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Weil die Mitte in der Mitte liegt

Warum Pegida mit dem Extremismus-Paradigma


nicht zu erklären ist und es zur Verharmlosung der
Bewegung beiträgt
Francesca Barp und Hannah Eitel

Zusammenfassung

Die Debatte um die Verortung von Pegida wurde, besonders in Sachsen, vor
dem Hintergrund des Extremismus-Paradigmas geführt, das in Sachsen ein
dominantes Deutungsschema für den Umgang mit politischem Dissens darstellt.
Allerdings bleiben Erklärungs- und Deutungsversuche von Pegida auf Basis der
Extremismustheorie unzureichend – sie können nur wahlweise Extremismus
attestieren oder eine diff use Mitte beschwören. Pegida wird gegen „antide-
mokratische Extremist*innen“ als „normale demokratische Mitte“ definiert.
Tatsächlich erfüllt solches Reden über Pegida die Funktion, rassistische und
nationalistische Inhalte zu verharmlosen, zu normalisieren und damit unkri-
tisch in das Feld des demokratischen Diskurses und des legitimen Handelns
zu integrieren. Diese Funktionen erfüllt das Extremismus-Paradigma generell.
Die Debatte zeigt erneut die Widersprüchlichkeit des Extremismus-Paradigmas
sowie dessen etatistischen und elitären Demokratiebegriff.

„Zwar marschieren bei Pegida schon auch Rechtsradikale. Doch die allermeisten
der vielen Tausenden von Demonstranten gehören in Dresden zum ganz norma-
len Volk.“ Werner (Patzelt, FAZ, 21.01.15) Die Losung vom „normalen Volk“, von
Pegida selbst aufgebracht, wurde im Winter 2014/15 von Wissenschaft ler*innen,
Politiker*innen und Behörden aufgenommen und in Zeitungsartikeln, Interviews
und Talkshows ständig wiederholt. Einerseits scheint sie durchaus auf die Dresdner
„Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ zuzutreffen,
blieben dort doch politisch dauerhaft aktive, organisierte Neonazis in der Unterzahl.
Andererseits stellt sich im Anschluss die Frage, weshalb die Aussage dermaßen oft
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wiederholt wurde und welchen Erkenntnisgewinn die Feststellung birgt, Menschen


seien normal und gehörten zum Volk.1
Warum also wird so viel Aufheben über das „Normalsein“ von Pegida-Teilneh-
menden gemacht? Warum wird Pegida wiederholt explizit von „Rechtsextremisten“
abgegrenzt? Welche Wirkung hat es auf die Bewertung einer Bewegung, wenn diese
durch politische und akademische Eliten als „nicht-extremistisch“ bzw. „normal“
bezeichnet werden? Wir möchten in diesem Aufsatz die folgende Argumentation
entwickeln: Die Debatte um die Verortung von Pegida wurde, besonders in Sachsen,
vor dem Hintergrund des Extremismus-Paradigmas geführt. Diese Prägung der
Debatte kann damit erklärt werden, dass das Extremismus-Paradigma in Sachsen
ein dominantes Deutungsschema für politischen Dissens darstellt. Allerdings bleiben
Erklärungs- und Deutungsversuche von Pegida auf Basis der Extremismustheorie
unzureichend – sie können nur wahlweise Extremismus attestieren oder eine diffuse
Mitte beschwören. Tatsächlich erfüllt solches Reden über Pegida die Funktion,
rassistische und nationalistische Inhalte zu verharmlosen, zu normalisieren und
damit in das Feld des demokratischen Diskurses und des legitimen Handelns zu
integrieren. Denn genau diese Funktionen erfüllt das Extremismus-Paradigma
generell. Die Debatte offenbart zudem ein weiteres Mal die Widersprüchlichkeit
des Extremismus-Paradigmas sowie dessen fragwürdigen Demokratiebegriff.
Einige Autor*innen haben bereits auf die Dominanz und das gleichzeitige Ver-
sagen des Extremismus-Paradigmas bei der Erklärung von Pegida hingewiesen:

„Gerade die Auseinandersetzung mit PEGIDA zeigt jedoch deutlich, dass das the-
oretische Modell der Extremismustheorie nicht greift. Gerade die öffentliche Zur-
schaustellung von antidemokratischen Einstellungen durch Menschen, die nicht dem
Neonazi-Spektrum zugerechnet werden können, im Verbund mit expliziten Neonazis
ist aber der eigentliche Grund zur Sorge.“ (Jennerjahn 2014)

Andere Autor*innen weisen darauf hin, dass Pegida selbst auf den Extremismus-
begriff verweise und sich so als Teil der demokratischen Mitte präsentiere (etwa

1 Diejenigen, die daran festgehalten haben, Pegida wieder und wieder als „normales Volk“
zu bezeichnen, bzw. sie von jedem Vorwurf des Neonazismus oder „Rechtsextremismus“
freizusprechen, betonten, dass Pegida-Teilnehmer*innen ständig als Nazis diffamiert
würden. In der Tat wurde das Organisationsteam „Neonazis in Nadelstreifen“ genannt
(Ralf Jäger, siehe Zeit Online 2014), sowie die Teilnehmer*innen „Latenznazis“ (Sascha
Lobo bezeichnete damit allerdings einen neuen „Bürgertypus“; siehe Lobo 2014). Dies
sind jedoch populäre Ausnahmen unter zahllosen Beiträgen, die Pegida meist rechtspo-
pulistisch, islamfeindlich oder –kritisch oder ‚asylkritisch‘ nennen.
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Geiges et al. 2015). Die auf die Mitte-Position rekurrierenden sächsischen Eliten2
und die Eigenpositionierung Pegidas als Mitte verstärken sowohl sich gegenseitig als
auch die „extremismustheoretischen“ Erklärungsmuster und deren Wirksamkeit:

„Größtenteils […‘] wiesen die reflexartig in Anschlag gebrachten Bilder einer ‚nor-
malen‘, d. h. keinesfalls ‚rechten‘ Mehrheit der Demonstrationsteilnehmenden, die
lediglich von einer ‚extremistischen‘ Minderheit verführt und manipuliert würden,
bemerkenswert projektive Züge auf – wurden doch die manifest ‚rechtsextremen‘
Positionen von den sich als ‚normale Bürger‘ verstehenden Teilnehmer*innen vorge-
bracht, während sich Organisator*innen und Sprecher*innen stets um die Wahrung
von politischer Korrektheit und kommunikativer Anschlussfähigkeit in der ‚Mitte‘
bemühten.“ (Heim/Wöhrle 2015: 13)

Beide Beobachtungen verweisen zum einen darauf, dass eine Trennung in „normale
Bürger“ und antidemokratische „Rechtsextremisten“ bei Pegida nicht funktioniert.
Zudem betonen Heim und Wöhrle bereits, wie Pegida selbst das Extremismus-Pa-
radigma bedient, indem sie sich gegen Extremismus und in der ‚Mitte‘ positionie-
ren. Dennoch wurde in Sachsen vornehmlich um die Zuordnung von Pegida als
extremistisch oder mittig gerungen, besonders zu Anfang der Demonstrationen,
jedoch bis ins Jahr 2016 andauernd. Dagegen blieb die Auseinandersetzung mit
den rassistischen und nationalistischen Inhalten, die Redner*innen, Publikum und
Facebook-Sympathisant*innen miteinander verbinden, marginal.3

2 Wir sehen davon ab, den vollständigen Diskurs zu Pegida zu analysieren und fokus-
sieren uns stattdessen auf einige Mitglieder der explizit konservativen politischen
und akademischen Elite, die sich am häufigsten und am dominantesten in der frühen
Debatte um Pegida eingebracht haben. Dazu zählen unter anderen Markus Ulbig und
Stanislav Tillich als Teil der politischen Elite, Werner Patzelt und Wolfgang Donsbach
als Vertreter der akademischen Eliten, und Frank Richter als Vertreter der Zentrale für
politischen Bildung in Sachsen.
3 Die Einschätzung, dass bei Pegida autoritäre Einstellungen vorherrschen und rassi-
stische, nationalistische, strukturell antisemitische sowie homophobe und sexistische
Ressentiments artikuliert werden, entnehmen wir eigenen Beobachtungen, Interviews
(beispielhafte Quelle etwa http://www.ardmediathek.de/tv/Panorama/Pegida-Die-Inter-
views-in-voller-L%C3 %A4nge-/Das-Erste/Video?documentId=25442126), Analysen (vgl.
Antifa Recherche Team Dresden 2014, 2016; Gorskih/Nattke 2015; Kulturbüro Sachsen
2015; Hübler 2015; Kiess 2015; Stender 2015) und vorgelegten Studien (etwa Geiges/
Marg/Walter 2015). Ein Großteil der Teilnehmenden äußert solche Ressentiments selbst
oder duldet und verharmlost sie. Zur Frage der Einstellung zur Demokratie bei Pegida,
die über extremismustheoretische Erklärungen hinausgeht, vgl. Vorländer/Herold/
Schäller/ 2016. Wir fokussieren uns in diesem Aufsatz allerdings auf die Reaktionen
und Äußerungen bestimmter sächsischer Eliten auf Pegida und nicht auf die Bewegung
selbst.
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Bisher jedoch wurden diese Reaktionen und Interpretationen der sächsischen


politischen und wissenschaftlichen Elite unzureichend analysiert. Wir wollen mit
diesem Beitrag zeigen, dass in der Dominanz und Unzulänglichkeit des Extremis-
mus-Paradigmas eine Ursache liegt, warum die Auseinandersetzung um Pegida
oberflächlich abläuft, anstatt eine Beschäftigung mit rassistischer Ideologie und
deren Ursachen anzustoßen. Dazu werden wir einen kurzen Abriss über zentrale
Aussagen und die generelle Entwicklung des Extremismus-Paradigmas geben
(2.1), um dann die kritische Analyse seiner normalitätsstiftenden Funktionen (2.2)
darzulegen. In der Folge analysieren wir extremismustheoretische Deutungsversu-
che von Pegida durch Vertreter*innen konservativer sächsischer Eliten4 (3.). Diese
verwenden verschiedene Argumentationsmuster, um Pegida zu normalisieren,
zu verharmlosen oder zum Ausdruck eines demokratischen Volkswillens auf-
zublähen, der durch die politischen Eliten in ihrer Politik berücksichtigt werden
müsse. Diese Argumentationen sollen im Hinblick auf ihre Funktionen kritisch
dargelegt und erklärt werden. Zuletzt gehen wir (4) kurz auf politische Folgen
dieser Normalisierung ein.

1 Die Welt in Hufeisenform:


Das Extremismus-Paradigma

Der folgende kurze Überblick über einige Grundgedanken des Extremismus-Para-


digmas ist zentral, um die drei anschließend aufgezeigten wesentliche Kritikpunkte
nachzuvollziehen, die in der Forschung am Extremismusbegriff formuliert wurden.
Laut dem Extremismus-Paradigma stehen sich Demokratie und Extremismus an-
tithetisch gegenüber, da Extremist*innen sich außerhalb der demokratischen Ver-
fassung befänden und diese bekämpfen würden bzw. auf deren Abschaffung zielen.
Der Extremismus-Begriff und seine Anwendung als Deutungsmuster entspringen
einer Ordnungsinstitution der Bundesrepublik, dem Verfassungsschutz. Es fußt
also auf verfassungspolitischem Ordnungsdenken: Ob jemand als extremistisch gilt,
wird anhand des ihm/ihr zugeschriebenen Verhältnis zur Verfassung entschieden.
Seine theoretische Bearbeitung durch einige wenige Sozialwissenschaftler*innen ist
stets an das entsprechende Ordnungssystem rückgekoppelt und angebunden. Bis
in die 1970er Jahre wurde im Verfassungsschutzbericht der Begriff des politischen
Radikalismus verwendet, seit 1974 wurde er weitgehend vom Extremismus-Begriff

4 Auf die Rolle des sächsischen Verfassungsschutzes wird hier nicht eingegangen, siehe
dafür die Analyse von Korsch 2015.
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ersetzt.5 Über die Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung
fand der Begriff in den 1980er Jahren Eingang in den Alltags- und medialen Diskurs
um Demokratie (vgl. Hanneforth et al. 2010).
Ende der 1980er Jahre wurde der Begriff schließlich vermehrt auch systematisch
von Sozialwissenschaftlern aufgegriffen:6 Der in Chemnitz lehrende Eckhardt Jesse
und der Dresdner Politologe Uwe Backes haben mit ihren Publikationen „Politischer
Extremismus in demokratischen Verfassungsstaaten. Elemente einer normativen
Rahmentheorie“ (1989) und „Politischer Extremismus in der Bundesrepublik
Deutschland“ (1996) die Grundelemente des Extremismus-Paradigmas formuliert
(dazu auch Nattke 2010). Hier werden die Anknüpfung an die Totalitarismustheorie
aufgezeigt und Erkennungskataloge für Extremist*innen erstellt. Die zwei säch-
sischen Politologen legten ihren Schwerpunkt auf die Extremismusforschung, die
sie am 1993 in Dresden gegründeten Hannah-Arendt-Institut7 betreiben.
Die Grundannahme des Extremismus-Paradigmas lautet, dass jene, die we-
sentliche Prinzipien der ‚freiheitlich-demokratischen Grundordnung‘ ablehnen,
Extremist*innen seien (Backes/ Jesse 1993). Extremist*innen haben zum Ziel, die
Verfassung der Bundesrepublik zu verändern bzw. abzuschaffen. Dabei stehen De-
mokratie und Extremismus in einer antithetischen Beziehung, in der Extremismus
das inhaltliche Gegenteil von Demokratie ist, also Antidemokratie (Stöss 2015). Zu
erkennen seien Extremist*innen an ihren Einstellungen und Verhaltensweisen.
Extremistische Einstellungen sind dabei eben solche, die den Prinzipien der frei-
heitlich-demokratischen Grundordnung (fdGo) widersprechen; extremistisches
Verhalten sei darauf ausgerichtet, diese Einstellungen zu realisieren. Dabei wird
häufig Gewaltbereitschaft als Gradmesser für Extremismus herangezogen. Obwohl
sich die Einstellungen von „Links- und Rechtsextremisten“ inhaltlich unterscheiden,8

5 Für den Übergang vom Begriff des politischen Radikalismus zu dem des Extremismus,
sowie zum Wandel des Extremismus-Paradigmas siehe Ackermann et al. 2015.
6 Bereits in den 1960er und 1970er Jahren tauchte der Begriff in den Sozialwissenschaften
auf, wurde aber nicht systematisch eingeführt und erforscht. Zur frühen Nutzung des
Begriffs siehe ebd.: 107-113, 139-143.
7 Inhaltlich knüpfen Jesse und Backe an die Totalitarismustheorie im Verständnis von
Carl-Joachim Friedrich an. Irreführenderweise geschieht das unter dem Namen Hannah
Arendts, die allerdings nicht von Totalitarismus gesprochen hat, sondern den Begriff
totale Herrschaft einführte. Die Elemente der totalen Herrschaft bilden bei Arendt –
im Gegensatz zur Extremismustheorie – keinen einfachen Gegensatz zur modernen
bürgerlichen Demokratie sondern sind vielfach in dieser verwurzelt.
8 Als Rechtsextremist*innen werden neonazistische Parteien, Kameradschaften, Publi-
kationen und andere Institutionen geführt sowie „Autonome Nationalisten“. Unter
Linksextremismus werden inhaltlich sehr verschiedene Strömungen subsumiert, von
Anarchist*innen, Autonomen, Antideutschen und Antiautoritären bis hin zu autoritä-
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werden sie anhand ihrer Entfernung zur fdGo als extremistisch eingestuft (Backes/
Jesse 1996): Zwar entfernen sie sich vorerst in unterschiedliche Richtungen, links
und rechts, vom normativen Kern der bundesrepublikanischen Werteordnung,
jedoch nur um sich letztendlich in ihren Zielen und Methoden notwendig anzu-
nähern – daher auch die Darstellung der Gesellschaft in der Form des Hufeisens.
Die Extremismusforschung zielt also darauf ab, Extremismus zu definieren, zu
erklären und von der demokratischen Mitte abzugrenzen.
Die Idee des Extremismus-Paradigmas ist geschichtspolitisch begründet. In ihr
geht ein bestimmtes Verständnis des Scheiterns der Weimarer Republik auf. Als
Fortführung der Totalitarismustheorie sehen die Extremismus-Theoretiker*in-
nen die verfassungstreue Mitte der Gesellschaft bedroht von den extremistischen
Rändern (vgl. Neugebauer 2010). Diesem Zustand sei die Weimarer Republik zum
Opfer gefallen und diesen Zustand gelte es daher in der wehrhaften Demokratie zu
verhindern. Diese Aufgabe kommt in Deutschland dem Verfassungsschutz zu, der
jene Personen und Gruppen beobachtet, die er als Behörde gemäß des Extremis-
mus-Paradigmas als verfassungsfeindlich einschätzt. Die sozialwissenschaftliche
Ausarbeitung des Extremismus-Paradigmas schafft in ihrer engen Anlehnung an
die Definitionen des Verfassungsschutzes letztlich eine quasi-wissenschaftliche
Arbeitsgrundlage für den Verfassungsschutz, die dessen Handeln legitimiert (vgl.
Wippermann 2009).
Es ist mehr als ein geographischer Zufall, dass das Extremismus-Paradigma
gerade von Sozialwissenschaftler*innen an sächsischen Hochschulen und von
sächsischen Institutionen popularisiert wurde und wird (vgl. die Argumentation
der Beiträge in Weiterdenken 2010). Auch politische und bildungspolitische Insti-
tutionen in Sachsen haben das Paradigma besonders stark adaptiert und zu dessen
Reproduktion und Institutionalisierung beigetragen, etwa durch die sogenannte
„Extremismusklausel“9, die in Sachsen etabliert, und später auch auf Bundesebene
adaptiert wurde.

ren Leninist*innen, Maoist*innen und Stalinist*innen. Die inhaltlichen Unterschiede


sowohl zwischen rechten und linken Extremist*innen wie auch innerhalb der jeweiligen
Kategorie gelten für die Zuordnung zum extremistischen Lager dabei als irrelevant.
9 Die Extremismusklausel oder Demokratieerklärung wurde in Sachsen im Jahr 2010 einge-
führt, später auch auf Bundesebene übernommen, inzwischen jedoch wieder abgeschafft.
Empfänger*innen von Demokratiepreisen und Projektfördermitteln mussten in dieser
Zeit unterschreiben, dass sie selbst und ihre Koorperationspartner*innen im Sinne der
fdGo handeln würden, also keine extremistischen Bestrebungen unterstützen würden.
Die Klausel wurde als Gleichsetzung antirassistischer Initiativen mit Neonazismus, als
„Gesinnungstest“ und als unbegründete Kriminalisierung kritisiert (vgl. Dölemeyer/
Mehrer 2011: 11f.).
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2 Normalität, Verdrängung und autoritäre Demokratie:


Extremismus als Deutungsschema

Das Extremismus-Paradigma wird in Deutschland häufig zur Einordnung und


Beschreibung von Einstellungen und Verhaltensweisen von Bürger*innen in De-
mokratien genutzt.10 Im Verfassungsschutzbericht ist es zur festen Kategorisierung
und handlungsanleitender Maxime geworden und auch in der politischen Bildung
oder der medialen Berichterstattung wird die Aufteilung vielfältig und intensiv
aufgegriffen. In den Sozialwissenschaften ist der Begriff aber hoch umstritten,
insbesondere seine wissenschaftliche Verwendung. So wird kritisiert, dass sich der
Extremismus „als sozialwissenschaftlicher Begriff einer klaren Definition entzieht“
(Bendel 2002), dass der Terminus „fundamentale analytische Schwächen aufweist“
und in den Wissenschaften „teils unübersehbar politisch motiviert“ gesetzt wird
(Kopke/Rensmann 2000). Der Rechtsextremismusforscher Richard Stöss kritisiert
das eingeschränkte Erkenntnisinteresse der Extremismusforschung und kommt
letztlich zu dem Schluss, dass das Konzept „nicht zum Standard sozialwissenschaft-
licher Forschung [zählt].“ (Stöss 2015).
Wir möchten hier in drei Kritikpunkte einführen, die im Feld der Pegida-Ana-
lyse von Bedeutung sind. Erstens wird mit dem Extremismus-Paradigma eine
politisch-normativ aufgewertete Normalität konstruiert, die den Extremist*innen
per definitionem demokratisch gegenübersteht. Zweitens ist dies keine beliebige
Normalität, sondern die post-nationalsozialistische Normalität, die Wesensmerk-
male der Verdrängungsstrategien der Nachkriegszeit teilt. Und drittens fußt das
Extremismus-Paradigma auf einem statischen, elitären und etatistischen Verständnis
von Demokratie, das Grundsätze des Demokratisch-Politischen negiert.

