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Gleichstrom und Drehstrom

Drehstrom hat gegenüber Gleichstrom den Vorteil, dass es eine einfachere


Spannungstransformation und Leistungsauskopplung UW hat. HGÜ benötig einen Multi-
Terminalen Betrieb und zusätzliche Stromrichterstationen. Außerdem stellt sich der
Leistungsfluss im Drehstrom selbständig ein, wobei im HGÜ eine aktive Steuerung davon
benötigt wird. HGÜ hat dazu keine Überlastfähigkeit. Dazu hat HDÜ eine natürliche
Erhöhung der Netzstabilität. HGÜ hingegen hat eine asynchrone Netzkopplung, eine
künstliche Erhöhung der Netzstabilität ist jedoch möglich. HDÜ hat eine erhöhte
Kurzschlussleistung und dadurch eine Spannungsstüzung bei Kurzschlüssen, HGÜ hat einen
ungenügenden Beitrag zur Spannungsstüzung bei Kurzsschlüssen.

HGÜ hat jedoch den Vorteil, dass es eine geregelte Blindleistungsbereitstellung bei der VSC
hat. HDÜ hat eine belastungsabhängigen induktiven bzw. kapazitiven Blindleistungsbedarf.

Die Wirtschaftlichkeit ist bei HDÜ bei sehr hoher Länge begrenzt, reicht jedoch für das
europäische Verbundsystem aus. Bei HGÜ gibt es eine begrenzte Wirtschaftlichkeit bei
kurzen Leitungslängen, jedoch kein maximale Längengrenzung.

Freileitung

380 kV Freileitungsabspannmast mit 2 Drehstromsystem oder sechs Stromkreise für HöS


Netze sind Standard.

Isolationsabstände Freileitung: 380 kV: 5 m, 110 kV: 2 m, 20 kV: 0,18 m, selbstheilende


Isolation

110 kV: bis zu 28 m, 380 kV: 66,75 m Größe

Erdkabel

Isolationsabstände Erdkabel: 380 kV: 30 mm, 110 kV: 18 mm, 20 kV: 6 mm

Isolationsmaterialien: Entweder Feststoff- oder Gasisoliert. Außerdem unterschieden in


Papier-Masse-, VPE- und thermoplastische Kunststoff-Isolation.

Kabelgrabenbreite von 21 m während der Bauphase, abhängig von Anzahl Systemen,


gewählte Kabelmittenabstände und Leitermittenabstände
Dimensionen Höchstspannungserdkabel:

Zusätzlich Muffengruben und Muffenbauwerken benötigt für die Verbindung der


Kabelabschnitte

Hohe Kosten kommen zustande durch:

Muffen, Trocken- und Steinfreiehaltung der Kabelgräben bis zum Abschluss der
Kabelverlegung, Benötigung von großen Mengen an Verfüllmaterial sowie deren Transport,
Abtransport überschüssiger Boden, Hohe Gewichte und Größendimensionen, Aufwendiger
Kabelzug (mithilfe von Kabelrollen, Kabelschubgeräten, usw)

Muffen sind bilden ein erhöhtes Ausfallrisiko, da diese Fehleranfällig sind.

Erdkabel: max. dauernd zulässige Strombelastbarkeit abhängig von: Querschnittsfläche und


Leitermaterial, Verlegeart, Belastunggrad, zulässige Temperatur der Isolierung,
Bodenzusammensetzung, Feuchtigkeit, Umgebungstemperatur, Witterung und externe
Wärmequellen

Freileitung: max. dauernd zulässige Strombelastbarkeit abhängig von: Querschnittsfläche


und Leitermaterial, Belastunggrad, max. zul. Temperatur der Leiterseile bzw. max. zul.
Durchhang, klimatische Verhältnisse (Wind und Sonneneinstrahlung)
Bei Erdkabel Drehstromkombination ist eine Blindstromkompensation erforderlich, da ein
Kapazitiver Strom mitgeführt wird. Zulässiger Strom setzt sich aus Übertragungsstrom mit
Kapazitiverstrom zusammen:

𝐼𝑧𝑢𝑙ä𝑠𝑠𝑖𝑛𝑔 = √𝐼 2 Ü𝑏𝑒𝑟𝑡𝑟𝑎𝑔𝑢𝑛𝑔 + 𝐼 2 𝐾𝑎𝑝𝑎𝑧𝑖𝑡ä𝑡

𝐼𝐾𝑎𝑝𝑎𝑧𝑖𝑡ä𝑡 = 𝜔𝐶′𝑙𝑈

Daraus folgt, dass bei größerer Kabellänge der mögliche Übertragungsstrom verringert wird
und somit die Leistung verringert wird.

Außerdem benötigen Drehstrom Erdkabel zusätzliche Bauteile gegenüber Gleichstrom


Erdkabel. Diese sind zusätzliche Kabelverbindungsmuffen, da die Isolierung schwerer und
somit die Kabellänge geringer am Stück verfügbar ist als beim Gleichstrom. Dazu werden
Cross-Bonding-Muffen benötigt, um Unsymmetrien bei nicht identischen Abständen
zwischen den Leitungen auszugleichen. Der Kapazitätsbelag C’ ist dazu höher als bei
Freileitungen aufgrund der geringen Isolierwanddicke und der höheren Dieletrizitätszahl der
Isolationstoffe. Bei Feststoffisolatieren ist diese um einen Faktor 15 höher, bei GIL um ein
Faktor 4. Ein Kapazitiver Strom fließt zum geerdeten Kabelschirm ab, welcher proportional
zur Übertragungsspannung und zur Länge wächst. Hier können Ladestromkompensatoren
mit Spulen zum Ausgleich eingesetzt werden, die aber auch für Verluste beim Betrieb sorgen
können.

Zuverlässigkeit

Behebung von Fehlern dauern bei Kabeln länger als bei Freileitungen. 50% der Ereignisse
haben eine Reperaturzeit von 2 bis 4 Wochen, 20% weniger als 2 Wochen, 30% länger als
einen Monat, davon 10% länger als 6 Monate. Durchschnittlich beträgt die Ausfallrate von
Freileitungen 5 Stunden.

„Experience of Transmission Cable Performance 2006-2012 in Europe“, SC B1 2014


Session, PS1/Q5, CIGRE General Session, Paris

„Ermittlung von Eingangsdaten zur Zuverlässigkeitsberechnung aus der FNN-


Stö rungsstatistik“, Vennegeerts et. al., http://www.fgh.rwth-
aachen.de/verein/publikat/veroeff/FGH_IAEW_Eingangsdaten_Zuverlaessig-
keitsberechnung_2013.pdf (zuletzt abgerufen 29. Oktober 2015)
Eigenschaften der verschiedenen Isolierungstypen

Papier-Masse-Isolierung

- Isolierung mit anorganischen Harzen und Ölen getränkten Papierlagen


- Jahrzehntelange Erfahrungen bei Herstellung und Betrieb, aktuell für Spannungen bis ca.
600kV erhältlich, höhere Spannungen in Entwicklung
- Bei HGÜ mit beiden Konvertertypen (VSC und LCC) einsetzbar
- Herstellung und insbesondere Montage von Verbindungsmuffen aufwändiger als bei kunst-
stoffisolierten Kabeln (Zeitbedarf für Muffenmontage ca. 2 Wochen)
- Spezifisches Gewicht deutlich höher als bei Kunststoffkabeln, daher geringere Stü cklängen
über Land transportierbar. Die maximale Stü cklänge (bei 40t-Grenze) liegt bei ca. 500- 700m.
Dementsprechend mü ssen pro Leitungskilometer mehr Verbindungsmuffen eingesetzt
werden als bei kunststoffisolierten Kabeln
- Maximale Betriebstemperaturen (bestimmen maximal zulässigen Stromfluss und damit
auch maximal übertragbare Leistung) bei klassischem Aufbau ca. 50-60°, aktuelle
Entwicklung zu höheren Maximaltemperaturen (~80°)
- Wegen in der Regel beidseitig geerdetem Kabelschirm praktisch kein äußeres elektrisches
Feld, aber magnetisches Feld
Kunststoffisolierung mittels VPE
- Isolierung mittels vernetztem Polyethylen
- Seit ca. 35 Jahren im Einsatz, zunächst in niedrigeren Spannungsebenen, seit ca. 25-30
Jahren auch in 380kV (HDÜ ), bei HGÜ ±320kV heute üblich, seit kurzem Kabel für ±525kV
erhältlich
- Bei HGÜ nur bei VSC-Konvertern uneingeschränkt einsetzbar, bei LCC-Konvertern
herstellerabhängig gar nicht oder nur bis ca. 250kV Betriebsspannung zugelassen
- Die maximale Stü cklänge (bei 40t-Grenze) liegt bei ca. 1.000m
- Muffen kö nnen weitgehend im Kabelwerk vorproduziert werden und lassen sich in ca. 2-4
Tagen vor Ort montieren
- Kabel werden mittels Extrusionsverfahren hergestellt, die Vernetzung des Polyethylens
erfolgt üblicherweise auf chemischem Weg nach der eigentlichen Extrusion. Das bedeutet,
dass die Kabel üblicherweise nach der Extrusion einige Wochen lagern müssen, um den
Vernetzungsprozess abzuschließen und das Ausgasen von Beiprodukten zu ermöglichen.
- Maximale Betriebstemperaturen liegen bei ca. 70°
- Wegen in der Regel beidseitig geerdetem Kabelschirm praktisch kein äußeres elektrisches
Feld, aber magnetisches Feld
Kunststoffisolierung mittels Thermoplasten
- Isolierung mit nicht vernetztem Kunststoff
- Bislang nur bis Hochspannung im Einsatz, Typzulassungstest fü r Hö chstspannung in
Vorbereitung
- Die maximale Stü cklänge (bei 40t-Grenze) liegt bei ca. 1.000m
- Muffen kö nnen weitgehend im Kabelwerk vorproduziert werden und lassen sich in ca. 2-4
Tagen vor Ort montieren
- Bei HGÜ mit beiden Konvertertypen (VSC und LCC) einsetzbar
- Maximale Betriebstemperaturen liegen bei ca. 90°
- Wegen in der Regel beidseitig geerdetem Kabelschirm praktisch kein äußeres elektrisches
Feld, aber magnetisches Feld
- Wegen nicht notwendiger Vernetzungsprozesse und fehlender Ausgasungsnotwendigkeit
nach Produktion sofort einsetzbar
Gasisolierte Leitung (GIL)
- Isolierung mittels Gasgemisch aus typischerweise 20 % SF6-Gas (Schwefelhexafluorid) und
80 % Stickstoff, aktuell Forschung zum Ersatz des hochklimaschädlichen SF6 durch klima-
freundlichere Alternativen
- Aufbau: Aluminium-Leiterrohr umgeben von nahtlos geschweißtem, gasdichten Alumi-
nium-Mantelrohr
- Spezifische Kosten von GIL hoher als bei feststoffisolierten Kabeln. Daher derzeit häufig nur
als Speziallö sungen, z.B. bei Vertikalverbindungen in Kraftwerken, im Einsatz, daher in
Betrieb befindliche Leitungslängen im Vergleich zu zuvor beschriebenen Isolationsmedien
klein
- Ü bertragungsleistung von GIL jedoch pro System deutlich hö her als bei feststoffisolierten
Kabeln, daher bei Notwendigkeit von mehrsystemigen Feststoffkabeln GIL preislich wieder
konkurrenzfähig. Kostengleichheit in etwa bei 2-2,5kA
- Durch Aufbau sehr hoher Leiterquerschnitt und hohe Oberfläche des Mantelrohrs, dadurch
vglw. geringe Erwärmung, dadurch auch kompaktere Trassen mö glich (ca. 30-40% schmaler
als bei feststoffisolierten Kabeln)
- Bei beidseitig geerdetem Mantelrohr kein äußeres elektrisches Feld, infolge des Aufbaus
(Radiusverhältnis Innen- und Außenrohr) sehr geringes magnetisches Feld (ca. Faktor 10
geringer als Kabel)

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