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Altfriesische Sprache

Die altfriesische Sprache ist der gemeinsame Vorläufer nordgermanischen Parallelen. Zum Beispiel altfrie-
der modernen friesischen Sprachen. Sie ist überliefert in sisch sjunga und altdänisch sjungæ, gegenüber al-
Rechtsbüchern und Urkunden aus dem 13. bis 16. Jahr- tenglisch singan (neuenglisch to sing).
hundert aus dem Gebiet zwischen Weser und IJsselmeer
(Zuiderzee). • Er zählt ebenfalls hierzu die steigenden Diphthonge:
Die altfriesische Sprache hat eine recht altertümli- altfriesisch sjuka und altnordisch sjúkna (“erkran-
che Form und kann daher auf dieselbe Entwicklungs- ken”, “siechen”) gegenüber altniederdeutsch siok
stufe wie das Altenglische, Altniederdeutsche oder und althochdeutsch sioh (“krank”, “siech”). Im Alt-
Althochdeutsche gestellt werden, auch wenn es eher zur niederdeutschen und Althochdeutschen ist io ein fal-
selben Zeit wie das Mittelenglische, Mittelniederdeutsche lender Diphthong, also mit der Betonung auf dem
und Mittelhochdeutsche geschrieben wurde. ersten Teil i. Im Altfriesischen und im Altnordi-
schen liegt die Betonung auf dem zweiten Teil des
Diphthongs, dem u.[1]
1 Vergleich mit anderen west-
germanischen Sprachen 1.3 Gemeinsamkeiten mit südlichen Nach-
barsprachen
Im Folgenden werden einige altfriesische Wörter mit ver-
wandten Entsprechungen aus anderen westgermanischen Das Altfriesische hat auch Gemeinsamkeiten mit ande-
Sprachen verglichen.[1] ren westgermanischen Sprachen, die im Altenglischen
nicht zu finden sind. Ein Beispiel hierfür ist der fehlende
"Rhotazismus". Der Rhotazismus hier ist der Übergang
1.1 Gemeinsamkeiten mit dem Altengli- von s zu r (benannt nach dem griechischen Buchstaben-
schen namen Rho, “R”). Diesen fehlenden Übergang von s zu r
gibt es im altfriesischen Wort hasa (althochdeutsch haso,
Das Altfriesische hat mehrere Lautentwicklungen ge- neuhochdeutsch Hase). Im Altenglischen hingegen lautet
meinsam mit dem Altenglischen durchlaufen, während dieses Wort hara, im Neuenglischen hare.[1]
das Altniederdeutsche eine Zwischenstellung einnimmt
zwischen dem Hochdeutschen (einerseits) und dem Alt-
friesischen und Altenglischen (andererseits).[1]
2 Schreibweise
1.2 Gemeinsamkeiten mit den Altnordi- Die altfriesischen Texte benutzen das lateinische Alpha-
schen bet ohne zusätzliche Buchstaben. Für die dentalen Frika-
tive schrieb man th (wie im modernen Englisch). Siehe
Interessanterweise gibt es im Altfriesischen Merkmale, dazu Stimmhafter dentaler Frikativ und Stimmloser den-
die auch das Nordgermanische hat, aber nicht das Alteng- taler Frikativ. Für den u-Vokal und die Konsonanten v
lische oder das Altniederdeutsche. Beispiele: und w schrieb man ziemlich regellos u, v und w. Siehe
auch U, V und W. Die Schreibungen für k und c waren
• Die Pluralendung für männliche Substantive auf -ar: ebenfalls ziemlich willkürlich. Die Laute i und j wurden
altfriesisch dagar und altnordisch dagar (“Tage”), beide in der Regel als i geschrieben. Die Länge eines Vo-
gegenüber altenglisch dagas und altniederdeutsch kals wird nur in westfriesischen (also jüngeren) altfrie-
dagōs. sischen Texten angegeben, und zwar durch doppelt ge-
• Das Zahlwort “zwei” mit einer r-Endung: altfrie- schriebene Vokale, zum Beispiel ee für das lange e. Zum
sisch twēr (“zwei”) neben twēn, altnordisch tveir, Teil wurde auch, nach niederländischem Vorbild, oe für
gegenüber altenglisch twēǥen und altniederdeutsch langes u geschrieben. In modernen Ausgaben von altfrie-
twēne, twēna sischen Texten wird die Länge eines Vokals mit einem
waagerechten Strich oder einem Zirkumflex über dem
• Der Sprachwissenschaftler Ernst Schwarz zählt auch Graphem angegeben, wie in āge oder âge (“Auge”). Siehe
den Lautwandel von in zu jun zu diesen friesisch- auch Editionsrichtlinie.[2]

1
2 6 EINZELNACHWEISE

3 Varianten des Altfriesischen größeren Gebiet gesprochen als heute. Laut Klaas Fokke-
ma gehörten in etwa folgende Gebiete zum mittelalterli-
chen friesischen Sprachraum:[2]
3.1 Älteres und jüngeres Altfriesisch
Innerhalb des Altfriesischen unterscheidet man zwischen • ein schmaler Streifen der Küste von Holland zwi-
einer älteren und einer jüngeren Form des Altfriesischen. schen den heutigen Orten Hoek van Holland (bei
Die Grenze liegt dabei ungefähr bei 1450. Die Unter- Rotterdam) und IJmuiden (IJ)
schiede zwischen der älteren und der jüngeren Form
• Nordholland nördlich des IJ
des Altfriesischen sind mindestens so groß wie zwischen
Althochdeutsch und Mittelhochdeutsch. Der Begriff Alt- • die meisten der west- und ostfriesischen Inseln
friesisch für die ältere und die jüngere Sprachform hat-
te sich bereits eingebürgert, als die jüngere Sprachform • der größte Teil der niederländischen Provinz Fries-
noch nicht genügend erforscht war und man die großen land
Unterschiede zwischen den beiden Sprachformen noch
• der nördliche Teil der niederländischen Provinz
nicht überblicken konnte. Heute benutzt man die Be-
Groningen, in etwa bis zur Stadt Groningen
zeichnungen auch klassisches Altfriesisch und nachklas-
(Ommelande)
sisches Altfriesisch.[1]
• Ostfriesland nördlich von Leer, das Gebiet um den
Jadebusen einschließlich Wilhelmshaven, die Halb-
3.2 “Altostfriesisch” und “Altwestfrie- insel Butjadingen mit Nordenham, das Land Wurs-
sisch” ten (bei Cuxhaven)

Früher nahm die Forschung an, dass die Unterschiede • ein kleines Gebiet nordwestlich von Friesoythe
zwischen den beiden altfriesischen Sprachformen nicht (Saterland)
chronologisch (älter gegenüber jünger), sondern Dialekt-
• Eiderstedt und die Küste Nordfrieslands
unterschiede (östlich gegenüber westlich) seien. Weil das
Friesische als Schriftsprache im Groningerland und in • die nordfriesischen Inseln Sylt, Amrum, Föhr und
Ostfriesland vom Niederdeutschen verdrängt wurde, gibt die frühere Insel Strand (mit Rungholt)
es ab 1450 keine altfriesischen Handschriften aus diesen
Gegenden mehr. Jüngere Handschriften stammen somit Nebenstehende Grafik zeigt das friesische Sprachgebiet
aus dem Gebiet der heutigen niederländischen Provinz mit einigen Abweichungen, besonders im Flussdelta von
Friesland. Das jüngere Altfriesisch wurde daher Altwest- Rhein und Maas, und in Südholland. Die Diskrepanzen
friesisch genannt, das ältere Altfriesisch Altostfriesisch.[1] ergeben sich aus der Tatsache, dass die Grafik die größ-
te Ausdehnung des friesischen Siedlungsgebietes im 7.
Jahrhundert (die Frisia Magna) darstellt, welche durch
4 Sprachgebiet die Ausbreitung der Frankenherrschaft bald danach wie-
der reduziert wurde. (Es ist noch nicht einmal klar, ob
das Friesische wirklich je im gesamten Raum der Frisia
Magna durchgängig als Muttersprache gesprochen wur-
de; möglicherweise war er in den fraglichen Randgebie-
ten nur oberflächlich von Friesen beherrscht oder verein-
zelt von Friesen besiedelt und das Friesische dort allen-
falls Verkehrssprache.)

5 Literatur
• Rolf H. Bremmer, Jr. An Introduction to Old Frisian.
History, Grammar, Reader, Glossary. Amsterdam,
Philadelphia: John Benjamins, 2009. ISBN 978-90-
272-3255-7

6 Einzelnachweise
Friesisches Sprachgebiet, aber nicht laut Klaas Fokkema
[1] Bo Sjölin: Das Altfriesische. In: Anthonia Feitsma, Wy-
Das Friesische wurde im Mittelalter in einem wesentlich be Jappe Alberts, Bo Sjölin: Die Friesen und ihre Sprache
3

(= Nachbarn. Nr. 32, ISSN 0945-0092). Presse- und Kul-


turabteilung der Königlichen Niederländischen Botschaft,
Bonn 1987, S. 15–18.

[2] Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen. Ih-


re Geschichte in Grundzügen. 2. deutsche Auflage. Drei-
Lilien-Verlag, Wiesbaden 1987, ISBN 3-922383-52-1.

7 Weblinks
Wikisource: Altfriesische Wörterbücher – Quellen
und Volltexte

• Gerhard Köbler: Online Wörterbuch Wikiling Alt-


friesisch (und andere alte Sprachen)
4 8 TEXT- UND BILDQUELLEN, AUTOREN UND LIZENZEN

8 Text- und Bildquellen, Autoren und Lizenzen


8.1 Text
• Altfriesische Sprache Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Altfriesische_Sprache?oldid=154384252 Autoren: Aka, Florian Blaschke,
Termo, PortalBot, Harry8, MaEr, ThomasPusch, Liliana-60, VolkovBot, Drekamu, Rohwedder, MarianneES, JøMa, Freigut, MannMaus,
Woches, Lubomir, Luckas-bot, GrouchoBot, EmausBot, ZéroBot, WikitanvirBot, Pokbot, DownUnder36, KLBot2, Schwarzorange, Lo-
wena und Anonyme: 2

8.2 Bilder
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ren: Eigenes Werk Ursprünglicher Schöpfer: Temmo Bosse
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Autoren: Rei-artur Ursprünglicher Schöpfer: Nicholas Moreau

8.3 Inhaltslizenz
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