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Realisierungswettbewerb

Umbau des Reichstagsgebäudes


zum Deutschen Bundestag

Dokumentation des Architekturwettbewerbs


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Überarbeitung

Überarbeitung

Das Preisgericht des Realisierungswettbewerbes


Umbau Reichstagsgebäude zum
Deutschen Bundestag
beschloß die Gleichrangigkeit
der ersten drei Arbeiten.
Das Preisgericht empfahl dem Auslober einstimmig,
die Verfasser der in der 1. Preisgruppe
ausgezeichneten Entwürfe
mit der Überarbeitung zu beauftragen.

Den Preisträgern wurden Vorgaben


für die Überarbeitung gegeben,
wonach der Umbau des Reichstagsgebäudes
mit geringer Eingriffstiefe erfolgen soll.
Die Ergebnisse dieser Überarbeitungen
sind auf den folgenden Seiten abgebildet.

Die drei Arbeiten sind auf jeweils


vier Seiten dargestellt.
Vorgaben für die Überarbeitung
Am 29. 01.1993 beschloß das Preisgericht des Der Umbau des Reichstagsgebäudes soll mit geringer
Realisierungswettbewerbes Umbau Reichstagsgebäude Eingriffstiefe erfolgen. Die Außenwände und die unmittel-
zum Deutschen Bundestag die Gleichrangigkeit der ersten bar dahinterliegenden Bau- und Raumstrukturen des
drei Arbeiten. Das Preisgericht empfahl dem Auslober Bauwerks von Wallot sollen soweit wie möglich erhalten
einstimmig, die Verfasser der in der ersten Preisgruppe bleiben. Der Erschließung des Gebäudes ist besondere
ausgezeichneten Entwürfe mit der Überarbeitung zu Beachtung zu schenken. Die Vorgaben des Wett-
beauftragen. bewerbsprogramms zum Denkmalschutz und zum
Technikkonzept haben weiterhin Gültigkeit.
Den Preisträgern wurden Vorgaben für die Überarbeitung
gegeben, wonach der Umbau des Reichstagsgebäudes Es soll ein bürgerfreundliches Parlamentsgebäude ent-
mit geringer Eingriffstiefe erfolgen soll. Vorgegeben wurde stehen. Das dem Realisierungswettbewerb zugrunde
ein Raumprogramm, das für die Durchführung von gelegte Raumprogramm soll zugunsten eines höheren
Plenarsitzungen unerläßlich ist, mit einer Hauptnutzfläche Flächenanteils für Besucher, Presse und Medien in Gestalt
von 9.198 m². von Wandelgängen und Begegnungsbereichen auf die
Programmteile reduziert werden, die für eine unmittelbar
Für noch verfügbare Flächen im Reichstagsgebäude parlamentsbezogene Arbeit erforderlich sind.
wurden weitere Funktionsbereiche benannt, die jedoch
nicht zwingend nachgewiesen werden müssen. Diese Rückzugsbereiche sowie Besprechungs- und Aufent-
Vorgaben einschließlich Raumprogramm sind auf den haltszonen für Abgeordnete sind in ausreichendem Maße
Seiten 126/127 wiedergegeben. um den Plenarsaal anzuordnen.

Die Überarbeitungen wurden am 11. 06. 1993 überreicht. Der neue Plenarsaal soll innerhalb der Umfassungswände
Die Vorprüfung der drei überarbeiteten Entwürfe wurde des jetzigen Plenarsaals angeordnet werden. Zugangsebene
vom 12. bis 16 . 06. 1993 durchgeführt. Die Vorprüfung und Wandelhallen sollen nicht im Sockelgeschoß liegen.
erfolgte analog dem Realisierungswettbewerb anhand Innerhalb der konstruktiven Festpunkte ist für diesen
der vorliegenden Unterlagen. Der Vorprüfung standen im Bereich eine Neukonzeption vom Keller bis zum Dach zur
wesentlichen die Grundrisse und Schnitte zur Verfügung. funktionalen Verbesserung für den Plenarsaal selbst und
Die geforderten quantitativen Programmnachweise zur Verbesserung der Erschließung für Abgeordnete und
(Raumprogramm) wurden geprüft. Besucher zu entwickeln. Im Hinblick auf den gewünschten
Zugang für die Abgeordneten zum Plenarsaal über die
Die Prüfung der qualitativen Daten erfolgte auf der Grund- Westhalle ist der Sitzungsvorstand auf die Ostseite zu
lage der in der Ausschreibung genannten Beurteilungs- verlegen. Die Sitzanordnung ist noch nicht festgelegt.
kriterien. Vorschläge hierzu werden begrüßt.

