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SAMMLUNG WISSENSCHAFTLICHER COMMENTARE

GRADE UND GRADBEZIRKE


DER TIERKREISZEICHEN
Q U E L L E N K R I T I S C H E EDITION MIT KOMMENTAR

VON

WOLFGANG HÜBNER

BAND I E D I T I O N
BAND II KOMMENTAR

B.G. T E U B N E R S T U T T G A R T UND L E I P Z I G

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GRADE UND GRADBEZIRKE
DER TIERKREISZEICHEN
DER ANONYME TRAKTAT
DE STELLIS FIXIS, IN QUIBUS GRADIBUS
ORIUNTUR SIGNORUM

II
KOMMENTAR

VON

WOLFGANG HÜBNER

B.G. T E U B N E R S T U T T G A R T U N D L E I P Z I G 1 9 9 5
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Gedruckt mit Unterstützung der Förderungs-
und Beihilfefonds Wissenschaft der VG WORT GmbH,
Goethestraße 49, 80336 München

Die Deutsche Bibliothek — CIP-Einheitsaufnahme

Grade und Gradbezirke der Tierkreiszeichen :


der anonyme Traktat De stellis fixis, in quibus gradibus oriuntur signorum ;
quellenkritische Edition mit Kommentar /
von Wolfgang Hübner. — Stuttgart ; Leipzig : Teubner.
(Sammlung wissenschaftlicher Commentare)
Einheitssacht.: De stellis fixis
NK: Hübner, Wolfgang [Hrsg.]; EST

Bd. 2. Kommentar. - 1995


ISBN 3-519-04287-8

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede
Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne
Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt besonders
für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung
und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© B. G. Teubner Stuttgart und Leipzig 1995

Printed in Germany
Satz: INTERDRUCK Leipzig GmbH
Druck und Bindung: Druckhaus "Thomas Müntzer" GmbH, Bad Langensalza

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INHALT

ZWEITER BAND
KOMMENTARE UND VERZEICHNISSE

Kommentare

I. Paranatellonten (Teukros) 1

Ia. Teukros I 94

II. Einzelgrade 104

III. Helle, dunkle und leere Grade (Abu Ma'sar) 141

IV. Wetternotate 151

V. Planetenbezirke (Kritodemos) 160

VI. Gradbezirke mit Namen 179

VII. Einzelsterne (Ptolemaeus) 198

Verzeichnisse
I. Astronomisch-astrologische Abkürzungen 222
1. Sterne und Sternbilder 222
2. Tierkreiszeichen . . 222
3. Dekane der Tierkreiszeichen 222

II. Literatur 223


1. Abgekürzt zitierte Quellentexte 223

2. Ausgewählte Literatur 225

III. Tabellen 231

IV. Namen-Register 233


1. Autoren und Werke 233
2. Sterne, Sternbilder, Bezirke 233
a) griechische 233
b) lateinische 247
c) französische 261
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I. PARANATELLONTEN

1. A r i e s

Die zwölf Bezirke des Widders bilden jeweils paarweise sechs 5°-Abschnitte.
1. In das Teukros-Paranatellon Piscator ist der Gradbezirk VI 1,2 Diligentia
und in diesen wiederum der erste Helligkeitsbezirk (III 1,1 sinceri, wozu viel-
leicht auch die Kategorie australes gehört) eingeschaltet. Die Systeme I, VI und
III werden auch im ersten Lemma des Stiers ineinander verschränkt. (a) :
Zu ergänzen wie I 4,1 und I 5,1, wo jedoch ein Platz freigelassen ist. Pisca-
tor: F.Boll, Sphaera (1903), 262f. nahm nach L (I 12,1) Λίνον · άλιεΤς an, daß
auch hier das Wort άλίεύς aus einer Prognose άλιεΤς verschrieben sei (vgl. I
7,7 Π ο ρ θ μ ε ύ ς / Π ο ρ θ μ ε ϊ ς , ferner S. I 99) und der Sternbildname Λίνον für das
Band der Fische (vgl. I 12,1 und Ia 12,8) ausgefallen sei. W.Gundel, Neue astro-
logische Texte (1936), 243 f. hat versucht, dies zu stützen mit dem Nodus Pis-
cium bei Ar 6°. Dieser gehört jedoch in ein anderes System: VII 1,2. Nach einer
Vermutung von L. Kálmány (1893), 27 f., der an die Sterne βδ AND und α ζ
PEG dachte, erwägt Gundel (ibid.; Ders., Paranatellonta, 1949, 1255,59) Andro-
meda und Teile des nördlichen der beiden zodiakalen Fische. Nun hat aber Boll
(ibid.) auch an den Oriongürtel erinnert, unter dem nach Manil. 5,174—196 ne-
ben Jägern auch Fischer erscheinen. Es handelt sich dort um eine typische Asso-
ziation von 'Wasser- und Landjägern' und um die Vertauschung der Lebensbe-
reiche: der Fischer am Anfang des Widders und der Hirte im Geviertschein dazu
am Anfang des (als Wassertier geltenden) Krebses bei Can 1 °—2° {figura Pasto-
ris: I 4,1): W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 406f. Ders., Die Eigenschaf-
ten (1982), 553. Ders., Manilius (1984), 221, vgl. dazu noch LH 27 p. 81,2 pis-
cium venatores vel pastores. Demnach dürfte es sich um Orion handeln, den
Manil. 5,57—66 bei Ar 10° (astronomisch falsch) ansiedelt. sedens in r u p e :
Zusatz gegenüber PL. Der Felsen erinnert an Andromeda (I 1,6), die aber nicht
sitzt. Ein Sternbild Π έ τ ρ α erwähnt V1 zur Waage: F.Boll, Sphaera (1903),
269 — nicht im LH, der aber an zwei Stellen die Prognose incisores lapidum
bringt: unter dem Deltoton bei Ar 24°—25° (I 1,10) und unter Theseus bei Ge
8°—10° (I 3,4). Im zweiten Pali folgt: et omnem sedentariam operationem, es be-
steht aber wohl kaum ein Zusammenhang zu sedens. [vocatur a u t e m eqs.]:
Danach folgt der Gradbezirk Diligentia (VI 1,1) und der Helligkeitsbezirk (III
1,1). [diligentes]: Knüpft an den eingeschalteten Gradbezirk Diligentia an,
doch das Folgende gehört wieder hierher. v e n a t o r e s : Gehört nach PL zum
Piscator. Die Prognose erscheint hier nicht deswegen, weil Fischer und Jäger in
den semitischen Sprachen mit demselben Wort bezeichnet würden (so R. Eisler,
The Royal Art, 1946, 124), sondern wegen der Kombination der Lebensberei-

