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D E R M E N S C H IM T O D N A C H D E R APOKALYPSE D E S M O SE

E IN E E R U H JU D IS C H E A N T H R O P O L O G IE
IN D E R Z E IT D ES PA U LU S

VON

ST E E L N S C H R E IB E R
Universität Münster

Summary
In the Apocalypse o f Moses the them es o f the p ro to p lasts’ d ea th an d o f
G o d ’s m ercy w ith A d am are d o m in an t. T h e anthropological views, how-
ever, are am bivalent: m a n as a unity, or a dichotom y of body a n d soul.
In the literary setting o f the d o cu m en t as a w hole, traditio-historical solu-
tions are not satisfying. O n the b ack g ro u n d of the use o f the key term s
σωμα, πνεύμα and ψυχή in the S eptuagint, the a u th o r o f the A pocalypse
does not provide a clear anthropological system, b u t articulates the “self,”
the “life” o f m a n as ow ed to G od. A voiding the dualistic picture o f m a n
com m on in G reek philosophy, he is guided by the biblical view o f m a n
as a unity in o rd er to stren g th en the re a d e r’s hope in a life after d eath
in the face of negative earth ly conditions. T his has consequences, for
exam ple, for the theological diversity in E arly Ju d aism , or for the dilem m a
o f the em pty tom b o f Jesus.

Eange Zeit spielte die Apokalypse des Mose (ApkMos)1 sowohl für die
Erforsehung des E rühjudentum s des 1. J h . als aueh für die religions-
g e ^ ie h d ie h e E ^ r d n u n g des N euen Testaments eine sehr übergeordnete

1 Eine solide Basis für eine grieehisehe Textausgabe lieferte erst die (leider unvoll-
endete) textgesehiehtliehe Arbeit von M. Nagel, La Vie grecque dAdam et d'Eve (Diss. phil.;
reprogr. Lille: Université, 1 7 4 ‫) و‬. Textausgaben: D.A. Bertrand, La vie grecque dAdam et
Eve. Introduction‫ و‬Texte‫ و‬Traduction et Commentaire (Recherches im ertestam entaires 1; Paris:
Maisonneuve, 1 8 7 ‫( ) و‬grieehiseh französiseh); G.A. Anderson M.E. Stone, A Synopsis of
the Books of Adam and Eve (SBL Early Judaism and Its Literature 17; Atlanta: Seholars
Press, 21999) (griechisch engliseh m it den Versionen in Eatein, Armeniseh, Georgiseh
und Slawoniseh) (entspricht dem von M. Nagel vorbereiteten T ext für: Concordance grecque
des pseudêpigraphes dAncien Testament [hg. A. A T Denis; Louvain-la-Neuve: Institut Orientaliste,
1987] 813-818); o. M erk M. Meiser, Das Leben Adams und Evas (JSH R Z 11 5; Gütersloh:
G erd M ohn, 1998) (deutseh).

© Koninklijke Brill NV, Eeiden, 2004 Journal for the Study of Judaism , X X X V , 1
Also available online vww.brill.nl
50 STEFAN SCHREIBER

Rolle. Bei der dafür m itverantw ortlichen notorisehen Schwierigkeit der


D atierung der Sehrift zeigt sieh hislang angesichts fehlender eindeutiger
Zeithezüge kein K onsens, so daß m an a u f W ahrscheinlichkeitsurteile
angewiesen ist. Läßt sich auch cinc gewisse U m ieherheit nicht ausräum en,
scheint m ir doch eine Beurteilung der Entstehungsverhältnisse, die in
die M itte des 1. J h . weist, die plausibelste Lösung zu sein‫ ؛‬Einsiehten
in den überlieferungsgeschichtlichen Prozeß der verschiedenen Versionen
des Buehes u n d in ü b e re im tim m u n g e n m it ii^ a ltlie h gleichgerichteten
Fragehorizonten bei Paulus (Röm 5: 12-21 7:7‫؛ ؛‬ Gal 4 : 2 6 ‫؛‬1 K or 15:21-
2, 35-58) fundieren das U rteil, das in der neueren Forschung häufiger
vertreten w ird.2 D an n aber öffnet sieh m it der ApkMos ein Eenster in die
D enkw eh des Ju d e n tu m s im 1. J h ., das existentielle u n d kulturelle
Auseinandersetzungen, begriffliehe und gedankhehe Entwieklungen sowie
R fo rm u lie ru n g e n der alten T radition im neuen LebenskontexU siehtbar
werden läßt. Die Schrift erzählt Leben und Sterben der Stammeitem Adam
und Eva als zeitliehe und theologisch noüvendige K onsequenz der ü b e r-
tretung der göttliehen Beschränkung im Paradies. Einen zentralen Inhalt
stellt dabei die Besehreibung des Todesvollzugs des M ensehen (Adams)
dar, die m eine A usführungen konturieren u n d ^o b le m a tisie re n wollen.

2 Vgl.o. M erk M. Meiser, Leben, 752, 757-755; ferner D.A. Bertrand, La vie grecque,
23-25, 25-31, und J.H . Charlesworth, ‫ ״‬Pseudepigraphen des Alten T estam ents,“ TR E
27 (1557) 635-645, hier 640 (2. Hälfte 1. Jh.). Skeptiseh bleiben hingegen M .E. Stone,
A History of the Literature ofAdam and Eve (SBL Early Judaism and Its Literature 3; Atlanta:
Seholars Press, 1552) 57-8 (1.-3. Jh.), und M .D. Eldridge, Dying Adam with His Multiethnic
Family. Understanding the Greek Life ofAdam and Eve (SVTP 15; Eeiden: Brill, 2001) 20-30
(100 V. bis 200 n.Chr.). Die traditionsgesehiehtliehe Priorität der griechischen Fassung
(= ApkMos), die auf vielsehiehtige A dam -Traditionen zurückgeht, wird häufig vertreten
(so beio. M erk M. Meiser, Leben, 755-764; zur Eorsehung vgl. M .F. Stone, a.a.O .
61-71, der selbst der armenisehen Penitence ofAdam den Vorzug gibt); eine armenisehe
Übersetzung bietet die Handsehrift Edzmiacin 1531 Nr. 1. Aueh M. d e jo n g e —‫ ر‬. Trom p,
The Life ofAdam and Ene and Related Literature (Guides to A p o e r^ h a and Pseudepigrapha;
Sheffield: Aeadem ie Press, 1557) 41-44, 65-6, beurteilen die grieehisehe ApkMos als
älteste Eorm; ihre (m.E. unzureiehend begründete) Annahm e eines christlichen Verfassers
(67-75) beeinfluBt dann auch die D atierung (75-77: 2.-4. Jh.). Eine gemeinsame grieehi-
sehe Vorlage für die ApkMos und die Versionen verm utet M .D. Eldridge, a.a.O . 101-
133, denkt aber eher an eine genuin jüdisehe Sehrift (233-264).
3 Dies zeigt sich im V ergleieh zwisehen d er ApkMos und ihrem intertextuellen
Referenztext Gen 3. Grundsätzliehe Überlegungen zur Besehreibung dieses Verhältnisses
bietet j . T rom p, ‫ ״‬Eiterary and Exegetieal Issues in the Story of A dam ’s D eath and
Burial (GEAE 31-42),“ The Book of Genesis in Jewish and Oriental Christian Interpretation (hg.
j . Frishm an L. V an Rom pay; T raditio Exegetiea G raeea 5; Louvain: Peeters, 1557)
25-41, hier 37-40.
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE 51

1. Das Thema: Der Mensch im Tod

Breiten R au m nehm en in der ApkMos das Sterhen A dam s und das


E rbarm en Gottes m it A dam naeh dessen T o d ein (31:1-43:3). Das ganze
A chtergew icht der Sehrift liegt a u f dem ^ s tm o rta le n Geschick Adam s.
Das ist aueh nötig: Im R ah m en der erzählerisehen D ram aturgie führt
näm lich der selbstverschuldete P aad iesesv erlu st der Stam m eltern Eva
und A dam zu einer w eitreiehenden qualitativen B eeinträchtigung der
m enschlichen Existenz, für die Abels E rm o rd u n g (2:l-3:3), A dam s
K rankheiten (8:2) und das gestörte Verhältnis zur Schöpfung (Feindsehaft
m it den T ieren 1 0 :1 -1 2 :2 1 6 :4 ‫ ^ )؛‬ra d ig m a tis e h Stehen .‫ ب‬U n d dieser
Z ustand d au ert w ährend der gesam ten Eebenszeit an, denn das von
Eva und Seth beim Paradies gesuehte E iT arm en Gottes für A dam bleibt
unbewilligt (13:1-6). Im drohen d en T o d ist zudem eine q u n tita tiv e
Lim itierung des Eebens vorgegeben. So bleibt, soll I ^ i c h h e h e s Eeben
nieht angesiehts radikaler D istanzierung von Gottes Z uw endung pan-
^ s sim istis e h e r H offnungslosigkeit verfallen, n u r die P e r f e k tiv e ins
,J e n s e its .“ U m diese P e r f e k tiv e entw iekeln zu k ö n n en , m u ß d er
Verfasser^ der ApkMos ein plausibles Bild des M ensehen enüverfen, das
w eitgehend konsensfähig erscheint u n d in der Eage ist, die H offnungs-
und H eilsaussagen stim mig zu fundieren. G enau das erweist sieh aber
in jüdischen K reisen des 1. J h . als nicht U l f roblem atiseh, da - grob
th e m a tis ie rt - sowohl die alte jüdisehe V orstellung vom M ensehen als
einem G anzen als auch die grieehiseh geläufige Sieht von Eeib und
Seele als frennbaren un d untersehiedlieh gew iehteten Bestandteilen des
M ensehen Einfluß ¿msüben. V ersehiedene Bfiekwinkel deuten sieh jeden-
falls innerhalb der E rzählung sehon an, bevor T o d und A uferstehung
A dam s gesehildert w erden. In 13:6 ist vom H erausgehen seiner ψυχή
und ihrem ‫ ״‬m it F ureht v erbundenen H inaufgang (άνοδον φοβεράν)“ die
R e d e .‫ ج‬A nders verheißt G ott in 28:4 dem A dam die Auferweekung ‫ ״‬in

