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Polizeitaktik Handout Unfallspuren 30.12.

2017

Unfallphasen

Einleitungsphase (Pre-Crash-Phase)
Vorgeschichte des Unfalls. I.d.R. erkennt der Unfallbeteiligte hier die Gefahr und
reagiert in irgendeiner Form. Auch ein Fahrerausfall ist hier möglich (Ohnmacht etc.).
Hier sind Reifenspuren eventuell sichtbar, da der Fahrer in dieser Phase Lenk-,
Brems-, oder Ausweichbewegungen durchführt.

Kollisionsphase (Crash-Phase)
Diese Phase beinhaltet den Unfall selbst.
Die Berührung der Fahrzeuge, teils mit hoher Geschwindigkeit, sowie
Schleudervorgänge.

Auslaufphase (Post-Crash-Phase)
Sie beginnt mit dem Ende der Crash-Phase und beinhaltet
den Auslaufvorgang der Fahrzeuge bis zum Endstand. Also den Zeitraum nach
einem Unfall. Hier kann der Unfall anhand der vorhandenen Spuren rekonstruiert
werden.

Datenerhebung
Die Datenerhebung erfolgt i.d.R. am Unfallort durch die aufnehmenden Beamten.
Hier werden Daten der Beteiligten, Zeugen, Fahrzeuge, Licht-/Sichtverhältnisse, und
Spuren erhoben. Ggf. werden später weitere Daten durch Sachverständige erhoben.

Spurenbegriffe

Spuren sind materielle Veränderungen die im Zusammenhang mit dem VU stehen


und zur Aufklärung beitragen können.

Trugspuren sind materielle Veränderungen die nicht mit im Zusammenhang mit dem
VU stehen.

Fingierte Spuren sind materielle Veränderung die bewusst, zur falschen Darstellung
eines VU gelegt wurden, um evtl. einen Versicherungsbetrug zu begehen.

Spurenverursacher sind alle Subjekte und Objekte (Mensch, Tier, Umwelt,


Gegenstand), die kriminalistisch verwertbare Veränderungen bewirkt haben.
Spurenträger sind in der Regel Subjekte und Objekte, an denen sich eine Spur
befindet.

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Ebert, Lange, Schneckenberger, Schütz, Stelli
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Spurenarten

Formspur: Formveränderung an einem Objekt entstanden durch Einwirkung


eines Spurenverursachers
Materialspur: Substanzen, die hilfreich zur Feststellung des Fahrzeugs und Fahrers
sind
Situationsspuren: Rekonstruktion des Tathergangs durch Zuordnung von Spuren
oder Gegenständen zueinander
Gegenstandsspur: Gegenstände am Unfallort, von denen eine sichere Zuordnung
einer Person/Fahrzeug den Ausgang eines Straf-
Ermittlungsverfahren bestimmt

Manche Spuren können auch mehreren Spurenarten zugeordnet werden.

Spurensuche

Allgemeine Grundsätze der Spurensicherung


-. nichts anfassen
- Überblick verschaffen/ gedankliche Rekonstruktion
- Unfallstelle absperren

Es gibt eine Vielfalt an Spuren, die vorhanden sein können an


- Personen
- Fahrzeugen
- anderen Gegenständen
- im Straßenraum

Nach Beendigung der Spurensicherung ist zu prüfen, ob


- Spuren fehlen, die vorhanden sein müssen
- aufgefundene Spuren, die damit nicht in Einklang stehen

Ursache für Unstimmigkeiten


- nicht alle Spuren gefunden
- Spuren vernichtet
- fingierte Spuren gelegt
- unbeabsichtigt Trugspuren
- der angenommene Unfallhergang falsch

Spurensicherung

Es gilt folgende Reihenfolge


- markieren
- vermessen
- fotografieren (planparallel, maßstabsgetreu, formatfüllend)

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Folgende Spuren können auftreten


- Reifenspuren aller Art
- andere Kontaktstellen wie Leitplanke, Bordsteinkante u. a.
- Endstand von Fahrzeugen/Teile/Glas/Flüssigkeiten
- Endlage von Verletzten oder Toten, Kleidung, Körperteile, Blut
- Radkastenschmutz
- Splitterfeld
- Deformationen am Fahrzeug
- techn. Mängel an den Bremsen, Reifen, Beleuchtung u. a.
- Spurenantragungen von Fahrbahn, andere Fahrzeuge/Beteiligte
- Wartungsmängel am Fahrzeug
- Verletzungen
- Ausfallerscheinungen in Folge von Alkohol, Betäubungsmitteln, Medikamenten
- körperliche Mängel
- Fremdspuren an Kleidung wie Öl, Schmutz, Fasern, Glas, Lack
- Formspuren von Gurt, Reifen u. a.

Bei Fahrerflucht:
- verlorene Teile, Kratz-Schleifspuren auf der Fahrbahn

Markierung der Spuren:


- Um vergängliche Spuren zu sichern
- Um Spuren auf Fotos sichtbar zu machen
- Verwendung von Ölkreide

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Ebert, Lange, Schneckenberger, Schütz, Stelli