2.1 Die gute Normalität

‚Normalität‘ und ‚Extremes‘ bedingen sich gegenseitig. Sprachlogisch und inhaltlich


kann das Eine ohne das Andere nicht existieren. „Die Konstruktion der politi-
schen Mitte [ist] auf den Extremismus als ihre Möglichkeitsbedingung konstitutiv
angewiesen.“ (Ackermann et al. 2015: 243). Dabei funktioniert die Konstruktion
dessen, was als ‚normal‘ und was als ‚extremistisch‘ gilt, selbstreferentiell: Nor-

10 In seiner Funktion ist das „Extremismus-Paradigma“ ein deutsches Spezifikum. Es gibt


allerdings auch andernorts vergleichbare Semantiken. Zu Parallelen und Unterschieden
zwischen Deutschland und Tschechien haben bspw. Mirek Bohdalek und Michael Nattke
geforscht (Bohdalek/Nattke 2011)
118 Francesca Barp und Hannah Eitel

malität wird als nicht-extremes, Extremes wird als nicht-normales definiert. Das
Extremismus-Paradigma schafft so eine „politische Gesellschaft, die sich auf eine
gemäßigte Ordnung eben dieser Gesellschaft berufen kann“ (Kausch 2010: 37). Der
Begriff bedarf dazu seiner ständigen Wiederholung: „Die redundante Verwendung
des Begriffs erzeugt erst ein Bild gesellschaftlicher Ordnung, aus der sich seine Ver-
wendung ableitet und diese zugleich legitimiert. Der Extremismusbegriff bildet also
nichts ab, vielmehr produziert er eine semantische Ordnung und stellt ein Etikett
für Differenzierungen bereit.“ (Feustel 2011: 118) Das Extremismus-Paradigma
fußt politisch auf der Annahme, dass es eine „Normalität“ gibt, wobei das Handeln
der „Normalen“ für richtig und gut erklärt wird. Der gegenwärtige Zustand gilt in
dieser Logik als normal, und das heißt als gut und dadurch schützenswert.
Oppenhäuser spricht bei dieser Konstruktion und der Verbreitung einer gesell-
schaftlichen Normalität im Anschluss an Jürgen Link von Normalismus, den er
in westlichen Industriegesellschaften als prägendes Ordnungsdispositiv erkennt:

„Normalismus bzw. Normalitätsdispositiv meint die empirisch nachweisbare Be-


deutung eines Konzeptes von Normalität in westlichen Industriegesellschaften, das
nach einer spezifischen ‚inneren Logik‘ funktioniert. Ein fundamentales Element
dieser Logik ist die Bildung von Normalfeldern in unterschiedlichen empirischen
Referenzbereichen (u. a. Einkommen, Gesundheit, Migration), das heißt die Bildung
von Standardeinheiten, die statistisch erhoben und ausgewertet werden können. Als
anzustrebendes Ideal der entsprechenden Verteilungen – eben als Normalität – gilt
dabei die Gaußkurve (die Normalverteilung) mit ihrer breiten Mitte und ihren
schmalen Rändern“ (Oppenhäuser 2011: 44).

Es wird also von einer guten Mitte ausgegangen (dazu Stöss 2015), die aus ihrer
Definition heraus demokratisch und verfassungstreu ist und den extremen Rändern
gegenübersteht, die wiederum verfassungsfeindlich sind und die es auszugrenzen gilt
(Jennerjahn 2010). Derweil kommt es zur Politisierung im Schmittschen Sinne der
Freund-Feind-Unterscheidung, denn das Extremismus-Paradigma „schafft scheinbar
klar identifizierbare und voneinander leicht trennbare Innen- und Außenräume
und vermittelt die Vorstellung, Individuen (und Organisationen) seien Entweder im
Inneren des ‚Normalen‘ oder im (feindlichen) Außen des ‚Extremismus‘ verortbar“
(Döhlemeyer/Mehrer 2011: 12). Gleichzeitig kommt es zu einer Entpolitisierung,
da der offene Konflikt zwischen politischen Positionen durch eine Verschiebung
in den juristischen Bereich strafrechtlicher Urteile umgangen und damit auch ein
inhaltlicher Diskurs um die fraglichen politischen Positionen verhindert wird.11

11 Zu dieser Verschiebung siehe weiter unten c) Der Staat beschützt sich selbst.
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Diese Konstruktion einer demokratischen Wirklichkeit der Normalität weist


aber entscheidende Schwächen auf. So besteht die einzige Möglichkeit gesell-
schaftlicher Bedrohung zu begegnen darin, die „Abweichung von einer gedachten
Verfassungstreue der ‚Mitte‘“ (Butterwegge 2010: 23 f.) zu erfassen. Wer davon
ausgeht, dass die konstruierte Mitte die Verfassung achtet und ihr folgt und dass
die einzige Gefahr für diese Verfassung von außen kommt, also in diesem Fall von
den „extremistischen“ Rändern, verkennt jede Gefahr für demokratische Werte,
die aus dem „Inneren“ der Demokratie selbst kommt.

„Dass eine Demokratie auch von einer politischen Mehrheit bzw. Eliten bedroht sein
kann, ohne dass ein grundlegender Systemsturz bevorsteht, kommt in dieser Logik
nicht vor. Letztlich behauptet die Extremismus-Theorie, dass die Mehrheitsbevöl-
kerung in einem demokratischen Verfassungsstaat auch demokratisch gesinnt ist.“
(Jennerjahn 2010: 24)

Aus der Normalisierung und Idealisierung der Mitte folgt ein fehlendes Problem-
bewusstsein bis hin zur Blindheit für die Verbreitung antidemokratischer Weltbil-
der und Orientierungsmuster innerhalb der sogenannten Mitte der Gesellschaft.
Schließlich ist auch festzuhalten, dass die Strategie sich auf die „Einzeltäter“, die
Gewalttätigen, die Organisierten zu konzentrieren und sie als einzige relevante
Problemquelle zu definieren, nichts an den sich weiter ausbreitenden rassistischen,
antisemitischen, völkisch-nationalistischen und heterosexistischen Ansichten in
breiten Bevölkerungsschichten verändern kann (Liebscher 2010). Wenn breite Teile
der etablierten Bevölkerung solche Ansichten prinzipiell teilen, sind die „Extre-
mist*innen“ nur bereit, diese Ansichten konsequenter zu Formulieren und mit
anderen Mitteln in Handlung zu übersetzen. Damit wird die positiv aufgewertete
Normalisierung der Mehrheitsbevölkerung zu einer Abwehrstrategie, mit der sich
„die Mitte“ selbst entlastet.

2.2 Harmlose Deutsche

Das Extremismus-Paradigma ist durch den Verfassungsschutz institutionell ver-


ankert und durch eine eigene sozialwissenschaftliche Strömung systematisiert und
legitimiert in dieser Form ein Spezifikum der BRD.12 Es dient demenentsprechend
auch nicht dazu, eine beliebige Realität zu normalisieren, sondern die spezifische
Realität des deutschen Nationalstaates in der postnationalsozialistischen Gesellschaft.

12 Dies wird prinzipiell auch von vergleichenden Untersuchungen aus dem Umfeld der
akademischen Extremismus-Theorie bestätigt. Vgl. exemplarisch: Canu 1997.
120 Francesca Barp und Hannah Eitel

Denn das Extremismus-Paradigma ist im bundesdeutschen Kontext entstanden


und etabliert worden (vgl. Ackermann et al. 2015:: 244) und ist letztendlich eine
auf diese spezifische historische Konstellation bezogene Abwandlung der Totali-
tarismustheorie (vgl. Falter 2011: 85).
Die Totalitarismustheorie diente seit der Nachkriegszeit der Verdrängung und
Entlastung von der Schuld an Shoah, Porrajmos und Vernichtungskrieg sowie der
Begründung antikommunistischer Politik. Sie steht entsprechend im Zusammen-
hang einerseits mit „der tendenziellen Relativierung des Nationalsozialismus durch
die zumindest implizite Gleichsetzung mit Stalinismus und Kommunismus“ (ebd.:
92); andererseits mit den Bemühungen des deutschen Bürgertums „die geistigen
Berührungspunkte mit dem Nationalsozialismus zu verschleiern“ (Butterwegge
2010: 13), indem die Geschichte so konstruiert wurde, als sei die Weimarer Repu-
blik „am Zusammenspiel der Verfassungsfeinde links- und rechtsaußen zugrunde
gegangen.“ (ebd.) Der Nationalsozialismus wird dabei zur einer „Diktatur“ unter
vielen; Antisemitismus und Rassismus werden ausschließlich mit dieser vergan-
genen Diktatur – einer kleinen Elite bzw. den Verfassungsfeinden von damals – in
Beziehung gesetzt. „Der Aspekt, dass es weitreichende ideologische Schnittmengen
von verschiedenen Bevölkerungsteilen und insbesondere dem konservativen und
deutschnationalen Spektrum mit dem Nationalsozialismus gab, wird ausgeblendet.“
(Jennerjahn 2010: 23) Auf dieser Basis wurde eine „normale“ demokratische Bevöl-
kerung für den demokratischen Neustart konstruiert, obwohl deren Mitglieder sich
eben noch mit der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft identifiziert hatten.
Das Extremismuskonzept überträgt diese Annahmen auf die Gegenwart der
Bundesrepublik. Der postulierten Wesensgleichheit von Nationalsozialismus und
Kommunismus entspricht die Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus.
Hinzu kommt in der postnazistischen Gesellschaft die Verdrängung von Antisemi-
tismus und Rassismus, die entweder als Vergangenes oder als „Randerscheinung“
verstanden werden,

die „der extremen Rechten [zugeordnet] und […‘] keinesfalls in der Mitte der Ge-
sellschaft vermutet [werden]. Begünstigt wird diese marginalisierende Sichtweise
dadurch, dass Rassismus an die historische Erscheinungsform der nationalsozia-
listischen Rassenpolitik gebunden wird, von der keiner behaupten kann, sie wäre
nach wie vor wirksam. Aufgrund der extrem gewaltvollen Ausprägung im NS fällt
es leicht, Rassismus als vergangenes Problem zu repräsentieren, so lange nicht die
Nachwirkungen nationalsozialistischer Welt- und Menschenbilder reflektiert werden.“
(Messerschmidt 2011: 59)
Weil die Mitte in der Mitte liegt 121

Rassismus scheint in den Kontext diktatorischer Herrschaft zu gehören (vgl. ebd.:


69), bzw. scheint im Kontext des demokratischen Verfassungsstaates nur den
„Verfassungsfeinden“, also den Extremist*innen eigen.
Alltags- und institutioneller Rassismus, die enge historische Verbindung der
Ausbildung der modernen Nationalstaaten und der Geopolitik in der Folge von
Kolonialismus und Imperialismus mit der Entstehung des modernen Rassismus
(vgl. Heim i. d. B.) sowie der konflikthafte Zusammenhang zwischen Demokratie
und Rassismus (vgl. Eitel 2014) werden dadurch ausgeblendet. Damit zusammen
hängt die „allzu späte Entdeckung des Rassismus in der Bundesrepublik“ (Scherr
2011: 82), stattdessen haben sich Begriffe wie Ausländerfeindlichkeit und Fremden-
feindlichkeit (oder eben Rechtsextremismus) etabliert (vgl. Messerschmidt 2011:
69). Und dazu gehören auch die reflexartigen Abwehrreaktionen gegen jede offene
Thematisierung von gesamtgesellschaftlichem Rassismus: „Dabei entsteht eine
nationale Wir-Gemeinschaft zu unrecht Bezichtigter, die durch das demonstrative
Zurschaustellen ihrer Harmlosigkeit nun endlich auch normal zu sein beansprucht.“
(ebd.: 70) Das Extremismus-Paradigma verbindet sich also mit einem verbreite-
ten Muster der Verdrängung politisch unerwünschter Einstellungen durch ihre
stellvertretende Projektion auf eine kleine isolierbare „Clique“. Heute drückt sich
dies in der Rede von Extremist*innen aus, die scheinbar von außen kommend als
Minderheiten die Gesellschaft angreifen würden.

„Einen mittigen Rassismus kann der extremismustheoretische Ansatz [hingegen]


nicht nur nicht erklären, sondern er bedroht dessen Grundlage und insbesondere
die Annahme einer klaren Grenze zwischen dem Innenraum der politischen Nor-
malität und dem bedrohlichen Außen der Extremismen permanent.“ (Ackermann
et al. 2015: 234)

Die Vertreter*innen des Extremismus-Paradigmas sind in diesem Sinne nicht


dafür zu kritisieren, dass sie einen Rassismus der Mitte übersehen, denn es ist die
systematische Funktion, wenn nicht der ganze Sinn und Zweck des Konzepts, Ras-
sismus zu verdrängen und ausschließlich auf ‚die Anderen‘ an den gesellschaftlichen
Rändern zu projizieren.

2.3 Der Staat beschützt sich selbst

Dem Extremismus-Paradigma liegt ein mehrfach problematisches Demokratie-


verständnis zugrunde. Zuerst gilt, dass als adäquater Umgang mit sogenannten
Extremist*innen deren Ausgrenzung gefordert wird. Die Ausgrenzungsfunktion
schafft es, dass jede Kritik an konkreten historischen Formen der Demokratie bzw.
122 Francesca Barp und Hannah Eitel

an sich demokratisch legitimierenden Staaten zugleich als Kritik an ‚der Demo-


kratie‘ umgedeutet wird. Wie der Politologe Miro Jennerjahn es ausdrückt: „die
Differenzierung zwischen konkretem staatlichen Handeln, das nicht zwingend
demokratisch sein muss, und der zugrunde liegenden Verfassung [wird] nicht
mehr vorgenommen“ (2010: 24).
Von Extremismus zu sprechen impliziert bereits die oben ausgeführte Annahme
einer demokratischen Normalität, von der abzuweichen per Definition einem un-
demokratischem Handeln gleichkommt. Wenn Extremismus also als antithetischer
Gegenspieler der Demokratie definiert ist, als inhaltliche Antidemokratie, wird
Demokratie als statischer Zustand der Politik verstanden. Die eigentlich politische
Frage danach, wie Gesellschaft und Demokratie beschaffen sind und gestaltet
werden sollen, kann gemäß dem Extremismus-Paradigma überhaupt nicht mehr
gestellt werden. Der Aushandlungsprozess grundlegender Werte und Normen, der
für eine Demokratie konstitutiv ist, wird negiert. Neuordnungen, Veränderungen
und Umordnungen werden nicht als Werte der Demokratie anerkannt, stattdessen
wird durch die Unterteilung in ein „Wir“ und die „Extremisten“, die von staatlichen
Autoritäten vorgenommen wird, versucht, „Demokratie als einen statistischen Zu-
stand [zu] konservieren“ (Bohdálek/Nattke 2011: 37). Was Demokratie ist und was
sie sein darf, wird damit etatistisch-autoritär entschieden, und nicht demokratisch
von den Bürger*innen ausgehandelt.

„Vergessen wurde, dass die Funktion der Gesellschaftsordnung von den Füßen auf
den Kopf gestellt worden ist: Nicht das Demokratische bzw. Prozesse der Demo-
kratisierung oder gar Politisierung werden zu zentralen Werten einer solchen Ext-
remismus-Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sondern der Wert der Ordnung
wird zur zentralen Instanz für die Produktion und Aushandlung von Gesellschaft.
Es geht also um den Erhalt der Ordnung als normativen Wert an sich – ohne eine
Auseinandersetzung um die Inhalte von Demokratie oder gar Fragen nach dem
Politischen.“ (Kausch 2010: 37)

Die Konstruktion der gesellschaftlichen Normalität wird damit zum Mechanismus,


Argumente und Gruppen aus Diskursen auszuschließen, um die „stets prekäre
Normalitätsgrenze zu fixieren“ (Ackermann et al. 2015: 243). Das Ausschließen von
Argumenten geschieht dabei nach dem Prinzip der Verwertbarkeit des Arguments
zur Stabilisierung der bestehenden Ordnung.

„Was diese als extremistisch bezeichneten heterogenen Positionen zusammenschweißt,


ist der Umstand, dass ihre Forderungen nicht im Sinne des Gleichgewichts und
der Anpassung funktionalisiert werden können. Weil sie also nicht rückläufig und
stabilisierend wirken, weil sie den Rahmen, innerhalb dessen Ökonomie und Politik
funktionieren, in Frage stellen, wird ihnen eine andere Rolle zugeschrieben: Der
Weil die Mitte in der Mitte liegt 123

Extremismus beschreibt genau jenes chaotische Außen, dass dem ,demokratischen‘


Regelkreislauf entgegensteht. Als extremistisch etikettierte Kommunikationen fallen
aus diesem Regelkreislauf, dessen Koordination über Information und deren Kon­
trolle funktioniert und sind deshalb die Entropie des Politischen“. (Feustel 2011: 131)

Gleichzeitig liefert die Selbstzuschreibung, ein Teil der „Mitte“ zu sein, eine prin-
zipielle Legitimität für das eigene Handeln. Solange Akteur*innen sich selbst als
„die Mitte der Gesellschaft“ bezeichnen können (oder von Eliten so bezeichnet
werden), sind sie Teil des inneren demokratischen Zirkels.13 Der Ausgrenzung
der „Extremisten“ entspricht also die Einhegung der Mehrheit als demokratische
Mitte. Die Definitionsmacht darüber, was die Mitte in der Demokratie sei, dient
dabei letztlich der Selbsterhaltung der staatlichen Strukturen und der sie jeweils
stützenden Akteur*innen: „Die Extremismus-Theorie läuft […‘] im Kern auf nichts
anderes hinaus als auf die Rehabilitation eines undemokratisch verselbstständigten
Staates, dem praktisch jedes Mittel recht ist und der jenseits der selbst definierten
‚politischen Mitte‘ niemanden duldet.“ (Kopke/Rensmann 2000: 1455) Zugleich
dient die so konstruierte ‚Mitte‘ als Bezugspunkt und Garant der demokratischen
Legitimität der staatlichen Ordnung. Letztlich behauptet die Extremismus-Theorie,
dass die Mehrheitsbevölkerung in einem demokratischen Verfassungsstaat auch
notwendig demokratisch gesinnt ist. Empirische Untersuchungen von Einstellungs-
mustern, die zu anderen Schlüssen kommen, werden ignoriert.
Weiterhin werden durch das Extremismus-Paradigma genuin politische Fragen
in den formal-juridischen Diskurs verschoben, indem nur danach gefragt wird, ob
eine Verletzung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bzw. Verfassungs-
feindlichkeit vorliegt. Durch diese Verschiebung werden die Bürger*innen ihrer
Beteiligung am politischen Handeln enthoben, denn es ist nicht länger Aufgabe der
demokratischen Bevölkerung, miteinander inhaltlich über Richtiges und Falsches
zu diskutieren, sondern der Staat entscheidet, wann es sich um legale und damit
legitime Kritik handelt und wann diese Gegenstand der strafrechtlichen Verfolgung
wird.14 Die Kritik am Demokratieverständnis der Extremismusforscher*innen lässt
sich mit Falter zusammenfassen:

„Dreh- und Angelpunkt der Extremismustheorie ist ein entleerter bzw. institutionen-
zentrierter Begriff von Demokratie und ‚demokratischem Verfassungsstaat‘. Fragen
politischer Partizipation und Kritik bestehender Exklusionen sollen und können

13 Zur strategischen Nutzung der Selbstpositionierung in der ‚Mitte‘ auch Oppenhäuser


2011.
14 Das haben zum Beispiel Grit Hanneforth, Michael Nattke und Stefan Schönfelder (2010)
in der Einleitung zur Sammelschrift „Gibt es Extremismus“ genauer ausgeführt.
124 Francesca Barp und Hannah Eitel

dadurch ebenso wenig Movens und Inhalt dieses Konzeptes sein, wie eine Analyse
historischer und aktueller entdemokratisierender und entpolitisierender Tendenzen
oder die Reflexion der Herrschaftsmomente von Demokratie selbst.“ (Falter 2011: 91)

Die Unmöglichkeit, Handeln von sich selbst als ‚demokratisch‘ legitimierenden


Staaten zu kritisieren, der Selbstwert einer Ordnung, ohne auf die (unter Umstän-
den undemokratischen) Inhalte dieser Ordnung einzugehen, und das Misstrauen
in die Handlungs- und Urteilsfähigkeit der Bürger*innen, machen das extremis-
mustheoretische Demokratieverständnis autoritär-konservativ. Es verhindert die
Auseinandersetzung mit den als extremistisch eingeordneten Inhalten, die aus
dem Raum des legitimen Diskurses ebenso ausgeschlossen werden, wie alle der
normalen ‚Mitte‘ zugeordneten Positionen automatisch und ungeprüft als demo-
kratisch und legitim gelten.