4 Vgl. noch die in G en 3 gelesenen Beschwernisse des m enschlichen Alltags 14:1-


15:4 und den eine Störung der Schöpfung anzeigenden Aufschub der Beerdigung Abels
in 40:3-5. Die V erbindung von Sünde des M enschen und E rbarm en Gottes als zen-
trale T hem atik der ApkMos beschreibt M. Meiser, ‫ ״‬Sünde, Buße und Gnade in dem
Leben Adams und Evas,“ Literature Oïl Adam and Eve. Collected Essays (hg. G.A. Anderson
u.a.; Eeiden: Brill, 2000) 207-313, hier 200-305.
5 Ich spreche von ‫״‬Verfasser“ in Orientierung an der fiktiven erzählimmanenten Ausgangs-
situation, die Mose in 1:1 als O ffenbarungstradenten (und impliziten Autor?) bem üht.
6 D er Sinn der Aussage läßt sich von der in 31:4 artikulierten Sorge Adams her ver-
stehen: ‫ ״‬D enn wir wissen nicht, wie wir dem begegnen w erden, der uns geschaffen hat,
ob er uns zürnt oder ob er sich uns in E rbarm en zuwendet.“ (übers, o. Merk). Nicht der
Hinaufgang an sich ist furchtbar, sondern die Seele ist ‫״‬furchtsam“ wegen ihrer unsicheren
STEFAN SCHREIBER

der Zeit der A uferstehung,“ also hei der allgem einen T otenerw eckung
der Endzeit‫ ؛‬dann wird A dam ‫ ״‬u i^ e rh lie h (αθάνατος7) sein in Ewigkeit.“
B ed in g u n g ist die B e w a h ru n g vor dem B ösen im E eh en ‫ ״‬in d er
Bereitsehaft zu Sterben.“8 Bevor also die eigentliehe Sehilderung der
A uferstehung beginnt, sind dam it zwei fr^ itio n e lle D enkm odelle hc-
reits assoziativ e r h e re ite t: (1) T ren n u n g u n d Aufstieg der Seele m it
dem T o d ( ‫ ل‬3:6(‫ و‬u n d (2) die endzeitliche Auferw eekung der T oten (des
‫ ״‬ganzen“ M ensehen) (28:4).

2. Der Befund: Die Ambivalenz des Menschenbildes

A u f diesem H in te rg ru n d w erd e ieh n u n die an th ro p o lo g isch e n


Vorstellungen im Erzählteil T o d /B eg n ad ig u n g A dam s siehten und dahei
speziell n ach Einheitlichkeit hzw. M ehrschichtigkeit fragen. D er T o d
Adam s wird so ¿^gekündigt, daß A dam ‫ ״‬aus seinem σωμα gehen“ (81:1)
hzw. sein πνεύμα in Gottes H än d e geben (81:4) wird. D en V ollzug des
Todes m eldet ein Engel der Eva: A dam ‫ ״‬ist herausgegangen aus seinem
σωμα. . . . sieh sein πνεύμα h ^ a u ^ h r e n d “ (82:4). D anaeh kann Eva ihre
H a n d a u f A dam s G esieht legen (33:1), der him m lisehe Liehtw agen
kom m t zu dem O rt, an dem der ‫ ״‬V ater A d am “ liegt (33:3), sein σώμα
ist G egenstand der T ra u e r Seths (34:1). Die folgende Szene gew ährt
einen Bliek in den H im m el‫ ؛‬Eva sprieht zu Seth: ‫ ״‬. . . siehe die siehen
E i^ a m e n te geöffnet, u n d wie das σωμα eures V aters au f dem G esieht
liegt, un d alle Engel m it ihm beten für ih n “ (33:2). M an könnte dureh
diese A ufzählung a u f den G edanken kom m en, A dam s σωμα befände
sieh im H im m el, doeh w ird ein soleher O rtsw eehsel nirgends erw ähnt‫؛‬

Erwartung. D er textkritiseh als sekundär zu beurteilende Zusatz 13:3b-5 relativiert


13:b, wenn von der Auferstehung allen Eleisehes in den letzten Zeiten (V. 3b) und einem
‫ ״‬Herzenswandel“ (V. 5) die Rede ist. In diesem Zusamm enhang erwägt M.E. Stone, ‫״‬The
Angehe Predietion in the Prim ary Adam Books,“ Literature on Adam and Eve (s. Anm. 4),
111-131, eine traditionsgesehiehtliehe Priorität der armenischen V e r s i o n ; die Textkritik
zeigt jedoeh, daß aueh der grieehisehe T ext noeh einmal zu differenzieren wäre.
٦ D er T erm inus ist typisch grieehiseh; m an beaehte aber, daß nieht von einer
Unsterbliehkeit der Seele die Rede ist. Vgl. noch 10:2 ‫ ״‬T ag der Auferstehung.“
8 So die Ü bersetzung von o. M erk (O. M erk M. Meiser, Leben, 8 3 4 0 -‫) و‬. O b mit
ώς βουλόμ‫؛؟‬νος άποθανειν eine radikale Zuspitzung der Bewahrung vor dem Bösen auf
den Extremfall des M artyrium s oder eine aktive Bereitschaft zur bew ußten und wilh-
gen Annahm e des mensehliehen Todesgesehieks gemeint ist, präzisiert der T ext nieht.
Eetzteres legt die Ü bersetzung von D.A. Bertrand nahe (La vie grecque, DI: ‫ ״‬en aeeep-
tant de m ourir“), ersteres könnte bei G.A. Anderson M .E. Stone [Synopsis, 71: ‫ ״‬as
one wishing to die“) mitsehwingen und wird von M. de Jonge —‫ ر‬. T rom p verdeutlieht
{Life, 51: ‫ ״‬as to prefer death [namely, above doing evil]“).
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE

dem K ontext entspreehend w ird das σωμα w eiterhin als au f der Erde
hefindlieh vorzustellen sein. D em korrespondiert aueh die ansehließende
Frage Evas: ‫ ״‬W ann wird er ühergehen w erden in die H ände unseres
um iehth aren G ottes?“ (35:3). D a hereits in 31:4 vom G eben des πνεύμα
in Gottes H än d e u n d in 32:4 von dessen A uffahrt die R ede w ar, ist
der Sinn dieser Frage nieht sofort crciebdieb: Ist das Angefragte nieht
bereits geschehen? Bedenkt m an, daß die Auffahrt in 32:4 dam it begrün-
det wird, um vor G ott zu erseheinen, erschließt sieh der Sinn von Evas
Frage im H inbliek a u f die ersehnte B egnadigung A dam s. Diese wird
wenig später zum T h em a der Erzählung.
Die narrative D arstellung der V ergebung für A dam erfolgt in zwei
D urehgängen. Im ersten (37:3-6) wirkt die m etaphorisehe H an d lu n g
der ‫ ״‬A ufhebung“ durch G ott Eifoarmen u n d V erzeihung für Adam :

3 . . . d a kam einer d er sechsflügeligen S eraphim e u n d ra u b te A d am u n d


entfüh rte ihn zum ^ e n t i s c h e n See u n d w usch ihn dreim al ab u n d
führte ihn (dann) vor G ott. ^Er v erb rach te ab er d rei S tu n d en liegend, u n d
d an ach streckte d er V a te r des Alls, sitzend a u f seinem T h ro n , seine H a n d
aus u n d hob A dam auf. U n d er gab ihn dem E rzengel M ichael u n d
spricht: 5,Bringe ihn in das P aradies bis zum d ritten H im m el u n d laß ihn
d o rt bis zu je n e m T ag e m ein er ab re c h n e n d en V erw altung, die ich an d er
W eh (dem Kosmos) vollziehe (m ache).‫® ؛‬Darauf n a h m M ichael den A d am
u n d ließ ihn dort, wo G o tt ihm gesagt hatte, (ü b ers, o. M erk)

A dam ist in seiner G a n z h e it als gestorbener u n d erweekter M enseb


betrachtet u n d erbält aufgrund der ibm zuteil gew ordenen V erzeibung
für die Z eit bis zum u n iv e rsa le n E n d g e ric h t einen p riv ile g ierten
‫״‬A ufenthaltsort:“ das Faradies, das im dritten H im m el lokalisiert wird.
Die A nrufong Gottes wegen A dam in 38:1 liefert einen N eueinsatz
und eröffnet den zweiten D urebgang der V ergebungserzäblung (38:1-
3 3: ‫) و‬. N ochm als erfolgt m it der A nrufung eine Bitte für A dam , obwohl
dieser gerade begnadigt w orden war. Sebauplatz ist naeb 38:3-4 die
Erde, wo sieh das σωμα A dam s befindet, und zwar genauer das Paradies,
das also je tz t entgegen d er voran g eh en d en Szene als irdischer O rt
gedaeht ist. G ott sprieht in 3 3- ‫و‬:‫ ل‬zum σώμα Adams:

‫ ا‬. . . W en n du m ein G eb o t b ew ah rt h ättest, freuten sich die, die dich an

diesen O rt h erab g eb ra c h t h ab en , nicht. ‫؟‬Jedoch ich sage dir: Ihre E reude


w erde ich k eh ren in T ra u e r u n d deine T ra u e r w erde ich w en d en in

‫ و‬Vom T ext nieht gedeckt ist die Aussage von M.D. Eldridge, Dying Adam, 22 ‫ و‬, zu
ApkMos 37:5: ‫ ״‬taking up of his soul into the third heaven“ (kursiv von mir).
54 STEFAN SCHREIBER

Freude, u n d ich will dich h inw enden zu d einem A nfang, u n d ich will
dich setzen a u f den T h ro n dessen, d er dich b etro g en h at. ‫^؛‬Jener ab er
w ird hineingew orfen in diesen O rt, d am it er dich o ben ü b e r ihm sitzen
sieht. D a n n w ird er selbst veru rteilt w erd en u n d die, die a u f ihn g ehört
haben, un d er w ird b e trü b t sein, w enn er dich a u f seinem T h ro n sitzen
sieht. (Übers, o. M erk)

