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Lagenser Bürgerinitiative gegen das

Homöopathische Zentrum
mit allen Informationen – jetzt auch im Internet, klicken Sie an: http://www.hoerste-ohne-hgl.de
verantw.: Heinz Walter; Tel. + Fax: 05232/80533 (e-mail: heinz.walter@t-online.de); Quellenstr. 10, 32791 Lage

27. April 2001


Sehr geehrte Damen und Herren Ratsmitglieder,

wie Sie wissen, betrachten wir es seit einiger Zeit auch als unsere Aufgabe, Ihnen Informationen zu
verschaffen, die Ihnen vielleicht ansonsten nicht zugänglich wären.

1) Einmal geben wir Ihnen heute einen Leserbrief zur Kenntnis, der am 21.4. 01 in der „Lippe aktuell“
veröffentlicht wurde (vielleicht haben Sie ihn ja auch bereits gelesen). Wir finden daran bemerkenswert,
dass wir vorher mit Herrn Kan keinerlei Kontakt hatten und dass dieses Schreiben nicht etwa
abgesprochen war, sondern dass jemand aus der Lagenser Bevölkerung spontan haargenau die
Argumente veröffentlicht, wie wir sie seit Monaten vertreten. Sie sehen also, dass diese Argumente
nicht nur die eines kleinen Kreises von Hörster Bürgerinnen und Bürgern sind, sondern dass die Kritik am
HGL in Lage verbreitet ist.
Leserbrief + + + Leserbrief
Unavicum, HGL oder wie es in Zukunft heißen soll
Zum Einstieg: In der BRD gibt es zahlreiche das ausgerechnet? Wer denkt an die hohen
ähnliche Kliniken oder Wellnessfarmen wie das Folgekosten, Instandhaltung usw., keiner? Das
geplante Unavicum, die vor dem Ruin stehen oder ursprüngliche Konzept: 80 Betten für stationäre
bereits insolvent sind. Sehen die Befürworter homöopathische Behandlungen, ist ja wohl ein ab-
nicht die sehr angespannte Lage in Bad Pyrmont, soluter Witz! Poliklinik mit Akutstationen, dafür
Bad Meinberg, Bad Salzuflen usw., wo es in der ist ja wohl das Klinikum Lippe in Detmold und
Vergangenheit zu massiven Entlassungen Lemgo besser geeignet. Gynäkologie und
gekommen ist, oder wollen sie diese nicht Geburtshilfe ohne angeschlossene Kinderklinik,
sehen? Die Verantwortlichen der anderen Kliniken »ja bitte meine Herren«. Da ein
haben sich sicher schon viele Gedanken über das Niederlassungsstop für Ärzte im Kreisgebiet
Überleben ihrer Kliniken gemacht und sind bisher besteht, müssten niedergelassene Ärzte ihre Praxis
noch nicht fündig geworden; maßen sich die aufgeben und in das Unavicum verlegen mit der
Befürworter des Ünavicums an, als Einzige den natürlich »patientenfreundlichen« Lage.
»Stein der Weisen« gefunden zu haben? In der Mir drängt sich der Verdacht auf, dass trotz
Vergangenheit wurden homöopathische und andere massiver Proteste der Öffentlichkeit beim
naturheilkundliche Heilverfahren leider nicht von Durchpeitschen des Projektes private Interessen im
den gesetzlichen Krankenkassen getragen und das Hintergrund stehen. Wenn die hartnäckigen
wird bei der derzeitigen Kassenlage sich auch zu Befürworter des Unavicums von dem grandiosen
99,9 Prozent in der Zukunft nicht ändern. Das Erfolg ihres Konzepts so überzeugt sind, mögen
Unavicum ist somit nur auf Privatpatienten oder sie doch eine eigene OHG mit allen rechtlichen
gut betuchte Patienten angewiesen. Laut Prospekt Folgen (persönlich haftende Gesellschafter)
soll sich das Unavicum (Baukosten 38 Millionen gründen und nicht mit den Steuergeldern der
DM) mit l.100 Patienten pro Jahr tragen. Rein Bürger jonglieren. Man muss nicht annähernd die
rechnerisch sind das bei 14-tägigem Aufenthalt 42 Fähigkeiten eines Nostradamus besitzen, um
Patienten, die dann zeitgleich den Luftkurort vorhersagen zu können, dass dieses Projekt in
Horste bevölkern werden. Diese »Masse« an einem finanziellen Desaster enden wird.
Patienten soll dann die laufenden Kosten tragen; Ingo Kan
große Frage: Wer hat sich Im Gerstkamp 17
Lage