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2 I. Paranatellonten

che, s. u. Vgl. im übrigen zu II 2,8 venatores. aucupes: S. Feraboli, Ricerche


(1989), 234 vergleicht Firm. math. 8,30,9 schon für Pi 23°: erit auceps. 'Land-
und Luftjäger' beim Fischer: Zur Vertauschung der Lebensbereiche W. Hübner,
Die Paranatellonten (1975), 406f. Ders., Manilius (1984), 221-227. Dieselbe
Assoziation von Jägern und Vogelfängern unter Serpens bei Ge 19°—20° (I 3,8),
vgl. Maneth. 6,452f. und Firm. math. 8,19,8 für Ar 17°: auceps, venator vel nu-
tritor avium aut ferarum. Sonst erscheinen auch Fischer und Vogelfänger neben-
einander: Firm. math. 3,7,12 — Rhet. C p. 157,22, dazu F. Cumont, L'Egypte
(1937), 62;>. [plures ... arismetici]: Dürfte sich wieder auf den Gradbezirk
VI 1,1 Diligentia beziehen, s.d.
2. Pallas: Übersetzt PL Αθηνά, vgl. das Exc. Barocc. II p. 465,16 Αθήνη ...
καί Γοργώ, ferner Teukros III p. 182 f. Den Namen Pallas wählt schon Manil.
2,439 für die Widder-Tutorin, vgl. 4,135 und F. Boll, Sphaera (1903), 4 7 4 - 4 7 8 .
Von Pallas bei Ar 3°—5° besteht ein Sextilschein zum Gemini-Tutor Apollo (I
3,2) bei Ge 3°-5°: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 409, während der
Waage-Tutor Vulcanus (I 7,8) bei Li 23°—24° erst einen späteren Bezirk besetzt.
Bei Serv. Aen. 11,259 (zu 11,261 f. triste Minervae | sidus) heißt es: ut Ophiu-
chus ipse est Aesculapius, Gemini Apollinis et Herculis esse dicuntur, sie Miner-
vae Aries esse dinoscitur. Servius macht also einen feinen Unterschied zwischen
Identität (Ophiuchus) und bloßer Zugehörigkeit (Genitive: Apollinis et Herculis
und Minervae). Daher ist die Vermutung von F. Boll, Sphaera (1903), 270—272,
es handle sich um eine kleine Sterngruppe im Widder selbst, unwahrscheinlich.
Es dürfte sich entweder um den Einzelstern des Gorgoneions handeln (II 1,1:
bei Ar 3°), wie auch Apollo (I 3,2) ein Einzelstern ist, oder um das Sternbild Per-
seus, der ja außer von Hermes auch von Athene beschützt wurde. Nach Ps.Era-
tosth. catast. 15. 17. 22 hat Athene Kepheus, Andromeda und das Gorgoneion
des Perseus verstirnt, vgl. die Mythokrasie (I 1,4): Perseus ... ostendens Ceto ca-
put Gorgonis und den Einzelstern (II 1,1) stella Gorgonis bei Ar 3° in Verbin-
dung mit V1 Μέδουσα anstelle von Αθηνά: Wie Perseus das Gorgoneion in sei-
ner Linken hält, so trägt Athene das Gorgoneion auf ihrer Brust, vgl. W. Hübner,
Lychnos (1987), 6. Eine sehr persönliche, situationsbedingte Deutung verleiht
diesem Sternbild Aby Warburg, Franz Boll (1925), 15—21 und 30: Athene ist
nicht mehr Pallas, sondern erobert das Reich der idealen Humanität, sie gehört
somit zum Pol der σωφροσύνη. — Unwahrscheinlich ist die Annahme von
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 248, es handle sich um die Gürtel-
sterne Andromedas und die ägyptische Nilpferdgöttin Thueris. locus: Für
einen Teukros-Abschnitt sonst nur noch I 6,9. Andere Funktionen des Wortes s.
zu VI 1,1 loco. sapientes, artífices: Wohl im Gegensatz zu Η und Gundel
mit Komma zu lesen. sericarios: "Die sich mit serischer Seide beschäfti-
gen", übersetzt PL μεταξαρίους (nicht in F). W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 247 2 vergleicht Firm. math. 8,19,12 (Ar 27°): lanarius, siricarius
[ser- var. 1.], textor. Ihren Einfluß scheint Minerva auch unter dem Deltoton (I
1,10) bei Ar 24°-25° auszuüben, s.d.
3. Es folgen (I 1,3—I 1,7) die fünf Gestalten der besonders durch das Drama
des Euripides berühmten Andromedasage aufeinander, zuerst die vier menschli-
chen und nördlichen Bilder, dann — gerade mit Beginn der zweiten Widderhälfte
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1. Aries 3

bei Ar 16o—18° — das südliche Untier: Kepheus — Perseus — Kassiopeia — An-


dromeda — Ketos; das letzte wird von Ps.Ant. V:l mit ύποκάτω deutlich von den
vier nördlichen abgesetzt, vgl. Arat. 355 f. Zum Nord-Süd-Gegensatz der fünf Fi-
guren W. Hübner, Manilius (1984), 196—201, eine sehr persönliche Deutung
verleiht ihnen Aby Warburg: s. o. zu I 1,2 Pallas. Die beiden männlichen Figu-
ren, Kepheus und Perseus, besetzen den 5°-Abschnitt Ar 6°—10°, die beiden
weiblichen, Kassiopeia und Andromeda, den anschließenden 5°-Abschnitt Ar
II o —15°. Wie die dea Pallas dem Ganzen vorausgeht (Ar 3°—5°), so folgt das
Untier Cetus bei Ar 16°—18°: Die 5°-Abschnitte werden von zwei 3°-Abschnit-
ten eingerahmt. So ergibt sich folgendes Schema:

3°--5° dea Pallas 3° Göttin


6°--7° Cepheus
5° Männer
8°--10° Perseus Frühlingsgleiche
o
I I - -12° Cassiepia
5° Frauen
13°--15° Andromeda
Mitte

16°—18° Cetus 3° Untier


Das Sternbild der Nereide gehört wohl nicht in diesen Zusammenhang, vgl. zu I
10,2 Nereis. est: Hier zum ersten Mal statt oritur, so insgesamt sechsmal un-
ter dem Widder, nämlich bei vier von den fünf Akteuren des Andromeda-Dra-
mas (außer bei Andromeda selbst): I 1,4 Perseus, I 1,5 Kassiopeia und I 1,7 Ke-
tos, außerdem bei dem Lampenträger (I 1,8) und dem Dreieck (I 1,10). Sonst bei
Zirkumpolarsternbildern (s. zu I 2,9), der Trias bei der Wasserschlange (I 5,2),
dem Raben (I 6,5: Textverwirrung), Chiron (I 7,3), Canis und Bucephalus (I
8,4—5), Argo und Pelagus (I 9,3) und dem Sterngucker (I 9,7). Das Wort begeg-
net auch unter den Einzelgraden (s. zu II 1,1) und unter den Einzelsternen (s. zu
VII 1,1). Cepheus: Ist wie I 1,4 Perseus von seiner Prognose getrennt,
[quintus et] sextus et septimus: Da die Prognose dieser Einzelgrade nach PL
zu Kepheus gehört, dieser aber erst ab Ar 6° aufgeht, ist der Grad Ar 5° falsch,
compati, afflictum: Gundel interpungiert nicht, wohl beeinflußt durch F avoir
compassion des afflis, weswegen S. Feraboli compati afflictis (und im Griechi-
schen συμπάσχοντας θλιβομένοις) konjiziert. Das Wort afflictum ist jedoch
nicht Objekt zu compati, sondern beide sind Objekt zu faciunt, vgl. PL συμπάσ-
χοντας, θλιβομένους. Das weibliche Gegenstück erscheint I 1,5 unter Kassio-
peia, der Gemahlin des Kepheus: θλιβομένας, was der LH dort wenigstens auch
im Plural, wenn auch mit maskuliner Form wiedergibt: afflictos. Das Wort kehrt
zusammen mit Andromeda in der Einzelgradprognose II 1,7 für Ar 13° wie-
der. — Zu Kepheus könnte auch die II 1,3 für den Nodus Piscium bei Ar 6° ge-
gebene Prognose scenici gehören, s. d.
4. ab octavo usque ( a d ) decimum: Perseus besetzt zusammen mit Kepheus
ebenso einen 5°-Abschnitt wie Kassiopeia mit Andromeda. Seine Prognosen ha-
ben sich ebenso unter zwei Einzelgradprognosen verirrt und werden ebenso
beim Knoten im Band der Fische (II 1,3) antizipiert wie die von Andromeda (I
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4 I. Paranatellonten