Die U m kehr der gegenwärtig negativen Verhältnisse (‫ ״‬T ra u e r“) dureh


G ott ist hier als V erheißung ausgedrückt. Die zeitliehe D im ension ist
also die Zukunft, ohne daß eine exakte A ngabe erfolgt. Die Teserinnen
und Leser w erden freilieh sogleieh an die Endzeit gedaeht haben, denn
d a ra u f weisen einerseits das M otiv der T otalu m k ehr der V erhältnisse
und die dam it verbundene H errseherstellung (T h ro n ‫)؟‬, andererseits die
im Begriff άρχή/A n fa n g ^ (V. 2) angedeutete U rzeifeEt^zeit-Typologie.
Anders als in der vorigen Szene ist die B egnadigung A dam s hier also
T a t der Endzeit. Beachtensw ert ist w eiter die räum liche Diktion. Das
H erabbrin g en an diesen O rt (καταγαγόντες σε είς τον τόπον τούτον, V. 1),
das Hineinw erfen in diesen O rt (είσβληθήσετοα είς τον τόπον τούτον, V. 3)
und das oberhalb Sitzen (καθήμενον επάνω, V. 3) sehaffen zwei lokale
Ebenen, die m an m öglieherweise (aueh im Bliek a u f die vorhergehende
Szene) m it Erde u n d H im m el in V erbindung bringen k a n n .11 Einer
strengen Eogik entsprieht die Sehilderung freilieh nieht, weil die an
sieh notw endige U nterscheidung von Erde u n d Paradies nicht durch-
geführt ist. D as σώμα A dam s steht in dieser Szene für den ganzen
M ensehen A dam .
N aeh d em A dam V erzeih u n g erfahren hat, w ird seine B estattung
erzählt. N aeh 40:2-3, 6-7 w ird das σωμα A dam s (und Abels) in der
Erde bestattet, u n d zw ar im Paradies an dem O rt, an dem A dam am
Anfang aus Staub gebildet w urde (V. 6‫ ؛‬vgl. 42:3). In 41:1-2 unterhält
sieh das ‫ ״‬σωμα aus der E rde“ mit Gott, und Gott verheißt ihm wiederum
die A uferstehung bei der allgem einen T otenerw eckung in der Endzeit.
A th ro p o lo g ise h interessant ist der E rzählduktus von 41:1: G ott ruft
A dam m it seinem N am en an, das σωμα aus der Erde antwortet: ίδου
εγώ - das σώμα ist also das ‫ ״‬Ie h “ A dam s. Sehließlieh w erden noeh Evas
T o d un d Begräbnis erzählt. Eva stirbt m it den W orten ‫ ״‬G ott des Alls,

‫؛‬٥ Vgl. das Substantiv in G en 1:1 LXX. D er in G en 1:26 h X X mittels des Verbs
άρχέτωσαν ausgedrüekte Herrsehaftsaspekt des M enschen über die Schöpfung ist dabei
subsumiert.
11 Von der Unterwelt ist in der ApkMos nieht die Rede.
D ER MENSCH :M TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE 55

nim m m ein πνεύμα“ (4-2:8); d ann erfolgt die Bc^üüümg von Evas σωμα12
bei A dam u n d Abel (43:1). D er n un ergehende A uftrag an Seth ord-
net eine entspreehende B estattung aller M ensehen ‫ ״‬bis zum T ag der
A uferstehung“ an (4^:2). N ach sechs T agen T ra u e r soll am siebten T ag
Ereude herrschen, weil sieh G ott u n d die Engel ‫ ״‬m it der δικαία ψυχή,
die von der Erde weg um gesiedelt ist,“ freuen (43:3). Ziem lieh unver-
m ittelt b e g e g n e t am E n d e d e r B egriff ψυχή (sonst n u r 13:b) z u r
Besehreibung eines m ensehliehen K onstitutivum s, das naeh dem T o d
die Existenz fortsetzt.
Zusam m enfassend läßt der T extbefund einige u ^ u s g e g lie h e n h e ite n
sichtbar w erden. Eine A bgrenzung der Begriffe πνεύμα und ψυχή wird
nieht reeht deutlich. Z u Beginn u n d am Ende der Erzähleinheit w ird
der T o d anthropologisch als T ren n u n g von σωμα und πνεΰμα/ψυχή
dargestellt‫ ؛‬im Mittelteil dagegen bezeiehnet σώμα den ‫ ״‬ganzen“ A dam .13
Die G rundvorstellung seheint das R u h en des (toten) σωμα im G rab bis
z u r e n d z e itlie h e n T t e n e r w e e k u n g zu sein ‫ ؛‬teilw eise ist a b e r ein
(vorläufiger) A ufenthalt A dam s im dritten H im m el gedaeht (37:3-6; vgl.
35:3). D as Paradies ist zum eist ein irdiseher O rt, dan n aber im drit-
ten H im m el lokalisiert (37:3-6 ) .‫ئ‬
M an w ird der Textgestalt u n d dam it der E ^ ä h la b sie h t d aher nicht
gereeht, w enn m an die S pannungen w eitgehend ignoriert. M iehael D.
Eldridge Z.B. arbeitet m it der A nnahm e großer Konsistenz des Text-
abschnitts: W idersprüchliches löst er auf, indem er von der Visualisierung
der Seele in körperlieher Form u n d der B edeutungsbreite von σωμα
über den physisehen K ö rp er hinaus ausgeht‫ ؛‬der T ext kom biniere den
hellenistisehen G edanken des Aufstiegs der Seele m it dem jüdischen
G edanken der endzeitliehen körperliehen A uferstehung.15 Die oben vor-
getragene Analyse zeigt, daß diese A nnahm e zu sehr an der O berfläehe
bleibt.

12 Z ur Textrekonstruktion nach St (mit den meisten anderen HSS; ri^weichend von


D, die das Lexem σωμα ausläßt) vgl. D.A. Bertrand, La vie grecque, 106; G.A. Anderson
M.E. Stone, Synopsis, 94. Der Sachverhalt ist )erloch unproblematisch, da direkt anschließend
vom σωμα Adams und Abels gesprochen wird.
13 M. de Jonge j . T rom p, Life, 52 halten fest, daß die ApkMos keine konsistente
U nterscheidung oder klare T rennung von K örper und Seele enthält.
14 Zum irdisch lokalisierten Paradies vgl. alttestam entlichjes 25:6; 51:3; J e r 31:12; Ez
2ß:13-lß; dann äthHen 24-5; zum himmlischen O rt 2 K or 12:2-4; syrBar 4:6; 59:10-1.
15 M .D. Eldridge, Dying Adam, 60-64; nur in bezug a u f ApkMos 39:2-3 (T hronen
Adam s und H erab w u rf Satans) spricht er von ‫ ״‬separate tradition“ (64). Auch J.R .
Le vison. Portraits of Adam in Early Judaism. From Sirach to 2 Baruch (JSPE.S 1; Sheffield:
J S O T Press, 1988) 171-173 übergeht die erzähllogischen Schwierigkeiten und nimm t
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3. Ein Lösungsversuch: Traditionsgeschichte

Z u r Erklärung der aufgewiesenen Spannungen hat m an zunäehst tra-


ditionsgesehiehdiehe ü h e rle g u n g e n angeführt. In der T a t lassen sieh
heuristiseh eine Erzählung von Adam s Aufnahme in den H im m el (ApkMos
31-3?) u n d eine E rzählung üher die Bestattung seines Leiehnam s m it
E d z e iü /e rh e iß u n g (38-41) unterscheiden. D aniel A. B ertra n d ^ versucht
einen inhaltlichen Ausgleich heider E rzählungen, indem er in der einen
das ^ s tm o r ta le G eschick von A dam s Seele, in der anderen das des
Leibes behandelt sieht. Die Aussagen des Textes seihst jedoeh durchkreuzen
diese einfaehe Aufteilung, da W aschung u n d him m liseher A ufenthalt
A dam s in K ap. 3? keineswegs an die ‫ ״‬Seele“ gehunden w erden. A ueh
Jo h a n n e s T ro m p 17 geht von einer K o i^ in a tio n zw eier v erw an d ter
E rzählungen aus, ‫ ״‬one on the heavenly afterlife of A dam (paradise
heing loeated in heaven), the other on the hurial of A dam near the
earthly paradise and the prom ise of his erchatologieal resurrcetion“ (28).
Diese absichtsvolle K om bination dokum entiere h ercio ein traditions-
g erch ieh tlie h es F rü h s ta d iu m d e r ApkM os (3 ß -l). D e r a m b iv ale n te
Texthefund könnte darin b egründet sein, daß die Verfasser an ‫ ״‬a spir-
itual an d a m aterial body a n d parad ise respeetively“ (30) daehten.
Konsistenz hei der D ifferenzierung von Ecih u n d Seele und hei der
Lokalisierung des Paradieses sei nieht Ziel der E rzählung, die so im
Bereieh von ‫ ״‬p o p u lar religion“ angesiedelt sei (32 )‫ ث‬die T raditionen
verbinde ‫ ״‬one unifying point of view: the question of life after d eath “
(33). E ntspreehend klassifiziert T ro m p die ApkMos als ‫ ״‬a repository of
various traditions“ u n d die V erfasser als ‫ ״‬eom pilers of traditions“ (3b).
Skepsis gegenüher dieser Auffassung, die von reinen K o i^ ila to re n
oder aber einer sukzessive Ifii^utretenden M ehrzahl an V erfassern a n s-
geht, ergiht sieh aus zwei G rü n d en , einem I^ ra to lo g ise h e n und einem

teilweise vom T ext nicht gedeekte G lättungen vo^, Z.B.: ‫ ״‬T he angels bury Adam in
paradise in the third heaven, at the plaee from whieh A dam ’s dust eam e“ (173). Auch
naeh J.L . Sharpe, ‫ ״‬T he Seeond Adam in the Apoealypse of Moses,“ CBQ 35 ( 1 7 3 ‫) و‬
35-46, hier 33-46, erscheint der ‫ ״‬exalted A dam “ als einheitliehes Bild.
16 D.A. Bertrand, ‫ ״‬Le destin ,post m ortem ‘ des protoplastes selon la ,Vie grecque
d’Adam et Eve,‘“ La littérature intertestamentaire. Colloque de Strasbourg (‫?ل‬-‫ ول‬octobre 1983)
(Paris: Presses Universitaires de Tranee, 1635) 109-118; ders.. La vie grecque, 50-53. Vgl.
die narrative Differenzierung bei M. Meiser, ‫ ״‬Sünde,“ 366: ApkMos 32-37 handle von
Adams πνεύμα, 38-41 vom σωμα.
17 j . T rom p, ‫ ״‬Literary and Exegetieal Issues,“ 28-9. o . M erk M. Meiser, Leben,
756-60, sehen eine literarkritisehe N aht nach 37:6 und beurteilen 33:1-37:6 als inkon-
sistent. —Auch E. Brandenburger, Adam und Christus. Exegetisch-religionsgeschichtliche Untersuchung
zu Röm 5:12-21 (1 Kor 15) (W M ANT 7; Neukirehen: Neukirehener Verlag, 1962) 113
Anm. 2, erklärt die W idersprüehe traditionsgesehiehtlieh.
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE 57

Geologischen: (1) Es handelt sich hei der ApkMos um eine E rzählung


m it einer die Relevanz des E ^ ä h lin h a lts voraussetzenden E iz ä h l^ s ic h t,
nicht um eine S am m lu n g von T ^ t i o n s s t o f f e n , wie die stringente
Schaffung eines E rzählfadens zeigt (hereits hei der Inszenierung der
erzählten Situation nach dem W eggang aus dem Paradies 1:1). Außerdem
lassen sich kaum alle A ussagen zum T h e m a a u f zwei ^ ^ t i o i i t r ä n g e
aufteilen, Z.B. besitzen 31:1, 4 überleitende Funktion im E ^ählfortgang.
Eine rezeptionsgeschichtliche B etrachtung w ird zudem die Rolle der
E eserinnen u n d E eser b e rü c ^ ic h tig e n , die einen I ^ h ^ l l z i e h h a r e n
E^ählft}rtgang suchen u n d (wohl) auch herstellen konnten. (2) D er erste
Teil des Buches (1:1-30:1) folgt einer stim m igen D m m aturgie m it einem
klaren theologischen K onzept, das die negativen Folgen des Sündenfalls
für die m enschliche Existenz heleuchtet, die G renzen der m enschlichen
Möglichkeiten und Strategien des U m gangs mit der B e^en z G eit aufzeigt
und schließlich zur postm ortalen Lösung d urch G ott hftistrebt. Sollte
die gestalterische Sorgfalt der theologischen K onzeption im entschei-
denden zweiten Erzählteil aufgegeben sein?
Eine Analyse des ^ S c h n itts ApkMos 31:1-43:3 zeigt, daß sich zwei
Erzählteile (mit jeweils unterschiedlichen anthropologischen und eschato-
logischen Vorctellungen) u n d eine A rt ‫ ״‬R a h m e n “ unterscheiden lassen:
(1) D er tote M ensch befindet sich in der E rd e /im G rab bis zur allge-
m einen endzeifiichen T otenerw eckung‫ ؛‬hier ist das Paradies ein irdi-
scher O rt (vgl. 3 4 : 1 2 .(6
) ,42:3
41:1
40:2
38:3
35:2
2-
67-
4-
‫;؛‬,‫؛؛؛‬
M ensch h ält sich nach dem T o d bis zur E ndzeit im H im m el auf‫ ؛‬das
P aradies w ird im dritten H im m el lokalisiert (vgl. 3 5 : 3 3 ) .(6-37:3
U m faßt wird beides von den R ahm enaussagen G 31:1, 42: 4 832:4 ‫؛‬ ‫؛؛‬
43:3, die eine anthropologische D ifferenzierung von G eist/S eele und
L eib /L eich n am enthalten u n d dam it möglicherweise einen Ausgleich
der u 1^ (G lo ss e n e n V orstellungen anbieten.
A uf diesem H intergrund legt sich eine einfache traditionsgeschichtliche
H ypothese nahe. D er in (1) genannte Vorstellungskom plex erweist sich
als Bestandteil einer älteren A d am -T rad itio n ,18 zu der m it (2) eine jü n -

18 O b dabei bereits eine Zusam m engehötigkeh m it Evas Sündenfallerzählung in 15-


30 bestand, kann hier nieht erörtert w erden; als Hinweis d a ra u f könnte m an den
Gottesnam en ,J a e l“ in 29:4 und 33:5 sowie die Verwendung der 1. Pers. in 30‫ ־أا‬und
33:4; 34:1 lesen (sofern nieht der Verfasser selbst am W erk war). Einen Uberbliek
ü b e r die funktionale V ielfalt der A dam -R ezeption in den J a h rh u n d e rte n um die
Zeitenwende vermittelt M. Meiser, ‫ ״‬Die paulinisehen Adamaussagen im Kontext frühjüdi-
scher und frühehristlieher L iteratur,“ Jüdische Schriften in ihrem antik-jüdischen und urchristlichen
Kontext (hg. H. Eiehtenberger G .s. O egem a; SJSHRZ 1; Gütersloh: G erd M ohn, 2002)
376-401.
STEFAN SCHREIBER

gere Auffassung tritt, die der V erfasser wohl seihst (auf der Basis tra-
ditioneller Elem ente?) integrierte. D en R a h m e n sch u f ‫ه‬,‫ ول‬um die
M öglichkeiten hellenistisch-biblischer A nthropologie anzudeuten un d
dam it zu einem ‫ ״‬n eu en “ Bild von T o d u n d W eiterlehen des M ensehen
vorzudringen.
Die genannten Ü berlegungen gehen A nlaß, noeh einm al naehzufra-
gen, inwiefern der T ext nieht doeh eine stringente Erzählaussage enthält.
Einen Ansatz dafür bietet eine sem antisehe Analyse der verw endeten
anthropologischen Term inologie.

4. Die Semantik: Anthropologische Terminologie

U m nicht von vornherein a u f bestim m te Bedeutungsgehalte festzule-


gen, habe ich bei m einem T ex tdurchgang die einschlägigen Begriffe
unühersetzt gelassen. E^ handelt sieh um die Eexem e σωμα, πνεύμα
u nd ψυχή. Im von der grieehisehen Philosophie abgeleiteten Sprach-
gehraueh bezeichnen σωμα und ψυχή zwei deutlieh voneinander abgrenz-
hare Konstituenten menschlichen Lebens mit auffallendem Wertigkeitsgefälle.
D er T o d hedeutet die T ren n u n g der Seele vom K ö rp e r.^ Im D enken
Platos heschw ert der Ecih die 8ccfe (.Phaed 81c)‫ ؛‬platonisch gibt der
Ecih beim T o d die Seele frei wie ein Gefängnis (Plato, Crat 400hc),
ein G rah (Gorg 493a) oder eine feere M u ^ h elsc h a le (.Phaedr 250c‫ ؛‬Phaed
66b). N ach Aristoteles form t die Seele aus dem Stoff des Eeibes den
M enschen (An 412a 19-28).21

19 Die H and eines RedaktOTs in 31:4 (‫״‬πνεύμα“) erkennt Z.B. auch M. Meiser, ‫ ״‬Sünde,“
300.
20 Vgl. Chrysipp, Stoicorum Veterum Fragmenta (3 Bde.; hg. j . von Arnim; N aehdruek
Stuttgart: T eubner, 1964) 11 Nr. 790; Plato, Phaed 64e.
21 W esentlieh seltener sind Form ulierungen, die aueh die Seele als eine A n ‫ ״‬Leib“
bezeiehnen; vgl. Zenon, SVF I Nr. 133; Epikur, Hdt 63; Chrysipp, SVF II Nr. 790-1.
Z um Acherontischen See, in dem nach ApkMos 37:3 Adam symbolisch gewaschen wird,
vgl. Plato, 113 ‫ ﺳﺢ‬a-114b (die Seelen büßen dort ihre V erfehlungen ab, 113d, und
können V ergebung erlangen, 114ab). V erbreitet w ar die Vorstellung vom Fluß bzw.
See Aeheron als Bestandteil der Geographie des Totenortes; vgl. H om er, Od 10:313;
Plato, Phaed 112e-114b; Vergil, Aen 6:295; Properz 3:5:13-4; frühjüdiseh Sib 5:484-5;
weitere klassisch-griechische und hellenistisehe Belege bei M. de Jonge L.M. W hite,
‫ ״‬The W ashing of Adam in the Aeherusian Lake (Greek Life of Adam and Eve 37:3)
in the Context of Earl)^ Christian Notions of the Afterlife,“ Early Christianity and Classical
Culture (FS A.J. M alherbe; N T .S 110; Leiden Boston: Brill, 2003) 609-635, hier 622
Anm. 46, 48, die in ihrem Beitrag freilich die N ennung in ApkMos 37:3 als christliche
Anwendung deuten wollen. D er grieehiseh-hellenistisehe H intergrund genügt indes voll-
a uf zur Erklärung, ehristliehe Bezüge legt der T ext nieht nahe.
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE

In h e lle ilstisc h e r Z eit fanden en tsp reeh en d e V orstellungen au eh


A ufnahm e in verschiedene jüdische Sehriften. F ür T ob 3:6 bedeutet
Sterben T rennung des Geistes und Verwesung (des Körpers)‫ ؛‬der Gedanke
der endzeitlichen ^ te n e rw e e k u n g bildet dabei kein T hem a. W eish 13 :‫و‬
spricht vom die Seele (ψυχή) beschw erenden, vergängliehen Leib (σωμα),
was sehr an Plato erinnert. Besonders Philo ist stark vom grieehisehen
V erständnis geprägt, bei dem die Seele im T o d den Leib verläßtV
A ber auch Josephus differenziert w iederholt zwisehen vergängliehem
Leib un d u i^ e rb lie h e r Seele,23 w obei der Leib n u r G ehäuse ist, die
Seele allein das w ahre Ieh darstellt (Bell 1:84‫ ؛‬Ap 203).24 Die ApkMos
jedoch führt solche V orstellungen nieht d u rch‫ ؛‬vielm ehr fungiert der
Leib Adams als V erheißungsträger, und cinc endzeitliehe Totenerweckung
bleibt gew ährleistet. Im übrigen ist πνεύμα, sieht m an einm al vom
Stoizismus ab, kein Z entralbegriff der grieehisehen Philosophie.
B eachtet m an dies u n d nim m t a u f der anderen Seite die Releeture
der A dam u n d E va-E rzählung aus G en 3 in der ApkMos zur K enntnis,
liegt es nahe, die Sem antik der L X X zu berüeksiehtigen. Die grieehi-
sehe Ü bersetzung der hebräisehen Bibel verw endet πνεύμα und ψυχή
als hauptsächliche Äquivalente der T erm ini ‫ רוח‬und 25.‫ووﻣﺤﺂ‬D abei bleiben
die eigei^üm liehen B edeutungen der hebräisehen Bibel in der ü b e r -
Setzung gegenüber spezifiseh grieehisehem ^ a e h g e b r a u e h w eitgehend
erhalten26‫ ؛‬die Vorstellungen der hebräisehen Büeher über den M ensehen
w erden also in der L X X w eher verm ittelt.