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Überarbeitung

Bei der Abstimmung von Raumform, Bestuhlung und Sollten bei Zugrundelegung des angegebenen
Lage des Rednerpultes – und später auch bei der Raumprogramms noch verfügbare Flächen im
Gestaltung der Wand-, Boden- und Deckenoberflächen Reichstagsgebäude vorhanden sein, so ist in der
– müssen die Zusammenhänge und Erfordernisse von Bau-, Priorität der Reihenfolge zu prüfen, ob die Bausteine
Raum- und Elektroakustik frühzeitig beachtet werden.
l Präsidialbereich und Leitungsbereich Verwaltung
Die derzeitigen Fraktionssäle für die großen Fraktionen im = Baustein 2 + 10 2.171 m²
Reichstagsgebäude sollen in ihrer Größe nicht verändert und/oder
werden. Die Fraktionssäle sollen geschlossen in der im l Parlamentsdienste mit Stenographen
Raumprogramm vorgesehenen Größe in dem östlich = Baustein 11 2.497 m²
anschließenden Dorotheen-Block untergebracht werden.
zusätzlich eingeplant werden können.
Bausteine des im Wettbewerb zugrunde gelegten
Raumprogramms, die aufgrund des begrenzten Raum- Sollte sich bei der Überarbeitung der Wettbewerbs-
angebotes nicht im Reichstagsgebäude untergebracht ergebnisse ergeben, daß weitere repräsentative
werden sollen oder können, sind in Gebäuden (ein- Nutzflächen planerisch noch zur Verfügung stehen,
schließlich Reichstagspräsidentenpalais) unmittelbar ist das Raumprogramm um einen oder zwei Sitzungs-
östlich des Reichstagsgebäudes vorzusehen. säle (je 350 bis 400 m²) für öffentliche Ausschuß-
Zur Beurteilung der städtebaulichen Einbindung wird sitzungen/Anhörungen zuzüglich entsprechender
hierzu lediglich eine Darstellung von Baukörpern Foyers zu erweitern.
(Baumassenstudie) erwartet. Der witterungsgeschützten
Anbindung dieses Bereiches an das Reichstagsgebäude Ergebnis der Überarbeitungsphase
ist jedoch besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Konzept- und Baukommission des Ältestenrates haben
sich in ihrer Sitzung am 21. 06. 1993 mit den Ergebnissen
Raumprogramm der Überarbeitungsphase befaßt und folgende Empfehlung
Für die Überarbeitung der Wettbewerbsergebnisse ist das beschlossen: Konzept- und Baukommission empfehlen
nachfolgende Raumprogramm, das für die Durchführung den Fraktionen und dem Ältestenrat, den Architekten
von Plenarsitzungen unerläßlich ist, zugrunde zu legen. Sir Norman Foster & Partners auf der Grundlage seines
überarbeiteten Wettbewerbsvorschlages mit weiteren
Bausteine*) Flächen in m² planerischen Leistungen (Vorentwurf mit Kostenschätzung)
l Plenarbereich 1 ca. 3.500 zu beauftragen.
l Sitzungs-, Protokoll und
Repräsentationsräume/ Der Ältestenrat hat sich am 01. 07. 1993 für den
Sitzungssäle 8 1.350 Entwurf von Sir Norman Foster & Partners ausgesprochen.
l Presse/Medien 9 186
l Parlamentstechnische und
andere Dienste 12 ca. 1.500
l Besucherdienst 13 ca. 1.000
l Restaurant 14 ca. 1.500
l Verfügungsräume
für Bundesregierung
und Bundesrat 15 162

Summe 9.198...