1,6). Bei Ar 8° befand sich seit der julianischen Kalenderreform der Frühlings-
punkt: Perseus überwindet den Walfisch wie der Frühling den Winter. Die Vari-
ante des griechischen Textes (Ρ2 εως η') wählt statt des Schlußgrades den An-
fangsgrad und damit den Grad der Frühlingsgleiche. est: Wie I 1,3, s.d.
Perseus volans eqs.: Perseus nimmt hier die Position kopfüber (κατακέφαλα)
ein, die eigentlich dem Engonasin gehört, mit dem er bisweilen gleichgesetzt
wird: F.Boll, Sphaera (1903), 108. W. Hübner, Die Paranatellonten (1975),
41 Of. Ders., Die Eigenschaften (1982), 532 (dort auch zur Verwechslung mit
Orion). S. Feraboli, Astronomia classica (1993), 509 f. 520f. Die äußerst vielfälti-
gen Umdeutungen des Engonasin bilden zwei diametrale und zwei Sextilschein-
paare:
11,4 Ar 8 ° - 1 0 ° Perseus 17,3 Li Io-10° Chiron
13,4 Ge 8°—10° Theseus 19,2 Sa 6°-10° Atlas/Talos
volans: Diese Eigenschaft entscheidet bei Manil. 5,592—604 den Kampf gegen
das wasserschwere Ungeheuer an der Jahreszeitengrenze: W. Hübner, Manilius
(1984), 197 f. caput habens inferius et pedes superius: Die Stellung κα-
τακέφαλα (Teukros I zu Ar III, vgl. zu Sa 1, also im Gedrittschein zu unserer
Stelle: θεός τις κατακέφαλα, s. zu I 9,2) gehört eigentlich dem Hercules-Engo-
nasin: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 41 Of. Ders., Die Rezeption
(1980), 42 f. mit Hinweis auf manieristische Renaissance-Darstellungen. Ders.,
Manilius (1984), 194-196. Ders., Uranoscopus (1990), 264. Vgl. auch R. Schie-
venin, Lumen (1978), 253 f. Die Übertragung des Wortes κατακέφαλα auf Per-
seus wurde dadurch begünstigt, daß Perseus das abgeschlagene Medusenhaupt
(Algol) in seiner Linken nach unten richtet (vgl. den folgenden Text: ostendens
Ceto caput Gorgonis). Die Worte et pedes superius sind gegenüber Teukros I
hinzugefügt, weil κατακέφαλα auf den eigenen Kopf des Perseus bezogen
wurde. ostendens Ceto caput Gorgonis: Mythokrasie: Nicht dem Meerun-
geheuer, sondern dem Phineus und dessen Gefolgsleuten und dem Polydektes
hält Perseus das Medusenhaupt vor, um sie zu versteinern. Eine Verbindung der
Sagen schafft jedoch auch Manil. 1,356—359:
Andromedan, vastos metuentem Pristis hiatus,
ni veterem Perseus caelo quoque servet amorem
auxilioque iuvet fugiendaque Gorgonis ora
sustineat eqs.
Hier wird die versteinernde Wirkung vorausgesetzt, die astrologisch zu Saturn
gehört: W. Hübner, Saurix (1969), 269-272. Entsprechend nennt der LH VII
2,1 für den Einzelstern Gorgon das saturnische Temperament zuerst, s. d. — Vor-
ausgesetzt, der Kater ist Ketos (s. u. zu I 1,11), dann kehrt die Verbindung von
Ketos und Gorgo im Exc. Barocc. II p. 465,16 wieder: Αθήνη, Αίλουρος και ή
Γοργώ. Zur Mythokrasie vgl. auch I 1,7 und Ia 12,9. Ceto: Anders F α
Vaveule, ebenso I 1,7 (zweimal), aber I 3,1 le Balaine, I 3,9 de Ceci, vgl. zu I
1,11 Aelurus. F hat Cetus in c(a)ecus verlesen: E. de Strycker, La Baieine
(1938), 222—225 und unabhängig davon W. Hübner, Zur neuplatonischen Deu-
tung (1990), 84. Zu den von de Strycker nach Gundel zitierten Parallelen kommt
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1. Aries

nun noch eine bisher unedierte: Die Prognose II 4,2 caecos lautet in F ebenfalls
aveules. Zur Verschreibung vgl. Manil. 5,15 c(a)ecum trad., 5,656 ceci M.
caput Gorgonis: Algol (ß PER), vgl. zu II 1,1 stella Gorgonis und VII 2,1 Gor-
gon. statutes super incarceratis : Gehört nach PL π ρ ο σ τ ά τ α ς των έν
δεσμόίς nicht nur zum Einzelgrad Ar 8°, sondern, wie auch das folgende incar-
ceratis praepositos super für Ar 9°, zum ganzen Perseus. Die Prognose wird
schon II 1,3 für den Nodus Piscium bei Ar 6° antizipiert: custodes incarcerato-
rum, und zwar neben der komplementären Prognose captivos, die zu Andro-
meda (I 1,6) gehört. L bietet die Prognose δ ε σ μ ο φ ύ λ α κ α ς noch zweimal am
Anfang der Fische:

I 12,3 (ή ούρα του) Κήτους ... δεσμοφύλακας


I 12,4 Ανδρομέδα δεσμοφύλακας
So wie die erste II 1,3 für Ar 6° angegeben wird, so die zweite I 1,7 custodes car-
cerum für Ketos bei Ar 16°—18°. Vgl. im übrigen F. Cumont, L'Egypte (1937),
190''. super incarceratis: Abweichend F sus les gens, dagegen treffend für
Ar 9°: proposes sur les encarcres. incarceratis praepositos super: Wieder-
holung der Prognose für Ar 8°, also einzelgradübergreifend, dennoch sprachliche
Variatio wie bei I 1,6 Andromeda.
5. est: Wie I 1,3, s.d. Gassiepia: Folgt unmittelbar auf den Einzelstern
ζ CAS (VII 1,3). amatores contentionum: Vielleicht, weil Kassiopeia als die
Schönste gelten wollte (die Ursache des Andromeda-Dramas), im Sinne von PL
γυναίκας κ α λ λ ω π ι ζ ο μ έ ν α ς an zweiter Stelle. habentes uxores bonas : Im
Gegensatz zu PL (s. o.) eindeutig aus der Männerperspektive. in fine: Diffe-
renzierung nach dem Lebensalter, vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982),
591 zu Manil. 4,257 melior ... senecta est. afflictos: Aber von Ρ θλιβομέ-
ν α ς weiter auf die Frauen bezogen. Das männliche Gegenstück findet sich unter
Kepheus, dem Gemahl Kassiopeias (I 1,3): afflictum, wo PL ebenfalls den Plural
bieten: θλιβομένους. Das Wort kehrt wieder in der Einzelgradprognose II 1,7
für Ar 13°, also im Andromedabezirk, s. d.
6. Andromeda: Besetzt zusammen mit ihrer Mutter Kassiopeia ebenso einen
5°-Abschnitt wie Kepheus mit Perseus. Auch bei Manil. 5,504—630 und Firm,
math. 8,16,3/8,17,1 folgen Kassiopeia und Andromeda aufeinander, aber wesent-
lich früher bei Aq 20° und Pi 12°, Andromeda also ziemlich genau ein Tierkreis-
zeichen früher. Ihre Prognose hat sich wie die des Perseus (I 1,4) unter zwei Ein-
zelgrade verirrt und wird auch II 1,3 für das Band der Fische antizipiert. — Zur
singulären Schreibweise in F Andromada vgl. außer der im Apparat angegebe-
nen Schreibweise des cod. Sloane 3983 (saec. XIV) die Transkription des Na-
mens bei Gerhard von Cremona: P. Kunitzsch, Der Sternkatalog II (1990), 82
Nr. 20. super rupe Rubri maris: Vgl. Manil. 5,562 und 5,566 rupes etc.,
ferner zu I 1,1 Piscator sedens in rupe. Rubri maris: Das Rote Meer gehört
zusammen mit Andromeda sonst zu den Fischen: Dor. bei Heph. 1,1,218. Heph.
1,1,221. Rhet. Β p. 211,24, vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 617 f. zu
Manil. 5,542 pontus ; zum Widder jedoch Heph. 1,1,7. s u s p e n s a in catena:
Vgl. Manil. 5,573 catenas etc. Dieses Detail wird häufig ausgedeutet und teil-
weise mit dem Band der Fische kombiniert: W. Hübner, Die Eigenschaften
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6 I. Paranatellonten

(1982), 617 u. ö. Ders., Manilius (1984), 196. quemadmodum adorans:


Andromeda ist mit ausgebreiteten Armen an den Felsen gekettet, vgl. Manil.
5,550 panduntur bracchia und G.Thiele, Antike Himmelsbilder (1898), 106.
Hier wird diese Haltung singulär als Gebetsgestus gedeutet, der sonst dem Engo-
nasin-Uranoscopus gehört, s. u. zu I 9,7 orantes semper. in carceribus exsi-
stentes : Gehört nach PL δεσμώτας nicht zum Einzelgrad Ar 13°, sondern hier-
her, ebenso incarcerates für Ar 15°. Die Prognose der Gefangenschaft (mehr bei
F. Cumont, L'Egypte, 1937, 1911) verhält sich komplementär zu der der Gefäng-
niswärter unter I 1,4 Perseus. Nach L I 12,4 verheißt Andromeda aber auch δεσ-
μοφύλακας. In der Einzelgradprognose II 1,3 für den Knoten im Band der Fi-
sche werden beide Prognosen nebeneinander antizipiert: custodes incarcerato-
rum, captivos etiam eqs. incarcerates : Variatio trotz Wiederholung und
einzelgradübergreifend wie bei I 1,4 Perseus.
7. a sexto decimo usque ad octavum decimum: Andromeda besetzt die
letzten drei Grade der ersten, Cetus die ersten drei Grade der zweiten Hälfte des
Widders, vgl. unter den Zwillingen (I 3,6 f.) das Gegeneinander von Hercules/
Theseus und Satirus = Ophiuchos. Die zweite Hälfte des Widders beginnt ge-
rade mit jenem Untier, das sich als einziger Akteur des Andromeda-Dramas auf
der südlichen Halbkugel befindet, Ps.Ant. sagt ausdrücklich ύποκάτω. est:
Wie I 1,3, s.d. Cetus: Ist von seiner Prognose durch die lumbi Arietis
(II 1,10) getrennt. custodiens Andromedam: Mythokrasie: Der Walfisch
"verfolgt" Andromeda (Arat. 353f. und Manil. 5,657 Andromedan ponto caelo-
que sequentis), aber er bewacht sie nicht. Diese Funktion hat vielmehr der Nörd-
liche Polardrache, der die beiden Bärinnen bewacht (s. u. zu I 3,3 carcerem, vin-
cula). Die Prognose der Bewachung gehört in erster Linie zu Perseus (I 1,4),
dann aber auch zu Andromeda (L: I 12,4 Ανδρομέδα δεσμοφύλακας), und
zwar unter den Fischen, mit deren Band ihre Ketten kombiniert werden:
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 620 zu Manil. 5,621 carceris ... custos.
Ders., Manilius (1984), 196 zu Manil. 5,555 ipsa suae custos est visa figurae.
Zur Mythokrasie vgl. auch I 1,4 und Ia 12,9. Cetus cum oritur: Nur hier
wird über den heterogenen Einschub hinweg der Aufgang des Sternbildes noch
einmal rekapituliert, das Fehlen erschwert die Analyse des Textes in den übrigen
Fällen. custodes carcerum, sallitores: Ebenso PL an dieser Stelle, aber L
noch einmal am Anfang der Fische 112,3 (ή ούρα του) Κήτους ... δεσμοφύ-
λακας, ταριχευτάς. custodes carcerum: Überrascht beim Walfisch, die
Prognose gehört in erster Linie zu I 1,4 Perseus (Parallelen s. d.), nach L (I 12,4)
und Manil. 5,621 zu Andromeda (I 1,6), vgl. die Einzelgradprognose II 1,3 für
den Nodus Piscium bei Ar 6°: custodes incarceratorum. sallitores: Forcel-
lini und Du Cange kennen nur salitores : "Einbalsamierer", vgl. F. Cumont,
L'Egypte (1937), 172, 112' und 139' (dazu Heph. 3,5,74) sowie W. Hübner, Die
Eigenschaften (1982), 629 zur Ce<us-Prognose bei Manil. 5,682 salinas. Die Pro-
gnose kehrt für den Walfisch unter den Fischen wieder (112,3): ταριχευτάς.
falsarios : Übersetzt παρασφραγιστάς "welche Siegel fälschen" (sonst nicht be-
legt; das zugehörige Verbum hat keine pejorative Bedeutung). Parallelen bei
F. Cumont, L'Egypte (1937), 501.
8. nono decimo: Ist nach Ρ geändert aus quinto decimo, doch sind in L Delto-
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1. Aries 7

ton und Lampenträger vertauscht, so daß die Verwirrung schon auf das griechi-
sche Original zurückgehen könnte. Auf jeden Fall nannte die Quelle wie Ρ wohl
nur den Schlußgrad, so daß Fehler bei den Anfangsgraden häufiger auftreten,
est: Wie I 1,3, s.d. Qui defert lucernas: Nach den fünf zusammengehöri-
gen Figuren des Andromeda-Dramas das erste 'barbarische' Sternbild, schon vor-
her 111,1 genannt als Deferens candelabra[m], von F.Boll, Sphaera (1903),
218 f. vorsichtig mit Aldebaran (Ptol. apotel. 1,9,3 Λαμπαδίας/Λαμπαύρας) in
Verbindung gebracht. Erst der LH stellt die Verbindung mit dem Kynokephalos
(= Kepheus: II 1,1) her, vgl. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 222f.,
wo aber die mit Hinweis auf Boll vorgenommene Identifizierung mit Thot zu-
rückzuweisen ist; wahrscheinlich ist Kassiopeia gemeint: W. Hübner, Lychnos
(1987) und unabhängig davon S. Feraboli, Astronomia classica (1993), 515 f., die
aber fälschlich den vorangehenden, aber abzutrennenden κυνοκέφαλος mit ein-
bezieht. accensores lampadum: Vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 129.
9. Dieses Paranatellon zeigt singulär eine echte Verschränkung mit den Einzel-
graden: Am Anfang und am Ende des Abschnitts Ar 2 Io—23° wird jeweils das
Sternbild genannt, dazwischen drei Einzelgradprognosen für Ar 2 Io—23°
(111,11-13). Oceanus: Von F.Boll, Sphaera (1903), 134-138 und
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 198f. Dems., Paranatellonta
(1949), 1239 mit Eridanus gleichgesetzt nach Hyg. astr. 2,32 hunc ... complures
etiam Oceanum esse dixerunt. Danach auch A. Scherer, Gestirnnamen (1953),
189. A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 140 und 203. Vielleicht ist auch an den
Lebensbereich des an vorletzter Stelle (I 1,7) genannten Ketos gedacht, auf jeden
Fall dürfte das Bild zur ausgedehnten Wasserregion am Südhimmel gehören,
hierzu G. Thiele, Antike Himmelsbilder (1898), 5. F. Boll — W. Gundel, Sternbil-
der (1937), 1006,39. W. Hübner, Perseus (1979), 160. Wohl im Hinblick auf die
Grenzfunktion erscheint der Oceanus als Klima des ersten Widderdekans im LH
c. 1 p. 19,18. - Vgl. das Sternbild 19,3 Pelagus bei Sa I I o - 1 5 ° , das F.Boll
(ibid.) wie den Oceanus mit Eridanus gleichsetzt. Pelagus dürfte aber eher die
Südliche Krone bezeichnen, s.d. totus quidem Oceanus: Ein in dieser
Schicht singulärer Hinweis auf das allmähliche Aufgehen des Sternbildes, so als
ob die dazwischenliegenden Einzelgrade den Aufgang von Teilen des Oceanus
markierten. Anders bei den Einzelsternen, s. zu VII 2,4 tota Ilyas. signifi-
cai: Hier vereinzelt wie bei Teukros δηλοΐ statt facit. Vgl. 13,3 (nach Ρ
σημαίνων). 16,6. 16,7 (fehlt in L). 16,9 (nach L σημαίνει). 17,1. 17,3. 17,6.
17,7. 110,2. 110,3. 110,4. I 10,7. I 10,9. 110,10. 111,5.
10. Das Dreieck folgt unmittelbar auf die resümierende Nennung des Ozeans,
est: Wie I 1,3, s. d. Deltoton: Ist der Name, den Teukros (nach Arat) ver-
wendet, vgl. zu VII 1,4 Triangulus [Deltoton]. Es handelt sich sicher nicht um
Sterne der Andromeda, wie W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 179
meint und S. Feraboli, Ricerche (1989), 215 unkritisch referiert. fabros: Un-
genau für PL τέκτονας. An der diametral gegenüberliegenden Stelle bei
Li 23°—24° (26°?) ist fabros eine Wirkung des Vulcanus (17,8); V1 nennt das
Dreieck auch zur Waage. Ahnliche Prognosen bei F. Cumont, L'Egypte (1937),
1062. incisores lapidum: Dieselbe Prognose 13,4 für Theseus bei Ge 8°—
10°. Da dort das Sternbild Πέτρα eine Rolle spielt (s. d.), V1 jedoch singulär un-
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8 I. Paranatellonten

ter der Waage δελτωτόν, πέτρα nebeneinanderstellt, könnte πέτρα eine Um-
deutung des Deltoton sein. Vgl. auch Firm. math. 8,19,11 (Ar 25 o ): erit ...
marmorarius vel his similis, verglichen von S. Feraboli, Ricerche (1989), 215,
mehr bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 106'. qui utuntur operibus domo-
rum in honore: Das Wort für das Gewicht, das zur gegenüberliegenden Waage
paßt (Ρ τους περί σταθμία άσχολουμένους) bzw. für die Richtschnur (L τους
στάθμη κεχρημένους), ist nicht richtig übersetzt, ebensowenig in F. apta-
tores tunicarum eqs.: Wohl Einfluß Minervas, der Tutorin des Widders, vgl. zu
I 1,2 Pallas und oben zur Opposition von fabros : Das System der Göttertutelae
basiert auf Oppositions-Paaren: W. Hübner, Manilius (1984), 228 mit Anm.
337. — Im übrigen gehört auch das Dreieck zu dieser Göttin: Ders., Die geome-
trische Theologie (1980), 31. tunicarum: Bestätigt den Text von L χλαινών
(χαλινών Ρ), vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 90'. S. Feraboli, Ricerche (1989),
216 vergleicht Firm. math. 8,19,12 für Ar 27°: erit lanarius, siricarius, textor
und S. 230 Firm. math. 8,19,7 für Ar 14° textores, ferner W. Hübner, Die Eigen-
schaften (1982), 526 zu Manil. 4,124 lanis. Der Widder begünstigt zusammen
mit seiner Tutorin Pallas die Textil Verarbeitung: Manil. 4,124—136. suto-
res: Übersetzt ράπτας (Rhet. C p. 216,25 und Apom. myst. 3,54 CCAG XI 1,
1932, p. 182,26 planetar bestimmt). Vgl. zu I 3,12 nautas.
11. a vicésimo sexto usque ad vicesimum septimum: Daß der Kater erst
am Ende des Widders erscheint, mag damit zusammenhängen, daß Teukros III
(s. u.) — anders als Teukros I — den Kopf des Katers erst beim dritten Dekan des
Widders ansiedelt. Aelurus: Das Dodekaoros-Tier des Widders: F.Boll,
Sphaera (1903), 295—306 und oben Tab. 13, von Kam. 196 als südliches Stern-
bild genannt: ó κάτωθεν Αίλουρος. W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 231 denkt an Sterne des Eridanus, die noch mit zum Walfisch gerechnet
worden seien. Er stützt sich dabei auf die nur in F erhaltene Gleichsetzung von
Kater und Ketos: olurus o elurus c'est li aveules (über das Mißverständnis cetus/
c(a)ecus s.o. zu I 1,4 Ceto). Diese Gleichstellung findet eine gewisse Stütze bei
Teukros III, der dreimal unter dem ersten Widderdekan den Schwanz des Wal-
fischs mit dem Kopf des Katers enantiodromisch kombiniert (p. 182,15. 183,10.
183,18—20). Unwahrscheinlich die These von E. de Strycker, La Baieine (1938),
225, der die Entstellung eines Interpretaments id est Catus vermutet. Das Wort
Catus wäre dann zweimal entstellt worden: zunächst zu Cetus und dann zu
c(a)ecus. tímidos: W. Hübner, Zur neuplatonischen Deutung (1990), 80f.
vergleicht die Capella-Prognose (für Ar 30°) bei Manil. 5,135 tremebundaque
corda und Firm. math. 8,6,7 trepidatione etc., also Aelurus = Fuhrmann mit Ca-
peila? Möglich ist aber auch eine Gleichsetzung mit dem Widder selbst (Manil.
4,138): dubia in trepido praecordia pectore fingit. Vgl. ferner Firm. math. 8,19,11
zu Ar 26°: ita erit timidus, ut per omnia horarum momenta vanis suspicionibus
expavescat.
12. a vicésimo octavo usque ad tricesimum: Die pars Pegasi besetzt zu-
sammen mit dem Kater einen 5°-Abschnitt. Teukros III p. 182,15 und
p. 183,10.18 verbindet den Kater mit dem Schwanz des Walfisches. Die beiden
Partner des Katers kombiniert wiederum L durch einen "saut du même au
même", vgl. zu 112,2 το μέρος του (Πηγάσου ... ή ούρά του) Κήτους.
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1. Aries 9

pars Pegasi: Die προτομή des nur halb verstirnten Pegasus: F. Boll — W. Gun-
del, Sternbilder (1937), 928 f. A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 1 15, hiernach ist
in L (I 12,2) wohl zu ergänzen τό μέρος (του Πηγάσου), vgl. 1 3,11 pars He-
niochi. Etwas anderes, nämlich den mittleren Teil eines Sternbildes, meint Teu-
kros I mit dem Ausdruck la 11,7 medietates Equi (gemeint ist dort wohl der Süd-
liche Kentaur), ebenso la 12,4 medietates Pegasi zwischen Ia 12,1 posteriores
partes Pegasi und la 12,5 caput Pegasi nach der üblichen Dreiteilung der De-
kane. Wieder anders sind diejenigen Stellen zu beurteilen, wo Teile von im übri-
gen vollständig verstirnten Bildern aufgehen, was bei Teukros II selten vor-
kommt, vgl. zu I 4,9 posteriores partes Ursae und I 9,8 anterior pars Ancipitris
bei Sa 27°—30°: Gedrittschein. Nach dem Gesagten handelt es sich sicher um
den klassischen Pegasus; F.Boll, Sphaera (1903), 119 denkt an die beginnende
Kulmination. Abzulehnen ist die Deutung von W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 177, der bei der Vorstellung "vom Fuß des Pegasus" wohl von
einer falschen früheren Lesung pes statt pars ausgeht und dann Sterne unterhalb
des Stiers oder des Eridanus geltend machen möchte und an die ägyptische Nil-
pferdgöttin Thueris denkt. Auch der Einfluß des Südlichen Kentauren, den
S. Feraboli (Astronomia classica, 1993, 529) annimmt, dürfte ausscheiden,
facit (veredarios): In der Lücke in Η von ca. acht bis neun Buchstaben ist das
lateinische Lehnwort im Griechischen (vgl. F.Boll, Sphaera, 1903, 36) βερεδα-
ρίους = veredarios zu ergänzen (in F fehlt das ganze Lemma), vgl. Firm. math.
8,17,3 (Equus bei Pi 21°) équités, veredarii. stabulatores, abigeos: Vgl.
I 11,4 stabulatores, ... abigeos für den Hippocrator bei Aq IIo—13°, mehr bei
F. Cumont, L'Egypte (1937), 57'. stabulatores: Übersetzt hier ίπποκό-
μους, aber I 11,4 das lateinische Lehnwort στράτωρας. abigeos : Übersetzt
hier wie I 11,4 das seltene Wort άπελάτας (der Zusatz καβαλλαρίους zur Un-
terscheidung von den folgenden Eseltreibern), vgl. Ptol. apotel. 4,4,7 = Heph.
2,19,15 und F. Cumont, L'Egypte (1937), 663, dazu noch Rhet. C p. 212,6 (dort
planetar bestimmt).

2. Taurus

Pleiaden und Hyaden besetzen zusammen die ersten sieben Grade des Stiers wie
die beiden Fuhrleute den anschließenden 7°-Abschnitt Ta 8°—14°. Auch Qui de-
linei navem (I 2,7) und inferior a nave Deus (I 2,8) besetzen zusammen einen
7°-Abschnitt (Ta 21°—27°), ebenso auch die letzten beiden Paranatellonten
(Ta 24°—30°), vgl. die Gradverteilung im gegenüberliegenden Skorpion sowie im
Steinbock: Gedrittschein. Hier kaum ein Bezug zur Siebenzahl der Pleiaden wie
bei den 3°-Bezirken Can 18o—20° (14,8) der Tres Gratiae und — etwa im Ge-
viertschein dazu — Li 16°—18° (I 7,6) der Tres Heroes, s. d.
1. In das Teukros II-Lemma über die Pleiaden ist der Gradabschnitt VI 2,1
Vita und in diesen wiederum der schattige Bezirk (III 2,1 umbrosi) eingeschaltet.
Dieselben drei Systeme (und dazu noch ein Wetternotat) sind am Anfang des
Widders verschachtelt. Pliades: Teukros benutzt den Plural (wie auch bei
Hyades), während Ptolemaeus-Rhetorios (VII 2,3—4) die Kollektivnamen Plias/
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10 I. Paranatellonten

Hyas wählen (seit Hippocr. Epid. 1,1 : H. Gundel, Pleiaden, 1952, 2486,46), aber
VII 2,5 auch bei Rhetorios splendida stella Hyadum. Pleiaden und Hyaden ste-
hen als Teile des Tierkreiszeichens selbst an dessen Anfang, so auch:

Stelle Gradbezirk Teile von Tierkreiszeichen

I 2,1-2 Ta Io—7° Pliades und Hyades


I 3,1-2 Ge Io—5o Hercules und Apollo
I 6,1-2 Vi Io—6o Spica = Machaera
I 9,1 Sa Io—5o acuitas teli Sagittarii
111,1 Aq l°-3° Erídanus fluvius
112,1 Pi Anfang [L] Aívov

Ausnahmen bilden der Krebsnebel (I 4,5) erst bei Can 1 Io—12° und der hiatus
Leonis (I 4,2) schon bei Can 3°—5°. Die Pleiaden befinden sich zwar meistens
am Schwanz des Stiers (Schol. Arat. 254 p. 23,4 Martin. Hyg. astr. 2,21,4, andere
Lokalisierungen bei H. Gundel, a. 0., 2500,20—51), aber weil der Stier rück-
wärts aufgeht (W. Hübner, Die Eigenschaften, 1982, 102), erscheint der Schwanz
mit den Pleiaden zuerst. sign{ific)ant: Wie I 4,3. agrícolas et guber-
natores: Gehört nach PL wieder hierher. Bauern und Seeleute richteten sich
nach dem Frühaufgang der Pleiaden: H. Gundel, Pleiaden (1952), 2505—2514.
agrícolas: Bestätigt den Codex Ν bei Firm. math. 8,20,1 (Ta 3 o ): erunt agricolae,
aratores. Im übrigen Geviertschein zu I 5,1 agrícolas bei Le Io—3°, mehr s. zu
112,11 agricolae. gubernatores : Wohl nach der antiken Etymologie der
Pleiaden άπό τοΰ πλεΐν: Η. Gundel (a. O.), 2487,61. Mars et Luna: Be-
stimmen VII 2,3 nach Ptol. apotel. 1,9,3 die Natur der Pleiaden, vgl. 4,9,12 =
Heph. 2,25,11 : Mars mit Sonne oder Mond in den μελοκοπουμενα oder άτελή
erzeugt Verstümmelungen, es folgt wie hier im Gesamttext (VII 2,1) τό Γοργό-
ViOV τοΰ Περσέως. Dieselben Planeten modifizieren auch die Prognosen der —
ebenfalls augenschädigenden — Nubecula (II 4,2). Luna: Gehört zu den Ne-
belsternen: F.Boll, Antike Beobachtungen (1916), 63—71. Die Erhöhung des
Mondes bei Ta 3° dürfte hier keine Rolle spielen. secantur pudenda: Der
Stier ist nur als προτομή verstirnt: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982),
111 — 114 und 476f. mit Bezug auf Ptol. apotel. a. Ο. τομαις η άποτομαΐς, vgl.
zu II 2,9 fraudulenter interfecti und zu V 2,5 mutilantur. Dieselbe Prognose gibt
Ptol. apotel. 3,13,12 = Heph. 2,13,13 für verschiedene planetare Bedingungen,
wobei unter den fünf Zodia der Stier aber nicht erscheint. Firm. math. 8,30,11
nennt die Grenzlinie des Jahres zwischen den Fischen und dem Widder (also
wieder um ein Tierkreiszeichen verschoben), und zwar ebenfalls zusammen mit
Mars: erunt apocopi, abscisi virilia.
2. Hyades: Folgen hier als Kollektivgestirn und Teil des Stieres auf die Pleia-
den. Nach Ptol. apotel. 2,12,3 = Heph. I 1,24 stehen jedoch die Pleiaden am An-
fang des Stieres den Hyaden an dessen Ende gegenüber. Die Hyaden befinden
sich im Kopf des rückwärts aufgehenden Stiers und daher an dessen Ende:
W. Gundel, Hyaden (1913), 2618,56. faci(un)t: Η schreibt zweimal facit,
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2. Taurus 11

dafür fehlt das Verbum für das Aufgehen, F bietet zweimal den Singular: est
Hyades et facit... Offenbar hatte schon die gemeinsame Quelle den Singular.
Dennoch hüte man sich vor der Konjektur Hya[de]s facit, denn Teukros hat im
Gegensatz zu Ptolemaeus den Plural benutzt, vgl. zu 12,1 Pliades. pluvio-
sos : Ein unbeholfener Versuch, das aus der Reihe der personenbezogenen Sub-
stantiva herausfallende Wort L βροχάς "Regengüsse" (τους Ρ, verdorben aus
υετούς?) zu übersetzen. Vgl. Germ. frg. 3,3 Taurus portât aquas und zur Etymo-
logie Ύάδες - υειν W. Gundel, Hyaden (1913), 2616f. A. Scherer, Gestirnna-
men (1953), 147. Hierher gehört auch die singulare Deutung der Hyaden als wei-
nende Heliaden bei Claud. 28,168—177. Eine andere Etymologie liegt II 2,3 ad
porcos vor, dort erscheint ein gegensätzliches Wetternotat: IV 2,2 gradus ... de-
siccativi bei Ta 6°.7°. — Eine Wetterprognose findet sich bei Teukros II nur
noch im Gedrittschein zu dieser Stelle I 6,2 unter dem Messer bei Vi (4°—6 o ): L
θέρος σύντομον und dem Kranich I 12,5 unter den Fischen: χειμώνας άέρων
(beides im LH ausgefallen). balneatores: Übersetzt περιχύτας wie 14,11
(I 6,2a bleibt περιχύτας unberücksichtigt), vgl. Ptol. apotel. 4,4,5 (Mars und
Sonne mit Saturn: codd. Σβγ, παρασχίστας cett.). Rhet. C p. 215,6 (Saturn
und Mond). Anon. CCAG VI (1904) p. 189,6 (Saturn; scr. παρα-), ferner
F. Cumont, L'Egypte (1937), 541
3. Wieder wird ein 7°-Abschnitt von zwei zusammengehörigen Paranatellon-
ten besetzt: Heniochus currum detinens bei Ta 8°— 1 I o und Heniochus rotam te-
nens bei Ta 12°—14°. Beide Lemmata folgen im Gesamttext unmittelbar aufein-
ander. Heniochus currum detinens: Der Fuhrmann mit Wagen ist wohl
der klassische: F.Boll, Sphaera (1903), 108-113. W. Gundel, Neue astrologi-
sche Texte (1936), 172—174. Hierher gehört auch das Einsprengsel in I 3,1 Au-
riga qui stai super curru, vgl. PL 'Ηνίοχος έπί αρματος. Heniochus:
Ebenfalls die griechische Form I 2,4 und I 5,1, aber Auriga I 3,1 (s. o.) und I 7,5.
Manilius verwendet stets Heniochus, doch Firmicus Auriga. currum deti-
nens: Marines Gegenstück dazu ist I 2,7 Qui detinet navem bei Ta 21o—23°, vgl.
die Gradbezirke VI 2,6 Terra bei Ta 18°-20° und VI 2,8 Aqua bei Ta 25°-27°.
Ähnliche Assoziationen bietet Manil. 5,32—101 beim Widder mit Argo — Orion
(anstelle von Perseus) — Heniochus: Bewegung im Wasser — in der Luft — auf
der Erde: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 528. (Auriga qui stat su-
per curru): Ist am Anfang der Zwillinge zu tilgen und gehört am ehesten hier-
her als Interpretament von Heniochus currum detinens, s. o.
4. Heniochus rotam tenens: Der zweite der beiden Fuhrleute, der mit Peit-
sche und Rad: F.Boll, Sphaera (1903), 223. W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 226 übergeht diese Stelle und ordnet sie 172 f. beim klassischen
Fuhrmann ein. Dieses Versehen ist wohl dadurch entstanden, daß F. Boll sämtli-
che Stellen unter dem klassischen Fuhrmann zitiert und die dem zweiten Fuhr-
mann gehörenden durch nur schwach erkennbare griechische Kursive von den
anderen absetzt. Möglicherweise sind die beiden Fuhrleute wirklich identisch,
denn Namen identischer Bilder folgen auch sonst aufeinander (s. u. zu I 4,4 Prae-
sepe), doch gibt es auch Argumente für eine Identität mit Engonasin. Boll ver-
zichtet auf eine Identifizierung und vermutet lediglich eine geringe Ausdehnung
des Bildes, Gundel vergleicht — wenig überzeugend — die kleine Figur über dem
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12 I. Paranatellonten

Zodiakallöwen auf dem Rundbild von Dendera. Wie St. Weinstock zu Teukros
III p. 180—186 nahegelegt hat, ist dieser zweite Fuhrmann mit dem "Einen nack-
ten Läufer" bzw. dem "Läufer mit Peitsche und Rad" identisch, die der LH I 7,7
bei Li 19°—22° ansiedelt (vorher I 7,5 Sine curru Auriga), vgl. W. Hübner, Die
Paranatellonten (1975), 396f. Die beiden Gegenstände in den Händen der Figur,
von denen hier nur das Rad genannt ist, lassen an Engonasin mit Krone und
Leier denken, vgl. zu I 7,7 cranium et coronara tenens. Ps.Ant. (V 1 ) stellt zum
Ende des Löwen Άτλας και Ηνίοχος. Da auch Atlas Engonasin ist (I 9,2),
könnte auch diese Juxtaposition für eine Gleichung Zweiter Fuhrmann = Engo-
nasin sprechen. Das Rad des Ixion, mit dem Engonasin ebenfalls gleichgesetzt
wird (Schol. Arat. 69 p. 106,4. Hyg. astr. 2,6,4), spielt hier wohl keine Rolle,
denn Ixion hat sein Rad nicht in der Hand. rotam tenens: PL τροχόν βα-
στάζων, aber Teukros I (zu Ge I) ηνίοχος καί αρμα καί τροχός ύποκάτω
τοΰ αρματος. Andernorts (17,7) hält der zweite Fuhrmann zwei Gegenstände:
cranium et coronam tenens. Das Rad erscheint als gesondertes Sternbild 13,11
bei Ge 26°—28° und I 7,10 bei Li 2(9)°—30° (fast Gedrittschein). per me-
dium: Unverständlich, kaum richtig "in der Mitte haltend", denn in PL bezieht
sich das Wort μέσον auf die Deutung: ήνίοχον μέσον. Das scheint der Tatsache
zu entsprechen, daß der zweite Fuhrmann andernorts (13,11 bei Ge 26°—28°)
nur als teilweise verstirnt gedacht wird: το μέρος τοΰ Ηνιόχου = pars Henio-
chi. Vielleicht handelt es sich bei per medium um den unverstandenen Rest einer
im übrigen fehlenden Prognose.
5. Die Prognosen für Orion fehlen suo loco und sind aus den Einzelgradpro-
gnosen für Ta 15° und 17° (II 2,9—10) zu ergänzen. decimum septimum:
Die Variante in F 18 paßt hier nicht ins System, wohl aber unter den Zwillingen,
s. u. Orion cum gladio: Hat seine Entsprechung in I 3,7 Satirus cum bá-
culo, so daß sich unter den benachbarten Tierkreiszeichen etwa auf derselben
Höhe folgende Nachbarpaare ergeben:

Stier Zwillinge

12,5 Ta 15 o --17° Orion cum gladio 13,7 Ge 16 o —18° Satirus cum báculo
12,6 18 o - -20° Draco mortuus 13,8 19o—20° Serpens

cum gladio: Zum Schwert Orions F. Boll — W. Gundel, Sternbilder (1937), 985:
seit Eur. Ion 1153 belegt. Die Hervorhebung des Schwertes in der Mitte des
Stiers könnte darauf hinweisen, daß der Stier nur halb als προτομή verstirnt ist
(s. zu I 2,1 secantur pudenda) und einen Tod durch "Schneiden" verheißt (s. zu
II 2,9). — Der Codex V1 verleiht dem Orion zwei Gegenstände: Ώρίων ξίφος
εχων έν δεξιά καί έν άριστερά κηρύκιον, hierzu F.Boll, Kerykion (1899),
643—645. Zwei Gegenstände spielen sonst bei Engonasin, Perseus und dem
zweiten Fuhrmann (I 2,4 und I 7,7) eine Rolle. [oppositus Antari]: Zusatz
gegenüber PL und Fehler (wie gleich darauf II 2,9): Nicht Orion liegt dem Anta-
res (α SCO) gegenüber, sondern der ebenfalls rötliche Λαμπαύρας (Aldebaran,
α TAU), den Ptol. synt. 7,5 p.88,1, Rhet. Β (VII 2,5) und Spätere den "hellen

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2. Taurus

Stern der Hyaden" nennen: vgl. Cleom. 1,8 Ζ. 48 und F.Boll, Antike Beobach-
tungen (1916), 14f. W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 401. Ptolemaeus
nennt Aldebaran zu Ta 12°40' und Antares zu Sc 12°40', also genau gegenüber.
Außerdem bezeichnet Ptol. apotel. 1,9,3/9 innerhalb des Tierkreises nur diese
beiden Sterne mit dem Wort ύπόκίρρος (sonst nur noch Arktur: apotel. 1,9,15).
Die beiden Sterne gehören zu den vier stellae regales bei Firm. math. 6,2,3, die
'kreuzförmig', also nach Oppositions-Paaren aufgezählt werden (Aldebaran wohl
bei Ta 15°, aber Antares bei Sc 7°). Die Opposition von Aldebaran und Antares
betonen auch Rhet. C p. 180,28 άνατέλλοντος γαρ αύτοΰ [α TAU] δύνει ό
λαμπρός του Άντάρεως κατ' ίσομοιρίαν αύτοΰ κείμενος, vgl. Theoph.
p. 217,9, Anon. CCAG I (1898), p. 116 unten und ausführlicher Exc. Paris,
p. 225,7—14. Auch bei den zugehörigen ganzen Tierkreiszeichen, Stier und
Skorpion, spielt die Opposition eine Rolle, und zwar bei den Todesprognosen
nach den μελοκοπούμενα: Ptol. apotel. 4,9,12 = Heph. 2,25,11, vgl. "Pal."
CCAG VIII 1 (1929), p. 248,14, demnach auch die identischen Prognosen für
Ta 15° (II 2,9) und Sc 15°. 16° (II 8,6). Hierher gehört schließlich auch die antike
Ansicht, nach der die Hyaden sowohl beim Aufgang als auch beim Untergang
schlechtes Wetter bringen (Tiro bei Gell. 13,9,4): et cum oriuntur ei cum occi-
dunt, tempestates pluvias largosque imbres dent. duces exercitus, militiae
principes vel milites: Übersetzt Ρ στρατηγόν, στρατηλάτην, στρατιώτην. L
bietet eine Prognose weniger und die umgekehrte Reihenfolge, hat aber mit dem
LH den Plural gemeinsam: στρατιώτας, στρατηγούς. Ob die vorangehende
Prognose tribunos und das Folgende (magnos et terribiles) mit hierhergehört, ist
zweifelhaft. Das Wort magnos wird in der Prognose II 2,10 für Ta 17° über das
Zwischenstehende hinweg mit tribunos verbunden. Zur Sache F. Cumont,
L'Egypte (1937), 39·'. duces exercitus: Ebenso II 5,5 für Le 11°.
6. Navis et desuper Draco mortuus: Die hier fehlende Prognose (vgl. PL)
findet sich bei Firm. math. 8,20,10 oritur etiam cum Tauro Navis, ... erunt nego-
tiators, hilares semper et laeti eqs., vgl. auch S. Feraboli, Ricerche (1989), 236.
Navis: So auch Firm. a. 0., gr. Πλοΐον, vgl. Ps.Eratosth. catast. 28 p. 152,12 na-
vis = πλοΐον, von F. Boll, Sphaera (1903), 171 f. mit Argo identifiziert. Hierfür
spricht auch folgender Parallelismus:

Stier Krebs

12.6 Ta 18o—20° Navis 14,1 Can 1°—2° Argo


12.7 21 o —23° Qui detinet navem I 4,2 3°—5° Qui movet navem

Draco mortuus: Von F.Boll, Sphaera (1903), 172 mit der Hydra gleichgesetzt,
von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 218f. nicht recht erklärt und
S. 264 wenig plausibel als Mumie des Osiris gedeutet, vgl. Dens., Paranatellonta
(1949), 1250, wo fälschlich der Gradbezirk VI 2,5 Mors einbezogen wird. Uber
den Parallelismus mit I 3,8 Serpens vgl. zu I 3,7 Satirus cum báculo. Es besteht
kein erkennbarer Zusammenhang mit I 7,9 Navis et Qui discumbit in ea bei
Li 2(7)°—28°. mortuus: Zusatz gegenüber PL, paßt zu dem von F.Boll,
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14 I. Paranatellonten