22 Belege sind Z.B. Plant 147; Abr 258; Som 1:81; SpecLeg 2:288; LegAll 1:185, ‫; س‬
VitMos 2:288; Virt 87-^, 76; Sacr 18; Migr 53; Her 276. Vgl. W eish 3:1; 4 Esr 14:9, 49;
syrBar 46:7; LAB 1:18; 32:9; 34:4; Pseudo-Phocylides 185-115. Vielleieht um faßte auch der
nicht erhaltene Sehluß der AssMos eine Sehilderung über die Bestattung des Leiehnams
Moses und die Aufnahme eines ‫ ״‬geistigen Personteils“ in den Himmel; zur Rekonstruktion
j . T rom p, The Assumption of Moses. A Critical Edition with Commentary (SVTP 18; Leiden:
Brill, 1998) 270-285.
23 Bell 2:154-5, 163; 8:872, 374; 7:344-355; ferner Ant 17:354; 18:14, 18.
24 Vgl. noeh ohne explizite Abw ertung des Leibes äthHen 22 (G eister/Seelen der
Verstorbenen befinden sich an einem eigenen Ort); 108:8-9, 11 (postmortale T rennung
der Geister vom Leib); 4 Esr 7:78, 100. Eine anfanghafte Distanzierung von Leib und
Seele findet sich in 2 M akk 6:30. Nieht deutlieh ist 4 18:18 ‫س‬ (Seelen und Leiber
auch als Parallelismus deutbar), wohl sekundär 10:4.
23 L X X übersetzt 378) ‫ ר וח‬hebräisehe Belege, 11 aramäisehe) an 264 Stellen mit
πν£‫»؟‬μα (angesiehts des Bedeutungsumfangs von ‫ ؟‬٦٦ auch m it άνεμος [50x] u.a.). Von
754 V orkom m en von ‫ נפ ט‬gibt L X X ea. 880 m it ψυχή wieder. Die Belege in den
(Tumran-Rollen zeigen weitgehende semantisehe Übereinstim m ung m it dem AT. Zu
Vorkom m en und Bedeutung der Begriffe vgl. s. Tengström H.-J. Fabry, ‫ר וח״‬,“ ThW A T
VII (1998) 885-425, und H. Seebass, ‫ נפט ״‬,،، T h W A T V (1986) 531-555. F e rn e rJ. Krem er,
‫ ״‬πνεύμα,“ E W N T l l l (21992) 279-291; A. Sand, ‫ ״‬ψυχή,“ E W N T l l l (21992) 1197-1203.
26 Vgl. bzgl. ψυχή H. Seebass, ,537 “, ‫ ; روم‬A. Dihle, ‫ ״‬ψυχή C .I.,“ 77zIE/VT IX (1973)
60 STEFAN SCHREIBER

‫ רוח‬bzw. πνεύμα in der B edeutung ‫ ״‬A te m /G e is t/L e b e n “ ist das, was


den M ensehen lebendig m acht, seine im Lebensodem begründete (vgl.
G en 6 : 1 7 7 : 2 2 ‫ )؛‬physisehe Lebenskraft (z.B. G en 45:27‫ ؛‬R i 1 5 : 1 0 1 ‫؛‬
Sa m 5 0 : 1 2 1 ‫ ؛‬K ön 21:5), d ann ab er aueh das ‫ ״‬In n ere“ des M ensehen,
sein geistiges Z entrum . D arin steht er in w esentlieher B eziehung zu
G ott, weil es sieh zum eist nieht um die dem M ensehen eigene ‫( רוח‬so
vielleieht Saeh 12:1), sondern Gottes ‫ רוח‬im M ensehen handelt (z.B.
G en 6:3‫ ؛‬Ps 104:20-30‫ ؛‬Ez 37:5-10‫ ؛‬Ijob 34:14-5‫ ؛‬K oh 12:7)‫ ؛‬in der
M ehrzahl der Belege ist das Substantiv a u f J H W H bezogen. In der
K o n n o tatio n des von G ott gegebenen ‫ ״‬L eb en s,“ des ‫ ״‬Prinzips des
Lebens“ findet sieh cinc B edeutungsübereinstim m ung m it ‫ رووه‬so daß
in d e r ‫ רו ח‬die K ö r ^ r lie h k e it ü b e i c h r i tt e n w ird‫ ؛‬A ntonym e sind
entspreehend ‫( ע פ ר‬Staub, Erde) u n d ‫( בשר‬Fleiseh, Leib, K örper, kör-
perliehes W esen).^ D am it ist jed o eh eine theoretisehe Seheidung von
‫ ״‬G eist“ u n d ‫ ״‬K ö rp e r“ als n d rro p o lo g ise h e K onstituenten nicht im
Bliek: D er M enseh lebt, weil der Lebensatem den K ö rp er belebt‫ ؛‬er
gehört zum G esehöpf u n d ist zugleieh L ebensatem Gottes. Das πνεύμα
des A dam u n d der Eva in ApkMos kann so der göttliehe Lebensatem
sein, der, von G ott gegeben (31:4), m it dem T o d folgeriehtig zu G ott
zu!4iekkehrt, u n d zugleieh den M ensehen selbst repräsentieren, seine
den T o d ü b erd a u e rn d e L ebem kraft, die freilieh auch als von G ott
gerehenkt verstanden wird.
D er Begriff ‫ ووﻣﺤﺂ‬bzw. ψυχή bringt ein Bewußtsein über das eigene
Mensehsein zum Ausdruek‫ ؛‬er meint ‫ ״‬Leben,“ ‫״‬Vitalität,“ ‫ ״‬Lebensfreude,“
das lebendige ‫ ״‬Selbst“ (vgl. G en 1 2 : 1 3 10:10 1 20-‫؛؛‬ K ön 20:32
reflexiven Sinne, indem der M enseh ein Ve14rältnis zu sieh selbst enüvik-
kelt (z.B. Ps 6: 45:
5 5‫؛‬ 42:6
127-
‫؛‬,‫؛‬ J e‫ووﻣﺤﺂ‬
r 4:31).
besitzt
M it
der M enseh
einen Begriff von sieh selbst. W eil sieh das Leben in Individuen äu ß ert,^
konnotiert ‫ ووﻣﺤﺂ‬das lebende Individuum , die Einzelperson, das ‫ ״‬Ieh ,“^
das ab er nicht getrennt vom leibliehen Leben erfahren wird.

630-633, hier 630; an m anehen LXX-Stellen wie Jes 10:18; ?s 62:2 (ähnlieh Ps 13:10;
?2:26; 83:3; Ijob 7:15; J e r 38:12) m ag der grieehisehe Einfluß stärker hörbar sein (der
M ensch als σαρξ und ψυχή). Bzgl. πνεύμα vgl. s. Tengström , ‫רוח״‬, ،، 418 )‫ ״‬Anseheinend
hat die L X X die hebr. W ortbedeutungen treu w iedergegebenrf gewisse Versehiebungen
zeigen sich Z.B. in N um 16:22 (die πνεύματα als himmlisehe Geisterwelt).
27 O hne die von G ott gegebene ‫ רוח‬wird der M ensch naeh Ps 104:20 wieder zu
Staub; vgl. Gen 3:10; Ps 103:14; Ijob 10:0; 34:14-5. Das Eleiseh ist T räger m ensehlieher
Sehwäehe und O hnm aeht: Ps 78:39; Jes 31:3.
28 So Spr 8:35-6; 2 Sam 23:1?; Ri 5:18; 1 Sam 26:21; vgl. Leben retten (Ez 14:14)
und Lebensbedrohung (1 Sam 20:1).
2‫ و‬Vgl. d en G ebraueh in kasuistischen Gesetzen (z.B. G en 17:14; Ex 12:15-6, 19;
31:14) und bei Personenzählungen (Jos 10:28, 30 U. Ö .; 1 Sam 22:22; J e r 43:6).
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE fil

Bedenkt m an, d aß in frühjüdisehen Sehriften eine enge em a n tise h e


N ähe von ‫ רוח‬u n d ‫ ووﻣﺤﺂ‬besteht u n d eine ldare U nterscheidung kaum
möglieh ist (vgk Sir 16:17‫ ؛‬äthHen 22:3-13 (= Z.T. 4Q 206 Fr. 1 Kol.
X X II), w ird der undifferenzierte G eb rau eh von πνεύμα und ψυχή in
ApkMos plm 1sibler.‫ ^؛‬Beide Begriffe bieten die M ögliehkeit, das Leben
im eigentliehen Sinne u n d dam it d ann aueh eine ^ s tm o rta le Existenz-
weise des M enschen u ^ d r ü e k e n , ohne dabei von der B eobaehtung
eines (der Verw esung verfallenen) L e ib e ^ e ie h n a m s absehen zu müssen.
Die enge V erbindung zum σωμα soll dam it nieht aufgehoben w erden,
cinc strikte T rennung nicht durchgeführt. D er M enseh bleibt eine Existenz,
die von verschiedenen P e rfe k tiv e n her betrachtet wird. Die ApkMos
denkt nicht dualistiseh die Seele als selbständigen, höheren W ert im
G egenüber zum rein stoffliehen Leib. V ielm ehr sieht sie gerade im
‫״‬E ebem prinzip“ die Leben erm ögliehende B eziehung zu G ott verortet. -
Als D enkalternative ilteressan t ist in diesem Z usam m enhang die in der
grieehisehen u n d röm isehen M ythologie heim isehe V orstellung von den
Seelen (ψυχαί bzw. animae) der T oten, die sich im H ades bzw. in der
U nterw elt befinden:‫ ^؛‬Sie sind lediglieh ‫ ״‬S chatten“ ihrer ehem aligen
irdisehen Existenz, ihr K ö rp er u n d ihre ‫ ״‬Lebendigkeit“ sind vergan-
gen, ein L ebender kann sie nieht b e rü h re n ,^ u n d doeh besitzen sie
einen ‫ ״‬R est“ ihres k ö f e rh e h -i^ te rie lle n Daseins, sie sind sichtbar und
als Person, die sie w aren, eiT ennbar.‫ ^؛‬Z um indest cinc Amehlußföhigkeit
der V orstellungen der ApkMos seheint gegeben, w enngleieh die ApkMos
als jüdisehe Sehrift in theologischer H insicht in der N ähe der T oten
zu G ott einen anderen Akzent setzt, der sieh n fflro p o lo g iseh in der
vorgestellten Intensität des postm ortalen Lebens spiegelt: D er Aspekt
der Leibliehkeit ist ungleieh wiehtiger.