*) Die Bausteine und deren Bezifferung beziehen sich auf


den Auslobungstext (siehe auch Seite 38-39) des Wettbewerbs,
wobei der Überarbeitung ein reduziertes Raumprogramm
zugrunde gelegt wurde.
Sir Norman Foster & Partners,
London/Großbritannien

Haustechnik und Energiekonzept:


Kaiser Bautechnik
Statik und Bauablauf:
Ove Arup und Partners
Akustik: Arup Acoustics
Kostenberatung:
Davis Langdon und Everest
Modell von Westen

Auszug aus dem Erläuterungsbericht Der Dialog zwischen der Bauherrenseite und den
Seit dem ersten Wettbewerb hat sich vieles verändert. Architekten ist eine wesentliche Bedingung dafür,
Diese Veränderungen kommen in dem neuen Aus- den bestmöglichen Reichstag zu bekommen. In diesem
schreibungstext zum Ausdruck. Bewußtsein gelangten wir zu der Überzeugung, daß es
nützlicher ist, vier Variationen über ein Thema zu zeigen,
Wir sind nicht der Ansicht, daß es angemessen wäre, als eine singuläre Lösung vorzuführen. Mit diesem Ansatz
unseren ursprünglichen Entwurf einfach abzuändern. wollen wir eine konstruktive Diskussion auslösen,
Es ist vielmehr notwendig, noch einmal von vorne die neue Wege aufweist.
anzufangen – bei neuen Ausgangspunkten.
Wir sind der Meinung, daß speziell eine der Lösungen
Die Punkte, von denen wir ausgehen, sind die internen . sinnvollste ist, nämlich die Lösung, die gleichzeitig
die
Arbeitsabläufe im deutschen Parlament und die historische weder die billigste noch die teuerste ist. Es ist bei alledem
Struktur des Reichstages. Wir haben diese Punkte in wichtig zu sehen, daß jede Option für sich alleine innerhalb
vertiefter Weise untersucht und dabei für beide ein ihres eigenen Bezugsrahmens, hervorragende Architektur
besseres Gespür und ein genaueres Verständnis gewonnen. innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne ermöglicht.
Auch die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Zusammen-
hänge hat sich verändert. Das Kernstück des Entwurfes siedelt jedermann auf einem
einzigen demokratischen Niveau an - auf dem historischen
Unser neuer Entwurf ist freilich erst möglich geworden ersten Stockwerk. Die parlamentarische Arbeit dabei als
durch unsere früheren Arbeiten für die erste Stufe des offen und zugänglich verstanden. Licht, freie Sicht und
Wettbewerbs. Die Themen von Energie und Ökologie wurden frische Luft haben einen hohen, besonders zu würdigenden
ebenfalls weiterentwickelt. Wert - ihm wird in unseren Entwürfen neue Bedeutung

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Überarbeitung
Sir Norman Foster & Partners

Historisch gesehen war das dritte Stockwerk sehr wichtig


mit seinen großzügigen Räumen, die durch Tageslicht
von oben beleuchtet waren - in krassem Gegensatz zu den
gegenwärtigen eingeengten Räumlichkeiten, die vor über
dreißig Jahren hineingezwängt wurden. Unserer Überzeu-
gung nach gibt es starke Gründe dafür, dieser historischen
Ebene mit ihren großzügigenRäumen in einer heute
sinnvollen Form ihren alten Stellenwert zurückzugeben.
Die Dachebenen können außerdem teilweise als öffentlich
zugängliche, teilweise für die Parlamentarier reservierte
Terrassen genutzt werden, von denen aus sich Berlin im
Panorama darbietet.

Modellausschnitte mit Dachoption 1, Dachoption 2 In weiteren Schritten untersuchen wir Variationen


des Plenarsaalbereiches. Auch hier beginnen wir mit
einem Kernentwurf, der sich innerhalb der existierenden
Struktur entfaltet. Wir bemühen uns dann darum,
wie man das überalterte Dach durch mehr Glas ersetzen
kann. Schließlich zeigen wir eine Version, in der das
alte durch ein völlig neues und angemessenes Dach
verliehen.Die historische Struktur wird respektiert. ersetzt wird, zu entsprechenden Kosten natürlich.
Die Innenhöfe werden wieder hergestellt. Die Eingangs-
räume werden geöffnet. Daruch wird die vertikale und
horizontale Bewegungsfreiheit zum ersten Mal seit dem
letzten Jahrhundert frei von Hindernissen, der Zugang
wird direkt und wo nötig auch sicher. Die alten, ver-
brauchten und „gefräßigen“ Systeme werden durch
saubere, kleinere und leistungsfähigere ersetzt. Im
Kernentwurf werden die Räume oberhalb dieses wichtigen
Niveaus im wesentlichen so belassen, wie sie jetzt sind.

Plenarsall

Innenhof
Lageplan

Die von uns empfohlene Lösung basiert auf


unseren detaillierten Untersuchungen und bringt
1. Obergeschoß mit Plenarsaal die Vorgaben des Ausschusses wieder genau
an dem Ort zur Geltung, wo sie hingehören,
im Reichstag selbst. Wir erweitern die der Öffent-
lichkeit dienenden Einrichtungen; dazu gehören
ein Museum der deutschen Geschichte, die
Aussichtsterrassen auf dem Dach und ein Café.

Wir empfehlen damit keineswegs, das Niveau Innerhalb der Bandbreite an möglichen neuen
dieses Daches künstlich über dasjenige des Räumen, die nach unserem Entwurf im Reichstag
jetzigen Gebäudes anzuheben - weder in gewonnen werden können, sind ohne Zweifel
Form einer neuen Kuppel noch in Gestalt eines weitere Alternativen auf der Basis der vier vor-
Schirms ähnlich unserem ursprünglichen Ent- geführten Optionen denkbar. Wir freuen uns
wurfes. Mit dieser Empfehlung sind keine darauf, das große und spannende Potential
technischen Probleme verbunden, aber zusätzliche dieser Alternativen bei der Präsentation, im
Kosten; wir bieten sie der Vollständigkeit halber an. Zuge der zweiten Stufe des Entwurfsprozesses,
Auf der philosophischen, kritischen Ebene stellen eingehend zu erläutern.
wir jedoch die Notwensigkeit in Frage, aus rein
symbolischen Gründen höher zu bauen als nötig
und sogar noch mehr Geld in dieser Richtung
auszugeben.

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Überarbeitung
Sir Norman Foster & Partners

Sir Norman Foster

Lebenslauf
1935
in Manchester geboren;
1961 Diploma of Archi-
tecture und Certificate
of Town Planning;
zweijähriges Stipendium
an der Yale University
in New Haven,
Connecticut, USA;
Master of
Architecture 1962;
Gründung der Projekt- Projekte (Auswahl):
gruppe„Team 4“ mit Seebahnhof der
späterer Frau Wendy, Fred Olsen Linie
Su und Richard Rogers 1963; London, 1971;
seit 1967 Hauptverwaltung von
Foster Associates zusam- Willis Faber & Dumas
men mit acht Teilhabern. in Ipswich, 1975;
Associate of the Royal Sainsbury Centre
Academy London, for Visual Arts in
Honorary Fellow of Norwich, 1978;
the American Institute Hongkong & Shanghai
of Architects, Bank in Hongkong, 1986;
Royal Designer for Industry, Dritter Londoner Flughafen
Mitglied der Académie in Stansted, 1990;
Royale de Belgique.
Lageplan
Zahlreiche Auszeichnungen.
1. Obergeschoß mit Plenarsaal

Schnitt Nord-Süd
Modell von Westen

Pi de Bruijn, de Architekten Cie,


Amsterdam/Niederlande

Mitarbeiter:
Don Murphy,
Kellergeschoß mit östlich anschließendem Reichstags-
Jan Richard Kikkert
präsidentenpalais und Dorotheenblock