3 Normale Bürger der Mitte: Extremismustheoretische


Deutungsversuche von Pegida

Wie haben nun Sachsen konservative Eliten versucht, Pegida zu deuten? Und
welchen politischen Zweck hat ihre Interpretation? Wir haben davon abgesehen,
den vollständigen Diskurs zu Pegida zu analysieren und uns stattdessen auf einige
Mitglieder der explizit konservativen Eliten fokussiert, die sich am häufigsten und
am dominantesten in der Debatte um Pegida eingebracht haben. Dazu zählen unter
anderen Markus Ulbig und Stanislav Tillich als Teil der politischen Elite, Werner
Patzelt und Wolfgang Donsbach als Vertreter der akademischen Deutungseliten,
und Frank Richter als Vertreter der politischen Bildung in Sachsen.15 Anhand ihrer
Beiträge lassen sich Strategie, Funktion und Probleme des Extremismusbegriffs
rekonstruieren. Die Auswahl der Aussagen ist zeitlich auf die Anfangsphase der

15 Selbstverständlich gehört zum Ringen um die richtige Einordnung von Pegida jene
andere Seite der Medaille, die Pegida ablehnt, aber ebenso mit Hilfe des Extremismus-
Paradigmas zu deuten versucht – also Pegida zu Rechstextremist*innen erklärt. Das
entspricht meist einer Strategie der Selbstentlastung, wie sie der Theorie eigen ist:
Menschenverachtende Einstellungen werden auf eine Gruppe an den Rändern projiziert,
sodass eigene, gesellschaftliche und strukturelle Ideologien und Herrschaftsverhältnisse
ausgeblendet werden können. So grenzte sich die SPD mitunter deutlich von Pegida
ab, beschloss aber im Bundestag mehrfach die Verschärfung des Asylrechts, womit sie
Forderungen von Pegida institutionalisierte – und somit wiederum legalisierte und
legitimierte. Dazu mehr im Beitrag von Tino Heim i. d. B. Zur Abgrenzungstaktik siehe
auch Stefan Fehser i. d. B.
Weil die Mitte in der Mitte liegt 125

Bewegung (Oktober 2014 bis Januar 2015) begrenzt, denn in dieser Zeit fand ein
maßgebliches Ringen darum statt, wie sie einzuordnen sei und wie dementsprechend
mit den Organisator*innen und Teilnehmer*innen zu verfahren sei. Diese Deu-
tungen haben dann auch den Umgang mit der Dresdner Pegida bis heute geprägt.

3.1 Normalisierung: Die Mitte in der Mitte

Pegida Demonstrant*innen sind das „normale Volk, keine Horde von Neonazis“
(Werner Patzelt, Der Standard, 17.12.14). Was Menschen als normal bzw. nicht
normal kennzeichnet, ist nicht ohne weiteres klar. Dafür bedarf es bekannter,
also kulturell vermittelter Normalitätsfelder. In den Beschreibungen von Pegida
betonen die „Experten“, dass die Demonstrant*innen ganz „normale Menschen“
seien. Normalität wird also erstens konstruiert, indem sie wiederholt postuliert
wird, zweitens indem sie den von der Norm Abweichenden („Horde von Neonazis“)
gegenübergestellt wird. Normalität ergibt sich dann aus dem, was nicht normal ist:
Patzelt gelingt der Kunstgriff, mit dem Verweis auf die „zornigen jungen Männern“,
die als eindeutig nicht normal gelten, einerseits Pegida als Teil der Normalbevölke-
rung zu konturieren und andererseits deren politische Positionen zu legitimieren,
denn es sind eben die ‚Anormalen‘, mit denen die normalen Pegida-Anhänger*innen
ein Problem haben.

„Es wurde nicht darauf geachtete, dass es zum großen Teil ganz normale Bürger sind,
die auch nicht gegen Islam etwas haben, sondern dagegen, dass einige Eigenheiten
unserer Kultur, etwa Freiheit der Meinungsäußerung und der Religionskritik, des-
wegen eingeschränkt werden soll, weil zornige junge Männer einer anderen Religion
sich in ihren Gefühlen verletzt fühlen und bis zum Äußersten dagegen ab und zu
vorzugehen bereit sind.“ (Patzelt, Dresden Fernsehen, 19.01.15)

Dass zornige junge Männer „nicht normal“ sind, kennen wir aus den Beschreibungen
der „Rechtsextremist*innen“. Patzelt nimmt hier religiöse Fundamentalist*innen
in die Kategorisierung der von der Mitte abweichenden auf.16 Auffällig ist, dass er
die Emotionalität der Extremist*innen, ihre Gewaltbereitschaft und ihre soziale
Verortung gemäß Geschlecht und Alter betont, die sie scheinbar zu gewalttätigen

16 Identisch funktioniert übrigens die Selbstpositionierung von Pegida, die auf ihrem
Fronttransparent die Ablehnung aller Extremismen (Rechts- und Linksextremismus
und religiöser Fanatismus) kundtun. Nicht nur hier, sondern in der gesamten Kommu-
nikation von Pegida wird ihr Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist zur Mitte zugehörig
zu sein, immer wieder deutlich.
126 Francesca Barp und Hannah Eitel

Handlungen verleitet. Die Bürger*innen als normale Mitte stehen diesen emotional
gesteuerten Extremist*innen gegenüber; erscheinen also als besonnen, gewaltfrei
und anderen sozialen Milieus zugehörig.17
Drittens wird die Normalität der Pegida-Teilnehmenden positiv durch bestimmte
Kategorien beschrieben: Alter, Geschlecht, Einkommen und Berufsgruppe, Organi-
sierungsgrad und Gewaltaffinität.18 Ihre Normalität ist dementsprechend daran zu
erkennen, dass sie mittleren Alters und berufstätig sind, ihre Bildung „bodenständig
bis mittel“ ist und ihr Wahlverhalten zwischen der CDU und der AfD „mit vielen
Nichtwählern dabei“ liegt (Patzelt, Der Standard 17.12.14). Hierbei wird ein enger
Zusammenhang zwischen sozialem Durchschnitt und politischer Mitte konstruiert
bzw. vorausgesetzt, wobei im Grenzfall sozialstrukturelle und politische Positionen
miteinander identifiziert werden (vgl. auch Lenk 1994). Dem Bild von Extremis-
t*innen als jung, überwiegend männlich und ersichtlich gewaltbereit wird so das
Bild des friedlichen Protestbürgers gegenübergestellt, der mittleren Alters ist, über
eine solide mittlere Bildung und ein mittleres Einkommen verfügt, ein normaler
Familienvater ist und zumindest nicht gewaltbereit aussieht. Dabei werden die
Begriffe „normal“ und „Mitte“ zudem ständig normativ aufgewertet verwendet.
Während die Mehrheit Demonstrierenden als ,ganz normal‘ beschrieben wird,
wird ergänzend darauf hingewiesen, dass „schon auch einige Rechtsextreme“
(Patzelt, FAZ am 21.01.15) dabei seien, die damit aber zugleich als Minderheit
definiert sind, die im Gegensatz zur „normalen Mitte“ und zu den „normalen“
Pegida-Teilnehmenden steht und als deren Verführer und Ausnutzer fungieren
(dazu mehr unter 3.2):

„Diese ganzen Ratschläge [zu einem Aufstand der Anständigen gegen Pegida] sind
genau dort richtig, wo tatsächlich Rechtsradikale und Rechtsextremisten als Pegida
auf die Straße gehen. In Dresden sind es aber keine Rechtsextremisten. Das ist ein
ganz kleiner Teil nur […‘]“ (Patzelt, SWR, 06.01.15).19

17 Diese Einschätzung von Pegida ist offenkundig in Frage zu stellen. Zu Gewalt bei und im
Umfeld der Kundgebungen vgl. den Beitrag des Antifa Recherche Teams i. d. B. Zugleich
berufen sich die Pegida-Anhänger*innen selbst auf ihre Emotionen, Ängste und Sorgen,
was die Gegenüberstellung in doppelter Hinsicht unglaubwürdig macht.
18 Hier muss auch auf die Studie von Hans Vorländer verwiesen werden, die einleitend
feststellt „Der Pegidist ist 48 Jahre alt, männlich, verdient … arbeitet…‘“. Auch hier
werden Normalitätsfelder eröffnet, einzig um die Frage zu beantworten „wer“ demon-
striert da, anstatt zu fragen, warum demonstriert wird. Problematisch ist dabei nicht
die Feststellung der sozialen Herkunft der Teilnehmenden, sondern, dass diese zur
Normalisierung auch deren politischer Einstellung genutzt wird (Vorländer et al. 2015).
19 Wie die Zitate im vorliegenden Artikel zeigen, hat sich Werner Patzelt mit Aussa-
gen dieser Art bereits lange vor der Auswertung seiner ersten Studie zu den Pegida-
Weil die Mitte in der Mitte liegt 127

Hier wird aber deutlich gemacht, dass sich die störenden, Nicht-Normalen in
der Unterzahl befinden und Pegida als Ganzes eine Bewegung der „Normalen“
ist. Die normative Aufwertung der Normalität der Mitte führt zur Aufwertung
der Demonstrant*innen und dazu, dass ihre Aussagen und Handlungen als le-
gitime Willensäußerungen akzeptiert werden. Weil sie entlang der eröffneten
Normalitätsfelder zur statistischen Mitte gehören, haben sie nicht nur ein Recht
darauf zu sagen, was sie sagen, sondern können vielmehr zu Recht beanspruchen,
für die Mehrheit bzw. ‚das Volk‘ zu sprechen. „Das sind wirklich Leute, die mit
Fug und Recht sagen, sie seien das Volk“ (Patzelt, Tagesthemen, 15.12.14). In der
Deduktionslogik des Extremismus-Paradigmas heißt das: Die normale Mitte ist
demokratisch. Kann eine Bewegung also für sich beanspruchen zur Mitte zu ge-
hören, sind ihre Äußerungen legitim, sie äußern ihre Sorgen und diese müssen in
politisches Handeln übersetzt werden. Würde die Bewegung nicht zur normalen
Mitte gehören, müsste sie ausgegrenzt werden.

3.2 Verharmlosung: Denn sie wissen nicht, was sie tun

Mit der Normalisierung einher geht meist der Versuch, Pegida mit verschiedenen
Argumentationsstrategien zu verharmlosen und sogar zu viktimisieren, denn
Harmlosigkeit stellt im Postnazismus einen wesentlichen Anteil von Normalität da
(vgl. Messerschmidt 2011). Erstens werden rassistische Aussagen oder solche, die
nicht der sozialen Erwünschtheit entsprechen, als unbeabsichtigte Entgleisungen
interpretiert. Zweitens werden die Pegida-Teilnehmer*innen dem Organisationsteam
gegenübergestellt und dabei als verführte Opfer des extremistischen Führungsper-
sonals beschrieben. Drittens werden Pegida zu Ausgegrenzten umgedeutet, also zu
unschuldigen Opfern ihrer Kritiker*innen.

„Man kann die Leute erreichen, wenn […] man ihnen nicht als Scharfrichter kommt,
der jedes Wort, auch insbesondere die unbedarften und törichten Wörter nicht
auf die Goldwaage legt und dann gleich mit der Höchststrafe versieht, nämlich als
Rechtsextremist ausgegrenzt zu werden.“ (Patzelt ZDF Morgenmagazin, 23.12.2014)

Demonstrant*innen (erschien am 02.02.2015) in den Medien zu Wort gemeldet. Trotzdem


betonte er stets, seine Aussagen seien wissenschaftlich gesichert. Seit dem Erscheinen
seiner Studien beruft er sich auf deren Ergebnisse. Dazu sei aber angemerkt, dass die
wissenschaftliche Praxis und insbesondere die Interpretation der Ergebnisse vielfach
kritisiert worden. So ist es beispielsweise zumindest unüblich die Bewertung politischer
Einstellungen anhand von Selbsteinschätzungen zu tätigen. Beispielhafte kritische
Auseinandersetzungen mit Patzelts Studien finden sich bei Bittner 2015 und Jennerjahn
2015.
128 Francesca Barp und Hannah Eitel

Inhalte, die offenbar zum Ziel von Kritik wurden, werden hier als „unbedarfte“
und „törichte“ Äußerungen verstanden. Das unterstellt, den Autor*innen solcher
Äußerungen mangele es nur an reflexivem Bewusstsein. Die Äußerungen scheinen
unabsichtlich, schon gar nicht durch feste Einstellungsmuster begründet zu sein und
in jedem Falle nicht deren ‚wirklichen politischen Meinung‘ wiederzugeben – als
hätten die Autor*innen genauso gut etwas völlig anderes sagen können. Ähnlich
formulierte Stanislaw Tillich: „Fremdenfeindliche oder rassistische Ausfälle durch
Redner werden wir nicht dulden und konsequent gegen die Veranstalter vorgehen.“
(Tillich, Freie Presse, 12.04.2015, Hervorh. d. Verf.) Der Begriff „Ausfälle“ vermit-
telt eine Zufälligkeit, eine Abweichung von gewöhnlichen Verhaltensmustern, die
Personen scheinen normalerweise gar nicht derart eingestellt zu sein.20
Wenn Äußerungen und Handlungen aber vermeintlich unbedacht, unbewusst
und nicht politisch motiviert sind, kann von ihnen kein Rückschluss auf politische
Einstellungen oder Gewaltbereitschaft gezogen werden – sind sie doch „gar nicht so
gemeint“. Auch Verantwortlichkeit für Gesagtes kann auf diese Weise verschoben
werden, wenn den Pegida-Teilnehmenden – in merkwürdigem Widerspruch zu
ihrem immer wieder betonten mittleren bis hohem Bildungsstand – unterstellt
wird, sie wären selbst gar nicht in der Lage, sich anders auszudrücken: „so wird den
von ihren Eliten alleingelassenen einfachen Leuten bald eine akzeptable Sprache
fehlen, in der sie ihre Sicht und ihre Anliegen unanstößig ausdrücken könnten.“
(Patzelt 21.1.2015, FAZ). Diese Banalisierung steht zudem im Widerspruch zur
gleichzeitigen Forderungen des Ernst-Nehmens der Teilnehmer*innen, was wie-
derum zum extremismustheoretischen Menschenbild und Demokratieverständnis
passt (siehe unten c).
Vehemente und manifeste chauvinistische Aussagen setzen der Verharmlosung
durch Bagatellisierung jedoch Grenzen. Eine andere Diskursstrategie setzt dann
darauf, Aussagen, die nicht zu rechtfertigen scheinen, nur einer kleinen Gruppe
anzulasten, welche die große Mehrzahl der Teilnehmer*innen verführe. So wird
die Dichotomie von Extremist*innen und Mitte wiederhergestellt:

„Man muss unterscheiden. Die Rattenfänger, die die Stimmungslage in der Bevöl-
kerung populistisch ausnutzen, die kann man getrost in die rechte Ecke stellen. Auf

20 Solche Banalisierung als Teil der Strategie der Verdrängung zieht sich inzwischen bun-
desweit durch die Debatte um rassistische Demonstrationen, Angriffe und Anschläge.
Etwa werden Brandanschläge auf Geflüchtetenunterkünfte nicht als rassistisch motiviert
bewertet, wenn sie nicht von erklärten Neonazis verübt werden, sondern von „normalen
Bürgern“, die aus vermeintlicher Angst heraus handeln, und von denen daher auch
keine Wiederholungsgefahr auszugehen scheint. Der Brandanschlag wird als einmalige
Angstreaktion verharmlost (vgl. dpa 2015).
Weil die Mitte in der Mitte liegt 129

der anderen Seite sind Menschen, die eine Sorge artikulieren. Das müssen wir ernst
nehmen. Dafür müssen wir miteinander ins Gespräch kommen.“ (Markus Ulbig,
Freie Presse, 29.11.2014)

Der Innenminister bedient die Sage des Rattenfängers von Hameln, der eine Schar
unschuldiger Kinder ins Verderben führte, um sich an einer Dorfgemeinschaft
zu rächen. Das heißt, auf der einen Seite stehen bewusst handelnde Personen mit
dezidiert bösen Absichten, auf der anderen unschuldige, vom Klang der Flöte
verzauberte Unmündige, die sich dem Drang zu folgen nicht erwehren können.
Solche Vorstellungen entsprechen der totalitarismustheoretischen Entlastung der
deutschen Bevölkerung im Nationalsozialismus und der extremismustheoretischen
Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus. Das Bild unschuldiger Kinder enthebt
die Pegida-Demonstrant*innen ihrer Verantwortung und macht vergessen, dass
Verführung erst möglich wird, indem auf ein bereits vorhandenes Begehren bzw.
eine Einstellung zugegriffen wird.
So wird ein dichotomes Bild genutzt, bei dem bestimmte Personen (i. d. R. das
Organisationsteam um Lutz Bachmann) bösartig die ängstliche Masse ausnutzen:
„Wer aber behauptet, dass 90 Prozent aller Asylbewerber Sozialschmarotzer sind,
wird sich auch künftig von mir anhören müssen, dass er die Ängste und Sorgen der
Menschen bewusst für sein menschenverachtendes Weltbild instrumentalisiert.“
(Helma Orosz, DNN, 11.12.14) Wenn Hass, Hetze und Gewalt ausschließlich Extre-
mist*innen zugeordnet werden, so fallen ‚der Mitte‘ Sorgen, Nöte und Hilflosigkeit
zu. Angst und Sorge werden hier als genuin unschuldige Gefühle zugeschrieben,
obwohl diese natürlich ebenso rassistisch motiviert sein können. Die ständige
Betonung von Ängsten und Sorgen soll von der Auseinandersetzung mit Rassis-
mus und dessen Ursachen und Funktionen entlasten, auch indem sie verkennt,
dass die Täter-Opfer-Umkehr selbst Teil rassistischer und anderer Ideologien
ist. Tatsächlich entspricht die Argumentationsstrategie exakt dem, was Etienne
Balibar als „Neo-Rassismus“ (1992) charakterisiert hat: Rassistische Einstellun-
gen werden zwar problematisiert, als bloße Ängste und Sorgen werden sie aber
einerseits verharmlost, um sie andererseits als notwendige Abwehrreaktion auf
eine vermeintlich unzumutbare Vermischung verschiedener Kulturen zu erklären.
Rassismus gilt als natürliche, nicht zu vermeidende Reaktion auf Immigration und
die „Vermischung“ von Kulturen.
Das Begriffspaar Sorgen und Nöte wurde in der Deutungsdebatte ähnlich häufig
gebraucht wie der Normalitätsbegriff: Die ängstliche Harmlosigkeit der Pegida-Teil-
nehmenden sowie ihr Anspruch auf Umsorgt-Werden wurde also ebenfalls durch
ständige Wiederholung konstruiert. „Besorgte Bürger, die Sorgen haben um ihre
Kultur und ihre Stadt, auch Sorgen zur Unterbringung der Flüchtlinge, sind ernst
130 Francesca Barp und Hannah Eitel

zu nehmen.“ (Frank Richter, DNN, 25.11.14) Ähnlich: „Heute werden sich das 9.
mal in Folge Menschen in Dresden versammeln und ihre Ängste zum Ausdruck
bringen und deshalb müssen wir diese Sorgen diese Ängste ernst nehmen.“ (Markus
Ulbig, Phoenix, 15.12.14, Hervorhebung entspricht der gesprochenen Betonung)
Diese Thesen von Instrumentalisierung und Verführung basieren wiederum auf die
Unterteilung in unmündige und rein emotionale „normale Leute“ und in extremis-
tische Personen, die bewusst und besonders geschickt die Hilflosen für ihre Zwecke
verführen. Besonders deutlich formulierte das Frank Richter: „Rechtsextremistische
Strippenzieher sind das eine. Besorgte Bürger sind das andere.“ (SäZ, 18.11.2014: 15)
Sobald die Harmlosigkeit von Pegida-Teilnehmer*innen derart „bewiesen“ ist,
können sie als die eigentlichen Opfer stilisiert werden, die von der Gesellschaft
ausgegrenzt würden. So wurde immer wieder betont, man dürfe Pegida nicht „in
die rechte Ecke stellen“ (Ulbig, DLF, 12.12.14), was einerseits suggeriert, dies würde
geschehen, andererseits es handele sich um eine unzutreffende oder zumindest
überzogene Diskriminierung. Ähnlich argumentiert Patzelt:

„Was einmal als ‚rechts von der Mitte‘ gilt, sehen wir schon in Rechtspopulismus,
Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus, Faschismus abrutschen. Der aber war und
bleibt schlecht. Zweifellos verdient er nichts als Ausgrenzung und Bekämpfung.“
(Werner Patzelt, FAZ 21.01.15)

Diese Aussagen bauen auf der Normalisierung und den Verharmlosungsstrategien


auf: Wenn Pegida als „normal“ und demokratisch beschrieben wird, folgt daraus,
dass die Bewegung ein Anrecht auf Akzeptanz und Teilhabe als legitimes Element
am demokratischen Diskurses habe. Die vermeintliche Ausgrenzung Pegidas wird
somit zum eigentlichen Problem erklärt: „Die Ausgrenzeritis ist undemokratisch.“
(Frank Richter, SäZ, 26.01.2015)21 Damit ist nicht mehr Pegida und ihre Inhalte
zu problematisieren, sondern, dass Pegida als Mitte angeblich ausgegrenzt wird.
Diese Argumentation ignoriert systematisch, dass Pegida zwar vielfach kritisiert,
aber – mit Ausnahme der als ‚extremistisch‘ etikettierten Teile des Organisations-
teams – keinesfalls ausgegrenzt wurde. Im Gegenteil: Kaum eine soziale Bewegung
hat an so vielen Diskussionsforen (vom Freistaat Sachsen, der Landeszentrale für
politische Bildung, der Stadt Dresden und anderen Trägern) sowie mit Interviews
und Talkshowauftritten an der öffentlichen Debatte teilnehmen können. Das Ar-
gument der Ausgrenzung dient also vor allem der Viktimisierung von Pegida; das
Opfer symbolisiert wiederum Unschuld und Harmlosigkeit. Dass sich Pegida selbst

