe, die reichen figuralen Schmuck
oder fogar hiftorifche Kompofition aufweifen.
Schimärifche Tiergeftalten und menfchliche Köpfe,
die fich aus dem Blatt- und Rankenwerk des Kapitals ent-
wickeln, kommen zuweilen im griechifchen und römifchen
Stil und fehr häufig in der Renaiflance vor; doch werden
diefe nicht mit dem Namen Figurenkapitäl bezeichnet.
Figurierte Zahlen — Filter 25

Dagegen haben insbefondere der byzantinifche und romanifche Stil Knaufe aufzuweisen, deren fall
ausfchließlicher Schmuck aus figuralen Darftellungen befteht, worunter Szenen aus der biblifchen
Oefchichte recht häufig verwendet wurden. So fleht man z. B. auf einem Kapital der Abtei-
kirche von St. Benoit die Flucht der helligen Familie dargeftellt; die Madonna mit dem Jefus-
kindlein im Arme reitet auf einem Efel und hat trotzdem einen Schemel unter ihren Füßen.
Rechts und links vom Mittelblide find andre Hellige angebracht, die Ecken des Kapitals mar-
kierend (f. die Figur). Pflanzliches Ornament erfcheint fo gut wie ausgefchloffen. Im Dome
von Monreale bei Palermo gibt es Säulenkapitale, die Bogenftellungen bilden, in welchen eine
ganze Reihe von Heiligen untergebracht erfchelnen. Desgleichen zeigt die Kirche S. Marco in
Venedig eine ganze Serie der verfchiedenartlgften Flgurenkapitäle. wtnbrtnmer.
Figurierte Zahlen heißen die Glieder von arithmetifchen Reinen, wenn
fie fich aus verkörperten Einheiten in Form von regelmäßigen Polygonen oder
Polyedern darftellen laffen. So läßt fich z. B. die Zahlenreihe 1, 3, 6, 1 0 . . .
durch die * die Reihe 1 , 4 , 9 , 1 6
Reihe der A -AA. durch die
Dreiecks-, A Ä « A l W * " Reihe der . £J
1 3 6 10
figuren
aguren • « o iv Quadrate
yuaaraxei i 4 4 * « •
verdeutlichen u. f. w. Indem man alfo die Zahlen der erften Reihe als Dreiecks-
zahlen, diejenigen der zweiten als Viereckszahlen bezeichnet, fetzt man dadurch
einen kurzen, klaren Begriff feft, durch deffen Nennung man fich das Anfchreiben
der Reihen erfparen kann, ohne mißverftanden zu werden.
In diefem Sinne und bezogen auf weitere Polygone und auf Polyeder und Pyramiden
find in der Mathematik als Begriffe eingeführt worden:
A. P o l y g o n a l z a h l e n
Dreieckzahlen (Trlangular-Trlgonalzahlen):
1, 3, 6, 10, 15. 21 . . . HSf±R. Summe der ,; a t e , J - » » + •
( n + 1 }
Viereckzahlen: 1, 4, 9, 16, 25, 36 n»; 5 = " \ ™ •
l )
Fünfeckzahlen: 1, 5, 12, 22, 35, 51 . . . ~ ; S = •/» ««<« + !)•
I L
('• + 2)eckzahlen: 1 , 2 + r , 3 + 3 r , 4 + 6 r . . . * ( l + ^ ^ - r ) ; S - ^ ^ — {l + ^ ' \ -
B. P o l y e d r a l z a h l e n .
l ( + )
Tetraedralzahlen: 1,4,10, 20, 35,56 . . . »/««(« + 1 ) ( « + 2); S = * " .2.8.4 ' 1 [

Oktaedralzahlen: 1,6,19,44,85,146 . . . i/sr»(2/t» + l); S = ' | , « ( n + 1 ) («' + « + 1 ) .


Hexaedralzahlen: 1, 8, 27, 64,125, 216 . . . n»; S= V « « » ( « + ! ) ' •
Ikofaedralzahlen: 1,12,48,124,255,416... i / * / i ( 5 n » - 5 n + 2 ) ; S = - ^ - ( 1 5 n » + 1 0 « ' - 3 n + 2 ) .
Dodekaedralzahlen: 1,20,84,220,455,816... i/»«(9«»—9«+2). S=ikn(n + \)@n + l)(3n-2).
C. P y r a m i d a l z a h l e n , Summenreihen der Polygonalzahlen.
a) Erfte Pyramidalzahlen: 1, 4, 10, 20, 35, 56 . . . ; 1,5, 14, 30, 55, 91 . . . ; 1, 6, 18, 40,
75 126 *
b) Zweüe pjrämldälzahlen: 1, 5, 15, 35, 70, 126 . . . ; 1, 6, 20, 50, 105, 196 . . . ; 1, 7, 25,
w
Literatur: Hagen, Synopfls der höheren Mathematik, Bd. 1, Berlin 1891, S. 84 ff. Wfi**'
Filet, Bezeichnung für jede durchbrochene Kettenwirkware. Vgl. a . N e t z e .
Filete, f. G o l d p r e f f u n g .
Filieren, f. Z w i r n . ^ .
Filigran, die aus verfchiedenen Verfchlingungen von dünnem Silber- oder
Golddraht hergeftellten Schmuckgegenftände.
Filigrangläfer, f . M i l l e f i o r i und K u n f t g e w e r b e . m

Filigranpapier, Luxuspapier mit zarten, geprägten, netzförmigen Muttern.


Filling up, Wagengrundfarbe, urfprünglich aus England in den Handel
gebrachte, jetzt aber überall hergeftellte graubraune Farbe, die als Grundierung
in der Wagenlackiererei vermöge ihrer befonderen Härte und Fettigkeit gute Dienfte
leiftet. Sie ift aus Umbra, Schwerfpat, etwas Bleiweiß, gemahlenem Schiefer und
gemahlener Glätte in wechfelnden Verhältniffen zufammengefetzt. Oft wird unter
der Bezeichnung Filling up auch nur eine braune Erdfarbe verkauft. AHM*.

Films, f . P h o t o g r a p h i e . t n

Filofelle, Filofellfelde, im Wiener Handel Bezeichnung für Florettfeide.


Filter. Strömt eine Flüffigkeit fo durch einen poröfen Körper, daß die
in erfterer enthaltenen Suspenfionen dem letzteren durch Adhäfion verbleiben
26 Filter

oder fich vor demfelben feftlegen, fo nennt man den Vorgang Filtration, den
Körper das Filter und die aus dem letzteren ablaufende Flüffigkeit das Filtrat.
Allgemeines. Es werden insbefondere faferige Stoffe (Afbeft, Cellulofe, Filz, Leinwand,
Papier, Tuch, Werg, Wolle u. f. w.), Schwämme, körnige Materialien (Eifenfchwamm, Erde,
Kohlenpulver, Porzellan, Sand, Steine, Ton, Torf u. f. w.) als Filter benutzt. Durch die im
Filter verbleibenden Rückftände wird die Porofität allmählich aufgehoben; es ift deshalb bei der
erftmaligen Benutzung des Filters die Durchläffigkeit ein Maximum und nimmt mit allmählicher
Verftopfung der Poren ab.
Chemlfche Löfungen werden im allgemeinen durch das Filter nicht abforbiert; nur dann,
wenn das letztere aus Stoffen befteht, die eine Verbindung mit der durchlaufenden Flüffigkeit
eingehen oder einen Teil der Flüffigkeit verarbeiten bezw. zurückleiten (Pflanzenabforption),
erfolgt auch eine chemifche Umwandlung. Animalifche und vegetabilifche Kohle z. B. hat
die Eigenfchaft, Oafe zu abforbieren; die Kohlenfilter nehmen alfo der durchlaufenden Flüffigkeit
Qefchmack und Qeruch, Jedoch nur fo lange, als die Kohle ihre diesbezügliche Abforptions-
fähigkeit behält [IT, [28]. Eifenfchwamm reduziert Nitrate und Nitrite und bewirkt bei der Waffer-
filtration eine zufriedendellende Abnahme der organifchen Beimengungen [2], [31. Aber das Filtrat
fättigt fleh mit Eifenfalzen im letzteren Fall, während fich in den Kohlenfiltern nach kurzer
Zeit Bakterienherde bilden. Wenn überhaupt ein Filter chemifch gelöfte Stoffe aufnimmt, fo
werden fich diefe in dem Filterkörper anfammeln und denfelben durchdringen, alfo das Filter
und fomit auch deffen Wirkung Retig verändern; die Veränderung und ihre Folgen treten auch
ein, wenn das Waffer dem Filterkörper fortwährend durch Löfung Stoffe entzieht. Es wird dies
für die meiden Zwecke der Filtration ein unerwünfehter Prozeß fein, Filtriert dagegen Waffer
durch einen mit Pflanzen bewachfenen Boden, fo kann, fofern die Pflanzen einen großen Teil der
Chemifch gelöden Beimengungen des Waffers zu ihrer Ernährung verbrauchen und fo aus dem
Filter zurücknehmen, eine auf die Dauer wirkfame und erwünfehte Abänderung der chemifchen
Befchaffenheit erzielt werden, ohne daß das eigentliche Filter wefentlich verändert wird (f. A b -
waffer, F l u ß v e r u n r e i n i g u n g und B e r l e f e l u n g m i t ftädtifchem K a n a l w a f f e r ) .
Man unterfcheidet n a t ü r l i c h e und k ü n d l i c h e F i l t r a t i o n ; bei beiden ift der Vor-
gang gleich, vollzieht fich aber im erfteren Falle ohne.weiteres, indem das auf die Erdoberfläche
gelangende oder in Flüffen und Seen befindliche Waffer Bodenfchichten durchdringt, in denen
es fich feiner Suspenfionen entledigt, während bei der kundlichen Filtration die Vorbedingungen
für das Durchftrömen des Filterkörpers durch befondere Maßnahmen geregelt werden. Letztere
find insbefondere bei der Filtration In Gewerben, welche die verfchiedenften Flüffigkeiten zu
klären haben, und bei der peripheren Wafferfiltration (Hausfiltration) fehr mannigfaltig [4], [5], [9J.
Kleinfilter. Verfchiedene Filter für Gewerbe follen bei Befprechung. der betreffenden
Betriebe Erwähnung finden. In der Chemie wird gewöhnlich ungeleimtes weißes Papier zur
Filtration in der Weife benutzt, daß dasfelbe in einen Glas- oder Porzellantrichter — an den
Wänden anfchließend — gebracht und hierauf die zu filtrierende Flüffigkeit eingegofien wird.
Sind größere Mengen trüber Flüffigkeit zu filtrieren, fo verwendet man leinene oder wollene
viereckige Tücher (Koliertücher) oder Spitzbeutel aus Filz, feltener Steinfilter oder folche aus
plaftifcher Kohle. Aus fchlammigen Flüffigkeiten werden die Verunreinigungen durch F l l t e r -
p r e f f e n (f.d.) abgefchieden.
Hausfilter zum Reinigen trüben Waffers behufs Gewinnung von Trlnkwaffer find feit
ältefter Zeit Im Gebrauch. In Aegypten z. B. hat fich bis heute das fogenannte .Sihr" erhalten,
ein poröfes Tongefäß (bei deffenHerftellung dem Ton Kohle beigemengt wird, die im Ofen
verbrennt und große Poren ermöglicht), in das man Waffer bringt und unter dem eine Auf-
fangfchale angebracht Ift, die das von der Außenfläche abtropfende, durch Verdundung bei der
Prozedur gekühlte Waffer fammelt. Auch poröfe Steine, als fchüffelförmlge Gefäße bearbeitet,
werden in den Tropen für diefeibe Prozedur vielfach verwendet (vgl. a. D.R.P. Nr. 33943). Die
Porzellanfilter, unter denen dasSyftem P a f t e u r ( C h a m b e r l a n d ) d i e größte Verbreitung hat,
beliehen aus einem poröfen Zylinder von gebranntem Kaolin (Kerze) mit einer unten angebrachten
engeren Ausgußöffnung; der Zylinder befindet fich innerhalb eines Metallmantels. In den
Zwifchenraum zwifchen Mantel und Kerze gelangt das zu filtrierende Waffer unter Druck, fetzt
feine Uneinigkeiten an der Außenfläche der Kerze ab und liefert dem Innenraum der letzteren
das Filtrat. Die Kerze kann auch ohne Ummantelung in Rohwaffer gebracht und das letztere
mittels Anfaugen zum Durchftrömen der Wände gezwungen werden (Filtres sans pression
Chamberland). Kolbenförmig konftrulerte-Filter aus gebranntem Kaolin find von P u k a l l [ 6 ]
eingeführt; B e r k e l eld[7] gebraucht Kerzen von gebrannter Inf uforienerde (in der Regel Zylinder
von 260 mm Länge, 50 mm Lichtweite und 10 mm Wandftärke). Die Filterkörper der B r e y e r -
fchen Mikromembranfilter [8] bedehen aus einer dünnen Lamelle fein gemahlenen Afbedes, der
auf einem mit Tuch überfpannten gelochten Bleche lagert. Aehnliche Einrichtungen und nähere
Befchreibungen finden fleh in den Patentfeh ritten D.R.P. Nr. 3463, 11688, 20424, 26480, 33095,
34994 , 49608 , 71278 , 73403 , 82082 , 88927 , 96047, 98881, 101506; vgl. a. die Kataloge der
Firma W. S c h u l e r in Isny, der A k t i e n g e f e l l f c h a f t für G r o ß f i l t r a t i o n in Worms u.a.
In England und deffen Kolonien find die Hausfilter d e r S i l i c a t e d C a r b o n F i l t e r
C o m p a n y , B a t t e r f e a , London SW, viel verbreitet; deren Filterkörper befleht aus präparierter
Kohle. Eigentümliche, mit fogenanntem Carbo calds präparierte Filter liefert M a i g n e n { 9 ] .
O. F. O e b e r g (Stockholm) hat fleh einen Filterkörper aus pladifcher Kohle,, den er in eine
fiedende Löfung von kiefelfaurem Alkall und nach dem Trocknen in eine folche von fchwefel-
faurer Tonerde bringt, patentieren laffen (D.R.P. Nr. 34689). Durch die bei der Benutzung in
der äußeren Schicht diefes Filterkörpers entdehenden Niederfchläge von kiefelfaurer Tonerde
follen die Bakterien von dem Eindringen in das Filtrat abgehalten werden, was fich übrigens
Filter 27

nicht als zutreffend erweift.— Das bekannte Piefkefche Schnellfilter [10) verwendet als Filter-
körper Cellulofe und Afbeft. Wegen ,der befonderen einzelnen Anordnungen verweifen wir auf
die angegebene Literatur. Bemerkt fei nur, daß alle diefe Hausfilter felbftverftändlich nur einige
Zelt, nämlich fo lange wirkfam find, bis fich die Poren zugefetzt haben; dann muß eine Reinigung
oder Erneuerung des Filterkörpers folgen. Je nach dem hierfür zu machenden Aufwände und
nach der Fähigkeit des Filters, ein nahezu keimfreies Waffer zu liefern, beurteilt man deffen
Wert. Die Hygieniker verwerfen die Kohlenfilter allgemein; auch die andern bisher bekannten
Hausfilter werden nicht empfohlen, weil fie beim Mangel an Kontrolle bezw. zu langem Oebrauche
fehr leicht einen Nährboden für die Bakterien bilden, die dann in das Filtrat gelangen. Immerhin
darf die Bedeutung diefer Hausfliter, befonders für die großen Diftrikte, die heute noch der
modernen Wafferverforgung entbehren, nicht unterfchätzt werden. Bezüglich Prüfung und Be-
urteilung von HauswaiferfiTtern fei auf [11] verwiefen.
Die Filtration Im großen erfolgt faft ausnahmslos durch S a n d f i l t e r . Durch den Sand
werden alle jene Suspenfionen des Rohwaffers zurückgehalten, die größer find als die Poren an
der Elntrittsfiäche. Ift alfo fchon beim frifchen Filter der zwifchen den einzelnen Sandkörnern
vorhandene Raum kleiner als die Dimenfionen der Suspenfionen im Rohwaffer, fo bleiben diele
zum vornherein vom Eintritte ausgefchloffen. In der Regel ift aber ein Teil der Suspenfionen
kleiner und vermag dann durchzukommen; deshalb liefert ein frifch in Betrieb genommenes
Filter meift unbrauchbares Filtrat. Erft durch die Vorlegung der Suspenfionen, unter denen
»uch Algen, Bakterien u. f. w. find, die fich rafch vermehren, verengen fich die Poren der
oberften Filterfchicht, in der die Sandkörner überdies einen fchlelmigen Ueberzug erlangen;
diefe fogenannte Filterfchmutzhaut befähigt das Filter, auch die felnften Suspenfionen zurück-
zuhalten. Eine weitere Wirkung der Sandfiltration foil in der Oxydation organifcher Subftanzen
beliehen. Ueber diefen Vorgang fowie über die zu erfüllenden Bedingungen behufs mög ichft
vollftändiger Bakterienzurückhaltung durch die Sandfilter fehlen noch genauere Auffchlüffe.
Unzweifelhaft dagegen befteht die Möglichkeit, durch die Filtration ein klares Waffer zu gewinnen
und deffen Qualität als Nutzwaffer zu verbeffern 112]. ....... _ .
D i e E i n r i c h t u n g d e s F i l t e r s ift in der Regel fo, daß eine Schicht feinen Sandes
von 600—1200 mm Stärke horizontal auf einer nach unten allmählich gröber werdenden Lage
von Kies und Steinen ruht, die aus grobem Sand, Perlkies, Erbfenkies, Bohnenkies, Nußkies u. f. w.
In kleinen Schichtenhöhen gebildet Ift. Die unterfle Schicht ifl durch eine Reihe von Kanälen,
die in einen die Mitte des Filters durchziehenden Sammelilrang münden, drainiert; das hier
gefaßte Filtrat geht fodann durch Rohrleitungen zum Reinwafferrefervoir. — Wie vorhin erwähnt,
erhält man erft dann ganz klares Waffer vom Filter, wenn fich über der oberften Sandfchichte
die .Filterfchmutzhaut" gebildet hat, was Je nach der Rohwafferbefchaffenheit mehr oder weniger
lange dauert. Man kann die Bildung der Filterfchmutzhaut dadurch fördern, daß man mit der
Filtration erft beginnt, wenn das RoTiwaffer längere Zelt über dem Filter ruhig geftanden^hat
Andernfalls fchließt man entweder das in der erften Zelt von dem Filter gelieferte Filtrat aus
oder man verbindet die Rohwafferräume und Reinwafferräume der Filter durch Heberleitungen
gegenfeitig fo, daß Jedes Filter von zwei andern Filtrat zur Nachfiltration erhalten bezw. daß
ledes Filter fein Filtrat an zwei andre in der Nähe gelegene zur Nachfiltration abgeben kann
[D.R.P. Nr. 84837). Die Nachfiltration (Doppelfiltration) geftattet angeblich eine wefentliche
verbefferung der Wafferqualität. Näheres darüber in [131.
Die Wahl d e s S a n d e s hängt bei beitimmtem Rohwaffer von Verfuchen ab, die ins-
befondere dann angeftellt werden muffen, wenn verfchiedene Sande zur Verfügung flehen und
man den paffendflen herausfinden foil. Hat man keine Gelegenheit zu elnem^erfuche im
großen, fo kann hierzu der In Fig. 1 dargeftellte Apparat benutzt werden, lit das Rohwaffer
in F von dem Filtrate in C durch eine Sandfchicht von der Höhe A und
ein Sieb 5 getrennt und befitzt die Abteilung F einen Ueberlauf U, der
breit genug ift, um einen konflanten Spiegel des Rohwaffers herzuftellen,
fo wird (ich bei beflimmter Entnahme Q aus
dem Hahn A der Spiegel des Filtrates im
Räume C um die Höhe H unter Jenen des
Rohwaffers fenken. Diefes H ift die wirkfame
Druckhöhe, die durch die Reibung Im Filter-
fande (in der Hauptfache) verbraucht wird.
Erhält man bei beftlmmtem ff das in der.
Sekunde ablaufende Wafferquantum O gerade
noch klar, fo läßt fich die mindeftens er-
forderliche Filterfläche B für eine beftimmte
Sandart und zu filtrierende Waffermenge V
pro Sekunde berechnen aus: F:Q = B:v.
Selbftverftändllch ift das Experiment In den
verfchiedenen Stadien der Durchgängigkeit Flg. 1.
des
des Filters
Filters anzuftellen,
anzuftellen, weil zu Aniang
wen zu Anfang der
aa
Filtration für die gleiche Waffermenge Q ein viel kleineres H genügt als nach, UmUu «einiger
Zeit und Bildung einer ftarkeren Filterfchmutzfchlcht; dementTprecTiend Ift ein Mittelwert an-
zunehmen. Als praktifche Orenze für Hmax gilt 800 mm. Das. Verhä tnis von B ™ £ i f t bei
den Filteranlagen In Tegel (Berlin) 28800, in Müggelfee(Berlin) 36000, n Hamburg 57600.- Man
Sollte mindeftins das Maß J3: K = 36000 einzuhalten fuchen, was einer Oefchwindlgkeit des
Ober der Filterfchmutzfchlcht befindlichen Rohwaffers von 100mm pro Stunde,, d.lh. einer
Menge von 2,4 cbm Filtrat oro Quadratmeter Filterfläche in 24 Stunden entfpricht. Beffer Ift
es, wie in Hamburg, nur 1,5 cbm pro Quadratmeter anzunehmen.
28 Filter

Die A u f e i n a n d e r f o l g e d e s F i l t e r m a t e r i a l s ift in Fig. 2 veranfchaulicht, ent-


fprechend dem Hamburger Filter. Sie ift nicht überall dlefelbe. Als Minimalmaße dürften
gelten: Wafferhöhe 600, Filterfand 600, grober Sand 50, Erbfenkies von 10—20mm Korn-
durchmeffer 80, Bohnenkies von 2 0 - 3 0 mm Korndurchmeffer 120, Nußkies 150, große Steine 200,
alfo Minimaltiefe des Filterbodens unter Normalwaffe*rftand 1800 mm. Eine Ueberficht der bei
deutfchen und englifchen Filtern üblichen Materlaifolge gibt [141. Die Drainage am Filterboden
ift ftets fo anzuordnen, daß das Filtrat bis zur unterften Filterfchlcht eine möglichft vertikale
Bewegung erhält; je näher die Drains aneinander liegen, bezw. je gröber das zu unterft liegende
Material im Filter ift, um fo beffer wird diefe Forderung erfüllt. Auch die Gleichmäßigkeit
diefer Bewegung ift wesentlich. Sie wird nicht stattfinden, wenn die Filterfchmutzfchicht eine
verfchiedene Porofität zeigt, fei es, daß dlefelbe an einzelnen Stellen durch Einwerfen von
Steinen, Auffteigen von Luftblafen oder Aufwühlen durch Aale u. f. w. durchbrochen ift, fei es,
daß überhaupt von vornherein die Bedingungen für deren gleichmäßige Entwicklung gefehlt
haben. Die letzteren fehlen insbefondere dann, wenn das zugeleitete Rohwaffer fehr viele
grobe Sedimentationen liefert und in feiner Befchaffenheit während einer Filtrationsperiode
rafch wechfelt. Es empfiehlt fich deshalb, der Filtration die Ablagerung (f. A b l a g e r u n g s -
b a f f i n ) vorhergehen zu laffen.
B e f c h a f f e n h e i t d e s F i l t e r k ö r p e r s . Alle zu dem Einbau eines Filterbettes ver-
wendeten Materialien follen möglichft gleichmäßig und rein fein; die mittlere Korngröße des
Sandes für die oberfte Lage im Filter foil aus praktlfchen Rückfichten 0,5 mm ttberfteigen. In
der Regel fucht man Sand mit ca. 1 mm Korngröße zu verwenden.

flg. 3 . Himburg:« Filterbecken.


Die Q r ö ß e e i n e s F i l t e r b e c k e n s ift nicht allein durch die abfolut erforderliche
Filterfläche B gegeben; diefe muß Jederzeit vorhanden, überdies aber noch die Möglichkeit
geboten fein, während des Betriebes wenlgftens ein Becken auszufchalten (zu reinigen, zu
entleeren, frifch auszufüllen), fo daß unter allen Umftänden zwei erforderlich find. Die größten
Becken befitzt Hamburg (Fig. 3) mit 7500 qm Filterfläche; für kleine Betriebe nimmt man In
der Regel Flächen von 700-1200, für mittlere folche von 1200—2000 qm [151. Die dem Koften-
minlmum entfprechende Zahl der Unterabteilungen für den Fall, daß mehr als zwei folcher
Abteilungen erforderlich find, läßt fleh leicht analytifch beftimmen [161. Im übrigen werden
die Filterbecken offen und überdeckt hergeftellt. Offene Becken empfehlen fleh dort, wo be-
triebsftörende Eisbildungen feiten vorkommen, wie z. B. in dem Küftenklima Hamburgs. Als
Vorzug derfelben gilt, daß Luft und Sonne Ihre Desinfektion erleichtern [171. Große Störungen
und Verschlechterungen des Filtrates [18] entftehen aber durch die Eisbildung im ftrengen Klima
und verdienen in diefem die überdeckten Filter unbedingt den Vorzug. Die Ueberdeckung
erfolgt gewöhnlich durch Ueberwölben (Flg. 4) oder mit flachen Decken In Betoneifenkonftruktlon;
doch dürfte in vielen Fällen eine Ueberdachung und heizbare Ueberbauung fich noch mehr
empfehlen.
Der F i l t e r b e t r i e b , hat vor allem dafür zu forgen, daß die Bewegung des Waflers In
der oberen Sandfchicht behufs Erzeugung eines reinen Filtrates nur durch kapillare Zwischen-
räume erfolge; deshalb muß bei der Inbetriebsetzung das Filter von unten nach oben durch
Reinwaffer gefüllt werden, da beim Füllen von oben nach unten die in den Filterfchlchten
vorhandene Luft die filtrierende Sandfchicht an einzelnen Stellen durchbrechen und nicht-
kapillare Zwlfchenräume erzeugen würde. Auch find Entlüftungsröhren an den höchften Stellen
der Drains und von der unterften Filtrierfchlcht über Tag zu führen. Auf die Dauer der
Filter 31

bewerkflelligt werden kann. Unter den zahlreichen Vorfchlägcn in diefer Richtung (vgl. die
D.R.P. N r . 5 1 6 3 8 , 6 4 6 0 5 , 6 8 0 2 6 , 75628, 7 7 1 4 5 , 7 8 0 9 8 , 79826, 83542, 8 8 4 4 6 , 91 829, 94864,
95202, 97438, 98034, 99131, 107739, 113783, 116534, 121440, 131466 u. f. w.) erwähnen wir
die Sand- bezw. Kiesfilter mit Rückfpülung, die lieh befonders für die V o r r e i n i g u n g v o n
K e f f e l f p e i f e w a f f e r vielfach als brauchbar erwiefen haben.

Der Filtriervorgang in offenen Filtern ohne


Druck ift in Fig. 8 dargeftellt, die wir einem
Profpekte der deutfehen Filiale Düffeldorf der
Steame l'epuration des eaux, Paris, entnehmen. Fig. 8. A, B Rohwafferzuleitung. V, V Durchgan^s-
Das in den Trichter E aus der Rohrleitung A fchieber. D Regulierventil. /-'Schwimmer. E Einlauf-
kommende und mittels Steigrohr B beigeführte trichter. CStellvorrichtung. 7"Zuflußrohr. / ? T e i l u n g s -
platte. P, P' Ausläufe für Entleerungen. 5 Rein-
Rohwaffer ergießt lieh durch das Zuflußrohr T wafferrohr.
nach der Teilungsplatte R, von der es horizontal
über die Filterfchicht verteilt wird. Schwimmer F und Ventil D regeln den Zufluß Das
Rohwaffer geht durch die Filterfchicht und ein Sieb in den konifchen Raum K und fließt von
hier nach dem ReinwalTerrohr 5. Soll gereinigt werden, fo entleert man durch P den Kaum
oberhalb der Filterfchicht, führt von Raum K aus Reinwaffer als Gegenftrom durch das Filter,
wobei der Aufwiihlapparat L die Reinfpülung des Filtcrmaterials unterftützt und rafch aller
Schlamm durch P entleert wird. Auch der Raum K kann durch P' entleert bezw. von etwa
eingefchwemmtem Sande befreit werden. In einem derart angeordneten Filter von 5 m Durch-
meffer können 50 - 60 cbm WafTer pro Stunde gereinigt werden. — Eine ganze Reihe von
Unternehmungen baut ähnliche Anlagen; das fogenannte W a r r e n - F i l t e r , das Kiesfilter von
R e i f e r t - K ö l n das der Berliner Wafferreinigungsgefcllfchaft, von L o u i s S c h r ö t e r - R e p p e n ,
der E c o n o m i f e r Werke in Düffeldorf-Grafenberg u. f. w. gehören hierher. Wir verweifcn auf
die Kataloge diefer Firmen.
„ ., m ^

Flg. 9. Filter im Betrieb. Flg. 10. Filter beim Auswafchen.


ie
filt P unter Druck arbeitenden gefchloffenen, den foeben befchriebenen ähnlichen Waffer-
e f e r n e i n e r e l a t i v
k m' größere Filtratmenge. Die Füllung beftcht in der Regel aus Erbfen-
es (Pcrlkies), der ebenfalls durch Gegenftrom unter Mitwirkung einer Wühlmafchine gereinigt
w
' r d . Einen derartigen Filtrationsapparat von R e i f e r t - K ö l n (D.R.P. Nr. 75628) zeigen die
g- J und 10. In den gefchloffenen Behälter von zylindrifchcr oder prismatifcher Form find
8 e W l ( T e m
"eh Abftand horizontal zwei Siebe / , / aus gelochtem Blech und Drahtgeflecht ein-
D e r Z w i f c , 1 4
h! a " e n r a u m ift mit feinem Perlkies F bis / , der Höhe ausgefüllt. Fig. 9 zeigt r
e
Jj .n Apparat im gewöhnlichen Betrieb. Das trübe Waffer ftrötnt durch das Ventil A, durch-
K i e S u n d f l i c ß t d u r c h d a s V e n t i I B M a r a b I f t d , 1 s F
rchl " - '"ermaterial fo weit ver-
11
w U"" '• daß die Leiftung merklich abzunehmen beginnt, fo muß das Filter ausgewafchen
1 M a n f c t l l i e ß t Fj , 0 l l i e r z d a s V c n l i l
Bei-i? ' ( g- ) " A, öffnet dagegen das an der Rückwand des
ciiäitcrs gelegene, in der Figur geftrichelt gezeichnete, den Ablauf 5 bedienende Schlamm-
32 Filter

abflußventil und das Lufthähnchen X. Desgleichen öffnet man das Ventd C und fetzt mittels
des Dampfventils D den Luftkompreffor L in Tätigkeit. Die in das Rohrfyftem R gepreßte
Luft ftrömt durch eine Anzahl kleiner Oeffnungen unter, das Filtriermaterial und in dasfelbe
hinein und wühlt es, unter gleichzeitiger Rückftrömung des Waffers, energifch auf. Der Schlamm
wird hierdurch losgeriffen und fließt durch das Rohr 5 ab, während die Luft durch den Hahn X
entweicht und der Dampf kondenflert wird. Nach wenigen Minuten Hellt man den Luft-
kompreffor L wieder ab und läßt das Waffer noch 2—3 Minuten zurückftrömen, damit fo alle
Luft aus dem Kies entfernt und letzterer völlig rein wird. Hierauf werden die Ventile wieder

Flg. 1 1 . Filter von Krthnke.


Das in Fig. 11 dargeftellte Kröhnke-Filter [22] (D.R.P. Nr.83542) befteht im wefentUchen
aus einer horizontal in zwei Achfen drehbar verlagerten, an beiden Enden gefchloffenen
Trommel als Filtergehäufe, im Innern durch vertikale Querwände fo geteilt, daß fich fcheiben-
förmige Kammern bilden, abwechfelnd mit Sand und Waffer gefüllt. Die Wafferkammem find
durch geeignete Kanäle mit Je einer der Hohlachfen des Trommelgehäufes fo verbunden, daß
eine beftimmte Anzahl von Kammern Rohwaffer durch die eine Hohlachfe aufnimmt, während
eine andre Zahl Kammern filtriertes Waffer durch die andre Hohlachfe abgibt. Zwifchen Roh-
waffer- und Reinwafferkammern liegen die Filterfcheiben aus Sand zwifchen feinen Metallfieben,
durch ftarke geftanzte Schutzböden verftärkt. Die Sandkammern find größtenteils, jedoch nicht
völlig mit Sand gefüllt. Die Scheidewand zur Rohwafferkammer ift vollftändig durchläfflg,
diejenige zur Reinwafferkammer nur im unteren Drittel. Die Korngröße der Sandfeheibe wird
dem Zwecke des Filtrats angepaßt; doch ift dlefelbe bis zur minimalften Grenze zuläffig, weil
die einfließenden Metallfiebe von denkbar felnfter Lochung find. Die Sandfeheiben bieten
dem Rohwafferftrom zwei Filterflächen, eine im Kreisabfehnitt, eine in der oberen Horizontal-
fläche des lagernden Sandes, beide zufammen find größer wie der Kreisinhalt einer Scheiben-
fläche felbft. Flg. 11 zeigt ein vierfaches Filter, das mehr als die vierfache Leiftung eines der
bekannten Horizontalfilter gleichen Durchmeffers hat, weil die Filterfläche größer ift als der
Kreisinhalt und in jeder Sandkammer einmal zur Verfügung fleht. Durch Einbau einer be-
liebigen Anzahl von Sandkammern nebeneinander würde die Leiftung des Filters alfo Immer
noch größer fein als diejenige der gleichen Anzahl von Horizontalfiltern desfelben Durch-
meffers, ohne wefentlich mehr Raum zu beanfpruchen wie ein oder zwei Horizontalfilter
nebeneinander.
Nimmt die Lieferungsfähigkeit durch Verfchlammung der Filterfläche ab, ift alfo eine
Reinigung erwünfeht, fo wird die Trommel durch ein angebautes Zahnradgetriebe mittels Kurbel
in langfam rotierende Bewegung gebracht. Vorher wird der Wafferweg im Filter durch geeignete
Schieberftellung umgekehrt, fo daß das Waffer von den Reinwafferfeiten aus gegen die Schmutz-
und Schlammfchlchten auf den Fllterflächen ftrömt Inzwifchen wird das Filter fortwährend
gedreht und dadurch der Sand von allen Selten, Korn für Korn, vom Relnigungswaffer getroffen;
hierdurch werden Schmutz und Schlamm zerrieben und fortgedrückt.
Alle diefe Einrichtungen bewähren fich gut in i n d u s t r i e l l e n B e t r i e b e n ; b e i d e r
f t ä d t i f c h e n W a f f e r v e r f o r g u n g f i n d fie f e i t e n a n g e w e n d e t u n d n i c h t e m p -
fehlenswert.
Filtration durch poröfe Zellen. Für die Filtration im großen find zum Zwecke der
Herftellung von Genußwaffer auch poröfe Zellen und Röhren aus natürlichen und gebrannten
Steinen (Filterplatten und Filterzylinder) In Anwendung gebracht worden, z. B. In der Stadt
Worms und bei der Wientalwafferverforgung [23]. UrfprUnglich wurden die Filterplatten von
Fifcher Peters-Worms (D.R.P. Nr. 77142) entfprechend Fig. 12 angeordnet; neuerdings werden
Filter 33

diefelben aus einem Stück hergeftellt und aus reinem Flußfande mit einem als Bindemittel
dienendenn Natronfilikat geformt, geformt.'iedoch
jedoch nur
nm foweit
l u » i . i . ,.gebrannt,
6 ......... —
u r daß . . Körper
- - der . - - die nötige Fertigkeit
r --.. -----
0

erlangt, aber dabei durchläffig bleibt. Aus den Fig. 13 und 14 ift die Anlage etaesTilterbafflns
mit den Filterzellen und Nebeneinrichtungc • * UVIl . i6 . . » 0

-en erfichtlich, wie fie dem W o r m f e r Syftem entfpricht.


Das Rohwaffer fließt durch den Kanal Z in das Baffin
und umhüllt die aufrecht flehenden Elemente. Zwifchen
den Hohlräumen in letzteren und einem der Lange nach
alleElemente verbindenden gefchloflenenRohrer (Fig. 13)
wird durch einen Stutzen der Ablauf des Filtrates her-
geftellt, der mittels' des Sammelrohres H nach dem
Regulierfchachte B (Fig. 13) erfolgt. Die Druckhöhe, d. h.
der Abfland zwifchen dem Wafferftand (WS) des Bafflns
und dem Ueberiaufe (WS) des Telefkoprohres T (Fig. 14)
ivird durch Schraube und Handrad Ri eingeftellt; der
auf dem Rohwaffer angeordnete Schwimmer S hält diefe
Druckhöhe konftant, fo daß man in der Lage ift, ein
ftets gleichbleibendes, aber beliebiges Wafferquantum
zu filtrieren. Das Filtrat zieht durch das Ablaufrohr A nach dem Rein-
wafferrefervoir. Einzelne Elementengruppen können durch die an den
\ Enden der Röhren r vorgefehenen Schieber außer Betrieb gefetzt bezw.
in den Betrieb wieder aufgenommen werden. Sollen die Elemente ge-
Schnitt f-g reinigt werden (was etwa alle 4 Wochen nötig Ift), fo wird durch die
Fie 12 Leitungunter
Waffer D (Fig. 13 und
Druck 14), nachdem
eingelaffen, das danndieInSchieber s gefchloffen
die Hohlräume find,
der Elemente
• . . . . . . . . Steinplatten" vöiTinnen
tritt'und'dTe — , — u außen «An»
nach fpült. y^ f demfelben
u

Wege kann eine Reinigung durch Wafferdampf erfolgen, wenn es fich darum
handelt, die Platten zu fterilifieren bezw. die in den Poren entha enen
organifchen Körper zu vernichten. Der Leerlauf des Filterbeckens vollzieht
fich durch das Rohr L. Als Vor-
züge des Wormfer Syftems gegen-
über gewöhnlichen Sandfiltern
werden die fenkrechte und des-
halb der Abfetzung des Schlammes
üngünftige Anordnung der Filter-
flächen, die Möglichkeit der Ste-
rllifation und die Billigkeit der
unter geringem Wafferdruck arbei-
tenden Anlage (Korten ca. 60 bis
65°/o einer gut konftruierten Sand-
filteranlage) geltend gemacht. Die
Ergiebigkeit Ift pro Quadratmeter
Filterfläche der Steinplatten dle-
felbe wie pro Quadratmeter Sand-
Hlterflache, d. h. fie kann in
§ leicher Weife durch Einfällen
er Druckhöhe reguliert werden.
Bei 100 mm FUtrationsgefchwin-
digkeit pro Stunde (vgl. S. 27)
treten auf den beiden Fllterflächen
der Platte 2 • 2,4 = 4,8 cbm Waffer
In den Hohlraum eines Elements.
Die A k t l e n g e f e l l f c h a f t
für O r o ß f i l t r a t i o n in Worms
befchrelbt in 124] Anlagen, bei
denen die Filterplatten durch
Filterzylinder erfetzt find, die aus
mehreren Ringen von ca. 20 cm
Höhe (ein Element von 1 m Höhe
aus fünf Ringen) beliehen. Das
Material der Ringe Ift porös und
ähnlich dem der Platten. K u r k a
[25] verwendet zur
V~d u
* ' w Großflltration
iuu"'"»"»» Flg. 14 (Llngenfchnltt)
jyllndrlfche Elemente aus poröfem _ „ „ „ „. ni-r—c»««.™»,.. w
Stein von gleichmäßiger Struktur mit feinen Poren (D.R.P. Nr. « W Ä D i e f « Stefnr^r hat
gerchloffenen Boden, quadratischen Kopfanfatz und keilförmige Kopfflächen; die Länge des
Elementes beträgt 120 cm, wovon auf den unteren zylindrischen Tel 1*08 . a u f den quad afifchen
Kopfanfatz 12 cm entfallen. Der Durchmeffer des zylindrifchen Teils beträgt 23 cm, die Breite
und Länge des quadratlfchen Kopfanfatzes je 25 cm; die innere Bohrung hat einen Durchmeffer
von 9 cm, die Wanddicke ift alfo 7 cm. Die Elemente werden fenkrecht flehend In Kammern
eingebaut; 16 Elemente erfordern 1 qm Bodenfläche. Die Filtration erfolgt von außen nach innen.
Aehnllche Einrichtungen aus andern poröfen Elementen find vielfach vorgefchlagen
Worden (vgl. z. B. D.R.P. Nr. 107251). In der Praxis wird lndeffen diefe Art Filtration feiten
angewendet. Die Poren verlegen fich, ohne daß es vollständig gelingt, durch Rückfpülung die
L
« « I « r , teiUtnn der getarnten Teclnik. 3. Auu. IV. 3
34 Filtergalerii —• Filterkorb

eingedrungenen Unreinigkeiten zu befeitigen. Für gewerbliche Zwecke find die Anlagekoften


zu noch und in der ftädtifchen Wafferverforgung ift es den bis jetzt bekannten Syftemen nicht
gelungen, die Sandfiltration zu verdrangen, die fich feit langer Zeit als das bis jetzt vollkommenfte
Wafferklärungsmlttel im großen bewährt hat.
Befondere Filtrationsmethoden und Filterkörper follen, foweit fie auch die chemifche
Befchaffenheit des Waffers ändern bezw. die im Waffer gelöften Stoffe entfernen, unter Waffer-
r e i n i g u n g befprochen werden. Die im Waffer vorhandenen Bakterien werden durch keines
der Im vorteilenden erwähnten Filtrationsverfahren vollftändig zurückgehalten; doch ift im
allgemeinen eine wefentlichc Verminderung der fpezififchen Bakterienzahl erreichbar. Neuerdings
wird verfucht, durch S t e r i l i f i e ' r u n g (f.d.) bezw. O z o n i f i e r u n g (f.d.) die Bakterien zu
vernichten. Die Zurückhaltung feiner und feinfter Suspenfionen fowie oefonderer Methoden zur
Filtration haben verfchiedene Anordnungen — z. B. Doppelfiltration, Zumifchung von Ton zum
Sand fowie andre befondere Filtermaffen u. f. w. — gezeitigt, die ebenfo wie Betriebsverhältniffe
und zahlreiche fonftige im vorftehenden nicht eingehender befprochene Einrichtungen aller Art
in [261- [391 und In den D.R.P. Nr. 5210 , 7676 , 9688, 11670, 12849, 13524, 17828, 18262,
20312, 21768, 23057, 23060, 23404, 23725, 23807, 24641,25541,26480,28547,30401,30611,
32647, 33071, 34056, 34667/68, 41181, 42082, 42426, 42857, 43039, 43254, 45112, 45130,
46185, 46195, 47508, 48502, 48919, 49608, 49623, 50479, 52220, 52496, 53075, 53304,
54037, 54129, 54137, 54141, 55132, 55426, 56981, 58355, 58676, 58881, 58999, 60684,
61755, 61958, 63037, 64384, 66289, 66291, 67201, 67253, 68260, 68410, 69640, 69781,
70050, 70513, 70973, 72085, 72269, 73403, 73740, 74141, 75628, 76136, 76194, 77133,
78003, 79236, 79822, 81261, 81770, 82601, 85023, 85237/38, 85572, 86571, 86675, 87677,
90030, 91903, 92252, 94863, 95835, 98389, 100716, 100893, 101096, 101439,104636,106968,
107251, 109269, 110747, 110971, 119663,125394 nachgefehen werden wollen. In gewerblichen
Betrieben werden auch vielfach Filtertücher zur Filtration verwendet; vgl. hierüber den Artikel
F l l t e r p r e f f e n und die befonderen Methoden in den D.R.P. Nr. 33434, 43441, 56052, 72754,
77611, 105109. Die Filtration durch die Grasnarbe von Wiefen bezw. die Erzeugung kunftllchen
Grundwaffers auf diefem Wege ift da und dort erfolgt; ftrengeren hygienifchen Anforderungen
vermag aber das fo gewonnene Waffer nicht zu entfprechen. Vgl. a.Wa ff e r r e i n i g u n g .
Literatur: [1] Heffe, W., Deutfeh. Med. Wochenfchr. 1885, S. 71. — [2] Frankland, T., Pro-
ceedings of the Inst, of civil engin., London 1886, 6. April. — [31 Filtration durch Eifenfchwamm
und die Wafferverforgung von Antwerpen, Journ. für Gasbel. u. Wafferverforg., Bd. 26,1883, S. 93.
— [41 Barnes, P., On the filtration of water for industrial purposes, Journ. of the Frankl. Inst.
1882, S. 285. — [5] Krüger, R., Die Filter für Haus und Gewerbe, Wien 1886. - [6] Pukall,
Ber. der Deutfchen ehem. Gefellfchaft, Bd. 26, 1893, S. 1159. — [7] Deutfche Vierteljahrsfchr. für
offen«. Gefundheltspflege 1892, S. 50. — [8] Beyer, Die Mikromembranfilter, Wien 1884, und
Hygien. Rundfchau 1891, S. 977 (Referat). — [9] Malgnen, L'eau purified par le filtrage, Paris
1894. — [10] Fifcher, F., Das Waffer, feine Verwendung, Reinigung und Beurteilung, Berlin 1891,
S. 217. — [11] Gruber, M., Gefichtspunkte für Prüfung und Beurteilung von Hauswafferfiltern,
Zentralbl. f. Bakteriologie 1893, S. 488; 1894, XIV, S.488. — [12] Zu vergleichen: Bertfehinger,
Unterfuch. über die Wirk, der Sandf. in Zürich, 1889; Frankel und Piefke, Zeitfchr. f. Hygiene
1890; Koch, R., Zeitfchr. f. Hygiene u. Infekt. 1893 und 1894. — [13] Goetze, E., Journ. f. Gas-
beleucht. u. Wafferverf. 1896, S. 2, und Zeitfchr. d. Ver. deutfeh. Ing. 1896, S. 820. — [14] Kümmel,
Journ. f. Gasbeleucht. u. Wafferverf., Bd. 33, 1890, S. 511. — 115] Handb. d. Ingenieurwiffenfch.,
Bd. 3, Wafferbau, 1. Abt., 2. Hälfte, Leipzig 1893, S. 281. — [16] Lueger, Wafferverforgung, Bd. 1,
Darmftadt 1895, S. 426. — [171 Esmarch, E. v., Zeitfchr. f. Hygiene u. Infekt., Bd. 16,1894, S. 257.
— [181 Koch, R., ebend., Bd. 14, 1893, S. 409. — [19] Meyer, A., Das Wafferwerk der freien und
Hanfeftadt Hamburg, unter befonderer Berücksichtigung der 1891—1893 ausgeführten Filtrations-
anlage, Hamburg 1894. — 120] Weyl, Th., Handb. d. Hygiene, Bd. 1, Jena 1896. — [21] Journ.
f. Gasbeleucht. u. Wafferverf. 1877, S.544; 1878, S.35; 1890, S. 11. — [22] Kröhnke, 0., Das
Waffer und feine Reinigung, Stuttgart 1900, und die Kataloge der Allgemeinen Städtereinigungs-
gefellfchaft fowie von Müllenbach & Zillefen, Hamburg. — [23] Das Waffer, Jahrg. 1901, Heft 15.
— [24] Aktiengefellfchaft für Großfiltration in Worms, Worms 1902 (Selbftverlag); Technifches
Gemeindeblatt 1903, Nr. 20; Dinglers Polyt. Journal, Bd. 318, Jahrg. 1903, Heft I. — [25] Stein-
filter Syftem Kurka für den Großbetrieb, Frankfurt a. M. 1900. — [26] Atkins, W. G., The modern
system of water purification, London 1895. — 127] Cotrell, E. P., The purification of drinking
water, Engineering 1898, Bd. 66, S. 1704. — [28] Malldne'jak, Wirkung der Holzkohle auf die
organifchen Stoffe des Waffers, Journ. de Pharmac. et de Chim. 1900, Bd. 12, S. 5 ff. — [29] Jolles, A.,
Neuartige Filter und deren Darfteilung, Zeitfchr. f. angewandte Chemie 1900, S. 666. — [30] Ger-
hard, W7P., Amerikanifche Filter und Filtermethode, insbefondere die Schnellwafferfilter, „Gefund-
heif 1900, S. 305 ff. — [31] Hering, Palmer und Perrit, Filtration of water for public use, Proceed.
Am. Soc. Civ. Engin. Aug. 1900, S. 774. — [32] Sherman, Schutzfiebe an den Wafferwerken von
Bofton, Engin. News, September 1900, S. 218. — [33] Hagen, Stand der Trinkwafferreinigung in
Nordamerika, Journ. f. Gasbeleucht. u. Wafferverf. 1901, S. 137. — [34] Peter, H., Ueber Waffer-
reinigung durch kombinierte Grob- und Feinfilter, Journ. f. Gasbeleucht. u. Wafferverf. 1901, S. 681 ff.
— [35] Mitteilungen über Betriebsvorgänge bei offenen Sandfiltern und deren Reinigung, ebend.
1902, S. 80. — [36] Giefeler, Amerikanifche Schnellfilter, ebend. 1902, S. 470. - [37] Spring,
Filtration von Waffer durch Sand und Lehm, ebend. 1902, S. 589. — [38] Richart, Künftliche
Filtrationsbaffins, ebend. 1902, S. 963. — [39] Neues Verfahren zur Reinigung von Trinkwaffer,
ebend. 1903, S.55. S. a. F i l t r a t i o n . Lnegtr.
Filtergalerle, f. Wafferfaffung.
Filterkorb, f. B r u n n e n , Bd. 2, S. 367.
Filterpreffe 35

Filterpreffe, eine leiflungsfähige, im Erfolge vollkommene, in der Hand-


habung einfache und im Betriebe billige Vorrichtung, um feile Stoffe mittels
Durchfeihens aus Flüffigkciten abzufondern, fei es, um erflere möglichft trocken
zu gewinnen, wie z. B. die Maffe in der Porzellan- und feineren Tonwarenfabri-
kation, fei es, um die Flüffigkeit zu klären. Die Filterpreffe befteht aus einer
Anzahl flacher, durch ein Geftell vereinigter Kammern, die mit Filtertüchern
ausgekleidet find.
Man unterfcheidet K a m m e r p r e f f e n , bei denen
e r rir
,, >gs um die Filterfläche der Platten laufende, glatte
u
' c n t u n g s r a n d erhaben ift, fo daß je zwei zufammen-
i , flößende Platten eine Kammer bilden,
und Ra h m e n p r eff e n , bei denen
der Dichtungsrand mit der Fläche
eben liegt und die Kammern durch
die zwifchen je zwei Vollplatten ein-
gcfchaltcten Hohlrahmen gebildet
werden. Im allgemeinen arbeitet man
mit beiden Arten von Preffen gleich
gut, jede Art hat ihre befonderen Vor-
züge. In den Kammerpreffen fallen
die Rückllände beim Auseinander-
fehieben der Platten von felbft heraus
oder können doch mit leichter Mühe
F von den Tüchern abgeftrichen wer-
E
' den. Bei den Rahmcnpreffen werden
Flg. 4. die Riickflände in den Rahmen aus der Preffe
herausgehoben; diefelben eignen fich daher be-
fonders- für folche Stoffe, deren Rückllände feile Kuchen bilden. Bei den Kammerpreffen werden
die Filtertücher entweder mittels Tuchverfchraubungen am Eingangskanal beteiligt und abgedichtet
pder durch den Eineaneskanal hindurchgezogen, während bei den Rahmcnpreffen die Tücher ein-
fach Uber die Platten
gehängt werden. . 1. , \
„ In Fig. 1 und 2
111
ein Schnitt durch
e ,
ne Kammcrpreffe
n
" d Anficht der
Platte einer folchen
gegeben (rechts in
f ' g . 1 mit aufgeleg-
tem Sieb), in Fig. 4
cbenfo Schnitt durch
eine Rahmenpreffe;
r ' g - 3 g i b t den Hori-
2
°ntalfchnitt durch
eine Platte ohne auf-
gelegte Siebe und
ohne Filtertücher.
P'c Filterplatten lind
•n beiden Fällen bis
a
«f die Ein-und Aus-
'nttsöffnungen ge-
lehloffen und mit
C|
n e m Harken Rand I
und einer größeren
« h l von fenkrecht
laufenden Erhöhungen, die kleine Kanäle zwifchen fich laden, verfehen; auf diefe geriffelten
f a c h e n werden noch weitere mit kleinen Oeffnungen verfehene dünne Platten und auf letztere
erll die Filtertücher aufgelegt. In den Figuren bedeuten a a die Zulaufkanäle, die entweder
m Mitte der Filtcrplatten bb, wie in Fig. 1 und 2, oder oben, wie in Fig. 4, angeordnet find;
** find die Siebe und die geftrichelten Linien die Filtertücher; dd find Oeffnungen, die von
^en fenkrecht angeordneten Kanälen / / nach den Ablaufrinnen ee führen; gg lind die Preß-
kuchen, die bei der Rahmenpreffe aus dem Rahmen Ii (Fig. 5) herausnehmbar lind. Der Zutritt
Q
e r zu filtrierenden Maffe erfolgt bei der Rahmenpreffe durch kleine Oeffnungen im Rahmen.
Wie bereits bemerkt, werden ftets eine größere Zahl von Kammern in einem Geftell mit-
einander vereinigt und gleichzeitig befchickt. In Fig. 5 ift die äußere Anficht einer folchen
Kahmenpreffe, wie fie von der Mafchinenfabrik von A. L. G. D e h n e in Halle a. S. als Spezialität
gebaut wird, dargeftellt. A ift das Geftell, auf deffen Rahmen BB die Filterplatten a a
und Filterrahmen bb abwechfelnd aufgeftcllt werden; lind die Platten fämtlicii aufgegeben, fo
werden diefelben eng aneinander gefenoben und hierauf mit Hilfe der Schraubenfpindel c und
Oes Handrades d feil zufannnengefiigt. Ift alles fo weit vorbereitet, fo läßt man den zu filtrierenden
Schlamm in die Preffe eintreten. Wo mehrere Preffen von einer gemeinfamen Leitung aus
36 Ftlterrohr — Filtration

gefpeift werden, gefchieht dies durch das Oeffnen eines Ventils, das der unter Druck flehenden
Maffe den Eintritt in die Preffe freigibt; ift nur eine Filterpreffe vorhanden, fo wird die be-
treffende Filterpumpe in Tätigkeit gefetzt. Der Zutritt des Schlammes zur Filterpreffe wird
fo lange unterhalten, bis fo viel fefte Maffe fich in den einzelnen Abteilungen abgefetzt hat, als
in denfelben jeweilig Platz findet; hierauf wird der Zufluß des Schlammes eingeteilt, die
Schraubenfpindel zurückgedreht und die Platten auseinander gefchoben. Falls die betreffende
Prefle eine Kammerpreffe ift, wird die entwäfferte Maffe hierbei nach unten fallen, wo fie in
befonderen Oefäßen zur weiteren Verwendung oder zur Befeitigung aufgefangen wird; ift es
eine Rahmenpreffe, fo werden die Rahmen herausgenommen und die Kuchen, die fich in den-
felben befinden, ausgefchüttet. Die unteren Ablaufrinnen ee werden oft mit Verfchlußhähnen,
wie dies auch in Fig.5 bei hh dargeftellt ift, verfehen; es hat dies den Vorteil, daß, wenn
irgend ein Filtertuch während des Gebrauchs undicht wird, nicht die ganze Preffe außer Tätig-
keit gefetzt zu werden braucht. Es ift in einem folchen Falle nur erforderlich, den Hahn zu
fchließen, der den Austritt aus der betreffenden Abteilung reguliert.
Die Anwendung eiferner Filterpreffen Ift in vielen rällen nicht zuläffig; man verwendet
dann bisweilen Holz zu den Rahmen und Platten, beffer aber entweder Metalle, die von den
zu filtrierenden Stoffen nicht angegriffen werden, oder man macht die elfernen Platten u. f. w.
mit einer für die zu filtrierende Flüffigkeit unangreifbaren Schicht aus Zinn, Blei oder Hart-
gummi widerftandsfähig. In einzelnen Fällen, namentlich dann, wenn die zu filtrierende
Flüffigkeit die Filtertücher ftark angreift, werden Filterpreffen mit eingelegten Tüchern benutzt ;
die Ränder werden dabei nicht durch die Filtertücher, fondern durch aufgefetzte Streifen von
Pappe oder Gummi abgedichtet. Wo es fich darum handelt, die Flüffigkeit vollftändig rein
zu erhalten, genügt In der Regel ein Filtrieren durch die Tücher allein nicht; man benutzt
dann als Filter eine geeignete Maffe: Sand, Kohle oder dergl. Dlefes Maffenftlter wird fo
hergeftellt, daß man vor jeder Filterplatte einen befonderen Rahmen zur Aufnahme der Filter-
fchicht anordnet. Ehe die eigentliche Filtration beginnen kann, wird die Filtermaffe in eben-
solcher Weife wie die zu filtrierende Flüffigkeit In die Filterpreffe eingedrückt und erft nachdem
fleh eine genügend ftarke Schicht Filtermaffe abgefetzt hat, der Filterrahmen eingefetzt. Der
Zutritt der zu filtrierenden Flüffigkeit wird durch einen mehr oder weniger ftarken Druck bewirkt.
Das einfachfte ift, den natürlichen hydroftatifchen Druck zu benutzen, d. h. das Gefäß, aus dem
die Flüffigkeit nach der -Preffe gelangt, genügend hoch über diefelbe zu Hellen. Ift dies nicht
möglich, fo muß ein künftlicher Druck, meift durch Druckpumpen, erzeugt werden, die den
Schlamm nach den Preffen fördern. Die zu benutzenden Druckpumpen muffen fo konftruiert
fein, daß die arbeitenden Teile der Pumpe tunlichft gegen die Angriffe der in der Flüffigkeit
enthaltenen Stoffe gefchützt find; wenn diefe Stoffe nur aus Sand oder dergl. beliehen, werden
Membranpumpen angewendet, foweit die Flüffigkeit aber Säuren enthält, muffen alle mit der
Flüffigkeit in Berührung kommenden Teile durch einen unangreifbaren Ueberzug von Blei,
Zinn oder Hartgummi gefchützt fein. In befonderen Fällen benutzt man direkten Dampf oder
Druckluft; letztere hat gegen Dampf den Vorteil, daß die zu filtrierende Flüffigkeit nicht durch
den fleh kondenfierenden Dampf weiter verdünnt wird. DUmmitr.
Filterrohr, f. W a f f e r v e r f o r g u n g .
Filtration, eine im Laboratorium wie in der Technik häufig ausgeführte
Operation, die den Zweck hat, fefte, in einer Flüffigkeit fuspendierte Stoffe von
diefer zu trennen. Den Apparat, deffen man fich beim Filtrieren bedient, nennt
man Filter, die durch das Filter gegangene Flüffigkeit Filtrat.
Im Laboratorium befteht ein Filtrierapparat In der Regel aus einem gläfernen Trichter,
an deffen Wände ein entsprechend gefaltetes Filter aus Filtrierpapier fo angelegt wird, daß der
Trichterrand über den Filterrand etwas hervorragt. Das Filtrat wird In einem geeigneten
Gefäß gefammelt. Zur Befchleunigung der Filtration dient in vielen Fällen zweckmäßig eine
Saugvorrichtung. Man fetzt das Ablaufrohr des Trichters vermittelst eines Gummiftopfens luft-
dicht in ein ftarkwandiges Gefäß, die fogenannte S a u g f l a f c h e , ein, deren feitlich angefetztes
Rohr man mit einer kleinen, in den Laboratorien üblichen Wafferftrahlluftpumpe verbindet.
Die Spitze des Filters fchützt man vor dem Zerreißen durch Einfetzen in einen kleinen Konus
aus durchlöchertem dünnen Platinblech. Oder man wendet fogenannte F i l t e r p l a t t e n an, das
find runde, mit einer Reihe von Durchbohrungen verfehene Scheiben aus Porzellan oder Glas,
die fich an die Trichterwandungen anlehnen und mit einer Scheibe Filtrierpapier oder Afbeft
überdeckt werden, wobei namentlich darauf zu achten ift, daß an den Filterwandungen ein
guter Schluß hergeftellt wird.
In einzelnen Fällen finden im Laboratorium auch kleine F i l t e r p r e f f e n (f.d.) Anwendung;
oder man filtriert durch eine grobmafchige Leinwand, fogenanntes K o l i e r t u c h , die an einem
viereckigen Rahmen von Holz, dem Filtrierrahmen, aufgefpannt wird. Letztere Filtriereinrichtung
bietet den Vorteil, daß nach beendeter Filtration dem auf dem Filter gebliebenen Rückftand die
noch zurückgehaltene Flüffigkeit durch Auspreflen des Rückstandes in dem zufammengefalteten
Tuch entzogen werden kann.
In der Technik befitzen die Filter mannigfache Formen je nach der weiteren Verarbeitung
der durch die Filtration getrennten Stoffe. Hierbei liegen drei Möglichkelten vor. Entweder
handelt es fich um die Weiterverarbeitung des Filtrats, und der Rückftand auf dem Filter ift
wertlos; oder diefer ift gerade das zu verarbeitende Hauptprodukt, und das Filtrat geht zu den
Abwäffern; oder aber beide Produkte find wertvoll und follen weiterverarbeitet werden.
Handelt es fich um das Klären von Flüffigkeiten, z. B. Obftläften u. dergl., fo benutzt man
Spitzbeutel von Leinen oder Filz, die an Holzböcken aufgehängt find, oder befondere Filtrier-
vorrichtungen. Zum Sammeln und Auswafchen von Niederschlägen dienen die fogenannten
Filtrieren — Findelhaus 37

S e i h b o t t i c h e , Behälter von Holz oder Metall, die einen falfchen durchlöcherten Boden ent-
halten. Diefer ift mit Zeug befpannt oder mit Matten bedeckt und hält den Niederfchlag zurück,
während das Filtrat aus einer zwifchen den beiden Böden befindlichen Oeffnung abläuft. In
der Z u c k e r - und S t ä r k e f a b r i k a t i o n (f.d.) fowie in mannigfachen andern Betrieben
bedient man fich kompliziert konftrulerter Filterpreffen.
Von befonderer Bedeutung für die öffentliche Oefundheitspflege find die Filtrierapparate,
die zur Filtration des Waffers dienen (f. F i l t e r und W a f f e r r e i n i g u n g ) . Bujard.
Filtrieren, f. F i l t e r , F i l t r a t i o n .
Filtrierpapier, ein aus chemifch reinem Faferftoff erzeugtes, feftes, fehr
»augfähiges, urrgeleimtes Papier (f. P a p i e r f o r t e n ) .
Fütrierftelne, feinporöfe Gefteine, die Flüffigkeiten rafch durchlaffen und
dabei deren Trübungen zurückhalten.
Es eignen fich hierzu manche Sandfteine, deren Quarzkörner nur unvollftändig durch
Bindemittel verbunden find; dann auch feinblafige Laven, Bimsflein, auch wohl feinzelllge Kalk-
Weine (Kalktuffe) und Dolomite. Man hat früher folche Öefteine zum Filtrieren des Waffers
benutzt, indem man fie in fchüffel- und wannenartige Formen gebracht oder fie in das Flltrier-
a l s P I a t t e
lf/m n eingefügt hat. Es ift aber dabei zu berückfichtigen, daß die zu filtrierende
flüffigkeit geringe Mengen des Filtrierfleins löfen kann, wenn derfelbe durch fie angreifbar ift,
alfo vor allem Kalkfteine und Dolomite. Die Verwendung wird durch die Schwierigkeit be-
'chränkt, die Steine nach dem Filtrieren von den aufgenommenen Trübungsteilchen wieder zu
befreien und zu wafchen. Bei nicht feit gebundenen, lockeren, durchläffigen Mafien, wie Sand
und Kies, läßt fich dies leichter bewerkftelTigen, und fo kommt diefen Qefleinen bei der Filtration
großer Waffermengen eine erhöhte Bedeutung zu. ' Lappla:
Fütrierftelne, in der Papierfabrikation, aus Zement hergeftellte, mit einer
großen Anzahl feiner Löcher verfehene Steine gleicher Form, die.das im Papier-
zeug oder im Zellftoff vorhandene Waffer durchlaufen laffen, die Fafera jedoch
zurückhalten (f. P a p i e r f a b r i k a t i o n ) . Kraft.
Filz, dicht ineinander verworrene Faferftoffe, befonders aus Wollfafern und
Haaren, die einen zufammenhängenden Körper von bedeutender Zähigkeit, bilden.
_ Im gewöhnlichen erfolgt die Herflellung tuchartig, und der Filz wird zu Klelderftoffen,
'eppichen, Schuhen, Filtern u. f. w. verarbeitet. — Im Schiffbau findet g e t e e r t e r Filz Verwen-
dung Unterlage für den Metallbefchlag der Außenhaut; ferner mit Paplerzwifchenlagen zur
z u r

'folation von Kühiräumen, fowie g e p r e ß t e r F i l z zur Unterlage für Dampfdynamos, Fall-


nämmer u.f. w., um die Vibrationen einzufchränken. Vgl. a. T u c h f a b r i k a t i o n .
Filzbarkeit, jene allen Faferfloffen, namentlich aber den kürzeren .Woll-
fafern zukommende wichtige Eigenfchäff, zufolge welcher fich diefelben unter
gewiffen Bedingungen fo ineinander zu verwirren vermögen, daß aus lofen
Fafern ein nahezu kompakter, in gutem Zufammenhange flehender Körper, der
F i l z , entfleht (f. T u c h f a b r i k a t i o n ) . Kraft.
Filzen, jene in verfchiederien Induftrien und Gewerben zur Ausführung
gebrachte Arbeit, deren Zweck es ift, durch die Ausnutzung der Filzbarkeit aus
lofen Fafern einen zufammenhängenden Körper herzuftellen (f.Tuchfabrikation).
p , Filzgarn, g e f i l z t e s G a r n , Garn aus Streichwolle, das mit Erfparun'g'des
Feinfpinnens dadurch herzuftellen verfucht worden ift, daß man Vorgefpihit a\if
e
'ner Filzmafchine — einem mehrfachen Würgelzeuge — ftrecken und unter
gleichzeitiger Einwirkung von Näffe und Wärme mit ftarkem Drucke rollen ließ.
Hierbei erfolgt, ohne bleibende Drehung, eine auf Verfilzung der Wollhaare
beruhende Verdichtung des Fadens, die ihm genug Zufammenhang verleiht,
Ur
n ihn wenigftens als Einfchußgarn verwendbar zu machen. B.Muiur.,
Filzmafchine, f . T u c h f a b r i k a t i o n .
Filzmfihle (Walkmühle, D i c k m ü h l e , Hammerwalke), die durch Stoß-
arbeit fallender Hämmer das Verfilzen der Gewebe bewirkende Mafchine; auch
d»e dereinft gefonderten Werkftätten, in denen das Verfilzen des Tuches ftatt-
land, wurden mit diefem Namen bezeichnet ( f . T u c h f a b r i k a t i o n ) . Kraft.
•• Filztuch, tuchartiges, durch. Filzen hergeftelltes. Fabrikat; dient zu Einlege-
sohlen, auch als Kleiderftoff, mit Teer getränkt zum. Dachdecken. Kraft.?
Fimmel (Fümmel), der Spitzkeil, der bei der bergmännifchen Herein-
treibearbeit (f. d.) verwendet wird. . •
. Findelhaus, Anftalt zur Verpflegung und Erziehung von Kindern, welche
meift ^bald nach der Geburt von ihren Eltern verlaffen oder ausgefetzt werden.
j!en „
frühen
38 Finderredit — Finfterniffe und Bedeckungen

Da aber die erzieherifchen Vorteile derfelben fehr geringe find und deren fittlicher Nachteil
längft erkannt ift, find fie in Deutfchland ganz eingegangen, dagegen in den romanifchen
Landern fowie in Rußland noch vorhanden. —. Die bauliche Anlage des Findelhaufes, früher
ftets eine zentralifierte, mit großen Sälen u. f. w., hat fpäter, ähnlich den Heilanftalten, Waifen-
häufern u. dergl., einem Syftem der Trennung welchen muffen, bei welchem die Pfleglinge nach
Gruppen oder Familien in Einzelgebäuden untergebracht werden.
Literatur: Handb.d. Arch., Darmftadt 1883,2.Teil, 5. Halbbd., Heft2, S. 117. w*inbrtnntr.
Finderrecht, im Bergbau, f. B e r g r e c h t .
Findlinge, f. E r r a t i c u m .
Fingerhüte,, beim Nähen, Sticken u. dergl. benutzte Hilfsgeräte, beliehen
meift aus Eifen, Stahl oder Kupfer, manchmal aus Silber, Gold, Aluminium,
Elfenbein, Horn u. dergl.
Fingerhüte aus Meffing werden entweder gegoffen oder es werden Blechftreifen gebogen,
verlötet und mit einer gleichfalls verlöteten Kappe verfehen; bei Fabrikbetrieb werden meift
kreisrunde Blechfcheiben mittels eines Stempels in mehrere Löcher von langfam zunehmender
Tiefe, eingepreßt. Die äußere Oberfläche wird mit kleinen Vertiefungen verfehen, um das Ab-
rutfchen der Nadel bei der Arbelt zu verhindern. Diefe Vertiefungen werden hervorgebracht,
indem man ein Rändelrädchen aus Stahl, das auf feinem Umfange mit den entfprechenden
Spitzen verfehen ift, gegen den auf einer Drehbank umlaufenden Fingerhut preßt. Auch kann
man eine mit Spitzen verfehene Scheibe aus Stahl in Umdrehung verletzen und gegen diefe
den um einen Stift lofe drehbaren Fingerhut preffen. Sind die Fingerhüte aus zu hartem Stoff,
aus Perlmutter, Knochen u. dergl., fo genügt der durch das Rändeln hervorgebrachte Druck
nicht, vielmehr find die Vertiefungen einzubohren. Zum Schluß werden die Fingerhüte durch
Abreiben mit Sägemehl poliert; bei Maffenerzeugung gefchleht dies In Scheuertrommeln. Finger-
hüte aus Stahl werden zuweilen vorher noch gehärtet, eiferne durch Einfetzen in Kohlenpulver;
nach dem Polieren werden fie blau angelaffen. Die Verzierungen auf der äußeren Oberfläche
; werden ebenfalls durch Rändeln hervorgebracht oder es werden Goldftreifen eingelegt. Auch
preßt man in eiferne Fingerhüte Futter aus feinem Meffingblech. Daithow.
Fingerhutblau, f . M i n e r a l b l a u .
Fingerling des Ruders, f. R u d e r .
Finiermafchine ( A r r o n d i e r - oder A b w ä l z m a f c h i n e ) , eine im Uhr-
-machergewerbe benutzte Mafchine. zum Nacharbeiten der mittels Räderfchneid-
zeugen oder Schneidmafchinen vorgefchnittenen Räderzähne.
-Dlefes Nacharbeiten zerfällt in zwei verfchiedene Teile, in das .Ausftreichen* und das
eigentliche •.Arrondieren* oder .Wälzen*. Durch das .Arrondieren* erhalten die fcharfen
Ecken die gehörige regelrechte Rundung. Daickow.
Finishing,.der englifche Ausdruck für die Schlußoperationen der Appretur-
verfahren (f. A p p r e t u r).
Flnlffeur, f. K a m m g a r n f p i n n e r e i .
Flnknetzkaften oder Hängemattskaften, auf Kriegsfchiffen die kaften-
förmige Erweiterung des Schanzkleides; dient zur Aufnahme der Hängematten.
Finkfcher Ventilator, f. S c h l e u d e r g e b l ä f e .
Finne ( H a m m e r f i n n e ) , fchmale Endfläche eines Handhammers, die
entweder dem Stile gleich gerichtet ift oder gegen denfelben rechtwinklig fteht
(f. H a m m e r ) . .
Finnhammer, Hammer mit einer kreisrunden, etwas gewölbten Bahn und
einer abgerundeten quergeftellten Finne (f. Hammer).
Flnfenfche Lichttherapie, befteht in der Anwendung ultravioletten Lichtes
zur Heilung von Lupus, Krebs und andern Hautkrankheiten.
Es wird das Sonnenlicht oder vom elektrifchen Bogenllcht ausgeftrahlte Licht mittels
konvexer Quarzlinfen auf die kranke Stelle .kondenfiert* und durch Lichfwirkung der Heilungs-
prozeß veranlaßt.
Literatur: Freund, Leopold, Grundriß der gefamten Radiotherapie, Wien 1903.
Finfterniffe und Bedeckungen, Phänomene am Himmel, die durch die
gegenfeitige Stellung der Geftirne untereinander und in ihrem Verhältnis zur
Erde bedingt werden. Unter F i n f t e r n i f f e n verfteht man den Eintritt eines
Mondes in den Schatten feines Hauptkörpers oder umgekehrt; während man
von Bedeckungen ftreng genommen eigentlich nur fprechen follte, wenn wirklich
von einem Punkt der Erde aus gefehen ein Himmelskörper in die Verbindungs-
linie zwifchen Erde und einen andern Körper des Sternenhimmels tritt. Infofern
find alfo auch die gewöhnlich als S o n n e n f i n f t e r n i f f e bezeichneten Phäno-
mene Bedeckungen.
Beide Arten von Ereigniffen haben, abgefehen von ihrer Bedeutung für manche Fragen
der phyfifchen Aftronomie (Frage nach Atmofphären der Planeten oder Monde u. f. w.), auch
«Inen gewiffen Wert für mancherlei Beftimmungen, welche die theoretlfche und fphärifche
Firnis — Firft 39

Aftronomie angehen. Diefe Punkte einzeln und ausführlicher zu behandeln, gehört nicht in den
Kähmen diefes Lexikons, fondern die ganze Materie kann nur aus den Lehrbüchern der Aftro-
m e n a u e r
ü°i S kennen gelernt werden. Hier foil nur darauf hlngewiefen werden, daß z. B. die
Beiden Phänomene fleh prinzipiell noch dadurch unterfcheiden, was für ihre Ausnutzung für
y . ' W c k e der geographischen L ä n g e n b e f t i m m u n g (f. d.) von befonderer Bedeutung ift,
z u e r f t e n a n n t e
a A A ? n gewiffermaßen für die Bewohner der Erde o b j e k t i v e Phänomene
{ ü r a l e Er n
M i ' dorte, a denen fie überhaupt fichtbar find, werden fie im abfolut gleichen
Momente wahrgenommen. Diejenigen der zweiten Art aber find wegen der nicht unendlichen
Entfernung der fie erzeugenden (bedeckenden) Himmelskörper erftens nicht für alle Erdorte
in gleicher Weife, d.h.mit gleicher Phafe (totale, partiale und ringförmige Sonnenfinfterniffe)
und nicht überall auf der Erde fichtbar, und zweitens ift der Moment ihrer Wahrnehmbarkeit
gen d e r r ö ß e
"ril Q der Erde im Verhältnis zur Entfernung des bedeckenden Körpers an den
orten, an denen das Phänomen überhaupt fichtbar Ift, nicht der gleiche. (Es finden durch die
rarallaxe und die Lage des Ortes auf der Erde bedingte Verfchiedenheiten ftatt.)
Würden die Finfterniffe (Mondfinfterniffe, Finfterniffe der Jupitermonde) mit größerer Schärfe
B e o b a c h t b a r fein, fo hätte man in ihrer Beobachtung ein vorzüglich geeignetes Mittel zur geo-
graphifch-aftronomlfchen Längenbeftimmung. So aber liefern tatfächlich die Bedeckungen der
o n n e
r > der Ftxfterne durch unfern Erdmond, obgleich eine ziemlich umftändliche Rechnung
z u , n r e r
Ük" ui Vorherbeftimmung als auch zur fpäteren Auswertung von dergleichen Be-
obachtungen erforderlich ift, die weit befferen und zweckmäßigeren Refultate
... Literatur: Die Lehr- und Handbücher der mathematifchen Oeographie enthalten Angaben
«Der die Ausnutzung der Finfterniffe und Bedeckungen für die Zwecke de*r geographifch-aftro-
Tjomifchen Ortsbestimmung. Ausführliches darüber ift in den Lehrbüchern der fphärifchen Aftro-
m e o n
n l « Sawltfch, Brünnow und Chauvenet zu finden. Das Handbuch der geographlfchen
urtsbeftimmung von W. F. Wislicenus fowie alle aftronomifchen Jahrbücher geben einfache und
zweckmäßige Vorfchriften für die Vorausberechnung der betreffenden Phänomene und für die
•Berechnung der Längen aus Beobachtungen derfelben. Die Jahrbücher geben auch mehr oder
weniger ausführlich die dazu nötigen aftronomifchen Daten (fogenannte Elemente der Ver-
iinfterungen). Für einen kleineren Teil der Sternbedeckungen gibt C. S t e c k e r t in den Annalen
« r Hydrographie jedes Jahr bequeme Hilfstafeln. Hiftorlfch ift der Stoff in dem Handbuch
•Oer Aftronomie u. f. w. von R.Wolf, Zürich 1891, und befonders mit Bezug auf die Literatur in
•«er Bibliographie von Hauzeau und Lancafter, Brüffel 1882, behandelt. Die Grundlage der
»«•engen Theorie hat vor allem Befiel in feiner „Analyfe der Finfterniffe" (Aftronomifche Unter-
suchungen) geliefert. Ambronn.
' • ' Firnis, Bezeichnung für an der Luft austrocknende öl- oder harzartige
_"nüffigkeiten, dazu dienend, den verfchiedenartigften Gegenständen — in dünner
.Schicht aufgetragen — eine glänzende, glatte Oberfläche zu verleihen und Schutz
gegen die nachteiligen Einwirkungen der Luft, Feuchtigkeit u. f. w. zu gewähren.
•JL •: Man unterfcheidet: 1. f e t t e O e l f i m l f f e , durch chemifche Veränderung trocknender
oele erhalten; 2. fette L a c k f i r n i f f e ( O e l l a c k , t e t t e L a c k e ) , durch Auflöfen von Harzen
n trocknenden Oelen .erhalten (f. L e l n ö l f i r n i f f e ) ; 3. f l ü c h t i g e F i r n i f f e ( f l ü c h t i g e
" c h e ) , durch Auflöfen von Harzen in flüchtigen Löfungsmitteln (Aether, Terpentinöl, Alkohol,
Benzin u. f. w.) erhalten. ,
an «> tatt d e r
veralteten Bezeichnung Firniffe für alle glanzgebenden Flüfflgkeiten werden jetzt
u n g e n
i a l, i von Harzen irgendwelcher Art, mit oder ohne trocknende Oele, als Lacke (fette
a Terpentinöllacke, ätherifche lacke Spirituslacke) angefprochen, während der Name F i r n i s
'"»»chHeßiich für gekochtes Leinöl als Abkürzung für Leinölfirnis gebräuchlich ift. Auch anders
zubereitete trocknende Oele werden unter Mitverwendung des dem Oel zukommenden Namens
«»» ; . . -firnis (Hanföl-, Mohnöl-, Nußöl- u.f.w. -firnls) bezeichnet.
_ Literatur: Creuzburg, Lehrbuch der Lacklerkunft u.f.w., 11. Aufl., Weimar 1903; Andes,
*>>e trocknenden Oele u.f.w., Braunfchweig 1882; Derf., Oel- und Buchdruckfarben, Wien 1882;
werf., Drying oils, London 1901. And*».
Flrniserfatz, ölartige Flüfflgkeiten von mehr oder weniger Trocken ver-
wögen, beftimmt, Leinöl oder Leinölfirnis in Farben zu erfetzen.
.. Die verfchiedenen Arten, häufig unter befonderen Namen angepriefen, beliehen aus Ge-
n v o n H a
«iJ S r
" d l , Leinöl und einem Trockenmittel, oder aus diefen Subftanzen und Mineralöl,
find
unS u Oemenge aus Harzöl und Leinöl oder Löfungen von Harzfelfen In Mineralöl mit
n e
J, • 5 . Beimengung von Trockenmitteln. Flrniserfatz, gleichviel welcher Zufammenfetzung,
«JJ.I i üchfehon vielfach in der Konfiftenz, immer aber Im Geruch, In der Trocken-
e i

4
d

u
e

n
t

d
1. ? uJ feinem Verhalten gegenüber den Körperfarben von Leinöl oder Lejnöiürnls,
erreicht als Anftrich niemals die FefTlgkeit mit Leinöl oder Firnis gemachter AnftriaTe, ift alio
^«'weniger dauerhaft und nur fcheinbar billiger. Weitere Uebelftände diefer Produkte find:
Bildung fettiger Schichten auf der getrockneten Oberfläche (Mineralöl), Kriechen der Lafuren
una Lacke, nachträgliches Erweichen und Klebrigwerden oder Abfplittern. And*..
, FIrnisfteln, nur für Firnisfabrikation dienende kleine, harte, reine Bern-
ftemftücke.
. Flrft, 1. Kante, die durch das Zufammentreffen zweier Dachflächen gebildet
wird, bei Ziegeldächern mit in Kalk gelegten Hohlziegeln ( F i r f t z i e g e I n , f.d.),
auch mit Schieferplatten und Metall, bei Schieferdächern mit Platten von Kupfer,
xink, Eifenblech ( F i r f t d e c k e ) fo eingedeckt, daß das Metall ca. 15 cm über
40 Firfibledi — Firflenbau

beide Dachflächen reicht (vgl. F i r f l b l e c h ) ; 2.'im Bergbau der obere Teil aller
bergmännifch ausgehauenen Räume.
Firflblech, auch G r a t b l e c h (Fig. 1), Blechftreifen zur Ueberdeckung des
oberften Dachrandes; befteht aus Zinkblech Nr. 14, nach dem Neigungswinkel
des Daches ftumpf oder, im Halbkreis abgebogen. Deffen
Befefligung erfolgt auf jedem Sparrenpaar, d. h. in Ent-
fernung von 0,70— 1,0 m mit einem K r e u z n a g e l
(Fig. 2), der durch eine am Firflblech angelötete Blei-
lafche abgedeckt wird. Die je 12 cm breiten Seiten
find zur Verftärkung an den Rändern abgefälzt oder
ftumpf abgebogen, um fich auf die Deckfläche federnd
aufzulegen. Bei Ziegeldächern hat das Firflblech die früher übliche Eindeckung
durch H o h l z i e g e l verdrängt, weil diefe zur Dichthaltung ein Einfpeifen mit
Mörtel verlangen, was eine öfters wiederkehrende Ausbefferung und laufende
Unterhaltungskoften nötig macht.
Flrftenbau ift im Bergbau die wichtigfte Abbaumethode für plattenförmige
Lagerftätten, die.ein Einfallen von mehr als 45° haben, namentlich für Gänge
und fleil aufgerichtete Steinkohlenflöze von geringer oder mittlerer Mächtigkeit.
Er hat feinen Namen daher, weil der ganze Abbau von der Firfte der Grund-
ftrecke aus firftweife fortrückt.
Die Vorrichtung für den Firftenbau befteht, wenn wir die Freiberger Bezeichnungsweife
anwenden, darin, daß zwei in einem Erzmittel aufgefahrene Qezeugftrecken durch einen Zwifchen-
fchacht miteinander verbunden werden. Von dem tiefften Punkte des letzteren aus beginnt man
den Abbau e i n - oder z w e i f l ü g e l i g , indem man nur nach einer oder nach beiden Seiten
hin den erften Stoß ( S t r e c k e n f t o ß ) belegt. Sobald
diefer genügend vorgetrieben ift, belegt man den zweiten
Stoß, dann den dritten u. f. w. (Fig. 1), fämtüche Stöße
werden fortgetrieben, folange der Oang abbauwürdig
bleibt. Den Stoß unmittelbar unter der Sohle der oberen
Oezeugftrecke nennt man D e c k e l f t o ß . Mit dem Vor-
rücken des Streckenfloßes ift die Firfle der unteren Oe-
zeugftrecke zu verwahren (Kaftenzimmerung, Tonnen-
gewölbe m, Eifenbau), damit der B e r g e v e r f a t z £ ein
Auflager findet (Fig. 2). Es werden tunlichft nur die
Erze gefördert, and zwar die ärmeren durch F ö r d e r -
r o l l e n r bis auf die untere Oezeugftrecke, edle Erze
Untat Gaaigstrcdu werden In Körben u. dergl. bis zur Strecke gefchafft;
Tie. 1. Beginn einet einflügeligen Firften- taube Gangmaffen und Berge werden, foweit der Platz
biuei (fchemaWch).
es geftattet, verfetzt. Die übrigen Berge muffen durch
befondere Förderrollen ( B e r g e r o l l e n ) ebenfo wie die*Erze bis auf.die untere Oezeugftrecke
befördert werden. Die Belegung jedes Firftenftoßes betragt gewöhnlich 1—2 Mann. Die Hauer
flehen beim Bohren auf dem Bergeverfatze, auch auf Fahrten, oder richten fich durch Schlagen
von Spreizen und Darüberlegen von Brettern kleine Bühnen her; es ift zweckmäßig, daß der
Verfatz. den vorrückenden Stößen möglichft bald nachfolgt. Ueber den Bergeverfatz findet auch
die Fahrung und
dieFörderungbis
zu den Rollen
ftatt, und es wer-
den daher an
den Stößen aus
größeren Wan-
den V o r f a t r e
(Treppen) gebaut,
die gut zu ver-
leiten find, um
Erzverzettelung
zu vermeiden.
Die Fördenollen
werden mittels
trockener Maue-
Zweiflügeliger Flrftenbau. rung, die auf das
Firftengewölbe oder flarke Eifenfchienen aufgefetzt wird, im Bergeverfatz ausgefpart und unten
am fogenannten Rollenfchlund (vgl. G r u b e n f ö r d e r u n g ) durch Schieber gefchloffen gehalten;
nach Oeffnung des letzteren fallt das Fördergut unmittelbar in die untergefchobenen Hunde. Die
oberen Oeffnungen der Rollen im Bau find abzudecken; unten offene Rollen, aus denen das
Fördergut auf die Qxundftrecke fallt, find feiten in Verwendung. Die föhlige Entfernung der
einzelnen Stöße voneinander beträgt 6—15 m, die fafgere Höhe wird nicht gern über 4 m ge-
nommen, Falls Im Baue nicht genug Berge fallen, um den Verfatz bis zu genügender Höne
Firßlatte — Fifdibein 41
nachzuführen, werden auf der oberen Gczeugflrecke von andern Betrieben her Berge herzugefördert
und durch den Durchfchnittsfchacht in den Bau geftürzt. Durch eine W e t t e r b l e n d e w auf der
unteren Oezeugftrecke und wetterdichten Abfchluß V des Zwifchenfchachtes werden die Wetter
gezwungen, ihren We ftatt auf der unteren Gezeugftrecke entlang durch den Firflenbau zu nehmen.
Ift das abzubauende _ rzmittel arm, fo läßt man, um die Firilenvervvalirung der unteren Gezeug-
ftrecke zu erfparen, an deren Firfte 1—2 m Gang als B e r g f efte b flehen, die den Bergeverfatz
aufnimmt; ftatt des Streckenftoßes wird die F i r f t e n f l r e c k e F vorgetrieben, nur die Rollen
werden durch die Bergfeile hindurchgeführt. Wird der Gang vor einem oder mehreren Stößen
erzleer, fo treibt man von einem dcrfelben ein F e l d o r t F\ zur Gangunterfuchung vor.
Von der befchriebenen Betriebsweife unterfcheidet fich der F i r f l e n b a u a u f S t e i n -
k o h l e n f l ö z e n [1] wefentlich dadurch, daß die Stöße nahe aufeinander folgen und eine kon-
zentrierte Förderung erreicht wird, indem man auf den Bergeverfatz an den Stößen entlang
eine R u t f c h e verlegt, in der die Kohlen zur unteren Hauptflrecke hinabgleiten. Bei der Berge-
gewinnung wird die Rutfche jedesmal in ihre Teile zerlegt und für die Kohlengewinnung wieder
von neuem hergeflellt.
Literatur: [1] Trainer, Ueber eine einheitliche Benennung der Abbauarten (im rheinifch-
weflfälifchen Steinkohlenrevier), Effener Glückauf 1898, S. 678. Treptow.
Firftlatte oder F i r f l l e i f t e (auch G r a t l e i f l e ) , aus
aftlofem Föhrenholze 8 12 cm flark, rauh mit dem Hobel
zugerichtet, dient zur durchlaufenden Unterftützung des Firft-
blechs und wird auf den fcheitrecht abgefchrägten Sparren-
enden aufliegend befefligt (f. F i r f l b l e c h und die Figur).
Ftrftftein, breiter Dachfchiefer, der in geeigneter Ueberdeckung das Firft-
g e b i n d e (f. S c h i e f er d a c h ) , den oberften Abfchluß der Schiefereindeckung,
bildet. An den älteren Dächern rheinifcher Deckweife
flehen die nach der Wetterfeite liegenden Firflfleine über
die gegenüberliegenden um 5 cm vor und bilden fo den
Schutz gegen Einregnen. »'einbrennet.
Firftwulft, reichere Blecheindeckung zum Schutze
des Dachfirfls, meift in Verbindung mit feitlicher Profilie-
rung und Firflbekrönung (f. die Figur).
Literatur: Handbuch der Architektur, Darmftadt 1894, 3. Teil,
Bd. 2, Heft 5, S. 82—84 und S. 461—463. nv.»»«»«r.
Firftziegel dienen zur Abdeckung der oberflen
Schichten der Dachdeckung an den Firflen und Graten.
Sie find in der einfachflen Form halbe, abgeflunipfte Hohlkegel, die mit der
hohlen Seite nach unten auf die Dachziegel gelegt werden und dabei einander
auf mehrere Zentimeter überdecken.
Sie werden in der Regel in Kalk verlegt
und bisweilen noch durch Nagelung
an den Dachfirft befefligt. Bei Verwen-
dung von Falzziegeln zur Dachdeckung
werden auch die Firftziegel reicher ge-
haltet und find oft noch mit befonderen
Anfätzen verfehen, die eine Firflbekrö-
nung ergeben (Fig. 1—3). R.DBmmitr. Fig. 2. Fig. 3.