Auszüge aus dem Erläuterungsbericht Eckstein am Stadtrand, Pavillon im Park


Um das Reichstagsgebäude im Rahmen dieser neuen In der städtebaulichen Ausarbeitung wird die Situierung
Aufgabe wesentlich zu revitalisieren, stehen für uns in des Reichstagsgebäudes auf der Grenze zwischen
architektonischer Hinsicht drei Themen im Mittelpunkt: Stadt und Park so stark wie möglich ausgenutzt.
l Der Zugang zum Gebäude von außen für Die vier Fassadenflächen erhalten sehr unterschiedliche
Abgeordnete und Besucher einladend zu gestalten. Grundflächengestaltungen, so daß ganz verschiedene
l Das Innere des Gebäudes zu einer räumlich transparenten Eingangsmöglichkeiten entstehen.
und übersichtlichen Einheit zu transformieren mit
interessanten Verbindungen und Überschneidungen An der Südseite ist vom Tiergarten aus ein Besuchereingang
zwischen den Bereichen der Abgeordneten und Besucher. von städtebaulicher Bedeutung situiert. Die Nähe zum
l Dem neuen Plenarsaal eine so starke Formidentität Brandenburger Tor macht diesen Eingang noch plausibeler,
zu geben, daß er zum Symbol der Erneuerung der wenn man an die zu erwartenden großen besucherzahlen
deutschen Demokratie werden kann. denkt, die diese beiden bekanntesten Gebäude von Berlin
zusammen anziehen.
Diese drei Themen bilden unserer Meinung nach
das Minimalprogramm, damit der Reichstagsumbau Das große Tiergartenpodium muß als Pendant zur west-
erfolgreich wird. lichen Vorfahrt aufgefaßt werden. Die Funktion des Podiums
Dieser Überarbeitungsentwurf ist denn auch die grundle- ist es, einen Vorhof zum eigentlichen Gebäude zu bilden.
gende Variante unseres ersten Wettbewerbsentwurfs. Ein großzügiges Gebiet, das als Platz eingerichtet werden
kann und am Tag wie auch am Abend eine hohe Aufenthalts-
qualität hat, was noch durch die Orientierung nach Süden
verstärkt wird. Die Form als breite Eingangsböschung zum
ersten Geschoß macht dieses architektonische Element
zu einer Metapher der Gastfreiheit, die zum Volumen des
Gebäudes und zur Stadt paßt.

Der Dorotheenblock ist Teil des alten Stadtgebiets.


Der östliche Reichstagseingang erhält dadurch den am
meisten städtischen Charakter. Um eine visuell störende
Brücken- oder Vordachkonstruktion zu vermeiden, wurde
die verlangte Verbindung in das Kellergeschoß des
Reichstagsgebäudes verlegt. Das Flußufer, par excellence

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Überarbeitung
Pi de Bruijn, de Architekten Cie

Modell von Westen mit Blick in den PlenarsaalModell von Westen

Erdgeschoß

ein traditioneller Bereich für Spaziergänge der Stadt- Klarheit durch Raum und Licht
bewohner, erhält mit der großzügigen Spree-Terrasse Die heutige Kellerebene wird im Plan weitgehend offen
mit Café und Restauranteinrichtungen eine willkommene, gestaltet, und zwar im Grundriß wie auch in der Höhe.
neue Verbindung zum Reichstagsgebäude. Da ein großer Teil des Erdgeschosses wegfällt, kann dieser
Raum mit einer Höhe von 9 m ein hochwertiges Ambiente
Auch an der Nordfassade wird das Kellergeschoß für erhalten. Beabsichtigt wird der Charakter eines „Councourse“,
den Zutritt von Licht und Luft frei gemacht. Die Räume eines mehr oder weniger öffentlichen Bereichs mit einer
im Erdgeschoß erhalten dadurch eine größere Privatsphäre Reihe interessanter Nutzungen. In diesem Fall handelt
gegen den Einfluß von außen. Der Bestimmungsverkehr es sich um das Café und Restaraunt an der Nordseite und
kann weiterhin vorfahren. die Ausstellung „Fragen an die Deutsche Geschichte“ an der
Südseite. Hier befindet sich auch ein Teil des besucher-
Die Westseite ist qua Oberfläche die einzige Seite, für die empfangszentrums mit Vortragssälen.
keine Veränderung vorgeschlagen wird. Die Vorfahrt bleibt Das mittlere Gebiet dieses „Concourse“ wird von den
erhalten, wenn auch die Zufahrtswege sehr viel schmäler runden Formen des Plenarsaals überwölbt und zum
sein und mehr Grünanalgen angelegt werden könnten. „Salle des pas perdus“ bestimmt, nämlich für den
informellen Kontakt zwischen Wählern und Gewählten.
Die südliche Eingangshalle wird unter dem großen Podium
die Funktion als Autovorfahrt behalten. Auch hier sind Die Transparenz des Gebäudes wird noch auf eine
wir dafür, ausschließlich Bestimmungsverkehr über die andere Weise vergrößert, nämlich durch die Einbeziehung
Scheidemannstraße zuzulassen. der Lichthöfe in den oben genannten allgemeinen
Verbindungsraum.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der
Plan auf drei Manieren neue Verbindungen mit der
Umgebung realisiert:
l Für die Besucher als Tiergartenpodium mit der
Möglichkeit einer vielfarbigen, städtischen Nutzung.
l Für die Abgeordneten die Verbindung mit dem
Dorotheenblock, leicht und luftig mit aussicht auf
Bäume und die Spree.
l Für die Berliner die Spreeufer-Terrasse, ein Ruhepunkt
beim Spaziergang zu einem gastfreien Reichstags
gebäude.
Der Plenarsaal
Grundidee ist, den neuen Plenarsaal in
der eckigen Architektur des Reichs-
tagsgebäudes als ablesbare Entität
sichtbar zu machen. Die gewölbten
runden Formen des Grundrisses und
des Querschnittes können auch dann
noch überzeugend im Innenbereich
wie auch im Außenbereich des Saals
sichtbar gemacht werden, wenn
die Betonschächte von Baumgarten
beibehalten werden. Diese Form-
eigenschaften sind wichtig, weil
sie ungefähr die einzigen Mittel sind,
um dem Plenarsaal eine erkennbare
Identität im Reichstagsgebäude
zu geben. Die taktile Qualität dieser
gewölbten Oberflächen kann durch
adäquate Materialien noch verstärkt 1. Obergeschoß mit Plenarsaal
werden und damit der Einzigartigkeit
dieses besonderen Saals eine zusätz-
liche Bedeutung als das neue,
klopfende Herz des alten Reichstags-
gebäudes geben. Obwohl der Saal den ausgesprochen intimen Charakter
unserem ersten Wettbewerbsentwurfes behalten hat,
gibt es doch wichtige Unterschiede. Zuerst wurden die
Fensteröffnungenin den Seitenwänden im vollen Umfang
für den Tageslichteintritt und den Kontakt mit der
Außenwelt genutzt. Die Tribüne für die Öffentlichkeit,
die Presse und die Diplomaten wird auf einen einzigen
Balkon auf der Präsidialebene des Gebäudes beschränkt.
Die Fensteröffnungen im Saal bleiben auf diese Weise über
die volle Höhe frei. Die Sitz- und Schreibtischaufstellung
kann befriedigend eingepaßt werden, ebenso wie die
Einrichtungen für das Präsidium, die Regierung und den
Ältestenrat. Vier Eingänge führen über Seitenwege entlang
den Atria bis zur Saalmitte. Ab dieser Mitte steigen die
rückwärtigen Reihen stufenweise an, während die vorderen
Reihen nach unten verlaufen. Eine großzügige Anzahl von
Plätzen ist für Behinderte leicht erreichbar.

Modell von Südwesten


Der mittlere Teil des Balkons ist für die Besucher bestimmt,
im Anschluß daran befinden sich links und rechts Abteilun-
gen für Diplomaten und die Presse. Die runde Saalform wird
an der oberen Seite durch eine schüsselförnige akustische
Decke aus hochwertigem, absorbieremdem Material
begrenzt. Der Rand dieser Decke aus einem speziell entwor-
fenen, durchbrochenen Filigranmuster ist lichtdurchlässig.
Damit kann in diesem Vorschlag die gesamte technische
Dachkonstruktion des großen Saals erhalten bleiben,
einschließlich der Glasstreifen des Oberlichtes, die auch in
diesem Entwurf die Tageslichtfunktion behalten. Im Kunst-
lichtplan für den Saal werden diese Deke und die Atria eine
wichtige Rolle spielen müssen. Für die Verarbeitung der
Inneneinrichtung wird an natürliche Materialien gedacht.
Modell von Nordwesten

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Überarbeitung
Pi de Bruijn, de Architekten Cie

Lebenslauf Projekte (Auswahl):


„De Architekten Cie“ Modehaus Amsterdam;
setzt sich aus vier Gesundheitszentrum
Architekten zusammen: Noordhove,
Pi de Bruijn, Zoetermeer;
Frits van Dongen, Yachthafen Ijsselmonde,
Jan Dirk Peeraboom Voller Rotterdam;
und Carel Weeber. Metro-Station Spijkenisse;
Pi de Bruijn
Niederländischer Pavillon
In dieser Kombination Weltausstellung Osaka;
besteht das Büro seit 1987. Neues Parlamentsgebäude
Das Büro kann auf eine Den Haag;
30-jährige Erfahrung Office Centre Kantoor
zurückblicken. Amsterdam;
,Olympiapark‘, Alpen;
Die gute Zusammenarbeit Peperklip 549 Apartements,
in einem gut ausgerüsteten Rotterdam;
Architeketenbüro dient Pullman Hotel, Den Haag;
neben der Architektur Universität von Amsterdam,
auch dem Umgang mit den Amsterdam;
Auftraggebern und darüber Schule En Wijkebowlaanweg,
hinaus der Realisierung Amsterdam
von Bauvorhaben. Rathaus Amersfoort

„De Architekten Cie“


betrachten Entwurfs-
aufgaben nicht nur als
ästhetische Problem-
stellungen, sondern nähern
sich der Zusammensetzung
von Wünschen und Vor-
gaben mit einer ana-
lytischen und rationellen
Herangehensweise.

Schnitt West-Ost

Schnitt Süd-Nord
Modell von Westen

Santiago Calatrava und Frau Robertina,


Zürich/Schweiz;
Mitarbeiter:
Prof. Dr. Klaus Daniels
Prof. Dr. Stefan Polonyi
Prof. Dr. Ludwig Deiters Auszüge aus dem Erläuterungsbericht
Dipl. Ing. Die besonderheit dieses Wettbewerks liegt in der
Gert-Uwe Liebelt Auseinandersetzung mit dem bestehenden Reichstags-
Volker Ruhl gebäude, insbesondere in der Frage, wie sich die
Martin Bechtold Forderung nach einem modernen, transparenten,
parlamentarischen Arbeitsbereich mit den Gegebenheiten
des historischen Gebäudes vereinbaren läßt.

Unsere Haltung gegenüber dem Reichstagsgebäude


während der zwei Bearbeitungsphasen war
unverändert gekennzeichnet durch:
l den Respekt gegenüber dem historischen
Bau und der Geschichte des Ortes
l den Wunsch nach Wiederherstellung der
architektonischen und historischen Bedeutung
des Gebäudes
l die Weiterentwicklung der vorhandenen Strukturen
zu einem zeitgenössischem und repräsentativen Gebäude

Die respektvolle Haltung des Entwurfes gegenüber dem


Altbau läßt sich an den nachfolgenden Punkten ablesen.

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Überarbeitung
Santiago Calatrava

Modell von Norden

Alt- und Neubau


Der Reichstag erhält seine historische bestimmung zurück.
Ausdruck findet dies in der Neuinterpretation des histori-
schen Zentralbaues durch eine zeitgenössische Kuppel-
konstruktion. Diese gibt dem Gebäude sein Wesen zurück.
sie signalisiert, daß das Innere wieder mit Leben erfüllt
ist. Der Plenarsaal liegt im Zentrum, eingefaßt von den der
Öffentlichkeit zugänglichen Flächen.
Anregungen der Bau- und Konzeptkommission
Die Anregungen der Bau- und Konzeptkommissionen Das wilhelminische Gebäude wird durch die neue
wurden in die vorliegende Überarbeitung des Reichs- Architektur nicht negiert, nicht verfremdet und nicht in
tagsentwurfs mit aufgenommen. Frage gestellt. Es entsteht kein totes Architekturexponat.
l der Plenarsaal wurde oberhalb des Sockel- Die Kompositionsregeln des klassischen Baues werden auf
geschosses angeordnet die neuen Bauteile übertragen.
l durch räumliche Überlagerung der für Parlamentarier l die Symmetrie
und Besucher vorgesehenen Bereiche werden l die vertikale klassische Dreiteilung der Fassafe
weitere Begegnungsstätten geschaffen l die Fassadenteilung
l durch Vereinfachungen und Reduzierungen kann l die Lage, Form und Geometrie des zentralen
eine noch ökonomischere Lösung vorgeschlagen werden Baukörpers der Kuppel
l die Proportionalität zu seiner Umgebung.
An den grundsätzlichen Entwurfsgedanken und Der Reichstag bleibt ein Solitär, Proportionalität zum
Leitmotiven wird festgehalten Brandenburger Tor und Prasidentenpalais bleibt gewahrt.
l der Plenarsaal bleibt weiterhin im Zentrum des Gebäudes
l Neuinterpretation eines solitären Zentralbaues - Der Reichstag behält seine Identität. Es entsteht ein Dialog
symbolisiert durch eine moderne Kuppel zwischen Alt und Neu. Durch Öffnung und Neuordnung des
l der Dorotheenblock wird funktional mit einbezogen. Inneren erfährt er eine substantielle Aufwertung.