21 Entgegen dieser These entfalten Drobot und Schroeder i. d. B. Formen demokratischen
Ausschlusses von Argumenten und Akteur*innen.
Weil die Mitte in der Mitte liegt 131

immer wieder als Opfer der Ausgrenzung stilisiert22 und von den sächsischen Eliten
als solche beschrieben werden, ist bei der medialen und politischen Aufmerksam-
keit, die der Bewegung zukam, zumindest erstaunlich. Keine zivilgesellschaftliche
Bewegung hat in den vergangenen Jahrzehnten eine vergleichbare Öffentlichkeit
erhalten wie Pegida. Das hängt maßgeblich damit zusammen, dass sie sich selbst
als die „Stimme des Volkes“ beschrieben haben und von sächsischen Eliten immer
wieder in ihren Aussagen als diese Stimme aufgenommen und aufgewertet wurden.
Eine weitere Strategie der Verharmlosung, welche Befürworter*innen der Extre-
mismustheorie allgemein häufig verwenden, ist die der Gleichsetzung von rechts und
links, basierend auf einem Gebot der „Äquidistanz“, das heißt die Verantwortung
der demokratischen Mitte, sich von beiden Rändern in derselben Weise abzugrenzen
(Dölemeyer/Mehrer 2011: 9). Sie wurde bei Pegida eingeschränkt verwendet, da Pegida
normalisiert und nicht als „rechtsextremistisch“ problematisiert werden sollte. Wohl
wurde aber vor „Radikalisierungen […‘] auf beiden Seiten“ (Ulbig, SäZ, 30.12.15)
gewarnt. Zugleich stößt die Mitten-Positionierung Pegidas oft den Verweis auf den
gegenüberstehenden „Linksextremismus, wie etwa bei Eckhard Jesse, der Pegida
als „nicht linke Bewegung“ versteht: „Lars Geiges, Stine Marg und Franz Walter
haben verdienstvollerweise auch ‚No-Pegida‘-Teilnehmer befragt […‘], es allerdings
versäumt, in Gesprächsrunden nachzuhaken. Wären dann nicht – ebenso wie bei
Pegida-Anhängern – Ressentiments zutage getreten, zum Beispiel antideutsche?“
(Eckhard Jesse, FAZ, 08.06.15) Durch den Verweis auf eine vermeintliche Gefahr
bzw. Ideologie auf der anderen Seite, sollen die Ressentiments von Pegida relativiert
werden. Relativierung funktioniert als Verkleinerung, das Verweisen auf andere
Ressentiments lässt das Ressentiment als normal erscheinen.23
Rassistische und demokratiefeindliche Aussagen werden also als leichtsinnige
Artikulierungsfehler bagatellisiert oder als berechtigte Ängste der Mitte ausgelegt,
indem sie bösartigen Instrumentalisierungsversuchen gegenübergestellt werden.
Zudem wird Pegida als ausgegrenztes Opfer stilisiert. Wer jedoch selbst Opfer ist,
scheint harmlos und mitnichten menschenverachtend oder potentiell gewalttätig.

22 Einen Höhepunkt erreichte diese Selbstbeschreibung als Opfer der Eliten beim einjäh-
rigen Geburtstag von Pegida, als Lutz Bachmann die Pegida-Demonstrierenden mit den
verfolgten Jüdinnen und Juden während der Shoah verglich (Schmitt 2015).
23 Dies kann soweit gehen, dass eine eigentliche Gefahr von links ausgemacht wird. Diesen
Schritt ging etwa der sächsische Verfassungsschutz, der Pegida überhaupt nicht proble-
matisierte – auch nicht genre-üblich als nicht-extremistische Veranstaltung mit dem
Zutun von Rechtsextremist*innen, sondern die Beteiligung von Linksextremist*innen
bei den No-Pegida-Protesten fokussierte. Pegida fand so doch noch Eingang in den
sächsischen Verfassungsschutzbericht 2014, allerdings nur im Teil Linksextremismus
(vgl. Staatsministerium des Inneren des Freistaates Sachsen 2015).
132 Francesca Barp und Hannah Eitel

3.3 Demokratie im Schwanken

Mit dieser Strategie der Verharmlosung wird den Pegida-Teilnehmenden jedoch


implizit der Status von mündigen Bürger*innen abgesprochen, was dem elitären
Demokratiekonzept des Extremismus-Paradigmas entspricht: Die Bürger*innen
scheinen kaum fähig, für sich selbst zu sprechen und brauchen eine Elite, die sie
vor Rattenfängern beschützt oder aber ihren Willen adäquat ausdrückt. „Der
Minister [Markus Ulbig] trennt säuberlich zwischen ‚Pegida‘-Organisatoren, die
Bürger ‚verunsichern‘ wollten, und den solcherart Verunsicherten. Ersteren müssen
man ‚den Nährboden entziehen‘.“ (Neues Deutschland, 27.11.14) Hier werden nicht
nur Pegida-Teilnehmer*innen als die verführbaren Menschen dargestellt. Hinzu
kommt ein Aufruf, den Verführer*innen den „Nährboden“ zu entziehen (worin
dieser besteht, wird nicht klar). Die Mehrzahl von Pegida muss also vor dem Or-
ga-Team beschützt werden und quasi auf den rechten Weg zurückgeführt werden.
Hier zeigt sich deutlich, dass letztendlich gerade die Akteur*innen, die das
Ernstnehmen von Pegida fordern, auf eine Aufteilung in die verführbaren „kleinen
Leute“ und die politische Elite bestehen. Ausschließlich diese Elite scheint in der
Lage, politische Debatten zu führen, die kleinen Leute sollen klein bleiben. Das
Volk hat zwar einen Willen, kann diesen aber nicht angemessen artikulieren. Die
notwendige „Veredelung des empirisch vorfindbaren Volkswillens“ bestehe dann

„darin, dass im öffentlichen Diskurs Publizisten und Politiker in rationale, unan-


stößige, diskursiv anschlussfähige Sprache überführen, was sich an Denkweisen
oder Interessensbekundungen an den Stammtischen und auf den Internetseiten der
Nation ausdrückt, und zwar mit oft ganz unzulänglichen, ja primitiven Mitteln, die
ihrerseits manch hetzerische Dynamik entfalten. Unterbleibt dann eine ,Veredelung‘
des so Vorgebrachten, wie sie gerade Publizisten und Intellektuelle leisten könnten,
so wird den von ihren Eliten alleingelassenen einfachen Leuten bald eine akzepta-
ble Sprache fehlen, in der sie ihre Sicht und ihre Anliegen unanstößig ausdrücken
könnten.“ (Patzelt, FAZ am 21.01.15)

Patzelt anerkennt hier einen hetzerischen Ausdruck des „Volkswillens“, kritisiert


ihn jedoch nur auf der Ebene der Form, nicht des Inhalts; nicht die Denkweisen
sind problematisch, sondern ihr Ausdruck. Bürger*innen scheinen gar nicht in der
Lage, sich angemessen am politischen Diskurs zu beteiligen; ihre Ausdrucksfor-
men sind sogar „primitiv“, zurückgeblieben und im Widerspruch zu rationalem,
gesittetem Sprechen. Das kann vermeintlich nur eine Elite beheben, indem sie über-
setzt und veredelt. Demokratie wird hier zum Appell des Volkes an eine würdige
Elite, die allein in der Lage ist, Politik zu verstehen, zu deuten und zu kritisieren.
Die Protagonist*innen der Pegida-Deutung vollziehen hier eine Gratwanderung:
Weil die Mitte in der Mitte liegt 133

Einerseits entmündigen sie die Pegida-Demonstrant*innen, indem sie sich als


ihre Übersetzer in geeignete Sprache stilisieren. Andererseits meinen gerade jene
Protagonist*innen, dass Pegida erhört werden müsste und dass sich die Elite von
der Stimme des „Volkes“ entfernt habe.
Pegida stellt die Extremismustheoretiker*innen jedoch vor ein handfestes
Problem bzw. konfrontiert sie mit einem manifesten Selbstwiderspruch: Das Ext-
remismus-Paradigma soll einen Status quo als den bestmöglichen demokratischen
Zustand legitimieren und ihn konservieren. Wenn Pegida aber als Ausdruck der
demokratischen Mitte etabliert werden sollen, und gleichzeitig als die Ausge-
grenzten dargestellt werden – als die Verlierer*innen des Status quo – so wird die
Problematik der normativen Normalisierung sichtbar. Dieser Widerspruch muss
aufgelöst werden, wenn an der Theorie festgehalten werden soll.

„Es ist eine Bevölkerung, die rechts von der Mitte aber innerhalb des politischen
Spektrums steht, das unser Land ausmacht. Wobei die Mitte […‘] sich in den letzten
Jahren ja ein wenig nach links verschoben hat, sodass die Menschen jetzt relativ
weiter rechts stehen, aber weniger haben sie sich bewegt als das Land.“ (Wolfgang
Donsbach, DresdenEins, 23.01.15)

„Wie lautet das wissenschaftliche Urteil des Politologen Patzelt zu Pegida? | Werner
J. Patzelt: Die Pegida-Bewegung in Dresden zeigt, wie sehr die politische Kommuni-
kation in Deutschland gestört ist. Man kann es auf die knappe Formel bringen, dass
sich der politische Diskurs und das Parteiensystem nach links verschoben haben im
Vergleich zu dem, was an den Stammtischen der Nation, an den Esstischen und in
den privaten Bekanntenkreisen gesagt und in den Blogs geschrieben wird.“ (Patzelt,
baden online, 09.01.15)

Anhand dieses Argumentationsmusters soll also der Widerspruch zwischen Kon-


servierung des Ist-Zustandes und dessen offenbarem Abweichen vom Soll-Zustand
(Pegida als Volkswille müsste als Mitte verstanden und akzeptiert werden) über-
wunden werden: Der aktuelle Status quo ist in dieser Deutung eine illegitimen
Verschiebung der politisch repräsentierten Mitte nach links; Pegida äußert hingegen
den echten und unmittelbaren Willen der wahren aber unterdrückten Mitte.