Fifchband, f. B ä n d e r , Bd. 1, S. 453.


Fifchbauchfchlene, eine der älteflen Schienenformen, war aus Gußeifen
gebildet und hatte zwifchen den Stützpunkten an der Unterfeite eine nach der
Mitte hin an Höhe zunehmende Verftärkung. Goering.
Fifchbauchträger, Balken- und Balkenfachwerksträger, deren Obergurt
gerade und deren Untergurt nach abwärts gekrümmt ift, fo daß der Träger in
der Mitte feine größte Höhe hat, während die Gurtungen an den Trägerenden
ganz oder nahezu zufammengeführt find. Es ift diefe Trägerform früher auch bei
Vollwandträgern (alte gußeiferne Barrenträger oder Blechträger) als eine Form
f
ür Träger gleicher Fertigkeit häufiger zur Anwendung gekommen; jetzt findet
man fie wohl nur auf Fachwerksträger befchränkt. S. P a r a b e l t r ä g e r . Meian.
Flfchbein, f c h w a r z e s (Baieine, Whale bone, Whale fins), die am Gaumen
des g r ö n l ä n d i f c h e n B a r t e n w a l e s (Balaena mysticetus) fitzenden dreieckigen,
feltener viereckigen, in Querreihen angeordneten Hornplatten, die fogenannten
B a r t e n . Eine geringere Sorte liefert der F i n n f i f c h (Physalus antiquorum,
Megaptera boops.).
42 Fifdibein

Jede einzelne der Schwarzbraunen bis fchwarzen, an den Breitflächen glatten, an der
größten Längsfeite In Fafem aufgelösten Hornplatten richtet fich quer gegen das Pflugfcharbein;
ihre Zahl beträgt 300—600 mit einem Qewichte von 750—1600 kg; es foil aber auch eine
Gewichtsmenge von 2500 kg von einem Tiere gewonnen worden fein; j e nach der Stellung und
dem Alter des Tieres ift die Länge verfchieden, von 1,5 bis 4 m; die mittleren find die längften.
Vergleicht man folche Platten mit einem Dreieck, fo Ift die längfte Kathete desfelben am Gaumen
angeheftet, die Hypotenufe nach unten hin in die besprochenen Fafern aufgelöft und die kürzeile
Kathete vom Oberkieferrande aus fenkrecht nach unten gerichtet [1]. Der hiftologifche Bau ift
der eines Horngebildes. Die Barte befteht aus mit Zellkern und reichlichen Pigmentkörnchen
verfehenen Plaftenzellen, die an den Außenfeiten tangential gefchichtet (Nebeskis Außen-
lamellen) [2], im Innern aber in konzentrifchen Kreifen angeordnet find, die zahlreiche fogenannte
Mark- oder Hornkanälchen umlagern [4]. ( N e b e s k i nennt diefe konzentrifchen Kreife Horn-
röhrchen, die ganze Schicht Mittellamelle.) Zwifchen den Kreisfyftemen liegen fehr zarte,
kleinere Plattenzellen. Von der befchriebenen Barte des Grönlandwals läßt fich die F i n n w a l -
b a r t e leicht unterscheiden: diefe befitzt in der Mittelfchicht eine einzige Reihe fchon mit freiem
Auge deutlich fichtbarer Markkanäle, die von konzentrifch angeordneten Zellen umlagert find;
es gibt daher nur e i n e Reihe von. Kreisfyftemen [2], [4],
Die technifche Verwendbarkelt des Fifchbeins gründet fleh auf feine hohe Elaftizität,
bedeutende Zugs- und Bruchfeftigkeit, Härte und feine ausgezeichnete, faft unvergleichliche
Teilbarkeit in der Längsrichtung, hinfichtlich welcher es auch das fpaltbarfte Holz weit übertrifft.
Allerdings kann unter Umftänden diefe Eigenfchaft wegen des Zerfpleißens beim Gebrauch zum
Nachteil gereichen. Die vom Wale ausgefchlagenen und von anhängendem Speck und Haut-
teilen gereinigten Barten werden in Packe zu 10—12 Stück oder auch fchon der Länge nach
g efpalten verfendet In den Fifchbeinreißereien (Hamburg, Bremen, Amfterdam, Kopenhagen,
erlin, Wien) werden fie von den Fafern befreit und In möglichft lange Stücke zerfägt. Zur
weiteren Verarbeitung wird das Objekt In heißem Waffer erweicht, in den Schraubstock gefpannt,
mit eignen Meffern zu verfchiedenen Nutzftücken zerfpliffen: 1. zu viereckigen Stäben als
S c h i r m f i f c h b e i n ; 2 . zu flachen Stücken a l s S c h n e i d e r f i f c h b e i n z u Miedern, bei 3—4,5 cm
Breite zu Blankfcheiten; 3. zu dünnen Ruten zum Einlegen in Damenhüte; 4. zu Stöcken, Reit-
peitfehen, feiner Korbware, Galanterieartikeln. — Die s c h a b e f p ä n e , das find die bei der
Zurichtung abfallenden Fafern, werden wie Roßhaar als Polfterungsmaterlal verwendet. Das in
heißem Waffer oder Sand erweichte Fifchbein kann auch zu Knöpfen, Dofen u. f. w. gepreßt
werden. Von den Surrogaten und Nachahmungen, zu denen auch gebeiztes R i n d s h o r n gehört,
fcheint fich nur das von Th. Vö e k l e r in Cölln bei Meißen erfundene W a l t o fin (Walofin)
einer größeren Verbreitung zu erfreuen [3]. Es befteht aus gefchältem und vierkantig gehaltenem
f p a n if ehern R o h r e (Stuhlrohr), das fchwarz gefärbt, unter Dampfdruck gekocht, völlig
g etrocknet und hierauf mit einer Löfung von Kautfchuk und Guttapercha mittels hydraulifchen
iruckes imprägniert wird; zugleich werden durch eine Schwefelfeeröllöfung die beiden Stoffe
vulkanifiert. Die fchließlich gedämpften, gewalzten und beftgetrockneten Stäbe können als
(kUnftliches) Schlrmfifchbein Verwendung finden. Bei wenig Sorgfältiger Imprägnierung wird
aber das fpanifche Rohr leicht Waffer aufnehmen und fich krümmen und verziehen. Die größte
Verwendung fand das Fifchbein in der Zeit des Rokoko, in der die mächtigen Reif rocke und
panzerartigen Schnürbrüfte der Damen enorme Mengen benötigten. — W e i ß e s F i f c h b e i n ,
Sepiaknochen, die Rückenfchulpe des Tintenfifches.
Literatur: fl] Brehms Tierleben, Leipzig 1877, l.Abt., Bd. 3, S. 725u.740. — [2J Nebeski, O.,
Beiträge zur hiftologifchen Charakteristik der Hornmaterialien, 11. Jahresbericht der Wiener
Handelsakademie, Wien 1883, S. 217—219. — [3] Merk, K., Warenlexikon, Leipzig 1882, S. 132,133
— [4] Hanaufek, T. F., Technifche Mlkrofkopie, Stuttgart 1901, S. 430—432. r . F. Hanaufek.
Fifchbein, w e i ß e s ( T i n t e n f i f c h b e i n , S e p i a k n o c h e n , O s S e p i a e ,
O s d e S e c h e ) , die im Mantelrücken der Sepie ausgefchiedene K a l k f c h u l p e .
Die Sepie oder der Tintenfifch ( S e p i a o f f i c i n a l i s L), ein zu den Kopffüßern (Cephalo-
ioden) gehöriges Weichtier, kommt in den europäifchen Meeren vor. Die kleinen, bis 10 cm
fangen Schulpen follen von S e p i a eltgans Blainv. flammen. Die Stücke werden meift
am Meeresftrande gefammelt, an dem fle angefchwemmt werden, wenn die Tiere abgeftorben
find. Das weiße Fifchbein ift länglich-eiförmig, platt, auf beiden Seiten flach gewölbt, 15—30 cm
lang, In der Mitte 4—9 cm breit, bis 2,5 cm dick, am Rande fcharfkantlg, unten faft papierdünn.
Die äußere Schicht (Rück- oder Außenfeite) befteht aus einer dünnen, knochenharten, gelblich-
weißen, perlmutterglänzenden Kalkfchale, an deren Außenfeite punktförmige Höcker, in kon-
zentrifchen Bogen geordnet, fich erheben. Darauf folgt eine hornige Lamelle, die befonders an
dem unteren Rande fichtbar hervortritt; die innerfte Schicht fetzt fich aus fehr leicht zerreib-
liehen, dünnen, rein weißen, fchief nach aufwärts gerichteten, fchwach gebogenen, parallel
laufenden Blättchen zufammen, die von fenkrecht zur Fläche geftellten Kalknadeln gebildet
werden. Diefe Blättchen bedingen die Anwendung des weißen Fifchbeins; fie werden heraus-
efchabt, gepulvert, geliebt und dienen zum Polieren feiner Hölzer, des Meerfchaumes, Elfen-
f eins, der Knochen, zur Herftellung feiner Gußformen für Goldarbeiter, als Zufatz zu Lackfarben,
zu Zahnpulver u. f. w. Weißes Fifchbein ift geruchlos, hat einen fchwach falzlg-erdigen Oe-
fchmack, löft fich in Salzfäure unter Aufbraufen, wobei ein gallertiger Rückftand verbleibt. Der
Hauptfache nach befteht es aus Caldumkarbonat R e i c h e r t (1887) fand 2,88% Wafler, 86,66%
unorganifche Subftanz; nach J o h n find 7 % Leim und 9 % gallertige Membran enthalten.
Zufammenfetzung der Afche: Calciumkarbonat 77,34, Chlornatrium 1,44, Kallumfulfat 1,24, Chlor-
kalium 0,05, Calciumphosphat 0,33, Magnefiumkarbonat 0,37, In Salzfäure unlösliche, unorganifche
Subftanz 4 %. r . r. / T « M « / M .
Fifdibeinabfälle — Fijdipaß 43

FJfchbeinabfälle kommen zur Verarbeitung auf Stickftoffdünger in den


Handel und haben je nach den Verunreinigungen derWerkftatt 7 — 1 4 % Stick-
ftoff (Verarbeitung f. Horn). XVtitn.
Fifchblafe, ein gefchwungener Paß
der gotifchen Spätzeit, der die Geftalt
einer Fifchblafe oder einer bewegten
Flamme annimmt. Fig. 1 zeigt in den
Ecken vier Fifchblafen. Fig. 2 deutet
die Konftruktion diefes komplizierten
Maßwerkes an.
Literatur: Ungewitter-Mohrmann, O., Lehr-
buch der gotifchen Konftruktionen, Bd. 2,
Leipzig 1892" >rw»»r*«»«r. Flg. t. Flg. 8.
rifchdavit, ein kranartiger Ausleger zum Aufnehmen des Schiffsankers;
f. A n k e r g e f c h i r r .
Fifcherhäufer. Es follen hier die Fifcherhäufer befchrieben werden, die
in gewiffen großen Fifchereidiftrikten aufgeführt find, wo nur zeitweilig eine
Fifcherbevölkerung einkehrt.
Solche Diftrikte finden fich im nördlichen Norwegen, und die Fifcherhäufer werden dort
für die Fifchereifaifon vermietet. Da der Zweck diefer Häufer hauptfächlich der ift, den Eigen-
tümern Revenuen zu gewähren, fo Ift eine möglichft billige Herftellungsweife eine der erften
Bedingungen. Es wird zunachft auf dem Felfen ein etwa 80 cm hohes Fundament aus kleinen
Steinblöcken aufgeführt, die fich in Menge am Ufer finden. Faft jeder Nordmann weiß mit
folcher Steinarbeit, wie mit Zimmermannsarbeit, umzugehen. Finden fich nicht genug paffende
Blöcke am Ufer, fo wird gefprengt; Felfen ift Überall, Erde nirgends. Auf diefen Unterbau
wird das Häuschen ohne weitere Beteiligung geftellt. Es befteht in der Regel aus zwei Ab-
teilungen, von denen die größere als Wohn- und Schlafgemach, die kleinere als Geräteraum
dient Hin und wieder finden fich auch Hütten mit drei und vier Abteilungen. Die Betten
find an den Wänden in den Ecken, immer zwei übereinander, angebracht, alfo acht Betten in
einem Raum; es find nur viereckige Kaden, am Kopfende breiter als am unteren, im Verhältnis
von etwa 1 m zu 90 cm; in folchem Kaden muffen drei Menfchen fchlafen, die natürlich nur
Platz darin haben, wenn fie fich, dicht aneinander gepreßt, auf die Seite legen. In diefer Lage
bringen die Leute oft nach entfetzlich mühe- und gefahrvollem Tagewerk in eiligem Waffer —
denn die Hauptfjfcherei geht im fchwerden Winter vor fich — die Nacht in naffen Kleidern zu.
In der Mitte des Gemaches, das ca. 4 m lang und ebenfo breit ift, fieht ein kleiner elferner Ofen
auf dem auch gekocht wird. Die frühere deutfche Gefellfchaft in Lofoten hat manche kleine
Verbefferungen eingeführt, indem fie die Betten in ihren Fifcherhäufem verbreitern und doch
nur mit zwei Mann belegen ließ, auch die oberen Betten abfchaffte, fo daß der Raum alfo nut
mit 8 ftatt mit 24 Mann belegt war; ferner wurden gedielte Fußböden angelegt, gute Kochöfen
gefetzt, die Fender mit Luftklappen verfehen, um die bisweilen fehr fchlechte Luft In den
Räumen verbeffern zu können, ohne daß die Fender aufgefperrt zu werden brauchten; die ein-
fallenden Lichter wurden vergrößert oder verdoppelt, die Häufer mit Treppen verfehen, Feuerung
und Beleuchtung zu billigen Preifen geliefert Die Hütten find ftets als hölzerne Blockhäufer
ausgeführt. Den zu den Wänden bedimmten Baumdämmen werden nur roh mit dem Beile vier
fchmale Seitenflächen gegeben, während die Ecken unbearbeitet bleiben; dann werden die Balken
WH Dübeln verfehen und aufeinander gelegt; fchließlich werden die Fugen mit Moos kalfatert
Von außen werden die Wände dann noch mit horizontal liegenden, von innen mit fenkrecht
angebrachten Brettern bekleidet, die alle fo geordnet find, daß fie etwas übereinander greifen,
damit beim Eintrocknen keine Fugen entdehen und draußen die Feuchtigkeit abfließen kann.
Das Dach wird erft mit Brettern bekleidet und diefe werden mit Birkenrinde in großen länglich
viereckigen Stücken bedeckt; auf diefe legt man dann eine fefle Schicht Grasböden, die fich
bald gut untereinander verbinden und eine durchaus fchnee- und wafferdlchte Bedachung bilden.
Oben auf dem Dache wird ein Fender angebracht, fowohl des Lichtes als der Lüftung wegen,
denn die Seitenfenfter werden bei fchwerem Schneefall oft begraben. — Ein folches Fifcherhaus
"eilt fich, je nach der Größe, auf 600—1000 JL und trägt an Mietgeldern für die drei Flfcherei-
monate, von Mitte Januar bis Mitte April, zwifchen 80 und 200 Ji ein. Jv«.*.
Fifcherhafen, f. S e e h a f e n.
Fifchgrätenverband, f. S t r a ß e n b a u .
Flfchhaut, getrocknete Haut einiger Haififch- und Rochenarten, befonders
aus dem Mittelmeere, die gleich nach dem Fang abgezogen, auf Brettern oder
Rahmen aufgefpannt, getrocknet und in Bündel verpackt in den Verkehr ge-
bracht wird. Die feinen Stacheln, mit welchen die Haut befetzt ift, macht fie
als Schleifmittel für Holz und Metall, zum Einpreffen von Zeichnungen in Leder
befonders geeignet. A***:
Flfchleim, f. K l e b e m i t t e l .
Flfchpaß ( S c h r ä g p a ß ) , f. F i f c h w e g e .
44 Fifdiperlen — Fifdiwege

Fifchperlen ( W a c h s p e r l e n ) , Nachahmungen echter Perlen; beliehen aus


kleinen zarten Glaskügelchen, die man mit der fogenannten Perleneffenz aus-
kleidet und dann mit Wachs füllt.
Die Perleneffenz wird erhalten, indem man die filberglänzenden Schuppen des Welß-
fifches (Ukleis) mit Waffer zerreibt, bis fich der glänzende Beftandteil der Schuppen rein am
Boden abfetzt. Diefer Beftandteil wird dann mit Ammoniak gewafchen und mit etwas Gelatine-
löfung gemifcht Zur Auswafchung von 0,5 kg Silberglanz follen 18000—20000 Fifche erforderlich
fein. Die (Überglänzende Subftanz befteht aus mikrofkopifchen Metallen, einer Verbindung von
Guanln mit Kalk. Die Perlen werden befonders in Paris, Straßburg, Wien, Venedig u. f. w.
hergeftellt. Die roten und gelben Perlen füllt man mit Farben, die mit Gummiarabikum ge-
bunden werden, die Spiegelperlen mit einer leichtflüffigen Legierung. Schwarze volle Perlen
werden auch in Formen gepreßt. Daidto».
Flfchfalz, beim Verfieden von Salzlöfungen am Boden des Verdampfungs-
gefäßes fich abfcheidendes Salz, das mit Schaufeln ausgefchöpft wird.
Fifchfchiefer, in der Geologie an verfteinerten Fifchreflen reiche Schiefer-
tone oder Mergel, die zumeift dunkle Farben befitzen und reich an Bitumen oder
Afphalt find.
Diefe Kohlenwafferftoffe dürften aus der Verwefung von Organismen (Flfchen) hervor-
gegangen fein. Solche Fifchfchiefer treten in verfchiedenen Schichten auf, fo in der oberen
alpinen Trias, in der Kreideformation, endlich im älteren Tertiär. Wichtig find die eocänen
Fifchfchiefer der nördlichen Karpathen wegen ihres hohen Petroleumgehaltes: Gegend von
Ropianka, Boryslaw, Skole in Galizien. Es find ölreiche Schiefertone, die von ölfreien Sand-
fteinen über- oder unterlagert werden. Ltpptm.
Flfchfchleufe, f. F i f c h w e g e .
Fifchtakel, f. A n k e r g e f c h i r r .
Fifchtreppe (Fifchfteg), f. F i f c h w e g e .
Fifchung, f. S c h i f f b a u .
Fifchwege find Einrichtungen, welche es den Wanderfifchen ermöglichen,
die h e f t e h e n d e n hohen Wehre in Bächen und Flüffen zu überwinden.
Da die Fifche Geh an den Stellen, an welchen
fie fich zum Zweck der Nahrungsaufnahme während
des größten Teils des Jahres aufzuhalten pflegen, in
der Regel nicht vermehren können, muffen fie zu
gewiffen Zeiten mehr oder weniger weit wandern.
So z. B. vermehren fich die Lachfe in dem oberen
Lauf der Flüffe; die junge Brut zieht fich noch
etwas weiter herauf In die Bäche und bleibt hier
"höchftens 15 Monate. Dann wandern die jungen
Lachfe ins Meer und bleiben dort, bis fie die Ge-
fchlechtsreife erlangt haben und die Rückwanderung
flußaufwärts antreten. Umgekehrt fteigt die Aalbrut
in die Flüffe auf und wandern die gefchlechtsreifen
Aale Ins Meer zurück. Werden die Fifche durch,
hohe Wehre an ihrer Wanderung und fomit an ihrer
Vermehrung gehindert, fo ift die betreffende Fifchart
nach wenigen Jahren in dem abgefperrten Waffer-
gebiet verfchwunden. Will man dies verhüten, fo
und Fifchwege unerläßlich. Damit aber die aufwärts
ftrebenden Fifche die Fifchwege finden und an-
nehmen, ift es notwendig, daß letztere 1. möglichft
nahe bei dem Kolk (Vertiefung) unterhalb des-
Wehres münden, und 2. reichlich mit Waffer ge-
fpeift werden.
Beträgt die Höhendifferenz zwifchen Ober- und
Unterwafferfpiegel nicht mehr als etwa 3 m, und ift
der Wehrrücken (Abfchußbodenl bis zum Unter-
wafferfpiegel wenig geneigt, fo kann auf letzterem
ein fchräger Balken ( S c h r ä g p a ß ) oder ein ca. 0,3m
breites, bei Hochwaffer wegnehmbares Brett fo be-
feftigt werden, daß für die Fifche eine Schwimm-
bahn mit einem Gefälle von 1:4—6 entfteht An»
oberen Ende des Streichbalkens muff jedoch die
Wehrkrone einen muldenförmigen Ausfchnitt er-
halten, welcher der Schwimmbahn das nötige Waffer
liefert Oft teiltet fchon ein mehr oder weniger gewundener Seitengraben, der Ober- und
Unterwaffer mit einem Gefälle von 1:5 unter Umgehung des Wehres verbindet und Händig oder
periodifch (amtliches Waffer oder einen Teil desfelben aufzunehmen hat, vortreffliche Dienfte.
An hohen und (teilen Wehren find vorwiegend F i f c h t r e p p e n , d. h. ftaffelförmig gruppierte
Baffins (Fifchkammern) zu empfehlen. An den Zwifchenwänden folcher Baffins können wechfel-
FijethoU — Fixleren der Farben 45
Händig ftets unter Waffer bleibende Schlupflöcher angebracht werden, durch die manche Flfche
nach aufwärts fchwimmen, während andre Fifche es vorziehen, ein Baffin nach dem andern
fprungweife zu erreichen. Selbftverftändlich Ift eine folche Fifchtreppe nur funktionsfähig, wenn
ihr mehr Waffer zugeleitet wird, als durch die Schlupflöcher abfließen kann. Die Dlmenfionen
der Kammern find abhängig von der Größe und den Lebensgewohnheiten der Fifche, welchen
der Aufftieg ermöglicht werden foil [1]. Aehnlich ift die Anlage des Treppenpaffes (Fig. 1),
beftehend aus einer breiten Wafferrinne, in der in geeigneten Abftänden Querwände, die nicht
ganz von einer Seitenwand zur andern gehen, angebracht find, fo daß das Waffer fchlangen-
Jörmig und mit einem Gefälle von nicht mehr als 1:4 durch den Paß fließt. Vielfach (ins-
befondere an Mühlen, Fabriken u. f. w.) kann der Leerlauf (Leerfchuß, Freifchleufe) mit einem
Gefälle von 1:4—5 angelegt und, wenn der Betrieb ohnedies ruht, das Waffer durch Aufziehen
der Leerfchußfalle dem als Fifchweg dienenden Leerfchuß zugeleitet werden.
Um ausfchließlich die Aufwärtswanderung Junger Aale (Aalbrut) über hohe Wehre zu
ermöglichen, genügt'es oft fchon, fehr wenig Waffer über eine Rinne (Aalrinne), deren Sohle
durch aufgeftreuten Kies oder angenagelte Querlatten ( A a l l e i t e r ) uneben gemacht ift, herab-
riefeln zu laffen. Für abwärts wandernde Aale bezw. zum Schutze derfelben vor dem Zermalmen
in Turbinen u. f. w. find Rinnen vor den Rechen der Waffertriebwerke in Sohlenhöhe und
Schlupflöcher durch die Seitenwände der Obergräben erforderlich; auch follte die Spiegelweite
zwifchen den Rechenftäben höchftens 20 mm, wenn möglich kleiner fein. Wegen des ftets großen
Wafferverbrauches und des Druckverluftes an engen Rechen, befonders dort, wo der Fluß viel
Treibzeug führt, find die Fifchwege den mit Wauerkraft arbeitenden Induftrien oft recht nach-
teilig. In den wafferrechtlichen Beftimmungen der Kulturftaaten find meiftens Vorkehrungen
zur Ausgleichung der Gegenfätze zwifchen induftriellerWafferbenutzung und Flfchpflege getroffen
(vgl. Wafferrecht). Weitere Details der technifchen Einrichtungen für Fifchwege und der hieraus
entftehende Wafferverbrauch wollen Infi] nachgefehen w e r d e n . In bezug auf Fifchzucht, Fifcherei,
Fifchpflege u. f. w. fei auf [2) verwiefen.
In der neueren Zeit hat Reck-Hannover den Vorfchlag gemacht, an Stelle der Fifch-
Ieltern, -treppen u. f. w. Fifchfchleufen, wie aus Flg. 2 erfichtlich ift, einzubauen. Der Einbau
befteht In einer Schleufenkammer, deren Abfchlußwände gegen den Ober- und Unterwafferfpiegel
mit kleinen mittels Schützen abfehlleßbaren Oeffnungen verfehen find. Der obere Schütz ift
durch ein feftes Qeftänge mit einem Schwimmer in Verbindung gefetzt und vertikal geführt.
Der untere Schütz erhält ein Gegengewicht, beftehend in einem oben offenen Hohlzylinder mit
einer Auslauföffnung und ift durch ein Band mit ihm verbunden, das über eine Rolle geführt
Ift. Hat nun das die untere Abfchlußwand überftrömende Waffer den Hohlzylinder angefüllt,
jo hebt fich der Schütz und das Waffer kann hier ausftrömen. Dadurch fällt der Spiegel in der
Kammer und durch den finkenden Schwimmer wird der obere Schütz gefchloffen. Die Fifche
können in die Kammer eintreten. Da aber der Hohlzylinder nunmehr keinen Zufluß erhält,
entleert er fich und bewirkt den Abfchluß der unteren Kammerwand. Sobald nun das über
die obere Abfchlußwand einftrömende Waffer die Kammer wieder angefüllt hat, öffnet der
Schwimmer den oberen Schütz, und die Fifche können nach dem oberen Flußlauf gelangen.
Durch den Ueberlauf der Kammer füllt fich der Hohlzylinder wieder und das Spiel beginnt
von neuem. Entsprechende Dimenfionierungen der einzelnen Einrichtungen laffen hierbei den
Vorgang in beliebiger Weife regeln.
Literatur: flj Oerhardt, P., Fifchwege und Fifchtelche, Leipzig 1904. — 12] Welgelt, Hofer
und Seelig, Zeitfchrlft der Fifcherei und deren Hilfswiffenfchaften mit Einfchluß von Fifchwafler-
hygiene, Fifcherei und Wafferrecht, Leipzig-Reudnitz.
Ftfetholz, f. F a r b f t o f f e , p f l a n z l i c h e , Bd. 3, S. 637.
Fitze, f. Garn.
Fitzenrelßer, f. S t r e i c h g a r n f p i n n e r e i .
Fitzrute, f. W e b e r e i .
Fixative, f . Z e i c h n e n , t e c h n i f c h e s .
Fixleren der Farben ( B e f e f t i g e n d e r F a r b e n ) , gemeinfame Bezeichnung
für die je nach Art der Gefpinftfafern und Farbftoffe verfchiedenen Mittel und
Wege, deren der Färber und Drucker fich bedient, um auf lofer Wolle, auf Garnen
und Geweben mehr oder weniger wafch- und reibechte Farben herzuftellen.
Das Beledigen oder F i x i e r e n der adjektlven Holz- und Teerfarbftoffe, z. B. des Flavin,
Allzarin, Alizarinblau u. a. auf Schaf- und Baumwolle verlangt für die Färberware zwei getrennte
Operationen; erftens das Beizen oder Mordancleren mit einem Metallfalz, zweitens das Vereinigen
°er von derFafer in Irgend einer Form aufgenommenen Metallbafis mit dem Farbftoff zu einem
"•ehr oder weniger unlöslichen Farblack. Die Wolle nimmt die B e i z e (f.d.) beim Anfieden
ulrekt a u s faurem Bade auf. Die Baumwolle wird mit dem abgeftumpften Mordant getränkt oder
•jedruckt, worauf infolge der Difföziatlon des Metallfalzes (vgl. A l u m i n i u m V e r b i n d u n g e n )
«le Beteiligung eines bafifchen Metallfalzes auf der Fafer vor fich geht und in einem heißen
«eutralifationsbad zu Ende geführt wird, oder aber man fetzt, wie dies meift in den Färbereien
oer Kattunfabriken der Fall ift, die Balis des in der Wafferhänge diffoziierten Acetats und Sulf-
«cetats in ein unlösliches Metallfalz auf der Fafer um, indem man das Gewebe breit durch die
m t e
ft « I Löfung eines kiefelfauren, arfenfauren oder phosphorfauren Alkalls zieht. Nach der
Beteiligung der Beize folgt bei der Baumwolle wie bei der Schafwolle der z w e i t e Teil der
nxation: die Lackblldung in der heißen Flotte des adjektlven Farbftoffes.— Bei den ganz-
»aer halbechten Dampf f ä r b e n (f. d.) werden Mordant und adjektiver Farbftoff zufammen auf
46 Fixieren, photographifdies — Fixierungsplättdien

die Wolle oder Baumwolle aufgetragen und die Fixation der Farbe, d.h. die Vereinigung der
Metallbafis mit dem Farbftoff und der Gefpinflfafer im Dämpfkaflen auf einmal vollzogen,
wobei die Beteiligung der Dampffarben durch den Zufatz von in der Hitze neutralifierenden
Alkali- und Erdalkaliverbindungen mit flüchtigen Säuren gefichert wird. — Albuminfarben auf
Baumwolle werden ausfchliefilich durch die Hitze des Dampfes, die Albumfnchromätzfarbeh
auf Küpenblau (f. Aetzfarben) durch die Einwirkung einer heißen Säurelöfung fixiert. —
Reinfte Niederfchlagsarbeit ift die Beteiligung des für das Ausfärben in Chromkali beftimmten
Bleioxyds auf Baumwolle, wofür Kalkhydrat, Soda- oder Olauberfalzlöfung oder verdünntes
Ammoniak als Fällungsmittel dienen. — Viele faure und alle bafifchen Anilin- und Teer-
farbftoffe verhalten fich zur Wolle und Seide wie fubftantive Farbftoffe, fofern fie zur Be-
teiligung auf diefen Gefpinftfafern keiner metailifchen Beize bedürfen. Auf Baumwolle ziehen
die Tauren Farbftoffe gar nicht oder nur unvollkommen und dann nur unter Vermittlung einer
Metallbeize. Die bafifchen Anilinfarbftoffe verlangen zu ihrer Beteiligung auf Baumwolle die
Bildung eines Doppellacks, der fich aus Farbftoff, Antimon- oder Zinnoxyd als Metallbafis und
aus Gerbfäure als einer Hilfsbeize zufammenfetzt. Der Baumwollfärber befeftigt zuerft mit Hilfe
von zwei aufeinander folgenden Bädern die Gerbfäure als gerbfaures Antimon- oder Zinnoxyd
auf der Fafer, um hernach in einem dritten, heißen B a d d e n Farbftoff, Z.B.Methylenblau,
Malachitgrün u. f. w., mit diefer unlöslichen Verbindung zu einem noch unlöslicheren Doppel-
lack zu vereinigen, in dem der Farbftoff überdies eine größere Widerftandsfähigkeit gegen die
Einwirkung des Lichts zeigt Der Baumwolldrucker trägt zuerft den einfachen Tanninfarblack
auf, fixiert ihn im Dämpfkaflen und befeftigt ihn ein zweitesmal im heißen Brechweinfleinbade
auf der Fafer. Doch gibt es auch eine kleine Zahl natürlicher und eine große Zahl künftlicher
Farbftoffe aus der Reihe der Azofarbftoffe, mit denen Baumwolle direkt gefärbt werden kann.
Nach welchem phyfikalifchen oder chemifchen Gefetze die direkt färbenden Farbftoffe auf Baum-
wolle, Wolle und Seide wafchecht fich beteiligen, ift immer noch eine offene Frage, die trotz
mannigfacher Unterfuchungen und Hypothefen bis jetzt keine allfeltig befriedigende Löfung
gefunden hat, wie man überhaupt zu einer vollkommen einwandfreien Theorie, die das Wefen
alles F ä r b e n s (f. d.) auf vegetabilifchen und animalifchen Gefpinftfafern, alfo auch der Färberei mit
adjektiven Farbftoffen klarlegen würde, noch nicht gelangt ifl. Die zur Baumwolle wie fubftantive
Azofarben fich verHaltenden Benzidinfarbfloffe haben die befondere Eigenfchaft, wenn fie auf
die Fafer aufgefärbt find, den bafifchen Anilinfarbfloffen nachträglich als Beize zu dienen,
während letztere fonft nur mit Hilfe von Albumin oder gerbfaurem Antimonoxyd auf der
vegetabilifchen Fafer fich beteiligen laffen. Ein Teil der auf der Baumwolle aufgefärbten Azo-
farbftoff e kann auch auf der Fafer in einem kalten, fchwach fauren Nitritbad diazotiert (f. E n t -
w i c k l u n g s f a r b e n ) werden, worauf der entftandene Diazokörper durch Kupplung mit einem
Phenol, Amin, überhaupt mit einem Entwickler, in einen neuen, unlöslichen Azofarbftoff über-
geführt wird, der folider auf der Baumwolle fich befeftigt als die vorgefärbte Grundfarbe. In
g leicher Weife liefert auch das die Baumwolle direkt gelb färbende Prlmulin, auf der Fafer
iazotiert und mit vermiedenen Entwicklern gekuppelt, wafchechte Nuancen (f. E n t w i c k l u n g s -
f a r b e n ) , und man erhält ferner durch Imprägnieren der weißen Baumwolle mit einem Amin in
faurer Löfung oder mit einem Phenol in alkalifcher Löfung und nachfolgendes Kuppeln mit
einer diazotierten organifchen Bafe, z. B. Anilin, einen unlöslichen Azofarbftoff auf dem Garn
oder Gewebe, der durch fich felbft wafchecht genug auf der Fafer fixiert ift — Endlich ift noch
der Befeftigungsweife zu gedenken, die auf der Oxydation gewiffer Farbftoffe durch Chromkali
oder ein Kupferfalz beruht, die für die Entwicklung z. B. der Cachoufarben unentbehrlich ift
und in einer nach dem Dämpfen oder Färben vorgenommenen Paffage durch heiße Chromkali-
löfung befteht. Mit demfelben Recht bezeichnet man auch in der Anilinfchwarzpraxls (f. An 11 In-
f c h w a r z ) die Kupfervanad- und andre dergleichen Metallfalze als Fixierfalze, obgleich fie in
das Schwarz felbft nicht eintreten, fondern nur die Oxydation des Anilins durch die Zerfetzungs-
produkte der Chlorfäure einleiten, unterhalten und auf diefe Weife die Entwicklung und Be-
teiligung des unlöslichen Anilinfchwarz auf der Baumwolle, wenn auch indirekt, fo doch in
erfler Linie veranlagen. (KMnuyr) rnshiau.
Fixieren, phOtOgraphifcheS. Werden Schichten von Brom-, Chlor- und Jodfilber
zur Herftellung photographifcher Bilder verwendet, fo muß man nach dem Entftehen diefer
Bilder das unzerfetzt gebliebene Silberfalz entfernen (.das Lichtbild fixieren"). Als Fixiermittel dient
Natriumthiofulfat (.Fixiernatron'), feltener werden Cyankalium, Schwefelcyanlde u.f.w. verwendet
Diefe Fixiermittel löfen z. B. in ftark überfchüffigem Natriumthiofulfat Bromfiiber unter Doppel-
zerfetzung, wobei das leicht lösliche Natriumfilberthiofulfat (2 Ag S Oi • Na,S»O ) entfteht.
t t t

Bei ungenügendem Ueberfchuß von Fixiernatron bildet fich das Tchwer lösliche Doppelfalz
AgtSiOt •A'ajSaO«, das fich fchwer auswafchen läßt und durch allmähliche Selbftzerfetzung
unter Bildung von braunem Schwefelfiiber das Vergilben des photographlfchen Silberbildes
bewirkt. 7- M. Bder.
Fixierfalz, f a u r e s , ein Gemifchvon Natriumthiofulfat mit fauren Sulfiten,
z. B. Natrium- oder Kaliumbifulfit.
Diefe fauren Subftanzen zerfetzen das Fixiernatron nicht, wie dies bei faft allen Säuren
der Fall ift, und üben eine Künftige klärende Wirkung auf die zu fixierenden photographlfchen
Bromfilberbilder aus, deren Gelbfärbung durch zerfetzte Entwicklerfubftanzen fie hindern.
Fixlerungsplättchen find kleine (namentlich nach H o h e n e g g e r s Angabe
hergeftellte) viereckige Unterlagsfcheiben von Schraubenmuttern mit dem Zweck,
die Rückdrehung der letzteren zu verhindern, z . B . dadurch, daß ein Teil des
Plättchens durch einen Schlitz an einer Seite abgetrennt und dann neben der Mutter
Fixpfahle— Flachmalerei

fchräg aufgebogen wird. Solche Fixierungsplättchen find namentlich bei Lafchen-


47
fchrauben der Eifenbahnfchienen viel angewendet worden, haben fich jedoch nicht
fo dauerhaft erwiefen, wie erwartet wurde. V g l . S c h r a u b e n f i c h e r u n g e n . Goring.
Fixpfähle ( F i x p u n k t e , F e f t p u n k t e ) , 10—15 cm ftarke, mit Erdkreuz
verfehene und entfprechend bezeichnete Pfähle, die zu beiden Seiten eines
nerzuftellenden Straßen- oder Eifenbahnkörpers in möglichft gleichen Abftänden
von der Mittellinie eingegraben, eingemeffen und einnivelliert werden, um mit
ihrer Hilfe jederzeit die Mittellinie der Straße oder Bahnlinie wieder beftimmen
zu können. Als Fixpunkte können auch Sockelecken vorhandener Gebäude,
Felsvorfprünge, die befonders bezeichnet werden, u. f. w. dienen, L. «. mumann.
Fixpunkte oder I n f l e x i o n s p u n k t e werden bei durchlaufenden (kon-
tinuierlichen) Balken diejenigen zwei Punkte einer Oeffnung genannt, für die
das Biegungsmoment durch beliebige Beladung aller vorhergehenden Oeffnungen
bezw. aller folgenden Oeffnungen nicht geändert wird; vgl. B a l k e n , d u r c h -
l a u f e n d e , wofelbft auch entfprechende Literatur angegeben ift (f.a. Feftpunkte).
Fl, in der Chemie Zeichen für Fluor.
Flaaken, f.v.w. H ü r d e n ; f. Schafftälle.
Flachbogen, f. M a u e r b ö g e n .
Flachdruckmafchine, f. B u c h d r u c k m a f c h i n e n .
Flache Gänge ( A b e n d g ä n g e ) , bergmännifche Bezeichnung für von
kSO nach NNW ftreichende Gänge.
. Flacheifen. 1. Flaches Eifen (oder Stahl) mit rechteckigem Querfchnitt;
1--45 mm dick und mindeftens zweimal, höchftens 24mal fo breit als dick.
Abftufung der Breite von 14 bis 50 mm mit je 2 mm, von 50 bis 70 mm mit
je 5 mm (f. Walzwerk). — 2. Ein von dem Formfehneider benutztes Stemm- und
Stechzeug, mit gerader, ein- oder zweifeitig zugefchärfter Schneide (f. Sternm-
und S t e c h z e u g ) . #«/<*»•».
Flaches Gewinde, f. S c h r a u b e n .
Flachfellen find auf ihrer ganzen Länge von gleicher Breite mit recht-
eckigem Querfchnitt; f. F e i l e n .
Flachkaliber, f. W a l z w e r k .
Flachkell, f. K e i l e und H e r e i n t r e i b e a r b e i t .
Flachkeilverfchluß, f. G e f c h ü t z und S c h i f f s g e f c h ü t z e .
Flachkiel, im Gegenfatz zum Balkenkiel, befteht aus einer einfachen oder
gedoppelten Kielplatte, die mit dem Mittelkiel durch doppelte Winkel verbunden
"w f . S c h i f f b a u (Eifen). r.sd»»««.
. . Flachlandbahnen, Eifenbahnen im ebenen Lande, im Gegenfatze zu G e -
b i r g s b a h n e n (f. d.). Im eifenbahntechnifchen Sinne ftreng genommen Bahnen,.
Geren maßgebende Neigung nicht über die B r e m s n e i g u n g (f.d.) hinausgeht
. Flachlandftraßen werden in der Regel als Hochftraßen (f. d.) ausgeführt,
"idem man womöglich die Kämme der untergeordneten Wafferfcheiden zu be-
nutzen fucht, da die Flachlandtäler meift feucht und fumpfig find. Nur in den
oreiten Tälern der Hauptflüffe können auch die Flachlandftraßen die Eigenart
Q
er T a l f t r a ß e n (f. d.) erhalten. S. a. S t r a ß e n b a u . z, *. mum***.
Flachlafchen, Schienenlafchen ohne wage- oder fenkrechte Anfätze, früher
auch bei Hauptbahnen, jetzt nur bei Nebenbahnen oder wenig benutzten Haupt-
Dahnen in Gebrauch. gmw«*.
n Flachmahlftuhl, Walzenftuhl, dazu beftimmt, aus dem Getreide beim erften
Durchgang möglichft viel Mehl zu erzeugen.
Daher ift er meift mit zwei Paar übereinander liegenden Walzen verfehen, von denen das
v o r b r |
t£m c h t , das untere ausmahlt Manchmal ift zwifchen beide eine primitive Sichtvor-
„ X " " ? (Schüttelfleb) elngefchaltet Entfprechend der geforderten Kraftäußerung find Flach-
roaninühle, namentlich in ihren Zapfen und Lagern, befonders kräftig zu konftruieren. Vgl. a.
Walzenftuhl. Arndt.
Flachmalerei, Zweig der dekorativen Malerei, bei der die Darfteilung
Pialtifcher und perfpektiver Objekte vermieden wird.
A , s
odo r F'achmalerei gelten unfre Anftreicherarbeiten, feien fie nun glatt oder Holzimitationen
u„ 5 ' . anachahmungen, die innere Ausfchmückung untrer Wohnräume, namentlich der Wände
nta rfl

mehreren oder auch nur in einer Farbe, infofern keine plaftifche Wirkung erzielt
< e n
w*,h 7 m

weraen foil. Sie befchränkt fich daher in den meiften Fällen auf Nachahmung von Holz u n d
48 Flachmeißel — Flaahsbrechmafdiinen

Marmor, Ornamenten u. dergl. und fleht von körperlichen Darftellungen ganz ab. Als Flach-
maler bezeichnet man in der Schweiz und in einigen Gegenden Deutfchlands den Anflreicher
und Zimmermaler fowie den Wagenmaler zum Unterfchiede vom Dekorationsmaler. Andt*.
Flachmeißel, f. M e i ß e l .
Flachmüllerei, f. M e h l f a b r i k a t i o n .
Flachrelief ( B a s r e l i e f ) , ein Relief, das fich wenig über den Grund er-
hebt. Im allgemeinen eignet fich das Flachrelief namentlich für folche Objekte,
die vom Befchauer deutlich, d. h. aus der Nähe wahrgenommen werden können.
Flachring, f. D y n a m o m a f c h i n e . ww«*r««»«r.
Flachrollen, f. A u f l a g e r .
Flachs, f. S p i n n f a f e r n .
Flachsabfall, f. W e r g f p i n n e r e i .
Flachsbrechmafchinen. Das Flachsbrechen hat den Zweck, das im
Innern der mantelförmigen Baftfchicht, die wiederum von der Rindenfchicht um-
geben ift, liegende Holzrohr, das durch die Vorarbeiten des Rottens (Röftens)
und des Trocknens (Dörrens) mürbe und brüchig gemacht worden ift, an mög-
lichft vielen Stellen zu brechen, fo daß die entflehenden Holzflückchen aus dem
beim Brechen gleichzeitig vielfach auffpaltenden Flachsmantel durch die nach-
folgenden weiteren Vorbereitungsarbeiten herausgebracht werden können, fofern
fie nicht fchon beim Brechen felbft herausfallen. Die hierzu benutzte Flachs-
brechmafchine bildet die Grundlage aller andern Brechmafchinen für Spinnfafern,
wenn fchon die andern Fafern, wie Jute, Ramie, Ginfter, u. f. w., je nach der t

Eigenart ihres hiftologifchen Aufbaues fowie ihrer Baftzellen, eine eigne Be-
handlung verlangen und die betreffenden Brechmafchinen, diefer Eigenfchaft
entfprechend, anders konfluiert find.
Die alte H a n d b r e c h e befteht aus der ruhenden
Lade und dem dagegen bewegten Deckel oder Schlägel.
Die Lade ift gebildet aus (meld drei) roftförmig an-
geordneten, hochkantgeftellten Holzmeffem, Uber die
der zu brechende Flachs
handvoll-(rillen-) weife auf-
gelegt wird, der von
oben dagegen gefchlagene
Deckel greift dann mit
feinen (meift zwei) Meffern
in die Zwifchenräume der
Lade ein und bricht da-
durch die Flachsftengel.
Eng an die Bauart der
Handbreche fchließt fleh Flg. 2 .
die Brechmafchine von
K a f e l o w s k v (Fig. 1) an [1]. Bei ihr wird ein fchnell auf und niedergehender Deckel benutzt,
der fich mit feinen Meffern zwifchen die auf einer Walze angebrachten Meffer hineindrückt und
fo die zwifchen Deckel und Walze durchgehenden Stengel knickt und bricht. Diefe Mafchine
bearbeitet die Fafer weniger fchonend als die fogenannten Walzenbrechen, bei denen die Stengel
durch mehr oder minder fcharf geriffelte Walzen gebrochen und vom Holz befreit werden. Die
-übereinander liegenden Walzen brechen und transportieren den Stengel und liefern die entholzte
Fafer auf einen Tifch ab. Flg. 2 zeigt die hierhergehörige Guildfche Flachsbreche [21, wie
fie die K ö n i g F r i e d r i c h A u g u f t - H ü t t e in Potfchappel baut
Auf gußeifemem Gellelle find zwei Paare fchmiedeeiferner Walzen angeordnet, von denen
•das erde Paar gröbere, das zweite feinere Riffelung hat. Diefe zwei Paar Walzen erhalten
durch das aus der Figur erfichtliche, finnreich angeordnete Zahngetriebe eine fogenannte Pilger-
fchrittbewegung. Die Walzen erhalten abwechfelnd eine Vorwärts- und eine Rückwärtsbewegung,
jedoch fo, daß die Vorwärtsbewegung größer ift als die Rückwärtsbewegung; hierdurch wird
erreicht, daß jeder Punkt der Ride wiederholt der Einwirkung der Walzen unterliegt. Auf ein-
fache Weife läßt fich die Pilgerfchrittbewegung dadurch erzielen, daß man auf einer gleich-
mäßig umlaufenden Welle verfchieden große Zahnräderausfchnitte anbringt, von denen der
größere in die hintere Unterwalze, der kleinere in die vordere Oberwalze eingreift (Warneck) [3|;
diefe Uebertragseinrichtung ergibt jedoch beim Richtungswechfel, falls man keine Reibräder
anwendet, Stöße. Um Vor- und Rückgang beliebig regelbar zu machen, hat man durch Hand
umfchaltbare Wechfelgetriebe angeordnet [4]. — Die Brechwalzen werden zweckmäßig als fo-
genannte S k e l e t t - oder G e r i p p w a l z e n ausgeführt, bei denen die frei werdenden Holz-
feile u. f. w. frei durch die Zwifchenräume nach unten fallen können.
Den Brechwalzen hat man außer der Pilgerfchrittbewegung auch noch axiale hin und
her gehende Verfchiebungen erteilt, dergeftalt, daß die oberen fich nach rechts bewegen,
während fich die unteren nach links fchieben, und umgekehrt (.Nitfcheln"), dadurch foil die
Fafer mehr .geöffnet' werden ( F a i r b a i r n f c h e Breche oder A f f o u p l i f f e u f e ) . Diefe Breche
Flachsbrechmafdünen

eignet fich mehr als F e i n b r e c h e , ferner auch für bearbeitete Faferftoffe, wie Ramie, präparierten
nanf, Jute u. f. w. Als fernere Verbefferung diefes Syftems ift die 1884 konftrulerte S c h i e f -
nerfche Flachs-, Hanf- und Ramiebrechmafchlne (Fig. 3) zu bezeichnen.

Flg. 3.
i . Auf gußeifernem Oeftelle find zweimal zwei Paar geriffelter Walzen angeordnet, die für
jeae der vier Paare Riffelwalzen verfchiedene, immer feiner werdende Riffelung zeigen. In der
MAW' z w i f c n e n

a,zen
d e n
zweimal zwei Walzenpaaren, befinden fich ein Paar Holzbürften oder
w e I c n e d i e v o n d e n
«S. u * f » erften zwei gröberen Walzenpaaren gebrochene Fafer reinigen,
PIK i r u n d d l e
Schabe (Peliküle) abreiben und die Fafer den zweiten zwei Paaren feinerer
z e n z u f u h r e n
di» p r - Letztere brechen die noch gebliebenen Holz- und Rindenrefte und fahren
d e n a m
«iu £ . 1
Ausgange angebrachten zwei Stahlblechbürften zu, welche die Fafer abkratzen,
z u n d
"v£.i ?! -_ Pelikületeile entfernen und die Fafer auf eine Tafel abliefern. Die Wirkung
• Paar Walzen
wieder entziehen.
U {~ n —»•«••""= i c i u c t c u c i a n i u i c n c r r r u i u n g i n
u n d
vi
o i u n u c n i w v K g oicngel mit 2 8 — 3 2 * / 0

Rlndenverluft. Sie ift jetzt in verfchiedenen Produktionszentren im Gebrauch. Ferner


wurae die Mafchine auch für Ramie mit gutem Erfolge verwendet.
a u« folgenden feien noch einige typifche Anordnungen von Brechmafchlnen erwähnt, die
ur
Vnrf u f Bearbeitung von Flachs und Hanf zur Bearbeitung von Ramie, Pita, Alo* u.f.w. in
unri D ? gebracht worden find [5]. Bei der Brechmafchine „Favier* für lange Qefplnftfafern
""a ittmie find mehrfache Walzen mit Riffelung um einen geriffelten Tambour angeordnet Diefe
Mafchine wird In Südfrankreich, Aegypten und Algier angewendet. —
Die Brechmafchine .Sandford" zeigt zwei große geriffelte Tambours
zum Brechen und Schalen der Fafer. Die Mafchine ift
in New Orleans prämiiert und in Verwendung genommen
worden. — Die Mafchine .Berthet' ift namentlich für
grüne Fafern berechnet, alfo für Entholzung der Stengel
Im feuchten Zuftande, wie fie vom Anbaufelde
kommen. Sie hat für Ramie, Pita, Aloe, Hanf
und Flachs Verwendung gefunden. Die Kon-
ftruktion Ift eine ganz eigenartige. Große
Korden fahren die Fafer aber eine horizontale
Radplatte mit Seilkehle zu einem Tambour,
der mit Schlagern und Meffern die Fafer vom
feuchten Holze und grünen Balte reinigt.—Die
Brechmafchine .Rougef (Flg. 4), in Algier im
„ , Gebrauche, zeigt zwei Paar Walzen, welche
<>ie Fafern dem großen Tambour mit Schlagern darbieten. Diefer entholzt die herabhängenden
{«erbttndel und Hellt nach einigen Umdrehungen felbfttatlgab; die Mafchine rückt aus, läßt die
1
h u l k zurückgehen, der bedienende Arbeiter nimmt die Bündel nnd legt fie von der andern,
g ™ « unbearbeiteten Seite an die Walzen; diefe arbeiten wieder nach vorwärts und bieten dem
f^Ugertambour die noch unbearbeitete Seite. Der Arbeitsprozeß ift zu umfttndlich, die Wirknngir
**J« des Schlagers zu brutal, fo daß die Mafchine wenig Anklang gefunden hat — Die Breche
du D °eruht ebenfalls auf dem Syftem der Walzenbrechmafchlnen. — Eine andre Bauart zeigt
u i e Brechmafchine .Kramer*. Diefe arbeitet .mit Himmern nach Art des Bokens auf die herab-
L n
« S « r , Uzlkon dtr getarnten Technik. X Aufl. IV. 4
50 Fladifdiabtr — Flachsspinnerei

hängende, gegen eine Platte liegende Fafer, die den Hämmern dargeboten und von diefen ge-
fchlagen, gebrochen und dadurch entholzt wird. Diefe Mafchine fchont die Fafer, macht aufier
dem zu entfernenden Holz keinen Abfall, braucht aber verhältnismäßig lange Zelt zur Entholzung,
da die Hämmer nur mäßig ftark auf die Fafer einwirken dürfen. Auch die Anordnung, nach
der die Faferbündel oben elngefpannt find und nur fo dargeboten werden, daß alfo ein Kehren
der Fafer und nochmaliges Einfpannen nötig Ift, verlängert die Arbeit
"*N und vermindert den Wert der Mafchine — Die Breche .Angell"
— ' (Fig. 5) befitzt außer geriffelten Brechwalzen noch Hechelwalzen
und unten eine Schwingvorrichtung ( v g l . F l a c h s f p l n n e r e l ) .
Um aus dem Flachsftroh mehr brauchbare lange Fafer zu gewinnen,
als fich mit dem gewöhnlichen Brechen und Schwingen ergibt, hat man
ferner fogenannte S c h ä b e f t e c h m a f c h i n e n (Cardon) erfonnen [6], die
in der Hauptfache durch Spalten mittels Nadeln das vorgeknickte Holz
zerkleinern, die Schabe gewiffermaßen durch Herausgechen von der Baft-
tafer trennen und diefe gleichzeitig teilen. Die Behandlung ift zwar eine
fchonende, aber wegen der hohen Anfchaffungskoften der großen zufammengefetzten Maschinen
für den Kleinbetrieb nicht geeignet
Literatur: [1] Zeitfchr. des Vereins deutfcher Ingen. 1874, S. 208. — [2] Hartig, Ver-
fuche Aber den Kraftbedarf der Mafchinen in der Flachs- und Wergfpinnerei, 1869, S. 5 1 ;
Civllingen. 1880, S.30. — [3] Hoyer, Bericht Aber die Wiener Weltausftellung, Riga 1874, S.85.
— [4rb.R.P. Nr. 38694; Leipziger Monatsfchr. f. Textillnduftrle 1887, S. 116. — [51 D.R.P.
Nr.12785, 34130, 69437, 76605, 91528, 92477, 93967,93968, 95303,106359, 111808, 125867;
Brit Pat Nr. 2093 und 4874 vom Jahre 1896; Zeitfchr. des Vereins deutfcher Ingen. 1893, S. 1087;
Leipziger Monatsfchr. f. Textillnduftrle 1897, S. 260; Textllzeitung 1900, S.941. — [6] D.R.P.
Nr.32173; Pfuhl, Fortfehritte in der Flachsgewinnung, S. 1; Zeitfchr. des Vereint deutfcher
Ingen. 1886, S. 673; Dingl. Polyt Journ. 1886, Bd. 260, S. 385. Bmß MMUT.
Flachfchaber, ein zweifchneidiger S c h a b e r (f. d.) mit dünner flacher
Klinge, die am Ende rechtwinklig abgefchliffen ift.
Flachfchieber, f. S c h i e b e r .
Flachfchlenen, zu Anfang des Eifenbahnbaues auf Holzlangfchwellen be-
feftigte Schienen flachen Profils, fpäter lange Zeit noch für Pferdebahnen feil-
gehalten, jetzt auch da feiten. Goring.
Flachfchrot, in der Flachmüllerei das Produkt eines Schrotprozeffes.
S.Mehlfabrikation.
Flachsfchwlngmafchlne, f. F l a c h s f p i n n e r e i .
Flachflchter, ein ebenes, gerütteltes, fchwingendes oder kreifendes Sieb.
Gegenfatz: Rundfichter, Sichtezylinder, Zentrifugalfichtmafchinen. Befonderer
Fall: P l a n f i c h t e r (f. d.). Amdu
Flachsfpinnerei. Flachs ift die ältefte bekannte S p i n n f a f e r (f. d.), und
deren Verfpinnung teilt Och in zwei Arten: in Hand- und Mafchinenfpinnerei.
Die H a n d f p i n n e r e i kommt noch vereinzelt in ländlichen Bezirken vor, wo
die bäuerlichen Arbeiten diefe Nebenbefchäfn'gung begünftigen. Die M a f c h i n e n -
f p i n n e r e i ift vor ca. 90 Jahren von G i r a r d angeregt und in den letzten
50 Jahren bedeutend verbeffert worden.
Für beide Arten der Verfpinnung ift eine Vorbereitung des Flachfes nötig, und es befteht
diefe in einer Röfte (Rotte, Rouflage, Retting), in der die pflanzenlelmartlgen, im wefentlichen aus
Pektofe beftehenden Stoffe des Baues zerftört und die Lockerung der einzelnen Faferfchichten
erzielt werden. Die Röftverfahren teilen fleh In natürliche Röfte ( W a f f e r r ö f t e , T a u r ö f t e ,
gemifchte Röfte; der ruf fifche taugeröftete Flachs kommt unter dem Namen S l a n e z In den
Handel, der aus den baltifchen Provinzen kommende waffergeröftete Flachs wird M o t f c h e n e z
genannt) und In künftllche Röfte ( H e l ß w a f f e r - , D a m p f r ö f t e , Röfte mit S ä u r e n ) . Oenaue
Anleitungen hierüber finden fleh in (11—[4]. Ein Anfang der 1890er Jahre von B a u r an-
gegebenes künftliches Röftverfahren befteht darin, daß elnerfelts die mit verdünnter Schwefel-
saure ausgeführte Zerfetzung des Pflanzenleimes, anderfelts die hierauf folgende Entfernung der
Säure (durch alkalifche Auswafchung) aus der Fafer je Im evakuierten Keffel unter 100 » C vor
fich geht Der gerottete Stengelflachs wird fchlleßlich zum Trocknen auf den Rafen ge-
bracht, wo er unter mehrmaligem Umwenden je nach der Witterung 4—6 Tage liegen bleibt [101.
Wenn der. gerottete Flachs getrocknet ift, was durch Luft, Sonne oder kUnftliche Erwärmung
:fchleht (Dörren, Darren), muffen die Holzteile entfernt werden. Dies gefchleht durch B r e c h e n
P raken), und zwar im bäuerlichen Betriebe mit der Handbreche, fonft aber ausfchlieSlich mit
l a c h s b r e c h m a f c h i n e n (f.d.). Nach dem Brechen des Flachfes folgt bei der Hand-
fpinnerei das R I l t e n , d. h. Hin- und Herzlehen Aber ein Brett mit fcharfen Kanten (Rifteloch),
fodann das R i b b e n , ein fcharfes Ausftrelchen des Flachfes mit einer ftumpfen Klinge(Ribbe-
meffer). Diefe Arbeiten dienen zur Entfernung der Holzteile. Im Großbetrieb wird hierzu die
Schwlngmafchine (Fig. 1 u. 2) verwendet, eine einfache Welle, in der eifenbefeftigte Holzmeffer
(Schläger) decken, die in fehr rafcher Umdrehung auf die von der Seite hineingehaltenen
Flachsitränge fchlagen, die Holzteile ( A g e n . A c h e l n ) entfernen und fo die Fafer .Offnen*.
Eingehenderes Ober die Konftruktlon der Schwingmafchinen in [5]—[7].
Flachsspinnerei 51
Nach der Beendigung des Schwingens folgt das H e c h e l n . Die Hechelei teilt fich
wiederum in Handhechelei und Mafchinenhechelei. Die Handhechel (Fig. 3) ift eine Holzplatte
mit darauf beteiligten fenkrecht flehenden Suhlnadeln (Hechelzähne), durch die der Flachs
gezogen wird. Die langen reinen Fafern ziehen fich durch, die kurzen wirren Fafern bleiben
>n den Hechelzahnen zurück und geben das H e c h e l w e r g , H e c h e l h e d e , Werg. Für die
Mafchinenhechelei wird der Flachs vielfach zur Erzeugung f e i n e r Garne auf der Schneide-
mafchine (Coupeufe, Fig. 4) in mehrere Teile gefchnitten oder vielmehr zerriflen. Der Flachs
wird auf derSchneidemafchlne durch Zufuhrwalzen dem rafch umlaufenden Umfang einer Schneid-
feheibe dargeboten. Die Speifevorrichtung befteht aus vier, auf zwei gleichgerichteten Achfen
paarweife beteiligten eifernen Scheiben von etwa 300 mm Durchmeffer und 25 mm Dicke. Um
den Flachs feft zu faffen, find fie nicht glattrandlg, fondern die oberen auf dem ganzen Umfange
mit zwei Leiden, die unteren mit zwei entfprechenden Hohlkehlen verfehen. Zwifchen diefen Ein-

Fig. 3 Flg. 2.
[Ohrungsfeheiben, die fich mit mäßiger Gefchwindig-
keit umdrehen, befindet fich eine größere verführte
und gezackt randige, fehrfchnell umlaufende Scheibe,
ö n Arbeiter nimmt den gefchwungenen Flachs In
beide Hände, halt eine Harke Ride desfelben aus-
gefpannt an zwei Punkten feft und bietet die zwifchen -
den gefaßten Punkten liegende Stelle den Elnfüh-
jttngsfcheiben dar. Letztere ziehen den Flachs hinein und fuhren ihn gegen die gezackte Scheibe,
{»e ihn fchnell zerreißt (Fig. 4). Konftrukteure: F a l r b a l r n , N a y l o r , M a c p h e r f o n 4 Cie.,
j - a w f o n & S o n s , Leeds (England), C o m b e , B a r b o u r & C o m b e , Belfaft (Irland), die im
"«entliehen alle das gleiche Syftem bauen. Der fo gefchnittene, oder für das Verfpinnen der
gröberen Nummern der ungefchnittene Flachs, wird nun auf die Hechelmafchlne gebracht Zu
oiefem Zwecke wird das Material auf einem Tifche in eiferne, mit Weichgummi gefütterte Kluppen

Flg. 6. Flg. e.
em
f!? 8efpannt, daß etwas mehr als die Hälfte des Faferbartes heraushingt, der andre Teil dagegen
ft
w , f c h e n d e n b e , d e n
*-Lf . Elfenplatten eingefpannt Ift. Die fo mit Flachs gefüllten Kluppen
u f e , n e
ah»»?? ? O'eltbahn gelegt, die den Flachs dem Hechelfelde zuführen, das aus nach
•owarts laufenden kämmend wirkenden Hechelftaben befteht — Genaue Befchieibung des ganzen
an ns f , n d e t flcn 6
n.J!. £ 0 r n e r s in I I und [81. — Hechelmafchlnen bauen Lille, Leeds, Belfaft, und zwar
»•» c . 5 P a t e
n t ( G e o r g H o r n e r in Belfaft) Duplex vertical sheet-Hechelmafchine
er r o d F e m e r
2«.. ? P Pc n e n - C o m b e , Belfaft; F a l r b a l r n , Leeds; L a w f o n , Leeds. Der Preis
d«^I°J Duplex-Hechelmafchine (Flg. 5 u.6) Hellt fich auf 5000 Jt und mehr. Je nach
«foJr, a n nnnd 6
Ausführung. WflBrend die Hechelnadeln die Faferbflrte, die In den Eifenkluppen
v",fr5 t ' auskämmen, bleibt die lange gehechelte Fafer in den Kluppen. Sie wird nach
flnd

'wiendeter Hechelei ausgefpannt und zur Weiterverarbeitung für die Spinnerei weggelegt,
52 Flachsspinnerei

während die herausgehechelten kürzeren Fafern aus den Hechel-


nadeln durch Putzbttrften entfernt und in einem Holzkaften auf-
gefangen werden. Diefe ausgehechelte kürzere und teils feinere Fafer
heifit W e r g und liefert das Material für eine befondere Spinnerei,
die Abf a 11 - oder W e r g f p 1 n n e r e i (f. d.). Das Werg gibt übrigens,
wenn es noch aaf der Etoupes-fWerg-)
Kämmafchine gekämmt wird, ein feineres
Garn als das aus Lang(gehecheltem)-
Flachs. — Die aus der Kluppe genom-
menen und nach beiden Seiten aus-
ehechelten Faferbärte werden nun auf
f ie A n l e g e m a f c h l n e ( N a d e l f t a b -
f t r e c k e , E t a l e u r , S p r e a d e r ) auf-
gelegt und von diefer zu Bändern ver-
arbeitet, indem die Zuführungswalzen
(Einziehwalzen) die aufgelegten Fafer-
bärte den Nadeln der fogenannten G i l l s
( F a l l e r s , B a r r e t t e s ) zufuhren und
die Gillftäbe, in Schrauben ohne Ende
laufend, die Fafer weiterführen und
an zwei Druckwalzen (Verzugszylinder,
Streckwalzen, Ausziehwalzen) abliefern. Flg. 7.

Letztere laufen fchneller als die


Zuführungswalzen und wirken
alfo verziehend, ftreckend. Die
vier Bänder auf der fogenannten
Bandplatte werden fchließlich zu
e i n e m Bande vereinigt, das in
die blecherne (oder papieme)
Spinnkanne (Topf) läuft und zur
Weiterverftreckung den F1 a c h s -
( t r e c k e n oder D u r c h z ü g e n
vorgefetzt wird. Diefe erfte Ver-
zugsmafchine heißt Anlege-,
Aurlegemafchine deshalb, weil
bei ihr die Barte an- bezw. auf-
gelegt werden (Flg. 7).
Die von der -eben geschil-
derten Anlegemafchlne geliefer-
ten Flachsbänder werden nun
den F l a c h s f t r e c k e n oder
D u r c h z ü g e n (Fig. 8) über-
eben, die diefe in mehrfacher
Flg. 8.
f
ahl übereinander gelegte (ge-
doppelte, dublierte, doublierte) Bänder verzieht und dadurch vergleichmäßigt. Je öfter diefer
Prozeß des Verzuges und Doppeins wiederholt wird, defto gleichmäßiger wird das Oarn; nur
muß die Fafer auch vor .Ermüdung' gefchützt werden, fo daß ein dreimaliges Dublieren und
Verziehen das Maximum bildet —
Dies Verziehen findet ftatt, Indem
die Bänder zwifchen zwei Walzen-
paaren geführt werden, von denen
fleh das eine Paar vor und das
andre hinter den Hechelftäben
(Fallers, Gillftäben) befindet Das
vordere Paar, das fich aus dem
Streckzylinder und der Druck-
walze zufammenfetzt, faßt die
Fafer an den Spitzen unter großem
Druck der Walze, zieht dlefelbe
aus den Hechelftäben (Gills) und
liefert das fo gebildete Band in
die Spinnkanne. Die Verfeinerung
erfolgt dadurch, daß die hinteren,
die Zuführungszylinder, vier bis
fechs Bander gleicher Schwere,
z . B . 100g auf 1 0 m , zuführen,
die vorderen, die Verzugszylinder,
aber, mit vielleicht vier- bis fechs-
mal fo großer Gefchwindigkeit
laufend, aus diefen vier bis fechs
Bändern nur ein Band gleicher
Schwere abliefern. Auf diefe Weife
Flg.».
Flachsfpinnerei 53
verfeinern fleh vier Ms fechs Bander in eines und die Ungleichheiten derfelben Bleichen fleh
im Dublieren aus. Die gleichzeitig durch die vier bis fechs Nadelreihen eines Kopfes gehenden
je vier bis fechs Bander werden durch den AbUeferungskopt auf der Bandplatte vereinigt, und
fo bilden dann 4 - 4 b i s 6 - 6 = 16bis36 BBnder nur ein Band. Diefer Prozeß wird je nach
Notwendigkeit wiederholt und dann das Band dem Vorfplnnverfahren unterworfen. Es werden
die fo verfeinerten Bander der V o r f p i n n m a f c h i n e (Fleier, F l y e r , B«nc » b r o c h e a ,
R o v i n g f r a m e , Flg.9) vorgelegt und durch Zuführungswalzen den Hechelftaben railftaben)
zugeführt. Diefelben führen die Fafer vorwärts zu dem gerieften Verzugs- und Abführungs-
*yfinder, auf dem ein Holzzylinder (In neuerer Zelt auch Holz mit Leder c^er Kautfchuk belegt)
den erforderlichen Druck gibt und die Fafer vorwärts zieht Da diefe Verzugszylinder fleh
fechs- bis zehnmal fchneller bewegen als die Zuführungszylinder, fo verfeinern fle das angelegte
Band ebenfo viel mal. Das fo verfeinerte Band fließt aber auf der Vorfpinnmafchine nicht als
Band in eine Spinnkanne, fondern wird fofort, wenn es zwifchen den Zylindern hervortritt
durch den Flügel einer Spindel aufgenommen, gedreht und auf eine Spule aufgewickelt, genau
in derfelben Weife, wie das In dem A r t . B a u m w o l l f p l n n e r e i (Bd. 1, S.610) auseinander-
g sfetzt worden Ift Dies gedrehte Band Ift das V o r g a r n (Vorgefplnft) und ifl einem dicken
indfaden gleich, aber welch und offen. Neuerdings verwendet man an Stelle der Holzfpulen
mit VorteilPaplerfpulen, welche u. a. die Firmen A. L e n k A C i e . in Graz und A. S c h n e i d e r
In Rochlitz (Sachfen) liefern. Für die fogenannte Konusbewegung, Dlfferentialradergetriebe n.f.w.
haben die verschiedenen Fabriken, wieCombe, B a r b o u r , F a l r b a l r n , N a y l o r , Lawfonu.f.w.,
meift ihre befonderen fehr flnnreichen und patentierten Konstruktionen. Die Vorfpinnmafchine
in mit feineren Nadeln der Hechelftobe verfehen als die Durchzüge, hat in der Regel fechs bis
« h n Köpfe und Jeder Kopf eine Oarnitur Hechelftabe (Fallers) mit vier Reihen Nadeln. Jede
Reihe Nadeln führt zu einer Spindel. Die Spule hat gewöhnlich 15—20 cm ( = ca. 6 - 8 Zoll engl.)
Hub. Die Entfernung von der Mitte einer Spindel zur andern nennt man Teilung, Ecartement
Flg. 9 Hellt eine Vorfpinnmafchine im Settenfchnitt mit allen Getrieben und Spindel mit Spule
dar. Das von der Vorfpinnmafchine auf Spulen gelieferte Vorgefplnft wird nun an die Spinnerei
abgeliefert Die F l a c h s f p i n n m a f c h l n e Ift faft Immer, ob Trocken- oder Naßfpinnerei be-
geben wird, nach Waterfyftem mit Flügelfplndeln gebaut Doch find in neuerer Zelt auch
Wngfpindeln zur Anwendung gekommen [11]. Der F l a c h s f p i n n f t u h l Hellt_eln langes Re^teck
dar, an deffen Langfeiten fleh die Spindeln befinden, die von der in der Mitte liegenden
Schnurtrommel durch Schnüre (Spindelfchnüre, Soindelbander) gedreht werden. Auf dem langen
Rechtecktifch der Mafchlne befindet fleh das Qeftell zum Aufftecken der Vorgefplnftfpulen. Die
von der Vorfpinnmafchine gelieferten, mit Vorgefplnft «"gefüllten Spulen ftehm In zwei oder
mehreren Reihen auf dem Geftelle der Mafchlne. Bei den Naßfpinnftühlen (vgLFIg. 11 n. 13)
^«findet fich unter Ihnen und ein wenig nach vorne auf leder Seite ein Waffertrogjrf von der
Qeftalt einer langen Rinne aus Holz oder Zinkblech, in dem WafTer durch eingelegte Dampf-
röhrchen e bis auf 75» C erhitzt wird. Die Vorgefplnftfaden gehen von den Vorgefplnftfpulen\a
*n das erhitzte WafTer, unter dem Dampfröhrchen durch und verlaffen In angenaßtem Zuftande
auf der vorderen Seite durch Einfchnltte oder Löcher den Wafferkaften, treten, durch Faden-
führer geführt, zwifchen die Elnzleh- odet Hinter-
walzen/g. Das find geriffelte Mefßngwalzen von
40—50 mm Durchmeffer, von denen die unteren / ,
aw einem langen Zylinder befefügt, angetrieben
werden und fo die Vorgefplnftfaden zuliefern, da
die darauf ruhenden, aus je zwei Walzen be-
ftehenden, abhebbaren Druckzylinderg
aus Mefflng dagegengepreßt werden.
Die darunterliegenden Streck- oder
Vorderzylinder (Abführungswalzen) A /
laufen nun fechs- bis zwölfmal rafcher
wie die Einzugswalzen fg, fo daß durch
das Ausziehen (Verziehen) auf die
fechs- bis zwölffache Lange die vor-
geschriebene Fadenfeinheit erreicht
wird. Die oberen Walzen / , die fo-
genannten Prefflonswalzen, find aus
Buchsbaum- oder Birnbaumholz her-
geftellt gleichfalls geriffelt und werden
unter Benutzung von Hebelverbin-
dungen durch Federn oder Gewichte
(Fig. 13) gegen die Unterwalzen an-
gepreßt Der durch die Streckwalzen
- n«., 10.
r - gelieferte Faden, ift der geringen Vor- Plf.li. _ . „
gefpinftdrehung und dem Verzuge entfprechend nur fehr wenig gedreht Die nötige Drehung
«halt er d u r a den fich rafen* drehenden Flügel (Fig. 10), ta deffen Innerni fleh<Ue ge-
bremlte und mit der Spulenbank / (Flg. 11) aul und ab fWgende Spule m befindet.Durch
d«» Zurückbleiben der «bremften Spule erfolgt die FadenaufwTcklung. Die Spindel wird durch
eine Schnur (oder Band) bewegt, die über den Tambour (Schnurtrommel) umi den auf der
d
Spindel unten befindlichen Wlrtel (Nuß) q lauft und die Öefch^n lgkelt des Tambours von
etwa 400 minutlichen Umdrehungen auf den zehnmal kleineren Wlrtel obertrtgt, diefem fomlt
4000 minutliche Umdrehungen gebend. Die Schnurtrommel wird unmittelbar von der
Airtriebfchelbe bewegt Dl« Bewegung der Zuführung«- und Streckwalzen nnd der Spulenbank
54 Fladtsftredtmafdtine — Fladißellen

wird von der Hauptantriebwelle aus unter Vermittlung von Zahnradern (Wechfelrädern) ab-
geleitet (vgl. Fig. 12). Ein neuer Spindelantrieb von B a r b o u r in Belfaft ift in [12] befchrieben.
Ein Flachsfpinnftuhl hat auf je einer Seite 60—160 Spindeln. Der Hub der Spulenbank,
der gleich der lichten Spulenhöhe ift, betragt zwifchen 2 und 3'/s engl. Zoll, je nach der Fein-
heit der Garne, die man fplnnt. Die Spindelteilung (Pitch)
richtet fich nach dem Hub und betragt 1»/«—3 Zoll.
Der Achfenabftand zwifchen den Achten der oberen
oder Einziehwalzen und den unteren oder Streckwalzen
heifit S t r e c k w e i t e (Reach), feine Oröfie fchwankt bei den
NafifpinnftUhlen je nach der Länge des zu verfpinnenden
1
Flachfes von I /» bis zu 5 Zoll engl.
Bei der weniger gebräuchlichen Trockenfpinnerei fällt
der Waffertrog auf dem Spinnftuhle weg, im übrigen ift
die Verfpinnung die gleiche, nur ift die
Streckweite größer; fie betragt bei den
T r o c k e n f p l n n m a f c h i n e n für Flachs
18—22, für Werg 8 - 1 0 Zoll engl.
Einen vollftändieen Ueberblick aber
das Qebiet der Flachslnduftrle in che-

Fl«. 13. flg. 12.


mifcher, mafchineller und auch In nationalökonomifcher Hinficht gibt [9], während [6] die
genauefte Anleitung Uber die Flachsfpinnerei enthält Die Flachsfpinnltühle werden haupt-
fachlich noch immer in England und Irland von F a l r b a i r n , N a y l o r , M a c p h e r f o n ,
Leeds, C o m b e , B a r b o u r A C o m b e , Belfaft, und L a w f o n 4 S o n s , Leeds, gebaut In neuerer
Zeit hat jedoch in Deutfchland die Firma O s k a r S c h i m m e l & Co., Chemnitz i. S., den Bau
von Spinnereimafchinen auch für Flachs, Hanf und Jute in dankenswerter Weife aufgenommen.
Das von dem Flachsfpinnftuhle gelieferte Garn wird nun entweder, wenn es für Zwirn
beftimmt ift, der Zwirnerei Ubergeben, die es zu zwei- und mehrfädigem Zwirne verarbeitet,
oder es wird die Spule auf die Hafpel oder Weife gegeben und abgehafpelt Die englifche
Hafpelung ift auch in den deutfchen und öfterreichifchen Mafchlnenfpinnerelen angenommen,
nämlich der Hafpelumfang zu 2'/ Yards = 90 Zoll engl. = 2,286 m; 120 Fäden heißen ein Ge-
t

bind (Lea) = 300 Yards; 10 Gebinde geben einen Strahn = 3000 Yards, 4 Strähne = 1 Stuck
= 12000 Yards; 5 Stück = 1 Bündel = 60000 Yards; 12 Bündel = 1 Schock = 720000 Yards
und ift 1 Schock = 2 Pack engtifch. Statt 2>l, wird der Hafpelumfang wohl auch 3 Yards ge-
nommen, dann machen 100 Faden 1 Gebind = 300 Yards aus. Neben diefer Weife find jedoch
in Deutfchland und Oefterreich noch immer andre, hiervon abweichende in Gebrauch [6].
Ueber gefundbeitlich notwendige Maßnahmen in den Flachsspinnereien und Hintanhaltung
des Dampfes und der Feuchtigkeit in den Naßfpinnräumen vgl. [131.
Literatur: [1] Bräunlin, Flachsbau, Stuttgart 1832; Sonntag, Flachsbau u. Flachsbereitung,
Leipzig 1872; Kuhnert, Der Flachs, feine Kultur und Verarbeitung, Berlin 1897. — [2] Veit,
Anleitung zur Flachsbereitung, Augsburg 1841. — [3] Kurz, F. S., Die Flachsbereitung nach
beften belgifchen Syftemen, Reutlingen 1843; Etrich, Die Flachsbereitung in ihrer Beziehung zur
Flachsbaufrage, Trautenau 1898: Eck, RufOfches Flachs- und Hanflexikon für den deutfeh-
ruffifchen und ruffifch-deutfehen Handelsverkehr, Görlitz 1899. — [4] Rttfin, A., Die deutfehe
Flachszucht Glogau 1846; Leipz, Monatfchr. f. Textilind. 1894, S.239,243. — [5] Verbefferungen
an Flachsfchwingmafchinen, Patent James M'Kean in Castleblayneys, Irland. — [6] Marfhall,
CLeslie, Der praktifche Flachsfpinner, Weimar 1888; Sharp, Flax, tow and jute spinning,
London 1897. — [71 Pfuhl, E., Neue Schwingmafchine von Kafelowsky, Riga 1888. — [8] Müller,
Ernft, Handbuch der Spinnerei, Leipzig 1892. — [9] Pfuhl, E., Weitere Fortschritte in der Flachs-
gewinnung, Riga 1895. — [10] Württemb. Wochenbl. für Landwirtfchaft, Stuttgart 1896, S. 12
und 13; D.R.P. Nr. 68807, 88850, 107733, 143126; Leipz. Monatfchr. f. Textilind. 1894, S.239,
243; 1896, S. 570; 1897, S. 69; 1898, S. 751; Textilztg. 1900, S. 283; Zeitfchr. f. d. gef. Textilind.
1905/06, S. 132. — [II] Müller, Ernft, Handbuch der Spinnerei, Leipzig 1892, S.275. —
[12J D.R.P. Nr. 158738, 162820; Leipz. Monatfchr. f. Textilind. 1905, S. 109, 278. — [13] Zeitfchr.
f. Gewerbehygiene, Wien 1905, S. 9. Smß ttwitr.
Flachsftreckmafchlne, f. Flachsfpinnerei.
Flachfteln, f. v. w. Schief er (f. d.).
Flachftellen der Radlaufflächen, ebene, flachgefchliffene Stellen, die
hauptfächlich durch übermäßiges Bremfen der in Bewegung befindlichen Fahr-
Flachftichel — Flächen 55

zeuge entliehen, indem die Räder bei Feftbremfung bis zum Stillftande mit
demfelben Teilftücke ihres Umfanges dauernd auf den Schienen fchleifen. Flach-
»ellen mit größeren Pfeilhöhen verurfachen harte Stöße, find daher für die
Betriebsmittel und den Oberbau fchädlich und muffen durch Abdrehen der
Räder befeitigt werden.
Nach dem .Uebereinkommen betreffend die gegenfeitige Wagenbenutzung im Bereiche
oe» Vereins deutfcher Eifenbahnverwaltungen', gültig ab 1. Januar 1891, Anlage II, P. 7,
Berechtigen Rader, die auf ihrer Laufflache Flachllellen von mehr als 5 mm Pfeilhöhe zeigen,
zur Zurückweisung der betreffenden Wagen von der Uebemahme.
Flachftichel, f. G r a v i e r e n .
Flachswolle ( k o t o n i f i e r t e F l a c h s c e l l u l o f e ) , v o n C l a u f f e n aus der
rohen Flachsfafer durch wiederholtes Behandeln mit Sodalöiung und nachfolgendes
Neutralifieren durch Schwefelfäure dargeftelltes Surrogat für Baumwolle. Diefes
Kotpnifieren der Flachsfafer hat indes bisher noch zu keinen praktifch verwert-
baren Refultaten geführt, fo daß der von der englifchen Regierung ausgefetzte
Preis von 20000 Pfd. Sterl. noch ausfleht. Das von S p a z i e r angegebene
Verfahren, nach dem Flachsabfälle fich fo verarbeiten laffen, daß fie der feinften
Sea Island-Baumwolle gleichkommen, ift viel zu koftfpielig.
Flachwalzen, f. A u f l a g e r , Bd. 1, S. 360.
Flachwerk, Entdeckung des Daches mit Flach- und Plattziegeln.
Flachzange, Zange mit fchmalem, flachem Maul, die dazu beftimmt ift,
größere Arbeitsftücke mit Hilfe der Hand zu halten. Die Zange befteht aus
zwei, bei kleineren Zangen durcheinander gefleckten, bei größeren übereinander
gelegten, um einen Bolzen drehbaren Stangen, die gegeneinander gedrückt
werden. Zum feileren Halten des Arbeitsftückes find die aus Stahl gebildeten
Maulflächen durch
Meißelhiebe gekerbt.
A* Flg.©• 1
* Hellt eine
i t e m «CHIC
" f k e Flachzange (Linien-
f»nge) dar, Fig. 2 eine
«•chzange (Champagner-
fchnetder mit Seiten
M n
g e ) , Flg. 3 und 4
amerikanifche Parallel-
flachzangen, und zwar
Flg. 4 eine folche mit
Seitenfchneider und Ifo-
llergrlff für Elektrotech-
niker.. Eine Flachzange
für Feinmechaniker TU
durch D.R.P. Nr. 128942 Plg. 3. Flg. 4. Aorfrjrungen,

die den Zweck haben, ein befferesnauen oer p.


p»n- - - - - - -
Z t t
En»* ermöglichen und beim Einfpannen verschieden großer OegenfUnde eine ftets gleiche
""lernung der Schenkel zu erzielen, wodurch ein befferes Halten der Zange mit den ein-
«wpannten Oegenftanden herbeigeführt wird.
Literatur: Zeitfchr. für Werkzeugmafchinen und Werkzeuge, 1898/99, S. 258. DmUktw.
Flachziegel, f . B i b e r f c h w ä n z e , D a c h z i e g e l und Z i e g e l f a b r i k a t i o n .
Flackmafchine (Schlagmafchine), f.Ba u m w o l l f p i n n e r e i , Bd. 1, S.597.
Fladerabziehpapier, f. A nil r i e h e, Bd. 1, S. 232.
Fladerpapler, ein Holz imitierendes Papier; f. B u n t p a p i e r f o r t e n.
Fläche, in der Mathematik, f. F l ä c h e n t h e o r i e .
. Fläche, ein Hammer von 13—25 cm Länge, der an beiden Enden eine
cm D r e i t
e„ 9 . e Schneide befitzt und zur Bearbeitung härterer Steinarten (Granit,
Syenit u. f. w.) ftatt des Boffiereifens Verwendung findet Daher »Flächen«, die
B e a r b e i t u n g einer Steinfläche mit dem genannten Werkzeug (f. W e r k f t e i n -
bearbeitung).
Flächen, zweidimenfionale Gebilde, entweder eben oder krumm (vgl.
F
-flchentheorie).
• Oeometrifche Eigenfchaften der Fliehen.
t { „ k*i c n e i 1
' krarnme. Eine krumme Fliehe ift der geometrlfche Ort aller Lagen einer nach
u i m T i "e'Ummten Oefetze bewegten Kurve oder Fliehe. Je nach der Art des Bewegungsgefetzes
0
»er bewegten Linie oder Fliehe, d. h. der Erzeugenden der Fliehe, laffen fleh die Fliehen
56 FlCUhen

einteilen; man kann unterfcheiden: 1. U m d r e h u n g s f l a c h e n ; die Erzeugende ifl eine Linie


und dreht fleh um eine beliebige Qerade im Räume als Achfe. 2. R e g e l f l a c h e n ; die Er-
zeugende ift eine gerade Linie; dabei ift die Flache abwickelbar, wenn je zwei aufeinander
folgende Lagen der bewegten Oeraden in einer Ebene liegen, oder windfehief, wenn dies nicht
der Fall ifl 3. U m h ü l l u n g * - o d e r R ü c k u n g s f l a c h e n ; die Erzeugende ift eine Flache
und bewegt fich nach einem Deftlmmten Qefetze. Vorftehende Unterfcheidung fchlleßt keines-
wegs aus, daß ein und diefeibe Flache mehreren der obengenannten Gruppen zugleich
angehört Eine andre Einteilung der Flachen erfolgt nach ihrer algebraifchen Ordnung, worunter
man im allgemeinen die Anzahl der Schnittpunkte einer Oeraden mit ihrer Oberflache verfteht; ift
diefe Anzahl eine begrenzte, fo heißt die Fläche a l g e b r a i f c h , im andern Falle t r a n f z e n d e n t
Eine Flache nter Ordnung befitzt als ebenen Schnitt ftets eine Linie nter Ordnung.
Legt man durch einen Punkt einer Flache eine Anzahl Ebenen, ermittelt deren Schnitte mit
der Flache und konftruiert in dem genannten Punkte an die verfchledenen Schnittkurven der
Tangenten, fo bilden letztere im allgemeinen eine ebene Flache, die Tangentialebene des
betreffenden Punktes an die Flache; der gegebene Punkt felbft ift der Berührungspunkt der
Tangentialebene mit der Flache. Liegt der Punkt nicht auf der Flache, fo find von ihm aus
im allgemeinen unzahlig viele Tangentialebenen an die Flache möglich; fie bilden fämtlich
eine Kegelflache, welche die gegebene Flache nach einer beftimmten Kurve berührt Ift der
gegebene Punkt eine Lichtquelle, fo bildet die ebengenannte Kurve die Selbftfchattengrenze
der Flache mit Bezug auf die genannte Lichtquelle. Fallt der Punkt in unendliche Feme, fo
find die fämtlichen ihn enthaltenden Tangentialebenen parallel zu einer Geraden und bilden
eine die Oberflache nach einer Kurve berührende Zylinderflache Genannte Kurve bezeichnet
die Selbftfchattengrenze der Flache für den unendlich fernen Punkt als Lichtquelle. Durch die
Punkte einer geraden Linie laffen fleh nur eine begrenzte Anzahl von Tangentialebenen an die
Flache legen; fie bezeichnet, wenn die Fläche algebraifch ift, die Klaffe der Flache. Ift die
Flache abwickelbar, fo ift eine Tangentialebene durch eine beliebig gegebene Gerade im all-
gemeinen nicht vorhanden; man verfteht deshalb unter der Klaffe
einer abwickelbaren Flache die Zahl der Tan-
gentialebenen, die durch einen beliebigen
Punkt an die Flache möglich find. Eine
Tangentialebene fchneidet eine Fläche nter
Ordnung im allgemeinen noch nach einer
Kurve /iter Ordnung, die im Berührungspunkt
der Tangentialebene mit der Flache einen
Doppelpunkt befitzt Die beiden Tangenten
in diefem Doppelpunkt haben mit der Flache
drei aufeinander folgende Punkte gemeinfam
und heißen die zu dem Berührungspunkte
gehörigen Haupt- oder Inflexlonstangenten
der Flache. Diefe Haupttangenten find ent-
weder beide wirklich vorhanden, der Punkt
ift ein hyperbollfcher Punkt der Flache, oder
fie fallen in eine Tangente zufammen, der
Punkt ift parabolifch, oder fie find endlich
ImaglnBr, der Punkt ift ein elliptifcher Punkt
der Fläche. Ift die Flache eine Regelflache,
fo ift jeder ihrer Punkte entweder hyper-
bolifch oder parabolifch, letzteres ftets, wenn
die Flache abwickelbar ift
Schneiden fich zwei algebralfche Flachen Flg. t
von den Ordnungen «i und n», fo ift ihr
Schnitt im allgemeinen eine Raumkurve von der Ordnung «i * n%. Berühren fich die Flachen
in einem Punkte, fo können fie fich außerdem noch nach einer Kurve von der Ordnung «i«««
fchneiden, die im Berührungspunkte der beiden Flachen einen Doppelpunkt befitzt Die
Tangenten in diefem Doppelpunkte an die Schnittkurven liegen In der gemelnfchaftllchen
Tangentialebene beider Flachen; man erhalt fie als Schnitt der gemeinfamen Tangentialebene
mit einem Kegel, der den Berührungspunkt als Spitze und die Schnittlinie beider Flachen als
Leitlinie befitzt Drei Flachen von den Ordnungen n n% und n» fchneiden fich nach einer
lt

Kurve von der Ordnung /»i — Eine Flache nter Ordnung Ift Im allgemeinen durch
(«-f-I)(/i-H2)(n + 3) _ t Ortsbedingungen, z. B. Punkte, vollftändig beftlmmt; eine Flache
swelter Ordnung demnach durch 9 Punkte, eine Flache dritter Ordnung durch 19 Punkte
Literatur; S. unter G e o m e t r i e , d a r f t e i l e n d e .
Umdrehungsfliche, entfteht durch Drehung einer ebenen Kurve A (f. Fig. 1 und 2) um
eine in ihrer Ebene befindliche Gerade B als Drehungsachfe. Eine zu letzterer fenkrechte Ebene
fchneidet im allgemeinen die Fläche nach einer Kreislinie, die ein Parallelkreis der Drehungs-
flache genannt wird. Alle die Drehungsachfen enthaltenden ebenen Schnitte find kongruente
Figuren und heißen Merldiane der Flache, z.B. C, £ (f. Fig. 1 und 2). Ift der Meridian eine
algebraifche Kurve von der Ordnung ff, fo ift die Drehungsfläche eine algebralfche Flache von
der a ten Ordnung. Ift Insbefondere die Meridiankurve eine Linie zweiter Ordnung und eine
Hauptachfe der letzteren die Drehungsachfe, fo entfteht eine Drehungsflache zweiter Ordnung,
und zwar die K u g e l , das E l l i p f o i d , das P a r a b o l o i d und das H y p e r b o l o i d , je
nachdem als Meridiankurve der Kreis, die Ellipfe, Parabel oder Hyperbel in Betracht kommt
Flächen 57

Als Spezialfälle der Drehungsflächen zweiter Ordnung find der fenkrechte Krefskegel bezw. Zylinder
zu erwähnen; im erften Falle befteht der Meridian aus zwei auf der Drehungsachfe fleh
tchneidenden Oeraden, deren Winkel die letztere halbiert, im zweiten Falle bilden zwei parallele,
gleich weit von der Drehungsachfe abgehende Oerade den Meridianfchnitt der Drehungsfläche,
i i*.. Z u r
geometrlfchen Darfteilung einer Drehungsfläche wählt man zweckmäßig eine Pro-
jektionsebene fenkrecht zur Drehungsachfe, die andre parallel zu einer Meridianebene; in diefem
rau befteht der Orundrlß der Fläche entweder aus einer Kreis- oder Ringfläche, der Aufriß ifl
Begrenzt durch einen Meridianfchnitt (f. Flg. 1 und 2 ) . Bei der obengenannten Annahme der
Projektionsebenen projizieren fleh die Aufriffe der Parallelkreife als Oerade fenkrecht zur
drehungsachfe, die Orundriffe als konzentrifche Kreife. Die Meridiane Hellen (ich im Aufriffe
*'s affine Kurven mit der Drehungsachfe als Affinltätsachfe, die Orundriffe als den Orundriß
oer Drehungsachfe enthaltende Oerade dar (f. Fig. 1 und 2).
. T a n g e n t i a l e b e n e n d e r D r e h u n g s f f a c h e . Die Tangentialebenen längs den Punkten
eines Parallelkreifes an eine Drehungsfläche bilden im allgemeinen einen fenkrechten Kreiskegel,
«jenen Achfe mit der FlBchenachfe zusammenfällt (f. Kreis L, Fig. 1); In fpezlellen Fällen kann
aer Kegel in einen Zylinder bezw. eine Ebene übergehen, und e s heißt im erften Falle der
bezügliche Parallelkreis ein Aequator, z. B. die Kreife K und K? in Fig. 1 und 2 ; im letzteren
Falle ein Polarkreis (f. die Kreife M und N in Fig. 2) bezw. ein Pol (f. Punkt p, Flg. 1) der
ÜJache. Längs den Punkten einer Merldiankurve bilden die Tangentialebenen an die Drehungs-
j i l c h e eine Zylinderfläche, die zur Ebene der Meridiankurve fenkrecht fleht und die Drehungs-
it m n a c h d e r
Meridiankurve berührt Soll in irgend einem Punkte a der Drehungsfläche
jj* 1) eine Tangentialebene konftrulert werden, fo zeichnet man durch diefen Punkt einen
rarallelkreis fowie einen Meridian und an diefe Kurven in dem gegebenen Punkte j e eine
'«ngente Fbtzvr. O; dann ift durch die beiden Tangenten F und Q die Tangentialebene beftimmt
." S c h n i t t e i n e r E b e n e m i t e i n e r D r e h u n g s f l ä c h e Man denkt fleh die Fliehe
ourch Ebenen fenkrecht zur Drehungsachfe gefchnltten; die Schnittlinien treffen die Drehungs-
iiache nach Parallelkrelfen, die Ebene nach parallelen Oeraden. Je ein Parallelkreis der Fläche
rü?r v i e derfelben Ebene liegende Oerade der Ebene treffen fleh in Punkten der Schnittkurve
i n

zwifchen Ebene und Drehungsflache. Eine Tangente in einem Punkte an die Schnittkurve
ergibt fleh als Schnittlinie der Tangentialebene In dem betreffenden Punkte an die Flache mit
d
« Schnittebene.
n ' . S c h n i t t e i n e r Q e r a d e n m i t e i n e r D r e h u n g s f l a c h e . Man legt durch die
gerade eine Ebene, beftimmt deren Schnitt mit der Drehungsflache, die Schnittlinie trifft die
G e r a d e in den gefliehten Schnittpunkten.
, _ S c h n i t t z w e i e r D r e h u n g s f l a c h e n . Je nach der Lage der Achfen beider Flachen
••lien fleh drei Falle unterfchelden; entweder find die Achfen parallel oder fie fchneiden fleh
g o e r fie find wlndfchief. Im erften Falle fchneidet man die beiden Drehungsflachen durch
g o e n e n fenkrecht zu den Achfen beider Flachen und erhalt in jeder Flache als Schnittlinien
^railelkreife, die fich gegenfeitig In Punkten der Schnittkurve beider Flachen begegnen; im
zweiten Falle verwendet man als Hilfsflächen Kugeln, deren Mittelpunkte in den Schnittpunkt
d e n A c h f e n fa
Ii , £ ' "en. Diefe Hilfskugeln treffen beide Flachen nach Parallelkrelfen, deren
Acnnitte Punkte der Schnittkurve beider Drehungsflachen liefern. Bei windfehiefer Lage der
h«/i d e r
Hachen fchneidet man die beiden Flächen durch Ebenen, fenkrecht z u einer der
Sj'^en Flächenachfen, und beftimmt die Schnittlinien der Hilfsebenen mit den beiden Flachen.
u
' e r e Schnittlinien treffen fich in Punkten der Schnittkurve beider Flachen.
M, S c h n i t t einer D r e h u n g s f l a c h e mit e i n e r Z y l i n d e r - bezw. K e g e l f l a c h e
£••11 WBhlt auf der Drehunmflfiche einen Pirallelkrels. l«rt durch denfelben eine zur Zvlinder-

menen P a r a l l e Y k r ' e ^ ' Ä


bisher genannten F l a c h e n mit einer Drehungsflache z u m Schnitt z u bringen^» » 2 ™ " g « s i
beiden > l a c h « m l f o l c h e n Hilhflachen f c j n e l d e n , deren S c h n t t t ^ e n m i td
« ^ f f i r v e
PUchen fleh a m einfachften konftruieren laffen. Die T a n g e n t e In e i nan:Punkte der ^ » ™ n d «
f r e i e r Flachen beftimmt fich als d i e Schnittlinie der Tangentialebenen in d e m betreflenaen
Punkte an d i e beiden Flachen. . . , ,h A m r w h n n p s f l ä c h e an
r

Parallelkrels, beftimmt d e n hierzu g e h ö r i g e n , d i e Drehungsflache berührenden

ZzL "us aie Flache eine Beleuchtung erfahrt; in diefem Falle bezeichnet die Berührungskurve
* a n g e n t e n k e g e l 8 durch den betreffenden Punkt bezw. des Tangentenzylinders parallel der
K g e o e n e n Richtung mit der Drehungsflache die Selbftfchattengrenze auf letzterer Flache tinter
n
dl» „A- i i 8 zentraler bezw. paralleler Beleuchtung. (S.a. S c h a t t e n k o n f t r u k t l o n e n fowie
* unter O e o m e t r l e , d a r f t e l l e n d e , angegebene Literatur.)
58 Flachen

Flüchen zweiter Ordnung. Unter einer Flache zweiter Ordnung verfleht man jede Flache,
die von einer Ebene nach einer Linie zweiten Grades, d. h. nach einem Kegelfchnitte getroffen
wird; hieraus folgt zugleich, daß es auf eine Flache zweiter Ordnung keine andern ebenen
Kurven als Kegelfchnitte gibt Ift auf einer Flache zweiter Ordnung eine gerade Linie vor-
handen, fo wird jede durch die letztere gelegte Ebene die Flache noch nach einer zweiten
Geraden fchneiden; es wird alfo die Flache zweiter Ordnung eine Regelflache fein.
Einige Polareigenfchaften der Flachen zweiter Ordnung: Zieht man durch einen beliebigen
Punkt des Raumes nach der Flache zweiter Ordnung Sekanten und konftruiert für jede Sekante
den zu dem gegebenen Punkte hinfichtlich der Durchfchnittspunkte der Sekante mit der Ober-
flache konjugierten vierten harmonifchen Punkt, fo liegen diefe fämtlichen vierten harmonifchen
Punkte in einer Ebene, welche die Polarebene des Punktes hinfichtlich der Flache zweiter
Ordnung genannt wird. Der Punkt felbft heißt der zur Polarebene gehörige Pol. Schneidet
die Polarebene die Flache zweiter Ordnung nach einem Kegelfchnitte, fo bezeichnet man den
zur Polarebene gehörigen Pol als außerhalb der Flache liegend. Gehört der Pol der FlBche
felbft an, fo ift die zugehörige Polarebene die Tangentialebene der Flache im Pole. Hat die
Polarebene keinen reellen Kegelfchnltt mit der Flache zweiter Ordnung gemeinfam, fo nennt
man den zugehörigen Pol Innerhalb der Flache liegend. Verbindet man die Schnittpunkte der
Polarebene mit der Flache zweiter Ordnung mit dem zugehörigen Pole, fo find diefe Verbindungs-
linien Tangenten an die Oberfläche zweiter Ordnung und bilden den zu dem Punkte gehörigen
Tangentenkegel an die Flache zweiter Ordnung. Ift der betreffende Punkt eine Lichtquelle, fo
ift die Berührungskurve des Tangentenkegels mit der Oberflache die Selbftfchattengrenze der
Flache zweiter Ordnung hinfichtlich des gewählten Punktes als Lichtquelle. Für eine Flache
zweiter Ordnung ift datier bei zentraler Beleuchtung die Selbftfchattengrenze ftets ein Kegel-
fchnltt, desgleichen ihre Schlagfchattengrenze auf eine gegebene ebene Flache. Fallt die Spitze
des Tangentenkegels in unendliche Ferne, fo geht der Tangentenkegel In einen Tangenten-
zylinder über, der die Flache nach einem Kegelfchnitte berührt, deffen Mittelpunkt zugleich der
Mittelpunkt der Flache genannt wird und die Eigenfchaft hat, daß fämtllche durch ihn gehenden
Sehnen in ihm halbiert werden. Jede den Mittelpunkt enthaltende Ebene heißt eine Durch-
mefferebene, jede den Mittelpunkt enthaltende Sehne ein Durchmeffer der Flache zweiter Ordnung.
Ift der unendlich ferne Punkt eine Lichtquelle, fo ift die Berührungskurve des Tangentenzylinders
mit der Flache zweiter Ordnung die Selbftfchattengrenze; diefe ift fomit unter Voraussetzung
einer Beleuchtung durch parallele Llchtftrahlen für eine Flache zweiter Ordnung ftets ein den
Mittelpunkt der Flache als Mittelpunkt befitzender Kegelfchnltt
Durch eine beliebige Gerade laffen fich Im allgemeinen nur zwei Tangentialebenen an
eine Flache zweiter Ordnung legen; die Flache zweifer Ordnung Ift daher auch eine Flache
zweiter Klaffe oder kurzweg eine Fläche zweiten Grades. Die Verbindungslinie der Berührungs-
punkte der die gegebene Gerade 0 enthaltenden Tangentialebenen liefern eine Gerade O durch u

welche die Polarebenen für fämtllche Punkte von Q hindurchgehen. Zwei folche Gerade O, Oi
heißen konjugierte Polaren der Flache zweiten Grades. Liegt die Gerade Q in unendlicher
Feme, fo geht die zu Q konjugierte Polare Q\ durch den Mittelpunkt des Kegelfchnittes und
man nennt die die Gerade Q enthaltende Durchmefferebene die zu Q konjugierte Durchmeffer-
x

ebene. Wählt man in letzterer irgend zwei konjugierte Durchmeffer des in ihr liegenden Kegel-
fchnittes, fo bilden diefe mit Q drei konjugierte Durchmeffer der Flache zweiten Grades und
x

die durch fie beftimmten Ebenen drei konjugierte Durchmefferebenen der Flache. Sie haben
die Eigenfchaft daß die Ebene von je zwei Uurchmeffern die Polarebene des unendlich fernen
Punktes des dritten Durchmeffers darfteilt — Stehen drei konjugierte Durchmeffer einer Flache
zweiten Grades aufeinander fenkrecht fo heißen fie die Hauptachfen der Flache; die durch fie
beftimmten Ebenen find die Hauptachfenebenen und die in ihnen liegenden Kegelfchnitte die
Hauptachfenfchnitte der Flache.
Durch irgend zwei ebene Schnitte einer Flache zweiten Orades laffen fich im allgemeinen
ftets zwei Kegelflächen zweiten Grades legen, deren Spitzen auf der zur Schnittlinie der beiden
Ebenen konjugierten Polaren liegen; hieraus folgt, daß parallele Ebenen eine Flache
zweiten Grades nach Ähnlichen und ähnlich liegenden Kegelfchnltten fchneiden, eine Eigen-
fchaft, die für konftruktive Zwecke nützlich verwendet werden kann. Zwei Flachen zweiten
Grades fchneiden fich im allgemeinen nach einer Linie vierter Ordnung, die Insbesondere in
zwei Kegelfchnitte zerfallen kann; dies ift der Fall, wenn die Flächen zweiten Grades fich in
zwei Punkten berühren. Ift eine der beiden Flächen eine Kugel und findet eine Berührung in
zwei Punkten ftatt fo befteht die Schnittkurve aus zwei Krelfen. Es gibt fomit für jede Flache
zweiten Grades zwei Lagen von Ebenen, welche die Flache nach Krelfen fchneldet Findet die
Berührung nur in einem Punkte ftatt, fo ift die Schnittkurve beider Flächen eine Kurve vierter
Ordnung mit einem Doppelpunkte. Sind die Flächen zweiten Orades Regelflachen und haben
diefelben eine Erzeugende gemeinfam, fo befteht der übrige Schnitt aus einer Kurve dritter
Ordnung.
E i n t e i l u n g d e r F l a c h e n z w e i t e n G r a d e s . Nach der Geftalt der Hauptachfen-
fchnitte unterscheidet man folgende Flächen zweiten Grades:
1. Das E H i p f o l d . Die drei Hauptachfenfchnitte findElllpfen A, B, C (f. Flg. 3—5); ift
einer der Hauptachfenfchnitte ein Kreis, fo find die beiden andern kongruente Ellipfen und
man erhalt das U m d r e h u n g s e i l i p f o l d ; es entfteht durch Umdrehung einer Ellipfe um
eine ihrer Hauptachfen. Findet die Drehung um die große Achfe ftatt, fo entfteht das Um-
drehungseJIIpfoid erfter Art oder das b i f o k a l e EI l i p f o l d ; alle Meridiane befitzen die näm-
lichen Brennpunkte und es kann das EUIpfoid auch definiert werden als der geometrifche Ort
aller Punkte im Räume, die von zwei feilen Punkten eine gegebene Abftandsfumme befitzen.
— Findet die Drehung um die kleine Ellipfenachfe ftatt, fo entfteht das Umdrehungselllpfoid
Flächen 59
r A r t o d e r d a s
o , Sphärold; die Brennpunkte der Meridianellipfe beschreiben einen Kreta
«en rokalkrels des Sphäroides; man erhalt die Brennpunkte der übrigen Mertdianelllpfen im
wurchfchnitte ihrer Ebenen mit dem Fokalkreife des Sphäroides. Beim Ellipfoid ift die Be-
ronrungskurve eines Tangentenkegels bezw. eines Tangentenzylinders ftets eine Ellipfe bezw
«n Kreis. Sind alle Hauptachfenfchnitte Kreife, fo entfteht als Fläche die Kugel. Bei der
Darflellung des Ellipfoides durch Prolektion wählt man die Projektions-
ebenen zweckmäßig parallel zu den Achfenebenen; dann Hellen die Achfen-
fchnitte zugleich die Umrifle oder Konturen der Flache für die bezüglichen
Fig. 6.

Projektionsebenen dar. —
Für das In Fig. 3—5 ge-
zeichnete Ellipfoid ift die
Konftruktion der Berüh-
rungskurve des von dem
Punkt p an die Oberfläche
gelegten Tangentenkegels
Flg. 4.
angedeutet Die Tangen-
, „„. ten von den Projektionen Flg. 7.
feriü D f , p
zugehörigen Umriffe der Flächen geben für Berührungskegelfchnittes fich als
a n d i e

ihr«. n 0 j c ,
? l 0 n
Berührungskurve zwei Tangenten mitd c r
des Ellipfoides beftimmt
Schn.JT^jungspunkten. Da außerdem der Mittelpunkt des Berühre
d e r
fo k . r ? & m a
Verbindungslinie des Punktes p mit dem Mittelpunkte u « ^ . . . , v , . v . ~ „
n n k t
, H

Tan<..n. n , von Orund- und Aufriß des Berührungskegelfchnittes Je den Mittelpunkt fowie zwei
m i t , h r e n
fchnlMo. . ke,ne1 Berührungspunkten, und es unterliegt nach der Lehre von den Kegel-
dei B-!Su ' Schwierigkeit, die Hauptachfen der Projektionen
nran
war» . gskegelfchnittes zu beftimmen und diefen felbft punkt-
kon
Fte- «•
fchon 2* . wn«leren. Die Ebene der Berührungskurve Ift —•
, ü hU e r w a h un t, c d i e
ßE eb ehnVe n
" ' ic-T ? - *««i{-i«=
PoUrebene
k « « « , des ~Punktes
Ä - p. Mit
nöti» hT
Eben, c 5J J .
1 ft
l
Aufgabe a u c h d d el
Ellipfoidgelöft,
z u konftruleren.
den Schnitt einer
n , t
Man belie)
hat nur em

d e s % n *i « »^n'W'nien
n e
ml* d e m cd und abzuderkonftruleren.
FJiiofolrf
nd
Ebene S, T mitManderhat
el
Ebene t

Dunw.« ^ , ** *en Umriffes zu ermitteln und In den Schnltt-


dle tÜL f » * » efer Linien mit den zugehörigen Umrißkurven
C|

8
lfl

6
d,

l e t z t e r c z u
der P n ? ^ " J?" zeichnen. Hierdurch beftimmt fleh
d er Eb ene S r d f e
Mhen5l£ J, r t ,.d .d a h r t * * und Aufgabe ift auf die vorher-
fctoiS2fci- en
¥ 8- außerdem die Lage der Kreis- m F , 5 , f l

K u m i »5t
d e s E,

m
"Pfoldes beftimmt; die Projektfon D» einer
m als
miffl«« L ». a u
Mittelpunkt und einem Halbmeffer gleich der
den S . " Pe t « c h f e des Ellipfoides fchneidet die Ellipfe C in t

ßelli£rf?: 2iP'» und ä A j . Die Verbindungslinien«./, u n d g h % t

SSafäS^P PfoieMlonen zweier E b e n « dar, diJ aus dem


«uproide Kreife ausfehneiden. n c h a , l e o d r w
Zwei d „ S " ^ / r
8 « » n d f c h l e f e Hyperboloid.
u achfenfch
mänf«m „V" Pi nltte find Hyperbeln (f. Flg. 6), deren ge-
deTdri*! A' " cfh^ nean frceh n , Achfe die eine liauptachfe der Flache bildet,
e l n e E i . h Je u n d t t & eine Ellipfe C (f. Fig. 7), die Flache ift
wemini?.. kann auch hervorgebracht werden durch Be-
4 , T * I ?. e r a d e n Linie D, die ftets drei vorgegebene Oerade
e

fchniM"2 * ™ß- und 7) fchneidet Oeht der elliptifche Achfen-


( t 6

Flg. 9.
um ihre imaginäre Achfe D
60 Flachen

Meridianhyperbeln; find die Meridianhyperbeln gleichfeitig, fo erhalt man das gleichfeitige


Hyperboloid.
3. D a s z w e i f c h a l i g e H y p e r b o l o i d . Zwei Achfenfchnitte find Hyperbeln A und B
(f. Fig. 10 und 11), deren gemeinfame reelle Achfe eine Hauptachfe der Flache bildet; die dritte
Hauplachfenebene enthalt keinen reellen Kegelfchnltt, doch liefern Parallelfchnitte zur dritten
Achfenebene ahnliche und ahnlich liegende Elllpfen (in Fig. 12 ift der Schnitt der Flache mit
der Projektionsebene z?i als Ellipfe C< gezeichnet); gehen letztere in Kreife Uber, fo entfteht
das zweifchalige Umdrehungshyperboloid. Es kann aufgefaßt werden als der geometrifche Ort
aller Punkte im Räume, die von zwei gegebenen Punkten eine gegebene Abftandsdifferenz
„, „ „
P) befitzen. Die fämtlichen Meridianhyperbeln be-
F i a
«- fitzen diefelben Brennpunkte, weshafb die Flache
auch als b i f o k a l e s H y p e r b o l o i d bezeichnet
wird.
Fig. 15. Flg. 13.

4. D a s e l l i p t i f c h e P a r a b o l o i d .
Zwei Hauptachfenfchnitte (f. Fig. 13 und 15)
find Parabeln A und C, alle zur dritten Achfen-
ebene parallelen Schnitte ähnliche und ahn-
lich liegende Elllpfen. Der Schnitt mit der
Projektionsebene E, ift in Fig. 14 als Ellipfe B x

Fig. 13. dargeftellt. Der Mittelpunkt der Flache Hegt Flg. u .


in unendlicher Ferne. Werden die zuletzt genannten Schnitte kreis-
förmig, fo entfteht das Umdrehungsparabolold; es wird hervorgerufen durch Umdrehung einer
Parabel um ihre Achfe und kann aufgefaßt werden als der geometrifche Ort aller Punkte im
Räume, die von einem feiten Punkte, dem Brennpunkt der Meridianparabel, und einer fetten
Ebene, der durch die Leitlinie der Parabel
Flg. 16. Flg. 17. fenkrecht zur Parabelachfe gelegten Ebene,
gleichen Abftand befitzen.
5. D a s h y p e r b o l i f c h e o d e r w i n d -
f c h i e f e P a r a b o l o i d . Zwei Achfenfchnitte
find Parabeln A und B (f. Fig. 16 und 17), alle
zur dritten Achfenebene parallelen Schnitte find
ahnliche und ahnlich liegende Hyperbeln; der
Schnitt mit der Projektionsebene E ift als x

Hyperbel Ci gezeichnet. Die Flache ifl eine


Regelflache und kann auch hervorgerufen
werden durch Bewegung einer geraden Linie,
die ftets parallel zu einer gegebenen Ebene
bleibt und außerdem in jeder ihrer Lagen
zwei vorgegebene gerade Linien fchneidet bei
der gewählten Darflellung kann die erwählte
Ebene parallel zu einer der Afymptoten der
Hyperbel C gewählt werden. Es find demnach
zwei folcher Ebenen vorhanden, zu denen die
Erzeugenden des Paraboloides bezw. parallel find, d. h. es gibt auf dem
Paraboloide zwei Syfteme von Erzeugenden, das eine Syftem ift parallel
zur Ebene D das andre zur Ebene /?•.
u

Aus den fünf vorgenannten Arten von Flachen zweiten Grades leiten fich
noch als Spezialfälle die Kegel- und Zylinderflächen zweiten Grades a b ; die
Kegelflache zweiten Grades entfteht aus dem Hyperboloide, wenn ftatt der
Hyperbeln deren Afymptoten als Achfenfchnitte gewählt werden. Die Zylinder-
fläche zweiten Grades entfteht aus dem Paraboloide, wenn ftatt der paraboli-
fchen Achfenfchnitte je ein Paar paralleler Geraden als folche gewählt werden.
Flg. 18. Die unter 1..3..4. aufgeführten Flachen zweiten Grades führen die gemein-
fame Bezeichnung .elliptifche Flachen zweiten Grades*, weil fie in be-
ftimmter Weife durch raumlich kollineare Verwandlung aus der Kugel abgeleitet werden können,
indem das räumlich zentrifch kollineare Abbild einer Kugelf lache eine diefer Flachen fein kann
(f. Z e n t r a l p r o j e k t i o n ) . Die unter 2. und 5. genannten Flachen find die windfchlefen Flachen
zweiten Grades, wahrend die Kegel- und Zylinderflächen zweiten Grades die abwickelbaren Flachen
zweiten Grades bilden. Vgl.a. die analytifche Darflellung in F l a c h e n z w e i t e n O r a d e s .
Literatur: S. unter ö e o m e t r i e , d a r f t e l l e n d e .
Floaten 61

Erzeugung einer abwickelbaren Fläche. Bewegt fleh ein Punkt im Räume nach einem 1
beftimmten Oeletze, fo entfteht eine Raumkurve. Die fämtllchen Tangenten einer Raumkurve
bUden ihre Tangentenflache und diefe ift eine abwickelbare (developpable) Flache, weil es
möglich ift, die von aufeinander folgenden Tangenten gebildeten Flächenftrelfen, Flachenelemente,
durch Drehung um die Je zwei Streifen gemelnfame Kante ohne Aenderung der Form der
Elemente, d. h* ohne Faltung, in eine einzige Ebene auszubreiten (abzuwickeln). Die Tangenten
der Raumkurve find Mantellinien oder Erzeugende der abwickelbaren Flache. D e gleiche Flache
kann auch hervorgebracht werden durch Bewegung einer Ebene. Je zwei aufeinander folgende
Ebenen fchneiden fleh nach Oeraden, die wieder als Mantellinien oder Erzeugende der Flache
bezeichnet werden und gleichfalls als Tangenten eine Raumkurve einhüllen. Zu jeder Raum-
kurve gehört eine abwickelbare Flache als Tangentenfläche, zu Jeder abwickelbaren Fläche eine
Raumkurve als Rückkehrkante. Zwei aufeinander folgende Tangenten der Raumkurve enthalten
von letzterer drei aufeinander folgende Punkte, und die Ebene diefer Punkte Ift eine Schmlegungs-
oder Oskulationsebene der Raumkurve. Die zu einer Raumkurve gehörige abwickelbare Fläche
ift die Flache der Schmiegungsebenen der Kurve. Jede folche Schmiegungsebene enthält zwei
aufeinander folgende Erzeugende der abwickelbaren Fläche, d.h. fie berührt die Flache nach
diefer Erzeugenden und ift eine Tangentialebene der abwickelbaren Flache. Ihr Schnitt mit
einer beliebigen Ebene Ift eine Tangente an die Schnittkurve diefer Ebene mit der abwickelbaren
Flache. Hierdurch hat man ein Mittel, die Tangentialebene an eine abwickelbare Flache in
einem gegebenen Punkte der Fläche zu konftruieren. Man zieht durch den Punkt eine Er-
zeugende der Fläche und ermittelt deren Schnittpunkt mit einer beliebigen auf der Fläche
•legenden ebenen Kurve. Die Tangente an letztere befllmmt mit der Erzeugenden durch den
gegebenen Punkt die Tangentialebene In diefem. Zwei aufeinander folgende Erzeueende bezw.
Tangentialebenen einer abwickelbaren Fläche bilden je einen unendlich kleinen Winkel; der
erftere heißt Kontingenzwinkel, der letztere Torfions- oder Windungswinkel.
K r ü m m u n g e i n e r R a u m k u r v e . Liegt auf einer abwickelbaren Flache eine beliebige
Kurve und ift ab ein unendlich kleines Bogenftück desfelben, zu welchem der Kontingenz-
äff l als die
- 0
winke! 6 und der Torflonswinkel 17 gehört, fo bezeichnet man das Verhältnis 9 l

_ Verhältnis ab _ . _ L als die z w e i t e K r ü m m u n g des Kurvenelementes. Durch


das
erfte
drei aufeinander folgende Punkte der Kurve geht ein K r ü m m u n g s k r e i s , vier aufeinander
folgende Punkte Hegen auf der Oberfläche der S c h m i e g u n g s k u g e l .
H a u p t - und B l n o r m a l e e i n e r R a u m k u r v e . Errichtet man In
einem Punkte a einer Raumkurve K zur zugehörigen Tangente eine Normalebene,
"0 laffen fich in letzterer durch a unzählig viele Normalen zur Kurve K ziehen;
eine davon liegt in der Schmiegungsebene und heifit die Hauptnonnale, eine
andre fleht fenkrecht hierzu und führt die Bezeichnung Binormale.
t E v o l u t e n f l a c h e d e r R a u m k u r v e . Aufeinander folgende Normal-
ebenen einer Raumkurve umhüllen eine abwickelbare Flache, die Evolutenflache
°er erfteren; ihre Erzeugenden find parallel zu den Binormalen
der Raumkurve und fchneiden fleh in der Rückkehrkurve der
Evolutenfläche, dem Ort der Mittelpunkte k der Schmlegungs-
Jjugeln der Raumkurve (Flg. 19). Die Tangenten- und Evoluten-
««che einer Raumkurve haben eine krumme Linie gemeinfam,
aenOrt der Krümmungsmittelpunkte m der Raumkurve. Jedem
winkte p der Raumkurve entfprlcht eine beftlmmte zur Bi-
nortnale des Punktes p parallele Erzeugende E der Evoluten-
«ache. Zieht man von p nach einem beliebigen Punkte * ^ .
von E eine Gerade 0 , fo ift 0 eine Normale zur Raumkurve / M i
und fchneldet die zu E benachbarte Erzeugende £1 in einem \p.
tunkte durch den wieder eine Normale O, zu K gezogen
werden kann, die E In «» fchneidet u.f.w. Die Lullen O
t

und Normalen zur Kurve K und Tangenten an die Kurve


Oer # Letztere Kurve ift fomit eine E v o l u t e von /f. Zu
einer Raumkurve K gehören unendlich viele Evoluten, die
•He auf der Evolutenflache von K lieg—
- Bvolventenflache einer R pen.
- » T U M c n i t B i i i c n t e i n e r { a u r a k u- -r v e .,
Bewegt -
Rf. 19.
« « » e i n e Tangente ohne Olelten längs einer Raumkurve, fo P w n ,„
e n t ee r Raumkurve. —
d Zu
befchrelbt Jeder Punkt der TangenteVi diefer Bewegung eine ^ ^ „ t e n f l ä c h e der
einer Raumkurve gehören unenallch viele Evolventen, dl«. tfl«> A J K L £ " * a

Rawnkurve liegen; erftere Ift fomit auch die Evolventenfllche^der J e « e r e j


. K r f l m m u n g s l l n l e n d e r a b w i c k e l b a r e n i F l i e h e n . Die Eyowemea n
* 8
kurve find Linien auf Ihrer abwickelbaren Fläche deren1 Normalen to « « ^ » p ten
funkten fleh fchneiden. Das gleiche ift der ^^^^^J^SSS^^^J^* d e n

«le fich
u n k

der Erzeugenden der abwickelbaren Flache. Diefe beiden S y R e n w v o n ^ , ,. k

überall rechtwinklig durchfchnelden, nennt man die K r t t m m u n g s n n i c i » u


; ' ÄJtoen
vSSi
d « ebeliebigen
n . o d ePunkt
r R . c h t u n g . k e g e l der
des Raum«.zu.allen Erzeugenden Ott
S^^^£SS&JS^R
«wi«emaren

« r abwickelbaren Fliehe.
62 Flächen

T a n g e n t i a l e b e n e e i n e r a b w i c k e l b a r e n F l a c h e bei nicht gegebenem Be-


r ü h r u n g s p u n k t Soll von einem Punkte außerhalb der Flache eine Tangentialebene an die
Flache konftruiert werden, fo legt man im allgemeinen durch den Punkt eine Ebene, ermittelt
deren Schnitt mit der Flache und zeichnet an die Schnittkurve durch den gegebenen Punkt
die möglichen Tangenten; die Erzeugenden durch deren Berührungspunkte beftlmmen mit den
zugehörigen Tangenten die möglichen Tangentialebenen. Liegt der Punkt In unendlicher Ferne
auf einer gegebenen Oeraden, fo legt man parallel zu der letzteren an den Richtungskegel die
möglichen Tangentialebenen (f. K e g e l f l a c h e ) und ermittelt die zu diefen parallelen Tangential-
ebenen der abwickelbaren Flache. Ift der gegebene Punkt, gleichviel ob er in endlicher oder
unendlicher Ferne ßch befindet, eine Lichtquelle, von der aus die Flache Licht erhalt, fo be-
grenzen die Berührungslinien der von dem Punkte an die Flache gelegten Tangentialebenen
den Selbftfchatten ( L S c h a t t e n k o n f t r u k t i o n e n ) auf der Fläche [ff.
A b w i c k l u n g d e s M a n t e l s e i n e r a b w i c k e l b a r e n F l ä c h e in eine Ebene.
Bei der Entwicklung einer abwickelbaren Fläche bleiben alle Winkel und Langen auf der Flache
ungeändert Die Erzeugenden bilden alfo vor und nach der Abwick-
lung unter fich und mit irgend einer auf der Fläche liegenden Kurve
die nämlichen Winkel. Anders verhalt es fleh hinfichtlich der Krüm-
mung einer Kurve. Sind (f. Fig. 20) a b e drei aufeinander folgende Punkte
einer auf einer abwickelbaren Fläche liegenden Kurve, fo geht durch
die Punkte a,b,c, ein Krümmungskreis der Kurve. Wird nun das
Flachenelement BC in die Ebene - 4 ß um die Kante B gedreht, fo
befchreibt C einen fenkrechten Kreiskegel mit B als Achfe und m als
Mittelpunkt Da nun aber der Winkel n als unendlich klein angenommen
werden k a n n , fo ift Winkel bc'c ein rechter, d.h. man erhalt btf als
Projektion von be in die Ebene AB. Projiziert man den ganzen Krüm-
mungskreis K in die Ebene AB, fo ergibt fich als Projektion eine
ElllpTe, deren Krümmungskreis im Punkte * den Krümmungskreis für
die Abwicklung der Kurve K darfteilt Sind nun Q und pn die Krüm-
mungshalbmeffer vor und nach der Abwicklung und bezeichnet U7 den
Winkel der Tangentialebene mit der Ebene des Krümmungskreifes im
fraglichen Punkte, fo Ift die kleine Achfe der Ellipfe, die als Projektion des Krümmungskreifes
in die Tangentialebene AB fich ergibt gleich 2f-cosU7; für den Endpunkt der kleinen Achfe
ift aber der Krtmmungshalbmefler (n = ~ . ^ y — J Y Für W=0 erhalt man
e o s C

für W=90° ift f f t s o o . Das erfte ift der Fall für alle Punkte der Rückkehrkante einer ab-
wickelbaren Flache, woraus folgt, daß für die Rückkehrkante einer abwickelbaren Flache die
Krümmung durch die Abwicklung des Flachenmantels In eine Ebene ungeändert bleibt Steht
die Tangentialebene eines Punktes einer Kurve auf der zugehörigen Schmiegungsebene des
Kurvenpunktes fenkrecht, fo erhalt die Kurve nach der Abwicklung in dem entsprechenden
Punkte einen Wende- oder Inflezlonspunkt Zeichnet man auf der abgewickelten Flache eine
Linie mit lauter Wendepunkten, d.h. eine Gerade, fo entfpricht derfelben auf der Flache eine
Linie, deren fämtllche Schmiegungsebenen auf den zugehörigen Tangentialebenen fenkrecht
flehen; fie heißt eine geodätlfche Linie und ift die kürzefte Verbindungslinie zwifchen zwei
Punkten der Flache.
R e k t i f i z i e r e n d e a b w i c k e l b a r e F l ä c h e e i n e r R a u m k u r v e . Legt man durch
fämtllche Tangenten und die zugehörigen Binormalen einer Raumkurve Ebenen, fo bilden
letztere eine abwickelbare Flache, deren Tangentialebenen auf den entfprechenden Schmiegungs-
ebenen der Raumkurve fenkrecht flehen; letztere ift fomit eine geodätlfche Linie diefer ab-
wickelbaren Flache und verwandelt fleh bei der Abwicklung der letzteren in eine gerade Linie.
A l g e b r a i f c h e a b w i c k e l b a r e F l a c h e n u n d R a u m k u r v e n . Eine Raumkurve
heißt a l g e b r a i f c h , wenn fie von einer Ebene in einer endlichen Anzahl von Punkten ge-
fchnitten wird, im Oegenfatz zu einer t ran fz e n d e n t e n Raumkurve, deren Schnittpunkte mit
einer Ebene unzahlig viele fein können. Die Tangentenflache einer algebraifchen Raumkurve
ift eine algebraifche abwickelbare Flache, fle wird von einer Oeraden in einer endlichen Anzahl
von Punkten getroffen.
C h a r a k t e r e e i n e r R a u m k u r v e b e z w . d e r e n a b w i c k e l b a r e r F l i e h e . Man
unterfcheidet bei einer Raumkurve 1. ihre O r d n u n g , d. I. die Anzahl ihrer Schnittpunkte mit
einer beliebigen Ebene, 2 . ihren R a n g , d.i. die Anzahl der Schnittpunkte ihrer Tangenten mit
einer beliebigen Oeraden, 3 . Ihre K l a f f e , d. i. die Anzahl der Schmiegungsebenen, die durch
einen beliebigen Punkt des Raumes gehen. Bei einer abwickelbaren Fläche unterfcheidet man
ebenfo 1. ihre O r d n u n g , fie ift gleich der Ordnung eines ebenen Schnittes der Flache nnd
gleich der Anzahl Schnittpunkte der Schnittkurve mit einer beliebigen Oeraden ihrer Ebene —
mit andern Worten: D i e O r d n u n g e i n e r a b w i c k e l b a r e n F l i e h e ift g l e i c h d e m
R a n g e I h r e r R ü c k k e h r k a n t e — ; 2 . ihre K l a f f e , fie Ift gleich der Klaffe eines ebenen
Schnittes der Fliehe und gleich der Anzahl Tangenten an die Schnittkurve von einem Punkte
ihrer Linie. Die Klaffe der abwickelbaren Fliehe ift gleich der Klaffe ihrer Rückkehrkante.
S i n g u l a r i t ä t e n d e r R a u m k u r v e u n d I h r e r a b w i c k e l b a r e n F l i e h e . Bei der
Entftehung der Raumkurve und ihrer abwickelbaren Fliehe durch Bewegung eines Punktes
bezw. einer Ebene können folgende Singularitäten auftreten: Der bewegliche Punkt bezw. die
Ebene halt einen Augenblick in der Bewegung inne und kehrt die Bewegungsrichtung um; es
entfleht im erften Falle ein flationlrer P u n k t (f. Flg.21), d. h. ein Rückkehrpunkt der Raum-
kurve, im zweiten Falle aber eine flatlonäre S c h m i e g u n g s e b e n e der Kurve bezw. eine
flationlre Tangentialebene der Fliehe (f. Fig. 22). Außerdem unterfcheidet man flat Ion I r e
Fiaditn 63

t a t e n , d. h. folche Tangenten, die drei unmittelbar aufeinander folgende Punkte enthalten


0
e n & - T ' ? P P « ' P u n k t e , D o p p e l f c h m t e g u n g s - b e z w . T a n g e n t i a l e b e n e n , far die
rD e e
R«imL. v ^ ? w g » c h e Punkt oder die bewegliche Ebene zweimal durch diefelbe Stelle des
d u r c n e h t
de/ p u u ' ? . endlich D o p p e l t a n g e n t e n der Ranmkurve oder D o p p e l e r z e u g e n d e
L , n i e n
den n * 0 * ip e t e"•
lementen
. welche die Raumkurve In zwei verfchiedenen Punkten berühren. Außer
Bi»m« P ! kann «Ine Raumkurve bezw. abwickelbare Flache auch noch mehrfache
aemente befltzen, z . B . »fache
m e n t e d h c h e
T.« . ' - *'« Punkte,
••ngenten, Schmiegungsebenen. v >

Fig.21 Flg. 22.


u f a m
Eine ? .D n i e n h a n g e i n e r R a u m k u r v e m i t i h r e r P r o j e k t i o n auf e l n e r E b e n e ,
denn «*n u 5 m n t e r 0 r d
n u n g hat als Projektion Im allgemeinen eine Kurve *i-ter Ordnung,
fainer 2. n k t e > e f l tJ r projizierenden Ebene n Punkte gemeinfam; diefelbe Anzahl gemein-
m , t e d e

Rtamk.^ d .!? D
»
i e
, b
Spur e r projizierenden Ebene mit der Projektion der e r t t C h d , e d

TanSSJ-"** k l a f f e der P r o j e k t i o n Ift gleich dem R a n g e der Raumkurve, denn Jede


«ngenie von einem beliebigen Punkte p der Projektionsebene ift die Projektion einer Tangente
lSj.w u m k u r v e » d , e d
e n Projektlonsftrahl durch p enthalt Die Ordnung bezw. Klaffe der
auf . r - "vermindert fleh um eine Einheit wenn das Projektionszentrum auf der Kurve bezw.
•ui einer Tangente der Kurve liegt
einer ? J $ u l a r l t ä t e n d e r e b e n e n P r o j e k t i o n e i n e r R a u m k u r v e Den Singularitäten
r
n

m k u r v e
fo n . entsprechen gewlffe Singularitäten Ihrer ebenen Projektion. Letztere befitzt
noch7UA uckkehrpunkte, als die Raumkurve ftationare Punkte hat (f. Flg. 21); außerdem erzeugt
e n t e d c r
Ift alfi * 2 ' " ? R«unikurve, die das Projektionszentrum enthalt, einen Rückkehrpunkt
ZtntnLi e
uAnzahl der ftatlonären Punkte der Raumkurve und gehen ? Tangenten durch das
der S™; • ? befltzt die Projektion ß + e Rückkehrpunkte Die Anzahl der ftationaren Tangenten
0 n fl c h d e r
erzeuo?' w i S'l' Anzahl der ftationaren Tangenten der Raumkurve (f. Flg.23), außerdem
a s
TanorÄiJ j S Pfojektionszentrum enthaltende Schmlegungsebene eine weitere ftationare
Rehen m c I , Jek»lon. Ift alfo ff die Anzahl der ftationaren Tangenten der Raumkurve und
p ro

Tanw-tL^"mlegungsebenen durch das Projektionszentrum, fo ift die Anzahl der ftationaren


Pro
Punkt,rt.?rS^ , eJektionk,,0 n;
+ Jedem Doppelpunkte der Raumkurve entfprlcht ein Doppel-
ftrahl e(«.rR . «"Oerdem erzeugt aber Jeder die Kurve zweimal fchneidende ProfektW
kurve uJ?H?°PPelpunkt der Projektion. Ift alfo D die Anzahl der Doppelpunkte der Raum-
DoDDrinnnJ. ? P">jektlonsftrahlen die Kurve doppelt, fo befltzt die Projektion D + h
e , d e

J e d e r
A

Prolektlftn — w , Doppeltangente d.-r Raumkurve entfprtcht eine Doppeltangente der


0 e r z e u g l , e d e d e F l , l c n d o e l t
W e n Ä , DI^j e k. t o n ' ' P P - berührende projizierende Ebene eine Doppel-
ProTizietMrtl ^ ° ' - lft Anzahl der Doppeltangenten der Raumkurve und berühren>
e n n d l e
d d , e

S « « „ i 5 11 Kurve doppelt fo hat die Projektion d+y Doppeltangenten.


Ein eben.r c L'fA
Ä e n
*"•«• «benen Schnittes einer abwickelbaren F l i e h e
l n e r
P u n k t e - u Se i ' abwickelbaren Flache befitzt Singularitäten, und zwar R f l c k k e h r -
L

RQckkehrn,.»ir.S Schnittpunkt der Rückkehrkante der Flache mit der Schnittebene wird ein
e r
der PiarhS <? p. Sehnittkurve, desgleichen Jeder Schnittpunkt mit einer ftationaren Erzeugenden
D , e
« + 0 » A, Oefamtzahl der Rückkehrpunkte eines ebenen Schnittes ift alfo gleich
r d n u
Stationär- 9 . ? 8 <ler Rückkehrkante und «? die Anzahl Ihrer ftationaren Tangenten.
r
Flache oihli-i - w e n d e t a n g e n t e n : Die Spur jeder ftationaren Tangentialebene der
D o n n e T n « 2? »»tlonlre Tangente der Schnittkurve (d Fig. 23), Ihre Oefamtzahl ift gleich «.
fo ift dVrr.iv™ . ' G e h e n durch einen Punkt der Schnittkurve zwei Erzeugende der Fliehe,
e e,l
erzeuf»enrf-- 4 \,P°Ppelp«nkt der Schnittkurve, außerdem gibt die Spur einer jeden Doppel-
e r F , l l c h
Anzahl d.t - 2 e einen Doppelpunkt der Schnittkurve Die Oefamtzahl Ift x-td, x die
. «.m aer erfti-en.nn».- renkte d die Zahl der Doppelerzeugenden der Flieh«

"» ScJ^ntl^rrS»^ Die K u r v h a t dannI ÄNmptote«; man erhalt fie als^Schnitt- find
„r'^erTM^tfalebSi« In den unendlich fernen Punkten mit der Schnittebene. Zwifchen
*** Charakteren n, m7rTx,y,h, g, « und beftehen die folgenden, nach ihrem Entdecker
7 l e y benannten fechs Gleichungen: _ i -_«-,3/f_«l
4. m = » r ( > — l ) - 2 x - 3 n 5. r = m(m — 1 ) — 2 g — 3 « 6. « - n - » 3 { m - r j .
64 Flachen

Sind von den Charakteren der Raumkurve drei beliebig, jedoch mit Ausnahme der Zufammen*
Heilung r, x, ß oder r, y, a gegeben, fo laffen fich die Übrigen fechs mit Hilfe der oben«
flehenden Gleichungen ermitteln.
G e f c h l e c h l e i n e r R a u m k u r v e . Hierunter verlieht man die Beziehungen
1
/, = »/, ( r t — l ) ( r t - 2 ) - A - / > /> = / . ( / - l ) ( / - 2 ) - . y - r
B = I/, (r — \)(r-2)—x-n D = ij,(m-1) ( m - 2 ) - g - « .
Es ift fomit das Gefchlecht einer Raumkurve dem Gefchlechte ihrer ebenen Projektion und jenem
eines ebenen Schnittes ihrer abwickelbaren Flache gleich.
Durch jeden Punkt des Raumes gehen an eine Raumkurvey doppelt berührende Ebenen;
die Gefamtheit diefer Ebenen umhüllt eine der Raumkurve doppelt umfchriebene abwickelbare
Flache. In jeder Ebene gibt es x Punkte, in denen fleh zwei Erzeugende einer abwickelbaren*
Flache fchneiden. Die Gefamtheit aller diefer Punkte gehört einer Kurve an, die eine Doppel-
kurve der abwickelbaren Flache darfteilt Nach diefer Doppelkurve durchfehneidet fich die
Flache felbft. Die K l a f f e d e r d o p p e l t u m f e h r i e b e n e n abwickelbaren Fläche (2] Ift
l/, [/•(/— 1) — n — 3 m ] , die O r d n u n g d e r D o p p e l k u r v e [r(r — 1) — m — 3«J.
Das Bewegungsgefetz für eine Ebene kann gegeben fein durch die Bedingung, daß
die Ebene in allen ihren Lagen a) S c h m i e g u n g s e b e n e l ä n g s d e n P u n k t e n e i n e r
R a u m k u r v e f e i n f o i l , b) z w e i g e g e b e n e L e i t k u r v e n o d e r L e i t f l a c h e n b e -
r ü h r e n , c) e i n e L e i t k u r v e u n d e i n e L e i t f l a c h e b e r ü h r e n , d) e i n e L e i t -
k u r v e d o p p e l t b e r ü h r e n , d.h. ihr d o p p e l t u m f e h r i e b e n fein foil. — Unter allen
abwickelbaren Flachen mit gegebener Rückkehrkurve ift geometrlfch intereffant und technlfch
wichtig d i e a b w i c k e l b a r e s c h r a u b e n f l ä c h e ; b e i i h r l f t d i e Rückkehrkante eine Schrauben-
linie; die Erzeugenden der Fläche find gebildet durch die fämtlichen Tangenten der Schrauben-
linie (f. S c h r a u b e n f l a c h e n ) . Unter den möglichen Flachen im Falle b) follen nur
die folgenden genannt werden: «) Die beiden Leitkurven find Kreife oder Kegelfchnitte und
liegen In parallelen Ebenen; in beiden Fällen entliehen als abwickelbare Fläche zwei Kegel-'
flachen zweiten Grades, deren Mittelpunkte auf der Verbindungslinie der Mittelpunkte der
gegebenen Leitkurven liegen und diefe Linie im Verhältnis der Langen von zwei parallelen
Halbmeffern der genannten Kurven teilen, ß) Die beiden Leitkurven find Kreife bezw. Kegel-
fchnitte, in zwei unter einem beliebigen Winkel zueinander geneigten Ebenen; die abwickel-
bare Flache ift eine Flache von der achten Ordnung und vierten Klaue und befitzt die gegebenen
Kegelfchnitte als Doppellinien und überdies zwei weitere Kegelfchnitte als Doppelkurven. Liegt
einer der beiden Leitkegelfchnltte in unendlicher Ferne und ift erfetzt durch einen fenkrechten
Kreiskegel als Richtungskegel, fo ift die abwickelbare Flache eine Böfchungsfläche; ihre
Tangentialebenen befitzen fämtlich gegen eine zur Achfe des Leitkegels fenkrechte Ebene die
nämliche Neigung, y) Die beiden Leitflächen find Flächen zweiten Orades; die denfelben
umfchriebene abwickelbare Flache ift eine Flache von der achten Ordnung und der vierten
Klaffe, fie befitzt vier Kegelfchnitte als Doppelkurven und geht in zwei Kegelflachen zweiten
Grades aber für den Fall, daß die Leitflächen Kugeln werden. Ift eine der gegebenen Leitflachen
leuchtend, die andre beleuchtet, fo bilden die Berührungskurven ihrer gemeinfam umfehriebenen
abwickelbaren Flache die Grenze des Halb- bezw. Kernfcbattens (f. F l ä c h e n z w e l t e n O r a d e s ,
S. 66). Der Fall c) ift von Wichtigkeit, wenn die Leitkurve ein K e g e l f c h n ltt ift, und zwar eine
in unendlicher Ferne liegende Kreislinie, die durch einen fenkrechten Kreiskegel erfetzt ift. Die
entftehende abwickelbare Fläche ift dann wieder eine Böfchungsfläche. Wird die Flache in der
Richtung der Achfe des Kegels durch parallele Lichtftrahlen beleuchtet, fo Hellt die genannte
Böfchungsfläche eine F l i e h e g l e i c h e r B e l e u c h t u n g s f l ä r k e dar, und ihre Berührungs-
linie mit der Fliehe Ift eine L i n i e g l e i c h e r B e l e u c h t u n g s s t ä r k e , das (ft e i n e l f o p h o t e
( f . S c h a t t e n k o n f t r u k t l o n e n ) . Im Falle d) gibt es außer der Tangentenfläche der Kaum-
kurve im allgemeinen ftets noch eine weitere abwickelbare Fläche, deren Erzeugende die Kurve
doppelt berühren; eine Ausnahme hiervon macht nur die Raumkurve dritter Ordnung, die außer
ihrer Tangentenfllche eine weitere, ihr doppelt umfchriebene abwickelbare Flache nicht befitzt;
f. a. Z y l i n d e r und K e g e l f l a c h e n . — B e l e u c h t u n g d e r a b w i c k e l b a r e n F l ä c h e n .
Wird eine abwickelbare Fliehe durch parallele Lichtftrahlen beleuchtet, fo ergibt fich ihr zu-
gehöriges IfophotenfyRem mittels des Richtungskegels; die Ifophoten für eine abwickelbare
Fliehe find Mantellinien oder Erzeueende der Fläche und parallel zu den entsprechenden
Ifophoten des Richtungskegels. S.a. K e g e l f l ä c h e n , B ö f c h u n g u n d S c h r a u b e n f l l c h e n
[3], [4] und [5].
Erzeugung einer wlndfchlefen Fliehe. Das Bewegungsgefetz der Geraden kann dadurch
gegeben fein, dal die bewegte Gerade entweder drei gegebene Kurven, die Leitlinien, in jeder
ihrer Lagen treffen, oder aber, daß fie drei gegebene Flächen, die Leitflachen, ftets berühren foIL
Sind die Leitlinien oder Leitflachen algebralfch, fo ift auch die windfchlefe Flache eine algebraifche
Fliehe von befümmter Ordnung und Klaffe, und zwar find Ordnung und Klaffe ftets einander
gleich, weshalb man von wlndfchlefen Flachen beftimmten Grades fprechen kann. Der Grad n
einer wlndfchlefen Flache läßt fleh aus den Ordnungszahlen n n« und n, ihrer Leitlinien Au At
u

und At ausdrucken, und zwar erhalt man n s s 2 •/ii > n» • n . Diefe Oradzahl vermindert fich,
(

fobald die Leitlinien gemeinfame Punkte befitzen, und zwar wird, wenn J , , *, und s die Zahl t

der gemeinfamen Punkte zwifchen den Leitlinien A A% und A bezeichnen, n = 2 • rt • n* • "s


u t x

— « I S J —n », —n,s . Es ift klar, daß die Leitlinien Au A A» vielfache Kurven der wlnd-
t 8 it

fchlefen Fliehe darftellen, und zwar beträgt der Grad der Vielfachheit n» • n , «i • n und n\ •«« t t

bezw. und verringert fich um die Beträge n , n , — s, n n»—s% und n - n%—s beim Vorhanden-
t x t

fein von «i, s» und s gemeinfamen Punkten zwifchen den gegebenen Leitlinien. Die Leitlinien
t

können aus geraden oder krummen Linien beliehen. Folgende vier Hauptgruppen von wlnd-
fchlefen Flächen find denkbar: 1. die drei Leitlinien find gerade, man erhalt die wlndfchlefen
Flachen 65

Fliehen zweiten Orades; 2. zwei Leitlinien find gerade, eine Leitlinie ift krumm; 3. eine Leit-
linie ift gerade, zwei find krumm; 4. alle drei Leitlinien find krumm. In allen vier Fallen kann
e l n e d e r
MÜ!\ Leitlinien in unendlicher Ferne liegen. Liegt eine gerade Leitlinie in un-
endlicher Ferne, fo ift fie erfetzt durch eine Ebene, zu der die Erzeugenden der Flache parallel
unten; man erhalt eine windfehiefe Flache mit einer L e i t - oder R i c h t u n g s e b e n e . Ift
{"gegen eine krumme Leitlinie Im Unendlichen vorausgefetzt, fo ift fie erfetzt durch einen
^egel, zu deffen Mantellinien die Erzeugenden der windfehiefen Fliehe parallel laufen muffen,
«nd man erhalt eine windfehiefe Flache mit einem L e i t - oder R i c h t u n g s k e g e l .
T a n g e n t i a l e b e n e e i n e r w i n d f e h i e f e n F l a c h e . Jede durch eine Erzeugende B
f'ier wlndfchlefen Flache gelegte Ebene E ift eine Tangentialebene der windfehiefen Flache;
•nr Berührungspunkt mit der Flache ift der Schnittpunkt b der Verbindungslinie cd der Schnitt-
punkte e und d der" Nachbarerzeugenden C und D von B mit der Ebene E. Diefe Verbindungs-
i f t
Pi» u zugleich Tangente an die Schnittkurve der Tangentialebene £ mit der windfehiefen
r hi t ^ i e Erzeugendes und die Tangente cd bilden die beiden Haupttangenten der wind-
schiefen Fliehe im Punkte b. Die Oefamtheit aller durch eine Erzeugende B gehenden Tangential-
S^jjen der windfehiefen Flache bildet ein Ebenenbüfchel projektiv zu der Punktreihe Ihrer
B e r ü h r u n g s p u n k t e längs der Erzeugenden. Die fflmtllchen zweiten Haupttangenten längs den
•TUikten einer Erzeugenden einer wlndfchlefen Flache Hegen auf einem windfehiefen Hyper-
ooipide, das fleh längs der Erzeugenden an die windfehiefe Flache anfehmiegt Im übrigen
la
SP* e» n g s einer Erzeugenden einer wlndfchlefen Flache unzahlig viele die windfehiefe Flache
Berührende windfehiefe Hyperboloide bezw. windfehiefe Parabololde, Zu jeder Tangentialebene
•*ngs den Punkten einer windfehiefen Flache geht durch ihren Berührungspunkt mit der Flache
eine Normale zu letzterer, und diefe Normalen bilden ein windfehiefes Paraboloid; das zur Er-
j a g e n d e n gehörige Normalenparaboloid. Eine Tangentialebene einer windfehiefen Fliehe
jcnneidet aus letzterer im allgemeinen eine Kurve nter Ordnung heraus, die in die gerade
erzeugende und in eine Kurve von der Ordnung n — 1 zerfallt Letztere trifft die Erzeugende
p^erietts in dem Berührungspunkt der Tangentialebene mit der Flache und außerdem I n n — 2
n i n
» ?u A denen die Erzeugende noch von andern Erzeugenden der Flache getroffen wird,
weiche Punkte alfo einer Doppellinie der Flache angehören. In den Punkten diefer Doppel-
••nie befitzt die windfehiefe Flache zwei voneinander verfchledene Tangentialebenen, die aber
unter befonderen Umftanden zusammenfallen können. Solche Punkte, in denen dies ftattflndet,
*i h K u s p i d a l p u n k t e d e r F l a c h e . Es kann endlich bei der Bewegung einer Oeraden
auch vorkommen, daß dlefelbe zwei- oder mehreremal dlefelbe Lage im Raum einnimmt; eine
0 1
S . **' Erzeugende ift dann eine Doppel- oder mehrfache Erzeugende der wlndfchlefen Flache,
uegt der Berührungspunkt einer Tangentialebene mit einer windfehiefen Flache in unendlicher
f o h e i ß t
L i ' die Ebene eine afymptotifche Ebene der Flache; eine durch die Erzeugende
z u r
p. nit »fymptotifchen Ebene geführte Tangentialebene hat als Berührungspunkt jenen
Jj? 5> .der der Nachbarerzeugenden am nachften Hegt; er heißt der Mittel- oder Zentral-
puriKt der Erzeugenden. Die famtlichen Mittelpunkte der Erzeugenden liegen auf der Striktions-
Unle der wlndfchlefen Flache.
D e n e f
IM.« . A S c h n i t t e i n e r w i n d f e h i e f e n F l a c h e . Eine beliebige Ebene durch-
•«ineidetP
eine windfehiefe Flache nten Orades nach einer Linie nter Ordnung, die eine Anzahl
rrhP i ' S . vielfacher Punkte enthalten kann, je nachdem die Schnittebene die auf der wind-
d e r

^nieten Flache vorhandenen Doppel- oder mehrfachen Erzeugenden trifft. Enthalt die Schnitt-
C
ZZV} eine Erzeugende, ift alfo eine Tangentialebene der wlndfchlefen Fliehe, fo zerfallt der
s h n t t
t»?J? * . ' i" eine Oerade und eine Linie n — I t e r Ordnung. Geht die Schnittebene durch
1

a n . > . benachbarte Erzeugende hindurch, fo befteht die Schnittkurve aus zwei Geraden und
einer Linie von der R —2ten Ordnung.
d . . n J a n g e n t e n k e g e l a n e i n e r w i n d f e h i e f e n F l a c h e . Soll von einem nicht auf
o e r f
^ l l c h e einer wlndfchlefen Fliehe liegenden Punkte ein Tangentenkegel an die Fliehe
S i t - ? ^erden, fo führt man durch den Punkt und jede Erzeugende je eine Ebene und beftimmt
K B e r ü h r u n g s p u n k t mit der Fliehe. Die Verbindungslinie diefer Berührungspunkte ift die
n X ^ n g s l i n i e des Tangentenkegels; fie Hellt, im Falle die Spitze des Tangentenkegels eine
c n
^ j?uelle ift, die Selbftfchattengrenze der windfehiefen Flache dar. Der Schlagfchatten der
n
e f e n F l a c n e
mit H auf eine beftlmmte Ebene ift dann durch den Durchfchnitt des Tangentenkegels
in H.^genannten Ebene feftgelegt Die windfehiefen Flachen finden mannigfache Anwendung
Te hn ,k f o
a*»*ih £ , * Fugenflachen bei Stelnkonftruktlonen, wie z. B. beim fchlefen Tonnen-
f
!lV«iu ( : ° e w ö l b e ) , ferner als Laibungsflachen für Gewölbe (windfehiefe Wölbfllche), dann
«» Schraubenflachen im.Mafchlnenbau.
e i n . . tn £ rh e t e U f f u n
? einer Umhüllungsfliche. Eine folche Flache entfteht durch Bewegung irgend
mit . u nach einem beftimmten Oefetze, etwa derart, daß Irgend ein in fefter Verbindung
d l . k " beweglichen Flache befindlicher Punkt eine gegebene Leitlinie durchlauft Hierbei kann
e*».ii £ S n ^ h e ihre Oeftalt unverändert belbeha
Weg,, h

a« h^ ,.°i n e n
«ndern. In beiden Fallen f< e f e t M

1
W t o & g j , ? " Flache nach einer Linie, der Cl
fteS« . PS' ". n e Kugel, fo beliehen die OL
d e
1

r
e ,
.
6*82!.*]? leweiligen Bewegungsrichtung. So ift z . B . In Flg. 2 eine Umhüllungsflache dar-
ßnA ü * die zugleich eine Umdrehungsflache ift Ihre Leitlinie ift eine Kreislinie, die Charakteristiken
e h u
lln?.? !f :* * Kreislinien und flehen fenkrecht zur Leitlinie. Ift die Leitlinie eine Schrauben-
U
to .n.fiu/ ? bewegliche Flache eine Kugel, deren Mittelpunkt auf der Schraubenlinie fortrückt
A u c h .1 ,
h t a l 1
Umhullungsflache die fchraubenförmige Röhrenflache, f. S c h r a u b e n f l i c h e n .
fenkr
ffleiM,?^, echte KreTszylinder bezw. Kreiskegel, desgleichen alle Umdrehungsflachen find
K'ttcnzeitlg Umhüllungsflachen von Kugeln, bei denen der Mittelpunkt aut der Achfe der Um-
L l
" » t * r , Uxlkoa d«r t t f a n t M Ttchnlk. 8. Aufl. IV. 5
66 Flddun

drehungsflache fich bewegt, wahrend der Halbraeffer entweder unverändert bleibt oder fich nach
einem beftimmten, durch die Meridianlinie ausgedruckten Gefetze verändert. Tangentialebene,
Tangentenkegel bezw. -zylinder, desgleichen ebene Schnitte können mit Zuhilfenahme der be-
weglichen Flache und der zugehörigen Charakteristiken konftruktlv ermittelt werden. Vgl. a. die
befonderen Artikel: F l a c h e n t h e o r i e , F l a c h e n z w e i t e n O r a d e s , E b e n e , E n v e l o p p e n ,
Fußpunktflachen, Kegelflachen, Konoidflachen, Schraubenflachen, Zylinder-
flachen, C y l i n d r o l d u.T.w. In analytlfcher Behandlung.
Literatur: [1] Fiedler, Die darfteilende Oeometrie der krummen Linien und Flachen,
Leipzig 1885. — [2]Pefchka, Darftellende und projektive Oeometrie, Bd. 2 , Wien 1884. —
[3] Wiener, Lehrbuch der darftellenden Oeometrie, Bd. 2, Leipzig 1887. — [4] De la Qournerie,
Tralti de geomttrie descriptive, Paris 1880, Bd. 2 . — [5]Ougler, Lehrbuch der defkrlptlven
Oeometrie, Stuttgart 1874. — [6] Röhn und Papperitz, Darfl Oeometrie, 1893—96. Vendtriinn.
Flächen z w e i t e n Grades (vgl. a. Flächentheorie). t>
A. Eine Fläche zweiter Ordnung (Ouadrifiache) hat die Gleichung a \X* + 2a\ xy X %

-4- any* + 2 «is x* + 2 <*«sy z + a z*+2a x » + 2auy» + 2 a t«


n u » • • » 0 (wo » u

die homogenifierende Veränderliche). Sie ift durch neun Punkte beftimmt Die Polarebene eines
beliebigen Punkts (Pols) (a, b, e, d) in bezug auf dlefelbe ift: -
«(flu * + fi*y+ai* *+ "u )+ a b
( is x+a y+a fl
z+a to) + e(a„ x+ a y + a %z+a *»)
tt ti u u s u

+ d (au x + a y + a z + «..) = 0. u u
Auf jedem Strahl durch den Pol trennt diefer und die Polarebene die beiden Schnitt-
punkte mit der Fläche harmonifch. Die Polarebene eines Flachenpunkts in bezug auf die
Fläche ift die Tangentialebene in demfelben. Die Polarebenen aller Punkte einer Oeraden
ehen durch eine Gerade, die Polargerade der erfteren. Vier Punkte, von denen je drei auf
S er Polarebene des vierten liegen, bilden ein Polartetraeder. Je zwei Flächen zweiter Ordnung
befitzen ein gemeinfames Polartetraeder. Der Pol der unendlich fernen Ebene heißt Mittelpunkt
der Fläche; derfelbe fällt Ins Unendliche, wenn die Fläche die unendlich ferne Ebene berührt
Durch den Mittelpunkt gehen drei Ebenen (Hauptebenen), die auf den Richtungen nach Ihren
unendlich fernen Polen fenkrecht flehen und die fich in den drei Hauptachfen fchneiden
(f. D u r c h m e f f e r ) . Wird der Mittelpunkt zum Urfprung und die Hauptebenen zu Koordinaten-
ebenen gemacht, fo enthält die Flächengleichung nur quadratlfche Glieder. — Die E i n t e i l u n g
d e r F l a c h e n z w e i t e r O r d n u n g iff folgende:
«li a,t au «l«
I I i n a»t an
Es fei 0a\t a»t at» au : A ; AIM die Unterdeterminante von am in A ; ferner
au au a> au t
<ft = au(auakk — aut*)\ ft = au; ft = Ati(attakM — at**); ft = A-Au

(wo / und k irgend welche der Zahlen 1, 2, 3 find). Dann find zu unterscheiden:
1./4^0. Eigentliche Flächen zweiter Ordnung.
« M u ^ O . Mittelpunktsflachen:
Alle Größen y haben gleiches Zeichen: I m a g i n ä r e s E l l i p foi d ^ + ^ - + ^ - f 1 = 0 .
Die Größen ?if%n haben gleiches, JR> entgegengefetztes Zeichen: r e e l l e s E l l i p f o i d
4

•^T + " j r + TT'™ ' Die Fläche wird von Jeder Ebene In einer reellen oder imaginären Elllpfe
1

gefchnitten; fie Hegt ganz im Endlichen; a,b,c heißen Halbachfen.


Zwei der Größen y find pofitiv, zwei negativ: e i n m a n t e l i g e s H y p e r b o l o i d
- 3 1 - D , e F l a c h c w i r d v o n e d e r E b e n e , n ü a a r e e l l e n
TT+jji- TT * J Ellipfe, einer Parabel
oder einer Hyperbel gefchnitten. Sie befteht nur aus einem einzigen, fich ins Unendliche er-
streckenden Mantel und enthält zwei Scharen von reellen Geraden

' a* + 7 - ' ( ' + * ) ! - ! f + ^ ( > - f ) l


KS-*)--* \ H i - i h ' H
Jede Schargerade fchneidet alle Geraden der andern und keine der eignen Schar. Die Flache
ift der Ort einer Geraden, die immer drei Gerade fchneidet; fie Ift eine wlndfchiefe Regelfläche.
Von den Orößen fi y» f» haben zwei dasfelbe Vorzeichen wie jr , die dritte das entgegen- 4

gefetzte: Z w e l m a n t e l i g e s H y p e r b o l o i d - ^ — ^ - — - ^ « s l . Die Fläche wird von Jeder


Ebene in einer reellen oder imaginären Ellipfe, Parabel oder Hyperbel gefchnitten. Sie enthalt
keine reellen Geraden und befteht aus zwei Mänteln, die im Unendlichen zusammenhangen,
b) ,4*4 = 0 P a r a b o l o i d e . Der Mittelpunkt liegt im Unendlichen.
fx und f% haben gleiches Zeichen: e l l l p t l f c h e s P a r a b o l o i d — = -?-£.. Die
Fläche wird von jeder Ebene in einer reellen oder imaginären Ellipfe oder In einer Parabel
gefchnitten und erftreckt fich ins Unendliche. Sie enthält keine reellen Geraden.
fi und ft haben entgegengefetzte Vorzeichen: h y p e r b o l i f c h e s P a r a b o l o i d
x* v* 2k • • i
~ä»— b*"* ~e~' Die Fläche wird von jeder Ebene in einer Parabel oder Hyperbel gefchnitten;
Floaten 67

De ift fattelförmig und hat mit der unendlich fernen Ebene ein Geradenpaar gemein. Sie

u n d i f l d e r 0 r t
enthalt zwei Scharen von Oeraden | • * \ und J £ * 2 * I
\~ä b~ * ) \~i b ~ pc )
einer Qeraden, die immer zwei andre fchneidet und zu einer gegebenen Ebene parallel bleibt
2. A = 0; nicht alle erften Unterdeterminanten Am von A verfchwinden. Kegelflachen.
a) - 4 u ^ 0 . E i g e n t l i c h e K e g e l f l a c h e n .
0
Ti$T»,rt haben gleiche Vorzeichen: i m a g i n ä r e r K e g e l -^r + ^ + ^r** ' Derfelbe
R
at nur die Spitze als einzigen reellen Punkt
x» y« z*
fit 7*, ft haben nicht gleiche Vorzeichen: r e e l l e r K e g e l ^ j - + ^j-—-^j- = 0. Derfelbe
*ird von jeder Ebene in einer reellen Ellipfe, Parabel oder Hyperbel (oder einem Oeradenpaar)
gefchnitten. Er erftreckt fleh ins Unendliche, ift eine abwickelbare Regelflache und enthalt

c
eine Schar von Oeraden: | * g f * \ , die alle durch die Spitze gehen.

b ) ^ = 0 . Zylinderflachen.
u ,
r
f i und jpg haben gleiche Vorzeichen: e l l i p t l f c h e r Z y l l n d e ^ - - f | = l . 5 I Die Flache

wird von jeder Ebene in einer Ellipfe (oder einem Parallelenpaar) gefchnitten, erftreckt fich ins

Unendliche und enthalt eine Schar von parallelen Oeraden: { * ' J


1
It- —FRT
X% yi
fi und f t haben verfchiedene Vorzeichen: h y p e r b o l i f c h e Z y l i n d e r — —-ij-a=l.
D
' e Flache wird von jeder Ebene In einer Hyperbel (oder In einem Parallelenpaar) gefchnitten,
erftreckt fleh Ins Unendliche und enthalt eine Schar von Oeraden: ( * * ).
rt 5V
f, = a , = 0. P a r a b o l i f c h e r Z y l i n d e r
f Die Flache wird von jeder Ebene
in einer Parabel (oder einem Parallelenpaar) gefchnitten, erftreckt fleh ins Unendliche und
enthalt eine Schar von Geraden: \ x 2 y \ '
It~1t1
3. A = 0; alle Aik = 0, nicht alle Unterdeterminanten zweiter Ordnung verfchwinden:
Ebenenpaare. , x t v

PJ und f haben gleiches Vorzeichen: i m a g i n ä r e s E b e n e n p a a a r — -f- — - = 0.


t r

fi und ft haben entgegengefetztes Vorzeichen: r e e l l e s E b e n e n p a a r - ^ — — ^ = 0 .


f, = - . , = 0. P a r a l l e l e b e n e n p a a r * j ± 1 = 0.
4. Alle Unterdeterminanten zweiter Ordnung verfchwinden: D o p p e l e b e n e x* = 0.
Zu den Flachen zweiter Ordnung gehören folgende D r e h u n g s f l a c h e n :
Das D r e h n n g s e l l i p f o i d - ^ t > ! + ~ B l . Es entfteht durch Drehung einer Ellipfe
u
m eine Hauptachfe und heifit abgeplattet (Sphärold) oder verlängert, je nachdem a ^ e ift.
Das e i n m a n t e l l g e D r e h u n g s h y p e r b o l o i d - ^ t Z ! — - ^ = i l entfteht durch Drehung
einer Hyperbel um die imaginäre Achfe oder durch Drehung einer Oeraden Um eine zu ihr
wlndfchiefe Oerade
' Das z w e l m a n t e l i g e D r e h u n g s h y p e r b o l o i d — 4r41=0entftehtduKh
tt e
Drehung einer Hyperbel um die reelle Achfe. . * *
Die K u g e l x*+y* + M*m*a*.
a s
t\. .*? - D r e h u n g s p a r a b o l o l d - ^ i ^ « « — entfteht durch Drehung einer Parabel um
jnre Achfe a* e
•I— D e r D r e h u n g s k e g e l (geradeKreiskegel) *I±JJ!L—..*!.,• o entfteht durch Drehung
u e n m e n t
einer Geraden um efne fie fchneidende Oeradi «« ' «•
Vitt D r e h u n g s z y l i n d e r (Kreiszylinder) Ü ± £ I « B S 1 entfteht durch Drehung einer
Qeraden um eine Parallele zu derfelben. «*
68 Flächenberechnung

Kreisfchnitte der Flache zweiter Ordnung erhalt man durch Ebenen parallel zu den
Tangentialebenen in den Kreispunkten. Konfokal heißen zwei Flachen zweiter Ordnung
x* . y* , z* . , x* , y* , z*
und T^P" = 1. Alle zu einer gegebenen
1
+M— P N—P~ +

Fläche konfokalen Flachen bilden eine Schar, von der durch jeden Raumpunkt drei Flächen
(ein Ellipfoid, ein einmanteliges und ein zweimanteliges Hyperboloid) hindurchgehen. Die
Schnittkurve zweier Flächen zweiter Ordnung ift eine Raumkurve vierter Ordnung erfter Spezies.
B. Fliehen zweiter Klaffe. Eine folche hat die Gleichung:
A u*+ 2Ait uv+A»t v*+2A
n U uw+ 2A v w+ A w*+2A, ut+2A
U M t vt+2A ii>t+ it A t»=0. u it

Die Flächen zweiter Klaffe find mit denjenigen zweiter Ordnung identifch, wenn die Deter-
An Au Au Au
minante 4
Au" 4»t" "s*
A A An
A nicht verfchwindet. Verfchwindet A', fo kommen folgende
Au Au Au Au
neue Gattungen hinzu:
a) A'=0; nicht alle erften Unterdeterminanten von A' verfchwinden: Eigentlicher
Kegelfchnitt. , ,
fi,fi,r» haben gleiches Vorzeichen: i m a g i n ä r e r K e g e l f c h n i t t - r + - £ r + l = 0.

r i, 9><>9>s haben nicht alle gleiche Vorzeichen: r e e l l e r K e g e l f c h n ia*


. v — (Au Au — At*)(AuAM — Ak *) — (A Am — Ai AkJ» (wo / , * irgend
Zahlen 1, 2 , 3) pofitiv: E l l i p f e — + -T = 1.
t tt t
t t , b*
irg welche der
T

2. y n e g a t i v : H y p e r b e l - ^ — - p = t- 3. ^ . = 0. P a r a b e l ^ =
b) A'=0; alle erften Unterdeterminanten von A', nicht aber alle zweiten verfchwinden:
Punktenpaare. u* o>
f und <ft haben gleiches Zeichen: i m a g i n ä r e s P u n k t e p a a r :
X + =0.

<Pi und 9>g haben verfchiedene Zeichen: r e e l l e s P u n k t e p a a r : -jp—j-jj- = 0 .


c) A' = 0; alle zweiten Unterdeterminanten von A' verfchwinden: Doppelpunkt u< = 0.
Literatur: [1] Salmon, Analytlfche Oeometrle des Raums, deutfeh von Fiedler, 1.Teil,
4. Aufl., Leipzig 1898. — [2] Clebfch, Vorlefungen Uber Geometrie, bearbeitet von Lindemann,
Bd. 2 , 1. Teil, Leipzig 1891, 2. Abt. — [3] Hefte, O., Vorlefungen Uber analytlfche Geometrie
des Raumes, 3. Aufl., Leipzig 1876. — [4] Schroter, H., Theorie der Oberflachen zweiter Ordnung
und der Raumkurven dritter Ordnung, Leipzig 1880.— [5] Weinmeifter, J. P., Die Flachen

Flächenberechnung. Die Berechnung des Inhaltes vermeffener Flächen


kann erfolgen 1 . unmittelbar aus den Meffungsergebniffen, 2. auf Grund danach
angefertigter Karten.
1. Die Flachenberechnung nach Meffungen. Die Grundfigur für die Flächenberech-
nung, auf die fchließlich jede noch fo verwickelte Figur durch Zerlegung zurückgeführt werden
kann, ift das Dreieck
mit der Flächenformel
f
2F = A e ( 2 / = dop- J

pelter Flächeninhalt,
g Grundlinie, h Höhe).
M . a. ^ 4 Zum Belfpiel für Flächen
Fig. 1. Fig. 8.
wie Fig. 1 - 3 ift
Flg. 1: 2/=•=(fii + h»)g; Fig. 2: 2 F = hi + A« g,; gl

Flg.3: 2F*=(h + h»)gi + (% + h )g .


1 * ~s i t

Eine fehr häufig bei der Aufmeffung mit Hilfe rechtwinkliger Abftände (Koordinatenmethode)
fich ergebende Aufgabe ift die Flachenberechnung für Figuren wie 4—6, wobei nach folgenden
Formeln zu rechnen ift:
Flg.4: 2F=hi{g + x g ) + A , ( g » f *»);
8 , , % 1

Fig.5: 2F=hi ^j-gtSj-ht^ + gtl+^^ + g^ + hiig^g,);


Fig. 6: 2 F = A, (g, + g») + A, (g» + g ) + A» (g« -f gi) + h (g + g ).
t t 4 s

Nach diefen einfachen Regeln können bei paffender An-


ordnung der Meffung einzelne Orundftttcke oder Verbände von
GrundflUcken unmittelbar aus den im Felde gewonnenen Meffungszahlen berechnet werden.
Es ift jedoch erforderlich, für jede Beflimmung eine Probe für die Meffung und Rechnung zu
Flächenberechnung 69
befchaffen, um die Flachenermittlung vor Fehlern und deren Folgen zu fchützen. Dazu find
die Meffungen fo auszuführen, daß eine zweite unabhängige Fiachenbeftimmung ermöglicht
wird, die fleh durch andre Anordnung der Rechenfiguren ohne weiteres ergibt, z.B. in Fig. 1
durch Verwendung der zweiten Diagonale, in Fig. 2 durch Beftlmmung beider Abftände h der
Eckpunkte auf beiden Linien gi und g , u. f. w. t

Für die Berechnung des Inhaltes von Langen- oder Querprofilen ergibt fleh nach Fig. 5
die Flache zwifchen den Ordlnaten Aj und A* entfprechend der Formel zu Fig. 5:
2F=h gt + h {g»+g )
l + h (gi-\-gi) + h gt. i 3 t i

Sind für fämtliche Eckpunkte einer Figur (Vieleck) die Koordinaten y, X in einem ebenen,
rechtwinkligen Koordlnatenfyftem berechnet, fo ergibt fich der Inhalt der Figur nach der all-
7
gemeinen Formel: 2T = . 2 v » ( x « - i —x«+0 = -»•*«(>•+1 -yn-i). Die Formel liefert eine
doppelte Beftimmung. Bei ihrer Anwendung ift Jede Ordinate mit dem Unterfchiede der ihr
vorhergehenden und folgenden Abfziffe, und Jede Abfziffe mit dem Unterfchiede der ihr folgenden
und vorhergehenden Ordinate zu multiplizieren. Die Reihenfolge der Punkte muß, dem Drehungs-
finn des Koordinatenfyftems entfprechend, rechtslauf ig fein. Die Summe der Ordlnaten bezw.
Abfziffenunterfchiede muß Null fein. Das folgende Zahlenbeifpiel erläutert die Anwendung der
Formel und das Rechnungsverfahren:

Qroße Koordinatenwerte
1
werden entfprechend gekürzt
und w Ä » Ü ? T . » ,l 1, e Flächeninhalt von Vtefecken unmittelbar aus den Vieleckfeiten
a h d e r

Inhalt ein»rv..u
^Ln«
aller z w i i h « U
? . hi 5* FWchenfonnel berechnet werden, die lautet: Der doppelte
g,e
' i S ?e, . , " f
d u m m e m
Slnuffen der Summe
l c e S e i t e n u n d d e n

1 egend
« m k t e ^ 2 S r It o n r S * ? L S" YJ
S
«kswinkel
uffe
möglichen Produkte, wobei alle diejenigen Pro-
r*ZL^J^& VU N t i?
e l n e
r geraden Anzahl von Winkeln vorkommen. (Weitere
o S, Flächentnhaltsbeftimmung von Dreiecken f. D r e i e c k s b e r e c h n u n g )
Qrundftn.?? "f'nenberechnung nach Planen. Bei der Vermeffung zufammenhängender
raark n
S E V L ^ ^ V S S "
n l a n
O e u K e n u. f. w. erfolgt die Flachenberechnung In der Regel
e n d u r c h
oben D l Ä Ä ^ ^ f ^ Erlegung In Dreiecke nach denfelben Formeln wie
od« »SS t Ä Ä ^ Ä V * * ? * ? " * ^ entnommen. Dazu dienen Anlegemaßftab
_«w Kirkel und Abgreifmaßftab, der bei der Kartierung benutzte Auftragapparat oder eine mit
einer engen Quadratnetzteilung verfehene Olastafel (Olasplanimeter), die befonders empfehlens-
wert Ift Tür die gleichzeitige Ablefung von (Ai -f- A») und g In einem Viereck (vgl. die oben-
{"»gegebenen Formeln) ündals zweckmaßlgftes Hilfsmittel die .Fiachenmeßtafel', eine transparente
hyperbollfche Produktentafel, an der fofort das Produkt abgelefen werden kann (UManiiBieter).
Mit Rückficht auf die Genauigkeit der Flächenermittlung und die Fehler der Kartierung ift die
MeffuVfoauszuführen^daß Tdelne ParzeUen nach Möglichkeit unmittelbar aus Meffunguahlen
berechnet wSdä können (f. Stttckvermeffung) und daß wenn beiden.FlfchenproduTrtengA d
einer der Faktoren fehr klein im Vergleich zum andern Ift, für e/en Weinen^ert die^ un-
mittelbar gemeffene Länge benutzt werden kann, z.B. die Breiten/opftr^ten) Unggeft^Wer
ParzeUen. Für fehr fchmale Flachen wie Wege, Bache find befondere Regeln zu^beachteni (lj.
M n , Die zur Vereinfachung der Ausrechnung zuweilen angewendete * J « ^ « E
(Vielecke in Dreiecke) Ift im allgemeinen nicht empfehlenswert, da fie eine erheblichefehler- b ,
quelle In fich fchließt Zur Vereinfachung unregelmäßiger OrenzzOge u.f.jr. e W 0e ä a « g e n
in manchen Falten einen gewlffen Vorteil, befonders bei der InhaltoWchnung « r Profile fowie
*w Erleichterung der Multiplikation. Indem ein Faktor zu einer bequemen ZahlJUOO, 200)
gmacht wird. - Zur Ausmultiplikation der Faktoren find ftets geeignete'
ßfechenmafchlne, Rechenfchleber, Produktentafel PD zu verwenden und Sie FaktorenJn»Mierte
Berechnungsformulare einzutragen, die bei umfangreichen Rechnungen ganz unentbehrlich find
(bei amtlichen Rechnungen befonders vorgefchrieben, vgl. J1]).
Zur Ausführung der graphlfchen Berechnung In Planen MmjM^MM^^
fur Verfügung, die man allgemein als Planlmeter (Faden-, Olas-, Linear-, Polar-, Scheibenroll-,
Ku^elrollplanfmeter) bezeichnet Ueber Konftruktion und Gebrauch diefer Hilfsmittel f. den
Werdw'krummllnig begrenzte Figuren durch ^ J ^ ^ } ^ ^ ^ ^ . ^ ^ ^ M

paralleler Linien zerlegt, To kann der Inhalt, wenn die Krümmung außer Betracht bleibt, als die
Summe der Trapeze aus den Mittellinien p der fchmalen Trapeze nach der Formel
F*=x lPi+p»+Pf*-Pi>]
70 Flädienbafdiel — Flächenmaße

(vgl. F a d e n p l a n i m e t e r ) beftimmt werden. Wenn die Krümmung in Betracht gezogen werden


muß und diefelbe zwifchen den Parallelen durch eine parabolifche Kurve fleh ausdrücken laßt,
fo kann zwifchen den Parallelen y und yn von der Simpfonfchen Flachenformel
0

i»t-J. f_y, +yn + 4 (yi + y» +. ..yn-i) + 2 (y, +y +.. t . -i)]


yn

Gebrauch gemacht werden.


Die Flacheninhaltsberechnung bei der Vermeffung größerer Gebiete (ganze Gemarkungen,
Fluren u. f. w.) zerfallt In verfchiedene Arbeltsftadien:
1. Die Berechnung des Sollinhaltes für ein Kartenblatt (Flur, Block u. f. w.) entweder aus
den Koordinaten des das Blatt umfchließenden Randpolygons oder auf graphlfchem Wege aus
den Netzquadraten des Koordinatenfyftems (große Maffenberechnung [1]).
2. Die Einzelberechnung der Parzellen (Grundftücke, Eifenbannen, Wege, Bache u. f. w.).
Diefe erfolgt der Probe wegen zweimal unabhängig voneinander (z. B. aus Meffungszahlen und
graphifch) in der Regel von verfchiedenen Rechnern.
3. Befondere Proberechnungen, die gegen grobe Verfehen (Auslaffen von Parzellen, Ver-
wechflungen u. f. w.) fchützen fallen, weshalb das.Blatt in einige paffend angeordnete Teile
(Gruppen von Parzellen) zerlegt wird, nach [11 fogenannte kleine Maffenberechnung.
4. Die Ausgleichung der gemittelten Einzelberechnungen nach 2. auf den nach 1. be-
ftimmten Sollbetrag. Es ergibt fleh demnach der Inhalt des ganzen Blattes nicht aus der Summe
der Einzelparzellen, fondern aus der Berechnung des ganzen Blattes, auf welche die Einzel-
berechnungen ausgeglichen werden.
Für alle diefe Berechnungen find entfprechend feftgefetzte Fehlergrenzen Innezuhalten,
die in den für die verfchiedenen Staaten erlaffenen Vermeffungsanweifungen, Reglements u. f. w.
angegeben find. Diefe Fehlergrenzen, bei denen die Genauigkeit der Flacheninhaltsberechnung
unter Berücksichtigung der Meuungsfehler, der Kartierungsfehler, desMaßftabes der Karte u. f. w.
zu beachten find, werden als eine Funktion der Flachengröße zum Ausdruck gebracht, wobei
naturgemäß die Funktion verfchiedene Formen annehmen kann. Dementfprechend haben auch
die amtlich feftgefetzten Fehlergrenzformeln in verfchiedenen Instruktionen eine verfchiedene
Form. Ein Beifpiel für diefe Fehlergrenzen gibt folgende Zufammenftellung:
Flache . . . 1 1 a 1 5 a 1 10 a 1 50a 1 1 h a 1 5 ha 10 ha 50 ha
Fehlergrenze | 8 q m 1 17 qm 25 qm 55 qm 80 qm 190 qm 280 qm 900 qm
Zu berückfichtigen ift hierbei der Eingang des Papiers (f. a. K a r t e , K a r t i e r u n g fowie [1]).
Literatur; Weiteres f. die in dem Art. G e o d a f i e genannten Hand- und Lehrbücher
der Geodafie,'z. B. Jordan, Handbuch der Vermeffungskunde, Bd.2, 1904, fowie die amtlichen
Vermeffungsanweifungen, z. B. [1] VIII. Anwelfung vom 25. Oktober 1881 für das Verfahren bei
Erneuerung der Karten und Bücher des Grundfteuerkatafters, Berlin. 1882. — [21 Crelle, A. L„
Rechentafeln, Berlin 1880, fowie Zimmermann, H., Rechentafel, Berlin 1889, und Zimmermann, L.,
Rechentafeln, Liebenwerda 1895. • RHnhrt*.
Hächenbüfchel. Sind / = 0 und <p = 0 zwei Flächen, X ein veränder-
licher Parameter, fo ift /-+- Aip = 0 eine einfach unendliche Schar von Flächen
die
durch die Raumkurve ( £ = 0 ) ; f e l b e heißt Flächenbufchel.
e r z e u e n e , n e
Zwei projektlvifche Flächenbufchel { / ^ & = o } * Fliehe = 0. In
f
einem Flächenbufchel zweiter Ordnung find vier Kegelfiächen enthalten. wsiffing.
Flächendruck, f. Z a p f e n b e r e c h n u n g und S c h i f f s w e l l e .
Flächengradierung, f. S a l z .
. Flächenhammer, Hammer mit zwei geraden, quer gegen den Stiel flehenden
Finnen, von denen die eine flach, die andre faft fchneidig ift; f. H a m m e r .
• Flächenkräfte heißen Kräfte, welche in den Elementen beliebiger Flächen
angreifen. Sind fie auf einen Flächenteil ftetig verteilt, fo wird ihr Wert pro
Flächeneinheit f p e z i f if c h e F l ä c h e n k r a f t genannt.
Die auf eine ebene Flache oder auf ein Flachenelement wirkende Kraft laßt fich ftets in
eine Komponente normal und eine Komponente tangential der Flache zerlegen, welche die
N o r m a l k r a f t und T a n g e n t i a l k r a f t der Flache heißen, und fpeziell pro Flacheneinheit
f p e z l f i f c h e N o r m a l k r a f t und f p e z i f i f c h e T a n g e n t i a l k r a f t Die Normalkraft wirkt
als Z u g oder D r u c k , je nachdem fie das ergriffene Flachenelement von dem ihm anliegenden
(vgl. Druck) zu entfernen oder es denselben zu nahern fucht Auf die Flacheneinheit hat man
f p e z i f i f c h e n Z u g oder f p e z l f l f c h e n D r u c k . Die fpezififcheh Flachenkrafte Im Innern
beliebiger Körper werden auch S p a n n u n g e n genannt und In N o r m a l f p a n n u n g e n und
T a n g e n t i a l f p a n n u n g e n oder in Z u g f p a n n u n g e n , D r u c k f p a n n u n g e n und S c h u b -
f p a n n u n g e n unterfchieden; f. a. die Artikel Druck, Spannungen, Aeußere Kräfte, Aeußere
Arbelt, Angriffsmoment Elaftizltütslehre, allgemeine, SchnittkrBfte u. f. w. Wtyrmu*.
A Flächenkühler, f. B i e r b r a u e r e i , S p i r i t u s f a b r i k a t i o n .
Flächenmaße, die Quadrate der L ä n g e n m a ß e (f. d.), dienen zur Be-
ftimmung der Größe einer Fläche. Far Bodenflächen find vielfach befondere
Bodenflächenmaße in Gebrauch. Im metrifchen Syftem dienen als Bodenflächen-
maße: Ar und Hektar. Weitere befondere Bodenflächenmaße find: England:
Flächenmaße 71

Acre of land; Rußland: Deffatin; Türkei: Donum (osmanifches Joch); Aegypten:


Feddän. ruu.
Flächenmaße ( v e r g l e i c h e n d e Z u f a m m e n f t e l l u n g ) . Nach derMaß-
und Gewichtsordnung für das Deutfche Reich ift das Quadratmeter (qm) die
Flächeneinheit. Die Verhältniffe und amtlichen Bezeichnungen find: 1 Ar = 1 a
= 100 qm; 1 Hektar = 1 ha = 100 a = 10000 qm; 1 Quadratkilometer = 1 qkm
= 100 ha — 10000a = 1000000 qm; 1 Quadratzentimeter — 1 qcm = 0,0001 qm;
1 Quadratmillimeter = 0,01 qcm = 0,000001 qm. Eine Vergleichung älterer
deutfcher und einiger ausländifchen Flächenmaße mit dem metrifchen Syftem
gibt folgende Zufammenftellung:
Wert Im Bezeichnung des Wert Im
Und Bezeichnung d«t metrifchen Lind metrifchen
FllchennuBes Syftem FllchcnmiSet Syftem
Baden 1 Quadratfuß 0,0900 qm Preußen 1 Quadratfuß 0,0985qm
1 Quadratrute 1 Quadratrute
= 100 Quadratfuß 9,000 qm = 144 Quadratfuß 14,185 qm
1 Morgen 1 Morgen
= 400 Quadratruten 36,00 a = 180 Quadratruten 25,532 a
Bayern 1 Quadratfuß 0,0852 qm Schleswig 1 Quadratfuß 0,0821 qm
1 Quadratrute 1 Quadratrute
= 100 Quadratfuß 8,5182 qm = 256 Quadratfuß 21,023 qm
1 Tagwerk(Juchart) 1 Tonne
= 400 Quadratruten 34,073 a = 240 Quadratruten 50,456 a
1 Dezimale
= Vioo Tagwerk 34,073 qm Hannover 1 Quadratfuß 0,0853qm
1 Quadratrute
Braun- 1 Quadratfuß 0,0814qm = 256 Quadratfuß 21,842 qm
fchwelg 1 Quadratrute 1 Morgen
= 256 Quadratfuß 20,847 qm = 120 Quadratruten 26,210 a
1 Feldmorgen
= 120 Quadratruten 25,016 a Naffau 1 Quadratfeldfuß 0,25 qm
1 Waldmorgen 1 Quadratfeldrute
= 160 Quadratruten 33,354 a = 100 Quadratfeldfuß 25,000 qm
1 Morgen
Heffen, 1 Quadratfuß 0,0625 qm = 100 Qu.-Feldruten 25,000 a
Qrofi- 1 Quadratklafter 0,0810qm
= 100 Quadratfuß 6,250 qm Frankfurt 1 Quadratfuß
herzogtum 1 Quadratfeldrute
1 Morgen a.M.
= 400 Quadratklafter 25,000 a = lOOQu.-Feldfchuh 12,657 qm
1 Quadratwaldrute
Heffen, 1 Quadratfuß 0,0828 qm = 100Qu.-Waldfchuh 20,347 qm
Kurfurften- 1 Quadratkatafterrute 15,910 qm 1 Feldmorgen
tum 1 Acker = 150Quadrat- = 160 Qu.-Feldruten 20,251 a
katafterruten 23,865 a 1 Waldmorgen
= 160Qu.-Waldruten 32,555 a
Oldenburg 1 Quadratfuß 0,0875qm
1 neue Quadratrute Hamburg 1 Quadratfuß 0,0821 qm
= 324 Quadratfuß 28,364 qm 1 Quadratmarfchrute
1 alte Quadratrute = 196 Quadratfuß 16,096 qm
= 400 Quadratfuß 35,018 qm 1 Quadratgeeftrute
1 J ü c k = 160 neue Qua- = 256 Quadratfuß 21,023 qm
dratruten 45,383 a 1 Scheffel
1 Morgen = 350 alte = 200 Qu.-Oeeftruten 42,047 a
Quadratruten 122,562 a 1 Morgen = 600 Qua-
dratmarfchruten 96,576 a
Mecklen- 1 Quadratfuß 0,0847qm
burg 1 Quadratrute Württem- 1 Quadratfuß 0,0821 qm
= 2 5 6 Quadratfuß 21,679 qm berg 1 Quadratrute
1 Morgen = 100 Quadratfuß 8,208 qm
= 300 Quadratruten 65,036 a 1 Morgen (Juchart)
= 384 Quadratruten 31,517 a
Sachfen 1 Quadratfuß 0,0802 qm
1 Quadratfeldmefferrute 18,447 qm Oefterreich 1 Quadratfuß 0,0999qm
1 Acker=300Quadrat- 1 Quadratklafter
feldmeiTerruten 55,342 a = 36 Quadratfuß 3,597 qm
1 Joch
Sächfen- 1 Quadratfuß 0,0795 qm =1600Quadratklafter 57,546 a
Weimar 1 Quadratrute
= 256 Quadratfuß 20,355 qm Polen 1 Quadratrute (Pretow) 18,662 qm
1 Acker 1 Morgen (Morg)
= 140 Quadratruten 28,497 a = 300 Quadratruten 55,988 a
72 Fladienmejfer — Flädientheorte

Bezeichnung dei Wert Im Bezeichnung det Wert Im


Und Fllchenmafiet metrtfchen Land FllchenmaBei metrifchen
Syftem Syftem
Schweiz 1 Joch (Juchart) 1
Rußland 1 Quadratfafchen (reden) 4,552 qm
(wie Baden) = 400 Quadratruten 36,00 a 1 (Krön-) Deffantine
= 2400Qu.-Safchen 109,250 a
England 1 Quadratfufi (Foot) 0,0929qm 1 (große) Deffantine
und Nord- 1 Quadratyard = 3200Qu.-Safchen 145,667 a
amerika = 9 Quadratfuß (Feet) 0,8361 qm
1 Quadratrod 25,292 qm Spanien 1 Quadrateftadal 11,156 qm
1 Quadratchain 4,047 a 1 Fanega
1 Acre of land = 576 Quadrateftadal 64,25 a
= 4840 Quadratyards Griechen-
= 160 Quadratrods 1 Quadratpiki 1 qm
= 10 Quadratchains 40,467 qm land 1 Stremma
= 1000 Quadratpiki 10 a
Danemark 1 Quadratrode (franzöfifches Maß)
und = 100 Quadratfad 9,850 qm Nieder- 1 Vlerkantroede 1 a
Norwegen 1 Tönde (Tonne) lande
= 560 Quadratrode 55,162 a 1 Bunder (franz. Maß) 1 ha
Frankreich, 1 Quadratfuß (altesMaß) 0,1055qm
Schweden 1 Quadratfuß (Fot) 0,0882qm desgl. 1 Quadrattoife . . 3,799 qra
1 Quadratelle (Aln) Belgien und (im Übrigen metrifches
= 4 Quadratfuß 0,3526qm Italien Syftem)
1 Tunnland
= 14000Quadratellen 49,364 a 1 Geogr. Quadratmeile 55,063qkm
Wegen weiterer älterer deutfcher Flächenmaße f. F. G. Gauß, Tafeln zur Berechnung der
Geldwerte u.f.w., Berlin 1863, fowie Tafeln zur Berechnung der Grundfteuerreinenräge,
Halle 1889. Retnherf.
Flächenmeffer, f . Z e i c h n e n , t e c h n i f c h e s .
Fiachenmeßtafel, f. F l a c h e n b e r e c h n u n g und P l a n i m e t e r .
Flächenteilung, f. T e i l u n g (von Grundftücken) und F e l d b e r e i n i g u n g .
Flächentheorie. Fläche (Oberfläche) ift eine zweifach ausgedehnte Raum-
größe, die Begrenzung eines Körpers. Sie ifl entweder eben (Ebene) oder
krumm (eigentliche Fläche). Sie befitzt eine Gleichung zwifchen drei Veränder-
lichen f(x,y, z)= 0 und heißt je nach der Natur der Funktion / algebraifch
oder transzendent. An Stelle der Gleichungu kann v
.auch die Parameterdarfteilung
treten: x = <p(u, v); y = y> (u,v); z = x( > )'
Flächen mit unendlich vielen
Geraden heißen Regelflächen; diefelben werden abwickelbar genannt, wenn je
zwei benachbarte Flächengeraden fich fchneiden, andernfalls windfchief.
A. A l l g e m e i n e E i g e n f c h a f t e n d e r a l g e b r a i f c h e n F l ä c h e n . Der Orad n
der Gleichung / (x, y, z) = 0 heißt Ordnung der Fläche; er ift die Zahl ihrer Schnittpunkte
mit einer beliebigen Geraden. Eine beliebige Ebene fchneidet die Fläche in einer Kurve
nter Ordnung. Zwei Flächen von den Ordnungen m und n haben eine Raumkurve m - n t e r
Ordnung gemein; drei Flächen von den Ordnungen m, n und p fchneiden fich in m-n-p
( / , t W+ U )
Punkten. Eine Fläche n-ter Ordnung ift durch " ' ~ " g Punkte beftimmt In jedem
Flächenpunkt (f, n, 9 exiftieren unendlich viele Tangenten, die fämtlich in der Tangentialebene
( { — j f ) - | | + ( > 7 — ^ ) | ^ + ( 5 — z ) - g | - = 0 gelegen find. Das Lot auf der Tangentialebene:

S—x'.n— y'i — * — " f J T W "fj£"


: :
h e , ß t F l a c h e n n o r m a l e
- Die Tangentialebene fchneidet die
Fläche in einer Kurve mit Doppelpunkt im Berührungspunkt; die Tangenten in letzterem oskulieren
die Fläche und heißen Haupttangenten. Die Flächenpunkte, in denen die Tangentialebene von
der Fläche in einem Doppelpunkt mit Inflexion gefchnitten wird und In welchen daher die
eine Haupttangente die Fläche dreipunktig berührt, liegen auf einer Kurve, der fogenannten
Wendekurve. Von einem Punkt ja, b, c) außerhalb der Fläche geht an diefelbe ein Berührungs-
kegel n (n — Itter Ordnung. Durch die Berührungskurve desfelben geht auch die Fläche
fr _ ) + J°L (y _ ) + -g-£(z—c) - 0 , die Polarfläche des Punktes (a, b, c) in bezug
f l b

auf / = » 0 hindurch. Durch den beliebigen Punkt a, b, c gehen Vs « (n — 1) (n — 2) (« — 3)


Doppeltangenten (Doppelkanten) und n(n — 2)(n~ 3) Haupttangenten (Rückkehrkanten des
Berührungskegels) hindurch. Die Klaffe des Kegels ift n (n — 1)«, zugleich die Klaffe der Fläche
oder die Zahl der durch eine beliebige Oerade an diefelbe zu legenden Tangentialebenen. In
einem Doppelpunkt (Knotenpunkt) der Fläche bilden die Tangenten einen Kegel zweiter Ordnung,
der in ein Ebenenpaar oder in eine Doppelebene ausarten kann (biplanarer und uniplanarer
Knotenpunkt). Die Punkte, deren Polarflächen in bezug auf die Fläche Doppelpunkte befitzen,
liegen auf der Heffefchen oder Kernfläche von der Ordnung 4 (n—2), während der Ort diefer
Flachentheorie 73

Doppelpunkte felbft die konjugierte Kernfläche von der Ordnung 4 (n — 2)» i d Durchfchnelden
«ch zwei Mäntel einer Fläche in einer Kurve, fo heißt diefe Doppelkurve der Fläche; Rückkehr-
kurve heißt eine Raumkurve, längs deren fich zwei Flächenmäntel berühren, ohne fich über
dlefelbe hinaus fortzusetzen; eine geradlinige Rückkehrkurve heißt Rückkehrkante. Beifpiel:
Eine Raumkurve ift Rückkehrkurve der von Ihren Tangenten gebildeten abwickelbaren Fläche.
B. F l ä c h e n d r i t t e r O r d n u n g . Diefelben befitzen höchftens vier Doppelpunkte und
hOchftens eine Doppelgerade; In letzterem Fall find fie Regelflächen. Zu dlefen gehört das
1
Cylindroid: zix'+y ) — cxy = 0. Eine Fläche dritter Ordnung ohne Doppelpunkte kann
t
»uf die Form gebracht werden: x » + x»* + x + x » + x » = 0, wobei die Ebene x, = 0 . . .
t i 4 6

*6 = 0 das Pentaeder von Sylvefter und S t e i n e r bilden; dabei befteht die identifche Relation:
*i + x»+x» + x +x t s = Q. Die beiden Kernflächen fallen zufammen. Eine Fläche dritter
Ordnung befitzt 27 Oerade; jede derfelben wird von 10 andern gefchnitten und diefelben
laffen fich in 36 fogenannte Doppelfechsfyfteme anordnen.
C. F l ä c h e n v i e r t e r O r d n u n g . Von denfelben find zu erwähnen: die Steinerfche
Fläche mit drei Doppelgeraden durch einen Punkt; die Cykllden, welche den unendlich fernen
Kreis zum Doppelkegelfchnitt haben, die Kummerfche Fläche mit 16 Knotenpunkten, von der
dasTetraedrold und die Wellenfläche Spezialfälle find. Letztere hat die Gleichung (x* +y* + z*)
{a*x* + b»y* + c* **) — a» (&« + c*) x* — b*(c* + a*)y* — e* (a»+b»)z* + a*b* e*=0.
D. F a m i l i e n v o n F l ä c h e n , a) ZylinderflächenF(x — az,y — bz) = 0. Differential-
gleichung .?/>-(-6 9 = 1 . Regelflächen, deren fämtllche Erzeugende einer Oeraden parallel find.
b) Kegelflächen F( ^^-,X Y
~~ \
B
= 0. Differentialgleichung (JC—a)p + (y-b)q = z—c.
Kegelflächen, deren fämtllche Erzeugende durch einen Punkt gehen, c) Umdrehungsflächen
F(x*+y*, z) = 0. Differentialgleichung py — qx = Q. Sie entftehen durch Drehung einer
Kurve um eine Oerade. d) Konoidflächen F(y , z) = 0. Differentialgleichung px +
x qy=0.
Sie werden erzeugt durch eine Oerade, die eine andre fchneidet und zu einer Ebene parallel
bleibt, e) Regelflächen x = /(«) z + f (a); v = y (a) • * + x («). Es befinden fleh auf ihnen
unendlich viele Qeraden. Sie find abwickelbar, wenn rt — * « = 0 .
E. K r ü m m u n g d e r F l ä c h e n . Die Fläche * = / [ x y ) wird durch eine zur Tangential-
ebene £ = 0 parallele unendlich nahe Ebene z = « in einem unendlich kleinen Kegeffehnitt,
der Indlcatrix, gefchnitten. Je nachdem dlefelbe eine Ellipfe, ein Parallelenpaar, eine Hyperbel
in, heißt die Fläche im Urfprung elliptifch, parabolifch, hyperbollfch gekrümmt Die Punkte
parabolifcher Krümmung befinden fich auf der parabolifchen Kurve, die von der Heffefchen
Fläche (f. A.) ausgefchnitten wird. Der Krümmungsradius eines Normalfchnltts ift dem Quadrat
des Durchmeffers der Indlcatrix, durch den er geht, proportional (f. E u l e r f c h e F o r m e l ) . In
den durch die Achfen der Indlcatrix gehenden Hauptfchnltten erreicht der Krümmungsradius
feinen größten bezw. kleinften Wert (Hauptkrümmungsradien ? und (»). Bei Drehungsflächen
t

und der Krümmungsradius des Meridians und das Stück feiner Normalen bis zur Drehachfe
die beiden Hauptkrümmungsradien. —^—heißt Krümmungsmaß, — 4——mittlere Krümmung;
dlefelbe ift Null bei den Minimalflächen. In den Kreispunkten (Nabelpunkten) ift ei = ?t, alfo
"He KrUmmungshalbmeffer der Normalfchnltte einander gleich. Eine unendliche Reihe von Kreis-
R unkten auf der Fläche heißt Linie fphärifcher Krümmung. Satz von M e u n i e r : Ift t der
rümmungsradlus eines Normalfchnltts, r derjenige eines mit demfelben den Winkel & bildenden
und durch dlefelbe Tangente gehenden fchiefen Schnitts, fo ift r = ? c o s * . Die fphärifche Ab-
bildung einer Fläche erhält man, indem'man zu allen Flächennormalen parallele Radien einer
Kugel zieht; diefelbe ift bei den Minimalflächen konform.
F. F l ä c h e n k u r v e n . Haupttangentenkurven (afymptotifche Kurven) find folche Flächen-
kurven , deren Richtung immer mit derjenigen der Haupttangenten (Afymptoten der Indlcatrix)
fufammenfällt Ift f (x, y, z) = 0 die Kurvengleichung, fo ift die Differentialgleichung der
naupttangentenkurven

Uie Schmiegungsebene fällt in jedem Punkt mit der Tangentialebene der Fläche zufammen.
Durch jeden Punkt mit hyperbolifcher Krümmung gehen zwei reelle Haupttangentenkurven;
jn den Punkten der parabolifchen Kurve befitzen diefelben Spitzen. Krümmungslinien find
folche Flächenkurven, deren Richtung immer mit derjenigen einer der Hauptachfen der Indlcatrix
dx dy dz
8/ 8/ 8/
zufammenfällt Ihre Differentialgleichung ift: B T TTy : 0. Durch jeden Flächen-

Punkt gehen zwei zueinander fenkrechte Krümmungsllnlen. Satz von J o a c h i m s t h a l : Ift eine
Krümmungslinie eben (z. B. die Meridiankurve einer Drehungsfläche), fo wird ihre Ebene von
Oer Tangentialebene der Fläche längs derfelben unter konftantem Winkel gefchnitten. Die
Krümmungslinie ift alsdann zugleich geodätlfche Linie (Lunten). Satz von Du p i n : Schneiden
uch drei Flächen In einem Punkte rechtwinklig und fchneiden fie fich paarweife im nächften
»'unkt ebenfalls rechtwinklig, fo find die Richtungen der Schnittkurven zugleich Richtungen
von Krümmungslinien In jeder. Daher werden die Krümmungslinien der Flächen zweiten
urades durch konfokale Flächen ausgefchnitten. Die Normalen in den Punkten einer Krümmungs-
{jn e erzeugen eine abwickelbare Fläche. Die Rückkehrkanten aller diefer zu den Krümmungs-
llnlen gehörigen abwickelbaren Flächen bilden die Krümmungszentrafläche (Zentraflache),. auf
74 Flächen treue Abbildungen — Flamme, bengalifche

der die Hauptkrümmungszentra liegen und die im allgemeinen zwei Mäntel befltzt. Die genannten
Rückkehrkanten find zugleich geodätifche Linien der Zentrafläche. Oeodätlfche Linien find folche
Flächenkurven, deren Schmiegungsebene immer die Flächennormale enthält. Ihre Differential-

gleichung Sie find die kürzeften Flächenkurven zwifchen zwei

Punkten; durch jeden Punkt gehen unendlich viele hindurch. Sie fpielen auf der Fläche diefelbe
Rolle wie die Oeraden in der Ebene; man redet daher von geodätliehen Parallelen, Koordinaten,
Kreifen, Krümmung u. f. w.
Literatur: [lj Salmon, Analytlfche Geometrie des Raumes, deutfeh von Fiedler, 3. Aufl.,
2. Teil, Leipzig 1880. — I2j Stahl, H, und Komerell, V., Die Qrundformeln der allgemeinen
Flächentheorie, Leipzig 1893. — [3] Joachimsthal, F., Anwendung der Differential- und Integral-
rechnung auf die allgemeine Theorie der Flächen und der Linien doppelter Krümmung, 3. Aufl.,
bearbeitet von L Natanl, Leipzig 1890. — 14] Serret, Lehrbuch der Differentialrechnung, deutfeh
von Harnack, Leipzig, 1884, Kap. 9 und 10. — [5] Darboux, Lecons sur la theorle generale des
surfaces et les applications geometriques du calcul infinitesimal I—IV, Paris 1887—96. —

{61 Knoblauch, Einleitung in die allgemeine Theorie der krummen Flächen, Leipzig 1888.—
7 Oaufi, C. F., Allgemeine Flächentheorie, deutfeh von Wangerin, 2. Aufl., Leipzig 1900. —
8 Cremona, Grundzüge einer allgemeinen Theorie der Oberfläche In fynthetifcher Behandlung,
deutfeh von Curtze, Berlin 1870. — [9] Bianchi, Vorlefungen Uber Differentialgeometrie,
deutfeh von Lukat, Leipzig 1899. — [10] Cefaro, Vorlefungen über natürliche Geometrie, deutfeh
von Kowalewski, Leipzig 1901. — [III Kommereil, V. und K., Allgemeine Theorie der Raum-
miffing.
Flächentreue Abbildungen ( f l ä c h e n t r e u e K a r t e n , ä q u i v a l e n t e
Karten), f. K a r t e n p r o j e k t i o n .
Flämlfcher Verband, f. G o t i f c h e r V e r b a n d .
Flaggfchitt (Flottillenfchiff), ein Kriegsfchiü, auf dem fich der Chef eines
Schiffsverbandes eingefchifft hat und das denen Kommandozeichen führt.
FlamboyantftiT, f. F l a m m e n f t i l .
Flamme ( o x y d i e r e n d e und r e d u z i e r e n d e ) , ein mit oder ohne Licht-
entwicklung brennender Gasftrom.
Das Leuchten einer Flamme hängt von ihrem Gehalt an feiten, in das Glühen verfetzten
Beftandteilen und von ihrer Temperatur ab. In unfern Feuerungen ift der in der Flamme glühende
Körper meiftens Kohlenftoff, der fich bei der Verbrennung der Kohlenwafferftoffe, falls denfelben
nicht genügend Sauerftoff zur Verfügung fleht, in fehr feinen Teilchen ausfeheidet Eine Flamme,
in der fich noch viel fefter Kohlenftoff in feinft verteilter Form befindet, wird beftrebt fein, zur
Verbrennung diefes Kohlenftoffs weiteren Sauerftoff zu erlangen; dies kann durch Hinzutritt
frlfcher Luft erfolgen, es kann aber ebenfogut dadurch gefchehen, daß Sauerftoff veranlaßt
wird, aus Verbindungen, die fich im Bereiche der Flamme befinden, auszutreten und die Ver-
brennung diefes Kohlenftoffs zu veranlaffen. Der teilweife oder völlige Austritt des Sauerftoffs
hat zur Folge, daß die Oxyde, Oxydule u. f.w. in folche einer niedrigeren Oxydationsftufe
bezw. in das reine Element übergeführt werden; man nennt dies eine R e d u k t i o n und be-
zeichnet demgemäß eine Flamme, die eine folche Wirkung hervorbringt, als eine r e d u z i e r e n d e .
Während eine leuchtende Flamme beweift, daß in derfelben Mangel an Sauerftoff vorhanden
ift, deutet eine nichtleuchtende Flamme nicht in allen Fällen auf das Gegenteil. Manche
Gafe, z. B. Kohlenoxyd, Wafferftoff, vermögen beim Verbrennen fefle Körper nicht auszufcheiden
und zeigen daher eine nichtleuchtende Flamme, unbeeinflußt durch die Menge des zur Ver-
fügung flehenden Sauerftoffs. Diefes Nichtleuchten der Flamme findet aber auch dann ftatt,
wenn alle in den brennenden Gafen vorhandenen Stoffe, dank dem reichlich und Im Ueber-
fchuß vorhandenen Sauerftoff, fofort vollftändig verbrannt werden. Ift ein folcher Ueberfchuß
von Sauerftoff vorhanden, fo wird derfelbe befähigt fein, im Bereich der Flamme befindliche
Metalle zu oxydleren oder eventuell Oxyde in höhere Oxydationsftufen überzuführen. Eine
Flamme, bei der noch freier Sauerftoff vorhanden ift, nennt man aus diefem Grunde eine
o x y d i e r e n d e Flamme. Außer diefer reduzierenden und oxydierenden Flamme fpricht man
auch noch von n e u t r a l e r Flamme; es ift dies diejenige, bei der an jeder Stelle weder mehr
noch weniger Sauerftoff, als zur vollftändlgen Verbrennung gerade erforderlich, vorhanden ift. —
Wird eine kohlenwafferftoffreiche Flamme bei Sauerftoffmangel (reduzierend) bis unter die Ver-
brennungstemperatur (f. Brennftoff e) abgekühlt, ehe zu derfelben der zur vollftändlgen Ver-
brennung notwendige Sauerftoff getreten ift, fo fcheiden fich Kohlenftoff und fchwer verbrenn-
bare Kohlenwafferftoffverbindungen als Ruß aus, der mit dem Luftftrom, der durch die Verbrennung
hervorgebracht wird, als fichtbarer Rauch weit fortgeführt werden kann. Von diefen oxydierenden
oder reduzierenden Eigenfchaften der Flammen werden in der Induftrie die weiteftgehenden
Anwendungen gemacht, fo namentlich in der Metallurgie und in der keramifchen Induftrie. Bei
letzterer wird für befondere Zwecke, z.B. zum Dämpfen der Ziegel, fogar eine kttnftliche
Rauchbildung herbeigeführt, die fonft aus ökonomifchen Gründen, da mit einer Rauchbildung
ftets eine große Brennmaterialverfchwendung verbunden Ift, tunlichft vermieden werden muß
(f.Zlegef, Z i e g e l f a b r i k a t i o n ) . mm***.
Flamme, bengalifche, f. v. w. B e n g a l i f c h e s F e u e r (f.d.); vgl. Feuer-
werkerei.
Flammenbogen — Flafche 75

Flammenbogen, l a u f c h e n d e r und f p r e c h e n d e r , f. T e l e p h o n i e
(ohne Draht).
Flammendolomit, ein dichter oder auch poröfer und lückiger, gelber und
braun gefleckter oder geflammter Dolomit, der an der Grenze zwifchen der
unteren und mittleren Abteilung der Keuperformation in geringer Mächtigkeit
auftritt (Bayern, Württemberg). teppu.
Flammenmergel, ein heller, dunkel gefleckter, geftreifter und geflammter,
quarzfandreicher, fchiefriger Tonmergel.
Er gehört dem oberen Gault, alfo der unteren Kreideformation an (Weftfalen, Hannover).
Manche Lager find reich an Kalkfilikat, daher fehr hart und verwittern fchwer. Sie dienen
alsdann beim Straßenbau als Packlage. Die ftarke und enge Zerklüftung erzeugt eine relativ
große Aufnahmefähigkeit für Waffer, und fo treten in der Grenze gegen die unterlagernden,
wenig durchlafflgen Minimustone Quellen hervor. Ltppi».
Flammenficherheit, f. A n f t r i c h e , feuerflehere, Bd. 1, S.231, und Feuer-
f c h u t z , Bd. 3, S.793.
Flammenftil, auch F l a m b o y a n t f t i l genannt, bezeichnet jene Periode
der gotifchen Spätzeit, welche die Fifchblafe oder Flamme in ihrem Maßwerke
einführte. Es ill dies eine Ausartung des Stiles, die insbefondere in Frankreich
und dann in England mit Vorliebe gepflegt wurde (vgl. a. F i f c h b l a f e ) .
Flammieren (Chinieren), Art der Garnfärberei, bei der die Garnftränge
geknotet und fo ausgefärbt werden, daß das Innere der Knoten ungefärbt bleibt.
— Vgl.a. C h i n d .
Geflammte (flammlerte, Flamme) Garne werden auch in der Spinnerei durch Einfplnnen
andersfarbiger Faferbüfchel dadurch erzielt, daß entweder auf den Krempeln (der Streichgarn-
fplnnerei) durch Einftreuen der Faferbüfchel oder durch Aufftrelchen des andersfarbigen Spinn-
f utes in Querftreifen durch mit Kratzen befchlagene Walzen an eine Krempelwalze die Fafer-
üfchel hineingebracht werden, oder dadurch, daß Stucke fertiger andersfarbiger Vorgarnfaden
In beftimmten Abftänden quer Uber eine Krempelwalze, am beften die Kammwalze (Pelgneur)
aufgelegt werden. Eingehenderes hierüber in der Leipz.Monatfchr.f.Textlllnd. 1902, S.675.
Flammöfen, f. O e f e n , m e t a l l u r g i f c h e , und E i f e n g i e ß e r e i .
Flammrohrkeffel, f. Dampf keffel, Bd. 2, S. 563.
Flamfteeds Projektion ift eine flächentreue, unecht zylindrifche Projektion,
f. K a r t e n p r o j e k t i o n .
Flanell, bloß aus Streichgarn, manchmal aus Baumwoll- und Streichgarn
(halbwollener Flanell) mit Leinwand- oder Köperbindung hergeflelltes, nur auf
einer Seite gerauhtes Gewebe mit weichem Griff; f . T u c h f a b r i k a t i o n und
Weberei. xrm/t.
Flankenpfoften (Standpfoften) f. Pferdeftfllle.
Flanklerfelle ( T r i e b f e i l e ) , eine kleine, den Mefferfeilen ähnliche
50—80 mm lange, aber nicht zugefpitzle Feile von nebenftehendem Quer-
schnitt mit Hieb auf den beiden flachen Seiten. Wird im Uhrmachergewerbe
zum Bearbeiten der Zähne von Getrieben benutzt; f. Feilen.
Flankierrohr (Strahlrohr), vgl. Feuerfchutz, Bd. 3, S. 771.
Flanfch, der kranzförmige Rand an Röhren und rohrförmigen Stücken, der
die Verbindung mit einem gleichfalls mit Flanfch verfehenen zweiten Rohr oder
rohrförmigen Stück geftattet; f. a. R o h r e , R o h r v e r b i n d u n g e n . £•**•*.
Flanfchenring, f. Rohre und R o h r v e r b i n d u n g e n .
Flanfchenröhren, f. Rohre und R o h r v e r b i n d u n g e n .
Hanfchenverbindung, f. Rohre und R o h r v e r b i n d u n g e n .
Flafche, Gefäß aus G l a s (f. d.), auch aus Ton (f. T o n w a r e n ) oder Metall.
Für die Herftellung des gewöhnlichen Flafchenglafes (Bouteillenglafes) finden
die billigften Materialien (Sand, Schlacken, Bafalt, Tuffe, Rohfoda u. f. w.) Ver-
wendung. Feinere Flafchen werden aus eifenfreiem Material, die feinften aus
KriftallgTas hergeftellt. Die irdenen Flafchen (Steinkrüge) beliehen aus ordinärem
Steinzeug mit Salzglafur; gegen Einwirkung von Chemikalien find fie fehr
widerftandsfähig.
B Flafche ( F o r m k a l t e n ) , eiferner Rahmen meift rechteckiger Geilalt, in den
Formfand unter Benutzung des Modells zur Herftellung der Sand- oder Maffe-
lonnen eingeftampft wird; vgl. a. E i f e n g i e ß e r e i . Dmu*-,.
Flafche, mechanifche Anordnung einer oder mehrerer Seil- oder Ketten-
76 Flafchenfüllapparate — Flafdienfptilapparate

wellen in einem Gehäufe. Durch geeignete Vereinigung zweier oder mehrcrer


Flafchen wird ein F l a f c h e n z u g (f.d.) gebildet. A'. Specht.
I lafchenlüllapparate für Bier, Wein u. f. w. werden nach Fig. 1 unter An-
wendung des Saugheberprinzips ausgeführt. 1

Das abzufüllende Faß wird


durch Rohrleitung oder Schlauch
mit dem aus emailliertem ü u ß -
eifen oder verzinntem Kupfer-
blech hergeftelltcn Kalten unter
Einfchaltung eines Schwimmer-
vcntils verbunden, fo daß lieh
der Karten ftets auf ein beftimm-
tes Niveau felbfttätig füllt. In
den Kalten tauchen eine Anzahl
Heberrohre ein, drehbar um die
Achfe x; die im Kalten befind-
lichen Rohrenden lind mit
Gummiringen verfehen, die, fo-
lange die Heber nicht durch das
Gewicht einer Flafche hcrab-
gedrückt werden, lieh mittels
Gegengewichts gegen die Wan-

Flg. 2.

dung des Kaftcns anpreffen und die


Heber luftdicht abfchließen; es kann
alfo die in denfclben befindliche Flüffig-
keit nicht austreten, obwohl am
äußeren Ende der Heberrohre Oeff-
nungen für den Austritt angebracht
lind; fobald aber eine Flafche über
das Rohr eines Hebers gefleckt wird,
zieht diefclbc durch ihr Gewicht das
innere Rohrende von der Wand ab,
und die Flüfligkeit lauft durch den
Heber in die Flafche fo lange, bis (bei
gefüllter Flafche) das Niveau in der
Flafche dem Niveau im Kalten gleich
ift; ein Ueberlaufcn findet dabei nicht ftatt. Preis eines Apparates mit vier Heberrohren 55 „4L
— Zum Abfüllen von Flüffigkcitcn unter Druck, wie dies z. B. bei der Mineralwafferfabrikation
nötig ift, werden befondere Abfüll- und V e r k o r k m a f c h i n e n nach Fig. 2 benutzt. Die
Flafche wird durch Treten auf den Hebel h gegen das mit der Druckleitung in Verbindung
flehende Kreuzftück k angepreßt unter dichtem Gummiringabfchluß; dann wird der Ring«
geöffnet und die Flafche gefüllt, wobei die Luft durch einen befonderen Kanal entweicht. Iii
die Flafche gefüllt, fo wird der in dem Schlitten s fitzende Kork durch Niederdrücken des
Hebels h\ mittels des Stempels t in den Flafchenhals eingepreßt. Preis ca. 150 ju Klecken.
Flafchenkorkmafchine, f. F l a f c h e n f ü l l a p p a r a t e .
Flafchenlack, f. S i e g e l l a c k .
Flafchenfchraubftock, Schraubflock, deffen beweglicher Backen um einen
Bolzen drehbar ift; f. S c h r a u b f l o c k .
Flafchenfpülapparate werden in Wirtfchaftsbetrieben, Kellereien u. f. w.
angewendet im Anfchluß an Hausrefervoire oder ftädtifche Wafferleitungen. Es
lind Selbflfchlußhähne mit einem vertikal nach oben flehenden Strahlmundftück,
über das die zu fpülende Flafche mit dem Kopf übergeftülpt wird; indem man
die Flafche nach unten drückt, öffnet man das Ventil und das Waffer tritt mit
vollem Druck in die Flafche ein.
Fig. 1 zeigt ein Ventil für geringen Wafferdruck, das durch die Flafche direkt nieder-
gedrückt und geöffnet wird, Fig. 2 ein folches für höheren Druck mit einer Hcbelüberfetzung.
Das Strahlmundftück kann auch mit einem Spritzrohr mit Löchern, nach verfchiedenen Rich-
tungen fpritzend, verfehen werden. Bei größeren Betrieben, z. B. Mineralwafferfabriken, hat
man ähnliche Vorrichtungen mit Biirften an den Spritzrohren, die durch Riemenbetrieb wahrend
Flafchenzüge

der Spülung in Rotation erhalten werden. Ein Apparat für Großbetrieb in Mineral-
waflerfabriken und Kellereien, von F. C u n t z in Berlin konftruiert, beruht auf dem
Syftem der Injektion; über der Strahlfpttze, durch die der Hochdruckwafferftrahl
eintritt, ift ein Trichter mit feitlichen Oeffnungen angeordnet; das Ganze fitzt in
einem mit Sand gefüllten Meffingtopf; der Wafferftrahl faugt den Sand an und
wirft ihn mit dem Waffer in das Innere der Flafche, eine energifche, vollkommene
Spülung bewirkend. 5—20 folcher Spülelemente können nebeneinander auf einem
tifchartigen Geftell angeordnet fein und ebenfo viele Flafchen können dann gleich-
zeitig gefpült werden, wobei nur ein oder mehrere Wafferleitungshahne auf-
zudrehen find. Diefe Apparate koften je nach der Zahl der Spülelemente
500-2000 JL Blecken.

Flafchenzüge, auch R o l l e n z ü g e ,
Seil- oder K e t t e n z ü g e genannt, find
transportable Hebezeuge zum Heben
kleinerer Laften von Hand.
Der g e w ö h n l i c h e oder eigentliche
Flafchenzug befteht aus einer feilen und einer
lofen Flafche, beide mit einer gleichen Anzahl
von Rollen; je nachdem das die Rollen ver-
bindende Tragorgan ein Seil oder eine Kette
ift, unterfcheidet man S e i l - oder K e t t e n -
f l a f c h e n z ü g e , jedoch kommen bei dem
gewöhnlichen Flafchenzug Ketten nur feiten
zur Anwendung. Je nach der Anordnung der
Rollen unterfcheidet man nach Ernft [1] Rollen-
züge mit getrennter oder gemeinfamer Hub-
bann der lofen Rollen.
Bei den Rollenzügen mit g e t r e n n t e r
o d e r
H u b b a h n befteht die lofe Flafche aus zwei
Fl- l rig 3. mehreren in einer Ebene neben- und
' * untereinander angeordneten lofen Rollen von
gleichem Durchmeffer mit getrennten Seilen, deren jedes mit einem Ende an einem feften Punkte,
JJiit dem andern Ende aber am Haken der nächften Rolle beteiligt ift, nur das letzte Seil ift von
der letzten lofen Rolle nach einer feften Leitrolle geführt; fein freies Ende dient zum Angriff
der Kraft, während die erfte (tieffte) Rolle den Laffhaken tragt. — Diefe Art von Rollenzügen
"ndet indes nur feiten Verwendung, well fie nicht oder doch nur fchwierig transportabel find.
In den Flafchen der Rollenzüge mit g e m e i n f a m e r Hubbahn fitzen fämtllche Rollen
einer Flafche entweder nebeneinander lofe auf einer in den Gehaufewänden der Flafche feil-
gelagerten Achfe und haben alle gleichen Durchmeffer; oder die Rollen jeder Flafche fitzen
untereinander, jede auf befonderer Achfe; fie muffen dann verfchiedene Durchmeffer haben,
oarnit die Seiltrume ohne Reibung aneinander vorbeigehen können. Da fich bei diefer An-
ordnung die Flafchen fehr lang bauen, wird fie für Handflafchenzüge nur feiten gewählt Die
bewegliche Flafche trägt ftets den Lafthaken, während das Seil mit einem Ende zunächft an
Oer feften Flafche beteiligt und dann nach einer Rolle der beweglichen Flafche, von diefer
nach der erften Rolle der feften Flafche, dann nach der beweglichen Flafche u. f. w. geführt
m
"L Das freie Seilende bildet den Angriffspunkt für die Kraft. — Der gewöhnliche Flafchenzug
j t gemeinfamer Hubbahn der lofen Rollen hat nach Ernft [1] einen im umgekehrten Ver-
hältnis zur Seildicke (ftets Hanffell) flehenden Wirkungsgrad von 0,84-0,52 und ift n i c h t
•eibfthemmend, fo daß die Lad beim Nachlaffen oder Aufhören der Zugkraft von felbft linkt
£ur Befeltigung dlefes Uebelftandes hat man daher Seilflafchenzüge mit Selbfthemmung
Konftruiert, von denen hier die Seilklemme von H e w i t t & Goffs erwähnt fein mag, die von
^ e o r g K i e f e r in Köln ausgeführt wird. Aus dem Beftreben, die Flafchenzüge felbfthemmend
z u
machen, find weiter die Differential- und Schraubenflafchenzüge hervorgegangen.
. Unter D i f f e r e n t i a l f l a f c h e n z ü g e n verlieht man Kettenflafchenzüge, bei denen die
? b e r e , fefte Rolle aus zwei in einem Stück gegoffenen Rollen oder Kettenfchelben von ver-
schiedenen Durchmeffem befteht, während die untere Flafche nur eine einzige lofe Rolle
.enthalt Der in Flg. 1 abgebildete W efton fche Differentialflafchenzug dürfte die altefte der-
artige Bauart fein. Er befitzt eine endlofe Kette, deren frei herunterhangende Schleife zum
angriff beim Heben der Lad dient, während die andre Schleife derfelben an der lofen Rolle
o'e Lall trägt, wobei ihre Kettentrume einerseits über die größere, anderfeits über die kleinere
78 Flafchenzttge

der beiden Kettenfcheiben laufen. Bei genügend kleinem Unterfchied der Rollenhalbmefler
wirkt diefer Flafchenzug felbftfperrend, indem der Unterfchied der auf entgegengefetzten Seiten
der Rollenachfe zur Wirkung kommenden Momente kleiner ift als die Widerftände der Ketten-
und Zapfenreibung, die letzteren alfo das Niederfinken der Laft verhindern. Um letzteres zu
bewirken, muß daher ebenfo wie beim Anheben am frei
herabhangenden Kettenftrang gezogen werden. Für
g rößere Laden werden diefe Flafchenzüge auch mit einem
efonderen Hafpelrad für die Kette verfehen, wie in
Fig. 2 dargeftellt ift Die Kettenrollen der feiten Flafche
Und in ihren Nuten mit eingegoffenen Querrippen ver-
fehen, zwifchen die fleh die Glieder der Kette legen;
diefe muß daher kalibriert fein. Sobald fleh die Kette
reckt oder eine ftärkere Abnutzung jener Querrippen
eintritt, kommt die Kette leicht ins Gleiten, fo daß die
Laft unbeabfichtigt zurückrutfeht und die Selbfthemmung
aufgehoben Ift. Bin derartiger Flafchenzug ift dann un-
brauchbar und zu verwerfen. Kette und Kettenrollen
unterliegen einer ftarken Abnutzung.
Auf denfelben Grundgedanken wie der Wefton-
fche Differentialflafchenzug beruhen auch diejenigen von
E a d e , P i c k e r i n g und M o o r e . Der Differential-
flafchenzug von Eade, auch Epicykloidalflafchenzug ge-
nannt und von Z o b e l , N e u b e r t & Co. in Schmal-
kalden angefertigt, befltzt in der feiten Flafche ein innen
verzahntes, mit der Kettenfcheibe zufammengegoffenes,
lofe auf der Antriebswelle fitzendes Rad, in das ein um
einige Zahne kleineres Stirnrad eingreift, das, lofe auf
Flg. 1.
einem Exzenter der Antriebswelle fitzend, durch diefe Ftg. 2.
gedreht und in Eingriff mit dem Hohlrade erhalten wird.
Da es durch geeignete Knaggen verhindert ift, fich im Hohlrade abzuwickeln, fo Ift diefes ge-
zwungen, fleh bei jedem vollen Wellenumgang um den Unterfchied der beiderfeitigen Zahne-
zahlen zu drehen und dadurch die kalibrierte Laftkette um den gleichen Winkelbetrag zu
heben. Die Antriebswelle wird durch ein befonderes Zugkettenrad betätigt.
Die Differentlalflafchenzüge von Moore und P i c k e r i n g haben ebenfalls ein auf einem
Exzenter der Antriebswelle fitzendes Stirnrad, das In zwei dasfelbe umfchließende Hohlräder
mit angegoffenen Kettenfcheiben eingreift. Wahrend Pickering das eine der beiden Hohlräder
feftftellt und fomit nur eine Kettenfcheibe dreht, fetzt Moore beide Hohlräder lofe auf die
Buchfen der Antriebswelle und betätigt fomit beide Kettenräder in dem nämlichen Sinne. Die
Uber diefe gelegte Laftkette ift demnach auch mit beiden Enden am Lafthaken befeftigt. Der
Antrieb erfolgt ebenfalls mittels eines befonderen Zugkettenrades [lj. — Der Flafchenzug von
K o h n (D.R.P. Nr.65749), v o n B r i e g l e b , H ä n f e n 5 Co. in Gotha gebaut, hat ein Stirnrad-
vorgelege, deffen Trieb auf der Achfe der Hafpelkettenfcheibe fitzt, während das zugehörende
Rad auf die Achfe der fehr klein gewählten Kettennuß der Laftkette aufgekeilt ift. Die Hafpel-
kettenfcheibe Ift innen mit Sperrzähnen verfehen, in die fich beim angeftrebten Rücklauf der
Laft eine Sperrklinke legt, die an der LagerbUchfe der Hafpelradwelle ihren Drehpunkt hat
Diefe Büchfe wird unmittelbar vom Aufhängehaken des Flafchenzuges getragen, fo daß durch
letztere und die Laft der erforderliche Bremsdruck erzeugt wird. — Derartige Flafchenzüge
werden bis 2000 kg Höchftbelaftung gebaut [1].
Die S c h r a u b e n f l a f c h e n z ü g e enthalten in der oberen Flafche ein Schneckenrad-
vorgelege, auf der Achfe des Schraubenrades fitzt eine Kettentrommel oder Kettennuß für die
Laftkette, wahrend die Achfe der Schnecke die Kettenfcheibe fUr die endlofe Zugkette tragt. —
Hierzu gehört unter anderm der Schraubenflafchenzug von P o h l (D.R.P. Nr. 40932), welcher
felbftfperrend (ft und mehrgängige Schnecken geftattet. Das Schneckenrad befteht aus zwei
Hälften, die, lofe gegeneinander gelegt, auf der Achfe des Hebezeuges drehbar angeordnet find.
Zwei Kettenrader mit fehr verfchledenen Zähnezahlen find an die äußeren Seiten der Schnecken-
radhälften angegoffen. Die endlofe Laftkette ift in entgegengefetzter Richtung Uber die Ketten-
rollen gelegt und in die eine Schlinge ift eine lofe Rolle mit dem Lafthaken eingehängt Eine
fteilgängige Schnecke, auf deren Achfe die Hafpelrolle fitzt bewegt das zweiteilige Schneckenrad
fchetnbar wie normale Rader vor oder zurück, doch hat die an den Ketten gleichmäßig wirkende
Kraft das Beftreben, die Kettenrollen und die mit ihnen zufammengegonenen Schneckenrad-
hälften in entgegengefetzter Richtung zu drehen, unterftützt alfo bei der L a f t h e b u n g das an
der kleineren Rolle wirkende Laftmoment durch den Zahndruck der Schneckenradhälfte gegen
die Gewindegange der Schnecke die beabfichtigte Drehung der letzteren, fo daß die an der
Hafpelwelle wirkende Kraft geringer fein kenn als beim ungeteilten Schraubenrad. Bei der
L a u f e n k u n g dagegen unterftützt umgekehrt das an der größeren Rolle wirkende Laftmoment
die rückläufige Bewegung der Schnecke, wodurch der Kraftaufwand bei der Laftfenkung ge-
ringer wird. h n R u n e z u f t a n d endlich üben die Zahne der Schneckenradhälften durch ihr
entgegengefetztes Bewegungsbeftreben einander entgegengefetzte Drucke auf die Gewindegange
der Schnecke aus, klemmen alfo die einzelnen Schneckengewindegänge zwifchen fleh ein und
verhindern fo die felbfttätige Drehung der Schnecke und das unbeabsichtigte Sinken der Laft.
— Diefe Flafchenzüge werden von O . A . K r o l l in Hannover für Laften von 500—10000kg
und Anhieb durch einen Arbeiter ausgeführt.
Der Schneckenflafchenzug von C o l l e t & E n g e l h a r d in Offenbach befltzt, wie Flg. 3
Flafchenzüge 79
zeigt, zwei von derfelben Schnecke angetriebene Schneckenrader, an Jedem derfelben ift eine
Kettentrommel beteiligt An den entgegengefetzten Enden jeder Trommel ift eine Kette, aber
beide in entgegengefetzter Richtung, aufgelegt, die fich an den Kreuzkopf des Lafthakens an-
fchliefien, der fomit in gerader Bahn fenkrecht auffteigt Es Ift erfichtlich, daß der Flafchenzug
felbfthemmend ift und er geftattet die Anwen- !
dung ftark ftelgender Schnecken; dagegen ift
die Hubhöhe befchränkt Die genannte Firma
führt diefelben bis 5000 kg Höchftbelaftung
und 5 m Hubhöhe aus.
SchraubenflafchenzOge mit Druck-
l a g e r. Diefe zuerft von E. B e c k e r, Berlin-
Reinickendorf , nach D.R.P. Nr. 10611 ausge-
führte Bauart hat von allen andern die weltefte
Verbreitung gefunden. Durch die Anwendung
ftark ftelgender Schnecken wird eine Nutz-
leiftung bis 65°| erzielt und
0

durch das Drucklager eine zu-


verlaffige Selbftfperrung er-
reicht, verbunden mit größter
Sicherheit des Betriebes, bei
ruhigem Gang und geringer
Abnutzung aller Teile. Die Ge-
famtanordnung eines Becker-
fchen Flafchenzuges ift aus
Flg. 4 und 5, die Schnecken-
welle mit Schnecke aus Flg. 6
(größerer Maßftab) erficht-
lich [1]. Die Schneckenwelle W,
mit Hafpelrad für die Zugkette
verfehen, ift mit dem Vollkegel C aus
dem Ganzen hergeftellt; derfelbe wird
durch den Achfendruck der Schnecke in
den Hohlkegel B gepreßt fo daß beide
Teile miteinander gekuppelt werden und
der Zapfenanfatz des letzteren beim Laft-
aufwinden als Sttttzzapfen dient, indem
er fich gegen die im Flafchenzuggehaufe

Flg. 4 und s.
...jrzu dient ein am Uehäufe beteiligter Sperrkegel (Flg. 7), T"
der in die am Umfange des Hohlkegels B angebrachten Sperrzahne
greift. Das Senken der Laft kann nur durch Ziehen an dem auf der
Schneckenwelle fitzenden Kettenrad unter Ueberwindung des ttber-
fchUffigen Bremswiderftandes erfolgen.
Die lofe Rolle hangt in einer Schleife der Laflkette, die mit einem
Ende am Flafchenzuggehaufe beteiligt und dann Aber die auf der Achfe
des Schneckenrades fett aufgekeilte Kettennuß gelegt ift, fo daß das andre
Kettenende frei herabhangt; demnach ift die Hubhöhe der Laft nur von
der Kettenlange abhangig. Es ift Sorge getragen, daß die arbeitenden
Teile in guter Schmierung erhalten werden können.
Derartige Flafchenzüge werden für Nutzlasten bis
zu 10000kg gebaut; Gehaufe, Schnecke, Drucklager
und Kettennuß find aus Stahl hergeftellt, nur das
Schneckenrad befteht aus Gußelfen. Da, wie er-
wähnt, für gute Schmierung geforgt ift, fo ift die
Abnutzung wegen des höheren Güteverhaltniffes
eine fehr geringe. Die Ketten der Beckerfchen
Flafchenzüge find wefentlich ftärker als die des
Wefton fchen Dlfferentialflafchenzuges und find,
weil ein viel feltenerer Lagenwechfel der Ketten-
glieder auf der Kettennuß ftattflndet, als es bei dem letztgenannten Flafchenzüge der
rail ift, einer viel geringeren Abnutzung unterworfen als die Ketten des Weft o n -
fchen Flafchenzuges. Vor der Ablieferung wird jeder Flafchenzug mit der 1»/« fachen
Nutzlaft probiert.
Das Prinzip der Beckerfchen Drucklagerbremfe ift von vielen andern Konftrukteuren
jn verfchiedenen Formen weiter angewendet worden. So benutzen P i c h a t z e k & L ü d e r s ,
°«Hn, in ihrem D.R.P. Nr. 32820 ftatt der Bremskegel eine einfache Lamellenkupplung. Von
«Jen beiden Bußeren, mit der Schneckenwelle durch Nut und Feder verbundenen Druckfeheiben
oiefer Kupplung dient die eine ebenfalls als Stützzapfen; zwifchen beiden Scheiben liegt die
«us Bronze zur Aufnahme von Schmiermittel hohl gegoffene Sperrfcheibe, deren beiderfeitige
Reibflächen bei entfprechend gewählten Abmeffungen Erfatz für die Beckerfchen Bremskegel
oieten.— G . K i e f e r in Köln erfetzt die Sperrklinke zum Feilhalten der einenKupplungshalfte
Q
urch eine Druckfehraube die beim Laftfenken oder bei dem durch die fchwebende Laft
80 Flaferkalk — Flaferung

angedrehten Rücklauf der deilgängigen Schnecke die bewegliche Muffe gegen eine Lederfcheibe
auf dem Boden der mit dem Gehäufe feil verbundenen Kupplungstrommel anpreßt und dadurch
das felbfttätige Sinken der Lad verhindert. Hierdurch wird außerdem ein vollftändig geräufch-
lofer Gang erzielt. Wie Fig. 8 erkennen läßt, ift bei diefen Flafchenzügen das lteilgänglge
Gewinde der Druckfehraube unmittelbar in das hintere Ende der Schneckenwelle eingeschnitten.
Beim Anheben derLaft wird die bewegliche Schraubenmuffe Af durch den zurzeit vorhandenen
Anpreffungsdruck gegen die Lederfcheibe gedrückt, während fie durch die radiale Komponente
des fchiefen Zahndruckes der Hauptfehnecke, der gegen die innere Fläche der feften zylindrifchen
Gehäufebuchfe wirkt, an der Drehung gehindert ift. Hierdurch kommt das Gewinde zum Ein-
griff, und die Muffe Af wird von der Lederfcheibe entfernt, wobei ihr Weg durch den Stift 5 be-

grenzt wird. Die Hauptfehnecke läuft dann


auf dem Stützzapfen. — Die fleh felbft über-
ladene Laft fucht die Hauptfehnecke rück-
wärts zu drehen und fchraubt hierbei die
bewegliche Muffe fofort wieder gegen die
Lederfcheibe im Gehäufe, die dann einen
ausreichenden Reibungswiderftand bietet,
um die Laft fchwebend zu erhalten, bezw.
kann das Senken derfelben nur durch
äußeren, den Bremswiderftand der Leder-
fcheibe überwindenden Antrieb erfolgen..
Bei der neueren Bauart des Kleferfchen
Flafchenzuges wird das Druckfehrauben-
gewinde der Hauptwelle durch Schrauben-
klauenkupplung erfetzt, deren eine Hälfte
mit der Hauptfchneckenwelle aus dem
Ganzen hergeftellt ift, während die zweite Hälfte durch die ver-
fchiebbare Bremsmuffe gebildet wird. Diefe Anordnung befeltigt
den etwaigen Verfchleiß der Kernfpindel und erfetzt das Druck-
gewinde durch einen einzigen Schneckengang von fehr reich-
lichen Abmeffungen, fo daß die fpezlfifche Flächenpreffung
erheblich vermindert wird. — Erwähnt fei noch G . K i e f e r s
Flafchenzug mit felbfttätlger Elnkupplung eines Stirnradvorgeleges Flg. 8.
zum zwangläufigen rafchen Senken der Laft (D.R.P. Nr. 101902) [1J.
Bei dem Schraubenflafchenzug mit Maximbremskupplung von Gebrüder B o l z a n i In
Berlin (D.R.P. Nr. 75977) wird die Bremswirkung ähnlich wie bei Kiefer einerfeits am inneren
Umfange des Bremsgehäufes, anderfeits an deffen Grundfläche erzeugt. Der Hauptteil diefes
Flafchenzuges Ift in Fig. 9 dargeftellt.
Auf der Schneckenwelle a fitzt feil die Scheibe b, die durch den von der Laft in edlerer
erzeugten Achfendruck gegen zwei halbkreisförmige Bremsbacken c und c gedrückt wird, die
t

fich, wie die Figur zeigt, gegen keilförmige Anfätze der auf der Schnecken welle axial ver-
schiebbaren, aber nicht drehbaren Scheibe d legen, wobei die Bremsbacken c und c aus- t

einander und gegen den inneren Umfang « der Bremsmuffe e gepreßt werden; gleichzeitig
t

wird Scheibe a gegen eine im Grunde der Bremsmuffe befindliche Lederfcheibe gedrückt. Die
Bremsmuffe ftützt lieh auf die lofe Spurbuchfe / und diefe gegen den im Gehäufe beledigten
balligen Spurzapfen g. Um die angehobene Lad in der Schwebe zu halten, id die Bremsmuffe
am äußeren Umfange mit Sperrzähnen verfehen, in die ein Sperrkegel eingreift. Belm Senken
der Laft muß der etwaige Bremswiderftand durch die Kraft am Hafpelrad überwunden werden.
Auch diefer Flafchenzug arbeitet außerordentlich zuverläffig und ift die Abnutzung der
einzelnen Teile, die leicht in guter Schmierung erhalten werden können, fehr gering. Sie
werden ebenfalls bis 10000 kg Nutzlad ausgeführt und ift, da die Kette ebenfo aufgelegt ift wie
bei B e c k e r , die Hubhöhe nur von der Kettenlänge abhängig.
Ueber Berechnung von Flafchenzügen vgl. [1]. — Hüttentafchenbuch. — Kataloge und
Prelfe find von den genannten Firmen zu erhalten, außer welchen noch H i l l e r f c h e i d t & Kas-
b a u m , Berlin N. (Schönhaufer Allee), D u i s b u r g e r M a f c h i n e n b a u - A k t i e n g e f e l l -
f c h a f t , Duisburg, M o h r & F e d e r h a i f , Mannheim, zu erwähnen find.
Literatur: [1] Ernft, A., Die Hebezeuge, Berlin 1899, 3. Aufl., Bd. 1. spickt.
Flaferkalk, f. K a l k f l e i n .
Flaferung, in der Gefteinskunde die Erfcheinung, daß in einem gefchichteten
Geftein einzelne Lagen eines Minerals linfenförmige, körnige Anhäufungen
Flatterruß — Fleckausmachen 81

darrteilen, während die einfchließenden Lagen desfelben Minerals fich parallel


um diefe linfenförmigen Aggregate anfchmiegen, daß alfo im allgemeinen
eine Parallelität zwifchen der Längserftreckung der Linfen und der darum fich
biegenden Lagen vorhanden ift. Diefes Gefüge ift meift dem Gneis eigen, vppim.
FlatterruÜ, fehr leichter, großflockiger R u ß (f. d.).
Flavin, f. F a r b f t o f f e , p f l a n z l i c h e , Bd. 3, S. 635.
Fleche d'amour, f. Q u a r z .
Flechtarbelten, G e f l e c h t e , find Arbeiten, bei denen Fäden oder andre
biegfame, band- oder rutenförmige Körper durch Verfchränkung (Kreuzung) von
einem nach dem andern Ende fortfchreitend vereinigt find. Werden die Fäden,
von einem nach dem andern Ende fortfchreitend, durch Verfchränkung (Kreuzung)
u n d Zwirnung vereinigt, fo nennt ma*n das Arbeitsverfahren K l ö p p e l n (f.d.).
Aeltere F l e c h t m a f c h i n e n f. [1], neuere [2], Knüpfarbeiten [3]; Herftellung
der Flechtwaren [4].
Literatur: [11 Prechtls Techn. Encyklopädie, Stuttgart 1843, Bd. 13, S.233. — [2] Höifer,
Verh. des Oewerbfleißver. 1885, S. 23. — [3] Dillmont, Therese de, Encyklopädie der weiblichen
Handarbeiten, Dornach (Elfaß), ohne Jahreszahl, S. 361. — [4] Leipziger Monatfchrift für Textil-
Sr u m , e r
Induftrie 1904, S. 18; 1905, S. 88. *ß -
Flechtenblau ( L a c k m u s ) , durch Alkalien gebläuter roter Farbftoff mehrerer
Flechtenarten (f. F a r b f t o f f e , p f l a n z l i c h e , Bd. 3, S. 641).
Flechtenrot ( O r c e i n ) , eigentlich färbende Subftanz und Hauptbeftandteil
der Orfeille (f. F a r b f t o f f e , p f l a n z l i c h e , Bd. 3, S. 641).
Flechtmafchlne, f. F l e c h t a r b e i t e n .
Flechtzaun ( F l e c h t w e r k ) , zur Uferbefeftigung fowie bei der Wildbach-
verbauung zu Stauwänden verwendet, befteht aus runden Pfählen von 10—15 cm
Durchmeffer, die in 20—40 cm Diftanz von Mitte zu Mitte in den Boden ein-
gefchlagen und mit Strängen von grünen Weidenruten in der aus der Figur
erfichtlichen Weife umflochten werden.
„ Derfelbe erfetzt vielfach In geringer Höhe auf der
Krone der Regulierwerke und bei Abdeckung der Ufer-
böfchungen mit grünem Weldenftrauch die Fafchinenwürfte;
das darunter liegende Strauchwerk bekommt durch Flecht-
jaune einen feileren Halt. Ebenfo dienen fie als Stützlager
für Steinpflafterungen. Bei geringen Höhen werden die
Pfähle manchmal abwechfelnd in fchräger Richtung ein-
gefchlagen und umbunden; in der Regel treibt man fieL 1 , , ^ ,..«,,_,.„«,
fenkrecht ein, wodurch insbefondere das Herabdrücken der Ruten erleichtert wird. Sehr häufig
wird auch lebendes Flechtwerk, bei dem die Ruten wieder ausfchlage«. und anwachfen, verwendet.
Fleck, f. D e i c h v e r t e i d i g u n g , Bd. 2, S. 707. _ . „ „ , ,
Fleckausmachen, Befeitigung von Flecken aus Papier, Zeugftoff, Holz u.f.w.
Sind die Flecke dadurch entftanden, daß gewiffe Subftanzen, wie Wachs, Fette, nur
«nechanifch mit der Unterlage verbunden find, ohne deren Pigment zu verändern, fo gelingt
die Entfernung in der Regel fchon, wenn man fie mit Benzin, Aether oder reinen ätherifchen
Oelen (Lavendelöl, rektifiziertes Terpentinöl) wäfcht oder damit benetzt, auf beiden Selten mit
Ufchpapier bedeckt und fodann mit einem heißen Plätteifen darauf drückt. Um zu verhindern,
daß durch das Weiterdringen des Fettes unter dem Einfluß der Wärme ein wolkiger Rand um
nie befleckte Stelle entfteht, beftreicht man den Fleck ringsherum mit einer Löfung von Gummi
arabicum, die fpäter mit Waffer wieder ausgewafchen wird.
Aus wollenen Stoffen laffen fich frifche Flecke dadurch befeitigen, daß man kohlenfäure
Magnefla zu einem Brei anrührt, denfelben ca. 4 - 5 mm dick aufträgt, unter geringer Belaftung
eintrocknen läßt und fchließllch mit einem heißen Plätteifen erwärmt. Wachsflecke in wollenen
Zeugen werden am einfachften mit Spiritus angefeuchtet; das Wachs löft fleh dann beim Reiben
jn Pulverform ab. Bei Samt bedient man fich am betten eines Mulläppchens, das man mit
trockenem Sand füllt, erhitzt und den Samt vorflehtig damit reibt.
_, Von Oelfarbe, Harz oder Teer herrührende Flecke laffen fich mit Ochfengalle oder
Terpentinöl entfernen. Wenn die Flecke bereits eingetrocknet find, fo muffen fie zuvor mit
«ngefalzener Butter erweicht werden, die man mehrere Tage darauf fitzen läßt; auch Lhloroform
dient als Aufweichungsmittel. Fettflecke auf Papier werden am einfachften durch weißen Bolus
°<ler Cimollt, auf Holz durch gewöhnlichen Ton befeitigt, indem man die genannten Subftanzen
«juf die fleckigen Stellen ftrelcht und trocknen läßt. Weißliche, durch Feuchtigkeit entftandene
"ecke verfchwinden, wenn man mit einem feuchten Tuche Zigarrenafche aufreibt.
., , Zur Entfernung von Flecken aus echt gefärbten (ausgenommen fcharlachrot) Zeugen be-
gent man fleh häufig der fogenannten F l e c k k u g e l n , die aus In Weingeift gelöfter Seife,
Eigelb, etwas Terpentinöl und Walkererde, weißem Bolus (fo viel, als zur Konfiftenz erforderlich)
beliehen. Man wäfcht zuvor die Flecke mit warmem Waffer, überftreicht fie mit den Fleck-
u
* geln und wäfcht dann rein aus. Tinten- und Roftflecke, ferner Wein- und Obftflecke, über-
•-««»er, Lexikon der gehmten Technik. 2. Aufl. IV. 6
82 Fleckenmergel — Fleifdimarkt

haupt alle durch Pflanzenpigmente erzeugten Flecke auf u n g e f ä r b t e n weißen Zeugen ver-
fchwinden, wenn man fie in mäßig verdünnte Salzfäure taucht und dann auswäfcht. Bedruckte
und gefärbte Zeuge verlieren in den meiften Fällen die Farbe bei Behandlung mit Säuren; die
Herftellung der urfprünglichen Färbung ift fchwierig. Tinten- und Roftflecke laffen fich nur
fehr feiten Ohne Zerftörung des Pigments aus gefärbten Zeugen befeitigen. Rotweinflecke laffen
fich aus folchen oft fchon durch Wafchen mit lauwarmer Milch entfernen. Die Flecke von
manchen Rotweinen find indes widerftandsfähiger und verfchwinden erft nach mehrmaligem
Wafchen mit verdünntem Salmlakgelft Tinten- und Blutflecke auf Holz werden mit verdünnter
Schwefelfäure behandelt. Man läßt diefelbe kurze Zeit einwirken, wäfcht dann die Stelle mit
Waffer aus und reibt fie fchließlich mit Soda und Afche trocken.
Die Fleckenausmachung hat fich zu einer gewiffen Kunft herausgebildet. Außer den oben
fchon genannten Mitteln mögen noch folgende Erwähnung finden:
Die Fleckfeifen, im wefentlichen aus Seife, Ochfengalle und Qulllayarlndenextrakt be-
ftehend (Oallfeife), die Fleckftifte find aus den Fleckfeifen hergeftellt. Fleckwaffer beftehen aus
welngeiftigen Ammoniaklöfungen mit Terpentinöl u. f. w., aus Hypochlorltlöfungen (Eau de
JavelTe) u.f.w. In D i e t r i c h s Pharmac. Manual, Helfenberg, finden fich Vorfchriften fowie eine
umfaffende tabellarifch zufammengeftellte Anleitung zur Reinigung von Flecken. Bujard.
Fleckenmergel, in der Geologie graue, kalk- und manganreiche Mergel
mit zahlreichen dunkeln Flecken. Sie gehören der Liasformation der Alpen an
und werden an manchen Orten (bayrifche Alpen) zur Zementbereitung verwendet.
Fleckenporphyr, f. Q u a r z p o r p h y r .
Fleckfarbe, Mittel, um in Leimfarbenanftnchen befindliche Flecke zu
befeitigen; befteht aus gelöfchtem Kalke, Effigfäure und Waffer.
Fleckjaspis, f. Q u a r z .
Fleckfchiefer, Tonfchiefer und Phyllite, die in einer fcheinbar gleichartigen
Grundmaffe Flecke und Knoten von verfchiedener Form zeigen. Je nachdem
diefe die Form von Büfcheln oder Aehren zeigt, hat man die Fleckfchiefer auch
als G a r b e n - oder F r u c h t f c h i e f e r bezeichnet.
Die Flecke und Knoten find Anhäufungen von einzelnen Qemengteilen der Schiefer, fo
z. B. von Hornblende, Biotit, Chlorit, Eifenerz. Die Fleckfchiefer fcheinen aus Phylliten hervor-
gegangen zu fein, da, wo diefe mächtigere Qranitmaffive umhüllen. Demnach darf man fie als
kontaktmetamorphifche Veränderungen auffäffen. In viel höherem Maße gilt dies von den fo-
genannten Knotenfchiefern, die durch Einwirkung des granitifchen Magmas auf die umhüllenden
Tonfchiefer entftanden find. Die Knoten find kleine, hirfekorngroße dunklere Fleckchen, die
durch Anhäufung der färbenden Maffe der Tonfchiefer gebildet werden, alfo durch Eifenerz,
kohlige Subftanzen, Qlimmer. Der K n o t e n t o n f c h i e f e r ftellt den geringften Grad der Um-
wandlung durch den Granit dar. Je mehr man fleh diefem in der Schieferhülle nähert, treten
in dem Knotentonfchlefer in der Regel Andalufit oder Chiaftolith in den Knoten auf, und diefes
Stadium derUmwändlung wird C h l a f t o l i t h f c h i e f e r genannt. Noch weiter gegen den Granit
werden die Schiefer feinkrlftallin und reich an hellem Glimmer, auch wohl an Biotit; daneben
enthalten fie noch/Quarz. Weiter werden die Knoten weniger fcharf und das Eifenerz geht
in eine undurchilchtige fchwarze Maffe über. DiefeArt bezeichnet man als K n o t e n g l i m m e r -
f c h i e f er. Als höchftes Stadium der Umwandlung der Tonfchiefer ftellt fich unmittelbar am
Granit der H o r n f e l s ein. Die Schieferung ift hierbei ganz verloren gegangen. Die Hornfelfe
find fpröde, fehr harte, dichte oder fehr feinkörnige, fchwarze oder graue, auch wohl violette
. Gefteine.r Sie beftehen aus Quarz, Eifenglanz oder Magnetit nebft zahlreichem Andalufit, Biotit,
Turmalin u. f. w. C o m u b i a n i t ift ein aus Andalufit und Glimmer beftehender Hornfels. —
Eine befondere technifche Bedeutung wohnt den Fleck- und Knotenfchiefern nicht inne. Sie
werden häufig zur Straßenbefchotterung verwendet. : Leppta.
Fleckfeifen dienen zum Entfernen von Fettflecken und fettigen Schmutz-
flecken aus farbigen Stoffen. Die beften Fleckfeifen find die G a l l f e i f e n (f. d.);
andre haben Zufatz von Terpentinöl, Borax, und Tonerde. Den Wert der Gall-
feifen haben letztere nicht. S. a. F l e c k a u s m a c h e n .
Literatur: Deite, Handbuch der Seifenfabrikation, 2. Aufl., Bd. 2, S. 351. Deite.
Fleet, niederdeutfehe Bezeichnung für Zweigkanäle von Schiffahrtskanälen
oder für Entwäflerungskänäle aus Ländereien; auch f. v.w.. D i e l e (f. B a u er n-
häufer). . Padiutk.
Fleifchbefchau, f. N a h r u n g s m i t t e l k o n t r o l l e und S c h l a c h t h a u s ,
Fleifchdüngermehl von F r a y - B e n t o s ift ein Gemifch von Fleifch und
Knochenmehl, daher ftickftoff- und phosphorfäurehaltig (6,5—7,5 °/ Stickftoff 0

und 11—17% Phosphorfäure). Es führt im Handel den Namen F r a y - B e n t o s -


GuanO. . . Weit:
Flelfchextrakt, f. K o n f e r v i e r u n g (Nahrungsmittel).
Fleifchhackmafchine, -kelier, f. F l e i f c h w a r e n f a b r i k a t i o n .
Flelfchmarkt, gemeinfamer Verkauf des Fleifches in befonderen ftädtifchen
Gebäuden, M a r k t h a l l e n (f. d.) u. dergl.; vgl. a. Markt.
Fleifchräudierei — Fleifdtwarenfabrikation 83

Schon die Römer hatten getrennte Orte für das Schlachten der Tiere und für den Verkauf
oes Fleifches. In mittelalterlichen Städten waltete über letzteren befondere fanitäre Wachfam-
Keit. Für die bauliche Anlage der heutigen Fleifchmärkte find folgende Gefichtspunkte zu
Machten: Das Gebäude wird am beften aus Stein, Eifen und Glas erbaut; es fei hell und
'"•tig, mit Vorkehrung zur Abhaltung der Sonnenftrahlen und der Fliegen verfehen. Der Fuß-
boden fei wafchbar und undurchläffig (Zement, Afphalt, Steinzeug), die Innen- und Zwifchen-
wande, behufs Reinhaltung, aus härteften, glaflerten Backfteinen oder mit Plättchenbelag. Es
leien viele Zugänge und breite Gänge vorhanden. Die einzelnen F l e i f c h f t ä n d e oder Fleifch-
Dänke, durch Zwifchenwände getrennt und durch eiferne Gitter verfchließbar, erhalten eine
»reite von 2,25 m und eine Tiefe von 3,0 m. Nach vorn find fie mit einem Ladentifch aus
Steinplatten (Marmor, Schiefer u. f. w.) verfehen. An den Rückwänden und dem Gitter find
e a l < e n 2 u m
ii wL ^ Aushängen des Fleifches anzubringen. Wafferleitung zur Erhaltung der Rein-
lichkeit ift geboten. In einem Kellergefchoß würden Einzelgelafle zur Aufbewahrung der Vorräte
von Vorteil fein.
Literatur in den Fachzeitfchriften: Zeitfchr. f. Bauwefen, Berlin 1880 und 1881; Zentralbl.
d. Bauverw., Berlin 1891 und 1894; Deutfche Bauzeitung, Berlin 1867, 1873, 1883, 1891, 1893
Un
<l 1894. WeinbrtMHtr.
Flelfchräucherei, f. F l e i f c h w a r e n f a b r i k a t i o n und K o n f e r v i e r u n g .
Fleifchtell ( S p a l t e ) , der beim Spalten von Blöße oder Leder mit Hilfe
Q
e r Spaltmafchine abfallende untere Teil der Haut.
Die beim Spalten von Blößen oder fchwach angegerbten Häuten gewonnenen Spalte
n o c n
7rVu vollftändig durchgegerbt und dann wie die beim Spalten von fertigem Leder
ernaltenen Spalte zu geringeren Qualitäten Oberleder, Futterleder u. f. w. verwendet. PSfiler.
• Fleifchwarenfabrikation. Die hauptfächlich zur Fleifchwarenfabrikation
»cn eignenden Fleifchforten haben im Durchfchnitt den in beiftehender Tabelle
angegebenen Prozentgehalt an Waffer, ftickftoffhaltiger Subftanz, Fett und
A'che (knochenfrei berechnet).
™ H L [2] und [3] ift die große STICKFTOFF-
FLEIFCHFORTEN WAFFER HALTIGE FETTE AFCHE
Bedeutung des Fleifches für die SUBFTANZ
Ernährung auseinandergefetzt,
Vorauf wir verweifen. Ohne Sehr fetter Ochs . . 54,76 16,93 27,23 1,08
Mittelfetter Ochs . . 72,25 21,39 5,19 2,17
Magerer Ochs . . . 76,07 20,61 1,50 1,18
Fettes Kalb . . . . 72,31 18,88 7,41 1,33
Mageres Kalb . . . 78,82 19,86 0,82 0,05
Sehr fetter Hammel . 47,91 14,80 36,39 0,85
Halbfetter Hammel . 75,99 18,11 5,77 1,33
Fettes Schwein . . . 47,04 14,54 37,34 0,72
die Fäulnis. Bei der Fleifch- Mageres Schwein . . 72,57 19,91 6,81 1,10
warenfabrikation (Charcuterie) .
muß deshalb vor allem auf Befeitigung der Fäulnisbedingungen Bedacht ge-
nommen werden, um das Fleifch nach Bedürfnis zu konfervieren. Mittel dazu
find: Aufbewahren in einer Temperatur unter 0° C. und in reiner, trockener Luft,
Wafferentziehung (durch Pökeln, Räuchern, Dörren u. f. w . ) , antifeptifche 1Be-
handlung mit Chemikalien, infoweit diefelben nicht reichsgefetzhch verboten find
(Borax, Glyzerin, Kreofot, Salizyl, Salpeter, Salz u. f.w.), und Tötung der Bakterien
«n Fleifche durch Kochen und nachfolgendes Aufbewahren in luftdicht ver-
fchloffenen (verlöteten) Blechbüchfen. , ^ ^ „»h.„
„ Lediglich an der Luft getrocknetes Fleifch wird nur an wenigen Orten (Engadin
Bergamaskeraipen, den Hochebenen von Nord- und Südamerikau .f. w.) P^uziert.;.in Amerika
Pulverlfiert und Dreßt man getrocknetes Fleifch, das m Handel als Fleifchzwieback vorkommt.
W 5 Ä kümati chen Verhältniffe für derartige Prozeduren, <He
fehr trockene, die Verdampfung begünftigende Luft erhelfchen, nicht geeignet. ™ f ™ "
hauptfächlich das Einfalzen (PökelnJ, das Räuchern fowie Büchfenkonferven bei Herfte» ung der
[«genannten Dauerwaren der Charcuterie in den Vordergrund. In Lyon wurde die Da«emurft-
yarenfabrikatlon begründet. Die eigentlichen Charcutierwaren: ^ « » . ^ ^ » h S Ä h Ä
im B
Zeil i V ™ ™ aerieiDen strauDurg). uewonniicne DIU
l«n..EIfaß
tat l n
n
Nürnberg, Frankfurt, Regensburg u.Gewöhnliche
(Hauptfitz_derfelben_Straßburg).
t billigere
f. w. fabriziert. ImmerKochwürfte^werden
mehr bedient fich feit
die langer
Fabrl-
M a f c i n e n D i e
Maf hi di " - befonders in Braunfchweig, Thüringen und Weftfalen mit großem
nenbetrieb eingeführte Dauerwurftwarenfabrikation hat einen Fabrikationswert von vielen
M
»HÖnen Mark pro Jahr.
D a u
Mlfri, e r w u r f t (Salami, .Cervelat", Mettwurft) wird nicht gekocht, fondern aus einer
d " , " g von rohem gehackten Schweine- und Rindfieifch hergeftellt und geräuchert. Die deutfche
erw
u n

di "" urftfabrikatIon fleht unter ftrenger fanitärer Kontrolle. Die zur Wurftfabrikatlon notwen-
D ä r m e
Kewn werden hauptfächlich aus den Eingeweiden vom Schwein, Rind, Schaf und Kalb
n e n , n e
f n l a n H ' 'gnen Darmfchleimereien (Kuttlereien) gereinigt und eingefalzen(konferviert). Da das
"no. nicht genügend Därme produziert, fo werden diefe hauptfächlich aus Amerika importiert
84 Fleifdiwarenfabrikation

Das Schwein, deffen Fleifch und Blut die meiften Flcifch- und Wurftwaren liefert, muß
nach erfolgter Schlachtung unter Zufatz von Pechlauge heiß gebrüht werden, um die Borften
wegzufchaffen. Bei Dampfbetrieb verwendet man BrUhkcffcl mit Schlangenrohrcn, durch die
der Dampf in das mit Pech gefättigte Waffer einftrömt. Vorrichtungen zum Aus- und Einlieben
der Schweine in den Brühkefl'el durch Handkranen erleichtern die Arbeit wefcntlich. Die großen
Schweinefchlächtereien in Chicago (Libby Mc. Neill & Libby u. f. w.) benutzen eine fogenannte
Scraper-Mafchine (Fig. 1), um die Schweine borftenfrei zu machen. Die gefchlachteten Schweine
werden auf einer endlofen Laufbahn (a<J>) befeftigt und durch die Mafchine gezogen; b zeigt
ein kreisförmiges Dampfleitungsrohr, von dem durch feine Löcher der mit Lauge vermifchte
Dampf auf die Borften des Schweines geführt wird. Die (ich ftark federnden Schaber c, die
fich feft dem Körper des Schweines anpaffen,
befreien denfelben von den Borften, welch
letztere auf das durch eine endlofe Gelenk-
kette gerüttelte, oberhalb des mit Brüh-
dampf gefättigten Refervoirs e angeordnete
Sieb d fallen. In dem Refervoir oder ge-
fchloffenen Karten e befindet fich der Dampf-
fammlcr / , der nicht nur den Brühdampf
für die Borften, fondern auch den für das-
Dampfleitungsrohr b nötigen Dampf abgibt.
Der vom Refervoir e ausrtrömendc Brüh-
dampf vereinigt die durch das Sieb aus
dem Karten zu Boden gefchüttclten Borften,
die hierauf durch heiße Luft getrocknet und
in Säcke gefüllt werden. Ein Nachrcinigen
der Schweine unter den Schlegeln muß mit
Handfchaber vorgenommen werden, was
fehr rafch gefchieht. Das borrtenfreie Schwein
wird in den Fleifchkeller gebracht, um
4—6 Stunden auszukühlen, worauf die
Zerteilung erfolgt. Auch die Teile des gefchlachteten Rindes muffen, wenn zum Räuchern oder
zu Dauerwurrt beftimmt, gekühlt werden, während bei Kochwurrt das Rindflcifch in warmem
Zurtande gehackt werden m u ß , wodurch ergiebigeres Wurrtbrät erzielt wird. Gewöhnlich ver-
wendet man die vorher gepökelten Schwcinfchlegel zur Schinken- und die andern Teile zur
Wurrtfabrikation. Bei Ochfenfleifch verwendet man hauptfächlich das Filet oder Rückcnrtück
nach dem Pökeln desfelben zur Räucherung (Hamburger Rauchfleifch).
Das P ö k e l n war fchon zu Anfang des 15. Jahrhunderts bekannt. Das Fleifch wird in
eine Lake, die durch Kochen von Waffer und Salz mit 18—25° Salzgehalt hergeftellt wird,
gelegt und durch die antifeptifche Wirkung der Salzlöfung konferviert. Eine einfache Salzlöfung
irt die belle Lake, obgleich ein Zufatz von Salpeter dem Fleifch eine fchöne rote Farbe gibt
und Zuckerzufatz das Fleifch faftiger erhält. Die durch das Pökeln zu Verluft gehenden
Nahrungsrtoffe (Kalifalze, Phosphor und Eiweiß) find nicht unbedeutend. Langes Liegen in der
Salzlake veranlaßt außer den chemifchen Veränderungen des Fleifches auch eine größere Zähig-
keit desfelben. — Von dem gewöhnlichen Pökeln, bei dem das Fleifch in mit Lake gefüllte
Holz- oder Steinbottiche gelegt wird, unterfcheidet fich das Schnellpökelverfahren. Bei diefem
wird durch Fleifchfalzmafchinen die Lake auf mechanifchem Wege mit Gewalt in das Fleifch
hineingepreßt, meift in eifernen Gefäßen, die luftleer gepumpt werden, in welche die Lake ein-
tritt und mit großer Gewalt das Fleifch durchdringt, oder durch Einpumpen der Lake mit einer
Druckpumpe. Auch die Verwendung von Kohlenfäure unter hohem Druck (Kohlenfäureflafchcn)
irt praktifch, um Lake rafch in das Fleifch zu preffen; doch konnten diefe Prozeduren bis jetzt
das alte Pökelverfahren nicht verdrängen, weil ein gleichmäßiges Pökeln durch Druck aus-
efchloffen irt. Der Pökelkeller foil trocken, reinlich, hoch und luftig fein und nicht mehr als
<> R. Wärme haben. Da das Pökeln wärmere Luft als der eigentliche Eiskeller braucht, fo irt
ein doppelter Keller unerläßlich. Die bisherigen Fleifch- und Pökelkeller, mit Eis gekühlt, das
oben oder unten oder neben dem Kellergewölbe gelagert wird, find ungenügend. Reine Luft
irt errte Bedingung. Man verwendet datier bei größeren Betrieben hiskühl- oder Kaltluft-
mafchinen, die reine, trockene, kalte Luft den Kellern zuführen.
D i e K o n f e r v i e r u n g d e s F l e i f c h e s d u r c h K ä l t e hat fich vorzüglich bewährt.
Durch niedrige trockene Temperaturen bleiben G ü t e , Gefchmack und Ausfchen des Fleifches
unverändert; für gewiffe Zwecke wird das Fleifch fogar beffer. Größere zeitgemäße Schlacht-
höfe find daher gleich größeren Fleifchwarenfabriken mit Kühlanlagen [4] verfehen. — Während
bei mafchineller Kühlung die Luft ftets aufnahmefähig für Feuchtigkeit bleibt, Boden, Decken
und Wände u . f . w . wie auch das Fleifch felbft ftets eine trockene Oberfläche beibehalten und
hierdurch die Unmöglichkeit einer Anliedlung von Fäulniskeimcn vorliegt, herrfcht in den mit
Eis gekühlten Räumen eine mit Feuchtigkeit gefättigte Luft, und die von frifch eingebrachtem
Fleifch herrührende Feuchtigkeit fchlägt lieh an den kalten Wänden und Decken — insbefondere
an denen, die an den Eisraum grenzen — wie auch zeitweife an dem fchon gekühlten Flcifche
nieder und fchafft fo einen die Wucherung der Fäulnisbakterien begünftigenden Boden.
Nachdem das Fleifch je nach Qualität kürzere oder längere Zeit gepökelt wurde, wird
dasfelbe von der Lake gereinigt und getrocknet, um in diefem Zuftande als fogenanntes Sur«
fleifch (Salzfleifch) konfumiert oder Im Räucherofen weiter behandelt zu werden. Das Pökeln
irt notwendig, um das Fleifch für die im Rauch enthaltenen antifermentativen Stoffe aufnahme-
fähig zu machen. Die konfervierenden Beftandteile des Rauches find Kreofol, Phenol, Krefol,
Fleifdiwarenfabrikaüon 85

Effigfäure und weitere Produkte der trockenen Deftillation; die Wirkung diefer Stoffe wird durch
die Austrocknung untcrftützt. Zur Fleifchräucherung verwendet man Buchenfpäne und Sagemehl
fowie Erlenholz, je nachdem die Räucherung auf kälterem oder wärmerem Wege erfolgt. -
Zur S c h n e l l r ä u c h e r u n g eignet fich befonders Erlenholz, das, mehr brennend als rauchend
«• 1-1"/. m tiefer als das Fleifch im Räucherungsapparat gelegt wird der aus Stein oder Blech
konftruiert und ca. 2 m breit und 3 m hoch ift. Man ift imftande Heifch ,n 3-4 Stunden
Würfle in r _ i / , Stunde zu räuchern. Bei zu rafchem heißen Räuchern bildet fich edoc" eine
4

« h e Schicht auf der Fleifchoberfläche, und es kann weiterer Rauch behufs In »bare Kon-
fervierung nicht mehr in das Fleifch eindringen. Auch verwendet man zur Sc nellräuchere
Kreofot und Holzeflig; dies ergibt aber kein feines Fabrikat. - Das K a i t r ä u c h e r n erzeugt
das Fabrikat langfamer aber haltbarer und ift mehr im Gebrauch. Die b e t r e f e n d e A n l a g e
turmartig, zwei bis drei Stock hoch und mit dem Fabrikgebäude verbunden. mKeHergclcoß
vollzieht fich die Raucherzeugung und darüber im erften, zweiten dritten Stock liegen.vier-
eckige oder abgerundete, gleich große Räucherkammern, in die der Rauch mittels Gitterotfnungen
geleitet wird. Die Räucherkammern befitzen Luftabzüge, um den verbrauchten Rauch nach außen
z
u führen. Bei der Räucherei für Daucrwurft befinden fich noch auf dem feuerficheren Boden
der einzelnen Rauchkammern ca. 30 cm hohe und 20 cm breite offene R au ch k an ae, die in
Schlangenwindungen den Boden bedecken. Diefe Kanäle werden mit Sägemehl gefüllt und das-
felbe an den beiden äußerften Enden der Kanäle entzündet, wodurch- der Rauch fich gleich-
{gehängten Würfte verbreitet; der Arbeitsprozeß erfordert pein liehe Auf-
merkfamkeit - Schwelnefletfch, weil fett eignet fich am beften z u m J g g g ' Ochfen- ^ j ^ und D e r

Kalbfleifch weniger und dürfen letztere dem fcauche w b » Z e ^ " W g ^ J S d i e A l i s .


Nährwert des Fleifches erleidet durch das' W ^ ^ g ^ W l Ä u ^ ^
d i c
"elfchfafer

diefe E allein
Zur WurfWabrikatlon verwendet man das F l e l f c n a ^
C ^g^^l^JSLSS^^ • • » " • * * clas-
F j 2 z e i t
e c
felbe mittels Fleifchwiegemafchinen oder H a c k m a f h n e n g e w , gt od g ™
r
eine P a t e n t ! l e i f c h w i e g e m a f c h i n e von G e b r . L T " M ^ " T n i nur das Fleifch
c h t

neun Klingen gebaut wird. Diefe Mafchine wendet durch Vorncmuni, Mafchlne
tadellos nach der Mitte des Wiegeblockcs c ein, fondern ftre.cht auch das cur
vom Blocke auf den Kranz herab-
gedrängte Fleifch wieder felbft-
tätig hinauf. Der Hauptantrieb
mit Voll- und Leerfcheibe erfolgt
bei a, von wo aus gleichzeitig
der untere Antrieb <i, zur Wiege-
olockdrchung und die Schwung-
räder / / , in Umlauf gefetzt wer-
den, welch letztere den Betrieb
der Fleifchwiegemeffer b durch
d'eFührungsftangene<?i bewirken.
D
e r Wiegeblock c, der lieh während
des Betriebes durch Antrieb a, in
Verbindung des Zahnradkranzes d
kontinuierlich dreht, läuft über
Köllen und kann durch Hand-
lr
,'eb h (in Verbindung mit einer
°elenkkettc) mit den Spindeln g
u n d
£, hoch und nieder geftcllt
werden. Die einzelnen Klingen
des Wiegcmeffers b können durch
Uo
Ppelfchrauben hoch und nieder
gefleht und ganz oder teilweife
W B. zum Schleifen) herausge Fig. 2
nomrnen
Chr"if" werden.
en. Die Maren!
w l : r u
wie mafchinenfabriken von K a r g e s - H a m m e r A.-G. in Braunfcliweig,
r
Pleif , ° . t m a n n in Arnftadt, A l e x a n d e r w e r k in RemTchcid u . a . liefern ebenfalls fehr praktifche
Wie i 'egemafchinen und verweifen wir auf deren Kataloge. Im Intereffe des Arbeiterfchutzes
l .der Fabrikation werden bei allen diefen Mafchinen nun Ausrückungsvorrichtungen ver-
a n

dau wodurch der ganze Mechanismus im Moment zum Stillftand gebracht werden kann, fo
C l e
fabrik x ' Wiegemeffer fofort auf jedem beliebigen Punkte flehen bleiben. Die Mafchinen-
AIIF, , B a r g e s - H a m m e r A.-G. in Braunfcliweig hat durch eine finnreiche Konftruktion diefe
A l , [
g a b e völlig gelöft.
rn-C Zur Fabrikation von Kochwürften hat in neuerer Zeit die R o t a t i o n s f l e i f c h f c h n c i d e -
v o n
in Av• C , e n E . S c h o t t in Kirchheim u. T. (Württemberg) und der Mafchinenfabrik M a l f c h
Sie a l? -' g ° ß e n Eingang gefunden. Fig. 3 zeigt die Schottfche Fleifchfchneidemafchine.
r

kurz« y ' ? * geräufchlos und fchneidet das Fleifch durch vier dünne runde Mefferfcheiben a in
einer«;» ' ^ ' E'eifch in 12—20 Minuten). Die vier runden Mefferfcheiben find einzeln auf
Z t r

nie tahlachfe * feftgefchraubt, deren Lagerung nebft Führungsbüchfen mit einer das Fleifch
v
e u n r e i n i e n
für p / g d e n Schmiervorrichtung verfehen ift. Die Mefferfcheiben drehen fich frei, jede
a u f u e r
Wicphi' '' eignen Achfe und überfchneiden während des Betriebes die Oberfläche des
c d e r
Floif i ' durch einfachen Zahntrieb d fich kontinuierlich dreht. Dadurch, daß das
ich durch die Arbeitsweife der Meffer nicht gequetfeht, zerriffen, gedrückt oder geftoßen,
86 Fleifchwarenfabrikation

fondern gefchnitten wird, verändert fich die natürliche Farbe desfelbcn in keiner Weife. Die
exzentrifche Stellung der Meffer macht die Bedienung der Mafchine gefahrlos, und kann das
Fleifch während des Betriebes von oben nach unten gewendet werden. Die große Bindekraft,
die man bei frifchgefchlachtetem, fofort verarbeitetem warmem Fleifche mit diefem Apparat
erhält, liegt hauptfächlich darin, daß fich das
Fleifch während des Fleifchfchneidens abkühlt. _ %

H g . 3. Fi?. 4.

Der Antrieb der Mafchine, die ca. 2 PS. erfordert, erfolgt durch Riemenfeheiben ee und einfachen
Zahnradtrieb / , und der Block kann durch Spindeltriebe holier oder tiefer geftellt werden.
Zur weiteren Verarbeitung des Flei fches zu Wurflbrät werden auch F l e i f c h h a c k m a f c h i n e n
verwendet, die durch das Fallen des vier- bis neunfachen Wiegemeffers von oben das Fleifch
zerhacken (Syflem S c h o t t , Kirchheim u. T.). Durch ein folches Zerhacken wird das Fleifch
in allen feinen Muskelfafern gelockert und zerteilt und ein für Kochwurft fehr ergiebiges Brät
erzielt. Gleich diefer Mafchine exiftieren noch verfchiedene Syftetne von Fleifchhack- und
Schneideniafchinen, zu denen auch der F l e i f c h w o l f gehört, ferner der in neuefler Zeit viel
verwendete F l e i f c h c u t t e r (Fleifchfchnellfchneidemafchine), der in einfacher, Zwillings- und
Drillingsausführung gebaut wird. Diefe Mafchinen werden vom A l e x a n d e r w e r k R e m f c h e i d ,
S c h e f f e l & S c h i e l in Mülheim a. Rh., K a r g e s - H a m m e r A.-G. in Braunfchweig u. f. w. ge-
baut, auf deren Profpekte wir verweifen.
Hat das Fleifch durch Zerfchneiden oder Hacken die Form des Wurftbrätes erhalten, fo
wird dasfelbe unter mehr oder weniger Zufatz von Waffer und Gewürzen in die Fleifch-
mengemafchine gebracht, um in diefer Mafchine kräftig gemifcht und geknetet zu werden.
K a r g e s - H a m m e r A.-G. in Braunfchweig und W e r n e r & Pf l e i d e r e r in Cannflatt liefern
derartige Mafchinen nach eignen Patenten (f deren Kataloge). Nachdem die Mifchung vollzogen,
wird das nun fertige Wurflbrät in die Wu r f l f ü l l m a f c h i n e gebracht. Fig. 4 zeigt eine der-
artige Mafchine (Patent der Firma K a r g e s - H a m m e r A.-G. in Braunfchweig); fie arbeitet mit
einer Füllung von 40 kg Wurflbrät und das Brät wird durch Oeffnen der Flügelfchrauben a in
den Zylinder b eingefüllt. Der in dem Zylinder befindliche Kolben wird von unten nach oben
mittels Zahnflange getrieben und die Därme über das Zylinderrohr c gefchoben, aus dem das
Brät in den Darm gepreßt wird. Durch die gleichmäßige Preffung ifl ein Platzen der Därme
kaum möglich und vollzieht fich die Füllung fehr fchnell, weil der Arbeiter beide Hände zur
Führung des Darmes benutzen kann. Durch Hebung des Fußtrittes d kann die Kolbenpreffung
fofort abgeflellt und damit ein weiteres Nachpreffen verhütet werden. Stufcnfcheiben geflattcn
das Füllen mit wechfelnden Gefchwindigkeiten. — Amerikanifche Fleifchwarenfabriken benutzen
Wurflfüllmafchinen mit direkter Dampfwirkung und Selbflfteuerung; jedoch wird dabei der
Füllzylinder und das Brät erwärmt, was das Anfehen des Brätes (z. B. bei Dauerwurfl) fchädigt.
Die Verwendung von Speckwürfeln ill bei Kochwurft, insbefondere aber bei Dauerwurfl, not-
wendig und werden diefe Würfel durch eigne S p e c k f c h n e i d e m a f c h i n e n gefchnitten. Das
Grundprinzip folcher Mafchinen, die von den meiflen der angeführten Fabriken gebaut werden,
befleht darin, daß Speck in einen durch Flügelfchrauben zu Tchließenden horizontalen eifernen
Kalten eingelegt und durch einen dem Kaflen fich anpaffenden Kolben gegen das Mundloch des
Kadens und dort durch ein Meffergatter, beflehend aus kleineren oder größeren Quadraten,
gepreßt wird, um beim Austritt aus demfelben durch flügeiförmige Meffer in Würfel gefchnitten
zu werden.
Nachdem die Därme gefüllt und in beflimmte Längen abgebunden find, werden Dauer-
würfle geräuchert, Kochwürlle dagegen in den Fleifchkochapparat gebracht, der aus einem
Dampfkochkeffel mit doppeltem Boden (f. D a m p f k o c h a p p a r a t e ) oder aus einem Keffel mit
direkter Feuerung befleht. Die in neuerer Zeit eingeführte K o n f e r v i e r u n g in B l e c h d o fen
hat fich für die heißere Jahreszeit und den Export bewährt; tie bcfleht darin, den Luftabfchluß
Fleifchwolf — Fliefenpflaßer 87
n a c h f o J
F«ii g e n d e r keimtötender Behandlung durch Kochen der Büchfen mit Inhalt oder durch
r
««en mit Konfervlerungsfalzlöfung herbeizuführen.
u t e r a t u r
niA i : [II Ranke, J., Die Ernährung des Menfchen, München 1876. — [2] Merges, N.,
4

internationale Wurft- und Fleifchwarenfabrikation, Wien 1899; Hausner, A., Die Fabrikation
0
J !.Konferven, Wien. — [3] Wenger, Georg, Chemie und Technik Im Fleifchergewerbe, Wien
4
J " ~ J 1 Denkfchrift der Gefeirfchaft für Lindes Eismafchinen, Wiesbaden 1903; Eppner, J. (
t f c h e
f.h.ii U Wurftfabrikation, Weimar 1881; Merges, Lehrbuch der Wurft- und Fleifchwaren-
wbrikation, Leipzig (ohne Jahreszahl). Otut.
Fleifchwolf, f. F l e i f c h w a r e n f a b r i k a t i o n .
Fleuret, f. S e i d e n f p i n n e r e i .
Flickbetrieb der Straßenunterhaltung beruht auf der fortlaufenden Aus-
oeirerung der Straßenoberfläche durch Ausfüllen der Mulden, Schlaglöcher und
m i t S c h o t t e r w o b e i d a s
«ff II » Einfahren und Glätten diefer neu befchotterten
stellen dem Straßenfuhrwerk überlaffen bleibt und nicht wie beim D e c k e n -
p e t r i e b (f.d.) durch Einwalzen mit Straßenwalzen erfolgt (f. S t r a ß e n U n t e r -
haltung). L.*.wmm.nn.
Fliegende Brücken, f. F ä h r e n .
Fliegende Gerflfte, f. B a u g e r ü f t .
Fliegende Glelfe, f. F e l d e i f e n b a h n e n .
... Fliegenpapier, früher mit arfenigfaurem Alkali, jetzt allgemein mit einer
ADkochung von Quaffiaholz getränktes Löfchpapier, das, angefeuchtet und mit
Mucker beftreut, zur Vertilgung der Stubenfliegen dient. Kraft.
Fliegenfteln, f. A r f e n .
_ Flieger oder Topklüver, ein für Segeljachten gebräuchliches Vorfegel, das
ar
n Stengeftange vom Top der Stenge gefahren wird; f. B e f e g e l ü n g .
. Fllegrahmenniafchine. Vorrichtung zum Rauh- und Klarfchleifen von
Spiegeltafeln.
v . pie Mafchlne wird durch eine horizontale Welle mit konifchem Zahnrad bewegt. Eine
vertikal flehende Welle überträgt mittels Kurbeln die Bewegung auf zwei horizontal unter
m n { r e i flcn
amf 'j' bewegenden Kugeln beteiligten viereckigen Rahmen angebrachte Führungs-
«nne, die, der Bewegung des Rahmens folgend, ihrerfeits die auch bei der Handarbeit üblichen
t r a e n a u f d i e
ZANF 8 ' das Oberglas fixiert ift. Die Kalten felbft find In ihrem Mittelpunkt in
faßten: drehbar. Die Bewegung der Mafchlne Ift eine doppelte, da das Oberglas außer der
i e u r b e l
verfi r ^ direkt erteilten Bewegung noch in Rotation um den Zapfen des Schleifrahmens
wird S o w o n l d ,
Oh I i- - e Höhe der Führungsarme oder, mit andern Worten, der Abftand des
8 v o n d e r abzu
kaft «*chlelfenden Fläche als auch der horizontale Abftand der beiden Schleif-
v o n e i n a
hsit ? n d e r laffen fich nach Erfordernis regulieren, wodurch es möglich wird, in ver-
', '"ismäßig kurzer Zelt bei einer Gefchwindigkeit von etwa 35 Umdrehungen der Führungsarme
«ucn die größten Gläfer an allen Stellen ihrer Oberfläche gleichmäßig abzufchlelfen. Andi».
Fliehkraft, f. Z e n t r i f u g a l k r a f t .
. . FHefen, unglafierte oder glafierte Tonplatten von meift quadratifcher,
V n a n < r e r 7 rm v o n £ e r
beliebt "ft ^ ° * * ° > ' reguläre achteckige u n d fechseckige
l a < i e r t e
dan , ^ FHefen werden hauptfächlich zur Bekleidung von Wänden benutzt, und find
r e o f t m i t e i n e m flch
die R i i r wiederholenden Mutter dekoriert. In feltenen Fällen werden
a u c n
farhi zufämmenhängend mit größeren Gemälden verfehen, und zwar fowohl ein-
; e t w a i n B , a u u n t e r G l a u r
dera » ' . nach Delfter Art, als auch mehrfarbig. Neuerdings werden:
T o n , a
dprf i K P t t e n auch an paffenden Stellen In Möbel eingelegt, um eine farbige Dekoration
g e

herb
zu? v i r
efzuführen. Die einfarbigen, datierten FHefen werden augenblicklich vielfach*
™ Verkleidung von Hausfluren, Fenfterbrüffungen der Schaufenfter und ähnlichem benutzt,
W e r t d a r a u f
Str«if gelegt wird, daß die farbige Glafur mehr oder weniger verlaufene
««eilen u . f . w . aufweift; die Ausbildung der letzteren erfolgt entweder ausfchließllch durch
o d e r
r
8w

e n
dadurch, daß beim Aufbringen der Glafur die Glafurmaffd ungleich dick auf-
i r k

o d e r
u n

d a ß a n
orfil einzelnen Stellen die Glafurmaffe teilweife wieder mit Hilfe eines Schwammes
" „ " « « g l . entfernt wird. Unglafierte FHefen dienen In erfter Linie zu Bodenbelägen; fie muffen
m z
unH\A weck gegen Abnutzung möglichft wlderflandsfählg fein, fich leicht reinigen laffen
dürfen nicht glatt werden. Diefen Anforderungen entfprechen in befter Weife die trocken
e n
ritii : Tonplatten nach Mettlacher Art und die mit Rlffelung verfehenen nachgepreßten
'•'«'platten (f. T o n w a r e n ) . mmmitr.
, • . FHefen, f c h w e d i f c h e , . dünne Platten eines bläulichen Kalkfteins der
»lurifchen Formation Schwedens.
... Als S o l l i n g e r F H e f e n bezeichnet man dünne Platten von rotbraunem oder rotgrauem,
N I g e m
Fi, K I Buntfandftein, die aus dem Sollinger Wald bei Holzminden flammen und zum
a 2 u r a
FAFTI I &» D chdeckung u. f. w. verwendet werden. Das Material befitzt eine mittlere Druck-
«eitigkeit von 557 kg auf 1 qcm und nimmt 3,2o/ WafTer auf. uppia. 0

Fliefenpflafter, f. S t r a ß e n b a u .
88 Fließen fefter Körper — Fließfiguren

Fließen feiler Körper nannte zuerft T r e s c a die Formänderungen, welche


Metalle und andre fefle Körper ähnlich den Bewegungen flüffiger Körper zu-
lafTen, wenn fie genügend hohen Drücken ausgefetzt werden [1].
Der Druck auf der Oberfläche pflanzt fich wie bei Flüffigkeiten, wenn auch nicht nach
denfelben Gefetzen, im Innern fort, und bei genügender Größe desfelben findet ein Abfließen
nach der Seite, durch Mündungen u. f. w., überhaupt nach denjenigen Stellen ftatt, wo der
geringfte Widerftand entgegengeietzt wird. Die Technik hat von diefer Eigenfchaft fefter Körper
von jeher Gebrauch gemacht (beim Walzen, Drahtziehen, Stanzen, Lochen u.f.w.), doch wurde erft
von T r e s c a eine einheitliche Unterfuchung und Beurteilung des Fließens angebahnt. Er ver-
folgte experimentell die unter verfchledenen Verhältniffen entftehenden Veränderungen und
fuchte den Vorgängen auch theoretifch nahe zu kommen, wobei die aus Verbuchen entnommene
Unveränderlichkeit des Gefamtvolumens als allgemeinfter Ausgangspunkt diente. Auch wies
bereits T r e s c a auf die Folgen hin, welche fich aus dem Fließen fefter Körper für die Er-
klärung geologifcher Erfcheinungen ziehen laffen. Diefe wurden befonders von T y n d a l l [12]
in der Gletfcherkunde und von H e i m [13] bei Erklärung der Gebirgsbildung verwertet. Mehr
und mehr faßte man den Begriff des Fließens fefter Körper allgemeiner auf, indem alle erheb-
licheren bleibenden Formänderungen (Strecken, Quetfchen u. f. w.) in der Bezeichnung ein-
gefchl offen wurden. Mit einfchlagenden Fragen haben fich neben T r e s c a befonders K i c k ,
B a u f c h i n g e r , K I r f c h , vom theoretifchen Standpunkte auch S a i n t - V e n a n t , R e j t ö und
M o h r befchäftigt. Beifpielsweife hat M o h r bei Beurteilung der Umftände, welche dieElaftizitäts-
grenze und den Bruch des Materials bedingen, die Ergebniffe von Fließverfuchen herangezogen
(vgl. Feftigkeitsbedingung). Die wichtigfte allgemeinere Literatur ift unten angegeben. Selbft-
verftändlich gehen zahlreiche Werke und Aunätze aus den Gebieten der Feftigkeitslehre und
mechanifchen Technologie auf einzelne Fälle und Fragen des Fließens ein; f. a. Fließgrenze,
Druckverfuch, Zerreißverfuch, Proportionale Widerftände, Elaftifche Nachwirkung, Elaftizitäts-
grenze, Dehnung u. f. w.
Literatur: [1] Tresca, Memoire sur l'ecoulement des corps solides, Annales du Con-
servatoire des arts et mutiere, 1865 - 6 6 , S. 9 (Auszug: Compt. rend., 1864, LIX, S. 754). —
[2] Tresca, Circonstances que presente l'ecoulement de la glace, soumise ä de fortes pressions,
Compt. rend., 1865, LX, S.398. — [3] Tresca, Sur l'ecoulement des corps solides, Compt. rend.,
1867, LXIV, S. 809. — [4] Tresca, Sur les applications de l'ecoulement des corps solides au lami-
nage et au forgeage, Compt. rend., 1867, LXIV, S. 1132. — [5] Tresca, Sur {'application des formules
generates du mouvement permanent des liquides a l'ecoulement des corps solides, Compt. rend.,
1868, LXVI, S. 1027, 1244. — [6] Tresca, Memoire sur le poinconnage des metaux et la th<k>rie
mecanique de la deformation, Compt. rend., 1869, LXVI1I, S. 1197. — [7] Tresca, Memoire sur le
poinconnage de metaux et des matteres plastiques, Compt. rend., 1870, LXX, S. 27. — [8] De Saint-
Venant, Sur retablissement des equations des mouvements Interieurs oplres dans les corps solides
ductiles etc., Compt. rend., 1870, LXX, S. 423. — [9] Tresca, Etude sur la torsion prolongee au delä
de la limite de l'eiasticite, Compt. rend., LXXIII, S. 1104. — [10] Tresca, Resultats des experiences
de flexions faltes sur des rails en fer et en acier au delä de la limite de l'eiasticite, Compt. rend.,
1871, LXXIII, S. 1153.— [11] Tresca, Sur le rabotage des metaux, Compt.rend., 1871, LXXIH, S. 1307.
— [12] Tyndall, Das Waffer in feinen Formen als Wolken und Flüffe, Eis und Gletfcher, Leipzig
1873, S.77, 101 u. f.w. — [13] Heim, Untersuchungen über den Mechanismus der Gebirgs-
bildung, Bafel 1878, S. 89 (f. dagegen Pfaff, Der Mechanismus der Gebirgsbildung, Heidel-
berg 1880, S. 127). — [14] Kick, Technologifche Studien über Materialien und deren Form-
änderungen, Technifche Blätter 1881, S. 150, 185; 1882, S. 150, 215. — [15] Mohr, Ueber die
Darfteilung des Spannungszuftandes und des Deformationszuftandes eines Körperelements und
über die Anwendung derfelben in der Feftigkeitslehre, Civilingenieur 1882, S. 113. — [16] Tresca,
Note sur recrouissaee et la variation dela limite de l'eiasticite, Compt.rend., 1884, XCIX, S. 351.
— [17] Kick, Das GeTetz der proportionalen Widerftände und feine Anwendungen, Leipzig 1885,
S. 75. — [18] Baufchinger, Ueber die Veränderung der Elaftizitätsgrenze und der Fettigkeit des
Elfens und Stahls durch Strecken und Quetfchen u. f. w., Mitteilungen u . f . w . , Heft XIII,
München 1886. — [19] Kirfch, Beitrag zum Studium des Fließens, Insbefondere beim Eifen und
Stahl, Mitteilungen aus den Kgl. Verfuchsanftalten zu Berlin 1887, S. 69; 1888, S. 37; 1889, S.9.
— [20] Lehmann, Molekularphyfik mit befonderer Berückfichtigung mikrofkoplfcher Unter-
suchungen, I, Leipzig 1888, 5.57. — [21] Chaudy, Formule du travail de deformation dans le
laminage et le martelage, Memoires de la societe des Ingenieurs civils 1894, I, p. 47. —
[22] Kirfch, Ueber den Flüffigkeitsgrad fefter Körper, Zeitfchr. d. öfterr. Ingen.- u. Arch.-Vereins
1896, S. 156. — [23] Hartmann, Distribution des deformations dans les metaux soumis ä des
efforts, Paris 1896. — [24] Rejtö, Die innere Reibung der feiten Körper als Beitrag zur theoretifchen
mechanifchen Technologie, Leipzig 1897. — [25] Martens, Materialienkunde für den Mafchinen-
bau, I, Berlin 1898, S.67, 191, 229 u.f.w. - [26] Heyn, Die Umwandlung des Kleingefüges
bei Eifen und Kupfer durch Formänderungen in kaltem Zuftande und darauffolgendes Aus-
glühen, Zeitfchr. d. Vereines deutfcher Ingenieure 1900, S.433. — [27] Thallner, Konftruktions-
ftahl, Freiberg 1904. — [28] Mohr, Abhandlungen aus dem Gebiete der technifchen Mechanik,
Berlin 1906, s. 209 (f. a. P r o p o r t i o n a l e W i d e r f t ä n d e ) . Weyrauch.
Fließfiguren, Erfcheinungen, die, mit bloßem Auge wahrnehmbar, an der
Oberfläche fefter Körper bei deren mechanifcher Beanfpruchung zutage treten,
fobald die Beanfpruchung die Fließgrenze des Materials überfchreitet.
Ift die Oberfläche des beanfpruchten Körpers unbearbeitet, z. B. bei Walzelfen mit fo-
genanntem Hammerfchlag überzogen, fo zeigen die Fließfiguren fich darin, daß die Hammer-
fchlagfchicht, weil fie fpröde und weniger formänderungsfähig ift als das darunterliegende
Fließfiguren 89

Metall, von diefem abfpringt und helle Streifen hinterläßt. Derart find die Fließfiguren zuerft
von L ü d e r s beobachtet und als .Abwurffiguren" bezeichnet [1]. Unter Einwirkung feuchter
Luft rollen die von dem Hammerfchlag befreiten Stellen leicht und die Fließfiguren treten dann
durch die Roflfärbung meifl fehr fcharf hervor (f. Fig. 1). War die Oberfläche des Stückes vor
der Beanfpruchung fauber poliert, fo
geben die Fließfiguren fich durch
Spiegelungen
^ r r r y r ^ r ^ — ^ zu erkennen,
e l c h e davon
W

Fig. 2. herrühren, Angeroftete Fließfiguren.


daß einzelne
Maffenteilchen gegen die urfprünglich ebene Oberfläche zurücktreten, und zwar zuweilen fo
weit, daß man die Unebenheiten fühlen kann. Nach E w i n g und R o f e n h a i n , die auf Zug,
Druck undVerdrehen bcanfpruchte Proben mikrofkopifch beobachteten, gleiten mit dem Beginn
der bleibenden Formänderungen die einzelnen Teile der Körner in zueinander parallel flehenden

Fließfiguren in Barfffcher Fig. 4. Fließfiguren, am Kopf F i g . 5 . Fortfehreiten derFließ-


Schicht. eines Zerreißltabes b e g i n n e n d . figuren beim Zerreißftab.

Ebenen (f. Fig. 2) [2], [3]. P o h l m e y e r erhielt fehr fcharfe Fließfiguren dadurch, daß er die
bearbeitete Oberfläche der Probefläbe vor der Beanfpruchung durch Glühen in Wafferdanipf
gilt der fogenannten B a r f f f c h e n Schicht überzog, die dann beim Verfuch in fcharf begrenzten
Streifen abfprang (f. Fig. 3) [4]. H a r t m a n n [5], [6] berichtet über Verfuche der franzölifclien
Artillerie, bei denen zur Hervorbringung der Fließfiguren polierte Stahlfläbe vor der Be-
anfpruchung bei 100—200° C. fchwach anlaufen gclaffen und nach der Beanfpruchung mit
fehr feinem Schmirgelpapier
abgerieben wurden.

Flg. 8. Fig. 9. Fig. 10.


Fig. 6 -11. Verfchiedenartige Fließfiguren auf flachen Zerreißfläben.
Im wefentlichen beftehen die Fließfiguren aus nebeneinander verlaufenden «nd I c h
kreuzenden Linienfyftemen, deren Form von der Art der Beanfpruchung abhängt. Be Zerre»
verfuchen mit Flachfläben z. B. treten lie häufig zuerft als einzelne fchmale Streifen « « M » * *h
und zwar meifl in der Nähe eines Stabkopfcs oder beider K o p f e / » g l e i c h . Die Sl eifen bilden
h erbei mit der Zugrichtung (Stabachfe) Winkel von etwas über 45» und äffer. bch medt M
allen vier Flächen um den Stab herum verfolgen Bleibt d a s . S p a n n w e r ^
Tätigkeit, fo verbreitern fich die Streifen entweder oder es ^ ^ T j Ä C
Abftande von den zuerft entftandenen oder quer zu ihnen neue Streifen auf, flet.g oder lprung
Weife fortfchreitend
»ber die ganze Länge
oes Stabes (f. Fig. 5).
u
. ' c weitere Aus-
bildung der Fließ-
"giiren beim Zer- Oberflächenerfcheinungen, beim Bearbeiten d e s Stabes auf der Hobelmafchine
reißverfuch ift, wie Fig. 12. entftanden.
die Fig. 6—11 zeigen,
außerordentlich verfchieden. Die Urfachen für diefe verfchiedenartige Ausgeftaltung bei gleich-
artiger Beanfpruchung lind noch nicht erforfcht; wahrfcheinlich lind fie in ungleichmäßiger
der voraufgegangenen mechanifchen Bearbeitung und Wärme-
00 Fließfiguren

fetzung zu fuchen. So zeigen z. B. die moir£artigen Fließfiguren Fig. 11 auffallende Aehnlichkeit


mit dem Ausfehen der Staboberfläche Fig. 12, das lediglich beim Abarbeiten auf der Hobel-
mafchine entftanden und eine Folge ungleichmäßiger chemifcher Zufammenfetzung (Phosphor-
abfonderungen) ift. Wird das Spannwerk der Mafchine während des Entftehens der Fließfiguren
mit gleichbleibender, mäßiger Gefchwindigkeit betrieben, d. h. der Probeftab langfam gedehnt,
fo pflegt die hierzu erforderliche Kraft etwas geringer zu fein, ars die Kraft beim Entdehen der
erften Fließfiguren war. Zuweilen fchwankt fie auf und ab. Ihr ftetiges Anwachfen bis zur
Höchft- und Bruchlad tritt erft dann wieder ein, wenn die Fließfiguren über den ganzen Stab
fich erftrecken. Mit dem ftetigen Anwachfen der Kraft verfchwinden die Fließfiguren auf den
polierten Oberflächen wieder; die Oberfläche bekommt glanzlofes, rauhes Ausfehen.
H a r t m a n n [5| behandelte die glattpolierte Oberfläche feiner Probeftäbe während der
Beanfpruchung mit verdünnten Säuren und beobachtete hierbei:
1. daß gleiche Linien wie bei den Fließfiguren fchon vor Ueberfchreitung der Streck-
grenze auftreten;
2. daß die Zahl der Linien mit wachfender Beladung zunimmt, daß aber die einzelnen
Linien ihre urfprüngliche Neigung zur Kraftrichtung dauernd beibehalten und daß diefe Neigungs-
richtung auch in dem Verlauf der Anbrüche und Bruchflächen zutage tritt;
3. daß die Größe des Neigungswinkels dem Material eigentümlich und bei gleichmäßiger
Beladung von der Form des Körpers und der Gefchwindigkeit der Beanfpruchung unabhängig id.
H a r t m a n n folgert hieraus, daß die äußere Kraft auf diejenigen Materialtcilchcn wirkt, die
zur Kraftrichtung in einem bertiinmten Winkel liegen, und daß die Linien die Richtung angeben,
in der die Kraftvermittlung in dem beanfpruchten Material erfolgt. Er nennt fie daher .Kraft-
linien". In ihrem Auftreten dellte er zuerd folgende Gefetzmäßigkeit fed: Bei reiner Zug-
bcanfpruchung entdehen auf der Oberfläche der Flachdäbe zwei geradlinige regelmäßige Linien-
fydeme, die fich kreuzen und mit der Kraftrichtung einen Winkel « bilden, der bei Metallen
größer id als 45°. Bei zylindrifchen Zerreißdäben find die Kraftlinien Schraubenlinien, deren
Tangenten mit der Erzeugenden des Zylinders eben-
falls den Winkel « bilden. Bei Druckbeanfpruchung
verlaufen die Kraftlinien nur dann regelmäßig, wenn
die Höhe oder Länge des Probedückcs nahezu gleich
deffen Breite id. Auf den vier Seitenflächen der
Würfel entdehen dann wieder zwei fich kreuzende
Sydeme gerader paralleler Linien; ihre Neigung zur
Kraftrichtung id aber nicht wie beim Zugverfuch
größer, fondern kleiner als 45°. Analog zeigen
die Mantelflächen zylindrifcher Druckproben wieder
Schraubenlinien, gleichgültig, ob die Zylinder aus
einem Stück bertehen oder aus einzelnen Scheiben
zufammengefetzt find ; auf den kreisrunden Endflächen
der Scheiben entdehen logarithmifche Linienfydemc.
Die Kraftlinien auf der Oberfläche von Kugeln mit
zwei angearbeiteten parallelen Druckflächen lind fich
kreuzende fphärifche Spiralen, deren Tangenten in
C ü nk C
Flg. 13. Entftehung der FIießfl uren bei
R

ftäben mit fcharfem Kopfanfatz.


« Flach- d n
p }}J}[ ^ \ "
" , e i
f >e n W i n k

id als 9 0 " . Bei teilweifcr Beladung oder wenn neben


C l b i , d n d e r k , e i
u
n C r

der äußeren Kraft die Formänderung hindernde Kräfte


einwirken, verlaufen die Kraftlinien nicht parallel, ihre Form hängt dann von der Natur der
hindernden Kräfte ab. — Stoßweife wirkende Kräfte verurfachen Kraftlinien gleicher Art wie
langfam wirkende Kräfte; die Länge der Linien nimmt aber bei gleicher Schlagarbeit ab mit
wachfender Gefchwindigkeit oder abnehmender Dauer des Stoßes oder Schlages; die Ge-
fchwindigkeit, mit der die Kraft im Material vermittelt werden kann, id alfo befchränkt.
Der vorerwähnte Einfluß der die Formänderung hindernden Kräfte auf die Art der Fließ-
figuren tritt deutlich bei der Abbildung (Fig. 13) eines Stabes zutage, deffen Breite bei gleicher
Dicke von dem einen nach dem andern Ende hin abgeduft war und der fo weit beladet wurde, bis
der därkde Teil gerade zu fließen begann [7]. Bei diefer Stabform wird die Beladung von dem
fchmaleren Stabteil nicht in ganzer Breite auf den breiteren Ubertragen, fo daß die Formänderung
des letzteren durch den Widerdand feiner nicht unmittelbar beanfpruchten Teile behindert id.
Man erkennt aus Fig. 13, daß hierbei zwei Hauptgruppen von Streifungen entdanden, nämlich
1. die annähernd unter 45° zur Stabachfe geneigten und 2. die von diefem abzweigenden und
nahezu fenkrecht zur Stabachfe gerichteten. Die erderen zeugen davon, daß beim r-ortfehreiten
des Fließens von dem fchmäleren Stabteil zum breiteren in letztcrem zuerd Fließen infolge der
Schubfpannungcn eintritt und daß die därkden Schubfpannungen von den beiden Abdufungs-
ecken ausgehen. Der von den Flächen mit größter Schubfpannung begrenzte dreieckige Teil
wird gewiffermaßen aus dem Ganzen herausgezogen. Außerhalb diefes Dreiecks id rechts und
links nur je eine, ebenfalls auf Schubfpannungen deutende Linie wahrzunehmen, alle übrigen
Fließfiguren liegen innerhalb des Dreiecks. In letzterem id alfo das Material zuerd geflohen
und demnach am därkden beanfprucht gewefen. Hierbei zeugen die fchräg zur Stabachfe
dehenden Streifungen wieder von Schubfpannungen, während die Querdreifungen durch Ueber-
fchreiten der Streckgrenze infolge von Zugfpannungen entdanden fein dürften. Da nun die
Stablängen innerhalb des Dreiecks nach der Stabmitte hin wachfen, fo werden die Zugfpannungen
demgemäß geringer, woraus das allmähliche Verfchwinden der Querdreifungen nach der Stab-
mitte hin erklärt werden kann. Beachtet man ferner, daß der fchmälere Stabteil an den Rändern
nur auf verhältnismäßig kurze Strecken Fließfiguren zeigt, fo id erklärlich, weshalb Brüche an
Fließgrenze — Floconnt 91

Konftruktionsteilen befonders dort vorkommen, wo fchroffe Querfchnittswechfel vorhanden find.


Diefes Beifpiel zeigt, wie die Lage und der Verlauf von Fließfiguren auf der Oberfläche im
Betriebe gebrochener Konftruktionsteile Fingerzeige bieten können, den Urfachen der Zerftörung
durch Ueberanftrengungen nachzugehen.
Eingehende Erörterungen über die Entftehung der Fließfiguren und die vermeintlichen
Urfachen ihres verfchiedenartigen Verlaufes auf Grund der Beobachtungen in der ehemaligen
Mechanifch-technifchen Verfuchsanftalt zu Charlottenburg finden fleh in den Arbeiten von
K i r f c h [8], M a r t e n s [4], [9] und R u d e l o f f [7]. Eine fehr ausführliche beachtenswerte Dar-
legung der Urfachen und Oefetze für die Entftehung der Kraftlinien gibt R e j t ö (6J, indem er
'eine Darlegungen über die molekulare Kraftvermittlung und innere Reibung fefter Körper
[10], [11] mit den Betrachtungen von H a r t m a n n [5] in Beziehung bringt.
Literatur: [1] Lüders, Ueber die Aenderung der Elaftizltät an flahlartigen Eifen- und
Stahlfläben und über eine beim Biegen folcher Stäbe beobachtete Molekularbewegung, Dinglers
Polyt. Journal 1860, Bd. 155, S. 18. — [2] Nature, 18. Mai 1899. — [3] Verfuchsergebniffe betreffs
per Kraftvermittlung, Gefügeänderung und Verfchiebung, Baumaterialienkunde 1899, S. 365. —
[41 Martens, Materiallenkunde für den Mafchinenbau, S. 67. — [5] Hartmann, Distribution des
deformations dans les metaux soumis ä des efforts, Paris 1896. — [6] Ueber die Entftehung der
Kraftlinien an den Oberflächen der beanfpruchten Körper, Baumaterialienkunde 1898,99, Bd. 3,
S. 77. — [7] Rudeloff, Unterfuchungen über den Einfluß voraufgegangener Formänderungen auf
die Feftigkeitseigenfchaften der Metalle, Mitteilungen aus den Kgl. techn. Verfuchsanftalten, 1901,
1. Ergänzungsheft. — [8] Kirfch, Beiträge zum Studium des Fließens insbefondere beim Eifen
und Stahl, ebend., 1888, S. 37.— [9] Martens, Unterfuchungen mit Eifenbahnmaterial, ebend., 1890,
H. Ergänzungsheft. — [10] Rejtö, A., Innere Reibung fefter Körper als abfolute Eigenfchaft und
die mit Hilfe derfelben abgeleiteten Formeln der Zug- und Druckdiagramme, Baumaterialien-
Kunde 1897/98, Bd. 11, S. 231. — [11] Kick, Fr., Ueber den Kongreß des Internationalen Ver-
bandes für Materialprüfung in Stockholm, ebend., Bd. 2, S. 301. Rmdeieff.
Fließgrenze. Der Ausdruck wird in der Elaftizitäts- und Feftigkeitslehre als
zufammenfaffende Bezeichnung für S t r e c k g r e n z e (f. Dehnung, Zugelaftizität),
S t a u c h - oder Q u e t f c h g r e n z e (f. Druckelaftizität), B i e g g r e n z e (f.Biegungs-
elaftizität) u.f.w. angewendet, alfo allgemein als Bezeichnung derjenigen ober-
halb der Proportionalitätsgrenze (f. Elaftizitätsgrenze) gelegenen Stelle, von
welcher an auch ohne erhebliche Zunahme der Beanfpruchungen verhältnismäßig
große bleibende Formänderungen entliehen; vgl. Zerreißverfuch. Weyrauch.
Fließpapier (beffer L ö f c h p a p i e r i , ein aus ungeleimtem Papierzeug,
manchmal auch aus Wollenzeug hergeftelltes gefärbtes oder naturfarbiges, fehr
faugfähiges Papier; f. P a p i e r f o r t e n . Kraft.
Flint ( F e u e r f t e i n ) , f. Quarz.
Flintglas befteht zum Drittel feines Gewichtes aus Bleioxyd, weshalb es
nicht nur ein hohes fpezififches Gewicht, fondern auch dasjenige Verhältnis von
Lichtbrechungs- und Zerftreuungsvermögen enthält, wodurch es, mit dem Kron-
glafe vereinigt, die fo wichtige achromatifche Kombination erhält; fpez. Gew.
3,3—3,8. Dralle.
Flintkonglomerat oder P u d d i n g f t e i n , ein aus nuß- bis fauftgroßen
Gerollen von graugelbem, braunem oder dunkelgrauem Feuerftein zufammen-
gefetztes Konglomerat, das durch ein hornfteinartiges, kiefeliges Bindemittel von
grauer oder gelblichgrauer Farbe mit eingeflreuten Quarzkörnern verkittet ifl.
Das fehr fefle Konglomerat gehört den älteflen Schichten der Tertiärformation
(Eocän) befonders in England und Schottland (Herefordfhire und Hampfliire)
an und wird vielfach zu Kunftgegenfländen gefchliffen und poliert (Dofen, Vafen,
Briefbefchwerer, Platten in Metallfaffung u. f; w.). Leppia.
Flintpapier, f. v. w. F e u e r f l e i n p a p i e r (f. d.).
Flinz, in der Geologie Bezeichnung für verfchiedene Gefleine.
. Im Oberdevon Weftfalens bezeichnet man damit die untere Stufe, die aus dunkeln Ton-
£hlefern, dünnblätterigen Mergelfchiefern, Schaifteinen und fchwarzen Kalkfteinen befteht. Die
Kalk- und Schalfteine werden als Baumaterial benutzt. In den obermioeänen Schichten
y. T e r t i ä r f o r m a t i o n ) der füdbayrifchen Hochebene wird ein glimmerreicher, grünlichgrauer
öenieferton (Letten) als Flinz bezeichnet. Bei Ueberlagerung durch jüngere Schotter bildet er
en
ü , wafferträger und führt an feiner Oberfläche Quellen. — Flinz ift endlich gleichbedeutend
mit Spateifenftein. Leppia.
Flittergold, f. v. w. Raufchgold (f, B l e c h , Bd. 2, S. 45).
Flockfelde, f. v. w. Florettfeide (f. S e i d e n f R i n n e r e i ) .
Floconne*, dickes, weiches, mit über mehrere Kettenfäden flott liegendem
tnektfehuß hergeftelltes, durch die Rauhmafchine ftark aufgerauhtes, gleichfam
m
i t Flocken bedecktes, der großen Tuchfamilie zugehöriges Gewebe, das
namentlich für Winterröcke verwendet wird; f. Tuchfabrikation. Kraft.
92 Flößerei — Florence

Flößerei, der talabwärts gehende Waffertransport von zu Flößen zufammen-


gebundenen Hölzern (f. F l o ß und F l ö ß e r e i a n l a g e n ) .
Der Transport geht mit einer Oefchwindigkeit vor fich, die geringer ift als die mittlere
Stromgefchwindigkeit des flößbaren Wafferlaufes. Oelenkt werden die Flöße durch eine größere
Zahl Ruder (Schwengelruder) fowohl am vorderen als auch am hinteren Teile; die größeren
Flöße erhalten außerdem noch eine entfprechende Anzahl Seitenruder, Riemen. In den oberen
Teilen der Waflerläufe können die Flöße — mangels genügender Waffertiefe — oft nur durch
künftliche Schwellung befördert werden. Die minimal erforderliche Waffertiefe für Bretterflöße
betragt ca. 30 cm; die Balkenflöße erfordern Tiefen von 50 cm aufwärts, je nach der Anzahl der
Lagen und der Stammdicke des zu transportierenden Materials. An Stromfchneilen (z. B. am
Rhein bei Laufenburg und andern Orten) werden die Flöße oberhalb der betreffenden Stelle
geteilt und nach Panieren derfelben wieder zufammengebunden. Kleinere aus dem Oberlaufe
und den Nebenflüffen kommende Flöße werden dort, wo die genügende Waffertiefe und Fluß-
breite vorhanden ift, zu größeren Flößen zufammengeftellt. — Wird das Holz in einzelnen
Scheiten und Stämmen, alio nicht zufammengebunden, dem Wafferlaufe zum Transport über-
laden, fo nennt man das hauptfächlich noch in Oefterreich im Salzkammergute, in Frankreich
im Oberlaufe der Yonne und in großer Ausdehnung in Amerika und in Schweden und Norwegen
angewendete Verfahren T r i f t e n (f. d.).
Literatur: Suppän, C. V., WafTerftraßen und Binnenfchiffahrt, Berlin 1902; Effelborn, K.,
Lehrbuch des Tiefbaues, Leipzig 1904. v. Schneller.
Flößereianlagen, jene Vorkehrungen, die für das Flößen und Triften des
Holzes gefchaffen werden muffen, um den Transport bewerkstelligen zu können.
Hierher gehören vor allem die S t a u a n l a g e n (f. d.) zur Erzeugung der für das Flößen
erforderlichen Minimalwaffertiefe (das Schwellen). Der hierbei erzeugte Rückftau muß fo weit
reichen, daß die längften zuläffigen Flöße noch Platz finden, ohne daß die letzten Oeftöre auf
der Flußfohle aufliegen; auch muffen in denfelben die Flöße zufammengebunden werden können.
Für das Abfchwemmen von Triftholz ergibt fich oft die Notwendigkeit der Anlage größerer
Teiche, die Wafferftuben oder Klaufen genannt werden, wenn fie größere Dämme oder Mauern
zum Aufftau des Waffers und Auslaßöftnungen befitzen. — Die Waflerftuben fowohl als auch
begehende Stauwerke für Mühlen, Fabriken u.f.w. muffen Floßdurchläffe (f. F l o ß g a f f e ) er-
halten. Zur Abhaltung des getrifteten Holzes von den Fabriks-, Bewäfferungskanälen u. f. w.
dienen Leitrechen. In den Holzfammelplätzen wird das Triftholz mittels Fangrechen zurück-
ehalten und für den Weitertransport vorbereitet. Die feltener zur Anwendung kommenden
f l o ß h ä f e n (f.d.) dienen teils als Sicherheitshäfen bei Hochwaffer und Eisgang, teils als
Landeplätze bezw. zur Umwandlung kleinerer Flöße in große. In einzelnen Fällen wird für
fpezielle Zwecke der Flößerei ein künftlicher Wafferlauf (Floßkanal) gefchaffen.
Literatur: Pechmann, H. v., Anleitung zum Flußbau, München 1826, Bd. 2, S. 32; Hand-
buch der Ingenleurwiffenfchaften, Leipzig 1882, Bd. 3, 2. Abt. Paiiak.
Flöz, in der Geologie, f. v. w. Schicht, auch Bank; gewöhnlich für nutz-
bare Gefteine (Kohlen, Kalk u . f . w . ) gebraucht.
Flöze, f. E r z l a g e r l t ä t t e n .
Flözgebirge oder F l ö z f o r m a t i o n e n wird in der älteren Geologie der
aus Schichten (Flözen) oder Sedimenten aufgebaute Teil der Erdkrufte bezeichnet
im Gegenfatz zu den kriftallinen Schiefern (Gneis u. f. w.) und zu den aus glut-
flüffigen Magmen entftandenen Eruptivgefteinen. Man faßt unter Flözgebirge
die aus Schichtgefteinen beftehenden Gebirgsmaffen oder Sedimentärformationen
zufammen. S. S c h i c h t g e f t e i n e . uppi».
Flözhund, f. G r u b e n f ö r d e r u n g .
Flözkalk wurden in der älteren Geologie die in den Sedimentärformationen
eingelagerten Kalkfteinablagerungen genannt, und zwar als älterer Flözkalk
befonders die Kalkfteine der Zechfteinformation, als jüngerer diejenigen des
Mufchelkalkes. Leppia.
Flözleerer Sandftein wird im rechtsrheinifchen Schiefergebirge (Weftfalen)
die aus Grauwacken und Grauwacken- und Tonfchiefer beftehende obere Ab-
teilung des Kulm (f. S t e i n k o h l e n f o r m a t i o n ) unter den kohlenflözreichen
Schichten genannt. Leppia.
Flözleeres Gebirge werden in der älteren Geologie die von Kohlenflözen
freien Schichten genannt, und zwar bezieht fich der Mangel zumeift auf die
älteren Formationen. Flözleeres Gebirge bildet alfo nicht den Gegenfatz zu
F l ö z g e b i r g e (f. d.), fondern foil das Fehlen von Steinkohlenflözen aus-
drücken. Leppia.
Flohbraun, f. B1 e i b r a u n.
Flor (Krepp), f. W e b e r e i .
Florence, leichter, dünner Taft mit ftarkem Glanz, der teils durch Appretur
mit Gummi und Flohfamen, teils durch die verwendete ganz gekochte Seide
Florentiner Flafdie — Floß 93

erzielt wird. Die leichteren Sorten werden zu Futter, die fchwereren zu Kleidern
verarbeitet. Die belle Ware liefert Crefeld und die Schweiz. Emß ttaiur.
Florentiner Flafche, Gefäß zum Scheiden der äthcrifchen Oele, die leichter
find als Waffer, von dem bei der Deftillation mit übertretenden Waffer. Vgl. O e l e ,
ätheri fche.
Florentiner Lack, f. K o c h e n i l l e .
Florentiner Marmor, f. K a l k ft e i n .
Florentiner Oel, f. O l i v e n ö l .
Florettband ( F r i f o l e t t b a n d ) , ftarkc, aber ganz geringe Bandware aus
Schappe (Florettfeidc) mit Baumwoll- und Leinenzwirn.
Florettfeide, f. S e i d e n f p i n n e r e i .
Florteilapparat (Divifeur, Divider), Vorrichtung an der fogenannten Vor-
fpinnkrcmpel der Baumwollabfall- und der Streichgarnfpinnerei, die den von
der Kammwalze oder dem Peigneur kommenden Flor in Streifen zerlegt, die
dann durch Würgelwerke zu Vorgefpinftfäden verdichtet werden. Ueber die
Entwicklungsgefchichte und Bauart f. Literatur. S. a. S t r e i c h g a r n f p i n n e r e i .
Literatur: Röhn, Entwicklungsgefchichte des Florteilcrs, Verh. des Gewerbflcißver. 1883;
1884, S. 257; Hartig, Der Florteilcr der Strcichgarnfpinnereicn, Entwicklungsgefchichte einer
technifchen Erfindung in Definitio-
nen, Civilingen. 1886, Heft 7; Hartig, ,—I 8 1 1 1 | f " Ä 3 k
,
Studien in der Praxis des Kaiferl. /^a i^a rA* t-- r".
Patentamtes, Leipzig 1890, S. 263;
Müller, Handb. d. Spinnerei, Leipzig
1892, S. 365. Ernft Müller.
Floß, ein aus zufammen-
gebundenen Hölzern herge-
ftelltes Fahrzeug für den Waffer-
transport. In der Regel ift der
Transport des Holzes der
Zweck; fcltener dienen die Flöße
Verkehrszwccken, z. B. zum
Ueberiahren der Ströme u.f.w.
Beim Holztransport mittels Fig. 2. Bretterfloß.
Flößen wird Bauholz (Stumme,
Stangen, Dielen, Bretter, Latten u . f . w . ) fowie Brennholz befördert. Für die Geflaltung des
Floßes ift die Befchaffenheit der Wafferläufc beftimmend. Man unterfcheidet bewegliche und
iteife, Balken- und Bretterflöße.

1-ig. 3. Floß auf der mittleren Donau.

Bei den beweglichen Flößen werden die Balken der Länge nach nebeneinander gelegt,
a
" den Enden gelocht und mit Wieden (20—40 mm ftarke Zweige) aneinander gekuppelt oder
jnittels eines Querbalkens (Zenkelftange) und mit Hilfe von Wieden, Nägeln zu einer Floßtafel
(tjeftöre) verbunden. Die einzelnen Floßtafeln werden mit Gurtwieden hintereinander gehängt.
94 Floßdurchlaß — Floßgaffe

Bei den (leiten Flößen werden die einzelnen Balkenlagen (Geftöre) je nach der Waffer-
tiefe in mehreren Reihen Übereinander gefchoben und feft verbunden. Vielfach erhalten die
dann Floßboden genannten Balkenflöße eine Ueberlaft von Schnitt- oder Brennholz.
Bei den Bretterflößen wird aus 10—15 Brettern ein Bund gebildet. Eine Reihe folcher
Bünde werden nebeneinander gelegt, oben und unten mit QuerbohTen verfehen und mit Wieden
zu einer Tafel zufammengehalten. In den oberen Teilen der flößbaren Wafferläufe fowie wenn
Floßgaffen zu paffieren find, muffen die Flöße eine größere Beweglichkeit in vertikaler und hori-
zontaler Richtung befitzen und ifl daher in diefen Fallen die iteife Verbindung der Flöße nicht
am Platze.
Ueber zuläffige Lange, Breite u. f. w. der Flöße geben die in allen Staaten beflehenden
Floß- und Triftordnungen Auskunft. Auf der mittleren Donau find die Flöße in der Regel
nicht über 15 m breit und 60 m lang, am Rheine kommen Breiten bis zu 60 m und Längen bis
zu 250 m vor. In neuerer Zeit wurden erfolgreiche Verfuche gemacht, feetüchtig gebaute Flöße
über den Ozean zu befördern. Diefe werden mittels eigner Dampffchiffe remorkiert; in ein-
zelnen Fällen erfolgt auch auf Strömen und kanalifierten FlUffen die Remorkierung der Flöße.
Literatur: Statiftik des Deutfchen Reiches, Bd. 15: Die deutfchen Wafferflraßen; Säger-
fchmid, Handbuch für Holztransporte u. Floßwefen, Karlsruhe 1827; Lagrene, Cours de navigation
Interieure, Paris 1869—73; Handb. d. Ingenieurwiffenfch., Bd. 3, 2. Abt., 1. Hälfte, 1897. Poiiak.
Floßdurchlaß, f. v. w. F l o ß g a f f e (f. d.).
Floffen (Maffeln), Roheifenbarren in Plattenform von 5—8 cm Stärke,
wie fie beim Abftich des Hochofens in den Formen des Floflenbettes erftarren.
Floßgaffe, der bei Wehren (f. S t a u a n l a g e n ) und an den Wafferftuben
angebrachte Einfchnitt nebft Kanal für das Durchlaffen von Flößen.
Die Floßgaffe ifl tunlichfl in der Fahrrinne
Wasserstuie i
Stromflrich) des Wafferlaufes anzuordnen. Ihre
Jrelte B (f. Fig. 1 und 2) richtet fich nach den
größten Breiten der auf dem betreffenden
Wafferläufe transportierten Flöße. Als Verfchluß-
Floss vorrichtung der Floßgaffen können Damm-
Sturz Ifsse •Pritsche
balken, Schützen, Tore, Nadeln, Trommel-
und Segmentwehre u. f. w. dienen. Hinter dem
B- Einfchnittsverfchluffe beginnt die .Gaffe", eine
Führung für den Uebergang des Floßes von
dem Oberwaffer zum Unterwaffer, mit ca. 1 bis
Fl», i. Flg. 2. 4 o/o Gefälle des Abfchußbodens und gemauerten
oder aus Bohlen hergestellten Elnfaffungen Die freie Höhe zwifchen dem Fachbaum F der
Floßgaffe, und der Unterkante der aufgezogenen Schützen oder eines über die Gaffe führenden
Steges foil mindeflens 2,5 m fein (in der Figur A + 0,5). Das Unterwaffer braucht nicht bis
17Z0 O.W. LinkBsWir

Llngenprofll der Floßfchleufe.


in die Floßgaffe hereinzureichen, falls die beim Durchflößen mitgeführten bedeutenden Waffer-
mengen eine genügende Anfchwellung erzeugen, um das Auffloßen der Flöße an dem Ende
des Abfchußbodens zu verhindern.

Fig. 4. Situation der Stauftute Nr. 3 bei Llbfchitz.


Fig. 3—5 zeigen die neuere Ausführung einer Floßgaffe mit Segmentwehrverfchluß an
der kanalifierten Moldau bei Libfchitz. Der Abfchußboden ift zur Verminderung der Waffer-
gefchwindigkeit abgetreppt und am unteren Ende mit Floßfedern verfehen. Letztere beftehen
Floßhafen — Fluchtlinie 95
aus zu Tafeln verbundenen Pfoften (Bal-
ken), die an ihrem oberen Ende drehbar Schnitt durch cüeWehrtafel
in Sohlenhöhe gelagert find, während am
unteren Ende Ankerketten Ihre Schwimm-
höhe derart begrenzen, daß das herab-
kommende Floß beim Auffahren auf
die nachgiebige Floßfeder durch deren
Schwimmkraft (Auftrieb) gebremfl wird und
ftoßfrei ins Unterwaffer gelangt. Potiak.
Floßhafen, ein gefchütztes
Wafferbecken zur bequemen Lan-
dung der Flöße, zu deren Bergung
bei Hochwaffer und Eisgang, zum
Umbau und zur Neubildung von
Flößen fowie für den Uebergang
vom Waffertransport zum Land-
transport und umgekehrt.
Floßhäfen bedürfen keiner großen
Waffertiefe. Sie erhalten in der Regel an
ihren beiden Enden in der Flußricntung
anzulegende Ein- und Ausfahrten. Zu-
meift werden zu Floßhäfen alte Flußarme
benutzt. «. Schneller.
Floßherd (Zinnpaufch-
herd), f. Z i n n .
Floßkanal, f. F l ö ß e r e i a n -
lagen.
Flotte oder F ä r b e f l o t t e ,
f. F ä r b e n .
Flotthafen, f. S e e h ä f e n .
Flottille, ein Verband klei-
nerer Kriegsfahrzeuge (Kreuzer,
Avifos und Torpedofahrzeuge), der
meift in Divifionen zerfällt. Flg. 5.
Flottlllenfchlff, f. F l a g g f c h i f f , S. 74.
Flowing-colour, Steingutfarbe, erhalten durch Verdampfen verfchiedener
Chloride (Kochfalz, Bleichlorid u. f. w.) im Brennofen neben den bemalten Stein-
gutgegenftänden. Die fich verflüchtigenden Chloride zerfetzen fich an der Glafur-
nialTe des Steinguts, wobei die leicht fchmelzbaren Metalloxyde der Alkalien und
des Bleies fich mit der Glafurmaffe verbinden und fo die ohnehin fchon leichter
fchmelzbare Gläfurfarbe in zarte Töne auslaufen laffen.
Fluate, f. S t e i n h ä r t u n g s m i t t e l .
Fluchtholz, gehobeltes, gleichbreites Brett nach Art des R i c h t -
s c h e i t e s (f.d.), dient zur Vifierung von Fluchten, bei Flächenbearbeitung
durch Auffetzen mehrerer folcher Hölzer. Weinbrenner.
Fluchthflgel. Um im Falle eines Deichbruchs den Bewohnern der über-
schwemmten Niederung die Möglichkeit zu gewähren, fich mit ihrem Vieh vor
dem Ertrinken zu fchützen und einen Teil ihrer Habe zu retten, find feit Anfang
der fünfziger Jahre in den Niederlanden an einzelnen Stellen der bedeichten
Marfchen wafferfreie Hügel angelegt, und zwar zuerft in Beft und Rhenoy in
Nederbetuve; fie befitzen hier 47-20,5 und 45,5-23 m Grundfläche, liegen 1 m
über dem höchften Wafferftand und find an der Weftfeite mit zweifachen, fonft
mit einfachen Böfchungen verfehen.
. Sie erfetzen die Stelle der früheren W o r t h e n oder W u r t h e n , die In der Zeit, wo
üie Niederungen noch nicht eingedeicht waren und als Weide dienten, die erften Anfiedler vor
"?er Ueberflutung fchützten und fchon von P l l n i u s dem Aelteren erwähnt werden. Die
'Päteren Anlagen In den Bezirken Maas und Waal, Overbetuve und Bommelerwaard beliehen
zum Teil aus freiliegenden Hügeln oder ringförmig umdeichten Flächen mit Ablaßfiel, zum Teil
aus hochwafferfreien Anfchüttungen an vorhandenen, ficher-gelegenen Deichftrecken; auch hat
ule Stadt N i e u w p o o r t durch Ausbau der Stadtwälle einen befonderen, hochwafferfrel ge-
legenen Ringdeich erhalten, der bei Hochfluten als Zufluchtsort benutzt werden kann. Frühling.
Fluchtlinie, die technifche Bezeichnung für die beim Bauen zu beobachtende
Straßen- oder Gartengrenze.
96 Fluchtlinie

Man unterfcheidet S t r a ß e n f l u c h t l i n i e und B a u f l u c h t l i n i e , v o r d e r e und


h i n t e r e (rückwärtige) Fluchtlinie. Straßenfluchtlinie und Baufluchtlinie fallen zufammen, wenn
die auf der Grenze der Straßenfläche errichtete fenkrechte Ebene zugleich die aufgehende
Vorderwand der Gebäude bildet. In diefem Falle ift es unvermeidlich, daß gewiffe Bauteile
über und unter der Erde vor die Fluchtlinie vortreten, fo die Geflmfe und Balkone oberlrdifch,
Fundamentabfätze und Kellerfchächte unterirdifch. Das Maß des Vorfprungs ift entweder dem
Bauenden freigegeben oder es wird im Einzelfalle das zuläffige Größtmaß feitens der Baubehörde
feftgefetzt, oder die Größtmaße find durch Polizeiverordnung bezw. Ortsftatut einheitlich geregelt,
letzteres befonders für Balkone und Erker.
Sind Straßen- und Baufluchtlinien voneinander verfchieden, fo ift ihr Abftand dazu
beftimmt, jene vorfpringenden Teile des Bauwefens aufzunehmen. Dazu gehören außer Gefimfen,
Baikonen und Erkern, Fundamentabfätzen und Kellerhälfen auch Fenfterumrahmungen, Portale,
Rifallte, ganze Freitreppen oder einzelne Treppenftufen, Lichtfchächte, Sitzplätze, erhöhte oder
vertiefte Vorplätze, endlich offene oder eingefriedigte Vorgärten. Die Straßenfluchtlinie begrenzt
die eigentliche öffentliche Verkehrsfläche, die Baufluchtlinie bezeichnet die aufgehende Vorder-
wand des eigentlichen Gebäudekörpers. Am verbreiterten ift diejenige Trennung von Bau-
und Straßenfluchtlinie, nach der zwifchen beiden ein Vorgarten, an einer Häuferreine alfo eine
Reihe von Vorgärten liegt. Damit die Bepflanzung möglich ift, muß der Abftand beider Linien
wenigltens 2 m betragen; beffer ift ein Abftand von 4—6 m; noch fchöner ift bei guter Pflege
der Vorgärten ein Abftand von 8—12 m; ausnahmsweife kommen Vorgartentiefen von 15 m und
mehr vor. Auf dem europäifchen Kontinent werden die Vorgärten faft durchweg eingefriedigt,
d. h. die Straßenfluchtlinie wird durch eine Ejnfaffung aus Holz, Stein oder Eifen gebildet, die
durchbrochen fein muß, um den Einblick in die Vorgärten zu geftatten; dies ift nötig, damit
der Zweck derfelben, nicht bloß den Luft- und Lichtraum der Straße zu vergrößern, fondern
auch fowohl die Wohnungen als die Straßen zu verfchönern, in fachgemäßer Weife erfüllt werde.
Aus diefem Grunde find niedrige Einfaffungen den hohen vorzuziehen. In England mitunter,
in Nordamerika faft allgemein, findet man die Vorgärten als freie, uneingefriedlgte Gartenftrelfen
behandelt, was fchönheitlich zweifellos den Vorzug verdient. Die Sorge vor Zerftörung oder
Befchädigung, vor Verunreinigung und nächtlicher Ünficherhelt macht bei uns die Einfriedigung
faft unentbehrlich; meift wird die Errichtung einer Einfaffung In Straßenfluchtlinie von beftimmter
Mindell- und Größthöhe und in näher angegebener Herftellungsart polizeilich vorgefchrieben.
Auch bei Abtrennung der Straßenflucht von der Bauflucht kann das Vortreten gewlffcr
Nebenteile der Gebäude vor die Straßenfluchtlinie nicht verhütet werden. Schilder, Laternen,
Verkaufszeichen (Barbierbecken, Stiefel, Handfchuhe u. f. w.), Wirtshauszeichen, Blenden, Fahnen-
ftangen, Vordächer u. f. w. können In ihrem Vorfprung vor die felbftändige Straßenfluchtlinie
zwar erheblich mehr eingefchränkt werden als im Vorfprung vor die Baufluchtlinie; jedoch eine
völlige Fernhaltung derartiger Privateinrichtungen aus dem Lufträume Uber der öffentlichen
Verkehrsfläche ift nicht tunlich, aber auch nicht nötig, ja nicht einmal wünfehenswert Ueber-
treibungen vermag die Polizei von Fall zu Fall zurückzuweifen.
Die r ü c k w ä r t i g e oder h i n t e r e B a u f l u c h t l i n i e bezeichnet die Grenze, bis zu
welcher die Rückfeiten der Gebäude in das Innere des Baublocks hineintreten dürfen. Die An-
wendung ift leider feiten. Faft allgemein begnügt man fleh damit, das zuläffige Größtmaß des
Bebauens ftädtifcher Grundftücke in der Horizontalebene durch die Anordnung felUufetzen, daß
gewiffe' Prozentfätze der Grundftücksfläche von der Ueberbauung frei zu halten und gewiffe
Mindeftabftände der mit notwendigen Fenftern verfehenen Außenwände von der Grundftttcks-
grenze oder von andern Gebäuden innezuhalten find; auch wird eine folche Feftfetzung im
allgemeinen als ein ausreichender Schutz der öffentlichen und privaten, vorwiegend geiund-
heitlichen Intereffen anerkannt werden können.
Dennoch gibt es manche Fälle, z.B. bei Baugrundftücken, die mit der Rückfeite an
öffentliche Gewäffer flößen, bei kleinen Baublöcken, die für Arbeiterwohnungen, bei großen
Baublöcken, die für Bürgerhäufer oder Landhäufer mit Gärten beftimmt find, wo die Feftfetzung
einer rückwärtigen Baufluchtlinie allein geeignet Ift, allgemeine Nachteile abzuhalten, oder doch
in einer mehr geficherten Weife das Ziel erreicht. An das öffentliche Gewäffer follen z. B. die
Baulichkeiten nicht unmittelbar herantreten, um die Verunreinigung des Wallers, die Verunftaltung
der Ufer zu verhüten, die Schönheit des Anblicks zu erhalten. Die Arbeiterwohnungen z. B in
einem von Straße zu Straße nur 36 m tiefen Block follen dadurch In bezug auf Licht und Luft
gefichert werden, daß in der Mitte des Blocks ein 12 m breiter Streifen unbebaut bleibt. Im
Innern eines für Bürgerhäufer oder Landhäufer beftimmten Blocks foil eine geräumige Fläche
für die aneinander flößenden Gärten frei gehalten werden. In diefen und ähnlichen Fällen ift
die Feftfetzung einer hinteren Baufluchtlinie zweckmäßig; fle gibt bei dem Gewäffer das Maß
an, um das die Baulichkeiten vom Wafferfplegel entfernt bleiben muffen; fle fchreibt im genannten
Arbeiterblock vor, daß die Tiefe der Häufer zwifchen der vorderen und hinteren Front nur 12 m
betragen darf; fie bezeichnet im Wohnblock die Gartengrenze, d.h. die innere Linie, bis zu
der die Gebäude in den Block hineintreten dürfen.
Abweichend von der hinteren Baufluchtlinie, die ihrer Beftimmung nach die nicht zu
überfchreitende Grenze bezeichnet, an welche die Baulichkeiten herantreten d ü r f e n , wird die
vordere Baufluchtlinie meift als die nicht zu überfchreitende Grenze angefehen, an welche die
Bauten herantreten muffen. Dies trifft jedoch nur bedingt bei Baufluchtlinien für g e f c h l o f f e n e
B e b a u u n g (f. Bd. 1, S.639) zu, während es für offene Bebauung, d.h. für eine Häuferreihe mit
feitlichen Zwischenräumen, unzutreffend ift. Bei letzteren ift den Häufern nur erlaubt, bis an die
Baufluchtlinie heranzutreten; es ift nicht geboten, fie dürfen vielmehr beliebig hinter der Baulinie
zurückbleiben. Bei gefchlolTener Häuferreihe ift das Zurücktreten nur dann zuläffig, wenn die
Bebauung fo erfolgt, daß kahle, von der Straße fichtbare Brandgiebel vermieden werden.
Fluchtlinienplan — Flügel 97

Fluchtlinien werden nicht bloB feftgefetzt für neu herzufallende oder neu zu bebauende
Straßen, fondern auch für alte Straßen; letzteres, wenn aus Oründen des Verkehrs oder der
Oefundhelt die Erweiterung der Straße nötig Ift. Die Fluchtlinien Hegen alsdann hinter der
beftehenden Straßengrenze und bedeuten die Orenzllnien, bis zu welchen die an Stelle von
Altbauten tretenden Neubauten zurückgefetzt werden muffen, um die allmähliche Erbrelterung
der Straße herbeizuführen. Auch die Veränderung der Altbauten vor der Fluchülnle ift behufs
ücherer Erreichung des Zieles In der Regel unterfagt. — Die Fluchtlinien werden entweder
g e r a d e gezogen oder g e k r ü m m t ; letzteres nicht bloß bei alten Straßen, fondern auch bei
neu anzulegenden Straßen. Der Grund für die Krümmung ift entweder ein praktischer, wenn
es fich darum handelt, alte Wegerichtungen zu verfolgen oder gegebene Grundftücksgrenzen zu
berückflchtlgen, oder ein äfthettfcher, wenn beabfichtfgt wird, das Einerlei der geraden Linien
zu unterbrechen. Die krumme Fluchtlinie hat vor der geraden den Vorzug, daß die muier-
«ihe dem Wandernden ftets andre Bilder vorführt und das Straßenbild auch für den Stehenden
mannigfaltiger erfcheint. Dies gilt Jedoch, ftreng genommen, nur für die konkave Krümmung,
während auf der gegenüberliegenden konvexen Seite die Gebäude fich dem Anblick noch 1 ln
mehr entziehen als in der geraden Linie. Die einander gegenüberliegenden H»«™ "™. * ?f
Straße werden entweder einander parallel gezogen, was die Regel ift, oder ihr Abftand ilt ein
wechfelnder. Letzteres ift befonders bei alten Straßen der Fall, wird aber nicht feiten auch
bei neuen Straßenanlagen aus praktifchen Gründen beliebt, um Eigentümlichkeiten derOertllcn-
kelt zu berückflchtlgen, oder aus äfthetifchen Gründen, um das Straßenbild mannigfaltiger zu
geftalten, Ausblicke zu eröffnen und fonftlge künftlerifche Eindrücke hervorzurufen.
Literatur: Baumeifter, R., Stadterwelterungen In technifcher, wlrtfchaft icher und bau-
polizeilicher Beziehung. Berlin 1876; Sitte, C . Der Städtebau nach ^inen künmerifchen Grund-
Wtzen, Wien 1889; Stubben, J., Der Städtebau, in Handbuch der Architektur, Darmftadt 1890,
Derf., Der Bau der Städte lnGefchlchte und Gegenwart, Berlin 1895; Derf., Hygiene des Städte-
baues, In Handbuch der Hygiene von Th. Well, Jena 1896. tT '
FluchtHnlenplan, der durch die Angaben der Höhen und der Entwäfferung
vervollftändigte Lageplan eines Straßenteils, einer Straße oder eines Stadtteils,
der die für die Bebauung maßgebenden, förmlich feftgeftellten Fluchtlinien enthält.

des Geländes bearbeitet werden follen. Uebliche Maßftäbe find für Fluchtlinienpläne 11:000
oaer 1:500, für Bebauungspläne 1:2000.— Die Vereinigung der Fluchtlinienpläne oder Be-
bauungspläne für einen ganzen Ort oder eine ganze Stadt ergibt den O r t s b a u p l a n oder
»tadtbauplan. saihbtn.
Fluchtpunktfchlene, f. Z e i c h n e n , t e c h n i f c h e s .
Fluchtfchnur, dient zur Beftimmung der Fluchtlinie einer Mauer, nach
welcher fich der Arbeiter beim Aufführen der Mauer zu richten hat.
fft„ Gewöhnlich ift fle 15—20 m lang, etwa 0,5 cm ftark und wird von einer Rolle (der
."«kannten Schnurrolle) abgewickelt Man fpannt die Fluchtfchnur mit Hilfe von Nägeln, die
PI, £' beruft gefchlagen werden, an der einen Mauerflucht, bei dicken Mauern auch an beiden
ihr I Senau In der zu mauernden Schichthöhe, und richtet die äußeren Steinreihen nach
'«r ein, wobei die Eckfteine maßgebend find und zuerft verfetzt werden. L. WiUmann.
Fluchtftäbe, FI A b ft e c k e n .
. Flüchtige Aufnahmen (generelle Aufnahmen) find in manchen Fällen
*noraerlich, z. B. als Vorerhebung zu exakten Vermeffungen, technifchen Vor-
z e i t e n (für Wege-, Eifenbahn- u. f. w. -anlagen), für militärifche Zwecke, für Reife-
lKizzen u. f. w.
erf
bei "u* V ahren bei derartigen Aufnahmen läßt fich allgemein als eine Modifikation der
mm? Vermeffungen anzuwendenden Methoden mit vereinfachten Inftrumenten und Hilfs-
UNMM . " Z e i c h n e n und hat fleh dem Jeweiligen Zweck in entfprechender Weife anzupaffen. Die
2 R KI Aufzeichnung des Geländes mit den einfachften geometrifchen Hilfsmitteln, wie es
e l
ö "J, milltärlfchen Rekognoszierungen erforderlich Ift, bezeichnet man a l s K r o k l e r e n (f.d.).
Hilf ,?. 'aninienhängende Aufnahmen diefer Art bei ausgedehnten Reifen bedürfen erweiterter
u

UM! • U ( - R o u t e n a u f n a h m e ) . Wenn die Darfteilung fleh derjenigen bei topographlfchen


f

ac m
fleh i 5y etrifchen Aufnahmen nähert, fo Ift das hierbei einzufchlagende Verfahren mit den
a
«anbietenden Vereinfachungen anzuwenden. Riinhwu.
flüchtige Oele, f. O e l e , ä t h e r i f c h e .
A. "flgel bei Türen, Fenftern und Läden, der bewegliche Teil der letzteren,
«urch den der eigentliche Verfchluß der Lichtöffnung gebildet wird,
n a c n d e r
und i Anordnung und Einteilung der Flügel unterfcheidet man: ein-, zwei-, drei-
'« vier- bis fechsflügelig. Die Bewegung der Flügel erfolgt entweder a) durch D r e h u n g
fenkr
Hii.K e c h t e oder wagerechte Achte mittels der B ä n d e r (f.d.) oder Z a p f e n und
n d b
und i i « ) durch V e r f e h l e b u n g des Flügels In der Richtung feiner Ebene; bei Türen
Rlrii« - wagerechter Richtung; bei Fenftern durch Heben oder Herablaffen in lotrechter
e n i n

Achtung (LFenfterrahmen). w.i»br,»n*r.


d i Flügel oder F l ü g e l ö r t e r , im Bergbau jene Teile eines S t o l l e n s (f. d.),
e v
° n aem H a u p t f t o l l e n feitwärts abzweigen. Tr*pu~.
L
" « « « r , L«xlkoa dtr gtfunUn Technik. J. Auü. IV. 7
98 Flügel — Flüfflgkeitswärme

Flügel ( S c h a f t ) , f. W e b e r e i .
Flügel d e r S c h i f f s f c h r a u b e n , f. P r o p e l l e r .
Flügelbahn ( Z w e i g b a h n ) , f. B a h n a b z w e i g u n g e n .
Flfigeldeich ( F l ü g e l d a m m ) , vgl. F l u ß d e i c h e und S e e h ä f e n .
Flügelflieger, Konftruktionsart dynamifcher F l u g m a f c h i n e n (f.d.).
Flügelgebläfe ( F l ü g e l r a d g e b l ä f e ) , f. S c h l e u d e r g e b l ä f e .
Flügelmauern. In den meiflen Fällen fchließen die äußeren Anflehten
von Brücken oder Durchläffen an Erdkörper an; diefer Anfchluß wird in der
Regel durch Flügelmauern vermittelt.
Lage und Form der Flügelmauern find verfchieden: 1. Sie find parallel zur Brücken-
bezw. fenkrecht zur Durchlaßachfe und heißen dann wohl auch Stirnflügel; das Ausfehen ift ein
vorteilhaftes, und für Brücken, bei denen eine befonders günftige formale Oeftaltung angeftrebt
wird, find fie in hohem Grade zu empfehlen. 2. Die Flügelmauern flehen fenkrecht zur Brücken-
bezw. parallel zur Durchlaßachfe; Ausfehen fehr ungünftig, deshalb wenig angewendet. 3. Die
Flügelmauern flehen fchräg zur Brücken- bezw. Durchlaßachfe und werden dann wohl auch
Böfchungsflügel genannt; ihrer Einfachheit wegen werden fie bei Durchläffen und kleineren Brücken
fehr häutig ausgeführt. 4. Die Flügelmauern find nach außen konkav gekrümmt; fie können in
geringerer Dicke als Böfchungsflügel hergeftellt werden, und man findet fie in Frankreich,
namentlich in England häufiger. 5. Die Flügelmauern find nach außen konvex gekrümmt, eine
Form, die in der Regel nur aus örtlichen Urfachen, oder um fcharfe Kanten zu vermeiden, entfteht.
Die Flügelmauern werden meift aus Bruch- oder Haufteinen, feltener aus Backfteinen,
hergeftellt; fie werden in der Regel mit Steinplatten oder mit Deckfteinen (Deckquadern) ab-
gedeckt; ausnahmsweife kommen auch Backfteinrollfchichten zur Anwendung. Schmitt-Darmßadt.
Im Wa ff e r b a u verlieht man unter Flügelmauern Stütz- bezw. Verkleidungsmauern von
Erdkörpern an Stellen, an denen Straßen- oder Bahnüberführungen ftattflnden, oder, wie z. B.
bei Kanaleinläffen, Uebergänge von der Böfchungfn eine fenkrechte Mauer erforderlich werden.
— In der A r c h i t e k t u r bezeichnet man als Flügelmauern alle jene Mauern, die mit den
zugehörigen Hauptteilen des Gebäudes einen ftumpfen Winkel bilden. —
Im F e f t u n g s b a u ift Flügelmauer gleichbedeutend mit Flankenmauer.
Flügelmutter, eine zum bequemen Anziehen oder Ver-
flellen mit zwei flachen Griffen verfehene Schraubenmutter
nebenftehender Form. Die Mutterhöhe entfpricht dem dop-
pelten Schraubendurchmeffer. Lindner.
Flügelort, f. F l ü g e l (im Bergbau).
Flügelrad, das Treibrad in Ventilatoren und Zentrifugalpumpen oder der
Windfang in Uhrwerken oder eine Art Windräder.
Flügelradgebläfe, f. S c h l e u d e r g e b l ä f e .
Flügelfchraube, f. F l ü g e l m u t t e r .
Flfigelflgnale, f. B a h n z u f t a n d s f i g n a l e .
Flügelfpinnmafchine, f. B a u m w o l l f p i n n e r e i , Bd. 1, S. 612 ff.
Flügeltelegraph, im Eifenbahnwefen, Signalmaft mit Flügeln, deren
Stellungen beftimmte Signalbegriffe bezeichnen, früher auch zur Uebermittlung
durchgehender Linienfignale angewendet; f. a. S i g n a l m a f t e . xstky.
Flügelvorfplnnmafchlne, f. B a u m w o l l -
f p i n n e r e i , Bd. 1, S. 610 ff.
Flügelwelle, gußeiferne Welle mit kreuz-
förmigem Querfchnitt (f. die Figur) für Waffer-
räder. Seitdem man lange, durchweg hohle
Wellen ebenfogut gießen kann wie gegliederte, zieht man Hohlgußwellen den
Flügelwellen vor. LMHT.
Flügelwolf, f. S t r e i c h g a r n f p i n n e r e i .
Flügelzwlrnmafchlne, f. Zwirn.
Flüfflge Helzftoffe, f. B r e n n f t o f f e , Bd. 2, S. 291 ff.
Flüfflges Gold, f. B r o n z e t i n k t u r .
Flflfflges Syftem, f. H y d r o d y n a m i k .
Flüffigkeit, Körper, die fleh im „flüffigen" A g g r e g at zu IIa nd (f. d.) be-
finden. Außerdem bezeichnet man bisweilen damit dasfelbe wie „ F l u i d i t ä t "
oder „ i n n e r e R e i b u n g " (f. R e i b u n g , i n n e r e ) gemäß den Zufammen-
fetzungen: Zähflüffigkeit, Leichtflüffigkeit. Ahegg.
Flüfßgkeltsmafie, f . H o h l m a ß e .
Flüfflgkeltswärme heißt diejenige Wärmemenge, welcher 1 kg Flüffigkeit
a
zugeführt werden muß, umfiebei konftantem Drucke von 0° auf t C. zu erwärmen.
Flugapparat — Flugbahnvorrichtung 99

Wenn q die Flüffigkeitswärme und c die fpezififche Wärme (f. d.) der Flüffigkeit bei
P

konftantem Drucke p bezeichnen, fo befteht hiernach die Beziehung:


Ct da c L
,
q=\c dt, p P —-f d

Die aus Verfuchen erhaltenen Werte von q pflegen durch Gleichungen der Form
q = at+bt* + ct* + ... 2.
mit von t unabhängigen a, b, c... dargeftellt zu werden, fo daß bei bekanntem Ausdrucke
von q die fpezififche Wärme zufolge 1. aus
cp = a + 2bt + 3ct*+... _ u 4 3.
und bei bekanntem Ausdrucke von c die Flüfflgkeitswärme zufolge 1. aus 2. berechnet werden
P

kann. In 2., 3. könnten a, b, c ... je nach der Höhe des konftanten Drucks p verfchieden fein,
da derjenige Teil der Flüfflgkeitswärme, welcher zur Leiftung äußerer Arbeit (f. Bd. 1, S. 102)
dient, von p abhängt. Allein bei den geringen Volumenänderungen der Flüffigkeiten ift jener Teil
im Vergleiche zu q fo klein, daß die a, b, c ... innerhalb der bisherigen Beobachtungsgrenzen
meift als konftant und damit q, c lediglich als Funktionen der Temperatur dargeftellt wurden.
P

Häufig wird fpeziell diejenige Wärmemenge als Flüfflgkeitswärme bezeichnet (z. B. bei
Zeuner [6], S. 20), welche nötig ift, um 1 kg Flüffigkeit bei konftantem Drucke p auf die p
entsprechende Siedetemperatur zu bringen, welch letztere gleich der Temperatur des alsdann
entstehenden gefättigten Dampfes ifl (f. Dampf). Um diefe Werte aus Gleichungen der Form 2.
entnehmen zu können, muffen letztere aus Verfuchen bis genügend nahe dem Siedepunkte
abgeleitet fein. In der Technik werden gegenwärtig noch allgemein die von R e g n a u l t auf
Grund folcher Verfuche ermittelten Ausdrücke verwendet, wonach in Kalorien (f. d.) gemeffen:
für Waffer q = r + 0,000021* 4- 0,00000031*
. Aceton ? = 0,50643 f + 0,0003965 f»
, Aether q = 0,52901 1 + 0,00029591*
. Alkohol q = 0,547541 + 0,0011218«« + 0,0000022061*
. Chlorkohlenfto« . . q — 0,19798 1 + 0,00009061*
. Chloroform . . . q = 0,23235 t + 0,0000507 t*
. Schwefelkohlenftoff. q = 0,23523 / + 0,00008151»
Die hieraus folgenden Flüffigkeitswärmen bis zum Siedepunkt hat Z e u n e r Q6], S. 465) mit
andern für Dämpfe wichtigen Größen in Tabellen zufammengeflellt Bezüglich der Werte für
Ammoniak, fchweflige Säure und Kohlenfäure f. [6], S. 242, 249, 256 und die erwähnten Tabellen,
für Waffer f. a. die Tabelle unter D a m p f , g e f ä t t i g t e i , Bd. 2 , S.540. Nach vorstehender
Gleichung von Regnault liefert 1. oder 3. für Waffer:
p = 1+0,00004* + 0,0000009 /»Kai.
C

- andrer Beobachter vgl. [3]—[51,


I von Verfuchen zwifchen 35 und
>,00000069121* Kai.,
c'p = 0,99827 —0,00010368*+0,0000020736/« .
wobei als Wärmeeinheit der hundertfte Teil der Wärmemenge zur Erwärmung von 1 kg Waffer
von 0 auf 1000 verwendet Ift (Bunfenfche Kalorie). Mit Berückfichtigung der von D i e t e r i c i
verwendeten und andrer Verfuche gab W i n k e l m a n n [10], S. 173:
q —t — 0,0003342 r» + 0,00000364 fi Kai.,
Cp — 1 -0,0006684 f + 0,00001092 f' .
v
wonach wieder die Wärmeeinheit der fpezififchen Wärme c bei 0« entspricht und ein Minimum
P

o n cp bei 30,60 entsteht. ^ * „ * .


Ueber die Beziehungen der Flüffigkeitswärme zu den übrigen bei der Verdampfung auf-
tretenden Wärmemengen f. Dampf, g e f ä t t i g t e r . __ „ _ m i „ ,
n Literatur: [1] Regnault Relation des expediences etc., Paris 1847, Bd. 1, S. 729 (Waffer);
Paris 1862, Bd. 2, S. 262 (weitere Flüffigkeiten). — [2] Landolt und Börnftein, Phyfikallfch-chemifche
Tabellen,
'abellen, Berlin 1894, S. 331. — [3] Lüdin, Die Abhängigkeit der fpezififchen Wärme des Waffers
Tem
fn. i « , p e r a t u r , Zürich 1895 (Differtation). — 74] Pernet, Ueber die Aenderung der
jpezififchen Wärme des Waffers mit der Temperatur und die Beftimmung des abfoluten Wertes
r o "hanifchen Wärmeäquivalentes, Feftfchr. d. Naturforfch. GefellSch, in Zürich 1896, S. 121.
TiM, Pfaundler, Müller-Pouillets Lehrbuch der Phyfik und Meteorologie, Bd. 2 , 2. Abt., Von
uer Wärme, Braunfchweig 1898, S. 349. — [6] Zeuner, Technifche Thermodynamik, II, Die Lehre
n
p ? den Dämpfen, Leipzig 1901, S. 19 . 242 , 249 , 256 , 265. - [71 Chwolfon, Lehrbuch der
1 1 , D i e
E?o 7 u 8 naft
Lehre von der Wärme, Braunfchweig 1905, S. 176. - [8] Dieterici, Die kalorifchen
rtl «? en f
des Waffers und feines Dampfes bei hohen Temperaturen, Zeitfchr.des Vereins
h e r
.,nH S togenleure 1905, S. 362. — [9] Dieterici, Ueber die Flüffigkeitswärme des Waffers
«na das mechanifche Wärmeäquivalent, Wiedemanns Annalen 1905, XVI, S.593. - [lOJWinkel-
raa
nn, Handbuch der Phyfik, Bd. 3 , 1 . Hälfte: Die Wärme, Leipzig 1906, S. 165,196. w^rmu*.
Flugapparat, F l u g m a f c h i n e (f.d.) für einen einzelnen Menfchen.
F l u g b a h n , -zeit, der Gefchoffe, f. B a l l iftik.
F l u g b a h n v o r r i c h t u n g auf d e r B ü h n e .
War,«, n, d e r , n
nachftehender Figur fchematifch gezeichneten Vorrichtung befindet fich ein
ttbfS A, n norizontalen Schienen S des Schnürbodens der Bühne. An den Wagen ift ein
a u f

R o , l e a
feft « f . geführtes Seil a befeftigt das um die Trommel * gewunden und mit derfelben
\ir" yerbunden ift. Die Seile s, s', welche die Flugbank A tragen, gehen über die in dem
ela
a« *£",? gerten Rollen c, c', ferner über die Rolle d und find um die Trommel V gewunden
Kurh»i U
N r
) e n b
efeftigt Ift die Trommel V feft gefiel» und wird die Trommel b vermitteln der
°ei A im Sinne des eingezeichneten Pfeiles gedreht dann windet fich das Seil a auf diefe
100 Flugkleie — Flugma/diinen

Trommel und zieht den Wagen W nach rechts. Hier-


durch werden die beiden herabhangenden Seilteile in
gleichem Maße verkürzt und die rlugbank A wird,
parallel bleibend, in dem Bühnenraum fchräg nach auf-
wärts bewegt, wie die eingezeichneten Pfeile anzeigen.
— Die Parallelbewegung der Flugbank A ift genau
geradlinig und bildet mit der horizontalen einen Winkel
von 45°, wenn die herabhängenden Seilteile parallel
find. Die geringe Neigung, die man in der Regel dlefen Seilteilen
gibt, bewirkt nur fehr geringe Abweichung von der geradlinigen
Flugbahn. Soll aber der Flug in einer Kurve fich vollziehen, dann
7
muß gleichzeitig mit der Trommel * auch die Trommel b vermittelt! der Kurbel fC entfprechend
gedreht werden. Durch gleichzeitige Drehungen beider Trommeln, wobei diefe Drehungen in
gleichem oder ungleichem Sinn erfolgen, kann die Flugbank nach beliebiger Richtung bewegt
und in jede beliebige Lage gebracht werden.
Literatur: Cantant, C , und Filippi, J. de, Theatres modernes, Paris 1860, Bd. 2, Blatt 25.
Burmefter.
Flugklele, feine aus den Gries- und Dunftputzmafchinen vom Winditrome
mitgeriffene Kleie.
Flugmafchlnen, Beförderungsmittel zur Bewegung durch die Luft. Man
unterfcheidet aeroftatifche (f. L u f t f c h i f f e ) und dynamifche Flugmafchinen. Die
letzteren find noch nicht verwertbar, haben indes in neuerer Zeit ebenfalls Fort-
fchritte zu verzeichnen, befonders bei den Einzelflugmafchinen oder F l u g -
a p p a r a t e n (f. Kunftflug).
Die früher fehr häufig angeftellten Verfuche mit kleinen Modellen von Flugmafchlnen
boten für die Möglichkeit zu deren Ausführung im großen keine Gewähr, weil die Anforderungen
an die Haltbarkeit der Baumaterialien und damit im Zufammenhang die Gewichte alsdann ganz
andre werden. Fehler, die heute noch von den meiden Konftrukteuren von Flugmafchinen
begangen werden, find die, daß fie fleh zu wenig um die im Luftozean herrfchenden Wlnd-
verhältnifle und um die dabei in Frage geftellte Stabilität ihrer Mafchinen bekümmern.
Man unterfcheidet gegenwartig vier Syfteme dynamifcher Flugmafchinen [1], nämlich :
1. Schraubenflieger, 2. Flügelflieger (Schwingenflieger), 3. Drachenflieger, 4. Segelradflieger.
E i n z e l f l u g m a f c h i n e n find Apparate, die an einem einzelnen Menfchen zum Fliegen
befefligt werden (f. Kunftflug). Unter F l u g m a f c h i n e n Im allgemeinen verlieht man größere
Konßruktlonen, die nach Beendigung der Anfangsverfuche für die Mitnahme mehrerer Perfonen
konftrulert werden follen.
Schraubenfiieger, als Spielzeug jedermann bekannt, find derart konftrulert, daß der
Auftrieb durch mehrere, in verfchledenem Sinne an einer vertikal geftellten Achfe rotierende
Propellerfchrauben, die Vorwärtsbewegung durch ebenfolche an horizontal gelagerten Achfen
bewirkt wird. Um beides miteinander zu vereinigen, find auch Vorfchläge gemacht worden,
die Propeller an mehr oder minder geneigten Achfen anzubringen. Bei Vertretern diefer Syfteme
herrfchen noch Meinungsverschiedenheiten darüber, ob wenige große Schrauben mit langfamer
Rotation oder viele kleine mit großer Umdrehungsgefchwlndigkeit den Vorzug verdienen.
J a r o l i m e k begründet den letzteren Standpunkt mit der Anficht, daß viele kleine Schrauben
weniger leicht den von ihm ermittelten Maximalbetrag des Gewichts pro Flächeneinheit über-
fchreiten wurden, wenn man fie fich aus Stahlblech gefertigt denkt. Von andrer Seite wird
hiergegen geltend gemacht, daß viele kleine Schrauben mit großer Umdrehungsgeschwindigkeit
die Luftwirbelbildung mit ihren unberechenbaren Einflüffen begUnftlgten und daß fchon aus
diefem Grunde große, langfamer rotierende Schrauben vorzuziehen feien. Einen Verfuch mit
einem Schraubenfliegermodell machte 1877 E. F o r l a n i n i in Mailand. Seine Mafchine wog
3,5 kg und vermochte mit Hilfe eines kleinen Dampfmotors in 20 Sekunden fich bis zu einer
Höhe von 13 m zu erheben. Wertvollere Verfuche mit Schrauben bis zu 9 m Durchmeffer
machte 1899 P a t r i k Y . A l e x a n d e r in Bath. Das Ergebnis war: 1. Die Hubkräfte flehen im
quadratifchen Verhältnis proportional der dritten Potenz der Umdrehungszahlen. 2. Der
Arbeitsaufwand für die Zeiteinheit fleht im kubifchen Verhältnis der Umdrehungszahlen. 3. Die
Hubkraft fleht in bezug auf den Arbeitsaufwand im umgekehrten Verhältnis der Umdrehungs-
zahlen [9].
FlügelfHeger. Die Anhänger diefes Syftems beabsichtigen, nach dem Vorbilde von Flug-
tieren Mafchinen mit fchlagenden Flügeln zu konftruieren. Bisher find folche Konftruktionen
nur in Projekten vorhanden oder in kleinen Modellen als fogenannte künftliche Vögel. Von
diefer Richtung hatte fich der Ingenieur O. L i l i e n t h a l in Berlin abgezweigt [1]—(3], der mit
Erfolg die Methode des p e r s ö n l i c h e n K u n f t f l u g e s vertrat Er begann zunBchft mit zwei
Flügeln von 14 qm Tragfläche und 7 m Spannwelte durch Abfprlngen von einem hohen Hügel
gegen den Wind Strecken von über 200 m Lange fchwebend in der Luft zurückzulegen. Nachdem
er hierin genügende Gewandtheit erreicht hatte, beabfichtigte er, einen leichten Motor mitzu-
nehmen, um allmählich den Flügelfchlag mit dem Schweben zu vereinigen. Die hierdurch
bedingte Gewichtsvermehrung hatte aber eine Vergrößerung der Tragfläche zur Folge, die Lilien-
thal durch zwei Übereinander flehende Flächen ausführte [3], Er baute eine derartige Mafchine
von nur 5,5 m Spannweite und 18 qm Fläche, die fich fehr gut handhaben ließ wegen der
energifchen Wirkung jeder Schwerpunktsverfchiebung, die Lilienthal durch die Lage der Beine
hervorrief. Mit diefer Mafchine konnte er bei Wind von über 10 m pro Sekunde den Flug
100 Flugkleie — Flugmafchinen

Trommel und zieht den Wagen W nach rechts. Hier-


durch werden die beiden herabhangenden Seilteile in
gleichem Maße verkürzt und die Flugbank A wird,
parallel bleibend, in dem Bühnenraum Ich rag nach auf-
wärts bewegt, wie die eingezeichneten Pfeile anzeigen.
— Die Parallelbewegung der Flugbank A Ift genau
geradlinig und bildet mit der horizontalen einen Winkel
von 45°, wenn die herabhängenden Setiteile parallel
find. Die geringe Neigung, die man In der Regel diefen Seilteilen
ibt, bewirkt nur fehr geringe Abweichung von der geradlinigen
P
lugbahn. Soll aber der Flug in einer Kurve (ich vollziehen, dann
muß gleichzeitig mit der Trommel b auch die Trommel V vermitteln der Kurbel K! entfprechend
gedreht werden. Durch gleichzeitige Drehungen beider Trommeln, wobei diefe Drehungen in
gleichem oder ungleichem Sinn erfolgen, kann die Flugbank nach beliebiger Richtung bewegt
und in jede beliebige Lage gebracht werden.
Literatur: Cantant, C, und Filippi, J. de, Theatres modernes, Paris 1860, Bd. 2, Blatt 25.
Burmeßer.
Flugkleie, feine aus den Gries- und Dunftputzmafchinen vom Windftrome
mitgeriffene Kleie.
Flugmafchinen, Beförderungsmittel zur Bewegung durch die Luft. Man
unterfcheidet aeroftatifche (f. L u f t f e h iff e) und dynamifche Flugmafchinen. Die
letzteren find noch nicht verwertbar, haben indes in neuerer Zeit ebenfalls Fort-
fchritte zu verzeichnen, befonders bei den Einzelflugmafchinen oder F l u g -
a p p a r a t e n (f. Kunftflug).
Die früher fehr häufig angeftellten Verfuche mit kleinen Modellen von Flugmafchinen
boten für die Möglichkeit zu deren Ausführung im großen keine Gewähr, weil die Anforderungen
an die Haltbarkeit der Baumaterialien und damit Im Zufammenhang die Gewichte alsdann ganz
andre werden. Fehler, die heute noch von den meiften Konftrukteuren von Flugmafchinen
begangen werden, find die, daß fle fleh zu wenig um die im Luftozean herrfchenden Wind-
verhältniffe und um die dabei in Frage geftellte Stabilität ihrer Mafchinen bekümmern.
Man unterfcheidet gegenwärtig vier Syfteme dynamifcher Flugmafchinen [1], nämlich:
1. Schraubenflieger, 2. Flügelflieger (Schwingenflieger), 3. Drachenflieger, 4. Segelradflieger.
E i n z e l f l u g m a f c h i n e n find Apparate, die an einem einzelnen Menfchen zum Fliegen
beteiligt werden (f. Kunftflug). Unter F l u g m a f c h i n e n im allgemeinen verfleht man größere
Konftruktlonen, die nach Beendigung der Anfangsverfuche für die Mitnahme mehrerer Perfonen
konftruiert werden follen.
Schraubenflieger, als Spielzeug jedermann bekannt, find derart konftruiert, daß der
Auftrieb durch mehrere, in verfchiedenem Sinne an einer vertikal gefüllten Achfe rotierende
Propellerfchrauben, die Vorwärtsbewegung durch ebenfolche an horizontal gelagerten Achfen
bewirkt wird. Um beides miteinander zu vereinigen, find auch Vorfchläge gemacht worden,
die Propeller an mehr oder minder geneigten Achfen anzubringen. Bei Vertretern diefer Syfteme
herrfchen noch Meinungsverfchiedenheiten darüber, ob wenige große Schrauben mit langfamer
Rotation oder viele kleine mit großer Umdrehungsgefchwindigkeit den Vorzug verdienen.
J a r o l i m e k begründet den letzteren Standpunkt mit der Anficht, daß viele kleine Schrauben
weniger leicht den von ihm ermittelten Maximalbetrag des Gewichts pro Flächeneinheit ttber-
fchreiten würden, wenn man fie fleh aus Stahlblech gefertigt denkt. Von andrer Seite wird
hiergegen geltend gemacht, daß viele kleine Schrauben mit großer Umdrehungsgefchwindigkeit
die Luftwirbelbildung mit ihren unberechenbaren Elnflüflen begünftlgten und daß fchon aus
diefem Grunde große, langfamer rotierende Schrauben vorzuziehen feien. Einen Verfuch mit
einem Schraubenfliegermodell machte 1877 E. F o r l a n i n l in Malland. Seine Mafchine wog
3,5 kg und vermochte mit Hilfe eines kleinen Dampfmotors in 20 Sekunden fich bis zu einer
Höhe von 13 m zu erheben. Wertvollere Verfuche mit Schrauben bis zu 9 m Durchmeffer
machte 1899 P a t r i k Y . A l e x a n d e r in Bath. Das Ergebnis war: 1. Die Hubkräfte flehen im
quadratischen Verhältnis proportional der dritten Potenz der Umdrehungszahlen. 2. Der
Arbeitsaufwand für die Zeiteinheit fleht im kubifchen Verhältnis der Umdrehungszahlen. 3. Die
Hubkraft fleht in bezug auf den Arbeitsaufwand im umgekehrten Verhältnis der Umdrehungs-
zahlen [9].
Flügelflieger. Die Anhänger diefes Syftems beabflchtlgen, nach dem Vorbilde von Flug-
tieren Mafchinen mit fchlagenden Flügeln zu konftruleren. Bisher find folche Konftruktlonen
nur in Projekten vorhanden oder in kleinen Modellen als fogenannte künftliche Vögel. Von
diefer Richtung hatte fich der Ingenieur 0 . L i l i e n t h a l in Berlin abgezweigt [1]—[3], der mit
Erfolg die Methode d e s p e r f ö n l i c h e n K u n f t f l u g e s vertrat Er begann zunächft mit zwei
Flügeln von 14 qm Tragfläche und 7 m Spannweite durch Abfpringen von einem hohen Hügel
gegen den Wind Strecken von über 200 m Länge fchwebend in der Luft zurückzulegen. Nachdem
er nierin genügende Gewandtheit erreicht hafte, beabfichtigte er, einen leichten Motor mitzu-
nehmen, um allmählich den Flflgelfchlag mit dem Schweben zu vereinigen. Die hierdurch
bedingte Gewichtsvermehrung hatte aber eine Vergrößerung der Tragfläche zur Folge, die Lilien-
thal durch zwei übereinander flehende Flächen ausführte [3]. Er baute eine derartige Mafchlne
von nur 5,5 m Spannweite und 18 qm Fläche, die fleh fehr gut handhaben ließ wegen der
energifchen Wirkung jeder Schwerpunktsverfchiebung, die Lilienthal durch die Lage der Beine
hervorrief. Mit diefer Mafchine konnte er bei Wind von über 10 m pro Sekunde den Flug
Flugmafchinen 101

wagen und fchon bei Wind von 6 - 7 m pro Sekunde beinahe horizontal von der Spitze feines
künftlichen Hügels abfehweben. Mit einem größeren Apparat von 7 m Spannweite und 2 5 q m
Fläche, der natürlich fchwieriger zu handhaben ift, waren die Verfuche noch nicht abgefchloffen,
als leider am 10. Auguft 1896 der kühne Forfcher infolge eines Sturzes flarb Die von Lilien-
thal gefchaffene neue Richtung hat befonders in England, Frankreich und Amerika viele Anhänger
6 U n
Drachenflieger beftehen aus einer Vereinigung von fehief gegen den Horizont geftellten
Flächen mit mafchincllen Antriebsvorrichtungen. Die TJrachenflächen follen hierbei den Auftrieb
vermitteln, die Stabilität in der Luft fkhern und ein fanftes Herabkommen ermöglichen. Von
diefen Anforderungen ift die erfte ftets
erfüllt worden. Die Stabilität hingegen
fowie das fichere Landen find Fragen,
deren Löfung in der Zukunft liegt. Nach-
dem eine große Anzahl von Modellen
™ kleinen das Fahren eines Drachen-
fliegers gezeigt hatten, baute der Eng-
länder H o r a t i o P h i l i p p s 1892 einen
größeren Apparat, den er 1893 in einer
Hundbahn mit einigem Erfolg verfuchte
v
( 'gl- [6]). Seine Drachenfläche (Fig. 1)
bildete eine 5,5 m breite, 2,4 m hohe
Jaloufie von vielen nur 38 mm breiten,
im Querfchnitt parabolifch gekrümmten
Latten. Diefe Fläche war auf einem
wagen montiert, den eineDampfmafchine
mittels einer zweiflügeligen Propeller-
ichraube vorwärtsbewegte. Der Apparat Flg. I. Flugmafchine v o n H. Philipps.
hob fich in der Rundbahn von 191m Um- ,„.,„„, . . .
fang 6 0 - 9 0 m hoch; fein Gewicht mit Beladung betrug 183 kg, feine Tragfläche 12,65 qm, feine
Gefchwindigkeit etwa 12 m pro Sekunde. Gleichzeitig machte H. M a x i m in den Jahren 1891
bis 1894 Verfuche mit Drachenfliegern, die zum Bau eines großen derartigen Apparates führten
der imftande war, drei Menfchen zu tragen. Maxims Flugmafchine (Fig. 2) beftand aus breiten
verflellbaren Tragflächen von 360-450 qm
Größe. Den Antrieb gaben zwei zwei-
flügelige Propellerfchrauben, die durch
e i
n e mit Petroleum geheizte Dampf-
rnafchine von 363 PS. rotiert wurden.
P Flugmafchine war auf Rädern mon-
i e

tiert; fie lief auf einer etwa 540 m langen


^chienenbahn. Das Totalgewicht diefer
größten bisher konfluierten Flugmafchine
betrug mit drei Menfchen, Waffer und
Feuerung 3632 kg. Bei einer Gefchwin-
digkeit von etwa 16 m pro Sekunde und Flg. 2. Flugmafchine v o n H. Maxim.
bei 375—400 Schraubenumdrehungen in . ,, . « * _ , . . ,
u , .
m .».,„.
der Minute und Stellung der Tragfläche unter 7 ' / ° wurde die Auftriebskraft der Flugmafchine
8

zu 4540 kg gemeffen [41—161


Wenn es hiernach feftfleht, daß unfre heutige Technik wohl imflande ift, Flugmafchinen
2
u bauen, fo ift fie doch noch weit davon entfernt, folche für den freien Flug in der Luft fUbil
"nd für Abfahrt und Landung praktikabel herftellen zu können. Weitere Verfuche in diefer
Achtung machte unabhängig von Maxim feit 1891 L a n g l e y . Nachdem fr zur Erkenntnis
gelangt war, daß geneigte Flächen, die mehr als taufendmal fchwerer als die Luft find in dieltr
fchwebend erhalten werden können, fobald ihnen eine große horizontale Gefchwindigkeit erteilt
w
i r d , und daß folche Gefchwindigkeiten mit unfern heutigen Motoren (ich erreichen lauen
baute er Flugmafchinenmodelle der Klaffe der Drachenflieger Lieber den im Jahre 18 >6
mit einem folchen angeftelltcn Vernich berichtet uns G ^ h a m B e l l : Der Drachenf leger be aß
« n e leicht gekrümmte Fläche von im ganzen etwa 4 qm Große Die fehr leichte Mafchine
hatte beinahe 1 PS der ganze Apparat wog mit Brennftoff und Waffer etwa 1 3 - 1 4 kg. Uie
Flugmafchine wurde von einem Kahne aus auf dem Potomakfluffe losgelaffen. Infolge ihre
automatifchen Steuerung flog fie in einer Spirale von etwa 100 m Durchmeffer und flieg dabei
Ws.auf 25 m worauf lie fich nach 1 Minute 30 Sekunden mit dem Stopper, d e . ^ a f c h i n e
ruhig herniederfenkte Die ganze Fahrtlänge wurde bei einem ferneren Verfuch auf 9 0 0 m
Schätzt, die mitSere Gefchwindigkeit auf 1 0 m pro Sekunde. Langleys Verfuche wurden 1903
m
' t einer großen Modellmafchine fortgefetzt. Letztere hatte vier Tragflächen von je 6 7 m
Länge und 3,3 m Breite. Die Mafchine klafterte 14,3 m und wurde von einer 21 m langen
Gleitvorrichtung mit einer Gefchwindigkeit von 12 m pro Sekunde gegen den Potomakfluß
l°sgelaffen, nachdem Mr. Manlcy darin Platz genommen hatte Der Drachenflieger fiel indes
fofort nach dem Verlaffen der Bahn ins Waffer und wurde hierbei zerflört [91. Einen weiteren
erwähnenswerten Verfuch machte Ingenieur W. K r e ß 1898-1902 mit einem Drachenflieger mi
drei gewölbten Tragflächen von einem Areal von 90 qm und von rund 700 kg Gewicht mit
f e i Perfonen und einem 35-PS.-Daimler-Motor. Er wollte fich von der Seefläche bei Tu lnerbach
a
« s erheben, kippte aber beim Verfuch um und verfank [9], [10]. Seitdem haben Verfuche mit
größeren Drachenfliegern nicht mehr flattgefunden.
102 Flugfahiff— Flugtechnik

Einer befonderen Klaffe gehört der Segelradflieger von W e l l n e r [8] an. Das Segelrad
befitzt, ahnlich den Morgan-Rädern der Raddampfer, durch Exzenter bei der Rotation drehbare
Tragflächen. Die Segelräder, deren jede Flugmafchlne wenigftens zwei haben muß, liegen mit
ihrer Achfe in der Fahrtrichtung und follen durch ihre Tragflächen den Apparat heben, durch
ihre Schraubenförmig geftellten, breiten Radfpeichen ihn horizontal vorwärtstreiben. Verfuche,
die auf Kotten des Oefterreichifchen Ingenieur- und Architektenvereins mit einem Segelrade
angestellt wurden, hatten folgendes Refultat: Der DurchmeSSer des Rades betrug 4,77 m, die
Tragflächen waren 3 m lang, 1 m breit; das Gewicht war 292 kg. Der größte Auftrieb ergab
Sich mit vier Flächen bei 17,75 m Umfangsgeschwindigkeit mit 55 kg bei 9,46 PS. — Nach
Wellner beträgt die Tragfähigkeit feines Rades pro Quadratmeter Segelfläche bei 20 m Umfangs-
geschwindigkeit 5,00—7,00 kg, bei 25 m 7,81—10,93 kg, bei 30 m 11,25—15,75 kg. Die Hebe-
0
leiftung des Rades bei einer Stellung der Flächen unter 12V» war für je 1 PS. netto Arbeits-
verbrauch bei einer Umfangsgeschwindigkeit von 5 m 40,7 kg, 10 m 58,8 kg, 15 m 33,1kg,
17,5 m 23,2 kg. Der relativ befte Hebeeffekt liegt alfo bei den geringeren Geschwindigkeiten,
was durch die mit der zunehmenden Geschwindigkeit eintretenden Störenden Luftwirbelbildungen
zu erklären ift [3].
Während im allgemeinen ein horizontaler Flug (Gradflieger) angestrebt wird, gibt es
auch eine Richtung, die Sich vom wellenartigen Fluge ( W e l l e n f l i e g e r ) infofern mehr ver-
spricht, als fie annimmt, daß beim Abflug von einem hohen Punkte im absteigenden Afte der
Flugbahn So viel lebendige Kraft gefammelt werden kann, daß die FlugmaSchine durch geeignete
WinkelStellung ihrer Fläche wieder gehoben werden könnte. Was hierbei an Kraft durch Wider-
ftände verloren geht, foil durch Motorkraft erzeugt werden. Flugmafchinen diefer Klaffe find
zurzeit nur in Projekten (W. C l a r k 1865, W e l l n e r 1883, P l a t t e 1883 u. a.) vorhanden. Man
bezeichnet dieselben mit dem Namen Wellenflieger [3].
Literatur: [1] Moedebeck, Tafchenbuch für Flugtechniker und Luftfchiffer, Kap. 13: Hoerneß,
Dynamifche Luftschiffe, Berlin 1904. — [2] Lilienthal, O., Der Vogelflug als Grundlage der Fliege-
kunft, Berlin 1889. - [3] Zeitfchr. f. Luftschiffahrt und Phyfik der Atmofphäre, Berlin 1882-1900.
— [4] Means, J., The Aeronautical Annual 1896, Bofton, MaSS. — (5] Chanute, O., Progress in
flying machines, New York 1893. — [6] XXIII. Report of the Aeronautical Society of Great Britain,
London 1893. —J7] L'Ae'ronaute bulletin mensuel illustre' de la navigation alrienne, Paris 1868—1905.
— [8] Wellner, Dynamischer Flug und die Segelradflugmafchine, Zeitfchr. d. Ver. deutsch. Ingen.
1894, S. 1024. — [9] Illustrierte Aeronautische Mitteilungen, deutsche Zeitfchr. für Luftschiffahrt,
Straßburg i. E. 1897-1906. — [10] Kreß, Aviatik, Wie der Vogel fliegt und wie der Menfch
fliegen wird, Wien 1905. tleedeheck.
Flugfchlff, gleichbedeutend mit L u f t f c h i f f (f.d.).
Flugftaub, die von den Verbrennungsgafen einer Feuerung, den Abgafen
von Oefen oder den aus Zerkleinerungs-, Sieb- und Mifchvorrichtungen ent-
weichenden Luftftrömen mechanifch mitgeriffenen feilen Körperteilchen.
Die Abfcheidung diefer Staubteile bewirkt man durch plötzliche Verminderung der Ge-
schwindigkeit der Gasftröme beim Eintritt in weite Räume — F l u g f t a u b k a m m e r n — , durch
Umkehrung der Bewegungsrichtung, wobei die Staubteilchen ihre Richtung beibehalten und
niederfallen, durch Erzeugung eines Regens in den Senkrechten Leitungen, der den Staub mit
niederreißt, oder endlich durch Anwendung von SchleudergebläSen unter Mitwirkung von Waffer,
das aus der Welle des Flügelrades austritt. Das letzte Prinzip des Ausfchleuderns hat fich als
in höchstem Maße wirkSam erwieSen. — Ueber andre Vorrichtungen zur AbScheidung von Staub,
besonders aus kalten GaSen, S. S t a u b s a m m l e r . Becken.
Flugtechnik umfaßt alle Beftrebungen, die fleh eine nutzbare künftliche
Fortbewegung des Menfchen durch die Luft zum Ziel gefetzt haben. Man unter-
fcheidet hierin zwei Richtungen, die aeroftatifche (f. B a l l o n ) und die aero-
dynamifche (f. F l u g m a f c h i n e n ) . Die aeroftatifche Flugtechnik teilt fich in die
Unterabteilungen Ballontechnik und Fahrtechnik, die fleh mit Bau von Ballons
und Verbeflerung von deffen technifcher Einrichtung bezw. mit dem Gebrauch
des Ballons als Fahrzeug befchäftigen. Die aerodynamifche Richtung ringt
zurzeit noch nach Gestaltung; fie befitzt kein fertiges brauchbares Fahrzeug;
bei ihr foil letzteres erft erfunden werden.
Die Arbeiten des Flugtechnikers Im allgemeinen und des aerodynamifchen Flugtechnikers
im befonderen haben gerade in den letzten Jahren einen außerordentlichen Auffchwung genommen,
und es fleht zu erwarten, daß die angestrebten Ziele erreicht werden, fobald angefangen wird,
mit Verfuchen im großen fyftematifch und wiffenSchaftllch vorzugehen. Alle bisher mit kleinen
Modellen glücklich ausgeführten Experimente find für den Bau großer Flugmafchinen wertlos.
Ebenfo wertlos für die Förderung der Flugtechnik find theoretische Betrachtungen und Berech-
nungen , die nicht praktisch erworbene VerSuchsrefultate zur Unterlage haben. Die bisherigen
Arbeiten haben indes bereits zwei große Erfolge zu verzeichnen, die man als erfte Etappen
auf dem Wege zur Löfung des Flugproblems betrachten kann. Sie haben einmal die Vorgänge
beim Flug der Vögel klargelegt und ferner die Aufmerksamkeit auf die Strömungen und Wirbel-
bildungen der Luft gelenkt, die fowohl a priori vorhanden find, als auch um jeden Flugkörper
In der Luft fich bilden muffen und deSSen Stabilität und Bewegungen mitbestimmen. Seit einer
Reihe von Jahren haben fich in allen Ländern die Intereffenten der Flugtechnik in Vereine
zufammengefchloffen.
Die zurzeit bestehenden bedeutenden Vereine diefer Art find folgende:
Flugzeit der Gefdioffe — Fluorwafferftoff 103

i. Berliner Verein für Luftfchiffahrt in Berlin. 2. Münchner Verein für Luftfchiffahrt


j - Oberrheinifcher Verein für Luftfchiffahrt in Straßburg i. E. 4. Augsburger Verein für Luft-
cniffalirt. 5. Niederrhelnifcher Verein für Luftfchiffahrt in Barmen. 6. Flugtechnischer Verein
' " W e n . 7. Aeronautical Society of Great Britain in London. 8. Societe" francaise de navigation
«nenne in Paris. 9. L'aeroclub de France in Paris. 10. Abteilung VII der Kaiferlich rafflfchen
lechnifchen Gefellfchaft in St. Petersburg. 11. Socleta Aeronautica Italiana in Rom. 12. Real
Aereo Club de Espafla In Madrid. 13. The Aeroclub of America in New York.
Folgende Veröffentlichungen werden von diefen Vereinen herausgegeben:
Nr. 1—6, Illuftrierte Aeronautifche Mitteilungen, deutfche Zeitfchrift für Luftfchiffahrt,
JJrgan des Deutfchen Luftfchifferverbandes und des Wiener Flugtechnifchen Vereins, Straßburg,
D e
' K . J. Trübner, erfchelnt monatlich. Nr. 2 Jahresberichte des Münchner Vereins für Luft-
jcnirfahrt, Herausgeber Emden, München. Nr. 7 Reports of the Aeronautical Society of Great
Britain, erfcheint vierteljährlich. Nr. 7 L'Aeronaute, Fondateur M. Abel Hureau de Villeneuve,
£ a r s , erfchelnt monatlich. Nr. 8 L'Aerophile, directeurs M. G. Befancon et W. de Fonvielle,
Paris, erfchelnt monatlich.
Literatur zum B a u v o n B a l l o n s u n d V e r f u c h e n m i t F l u g m a f c h i n e n : Moede-
Decks Tafchenbuch für Flugtechniker und Luftfchiffer, Berlin 1904; Lilienthal, O., Der Vogelflug
als Grundlage der Fliegekunft, Berlin 1889; Graffigny, H. de, Traite" d'aerostation theorlque et
Pratique, Paris 1891. stotdihtck,
Flugzeit d e r G e f c h o f f e , f. B a l l i f t i k .
Fluldalftruktur, f. G eft e i n e .
Fluldität, f. R e i b u n g , i n n e r e .
7
F l u o r / / (Atomgew. 19, fpez. Gew. 1,265, wenn Luft = l ; 1 1 wiegt
1.6466 g), ein hell-gelbgrünes Gas von äußerft hoher chemifcher Energie. Wegen
der Schwierigkeit feiner ausfchließlich durch Elektrolyfe von reiner, wafferfreier
Fluorwafferftofffäure erfolgenden Darfteilung und der Gefährlichkeit feiner Hand-
habung ift Fluor noch wenig unterfucht. Von M o i f f a n 1886 erftmals aus
feinen Verbindungen in Freiheit gefetzt. Technifch bis jetzt unwichtig, A«/«-*
Fluorcalcium, f. v. w. C a l c i u m f l u o r i d (f. d.).
Fluoreszeln, f. F a r b f t o f f e , k ü n f t l i c h e o r g a n i f c h e , Bd. 3, S. 632.
Fluoreszenz, f. L u m i n e s z e n z .
Fluoride, die einfacheren Verbindungen des Fluors mit anorganifchen oder
organifchen Stoffen. Die F l u o r m e t a l l e , Verbindungen, aus Fluor und Metallen
beftehend, find auch als Salze der Fluorwafferftofffäure zu betrachten. Wichtige
Fluoride find der Flußfpat und der K r y o l i t h (f.d.) für die Metallurgie, die
A n t i m o n f l u o r i d e (f.d.) für die Färberei. Bnjat*.
Fluorit, f. v. w. F l u ß f p a t (f. d.).
Fluorklefelmetalle ( K i e f e l f l u o r m e t a l l e ) , f . S i l i c i u m f l u o r i d e .
Fluormetalle, f. F l u o r i d e .
Fluorophore heißen gewiffe Atomgruppen, an deren Exiftenz im Molekül
die Eigenfchaft der Fluoreszenz geknüpft ift.
Es find dies vor allem gewiffe fechsglledrige, meift heterocyklifche Ringe, wie der Pyron-,
Azin-, Oxazin-, Thiazinring, ferner die Atomringe im Anthracen und Akridin. Die Wirkung
der Fluorophore wird von der benachbarten Atomgruppierung erheblich beeinflußt.
. , Literatur: Nernft, Theoretifche Chemie, 4. Aufl., Stuttgart 1903; Meyer, R., Zeitfchr.für
Phyf. Chem., 24., 468,1897; Ber. d. D. ehem. Oef., 31, 510,1898, und 36, 2967,1903. f. Krügtr.
Fluorwafferftoff ( F l u o r w a f f e r f t o f f f ä u r e , F l u ß f ä u r e / / F / ) (Mol.-Gew.
20, fpez. Gew. 0,9879 bei 15° C.), bildet bei niedriger Temperatur eine farb-
lofe Flüffigkeit, deren Siedepunkt bei 19,5° und deren Erftarrungspunkt bei
— 102,5« liegt.
S i e w i r d
ur,. wie die Salziäure faft nur als wäfTerige Löfung in den Handel gebracht Die
Wirkung diefer wäfferigen Säure ift eine höchft energifche. Sie löft faft alle Metalle außer Blei
und den Edelmetallen, fie bildet mit den melden Metalloxyden Salze und bildet auch mit
Metalloiden, befonders mit Silicium leicht lösliche und auch flüchtige Fluoride; fle «erfetzt
"laher Glas und andre Silikate mit großer Leichtigkeit. Man Hellt die wäfferige Säure durch
«rfetzung von pulverifiertem Flußfpat mit Schwefelfäure In mit Bleihauben bedeckten guß-
el
[ernen Reffein her. Die aus diefen Kefleln entweichenden Dämpfe, deren Einatmen fehr ge-
fährlich ift, fangt man In bleiernen Vorlagen in WafTer auf. Für die meiften Zwecke genügt
üie fo erhaltene Säure. Wo größere Reinheit verlangt wird, erfolgt ein Umdeftillleren in Platin-
gefäßen. — Große Mengen von Flußfäure dienen heute zur Herftellung von An Um o n -
' l u o r i d e n (f.d.), die als Erfatz von Brechwelnftein in der Färberei benutzt werden. Die
Praktifch wtchtlgfte Eigenfchaft des Fluorwafferftoffes ift, daß er Glas angreift. Infolgedeffen
»ndet er ausgedehnte Anwendung zum Aetzen von Glas. Das Aetzen von Glas gefchieht ent-
r m , t e , n e r
fli.
ucnt
wäfferigen Löfung von Fluorwafferftoff (die Aetzung wird dann glänzend, durch-
'K)> oder man ätzt mit dem Gas felbft, wodurch man eine matte Aetzung erzielt Der
fjiäferne Gegenftand wird mit Aetzgrund, d.h. mit einer Wachsfchicht, überzogen, In welche
104 Flur — Flußdeiche

die gewünfchten Figuren u. f. w. eingezeichnet werden. — Der Transport der Säure findet in
Blei- oder Kautfchukflafchen ftatt. Bujard.
Flur, im allgemeinen jede abgegrenzte ebene Fläche, daher 1. die Ge-
famtheit der zu einem Orte gehörigen Felder u. f. w.; 2. im Haufe bezeichnet
Flur den Vorplatz, die Eingangshalle u. dergl., die den offenen, jedermann zu-
gänglichen Teil des Haufes bildet, von wo aus der Zutritt zu den übrigen
Räumen erfolgt.
Flurbuch, Flurkarte, Flurnamen, f. Katafter.
Flurplatten heißen die meift aus Riffelblechen beftehenden Fußboden-
platten in den Mafchinen- und Heizräumen der Schiffe.
Flurziegel, Ziegel gewöhnlicher Form, befonders fcharf gebrannt und daher
gegen Abnutzung wenig empfindlich; f. F l i e f e n und T o n w a r e n .
Fluß, ein Händig laufendes großes offenes Gewäffer.
Ein Teil des Waffers berührt hierbei die Erdoberfläche; den wafferberührten Teil der
letzteren heißt man das Bett des Gewäffers ( F l u ß b e t t ) . Der von der freien Atmofphäre
berührte Teil des Gewäffers heißt deffen Spiegel (Fl u ß w a f S e r Spiegel). Nach der Größe
unterfcheidet man auch Bäche, Flüffe und Ströme; doch find präzife Trennungen diefer Kate-
gorien der Gewäffer nicht eingeführt und deshalb die Bezeichnungen mehr oder weniger willkürlich.
Fluß, f. v. w. F l u ß f p a t (f.d.).
Flußbett, f. F l u ß .
Flußdeiche find bereits in dem Art. D e i c h erwähnt und in H a u p t -
d e i c h e ( W i n t e r d e i c h e ) , S o m m e r d e i c h e , g e f c h l o f f e n e und o f f e n e
Deiche gefchieden worden; ihr Zweck ift Schutz gegen das Hochwaffer der
Flüffe. Rückftau- oder Rückdeiche werden an den Ufern des Nebenfluffes von
feiner Mündung in den Hauptfluß fo weit ftromaufwärts geführt, daß deffen
Hochwaffer die Niederung des Nebenfluffes nicht mehr zu überfluten vermag.
F l ü g e l - oder S c h e n k e l d e i c h e werden im Anfchluß an den Hauptdeich her-
geftellt und dienen verfchiedenen Zwecken, von denen die hauptfächlichften
folgende find: a) Verhinderung zu ftarker Durchftrömung tief gelegener Flächen
des Vorlandes, auf das der in geringer Höhe ausgeführte Flügeldeich geführt
wird; b) Verhinderung des Verfandens und fchädlicher Rückftaubildung bei Ver-
einigung zweier Flüffe unter fpitzem Winkel, indem an der Vereinigungsftelle
ein Flügeldeich angelegt wird (Fig. 1); zum
Schutze vorfpringender Deichecken, von denen
aus fie — gewiffermaßen als Buhnen — bis
zum Vorlande herabgeführt und an der oberen
Seite abgepflaftert werden, um den Stoß des
Eifes auszuhalten; c) als F r o n t d e i c h e zum
Anfchluß des Hauptdeiches an hochwafTerfreie
Höhen. — Liegt ein Deich hart am Fluffe, ift
er alfo der Strömung unmittelbar ausgefetzt, fo
heißt er S c h a a r - oder G e f a H r d e i c h ; feine Sicherung erfordert dann befondere
Sorgfalt, namentlich auch durch Deckung der im Angriff liegenden Uferftrecke.
— Tritt ein neuer Deich an Stelle eines alten, fo wird diefer zum S c h l a f -
d e i c h , der auch wohl S t u r m d e i c h genannt wird, wenn man ihn der Sicher-
heit wegen beibehält. Zum Schutze von Ortfchaften und Gehöften, die inner-
halb einer gar nicht oder unzureichend eingedeichten Niederung liegen, dienen
Ringdeiche.
Erft durch Eindeichung der Täler und Niederungen der Flüffe ift deren geregelte Be-
wirtschaftung unabhängig von dem Jeweiligen Wafferftande geworden, und ihr allem verdanken
wir den blühenden Kulturzuftand, in dem fich die durch die Anschwemmungen des Fluffes
fruchtbar gewordenen Gebiete befinden. Diefen Vorteilen flehen indes erhebliche Nachteile
gegenüber, die fich im Laufe der Zeit (die erften größeren Eindeichungen flammen in den
Niederlanden aus dem 12., im Weichfeldeita aus dem 13. Jahrhundert) immer mehr verstärkt
haben. Dahin gehört die Hebung des Wafferfpiegels infolge der Einschränkung des Hoch-
wafferbettes, die bei der unregelmäßigen Anlage der Deichlinien in früheren Zeiten oft
eine fehr beträchtliche ift. Sie wird noch verstärkt durch die fortdauernde Ablagerung der
Sinkftoffe auf dem Vorlande der Deiche und oft auch auf der Sohle des Fluffes, während die
eingedeichten Flächen, die ohnedies durch die Kultur fchon eine Senkung erfahren haben, von
dieser Ablagerung frei bleiben. Dadurch wächst die notwendige Höhe der Deiche; zugleich
vermindert fich die Fruchtbarkeit der eingedeichten Gebiete, und es wird immer Schwieriger,
ihnen eine geregelte Vorflut durch natürliches Gefälle zu verfchaffen. So kommt es, daß
Flußdeuhe 105

manche Flußniederungen — beifpielsweife am Rhein und an der Weichfei — bereits unter


dem gewöhnlichen Wafferfpiegel der Flüffe und teilweife unter dem des Meeres liegen und
lomit auf kflnftliche Entwäfferung angewiefen find.
Diefen fich allmählich immer Stärker ausprägenden Nachteilen flehen wirklich durchführ-
bare Verbefferungsvorfchläge nur in geringem Umfange gegenüber. Die Zurückhaltung des
Hpchwaffers an den Stellen feiner Entftehung, alfo insbesondere in den Quellgebieten, und
Je n allmähliches Abiaffen würde zwar das Uehel an der Wurzel treffen, doch ftellen fich einer
«olchen Anfammlung des Waffers große Schwierigkeiten entgegen, abgefehen davon, daß die
Korten ganz bedeutend fein würden. Die vorgeschlagene Vergrößerung der bewaldeten
Hachen, deren Streudecke dann die Verfickerung begünftigen foil, kann in unfern dicht
bewohnten Kulturländern nur noch in ganz mäßigem Umfange zur Ausführung kommen. Für
a
' e Anlage von Sammelbehältern, die das Waffer zur Zeit der Schneefchmelze aufnehmen, find
nur teilweife geeignete Oertlichkelten vorhanden; zugleich wird aber ihre Ausführung auch bei
Künftigen örtlichen Verhältniffen fehr teuer. Die Anfammlung von 1 cbm WafTer in Staubecken
erfordert nur feiten weniger als 3 5 J > Anlagekapital; foil beifpielsweife auch nur ein Drittel des
«ochwaffers eines Stromes, der 5 Tage lang fekundlich 4000 cbm führt, aufgespeichert werden,
'0 würde bei obigem Preife hierzu ein Aufwand von mehr als 200 Millionen Mark erforderlich
werden. Demgemäß find die eifrigen Fürfprecher diefes Vorschlages, die fich früher namentlich
jn Frankreich fanden (gelegentlich der Erörterung der Mittel zur Befeitigung der verheerenden
f-olre-Ueberfchwemmungen), allmählich verftummt; es wäre aber verkehrt, ihn vollständig zu
verwerfen, da fleh durch paffende Anwendung des Gedankens doch vieles erreichen läßt und
^ c h manche fonftigen volkswirtfchaftlichen Vorteile durch Gewinnung von Wafferkräften und
waffer zu Verforgungszwecken damit verbunden find. Hand in Hand müßte eine gute Ufer-
unterhaltung auch der kleineren Wafferläufe gehen, damit der Uferabbruch möglichft verhindert
und So die Menge der SinkStoffe auf das geringfte Maß befchränkt wird.
Ein andrer Gedanke ift der, die beftehenden Winterdeiche in Sommerdeiche umzuwandeln,
aamit das befruchtende Winter- und Frühjahrshochwaffer für die eingedeichten Flächen nutzbar
gemacht werden kann, oder Einlauffchleufen und befondere U e b e r l a u f d e i c h e (f. d.) anzu-
legen. Die Ortfchaften wären bei diefer Anordnung mit hochwafferfreien Ringdeichen zu
umgeben oder auf wafferfrelen Hügeln zu errichten; um ein Starkes Durchfirömen des Tales zu
vermeiden, müßten hochwafferfreie Querdämme gefchüttet werden. Diefer Vorfchlag hat aui
°en ersten Blick vieles für fich, ift aber in dicht bevölkerten Marfchen fchwer ausführbar. Der
ganze Wirtfchaftsbetrieb ift fo fehr auf die Fernhaltung der Hochfluten eingerichtet, daß ihr
ungehinderter Zutritt auf die außerhalb der Ringdeiche belegenen Flächen zahlreiche Nachtelle
und Laften mit Sich bringen würde. Zu dieSen gehört z. B. neben der Verzinsung der Anlage-
«ölten für die neuen Deiche und neben ihrer Unterhaltung das Aufgeben aller in Geländehöhe
{'egenden Verbindungswege während der UeberSchwemmung. Die Durchführung einer folchen
Umwandlung innerhalb eines vorhandenen Deichverbandes, fei es auch zunächst nur in der
jjorm der Aufstellung eines Entwurfs mit Kostenanschlag, würde wahrscheinlich ergeben, daß
e
j?' neu zu tragenden Laften Sehr beträchtlich Sind, ohne daß ihnen besondere Vorteile gegen-
überstehen. Der gegenwärtigen Bevölkerung aber könnte man es nicht verdenken, wenn Sie
e e r
S S ^ ' g * . d'efe Laften zum Wohle der künftigen Ge-
icniechter aui fich zu nehmen.
. Wie oben erwähnt, ift jede Eindeichung gleich-
1 m , t e i n e r
et i « * Einschränkung des Hochwafferquer-
jcnnitts, hat alSo eine Hebung des Hochwafferfpiegels zur
r
° l g e . Diefe läßt fleh annähernd folgendermaßen berechnen:
n Für die fekundlich abfließende Waffermenge hat man
V w e n n d e n
i7TA ' F Querschnitt, v die mittlereGefchwindfg-
«eJt des HochwaSTers bezeichnet. Nennt man « das Gefälle der Strecke, r die mittlere Tiefe, * die
B
rette des Flußbettes bei Hoch waffer, fo ift F=bt und annähernd v=*c\>>t, alfo
Q= bcf^t»,
wenn c einen Koeffizienten bezeichnet, der bei diefer vorläufigen Untersuchung unveränderlich
•"genommen werden kann. Dann wird nach Ausführung des Deiches (Fig. 2)

Der fo ermittelte Näherungswert dient zur Grundlage der genaueren Berechnung, bei der
«ne Trennung des eigentlichen Flußfchlauches von dem Vorlande angenommen und demgemäß
f ü r D e i d e
üitau-f Abschnitte geSondert beftimmt wird (am beften nach Kutter). Im übrigen
inn d u r c n d , e
Eindeichung auch die fekundlich abfließende Waffermenge eine Erhöhung,
•naem die Flächen kleiner werden, auf denen das Hochwaffer Sich ausbreiten und aufspeichern
*ann; doch ift dleSe Erhöhung meiftens nicht erheblich.
*. Bei Feftlegung der Deichlinien ift tunlichft der Abftand B innezuhalten und darauf zu
»enen, daß ftets Vorland von genügender Breite zum Schutze des Deichfußes und behufs Ent-
w
vn« I i erforderlichen Bodenmenge vorhanden ift. Auch muß die Deichlinie zur Vermeidung
c?™.. Strömungsangriffen dem Hochwafferftrich möglichft parallel laufen; doch find niedrige
u n d f o , c h e m i t
f.«« fchlechtem Boden möglichft zu vermeiden und die Kolke an der Außen-
2
feh' « belaffen, damit fie allmählich verfchlTcken können. Starke Krümmungen find nicht zu
ao
,„,r,. *ufchnelden, damit das Hochwaffer nicht das Beftreben erlangt, einen Durchbruch herbei-
2 , 7 ° ' Betreffs Herstellung der Deiche fei den im Art. D e i c h gemachten Ausführungen
"«eh folgendes hinzugefügt:
106 Flußeifen

Nach S c h e l t e n foil der Sandgehalt des zur Erftellung eines Deiches verwendeten Bodens
0
mindeftens 15% und nicht über 45 / , die Druckfeftigkeit in trockenem Zuftande, die einen
0

MaBftab für die Zähigkeit des tonigen Bindemittels gibt, mindeftens 20 kg für den Quadratzentimeter
betragen. Humofer Boden und Gartenerde find auszuschließen, da fle nicht dicht find und
Mäufe oder Maulwürfe anlocken; Moorboden ift fchon des geringen Gewichtes wegen nicht zu
gebrauchen. Ift der Boden fehr fandhaltig, fo ift der Deich durch Anlage flacher Böfchungen
zu verftärken und die Außenfeite mit einer 0,3—1 m darken Schicht tonhaltigen Bodens zu
bekleiden, die fich bei fehr lockerer Befchaffenheit des Deichkörpers auch auf Binnenfeite und
Krone zu erftrecken hat. Die Entnahme der Deicherde erfolgt vom Vorlande her entweder
aus tiefen Gruben, zwifchen denen Querwände flehen bleiben, um das Zufchlicken zu befördern,
oder es wird das Vorland nur fo tief abgegraben, daß es noch als Weide dienen kann, nachdem
die obere Humusfchicht wieder aufgebracht ift. Das Binnenland darf nur im äußerften Notfall
zur Gewinnung der Deicherde herangezogen werden.
Das S c h ü t t e n der Deicherde erfolgt gleichmäßig In der ganzen Deichlinie in geneigten
oder flach gewölbten, nur mäßig feuchten Lagen von 20—40cm Stärke, die durch Stampfen
(unter Mithilfe der Wagenräder und Zugtierhufe beim Anfahren des Bodens) gut feftgelagert
werden. Durch gleichzeitige Inangriffnahme der ganzen Deichftrecke erhält die Niederung
fchon einigen Schutz, auch wenn die Arbeit vor Winter nicht ganz fertig werden follte. Muß
man diefe von vornherein auf mehr als ein Baujahr verteilen, fo ift es beffer, eine Strecke
ganz fertig zu fchütten und das unfertige Ende mit flacher Neigung in das Gelände verlaufen
zu laffen.
Die Abdeckung der Erdoberfläche gefchieht durch Rafen; auf der Außenböfchung fowie
bei Ueberläufen und Sommerdeichen durch quadratlfche Deckrafen von 7—10 cm Stärke und
0,25—0,30 m Seitenlänge. Läßt ftarke Strömung heftige Angriffe befürchten (namentlich bei
Gebirgsflüffen) oder muß wegen ungenügenden Vorlandes eine (teile Böfchung gewählt werden,
fo wird die Außenfeite mit Pflafter verfehen, das auch bei Sanddeichen Anwendung findet,
fofern Tonboden zur Bekleidung nicht in genügender Menge zur Verfügung fleht Der Unter-
bettungskies muß zur Verhütung von Ausspülungen ziemlich grobkörnig fein; noch beffer ift
es, das Pflafter in Mörtel zu verlegen. Bei Gebirgsflüffen fucht man das Vorland der Deiche
mit Gefträuch zu bepflanzen, um die Stärke der Strömung zu mäßigen. — Das S c h w i n d m a ß
der Deiche beträgt bei fettem Untergrund etwa Vis der Höhe, kann fich aber bei weichem Boden
l
bis auf U der Höhe (teigern.
Bei Durchfchreitung eines alten Flußarmes wird unter der Außenberme (bei fehr weichem
Boden auch wohl unter der Binnenberme) ein Fafchinendamm hergeftellt und in feinem Schutze
die Deichfohle gefchüttet; doch darf der eigentliche Deichkörper nicht auf Fafchinen liegen.
Beim Durchfchreiten einer Strecke mit weichem Untergrund (Moor) ift es am ficherften (wenn
auch meift am koftfpieligften), den Damm bis auf den feften Boden durchzufchtttten.
Für Unterhaltung der Flußdeiche ift es wichtig, daß die Rafendecke fleh ftets in gutem
Zuftande befindet. Es find deshalb alljährlich Difteln und größere Unkräuter zu entfernen;
Bäume und Oefträuche find nicht zu dulden, weil ihre Wurzeln Tiere anlocken und bei ftarkem
Winde den Boden des Deiches lockern. Beweidung macht den Rafen dichter und Widerstands-
fähiger und hat zugleich das Zutreten der Maulwurfs- und Mäufelöcher zur Folge; jedoch find
Schweine und Federvieh ftets fernzuhalten, auch dürfen neue Deiche Im Anfang nicht mit Groß-
vieh beweidet werden. Durch Hitze, trocknende Winde oder Frort entstandene Riffe find Sorg-
fältig auszufüllen, die bei Hochwaffer gebildeten Ausfpülungen auszubeffern und mit Gras-
famen anzufäen.
Literatur: [1] Dumas, Etudes sur les inondations; Causes et remedes, Paris 1857. —
[2] Dupuit, Des inondations; examen des moyens proposes pour en prevenir le retour, Paris 1858.
— [3] Storm-Buyfing, Waterbouwkunde, Breda 1864. — [4] Wefterhoff, Geschledenis van ons
dijkwezen, Groningen 1865. — [5] Kletke, Delchwefen des preußifchen Staats, Berlin 1868. —
g ] Comoy, Memoires sur les ouvrages de defense contre les inondations, Paris 1868. — [7] Ruft,
eichwefen der unteren Elbe, Berlin 1870. — [8] Belgrand, Etude hydrologlque sur le bassin
de la Seine, Paris 1872. — [9] Hagen, Handbuch der Wafferbaukunft, Bd. 4. — [101 Garbe im
Handbuch der IngenleurwifTenfchaften, Bd. 3, 2. Abt., 1. Hälfte, 3. Aufl. 1900. — [11] Gerfon, Wie
es hinter unfern Deichen ausfehen follte, Berlin 1888. — [12] Freerkfen, Beitrag zur Gefchichte
des oftfriefifchen Deichwefens, Emden 1892. — [13] Schlichting, Ueberfchwemmungen und Deiche,
Deutfche Bauztg. 1888, S. 197. — [14] Gefchäftsanweifung für Hochwaffer- und Deichverhältniffe
in Preußen, Zentralbl. d. Bauverw. 1889, S. 33 und 123. — [151 Keller, H., Die Hochwaffer der
norddeutschen Ströme, ebend. 1896, S. 521. — J16] Müller, Fr., Das Wafferwefen der nieder-
ländifchen Provinz Zeeland, Berlin 1898. — [17] Tenge, Der Jeverfche Deichverband. Gefchichte
und Befchreibung der Deiche, Uferwerke und Siele, Oldenburg 1898, 2. Aufl. — [18] Kolossväry,
Les traveaux de regularisation et d'endlguement en Hongrie, Budapeft 1900. — [19] Artikel .Delch-
wefen' im Handwörterbuch der Staatswiffenfchaften, Jena 1900, Bd. 3, 2. Aufl. FrühUng.
Flußeifen, im weiteren Sinne fchmiedbares Eifen, das bei feiner Erzeugung
in flüffigem Zuftande erhalten wird (f. E i f e n ) , ohne Rückficht darauf, ob es
härtbar ift oder nicht. In erfterem Falle erhält es zu genauerer Bezeichnung
den Namen F l u ß f t a h l , im zweiten müßte es Flußfchmiedeeifen genannt werden,
welcher Ausdruck aber nicht gebräuchlich ift und durch F l u ß e i f e n (im engeren
Sinne) erfetzt wird. Im folgenden foil das Wort im gebräuchlicheren engeren
Sinne angewendet, der Flußftahl aber unter dem Stichwort S t a h l behandelt
werden.
Flußeifen 107

Die Erzeugung des Flußelfens kann erfolgen: 1. durch bloßes Verflüffigen fchmiedbaren
Elfens; 2. durch milchendes Schmelzen von Roheifen und fchmiedbarem Eifen; 3. durch oxydie-
rendes Schmelzen von Roheifen; 4. unmittelbar aus Eifenerzen. — Da die verfchledenen Arten
der Erzeugung Ineinander übergehen und In denfelben Vorrichtungen vorgenommen werden, fo
«rfcheint es zweckmäßiger, die Arbeitsverfahren zugrunde zu legen und zu trennen in Herdofen-
und in Birnenverfahren.
a) Herdofenprozeffe. Die Flußeifenerzeugung auf dem Flammofenherde ift urfprunglich
«in Mlfchverfahren. Schon in den fünfziger Jahren wurden diesbezügliche Verfuche ausgeführt,
Scheiterten aber an der Unzulänglichkeit der Feuerungseinrichtungen. Erft nachdem S i e m e n s
den Weg gezeigt hatte, wie durch Anwendung der Wärmefpeicher die Verbrennungstemperatur
künftlich fehr bedeutend erhöht werden kann, gelang es 1865 den Gebrüdern M a r t in in Sireuil,
mit einem von W. SI e m e n s erbauten Ofen einen regelmäßigen Schmelzbetrieb durchzuführen.
Nach ihnen führt das mlfchende Schmelzen von Rohelfen und Schmiedeeifenfchrot auf dem
flammofenherde (open hearth process) bis heute den Namen M a r t i n - P r o z e ß oder S l e m e n s -
Martln-Prozeß.
Allmählich hat fich das ursprüngliche Verfahren nach beiden Seiten hin, fowohl zum
bloßen Umfchmelzen von Abfällen fchmiedbaren Eifens als zum Frifchen (oxydierenden Schmelzen)
von Roheifen, entwickelt. Je geringer der Anteil des Roheifens an dem Einfatze Ift, deflo
rafcher gelangt man zum Ziele; je mehr Roheifen man zu verwenden gezwungen ift, deflo länger
hält die Oxydation der Nebenbeflandteile an. Man bevorzugte daher im allgemeinen die Ver-
wendung von viel Schrot und ging damit, folange Schrot in ausreichenden Mengen und zu
entfprechenden Preifen zu haben war, bis zu 95 ° des Einfatzes. Heute ifl man aber aus Mangel
0

an Schrot melft zu hohen Rohelfenfätzen gezwungen; man befchleunigt daher die Oxydation
oer Nebenbeflandteile (Kohlenftoff, Silicium, Mangan, Phosphor) durch Zufchiag reiner und
Richer Elfenerze, die ihrerfeits zu Eifen reduziert werden. So gelangte man zu dem S i e m e n s -
oder L a n d o r e - P r o z e ß [1], der die Darflellung von Flußeifen aus Roheifen zur Aufgabe hat.
Man kann jedoch noch weiter gehen und die Reduktion der Elfenerze unmittelbar zu fchmied-
barem Eifen als Ziel hinftellen und erhält damit eine neue Ausführungsform des uralten R e n n -
P r o z e f f e s , die fich freilich bisher als wirtfchaftlich vorteilhaft noch nicht herausgeftellt hat
121—[4]. Als Rohftoffe dienen: 1. kohlenftoffreiches Roheifen (grau oder weiß) mit 2-2,5<>/ 0
0
oilicium und 3—3,5«/ Mangan bei Bildung faurer, mit 1—1,5 / Silicium neben höchftens 1,2«/,
0 0

Mangan bei Erzeugung bafi-


fcher Schlacke, immer mit
niedrigem Phosphor- und
Schwefelgehalt; 2. Schmiede-
eifenabfäfie, melftens Enden,
Abfchnitte, Ausfchußftücke von
der Flußeifenverarbeltung, Ab-
fälle reinen Schweißeifens von
der Feinblech- und Draht-
erzeugung, im bafifchen Ver-
fahren auch gewöhnlicher
Schmiedeeifenfchrot. An Zu-
pi„ |_3 fchlägen kommt zur Schlacken-
Frifpr.«» .
e r u
'
n
'
d r e i c h e r
blldung gebrannter Kalk, zum
finter 1 Roteifenftein, Magneteifenftein fowie Hammerfchlag und Walzen-
z u m
z\u v . Desoxydieren Spiegelelfen, Ferromangan, Aluminium, zum Entgafen Ferrofilicium
re d un ü r d i e
In i . r t . ^ 2 , 8 - ? Erzeugung befonderer Legierungen (Nickelftahl u.f!w.) find natürlich
jedem Falle noch andre Zufätze erforderlich,

B
rtumeimngen. uie K l e i n e r e n v / e i c i i u i a t u i w i i » " - " s - " " " " "">* •»«•«» "'•*•••
jormgufl beftimmt, die größeren zur Erzeugung von Blöcken für die weitere Verarbeitung. Der
«erd fällt von den Feuerbrücken nach der Mitte und von der Arbeitsfette nach der gegenüber-
108 Flußeifen

liegenden, das Stichloch enthaltenden Längs wand ab. Die Tiefenlage des Stichloches unter der
Arbeitsfchwelle ift von wefentlichem Einfluß auf den Grad der Oxydation. Bei geringem Höhen-
unterschied ergibt ßch ein Herd mit großen Verhältniffen zwifchen Badoberfläche und Metall-
menge , alfo kräftige Oxydation, gute Wärmeausnutzung und gefteigerte Erzeugung. In der
Regel ift die Badtieie nicht größer als 250 mm; nur bei Entftenung großer Schlackenmengen
gibt man dem Sumpfe 500 mm Tiefe. Der Herd ruht auf freiliegenden eifernen Platten und
wird von unten wie in den Feuerbrücken durch Luft gekühlt. Die Wärmefpeicher hatten ihren
Platz früher allgemein unter dem Ofen und entließen Gas und Luft durch aufzeigende Kanäle
in den Ofenköpten nach dem Herde. Behufs leichterer Zugänglichkeit und zum Schutze gegen
etwaiges Durchbrechen des Ofeninhaltes rückt man die Kammern jetzt feitwärts unter dem
Ofen weg oder ordnet, wie D i c k und R i l e y angegeben haben, jede Kammer für fich in einen
Blechmantel eingehüllt neben dem Ofen an. Die Kammern für das Heizgas werden dann nach
B a t h o durchwagerechte, ausgemauerte Röhren mit dem Ofenraum verbunden, die Luftkammern
aber durch U-förmig gebogene, welche die Luft von oben her durch das Gewölbe in den Ofen
führen. Diefe Anordnung fchützt vor etwaigem vorzeitigen Zufammentreten und Verbrennen
von Gas und Luft, wie es vorkommt, wenn die Zwifchenwände der Kammern undicht werden.
Dagegen find die Wärmeverlufte Infolge zu großer Oberfläche und zu geringem Steininhalt fo
rofl, daß diefe Bauart nicht dauernd Anwendung gefunden hat. Wichtig ift die Anordnung
f er Eintrittsöffnungen für Oas und Luft, die eine möglichft Innige und rafche Mifchung beider
begünftigen muß. Meift treten beide durch fenkrechte Schlitze in der Kopfwand ein, und zwar
die Luft an den Seiten, das Gas in der Mitte; häufig hat diefe Wand nur zwei Schlitze für Gas,
während die Luft durch einen niedrigen, aber über die ganze Breite fich erstreckenden Spalt
oberhalb der Gaszuführung oder durch Oeffnungen im Gewölbe eintritt. Eine weitere, befonders
die längere Dauer der Wärmefpelcherfüllungen gewährleiftende Verbefferung befteht in der
Verlängerung der fenkrechten Gaskanäle in den Ofenköpfen nach abwärts, d. h. in der Anbringung
von Staubfäcken zum Auffangen des vom abziehenden Gasdrom mitgeriffenenFlugftaubes(f.Fig.l).
— Seit man erkannt hat, daß der größte Teil der Wärme durch Strahlung übertragen wird,
erhält das Ofengewölbe geradlinigen Scheitel oder Ift nach Fr. S i e m e n s zu einer Kuppel aus-
ebildet, während es früher nach der Mitte hin ftark zum Herde herabgezogen wurde; fo kann
ch jetzt nicht nur die Flamme weit beffer entfalten, fondern die Oewölbe halten auch länger.
Die Ofenköpfe, das Gewölbe und die Seitenwände werden aus höchft feuerfeften Dinasfteinen
hergeftellt; der Herd wird aus Quarzmaffe aufgedampft, falls mit fehr phosphorarmem, aus
Dolomitmaffe oder Magnefit, wenn mit phosphorhaltigem Rohmateriale gearbeitet wird, der
Phosphor alfo oxydiert und verfchlackt werden muß. Die Trennung des bafifchen Boden-
materials und der fauren Steine an Seitenwänden und Ofenköpfen erfolgt durch Zwischen-
schaltung einer Lage von Chromeifendein. Man unterfcheidet hiernach faure und bafifche Oefen
bezw. fauren und bafifchen Betrieb. Eine neuere, in Deutfchland kaum, In Nordamerika, ihrer
Heimat, nur wenig angewendete Ofenart find die Kippöfen [5]—[7]. Der ganze Ofenkörper
von Kopfwand bis Kopfwand (einfchließlich) id in eine darke Eifenkonftruktion gehüllt; infoige
zylindrifcher Gedaltung der Sohlwand oder durch Anbringung von Wiegekufen läßt er fich um
feine Längsachfe kippen. Zweck id Schnellere und reinere bezw. nur teilweife Entleerung.
Nur wo die Möglichkeit zu letzterer von wefentlichem Wert id, dürfte die Anwendung folch
kodfpieliger Bauweife gerechtfertigt fein, alfo bei kleinen Oefen für Stahlguß, die häufiges
Fullen der Pfannen mit heißem Metall geftatten muffen, oder für fehr große Oefen zum Ver-
frifchen flüffig zugeführten Roheifens unter tellweifer Verwendung des Bades für die nächde
Hitze (f. u.).
In den hocherhitzten Ofen trägt man zunächd das Roheifen (5—50 °/ vom Gefamtgewichte)
0

ein, fchmilzt es rafch nieder und tränkt nun die Eifenabfälle in einzelnen Poden im Bade ein,
oder man fetzt auch den Herd von vornherein voll Schrot. Vor jedem Zufatze hat man fich
von dem Schmelzen des vorigen durch Umrühren zu überzeugen. Das Einfchmelzen des ganzen
Satzes nimmt je nach feinem Gewicht und der Befchaffenheit des Schrotes fehr verfchiedene
Zeit in Anfpruch; je kleiner und leichter der letztere id, dedo länger dauert das Einfetzen, fo
daß unter Ümdänden im Tage nur zweiundeinhalb Sätze gefchmolzen werden können. Stehen
fchwere Block- und Schienenabfchnltte zur Verfügung, die noch fad glühend vorgelaufen
werden, fo kommt man auch auf fechs Hitzen. Im fauren Prozeffe bildet fleh nur wenig
fehr kiefelfäurereiche Schlacke, im bafifchen aber infolge Zufchlagens von gebranntem Kalk eine
folche Menge, daß fle abgezogen werden muß, um nicht die Erhitzung und die Oxydation zu
fehr zu verfangfamen. Genügt die oxydierende Wirkung der Feuergafe nicht, wie es bei hohen
Roheifenfätzen der Fall id, fo id Erz zuzufchlagen. Nachdem das durch Kohlenoxydentwicklung
augenfällig werdende Frifchen beendet und das in der Schlacke enthaltene Eifenoxydul reduziert
id, überzeugt man fich durch Probenehmen von der Befchaffenheit des Bades, gibt die des-
oxydierenden Zufchläge hinzu und fchreitet nach abermaliger Probenahme zum Abftechen in
eine mittels Laufkranes zu bewegende Gießpfanne, aus der dann die Block- bezw. Maffeformen
(letztere bei Erzeugung von Formgußducken) gefüllt werden. Ferrofilicium wird oft erft in der
Pfanne, Aluminium felbft erd in den Blockformen hinzugefetzt. Die lange Dauer des Prozeffes
edattet eine fehr forgfältige Regelung der chemifchen Zufammenfetzung des Bades, weshalb
er Herdofenprozeß fich gleich gut zur Erzeugung harten Flußflahles oder ganz weicher Fluß-
eifenforten und beliebiger Eifenlegierungen eignet. Das welche Flußelfen des bafifchen Prozeffes
befitzt infolge feines außerordentlich geringen Gehaltes an fremden Bedandteilen einen hohen
Grad von Schweißbarkeit und verdrängt das Schweißeifen mehr und mehr. Die Leidung
eines Ofens hängt außer von feiner Größe fehr wefentlich von der Befchaffenheit des Roh-
materials ab. In einem 30-t-Ofen werden bei vier Hitzen im Tage und einem Abbrande von
ol
5—8 o rund 110—115t, bei Anwendung von viel Schrot, der in fchweren und noch heißen
Flußeifen 109

Enden vorgelaufen wird, auch bei fechs Hitzen bis zu 1 7 0 1 gute Blöcke erzeugt. Die Erzarbeit
ergibt unter Umftänden ein den Elfeneinfatz überfteigendes Ausbringen, da ein Teil des Erzes
{ 3 0 — 6 0 ° / ) reduziert wird. Der Brennftoffaufwand beläuft fich bei Verwendung reiner, gas-
0

reicher Steinkohlen nicht viel über 2 0 0 — 2 5 0 kg auf 1 1 Flußeifen, kann aber in kleinen Oefen
und bei geringwertigem Brennmaterial auch bis auf 5 0 0 kg fteigen.
' Die Verwendung von viel Rohelfen und befonders die von flüffig eingefetztem bringt
ourch die Steigerung des Erzbedarfes mancherlei Schwierigkeiten und Nachteile mit fich, die
uen Vorteil niedrigeren Preifes der Rohftoffe mehr oder minder aufwiegen. Das Löfen der kalt
eingefetzten Erze in der Schlacke koftet Zeit und Wärme, und die nachfolgende Reaktion ver-
längert abermals die Dauer; die entftehende große Schlackenmenge erfchwert die Wärmeüber-
tragung auf das Bad, womit abermals der Zeltaufwand wächft, die Erzeugungsfähigkeit des
Ufens bis auf die Hälfte linkt, Löhne und Brennftoffverbrauch fteigen. Ferner verursacht die
viele Schlacke rafcheren Verfchleiß des Ofenfutters und von dem Eisengehalt der Erze wird nur
«In Teil reduziert; der andre geht in der Endfchlacke verloren. Das Beitreben, diefe Nachteile
*u vermelden, hat nun mancherlei Abarten des Herdofenprozeffes gezeitigt, die, geordnet nach
«nren Grundlagen, kurz gefchildert werden muffen, da nach diefen Richtungen hin die Weiter-
entwicklung des In Zeigendem Maße fich ausbreitenden Verfahrens vor fich geht. — Die Ver-
wendung großer Erzmengen im Martin-Ofen kann nur umgangen werden, wenn man dem
Koheifeneinfatz annähernd die Zufammenfetzung gibt, welche die Mifchung zu Beginn des Schrot-
prozeffes hat, d. h. wenn das Roheifen gefeint oder vorgefrifcht wird. Das kann aber ebenso-
wohl mit Luft als mit einer oxydierenden Erzfchlacke erfolgen.
Das V o r f r i f c h e n m i t Luft wurde zuerft von W U r t e n b e r g e r [8] 1879 auf dem
. H i ö n i x ' in Ruhrort verfucht; er führte Wind durch eine hohle, einem Puddelrührhaken ähnliche
«Oer mehrzinkige Krücke In das im Martin-Ofen befindliche Bad. Wegen der zu Befchädigungen
"es Bodens führenden Lebhaftigkeit der Reaktion und andern Schwierigkeiten hat das Verfahren fich
nicht dauernd einführen können. Befferen Erfolg hat das vereinigte Beffemer- und M a r t i n -
v e r f a h r e n (Duplexverfahren) in Witkowltz [9], [10] aufzuweifen. Das Roheifen, das einen nur
mäßigen Phosphorgehalt haben darf ( 1 , 2 % Silicium, 2,7 •/„ Mangan, 0,2 «fo Phosphor, 3,7 % Kohlen-
HOff) wird In Sätzen von je 1 0 1 in der fauer ausgefütterten Birne binnen 8 Minuten vollständig
entfiliclert fowie auf 0,1 °/ Kohlenftoff und 0 , 4 % Mangan herabgebracht; welter kann man nicht
0

gehen, ohne fich der Gefahr des Steifwerdens des Metalles auszufetzen und fo die Ueberführung
'« den Martin-Ofen unmöglich zu machen. Arbeitet man ausfchließlich mit vorgefrifchtem Eifen,
<o kann der Einfatz in 3 Stunden gar gemacht werden einschließlich Reinigung und Ausbesserung
oes Herdes. Gewöhnlich wird jedoch, um auch die über Sonntag fallenden Maffeln und etwas
j>chrot mitzuverarbeiten, mehr Zeit erforderlich. Eine Abänderung diefes Verfahrens rührt von
u n d
Sfft P s z c z o l k a [ l l ] her, die In einem auswechfelbaren Vorherd des mit ununterbrochenem
ven
inv *ehenen Hochofens mit erhitztem Hochofengebläfewlnd vorfrifchen; fie war einige Zeit
JJJ Krompach in Ungarn in Gebrauch. — Die beiden Vorfchläge von K e r n o h a n [12] und S a t t -
m a n n [13], die behufs Vermeidung des Umgießens das Vorfrifchen in einem rinnenförmigen Ofen
°ezw. i j jy n f < j Wege des Eisens vom Hochofen zum Martin-Ofen mittels Durch-
e n e r n n e a u em
1
r l r f ? von Luft bezw. Aufblafens oxydierender Flammen bewirken wollen, find wohl nur
venuchsweife zur Anwendung gekommen.
Verbreiteter ift das V o r f r i f c h e n m i t E r z im Herdofen felbft, von dem ebenfalls
v i r f ? Ausführungsweifen um den Vorrang ftreiten. Das älteste ill das 1897 in Kladno zuerft
6
„f""?,"] Verfahren von B e r t r a n d und T h i e l [14]. Es benutzt behufs Vermeidung deroben-
rten
frhf Ji Uebelflande der Erzarbelt z w e i Herdöfen in verfchledener Höhenlage (3 m Unter-
w» S d e r e n
oberer 'um Vorfrifchen dient, während Im unteren die Sätze fertig gemacht
werden. Der obere Ofen hat nur etwa halb fo großes Fassungsvermögen w i e der untere; in
»V, v.r binnen etwa 2 i / Stunden das größtenteils flüffig eingetragene Roheifen durch eine
s
a l k f t e i n
en? £ nort
und Elfenerz gebildete Schlacke unter lebhafter Reaktion entfiliclert, zum Teil
au« ™ P p u n d
entkohlt Inzwifchen hat der untere Ofen den Schrotelnfatz erhalten und
ui Glühhitze eren
gebracht; dann wird durch Abstechen des oberen Ofens deffen Metallinhalt in
2uwi H!L uberführt, während die kiefel- und phosphorfaurereiche aber fäuerttoffarme Schlacke
«uruckbleibt Im unteren Ofen erfolgt nun durch Zufatz von Erz und Kalkftein die Bildung
"euer Schlacke, die das Frifchen lebhaft zu Ende führt.
.,_ .Die beiden Abschnitte des Prozeffes laffen fich jedoch auch in nur einem Ofen nach-
4rL ^ a i
" h f ü h r e n . M o n e i l [151 fetzt nach dem amerikanlfchen Patent Nr. 6 5 2 2 2 6 In einen
r
du

Elf« * c h f t Kalkftein, 5 0 % des gewöhnlichen Satzes an Roheifen oder Schrot u n d 2 0 %


n zun

r z e i n
M.ff ' erhitzt auf helle Rotglut und gießt nun auf die zum Teil noch ungefchmolzene
d i e a n d r e H a l f t e d e s S a t z e s a n
ei* r flüffigem Rohelfen. Sofort beginnt lebhaft die Bildung
ftvwi bafifchen Schlacke unter gleichzeitiger Oxydation von Silicium, Mangan und Phosphor
v n e t w a s
vir. ? Kohlenftoff. Nach einer Stunde ift der Phosphorgehalt von 0 , 5 — 0 , 8 •/, auf 0,04»/»
Sfhi Silicium und Mangan find vollständig verbrannt Durch Abstechen von 80 % der
D»füru5 man ein faft unbedecktes Metallbad, das'nun mit oxydierender Flamme zu Ende
e r n W t

GY-j ~ - MAU DU LÄIT L'ICIAUVAU, U H HUM UM VATUIUSIIUVI * LAMME AU L.I1UC


nrcht
füh wird. Die Befchleunigung der Oxydation gestattet die Hälfte Hitzen mehr durchzu-
unren als nach dem alten Verfahren. — Uebrigens nimmt G o r I a i n eff [16] die Priorität für fich
d a c r m
T»™? ' Briansk fchon 1 8 9 4 in Taft gleicher Weife gearbeitet habe.
1

• , „ , , . Mehr Auffehen hat das auf den Pencoid Iron Works feit 1899 in Anwendung flehende
terb
p r o « ' o c h e n e Verfahren von T a l b o t [ 1 7 ] erregt Es wird In einem Kippofen von fehr
vo„ 2 " ' » M t überfchreltendem Faffungsvermögen ausgeführt und befleht darin, daß durch Zufatz
t e m u n d E r z o d
St»MikJ " e r Walzenfinter eine stark oxydierende Schlacke über einem fertigen
d
fehrr? « gebildet und nun flüffiges Rohelfen hlnzugegoffen wird. Da Stahlbad und Schlacke
CI
»r viel höhere Temperatur haben als das Rohelfen, fo tritt fofort eine außerordentlich lebhafte
110 Flußeifen

Reaktion auf; die Oxydation von Silicium, Mangan, Phosphor und eines Teils des Kohlenftofles
erfolgt ungemein rafch fowohl fchon beim Durchfließen des Eifens durch die Schlackendecke
als während der Berührung an den Oberflächen, da das leichtere Roheifen auf dem Stahlbade
fchwimmt, und ift nach 10 Minuten beendet. Ein Teil der erfchöpften Schlacke wird abgegoffen,
der Reft durch erneuten Zufatz von Kalkftein und Eifenoxyden wieder reaktionsfähig gemacht
und abermals Roheifen eingegoffen, u. f. w. Ift fo der Herd mit vorgefrifchtem Eifen gefüllt,
fo läßt man das Bad kochen bis zur vollendeten Entkohlung und macht es durch oxydierende
Zufätze fertig. Dann gießt man einen Teil als Fertigerzeugnis ab und beginnt das Vorfrifchen
von neuem. Als ein Nachteil ift anzufehen, daß jedesmal das ganze Bad völlig entkohlt und
unter Aufwand koftfpieliger Zufchläge fertig gemacht werden muß, während doch nur ein Teil
desfelben (höchftens die Hälfte) als Erzeugnis den Ofen verläßt. Das Verfahren eignet fich
überdies nur zur Herstellung von Metall für Maffenartikel, nicht aber für hochwertige Waren.
D i e c h e m i f c h e n V o r g ä n g e im M a r t i n - O f e n laffen fich am heften an Hand einiger
Schaubilder von genau untersuchten Hitzen erläutern. Fig. 4 ftellt den Verlauf eines normalen
Schrotfchmelzens im f a u e r zugeftellten Ofen dar [18]. Die chemifchen Vorgänge befchränken fich
auf die Oxydation
der Nebenbefland-
teile des Roheifens,
Silicium, Mangan
und Kohlenftoff fo-
wie von Eifen. Die
erfleren beiden ver-
brennen größtenteils
fchon während des
Einfchmelzens; die
Oxydation des Koh-
lenstoffes geht erft
lebhaft von flatten,
wenn nach Beendi-
gung des Einfchmel-

Flg. 4. des Bades gefteigert


werden kann; fie
äußert fich in einer leicht kochenden Bewegung des Bades
und dem Verbrennen von entweichenden QasblaTen. Gleich
zeitig wird das mit der Kiefelfäure und dem Manganoxydul zu einer Schlacke zufammengetretene
Eifenoxydul durch den Kohlenftoff zum Teil wieder reduziert. Ift letzterer Vorgang, fei es durch
Verbrauch des Kohlenftoffes, zu Ende, was an dem Aufhören der Gasentwicklung erkannt wird,
fo überzeugt man fich von dem Grade der Entkohlung durch Probenahme und gibt die Des-
oxydations- und Entgafungszufchläge. Die Schlacke ift, da zur Sättigung mit Kiefelfäure aus
dem Ofenfutter Gelegenheit gegeben, ftark fauer und löft infolgedeffen nur minimale Mengen
Phosphorfäure, was die Oxydation des Phosphors aus dem Elfenbade hindert Schwefel wird
nicht oxydiert wegen der ungemein großen Verdünnung, in der er fich im Bade befindet. Die
Zufammenfetzung und die Veränderung der Schlacke ift nach Ledebur [19] in Fig. 5 dargeftellt.
Im b a f i f c h ausgefütterten Ofen ifl der Verlauf etwas anders. Enthält der Einfatz auch
beträchtlich weniger Silicium als beim fauren Verfahren, fo würde die entflehende geringere Menge
Kiefelfäure doch immer noch ftark löfend auf das Ofenfutter wirken. Man muß deshalb zu deren
Bindung von vornherein einen Kalkzufchlag geben. Deffen Anwefenheit hat zur Folge, daß
die Oxydation fich auch auf den Phosphor erftreckt
und diefer ebenfo wie die übrigen Beftandteile fchon
während des Einfchmelzens etwas abnimmt. Die
Wirkung des bafifchen Zuschlages auf die Oxydation
von Silicium und Phosphor iff unverkennbar. Um
das Verhalten des letzteren beffer zu veranschau-
lichen, ift er in Fig. 6 im zehnfachen Maßftabe auf-
" igen. Der Einsatz der von S c h m i d h a m m e r
E mitgeteilten Hitze aus 3000 kg Roheifen und
kg Schrot brauchte 3 Stunden zum Ein-
schmelzen. Nach 15, 40 , 60 und 75 Minuten er-
folgten Zufätze von 120, 180, 72 und 48 kg Ziegeln
aus Hammerfchlag und Kalk; die hierdurch hervor-
gerufene Beschleunigung der Oxydation ift fehr be-
trächtlich; denn fchon nach dem erften bezw. zweiten
Pim lOfachin Muut&b
ZuSatz find Phosphor und Mangan auf den Betrag
Flg. 6.
herabgebracht den das Enderzeugnis aufweift Erft
nach deren Entfernung fetzt die Oxydation des
Kohlenftoffes Stärker ein; aber auch diefer ifl, obgleich er den dritten und vierten Zufchlag von
Hammerfchlag nötig machte, nach 1 Stunde 34 Minuten vom Einschmelzen ab verbrannt. Ein
Vergleich mit Fig. 4 zeigt deutlich die Beschleunigung des ganzen Verfahrens durch die oxy-
dierenden Zufchläge. Während beim bafifchen Birnenverfahren die Oxydation des Phosphors erft
einfetzt, nachdem aller Kohlenftoff entfernt ift, geht fie hier voraus, und das ift ein auf die
höhere Temperatur bei jenem zurückzuführender bezeichnender Unterfchied. In Fig. 7 find die
Veränderungen der zugehörigen Schlacke dargeftellt.
Flußeifen 111
A l sB e i f i e flr
vi A P l f das B e r t r a n d - T h i e l - V e r f a h r e n ift eine Hitze von dem Eifenwerke
n0 i n B ö n m e n
<Kiu . die L e d e b u r [ 2 1 ] mitteilt, in Fig. 8 dargeftellt. Der erfte Abfchnitt von
*>Minuten, in dem bereits zweimal Erz und Kalk gefetzt wurde, zeigt nur äußerft geringe
Aenoerungen des Einfatzes, nämlich mäßige Verringerung von Silicium und Phosphor und
geringe Erhöhung des Kohlenftoffgehaltes, letztere eine Folge
der Abnahme der andern Bestandteile, vornehmlich der Oxy-
dation von Eifen. Während diefer Zeit muß fich aus den
Zufchlägen durch Schmelzen erft eine
in den folgenden dreimal 20 Minuten,
während denen jedesmal wieder Erz und
Kalk eingefetzt wurden, auch deutlich
hervortritt. Schon nach 1 Stunde 45 Mi-
nuten find Silicium, Mangan und Phos-
phor vollftändig, vom Kohlenftoff ift etwa
ein Viertel verbrannt. Die Wirkung des
letzten Zufchlages vor dem Abftechen
in den zweiten Ofen ift nur noch ge-
ring, er hätte erfpart und die Schmelz-
dauer im erften Ofen um 30 Minuten
abgekürzt werden können. Dem zweiten
Ofen fällt, wie das Schaubild deutlich
erkennen läßt, nur noch die Entkohlung
zu, die ausfchließlich durch die Feuer-
Fig. 7.
t
afe bewirkt wird, welche das von
chlacken nicht bedeckte Bad auf feiner ganzen Flache berühren.
Das T a l b o t - V e r f a h r e n ift durch die Schaubilder Fig. 9 und 10 dargeftellt, und zwar nach
einer Veröffentlichung des Erfinders [221. Während In erfterem die Elnfätze von Roheiten nach
10 und 45 Minuten durch Erhöhung der Nebenbeftandteile des Bades deutlich hervortreten,
wßt in letzterem der Zufchlag von Erz nach 5 Minuten vom Beginn die Steigerung der
Oxydationsfähigkeit der Schlacke durch ftarke Zunahme des Eifenoxydulgehaltes erkennen. Die
Wirkung auf das zugeführte Roheifen ift denn auch, wie beide Schaubilder zeigen, ungemein

S iattfacbnUnsUb
Flg. 10. Flg. 9.
kräftig Aehnllch verhält fich das Schmelzgut nach dem zweiten Eifen- und Erzzufatz. Scheinbar
1e
flehtri
Verlauf.»..n JI I . °xydation
r*. • des Kohlenftoffes °und. des
. Phosphors
. gleichzeitig; in Wirklichkeit
_ dürfte
>~ „
1 d a s
U»h« u 'eider mangels mehrerer Analyfen aus der Kochperiode und wegen gänzlichen
g e J l e n s
XJaJ, des Kälkgehaltes der Schlacke fich nicht genau genug aufzeichnen läßt, etwas anders
«anteiien Die lebhafte Oxydation des Kohlenftoffes mußte unbedingt durch Abnahme des
JT^xydulgehaltes der Schlacke infolge Reduktion zum Ausdruck kommen. Sehr deutlich tritt
v o n S" u dem bafifchen Herdofenverfahren eigne Erfcheinung zutage, daß infolge Aufnahme
2 e r b i n d U n 8 e n d e nF e u e r a f e n
ugeführtw?rd 8 durch die Schlacke dem Metallbade Schwefel
f , nhi Birnenprozeffe. Diefe find reine Oxydations- und Frifchverfahren mittels atmo-
r Luft
dem M « . 5 , , . i die durch den flüffigen Roheifenfatz geprettund fo in innlgfte Berührung mit

- ^ n a n r e n ist hier ausgefchloffen, d . ihnen S i V ^ S f ^ ^ ^ ^


auch nicht nöüg, weil Tn de.r h o h e n j g g E T Oedanke, die Lutt behuls u x y o a \ D e r
en
Begierde fich des freien Sauerftoftes
durch flüffiges Roheifen «
Immer mrtdiefer eine volHUndige
u
bemacmig^.

u
Un Eifenhütten^^ ^/ '„Ä^no
e r her p31, deffen ™™J
™Ä nd
erforderten mehrere Jahre andauernd^
B e f t e m

verknüpft ift. Seine Verfuche begannen 1 ^ "no « außergewöhnlicher non i * s z u

ehe fl/zum Ziele führten. Die imh Vertäu | d « ven Ofenfutter, als welches B e ^ e m e
erhebende Temperatur bedingte ein ^ S ^ u T M W « p t o Kiefelfäure mit fehr wenig i o
«In fandiges bezw. fandfteinartiges, vorwiegeno au»
112 Flußeifen

beflehendes Geflein, G a n i f l e r , in Deutfchland T o n f l e i n genannt, wählte. In fo faurem


Futter ift natürlich die Bildung einer bafifchen Schlacke ausgefchloffen; diefe ift vielmehr
mindestens BI-, felbft Trlfilikat und fomit unfähig, noch außerdem Phosphorfüure in merklicher
Menge zu löfen. Sämtlicher im Roheifen enthaltene Phosphor verbleibt daher im Erzeugniffe
und fchädigt deffen mechanifche Eigenfchaften derart, daß nur ganz phosphorarmes Rohmaterial
Verwendung im B e f f e m e r - P r o z e f f e finden konnte. Weitaus das meifteRoheifen blieb deshalb
ausgefchloffen und fehr viele auf das neue Verfahren gefetzte Hoffnungen erwiefen fleh als
trügerifch. — Der richtige Grund für den Verbleib des bei andern Frifchprozeffen mit den
übrigen NebenbeftandteiTen der Oxydation unterliegenden Phosphors im Metalle wurde nicht
fofort erkannt. Aber felbfl nachdem S n e l u s [24] ihn aufgefunden, war Abhilfe noch nicht
gefchafft, da man kein andres geeignetes Futtermaterial an die Stelle der Kiefelfäure zu fetzen
wußte. Erft 1878 gelang es S i d n e y G i l c h r l f t T h o m a s [25], ein baßfehes Futter aus Kalk
und Magnefla herzuftellen, innerhalb deffen eine ftark bafifche, die Phosphorfäure aufnehmende
Schlacke gebildet werden konnte. Von da an bildet der Phosphorgehalt des Roheifens kein
Hindernis mehr, und es können auch diejenigen Huttenbezirke an der Ausnutzung der Birnen-
prozeffe fich beteiligen, die vorher von diefem Fortschritte nicht Nutzen ziehen konnten. Haupt-
fachlich Deutfchland, deffen Hüttenleute fich der Ausbildung des abgeänderten, T h o m a s -
P r o z e ß genannten Verfahrens befonders eifrig widmeten, Ift dadurch von der Einfuhr
phosphorarmen Roheifens oder doch mindeflens reiner, zu feiner Erzeugung geeigneter Erze
unabhängig geworden.
An Rohstoffen werden gebraucht: 1. Roheifen, für den Beffemer- oder Sauren Prozeß
arm an Phosphor und Schwefel (bis 0,15 °/ ), 0,8—2,0«/ Silicium und 0—3,5% Mangan enthaltend,
0 0

für den Thomas- oder bafifchen Prozeß gleichfalls arm an Schwefel, aber mit nur 0,1-0,3°/«
Silicium, dagegen 1,5—2,5°/ Phosphor; 2. Schlackenbildender Zuschlag für den bafifchen Prozeß,
0

gebrannter Kalk; 3. desoxydierende Zufchläge, als Spiegeleifen, Ferromangan, Ferroflliclum,


Aluminium; 4. kohlende Zufchläge, Spiegeleifen, Kohlenftoff; 5. Wind von 1,5— 2 Atmosphären
Ueberdruck; 6. Schrot vom eignen Prozeß, teils zur Regelung der Temperatur, teils zu kosten-
loser Verwertung.
D i e O e l e n , G i e ß - , H e b e - u n d a n d r e V o r r i c h t u n g e n . Zum Schmelzen des
Roheifens dienen heute, mit ganz feltenen Ausnahmen, nur Kupolöfen verschiedener Bauart,
aber fehr großer Leistungsfähigkeit, da fie in einer Stunde bis 20 t flüffiges Metall liefern muffen.
Wo neben dem Beffemer-Werk riochöfen betrieben werden, zieht man heute meifl vor, das Roh-
eifen diefen unmittelbar zu entnehmen und in großen Pfannen dem BefSemer-Ofen zuzuführen.
Die Kupolöfen entlaffen das flüffige Metall durch Rinnen unmittelbar in den Beffemer-Ofen oder,
falls abfeits angeordnet, ebenfalls erft in fahrbare Pfannen. Das Spiegeleifen wird in kleinen
Kupolöfen umgefchmolzen; die andern metallifchen Zuschläge pflegt man in fefter Form zuzu-
setzen. Manche Hutten fchalten zwifchen den Hochofen und den Beffemer-Ofen ein großes, in
feiner Form dem letzteren ziemlich ähnliches oder auch zylindrisches Gefäß ein, das 200 und
mehr Tonnen flüffiges Roheifen aufnehmen kann, den R o h e ! fenm Ifen er [261. Da die Erzeu-
ung eines Hochofens den Bedarf einer Birne bei weitem nicht deckt, man alfo gezwungen ift,
f ei unmittelbarem Verblafen das Roheifen abwechselnd aus verschiedenen Hochöfen zu ent-
nehmen, deren Gang nicht durchaus Übereinstimmt, da felbft bei einem und demfelben Ofen im
Laufe des Tages Schwankungen in der Zusammensetzung des Erzeugniffes eintreten, fo ift ein
ungleichmäßiger Verlauf der einzelnen Hitzen unvermeidlich. Diefe Unterfchiede auszugleichen,
ift eine Aufgabe des M i f c h e r s , der die einzelnen Abstiche der Hochöfen In feinem weiten
Bauche aufnimmt Aus ihm gießt man dann nach Bedarf die Elnfatze für die rafch einander
folgenden Hitzen ab. Gleichzeitig erfüllt er ein andre wichtige Aufgabe: er Scheidet den weitaus
größten Teil des Schwefels aus dem Roheifen ab. Enthält diefes einige Prozente Mangan, das
ihm am betten im Hochofen zugeführt wird, aber auch durch Zufatz von Spiegelelfen oder
Eifenmangan einverleibt werden kann, fo vereinigt fich der Schwefel mit diefem zu Schwefel-
mangan, das, weil dem Eifen nur mechanisch beigemengt, fich von ihm trennt, falls diefes nur
lange genug flüffig bleibt, um den Unterschied der Spezifischen Gewichte zur Wirkung gelangen
zu laffen, was beim Abstechen in Maffelbetten nicht möglich ifl. Schon in der Beförderungs-
pfanne und weiterhin im Mifcher Sammelt fich auf dem Metallbade eine dicke Schicht Schwarzer,
an Schwefelmangan fehr reicher Schlacke, fo daß der Schwefelgehalt des Rohelfens leicht von 0,2
auf 0,03o/o fich mindert
Der B e f f e m e r - O f e n (Flg. 11 und 12) hat noch heute die ihm vom Erfinder gegebene
Geftalt einer Birne und führt ziemlich allgemein diefen Namen; nach der in ihm vorgehenden
Umwandlung des Roheifens In fchmiedbares Eifen wird er auch K o n v e r t e r genannt Im
Gegenfatz zu allen andern metallurgischen Oefen Steht er der Regel nach nicht feft, fondern
hängt an zwei Starken Zapfen in Lagern. Der eine, der Wendezapfen a, trägt ein Zahnrad c,
der andre, der Windzapfen b, ift hohl und fetzt den Ofen mit der Windleitung in Verbindung.
Mittels einer durch einen Wafferdruckkolben bewegten, in c eingreifenden Zahnftange d oder
auch mittels einer durch Dampfmaschine getriebenen Schnecke kann der Ofen um wenigstens
270« gedreht und So in die zum Eintragen oder Ausgießen des Einsatzes durch den am oberen
Ende oefindllchen Hals erforderlichen Stellungen gebracht werden. Vom Windzapfen führt ein
Rohr nach dem unter dem Boden der Birne angebrachten Windkaften e, von wo aus (etwa 100)
15—17 mm weite Düfen des Bodens den Wind in den Ofen treten laffen. Der Düfenquerfchnitt
beträgt auf 1 1 Einfatz bis 15 qcm in Beffemer-, bis 27 qcm In Thomas-Birnen. Birnen für 12—151
Einfatz haben etwa 1,75—2,3 m lichte Weite im Bauche, 1,50 m am Boden, 4,75 m lichte Höhe,
450 mm Wand- und 550—650 mm Bodenftärke. Für die 1879 zuerft in Avefta in Schweden
ausgeführte K l e i n b e f f e m e r e i [27] mit Sätzen von 400—700kg kamen entsprechend kleine
Birnen zur Verwendung; das Verfahren hat fich damals nur an fehr wenigen Orten Eingang
Flußeifen 113
verfchafft und ift, fofern es zur Erzeu
§ung von Blöcken zur Weiterverarbeitung
etrieben, fall überall als wirtschaftlich
nicht vorteilhaft wieder aufgegeber
worden. Ebenfowenlg haben fich fed
flehende Oefen, die
nicht durch Ausgießen
aus dem Hälfe, fondern
durch Abftechen ent-
leert wurden (fchwe-
difche Oefen, Clapp-
Griffith-Konverteru.a.
128]—[31]), dauernd er-
halten. Ueber eine
neuere Anwendung
der Kteinbeffemerei
f- S t a h l g i e ß e r e i .
Die aus Keffelblech
gebauten Ofenmantel
werden mit höchft fau-
len Quarzfteinen oder
mit bafifchen Steinen
ausgemauert. Letztere
erzeugt man allgemein
unter300Atmosphären
Druck mittels Waffer-
druckpreffen aus
einem Gemenge von
«hartgebranntem zer-
kleinerten Dolomit
mit entwäffertem Teer.
Die Böden werden
geftampft und fcharf
erhitzt, die bafifchen
innerhalb ihrer Form, um das Wegbrennen des Teers zu verhüten.
Sie werden dann von unten her mittels Drackwafferhebevorrich-
jungen in die aufrechtftehende Birne eingefetzt. Die Böden
halten 16—25 Hitzen, die Birnenwände etwa 300 Hitzen aus. ' ,, , u A—
D i e Q i e ß v o r r i c h t u n g e n beliehen aus großen, den ganzen Elnfatz aufnehmenden,
mit feuerfeften Steinen ausgemauerten und am Boden mit einem Ventile verfehenen Pfannen,
die entweder von DruckwafTerdreh-, von fahrbaren Dampf- oder von elektrifch »"getriebenen
Kranen getragen und von diefen über die Gußformen gebracht werden. Letztere find gußeiserne
Gefäße von der Form abgestumpfter vier- oder achtfeitiger Pyramiden quadratifchen oder recht-
eckigen Grundriffes bezw. abgeftumpfte Kegel; fie befitzenkeinen Boden, fondern flehen au!
eifemen Unterlagsplatten, oft zu vielen auf einer gemeinfamen, und werden dann durch einen
'n der Mitte ftehenden, mittels Schamottekanälen in der Sohlplatte mit den einzelnen,Formen in Ver-
bindung gebrachten Trichter gleichzeitig gefüllt. Die Größe der Formen (Kokillen) richtet fich
"ach dem Gewichte der herzuftellenden Blöcke. Aus verschiedenen Gründen, befondeni aber
wegen Befchleunigung der Arbelt, gießt man heute wenn möglich Schwere ( 1 - 2 t) Blöcke.
Neben den Gießkranen befitzt jedes Beffemer- oder Thomas-Werk eine Anzahl Blockkrane zum
Abziehen der Formen von den erftarrten Blöcken, zum Befördern oder Verladen diefer,, zum
Wlederaufftellen der Gußformen u.f.w., die ebenfalls durch Wafferdruck: betrieben werden.
Das Druckwaffer liefern Pumpen, die es für den Gebrauch In befonderen Behältern Akkumu-
latoren) verschiedener Bauart auffpeichern. Die! zahlreichen Drackwaffervorrichtungen werden
jneiil von einem Platze, dem S t e u e r t i f c h e oder der.Kanzel aus, gefteuert; doch haben
heute die Blockkrane oft jeder einen befonderen Steuermann. „-Mii-denen*
v , Das Verfahren hat, je nachdem ob fauer oder bafifch gearbeitet «^vrfcUetooi.
Verlauf. Nach dem Eintragen des Rohelfens In dieihocherKitzte Blrn«i beginnt " a n zn btafen
a
bringt die Windfpannung bis auf l,5kg/qcm Ueberdruck und richtet den Ofen dann plöteUch
«f. Der Windftrom bewirkt ein fehr rafches Verbrennen von Sillcium, Mangan, Elfen, Kohlen-
ftpff b e z w . P h o s p h o fodÄh%5-20 Minuten der Prozeß ^^^X^uSm&
Nebenbeftandteilen faft freies Eifen erzeugt ift, das.nahezu Platlnfchmelzhltze befltzt D»eBlafe-
dauer hangt von der Oröße des Einfatzes, der Zufammenfetzung des Rohelfens, dem Grade der
Entkohlung des frzeugniffes und dem Querfchnitte der Windeintrittsöffnungen ab. Während
bei kleinen Einfätzen? die unmittelbar auf Stahl verblafen w e r d e n , . ^ | ^ n U ^ Ä i
«fordern 1 2 - 1 5 1 fchwere, auf weiches Flußeifen zu verarbeitende Sätze 18—20 Minuten Bfafe-
In diefer Immerhin Vehr kurzen Zeit find doch drei ganz verschiedene Abfchntte fehr
deutlich zu unterfchelden. Im erften tritt nur ein mit zahlreichen Funken untermischter Gas-
wom aus dem Ofen. Die Funken erzeugen ein Schwach leuchtendes ununterbrochenes Spektrum,
'n dem Sich entweder Sofort oder doch nach Verlauf weniger Minuten, ™ ^ » " « ^ ^
ghnählich feftftehend, die Natriumlinien zeigen, denen bald auch die des Kaliums und des Lithiums
N a c e|
AK? -e n
« nlgen Minuten entwickelt fich ein« wirkliche Flamme, und damit ift der erfte
Abfchnitt, das F e i n e n , wahrend welchem nur Sillcium und Mangan bezw. Eifen (bei mangan-
L
« « « « r , Lexikon der gefemten Technik. J. Aufl. IV. "
114 Flupeljen

armem Rohelfen) zu nicht flüchtigen, eine Schlacke bildenden Oxyden verbrennen, abgefchloffen,
und das graue Roheifen ift in weißes übergegangen. In der folgenden R o h f r i f c h - oder K o c h -
p e r i o d e erftreckt fich die Oxydation fait ausschließlich auf den Kohlenftoff. Die Flamme wird
fehr lang, fehr hell, und ein polterndes Geräufch wird aus dem Ofen hörbar; zeitweilig werden
nicht unbedeutende Schlacken- und Elfenmengen mit großer Gewalt ausgeworfen. Im Spektrum
find drei bis fünf (je nach der Durchsichtigkeit der Flamme) Gruppen gelbgrüner und grüner
Linien aufgetreten, die fich von dem hellen ununterbrochenen Spektrum deutlich abheben; fie
gehören dem Mangan an. Die Linien des Eifens find kaum fichtbar, da ihr fchwaches Licht
von den hell leuchtenden Manganlinien und dem ununterbrochenen Spektrum Ubertönt wird.
Nach 10—15 Minuten tritt ziemlich plötzlich die dritte, die G a r p e r i o d e , ein, wahrend der
die Manganlinien in umgekehrter Reihenfolge, wie fie erschienen find, wieder verfchwinden
(2—3 Minuten). Die Flamme wird kürzer, mifcht fich mit braunem, allmählich ganz undurch-
sichtig werdendem Rauch und verfchwindet ganz. Damit ift das Manganfpektrum erlofchen;
nur die Natriumlinie bleibt fichtbar, bis auch fie vom Rauche verdeckt wird. Der faure Prozeß
ift damit beendet und das Roheifen In Schmiedbares ElSen verwandelt. Man kippt die Birne,
entnimmt mit einem Spieße eine Schlacken-, mit einem Löffel eine Metallprobe und beurteilt
hiernach die Beschaffenheit des Erzeugnisses. Erftere hat leberbraune bis fchwarze Farbe;
letztere wird unter einem Dampfhammer ausgeplattet und auf das Gefüge des Bruches unter-
sucht. Ift der gewünschte Entkohlungsgrad erreicht, fo wird bei direktem Blafen auf Stahl aus-
geholfen, bei gewöhnlichem Verfahren mittels Rückkohlens der Desoxydations- und Kohlungs-
zufchlag (Spiegeleifen, Eifenmangan) flüffig oder in Stücken eingetragen, ganz kurze Zeit behufs
MiSchens geblafen, wobei wieder eine lange Flamme mit dem Manganfpektrum erfcheint, und
dann in die Gießpfanne ausgegoffen. Die Birne erhält fofort wieder eine neue Füllung, und der
Prozeß wiederholt fich in 24 Stunden 50—60 mal.
Das b a f i S c h e Verfahren verläuft im ganzen ebenfo, zeigt aber doch einige bezeichnende
Abweichungen. Vor dem Einfetzen des Roheifens wird der fchlackenbildende Zuschlag (12—15°/ 0

gebrannter Kalk) eingefüllt. Das Roheifen ift weiß und fehr heiß; infolgedeffen fällt der erfte
AbSchnitt aus, und ganz kurze Zeit nach dem Beginne ift die Flamme mit dem Manganfpektrum
ausgebildet; neben den vorhergenannten Linien treten noch diejenigen des Calciums deutlich
hervor. Bis zum Ende der Entkohlung ift der Verlauf wie obengefchildert; da aber jetzt das
Eifen noch fall Sämtlichen Phosphor enthält, wird das BlaSen nach dem Verfchwinden der
Manganlinien fortgefetzt ( N a c h b l a f e n ) , bis auch diefer verbrannt ift, wofür aber das Spektrum
keinen Anhalt bietet Der Zeitpunkt der Beendigung kann nur durch Erfahrung und Probe-
nehmen festgestellt werden. Einen ungefähren Anhalt bietet die Berechnung der einzublafenden
Luftmenge nach dem Phosphorgehalte des Roheifens und der eingeblafenen aus der Leistung
des GebläSes und der Zeit.
Die Schlacke wird ihrer großen Menge wegen und behufs weiterer Verwertung als
Düngemittel in befondere Gefäße abgegoffen, ehe man das Metall in die Gießpfanne über-
führt. Das Desoxydieren erfolgt wie beim fauren Verfahren durch Manganlegierungen,
erfordert hier aber gewiffe Vorficht, fobald es mit der Rückkohlung verbunden wird. Bei der
Unmöglichkeit, die Phosphatfchlacke vom Eifen rein abzugießen, ift man der Gefahr aus-
efetzt, daß der Kohlenftoff des Spiegelelfens Phosphorpentoxyd reduziert und das Metall,
f as bis auf geringe Spuren von Phosphor befreit Ift, mit dieSem wieder anreichert. Dies Ift der
Grund, aus dem längere Zeit das Thomas-Verfahren ausschließlich zur Erzeugung ganz weichen
Flußeifens benutzt wurde. Man umgeht dieSen Uebelftand, indem man das Muffige Spiegeleifen
aus einer Pfanne zugleich mit dem Metall aus der Birne in die Oießpfanne fließen läßt; beide
FlttffigkeitsStröme milchen fich und die Reaktion findet ftatt, ehe Schlacke hinzutritt Ein andrer
Weg ift das Rückkohlen mittels fetten, pulverförmlgen Kohlenftoffes ( D a r b y - P h ö n i x - V e r -
f a h r e n ) , den man in die Gießpfanne gibt, bevor das Eifen eingegossen wird; er löft fich in
diefem mit überraschender Leichtigkeit auf, fo daß jetzt auch nach dem Thomas-Verfahren harte
Stahle mit Kohlenftoffgehalten bis zu 1.5 % erzeugt werden können. Aus weiter unten zu
erörternden Gründen kommt das Thomas-Metall besonders heiß aus der Birne, fo daß man mit
dem Gießen der Blöcke oft etwas warten und die Formen langfam füllen muß; andernfalls
kocht das Eifen leicht in ihnen.
D i e c h e m i f c h e n V o r g ä n g e i n d e r B i r n e . Während der Einfatz in derBeffemer-
Birne eine den Schmelzpunkt des Roheifens (1250°) nicht fehr weit übersteigende Temperatur
befitzt, gelangt das FlußeiSen mit etwa Platlnfchmelzhitze (1775°) in die Gießpfanne, obgleich
wahrend des Blafens durch die Gafe mehrere Millionen Wärmeeinhelten entführt werden. Diefe
Ungeheuern Wärmemengen liefern das Silicium mit 7830 W.E., der Phosphor mit 5965 W.E.,
nebensächlich auch das Eifen mit 1353 W.E. und das Mangan mit 1723 W.-E. für jedes ver-
brannte Kilogramm. Der Kohlenftoff trägt dagegen zur Temperaturfteigerung nicht bei, da er
nur zu Kohlenoxyd verbrennt und die Verbrennungstemperatur mit atmosphärischer Luft höchstens
1600° erreicht, fo daß die Verbrennungsgafe in den höheren Temperaturen mehr Wärme entführen,
als vom Kohlenftoff entwickelt wurde. Je 1°/, der Nebenbeflandteile Stelgert die Temperatur
des Bades um nachstehende Beträge: S<300°, P183°, Mn&i*, Fe 44». Im fauren Prozeß
ift hiernach allein das Silicium, im bafifchen der Phosphor der Wärmelieferant. Ein Teil der
erforderlichen Wärme kann allerdings auch durch fehr heißes Einfchmelzen des Roheifens
gedeckt werden.
. Die Reihenfolge der Oxydation müßte theoretisch folgende fein: Si, C, Mn, Fe; in
Wirklichkeit finden aber Abweichungen Statt, fowohl wegen der Mengen- als wegen der Tem-
peraturverhältniffe. Infolge Ueberwiegens der Menge nach wird z. B. von Anfang an etwas Eifen
mitverbrannt, und bei Steigender Temperatur (Uber 1400°) bemächtigt fich faft ausschließlich
der Kohlenftoff des Sauerstoffes, fo daß die Sillclumverbrennung zuzeiten nahezu unterbrochen
Flußeifen 115
werden kann. Durch Regelung der Temperatur läßt fich die
"eilt den Verlauf einer Hitze mit niedriger Anfangstemperatur dar In « * « ^ h f * | ^ Ä
V *^*^^£^ J£*3
neben dem fehr kleinen Mangangehalte faft ausschließlich Sillcium, der Kohlenftofl[bleibt
unberührt, ja relativ nimmt er Togfr z u ; erft nachdem das verbrennende Sillcium das Bad auf
die Temperatur gebracht hat, In "der lebhafte Kohlenoxydbildungeintreten kann . b e g i n n t die
Verbrennung d e l Kohlenftoffes unter gleichzeitiger Weiteroxydat.on des S liclums w a s u n s
beweift, d a l die Badtemperatur nicht % hoch ?ein kann wie in der in Fig. U dargeftellten
Hitze. Hier verbrennt deV Kohlenftoff von A n f a n g a n ; die Flamme « « f f S ^ i ^ r S
und nicht erft nach einer etwa 6 Minuten langen Funkenperiode w i e in der erften Hitze, u a s
Roheiten muS fomit viel heißer eingetragen worden fein. Nachdem die Temperatur nocn etwa
200» geftiegen ift, hört die Siliclumverbrennung faft auf. bis die• Kohlenftoffmenge fo weit
r b u c
herabgemindert ift, daß der Reft den eingeblafenen Sauerftoff nicht alteIni mehr " " ^ "
kann. Sodann tritt von neuem lebhafte Oxydation des Siliciums und damit a b e r m a l i g b e rächt
«che Temperaturftelgerung e i n , fo daß das Metall viel heißer aus der Birne kommt ^ s n der
erften Hitze. Dadurch wird das Oießen fehr erleichtert, und das ift der Grund, w ^ b l f " * * ™ !
Verfahren dem erfteren vorgezogen wird. Das Mangan nimmt während der ganzen Z e i J W « " *
geichmäßig ab. Ueber die verbrennenden Eltenmengen laften fich Angaben nicht
hierfür nur eine Feftftellung des Gewichtes an Metall und Schlacke im Augenblicke der jeweiligen
Probenahme die Grundlagen gewähren würde.
•Kr

5 10 10 10 IS
Fl?. 13. Flg. 14. Flg. 15. Flg. IS.
p h Ganz ähnliche Bilder zeigt der Verlauf ^
Phosphorlinie hinzu. Fig. 15 ffammt wieder von einer Hitze mit " ' ^ " p " d i e Kohlenftoff-
r a
der mäßige Siliclumgehait reicht aber aus um diefelbe fo weit zu " % " ^ V ä u f den allein e 0

Oxydation b e g i n n e n \ a n n . Nachdem diefe vollende . w i r f


5
fl ^Speratur Neben c h
0 he
de S
An f
e r
noch übrigen Phosphor. Fig. 16 gehört zu einer Hitze mit hon«_An | " | « ^ P | "| , h h o r D i e

dem Kohllnftoff verbrennt d f e gerfnge Siliciummenge nachi « t e r e m - « « 3 t flchert

Unbequemlichkeit der Bildung fehr großer Schlackenmengen bei höherem ^ ^ u n


E l f e n a u s

^.C^^SaXofi^^
«uch Im bafifchen Verfahrender w e i t e n Arbeltsweife den Vorzug Nur wennmmj b
dem Mifcher entnommen wird, w o es nicht E ß u
Jeüt noch In der erften Weife, allerdings unter ™ ? j S " 5 n ^
, . • Zur Erklärung der obengefchilderten SpektralerTcheinunKer' " Ä ^ ^ g t t aus
^^^^i^J^StgBi^tA.
m n l c h

5 » e n Vorgängen*im Ofen ditnen folgende


d
daß
der Birne, fondem fitzt auf ihrer Mündung auf; 2. wenn <die Birne « ^ $ P , , Mangan- e

«ine Düfe über der Oberfläche des Bades


ljnlen.
des K a—m Di i,*™
P Im
. ~m~ e» entfteht
u »-ut-«-*. erft
e —^dann,
- > — wenn die s
" Badtemperatur bis zur Entzündungstemperatur
f e s
kann air ^ S . Seftiegen ift. Neben Kohlenoxyd erfüllt dann nur Stickftoff die Birne; erfteres
hohen T brennen, wenn es außerhalb des Ofens den Luftfauerftoff vorfindet Die in de;
em
Von M Peratur entftehenden glühenden Dämpfe von Alkallverbindungen aus dem Futtei
a
a n u n d E i f
«ber n u ^ , e n aus dem Einfatze erzeugen die Spektralerfcheinungen, die Metalldämpfi
0 a n
nur m » J . g e , als fie in elementarem Zuftande dem Ofen entweichen, d . i . folange diefer
nur mH Kohknoxyd und SUcMtoft ertüUt £ Sob»i ^xydlej^iiSJe , t s der berc l n
n h
hindurchgeht, wie es der Fall. " Ä ßrelcht, fo verbrennen d e &t e ver-
neigen der Birne etwas Luft über das Bad m e w - dleUnlenipe«r R a u c h :
M c t a U

Birne zu Oxyden und vetlaffen den Ofen J » o r a Manganfrek^ms » u ^ d e s


n
fchwlnden. Vollendete Entkohlung und Vericnw ^ Es
, weshaw "™ e m Set
n d U c n M h n U t i a d

y e oben bereits erwähnt wurde. J ? S e i e n m u f f e n , I n dem lernen m>


r n ^ ^
Zufchläge die Manganlinien wieder erfchelnen m verbrennt i ^ ^ Ä ^ j schlacke und färbt
w

«ttlnge^ohlenftotfreft nicht a l l e n . S f f ^ o « verora anderfeite W « r * fchwtrJ

oxydul löft fich einerfeits im Metall und beftehende rafch dumuer,


die anfänglich erbsgelbe, taft nur aus Mangan»
116 Flußgebiet

Die E r z e u g n i f f e der Flußeifendarflellung können, wie fich aus der Beschreibung


der Arbeitsverfahren ergibt, von höchft mannigfaltiger Zufammenfetzung fein; denn durch
geeignete Zuschläge laffen fich beliebige Legierungen herstellen. Im allgemeinen pflegt man
aber, der großen Erzeugung halber, die Bimenverfanren vorwiegend für Maffenartikel (Schienen,
Schwellen und andern Eifenbahnbedarf, Baueifen, Bleche), den Martin-Prozeß für befondere
Legierungen, Schmiedestücke, Formguß, Radreifen, Geschütze, Panzerplatten, Keffelbleche und
fonftige Erzeugniffe, an die befonders in betreff der chemifchen Zusammensetzung bestimmte
Ansprüche gestellt werden, in Anwendung zu bringen. Damit ift jedoch nicht ausgeschlossen,
daß auch in der Birne Stahl für gröbere Werkzeuge und im Martin-Ofen folcher für feine her-
geftellt wird. Die großen Fortschritte, die das Herdofenverfahren hinfichtlich Größe der Erzeugung
und Verminderung des Brennstoffverbrauchs gemacht hat, laffen ihm heute auch die Herftellung
von Maffenerzeugniffen zum Teil zufallen; fehr umfangreich ift ferner feine Anwendung in der
Stahlgießerei, die es fo gut wie vollständig beherrscht.
Für die Härten hat man verfchiedene Skalen, die aber meift von jedem Werke befonders
aufgestellt werden. — Die Größe der Erzeugung hängt wefentlich von den Einrichtungen der
betreffenden Werke ab. In einer der neuesten, beftangelegten Hütten Rheinlands, die etwa ein
Drittel der Hitzen aus dem Kupolofen, zwei Drittel aus dem Mifcher verbläft, werden täglich
60 Hitzen gemacht von je 12—151 Einsatz. Der Verlust (Abbrand im Kupolofen, Auswürfe,
Abbrand in der Birne) fleht im Zusammenhange mit der Befchaffenheit des Roheifens. Je geringer
die Menge der Nebenbestandteile des Roheifens ift, desto mehr wird ausgebracht Der Minded-
betrag des Abganges dürfte 8% nicht unterschreiten, Steigt aber anderseits bis 15°/ . Das 0

edacnte Werk erzeugt täglich 640 —750 t. Der Verbrauch an Schmelzkoks des Kupolofens
f eträgt 8—10 °/ . Hierzu tritt die zum Anwärmen der Pfannen, zur Dampferzeugung u. a.
0

erforderliche Steinkohle, etwa 15—30 »/ . 0

Literatur: [1] Ledebur, Handbuch der Eifenhüttenkunde, Leipzig, 2. Aufl., Bd.3, S. 956. —
[21 Ehrenwerth, J. v., Zur direkten Darfteilung von Stahl, Oefterr. Zeitfchr. für Berg- u. Hüttenwefen
1882, S.279. — 131 Derf., .Stahl und Eifen', Düffeldorf 1891, S.299; ebend. 1892, S. 224. -
[4] Bulls Iron and Steel direct process, ebend. 1882, S.325. - (51 .Stahl und Eifen* 1892, S. 1028.
— [6] Ebend. 1895, S.797. — [71 Ebend. 1904, S. 574. — [8] Oefterr. Zeitfchr. für Berg- und
Hüttenwefen 1882, S. 295. — [9] Ebend. 1890, S. 262. — [10J .Stahl und Elfen' 1902, S. 1. —
i l l ] Ebend. 1899, S. 887. — [12] Ebend. 1901, S.327. - 1131 Ebend. 1899, S.956. — [14] Ebend.
1897, S.403, 733; 1898, S. 146. — [15] Ebend. 1901, S. 828. — [16J Ebend. 1902, S.651. —
[17] Ebend 1900, S. 263. — [18] Mehrtens, ebend. 1891, S. 709. — [19] Ebend. 1884, S. 259. -
[201 Ebend. 1891, S. 549. — [21] Handbuch der Eifenhüttenkunde, 4. Aufl., S. 1045. — [22] .Stahl
und Elfen* 1900, S. 263. — \2S[ Wedding, Handbuch der Eifenhüttenkunde, Braunfchwelg 1874,
3. Abt, S.334. — [24] Snelus, O. J., On the removal of phosphorus and sulphur during the
Bessemer and Siemens Martin processes, Journ. of the Iron and Steel Inst, London 1870, S. 135. —
[25] Thomas, S. O., and Gilchrist P. C , On the elimination of phosphorus in the Bessemer con-
verter, ebend. 1879, S. 120. — [26] King, Brit P . a 206 von 1889.— [27] Vogel, O . , Kleinbeffemerei,
Zeitfchr. des Ver. deutfeh. Ingen. 1892, S. 406. — [28] Daelen, .Stahl und Elfen« 1896, S. 704. —
[291 Vogel, ebend. 1898, S.183. — [30] Schwartz, ebend. 1902, S.550.—J31] Will, ebend. 1901, S. 756.
— [32] Ledebur, Handbuch der Eifenhüttenkunde, 4. Aufl., Leipzig 1903. — [33] Wedding, Ausführ-
liches Handbuch der Eifenhüttenkunde. — [34] Beckert, Leitfaden zur Eifenhüttenkunde, Berlin. —
(35] Dammer, Handbuch der chemifchen Technologie, Stuttgart 1895, Bd. 2. — [36] Gemeinfaßliche
Darstellung des Eifenhüttenwefens, 5. Aufl., Düffeldorf 1903, herausgegeben vom verein deutfcher
Eifenhüttenleute. B*ttt*n.
Flußgebiet Das Wort ift gleichbedeutend mit FI u ß fyfte m (franz. B a f f i n )
und kennzeichnet denjenigen Teil der Landoberfläche, von deffen fämtlichen
Punkten das abrinnende Waffer — fei es direkt oder nach Zurücklegung ver-
fchiedener Zwifchenwege — einem beftimmten Wafferlaufe zugefandt wird. Diefer
letztere bildet den Hauptfluß; die tributären Gewäffer werden als NebenflülTe,
Zuflüffe, Beiflüffe bezeichnet.
In fehr vielen Fällen erkennt man Sofort, welche Wasserader als Hauptfluß zu gelten habe,
aber in andern ift die Unterscheidung fchwleriger, und es ist oft wie Wifotzki [11 zeigte, nicht
ganz leicht, einwurfsfreie Kriterien für die Zuteilung des Namens Haupt- oder Nebenfluß auf-
zuftellen. Nach neueren Untersuchungen kann man bei der Vereinigung zweier Wafferlaufe als
Hauptfluß mit einigem Recht denjenigen ansprechen, der im wefentlichen feine Richtung bei-
behält (MiffiSfippl-MiSfouri, Donau-Inn); alle Tributären haben den Hauptstrom zur gemeinfamen
Afymptote [2], d.h. es läßt fich, worauf zuerft P e f c h e l [3] aufmerkfam gemacht hat, tatfächltcn
konflatieren, daß die Vereinigung des fekundären Flufles mit dem primären faft immer unter
einem fehr Spitzen Winkel flattfindet
Verfchiedene Flußfyfteme find durch W a f f e r f c h e i d e n voneinander getrennt Sind diefe
nur ganz fchwach markiert, fo kann es zu vorübergehender Flußvermlfchung kommen, wie die*
im zentralen Afrika während der Regenzeit keine Seltenheit ift. Aach kann die trennende
Bodenfchwelle durch Erofion dauernd zerftört werden, und dann entliehen Bifurkationen una
natürliche Stromkanäle 14]; Belege dafür laffen fleh anführen aus dem nordamertkanifchen Staate
Maine, aus der weftfUIfchen Niederung nördlich vom Teutoburger Walde, aus dem Amfelfelde
auf der Balkanhalblnfel, nnd vor allem ift hier der C a f f i q u l a r e in Sodamerika zu nennen, der
die Stromgebiete des Amazonas nnd Orinoko miteinander verbindet Endlich fcheint auch « n
unterirdlfcher Zufammenhang zwifchen zwei Systemen häufiger vorzukommen, als man fröner
annahm. Die moderne geographifche Technik hat den Nachweis folcher Verbindung dadnren
Flußhafen — Flußkorrektion 117

zu fahren gelehrt, daß man in gewiffe Quellen oder Wafferlaufe geeignete Stoffe — Kochfalz,
SagefpBne, vor allem aber Färbemittel (Fluorescein) — einfchüttet [5], um bald nachher das
Auftreten ebendlefer Materialien an raumlich oft weit entfernten Wafferaustritten wahrzunehmen.
Jeder Stelle eines Flußgebietes entspricht ein E i n z u g s g e b i e t [61. Es ift dies der-
jenige Flachenraum, deffen oberirdifch abfließende Gewäffer die fragliche Stelle paffleren.
Literatur: [1] Wifotzkl, Hauptfluß und Nebenfluß, Stettin 1889. — [2] Boufflnesq, Essai
s
ur la thforie des eaux courantes, Memoires pr&entes par divers savants a 1'Academic des
sciences, Bd. 23, S. Iff.; Gunther, Lieber gewiffe hydrologifch-topographlfche Grundbegriffe,
Sitzungsber. d. Math.-phyf. Kl. der Kgl. bayr. Akademie, Bd. 32, S. lfff. — [31 Pefchel, Neue
Probleme der vergleichenden Erdkunde, Leipzig 1878, S. 141 ff. — (4) Penck, Morphologie der
Erdoberflache, 1. Teil, Stuttgart 1894, S. 342 ff. — [5] Knop, Ueber die hydrographifchen Be-
ziehungen zwifchen der Donau- und der Aachquelle im badifchen Oberlande, Neue Jahrb. für
Mineralogie und Geologie 1878, S. 350 ff.; De Stefan), Studio idro-geologico sulla sorgente della
Polaccia nelle Alpi Apuane, Memorie della Soc Geogr. Ital., Rom 1896, S. 384 ff. — [6] Penck,
ebend., S. 261. cum*«.
Flußhafen, ein Wafferbecken, das mit dem Fluffe in Verbindung fteht und
den Schiffen Schutz gegen Hochwaffer und Eisgang gewahrt (Schutz-, Winter-
hafen) fowie auch das Verladen und Löfchen der Schiffsfrachten (das Umfchlagen)
ermöglicht (Handels-, Verkehrshafen).
Für die Flußhafen werden alte Flußarme und natürliche Buchten, oder wenn folche nicht

J. - »AA* NVSILLLLLVIL» Ä/IV VJIUIRV WV4 WW HLLWI |UIU WIIULÄHIAIWI BT*> IV ÄFRW WSMVIAWSIA VW «LAV IUI -

J«eie Häfen beftimmten


Handelshafen, die in der Schiffe
Regelgenügend
gleichzeitig Raum zumalsbequemen
auch WinterhafenLiegen vorfinden;
dienen, die das
ift durch Orößezu der
er-
" ' " e n d e Verkehrsmaximum beftimmt; jedoch foil fchon bei der erften Anlage folcher Hafen
•M die Möglichkeit der fpäteren Erweiterung Bedacht genommen werden.
n . Alle Hafenanlagen follen tunllchft an das konkave Ufer des Fluffes verlegt werden, weil
«cn an
UCrJ an demfplh»n
demfelben nnaturgemäß eine größere
i t n r c » n l l l mint, Wallertiefe vnrfinrfrt
nrflftn» Wafl>rtl»fe vorfindet nnd
und auch
auch luirht
leicht »rhalten
erhalten laßt
läfit.
"•e Einfahrt in den Hafen
"'«Einfahrt Hafen (Hafenmund) ' ~ ift,
" um den • Hafen
- am betten
- - gegen zu rafche . . .Ver-
.
a nn d
||!
i dung» " ? und gegen Eisgang Elsgai zu fchützen, am unteren Ende desfelben anzuordnen; die Hafen-
einfahr? ffoil
«intahrf o n welter
weiter zur Er Erleichterung der . . . Ein- und Ausfahrt ftets „ nach ftromabwärts gerichtet
u n
^ein,' Fluflhafefi
" b a f e n find
finA vor jeder
vnr \mAar dauernden rkiirrrifrrVlmiirKy
AmtiarnAan DurchftrOmung m zu h«wahr*ft
bewahren nnAund 1(1
ift anctl die Ein-
„^."ngjron Unratskanalen und fonftigen Wafferläufen, die Sand oder Schmutzwaffer führen,
°nzulafflg. Das Hafengebiet ift erforderlichenfalls gegen Hochwaffer und gegen Eisgang mit
«nem hochwafferfreien und gut geflcherten Damm zu fchützen.
D e i
verf hi J* größeren Hafenanlagen eine Vermehrung der Uferlange notwendig wird oder die
e(
J t ~ f i *enen Güter auch befondere Verladeelnrichtungen und gefonderte Lagerung_verlangen.

:
minri ^ dagegen werden Platze, die für die Lagerung von Rohmaterialien oder fonftigen
a n » i " f e r t i g e n Maffengütern dienen, oft nur wenig über den höchften Schiffahrtswafferfland
HaVJ ft u m d i e
Kotten der Hebung der Schiffsfrachten zu vermindern. Die Hafenfohle ift bei
bliiS i " ets fo tief anzuordnen, daß felbft bei den kleinften Wafferftlnden noch voll-
n c h , f f
ft

eriWi f, ? e anftandslos verkehren können. Bei den Winterhafen ift diefe Tiefe nicht
lnsh«f y " ' well In denfelben meift nur unbeladene Schiffe Aufenthalt nehmen. Flußhafen Tollen
ond
litt»»! ere dann, wenn fle dem Handel und Verkehr dienen, möglichft nahe der Hafenftadt
von M " i r eine gute Verbindung mit Bahnen nnd Straßen befitzen. Bei großen, dem Umfchlage
an S<itCni d i e n e n d e n t a n M n
*Hordnen ™ befondere Sammelbahnhöfe für die Hafengflter
Vorb.»P Schutz- und Winterhafen find zumelft nur mit einfachen Uferböfchungen und mit
ie

01 z u m
Hand.i'!!"? Verheften der Schiffe ausgeftattet Dagegen find die Ufer und Kais bei
f e n f c n o n m i t
rtlftun. allen für einen bequemen nnd rafchen Umfchlag erforderlichen Ans-
« n n h f x g eer nl t e n . Ueber die Ausrodungen der Hafenanlagen vgL S e e h a f e n (mit Literatur-
Berlin
Dfl
/iJ er: P l a r |
e und ftatiftifche Daten der bedeutendften Binnenhafen Deutfchlands,
&WrM9r»nd y * ' B e e r , h u s
Straßburg bis inr holllndifchen Grenze, D e r R h e , n v o n

- Fluflkinoiienboote dienen zum Wa^dienft


JJWfen, wie z.B. auf dem Nil, dem J^ektang u. a., u n d «tarnen u
^^J^S^M
«wen fehr geringen Tiefgang - £ V " J ^ ffm^«.' •* Doppeifchraubenboote S
J** «nodernen nußkanoVnboote (Ldle
e ,nkt
derart
!SL! 7 era Stahl erbaut; die Schrauben find in gn« Wöroung w * ^ hrkefreL Wifferro

fcdnet, da8 fie ftets unter Waller arbeiten. Als ^ g ^ g ^ ™


, n e n I B , n
Spezialftahl «n- m c h uU
n i t

jÄ " ««<• Oefchtttzftlnde Und « J . , FtKnoro Stunde r. s*-—. 1


^ i f ^ , * • ? ^ X n ' s v S S iSzw Baumethoden meift f c
118 Flußmetallfdiienen — Flußmittel

bei Flüffen und Strömen für Zwecke der Verhinderung Schädlicher Ucber-
fchwemmungen, der Ent- und Bewäffcrung anfloßender Gelände oder tributärer
Kulturgebiete, der Ausnutzung von Waffcrkraft fowie der VerbefTcrung der Schiffahrt.
Die Korrektion be-
zweckt eine Hebung
beftehender Felder des
Gewäffers (Fluß oder
Strom) durch Herbei-
führung richtiger Be-
ziehungen zwifchen Ab-
flußmenge, Profilbreite,
relativem Gefälle und
Waffertiefe und damit
die Hrzielung eines un-
fcliädlichenBeharrungs-
zuftandes von Sohle und
Ufer des Fluffes. Sofern
es fich außerdem fpeziell
für Zwecke der Schiff-
fahrt um Einfchränkung
der Waffergefchwindig-
keit, namentlich aber
um Herftellung bezw.
Erhaltung einer beflän-
digen Fahrwafferrinne
mit ftets genügender
Fahrwaffcrtiefe handelt,
l l u ü k a i o n c n h o . u „Teal" (Yarrow & Co., Ltd., Poplar),
erweitert fich die Kor-
rektion zu einer F l u ß - o d e r S t r o m r e g u l i e r u n g . — Obwohl die je nach den genannten
Zwecken verfuchte fcharfe Unterscheidung zwifchen Korrektion und Regulierung von Flüffen
und Strömen in ihrer Anwendung auf Gebirgsflüffe bezw. fchiffbare Flüffe der Niederungen
ihren Urhebern vollauf berechtigt erfcheinen muß, fo ift diefelbe gerade in den Gebirgsländern
von Oefterreich und der Schweiz noch nicht durchgedrungen, wofelbft K o r r e k t i o n oder R e g u -
l i e r u n g mit Rücklicht auf die Erzielung eines fo gut wie möglich erreichbaren Beharrungs-.
zuflandes des gefamten Flußbettes bezw. -laufcs als ganz gleichwertige Begriffe angewendet werden.
Da der fomit mehr umfaffende Begriff einer .Regulierung" eine .Korrektion" ftets in fich fchließt
oder ergänzt, wird bezüglich weiterer Details auf F l u ß r e g u l i e r u n g verwiefen. migard.

Flußmetallfchienen, im Gegenfatz zu den früher durch Paketbildtmg


hergeftellten Schweißeifenfchienen, find jetzt allgemein üblich und werden
im allgemeinen Stahlfchienen genannt, obwohl das Material etwas weicher
genommen wird als das, welches fond mit Stahl bezeichnet zu werden pflegt.
S. F l u ß e i f e n und S c h i e n e n h e r f l e l l u n g . GWW»*
Flußmittel, im H ü t t e n w e fen diejenigen Zufchläge, welche die Schmelz-
barkeit oder das Zufammenfchmelzen andrer Stoffe günftig beeinfluffen. Die
Wirkung der Flußmittel ift aber meift auch eine chemifche, indem fie im ge-
fchmolzenen Zuflande fowohl faure als bafifche Oxyde und Sulfide chemifch
löfen und mit ihnen leichtflüffige Schmelzen bilden.
Sie tragen fo bei der Metallgewinnung und Mctallbeftimmung (Proben) einmal zur Er-
leichterung der Schlackenbildung, dann aber auch zur Bcfchleunigung der Einwirkung der
gefchmolzenen Maffen aufeinander und fchließlich auch zur Rcinerlialtung der Oberflächen
abgefchiedener Metalltcilchcn, alfo zur Ermöglichung des Zufammenfclimelzens der letzteren, bei.
Wichtige Flußmittel lind Flußfpat und andre Fluoride, Silikate (alfo die meiflcn Schlacken felbfl),
Borax, Phosphorfalz, Kochfalz, Soda, Pottafche (diefe vier letzteren vorwiegend im Probier-
wefen). Fluoride, Borate und Silikate werden auch in der G l a s - und in der k e r a m i f c h e n
I n d u f t r i e (vgl. d. folgenden Artikel) als Flußmittel benutzt, befonders um färbende Metall-
oxyde ZU löfen. Reckert.
Flußmittel dienen in der T o n w a r e n f a b r i k a t i o n dazu, den für fich beim
Brennen in nicht allzu hohen Temperaturen porös bleibenden Ton zum Fritten
oder Sintern zu bringen und dadurch dicht zu machen; fie find entweder
fchon in hinreichender Menge im Ton vorhanden, wie bei den meifien Ziegel-
tonen, oder muffen befonders hinzugefügt werden (Fabrikation von Porzellan,
Steingut, Klinkern u. f. w.).
Als Flußmittel für den Scherben kommen hauptfächlich Feldfpat, kohlenfaurer Kalk,
Eifenoxyde, Gips, Schwerfpat, phosphorfaurer Kalk, Speckflein, Glasfritten, Eifenfchlacken als
künflliche Zumifchungen in Betracht; als natürliche Flußmittel lind in den meifien Tonen Eifcn-
oxyd, Kalk, Magnefia und Alkalien vorhanden. Die Zumifchungen zur Glafurmaffc, um diefelbe
leicht fchmelzbar zu machen, beliehen außer den obengenannten noch in befonderen Fällen
aus Bleiglanz, Mennige, Bleiweiß, Glätte, Borfäure, Zinnoxyd u. f. w. — Diejenigen Flußmittel,
Flußregulierung 119

die dazu dienen, die Farben mit der Unterlage, auf die fie gebracht werden, zufammen-
zufchmelzen, richten fleh ganz nach den betreffenden Unterlagen, Mafle oder Glafur und nach
den Eigenfchaften der Farben felbft Als Flußmittel hierfür werden verwendet: Quarzfand,
Feldspat, Borax, Borfäure, Salpeter, Pottafche, Soda, Mennige, Bleiglätte und Wismutoxyd.
(Weiteres f. u. G l a s , G l a f u r e n und T o n w a r e n . ) DUmmttr.
Flußregulierung ( F l u ß r e g e l u n g ) umfaßt fämtliche Korrektionsarbeiten
im Gebiete des Fluß- und Strombaues, die unter Anwendung verfchiedener
Korrektionsfyfteme mittels Einbauten in den Fluß fowie Schutzbauten auf dem
Ufer die Hebung oder Verhütung von Uebelftänden an Flüffen und Strömen
durch eine nutzbringende Regelung der Verhältniffe zwifchen Richtungslinie des
Flüßlaufes und Gefälle fowie Abflußmenge und Wafferquerfchnitt (Durchfluß-
profil) zu erzielen fuchen (vgl. a. F l u ß k o r r e k t i o n ) .
Die Regulierungs- bezw. Korrektionsarbeiten verteilen fich auf die Festlegung des Fluß-
laufes nebft Mündungsftrecken der Nebenflüffe, die Erhaltung der Ufer einfchließlich Auf-
landung, Verbefferung und Schutz des Vor- und Hinterlandes fowie die Erhaltung und den
Schutz der Flußfohle einfchließlich allfälliger fchon im Fluß beftehender und beizubehaltender
Nutzbauten. — Die im Flußbett und am Ufer zur Verwendung kommenden Bauten unter-
scheiden fleh Je nach dem Charakter des Fluffes; von wefentlichem Einfluffe find: abfolute
Größe der Abflußmengen fowie Verhältnis zwifchen Hoch-, Mittel- und Ntederwafler, Vorkommen
von Gefchiebe- und Sinkßoffbewegung, Vorhandenfein von Schiffahrt und Flößerei.
Prinzipiell und in bezug auf die zur Anwendung gelangenden Mittel unterfcheidet fich
Je nach dem zunächft zu erreichenden Zweck die Regulierung der meift fchlffbaren Flüfle der
Niederung nur teilweife, mehr durch die konftruktive Anordnung der zur Verwendung ge-
langenden Baumaterialien, von derjenigen der meift nicht fchlffbaren und meift ftark gefeniebe-
'ührenden Oebirgsflüffe (f. O e b i r g s f l u ß und O e b i r g s f l u ß r e K u l i e r n n g ) . — Da die
Regulierung der letzteren ftets als ein befonderes Gebiet des Flußbaues betrachtet und be-
handelt wird, fo bezweckt eine Flußtegulierung im engeren Sinne daher ftets tn erfter Unle
?ie Förderung der Intereffen von Schiffahrt und der mit diefer zusammenhängenden Landes-
kultur durch Befeltigung aller diefelben hindernden Zuftande eines Fluffes. Außerdem find
auch ftets die Befchaffenheit des Talbodens fowie die in der Landesgegend am leichteften er-
hältlichen Baumaterialien und nicht zuletzt auch die verfügbaren Mittel zu einem großen Teil
w die Mannigfaltigkeit in der konftruktiven Ausführung der Regulierungswerke maßgebend.
Bei derFeitlegung des durch eine Regulierung in feiner Rlchtungsllnle korrigierten FluB-
[aufes kommen D u r c h s t i c h e (f. d.), am Oberrhein auch .Durchschnitte' genannt, vor. Diefe
bewirken eine technifch mit .Rektifikation' oder .Streckung', auch .Begradigung' bezeichnete
Verkürzung des bisherigen Flußlaufes. Den .Abbau' oder Abfchluß durch Sperrcamme fo
vertanener Strecken des Flußlaufes bezwecken die K u p i e r u n g e n (f.d.). Diefe letzteren
•tonnen auch die Abfperrung von Nebenarmen bezw. die Befeltigung oder Vermeidung der
meift fchädllchen Flußfpaltungen bezwecken. — Es Hegt aber keineswegs im Intereffe einer
Regulierung, alle Flußkrümmungen oder felbft ganze Serpentinen zu beseitigen, da diefe oft
namentlich der Schiffahrt zum Vorteil gereichen Infolge des geringen relativen Gefälles, das
«en Abfluß des Waffers verzögert, die Bergfahrten erleichtert, die Fahrtiefe vermehrt und damit
eventuell die jährliche Schiffahrtsperiode verlängert Dagegen geben fcharfe Krümmungen Stets
Veranlassung zu Uferabbrüchen und Kolken bei konkaven und Ablagerung von Sinkftoffen
(Anhägerungen) bei konvexen Ufern fowie dadurch zur Bildung von Kiesfchwellen (Furten)
«nd Vergrößerung der Fahrdlftanz und Unterhaltungslange der Flußufer. - Wenn auch die
£?rchftiche hinfichtlich der Regulierung überhaupt und der eventuell bewirkten Verhütung
"»her periodisch regelmäßig eingetretener Ueberfchwemmungen weiter Flachen im oberen Fluß-
gebiete gewiß zweckmäßig find, fo ift doch wohl tu beachten, daß infolge Ihrer Ausführung
™> unteren Flußgebiete höhere Wafferftände als früher eintreten können, weil fich eine rafenere
AWeitung der Hochwaffer vollzieht Bei einer mögllcherweife ökonomlfchen Ausführung der
^Mchltiche unter Zuhilfenahme der Abfchwemmung eines großen Teiles des Profilaushubesi foil
entweder die fo auf längere Dauer hin vermehrte Abfuhr von Sinkftoffen ohne Gefährdung
?der Benachteiligung unterhalb liegenden Flußgebietes ermöglicht oder noch beffer zur Ver-
ö d u n g verfallener Flußarme fowie tiefliegenden Ufergebietes auf der unterhalb gelegenen
Zwecke ausgenutzt werden. Daraus ergibt fich gewöhnlich als Reihenfolge der Ausführung
»Icher Durchftiche eine folche von unten nach oben. M . ...
•• ~ »es innerhalb des adoptierten Normalprofiles
die Elnfchrtnkungswerke. Diefe kommen
u t l „
r « . „ . , * , „ v . . ^ ... und als Q u e r b a u t e n zur Verwendung.
f," der. Ungsbauten gehören auch die zur Erhaltung der Ufer dienenden Uferfchutzwerke bezw.
{jfcrfchutzbauten undT^fonders U f e r d e c k w e r k e (IdJ. Es find dies die Uf«fchUungen bezw.
" • « V e r k l e i d u n g e n . — je nach Art des angewendeten Korrekäonsfyftema nnd desfeftgefetzten
«ormalprofiles, einfach, doppelt oder n u r ausnahmswelfe mehrfach oder nnfvmmetrlfch, wobei
«er mittlere und tleffte, bei niedrigeren Waflerftänden die Nieder- bezw. auch die Mitterwaffer-
8eo ,aff
SS?. e«>de Teitedea Querprofile« der .Flußfchlauch' genannt wird - kommen erftere
»•Wen al» f u b m e r f i b l e (bei Wheren WafferlUnden oberfttöinte) und als I n f u b m e r f i b l e
jnochwafrerfreie) L e i t w e r k e (auch .Streichbauten', .Leitdamme', .Leitwuhre« genannt) oder
a Ä f f f e r d a m m e nnd die Querbauten als B u h n e n oder T r a v e r f e n , beide als i m oder
v i " teilweife fubmerfibel bezw. infubmerfibel g e b a u t , and als Orundfchwellen zur Ausführung
1

**P"hn«n, G r u n d f c h w e l l e , P a r a l l e l w e r k , Tiaverfe).
120 Flußregulierung

Die Schlauchfeite der Leitwerke und die in den Fluß hineinragenden Enden oder .Köpfe"
der Buhnen werden auf die .Leitlinie' (auch .Streichlinie' genannt) eingerichtet und beftimmen
die beabsichtigte neue Uferlinie. Die Traverfen fchließen oder ftützen die Leitwerke gegen das
Hochufer hin, daher auch .Anfchlußwerke* genannt Zum Zweck der Verlandung hinter den
infubmerfiblen Leitwerken und zwifchen den Traverfen werden eventuell zeitweife verfchlleßbare
Oeffnungen, fogenannte .Brefchen' (Lücken), vorgefehen.

Außer dem Zweck der Einschränkung haben im Gegensatz zu den Leitwerken die Buhnen
wie die Traverfen je nach dem Charakter des Fluffes und dem Vorhandenfein von Sinkftoffen
den Zweck, durch Aufftau bezw. möglichste Verhinderung der Strömung hinter der. Leitlinie
mittels Ablagerung von Sinkftoffen eine Auflandung (Anhägerung) hinter dem Leitwerke zu
veranlassen. Die Orundfchwellen bezwecken eine Befestigung bezw. eine nach aufwärts fich er-
streckende Erhöhung der Flußfohle. Die Buhnen find i n k l i n a n t , n o r m a l oder d e k l l n a n t ,
je nachdem die Richtungslinie ihrer Längsausdehnung von der Wurzel (landfeltiges Ende) nach
dem Kopfe hin, bezw. flußaufwärts, rechtwinklig zur Flußrichtung, oder flußabwärts gerichtet
ift, d. h. auf ihrer oberen Seite, bezw. einen Stumpfen rechten oder Spitzen Winkel mit der
Flußrichtung einschließt — Bei Flußregulierungen werden am meisten Inklinante Buhnen, an
Strömen innerhalb des Ebbe- und Flußgebietes dagegen Immer normale und unterhalb der
Einmündungen von Seitenzuflüffen oder zu beftimmten Zwecken, wie Abfchwemmung alter
Ufer oder von Kies- und Sandbänken (Treibbuhnen), dekilnante Buhnen verwendet

tig. 2.
Das B u h n e n f y f t e m hat dem Leitwerk- oder Streichbaufyftem (auch Parallelwerkfyfteffl
genannt) gegenüber den Vorteil, daß, falls die Breite des festgesetzten Normalprofils Sich in der
Zukunft nicht als richtig erweift, eine Aenderung, ja fogar ein Uebergang zum LettwerkfyStem
noch leicht erfolgen kann und daß die Buhnen in der Regel auf einen geringeren Teil ihrer
Oefamtlänge in tiefes Waffer eingebaut werden, alfo wegen geringerer durchschnittlicher Höhe
geringere Bau- und Unterhaltungskosten verursachen als Leitwerke. Außerdem ift die Ver-
landung zwifchen Buhnen leichter zu bewirken als hinter Parallelwerken. Als Nachteil des
Buhnenfyftems mag gelten, daß die Buhnen nicht feiten ungleichmäßige Tiefen im Flußbett er-
zeugen (Kolke bei den Buhnenköpfen), befonders aber, daß fie erft dann in volle Wirksamkeit
treten, wenn die zwifchen denselben beabsichtigte Verlandung durch Oefchiebe, Sand oder
Schlamm bezw Schlick eingetreten ift, während Leitwerke fofort ihre beabsichtigte Wirkung
lußern nnd nicht feiten einen günstigen Einfluß auf die gleichmäßige Ausbildung des Flußbettes
ausüben. Dennoch findet das Buhnenfyftem häufig an Schiffbaren Flüffen (deutfcher Rhein, Oder,
Wefer, Elbe) nnd das Leitwerkfyftem häufiger an Oebirgsflflffen Anwendung (in der Schweiz:
Rhein, TefUn, Aare, Thür, Limmat; Ausnahme: Rhone). Buhnen werden Speziell In der Schweis
nicht feiten (wie Oberhaupt alle Querbauten) ebenfo mit .Traverfen', noch allgemeiner und volks-
tümlicher mit .Querwuhren* bezeichnet Z w l f c h e n b u h n e n erftrecken fleh nur auf einen Teil
der Entfernung vom Ufer gegen die Leitlinie oder umgekehrt von diefer gegen das Ufer hin.
Zwifchenbuhnen der erfteren Art find meift viel leichter und aus vergänglicherem Material gebaut
("••• Flechtwerke und Pfahlbuhnen); fle befördern, als .Schlickfänge' gebaut, befonders die
Auflandung. Vielerorts werden fie dann gerade im Oegenfatz zu den viel kräftiger und meift
mafilver gebauten Hauptbuhnen auch wieder Traverfen genannt. — Eine größere Anzahl von
Flußregulierung 121

befonders benannten Buhnen bezwecken auch ganz befondere Einwirkungen innerhalb des
Flußgebietes und lind unter B u h n e n (f.d.) näher charakteriliert.
Je nach Wichtigkeit des Baues und des zur Verfügung stehenden Baumaferials verwendet
man zum Aufbau von Buhnen, ähnlich wie bei dem von Leitwerken (f. unten), Holz in Form
von Strauchwerk, Pfählen, Bohlen, Schwellen (Holme), Zangen fowie E r d e , Kies und Stein
gemeinfam oder auch allein, neuerdings auch Beton bezw. armierten Beton, und bezeichnet fie
in diefer Hinlicht demnach als Holz-, Pfahl-, Erd-, halbmaflive,
maflive fowie Stein- und Betonbuhnen. Entfprechend der
gewöhnlich größeren Gefahr der Befchädigung durch Waffer-
angriff an Kopf und Streichfeite wie an der Flußfeite der
Leitwerke find auch jene aus widerftandsfähigerem Material
(auch etwa mit geringerer Böfchung) bezw. ftärker und maffiver
ausgeführt. In Fig. 3 ifl ein Buhnenende (nach Bauweife an
der Oder bei Glogau) fchematifch im Grundriß nebfl Aufriß
(bezw. Längenfchnitt ab und Querfchnitt cd) des durch eine
umfangreiche Bettung als Sohlenvcrfichcrung vor Unterfpülung
gefchützten Kopfes zur Darflellung gebracht. Diefe Sohlen-
verficherung ifl meiflens aus Packwerk (Strauchwerk oder
Fafchinen, eventuell auch Geflecht, mit Steinen als Befchwe-
rungsmaterial) oder aus Sinkflücken hergeftellt.
In Fig. 4 und 5 find Querfchnitte durch halb- bezw.
maffive Buhnen aus Senkfafchinen oder kurzen Scnkwalzen
mit Steinfehüttung bezw. aus Steinfchüttung ohne erflere, mit
einem Kieskern und Kronenpflaflerung aufgebaut, dargeftellt,
Konftruktionstypen, wie fie namentlich am deutfchen Rhein
"blich find. Diefelben könnten mit geringfügigen Abänderungen
auch als typifche Querfchnitte von Leitwerken dienen.
Die an vielen Flüffen und Strömen im großen aus-
geführten praktifchen Verfuche und die in den noch wenigen
vorhandenen Flußbaulaboratorien einiger technifcher Hoch- FIr. 3.
Schulen Deutfchlands vorgenommenen Modellverfuche (nament-
2 9 z u m
Üch durch E n g e l s , Dresden) [281, t l Vergleich der Wirkungen der verfchiedenflen Arten
von zu Regulierungszwecken erftellten Einbauten auf die Flußbettbildung können noch nicht
als abgefchioffen betrachtet werden. Auf gewiffe bei Regulierungen wohl zu beachtende ge'etz-
mäßige Beziehungen zwifchen Flußkrümmung und Tiefe fowie auch das Sohlengefälle und die
daraus remitierende Flußbettbildung (auch D y n a m i k d e s F l u ß b e t t e s genannt) haben nament-
,j
c h F a r g u e (31] u . a . aufmerkfam gemacht ( F a r g u e f c h e Gefctze) [20]. Die richtige Beurteilung
der die Flußbettbildung bedingenden Faktoren ifl das fchwierigfle Problem bei einer Regulierung.

Im Gegenfatz zum Leitwerk-bezw. Buhnenfyftem fleht das g e m i f c : h t e d a s ' V e r b u n d -


baufvftem welches Leitwerke für die konkaven Ufer oder bei geringer Waffertiefe lowie
geringer Entfernung d e r K n i e vom Ufer auch für die geraden Strecken dagegen be. große
Waffertiefe oder großer Entfernung der Leitlinie vom Ufer an den letzteren namenthch a b «
fn allen konvexen Ufern Buhnen vorlieht. Gewiffcrmaßen einen Uebergang zu diefem Svflem
bilden die .Flügelbuhnen- (Buhne mit flußaufwärtigem bezw. f l u ß a b w ä r t . g e m « « h beider
feitigem Anfatz eines kurzen Stückes Leitdamm (Flügel) an ihrem Kopfende^ g e g e n ü b e r aen
weit größeren Anlagekoflen ifl die Zweckdienlichkeit der Nügelbuhnen nur ger.ng und erweiien
fi
eh auf die Leitlinie geflcllte kurze Zwifchcnbuhnen zweckmäßiger. Ahleituno- des
.., Bei Regulierungen Speziell für Zwecke der Schiffahrt tritt « ^ ^ S C
Waffers zurück. Der beabsichtigte Zweck ifl. felbft bei niedrigen Waffcrftändcn genügende Fahr
d
waffertiefe und eine möglichft beftändige Fahrrinne zu Sichern. Es ift daher ^ Verwendu
von Parallelwerken in vielen Fällen den Buhnen gegenüber W « £ ? S L l K ^ ^ f t ^ i t o
n , b U
fa die Schiffbarkeit gewünfehten Geftaltung des Flußbettes durch eine ReguIi ™ J ^ { J"
Zuhilfenahme von Baggerung und Felsfprengung, find gewiffe Grenzen ^ ^ ^ g
"nd nicht durch Regulierung allein zu bezwingen. Mindeftforderung fur als fchiffbar zu be-
trachtende Flüffe ift 1 - 1 10 m FahrwafScrtiefe und 2 5 - 3 0 m Fahrwafferbreite.
M , Sofern durch Regulierung, d. h. durch Einfchränkungsbautcn und evcntuclktafflehe Ver-
tiefung der Sohle die benötigte FahrwafScrtiefe nicht zu erreichen ift, muß zur K a n a l f i e r u n g

f"r Herftellung von Regul erSngswerken gebräuchlichen Mittel


{«nach lokalen Verhältniffen namentlich bezüglich des verwendeten
[^^JSS^V^lSi
d e r f l ü f f e (f. d.) Zufluch genommen werden. Die konftruktive Anordnung der verfchledenen

*5"***2"*L£LK
fchutzbauten oder Ufcrverficherungcn (f. a. U f e r b e f e f l i g u n g ) « ^ « K J ^ S S Ä -
d
« " e r e unterfcheidet man je nach ihrer Anordnung in Harre oder feile " n b ^ ^ c g l che -
r
kt
>mmen in Betracht: Steinvorlagen (gefchichtet, frei verworfen und als verfenkte Blöcke), Kies-,
122 Fliißregulierung

Sand- und Stcinfchüttungen, Pfahlwerk auf Sohlenhöhe mit Holm als Schwellen abgebunden,
oder als eigentliches Bohlwerk bis über Walter aufgebaut, und eigentliche Ufermauern; fodann
Bekiefung, Erdbedeckung, Berafung und Bepflanzung, Flcchtwerk, Flechtzäune, Stein- und
Bctonplattenbelag bezw. Betonverkleidung mit oder ohne Eileneinlagen nach den
Bauweifen M ö l l e r , R a b i t z u. a. [11], mantelförmige Uferabdeckung Syflem V i l l a
[12], Böfchungspflallerung aus Trocken-,
Mörtel- und Beton-
mauerwerk, letzteres
mit oder ohne Elfen-
einlagen und befon-
derer Verankerung
(Erdanker, Patente
von R a b i t z , M ö l -
l e r , B ü c k i n g u.a.).
Im Gegenfatz zu der
Bauweife Rabitz
Flg. 7. als einer darren ver- Fig.fi.
ankerten Uferver-
kleidung mit Drahtgeflcchteinlagen beruht die Bauweife V i l l a auf der Herdellung einer mehr
oder weniger biegfamen Matte aus lofen, lieh in den Querfugen in halber Starke überdeckenden
kleineren Ziegel- oder Betonplattcn, die mittels entfprechender Lochungen dreifenweife auf
Drahtdränge aneinander gereiht, in größeren, der Anzahl der Strange korrefpondierenden Stücken
zusammengehalten, ins Walter ver-
l'enkt werden zur Abdeckung der
Sohle oder der Ufer.
Zum Aufbau von
Leitwerken und Ufcr-
fehutzbauten fowie
B u h n e n , Traverfen,
ürundfchwellen und
andern Sohlenver-
liclierungen dienen
Pfahl werk,Fafchinen
Fig. 8. oder Wippen, Flecht- Fig. 9 .
zäune, Würfle und Walzen aus Strauchwerk, fodann Sinkbäume, Senkfafchinen, Senkwalzen,
Senkkörbe (allgemein als „Sinkftücke' bezeichnet), Sinkmatten oder Sinkmatratzen und Pack-
werk (Lagen von Strauchwerk, Wippen, Fafchinen oder Geflecht mit Zwifchenlagen von
E r d e , K i e s , Bruchflein als Befchwerungsmaterial). Der in Fig. 4 und 5 dargeftcllten Bau-
weife entfprechend lind in Fig. 6 und 7 bezw. Fig. 8 und 9 auch Uferfchutz-
bauten dargestellt. (Es b e d e u t e n / = Fafchine, s= Senkfafchine, 5 = Senkwalze).

Fig. 11. Flg. 12.

Eine befondere Kategorie bilden die fogenannten G e h ä n g e (f. d.) [32] oder
Hängebauten, fpeziell auch Schwebende Bauten genannt, aus Pfahlreihen und auf-
gehängtem Strauchwerk [33], fowie andre d u r c h I ä ff i g e Bauten aus Pfahlreihen
mit hölzernem Gitterwerk bezw. eifernen Stellrahmen mit Draht oder Stab-
Flg. 10.
gitterwerk unter oder ohne Verwendung von Fafchinen u. f. w. (fogenannte
eiferne Leitwerke und Buhnen für gefchiebeführende Flüffe nach D o e i l ) [19].—
Für maffivere Konstruktionen dienen Erd-, Kies-, Schotter- und Steinfchüttungen mit oder ohne
Spundwand aus Holz oder Eifen, zum Schutze gegen Unterfpülung auch Pfahlwände. Bei der
Bauweife S e r r a z a n e t t i [9], [10] werden dünnere bis dickere Drahtnetzrohre mit Kies- bezw. Stcin-
füllung, ähnlich wie und an Stelle von Fafchinen, Packwerk, Senk-
fafchinen oder Senkwalzen felbft auch für Hängebauten verwendet;
fodann einzeln verlegte oder ganze
Ketten b i l d e n d e , mit eifernen Gliedern
beweglich miteinander vcrbundeneStein-
undBetonblöcke (fogenannte Kettenrtein-
würfc), ebenfo auch t r o c k e n - oder Mörtel-
»mauerwerk aus Stein und Beton. Neuer-
dings kommen auch Senkwalzen aus
Beton mit oder ohne Eifencinlagen zur
Fig. 13. Verwendung. Mit Ausnahme von viel- Fig. 14.
leicht Bohl- oder Bollwerken (f. B o h l -
w ä n d e ) , eventuell auch Steinkiflcn oder -karten (nach der Vollendung dem an Gebirgsflüffen
üblichen hölzernen Blockbau fehr ähnlich), kommen, gleichwie für Querbauten überhaupt (Speziell
Buhnen), auch für Seiten- und Uferfchutzwerke alle die bereits genannten Konrtruktionsmittel
ebenfo bei der Gebirgsflußregulicrung, wenn auch in meift kleineren Abmeffungen, zur aus-
Flußjäure — Flußfchiffahrt 123

gedehntesten und noch viel mannigfacheren Verwendung. Bohlwerke find als Uferverfchalungen
[eine Holzkonflruktionen und daher leicht vergänglich, werden aber neuerdings auch dauerhaft
In armiertem Beton nachgebildet Uebliche Typen von Bohlwerken, Steinkasten und Holzblock-
Wandbau mit Steinfüllung find in Flg. 10, II und 12 zur Darflellung gebracht Die nahezu ein-
lachfte, bei Flüffen der Niederung wie Oebirgsflüffen anwendbare Anordnung von Pfählen und
Strauchwerk für Buhnen und Traverfen bezw. Schlickfange ift aus Fig. 13 und 14 erfichtlich.
Für weitere Konftruktionstypen und Details wird auf den Art. G e b i r g s f l u ß r e g u -
I l e r u n g verwiefen. Vgl. a. E n t w a f f e r u n g , Bd.3, S.464, 2., in welchem Artikel die Folgen
der Regulierung auf den Qrundwafferftand besprochen find.
I m Literatur: \\\ Hagen, Handbuch der Wafferbaukunfl, Bd. 1 und 2 , Berlin 1871—75. —
j2| Kreuter, F., und Sonne, E., Handbuch der Ingenieurwiffenfch., Leipzig 18991900, Kap. 1 1 . —
PIFranzius, L., Der Wafferbau, Berlin 1890. — [4] Schräder, L, Fluß- und Strombau, Weimar
1887.— [5] Sonne und Effelborn, Elemente des Wafferbaus, Leipzig 1904. — [6] Schiffmann, C ,
Wafferbau, Leipzig 1905. - {71 Scheck, R., Fafchinenbauten, Berlin 1885. — 18] Baur, M.. Fluß-
korrektionen im Hügellande, Leipzig 1879. — {91 Serrazanetti, O., La Difese idrauliche, Bologna
1902. — [10] Derf., Die Wafferfchutzbauten, deutfeh von K. A. Schmidle, Leipzig 1 9 0 4 . -
[11] Rabitz, H., Uferbefestigungen, Berlin 1901. — [12] Lernet, A., Bewegliche Uferfchutzbauten,
Wien 1901; Befestigungen von Dämmen und BöSchungen bei Wafferllufen, Schutz der Erddamme
und der Dünen durch das Syftem Villa, Brüffel 1903; Cantalupi, O., La Mantellata Villa, Milan
1905. — {13] Deutfeh, S., Der Wafferbau, 1. Teil, Leipzig 1906. — {14] Pechmann, H. v., Praktische
Anleitung zum Flußbau, München 1832. — [15] Schlichting, J., Regulierung und Kanalifierung
A
" "'"^ ~ ~ eiten der Rheinifcombauverwaltung
'wi—1900, Berlin 1901. — (17] Unger, Regulierung des Rheinftromes zwifchen Bingen und
at. Goar, Berlin 1898. — {18] Beyerhaus, E., Der Rhein von Straßburg bis zur holländifchen

1B89. — [231 Die Korrektion des deutfchen Oberrheins, Beiträge zur Hydrographie des Groß-
"I^Ptfums Baden, 3. Heft, Karlsruhe 1885. — (241 Hieronymi, Die Theißregulierung, Budapeft
1 S 8 8 — [25] Franzius, L., und Schlichting, Zukünftige Regulierung der Flüffe, Zentralblatt der
°|uverwaltung 1893. — [26] Teubert, Verbesserung der Schiffbarkeit durch Regulierung, ebend.
£°94> — (27) Engels, H., Erhöhung der Schiffbarkelt der Flüffe durch Regulierung und deren
Frenzen, Civllingenieur, XXXIX, 1893, und Zentralblatt der Bauverwaltung 1894. — (28] Derf.,
^"Jerfuchungen über Flußbettbildung, Berlin 1905. — [29] Derf., Untersuchungen Ober Strömung
und Einfluß von Querbauten, Berlin 1904. — [30] Glrardon, H., Flußregulierung bei niedrigem
waffer, Bericht Nr. 7 des Schiffahrtskongreffes, Haag 1894. — (31] Fargue, Experiences et etudes
,a
II- , riviere Garonne, Annales des ponts et chaussees, Paris 1868-94. — [32] Wolf, Korrektion
c
S;l n ebereicher Flüffe durch fchwebende Bauten, München 1893; Wolffche Bauweife zur Regelung
gerchiebeführender Flüffe, Reifebericht von Faber, Deutfche Bauztg. 1895. - (33] Roloff, MitteiL
da s
«tJL . . nordamerikanifche Wafferbauwefen, Berlin 1895. — [341 Starling, W, The Improvement
Ml8
RJU »lssippl River, Trans. Am. Soc. C. E., Bd. 20, New York 1889. — [35] Coppee, L ,
nanu revetment ON the lower Mississippi, ebend., Bd.35, New York 1896. — [361 Mississippi
ul..?> "nprovement, Report OF Chief OF Engineers and OF the Mississippi River Commission,
Washington 1894 ff. — [37] Thomas, B. F., und Watt, D. A., The Improvement OF Rivers, New York
8 H o r n v D i e
hu — I? ] ' A- > Verbefferung des unteren MiffiSfippi von der Mündung des Miffouri
°'» tum Golf von Mexiko, Oefterr. Wochenfchr. F. d. öffentl. Baudienft, Heft 1 und 6, Wien 1896.
Flußfäure, f. F l u o r w a f f e r f t o f f .
. Flußfchiffahrt dient der Perfonen- und Güterbeförderung. Die Betriebs-
mittel find: l . D a m p f f c h i f f e ; 2. S c h l e p p k a h n e ; 3. N a c h e n ; 4. B o o t e .
a m f d f f e
M %{? P* " gliedern fich in Perfonendampfer, Güterdampfer (Dampfkahne
«na Efldampfer), Schleppdampfer. — Die Schleppkahne gliedern fich in Schlepp-
e 1 0 1 S t ü c k - u n d
7D £ , Maffengüter und Schleppkahne für fpezielle Ladung
petroleum, Baggergut, Afche u . f . w . ) . — Bezüglich der B e t r i e b s t e c h n i k ift
* J unterscheiden: die Perfonenfchiffahrt von der Güterfchiffahrt Letztere erfolgt
jnjfchnell fahrenden Eilgüterdampfera oder in Schleppzügen mit verhältnismäßig
g n n g e r abfoluter Gefchwindigkeit (5—6 km ftündlich bergwarts gegen Ufer). —
r f . S c h l e p p z u g wird gebildet aus dem Schleppdampfer und dem Anhang, der je
ffew rahrwafferverhaitniffen und der Größe des Schleppdampfers aus 1—10
m
"f™? e h r ) Kähnen befteht, die entweder »einreihig" in Kielwafferforrnation oder
»zweireihig« (feiten mehrreihig) dicht nebeneinander laufend gefchleppt werden.
m
Ranft-7* PWchItfe. Die Waffertiefe der Fahrstraße beftimmt die cur Verwendung kommende
d e
S C I W K I "i" * Propellers. Es erhalt der R a d d a m p f e r überall dort DEN Vorzug vor dem
r ^ U D E N D A M P F E R , wo diefe Waffertiefe gering und die Anwendung felbft von Doppelfchrauben
SbomS u OrUnden nicht empfehlenswert IFT Seine Bauart geftattet, ihn AUF ALLEN
k U v e n

f o w e l t d l e f e
fc*rXk!i o» fchlffbar anzufehen FIND, anzuwenden, wahrend der Verwendungs-
Scnr
BIEM ^ r. «ubendampfers feiner Propeller wegen befchränkt IFT Für DEN Personenverkehr
elte
DA m.« .? nraddampfer meifl betriebstechnische Vorteile dem Schraubendampfer gegenüber,
l h m
Bleich. T i »UFOLGE DER durch die Radkaftenpodefte GEFCHAFFENEN größeren Decksflache BEI
n e n
Abmeffungen und GLEICHEM Deplacement EINE GRÖßERE Paffagierzahl WIRD BEFÖRDERN
124 Flußschiffahrt

können als mit einem Schraubendampfer; man wird alfo pro Tonne Deplacement eine höhere
Rentabilität erzielen. Die Anfchaffungskoften find im allgemeinen höhere als beim Schrauben-
dampfer, Kohlenverbrauch und Wartung erfordern den gleichen finanziellen Aufwand. Die
lichten Durchfahrtöffnungen
der zu paffierenden Schleu-
fen und Brucken bedingen
den zu wählenden Typ. —
Der Seitenraddampfer (Fig. 1
und 2) erfordert mit feiner
Breite bis zu 20 m (auf dem
Rheinftrome) entsprechend
Fig. 1. Sdtaiindpaflagierdimgta^etafichei Schaufelrad mit beweglichen breite Brückenöffnungen und
ift für Flußläufe mit Schleufen
nur in den feltenften Fällen anwendbar. Für diefe Zwecke, alfo Uberall dort, wo enges Fahr-
waffer in Frage kommt, empfiehlt fich der Hinterraddampfer (Fig. 3), bei dem die Breite Uber die
Radkaften nicht größer wird als die größte Schiffsbreite. Für Stromläufe In unkultivierten
Gegenden (z.B. Kamerun, Togogebiet,
Südamerika u. f. w.) empfiehlt fich

Heckraddampfer (Fig. 4), deffen Bauart Flg. 2. Seltenradfchleppdempfer


den geringften Leertiefgang — 300 bis (Doppelnd mit beweglichen
SUhlfchaufeln).
400 mm — geftattet und Sei welchem
Einfachheit der Konftruktion oberfte Forderung ift, da etwaige Reparaturen fpäter im Betriebe
mit einfachen Bordmitteln ausführbar fein muffen. Neuerdings hat man in England feitens der
Firmen J a r r o w und T h o r n y c r o f t und in Deutfchland feitens der Firma S c h i c h a u mit

Fig. 3. Hintemdfchleppdempfer (einfache* Schaufelnd mit beweglichen Suhlfchaufeln).


gutem technischen Erfolge verflicht, auch den Schraubendampfer durch geeignete Konstruktion
für feichte Stromläufe als Erfatz fUr den Heckraddampfer nutzbar zu machen. Bei diefer Bauart
erhält das Heck muldenförmig gestaltete Ausbuchtungen (fogenanntes T h o r n y c r o f t - H e c k ,
Flg. 5), In denen Turbinen-
propeller (das find Schrauben
von kleinem Durchraeffer und
großer Steigung) arbeiten.
Bei Seitenraddampfern
find hinflchtlich der Bauart
Flg. 4. Hectoiddempfer (Schaufelnd mit ffften hölzernen Schaufeln). der Räder folgende zwei
Kategorien zu unterscheiden:
1 Das E i n f a c h f c h a u f e l r a d des Schnelldampfers mit verhältnismäßig großem Durch
meffer (nicht wefentlich über 4 m), hoher Umfangsgeschwindigkeit (5,8—8,8 msec entfprechend
einer.Winkelgeschwindigkeit « von 4,10-4,40 m) und einer Schaufelanzahl von etwa 8 in
jedem Rade.
2. Das g e t e i l t e D o p p e l r a d des Schleppdampfers mit kleinem Durchmeffer (2,60m
bei lOOOpferdigen Anlagen), kleinerer Umfangsgeschwin-
digkeit (4—5,5m sec entfprechend einem « = 3-4,2m sec),
fehr breiten Schaufeln ^ 1 Doppelrad > y ^ , großer ein-
getauchter Schaufelfläcbe und kleiner Schaufelzahl pro
Rad ( 6 - 7 ) .
3. Das gewöhnliche Schaufelrad des H e c k r a d '
d a m p f e r s mit f e t t e n Holzfchaufeln, großem Durch-
meffer (4 m bei einer 200pferdigen Anlage), Umfangs-
gefchwindigkeit 3,7—6 msec entsprechend w = 3,50 ol»
c. r » .. v — .. , _ „ 2,80m/sec, große Schaufelzahl (11—12); Umdrehungen
n
3 ^ ^ Ä ^ Ä ^ « Ä ? > ^ » - » Slip oft n e g a t i v erklart fich4urch
Lingiicbnitt «nd Oreadrift. die eigenartige Heckform, bei der die Stoßwirkung des
Flußfdiiffahrt 125

rflckfließenden Waffers die Vorwärtsbewegung des Schiffes unterstützt. Verfuche mit derartigen
Schiffen haben gezeigt, daß felbft bei Rückwärtsgang des Schaufelrades das Fahrzeug in ftrom-
freiem Waffer die Tendenz der Vorwärtsbewegung hat.
Ueber weitere konstruktive Durchbildung der Raddampfer, ihrer Mafchinen und Rader
' • R a d d a m p f e r , bezüglich der Flufifchraubendampfer f. S c h l e p p e r .
Allgemein fei bemerkt, daß die Verhältniffe der Schiffskörper teilweife ganz außerordentlich
von denen der Seefchiffe abweichen. Im nachfolgenden bedeutet: L die Lange von Innenkante
Vorfteven bis Innenkante Hinterfteven, B die größte Breite in der Wafferlinie über Spanten,
H die Seitenhöhe der Oberkante Kielplatte bis Seite Oberdeck, T den mittleren Tiefgang ein-
schließlich Kielplatte, D die WafferverdrSngung in Kubikmetern (Deplacement), 8 die Völligkeit
Oer Wafferverdrängung = Z ) : £ z ? r , IT die Flache der oberften Wafferlinie, « die Völligkeit
diefer Flache = W-.LB, F die eingetauchte Hauptfpantfläche, alle Flachen in Quadratmetern,
A die Völligkeit der Hauptfpantfiache = F: B T. Es gelten dann folgende Verhaitniswerte nnd
Prinzipiellen Konstruktionsangaben:
^ S c h n e l l d a m p f e r : LIB = 8,5—10,15. zV//=24—28,6. ß / r = 9,10—6,5; 1/7 = 75—79.
peplacementsvölllgkeit S = 0,62-0,75; Wafferlinienvölligkelt «=0,634—0,80; Hauptfpantvöflig-
keit ß = 0,982—0,972. Die in Frage kommenden abfoluten Oefchwindigkeiten find für tiefes aus-
gebreitetes Stromfreies Fahrwaffer 30 km (16,25 Knoten) bis 25 km (13,50 Knoten) entfprechend den
mittleren Oefchwindigkeiten auf beschranktem Fahrwaffer (Rheinftrom) von 27,5 km (14,85 Knoten)
bezw. 22,5 km (12,15 Knoten). Füllung im Hochdruckzylinder = 4 0 — 4 5 V , Slip der Rader
etwa 12—18%; Umdrehungen ca. 41—44.
_ S c h l e p p d a m p f e r : LB Im Mittel 8,5; L\H Im Mittel 23; Ä/7*=7—8,5; L/7"= 59—72.
Größte Breite über die Radkaften rund 20 m, Vielfach ausgeführte Orenzwerte für Deplacements-
völligkeit S = 0,828; Wafferlinienvölligkelt « = 0,875; HauptfpantvOUigkeit 1 = 0,998-0,967.

Srtun n 0 t C
^' ^ U l l u n g i m H o c h d r u c k
^ r U n d e r
etwa 50»/,; Slip der Rader 35—45»;*; U m -
Schleppkahne. Für diefe Ift i n der Regel I/B = 6 - 7 , 5 ; L / / / = 3 8 bei großen Petroleum-
Tfhnen, 33 bei großen Rheinkahnen, 20 bei kleineren Kähnen. Ferner: B T = 4 , 5 — 6 ;
t / r = 3 0 — 4 0 ; Deplacementsvölligkeit 3 = 0,85 bei langen bis 0,78 bei kurzen Kähnen; Waffer-
linienvölligkelt «=0,925—0,830; Hauptfpantvölligkelt 1=0,985-0,998. Tragfähigkeit der Kahne
«uf dem Rheinftrom: 2000-10001, Normalfchif? 10001; auf dem Elbftrom: 1200—750—600t,
Normalfchlff 700 t ; auf der Oder 600—450 t Normalfchiff 4 5 0 1
Größte Schleppkahne für die geplanten örtlichen Wafferftraßen : £ = 6 5 m ; £ = 8 m ; Tief-
gang 1,75m; Tragfähigkeit = 6001 Die fogenannten F i n o w k a n a l k a h n e haben die Ab-
g e f a n g e n I = 4 0 > ) m ; B = 4,60 m; Tiefgang 1,25 m; Tragfähigkeit 170 t (Die genannten
AomelTungen L und B beziehen fleh in diefem befonderen Falle auf die Außenkanten-Fender.)
D l e
.. < . größten Elbfchleppkähne (Petroleumtankkahne) weifen die Konftruktionsabmeffungen
•nf: i = 7 5 , 5 0 m ; / ? = 12m; Höhe 2 m ; Tiefgang = 1,92m; Tragfähigkeit 1200t
e, • Als Baumaterial dient b e i den Dampfern durchweg, bei den Kähnen teilweife weiches
,r'r"ens-Martin-FlußeiSen (fogenannter Schiffbauftahl). Die Kahne werden vielfach mit Eichen-
l'«««den (105—125 mm Starke) ausgeführt, und diefe Bauart Ift überall dort zu empfehlen, wo
jnioige geringer Fahrwaffertlefen Im Hochfommer (1 m und darunter) Grundberührungen nicht
<u vermeiden find, da hierbei ein guter Holzboden nicht fo leicht leck fpringt wie ein Stähl-
t e n ; auch Ift erfterer mit Bordmitteln leichter zu dichten.
riu . Die Konftruktion der Schleppkahne wird vorteilhaft nach den gleichen Prinzipien w i e
r
rwi |ac
Schleppdampfer bewirkt: fcharferes Vorfchlff, volleres Hinterfchiff (Differenz der
k"P enjentsvölllgkeiten etwa 3—4%), größte Breite auf %-»/« L von vorne, dann fchwach
^ " c n oder beffer im Parabelbogen zur kleineren Breite hinten verlaufend (Oefrmtabfall
500 mm),
K . ' . e Ermittlung d e r Wlderftandsarbelt erfordert zufolge des ftets In Frage flehenden
f
D |

n l (
tar . i t e n FahrwaSSers erheblich eingehendere Berechnungen als die gleichen Ermittlungen
m i t ? 1*2 Ozeandampfer. Wir bedienen uns hierfür vorteilhaft der Methode D i e t z e , die, auf
w
»uenfchaftllcher Grundlage aufgebaut, fich in dreißigjähriger Praxis bewahrt h a t [3L (4L [5j.
J>er Gang der Rechnung ift folgender. E s bezeichne:
M = Scheinbare Gefchwindigkeit gegen Ufer in Kilometerftunden;
y» = Stromgefchwindlgkeit in Kilometerftunden;
Yf •» Qleltgefchwindigkelt in Kilometerftunden;
y = V, ± (V, + Vi) = tatfachliche Gefchwindigkeit, wobei -+• für die Bergfahrt, — für
• die Talfahrt gilt;
fH,„_ ' « d a s typifche Gefalle (StromgefaUe in Millimeter/Kilometer Strömlinge); dann ift
worin B Formel): V **ai P+p-\/T, t

Coli D ? Pegelhöhe in Metern a m nächsten Pegel, « = Konitante (für den Rheinftrom


^ ' « - R u h r o r t — MO), p = eine andre Konftante (für dlefelbe Strecke = 1,90).
Ift weiter D die Wafferverdrängung, fo wird:

SertV i Q r
.
di
d i e

e K
, u f
deutfehen W a f f e r f U a ß e T v e r ^ h r e m f e n Kahne In den G r e n z e n 0,045—0,070
U i n e
fie m w ^ ? n
. .
mit d e m Vorfteven z u Tal fchwimmen; die Werte fallen u m 2 0 % , w e n n
Gefphi. . t e r f l e v e n ( w a s v i e l f a c h gefchieht) z u Tai fchwimmen. Hiernach Ift a l f o die
e m
H l n

nwindigkeit Vi e i n e s z u Tal fchwimmenden Kahnes nicht g l e i c h d e r S t r o m -


g e x e n U , e r
126 Flußschiffahrt

gefchwindigkeit V,, fondern um den Wert Vt größer, was fehr oft in der Praxis Uberfehen wird.
Mit wachfendem D fteigt auch der Wert von V , ; er ift ferner für jeden Kahn innerhalb eines
Schleppzuges wegen der Veränderlichkeit des Wertes v ' D verfchieden und für den Schlepp-
dampfer felbft des Widerstandes der Räder wegen gleich Null. — Die m i t t l e r e d e f c h w i n d i g -
k e i t e i n e s S c h l e p p z u g e s wird
V = 2 V D — S u m m e
Produkte VD
d e r

2D Summe D
Für die W i d e r f t a n d s a r b e i t der Schleppzüge in befchränktem Fahrwaffer find zu
berücksichtigen: et
1. Das Verhältnis-^r = n , worin $ Fahrwafferquerfchnitt, F eingetauchten Schiffsquer-
fchnitt — BTß bedeutet.
2. Die Waffertiefe %.
Für beschränktes Fahrwaffer wird es fleh im Intereffe voller Ausnutzung der Mafchinen-
leiftung des Schleppdampfers häufig empfehlen, das gefamte Quantum Ladung ftatt auf einen
Kahn (um das Bruttofchleppgewicht niedrig zu halten) auf mehrere Kähne zu verteilen. Es
wird z. B. für einen Kahn mit 2051 Ladung bei % = 1,20 und n = 5,76 die Widerftandsarbeit N0,
die mit fallenden Werten von n erheblich fteigt [4], 2,7 mal größer, als wenn diefer Kahn in
einem Fahrwaffer mit % = 1,50 m und n = co gefchleppt würde; femer wird die Widerftands-
arbeit No für z w e i Kähne mit 260 t Ladung (alfo 55 t mehr wie vorhin) bei gleichen Werten
von % und n nur 1,809 mal größer, fo daß alfo trotz des höheren Bruttofchleppgewichtes die
Widerftandsarbeit geringer wird.
Bei der B e f l i m m u n g d e r i n d i z i e r t e n M a f c h i n e n l e i f t u n g für eine geforderte
Gefchwindigkeit V in befchränktem Fahrwaffer von bekannter Waffertiefe % wird vorteilhaft wie
folgt verfahren: Es wird unter Benutzung des D i e t z e - D i a g r a m m s [3b] diejenige Gefchwindig-
keit ermittelt, die fich aus dem gegebenen Vfür befchränktes % für ein $ = 0 0 und g = c o ergibt
Ift z.B. für ein 1 = 3 m eine Stündliche Gefchwindigkeit von 18 km gefordert, fo wird der
Berechnung der indizierten Leiftung Nt der Mafchine nach [3b] ein V = 28 km in tiefem aus-
gebreiteten Fahrwaffer zugrunde zu legen fein, wofür fich ergibt M = 7 0 0 P S i , während für
V = 18 km in tiefem ausgebreiteten Fahrwaffer nur ein Ni = ca. 200 PSi erforderlich wäre.
Die befchränkte Waffertiefe geftattet alfo gegenüber einem unbefchränkten Fahrwaffer ein Mehr
von 500 PSi.
Die Beflimmung von Nt gefchieht entweder nach den graphifchen Tafeln von D i e t z e [3a]
oder nach der folgenden Formel von M i d d e n d o r f (der Ausdruck für U7 ift der Originalformel
t

gegenüber etwas modifiziert):

k 7 - l T + i r , - p ^ R - 0 W + a i 6 f l r ^ ; W, = ^ . l
1 F = ^ .
Hierin bedeutet: W den Gefamtwiderftand; B7i den Formwiderfland; U7, den Reibungs-
widerfland, F die eingetauchte Hauptfpantfiache = B, T, fl, l = L:B=* Länge durch Breite,
a die benetzte Oberfläche, angenähert = £ ( l , 7 T+ 4b), V die Gefchwindigkeit in m/sec
- ^ - W '= ™ ™ | - ™ « ^ « » » • • • — * : * m ta.
genden Werten von No fteigt auch 17; es Kann gefetzt werden für No = 100 bis 200 n = 0,5, für
No = 300 bis 400 v = 0,60, für Wo = 500 bis 600 »7 = 0,65; für No = 700 und darüber n = 0,70,
unter Vorausfetzung fachgemäß konftruierter Mafchinen und Propeller.
Es bleibt noch folgendes zu beachten: Für fchnellfahrende Dampfer In Flußläufen mit
befchränktem % läßt fleh die wirtschaftlich günftlgfte Mafchinenleiftung aus [3b] genau ermitteln;
fo ergibt fich z. B. für einen Dampfer, der bei X = 3 m mit M = 450 PSi die Gefchwindigkeit
V = 17,27 km erreicht, mit Ni=* 700 (Zunahme=55«/ ), V= 18 km (Zunahme=3,65»; =0,63 km);
0 0

der Erhöhung der PSi, alfo auch der Erhöhung der Befchaffungs- und Unterhaltungskoften des
Schiffes würden keinerlei wirtschaftliche Vorteile gegenübertreten, die Anlage wäre verfehlt und
die Aufgabe würde im. Intereffe besserer Wirtschaftlichkeit anders zu formulieren fein.
Bei den Schleppdampfern hingegen, deren V in den Grenzen 10—12 km entfprechend
einem Vi = 4,50—5,3 liegt, b i e t e n d i e a b n e h m e n d e n W e r t e v o n % k e i n H i n d e r n i s ,
eine Mafchine von höchfter Leistungsfähigkeit einzubauen, und es wird im Gegensatz zu fchnell
fahrenden Dampfern die abfolute Gefchwindigkeit eines zu Berg fahrenden Schweren Schlepp-
zuges z. B. bei St = 3 m größer fein als bei % = 5 m, weil mit wachfendem % (folange der Fluß
nicht über feine Ufer tritt) auch die bergwärts zu überwindende Stromgefchwindigkeit zunimmt.
Es fei noch bemerkt, daß eine Waffertiefe gleich der fleh aus [3 b] ergebenden halben Wellen-
länge als 0 0 angefehen werden darf.
Im allgemeinen ift die Beförderung von Rohprodukten mittels der Flußschiffahrt eine fehr
bedeutende; fie ift insbefondere dort lohnend, wo die mittlere Flußgefchwindigkeit 1 m pro Sekunde
nicht übersteigt Unter günstigeren Bedingungen, aber ganz ähnlichen Verhältniffen fleht die
Beförderung auf Kanälen. (Hierüber und über .Treideln' L K a n a l f c h i f f a h r t . ) Wegen wetterer
technischer, insbefondere aber ftatiftifcher und administrativer Auskünfte verweisen wir auf die
unter [2L [3]—[5] angeführte diesbezügliche Literatur.
Literatur: [1] Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 7, und Weber, Handbuch der gebräuch-
lichsten Ausdrücke bei der Elbfchiffahrt, Pirna 1872.— [2] Das Schiff, Wochenfchrtft für die
getarnten Intereffen der Binnenschiffahrt; Statistik des Deutschen Reiches, Rubr. Verkehr auf den
Wafferftraßen; Verhandlungen der internationalen Binnenfchiffahrtskongreffe; Verhandlungen der
Zentralverwaltung zur Hebung der deutschen Schiffahrt; Moreaux, Recherche du mellleur mode
Flußfdxnelle — Flußtemperatur 127

de navigation sur le Rhone, precede de considerations sur la resistance au mouvement des


coques de bateaux en mer, dans les rivieres et dans les canaux, Paris (o. D.); Lagren«, Cours
M navigation intCr., Paris 1869-75; Molinos, La navigation inttr. de la France, Paris 1875;
"lalezieux, Cours de navigation inter., Paris 1877; v. Weber, Die WafTerftraßen Nordeuropas,
Leipzig 1881; Oermain, Cours de navigation inter., Paris 1882-83; Oulllemain, Navigation
rivi
Ii ff" eres et canaux, Paris 1885; Ringwalt, Development of transportation system fii the
united States, Philadelphia 1888; Clements, Inland navigation in the united kingdoms, London 1890;
aympher, Der Verkehr auf den deutfchen WafTerftraßen, Berlin 1890; Sytenko, Apercu general
aes voles navigables de la Russie, Petersburg 1890. — 13 a] Graphifche Tafeln zur Berechnung
«es Schiffswldertlandes, Zeitfchr. d. Ver. deutfeh. Ingen. 1887, S. 129; [3bl Schiffswiderftand bei
befchränkter Waffertiefe, ebend. S. 609. — [4] Widerftand der Schleppzage im begrenzten Fahr-
waffer, Zeitfchr. d. Ver. deutfeh. Ingen. 1889, 5. 559. — [5] Ueber die wahre Oefchwindigkeit der
ichleppzüge, Zeitfchr. d. Ver. deutfeh. Ingen. 1891, S. 276. Hiu**rmm*u
Flußfchnelle ( S t r o m f c h n e l l e ) , eine mit abnormalem Gefälle begabte
otromftrecke, in der die Gefchwindigkeit des Waffers hohe Werte annimmt und
die Schiffahrt erfchwert oder unmöglich macht.
Flußfpaltung, f. v. w. Teilung des Fluffes in zwei oder mehrere Arme.
Flußfpat, F l u o r i t , F l u ß , F l u ß f t e i n , Mineral, natürliches Calcium-
iluorid CaFk (48,72% Fl, 51,28«/ Ca), mitunter nach unterchloriger Säure 0

nechend (Stinkfluß), kriftallifiert regulär, und zwar meiftens in Würfel- und


Oktaederform, fonlt derb, ftengelig und erdig.
f . Spaltbar nach dem Oktaeder vollkommen; fpröde; farblos und durchfichtig, meift Jedoch
jenon gefärbt, und zwar gelb, grün, violett, blau, rot u. f. w.; mitunter in der Wärme phosphores-
zierend. Durch Glühen werden die melften Flußfpate farblos unter OewichtsverlufL Man
nimmt an, daß die Färbung von Kohlenwafferftoffverbindungen herrührt Glasglänzend, in der
"'**« Phosphoreszierend. Härte 4 , fpez. Gew. 3,15—3,20. Schmelzbar in dünnen Splittern
e
S, , ' Rotfärbung der Flamme, leichter mit Schwerfpat und Gips zufammen; manche dunkel-
violette Flußfpate werden bei langfamem Erhitzen bis Rotglut heller. Durch konzentrierte
e l f ä u r e w i r d
i«r Flußfpat zerfetzt und bei 40» C Flußfäure frei. Salz- und Salpeterflure
jojen ihn auch auf, aber fehr fchwer. Vorkommen fehr zahlreich und häufig ganze Gänge
8
J ™ ^ - Die Verwendung des Flußfpates ift ziemlich mannigfaltig. In der Hauptfache dient
f e r n " "ertellung der Flußfäure, die zum Glasätzen, zu Email und Glafuren verwendet wird,
e u r
5 5 f . * Herftellung von Fluorverbindungen. Als Zufchlag zum Ausfchmelzen fchwer flüfflger
S^e'iaurereicher Kupfer-, Silber- und Eifenerze (Mafchinenguß auf Beffemerwerken, Kunftguß,
noizkohlenguß,
n Spiegeleifen u. f. w.). Preife in kleinen Stücken bei 85—88% Oehalt an CaFl
Si"c*J « « ^ e n Stücken mit 90—95% Gehalt an CaFl, 135-150 jt pro 10000 kg. — Auch
m u c k f t e , n
t

en»f 5 r
w , r d
Flußfpat verwendet, und zwar unter den Namen, denen feine Färbung
, a l f c
all« "ii? V h e r Smaragd, falfcher Amethyft, falfcher Topas. Ringfteine und Knöpfe werden
Tiiii hergeftellt Englifche Vorkommen in Derbyfhire werden zu Kunftgegenftänden, Vafen,
m T
i»"a \ affen,
f
a
Leuchtern, Urnen, Bechern gefchliffen, gedreht und poliert Das Drehen des
pivT|P 'e» unterliegt wegen der ftarken Spaltung und Sprödigkeit großen Schwierigkeiten Die
n a o e n
br£h hohen Preis, wenn fie rein und klar find. Wegen feines geringen Ucht-
u n g s v e m , ö
«iiS2. 8 e n s und feiner geringen Farbenzerftreuung wird der klare farblofe Flußfpat in
wffi™." ,«^? Linfenfyfteme (Objektive für Mikrofkope, fogenannte Apochromate) ein-
1 1 2 1 6

«eiügt (Flußfpat von Meiringen). Jpptm.

Flußfpatfäure, f.v.w. Flußfäure; f. F l u o r w a f f e r f t o f f .


Flußftein, f. v. w. Fl u ß fp a t (f. d.).
p j F|uÖteniperatur die Wafferwärme fließender Gewäffer in verfchiedenen
er o f

1
tluriuJP * Temperatur der fließenden Gewäffer ift bisher viel weniger als die der flehenden
w d
nun „ ST en. Aeltere, in ihrer Art fehr verdienftliche Arbeiten über erfteren Oegenftand hat
D o v e
AMJ n . Ul und H e r t z e r (2]; eine fechsjährige Beobachtungsreihe des Bayreuther
m r ö d r
Fortfcfhi?« * über die Maintemperatur hat C a r l (3) verarbeitet Einen wefenUichen
ni m d e r
Erkenntnis bahnte eine neuere Monographie von F o r f t e r (4) an.
in r i . „ o Flußwärme hat eine deutlich ausgefprochene Jahresperiode, Indem das Wätmemaxlmum
SomiI
Jahr!? > e r , das Wärmeminimum in den Winter fallt Ein direkter Parallelismus mit dem
a n g e d e r L
nicht ? « "Rtemperatur findet jedoch nicht ftatt, weil diefer letzteren die Waffertemperatur
einer „ «• folgen vermag. Im einzelnen ift bei einem Fluffe zn unterfcheiden, ob er
i c h e n
ern*« c , . r a l
Quelle, einem See oder einem Gletfcher entflammt nnd ob die Quelle im
Zuflufi ' e hoch oben im Gebirge gelegen ift oder bereits dem Flachlande angehört Starker
nehm»» Gletfcherwaffer übt, wie namentlich die an der Arve (bei Genf) geraachten Wahr-
Sen
derT*m 'ehrten, noch auf ziemliche Entfernungen vom Urfprunge einen die Herabsetzung
r a t r
Wärm« ? « y oedingenden Einfluß aus, wogegen nahe an der Austrittftelle das Waffer zumeift
In f e i n . « " \ n
m
a n erwarten follte. Das aus einem See hervorgehende fließende Waffer bringt
a l s

f U r ^ oberen Schichten die Temperatur des Sees mit, und da auf diefen die direkte Infolation
rk f o fl
elBen<iiil A ' P egt der ausftrömende Fluß warmer als der einftrömende zu fein. Die
«emllph ln Sn a n t e "e werden in Ihrem Wärmehaushalte durch den Umftand beftimmt, daß die
ttdlflflu

«Mttler« e . Ü°. 5 chcnTemperatur der melften Quellen, fofern es keine Thermen find, mit der
Hüffe . „A,,' Temperatur der Luft des Quellgebietes annähernd übereinfllmmt Flach