1. Obergeschoß mit Plenarsaal


Dorotheenblock
Der Dorotheenblock wurde konzeptionell in seiner bereits
vorgeschlagenen Form belassen. Die 5-geschossige Anlage
orientiert sich an der Trauhöhe der Umgebungsbebauung.
Mit einer Bruttogeschoßfläche von ca. 35.000 qm können
die Flächen der Parlamentsdienste, Stenographen, Aus-
schußbereiche, Verfügungsräume der Fraktionen, alternativ
die Fraktionssitzungssäle und die Geschäftsführungs-
Modellausschnitt
bereiche der Fraktionen mit einem Raumbedarf von cirka
21.000 qm leicht untergebracht werden. Nach wie vor stellt
eine großzügige Halle die Verbindung zwischen Reichstags-
Plenarsaalebene gebäude und Dorotheenblock her. Von dieser gelangt man
Die großzügige Parlamentsebene bleibt überwiegend auf direktem Wege auf die Glasgalerie. Die Galerie hat
den Politikern und Diplomaten vorbehalten. Mit der Zugang zu den begrünten Innenhöfen und dient den ihr
Öffentlichkeit ist sie über das Peristyl und den Lichthöfen angeschlossenen (alternativ abgebotenen) Fraktions-
verbunden. Bei besonderen Anlässen gestattet ein großes sitzungssälen als offener, großzügiger Lobbybereich.
Tor direkten Zugang von Peristyl in den Plenarsaal. Die Vorführungsbereiche können ebenfalls der Glasgalerie
Die Wandelhallen, zehn Meter hohe Räume, schließen sich problemlos zugeordnet werden. Sicherheitsdienste, Post,
direkt an den Plenarsaal an. Sechs moderne Sitzungssäle Küche, Polizei, Sanitätsbereiche, Archive etc. werden über
von insgesamt 1000 qm Fläche stehen zur Verfügung. eine Zufahrt von der Otto-Grotewohl-Straße aus einfach
und schnell erschlossen.
Zugehörige Dienste sind indirekt am Plenarsaal oder in
unmittelbarer Nähe in einem Zwischengeschoß (-2.80m)
untergebracht. Alle Büros sowie alle Sitzungssäle verfügen
über Tageslicht.

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Lageplan
Überarbeitung
Lebenslauf
Santiago Calatrava
28. 07.1951
Santiago Calatrava wurde
in Benimamet Valencia
(Spanien) geboren 1981 Architektur- und Faziur Rahman Khan
1956-1961 Bauingenieurbüro in Zürich International
Primarschule in Valencia 1987 1989
1959-1960 BSA-Mitglied (Bund Ehrenmitglied BDA (Bund
Besuch von Abendkursen Schweizer Architekten) Deutscher Architekten)
der Kunstgewerbeschule Preis „Auguste Perret UIA“ Eröffnung eines Büros
in Burgasot, Spanien Mitglied der „International in Paris
1961-1968 Academy of Architecture“ 1990
Gymnasium in Valencia 1988 „Medaile d’Argent
1968-1969 Kunstpreis der Stadt de la Recherche et
Kunstschule in Valencia Barcelona für die de la Technique“
1969-1973 Bach-de-Roda-Brücke (Fondation Académie
Architekturstudium in Barcelona (Preis der d’Architecture1970, Paris
mit Diplom an der Pressevereiningung) 1991
„Escuela Technica Superior IVHB-Preis (Internationale Europäischer
de Arquitectura de Valencia“ Vereinigung für Holzleimbau-Preis,
1973 Brückenbau und Hochbau) München
Nachdiplomstudium in FAD-Preis (Fomenta de las „Auszeichnung für gute
Urbanistik in Valencia Artes y el Disenol, Spanien, Bauten“ der Stadt Zürich für
1975-1979 Auszeichnung für den Bahnhof Stadelhofen
Bauingenieurstudium „Kritik, Raum, Architektur“ 1992
an der Eidgenössischen Fritz-Schumacher-Preis, Mitglied der
Technischen Hochschule Deutschland, für „Real Academia de Bellas
(ETH), Zürich „Städtebau, Architektur, Artes de San Carlos“,
1979-1981 Ingenieurwesen“ Valencia
Doktorat der Technischen
Wissenschaften an der
Architekturabteilung
der ETH mit dem
Thema „Zur Faltbarkeit
von Fachwerken“
Assistent am Institut für
Baustatik und Konstruktion
sowie am Institut für
Flugzeugstatik und Leicht-
bau der ETH Zürich

Perspektive von Südwesten