2) Wir schreiben Sie heute aber auch an, um Ihnen beispielhaft zwei Fälle zu nennen, in denen die recht
einfache Aussage der Verantwortlichen in der Verwaltung und der naturgemäß am Bau des HGL
interessierten Personen, so ein Objekt lasse sich allein mit Privatzahlern finanzieren, widerlegt wird:

2.1: Herzklinik Siegburg

Die Stadt Siegburg hat ca. 36.000 Einwohner und sich Mitte der neunziger Jahre entschlossen, eine
Herzklinik neben ihr angestammtes Krankenhaus zu bauen. Damals haben vor Baubeginn Experten der
gesetzlichen Krankenkassen sowie des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes
NRW davor gewarnt, ohne Versorgungsverträge eine derartige Klinik zu erstellen. Diese Experten haben
betont, das Projekt könne sich so nicht rechnen.
Die Stadt jedoch hat immer wieder darauf gepocht, eine Herzklinik sei eine innovative Möglichkeit,
"weiße Industrie" nach Siegburg zu holen.

Die Herzklinik wurde gebaut und ist zu keiner Zeit in die schwarzen Zahlen gekommen. Während der
letzten Jahre des Betriebes der Herzklinik hat die Stadt Siegburg 20 Millionen DM in die Kliniken
geschossen, um deren Konkurs zu verhindern. Nur am Rande sei hier erwähnt, dass die Stadt eine
Bürgschaft in Höhe von 105 Millionen DM zugunsten der Klinik übernommen hatte.

Wie Sie mittlerweile vielleicht aus den Medien wissen, ist jüngst genau diese Herzklinik für ganze 1.000
DM (in Worten: tausend) an die Fresenius AG verkauft worden. Die Stadt war einfach froh, diesen
"Klotz am Bein" loszuwerden. Darüber hinaus muss die Stadt als Bestandteil des Vertrages mit
Fresenius für die nächsten dreißig Jahre pro Jahr 3 Millionen DM als "Ausgleich" an in die Fresenius
AG bezahlen, damit diese das Risiko eines derartigen Objektes überhaupt eingeht!

Insider schätzen, dass das „Abenteuer Herzklinik“ die Stadt Siegburg insgesamt ca. 175 Millionen DM
gekostet hat, insbesondere, weil im oben genannten „Kaufpreis“ der Verkauf der stadteigenen
Liegenschaften enthalten ist.
Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt seit Monaten gegen den Bürgermeister der Stadt Siegburg, den
Kämmerer der Stadt Siegburg und die ehemaligen Geschäftsführer der Betriebs-GmbH wegen
Veruntreuung von Steuergeldern zu Lasten der Stadt Siegburg.

2.2: INI Hannover

Das International Neuroscience Institute (INI) in Hannover ist ein Privatkrankenhaus, das von einem der
führenden Neurochirurgen der Erde im Zusammenhang mit der Expo 2000 konzipiert, geplant und
gebaut worden ist.
Kalkulation im Hintergrund war anscheinend, dass allein das Renommee und die Forschungsaktivitäten
des betreibenden weltweit anerkannten Neurochirurgen ausreichen würden, für eine Auslastung des INI
ausschließlich mit Privatpatienten zu sorgen.

Bereits jetzt, wenige Jahre nach Inbetriebnahme der Klinik, scheint das Krankenhaus vor dem Aus zu
stehen. Auf jeden Fall ist es dringend auf die Aufnahme in den niedersächsischen
Krankenhausbettenplan und damit die Kostentragung durch die gesetzlichen Krankenkassen
angewiesen. Darüber hinaus wird eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen gewünscht.

Nach unseren Informationen werden die gesetzlichen Krankenkassen in Niedersachsen nicht in die
Finanzierung des INI Hannover eintreten.

Fazit:

Selbst innovative Projekte im Gesundheitswesen mit Initiatoren von Weltrang bieten keine Gewähr
dafür, dass sie sich allein mit Privatzahlern wirtschaftlich rechnen. Wenn dies aber schon im Bereich der
Schulmedizin trotz weltweiter Anerkennung des Bedarfs und der Klasse des Chefarztes nicht
kostendeckend gelingt, haben wir doch umso größere Zweifel, dass dies abseits von Ballungszentren,
abseits einer anziehenden Infrastruktur und im Bereich der alternativen Medizin ohne Kapazitäten von
Weltruhm gelingen kann.

Hier stimmen wir mit den wirklichen und unabhängigen Fachleuten im Gesundheitswesen überein, die
nicht Hoffnungen verkaufen, sondern Fakten kennen.

Beachten Sie deshalb bitte Ihre Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern!

Ihre Bürgerinitiative gegen das Homöopathische Zentrum in Hörste

i.V.: