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PZ Pforzheim vom 07.01.

2017
G E S C H I C H T E N AU S DE R RE GI ON Stark! UN D VO N DA H E I M

34 SAMSTAG, 7. JANUAR 2017 PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 5

S K I FA H R E N
Stolz auf den ersten Schneemann W I N TE RWA N D E R N

Ab auf Raus aus


die Piste der Stube
Am Donnerstag konnten endlich Lust darauf, sich heute ein paar rote
wenigstens zwei Skigebiete im Wangen zu holen? Dann nichts wie
Nordschwarzwald die Saison er- hoch nach Schömberg. Dort lockt
öffnen: Dobel und Kaltenbronn. der rund zehn Kilometer lange Win-
Das vermeldete der ADAC in sei- terwanderweg. Und der sei stets ge-
nem täglich aktualisierten Winter- räumt, wirbt die Glücksgemeinde.
sportbericht für den Schwarzwald. Schaun wir mal. Am Rathaus vorbei
Bei 15 bis 20 Zentimeter Schnee geht es zur Waldstraße, rechts bis
auf der Piste lief in Dobel der Lift zur Poststraße, dann nach links ab-
Am Wasserturm von 10 bis 16 Uhr. Griff biegen, der Poststraße folgen, am
Gewohnt schneesicher zeigte sich nach den Waldrand entlang hoch zur Schiller-
auch das hoch gelegene Kalten- Schneeflocken: eiche. An der Schillereiche links
bronn. Bei 10 bis 15 Zentimetern Wie die Finger einer Hand vorbei zum Missenweg, weiter bis
Schnee war der Lift hier ab 13 Uhr ragen die Äste der kahlen Bäume in den Winterhimmel. zur Calmbacher Straße, hier links
und bei Flutlicht bis 21 Uhr in Be- über den Bühlhof bis zum Forst-
trieb. haus, über das Weinsträßle vorbei

Schee,
Auf den etwas tiefer gelegenen am Wildgehege nach Langenbrand
Skipisten herrschte dagegen noch und zur Langenbrander Höhe. Vom
kein Betrieb. So stand in Bad Her- Windrad aus bietet sich bei klarem
renalb der Gaistallift, in Schöm- Wetter eine herrliche Panorama-

der Schnee!
berg der Lift am Eulenloch, in Bad sicht. Der Weg führt zurück zum
Wildbad der am Sommerberg, in Langenbrander Kreisverkehr, weiter
Enzklösterle der Hirschkopflift zum Wald Richtung Schömberg. An
und auch die Skilifte in Simmers- der Reithalle und der Kinderklinik
feld ruhten. Doch das kann sich vorbei geht es wieder zum Ort. nad
mit jedem Schneefall ändern. TEXT: NADINE SCHMID, DENNIS KRIVEC, SVEN BERNHAGEN
Aktuelle Infos zu Schneehö- FOTOS: SEBASTIAN SEIBEL, PZ-ARCHIV, PRIVAT Die Tourkarte als pdf zum
hen und betriebsbereiten Liften Herunterladen gibt es zum
im gesamten Schwarzwald gibt’s Mit dem neuen Jahr ist auch endlich der Schnee gekommen Beispiel unter www.schwarz-
beim ADAC täglich von Montag wald-tourismus.info/Media/
bis Freitag jeweils ab 10 Uhr unter
– wenn auch zuerst etwas zögerlich. Fürs Skifahren oder Touren/Winterwanderweg
Telefon (0721) 8104291. Kontakt zu Langlaufen im Nordschwarzwald hat’s bis Donnerstag noch
den einzelnen Gebieten: nicht ganz gereicht – für den einen oder anderen Schnee-
Dobel: www.dobel.de; Bad L A N G L AU F
Herrenalb: www.snow-fun-are-
mann schon. PZ-Leser haben ihre ersten Eindrücke im Bild Schick, schick, der Herr Schneemann – mit Hut und Krawatte.
festgehalten und eingeschickt. Außerdem hat sich „Heimat-
na.de; Schömberg: www.eulen-
loch.de; Bad Wildbad: www.skiz-
unft-wildbad.de; Gerns-
stark“ umgeschaut und gibt Tipps, was man in der Region al-
Und die Nase sieht zum Anbeißen aus! Da sind Valerie (links), die
gestern acht Jahre alt wurde, und Viktoria (12) zu Recht stolz auf
ihr Werk, das sie am 2. Januar aus dem ersten Schnee dieser Win-
An der
bach/Kaltenbronn: www.kalten-
bronn.de; Enzklösterle:
les machen kann, wenn die weiße Pracht nun das Ländle
doch noch so richtig zum Winterwunderland macht.
tersaison gezaubert haben. Das Leserfoto hat Petra Wälde aus
Obernhausen gemacht. ben FOTO: PRIVAT
Fitness feilen
www.skizentrum-enzkloesterle.de; Bei vereisten und verschneiten We-
Simmersfeld: www.skilifte-sim- gen bleiben die Joggingschuhe oder
mersfeld.de das Rad gerne mal unbenutzt in der

S C H L I T TE N FA H R E N
Winter mit einem Lächeln begrüßt Schneeschippen hält fit – und zu
zweit, beim Paarschippen, macht’s
noch mehr Spaß.
Ecke stehen. Trotzdem gibt’s im
Winter mit Skilanglauf die Möglich-
keit, an seiner Fitness zu feilen –
Abwechslung und damit Spaß in-

Rodelspaß vor klusive:


In Schömberg wartet eine
Langlaufloipe der mittle-
der Haustüre ren Schwierigkeitskate-
gorie, die über 9,5 Kilo-
Rauf auf den Schlitten und runter meter (8,5/7,5) relativ
den Hang: Leichter lässt sich Win- eben großteils durch
terspaß kaum haben. Jede Ge- den Wald verläuft.
meinde in der Region dürfte ihren Der Einstieg ist ge-
ganz eigenen traditionellen Schlit- genüber des Hö-
tenhang haben. Im vergangenen henparkplatzes an
Winter haben einige Leser der PZ der Bergstraße. Dort
ihre Geheimtipps verraten – und sind bei genügend
„Heimatstark“ war unterwegs, Schnee auch mehre-
zum großen Pistentest, zum bei- re Skating-Runden à
spiel in Hamberg, Grunbach, drei Kilometer gespurt.
Wimsheim, Ötisheim, Niefern und Verfechter des Skating-
Öschelbronn. Eine interaktive Stils kommen in Schömberg
Übersichtskarte mit spektakulä- auch abends bis 22 Uhr auf der
ren Videos und Fotos von den Ab- beleuchteten 1,5-Kilometer-Loipe
fahrten gibt’s unter am Bühlhof auf ihre Kosten. Aktuel-
http://pzlink.de/rodeln. ler Loipenzustand unter
Wenn Sie uns weitere Tipps mit (07084) 14 44 4 oder pzlink.de/loi-
tlichen
den wichtigsten Infos (Was zeich- Wir veröffen er. peschmberg.
in te rb ild
net die Piste aus? Wie kommt man Ihre W In Kaltenbronn findet jeder
e sie an:
hin?) über Facebook (www.face- Herzlich Willkommen lieber Winter, bring ruhig am 2. Januar. Eiskalt, aber freundlich lächelt der Schicken Si e Langläufer – vom blutigen Anfän-
pz-news.d
book.com/PZ.news) oder per E- noch mehr Schnee! Das scheint die Botschaft zu Smiley vom Baum, während der Schneemann mit internet@ ger bis zum durchtrainierten Profi –
Mail (region@pz-news.de) schi- sein von Familie Bastian aus Göbrichen, die diese einer Signalkappe ausgestattet wurde – nicht dass seinen Spaß: Vom Wanderparkplatz
cken, ergänzen wir die Karte. Leserfotos an die „Pforzheimer Zeitung“ geschickt er von den Sternsingern über den Haufen gerannt aus führen mehrere Loipen zwi-
hat. Entstanden sind die nach den Schneefällen oder mit dem Schlitten umgefahren wird. ben schen 6,4 Kilometern und 21,5 Kilo-
metern Länge in verschiedene
DRINBLEIBEN Richtungen. Und Einkehrmöglich-
keiten gibt’s mit der Grünhütte und

Mal wieder O R I E N TA L I S CH E MO ME NT E Teufelsmühle auch noch. Vom


Sommerberg aus ist das erste Gast-

ins Museum Wärmende Winter-Auszeit haus ebenfalls zu erreichen. Auf


dem Wildbader Hausberg warten
zudem zwei weitere Rundloipen.
Wem’s draußen zu schmuddelig Bittere Kälte und tanzende ■ drei Pimentkörner Zustand abrufbar unter
oder kalt ist, dem sei mal wieder Schneeflocken sind der passende ■ eine Vanilleschote, aufschlitzen pzlink.de/loipewildbad.
ein Museumsbesuch ans Herz ge- Rahmen für einen geistigen Aus- und auskratzen Mit einem „Paradies für Langläu-
legt. So bietet sich zum Beispiel flug in den Orient. Wärme und ■ einen gehäuften Teelöffel fer“ wirbt der Höhenkurort Dobel.
die Große Landesausstellung in Wüstensand also. Dazu empfiehlt brauner Zucker Auch dort sind Loipen mit jedem
Stuttgart an, bei der unter dem sich ein Streifzug auf warmen So- ■ bis zu drei getrocknete oder Schwierigkeitsgrad gespurt. Start ist
Motto „Zwischen Mythos und cken entlang des Bücherregals frische Chilischoten, je nach am Parkplatz Horntannhalde, am
Marke“ einiges über die Schwaben und ein Stopp bei den Karl-May- Schärfewunsch (kommen zwar Parkplatz Jägerbrunnen, am Sport-
zu lernen und der ehemalige Bänden. Ein paar Abenteuer erle- nicht aus dem Orient, aber der platz an der Höhenstraße und am
Wimsheimer Pfarrer Ernest Ahl- ben mit dem heldenhaften Kara Geben dem Glühwein die Granatapfel in den Glüh- Fürs Heißgetränk tun es scharfe Import, der ursprünglich Kurhaus. Einen Plan mit Loipentele-
feld zu entdecken ist. Für Kinder Ben Nemsi und seinem treuen Be- richtige Würze: Chilis. wein? Schmeckt fein. getrocknete Feigen. aus Mittel- und Südamerika fon gibt’s unter pzlink.de/loipedobel.
gibt’s eine Mitmachausstellung. gleiter Hadschi Halef Omar Ben FOTO: GABBERT, DPA FOTO: TETZNER, DPA FOTO: WÜSTENHAGEN, DPA stammt, passt gut dazu). Vom Hetschelhof in Enzklöster-
Infos zu Öffnungszeiten und Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Den Wein mit Gewürzen und le aus starten zwei Loipen, neben
Programm unter www.landesmu- Dawuhd al Gossarah – oder auch sein, dazu eine Prise orientalische ■ die Schale einer Zitrone, das Früchten in einen Topf geben denen auch eine Skatingspur ver-
seum-stuttgart.de und nur Halef. „Durchs wilde Kurdis- Fruchtigkeit. Man nehme: Weiße nicht verwenden, sonst und erwärmen, nicht kochen. läuft. Die vier Kilometer lange Son-
www.junges-schloss.de tan“ also. Für einen gemütlichen ■ einen Liter trockenen Rotwein wirds bitter Kurz vor dem Siedepunkt den nenloipe zählt zu den leichteren
Wollen sich die lieben Kleinen Nachmittag auf der Couch wäre ■ einen Granatapfel, Kerne sau- ■ die Schale einer Orange, ebenso Topf vom Herd nehmen und Strecken. Die Rohnbachspur ist mit
austoben, bietet sich ein Indoor- ein Glas Glühwein außerdem gut. ber auslösen ■ einen Sternanis zwei, drei Stunden ziehen lassen. ihren acht Kilometern schon etwas
Spielplatz an, zum Beispiel in So manche Zutat dürfte von der ■ sechs getrocknete Feigen, ■ eine Zimtstange Gewürze und Früchte abseihen, anspruchsvoller. Aktueller Loipenzu-
Wurmberg (www.kibungu.de). Weihnachtsbäckerei noch übrig klein schnippeln ■ drei Gewürznelken aufwärmen und genießen. nad stand unter pzlink.de/loipeenz. kri
PZ Pforzheim vom 14.01.2017
26 SAMSTAG, 14. JANUAR 2017 G E S C H I C H T E N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VO N DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 11

Auf großem Fuß


im Winterwald
TEXT UND FOTOS: SVEN BERNHAGEN

Glaubt man der Wettervorhersage, gibt’s an


diesem Wochenende nochmal richtig Schnee
in der Region. Wer im Laufe
der Woche allerdings den
us
Mehr zu Kla Winter so richtig erleben Grenzüberschreitend: Die Runde durch den
m au f se iner
Grim winterlichen Schwarzwald.
Homep ag e un ter wollte, der musste schon
.s ch w ar zwald-
w w w
touren.com
richtig rein in den Schwarz-
wald. Und tatsächlich:
Mit jedem Meter hinauf
nach Freudenstadt-Knie-
bis wurden die Schneeber-
ge höher. PZ-Redakteur
Sven Bernhagen hat sich
für „Heimatstark“ aufgemacht zu
einer eindrucksvollen Schneeschuh-Tour.

Auf zur Abenteuer-Tour: Klaus Grimm (vorne) führt regelmäßig Schneeschuh-Wanderungen auf dem Kniebis. „Heimatstark“ war mit ihm unterwegs. Leicht und robust: Moderne Schneeschuhe.

I
ch sage jetzt mal gar nicht viel zur Jetzt wollen wir auch mal im Winter wan- Schneeschuhe, die nur an der Schuhspitze Es zieht zu. Die hohen Tannen biegen
Technik, bei den Meisten ist das eh dern“, hat das Paar aus Haslach im Kin- mit einem Scharnier befestigt sind, lassen sich im Wind. Die Böen fegen den Schnee Anfahrt und Infos
nach spätestens zehn Metern kein zigtal zuvor erzählt, als es die ausgeliehe- sich einfach nachziehen. Das Hinterteil von den Ästen und zuckern die Gruppe
Thema mehr.“ Besser hätte Natur- nen Schneeschuhe mit einem klappt bei jedem Schritt nach un- ein. Grimm zieht das Tempo etwas an. Nach Freudenstadt-Kniebis fährt man
führer Klaus Grimm seine Schnee- Handgriff auf die passende ten. „Die sind so leicht, die Den Berg hinauf bleiben alle in seiner von Pforzheim auf der B 294 über
schuh-Tour nicht starten können, denn Schuhgröße eingestellt spürt man gar nicht“, sagt Spur. Kraft sparen. Insgesamt sind es 120 Calmbach rund 1.15 Stunden. Neben
der eisige Wind auf dem Kniebis pfeift und mit Riemen an Annemarie. Nur Rück- Höhenmeter. Die Steighilfen, die wie ein Schneeschuh-Gehern kommen dort
auch durch die dicksten Klamotten. Alle die Wanderstiefel wärtsgehen ist wegen Keil unter die Fersen geklappt werden auch Langläufer auf über 200 Pisten-
sind froh, gleich losstapfen zu dürfen. geschnallt hat. des Klappmechanis- können, braucht aber keiner – dafür ist kilometern auf ihre Kosten. Kniebis
Die Plastikrahmen an den Füßen, die Stö- Für Grimm so- mus schwierig. es nicht steil genug. liegt an der Schwarzwaldhochstraße,
cke in der Hand, geht’s die Skipiste hinab wieso Routine: Gleich zwei setzt es Durch lichten Wald mit Heidelbeer- ist also relativ schneesicher. Der Skilift
und raus aufs freie Feld. „Im Sommer Seit knapp zehn beim Versuch – Büschen und Sträuchern geht’s zurück. führt bis auf 960 Meter Höhe hinauf.
könnten wir hier gar nicht laufen. Da Jahren leitet der sehr zur Erheite- Unverspurter Schnee. Bei Sebastian und An klaren Tagen reicht der Blick bis zu
würden wir Ärger mit den Bauern krie- Offenburger Geo- rung der Gruppe – Florian weckt das den Pionier-Geist. den Alpen. Gewalzte Rodelhänge gibt’s
gen“, erzählt Grimm im Gehen. Erst im graf und Naturpä- im Tiefschnee auf „Man fühlt sich ein bisschen wie der ers- ebenfalls. Beim Besucherzentrum
Schutz einiger Bäume versammelt er die dagoge Schnee- den Hintern. te Mensch, wenn man – nicht wie im werden Langlaufski und Schneeschuhe
Gruppe zu einem kurzen Halt: „Seht ihr? schuh-Touren – bis Es geht über kleine Sommer an Wege gebunden – mitten verliehen. Von Dezember bis März
Ganz einfach! Oder stand vorher schon zu 35 pro Saison. Aber Mäuerchen und kurze durch die unberührte Landschaft geht“, werden geführte Schneeschuh-Touren
mal einer auf Schneeschuhen?“ nicht nur das: „Im Jahr Abhänge hinab. „Das sind sie sich einig. Aber bei aller Frei- angeboten. Kosten pro Person: Zehn
bin ich sicher 1500 bis könnte ich nicht mit je- heitsliebe bittet Grimm eindringlich: Euro. Leihmaterial gibt’s für 15 Euro.
1800 Kilometer in dem machen. Aber „Solltet ihr mit Schneeschuhen allein auf Infos zu Schneeverhältnissen und
Wanderstiefeln unter- Gemeinsam unterwegs euch habe ich ange- Tour gehen – nicht einfach mitten durch Terminen unter www.kniebis.de oder
„Viele fragen: Kann ich das? wegs. Das merkt man, (im Uhrzeigersinn): PZ-Redakteur schaut und gewusst: den Wald. Respektiert bitte die Schutz- im Besucherzentrum bei Ellen
Und ich sage: Das Einzige, als es weitergeht. Der Sven Bernhagen (vorne), Markus Borko, Das geht“, verkündet räume der Tiere.“ Das sei im Winter noch Bidermann-Hoppart unter
was man können muss, 61-Jährige ist topfit Führer Klaus Grimm, Sebastian Welle, Grimm schmunzelnd. viel wichtiger, als im Sommer, denn: „Die Telefon (0 74 42) 75 70 oder
und macht ordentlich Florian Huschle und Annemarie Borko. Die 4,8 Kilometer lan- Tiere sind wegen des Futtermangels im per E-Mail unter info@kniebis.de
ist geradeaus laufen.“ Tempo. „Ja“, sagt er ge, ausgeschilderte Energiesparmodus. Wenn sie zwei- oder
Tourenführer Klaus Grimm und grinst seine schnaufenden Teilneh- Runde – es gibt auch eine 2,5-Kilome- dreimal aufgeschreckt werden und da-
übers Schneeschuh-Gehen. mer über die Schulter an: „Schnee- ter-Runde – führt vorbei am Eichelbach. vonlaufen, kann das für sie schon den sämtliche Konturen verschwimmen:
schuh-Gehen kann ganz schön sportlich „Hier wurde früher Wildflößerei betrie- Tod bedeuten, weil ihre Reserven dann White-Out nennt man das. Die Orientie-
Die Kumpels Sebastian Welle (32) und werden.“ Vor allem bei viel Neuschnee, ben“, erklärt Grimm und erzählt von nicht mehr ausreichen.“ rung wird zum Problem. Die Kälte kriecht
Florian Huschle (35) aus Oberkirch schüt- wenn man den Weg selbst spuren muss Missen – sumpfigen Waldgebieten –, Auf dem Schlussstück der Zweiein- durch die Klamotten und die Gruppe ist
teln den Kopf. Bisher war der Winter bei und dann trotz Schneeschuhen noch von der Badisch-Württembergischen halb-Stunden-Runde blitzt dann doch froh, mit Grimm einen erfahrenen Führer
ihnen dem Langlaufen, Snowboarden knie- oder sogar hüfttief einsinkt. Dann Grenze, die die Tour überschreitet, vom bei aller Leichtigkeit noch die Ernsthaf- an der Spitze zu haben, der den Weg zu-
und Skifahren vorbehalten. Auch für ist der „Storchengang“ angesagt. Auerhahn und vom Borkenkäfer. Nicht tigkeit auf, die im Schneeschuh-Wandern rück im Schlaf kennt und sich am Ende
Markus Borko (48) und seine Frau Anne- Den braucht’s an diesem Tag nicht. Auf nur körperlich nimmt er seine Gäste mit steckt. Die Wolken ziehen zu, Schnee- mit seinen Teilnehmern über das aben-
marie (44) ist es eine neue Erfahrung. dem Kniebis liegt zwar knapp ein halber auf Wanderschaft, sondern auch ge- graupel sticht wie Nadeln im Gesicht, der teuerliche Erlebnis freut: „Ich mag dieses
„Wir sind einfach neugierig. Im Sommer Meter Schnee, aber mehr als ein paar Zen- danklich. „Abschalten, in der Natur auf- Wind verwischt alle Spuren auf der Flä- Wetter. Das hat was Wildes. Bei Sonnen-
haben wir schon den Westweg absolviert. timeter sinken die Läufer kaum ein. Die gehen“ – das ist seine Devise. che vor uns, die Sicht geht gegen Null, schein kann’s ja jeder.“

Ausrüstung, ausgeschilderte Strecken, geführte Touren und Ausleihstationen in der Region


 Prinzipiell eignen sich alle nicht- 









5,5 Kilometern und 104 Höhenme- 









 In Dobel gibt es geführte
geräumten Wege für Schnee- tern. Die lange Meistern-Tour mit Schneeschuh-Touren, die indivi-
   
   
   
   
   
   
   

schuh-Touren. Auch querfeldein 9,1 Kilometern und 214 Höhenme- duell dem Leistungsvermögen der
   
   
   
   
   
   
   

lässt sich’s bequem wandern, da tern ist dann schon deutlich knacki- Teilnehmer angepasst werden.
   
   
   
   
   
   
   

man selbst auf Wiesen oder Fel- ger. Sie führt durch schattige, stille Hier kommen Anfänger genauso
   
   
   
   
   
   
   

dern kaum im Schnee einsinkt. Waldgebiete, über Höhen und durch auf ihre Kosten wie erfahrene
   
   
   
   
   
   
   

Steigungen lassen sich mühelos in Täler. Alle drei Runden beginnen am Tourengeher. Der Preis für eine
   
   
   
   
   
   
   

Angriff nehmen, ebenso wie flache Ortsrand Aichelberg beim Sportplatz. zweistündige Tour (ab zwei Perso-
   
   
   
   
   
   
   

Touren. Mit Leihmaterial kann man Alternativ kann man in Hünerberg nen) liegt bei 20 Euro pro Person.
   
   
   
   
   
   
   

bei stabilem Wetter problemlos einsteigen, oder auf der langen Schneeschuhe und Stöcke kön-
   
   
   
   
   
   
   

auf eigene Faust aufbrechen. Runde auch am Parkplatz Meistern. nen für zehn Euro ausgeliehen
   
   
   
   
   
   
   

Die Touren im Profil und mit Karte werden.


   
   
   
   
   
   

 Wanderstiefel oder stabile Win-


   

zum Herunterladen unter Terminvereinbarung und Anmel-


   

Ideal für Schneeschuh-Gänger: Ein tief Wer die Abendstimmung mit Blick aufs Rheintal genießen möchte, sollte für den
   
   
   
   
   
   

terstiefel reichen aus, wenn man www.bad-wildbad.de dung bei der Kurverwaltung Dobel
   
   

verschneiter, unberührter Weg vom Alb- Rückweg von der Teufelsmühle nach Bad Herrenalb fast eine Stirnlampe dabei
   
   
   
   
   

sich Schneeschuhe anschnallen unter Telefon (07083) 74513.


   
   

tal Richtung Teufelsmühle. haben.


   
   
   
   
   

möchte. Gamaschen helfen, dass  Wer auf eigene Faust losziehen


   
   
   
   
   
   
   

 Rund um Bad Wildbad gibt es ei-  Rund ums hoch gelegene und
   

die Hosenbeine und Füße auch bei will, bekommt Leihmaterial zum te Schneeschuh-Touren mit etwa tal und die Waldschlucht „Großes
    
    
    
    
    
    
   

höherem Schnee trocken bleiben. nige ausgeschilderte Schneeschuh- Beispiel beim Pforzheimer Out- zwei Stunden Länge angeboten – die Loch“, vorbei an den Teufelskam- damit ziemlich schneesichere

    
    
    
    
    
   

   

Mehrlagige, warme Klamotten, Trails, auf denen sich auch Anfänger door-Ausrüster „Fels und Eis“ (Eber- nächsten am heutigen Samstag und mern hinauf zur Teufelsmühle (hin Schömberg gibt’s ebenfalls viele

   

   

   

   

   

   

   

Handschuhe und Mütze sind bequem mit dem neuen Sportgerät steinstraße 16). Sechs Paar Schnee- am morgigen Sonntag jeweils um und zurück 13 Kilometer/620 Hö- Wege, die für Schneeschuh-Tou-

   

   

   

   

   

   

   

Pflicht. Bei den Stöcken ist darauf vertraut machen können. Die Aichel- schuhe hat Stefan Förschler vorrätig. 11 und um 13.30 Uhr. Treffpunkt ist henmeter). Von hier bietet sich ein ren geeignet sind. Die Touris-

   

   

   

   

   

   

   

zu achten, dass sie am unteren En- berg-Tour mit 3,6 Kilometern erfor- Telefonische Reservierung: (0 72 31) beim Albtal-Stadl. Schneeschuhe und fantastischer Ausblick übers tik & Kur Schömberg hat Tipps

   

   

   

   

   

   

   


de einen Teller haben, damit man dert zwar etwas Trittsicherheit, weil 31 33 28. Ein Paar schlägt am Stöcke werden gestellt. Der Preis pro Rheintal. auf Lager und verleiht Material.
   

   

   

   

   

   

   


sich abstützen kann und sie nicht sie auf längeren Abschnitten über Wochenende mit 15 Euro zu Buche. Person liegt bei 30 Euro. Wer auf Schneeschuh-Reservierung unter Tele- Schneeschuhe kosten zehn Euro,
   

   

   

   

   

   

   


in den Schnee einsinken – Nordic- schmale, unbefestigte Wege führt, Die Leihgebühr für Stöcke liegt bei eigene Faust losgehen möchte, fon (0 70 83) 9 22 03 53. Weitere In- Stöcke fünf Euro pro Tag (jeder
   

   

   

   

   

   

   


Walking-Stöcke sind also nur be- aber mit insgesamt 77 Höhenmetern drei Euro. bekommt Leihmaterial für 15 Euro. fos zu geführten Touren unter weitere Tag: fünf beziehungswei-
   

   

   

   

   

   

   


dingt geeignet. Falls man sich doch nur wenig Kondition. Etwas Eine konditionell anspruchsvolle und www.snow-fun-arena.de. Gruppen ab se 2,50 Euro).
   

   

   

   

   

   


 In Bad Herrenalb werden bei pas-


   


mal im Wald verfranzt, kann eine anspruchsvoller ist die kurze landschaftlich umwerfende Runde sechs Personen können individuelle Reservierung bei der Touristik & Kur
   

   

   

   

   

   

   


Stirnlampe nützlich sein. Meistern-Tour durch den Wald mit senden Schneeverhältnissen geführ- führt von Bad Herrenalb durchs Alb- Termine vereinbaren. unter Telefon (0 70 84) 1 44 44.
   

   

   

   

   

   
PZ Pforzheim vom 21.01.2017
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Spaß am
Rodelhang
nebenan Auf dem Schanzentisch macht Sven Bernhagen den Absprung.

TEXT: DENNIS KRIVEC FOTOS: PZ-ARCHIV Ö S C H E L B R O N N , HA LL HA S E NS TR AS S E


Sven Bernhagen bereitet sich auf eine rasante Schlittenfahrt vor.

W I M S H E I M , A M FR IE DH OF Bei Schnee und Eis zieht es die Menschen Für Überflieger


aus der Region in den Nordschwarzwald.
Für ganz Schnelle Dort stehen Schlittenfahrer zurzeit Schlange. Bei der Hallhasenstraße in Öschel- Ende ein natürlicher Schan-
Dabei gibt’s den Rodelspaß bei guten Bedingungen bronn findet der Adrenalinjunky zentisch, der ordentliche Flüge –
unter den Schlittenfahrern garan- und auch unsanfte Landungen –
Was gibt’s Ätzenderes, als den ist es aber auch die Strecke. Die
für jedermann auch direkt vor der eigenen Haustüre. tiert seinen Spaß. Neben dem kin- möglich macht. Die PZ-Redakteur
Schlitten nach einer rasanten führt kerzengerade und mit kon- Das hat der „Heimatstark“-Pistentest bereits vor einem derfreundlichen Wiesenhang di- haben die Reise durch die Lüf-
Fahrt wieder den Berg hinaufzie- stanter Neigung hinunter ins Tal. Jahr bewiesen. Nun warten die Redakteure Sven rekt am Ortsrand gibt es ein paar te vor ihrer Jungfernfahrt in
hen zu müssen? In Wimsheim un- Nach rund 35 Sekunden sollte der Meter weiter eine Piste, die es in Öschelbronn jedenfalls unter-
weit des Friedhofs beim Ortsaus- Temporausch mit einer Vollbrem-
Bernhagen und Dennis Krivec auf weitere sich hat: Oben steil, wartet fast am schätzt.
gang in Richtung Mönsheim dau- sung beendet werden. Sonst endet Tipps der PZ-Leser und zeigen noch einmal die besten
ert der Aufstieg zwar lange, dafür die Fahrt im Grenzbach. Alternativen zu Kaltenbronn und Co.

RODELPISTEN IN DER REGION

A5

Bretten
Bretten

weitere Rodelpisten Mühlacker


Mühlacker
Vaihingen
Vaihingen Hier geht’s gemütlich zu: Dennis Krivec genießt den Ausblick auf Tiefenbronn.
Niefern-
N iefern- an
an der
der Enz
Enz
Gut festhalten: In Schömberg können Rodler durch die Steilkurven Gas geben. A8 Öschelbronn
Öschelbronn H A M B E R G , A M RO SS B E RG
Pforzheim
S C H Ö M B E R G , EU L E N L O C H
Wimsheim
Wimsheim Für Genießer
Für Sportliche Neuenbürg
Neuenbürg
Grunbach
Grunbach Die Wiese am Ende der Hauptstra- ist der tolle Ausblick auf das
Hamberg
Hamberg ße in Hamberg ist leicht wellig Würmtal und Tiefenbronn auf der
Im Schömberger Eulenloch walze zuvor für gute Verhältnisse SSchömberg
chömberg und nicht zu steil. Die ideale Fa- anderen Seite des Tals. Doch auch
kommt der ambitionierte Rodler gesorgt hat (www.eulenloch.de/ro- milienpiste, schrieben Michael auf dieser Piste lauern Tücken.
voll auf seine Kosten: Auf der kur- delbahn). Die rund 500 Meter lan- und Marion Erhard aus dem Neu- Wer sich zu stark auf die Land-
vigen Strecke durch den Wald ge Rodelpiste befindet sich links hausener Teilort vor gut einem schaft konzentriert, landet am En-
kann man sich in den beiden vom eigentlichen Skihang. Dieser Jahr an die PZ. Stimmt! Was den de unsanft. Dort wartet nämlich
überhöhten Steilkurven schon mal und der dazugehörige Lift bleiben QUELLE: PZ-RECHERCHE Hang jedoch vor allem ausmacht, eine 1,5 Meter hohe Geländekante.
2km
wie Hackl Schorsch fühlen. Je- den Schlittenfahrern verwehrt, je- KARTE:MAPS4NEWS.COM/NAVTEQ Calw
Calw
doch kommt das Bobbahn-Feeling doch steht die Hütte selbstver-
nur richtig hoch, wenn die Pisten- ständlich auch den Rodlern offen.

N I N A S D I NG

Beschwerlicher Aufstieg
Als es allerdings an den Aufstieg geht, ver-
NINA GIESECKE | GRUNBACH fliegt mein Hochgefühl. Und zwar ziemlich
schnell. Denn bereits nach wenigen Schrit-
ten liege ich bäuchlings im Schnee.
D ER WIN D PFE IFT MI R DU RCH DI E HA A RE , wäh- Ich rappele mich wieder auf, so schnell lasse Auf dem Hang in Grunbach ist immer was los. Platz hat aber trotzdem jeder.
rend ich mit gefühlten 100 Stundenkilome- ich mich nicht unterkriegen. Doch sofort
tern den Berg hinunterschieße. Mein liege ich erneut auf der Nase. Schuld G R U N B A C H , SK IW IE S E
Schlitten aus Kindertagen und ich sind ausnahmsweise nicht meine

Für Gesellige
haben es also immer noch drauf. zwei linken Füße, sondern mein
Nicht einmal seine leicht rosti- Schuhwerk. Die Sohlen meiner
gen Kufen – von mir zuvor lie- schwarzen Treter – wirklich
bevoll mit Schmirgelpapier trendige Stiefeletten – sind
bearbeitet – können uns die nämlich spiegelglatt. Im Bü- Auf der Grunbacher Skiwiese kurz tig. Mit den dortigen Rodlern
waghalsige Abfahrt vermie- roalltag war das nie ein Pro- vor dem Ortseingang trifft sich kommt man schnell ins Gespräch.
sen. Selbst die furchteinflö- blem. Doch auf der schneebe- abends gefühlt das halbe Dorf Da werden sogar irgendwann auch
ßende Schanze am Ende der deckten Schlittenwiese lassen zum Rodeln. Selbst bei Nacht alte Geschichten ausgekramt: Et-
Grunbacher Skiwiese meistere sie mich kläglich im Stich. brausen manche noch mit Ta- wa, dass es früher sogar einen Lift
ich mit Bravour. Welch grandio- War wohl doch keine so gute schenlampe den Hang hinunter. gegeben hat. Heute muss man sei-
ses Gefühl. Idee, kein wettertaugliches Outfit Die Piste ist voll, wer es gesellig nen Schlitten die wellige und teils
Die Piste habe ich an die- Die Übeltäter: Spiegelglatte Schuhe ma- anzuziehen. Denn inzwi- mag, ist in Grunbach jedoch rich- steile Piste selbst hochziehen.
sem Tag fast ganz für mich chen den Pisten-Aufstieg zur Tortur. schen ist meine Jeans am
alleine. Ob es wohl an der Po und an den Knien von

Noch mehr
Temperatur von eisig kalten minus neun den vielen Stürzen komplett durchnässt.
Grad liegt? Oder doch daran, dass die Grun- Noch unzählige Male falle ich hin, bis ich
bacher gehört haben, dass ich heute komme den beschwerlichen Aufstieg endlich hinter
und vor lauter Respekt daheim geblieben mir habe. Nun bringen mich keine zehn Pfer-
sind? Trotzdem bin ich guter Dinge und will de mehr dazu, diesen Berg nochmals hinun-
Rodelspaß im Netz
mich ein weiteres Mal an den wilden Ritt auf terzufahren. Denn dann müsste ich ja wieder
meinem treuen, alten Schlitten wagen. hochlaufen. Dabei hat es doch so Spaß ge- Vor gut einem Jahr sind die Re- von den Fahrten (www.pz-
macht. Ich muss auf jeden Fall wiederkom- dakteure Sven Bernhagen und news.de/rodeln).
men. Dann aber mit festen Schuhen und Dennis Krivec losgezogen und ha- Ist Ihre Lieblingsabfahrt noch
„Ich rappele mich Schneeanzug. ben einige Schlittenhänge getes- nicht dabei? Dann schicken Sie
wieder auf, so schnell lasse tet, die PZ-Leser empfohlen ha- uns die wichtigsten Infos dazu
ich mich nicht unterkriegen. ben. Entstanden ist eine interakti- (Wie kommt man hin? Was zeich-
Geschafft: Nach einem beschwerlichen Aufstieg ist Ein Video und viele weitere Bilder zu ve Karte mit Beschreibung und net die Piste aus?) an region@pz-
PZ-Redakteurin Nina Giesecke endlich wieder am obe- Doch sofort liege „Ninas Ding“ finden Sie online auf Fotos zu über einem Dutzend Pis- news.de. Die Karte wird dann
ren Ende der Grunbacher Piste angekommen. FOTO: DIETZ ich erneut auf der Nase.“ www.pz-news.de/nina ten in der Region sowie Videos Dank Ihnen immer weiter ergänzt.
PZ Pforzheim vom 28.01.2017
40 SAMSTAG, 28. JANUAR 2017 G E S C H I CH T E N AU S D ER R E G I O N Stark! U N D VO N DA H EI M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 23

Dresden Breslau

Chemnitz Polen
Deutschland 982 km
Plauen
Frankfurt am Kattowitz
Main Krakau
PRAG MYSLOWICE
Bayreuth Tschechische
Würzburg Pilsen Republik

PFORZHEIM /
ENZKREIS
Stuttgart

Straßburg

Ulm
Frankreich München WIEN
Freiburg im
Breisgau BRATISLAVA
Salzburg
GYÖR
Basel
Zürich 834 km
Österreich
Graz
BERN
Ungarn
Schweiz

Lugano
ZAGREB

Mailand
Kroatien Osijek
Venedig

Italien
Adria

Parma

702 km REGGIO EMILIA


maps4news.com/©HERE

1 Malerisch ist die Landschaft der Reggio Emilia, die unter anderem die Heimat des Parmesan ist. 2 Mächtig ist das Rathaus von Myslowice aus dem Jahr 1867. Eine lange Tradition hat der Austausch mit Polen. Mit einer Stadtflagge bedankten sich
Fachleute aus Myslowice 2007 bei Landrat Karl Röckinger (Dritter von rechts). Links Delegationsleiter Zdzislaw Gubas. 3 Im Lichterglanz erstrahlt der Weihnachtsmarkt in Györ. Auch sonst ist die Stadt mit ihren Barockbauten sehenswert. Im Jahr
1809 waren die Habsburger Truppen von Napoleon bei Györ geschlagen worden. Die Schlacht wurde zum 200. Jahrestag nachgespielt.

Fahr mal hin


TEXT: CAROLIN KRAUS, FOTOS: PZ-ARCHIV/DPA-ARCHIV mitat Györ-Moson-Sopron erlebt – aber auch
REGGIO EMILIA ganz viel Natur: „Faszinierend war für mich GYÖR-MOSON-SOPRON
einmal eine vogelkundliche Führung am Neu-

Dolce Vita an Frühbucherrabatt hier, Reiseschnäppchen dort und über al-


lem die Frage: „Wo soll’s den bitte hingehen?“ Ein Vorschlag:
siedlersee morgens um halb sechs.“ Die politi-
sche Situation erschwere derzeit den Kontakt
zu den ungarischen Kollegen, mit denen der
Riesig und
der Po-Ebene Urlaub in den Partnerregionen des Enzkreises. Seit Jahr-
zehnten knüpft die Kreisverwaltung freundschaftliche Ban-
Enzkreis seit 2007 – gemeinsam mit der Stadt
Pforzheim – eine Partnerschaft pflegt. Ähnlich
vielfältig
Jürgen Hörstmann wie in Italien hätten sich die Zuständigkeiten
PARMESANKÄSE, luftgetrockne-
de nach Reggio Emilia (Italien), Györ-Moson-Sopron für die Kreisverwaltung des Komitats verän- OFT WIRD UNGARN auf den Plat-
ter Schinken, Aceto Balsamico (Ungarn) und Myslowice, Imielin und Chelm Slaski (Polen). dert. „Intensiv ist aber weiterhin die Zusammenarbeit für den Jugend- tensee oder Budapest reduziert.
und Lambrusco – na, Hunger Koordinator dafür ist Jürgen Hörstmann. „Heimatstark“ austausch“, sagt Hörstmann. Jedes Jahr im Sommer besuchen Jugend- Zu Unrecht, wie das Komitat
bekommen? Wer all die weltbe- liche aus Ungarn den Enzkreis und wohnen bei engagierten Gastfami- Györ-Moson-Sopron beweist.
rühmten Spezialitäten einmal
hat er verraten, wo es dort besonders schön ist. lien, die den Austausch nicht sterben lassen wollen.
direkt vom Hersteller probieren Zeitgleich mit den Ungarn kommen jährlich auch Heranwachsende SEHENSWERTES: Die meisten Se-

Ü
will, muss gar nicht erst durch ber 1300 Kilometer sind es von Reggio Emilia in Italien über das aus den polnischen Partnerregionen. Sehr gut sei auch der Kontakt zwi- henwürdigkeiten finden sich in
ganz Italien reisen. Es genügt ungarische Komitat Györ-Moson-Sopron und die polnischen Ge- schen den hiesigen Feuerwehren und den Einsatzkräften in Myslowice. den Zentren der Städte Györ,
ein Aufenthalt in der Provinz meinden Myslowice, Imielin und Chelm Slaski. Zu jeder Station „Dort gibt es übrigens ein sehr interessantes, großes Feuerwehrmuseum“, Sopron und Mosonmgyarovar.
Reggio Emilia in Norditalien weiß Jürgen Hörstmann viel zu erzählen. Er koordiniert für den Enz- sagt Hörstmann. Die Kontakte zu den Gemeinden im oberschlesischen Neben zahlreichen interessan-
zwischen Parma und Modena. kreis die Partnerschaften zu den drei Provinzen. Sein Fazit: „Die haben Industriegebiet begannen 1986 mit dem Aufenthalt von polnischen Kin- ten Zeugnissen aus der Römer-
alle was.“ Spricht er von Reggio Emilia, kommt er ins Schwärmen – „Ita- dern im Enzkreis. Seit 1996 besteht die offizielle Partnerschaft, wobei der zeit gibt es hier Gebäude aus
SEHENSWERTES: Guastalla mit lien ist eben Italien“ und Reggio Emilia die „Toskana auf der anderen Kontakt zur Stadt Myslowice am stärksten sei. „Dort sind die handelnden fast jeder anderen Epoche.
seinen romanischen Kirchen Seite des Apennin“, geprägt von gutem Essen, alten Häusern, kleinen Personen die gleichen wie zu den Anfangszeiten“, sagt Hörstmann. So be- Zahlreiche Bauten entstanden
und Denkmälern aus der Zeit Gässchen. Die Provinz sei vielfach unterschätzt. „Es gibt kein Meer, gleitet der Bürgermeister von Myslowice die Verbindung zum Enzkreis in der Barockzeit, in der auch
der Gonzaga, Castellarano mit aber in zwei Wochen Urlaub dort wird es trotzdem nicht langweilig“, seit Beginn, damals war er noch Stadtratsvorsitzender. die wichtigsten Schlösser des
seinem historischen Stadtkern sagt Hörstmann. Gründe für eine Partnerschaft gibt es viele. Ziel sei vor allem die per- Komitates errichtet oder in die-
oder Brescello – die Heimat von Seit März 1993 besteht die offizielle Partnerschaft zwischen Reggio sönliche Begegnung, und dass Kontakte auf wirtschaftlicher, kultureller sem Stil umgestaltet wurden.
Don Camillo und Peppone. Emilia und dem Enzkreis, freundschaftliche Kontakte auf Gemeinde- und kommunaler Ebene vertieft werden. „Haben Kommunen oder Auch die meisten Dorfkirchen
ebene waren dieser vorausgegangen. So beispielsweise die Verbindung Kommunalverwaltungen ähnliche Strukturen, ähnliche Probleme, kön- stammen aus dieser Zeit.
WISSENSWERTES: Reggio Emilia von Neulingen zu Rubiera oder von Eisingen nach San Polo d’Enza. nen sie voneinander lernen“, sagt Hörstmann, „aber am Ende ist vor al-
ist der Geburtsort der Trikolore, Durch eine Verwaltungsreform in Italien, nach der die Kreisverwaltung lem wichtig: Stimmt die Sympathie?“ Und die passe bei den Freunden WISSENSWERTES: Györ ist seit 1993
der italienischen Nationalflage. nicht mehr so existiert wie zu Beginn der Partnerschaft, sei die Verbin- in Italien, Ungarn und Polen. Für den Koordinator stellt die Verbindung Standort der Audi Hungaria Mo-
Ebenfalls dort geboren ist Zuc- dung derzeit nicht mehr so intensiv, sagt Hörstmann: „Zwischen den zu den Partnern aber auch eine Art Friedensicherung dar: „Das klingt tor, des Motorenwerks der Audi
chero, ein italienischer Sänger, Bürgern in den Gemeinden ist sie aber lebhafter denn je.“ Gastfreund- vielleicht etwas hochtrabend. Aber wer sich kennt, hat mehr Verständ- AG. Dort sind laut eigenen Anga-
bekannt für seinen Hit „Senza schaft pur habe er insbesondere bei den Besuchen im ungarischen Ko- nis füreinander.“ ben über 11 000 Mitarbeiter be-
una donna“. schäftigt. Sie produzieren für
den Audi TT und den Audi A3.
HÖRSTMANNS HINWEIS: „Ein
Bummel durch Reggio nell’Emi- MYSL OWIC E , IMIELIN UND CHELM SL ASKI HÖRSTMANNS HINWEISE: Gut und
lia. Wer’s kleiner mag, dem günstig sei das Essen. Doch es
empfiehlt sich hier der Spazier-
gang durch die Gässchen von
Castelnuovo zum samstäglichen
Versteckte Schönheiten gibt nicht nur Gulasch. „Ich habe
noch selten so ein leckeres Tatar
bekommen.“ In der Nähe von
Wochenmarkt.“ Und wer vor der LANGE ZEIT waren Myslowice, Chelm und Imielin wenig anziehend für WISSENSWERTES: Der ehemalige Landrat Werner Burckhart ist Ehrenbür- Fertöd liegt das Schloss des Fürs-
landschaftlich schön gelegenen Touristen. Doch im Dreikaisereck zwischen den Großstädten Katowice ger von Myslowice. ten Esterhazy, in dem Joseph
Ruineder Burg von Canossa und Krakau gelegen bilden sie einen perfekten Ausgangspunkt für Aus- HÖRSTMANNS HINWEISE: Unbedingt aufs Programm gehört ein Ausflug nach Haydn als Konzertmeister und
steht, bekomme schnell eine flüge. Krakau. Für Hörstmann neben Paris und Prag die schönste Stadt Europas. Hofkomponist agierte. Das
Vorstellung davon, wie im Jahr „Unser Erster Landesbeamter Wolfgang Herz schwärmt zudem für das Schloss gilt als „Versailles Un-
1077 Kaiser Heinrich IV. dort vor SEHENSWERTES: Myslowice gehört zu den ältesten Städten in Oberschlesi- Bergbaumuseum in Katowice.“ Ein Besuch des etwa 30 Kilometer entfern- garns“ mit einer großen Parkan-
dem Papst Gregor VII. zu Kreuze en. Einige Bauwerke belegen den mittelalterlichen Ursprung der Stadt. ten Konzentrationslagers Ausschwitz eröffne neue Perspektiven. „Dort ge- lage und ist nach Jahrzehnten
kriechen musste, um Vergebung Mithilfe es Enzkreises wurde die Restaurierung der Marienkirche in wesen zu sein ist anders als nur darüber zu lesen.“ Es sei kein Vorurteil, des langsamen Verfalls inzwi-
zu bekommen. Myslowice aus Bundesmitteln ermöglicht. sondern gelebte Realität: Polenbesucher kommen an Wodka kaum vorbei. schen saniert.
PZ Pforzheim vom 04.02.2017
40 SAMSTAG, 4. FEBRUAR 2017 G E S C H I C H T E N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VO N DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 29

Die Suche nach dem richtigen Holzstück geht der Mit verschiedenen Kettensägen rückt Andreas Andreas Drost und sein Demonstrationsobjekt –
künstlerischen Arbeit voraus. Drost seinen Werkstücken zuleibe. eine Eule.

Brachiales Werkzeug –
filigrane Kunst
TEXT UND FOTOS: GABRIELE MEYER heute noch. So richtig Spaß aber hat die Leitung der Säge immer kleiner.“ An-
Drost dann, wenn er zum freien Gestal- dreas Drost, in eine Wolke aus Holzstaub
ten mit der Kettensäge übergeht. „Ich ha- und kleinen Spänen gehüllt, geht virtuos
Kunst macht nicht nur gute Lau- be meistens schon ein Bild im Kopf, mit den Kettensägen um. Die Krallen
wenn ich anfange“, sagt er und führt es werden deutlich, das Gefieder gewinnt
ne, sondern auch Krach. Nicht
auch gleich vor. Struktur, die Augen schließlich werden
immer, aber in diesem Fall. Mit Zwei Holzwände, ein Dach und Plas- gefräst. Und während die Eule schließ-
ein Grund, warum Andreas tikplanen – das ist das Atelier. Drost sieht lich Macher und Beobachter von ihrem
Drost seine Werkstatt an den es bescheidener. „Die Werkstatt“, sagt er. Ast aus intensiv betrachtet, warten dane-
Zu der gehören eine Art Werkbank aus ben zwei kämpfende Drachen noch auf
Rand von Königsbach verlegt Holzbohlen, ein paar Nägel an den Wän- ihre Fertigstellung. Hier hat Andreas
hat. Hier kann der gelernte Forst- den, an denen Schaufeln und kleine Drost die Figuren nicht wie üblicherwei-
wirt unbesorgt sein Werkzeug – Werkzeuge hängen, und ein kleines se aus einem Stück gearbeitet. Die eher
Schränkchen für die feineren Teile des feingliedrigen Teile wie die Drachenflü-
die Kettensäge – einsetzen und benötigten Werkzeugs. Der Boden ist be- gel werden angesetzt: „Man kann auch
das benötigte Material – stäm- deckt von Holzteilen, Spänen stückeln. Man kann verschrau-
age meweise Holz – lagern. „Heimat- und Sägemehl. Der typisch ben oder leimen.“
Die Homep st:
ea s Dro würzige Geruch von be- Drost arbeitet fast nur
von Andr
n- stark“ hat ihm bei seiner Arbeit arbeitetem Holz liegt mit Eichenholz. „Das
ww w.kette
saegen- über die Schulter geschaut. in der Luft. Die Idyl- ist sehr hart und hat
kunst.de le weicht lautstar- einen hohen Witte-
ker Schaffensfreu- rungsschutz“, sagt

A
ndres Drosts Kunst braucht Platz, de und ein wenig er. Teilweise kauft
viel Platz. Wird doch der Werk- Benzingeruch, als er Abfallstücke, oft
stoff Holz nicht kleinteilig wie für Drost eine der ganze Stämme bis
Schnitzarbeiten benötigt, sondern zum drei Kettensägen zu einem Meter
Teil als ganzer Stamm. Da muss schon anwirft – zu- Durchmesser. Auf
mal ein Kran rangieren können: „Ich nächst, um ein ge- die Suche geht er
brauche Maschinen, das schaffe ich nicht eignetes Teil von den vor allem nach etwas,
allein.“ Stämmen abzutren- was die Forstwirtschaft
Bewegungsfreiheit setzt auch der nen, die vor der Werk- nicht besonders liebt:
Schaffensprozess voraus – die Kettensäge statt liegen. Nach natürlichen
ist kein Werkzeug für enge Räume. Und Der Künstler Ausformungen und
das ist es wohl auch, was Andreas Drost startet mit vollem Verformungen der
Das geht ganz schön auf die Ohren: Gearbeitet wird mit Hörschutz. reizt: Die weitausholende Formfindung, Einsatz und höchs- „Wenn man da einen Meter Baumstämme, nach
abhängig vom eigenen Willen und der ei- ter Konzentration: Maserungen, die
genen Kreativität, aber auch von der kon- Geht doch etwas
stehen lässt, kann man wunder- keinen geraden Ver-
trollierenden Handhabung der unbändi- schief, sieht Drost bare Dinge daraus machen.“ lauf nehmen, und
gen Energie, die in einer Kettensäge es optimistisch. Tipp von Andreas Drost an Gartenbesitzer,
nach Gabelungen.
steckt. Erstaunlich, wie kleinteilig und „Meistens kann die auf ihrem Grundstück einen Baum fällen wollen „Astgabelungen
fein strukturiert unter diesen Vorausset- man noch was ret- und ihren Garten künstlerisch aufwerten wollen. sind interessant“,
zungen manche der Skulpturen sind, die ten“, sagt er auch sagt er.
Drost entstehen lässt: „Man kann mit der mit Blick auf seine Kurse. Meist gibt es Andreas Drosts Repertoire ist umfang-
Kettensäge millimetergenau arbeiten.“ wenig Probleme beim Umgang mit der reich. Tierfiguren gehören dazu – oft als
„Es macht einfach Spaß“, ist Drosts Kettensäge: „Die können auch Frauen Auftragsarbeit nach dem Vorbild eines
einfache Erklärung, wie er zur Kunst mit halten – nach einem Tag kann man eine geliebten Haustiers. Neulich hat er ein
der Kettensäge gekommen ist. Als Forst- Eule oder einen Adler und ein ganz be- Akkordeon unter der Kettensäge entste-
wirt hatte er immer eine Beziehung zum sonderes Erlebnis mit nach Hause neh- hen lassen. Interessant findet er auch,
Werkstoff Holz – aber eher auf einer an- men.“ Dass nicht nur die Damen auch wenn Gartenbesitzer die Stumpen gefäll-
deren Ebene. Irgendwann aber begann Muskelkater mit nach Hause nehmen, ter Bäume umgestalten lassen: „Wenn
er, die Kettensäge neu zu nutzen. „Zu- verschweigt Drost nicht: „Die kleinste Sä- man da einen Meter stehen lässt, kann
nächst habe ich mich an die einfachen ge wiegt etwa zwei Kilo, die Große bringt man wunderbare Dinge daraus machen.“
Formen, etwa Pilze und Herzen, gewagt.“ dann aber schon elf Kilo mit. Da kommt Drost ist vielseitig. Freies künstlerisches
Schon bei Sternen und Tannenbäumen, man ins Schwitzen.“ Arbeiten, Motive und Figuren nach be-
bevorzugtes Dekomaterial für weihnacht- In der Werkstatt hat inzwischen die stellten Vorgaben, Gebrauchsgegenstän-
liche Hauseingänge, wurde es etwas Eule erste Formen angenommen. Im Ein- de, Kurse und schließlich auch noch
komplizierter: „Da kam die Geometrie ins satz war zunächst die große Säge – Show-Einlagen. Der Kettensägekünstler
Spiel.“ Er zeichnete Hilfslinien auf dem „grundsätzlich wird mit der ausgeblockt, bereichert sogar Hochzeiten mit seiner
Sie entstehen aus zwei auseinanderwachsenden Stämmen: zwei kämpfende Drachen. Holz vor – das macht er vielfach auch für die Details werden das Gewicht und Säge-Virtuosität.

Rätsel des Alltags


Ja ja, Flurnamen haben so ihre Tü- 




Die Fußballer des SV Königsbach 




lein, eine Pocke bedeutet.“ Gut mög- 









hinter einem Gedenkstein oder
cken: Da hat einst ein neu zugezo- spielen im „Plötzer“. Wo, fragen lich, heißt es weiter im Buch, dass alten Mauerresten verbirgt. Viele
   
   
   
   
   
   

gener PZ-Sportvolontär aus der Sie? Ja, das fragen sich die Kicker eine kleine runde Erhebung im an- solche Phänomene hat Schwarzwald-
   
   
   
   
   
   
   
   

„Rattach-Truppe“ – wie die Fußbal- auch! Denn bei diesem Flurnamen sonsten ebenen Gelände dem Ge- vereins-Wanderführer Hartmut Fieß
   
   
   
   
   
   
   

ler des FC Eutingen genannt wur- weiß man eben nicht so genau, wo wann seinen Namen gegeben habe. beigesteuert, der bei seinen Streifzü-
   
   
   
   
   
   
   

den, weil sie in Eutingen auf dem er herkommt. So rätselt schon das Aber sicher weiß man’s halt nicht. gen durch die Natur öfter mal über
   
   
   
   
   
   
   

Sportplatz im „Rattach“ spielten – Königsbacher Heimatbuch: „Viel- Bei der Suche nach der Auflösung solche Rätsel stolpert.
   
   
   
   
   
   
   

kurzerhand die „Truppe von Trainer leicht hängt das Wort mit Blatter setzt „Heimatstark“ nicht nur auf Zuletzt war „Heimatstark“ auf der
   
   
   
   
   
   
   

Rattach“ gemacht. Dabei weiß doch zusammen.“ Also, nicht mit dem. Experten, sondern auch auf die Suche nach der Geschichte hinter
   

Der Kreisel im „Plötzer“. Hinten rechts das gleichnamige Königsbacher Sport-


   
   
   
   
   
   

eigentlich jeder (der mal schnell in Nicht, dass Sie denken, die Gemein- breite Wissensbasis der Leser. Al- dem eingemeißelten „Kartoffelsa-
   

gelände.
   

FOTO: FAULHABER/PZ-ARCHIV
   
   
   
   
   

Georg Rebles „Geschichte der Ge- de hätte ihr Sportgelände einst ex- so: Sind Sie zufällig Sprach- oder lat 97“ in einem Torbogen der Burg-
   
   
   
   
   
   
   

meinde Eutingen“ schaut): Rattach tra so genannt, um damit vielleicht Flurnamenforscher? Haben Sie The- (Pforzheimer Zeitung, Ressort Regi- In loser Folge versucht „Heimatstark“, ruine Liebeneck über dem Würmtal.
   
    
    
    
   

   

   


kommt aus dem Mittelhochdeut- den Sepp bauchzupinseln und die orien zur Herkunft des Wortes on, Poststraße 5, 75172 Pforzheim) solche kleinen Alltagsrätsel zu lösen: Außerdem versuchte „Heimatstark“
   

   

   

   

   

   

   


schen und bedeutet so viel wie Fußball-WM nach Königsbach zu „Plötzer“? Kennen Sie andere rätsel- oder per E-Mail (region@pz- Wo spezielle Flurnamen herkom- herauszufinden, welche der Legen-
   

   

   

   

   

   

   


Sumpf – naheliegend angesichts der holen. Nein, es geht um „die Blat- hafte Flurnamen? Dann schreiben news.de) oder diskutieren Sie auf men, welche Tradition hinter Bräu- den, die sich um einen Sühnestein in
   

   
    
    
    
    

   


benachbarten Enz. ter“, „was eine Hautblase, ein Bötz- Sie an „Heimatstark“, per Post der Facebookseite der PZ mit. chen steckt, welche Geschichte sich Salmbach ranken, wahr ist. ben
   

   
    
    
    
    

PZ Pforzheim vom 11.02.2017
G E S C H I C H T E N AU S DE R RE GI ON Stark! UN D VO N DA H E I M
38 SAMSTAG, 11. FEBRUAR 2017 PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 35

Pforzheimer Spuren
BIL D ERBUCH-
WET TER

Das Buch
zum Battert am steilen Fels
Knapp zwei Jahre haben die
Baden-Badener Stadtarchivarin
TEXT: SVEN BERNHAGEN | FOTOS: JÜRGEN BERGMANN/PZ-ARCHIV
Dagmar Rumpf und Fotograf
Jürgen Bergmann am 140 Sei- Der Battert – majestätisch thront das Felsmassiv über Baden-Baden.
ten starken, reich bebilderten
Buch „Battert – klettern, wan-
Gut 50 Meter hoch sind die Wände. Auch für Kletterer aus der Region –
dern, schauen“ gearbeitet. Das der Pforzheimer Alpenverein hat immerhin über 3000 Mitglieder – ist
ist für Kletterer und Wanderer der Battert seit jeher ein Anziehungspunkt. Zahlreiche Erstbegehungen
gleichermaßen interessant und
widmet sich neben Sport und
gehen auf das Konto Pforzheimer Bergsteiger. In einem Buch hat nun
Geschichte auch der Flora und die Baden-Badener Stadtarchivarin Dagmar Rumpf – selbst eine
Fauna des Battert. Die Texte ba- begeisterte Kletterin – die Geschichte des Battert aufgearbeitet.
sieren auf Rumpfs Recherchen

A
für eine große
Battert-Aus- m Battert sind Pforzheimer Türmchen – eröffneten 1941 Manfred Schä-
stellung Kletterer in den 1920er- und fer und Hermann Vetter aus der Jung-
2014/15 im Ba- 30er-Jahren eigene Wege ge- mannschaft des Pforzheimer Alpenvereins.
den-Badener gangen, haben neue Routen Bereits in den 1920er- und 30er-Jahren
Stadtmuse- erschlossen und ihre Spuren gehörte der Pforzheimer Volksschullehrer
um. Die Fotos hinterlassen. Noch heute zeugen Namen Walter Stösser nicht nur am Battert zu den
zusammenzu- wie Alter Pforzheimer Weg oder Neuer Pionieren, sondern überhaupt zu den ganz
Dagmar Rumpf. kriegen war Pforzheimer Weg von ihren Taten. Es sind großen Alpinisten seiner Zeit. So gelang
ungleich Kletterrouten, die nichts von ihrer Anzie- ihm 1932 zusammen mit seinem Pforz-
schwieriger. „Wir hätten gerne hungskraft, aber auch von ihrer heimer Bergkameraden Fritz Kast
auch Pforzheimer Kletterer im Ernsthaftigkeit verloren haben. die Erstbegehung des Südost-
Buch gehabt, aber die Termine „Das waren Wahnsinnstaten, grats und der Nordwand des
sind immer wieder geplatzt, die die damals vollbracht ha- 3934 Meter hohen Bietsch-
weil das letzte Jahr so verregnet ben, vor allem, wenn man horns in den Schweizer Al-
war“, sagt Rumpf. So hätten sie sich das Material anschaut, pen. Am 1. August 1935
auch den berühmten Bühler mit dem die unterwegs wa- stürzte Stösser im Alter von
8000er-Bergsteiger Ralf Dujmo- ren“, sagt Dagmar Rumpf: nur 34 Jahren in der Mor-
vits, dessen Hausgebiet der „Bis in die 50er-Jahre hinein genhorn-Nordwand im Ber-
Battert ist, erst auf den letzten waren Seilrisse bei einem ner Oberland zusammen mit
Drücker in den Kochüberhän- ernsthaften Sturz ja gang und seinem Pforzheimer Seilpartner
gen (6) ablichten können: „Es gäbe.“ Theo Seybold tödlich ab.
war trüb, der Fels war nass und Heute haben Kletter- Der Pforzheimer Battert-Pionier 1923 war Stösser neben Lud-
noch während er geklettert ist, schuhe mit dünnen Gum- Walter Stösser, der 1935 in den wig Hall Mitbegründer der
hat’s wieder angefangen zu reg- misohlen, Sicherheitsseile Alpen abstürzte. Klettergilde Battert (KGB),
nen – aber es musste sein, weil und Bohrhaken die schwe- der auch Ernst Seifried aus
er am nächsten Tag zur Expedi- ren Bollerschuhe, Hanfseile und geschlage- Pforzheim angehörte. „Ein lockerer Zusam-
tion nach Pakistan aufgebro- nen Haken abgelöst. Das Klettern am Bat- menschluss Gleichgesinnter aus allen
chen ist.“ tert bleibt aber trotzdem eine Herausforde- Schichten – aber allesamt herausragende
rung. „Da sollte man schon genau wissen, und wagemutige Kletterer“, sagt Rumpf.
was man tut, denn die Hakenabstände sind Stösser, dem die Archivarin nach ihren um-
zum Teil recht groß“, sagt die Baden-Bade- fangreichen Recherchen „starken Ehrgeiz,
ner Stadtarchivarin, die regelmäßig selbst eisernes Durchhaltevermögen, aber auch
Hand an den Fels legt. ein deutliches Geltungsbedürfnis“ attes-
Routen bis zum siebten Schwierigkeits- tiert, habe sich schnell zum Wortführer der
grad klettert die 46-Jährige. Von der Fal- KGB entwickelt. Allerdings habe sich der
Dagmar Rumpf/Jürgen Berg- kenkante, die 1947 der Pforzheimer Hans Pforzheimer, der Bergsteigen als Kampf
mann: „Battert – klettern, Scherrieble (1928 – 1970) erstmals hinauf- mit den Naturgewalten sah, auch schnell
wandern, schauen“; gestiegen ist – ebenfalls im siebten Grad –, angesprochen gefühlt von der Nazi-Ideolo-
Panico-Verlag 2016; 140 Seiten; lässt sie trotzdem lieber die Finger: Zu gie. Bereits 1923 sei Stösser der illegalen
29,80 Euro; erhältlich im Buch- schwierig, zu schlecht abzusichern. „Da schwarzen Reichswehr beigetreten und sei
handel, unter www.panico.de braucht man eine robuste Psyche. Die Erst- später Mitglied der SS gewesen.
oder beim Pforzheimer Out- begehung war damals eine abartige Leis- Auf sein Erstbegehungskonto gehen am
door-Ausrüster Fels und Eis Auch heute noch beliebt: Der Alte Pforzheimer Weg (4+) an der Badener Wand ist ein Klassiker, tung von ihm“, sagt Rumpf über Scherrie- Battert unter anderem der Alte und der
(Ebersteinstraße 16) den Walter Stößer 1929 erstmals geklettert ist. Die Route hat er zu Ehren seiner Heimatstadt so benannt. ble, genannt „Jackill“, der in der Nach- Neue Pforzheimer Weg (4+/6), aber auch
kriegszeit in der Baden-Badener Klettersze- die Schleierwand (7-). Gemeinsam mit Fritz
ne bekannt war wie ein bunter Hund. „Den Kast erschloss er um 1929 die Stösser-Kast-
Beschreibungen nach muss er völlig angst- Verschneidung (5) und die Wespenkante
frei gewesen sein. So hat er wohl auch (5-). „Nach dem Krieg ist Fritz Kast meines
„Schleierwand (7-): Handstände vorn an der Felskante ge- Wissens am Battert nicht mehr so viel ge-
Eine der berühmten macht“, erzählt Rumpf. klettert“, sagt Rumpf. In Pforzheim enga-
,Rollstuhl-Routen‘ und Zu den prägenden Figuren in der Nach- gierte er sich im Kreissportausschuss und
kriegszeit am Battert gehörten neben ab 1956 als Hüttenwart des Pforzheimer Al-
eines der Stösser’schen Scherrieble auch die Pforzheimer Erich penvereins. 1995 starb Kast mit 86 Jahren.
Meisterwerke. An Groß- Eißler (1929 – 2005) und Elmar Haggenjos, Ab Mitte der 1960er-Jahre war Rumpfs
zügigkeit und direkter genannt „Dompteur“. „Eißler hat zum Bei- Recherchen zufolge die Zeit großer Pforz-
spiel 1956 die Frühstückskante, 1960 den heimer Namen am Battert vorbei – die der
Linienführung kaum Bergwachtriss und 1963 den Altherrenweg Pforzheimer Kletterer aber noch lange
zu überbieten.“ eröffnet – heute noch eine der am häufigs- nicht: „Das sieht man nicht nur an den
Der Panico-Kletterführer über die
Luftig: Die Schleierkante (5) am Felsmassiv Cima Markant: Die Stösser-Kast-Verschneidung (5) in ten begangenen Routen am Battert“, sagt massenhaften Einträgen in Wandbüchern,
Schönheit, aber auch die Gefährlichkeit della Madonna – Stössers wohl berühmteste Tour der Fermeda (links), 1931 erstmals geklettert von Rumpf. Eine heute weitgehend vergessene sondern auch an den vielen Pforzheimer
der 1933 erstbegangenen Route. am Battert, 1931 eröffnet. den beiden Pforzheimer Namensgebern. Route – das Juliwandl am Hellminger Kennzeichen auf dem Parkplatz.“

Ein Ziel für Wanderer und Kletterer hoch über Baden-Baden


 Die Anfänge: Schon 1887 be- 




Schwierigkeitsgrad gibt es heute. Die 




 Wandern und schauen: Im Ba- 









Walter Stösser“. In Dillweißen-
gann der Baden-Badener Gymna- Hakenabstände sind zum Teil groß, den-Badener Ortsteil Ebersteinburg stein führt der Walter-Stößer-
   
   
   
   
   
   

siast Wilhelm Paulcke, am Battert der Umgang mit mobilen Siche- (von Pforzheim mit dem Auto eine Weg ins „Täle“ zum kleinen, aber
   
   
   
   
   
   
   

zu klettern. Damit gehört das rungsmitteln wie Keilen, Friends oder knappe Stunde) gibt’s einen Wan- feinen Klettergebiet „Hängende
   
   
   
   
   
   
   

Felsmassiv zu den ersten für den Schlingen sollte geübt sein. Beschrie- derparkplatz (fürs Navi: Herren- Gärten“. In München gibt es die
   
   
   
   
   
   
   

Klettersport erschlossenen außer- ben sind die Routen zum Beispiel im äckerstraße 45). Von dort kommt Stösserstraße, in den Dolomiten
   
   
   
   
   
   
   

alpinen Felsmassiven in Deutsch- Kletterführer „Schwarzwald – Band man direkt von Osten in wenigen Mi- einen Stösser-Turm.
   
   
   
   
   
   
   

land. Nur im Elbsandstein wurde Nord“ aus dem Panico-Verlag nuten zu den Battert-Felsen. Von Aber die Battert-Kletterer trugen
   
   
   
   
   
   
   

noch früher geklettert. 1926 hat (2. Auflage 2013; 320 Seiten; 29,80 Westen führt der Zugang über den den Namen ihres heimischen Fels-
   
   
   
   
   
   
   
   

die Karlsruher Alpenvereinssekti- Euro). Die DAV-Sektion Pforzheim Parkplatz beim Alten Schloss (fürs massivs auch hinaus in die Alpen.
   
   
   
   
   
   
   

on den ersten Kletterführer für veranstaltet immer wieder Felsklet- Navi: Alter Schlossweg 10). Eine So benannte beispielsweise Stös-
   
   
   
   
   
   
   

den Battert veröffentlicht – es terkurse am Battert. Eine Übersicht schöne Wanderrunde ergeben der ser 1928 eine Erstbegehung an
   
   
   
   
   
   
   

war der erste seiner Art über- über das Angebot gibt’s auf www.al- Obere- und Untere Felsenweg. Ein- der Gehrenspitze in den Tann-
   
   
   
   
   
   
   

haupt für Felsgebiete deutscher penverein-pforzheim.de und Tiefblicke bieten sich von den heimer Bergen Battertriss. Im
   
   
   
   
   
   
   

Mittelgebirge. vielen Türmen und Massiven in die Rosengarten in den Dolomiten


   
   
   
   
   
   
   

Schluchten und Wände – Ausblicke heißt eine Kletterroute Battert-


   

Feierabend: Ein Kletterer im Schein der Stirnlampe hoch oben auf den Felsen,
   
   
   
   
   

 Klettern, Kurse, Führer: Der


   

auf die Schwarzwaldgipfel, auf Ba- weg – 1933 mit erstbegangen


   

während unten im Tal die Lichter von Baden-Baden (links) leuchten.


   
   
   
   
   
   

Battert besteht aus Quarzpor- den-Baden und aufs Rheintal. Unter- vom Pforzheimer Erwin Kraus.
   
   
   
   
   
   

 Namen und Wege: Dem Namen


   

phyr– also verkieseltem Konglo- wegs warten die Untere Batterthüt- sentreppe und mehrere kleine Pfade, Über 1000 Fotografien, die wäh-
   

   
    
    
    
    
    

merat. Knapp 400 Kletterrouten, te, die Bergwachthütte, das Alte die direkt ins Felslabyrinth hineinfüh- Walter Stösser begegnet man vieler- rend Stössers Bergtouren ent-
    
    
    
    
    
    
    

zwischen 15 und 55 Metern Schloss Hohenbaden, die Felsenbrü- ren, wo man den Kletterern bei ihrem orts. So widmete Paul Hübel ihm standen sind, sind im Pforzhei-
    


Tatsächlich mit „ß“: Der Walter-Stößer-


   
    
    
    
    
    

hoch, im dritten bis zehnten cke an der Badener Wand, eine Fel- Treiben zuschauen kann. 1940 das Buch „Der Bergsteiger mer Stadtarchiv einsehbar.
    
    

Weg in Dillweißenstein.
    
    
    
    

PZ Pforzheim vom 18.02.2017
GE S C HICHTEN AUS DER RE GION Stark! UND VON DAHEIM
40 SAMSTAG, 18. FEBRUAR 2017 PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 41

Der Herr der Fliegen


TEXT UND FOTOS: GABRIELE MEYER „Wenn man in der Enz, Nagold und Würm fischt, ist
der Weg nicht weit. Das ist ein sehr aktives Fischen,
man ist permanent in Bewegung, beobachtet das
Für Angler ist der Pforzheimer Gerhard Wasser, sucht die Fischstellen, die man anwerfen
kann.“ Rund 30 bis 35 Meter weit kann man die
Stenzel eine wichtige Anlaufstation, denn Schnur im Wasser absetzen, wenn man den richti-
der baut Fliegen – die filigranen Köder, gen Schwung heraushat. Den muss man lernen,
die beim Fliegenfischen benötigt werden. meist in einem Kurs: „Alleine geht das eher nicht.“
Hinzu kommt, dass beim Trockenfliegenfischen auf
„Heimatstark“ hat den Experten besucht beschwerende Gewichte des Insektenimitats ver-
und ihm bei seiner Arbeit über die zichtet wird, eine besondere Wurftechnik wird also
Schulter geschaut. notwendig. Die Fliegen schwimmen dabei auf dem
Wasser – die klassische Art des Trockenfliegenfi-

S
schens. Allerdings kann man sie auch, entsprechend
ieben auf einen Streich? Für die Zahl Sie- des Gewässers mit leichter Beschwerung – hier
ben braucht der Pforzheimer Gerhard kommt Hightech ins Spiel, denn satt Blei verwendet
Stenzel dann doch erheblich mehr Zeit. Im Stenzel den Ersatz-Werkstoff Wolfram – fürs Nass-
Gegensatz zum tapferen Schneiderlein fliegenfischen einsetzen. Und nicht nur Forellen lie-
schlägt er die Fliegen aber auch nicht tot, ben Insekten im Nymphenstadion, die man am Ge-
sondern lässt sie aus Bindfaden, Federn, Fell und be- wässergrund findet: „Die Nymphenkügelchen sind
sonderen Fasern neu erstehen. In dieser Form sind ein großer Bestandteil der Nahrung von Forellen.
sie ausschließlich Anlass zur Freude – sie dürften Die denken dann, da kommt ein Butterbrot vorbei.“
sich ohne Komplikationen sogar auf dem Musbrot
des Schneiderleins niederlassen. Versierte Angelfans
wissen, worum es geht: Fliegenfischen. Das liegt im
Trend – Enz, Nagold und Würm laden dazu ein. Und „Man braucht Erfahrung, ein gutes
auch der nahe Schwarzwald und der Rhein sind Auge, eine ruhige Hand
wahre Paradiese für Angler, die sich der Fliegenfi-
und ganz viel Geduld“.
scherei verschrieben haben.
Das stille Warten am Rande des Wassers auf den Gerhard Stenzel
hungrigen Biss beweist nach wie vor seine Reize,
aber der besondere Schwung, mit dem die spezielle Deshalb gilt auch für den Fliegenfi-
Angel beim Fliegenfischen immer wieder über das scher: „Man schaut sich um, was heute
Wasser geworfen werden muss, beinhaltet auch unterwegs ist und wählt danach den Kö-
sportliche Elemente. Und: Übung und eine gehörige der aus.“
Portion Sachkenntnis gehören dazu. Für viele Angler
ist es Ehrensache, die Köderfliegen selbst herzustel- Köder muss ins Beuteschema passen
len. Von wegen Sieben auf einen Streich. Etwa Irgendwann hat Stenzel begonnen, seine eigenen
20 Minuten muss man für die Produktion eines Fliegen herzustellen: „Für mein Empfinden gehört
mehr oder minder prächtigen Köders einkalkulieren. das einfach dazu“. Ein Bindestock, in dem man die
Was Könner dabei entstehen lassen, hat mitunter kleinen Haken, an denen die Fliegen befestigt wer-
Ähnlichkeit mit einem Kunstwerk. Gerhard Stenzel, den, fixiert, leistet wertvolle Hilfestellung beim Bin-
von Kindesbeinen an Angelfan, hat den Flur seiner den der Materialien, die zum Teil aus kleinsten Ele-
Firma mit Schaukästen voller Lachsfliegen deko- menten einer Feder oder eines Fells bestehen. Frei-
riert: Zartgliedrige, kunstvoll gebundene und in al- händig schafft das fast niemand – schließlich ist es
len Farben leuchtende Insektenimitatio- Millimeterarbeit, die hier beim Aufbau einer Fliege
nen, die in der Zusammenstellung und Solche Köder, wie sie Gerhard Stenzel hier zeigt, sind nur was für ein „Big game“– für das Fliegenfischen in Salzwasser. geleistet werden muss. Ziel ist es, ein Insekt zu imi-
hinter Glas auf den ersten Blick wie Ge- tieren – es gilt: „Je realer umso fängiger. Es muss
mälde aussehen. hältlich. Da schaut einen – „Die Augen sind bei ei- Windbö reicht aus, um die leichte Angelschnur mit von der Kontur und der Farbe einfach ins Beutesche-
Im Alltag des Fliegenfischens in der Region nem Köder enorm wichtig“, sagt Stenzel – auch dem Köder abzutreiben: „Da wundert man sich, wo ma der Fische passen.“ Stenzels Unternehmen in
geht es eine Nummer kleiner zu – schon mal ein grünes Fröschchen an. Fliegen, das man landet.“ Pforzheim stellt Bauteile aus Metall und Keramik
für Forellen, Äschen, Saiblinge lernt man schnell, sind nämlich nur ein Synonym her, doch die Angelleidenschaft hat so ganz neben-
und Weißfische werden in aller für Köder. Und als Köder wird vieles gebraucht. Von Werfen muss man lernen bei ihre Spuren im Betrieb hinterlassen. In kleinen
Regel kleinere Köder benötigt. besagtem Frosch über Insektennymphen bis hin zu Angefangen hat Gerhard Stenzel mit dem ganz nor- Plastikfächern warten unzählige verschiedene Kö-
Die Form- und Farbenviel- imitierten Brotbrocken. Bleibt man in der Region, malen Angeln: „Wasser hat mich schon immer faszi- derimitate auf Kunden. Die Auswahl für die heimi-
falt ist dennoch beein- kann die künstliche Vielfalt etwas eingeschränkt niert. Kam ich als Kind von der Schule, flog der Ran- schen Gewässer ist riesig, aber auch für das „Big
druckend und schier werden: „Mit 20 verschiedenen Fliegen ist hier alles zen in die Ecke und weg war ich.“ Die Begeisterung game“, das Angeln im Salzwasser, lagern hier Fliegen
unermesslich. abgedeckt“. Doch schon die 20 brauchen Zeit, bevor hat die Jahre überdauert: „Ich liebe das Angeln, die in beeindruckenden Ausmaßen.
Rund 1200 ver- sie in der Dose landen, die jeder Fliegenfischer dabei Natur, die Landschaft, die man um sich hat. Man
schiedene hat. Zumal es zwar 20 verschiedene Arten gibt, man muss mit sich selbst alleine klarkommen. Da vergisst Fliegenfischen gilt als besonders sanfte Art des An-
Fliegen von jeder Sorte aber einige mehr benötigt. Der man die Alltagsdinge, und nach zwei bis drei Stun- gelns und ist in allen Flüssen erlaubt. Grundsätzlich
sind im Grund ist schnell klar: „Viele Fliegen landen in Bü- den kann man allem wieder entspannt ins Auge se- kann man das Fliegenfischen bei allen Fischarten
Großhan- schen und Ästen“. Das hat nicht immer mit der Ziel- hen.“ Der gebürtige Rheinländer entdeckte dann das einsetzen. Als besonders artenreich gelten in der
del er- sicherheit des Werfers zu tun, schon eine kleine Fliegenfischen, und das ließ ihn nicht mehr los: Region Enz, Nagold und Würm.

Eine Imitation der Steinfliege, die auch Eine Hechtfliege – da muss der Köder Die Köcherfliege wird mit Täuschend echt – bis auf den Haken:
an Enz und Nagold zuhause ist. schon etwas größer sein. Rehhaar hergestellt. Die Ameisenfliege.

Die sogenannte Brotfliege imitiert ins Wasser Der Bindestock ist ein fast unentbehrliches Utensil. Hier wird der Haken für die Herstellung der Fliege fixiert. Nur selten schafft Das sieht nicht nur aus wie ein Frosch – es soll
geworfene Brotbrocken . es jemand freihändig. Garn braucht man in verschiedenen Farben und Stärken. auch einer sein: Forellen schnappen da gerne zu.
PZ Pforzheim vom 25.02.2017
G E S C H I C H T E N AU S DE R RE GI ON Stark! UN D VO N DA H E I M
36 SAMSTAG, 25. FEBRUAR 2017 PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 47

ie
Bildergaler
n Ei nkau f, Kochen Die Rezepte zum Wintermenü
vo
unter
und Essen

1
ews.de
www.pz-n Mostini (Cocktail) se plattieren. Senf, Meerrettich






Zutaten für 1 Glas: und Gewürze verrühren und das










2 cl Granatapfelsirup, 1 TL Gra- Fleisch darin für rund 15 Minuten









natapfelkerne, 1/8 L herber Most, marinieren. Das Fleisch durch den










1/8 L Sodawasser, 2 Minzblätter, Teig ziehen und in schwimmen-











1 Zitronenscheibe dem Fett ausbacken. Auf Küchen-










Zubereitung: Granatapfelkerne in krepp abtropfen lassen. Sofort










ein Weinglas geben. Most ins Glas servieren.










gießen, Minze und Sirup hinzufü- Jasminreis: 300 g Jasminreis,










gen. Anschließend mit Sodawas- 2 Frühlingszwiebeln, 1 Pfefferoni,










ser spritzen. Mit Zitronenscheibe 1 roter Paprika, 1 schwarze Karot-










dekorieren und mit Strohhalm te, Salz, 1 EL Öl, Zitrone als Deko








servieren. Zubereitung: Reis in




1







Salzwasser garen





2




Meerrettich- und in einem Sieb










süppchen abtropfen lassen.










mit Apfel- Gemüse fein










Blutwurst- würfeln und in










Topping einer großen










Zutaten für Pfanne unter











4 Portionen: Rühren biss-










Suppe: fest garen. Reis




Annemarie und Felix Beigel (vorne) stoßen mit den Testesserinnen Snjezana und Andrea (links), Uta und Jaqueline (rechts) sowie PZ-Redakteur Sven Bernhagen und







2 Zwiebeln, zugeben, Gemü-




„Heimatstark“-Köchin Beate Vogel (hinten) an. Nach dem Apfelsecco gab’s den Beigel’schen Most stilecht aus klassischen Krügen – pur oder als Schorle.







4 Äpfel, 1 EL Öl, se unterheben. In










2 EL Mehl, 500 ml Kugeln mit einem










Brühe, 250 ml Most, Eisportionierer auf die










Prost aufs Most-Menü


250 ml Sahne, Salz, Pfeffer, vorgewärmten Teller geben.








1 Lorbeerblatt, 2 EL scharfer Chutney: 4 Äpfel, 8 Schalotten,










Meerrettich aus dem Glas 2 Stangen Sellerie, 100 ml Brühe,










Zubereitung: Äpfel schälen und 400 ml milder Most, Salz, Pfeffer,










ebenso wie die Zwiebeln in Wür- 1 Chilischote, 1 EL Öl, 4 EL










fel schneiden. Im Öl farblos an- Cashews




serin Jaqueline die Suppe. Wesentlich dazu




TEXT: SVEN BERNHAGEN FOTOS: GERHARD KETTERL, SVEN BERNHAGEN








schwitzen und mit Mehl Zubereitung: Äpfel schä-




beigetragen haben die Meerrettich-Flocken –


2







bestäuben. Mit Brü- len und wie das Ge-




kurz vor dem Servieren frisch darüber geho-









he und Most auf- müse klein wür-




Mit einer „vom Aussterben bedrohten, heimischen Spezialität“ lockte Beate




belt. Denn: „Frischen Meerrettich darf man









gießen, würzen feln. Im Öl zuerst




auf keinen Fall mitkochen, sonst verliert er





Vogel die Testesser zum „Heimatsstark“-Wintermenü. Was die Expertin für







und für etwa den Sellerie,




komplett sein Aroma“, erklärt Vogel. Fürs Win-







Enzkreis-Kulinarik dann aber in der Lehrküche der Pforzheimer Volkshoch-





30 Minuten dann Schalot-




termenü ist Meerrettich perfekt, weil er bei









schule zusammen mit PZ-Redakteur und Hilfskoch Sven Bernhagen leise köcheln ten, Chili und


Atemwegs- und Harnwegsinfekten gegen Pilze









lassen. Meer- Äpfel anbra-




und Bakterien hilft. Die enthaltenen Senföle





auftischte, hatte so niemand erwartet: Ein Most-Menü.







rettich zuge- ten. Brühe und




und Flavonoide haben antibiotische Wirkung.









ben, pürieren, Most zugeben,

S


„Da biste platt, wa?“ – das hätte man die









mit Sahne auf- mit Salz und




keptisch wäre noch ein freundliches Schweinefilets fragen können, nachdem sie







füllen und kräftig Pfeffer abschme-




Wort für die ersten Reaktionen der unter den Hammer, pardon, unters Plattierei-



„Dass man Most auf so viele Arten







abschmecken. cken. Für 30 Minu-




Gäste: „Most? Echt? Hm!“ Unsere sen gekommen sind. „Wer keines hat, kann





kulinarisch veredeln kann,





Topping: 1 fester Ap- ten köcheln lassen, bis




Hauptzutat hat nicht das beste Image. auch eine Bratpfanne nehmen, aber auf kei-







fel, 1 Schalotte, 8 dünne das Chutney eine sämige




„Ich hab’s doch gleich gesagt: Damit kochen hätten wir nicht gedacht.“ nen Fall einen Fleischklopfer. Der ist







Scheiben harte, gerauchte Blut- Konsistenz hat.




wir gegen Vorurteile an. Wir mögen den Cidre nämlich gezackt und macht







Annemarie und Felix Beigel, die in wurst, 1 EL Öl, 8 Schnittlauchhal- Mostsößle: 250 ml Most, 500 ml


der Franzosen und finden den Äppelwoi der die Fleischfaser kaputt“,






Wurmberg eine Mosterei betreiben.




me, etwas frischer, geriebener gute Brühe, 250 ml Sahne, Salz,





Hessen gut, aber beim heimischen Most zie- erklärt Vogel. Und:







Meerrettich Pfeffer, etwas Chili




hen wir die Nase hoch“, so Vogel: „Dabei ist „Das Brettchen im-







Zubereitung: Die Schalotte und Zubereitung: Most, Brühe und




das doch ein Bestandteil unserer Kultur, auf akzeptieren. Also bekommen sie mer wieder nass







den geschälten Apfel fein würfeln, Sahne in einem Topf offen auf


den wir stolz sein könnten.“ Die Österreicher alternativ eine andere Wahrheit machen und auf







ebenso wie die Blutwurstschei- etwa 500 ml reduzieren, mit den




hätten sogar ein eigenes Mostviertel. Dort hat serviert: „Wir haben die schwar- das Fleisch eine







ben. In heißem Öl die 3 Gewürzen kräftig ab-




sich Vogel auch bei der Menüauswahl inspirie- zen Karotten kleingewürfelt und Frischhaltefolie,







Blutwurst knusprig schmecken.




ren lassen. „Man muss essen, was man erhal- den Reis solange behutsam un- dann klebt es







anbraten und auf




ten möchte“, sagt sie. Und der Most, tergehoben, bis er endlich die beim Klopfen




4




Küchenkrepp Birnensor-


die Äpfel und letztlich die Farbe angenommen hat.“ Wer’s nicht an.“







abtropfen las- bet mit Va-




Streuobstwiesen im Enz- nachkochen will, kann aber Der Mostteig, in









sen. Anschlie- nillechadeau




kreis seien auf jeden auch gerne etwas weniger dem die Filets aus-







ßend die Zutaten für




Fall erhaltenswert. rühren und die Karotten- gebacken werden,









Schalotte und 4 Portionen:




Am Ende siegt würfel als einzelne Farb- funktioniert im Prinzip









den Apfel im Sorbet: 150 g




der feine Ge- tupfer im ansonsten wei- wie ein Bierteig, erklärt







selben Öl gla- Birnen, 500 ml




schmack des ßen Reis genießen. Vogel: „Der Alkohol be-




Die Schweinfiletscheiben vor








sig anschwitzen. Most, 180 g Pu-





Mosts über das Zwei Anläufe brauchte es und nach dem Plätten. wirkt, dass der Teig un-







Ebenfalls abtrop- derzucker, 1 Prise




schlechte Image. auch bei der Blutwurst. glaublich aufgeht.“ So









fen lassen und unter Nelke




Die erfahrenen Die muss nämlich richtig hart bekommt das Fleisch einen krossen Mantel







die Blutwurststückchen Zubereitung: Die ge-




Testesserinnen und trocken sein, sonst verlieren und wird nicht trocken.







heben. Die frisch aufge- schälten Birnen würfeln. Most




Uta, Andrea, Snje- die Würfel, die auf die Suppe ge- Logistisch ist das Most-Menü nicht das ein-







schäumte Suppe in vorgewärmte mit Puderzucker aufkochen, Birnen




zana und Jaqueline streut werden, beim Anbra- fachste: Es muss viel kleingeschnippelt wer-







Teller portionieren, mit dem Top- und Nelke zugeben. Birnen in der


schwärmen: „Die ten ihre Form. Weil den und das dauert. Außerdem läuft vieles







ping bestreuen und mit Schnitt- Flüssigkeit weich garen, pürieren




Überraschung ist echt das aber nur optisch parallel, das erfordert Aufmerksam-







lauch dekorieren. Frischen Meer- und erkalten lassen. In eine flache




gelungen.“ „Das Thema einen Unter- keit. So will das Sorbet immer wie-







rettich darüber hobeln. Metallform geben und tiefkühlen.




war super.“ Und: „Das Lecker: Der erste Blutwurst- schied macht, der umgerührt werden, während







Etwa alle 30 Minuten kräftig durch-




war euer bestes Essen versuch wird zum Küchensnack. geschmack- die Suppe köchelt und das




3




Schweinefilet mit rühren, beziehungsweise




bisher.“ Was aber fängt lich aber kei- Fleisch geklopft wird. Vier bis
4







Jasminreis, pürieren.


man als Küchenteam mit so einem über- nesfalls, landete fünf Stunden sollte man schon







Apfelchutney Vanillechadeau:


schwänglichen Lob an? Rot werden und verle- der Erstversuch einplanen. Und leider ist die







und Mostsößle 2 Eigelbe, 1 Ei,




gen „Danke“ stottern? Wohl wissend, dass in kurzerhand in den Arbeit noch lange nicht getan,







Zutaten für 120 g Zucker,





der Küche längst nicht alles perfekt gelaufen Mägen des „Hei- wenn die Gäste am Tisch sit-







4 Portionen: 250 ml Most,




ist? Naja, immerhin scheint es so gut gewesen matstark“-Küchen- zen. Dann nämlich müssen die







Schweinefi- Mark einer




zu sein, dass sie das nächste Mal unbedingt teams, getreu dem Schweinefilets direkt vor dem







let: 1 Schwei- Vanilleschote




wieder dabei sein wollen, und uns dafür gerne Motto: „Wer in der Servieren frisch ausgebacken







nefilet, 4 EL Zubereitung:


mal ein bisschen bauchpinseln. Küche verhungert, ist werden. Also gibt’s für die Gäste







Senf, 1 EL Alle Zutaten in




„Wie habt ihr denn den Reis so schön lila- selbst dran schuld.“ nach der Suppe einen Mostini-Cock-







Meerrettich, eine Metallrühr-




farben hinbekommen“, wollen die Testesserin- „Wenn die Schärfe in tail. Mit diesem Kniff in der Menü-







Salz, Pfeffer schüssel geben




nen wissen. Die wahrheitsgetreue Antwort die Nase steigt, ist’s ge- Farbgebend: Die kleingewürfelten, folge lässt sich die Zeit bis zum







Ausbackteig: 250 g und mit einem




„Des isch so no worre“, wollten sie aber nicht nau richtig“, lobt Testes- schwarzen Karotten Hauptgang locker überbrücken.







Mehl, 3 Eier, Salz, etwas Handrührgerät über










Zimt, ca. 100 ml Most. heißem Wasserbad schaumig










Öl zum Ausbacken aufschlagen. Vor dem Servieren










D E R EI N K AU F Zubereitung: Alle Teigzutaten Schälchen oder Gläser möglichst










verrühren, dabei den Most nach einfrieren. Aus dem Sorbet mit ei-








Feines Filet – Most wanted


und nach zugeben, der Teig soll nem Eisportionierer Kugeln for-








etwas fester als Pfannkuchenteig men. Chadeau an das Sorbet ge-











sein. Für etwa 60 Minuten ruhen ben, mit Minze, Puderzucker und








lassen. Das Filet in zwei Zentime- Granatapfelkernen dekorieren.




Rund 300 Tonnen Äpfel – ein paar Birnen und in Fässern vergären. Beigels haben letzten Muskel, der nicht viel zu arbeiten hat.“ Unsere







ter dicke Scheiben schneiden, die- Dazu passen Madeleines.




Quitten sind auch dabei – werden jeden Herbst Herbst erstmals 300 Liter eigenen Most ge- Fleisch stammt von einem Deutschen Land-






bei der Wurmberger Mosterei Beigel gepresst. macht – „weil es die Kunden immer wieder schwein, etwa neun Monate alt mit rund
Heraus kommen etwa 200 000 Liter Saft. „Das nachfragen.“ Außerdem lassen sie aus ihrem 120 Kilogramm Lebendgewicht vom Bauern in
wird vor allem bei jungen Familien immer be- Saft auch feinperlenden Apfelsecco machen. Altensteig und in Calw geschlachtet. „Wir ha-
liebter, dass sie aus ihren Äpfeln eigenen Saft Der hat am Ende 10,5 Prozent, wird mit Koh- ben aber auch Schweine aus Ersingen, die in Beate Vogel
machen lassen“, erzählen Annemarie und Felix lensäure versetzt und in Flaschen verkauft. unserer Filiale in Ellmendingen geschlachtet
Beigel. Die Äpfel stammen hauptsächlich von www.mosterei-beigel.de werden“, sagt Ganzhorn. Das sei tagesabhän- . . . lebt mit ihrer Familie in Dietlingen und gibt für die Volkshochschule
Streuobstwiesen im Heckengäu. Etwa 95 Pro- gig. Außerdem sei Schweinefleisch deutlich Pforzheim (www.vhs-pforzheim.de) und das Landwirtschaftsamt
zent nehmen die Leute als Apfelsaft – pasteuri- „Das ist das edelste Stück vom Schwein“, sagt besser als sein Ruf, „wenn Fütterung und Enzkreis rund 60 Kochkurse pro Jahr. Außerdem ist die 54-Jährige
siert und abgefüllt im Bag-in-Box-System – der Gräfenhausener Metzgereichef Werner Haltung stimmen und man dem Tier Zeit gibt, Ausbilderin für Hauswirtschaft. Sie begleitet die Heimatstark-Serie
mit. Der Most als Volksgetränk wie früher hat Ganzhorn (58) und drückt uns das Filet in die ohne Hormone langsam zu wachsen.“ als Kochexpertin bereits seit zwei Jahren. www.enzkreis-kulinarik.de
ausgedient – nur noch wenige lassen den Saft Hand: „Sehr mager von einem innenliegenden www.metzgerei-ganzhorn.de
PZ Pforzheim vom 04.03.2017
GE S C HICHTEN AU S DE R R E G I ON Stark! UN D VO N DAHEIM
38 SAMSTAG, 4. MÄRZ 2017 PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 53

Alle Hände voll zu tun: Floristik-Azubi Ramona Weber zeigt „Heimatstark“, Vergängliche Schönheit: Viele Magnolienarten haben ei-
wie sich jeder etwas Frühling ins eigene Zuhause zaubern kann. ne nur kurze Blütezeit von maximal zwei Wochen, einige
zeigen ihre Pracht sogar noch kürzer.

Da blüht
uns was!
TEXT: CAROLIN KRAUS / FOTOS: SEBASTIAN SEIBEL

Schluss, aus, vorbei: In den vergangenen Monaten gab es


auf dieser Seite genug Schnee und Winter. Zeit, für eine
Frühlingsoffensive bei „Heimatstark“. Das Team dafür
bilden Tulpen, Ranunkel und Co.. Die Aufstellung über-
Die Frühlingsblumen schlechthin:
Tulpen. Sie brauchen sehr kaltes
nimmt Ramona Weber. Sie ist Floristik-Azubi in Heims-
Wasser. Ein paar Eiswürfel in der Va- heim und eine der besten Berufsanwärterinnen ihres
se dienen als Frischekick. Sie recken Fachs deutschlandweit. Mit ihren Tipps und Kniffen ge-
sich gerne nach dem Licht. Gebunden Hyazinthen bringen nicht nur Farb-
in einem Strauß sieht es so aus, als
lingt es, dass sich der Frühling für einige Zeit in den Va- akzente, sondern auch viel Duft in
würden sie nachwachsen. sen daheim hält – und damit auch ganz viel gute Laune. den Raum. Doch der ist nicht jeder-
manns Fall. Bei manchem sorgen die
Blumen für Kopfweh. Daher kein ge-
eignetes Geschenk beim Kranken-
hausbesuch. Da Hyazinthen stark
Farbe ist nicht nur bei den Blüten an- schleimen, brauchen sie immer wie-
gesagt: Bunte Väschen im Vintage- der frisches Wasser in der Vase.
Stil dienen als Frühlingsdeko. Da
reicht dann auch nur ein schlichter
Kirschzweig oder Ähnliches.

Ja, das sind Ranunkel. Ungewöhnlich


gewellt , aber sehr pflegeleicht. Sie
halten sich bis zu 14 Tage.

Der Name sagt schon alles: Vergiss-


meinnicht. Diese Blume braucht Lie-
be und eine Temperatur nicht unter
null Grad.

LIEB E ZUM B ERUF

Die Gefühle dürfen raus


Wer mit Blumen arbeitet, kann in Heimsheim. „Als Florist wird
keine schlechte Laune haben. Da- man nicht reich, aber es ist berei-
von ist Ramona Weber überzeugt: chernd. Ich kann meine Gefühle
„Die vielen Farben, die Düfte und ausdrücken.“ So wie kürzlich auch
vor allem den Blick darauf, dass – bei einem Wettbewerb junger Be-
wie bei einer Blüte – immer wie- rufsanwärter, bei dem sie mit ihrer
der Neues entstehen kann.“ Viel- Arbeit den vierten Platz unter
leicht hängt deshalb das Herzblut 151 Teilnehmern belegt hat. Mit ei-
der 19-Jährigen an ihrem Beruf. nem Gesteck, das schon beim
Schick und in vielen Farben gibt es Freesien. Je nach Wunsch sind sie gefüllt oder Sie ist im zweiten Lehrjahr Auszu- Thema voller Emotionen steckt:
weniger gefüllt. Aber Achtung: Sie duften stark. bildende bei Blumen Kauffmann „Romeo und Julia.“ lin
PZ Pforzheim vom 11.03.2017
G E S C H I C H T E N AU S DE R RE GI ON Stark! UN D VO N DA H E I M
40 SAMSTAG, 11. MÄRZ 2017 PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 59

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Naturschutz de
www.n u. ab

Emsig ist ein Star damit beschäftigt, seine Brutstätte in einem Starenkasten auf Vordermann zu bringen. Stare gehören zu den Singvögeln. Manche trällern sogar Der Neuntöter ist der hierzulande am stärksten verbreitete Vertreter der Familie der
Handyklingeltöne nach. Was das Outfit betrifft, so setzt er mit purpur-glänzendem Gefieder, kurzem Schwanz und langem Schnabel auf elegantes Understatement. Würger. Seinen brutal klingenden Namen erhielt der Neuntöter aufgrund seines Beute-
Die echten Star-Qualitäten zeigt der 22 Zentimeter große Vogel jedoch beim Singen. Neben einer Unmenge eigener Gesangsmotive besitzt der Star die Fähigkeit, verhaltens. Als Nahrungsreserve beziehungsweise zur Bearbeitung spießt er Insekten,
andere Vögel perfekt nachzuahmen. Mit dem klassischen Starenkasten können Gartenbesitzer dieses Multitalent auch selbst anlocken. Besser noch, man hängt gleich kleine Vögel oder Mäuse auf Dornen oder spitze Zweige auf. Der Neuntöter ist zum
mehrere solcher Kästen in Abständen von ein paar Metern nebeneinander auf, denn der Star lebt am liebsten in geselliger Runde. Symbol für Heckenbrüter schlechthin geworden.

Der Frühaufsteher hört die Vögel


TEXT: NADINE SCHMID, MAYLIEN MÜLLER, DPA & NABU
FOTOS: DPA-/PZ-ARCHIV

Alle Vögel sind schon da? Mitnichten.


Die letzten Zugvögel, die in diesem Jahr wieder aus
ihren Winterquartieren heimfliegen – wie Nachtigall
oder Neuntöter – werden erst im Mai erwartet.
Aber Singdrossel, Star und Zilpzalp haben sich
bereits in der Region eingefunden.
Thomas Köberle Gerhard Vögele

N
och ist es frostig nachts, aber frühmorgens nimmt das Vogel- auswirkten. Fakt sei, so der Nabu-Ehrenvorsitzende aus Pforzheim,
konzert im Garten schon Fahrt auf. Nicht nur Singdrossel und dass mit Ausnahme der Haussperlinge nur solche Arten die Futter-
Zilpzalp zwitschern um die Wette. Vor wenigen Tagen hat Tho- stellen aufsuchten, deren Bestand nicht gefährdet ist. Vorrangig für
mas Köberle einen Storch bei Lienzingen gesehen. Ein Durchzügler, die Artenvielfalt sei daher die Erhaltung von Lebensräumen durch
wie der Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands Enzkreis Kauf, Pacht oder Ausweisung als Schutzgebiete und die Schaffung
Der Zilpzalp: Sein Name leitet sich von seinem Gesang ab. Sein unermüdlich weiß. Anders als dieser, suchen andere Vogelarten nun ihre Reviere neuer Biotope. „Wenn sich das Insektensterben allerdings fortsetzt,
vorgetragenes „zilp-zalp“ verrät sofort, um welchen der unscheinbar oliv- und beginnen mit der Balz. Auf dem Weg zu uns sind noch Wespenbus- kommen wir um die Ganzjahresfütterung nicht herum“, meint auch
grün gefiederten Laubsänger es sich handelt. Als einer der häufigsten Vögel sard, Schwalbe oder Gartenrotschwanz. Köberle ist ein Befürworter der Vögele.
Europas ist der Zilpzalp nicht nur an Waldrändern, sondern oft auch in Feld- ganzjährigen Vogelfütterung mit geeignetem eiweißreichem Futter wie Im eigenen Garten plädiert der Experte für den völligen Verzicht
gehölzen, größeren Gärten, Parks und Friedhöfen anzutreffen. Rastlos und Sonnenblumen- oder Getreidekörnern. Ein umstrittenes Thema in der auf Pestizide. Außerdem empfiehlt der Pforzheimer die Anpflanzung
geschickt bewegt er sich durchs Gebüsch, wobei er häufig mit dem Schwanz Vogelkundler-Szene. Gerhard Vögele verweist darauf, dass sich Zufüt- einheimischer Wildsträucher, in denen die Vögel brüten und von
nach unten schlägt. Ihr kugeliges Nest mit seitlichem Eingang bauen sie sehr terungen weder positiv noch negativ auf den Bestand der Singvögel deren Beeren sie sich ernähren können.
versteckt in Bodennähe. Eine „wilde Ecke“ auf dem Grundstück, in der man
vorjährige Stauden und ein wenig höheres Altgras stehen lässt, lockt mit
etwas Glück auch den Zilpzalp in Ihren Garten.

KL ASSIKER

Alle Vögel
sind schon da
„Wie sie alle lustig sind,
flink und froh sich regen!
Amsel, Drossel, Fink und Star
und die ganze Vogelschar
wünschen dir ein frohes Jahr,
lauter Heil und Segen.“
(Zweite Strophe des
Kinderliedklassikers
„Alle Vögel sind schon da“)

Das bekannte, dreistrophige Kin-


der- und Frühlingslied „Alle Vögel
sind schon da“ ist 1835 von August
Heinrich Hoffmann von Fallersle-
ben, der auch die Deutsche Natio-
nalhymne schrieb, verfasst wor-
den. Trotz seiner vieler Parodien
ist es heute noch ein beliebtes
Kinderlied und hat sich sogar bis
nach Japan verbreitet. Die erste
Strophe des Lieds beschreibt das
fröhliche Zwitschern der Vögel Ein Weißstorch am Himmel. Am Naturparkzentrum in Zaberfeld und in Horrheim haben sich Störche
und verkündet die Ankunft des zum Brüten eingefunden. Ansonsten sieht man die Tiere als Durchzügler über der Region. Früher wuss-
Frühlings. Die dritte Strophe stellt Ursprünglich stammt der Hausrotschwanz aus dem Gebirge. Schon vor Jahrhunderten hat jedoch der ten die Leute nicht, dass einige Vögel im Winter in andere Gebiete ziehen. Man dachte zum Beispiel,
einen Bezug zum Menschen durch überwiegende Teil der Population die felsige Bergwelt gegen städtische Strukturen jeglicher Art dass Störche sich versteckt hielten. Die Forscher, die vermuteten, dass die Tiere im Winter woanders
ein Gleichnis her und fordert uns eingetauscht. Denn der äußerst anpassungsfähige Hausrotschwanz findet sowohl an hohen Felsen als hinfliegen, konnten das nicht beweisen. Das änderte sich im Jahr 1822: Da wurde in Deutschland ein
auf, lustig und fröhlich wie die Vö- auch an Hauswänden, in Holzstapeln oder gar Terrassen-Markisen Nischen oder Halbhöhlen, in denen Storch entdeckt, dem ein afrikanischer Pfeil im Hals steckte. Das brachte die Forscher erst auf die Idee,
gel zu sein. er brüten kann. Vor allem in Süddeutschland überwintert er sogar inzwischen – Tendenz steigend. dass der Vogel bis nach Afrika geflogen sein könnte, um dort den Winter zu verbringen.
PZ Pforzheim vom 18.03.2017
40 SAMSTAG, 18. MÄRZ 2017 GE S C HICHTEN AU S DE R R E G IO N Stark! UND VON DAHEIM PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 65

Sorgten für Stimmung und den richtigen Takt: die Musiker Gregor
Schwartz mit Waschbrett und Minibecken, Harald Kappenstein am
Akkordeon und Rüdiger Zottl an der Gitarre .

Ein Hoch aufs


Wirtshaussingen
TEXT UND FOTOS: SILKE FUX

„Wo man singt, da lass dich ruhig


nieder , böse Menschen haben keine
Lieder“ – getreu diesem Sprichwort
hat sich PZ-Mitarbeiterin Silke Fux
in Wurmberg niedergelassen und im
dortigen Adler einen höchst unter-
haltsamen Abend erlebt. Für „Hei-
matstark“ war sie nämlich beim
Wirtshaussingen und berichtet heute
wortgewaltig vom stimmgewaltigen
Auftritt der Gastgeber um Altbürger- Die Hände zum Himmel, komm lasst uns fröhlich sein: Die Wirtshausbesucher im Adler zogen beim Singen und
WIRTSHAUSSING EN IN D ER REGION meister Helmut Sickmüller, Her- Feiern voll mit.
mann Baral und die Musiker Harald
„Musig, Danz on Xang“ Kappenstein, Rüdiger Zottl und
Gregor Schwartz.
war die Zeit“, „Die Fischerin vom Bodensee“,
„Die kleine Kneipe in unserer Straße“, „See-
mann“ – und alle, tatsächlich alle, singen laut-
oben gehen und zu Andrea Bergs „Du hast
mich 1000 Mal belogen“ die passende Bewe-
gungen nachahmen. „Vielleicht sollten wir un-
Das Wirtshaussingen gibt es in der ginn 19.30 Uhr. hals mit. Glück hat, wer einen Liedordner er- seren Zehnjährigen das nächste Mal zum
Region beispielsweise auch beim Ähnliche Veranstaltungen finden gattert, denn längst nicht alle Sänger und Sän- Wirtshaussingen nach Wurmberg mitneh-

I
Wirtshausabend in Schömberg- auch in Gaststätten, Vereinsräu- ch weiß nicht so recht, was mich im Gast- gerinnen sind textsicher. Doch das macht men“, schießt es mir durch den Kopf, als ich
Schwarzenberg. men und Besen in Ötisheim oder haus Adler in Wurmberg erwartet, als ich nichts und fällt kaum auf, dann wird eben nur einige Kinder erblicke. Zumindest würde der
Am Samstag, 22. April, heißt es in Waldbronn-Busenbach statt. die Türklinke zum Gastraum sanft herun- beim Refrain mitgesungen. Ungezwungen Viertklässler dann verlorengeglaubtes Liedgut
dort „Musig, Danz on Xang“. Dazu In Keltern-Dietlingen gibt es am terdrücke: Im Saal ist es brechend voll. Den- wird der Nebensitzer eingehakt und es wird kennenlernen.
eingeladen sind alle, die Freude Mittwoch, 29. März, im Löwen noch gelingt es meinem Mann und mir, noch kräftig mitgeschunkelt oder das Glas zum ge- Ich verwerfe den Gedanken, denn jetzt
am Musizieren ohne Noten haben. „Britsch’s Original Wirtschaftssin- zwei gemütliche Plätzchen in Sichtweite der meinsamen Prosit erhoben. geht’s hoch her: „Wer im Januar geboren ist,
Veranstalter ist der Kleintier- gen“. Beginn ist um 18 Uhr, Saal- Musiker zu ergattern. Wirtshaussingen steht der nehme sein Glas wohl in die Hand und
zuchtverein Schwarzenberg, in öffnung 17.30 Uhr. auf dem Programm. Eingeladen sind alle, die 130 Sangeswütige am Start sauf es aus bis an den Rand. „Sauf aus, sauf
Kooperation mit der Trachten- Das nächste Wirtshaussingen in in geselliger Runde aus voller Kehle bekannte Ich bin erstaunt, wie viele Hits und alte Schla- aus, sauf aus. Und wer im Februar geboren
gruppe Schömberg. Einlass in das Wurmberg findet am Samstag, Schlager und Volkslieder mitsingen. ger ich noch aus meiner aktiven Fasnetzeit – ist…“ Mitleid steigt in mir auf, für die, die in
Züchterstüble ist ab 18 Uhr, Be- 27. Mai, im Adler statt. fux Und schon greifen der Wurmberger Musi- als Kind und Jugendliche war ich in einer ale- der ersten Jahreshälfte geboren sind und noch
ker Harald Kappenstein zum Akkordeon, Rü- mannischen Häsgruppe in der Ortenau – parat ein fast volles Bier- oder Weinglas vor sich ha-
diger Zottl zur Gitarre und Gregor Schwartz zu habe. Ich gröle mit, was das Zeug hält. Mein ben. Welch Glück, dass ich im Sommer Ge-
seinem originellen Waschbrett samt Minibe- Mann, ein Pfälzer, ist ebenfalls für jeden Spaß burtstag habe und mein Glas, gefüllt mit Spe-
cken. Ab geht die Post. Harald, denn alle sind zu haben. Und so stimmen wir in den Chor zi, ohnehin fast leer ist. Denn Drücken gilt
per du an diesem Abend, hat aus dem Trink- von rund 130 Sangeswütigen begeistert ein. nicht. Sogar wer überhaupt nicht geboren ist,
lied: „Zicke zacke, zicke zacke, hoi hoi hoi“ die Manch Gesangverein würde sich über solch ei- muss aufstehen. Doch mit dem Austrinken
Erkennungsmelodie für das Wurmberger ne große Schar Sänger freuen. nehmen es dafür einige nicht so genau. Gleich
„Wirtschaftssingen“ kreiert. Helmut Sickmüller sammelt derweil die nach mir erhebt sich Bürgermeister Jörg-Mi-
Das Publikum ist im Schnitt 65 plus. Einige Wunschzettel des Publikums ein, denn die chael Teply. Auch er macht den Spaß mit und
aktive Sportler und auch Bürgermeister Jörg- Musiker, die sich immer wieder mit ihren Inst- hat Freude am Singen.
Michael Teply (Jahrgang 1971) senken den Al- rumenten unter die Wirtshausgäste mischen
tersdurchschnitt allerdings deutlich. Wurm- und mit Feuereifer dabei sind, müssen sich Helene Fischer und die Flippers
bergs Rathauschef hat sich mit seiner Frau Da- kein Programm überlegen, das machen die Ich blicke auf die Uhr. Längst wäre es Zeit, zu
niela jedoch ganz nach hinten verzogen, denn Wurmberger und Neubärentäler selbst. Sorg- gehen, aber da spielen die pfiffigen Musiker
Ein Prosit der Gemütlichkeit: Auch „Wer im Januar geboren ist, der nehme im Vordergrund steht sein sangesbegeisterter sam zieht Annette Kappenstein Zettel um Zet- Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen
Wurmbergs Bürgermeister Jörg-Michael sein Glas … Und wer im Februar …“: Bei Amtsvorgänger, Altbürgermeister Helmut tel aus Sickmüllers schwarzem Zylinder, um bricht“ und im nächsten Augenblick „Atem-
Teply ließ sich das Wirtshaussingen so viel Gesang will die Stimme wahrlich Sickmüller, der das Wirtshaussingen bei ei- dann als „Nummerngirl“ durch den Raum zu los“ von Helene Fischer. Auch wenn man die-
nicht entgehen. gut geölt sein. nem „Alte-Herren-Treffen“ beim TSV gemein- eilen. Denn schließlich muss man doch wis- se Frau nicht mag, kann man bei diesem Titel
sam mit Hermann Baral austüftelt hat und Te- sen, welcher Gassenhauer als nächstes dran nicht einfach aufstehen und gehen. Die Lied-
ply mit der telefonischen Ankündigung „Wir ist. Bei „Ein Mädchen vom Lande wie bist du zeile von den Flippers „Weine nicht kleine
gründen eine Bürgerinitiative“ kurz einen klei- schön“ muss ich passen. Dafür schütteln eini- Eva, wenn ich heut auch von dir geh“, scheint
nen Schreck und einen Stich versetzt hat. ge ältere Semester bei „Eine, die immer lacht“ mir für den Abschied passender. Doch vor den
fragend den Kopf. Wer allerdings für die Musikern, die eine tolle Gaudi und erst nach
Stimmung und gute Laune „Pforzheimer Zeitung“ über die Prunksitzun- knapp zwei Stunden eine kleine Pause ma-
Doch von der Initiative „Wirtshaussingen in gen in Neuhausen, Schellbronn und Wims- chen, bleibt nichts unbemerkt. „Die Presse
Wurmberg“ geht keine politische Gefahr, da- heim berichten darf, hat damit kein Problem. verabschiedet sich“, ruft Harald ins Mikro und
für Stimmung und gute Laune aus. Auch die Immer wieder tauchen an diesem Abend der gesamte Saal winkt und klatscht uns zu.
Musiker sind mit Harald, Rüdiger und Gregor Erinnerungen an meine Grundschulzeit auf, Auch auf der Heimfahrt im Auto singen mein
schnell gefunden. Adlerwirt Rolf Drodofsky ist genauer an das kleine rote „Mundorgelbüch- Mann und ich Schlager um Schlager und dies,
begeistert bei der Sache und sorgt mit seinem lein“, aus dem im Musikunterricht einst Volks- obwohl ich die banalen Texte doch gar nicht
Zogen die Musikwünsche der Gäste aus Wohl dem, der einen Liedordner ergat- Team dafür, dass die Mägen gut gefüllt sind lieder wie „Bergvagabunden“ gesungen wur- mag. Aber irgendwie ist beim Wirtshaussingen
dem Zylinder: Altbürgermeister Helmut tern konnte – wobei Textsicherheit eher und die Kehlen nicht trocken bleiben. den. „Unser Sohn kennt solche Lieder gar in Wurmberg wohl mehr als ein Funke überge-
Sickmüller und „Nummerngirl“ Annette zweitrangig war und kleinere Fehler Da werden alte Volks- und Stimmungslie- nicht mehr“, schreien sich mein Mann und ich sprungen – und der nächste Termin am
Kappenstein. großzügig weggeschunkelt wurden. der geschmettert, was das Zeug hält: „Schön über den Tisch zu, während viele Hände nach 27. Mai im Adler längst im Kalender notiert.
PZ Pforzheim vom 25.03.2017
40 SAMSTAG, 25. MÄRZ 2017 G E S C HICH TE N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VON DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 71

KIND ERBUCH

Heidelbär und
Heidelinchen
Im vergangenen Jahr ist in Enz-
klösterle ein kleines Kinderbuch
entstanden, das im Heidelbeer-
haus erhältlich ist. „Hallo, hört
mich jemand?“ ist die Geschichte
einer Freundschaft zwischen Hei-
delbär und Heidelinchen über-
schrieben. Der blaue Bär – lebens-
groß, aus Holz und rund eine Ton-
ne schwer, steht er in Enzklösterle
vor der Schnitzerstube „Krippena“
50 bis 60 Pfund Heidelbeeren holten erfahrene
– lebt einsam im Schwarzwald, bis
Heidelbeer-Sammler laut Heimatbuch
er dem kleinen Mädchen Heide-
einst pro Tag aus dem Wald.
linchen begegnet. Die Idee zu dem
Büchlein hatte Berta Lanzl, die
auch den Text geschrieben hat,
angesichts des blauen Holzbären
von Holzschnitzer Theo Güter-
mann. Rita Renate Kappler – sie AUS - UND EIN BLICKE
schuf auch das neue Heidelbeerlo-

Rundweg
go für Enzklösterle – hat für die
fröhlichen farbigen Bilder gesorgt.
„Ich war gleich von der Idee ange-
tan“, sagt sie. Inzwischen kann
sich das Team – „es war eine
eingeweiht
Teamarbeit“, stellt Claudia Ollen-
hauer fest und verweist darauf, Für Wanderfreudige hat Enzklös-
dass zu diesem Team auch noch terle eine neue Attraktion. Der
Marlis Kraigher als Lektorin ge- Gerefft, nicht gezopft: Die Heidelbeer-Ernte mit dem Kamm ist allerdings nicht allerorten gern gesehen. Heidelbeerweg konnte bereits ein-
hört – über den Erfolg des Büch- geweiht werden, jetzt steht seine
leins freuen. „Gedacht ist es für Zertifizierung als Premium-Wan-
Drei- bis Sechsjährige. Aber es derweg an. Etwa 13 Kilometer lang

Mit blauen Fingern auf der Suche


kommt auch bei allen, die Natur- ist der Rundweg, der in Enzklös-
geschichten lieben, gut an.“ terle bei der Tourismusinformati-
on startet und endet. Rund vier
Stunden ist man unterwegs und

nach dem „Gold des Waldes“


ein besonders geübter Wanderer
muss man nicht sein, will man die
interaktiven Stationen ablaufen,
die Natur, die wunderschönen
Ausblicke und zur Erntezeit natür-
TEXT: GABRIELE MEYER | FOTOS: TOURISTIK BAD WILDBAD – sie hat sie sozusagen angeheiratet und ist lich auch die blauen Früchte ge-
heute begeisterter Fan der Waldfrucht: „Fri- nießen. Der Schwierigkeitsgrad
sche Heidelbeeren, das ist etwas ganz Tolles“. der Wanderung wird mit mittel
Wer das „blaue Gold“ sucht, muss eigentlich gar nicht lange unterwegs sein. Auch sie weiß: „Jeder hat so sein Fleckchen, angegeben. Beim Heidelbeerfest
das ist sein Geheimnis“. in diesem Jahr (15. und 16. Juli)
Heidelbeeren gibt es fast überall im Schwarzwald. Ganz im Heidelbeer- soll der Weg offiziell eingeweiht
Element ist man in und rund um den kleinen idyllisch gelegenen Ort Heidelbeerfest steht im Mittelpunkt werden.
Enzklösterle gleich hinter Bad Wildbad. Hier ist die dunkle Wildfrucht Die zwei unterschiedlichen Erntearten – zop- Wie vielfältig die Heidelbeere
fen und reffen – sind auch heute noch so et- verwendet werden kann, zeigt sich
so etwas wie ein Erkennungsmerkmal. „Heidelbeerdorf“ nennt sich was wie eine persönliche Grundeinstellung im Heidelbeerhaus, das im „Haus
Enzklösterle – und das kann man dort zu allen Jahreszeiten nicht nur zum Heidelbeer-Sammeln. Wer zopft, der am Lappach“ untergebracht ist.
erleben, sondern auch schmecken, wie „Heimatstark“ erfahren hat. pflückt die Beeren einzeln, wer refft, der geht Hier finden sich so seltene Genüs-
Für das kleine Kinderbuch „Hallo hört mit einer Pflückhilfe, einer Art Heidelbeer- se wie gefriergetrocknete Heidel-
mich jemand?“ mit Heidelbär und Heide- kamm, über die Pflanze. Das wird nicht über- beeren, Heidelbeeren Secco, Hei-

D
linchen hat Rita Renate Kappler (rechts) ie kleinen süßen Beeren, die nicht nur zum Beispiel die Calmbacher und Murgtaler – all gern gesehen, denn schonender geht die debeeren-Senf, Heidelbeeren-Tee,
die Bilder geschaffen. Claudia Ollenhau- auf den Kleidern der Sammler hartnä- in die Enzklösterle-Wälder kamen. Immerhin Zopf-Methode mit der Pflanze und ihren Mischungen für Heidelbeeren-
er, die auch das Heidelbeerhaus betreibt, ckige Spuren hinterlassen und sich war das Geld vom Verkauf der Heidelbeeren in Früchten um. Pfannkuchen, Marmelade, Heidel-
war für die Grafik zuständig. auch damit deutlich von den dicken Zucht- vielen Familien fest eingeplant. Gute Pflücke- In Enzklösterle ist zwar die Heidelbeere das beer-Balsamico und Heidelbeer-
blaubeeren unterscheiden, haben die Nei- rinnen, so steht es im Heimatbuch Enzklöster- ganze Jahr über präsent. Alle Gasthäuser ha- seife.
gung, sich an vielen Stellen rar zu machen. Es le, das die Traditionen und Bräuche anschau- ben sie in irgendeiner Form in ihre Speisekar-
sind Geheimtipps, die zu den reichen Heidel- lich und lebendig schildert, brachten es am te integriert. So richtig im Mittelpunkt aber
beer-Speisekammern des Waldes führen – von Tag auf 50 bis 60 Pfund, „gezopft und nicht steht die blaue Waldfrucht beim Heidelbeer-
vielen streng gehütet, von manchen großzügig gerefft“, die sie in Körben auf dem Kopf nach fest im Sommer. Da wird auf dem Festplatz
weitergegeben. Ob mit oder ohne großem Hause trugen. Wer weniger Glück hatte und nicht nur gefeiert – mit viele blauem Gold
Sammelergebnis: Spaß macht es auf jeden mit relativ leeren Gefäßen zurückkam, musste zum Essen, versteht sich – da wird auch zum
Fall, sich auf die Spuren des blauen Goldes sich ein Spottliedchen anhören. Im Heimat- gemeinsamen Zopfen, zu Heidelbeerwande-
und damit mitten hinein in die urwüchsigen buch findet man den Text: „Ihr Haibeerleut, rungen und zum Bauernmarkt mit viel Musik
Wälder zu begeben, zum Beispiel rund um ihr Haibeerleut, ihr hent ja leere Krätte, ihr eingeladen, es gibt Geschichten und Wissens-
Enzklösterle, das sich „Heidelbeerdorf“ nennt. hent jo nix, ihr hent jo nix, ihr hent jo älles wertes über die Heidelbeeren zu hören – und
gfressa!“ auch das Selbermachen, zum Beispiel eines
Alte Tradition lebendig gemacht 50 bis 60 Pfund – das ist eine Menge, die Heidelbeer-Likörs oder einer Heidelbeertorte,
Was wie ein touristischer Werbegag klingt, hat ganz schön auf den Rücken gehen kann und steht mit auf dem Programm.
viel mit Tradition zu tun. Schon früher trugen dazu noch eine vertiefte Kenntnis der Heidel- Ein Tipp: Nichts geht über einen Pfannku-
die Heidelbeeren für die Menschen in Enz- beer-Gebiete voraussetzt. „Ich staune immer chen mit frischen Waldheidelbeeren – ein
Den blauen Heidelbär gibt es nicht nur klösterle – dazu gehören die Ortsteile Poppel- wieder, wenn ich manche mit vollen Eimern ganz einfaches, traditionelles Gericht, das es
auf dem Papier – die lebensgroße Holz- tal, Gompelscheuer und Nonnenmiß – zum aus dem Wald kommen sehe“, sagt Bürger- aber in sich hat. Und noch etwas: Man kann in Die Wälder rund um Enzklösterle gelten
skulptur hat der Holzschnitzer Theo Lebensunterhalt bei. Die waren gar nicht be- meisterin Petra Nych. Ihr ist die Liebe zum Enzklösterle sogar den „Heidelbeer-Führer- als gutes Heidelbeeer-Revier. Jetzt führt
Gütermann geschaffen. geistert, wenn in Notzeiten die „Fremden“ – blauen Gold nicht in die Wiege gelegt worden schein“ machen. ein neuer Wanderweg rund um den Ort.

B E EREN-B O TS CHAFTER

Oma und Prinzessin


„Heute zopf ich, ist: Ihr werden eine Stärkung des und Heidelbeerzweigen gekrönte
Immunsystems, entzündungs- bildhübsche Heidelbeer-Prinzes-
morgen back ich . . .“ hemmende Eigenschaften und In- sin bringt sie in Enzklösterle das
haltsstoffe gegen Stress nachge- blaue Gold des Waldes besonders
. . . – Heidelbeeroma Heide Schmid sagt. zum Leuchten.
macht das möglich. Sie startet mit Nicht zu vergessen: Die Heidel- „Das passt, das ist toll“, stellt
den Teilnehmern in die Wälder, beere ist immer auch ein kulinari- die angehende Tourismusmana-
erzählt davon, dass die Kinder frü- scher Genuss. Und so hat die Hei- gerin zur Familienzusammenar-
her sogar Ferien bekamen zum delbeeroma natürlich ebenso eine beit fest: „Oma weiß wirklich viel,
Heidelbeer-Zopfen, erzählt vom Menge an Rezepten parat. und ihre Heidelbeerpfannkuchen
Auerhahn und dass der in der Re- 75 Jahre ist die Heidelbeeroma sind super. Außerdem hat sie gro-
gion ohne die blaue Waldfrucht alt und mit Begeisterung bei der ße Erfahrungen mit Heidelbeeren
gar nicht zuhause wäre, erzählt Sache. Noch viel schöner wird das auch aus ihrer Kindheit“. Das sei- Eine leckere
von den Traditionen in Enzklös- Heidelbeeramt dadurch, dass En- Starkes Duo: Heidelbeer-Oma Heide en, fügt die Enkelin mit Blick auf Spezialität im
terle – und nicht zuletzt davon, kelin Hannah Winz mit dabei ist: Schmid mit ihrer Enkelin Hannah Winz, die mühsame Arbeit der Kinder Nordschwarzwald sind
wie gesund die blaue Waldfrucht Als mit einem Kranz aus Blumen der Heidelbeer-Prinzessin. an, „nicht immer gute gewesen“. Heidelbeer-Pfannkuchen.
PZ Pforzheim vom 01.04.2017
40 SAMSTAG, 1. APRIL 2017 G E S C HICH TE N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VON DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 77

Der heißeste Sommer


ILLUSTRATION: PZ / FOTOLIA

Der Mann
für Stürme,
Fluten und Dürre
Die Hitze hatte 2003 nicht nur die Region, sondern ganz Europa im
Griff. Der Juni war der Wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnun-
TEXTE: ALEXANDER HEILEMANN durch Pforzheim zog te er erst in seiner Berufslaufbahn bei einem gen. In Mühlacker wurde am 23. Juni der Spitzenwert von 35,1 Grad
UND SVEN BERNHAGEN und zwei Menschen Lebensversicherer ein. Doch 2014 schlug die gemessen. Wegen der hohen Ozonwerte riet die PZ: „Ausruhen statt
das Leben kostete. Leidenschaft von Neuem zu. Und seitdem re- sporteln.“ Gegen Ende des Monats gingen die Temperaturen zurück
Wetter ist oft Gefühlssache: „Früher „Die Windgeschwin- cherchiert er noch akribischer, steckt noch „Nun bekommt die Hitze hitzefrei“, war eine der Schlagzeilen. Das
digkeiten dieses viel mehr Zeit in seine Forschung. Damals hat- Aufatmen war allerdings von kurzer Dauer, denn der absolut wärms-
gab’s viel mehr Schnee“, heißt es ger- Sturms sind auf über te der Deutsche Wetterdienst seine Klimada- te August schloss sich an. Der Ausnahmemonat führte zu einem
ne. Oder wahlweise: „Früher war der 300 Stundenkilome- ten freigegeben – für Bramm eine Quelle vol- „Bade-Boom“. In Pforzheim gönnten sich Bauarbeiter beim Pflastern
Sommer viel schöner.“ Der Sersheimer ter berechnet wor- ler Informationen über extreme Wetterlagen. eine Erfrischung aus dem Eimer (Foto). FOTO: KETTERL/PZ-ARCHIV
den“, sagt Bramm. Und so hat er gesammelt, welche Werte er zu
Autor Bernd Bramm bietet nun die Eine Katastrophe un- Hochwassern findet, zu Dürren, zu Hitzewel-
Datenbasis für all jene, die gern übers
Wetter reden. In seinem Buch hat er
geheuren Ausmaßes.
Solche Daten zu Bernd Bramm
len und Kälteeinbrüchen.
Seine Arbeit zeigt natürlich, dass es Extre-
Die dickste Schneedecke
verheerenden Wet- me zu allen Zeiten gegeben hat. Aber der Sers-
Wetterdaten aus dem Raum Pforz- terlagen hat der 54-Jährige in den vergange- heimer stellt auch fest, dass sie zugenommen
heim, Bretten, Besigheim zusam- nen zweieinhalb Jahren akribisch zusammen- haben. Das gelte sowohl für Tage, an denen
mengetragen und die extremen getragen. In seinem Buch „Wetterextreme zwi- wahre Regenfluten über manche Orte in der
schen Pforzheim, Bretten und Besigheim“ hat Region kommen. Aber es gebe eben auch
Ereignisse herausgearbeitet – vom
er sie dokumentiert – vor allem auf einer CD- mehr längere und intensivere Hitzeperioden.
Hochwasser 1824 bis zum verhee- ROM, die dem Werk beiliegt. Dort finden sich Seit 1990 hätten die Monate, die gemessen am
renden Tornado 1968. „Heimatstark“ Wetteraufzeichnungen aus dem östlichen Teil Durchschnitt zu warm sind, merklich zuge-
der Region über Jahrhunderte hinweg. Über nommen. Und die wirklich hohen Schneemar-
hat mit ihm gesprochen und einen
schlimme Hochwasser in den Jahren 1824 und ken sind bereits viele Jahrzehnte alt: Im Feb-
Blick in die Geschichte geworfen. 1851 zum Beispiel. Damals seien als Reaktion ruar 1942, so Bramm, habe die damalige Wet-
Flutmarken angeordnet worden, die Auf- terstation in Wimsheim den Rekordwert ge- Das beschauliche Wimsheim ist – das zeigen die Daten, die Bernd
schluss über die damaligen Fluten im Ver- meldet: 68 Zentimeter hoch habe der Schnee Bramm in seinem Buch zusammengetragen hat – Rekordhalter in Sa-

W
enn der Sersheimer Bernd Bramm gleich zu späteren Hochwassern geben. Und dort gelegen. Ein Rekord, der freilich nur für chen dickste Schneedecke seit Beginn der Pegelmessungen. Dem-
sich auf das extremste Wetterphä- damit gab es neue Daten, die Vergleiche zwi- den von Bramm betrachteten Teil der Region nach lagen im Heckengäu am 17. Februar 1942 insgesamt 68 Zentime-
nomen festlegen müsste, das die schen schlimmen Unwettern zulassen. gilt – die Höhenlagen des Nordschwarzwalds ter Schnee. Schon Ende Januar war die Schneedecke deutlich ange-
Region in den vergangenen Jahrzehnten und Temperaturen, Regenmengen, das waren sind bei ihm ausgeklammert. wachsen. Am 4. und 16. Februar kam es dann zu weiteren ergiebigen
sogar Jahrhunderten getroffen hat, dann wäre immer Dinge, die Bernd Bramm fasziniert ha- Schneefällen. An den Rekordhalter Wimsheim kam zwar keiner ran,
das für ihn der Tornado. Der verheerende Wir- ben. Schon in der Jugend und bis in die Studi- Bernd Bramm: „Wetterextreme“; aber trotzdem pendelte sich die Schneedecke in der gesamten Region
belsturm, der am Abend des 10. Juli 1968 eine enzeit habe er täglich notiert, welche Tiefst- Verlag Regionalkultur 2017; – so wie auf dem Foto zwischen Eutingen und Kieselbronn, wo die
Schneise der Verwüstung von Ittersbach über und welche Höchsttemperaturen er gemessen 80 Seiten plus CD-ROM mit 800 Seiten, Straße mit einem sechsspännigen Schneepflug geräumt wurde – bei
Ottenhausen, Gräfenhausen, Birkenfeld bis hat. Eine Pause als Hobby-Wetterforscher leg- 168 Abbildungen und 19 Tabellen; 17,90 Euro. gut 30 Zentimetern ein. FOTO: ARCHIV ORTSVERWALTUNG EUTINGEN

Der kälteste Winter Der stärkste Sturm Das schwerste Hochwasser

Der kälteste Wintermonat seit Beginn der Aufzeichnungen 1755 war Der 10. Juli 1968 war heiß. In Pforzheim hatte es schwüle 30 Grad. Am Nach einem nassen Sommer, in dem sich Böden schon vollgesaugt
der Februar 1929. Das durchschnittliche Minimum über den ganzen Abend bildete sich über den Nordvogesen ein Tornado, der von Westen hatten, war der Oktober 1824 eigentlich von schönem Herbstwetter
Monat hinweg belief sich beispielsweise in Knittlingen auf minus nach Osten zog. Mit seiner zerstörerischen Wirkung zog er gegen 22 Uhr geprägt – bis zum 28. An diesem Tag begann es zu regnen und es soll-
16,4 Grad. Die tiefste Temperatur wurde am 13. des Monats mit minus von Ittersbach über Ottenhausen und Gräfenhausen nach Birkenfeld, te bis zum 6. November praktisch nicht mehr aufhören. Das Enztal
28,9 Grad gemessen. Fast den ganzen Monat über lag in der Region überquerte die südlichen Stadtteile von Pforzheim und endete nur we- zwischen Neuenbürg und Besigheim sei ein einziger See gewesen. An
eine mäßig hohe Schneedecke. Sämtliche Seen und Flüsse – wie auch nig östlich von Neubärental. Berechnungen zufolge lag die Windge- der Enz in Pforzheim bei der Altstädter Brücke wurde eine Wasser-
die Enz auf dem Foto an der alten Wehrfalle in Mühlacker – in schwindigkeit zwischen 270 und 350 Stun- menge von 1350 Kubikmetern in der Sekunde gemessen. Dies war
Deutschland waren komplett vereist. Zu den schönen Seiten gehörte denkilometern. Der Pforzheimer mehr als das Zehnfache der normalen Wassermenge und fast drei-
das Eislaufen auf der zugefrorenen Enz. Aber viele Bereiche des öf- Tornado wurde in die zweit- mal so viel wie bei einem gewöhnlichen Hochwasser. Der Wasser-
fentlichen und privaten Lebens wurden lahmgelegt. Da durch die höchste Stufe „F4“ eingeord- stand der Enz stieg auf 4,30 Meter – das Maximum von 1784 lag zu-
Vereisung der Flüsse die Binnenschifffahrt unmöglich wurde, kam es net. Die Schneise der Zer- vor bei 3,10 Meter. Sämtliche Brücken in Pforzheim wurden zerstört,
zu Problemen in der Kohlenversorgung. Kohleferien wurden ange- störung war etwa 27 Kilo- ebenso wie in Brötzingen, Würm, Eutingen oder Niefern. Paradox: In
ordnet, Schulen geschlossen. Brandfälle beim Auftauen der Leitun- meter lang und 200 bis Vaihingen brach bei einem Gerber ein Feuer aus, das wegen der um-
gen nahmen „in erschreckender Weise zu“. Sogar um die Kirchenglo- 600 Meter breit. Zwei gebenden Wassermassen nicht gelöscht werden konnte. Als die Flu-
cken fürchtete man. Um das Zerspringen durch den Frost zu vermei- Tote wurden gezählt. Es ten nachließen, türmten sich Enz-abwärts die Trümmerberge – und
den, wurde am Sonntag, dem 17., in Pforzheim nicht wie üblich vor gab rund 300 bis 400 in den Zeitungen gab es Suchanzeigen wie diese: „Durch die Ueber-
Beginn der Gottesdienste geläutet. In einem Zeitungsbericht hieß es Verletzte. Über 4000 schwemmung am 29. Oktober wurde Rößleswirth Urbans Wittwe von
damals: „Genug der Kälte! Das unerschöpfliche Tagesgespräch ist die Gebäude wurden be- Pforzheim ihr mit 6 kupfernen Hacken versehener, neuer Bierbrau-
Kälte. Selbst den Ausdauerndsten fällt sie auf die Nerven. In den vor- schädigt, 130 Autos hat- kessel, so wie ein Branntweinkessel nebst zwei Kuppeln, vom Wasser
hergehenden Jahren hatten sie sich schon mit dem Problem beschäf- ten Totalschaden und fortgerissen. Dem redlichen Auffinder dieser Objekte wird auf gefäl-
tigt, ob sich in Deutschland ein Klimawechsel vorbereite. ‚Wir haben 440 Hektar Wald mussten ligst Nachricht eine angemessene Belohnung zugesichert.“ Bilder
ja keinen Winter mehr‘, meinten sie, ‚unsere Temperaturen nähern neu aufgeforstet werden. vom Rekordhochwasser liegen nicht vor, aber auch das Foto des
sich denen in Italien‘. Diese Phantasten dürfen wohl endlich eines FOTOS: STADTARCHIV PFORZHEIM / KREISARCHIV - Hochwassers von Mai 1931, als der Marktplatz in Dürrmenz unter
Besseren belehrt worden sein.“ FOTO: STADTARCHIV MÜHLACKER DES ENZKREISES Wasser stand, ist schon ganz eindrucksvoll. FOTO: STADTARCHIV MÜHLACKER
PZ Pforzheim vom 08.04.2017
40 SAMSTAG, 8. APRIL 2017 G E S C HICH TE N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VON DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 83

In Stein
geschmissen“, erzählt Helmut Freihofer.
Doch Größe habe nichts mit Qualität zu
tun und am Ende müsse so ein Block halt
auch unter die Säge passen, wolle man

gemeißelt
zum Beispiel Steinplatten daraus ma-
chen. Deshalb schaue man, dass man aus
den Gesteinsbänken Klötze mit etwa zwei
Kubikmetern – also zwei Meter lang, ei-
nen Meter hoch und einen Meter tief –
TEXT UND FOTOS: SVEN BERNHAGEN herausbekomme. Dafür werden entlang
der gewünschten Bruchkante in regelmä-
ßigen Abständen Löcher gebohrt. An-
Bis Mitte der 1950er-Jahre wurde im Wimsheimer Steinbruch schließen wird ein Keil zwischen zwei Fe-
Sandstein abgebaut. Das Handwerk hatte eine große Tradition in der derblechen hineingetrieben, so dass es
den Stein spaltet. „So ein Klotz wiegt
Heckengäu-Gemeinde. Über 50 Steinmetze waren hier beschäftigt. dann etwa 4,5 Tonnen“, sagt Freihofer.
Heute sind Helmut Freihofer und sein Sohn Michael die letzten ihrer Schon hier zeige sich die Kunst eines
Art. „Heimatstark“ hat die Freihofers besucht und mit ihnen statt Steinmetzes. „Man muss den Stein lesen
können“, sagt Freihofer, „man muss die
Steinen zur Abwechslung Geschichten und Geschichte ausgegraben. Rohblöcke beurteilen, erkennen, ob ein
Denn wenn irgendwo in der Region Sandstein verbaut ist, Stich durch die Platte geht und was man
stehen die Chancen gut, dass die beiden mit am Werk waren. am Ende rauskriegt.“ Es werden immer
weniger, die dieses Handwerk beherr-

T
schen: „Steinhauer gehört zu den aus-
eile des Wimsheimer Stein- Beim oberen Plattensandstein hat man sterbenden Berufen.“ Und klar, dass er
bruchgeländes wirken, als wäre oft Schichten, die keinen Zusammenhalt strahlt, wenn er erzählt, dass seine Enkel
die Zeit vor Jahrzehnten ste- haben. Der im Würmtal zum Beispiel ist Robin (13) und Hannes (8) auch schon
hen geblieben. Im weiten Halb- hart, aber sehr grobkörnig – auch nicht mit Hammer und Meißel umgehen kön-
rund des acht Meter hohen Felsabbruchs gut.“ nen. Es wäre die vierte Steinmetz-Gene-
ein altes Werks- und Wohngebäude. Am Der Wimsheimer Sandstein sei den Er- ration, die bei den Freihofers heran-
Rand einige Holzbaracken. Nur ganz hin- zählungen nach dank seiner Qualität so- wächst.
ten eine moderne Werkshalle. Menschen- gar im Straßburger Münster von 1447 ver-
leer das Ganze. Doch gearbeitet wird hier baut worden. „In Dokumenten, auf de-
überall noch. Das ist nicht zu überhören, nen eine alte Wurmberger Ortschronik
wenn die schweren Maschinen laufen, basiert, ist wohl vermerkt, dass Steinblö-
„Man muss exakt arbeiten,
die Bohrer kreischen, sich die Sägen cke aus Wimsheim auf Ochsen-Karren weil man Fehler
durch die schweren Steinblöcke arbeiten nach Frankreich transportiert wurden“, immer gleich sieht.“
oder Hämmer auf Meißel schlagen. Und sagt Freihofer, auch wenn eine erste
früher oder später läuft man dann auch „Heimatstark“-Recherche im Wurm- Michael Freihofer über den Umgang mit dem
Senior-Chef Helmut Freihofer (69) oder berger Rathaus und Karl Seegers Buch Naturmaterial Stein. Platze beim Behauen
etwas ab, sei das später nur schwer zu kaschieren.
seinem Sohn Michael (45) in die Arme. „Geschichte eines Dorfs“ von 1971 da-
Zu zweit halten die beiden Stein- für keinen Beleg erbracht hat.
metze den Betrieb am Laufen, Bis Mitte der 1950er-Jahre sei in Dass es ein reizvoller Beruf ist, daran
auch wenn heute in Wimsheim Mehr zum Wimsheim Buntsandstein ab- lässt Michael Freihofer keinen Zweifel:
er
kein Stein mehr abgebaut wird. Wimsheim gebaut worden, so Freihofer. „Als Steinmetz braucht man gleicherma-
unter
„Früher haben hier noch zehn Steinbruch e- Am Ortsausgang nach Friolz- ßen handwerkliches Geschick und künst-
m al
bis zwölf Steinmetze im Stein- www.grab heim wurde vom Hagenbach lerisches Talent – und Schmackes in den
ei hofe r.d e
fr
bruch gearbeitet“, erinnert sich her in Richtung der katholischen Blick in den Plan: Bei Helmut und Michael Freihofer ist genaues Arbeiten gefragt – Fehler lassen sich Armen.“ Wenngleich man nicht mehr
Helmut Freihofer an seine Anfangs- Kirche eine acht Meter hohe Lage später nur schwer kaschieren. ganz so sehr Schwerarbeiter sei wie frü-
zeit in den 1970er-Jahren: „Mein Vater abgetragen. „Die heutigen Hallen stehen her: „Da hat man sich ja ganz kaputt ge-
Erich, der den Betrieb 1938 übernommen auf aufgefülltem Bereich“, erzählt Frei- macht mit den schweren Klötzen. Heute
hat, hatte sogar mal 52 Leute angestellt.“ hofer: „Ob’s tiefer drunten noch Sand- haben wir wenigstens Vakuumkräne,
Aber in Stein gemeißelt ist eben nur die stein gibt, weiß ich nicht, aber weiter Seilzüge und Stapler, um die Klötze aufs
Handwerkskunst der Freihofers – nicht hinten – westwärts – gibt es noch Gatter zu hieven, wo Platten draus gesägt
aber der wirtschaftliche Rahmen. „Sand- welchen.“ An eine Wiederaufnahme des werden.“ Aus denen werden dann zum
stein aus Polen, China oder Indien ist Abbaus sei aber nicht zu denken. Wo vor Beispiel Grabsteine, Säulen, Mauersteine
heute eine große Konkurrenz“, sagt Mi- 30 Jahren noch Wiese war, ist heute der oder Steinvasen. „Da können wir alles
chael Freihofer. Nur noch gut 200 aktive Ort mit seiner Wohnbebauung an den verarbeiten: Granit, Marmor, Gneis, Kalk-
Steinbrüche gebe es in Deutschland zur Rand des Steinbruchs herangewachsen. stein, nicht nur Sandstein“, sagt Michael
Werksteingewinnung. „Die Auflagen sind hoch, um eine Abbau- Freihofer, der nicht nur anpacken kann,
In Wimsheim, wo die lizenz zu bekommen“, sagt Helmut Eine Werkshalle vor dem acht Meter hohen Ab- Mega-Brocken: Diesen 4,5 Tonnen schweren sondern auch in Bau- und Kunstge-
Schwarzwaldrandplatten aus Freihofer: „Das wäre wie ein Sechser im bruch des Steinbruchs, an den die Wimsheimer Sandsteinblock hat Helmut Freihofer aus dem schichte vor allem der Gotik und des Ba-
Oberem Buntsandstein im Wes- Lotto.“ Wohnbebauung inzwischen herangerückt ist. Steinbruch in Mühlhausen geholt. rock beschlagen ist.
ten auf den Muschelkalk der Seine Steine gewinnt er heute aus ei- Zugute kommt ihm das vor allem bei
Ausläufer des Neckarbeckens nem Steinbruch bei Mühlhausen an der der Sanierung von historischen Gebäu-
im Osten stoßen, hat der Würm. „Für den hatte schon mein Vater den, Brücken oder Denkmälern. Kaum
Sandsteinabbau eine jahr- eine Abbaugenehmigung“, erzählt Hel- ein Werk aus Sandstein, an dem er oder
hundertelange Tradition. mut Freihofer: „Das ist einer der letzten sein Vater in der Region noch nicht am
„Wimsheimer Sandstein aktiven Sandsteinbrüche weit und breit.“ Werk waren: Vom Kloster Maulbronn
war ein guter“, sagt Hel- Im Enzkreis gebe es keinen zweiten: „Mit über den Schleglerkasten Heimsheim bis
mut Freihofer. Zwar einem Schotterwerk ist die Werksteinge- zu Grenzsteinen fürs Nieferner Rathaus.
sei das Material im winnung nicht vergleichbar.“ Vom Brunnen in Schellbronn, über den
Nordschwarzwald Quarzgebundener Sandstein, ein Sedi- Wimsheimer Michaelsdom, bis zur Burg-
keine Seltenheit, mentgestein, lagert hier in Schichten ruine Liebeneck über dem Würmtal.
„aber nicht je- im Boden. Die gilt es, beim Abbau zu Oft haben die beiden Steinmetze auch
der ist gut zu erwischen, um möglichst homogene Handwerkszeug: der Knüpfel – ein runder Holz- schon zusammengearbeitet mit der
bearbeiten. Blöcke zu gewinnen, die sich gut hammer – und verschiedene Meißel. Denkmal-Expertin und Buchautorin Bär-
weiterverarbeiten lassen. „Bildhau- bel Hauser aus Neuenbürg, die „Heimat-
erqualität ist die beste. Da kann stark“ schon auf den Spuren der Klein-
man den Stein drehen und wenden denkmäler durch den Enzkreis geführt
wie man will, da sieht man keine hat. In Friolzheim haben sie in enger Ab-
Einschlüsse, keine Lager, an denen stimmung mit dem Denkmalamt das
der Brocken nachher auseinander- Kriegerdenkmal bei der Kirche gereinigt,
bricht“, beschreibt Helmut Freihofer. abgebaut und versetzt. Viel Handarbeit
Mit schweren Maschinen holt er die Filigranes Werk: An den zwei runden Blumenva- sei gefragt. „Bei geschützten Bauwerken
Rohlinge aus dem Boden. Gesprengt sen hat Michael Freihofer rund 100 Stunden gear- kann man nicht alles mit Maschinen ma-
wird nicht. „Vor zwei, drei Jahren ha- beitet: „Aus dem Naturstein haben wir achteckige chen, da ist Vorsicht geboten“, sagt Mi-
ben wir einen 40 Tonnen schweren Stäbe gesägt, die haben wir von Hand rund gear- chael Freihofer, der froh ist, dass im
Stein rausgemacht. Der war beitet. Anschließend kam eine Folie mit dem Mus- Wimsheimer Steinbruch noch die gesam-
so groß wie ein Seecontai- ter drauf, das wir mit dem Skalpell in den Stein ge- Mit dem Kran kommt der Sandstein auf die te Bandbreite anfällt, die der Beruf zu
ner. Mit zwei großen Bag- ritzt haben. Die Vertiefungen haben wir dann mit Kreissäge. Bis zu 50 Zentimeter dicke Platten bieten hat: „Nur Schriften klopfen, wäre
gern haben wir ihn um- dem Sandstrahler herausgearbeitet.“ können hier zerteilt werden. auf Dauer ein bisschen langweilig.“

Wimsheimer
Wahrzeichen: Z A H L E N UN D FA K TE N
Der Michaelsdom

Natursteinabbau in Deutschland
– natürlich aus
Sandstein.

Insgesamt gibt es rund 2000 Stein- 700 000 Tonnen Naturstein wurden der Betonproduktion zum Einsatz kom-
brüche und Schotterwerke in Deutsch- laut der Statistik „Marble and stones“ men. Der Abbau erfolgt meist durch
land – darunter sind laut Deutschem 2015 in Deutschland abgebaut – rund Sprengung und anschließender Zerklei-
Naturwerkstein-Verband gut 200 aktive 100 000 Tonnen mehr als im Jahr da- nerung in Brechern oder Mühlen.
Werksteinbrüche. vor. www.natursteinonline.de Zugesägte und glatt geschliffene oder
Sandstein gehört in Deutschland zu In Schotterwerken, von denen es in grob behauene Werksteine werden meist
den am weitesten verbreiteten und ab- der Region etliche gibt – zum Beispiel für Mauerwerk, Fenster- und Türumrah-
gebauten Naturwerksteinen. Daneben in Mönsheim, Keltern oder Illingen – mungen, als Platten für Fassaden, Trep-
gibt es auch Granit, Basalt, Diabas, werden hauptsächlich Baustoffe, wie pen- und Bodenbeläge, Grabsteine oder
Sandstein, Kalkstein, Dolomit oder Mar- Brechsand, Split oder Schotter abge- für Säulen verwendet, kommen aber
mor. baut, die im Straßen- und Gleisbau oder auch in der Bildhauerei zum Einsatz.
PZ Pforzheim vom 15.04.2017
38 SAMSTAG, 15. APRIL 2017 G E S C HICH TE N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VON DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 88

Z AHL EN UND FAKTEN KAUFVERHALTEN

Eierverbrauch Hochphase zu
in der Region Weihnachten
RUND 67 500 LEGEHENNEN gibt es in DIE HOCHPHASE des Verkaufs von
Pforzheim und dem Enzkreis. Sie Eiern sei zur Weihnachtszeit,
verteilen sich auf 13 Halter mit Be- meint Bettina Bentel: Dann wür-
ständen von mehr als 1000 Tieren, den viele Menschen das große Ba-
29 Betriebe mit mehr als 350 Tie- cken beginnen. Einen Rückgang
ren und weitere 1200 Halter mit bemerkt sie zur Fastenzeit.
weniger als 49 Legehennen. Jede
dieser Hennen produziert im Jahr
durchschnittlich 270 Eier, das ent-
spricht 18,2 Millionen Eiern, die in
Pforzheim und dem Enzkreis jähr-
lich zum Verkauf stehen. Die Men-
schen in Stadt und Region ver- Z AHL
brauchen aber rund 74 Millionen ZUM THEMA

24
Eier jährlich, sei es als Frühstücks-
ei oder in verarbeiteter Form. Das
bedeutet, dass rund drei Viertel
der benötigten Eier aus anderen
Bundesländern zugekauft werden
müssen, vorrangig aus Nord-
deutschland. Prozent der in Pforzheim und
Baden-Württemberg hat einen dem Enzkreis verbrauchten
Selbstversorgungsgrad von rund Eier stammen auch
27 Prozent, der von ganz Deutsch- aus Stadt und
land beträgt rund 70 Prozent. Kreis.

EIER UND IHRE FARB E


Mitten im Hühnerglück: Seit zehn Jahren bewirtschaften (von links) Thomas, Julia, Lisa und Bettina Bentel einen Legehennenbetrieb in Mönsheim.

Ei ist nicht gleich Ei

Auf den Spuren des Ostereis BRAUNE HÜHNER legen braune Eier
und weiße Hühner legen weiße Ei-
er? Das stimmt so nicht. „Es
kommt nicht auf die Farbe des Ge-
ger sind aber die braunen: Sie ma-
chen in Deutschland laut des Zen-
tralverbands der Deutschen Geflü-
gelwirtschaft 70 Prozent aus.
TEXT: JULIA FALK die Haltung der Tiere und die Wirtschaftlich- Bentel ergänzt: „Wir sehen die anderen Betrie- fieders an“, erklärt Landwirt Tho- Zum Färben etwa zur Osterzeit
FOTOS: SEBASTIAN SEIBEL keit des Betriebs zu gewährleisten, so Thomas be als Mitbewerber, nicht als Konkurrenz.“ Im mas Bentel aus Mönsheim, „son- eignen sich die weißen Eier bes-
Bentel: „Ein landwirtschaftlicher Betrieb muss Hofladen der Bentels gibt es neben Eiern und dern auf die des Ohrläppchens.“ ser, sagt Bettina Bentel, da auf ih-
Das Ei ist nicht nur am Ostersonntag immer eine wirtschaftliche Grundlage haben.“ Kartoffeln aus eigener Produktion auch Milch- Hühner mit weißen Hautlappen nen die Lebensmittelfarbe besser
Die Erzeugungskosten für ein Ei schwankten und Fleischwaren sowie Obst und Gemüse zu unter dem Ohr legen weiße deckt. Gefärbt werden dür-
in aller Munde. Durchschnittlich isst zwischen 8 und 20 Cent. „Als wir das letzte Mal kaufen. „Die Kunden wollen ein breites Sorti- Eier. Ist das Ohrläpp- fen Eier nur mit in der
jeder Mensch in Pforzheim und dem die Preise erhöhen mussten, hatten wir schon ment“, sagt Bettina Bentel, das könne aber chen rotbraun, hat das EU zugelassenen Le-
Enzkreis 233 Eier im Jahr. „Heimat- Bauchschmerzen“, sagt Bettina Bentel. Die nicht alles selbst erzeugt werden. Deshalb Ei eine braune Scha- bensmittelfarben,
meisten Kunden im Hofladen reagierten aber werden regionale Produkte anderer Betriebe le. Geschmacksun- die mit einer E-
stark“ hat hinter die Stalltüren eines mit Verständnis. „Da geht es auch um das Ver- zugekauft. terschiede gibt es Nummer gekenn-
Legehennenbetriebs in Mönsheim trauen zwischen Erzeuger und Verbraucher“, Über ein Laufband gelangen die Eier aus zwischen den Eiern zeichnet sind. Auch
geschaut. meint das Ehepaar. Den Kunden sei es wich- den Nestern in den Sortierraum. Dort durch- nicht, meint Bentel. natürliche Farbstof-
tig, zu wissen, wo ihre Lebensmittel herkom- laufen sie eine Maschine, die das Gewicht Trotzdem bevorzu- fe wie etwa Rotkohl-
men. misst und die Eier stempelt. Bettina Bentel gen manche Kunden oder Blaubeersaft eig-

F
ür Thomas und Bettina Bentel sind Eier verpackt die Eier dann in die passenden Kar- die weißen Eier. Häufi- nen sich dafür.
das ganze Jahr über ein großes Thema. tons. Jedes Ei, das in Deutschland verkauft
Sie beschäftigen sich täglich mit dem wird, muss gestempelt sein. Dieser Stempel
tierischen Produkt: Das Ehepaar betreibt in
„Wir haben Eier noch nicht über. besteht aus einer Zahlen-Buchstaben-Kombi-
Mönsheim seit rund zehn Jahren einen Lege- Sonntags gibt es bei uns auch das nation: Die erste Zahl kennzeichnet die Hal-
hennen-Betrieb im Nebenerwerb. 1800 Tiere klassische Frühstücksei.“ tungsform. 2 steht etwa für Bodenhaltung, die
sind auf dem Hof in Bodenhaltung mit über- 1 für Freilandhaltung. DE steht für Deutsch- VERBRAUCHERTIPPS
dachtem Auslauf untergebracht. Bettina Bentel, die auf ihrem Legehennenbetrieb in land, dahinter ist das Bundesland vermerkt,
Mönsheim 1800 Tiere betreut.

Alles auf Silberlöffel


Die Bentels schwören auf Regionalität. „Wir für Baden-Württemberg die 08. Dahinter folgt
wünschen uns, dass die Verbraucher nicht den die Nummer des Betriebs, bei Großbetrieben
Bezug zum Urprodukt verlieren“, sagt Thomas Mit ihren 1800 Legehennen sind die Bentels noch eine Stallnummer. „Der Verbraucher
Bentel. Deswegen setzt die Familie auf Direkt-
vermarktung. Bettina Bentel öffnet vier Tage
ein Kleinbetrieb. Anders wäre die Bewirtschaf-
tung aber auch gar nicht möglich, Thomas
kann sich bewusst entscheiden, was er kauft“,
sagt Ulrich Hauser, Kreisvorsitzender beim
einen Blick vermeiden
die Woche die Türen ihres Hofladens. Viele Ei- Bentel arbeitet hauptberuflich immer noch Bauernverband. „Die Käfighaltung ist in
er nehmen örtliche Bäckereien, Metzgereien 35 Stunden die Woche als Werkzeugmacher im Deutschland seit 2010 verboten“, erklärt Ul- UM AUF REGIONALE BETRIEBE wie EIER SOLLTEN NIEMALS mit Silber-
und Gastronomen ab, „alles im Radius von et- Schichtbetrieb. rich Dura, Leiter des Verbraucherschutz- und den der Familie Bentel aufmerk- besteck gegessen werden. Das hat
wa 20 Kilometern rund um Mönsheim“, sagt Die Hennen legen im Alter von etwa 22 Wo- Veterinäramtes im Enzkreis, „in der EU seit sam zu machen, hat der Enzkreis einen chemischen Hintergrund:
Bettina Bentel. Auch das Futter für die Hüh- chen ihr erstes Ei. Nicht jedes Huhn produzie- 2012.“ Die Kennziffer 3 steht heute für soge- 2009 einen Einkaufsführer her- Der im Eiklar enthaltene Schwe-
ner – Weizen, Mais und Soja – wird größten- re jeden Tag ein Ei, so Thomas Bentel. Die Tie- nannte ausgestaltete Käfige, in denen weniger ausgebracht, der im vergangenen felwasserstoff reagiert mit dem
teils regional erzeugt. re bleiben zwischen 16 und 20 Monaten auf Hühner in einem größeren Käfig unterge- Jahr aktualisiert wurde. Die dazu- Silber des Löffels zu Silbersulfid.
Mit großen Einkaufsketten wollen die dem Hof, dann sei die Legeleistung voll ausge- bracht sind. In Baden-Württemberg sind nur gehörige „RegioApp“ bietet die Das färbt das Besteck schwarz und
Landwirte nicht konkurrieren. Ein Ei im Hof- schöpft und die Hühner werden geschlachtet. zwei Prozent der Legehennen in ausgestalte- schnelle Suche nach regionalen gibt dem Ei einen metallischen
laden kostet zwischen 21 und 26 Cent, je nach „Die regionale Zusammenarbeit bei uns ist ten Käfigen untergebracht, die Bodenhaltung Erzeugern für iPhone- und Andro- Geschmack. Außerdem entsteht
Größe und Gewicht. Dieser Preis sei nötig, um sehr gut“, sagt Bettina Bentel und Thomas dominiert mit 73 Prozent. id-Nutzer. übel riechender Schwefel.

In ihrem Hofladen verkauft Bettina Bentel das regionale Erzeugnis. Auch Lisa Bentel (neun Jahre) hilft schon auf dem Hof mit. Auf Thomas Bentels Hof leben 1800 Hühner in Bodenhaltung.
PZ Pforzheim vom 22.04.2017
40 SAMSTAG, 22. APRIL 2017 G E S C HICH TE N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VON DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 93

Die vielen Facetten des Enzkreises kann jeder entdecken: zu Fuß (links), in den Betrieben, wie bei Jens Rüdiger in den Weinbergen in Keltern (Mitte), oder an den vielen Sehenswürdigkeiten, wie am Beispiel des Klosters Maulbronn (rechts).

Der Enzkreis ist Trumpf


TEXTE: CAROLIN KRAUS UND ENZKREIS | FOTOS: PZ-ARCHIV

Als Kreis mit schönen Ecken – so betitelt das Landratsamt gerne den Enzkreis, um seine Landschaft und Produkte anzupreisen. Regionalmarketing nennt sich das
und liegt unter anderem in der Verantwortung der Wirtschaftsbeauftragten Kerstin Monasso. Neueste Idee: Quizkarten, mit denen spielerisch die Region
erkundet wird. Mit Heimatstark spricht Monasso darüber, wann Vermarktung ausgereizt ist und wo noch Potenziale liegen.

PZ: Sie kennen den Enzkreis gut. Warum ist Marketing für den Enzkreis Quizspiel sehe ich unter dem Aspekt
Hat gegen Sie jemand eine wirkliche überhaupt wichtig. Können Sie uns „Enzkreis entdecken“.
Chance bei dem neuen Quizspiel? das erläutern?
Kerstin Monasso: Klar doch. Bei den Wir wollen, dass sich Unternehmen und Dies sind alles einzelne Aktionen.
Fragen gibt es immer zwei Antwortmög- ihre Mitarbeiter in den Gemeinden ansie- Das liegt an der dezentralen Organisati-
lichkeiten und sie sind mit etwas Allge- deln. Und wir wollen ihnen zeigen, dass on. Ich halte das nicht für falsch. Jede
meinwissen gut zu lösen. Aber es gibt sie sich im Landkreis wohlfühlen kön- hat einen anderen Schwerpunkt. Und in
auch Dinge, die mich überrascht haben. nen. Der Enzkreis ist zwar flächenmäßig der Summe macht dies den Landkreis
klein, aber er hat viel zu bieten. Allein aus. Im touristischen Bereich arbeiten
Welche zum Beispiel? schon vier ganz unterschiedliche Land- wir mit anderen Landkreisen zusam-
Ich wusste nichts vom Oberamtsmann schaftstypen und zahlreiche Sehenswür- men wie zum Beispiel beim Kraichgau-
Georg Jakob Schäffer, der in Ottenhausen digkeiten, die immer mehr Tagestouris- Stromberg-Tourismus. Die Besucher
als gefürchteter Räuberfänger bekannt ten anlocken. kommen ja nicht gezielt in den Enz-
war. Aber es ist doch auch gut, wenn das kreis, sondern um sich dort beispiels-
Spiel Anlass zur weiteren Recherche gibt. Wie gelingt das? Haben Sie das richti- weise das Kloster Maulbronn anzu-
ge Rezept? schauen.
Ist das Spiel eine neue Form den Gut laufen unsere Aktionen wie die „Glä-
Enzkreis zu vermarkten? serne Produktion“ des Landwirtschafts- Welche Trümpfe bei der Vermarktung
Den Enzkreis und die Heimat spielerisch amts, bei der der Enzkreis als Genussre- können Sie womöglich noch ausspie-
kennenzulernen passt gut zu unseren an- gion wahrgenommen wird. Ebenso „Enz- len?
deren Bemühungen. Jede Gemeinde hat kreis erleben“ seitens des Bürgerschaftli- Es gibt die Idee zu einer Broschüre über
ein Exemplar zur freien Verwendung er- chen Engagements mit den vielen Wan- die 20, 30 interessantesten Ziele im Enz-
halten. Mir liegt viel daran, dass es auch Kenner im Quiztest: Wirtschaftsbeauftragte Kerstin Monasso (von links), Landrat Karl Röckinger und derungen und Ausflügen und die Beteili- kreis. Allerdings ist das keine Hauptauf-
an Schulen gespielt und somit zu einem Kreisarchivar Konstantin Huber versuchen sich am neuen Kartenspiel, das sich um Wissensthemen gung an der Erlebniswelt Kultur, um den gabe des Landratsamts, so dass die Ge-
kleinen Bildungsprojekt wird. über den Enzkreis dreht. FOTO: LANDRATSAMT Enzkreis durch Kunst zu erfahren. Das meinden das Budget stellen müssen.

F Ü R KE N N E R F Ü R G E NI ES S E R F Ü R EN TD E C KE R

Wissen auf kleinen Karten Einblick in den Betrieb Mächtig viel unterwegs
WER OD ER WA S ist ein Kelter- gänzt die Wirtschaftsbeauftragte KUNDEN KA UF EN GERNE REG IONA L keine Produkte für die Ernäh- LA NDSCHAFTS -, Naturschutz-, stellt aktuell die Wandertouren-
knecht? Und was hat ein Maulesel Kerstin Monasso, die das Spiel ge- – und um das Vertrauen in das rung erzeugen, sind dabei. So be- Kultur- und Umwelt-Themen – Karten „Im Enzkreis wandern“
mit dem Kloster Maulbronn zu meinsam mit Kreisarchivar Kons- Angebot an Lebensmitteln und teiligen sich insbesondere der unter diesen Aspekten gestaltet zusammen.
tun? Die Antworten werden auch tantin Huber und dem Spielever- Getränken vom heimischen Er- Zierpflanzenbau, die Baumschu- sich das jährliche Programm der Der Veranstaltungskalender
so manchen Kenner des Enzkei- lag Pöppel realisiert hat. Schnell zeuger zu festigen, gibt es die len und die Forstwirtschaft. Da- Reihe „Enzkreis erleben“. Initia- „Enzkreis erleben“ umfasst Ver-
ses noch überraschen. Mit dem waren die Infos beschafft und die „Gläserne Produktion“. Die Akti- durch wird das Regionalbewusst- tiven und Vereine wollen damit anstaltungen, Touren und Ange-
Enzkreiskartenspiel „Ein Kreis Bildrechte geklärt, so dass zwi- on findet jährlich schwerpunkt- sein gestärkt, der Kunde erhält für die Schönheit und Vielfalt boten für die ganze Familie von
mit schönen Ecken“ sollen spiele- schen Idee und Umsetzung nur mäßig zwischen Mai und Okto- Kenntnis von der wirtschaftli- der Kulturlandschaft im Enz- April bis Dezember. Insbesondere
risch die Eigenheiten der Region vier Monate lagen. ber statt. Dabei zeigt die regiona- chen Entwicklung der ländlichen kreis zu werben. Koordiniert in den kommenden Tagen sind
entdeckt werden. Ob als Quizspiel oder in der le Landwirtschaft ihre Bemü- Räume, ebenso wie die Vorzüge wird dies vom Landwirtschafts- zahlreiche Wanderungen geboten
„Alle Städte und Gemeinden, Supertrumpf-Variante – das Enz- hungen, sich nach den Wün- der regionalen Nachfrage hin- amt und dem Forum 21. Dieses – mit naturkundlichem Hinter-
ja sogar die einzelnen Ortsteile, kreisspiel bringt Spaß und Wis- schen der Verbraucher zu rich- sichtlich kürzerer Transportwege versteht sich als zentrale Anlauf- grund, dem Ziel, Vögel und Insek-
sind mit einer eigenen Karte ver- sen. Die allerschönste Variante ten und dabei Anforderungen und Lagerung. stelle für Bürger, um diese in ih- ten zu entdecken oder einfach
treten, die viel Wissenswertes ist, sich von dem Charme der Ge- des Umwelt- und Tierschutzes zu Im Rahmen „Gläsernen Pro- rem Engagement zu unterstüt- nur kilometerweit die beeindru-
über den jeweiligen Ort verrät“, so meinden und der herrlichen Na- berücksichtigen. Dafür geben die duktion“ finden am morgigen zen. Über all die Jahre formier- ckende Landschaft zwischen den
Landrat Karl Röckinger. Die Kurz- tur zu einer Entdeckungsreise Erzeuger Einblick in ihren Be- Sonntag gleich zwei Angebote ten sich Gruppen, die heute Weinbergen zu entdecken.
porträts auf 80 Karten können durch den Landkreis inspirieren trieb und die Herstellungsabläu- statt: Die Biolandgärtnerei Blei- noch sehr aktiv sind. Das aktuelle Programmheft
auch Impuls für eine Entde- zu lassen. fe am Ort – egal, ob bei Obst und holder im Friedhofweg 5 in Bir- Die Projektgruppe „Landwirt- liegt im Landratsamt und in den
ckungstour sein. „Eine zusätzli- Das Enzkreiskartenspiel „Ein Gemüse, Fleisch und Fleischwa- kenfeld öffnet von 11 bis 17 Uhr schaft und Naturschutz“ hat un- Rathäusern der Enzkreis-Ge-
che Finesse ist der QR-Code auf Kreis mit schönen Ecken“ kostet ren, Milchprodukten oder Back- ihre Türen und setzt einen ter anderem die Wanderführer meinden aus. Es ist auch zum He-
den Kartenrückseiten, über den 4,50 Euro und ist ab sofort im waren. Schwerpunkt auf aromatische „…den Enzkreis erleben“ und runterladen auf der Internetseite
zusätzlich Informationen zu den Landratsamt erhältlich. Zur Aus- Doch es geht nicht nur um Le- Biokräuter. Fast zeitgleich gibt es „…den Enzkreis erwandern – Der des Enzkreises verfügbar.
jeweiligen Gemeinden per Handy leihe steht es auch im Medien- bensmittel. Auch Bereiche der in Keltern eine „Walking-Wein- Enzkreisweg“ herausgegeben. Die
abgerufen werden können“, er- zentrum zur Verfügung. heimischen Agrarwirtschaft, die probe“ des Weingut Rüdigers. Agendagruppe „Naturschutz“ www.enzkreis.de/forum-21
PZ Pforzheim vom 29.04.2017
44 SAMSTAG, 29. APRIL 2017 G E S C HICH TE N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VON DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 99

BRAND EN BURG ER
H AUS

Schon
Luis Trenker
g und
Reservierun den-
Infos: w w
burgerhau
w.bra n
s.at oder
war hier
www.dav-
berlin.de Die einfache aber urige Hütte
der Kategorie I ist in dieser Sai-
son vom 19. Juni bis 13. Septem-
ber geöffnet. Es stehen 25 Bet-
ten in Zimmern zur Verfügung
sowie 70 Schlafmöglichkeiten
im Matratzenlager und ein
Winterraum für zwölf Perso-
nen, eine einfache Waschmög-
lichkeit sowie zwei Gaststuben
und eine Terrasse. Hüttenwirt
ist Albrecht Jetter.
Erbaut wurde das erhabene
Haus inmitten der Ötztaler
Gletscherwelt im Jahr 1909. Es
thront wie ein Gletscherschloss
Ein Teil der Hüttenmannschaft – vorne links: „Heimatstark“-Autorin Sabine über dem Kesselwandjoch und
Ries – mit Albrecht Jetter (Mitte) und seiner Hündin Anouk. ist die höchst gelegene Schutz-
hütte des Deutschen Alpenver-
eins (DAV) im Alpenraum.
Im Ersten Weltkrieg war der be-
rühmte Bergfilmregisseur Luis
Trenker Ausbilder der österrei-
chischen Gebirgsjäger auf dem
Haus. Seinerzeit haben die Sol-
daten die Hütte und die Umge-
bung ziemlich verwahrlost zu-
rückgelassen.
Heute verfügt die Hütte über
eine Fotovoltaik-Anlage zur
Stromerzeugung, eine Solar-
thermieanlage für warmes Was-
ser sowie eine Sacksiebanlage
für die Entsorgung der Fäkali-
en. Das Brandenburger Haus
Auch ein Apfelstrudel will geübt sein: Wer auf der Hütte erst beim Backen wurde vom DAV ausgezeichnet
oder Kochen merkt, dass eine Zutat fehlt, hat ein echtes Problem, denn Nach- mit dem „Umwelt-Gütesiegel“
Unverbaubare Aussicht: Dem Brandenburger Haus liegt die Tiroler Gletscherwelt zu Füßen. schub bringt üblicherweise der Hubschrauber. zum Schutz und zur Bewah-
rung von Natur und Umwelt.
Die Anreise von Pforzheim

Dem Himmel so nah


nach Österreich erfolgt mit
dem Auto zum Beispiel über
Ulm, Kempten und den Fern-
pass nach Imst. Von dort ins
Ötztal hinein bis Vent. Von dort
TEXT UND FOTOS: SABINE RIES Rundumschlag in Hüttentechnik, BWL, Strukturierte Pläne und exakte Arbeitsan- erfolgt der Aufstieg zu Fuß zur
Recht und Küchenarbeit“, erzählt er la- weisungen sollen dies ausgleichen. Jetter Hütte – und der ist schon eine
Ein Schwabe stellt sich für eine chend und zeigt stolz sein Zertifikat. Er er- ist Optimist. Alle bleiben mehrere Wochen Tagesaktion für sich. Mit sechs
gänzt, dass er kein Gastronom ist und ei- oben, quartieren sich im Personalzimmer bis acht Stunden ist die Wande-
Saison in den Dienst der Berliner: ne stark frequentierte Hütte, die gut ein und unterstützen Albrecht Jetter vor rung über rund 1600 Höhenme-
Nicht irgendwo, sondern auf der durch Seilbahnen oder eine Passstra- allem in der Küche, bei Reinigungsar- ter angegeben. Alternativ kann
höchstgelegenen Hütte des Deut- ße erreichbar ist, nicht in Frage beiten und den Versorgungsflügen. man den Zustieg auch auf zwei
kam. Die Arbeit, die sie erwartet, ist hart. Etappen aufteilen – bis zum
schen Alpenvereins. Der in Klein- Die sehr hoch gelegene Hütte, Die Nächte sind kurz, die Tage lang. Hochjochhospiz (700 Höhen-
glattbach lebende Bauingenieur gebaut 1909 im Ötztal und jetzt Bergsteiger brechen schon mal um meter) und weiter zum Bran-
Albrecht Jetter erfüllt sich mit eine der wenigen denkmalge- 5 Uhr morgens auf und wollen vor- denburger Haus (900 Höhen-
schützten Hütten, war dagegen her ordentlich frühstücken. Auch ha- meter).sr/ben
Mitte 50 seinen Lebenstraum und ganz nach seinem Geschmack. ben manch Bergsportler, vor allem in
übernimmt als Hüttenwirt das Die Freude groß, als die Zusage geselliger Runde, nichts gegen ein
Brandenburger Haus im Ötztal. im Januar 2017 kam. Dennoch war letztes erfrischendes Getränk um
Das liegt erhaben und inmitten er kurz erschrocken, dass sein 22 Uhr, wenn eigentlich Hüttenruhe Z U R PE RS ON
Traum nun wahr werden soll. „Mein ist. Die Helfer müssen zudem mit extre-
der Gletscher auf stolzen 3277 Me-
tern Höhe. „Heimatstark“ hat ihn
erster Gedanke war: Um Gottes Wil-
len, das ist schon sehr hoch.“
Er kann dort bis zu 100 Gäste auf ein-
mem Wetter rechnen wie Schneefall und
Sturm, ordentlich Stress wenn der Laden
brummt und auch mit der Einsamkeit, die
Sabine Ries
beim Probekochen mit seinem
mal beherbergen. „Die melden sich zuvor da oben aufkommt, wenn die Gäste nicht zur Die Wimsheimer Autorin Sabi-
Hüttenteam besucht. an. Überraschungsgäste sind bei solchen Hütte aufsteigen können. Im Umkehrschluss ne Ries hat Hüttenwirt Alb-
Touren eher selten, das macht die Sache bedeutet das, sie kommen aus der Gletscher- recht Jetter beim Vortreffen der

G
eboren wurde Albrecht Jetter 1960 kalkulierbarer“, erklärt er und zeigt sein welt auch nicht so einfach weg. „Bei schlech- Hütten-Mannschaft für „Hei-
in Tübingen, nach Auslandsstudi- Onlinereservierungssystem. Zur Verfügung tem Wetter ist es wie im U-Boot“, ergänzt matstark“ besucht – mit guten
um in Innsbruck – „Da lernt man stehen mehrere Zimmer und Lager, zwei Ob geflogen werden kann, entscheidet Jetter. Zudem weiß man nie, wie lange das Grund: Zum Saisonende im
Knödel machen“ – und vier Jahren beruf- Gaststuben, eine Terrasse und eine relativ dazu noch das Wetter. Kein Flug, kein Bier Wasser reicht. Ist genug da für die Personal- September
lich in der Schweiz – „Da lernt man Rösti neu eingerichtete Küche. Die Versorgung – auch das kann passieren. Der Aufstieg zu dusche, das Nass-WC oder muss man mit wird sie selbst
machen“ – arbeitet er nun als Bauingenieur erfolgt ausschließlich über den Helikopter. Fuß dauert rund acht Stunden, die Höhen- dem Trocken-Plumps-Klo und einer Katzen- die Wander-
in Stuttgart und lebt mit seiner fünfköpfi- Der muss alles vom Toilettenpapier bis meter sind beachtlich, zudem braucht es wäsche Vorlieb nehmen? Für Hüttenroman- stiefel schnü-
gen Familie samt Hund und Katze in Klein- zum Tafelspitz, vom Holzscheit bis zur oben auf dem Gletscher entsprechende Er- tiker ist dies sicher der falsche Job. Dass die ren und für
glattbach. Seine Herkunft kann er nicht Gasflasche hochfliegen. Eine logistische fahrung und Ausrüstung. „Mal eben ein- Höhe auch den Helfern zu schaffen macht, zwei Wochen
verleugnen, was seinen Dialekt und auch und recht teure Herausforderung. Ein Flug kaufen geht da oben nicht“, stellt er dann ist klar. Deshalb sollen sie auch zu Fuß hoch- als Helferin
eines seiner Lieblingswörter, das schwä- kostet pro Flugminute 26 Euro. „Für ein- fest, als die Eier während des Probeko- kommen, einschließlich einer Zwischen- zum Branden-
bisch-charmante „jetzetle“, beweisen. Das mal rauf und runter mit maximal 650 Kilo- chens ausgegangen sind. In Kleinglattbach übernachtung auf 2413 Meter auf dem Hoch- burger Haus
fällt bei diesem Treffen recht häufig. Im- gramm Ladung, kommen 400 Euro zusam- saust er kurz zum Supermarkt. Auf dem jochhospiz. „Die Höhe braucht ihre Zeit, es aufsteigen.
mer dann, wenn er voller Tatendrang ist. men“, rechnet Jetter vor. Berg müsste er jetzt improvisieren. geht alles langsamer“, weiß Jetter. Ein Flug Die 47-Jährige Sabine Ries
Sei es bei der Besprechung, der Teigzube- mit dem Helikopter nach oben ist zwar kom- hat schon
reitung oder bevor er es sich schmecken Erst schnaufen, dann schaffen fortabel, aber für die Akklimatisation nicht zahlreiche Bücher veröffent-
lässt. „Die Berge“, so sagt er, „haben mich Ein Teil seiner bunt gemischten Helfer- förderlich. So werden alle zuerst ihre Berg- licht, zuletzt „Einfach schwä-
schon immer fasziniert. Es ist das angeneh- mannschaft, die ihn auf der Hütte unter- stiefel schnüren und ordentlich schnaufen, bisch! – 40 Einblicke in die
me Klima auf den Hütten, die Gäste sind stützen wird, sieht sich bei diesem Treffen bevor sie oben richtig zupacken können. schwäbische Seele“, in dem
nach dem Aufstieg oder der Wanderung zum ersten Mal. Unter anderem sind Ar- Regionale Getränke und Speisen sind Al- auch Orte aus der region vor-
entspannt. Es ist einfach schön“. Als be- beitskollegen aus der Bauingenieur- und brecht Jetter wichtig. Er will schwäbische, kommen, oder 2014 den „Ba-
geisterter Bergsportler und Abenteurer er- Architektenbranche, eine Lehrerin, eine badische, Südtiroler und Berliner Vorlieben den-Württemberg-Check. Zah-
füllt er sich jetzt seinen langjährigen Önologin und ein Gymnasiast dabei. Alle kombinieren und vielleicht auch aufkom- len, Daten, Fakten – Ganz
Traum und hat den Zuschlag für die Pacht vereint eine gewisse Koch- und Bergleiden- mendes Heimweh kompensieren. So schön aufgebrezelt“.
des Brandenburger Haus bekommen, wel- schaft. Auf der Hütte kommen Familien- nimmt er aus der Vaihinger Mühle Mehl Dass es sie jetzt aufs Bran-
ches zur Sektion Berlin des DAV gehört. mitglieder und Mitglieder der Sektion Ber- und Müsli mit, lädt einige Flaschen Wein denburger Haus zieht, verwun-
„Ich habe schon länger nach einer pas- lin sowie weitere Freiwillige hinzu. Sie nut- aus Rosswag ein, packt Apfelsaftkonzentrat dert nicht. Schon im vergange-
senden Hütte gesucht und mehrere Anläu- zen ihren Urlaub oder nehmen sich wie von heimatlichen Streuobstwiesen hinzu nen Jahr antwortet sie in der
fe genommen“, verrät er. Zuvor hat er auf Ohne Brot geht’s auf dem Berg nicht: Da der Bä- Jetter einen Time-Out vom festen Job. und vergisst auch Maultaschen, Linsen PZ-Kolumne „Nachgefragt“ zu
anderen Hütten hospitiert und den Ausbil- cker viele Stunden Fußweg und ordentlich Höhen- Die Erfahrungen in der Gastronomie va- und Spätzle nicht. Aber auch ein Branden- ihren Lieblingsplätzen: „In den
dungskurs für Hüttenwirte beim Schweizer meter entfernt ist, bleibt Albrecht Jetter nichts an- riieren stark, gleiches gilt für die sportli- Burger“ kommt ihm noch in den Sinn. Die Bergen, unter dem Gipfelkreuz,
Alpenclub SAC absolviert. „Das war ein deres übrig, als dieses täglich selbst zu backen. chen Herausforderungen der Bergwelt. Ideen gehen nicht aus. dem Himmel ganz nah.“ ben
PZ Pforzheim vom 06.05.2017
42 SAMSTAG, 6. MAI 2017 G E S C HICH TE N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VON DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 104

TAU B E ALS SYMB OL

Ein Zeichen
des Friedens
Die weiße Taube wird heute über-
all auf der Welt als ein Symbol des
Friedens verstanden. Entstanden
ist diese Bedeutung beim Weltfrie-
denskongress 1949 in Paris, für
den der spanische Maler Pablo Pi-
casso ein Plakat mit einer weißen
Taube entwarf. 1955 erhielt er für
sein Werk den Internationalen
Friedenspreis.
Die weiße Taube steht auch für
Treue: So lassen viele frisch Ver-
mählte nach der Trauung ein Tau-
benpaar gen Himmel steigen. Tau-
ben sind – ähnlich wie Pinguine –
treue Tiere: Hat sich ein Tauben-
paar einmal gefunden, bleibt es
zusammen.

ZAHLEN ZUM THEMA

130 Wertvolle Tiere: Teuer gehandelt werden Zuchttauben auf dem Weltmarkt. Die schnellen und sportlichen Vögel können bei
Rennen Preisgelder im sechsstelligen Bereich einfahren.
Rund 200 Tauben beheimatet Andreas Drapa heute in seinem Schlag in Königsbach.
Angefangen hat er vor etwa 25 Jahren mit ein paar Tieren.

Kilometer pro Stunde kann


eine Taube mit viel Rücken-
wind zurücklegen und ist da-
Profisportler in luftiger Höhe
mit schneller unterwegs, als
viele Autos. „Bei Gegenwind TEXT: JULIA FALK Wichtig sei das Futter: Der Züchter füttert Zwölf bis 13 solcher Rennen gebe es pro rum gerade diese Vogelart für den Sport so
erreichen die Tiere nur noch FOTOS: SEBASTIAN SEIBEL seinen Tieren eine Mischung aus 27 ver- Saison. Das Ziel ist, so oft wie möglich eine geeignet ist. Um auf einem Wettflug den
um die 70 Kilometer pro schiedenen Getreide- und Mineralstoffen. Taube auf einem der vorderen Ränge zu Weg nach Hause zu finden, orientieren sich
Stunde“, erklärt Experte And- Die Brieftaube ist für die meisten 1000 Euro verschlinge das monatlich für platzieren. Andreas Drapa haben Tauben die Tiere am Magnetfeld der Erde und an
reas Drapa. die 200 Tauben. schon immer fasziniert. Im Alter von vier der Sonne. Gutes Wetter erleichtere des-
ein Nachrichtenüberbringer längst Schnelligkeit und Ausdauer der Tiere Jahren spielte er halb die Bedingun-

500
vergangener Zeiten. Doch in den sind gefragt, um ein Rennen zu gewinnen. mit den Hoftauben gen. „Tauben ler-
Tieren steckt viel mehr. Andreas Die Taubensport-Saison geht von Ende Ap- im großelterlichen
„Tauben müssen versorgt werden, sehr nen und begreifen
ril bis Mitte September. Am Tag vor dem Haus. Später waren schnell“,
Drapa aus Königsbach-Stein hat Wettfliegen werden die Tiere bei den Züch- die Vögel sein Hob- wie Hochleistungssportler. meint Drapa. Ihre
„Heimatstark“ in die Welt des Tau- tern abgeholt und etwa nach Frankreich by, das er seit rund Das ist eine Mentalität und
bensports entführt. gebracht. Jede Taube tritt dann ihren indi- 25 Jahren nun
Wissenschaft für sich.“ Art, immer heim-
Millionen Tauben leben viduellen Heimflug zurück in den Schlag hauptberuflich kehren zu wollen,
an. Ein Mikro-Chip mit GPS-Sender misst ausübt. Angefan- prädestiniere die

W
nach Schätzungen des Deut- Andreas Drapa,
schen Naturschutzbundes enn Andreas Drapa seinen Ar- die Geschwindigkeit. Zwischen 200 und gen hat er mit ein ausgezeichneter Taubenzüchter aus Königsbach-Stein Tiere für den
weltweit in Städten. Die ty- beitsplatz in Königsbach betritt, 750 Kilometern können die Strecken lang paar Tieren: „Es Sport. Doping sei
pische Stadttaube zählt zur erwartet ihn bereits ein lautes sein. Von Rennen über gar 1000 bis 1500 war auch Glück, dass ich die richtigen Tau- kein Thema, meint Drapa. „Das würde nur
Art der Felsentaube. Da Tau- Gurren aus allen Ecken. 200 Tauben emp- Kilometer hält der Kö- ben gefördert habe.“ Es ge- eine kurzfristige Leistungssteigerung brin-
ben in Städten oft verwahr- fangen den 52-Jährigen. Drapa ist Brieftau- nigsbacher Züchter be nicht viele Züch- gen, die Tiere müssen aber über viele Ren-
lost sind und Krankheitserre- ben-Züchter im großen Stil. nichts. „Ich ter in Deutsch- nen stark sein.“
ger übertragen können, wer- Die Vögel tragen Namen wie „Poker- möchte, land, die – so Für Drapa ist der Taubensport ein wenig
den sie vielerorts auch ab- face“, „Sky Fighter“ und „Young Super dass mei- wie er – rein so, wie Lottospielen: Man wisse nie, was
wertend als „Ratten der Lüf- Crack“. Nicht für alle 200 Tiere hat sich ne Tau- vom Tau- passiert. Spannend ist für ihn jedes Mal
te“ bezeichnet. Drapa einen Namen ausgesucht, aber für ben den bensport aufs Neue die Rückkehr seiner Tiere in den
die Besten. Denen verdankt er seinen Er- Weg an leben Königsbacher Schlag: „Da stehst du am
folg, denn Drapas Tauben sind oft schnel- einem könnten, Wettkampftag da und schaust in den Him-
ler, als die anderer Züchter. Zahlreiche na- Tag sagt Dra- mel, ob deine Tauben bereits im Anflug
tionale und internationale Preise konnte prob- pa. Fünf sind.“
der gelernte Fliesenleger bei Rennen be- lemlos viel- Drapa kann sich ein Leben ohne seine
reits einheimsen. „Eigentlich habe ich alles zurück- leicht, Tauben nicht vorstellen. Die Zahl der pro-
erreicht“, meint er im Gespräch mit „Hei- legen meint er. fessionellen Taubensportler in Pforzheim
matstark“. Sein Hobby, das er Anfang der können“, „Ich hatte und dem Enzkreis gehe trotzdem stetig zu-
90er-Jahre zum Beruf gemacht hat, will er sagt Drapa: dafür 20 Jahre rück. Waren es zu den besten Zeiten noch
trotzdem noch lange weiterführen. Unter- „Das ist für keinen Sommer- 100, seien es heute kaum mehr 20, sagt
stützt wird Drapa von seinem Vater Walter mich das Fairste für urlaub“, so der 52- Drapa: „Die Leute werden alt, das Putzen
und gelegentlich von seinen beiden Söh- die Tiere.“ Jährige, „und auch in meiner und Füttern und sich um die Tiere sorgen
nen. Ohne diese Hilfe ginge es auch gar Um die 60 Tauben schickt er in die Ren- Freizeit gibt es immer nur Tauben.“ So et- kostet viel Einsatz.“ Anders in Ländern wie
nicht, meint er, denn die 200 Brieftauben nen. Ein bisschen Verlust sei auch immer was baue man sich nicht von heute auf China und Taiwan. Dort boome der Tau-
bedeuten viel Arbeit: „Die Tiere müssen mit dabei: „Nicht jede schafft es nach Hau- morgen auf. bensport-Markt, 80 Prozent seiner gezüch-
versorgt werden, wie Hochleistungssport- se. Unterwegs lauern Gefahren, etwa durch „Tauben haben einen riesigen Willen teten Jungtiere verkauft der Züchter in den
ler. Das ist eine Wissenschaft für sich.“ große Wildvögel“, erklärt der Züchter. und viel Potenzial“, erklärt der Züchter, wa- asiatischen Raum.
„Lieber den Spatz in der Hand, als die
Taube auf dem Dach“, lautet ein bekann-
tes deutsches Sprichwort. Gemeint ist,
dass sich die Menschen lieber mit dem
zufriedengeben sollen, das sie bereits
besitzen – also dem Spatz in der Hand –
als immer nach etwas Größerem oder
Besseren – wie der unerreichbaren Tau-
be auf dem Dach – zu streben.

TAU B ENMARKT

Professionell
aufgestellt
Als „Rennpferd des kleinen Man-
nes“ wurden Brieftauben früher
oft bezeichnet. Heute gilt das laut
Experte Andreas Drapa nicht
mehr, denn die professionellen
Taubenzüchter und -sportler wür-
den kleinen Beständen kaum eine
Chance auf dem Markt lassen.
„Die Situation ist unausgegli-
chen“, sagt Drapa. Zahlreiche Preise hat der Königsbacher Taubenzüchter Andreas Drapa (links), hier mit Vater Walter, schon mit seinen Tieren gewonnen. Allein 17-mal wurde er von der Deutschen Bundesregierung ausgezeichnet.
PZ Pforzheim vom 13.05.2017
42 SAMSTAG, 13. MAI 2017 G E S C HICH TE N AU S D E R R E G I O N Stark! U N D VON DA H E I M PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 110

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Durch die Enzschleife bei Mühlhausen


Länge: 8 km (160 Höhenmeter im Auf-und Abstieg)
Ausgangspunkt: Parkplatz am Sportplatz in Mühlhausen
(Rosswager Straße 3)
Besonderheiten: aussichtsreich, abwechslungsreich, Weinberge in Steillage,
Felsen, schöne Ortskerne
Panoramarunde Wöschbach Einkehrmöglichkeiten unterwegs: Restaurants in Roßwag; am Ende:
Vereinsheim in Mühlhausen (www.dasvereinsheimmühlhausen.de)
Länge: 15 km (270 Höhenmeter im Auf-und Abstieg) Beschreibung: An der Enz entlang mit Blick auf die berühmten mit Muschel-
Ausgangspunkt: Parkplatz am Hasenheim (Äußere Steinäcker, Pfinztal-Wöschbach) kalk-Felsen durchsetzten Steilhänge und
Besonderheiten: aussichtsreich und abwechslungsreich mit Streuobstwiesen die kühn angelegten Weinberge.
Einkehrmöglichkeiten unterwegs: Naturfreundehaus Söllingen (www.naturfreunde-soellingen.de); am Weiter durch Roßwag und seinen
Ende: Hasenheim (www.speiselokal-hasenheim.de) oder Schützenhaus alten, anmutigen Ortskern. An-
Beschreibung: Von Wöschbach über die Anhöhen auf kurzweiligen Wegen rund um den Höllwald. Anschlie- schließend steil bergauf, teils
ßend, mit schönen Ausblicken Richtung Schwarzwald und durch die Trais-Siedlung. Der Rückweg führt zum idyl- über Treppenstufen durch
lisch gelegene Naturfreundehaus Söllingen und auf Waldwegen zurück nach Wöschbach. Weinberge zu einem schö-
nen Aussichtspunkt. Im-
mer auf der Anhöhe blei-

Willst du
bend zurück nach Mühl-
hausen, begleitet von
Weinbergen und traum-
haft schöner Aussicht auf

mit mir gehen?


die Enzschleife.

TEXT: SVEN BERNHAGEN


FOTOS: PRIVAT / TOURISMUS KRAICHGAU-STROMBERG
KARTEN: SVEN MOHR / PZ

Morgen ist der bundesweite „Tag des Wanderns“.


Aus diesem Anlass stellt „Heimatstark“
vier attraktive Rundwanderungen in
der Region vor – geplant von Peter
Wagner. Der Pforzheimer ist als
PZ-Austräger von Berufs wegen
Aussichtsreich durchs Kirschengäu schon viel zu Fuß unterwegs.
Länge: 15 km (290 Höhenmeter im Auf-und Abstieg) Am Wochenende führt er
Luftige Weinbergrunde um Knittlingen
Ausgangspunkt: Alte Kelter in der Ortsmitte Ellmen- zudem regelmäßig Bekannte
dingen durch die Natur. „Dabei steht Länge: 15 km (230 Höhenmeter im Auf-und Abstieg)
Besonderheiten: aussichtsreich, abwechslungsreich, Ausgangspunkt: Parkplatz beim Freibad in Knittlingen
Fachwerkhäuser in Ellmendingen
weniger das Sportliche, Besonderheiten: aussichtsreich, abwechslungsreich, Weinberge
Einkehrmöglichkeiten unterwegs: Landgasthof Bären als vielmehr der Genuss im Einkehrmöglichkeiten unterwegs: keine; am Ende: diverse Besenwirt-
in Gräfenhausen (www.zumaltengriechen.de) und Hühner- Vordergrund“, sagt Wagner, schaften (beschränkte Öffnungszeiten beachten!)
wäldle (www.huehnerwaeldle-altenloh.de); am Ende: Lö- Beschreibung: Vom Freibad hinauf zu den Weinbergen von Oberderdingen.
wen Ellmendingen (www.loewen-ellmendingen.de)
dessen Spuren die PZ-Leser Vom Parkplatz am Horn genießt man schöne Fernblicke bis zur Ravensburg.
Beschreibung: Von Ellmendingen an der Kelter vorbei durch den nun folgen können. Hier finden sich Erläuterungen zu einzelnen Weinsorten. Vorbei an einer
vom Arnbach durchflossenen Fachwerk-Ortskern Ellmendingens. markanten Keuper-Felswand in Bögen entlang des Waldrandes, zum rech-
Weiter über den aussichtsreichen Fronberg bis Gräfenhausen. Auf der an- ten Weinberg mit Aussicht. Im Tal der Bernhardsweiher. Es folgt ein steiler
deren Seite des Ortes hoch auf den wiederum aussichtsreich und schön gele- Abstieg ins Tal des Bernhardsbaches. Auf der anderen Talseite wieder hoch
genen Kesselberg, danach gemütlich über die Einkehrmöglichkeit Hühner- zu den Weinbergen oberhalb von Freudenstein. Auf der Höhe entlang durch
wäldle ohne größere Anstrengung zurück nach Ellmendingen. Wald und Kleingärten und bergab zurück nach Knittlingen.

P E TE R WA G N E R 14 . MA I I S T TA G D E S WA N D E R N S A N G E B O TE D E R „ P FO R Z H E I M E R Z E IT UN G“

Am Rechner planen – Bundesweit mehr Infoquelle und Anlaufstelle


in der Natur genießen als 400 Aktionen für Wanderer
Zwischen sechs und zwölf Kilome- be“, erzählt der 57-Jährige. Fortan Im vergangenen Jahr hatte der 1883 gegründet. Dem Dachver- ■ Auf „Heimatstark“ gibt’s regel- gen. Seit 2012 ist PZ-Redakteur
tern läuft Peter Wagner jeden Mor- hat er auch seine Freizeitwander- Tag des Wanderns Premiere. In band der deutschen Gebirgs- und mäßig Wandertipps aus dem Sven Bernhagen mit den PZ-Le-
gen. „Das hält fit“, sagt der PZ- touren am Rechner geplant. Dass diesem Jahr soll es laut Deut- Wandervereine gehören rund Norschwarzwald und Geschich- sern unterwegs. Los ging’s mit ei-
Austräger. Einen festen Bezirk hat dabei aussichts- und erlebnisrei- schem Wanderverband (DWV) 600 000 Mitglieder an. ten, beispielsweise über den Bir- ner Enzkreis-Umrundung. Bei den
er als PZ-Austräger nicht – als che Genusstouren herauskom- bundesweit mehr als 400 Aktio- kenfelder Fernwanderer Harald Leseretappen wanderten jeweils
Springer ist er men, haben immer mehr seiner nen geben. Die zentrale Veranstal- Infos zu den Aktionen morgen un- Roller oder den Ötisheimer Wan- 50 bis 100 Teilnehmer mit. Mehr
in verschiede- Bekannten gemerkt. Auf knapp tung findet morgen in Filders- ter anderem in Freudenstein-Ho- derbuchautoren Martin Kuhnle. als 1500 PZ-Leser hat die Aktion
nen Gemeinden 30 Mitglieder ist seine Whats- tadt-Plattenhardt statt. Um 10 Uhr henklingen, Zaberfeld, Dobel, Bad ■ Zusammen mit dem so schon bewegt. Auch diesen Ok-
unterwegs. Und App-Wandergruppe in den letzten startet ein Rundgang mit Pro- Herrenalb oder Oberreichenbach Schwarzwaldverein bietet die PZ tober soll’s wieder losgehen.
damit die Zei- fünf Jahren angewachsen. Mit der gramm vom Wanderparkplatz unter: www.tag-des-wanderns.de den Lesern von April bis Septem- ■ In seinem 176 Seiten starken

tung morgens ist er so gut wie jeden Sonntag Uhlbergturm. Ab 12 Uhr gibt’s Es- ber kostenlos ein Wanderpro- Buch „Enzkreis extrem – die
im Dunkeln zwischen zehn und 15 Kilometer sen und Reden im Festzelt – unter Ein Tipp für Kurzentschlossene: gramm mit sechs geführten Heimat neu entdeckt“ bietet
auch schnell zu Peter Wagner unterwegs. anderem von DWV- und Schwäbi- Brigitte Wörle vom Pforzheimer Touren von je etwa 15 Kilometern Sven Bernhagen unterhaltsame
den Lesern Rund 40 Tourentipps hat er für scher-Albvereins-Präsident Hans- Alpenverein bietet morgen eine ge- an. Heute steht zum Beispiel ein Geschichten zu 28 Extrempunk-
kommt, plant er seine Runden zu- die „Heimatstark“-Leser. Nach Ulrich Rauchfuß, dem für Touris- führte Elf-Kilometer-Runde zu Abstecher zum Alb-Pfinz-Plateau ten im Enzkreis – vom höchsten
vor mit einem Navigationspro- und nach will er sie unter dem Be- mus zuständige Landesminister den Lautenfelsen mit Schlussein- auf dem Programm. Den Flyer mit Bauwerk bis zur tiefsten Höhle.
gramm am Rechner. „Irgendwann nutzernamen „perchel“ bei Guido Wolf und dem Calwer Bun- kehr in Gernsbach an. Treff: Mor- einer Beschreibung der Touren Dazu gibt’s Wander-, Freizeit-
habe ich mir gedacht, ob ich www.gpsies.com freischalten. Dort destagsabgeordnete Hans-Joa- gen um 8 Uhr am Pforzheimer gibt’s bei der PZ. und Einkehrtipps samt Über-
Hausnummern eingebe, oder Aus- finden sich bereits die vier vorge- chim Fuchtel, der über Wander- Hauptbahnhof. Infos und Anmel- ■ Der Herbst stand in den ver- sichtskarten. Das Buch gibt’s für
sichtpunkte und Einkehrmöglich- stellten Touren und zwei weitere projekte in Griechenland berich- dung unter Telefon (01 76) gangenen Jahren ganz im Zeichen zehn Euro bei der PZ oder im
keiten, ist doch eigentlich dassel- Routen in Stein und Wilferdingen. tet. Der DWV wurde am 14. Mai 55 92 62 39. der Enzkreis-extrem-Wanderun- Buchhandel.
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PZ Pforzheim vom 20.05.2017


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42 SAMSTAG, 20. MAI 2017 GE S C HICH TEN AUS DER R E GION  $ #" ! UND VON DAHEIM PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 116

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Weitere Info
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und Bilder
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www.rhod
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dendro
jansen.de

Entspannung pur bietet der Rhododendronpark: Im Halbschatten der großen Bäume fühlen sich nicht nur die Pflanzen wohl. Die Lieblingspflanze von Waltraud Jansen (rechts) ist die „Furnivall’s Daughter“.

Blütezeit der Riesengewächse


TEXT UND FOTOS: SABINE RIES fangs aber zu fest“, erinnert sich Waltraud Jansen. nung. Da halten sich im Winter manchmal die
Doch ihr Mann Friedbert, der ein großer Fan der Wildschweine auf“, erzählt Waltraud Jansen.
Zwischen Langensteinbach und Rhododendren gewesen sei und sich unbedingt ei- Gleich nach der Blüte, die je nach Sorte von Anfang
nen eigenen Park anlegen wollte, ließ nichts unver- Mai bis Mitte Juni andauert, erfolge der Pflanzen-
Ittersbach ist derzeit ein kunterbuntes sucht und brachte zunächst großflächig Baumrinde rückschnitt: „Das ist wichtig, damit die Pflanzen
wie faszinierendes Spektakel zu sehen. zur Bodenlockerung aus. Kurz darauf setzte er die von unten her gesund bleiben.“ Den Sommer über
Der einmalig schöne Rhododendronpark ersten Rhododendren. Dann stellten Jansens fest, kommt die Sense zum Ausmähen zum Einsatz. Da-
dass die Pflanzen gelb wurden. „Ein Zeichen, dass mit der farbenprächtige Park auch außerhalb der
der Familie Jansen steht in voller Blüte. Stickstoff fehlt“, weiß Waltraud Jansen heute: „Die Rhododendronblüte etwas hermacht, pflanzen
„Heimatstark“ war dort. Rinde verbrauchte zu viel davon, da blieb nichts Jansens fortlaufend weitere Ziergehölze wie Flie-
mehr für die Pflanzen übrig.“ Mit dem fortschreiten- der, duftende gelbe Azaleen, Magnolien, Horten-

F
den Zerfall der Baumrinde verbesserte sich das Bo- sien und Forsythien sowie allerlei Stauden auf die
ans von besonderen Ziergehölzen mit denklima von selbst. Das zu- noch freien Flächen. Der Park
überreicher Blüte eilen Jahr für Jahr zwi- sätzliche Einbringen von Torf wächst so immer weiter. Und
schen Anfang Mai und Mitte Juni nach war nicht mehr nötig. Fortan vielleicht, plaudert Waltraud
Karlsbad, um sich im Park von Familie wuchs der Park. Immer neue „Wir haben hier Jansen aus, kommt eines Ta-
Jansen das Rhododendron-Blütenwun- Sorten fanden eine Heimat über 100 Sorten angebaut.“ ges noch ein Rosengarten hin-
der anzusehen. Wo sonst, außer in der Stuttgarter und fühlen sich noch heute zu. „Der Hügel ist schon ange-
Wilhelma, dem Blühenden Barock in Ludwigsburg sehr wohl im halbschattigen Waltraud Jansen legt“, setzt sie schmunzelnd
über ihren Rhododendronpark.
oder der Insel Mainau, bekommen sie bis zu vier Me- Gelände, in dem auch Kiefern, nach und zeigt in Richtung
ter hohe, dichte Pflanzen in dieser Vielfalt zu sehen. Eiben, Tannen und Zypressen des kleinen angelegten Sees
„Wir haben hier über 100 Sorten angebaut“, verrät wachsen. „Ein Großteil der besonders großen Pflan- gleich gegenüber dem Café. Und ihr Mann wacht
Waltraud Jansen stolz. Sie hat den Park in den zen ist aus den 1970er-Jahren, den Anfangsjahren“, still über alles: Friedbert Jansen ist vor einigen
1970er-Jahren zusammen mit ihrem Mann Friedbert bestätigt Waltraud Jansen und marschiert mitten in Jahren verstorben, aber trotzdem ist er noch im-
ins Leben gerufen. die blühende Farbexplosion, um ihre Lieblingssorte mer anwesend. Eine Skulptur zeigt ihn auf den
Die Geschichte, die hinter diesem zwölf Hektar zu zeigen. Bei einem besonders schmucken Exemp- Spaten gestützt vor seinem Anwesen.
großen, farbenreichen Paradies steckt, erzählt sie im lar von Furnivall’s Daughter, einem Rhododendron
angegliederten Café. Der Park sei aus einer Not her- mit kräftig-großer, hellrosa Blüte mit weinrotem Au- Der Eintritt in den Rhododendronpark Jansen
aus entstanden. „Auf unserem alten Gelände mit der ge, macht sie halt. Hier tummeln sich Wildbienen (Taubenbrunnwiesen 1, Karlsbad) kostet 2,50 Euro.
1957 gegründeten Baumschule reichte das Wasser und Hummeln, ein Eichhörnchen huscht auf den Es ist ein großer Parkplatz eingerichtet. Kaffee und
nicht mehr aus“, erinnert sich Waltraud Jansen. Es nächsten Baum. Kuchen gibt es im Mai im Café. Die Öffnungszeiten
blieb den Eheleuten nichts anderes übrig, als sich Nebenbei erklärt sie, dass so ein Park über das zur Blütezeit sind von Montag bis Samstag 10 bis
um eine neue Fläche für ihren Gartenbetrieb zu be- Jahr viel Arbeit mache und gepflegt werden müsse. 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.
mühen. Der neue Standort war eine Feuchtwiese, die Zwischenzeitlich packt Sohn Ralf samt Familie mit An den Karlsbader Rhododendrontagen an diesem Still wacht der Gründer über die Rhododendren: Eine Statue
musste zunächst durch Drainagen entwässert wer- an. „Im Frühjahr bringen wir die rund vier Kilometer Wochenende, 20. und 21. Mai, findet ergänzend des vor einigen Jahren verstorbenen Friedbert Jansen ziert
den. Zurück blieb ein saurer Boden. „Der war an- Graswege, die durch das Gelände führen, in Ord- ein Rahmenprogramm in Marktatmosphäre statt. den Park.

OSTASIATIS CHES G EWÄCHS PFL EG ETIPPS VON EXPERTIN WALTRAUD JANS EN

Der Rosenbaum Auch für den heimischen Garten geeignet


Der wissenschaftliche Name Rho- ren zur Familie der Heidekrautge- Rhododendron gedeiht im Halb- Pflanze wurzelt flach und ist bei Blüte erforderlich. Der Winter
dodendron setzt sich aus den grie- wächse und gedeihen wie bei- schatten und benötigt einen sau- Bedarf auf eine regelmäßige Was- samt Eis und Schnee macht dem
chischen Wörtern für Rose (rho- spielsweise in Nepal auch in gro- ren, lockeren und humushaltigen serzufuhr angewiesen. Bevor der immergrünen winterharten Rho-
dos) und Baum (dendron) zusam- ßer Höhe. Derzeit sind 1150 be- Boden, erklärt die Karlsbader Ex- Winter kommt, sollte die immer- dodendron nichts aus.
men. Seit mehr als 300 Jahren schriebene Arten bekannt. Übri- pertin Waltraud Jansen. Im heimi- grüne Pflanze kräftig gegossen
sind die aus Ostasien stammen- gens können diese immergrünen schen Garten gedeihe die Pflanze, werden. Weitere Infos über Rhododendron,
den Rhododendren – auch als Ro- Heidekrautgewächse als Gruppen- wenn man einige Regeln befolge. Damit die Pflanze von unten die Alpenrose, finden sich bei der
senbaum oder Alpenrose bezeich- bepflanzung, als Solitär aber auch Die gelbe Azalee verströmt einen betö- Staunässe sei ebenso ungeeignet her gesund und dicht bleibt, ist ab Deutschen Rhododendron-Gesell-
net – in Europa bekannt. Sie gehö- als Hecke genutzt werden. renden Geruch. wie extreme Trockenheit. Die und an ein Rückschnitt nach der schaft (DRG) unter www.rhodo.org
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PZ Pforzheim vom 27.05.2017


GE S CHICHTEN AU S DE R RE GION UND VO N DAHEIM

38 SAMSTAG, 27. MAI 2017 GE S C HICH TEN AUS DER R E GION  $ #" ! UND VON DAHEIM PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 121

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Bunte Herde: Ob Bärchen, Schweinchen oder Schildkröte – die siebenjährige Milena Poppe ist begeistert von den Kuscheltieren, die ihre Mama für bedürftige und kranke Kinder häkelt.

Das ist mal ’ne Masche!


TEXT: CAROLIN KRAUS die sich um kranke und bedürftige Krankenhaus. Dann ist sie wieder
FOTOS: SEBASTIAN SEIBEL Kinder kümmern. zum Häkeln zurückgekehrt.
Angefangen hat es mit ei- „Das liegt mir einfach bes-
Einst schrulliges Oma-Hobby, heute nem Paket voller Figuren ser.“ Als sie in einer Zeit-
für Kinder, die am Dra- schrift erstmals die gehä-
einer der Do-it-yourself-Trends: vet-Syndrom leiden, ei- kelten Kuscheltiere gese-
Häkeln. Ob Mützen, Bikinis oder ner schweren Form der hen hat, war sie sofort
Dekoartikel – mit Nadel, Faden und Epilepsie. Alle zwei, drei begeistert. Alles, was sie
Monate verschickt sie nicht wusste, wie es
ein bisschen Geduld lassen sich ein- ihre Werke. Das letzte geht, hat sie sich selbst
zigartige Dinge zaubern. So wie die Paket mit 50 Exemparen beigebracht. Über Vi-
Kuscheltierchen von Nicole Poppe. ging über die Aktion deos im Internet. Dort ist
„Maulbronn hilft“ nach sie jetzt wieder aktiv, mit
Allabendlich fertigt die 35-Jährige Felnac in Rumänien. Poppe einer eigenen Facebook-Sei-
aus Nußbaum ein neues Schwein, hat eine ganze Liste an Ein- te, um Kontakte mit Einrich-
eine Ente oder einen Bären. Diese richtungen – nicht nur aus der tungen zu knüpfen, aber auch
Region. „Gerne dürfen sich mit Unterstützern, die ihr Wolle
schenkt sie Einrichtungen, die sich
Ente (links) und Giraffe sind die Lieblinge der Hobby-Häklerin Nicole Poppe. Interessierte melden.“ Es spenden. Zwar ist ein Knäuel nicht
um kranke Kinder kümmern. sei immer gut, wenn sie allzu teuer, aber bei Poppes Ver-
Abnehmer findet, bei brauch geht das mit der Zeit ins

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hne hinzuschauen, lässt Nicole Poppe denen sie auch weiß, Geld. „Ich habe ein Anlei-
das Garn über ihre Finger gleiten, dass die Figuren bei tungsbuch, das mache ich
sticht mit der Häkelnadel in die Ma- den Kindern an- einmal durch, dann habe ich
schenreihe und greift auf der anderen Seite kommen. Vor ano- wieder 50 verschiedene Tier-
den Faden auf. Zigfach macht sie das, bis nymen Bestellun- chen.“ Perfekter Zeitpunkt
nach Anleitung daraus kleine Tierchen ent- gen schreckt sie zu- für das nächste Paket.
stehen, die dann noch mit Watte gefüllt wer- rück, auch aufgrund
den. Jeden Abend kommt ein neues dazu, der Gefahr, dass die Wer mehr Infos zum Projekt
manchmal auch zwei. „Ich brauche das, es ist Figuren zum Verkauf möchte, kann sich bei Nicole
für mich Entspannung pur“, sagt die Nuß- im Internet auftauchen. Poppe melden unter Telefon
baumerin. Häkeln gelernt hat Poppe (0 72 37) 3290 48 oder per
Ein Werk am Abend macht sieben in der Wo- in der Schule. Anfang 20 Mail an lovetrain81@gmx.de.
che, 365 im Jahr. Zu viel irgendwann für die sie- hat sie aber mehr Ihre Facebook-Seite lässt sich
benjährige Tochter Milena, zu viel für die Kinder gestrickt, insbesondere Um ein Tierchen zu machen, braucht es finden unter dem Suchbegriff
Auf dem heimischen Sofa in Nußbaum fertigt Nicole Poppe ihre Werke. Neben ihr im Familien- und Bekanntenkreis. Da hatte Pop- kleine Socken für die nicht viel: Ein paar Grundkenntnisse im „Nicole häkelt – Das besondere
Tochter Milena, die sich erste Kniffe abschaut. pe eine Idee: Sie beglückt damit Einrichtungen, Frühchen-Station im Häkeln, Wolle und eine Nadel. Projekt“.

AUS D EM NETZ FÜR ANFÄNG ER

Hype Tipps und Tricks ... mit Topflappen beginnen.“ Die seien einfach. Eine Reihe hin und

eine zurück, sagt Poppe. „Für die Kuscheltiere sollte man dann den
Fadenring lernen. Denn sie werden im Kreis gehäkelt.“
ums Häkeln GAR NICHT SO SCHWER, sagt Nicole Poppe über ihr Hobby Häkeln: „Man
braucht nur ein paar Grundkenntnisse und ... ■... Reihen mit der Büroklammer markieren.“ So weiß man immer,
■ ... etwas Geduld, um die Anleitungen verstehen zu lernen.“ Da müssen wo der Start war.
Zwei Männer, zwei Nadeln: Als Teile selbst machen lassen. Zu- sich Anfänger etwas reinfuchsen. Poppe schaut oft im Internet nach Er-
Zeitvertreib im Skiurlaub lernen dem gibt es Anleitungen sowie klärvideos: „Die Tiere unterscheiden sich dann nur in der Farbe oder ob ■... sich Gleichgesinnte suchen.“ Poppe trifft sich regelmäßig mit
Thomas Jaenisch und Felix Roh- Tipps anderer Nutzer. 2015 initi- eins eine Nase hat oder nicht.“ Verwandten und Freunden: „Wir lernen voneinander.“
land aus Oberfranken häkeln und ierten Jaenisch und Rohland eine
bringen seit 2010 immer mehr Häkel-Weltmeisterschaft. Für den
Mitstreiter dazu. Damals gründe- Titel galt es, einen Wollknäuel auf Selbermacher für den guten Zweck
ten die beiden MyBoshi. Über die Tempo zu verhäkeln. Schnelligkeit
Stricken, Häkeln, Handwerken: In kaufen ihre Werke, unter anderem cken für Flüchtlingskinder. Einige dürftigen Menschen aus der Regi-
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Internetseite vertreiben sie nicht vor Schönheit. Schön groß ist hin-
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der Region gibt es zahlreiche Per- beim Wollfest. Vom Erlös unterstüt- Hundert Stück haben sie bereits an on zugute. Regelmäßig dabei sind:
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nur fertig gehäkelte Mützen, son- gegen die Zahl der Hobby-Häkler,
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sonen, Vereine, Gruppen und Ins- zen sie Projekte in der Gemeinde, sieben Asyl-Einrichtungen in Pforz- Der Pfadfinderbund Süd mit Holz-
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dern auch Sets, mit denen sich die die über Soziale Netzwerke, Inter-
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titutionen, die Selbstgemachtes wie zum Beispiel die Anschaffung heim und dem Enzkreis verteilt. spielzeug. Der Kinderschutzbund
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net-Blogs oder Plattformen wie In-


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zugunsten Bedürftiger fertigen. von Spielplatzgeräten. Auch beim Flohmarkt des Zonta Pforzheim mit Plätzchen,
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stagram ihre Werke präsentieren.


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Aktiv sind unter anderem: Eine Gruppe Hobbynäherinnen Clubs Pforzheim alljährlich im Herbst Schmuck, Karten und Marmeladen.
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„Ein Hobby mit Die Mitglieder des Treffpunkts rund um Andrea Erhardt und Gudrun sind einige Institutionen vertreten, die Oder auch die Kreuzbundgruppe
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Ein paar Beispiele:


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„Flinke Masche“ im Haus der Fa- Hafner. Sie fertigen im Gemeinde- ihre selbst gemachten Werke verkau- Pforzheim III Frauen mit Socken
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www.valentinahaekelt.com,
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sinnvollem Mehrwert.“
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milie in Straubenhardt. Sie ver- haus in Pforzheim-Würm Kuschelde- fen. Der Gesamterlös kommt hilfsbe- und Deko-Artikeln. lin
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www.haekelnblog.blogspot.de,
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Nicole Poppe häkelt für den guten Zweck www.myboshi.net/blog


GE S CHICHTEN AU S DE R RE GION  UND VO N DAHEIM

PZ Pforzheim vom 03.06.2017


40 SAMSTAG, 3. JUNI 2017 GE S C HICH TEN AUS DER R E GION  $ #" ! UND VON DAHEIM PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 127

GE S C HICHTEN AU S DE R RE GION  $ #" ! UND VON DAHEIM

GE S CHICHT EN AUS DER R E GION  $ #" ! UND VON DAHEIM

An die Kameras, fertig, los: Leser können die schönsten Seiten der Region für Kalender-Bilder einfangen. FOTO: FOTOLIA

Starkes Zuhause
Neue Kalender-Aktion der Volksbank Pforzheim und der PZ startet.
Leser der „Pforzheimer Zeitung“ können ihre besten Motive einreichen.

NADINE SCHMID sich die schönen Seiten der Regi- oder ihr Archiv durchstöbern und
PFORZHEIM/ENZKREIS on in Haus oder Wohnung zu hän- ihre besten Motive zum Wettbe-
gen. „Starkes Zuhause“ heißt das werb einreichen. In den vergange-
Motto. Das bedeutet, dass einmal nen Jahren wurden jeweils zahl-

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uf ein Neues: Die Volks- mehr die Menschen stärker in den reiche Fotos eingesandt – da fiel
bank Pforzheim wird in Mittelpunkt gerückt werden sol- es der Jury aus Vertretern der
Kooperation mit der len. Schließlich gibt es in der Um- Volksbank und der PZ gar nicht so
„Pforzheimer Zeitung“ erneut ei- gebung genügend Möglichkeiten, leicht, eine Vorauswahl zu treffen.
nen Fotokalender auflegen – genau um auf den Auslöser zu drücken: Das wird diesmal sicher nicht an-
genommen sogar zwei Kalender. bei Dorffesten oder auf der Pforz- ders sein. Danach sind wieder die
Denn diesmal soll es neben heimer Mess beispielsweise. Es Leser und die Nutzer von pz-
dem Kalender mit den großen Fo- bieten sich aber auch nette Kin- news.de am Zug, die besten 13 Mo-
tomotiven auch wieder einen Fa- deraufnahmen oder Schnapp- tive zu küren. Die Fotografen der
milienkalender geben. Hier wer- schüsse an – immer vor der reiz- Gewinnerfotos erhalten jeweils
den die Fotos kleiner gedruckt, da- vollen Kulisse unserer Heimat. 100 Euro von der Volksbank Pforz-
für bieten die Spalten viel Platz für Und da haben Pforzheim, der Enz- heim. Also: an die Kameras, fertig,
alle wichtigen Termine der Famili- kreis und der Kreis Calw ja einiges los. Wir freuen uns auf schöne Bil-
enmitglieder. So werden auch jün- zu bieten. Die PZ-Leser können al- der (Teilnahmebedingungen siehe
gere Menschen angesprochen, so wieder auf Fotopirsch gehen unten).

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Die Fotos zu
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n gem ailt an:
werde
news.de
region@pz-

Die Teilnahmebedingungen
Teilnehmer mailen ihre passenden sung, nur Querformate!) und Region es fotografiert wurde.
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Fotos mit dem Betreff „Fotokalen- als jpg-Anhang bis zum Donnerstag, Zusätzlich müssen Name,
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der“ an region@pz-news.de. 29. Juni, an die genannte E-Mail-Ad- Adresse und Telefonnummer
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Bewertet werden können für den resse geschickt werden. Die Fotogra- des Fotografen genannt werden.
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Fotokalender nur Bilder, die in fen sollten kurz erklären, welches Im Juli können die PZ-Leser dann
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druckbarer Qualität (hohe Auflö-


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Motiv zu sehen ist und wo in der


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abstimmen. nad
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„Fangen Sie Ihr ,starkes Zuhause‘ mit der Kamera ein. Möglichst unverkrampft
Die Fotomotive sollen zeigen, wo Sie sich wohl und
zuhause fühlen. Das könnte zum Beispiel in geselliger PZ-Fotograf Gerhard Ketterl erklärt, worauf es bei Fotos von Personen ankommt
Runde auf den zahlreichen Festen sein oder bei PFORZHEIM/ENZKREIS. Beim Foto- terl. Sollen Kinder aufs Foto kom- Besser wirkt es, wenn sie in eine
Veranstaltungen in unserer Region, in der Natur an grafieren von Menschen kommt es men, müssen die Eltern einver- andere Richtung schauen, sich
Ihrem Lieblingsplatz oder einem vor allem auf einen Punkt an – standen sein. Erst wenn dieser mit etwas beschäftigen oder mitei-
und den muss man beachten, be- Punkt geklärt ist, kann man sich nander sprechen. Es ist immer
schönen Aussichtspunkt. vor der Auslöser gedrückt wird. Gedanken über das Motiv ma- schön, wenn eine Person ein Hin-
Unsere wunderschöne Landschaft Wie der PZ-Fotograf betont, darf chen. gucker in einem Landschaftsbild
und Region bietet viele Möglichkeiten – man nicht einfach drauflos knip- ist. Besonders gut wirkt es, wenn
sen, wenn man ein gutes Motiv In ein Gespräch verwickeln sie einen Farbkontrast zur Land-
wir freuen uns auf Ihre sieht. Die abgelichteten Menschen Damit die Menschen auf dem Foto schaft bildet. Also: Keine gelbe
kreativen Aufnahmen.“ müssen einverstanden sein. „Man möglichst unverkrampft und na- Bluse vor einem Rapsfeld fotogra-
muss ihnen sagen, dass das Foto türlich wirken, ist es hilfreich, sie fieren, das ist viel zu eintönig. Au-
Fritz Schäfer,
stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes für die Veröffentlichung in der in ein nettes Gespräch zu verwi- ßerdem sollte man immer auf
der Volksbank Pforzheim eG Zeitung und dem Kalender aufge- ckeln. „Und die Leute sollten nicht Licht und Schatten in den Gesich- Immer in Bewegung: PZ-Fotograf
nommen wird“, so Gerhard Ket- in die Kamera starren“, so Ketterl. tern achten. pz Gerhard Ketterl. FOTO: SEIBEL
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PZ Pforzheim vom 10.06.2017


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38 SAMSTAG, 10. JUNI 2017 GE S C HICH TEN AUS DER R E GION  $ #" ! UND VON DAHEIM PFORZHEIMER ZEITUNG NUMMER 132

Schwarzwälder Wellenreiter
TEXT: SVEN BERNHAGEN | FOTOS: GERHARD KETTERL/PRIVAT

Drei Flüsse fließen durch Pforzheim – bisher freizeitmäßig allerdings weitgehend ungenutzt. Auf dem Wasser und
am Ufer von Enz, Nagold und Würm ist – anders als an Flüssen in anderen Städten – nur wenig los. Ein neuer Verein
will das ändern. 2014 hat sich eine Handvoll Surfer zusammengetan und im vergangenen Jahr schließlich

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Blackforestwave gegründet. „Heimatstark“ hat sich mit den Machern über ihre Ziele und Ideen unterhalten.
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aden, angeln, ein bisschen Kajak fahren – okay. Aber wie kommen
ausgerechnet Surfer auf die Idee, Enz, Nagold und Würm zu ih-
rem Revier zu machen? Brauchen die nicht eigentlich Sommer,
Sonne, Strand und Meer, um glücklich zu sein? Steffen Rose lacht: „Ange-
fangen hat das Ganze, als ich vor drei Jahren mal zur Vorbereitung auf ei-
nen Surfurlaub Paddeltraining im Enzauenpark gemacht habe. Da ist mir
erst so richtig bewusst geworden, was für ein Riesenpotenzial die Flüsse
direkt vor unserer Haustür haben.“ Also hat Rose die Gewässer genauer
unter die Lupe genommen und Mitstreiter gesucht. Heute ist der 26-jäh-

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rige Straubenhardter, der inzwischen in Karlsruhe lebt, Vorsitzender des
Vereins Blackforestwave mit rund 30 Mitgliedern.
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Seit zehn Jahren surft er und sein Traum ist, die Wellen in den Nord- Auf seinem Board trägt Steffen Rose den Namen Blackforestwave und das zugehöri-
schwarzwald zu holen, um nicht immer ans Meer fahren zu müssen, ge Logo in die Welt hinaus – hier an der Floßländewelle, einem kleineren Surfspot in
wenn er seinen Sport betreiben will. Flusssurfen, so wie auf dem berühm- München. Die speziellen Flussboards sind kürzer, breiter und – damit sie trotzdem
ten Münchener Eisbach – „das wäre doch auch was für Pforzheim“, sagt den entsprechenden Auftrieb haben – dicker als herkömmliche Surfbretter. Die Kos-
Rose. Durch die fünf bis sechs Meter breite, stehende Welle im Eisbach ten liegen bei 300 bis 800 Euro.
beim Englischen Garten habe sich in der bayerischen Landeshauptstadt
inzwischen eine riesige Sur-
ferszene entwickelt. Auch
Rose war mit Freunden
„Wenn du fünf Minuten schon etliche Male dort.
Manöver fährst, bist du platt.“ „Das ist der Hammer, was
dort abgeht. Manchmal
Steffen Rose zur Eisbach-Welle in München.
muss man eine halbe Stun-
de anstehen, um dann fünf
Minuten auf der Welle surfen zu können. Und überall am Ufer und auf
der Brücke stehen Zuschauer in Massen – sogar im Winter“, erzählt der
Wimsheimer Surfer Patrick Grafmüller (27). Kaum ein Reiseführer, der
den Spot nicht mehr als Attraktion aufführe. Bars und Cafés voll von Sur-
fern, die übers Wochenende zu einem Kurztrip in München sind. Vor Publikum: Die Surfer an der Floßländewelle in München.
Dass das Flusssurfen nicht nur für die Aktiven, sondern offensichtlich
auch fürs Pforzheimer Publikum spannend und attraktiv ist, hat Rose
selbst schon im Enzauenpark festgestellt: „Wir haben mal ein Seil an ei-
ner Brücke befestigt und haben uns mit dem Surfbrett gegen die Strö-
mung gestellt. Da sind auch gleich ziemlich viele Spaziergänger stehen-
geblieben und haben zugeschaut.“
Schon 2014 hat er sich zusammen mit seinem Studienkollegen, dem
25-jährigen Pforzheimer Clemens Breckle, als Thema für eine Projektar-
beit im Rahmen seines Maschinenbaustudiums eine Machbarkeitsstudie
zu einer stehenden
Welle auf der Enz
vorgenommen. „Wir Sport- und Freizeitmöglichkeiten
waren echt über-
rascht, was man hier ■ Verschiedene Veranstalter in der Region

alles machen könnte bieten geführte Kanu- oder Kajaktouren auf


und was für Möglich- Enz, Nagold und Würm an, oder verleihen
Der Verein
im Internet
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