„Anscheinend drängt das Magma unrepräsentierten Volksempfindens und unver-


edelten Volkswillens allenthalben in Deutschland nach oben. Freilich lagert sich
darüber im Westen jene feste Kruste, welche erfahrungsbewährtes Systemvertrauen,
jahrzehntelang problemlose Sozialstaatlichkeit und der institutionenbesetzende
Aufstieg der Achtundsechziger geschaffen haben. Also dringt nur mittelbar und in
kleinen Geysiren nach oben, was unterschwellig auch da brodelt.[…‘] Doch anders
verhält es sich im Osten, wo seit der Wiedervereinigung demoskopische Umfragen
zeigen, um wie viel dünner dort das Deckgebirge repräsentativer Demokratie ist.
134 Francesca Barp und Hannah Eitel

In Dresden kamen bloß einige besondere Umstände zusammen – und ließen einen
Vulkan ausbrechen.“ (Patzelt FAZ 21.01.15)

Das Paradox des Extremismus-Paradigmas wird also durch eine vermeintliche


Diskursverschiebung nach links aufgelöst, den die linke Eliten (Achtundsechziger)
verursacht hätten (das Volk scheint völlig überrumpelt). Im Kontrast dazu wird eine
Situation in der Vergangenheit halluziniert, in der vermeintlich noch die Einheit von
Mitte, Volk, öffentlicher Meinung und politischer Elite bestanden habe – eben bis zu
dem sogenannten Marsch durch die Institutionen der Neuen Linken. Diese Linken
scheinen dem Volk eine falsche Repräsentation übergestülpt zu haben, wodurch sie
die Erfüllung oder auch nur die Artikulation des Volkswillens verhindern könne.
Hier scheint ein sowohl autoritäres als auch identitäres Verständnis von Demokratie
auf: Das Volk ist zum politischen Sprechen und Handeln nicht in der Lage, sondern
ausschließlich zum Appell an die Eliten; diese Eliten wiederum sollen unmittelbar
diesen „Volkswillen“ abbilden. Die Aussagen knüpfen an den Antipluralismus und
die Repräsentationsfeindlichkeit von Pegida selbst an, gemäß derer jede politische,
vor allem jeden linke Abweichung als Verrat an einem vermeintlich geeinten Volk
mit einem einzigen Willen interpretiert wird.
Die extremismustheoretische Konzeption von Demokratie ist elitär und autoritär:
Das Volk hat nicht die Kompetenz, sich angemessen zu artikulieren oder argumen-
tieren oder gar selbstorganisiert politisch tätig zu sein. All dies bleibt politischen
Eliten vorbehalten, die für das Volk übersetzen und sprechen sollen und die es
vor Verführung bewahren müssen, indem sie ihm eine dem Volkswillen entspre-
chende Führung andienen. Das „demokratische“ Element dieses Konzepts ist die
unmittelbare Bindung der Repräsentant*innen an den unterstellten ‚Volkswillen‘.
Bei der Deutung von Pegida werden dementsprechend deren Appelle selektiv als
Ausdruck eines Volkswillens interpretiert, der von den Eliten umgesetzt werden
muss. Forderungen von Pegida-kritischen Versammlungen werden hingegen nicht
als ‚Volkswille‘ interpretiert, schon gar nicht wird die Möglichkeit eines eindeutigen,
homogenen Volkswillens infrage gestellt. Vielmehr wird (wie bei der Bewegung
selbst) Kritik an Pegida als Abweichung politisch dominanter Minderheiten vom
‚normalen Volk‘ gedeutet – oder als Ausgrenzung des „kleinen Mannes“.
Auch hierin erweisen sich die klaren epistemologischen Grenzen des Extre-
mismus-Paradigmas. Denn dieses basiert auf der Vorstellung einer statistischen
Normalität, die zugleich mit einem normativ wünschenswerten Sollzustand iden-
tifiziert wird, und die es daher zu stabilisieren gilt, um Veränderungen zu verhin-
dern. Die demokratische Mitte, gleichzeitig die Mehrheit der Bevölkerung, ist per
definitionem demokratisch, Risiken und Abweichungen sind nur an den Rändern
zu finden. Zugleich tritt in der Betrachtung Pegidas durch die Brille des Extremis-
Weil die Mitte in der Mitte liegt 135

mus-Paradigmas ein manifester Widerspruch auf, weil die Unzufriedenheit und


„Ausgrenzung“ Pegidas nicht zur Annahme passt, Normalität, Normativität und
reale Verhältnisse seien in der wehrhaften Demokratie identisch geworden. Solche
Widersprüche haben bisher jedoch nicht zur kritischen Reflexion der Theorie ge-
führt, sondern ihre Paradoxien wurden stets durch eine andere Interpretation der
Empirie aufgelöst – die vermeintliche Diskursverschiebung nach links ist dafür
ein Beispiel. Der Wille der demokratischen Mitte scheint von linken Eliten und
deren Institutionen überdeckt; und muss wieder ans Licht geholt werden. Auch hier
ist die akademische Beurteilung inhaltlich, wenn auch nicht sprachlich, nahe bei
Erklärungsversuchen von Pegida selbst: Das Volk scheint geeint und ohnmächtig
zugleich, als Erklärung bleiben nur Verrat und Verschwörung.

4 Pegida als Vehikel für konservativ-autoritäre Kritik

Wir haben gezeigt, dass das Extremismus-Paradigma in vielen Aspekten kritik-


würdig ist; selbst seine Wissenschaftlichkeit wird von der kritischen Forschung
in Frage gestellt. Trotzdem zeigen die Versuche der Beschreibung und Erklärung
des Phänomens Pegida durch sächsische Eliten, wie wirkmächtig das Extremis-
mus-Paradigma als Deutungsschema ist. Dieser Erfolg gründet nicht zuletzt in der
Möglichkeit der Mehrheitsbevölkerung, sich selbst zu entlasten.

„Staat und Gesellschaft kam die Extremismus-Formel nur allzu oft gelegen. Nur so
lässt sich die eindrucksvolle Erfolgsgeschichte des politischen Kampfbegriffes und
seiner wissenschaftlichen Avantgarde aus dem national-konservativen Milieu begreifen.
Dieses hat in der intellektuellen Adaption des alten Schlagwortes seit langem eine
Chance zur Selbstentlastung ergriffen.“ (Kopke/Rensmann 2000)

In der sächsischen Öffentlichkeit wirken genau die aufzeigten problematischen


Dimensionen des Extremismus-Paradigmas: Die Normalisierung Pegidas wird
genutzt, um die Bewegung normativ als ‚Mitte der Bevölkerung‘ aufzuwerten.
Jede Äußerung gilt als legitim, solange sie aus der ‚Mitte‘ kommt. Die Selbstent-
lastungsfunktion des Extremismus-Paradigmas spricht Pegida frei von Vorwürfen
des Rassismus, da sie gemäß dem Paradigma der guten Mitte von solchem ja nicht
befallen sein können. Manifest rassistische Aussagen werden dazu verharmlosend
als Formulierungsschwierigkeiten abgegolten. Rassistische Handlungen werden
entweder durch den Verweise auf Ängste und vorhergehende „Konflikte“ entpo-
litisiert oder sogenannten Rechtsextremisten zugeschoben. Unter der Linse des
Extremismus-Paradigmas ist Rassismus der „Mitte“ schlichtweg nicht zu erkennen,
136 Francesca Barp und Hannah Eitel

geschweige denn zu erklären. So sagte der Präsident des Bundesamts für Verfas-
sungsschutz bei der Bekanntgabe des Berichts für 2014: „Ein Nachbar, der sich über
vermeintlichen Lärm in der Unterkunft aufrege und daraufhin Feuer lege, dem man
aber kein rassistisches Motiv nachweisen könne, der falle nicht in diese Statistik“
(Caspari 2015). Hier wäre ein analytisch-kritischer Rassismus-Begriff von Nöten um
zu erklären, warum Bürger*innen bei ihren weißen Nachbar*innen für gewöhnlich
wegen Lärms kaum Feuer legen würden, ihre geflüchteten Nachbar*innen aber als
hinreichend wertlos oder entmenschlicht betrachten, um dies als angemessene
und keineswegs rassistische Reaktion zu deuten. Ebenso ist ein kritischer Rassis-
mus-Begriff von Nöten um zu verstehen, warum Extremismustheoretiker*innen
und Verfassungschützer*innen in der Mehrzahl rassistischer Orientierungen und
Taten keine rassistischen Motive zu erkennen vermögen.
Durch die ständige Aufwertung Pegidas als „Mitte der Bevölkerung“ kam es im
Verlauf des Jahres 2015 zu einer weiteren Normalisierung rassistischer Äußerungen
und einer Abstumpfung gegenüber rechten Inhalten, Aufmärschen und Gewalt-
taten. Heute wärmen CDU- und CSU-Politiker*innen ihre eigenen Parolen von
vorgestern wieder auf – etwa ‚Wir sind nicht das Sozialamt der Welt‘ – auch wenn
diese inzwischen als Plakatsprüche der NPD und AfD hergehalten haben.24 Die
sächsischen Verhältnisse seit Sommer 2015 zeigen, dass aggressive Bürger*innen
wie auch organisierte und aktionsorientierte neonazistische Strukturen zu Gewalt
ermutigt sind. Pegida dient dabei als Resonanzboden. Die zahlreichen Bürgerwehren
in Freital, Meißen, Leipzig usw. meinen verstanden zu haben, dass ihre Einstellung
in der Mehrheitsbevölkerung konsensfähig ist und sie sind bereit, diese Einstellung
in Handlung zu übersetzen. Sie wähnen sich dergestalt als Agenten des „Volkswil-
lens“. Pegida und deren Verharmlosung haben die Stimmung für die Bildung von
Mobs bei Erstaufnahmeeinrichtungen und die Anschläge auf die Unterkünfte von
Geflüchteten wesentlich mit geschaffen.
Der „Aufstand des Volkes“ wird von einer Zusammenarbeit der sächsischen Be-
hörden und Institutionen mit Pegida begleitet. Die sächsische Polizei etwa verweigert
bei Pegida in Dresden regelrecht angemessene Polizeibegleitung, Vorkontrollen,
Durchsetzung des Demonstrationsrechts, Schutz der Gegendemonstrant*innen und
Verfolgung von Straftaten von Hitlergrüßen bis Körperverletzung.25 Als Resultat

24 Zum Zusammenspiel von Parteien und Pegida siehe auch Heim i. d. B.
25 Dazu: Antifa Recherche Team i. d. B. Siehe beispielhaft: http://www.endstation-rechts.
de/news/kategorie/demonstrationen-1/artikel/pegida-floppt-trotz-wilders.html, http://
www.tagesspiegel.de/politik/von-koerperverletzung-bis-hitlergruss-bei-pegida-und-co-
grassiert-die-gewalt/12631012.html, http://derstandard.at/2000026316630/Verband-
beklagt-zunehmende-Gewalt-gegen-Journalisten-in-Deutschland
Weil die Mitte in der Mitte liegt 137

dieser weiten Verharmlosung, der Aufwertung als Mitte und der Delegitimierung
gegenläufiger Argumente sehen wir im Dresden des Jahres 2016 kaum institutionelle
Reaktionen auf rechte Gewalt. Stattdessen werden Pegidas Argumente für eine
restriktive und migrationsfeindliche Politik genutzt, Gegenprotesten kriminalisiert
und den Opfern effektiver Schutz verweigert.

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Letzter Zugriff auf Internetquellen am 01.03.2016