30 Auch Paulus bietet in Phil 1:27 keine D i f f e r e n z i e r u n g ; in 1 Thess 5:23 ist die Trias
πνεύμα ψυχή σωμα nicht als trichotomische Anthropologie zu deuten, sondern eher
als rhetorische Zuspitzung. Vgl. noch das N ebeneinander bei Pseudo-Phocylides 105-107
(dort ist πνε‫»؟‬μα von G ott gegebener Bestandteil).
31 G rundlegend H om er, Od 11 und Vergil, Am 6. D azu o. Lehtipuu, ‫ ״‬T he Im agery
of the Lukan Afterworld in the Light of Some R om an and Greek Parallels,“ ^wischen
den Rächen. Neues Testament und Römische Herrschaft (hg. M. Labahn —‫ ر‬. Zangenberg; TANZ
36; Tübingen Basel: Francke, 2002) 133-146. Die D arstellungen unterscheiden sich
z.B. darin, daß Vergils Unterwelt in Lohn- und Strafort als K onsequenz des morali-
sehen Verhaltens im Leben aufgeteilt ist und eine W iedergeburt kennt, w ährend Hom ers
Hades ein neutraler O rt aller T oten ist. Vgl. zum Mythos der unsterbliehen Seele noeh
Plato, Gorg 523ab; Phaed 107e-114e.
32 Z.B. Od 11:204-8, 218-22; Am 6:202-4, 700-702.
33 Z.B. Od 11:37-41, 51, 84-5, 00, U .Ö .; Am 6:305-8, 333-4, 337-0, 440-534, 648-50,
670, U. Ö . Vgl. noch Cieero, Tuse 1:16 und neutestam entlieh Lk 16:10-31.
STEFAN SCHREIBER

A nders als πνεύμα u n d ψυχή ü b e rse tz t σώμα in d e r L X X kein


bevorzugtes hebräisches Äquivalent, sondern steht für eine Reihe hebräi-
seher Begriffe.^ Teilweise gibt es ‫ ; ב ש ר‬wieder, das das K örperliehe des
M ensehen in seiner G e a m th e it bezeichnet; σωμα ist also der M enseh,
wie er sieh in seiner K ö r^ rlie h k e it als G anzes zeigt, sozusagen die
‫ ״‬S ehtbare Seite“ des M ensehen. D abei ist besonders die E rfahrung des
Ausgeliefertseins erfaßt, die im toten E eib /E eieh n am gipfeh.‫ ^؛‬In seiner
leiblichen V erfaßtheit findet sieh der M enseh im G egenüber und in
A bgrenzung zu anderen, ist so ein ‫ ״‬Ieh ,“ eine ‫ ״‬Person.“ D er Leib ist
also gerade nieht vom Ieh losgelöste M aterie (‫ ״‬Eleiseh und B lut“),36 der
M enseh steht nicht in D istanz zu seiner K örperliehkeit als von ihm
lösbaren Bestandteil. D er M enseh w ird grundsätzlieh als Ich in Einheit,
als G anzes verstanden, w ofür das M otiv des spreehenden Leiehnam s
in ApkMos 41:1 einen Beleg liefert.^ In den Sehriften des D ^ü^udentum s
weist der Befund d an n insgesam t eine größere A m bivalenz auf. A uf
der einen Seite bilden σωμα u n d ψυχή (selten πνεύμα) zusam m en den
ganzen M ensehen, sie gehören zusam m en u n d m üssen sieh entspreehen;
zahlreiehe Belege dokum entieren die V erbreitung des G edankens: 2
M akk 3:16-7; 7:37; 14:38; 13:30; W eish 1:4; 2:2-4; 8:19-20; A m t 139;
äthHen 71:11; TestSim (2:3 sekundär?) 4:8-9; TestDan 3:2-3; TestAss 4:4;
4 Makk 11:11; 14:6; LAB 16:3; 43:7; ferner TestSeb 2:5; Josephus, Bell
1:429-30; 2:136; 3:102, 362, 378. In untersehiedlieher Ii^ensität spiegelt
sieh dabei der n d rro p o lo g iseh e D ualism us der grieehisehen K onzeption
vom M ensehen. In m anehen Sehriften geht der Einfluß andererseits so
weft, daß der Ecib gegenüber der Seele eine rignifikante A bw ertung
erfährt u n d eine ^ s tm o rta le T ren n u n g der Seele vom Ecib m it deren
alleiniger Fortexistenz angenom m en wird; solehe M odelle finden sieh
besonders entfaltet bei Philo u n d Josephus, aber aueh in E ii^ la u s s a g e n
anderer T exte (Belege s.o.).

34 Zum Folgenden E. Schweizer, ‫ ״‬σωμα κτλ. B.3-E.,“ T h W N T W ll (1964) 1643-1691;


ders., ‫ ״‬σωμα,“ E W N T l ll (21992) 770-779; aueh N.F. Bratsiotis, ‫ ב ש ר״‬,“ T h W A T l (1973)

35 H ebräisch ‫נבל ה‬, ‫פנר‬, ‫ ; נו פ ה‬σωμα bezeichnet die ‫ ״‬Eeiehe“ in PsSal 2:27; TestBen
12:3; AssMos 11:7; LAB 6:14; Josephus, Bell 6:2, 276; Ant 16:236.
36 D er Begriff σρξ begegnet nur ApkMos 23:3 in spezifiseh negativer K onnotation als
Ansatz und T räger der Sünde; er bringt die einseitige Verfallenheit des M ensehen an
die Begierde (vgl. 19:3) und dam it an die W elt zum Ausdruek.
37 Zum Vergleich sei auf LAB 64:6-7 hingewiesen: D er verstorbene Sam uel erseheint
Saul, was dadureh möglieh ist, daß seine (postmortal Gott zurüekgegebene) anima zurüek-
kehrt und seine Gebeine ‫ ״‬in Unruhe versetzt w erden“ {contúrbala. . . ossa), w orauf der Tote
zu spreehen vermag. D en Beleg verdanke ich j . T rom p, Assumption of Moses, 2ß2-3.
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE

In der ApkMos w ird die V orstellung einer T ren n u n g von G eist/Seele


und Leib im T o d zw ar angedeutet (31:1, 4 4 3 : 342:8 32:4‫؛؛؛‬ ), keine
jedoeh konsequent entfaltet oder narrativ genutzt. Im Gegenteil kann
aueh der Leib des toten A dam w eiterhin als T rä g e r des Ieh fungieren,
und auch die erzählerisehe A kzentuierung der B egattung verrät eine
Hoehsehätzung des Leibes. Bereits der M enseh im paradiesisehen Zustand
wird als G anzheit gedaeht, w enn die Folge des Sündenfails in 20:1
I^ ta p h o ris e h als E ntblößung von der Gerechtigkeit‫ و‬m it der der M enseh
zuvor bekleidet w ar, u n d in 20:2 als E ntfrem dung von der Herrlichkeit
besehrieben w ird‫ ؛‬keine Abwertung des Leibes, sondern cinc V eränderung
der I^ m e h lie h e n Wirklichkeit insgesamt tritt ein. ‫ ؛״‬Offenbar ist die ApkMos
in erster Linie am ‫ ״‬Ic h “ des M enschen, seinem je eigenen Leben in der
begründenden B eziehung zu G ott interessiert u n d läßt dabei die M ög-
lichkeiten einer anthropologischen Situierung in Leib und G eist/Seele
offen .‫ وو‬Eine stringent-logische Lehre von den Teilen des M enschen
wird nicht e n ^ ic k e lt. So ist in 37:3-6 einfach von ‫ ״‬A d am “ die R ede -
es ist das von G ott dem A dam gegebene ‫ ״‬L eben,“ das Leben, das A dam
ausm acht, das ^ s tm o rta l in Gott weiterexistiert. Die Gestalt dieses Lebens
nach dem T o d kann u ssc h lie ß lic h in der Sphäre Gottes w ahrgenom -
m en w erden. Das im M odus der O ffenbarung verm ittelte W issen davon
wird jed o ch in der ApkMos zum eitescheidenden H offim i^sträger für
die in ihrem D asein gravierend belasteten Leserinnen und Leser.

5. Die Kommunikationsabsicht: Wahrnehmung von Tod und Leben

Das T h e m a ‫ ״‬T o d “ ist für die ApkMos zentraL Das ergibt sich zum
einen folgerichtig aus ihrem Bild gestörter I ^ i ^ h l i c h e r Existenz, deren
E inschrän k u n g im T o d gipfelt‫ ؛‬da das L eben als O rt um fassender
H e ilse rfa h ru n g au sfällt u n d je d e H o ffn u n g a u f V e rb e sse ru n g d e r
Lebensverhältnisse zunichte w urde, erhält ein potentielles G eschehen
nach dem T o d gesteigerte Bedeutung. Z um anderen d a f verm utet wer-
den, daß die allgem ein-m enschliche G ru n d erfah ru n g der K onfrontation
m it dem T od, zugespitzt d u rch fehlende K om pensationsm öglichkeiten
der Entfrem dung w ährend des Lebens, den F ragehorizont prägt.
N im m t m an Letzteres zur K enntnis, wird m an sich als Leserin bzw.
Leser der ApkMos cinc theologische U nterscheidung in den M öghchkeiten

38 Vgl. dem gegenüber syrBar 4 3: ‫ و‬, wo das Bild der Bekleidung (mit Fesseln) bezeieh-
nendes Licht auf die leiblieh-irdisehe Existenz des M ensehen wirft.
39 Vgl. j . T rom p, ‫ ״‬Literary and Exegetieal Issues,“ 35: ‫ ״‬T he dead body of Adam
and what survives of him equally represent the whole A dam .“
64 STEFAN SCHREIBER

der W ah rn eh m u n g zu vergegenw ärtigen haben. W as G ott in bezug a u f


einen T oten w ^ r n e h m e n kann, u n d was der M enseh, liegt a u f je ganz
eigen koi^ituierten Ebenen. N u r in Ausnahmefällen kann einzelnen M en-
sehen partiell Einbliek in die him m lisehe Sphäre gew ährt w erden, was
ja dann das form ale G rundprinzip a ^ l^ ly p tis e h e r O ffenbarung bildet.
W as gesehieht also beim T o d in der V orstellungsw elt der ApkMos?
D er T o d A dam s wird in 32:4 als H erausgehen aus seinem σωμα (vgl.
31:1) und H inauffahren seines πνεύμα (vgl. 3 1 :4 4 2 :8 ‫ ؛‬G eben des πνεύμα)
gesehildert. D as ‫ ״‬L eben“ verläßt das σωμα u n d kehrt zurüek zu G ott,
der es gegeben h at (vgl. 31:4 ‫ ״‬in Gottes H ä n d e “ geben). W as für die
I^ m e h lie h e w ^ r n e h m u n g bleibt, ist das unbelebte σωμα. Die dam it
angesprochene P™ blematik ist in der ApkMos so wiehtig, daß sie zweimal
behandelt w ird, näm lieh beim T o d des A dam (31-41) und der Eva
(4 2 :8 4 3 :3 ‫)؛‬. W as also das Eeben, die V italität ausm acht, entzieht der
T o d der m ensehliehen w ^ m e h m u n g . Die R ede von πνεύμα bzw. ψυχή
trägt un d verbürgt die Ü berzeugung, daß in G ott dieses Eeben (gewan-
delt40) weiterexistiert.
D am it geht es offenkundig nieht um die W rm ittlu n g eines M en-
h e n b ild e s , bei dem der T o d eine T ren n u n g n h ro p o lo g is e h unter-
schiedlich bedeutsam er K om tituenten darstellt. Vielm ehr will der Verfasser
m it der V orstellung des ‫ ״‬W eiterlebens des E ebens“ die Angst vor dem
T o d nehm en, wobei freilieh keine absolute (vom individuellen Eebens-
Vollzug unabhängige, ontologisehe) H eilssieherheit propagiert (vgl. 13:6
‫ ״‬F u reht“), wohl ab er eine bereehtigte H offnung a u f ein W eiterleben vor
u nd bei G ott angestoßen w erden soll. G erade d an n jedoeh fällt von
diesen Ü berlegungen her w ieder Eieht a u f die B edeutung des Eebens-
Vollzugs des einzelnen, der die V oraussetzung für ein potentielles post-
mortales W eiterleben in versöhnter G o t t e ^ i ^ i m e h a f t bildet. Die Frage
naeh dem T o d w ird eine Erage n aeh dem Leben.
D avon u n b e rü h rt bleibt die ältere V orstellung einer endzeitliehen
^ te ie r w e e k u n g im Sinne des ‫ ״‬ganzen M ensehen“‫ ؛‬diese w ird daher

40 D er Gedanke der postm ortalen ‫ ״‬V erw andlung“ korrespondiert der in ApkMos nar-
rativ verm ittelter‫ ؛‬Einsieht, daß m it dem Paradiesesverlust ein ‫ ״‬G s ta ltw a n d e l“ des
M enschen, eine Ä nderung der m enschlichen Existenzweise hin zum ‫ ״‬irdisehen Eeben“
stattfand. Das belegen die Motive der ‫ ״‬N aektheit“ (20:1; 21:5; 25:2-5), der Entfrem dung
von Gerechtigkeit (δικαιοσύνη, 20:1) und Herrliehkeit (δόξα, 20:2; 21:6) und des Kommens
a uf die Erde (29:6); die δόξα erinnert im übrigen an die (astrale) ‫ ״‬Eiehtgestalt“ der
Erweekten in D an 12:5; äthHen 104:2; W eish 5:7; 4 Esr 7:97, 125; syrBar 51:5, 10.
Verdeutlieht wird dies aueh anhand der Verwandlung der N aturen (φύσεις) der Tiere
in 11:2 (vgl. 26:2-5).
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE

auch dem ‫ ״‬L eichnam “ (dem toten σωμα) verheißen (41:1-2).41 D abei
legt sich die E rzählung nicht eindeutig fest, wie der tote M ensch in
der Zeit zwischen T o d u n d allgem einer A uferstehung in der Sphäre
Gottes existiert. Sie hält lediglich fest, daß das ‫ ״‬L eben“ vor G ott weiter-
besteht: A dam befindet sich im dritten H im m el, G ott spricht m it dem
σωμα, die ψυχή steigt a u f U m einen Ausgleich der Vorstellungen bem üht
sich der V erfasser nicht, obw ohl er ohne Schwierigkeiten durch m ate-
rialiter ldeine ^ r r e k t u r e n an seinen T ^ t i o n s s to f f e n ein anthropolo-
gisch (und geographisch) u sg e g h c h e n e s K onzept vom ,Jenseits“ hätte
herstellen können. So ist auch keine D ifferenzierung der Begriffe πνεύμα
und ψυχή e rk e n n b a r‫ ؛‬dem H inau ffah ren des πνεύμα in 32:4 korre-
spondiert die A b ä n d e r u n g der ψυχή von der E rde weg in 43:3 (ähn-
lieh 13:b). D er V erfasser greift a u f bekannte u n d w ^ r c h e in lic h ‫ ״‬mo-
dern e“ Term inologie seiner Zeit zurück, ohne deren B edeutung völlig
exakt voneinander abzugrenzen u n d zu b estim m en.^ Vielleicht spiegelt
sich in diesem V orgehen ein volkstümlicher G ebrauch von Vorstellungen,
der nicht im m er den G esetzen strenger Logik folgen m u ß ‫ ؛‬die Sprache
der ApkMos stützt diese A nnahm e. Eines ab er ist in I^ rra tiv er Sprache
klar ausgedrückt: V o r G ott lebt der M ensch als ‫ ״‬Ic h “ (wir w ürden
heute von ‫ ״‬Id en tität“ bzw. ‫ ״‬P ersonalität“ sprechen) ^ s tm o r ta l weiter,
a u c h w e n n die k o n k re te u n d w o h l ‫ ״‬g e w a n d e lte “ G e sta lt dieses
W eiterlebens für die M enschen im irdischen Bereich nicht w a h r n e h m -
b ar ist - richtbar ist n u r der Leichnam . Ebenso unzugänglich bleibt
der Ort des H eils‫ ؛‬das Paradies als geographischer E rzählträger des
Heilszustandri^ ist am Schluß der E rzählung sowohl für das G rab als
auch den Ifimmlischen A ufenthalt wichtig. Vielleicht liegt die U nausge-
glichenheit der V orstellungen gerade in der Einsicht begründet, daß
M enschen die konkrete G estalt u n d die zeitlichen Abläufe einer post-
m ortalen Existenz g ar nicht w ^ffrnehm en u n d wissen können (und
sollen). Mft dieser offenen Frage gelangt das V erstehen des Textes an
sein eigentliches Ziel - erst in der w ^ r n e h m u n g der Fragen eines
Textes, a u f die auch er keine A ntw ort weiß, nehm en die R ezipierenden
seine Eigenart, seine I ^ m c h lic h e Situierung w ah r und gelangen zum
Begreifen.^

41 Vgl. 39:1-3 die sozial-anthropologische ^ t a p h e r des Thronens für die H eilsituation


naeh der Auferstehung in der Endzeit.
42 So hndet Z.B. auch der grieehiseh-hellenistisehe Begriff αθάνατος (28:3-4) Verwendung.
43 Dazu aueh M .D. Eldridge, Dying Adam, 201-2, 213.
44 Vgl. zu dieser herm eneutischen Ü berlegung E. R einm uth, Hermeneutik des Neuen
Testaments (UTB 2310; Göttingen: Vandenhoeek & Rupreeht, 2002) 71.
STEFAN SCHREIBER

Das Problem entsteht aus der Kollision der Faktoren Sichtbarkeit


des Leichnam s a u f Erden, N aehdenken ü b er eine unm ittelbare post-
m ortale Fortexistenz u n d Festhalten am ganzheitliehen ‫ ״‬L eben“ des
M ensehen (d.h. Verw eigerung der kom equenten Ü bernahm e der grieehi-
sehen D iehotom ie von Leib und 8ccfe)T M an kann sich dieses Problem
als W ahrnehm ungsproblem im Bliek a u f die narrative Bekanntgabe des
Wissens um das Jenseits verdeutliehen. Die A k ü n d ig u n g der Auffahrt
des πνεύμα gesehieht d urch einen Engel (32:4), Eva sieht n u r den a u f
E rd en liegenden (toten) A dam . D ie angesiehts des bereits in 32:4
G esehehenen auffällige Frage Evas naeh der A nnahm e A dam s dureh
G ott in 33:3 spiegelt - neben dem E rzählzug des erhofften Erbarm ens -
W a h rn e h m u n g u n d Sorge des M e n se h e n .^ Die in 37:3-6 erzählte
Begnadigung A dam s ist offenbar in einer Vision sichtbar (33:2: ‫ ״‬sieben
F i la m e n t e geöffnet“), bildet also cinc offenbarungstechnische Ausnahme.
In 38:4 sehläft die ganze Schöpfung, u n d n u r Seth w aeht - so kann er
ausnahm sw eise zum Z eugen des G espräehs Gottes m it A dam werden.
Sonstige Inform ationen verm ittelt der auktoriale Erzähler, der ja nach
1:1 eine Offeiffiarung an M ose w iedergibt. An all dem , das der ‫ ״‬nor-
m ale“ M enseh eigentlieh gar nieht wissen kann, gibt die E rzählung der
ApkMos den Leserinnen u n d Lesern Anteil.
W ir sehen also, wie die ApkMos erste tastende V ersuche ü b e rn im m t,
am traditionellen G lauben an die endzeitliehe Totenerw eckung festzuhal-
ten und zugleieh ein ‫ ״‬L eb en “ in der Zeit zwisehen individuellem T o d
u nd allgem einer A uferstehung zu denkenV
D ab ei n im m t die ApkMos am frü h jü d iseh en D iskurs ü b e r einen
Z w ic h en z u sta n d der G eister/S eelen der V e r ^ r b e n e n teil. Bereits Jub
23:31 sieht die G ebeine in der Erde und zugleieh die Freude des Geistes
am (gütigen Gerieht des) H errn. N aeh äthHen 22 existieren rier H ohlräum e
für die ‫ ״‬Geister der Seelen der T o ten “ (V. 3), an denen sie sieh getrennt
nach G erechten u n d Frevlern bis zum eisz e itlic h e n G erichtstag aufhal-
ten. 4 Esr 7:32-36, 78-101 geht in deutlicherer ^ te m a tis ie r u n g von

45 Im Blick auf die dam it umrissene Fragesituation der Schrift bleibt die rein traditions-
geschichtliche Erklärung von ‫زم‬. Trom p, ‫ ״‬Eiterary and Exegetical Issues,“ 35: ,,both concepts
[sc. spiritual survival and bodily resurrection] are simply com bined,“ zu vordergründig.
46 Vgl. auch das Motiv des ‫ ״‬U nsichtbaren“ als Charakteristikum der übernatürlichen
Sphäre in 20:3 und 35:3.
47 Zu stark nivelliert H .C . Cavallin, ‫ ״‬Eeben nach dem Tode im Spätjüdentum und
im frühen Christentum I,“ A N R W II 1345 -240 (‫و‬ 1)‫و‬1/7‫ و‬, hier 271, die Aussagen der
ApkMos, wenn er nur das ‫ ״‬klassische Bild einer Auferstehung der ganzen M enschheit
am Jüngsten T ag ,“ jedoch einen ‫ ״‬Zwischenzustand nie ausdrücklich erw ähnt“ sieht.
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE 67

einer geriehtliehen ‫ ״‬V orentscheidung“ sofort n ach dem T o d aus, die


zum A ufenthalt der gereehten Seelen in K am m ern bis zum E ndgericht
führt (die Seelen der U ngereehten finden keine R u he)‫ ؛‬vgl. syrBar 30:2.
LAB kennt in 23:13 (vgl. 28:3) die ^ s tm o rta le A ufbew ahrung der (vom
Leib getrennten) Seelen bis zum W ehende u n d in 3:10 (vgl. 10:12) die
endzeitliehe E rw eekung d er T o ten aus d er E rd e .^ Diese religions-
gech ieh tlieh e W ro rtu n g stützt aueh die eingangs präferierte D atierung
der ApkMos.
Die ApkMos üb ern im m t bei ihrem D enkversuch nieht die verbreitete
dualistisehe A nthropologie griechischer Philosophie, sondern orientiert
sieh am biblisehen Bild vom M ensehen als ‫ ״‬G an zem .“ Indem sie aber
ü b erh au p t die M ögliehkeit einer Existenz unm ittelbar naeh dem T o d
zu bedenken gibt, erschließt sie den angesiehts ihrer n d rro p o lo g iseh en
Skepsis allein noeh offenen H eilsrau m ^ im Jenseits für die H offnung
d e r a n A d a m als d em U rty p o s des M e n s c h e n p a r tiz ip ie re n d e n
E rf^ ru n g s trä g e r negativer m enschlicher W irklichkeit. Situativer A nlaß
des Diskurses m ag die (doppelte) Frage gewesen sein: W as gesehieht
m it dem M ensehen in der Zw isehenzeit zwisehen T o d und allgem einer
T otenerw eckung? U n d , d arau s folgend: W ie sind eine A fe n th a lts -
mögliehkeit der G e ^ r b e n e n bei G ott u n d cinc gleiehzeitige G egenw art
des Eeiehnam s a u f E rden zu denken? Die ‫ ״‬n e u e “ Esehatologie der
ApkMos kann diese Spannungen nicht restlos klären, will aber die unm it-
telbare ^ s tm o rta le Fortexistenz plausibel m aehen. Z u r E rklärung greift
sie a u f die bereits in jü d iseh er T radition vorhandene Term inologie hei-
lenistiseher Leib-Seele-A nthropologie zurück, ohne diese konsequent zu
übernehm en: ‫ ״‬Geist“ und ‫ ״‬Seele“ besagen die bibliseh von Gott gegebene
Eebendigkeit des Eebens. W enn die ApkMos ausführlich die ^ s tm o r ta l
von G ott g e c h e n k te V ergebung für A dam , die V ersöhnung m it G ott
sehildert, n ä h rt sie die H offnung der Eeserinnen und Eeser, von der
irdisehen E ntfrem dung hinw eg w ieder zur heilvollen u ^ i t t e l b a r k e i t
zu Gott zu gelangen. Eiegt die tatsäehhehe Vollendung auch im ,Jenseits,“
gehen H offnung u n d H andlungsm otivation bereits hier und jetzt.

48 Aufstieg der Seele und Bestattung des Leibes erzählen dann auch Testljob 52:8-12
und TestAbr A 20:10-1.
49 Als zeitgesehiehtlieher K ontrast zu dieser Heilszentrierung im Jenseits sei an die
‫״‬präsentisehe Esehatologie“ der Q um ran-G em einde erinnert: Die Heilsteilhabe im eseha-
tologisehen Gemeindekollektiv ereignet sich bereits im gegenwärtigen Leben und ver-
mittelt so die Überzeugung der Kontinuität (über den T od hinaus). Dazu H. Lichtenberger,
Studien zum Menschenbild in Texten dec Qumrangemeinde (StU N T 15; Göttingen: Vandenhoeck
& Rupreeht, 1080) 218-230.
STEFAN SCHREIBER

6. Folgerungen: Religionsgeschichte

Am Schluß dieser Ü berleg u n g en zum ^ m c h e n b i l d der ApkMos


sollen einige Folgerungen für die Konstruktion der religionsgeschichtlichen
Landschaft des 1. J h . Stehen.
(1) D er sich aus d er F e rs ^ k tiv e h eutiger R ezeption der ApkMos
umvcigcrlirir erhebende V orw urf der ‫ ״‬V ertröstung“ m it allen hem m enden
Folgen für die aktive G estaltung der je aktuellen G e g e i^ r tv e ih ä ltn is s e
m u ß sich z u n äch st selbst d e r K ritik u n te rz ie h e n . Bevor m an von
V ertröstung spricht, sollte die E igenart der Situation der T rägergruppe
des Textes erfaßt u n d ausgeleuchtet sein. E her deutet dan n die radikale
V erschiebung der H eilserfahrung in den ^ s tm o rta le n Bereich a u f eine
(im rechtlich u n d m edizinisch ‫ ״‬abgesicherten“ R au m der westlichen
W elt zugegebenerm aßen fremde) g re p ^ m k o lle k tiv e w ^ r n e h m u n g der
G e g e n w a rt als a u ssich tslo se B e la stu n g d u rc h E eid , M ü h sa l u n d
B eschw ernis des E ebens. E ine H e rk u n ft d e r ApkMos aus ‫ ״‬kleinen
V erhältnissen“ w äre ebenso zu bedenken wie die latent bedrohliche
Situation politischer U n terd rü ck u n g durch das Im perium R o m an u m V
Zugleich erweist sich die verstärkte N otw endigkeit o i^ g e r e h ic h tiic h e r
Forschung zur D ifferenzierung der jüdischen Gesellschaft des 1. Jh .
(2) Die Analyse der ApkMos m ach t einm al m eh r die grundlegende
Einsicht deutlich, daß es keine einheitliche (‫ ״‬d o g i^ tis c h e “) jüdische
A th ro p o lo g ie im 1. Jh . gab. Innerhalb der im Spannungsfeld von bib-
lischer Tradition und hellenistischer Fhiiosophie eröffneten Möglichkeiten
zeigt die ApkMos efe zweifaches Bem ühen: Sie will ein zeitgem äßes
Sprechen vom M enschen erproben und zugleich letztlich die traditionelle
g n zh e itlic h e Sicht des M enschen, seines von G ott gegebenen ‫ ״‬Eebens,“
bew ahren . D ie F lu ralität d er V orstellu n g en läß t ro rsich tig w erden
g eg e n ü b e r je d e r W g u m e n ta tio n , die sich a u f zeit- u n d religions-
gereltichtlich noüvendige I i ^ h ^ t i o n e n beruft, wie sie Z.B. bei der in
der Forschung konstant strittig bew erteten Frage n ach dem leeren G rab
Jesu V erw endung findet‫ ؛‬zugespitzt form uliert: D as G rab müsse leer
gewesen sein, da A fe re te h u n g jüdisch (und paulinisch) n u r ganzheitlich

50 Zum Einfluß der politisehen Verhältnisse auf Spraehe und Inhalt von T exten sei-
tens unm ittelbar Betroffener vgl. s. Sehreiber, ‫ ״‬Caesar oder G ott (Mk 12:17)? Z ur
Theoriebildung im U m gang m it politisehen T exten des N euen T estam ents,“ B Z 48
(2004) 165-85; N. Elliott, ‫ ״‬T he ,Patienee of the Jew s‘. Strategies of Resistanee and
Aeeom m odation to Im perial C ultures,“ Pauline Conversations in Context (FS C.J. Roetzel;
JS N T .S 221; Sheffield: Aeademie Press, 2002) 52-41.
D ER MENSCH IM TOD NACH DER APOKALYPSE DES MOSE

denkbar gewesen sei.^ Im Bliek a u f die ApkMos seheint es jed o eh sehr


wohl möglieh, angesichts cinc^ bestatteten Leiehnam s von Auferweckung
und him m lischem A ufenthalt eines M enschenlebens zu spreehen.
(3) Die ApkMos führt wenigstens anfanghaft vor, wie endzeitliehe
T te n e rw e e k u n g und unm ittelbare postm ortale Fortexistenz in einer Art
‫ ״‬Z w ischenzustand“ zusam m en vorstellbar w aren. Diese Vorstellungs-
möglichkeit erweist sich beispielsweise als bedeutsam für die A uslegung
von Fhil 1:23, wo Faulus den W unseh naeh Loslösung vom E rdenleben
und Sein m it Christus äußert, denn d ann ist es zeitgeschichtlich grund-
sätzlieh möglieh, daß Faulus selbstverständlich an G erieht und Toten-
erweekung in der Endzeit festhält u n d zugleieh sieh selbst in unm it-
telbarer ^ s tm o r ta le r G em einschaft m it Christus hofft.^ Andererseits
gewinnen aber auch A ussagen wie 1 Thess 4:13-18 und 1 K or 13:33-
38 Frofil, die ganz klar eine endzeitliehe A uferstehung des ganzen
M ensehen in ‫ ״‬verw andelter“ G estalt voraussetzen und begründen. Im
Bem ühen um cinc ganzheitliche A nthropologie tendieren Faulusbriefe und
ApkMos in eine R iehtung, aueh w enn sie in der konkreten Ausgestaltung
eigene W ege gehen. U n d nieht zuletzt kann die G ^ h e itlie h k e it der
Sicht vom M ensehen einen A nsatz liefern zu r K om m ufekadon mff
gegenw ärtigen holistischen Ström ungen neuer Religiosität.

51 Bereits H .s. Reim arus ( Von dem Zwecke Jesu und seiner Jünger, 1778 von G.E. Eessing
posthum veröffentlieht) erachtete das Leersein des G rabes als Voraussetzung für die
A ferstehungsverkündigung (zur Eorsehung vgl. G. T heißen A. M erz, Der historische
Jesus [Göttingen: Vandenhoeck & R upreeht, 21997] 420 ‫ ﻟﻪ‬7 ‫)ر‬. D er Gedanke liegt so
untersehiedliehen Interpretationen des leeren Grabes zugrunde Me der von G. Eüdemann,
Die Auferstehung Jesu. Historie, Erfahrung, Theologie (Göttingen: Vandenhoeck & Rupreeht,
1994) 48, und w . Pannenberg, ‫ ״‬Die Auferstehung Jesu Historie und Theologie,“ J T h K
91 (1994) 318-328, hier 326-328. Auch I.U. Dalferth, ‫״‬Volles G rab, leerer Glaube?
Zum Streit um die Auferweckung des G ekreuzigten,“ J T h K 95 (1409 -379( ‫ ةوو‬, hier
395, 399, h ä lt diese M ögliehkeit offen (argum entiert jed o e h theologisch gegen die
Notwendigkeit des Leerseins des Grabes, 394-400). Vgl. noeh M. Hengel, ‫ ״‬Das Begräbnis
Jesu bei Paulus und die leibliehe Auferstehung aus dem G rabe,“ Auferstehung — Resurrection
(hg. F. Avemarie H. Liehtenberger; W U N T 135; Tübingen: M ohr, 2001) 119-183.
52 D azu S. Sehreiber, ‫ ״‬Paulus im ,Zwisehenzustand‘. Phil 1:23 und die Ambivalenz
des Sterbens als Provokation,“ N T S 49 (2003) 336-359.
‫آلﻣﺂورلم؛‬

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