Sphaera (1903), 173 behandelten Totenreich am Südhimmel. periculose


peragentes: Gehört nicht in den Bezirk Ta 17 o—22°, sondern hierher nach PL
έπικίνδυνον [Ρ, -ου L] βίου διάνηξιν.
7. a vicésimo primo: Die beiden göttlichen Gestalten am Schiff, Qui detinet
navem Deus bei Ta 21 o — 23° und inferior a nave Deus bei Ta 24 o —27° besetzen
zusammen einen 7°-Abschnitt wie Pleiaden und Hyaden (I 2,1—2) sowie die bei-
den Fuhrleute (I 2,3—4). Qui detinet navem: Über den Parallelismus mit
I 4,2 Qui movet navem s. o. zu I 2,6 Navis. Die Figur gehört in die Nähe der klas-
sischen Argo: F.Boll, Sphaera (1903), 219f. W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 218 und 223 trennt die Bilder wegen der ekliptikalen Längen. Er
identifiziert diese Figur mit dem folgenden Bild I 2,8 inferior a nave Deus (für
ihn = Anubis), vgl. Dens., Paranatellonta (1949), 1247: in der Gegend von Le-
pus und Prokyon. Zu wenig beachtet wurde der Gegensatz zwischen detinet ( =
κατέχων) und I 4,2 movet (κατασπών): Im Stier wird das Schiff angehalten, im
Krebs zu Wasser gelassen. Ein ähnlicher Unterschied besteht bei der Argo des
Manilius: 1,413 in caelum subducta mari: vom Meer an den Himmel ( = an
Land) gezogen (nach Arat. 342—348), dagegen 5,36 ceu naviget, also schwim-
mend, hierzu W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 530. Ders., Manilius (1984),
260. Vgl. auch die Funktion des Gradbezirks VI 2,7 Terminus fast genau auf der-
selben Höhe bei Ta (21°)—24° zwischen den Bezirken Terra (VI 2,6) und Aqua
(VI 2,8). — Ein ländliches Gegenstück bildet I 2,3 Heniochus currum detinens
bei Ta 8°—11°. Deus disponens universum mundum: Von W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 219 und Dems., Paranatellonta (1949), 1247
zusammen mit der vorausgehenden Figur mit dem als Anubis gedeuteten I 2,8
inferior a nave Deus gleichgesetzt, doch nach PL handelt es sich um zwei ver-
schiedene Sternbilder. Beide gehören zu den 'kosmischen' Gestalten am Ende
von Tierkreiszeichen:

Stelle Gradbezirk 'kosmische' Gestalten

12,7 Ta 21°—23° Deus disponens universum mundum


12,8 24°—27° Deus qui significai retributiones malorum vel
bonorum contingentes post mortem
16,8 Vi 24°—26° Pluto corporum et animarum dividens discre-
tionem
17,8 Li 23°—24° Vulcanus

Deus: Bestätigt die Lesart L θεός, die F. Boll, Sphaera (1903), 219 angezweifelt
hat (in Ρ ausgefallen). disponens universum mundum: Anders L διοικών
τον ßtov, in Ρ ausgefallen, der aber dafür die Prognose bietet: θεοστυγεΤς καί
θεομάχους.
8. Deus: Also eine zweite göttliche Gestalt nach I 2,7. Das Wort übersetzt hier
Κυνοκέφαλος und bestätigt damit glänzend die Vermutung von F. Boll, Sphaera
(1903), 218, daß es sich um einen Gott handelt. Diesen Gott identifiziert Boll mit
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2. Taurus 15

Thot, W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 219 und Ders., Paranatel-
lonta (1949), 1247 jetzt richtig mit Anubis, den Ps.Ant. (V'A) nennt. Der Gott
erscheint als Δυσώνυμος (im LH entstellt zu Binomio) bei Cap 24 o —25°
(I 10,9): Gedrittschein, vgl. auch zu II 1,1 Cynocephalus. Die Lokalisierung des
Sternbildes beim Hasen oder bei Prokyon (Gundel a. 0.) ist unsicher, viel spricht
für Kepheus. Ein weiterer Gedrittschein besteht zu I 6,8 Pluto corporum et ani-
marum dividens discretionem bei Vi 24°—26°, über die 'kosmischen' Götter s. o.
zu I 2,7 Deus disponens universum mundum, mit dem Gundel diesen Gott wohl
zu Unrecht gleichsetzt. retributiones : Ungenau für PL δόξαν.
9. Das letzte Teukros-Paranatellon des Stiers wird mit dem Gradbezirk VI 2,9
Ignis und dem Marsbezirk V 2,5 Violentia verbunden, die eigene Prognose ist
ausgefallen. est: Macht hier insofern einen Sinn, als ein zirkumpolares
Sternbild in den Breiten des Mittelmeers nicht aufgeht, vgl. I 3,3 sunt von Draco,
Ursa, Venator, I 5,4 est vom Polardrachen, aber I 4,9 orìuntur auch von der Hin-
terpartie der Bärin, vgl. im übrigen zu I 1,3. U r s a : Teukros II unterscheidet
sprachlich nicht zwischen den beiden Bärinnen, ebensowenig I 3,3. I 4,9. I 5,9
(nicht in L, auch nicht bei Ps.Ant.). I 9,5. I 10,10. Eigentümlich dagegen I 12,7 ή
ούρά τ η ς Μ ι κ ρ ά ς Άρκτου, was ursprünglich zu sein scheint (s.d.): W. Hüb-
ner, Die Paranatellonten (1975), 4 0 3 - 4 0 6 , vgl. schon Horn. II. 18,487 = Od.
5,273. Heraklit frg. Β 120 D . - K . , ferner H. Gundel, Ursa (1961), 1 0 3 4 - 1 0 3 6 .
Zu den antiken Erklärungsversuchen M.Schmidt, Die Erklärungen (1976),
147—151. Für die Große Bärin spricht an dieser Stelle folgendes Aspektverhält-
nis:

12,9 Ta 28°—30° Ursa Gr. Bärin I 5,12 Le 28o—30° Typhon


19,8 Sa 27°—30° Venator Kl. Bärin I 12,7 Pi gegen Ende ή ουρά
της Μικράς Άρκτου

Vgl. außerdem I 3,3 Ursa (wohl die Große Bärin) und I 9,5 caput Ursae (wohl
die Kleine Bärin). q u a e est s u p e r caelo: Schwer zu deuten. W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 161 f. denkt an die Eigenschaft der Bärin als
Zirkumpolarsternbild. In Frage kommt aber auch das Sternbild Ούρανός (lat.
Caelum nicht belegt: s. u. zu I 8,2 Uranoscopus). PL lesen an dieser Stelle ή
έπάνω του ανθρώπου. Da Engonasin auch als πρώτος άνθρωπος gedeutet
wurde (Hippol. ref. haer. 4,47,5: W. Hübner, Das Horoskop, 1975, 120 und
Ders., Die Rezeption, 1980, 41 f.), käme auch das Sternbild Engonasin in Frage,
das sich ja zu Ουρανός - Όφιοϋχος spiegelbildlich verhält. An ein anderes
menschengestaltiges Sternbild, Kepheus, denkt F.Boll, Sphaera (1903), 93 und
96 f. im Anschluß an Arat. 182 f. und Eudoxos bei Hipp. 1,2,11, danach A. Sche-
rer, Gestirnnamen (1953), 165. Möglich ist schließlich auch die Bezeichnung der
oberen Kulmination: W. Hübner, Manilius (1984), 201—203. — Die Prognose ist
ausgefallen, vgl. jedoch zu I 4,9 ultimum actum agentium.

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16 I. Paranatellonten

3. Gemini

Die zwölf Bezirke der Zwillinge füllen jeweils paarweise sechs 5°-Abschnitte, vor-
ausgesetzt, die beiden Korrekturen sind richtig. Am Anfang des Abschnittes sind
drei Teukros-Paranatellonten an den Oriongürtel (VII 3,1) angeschlossen, die
dort keine Entsprechung in PL haben. [Auriga, qui stat super curru]: Der
Fuhrmann wird als Heniochus currum detinens I 2,3 bei Ta 8°—10° genannt, da-
gegen gehört zu den Zwillingen (Ge 26°—28°: 13,11) die pars Heniochi, s.d.
[Duo equi et Rota]: Bezeugt für die Zwillinge auch Exc. Barocc. II p. 465,19 oi
νότιοι ι'πποι και τροχός. Sie sind wohl I 3,11 bei Ge 26°—28° zu ergänzen, es
handelt sich also wohl um eine Art Nachtrag am Anfang des Kapitels. Bei den
Zwillingen sind auch sonst mehrere Verschiebungen zu beobachten, was viel-
leicht mit der umgekehrten Aufgangsrichtung des Bildes zusammenhängt: die
Füße zuerst, die Köpfe zuletzt: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 101 f.
1. Die ersten Teukros-Paranatellonten sind mit dem Gradbezirk VI 3,1 Ventus
verbunden. cauda Ceti et Hercules : Es fällt auf, daß — wie schon bei den
Irrläufern am Anfang — in den Gradabschnitten der Zwillinge häufiger als sonst
mehrere Bilder genannt werden. Herakles-Engonasin ist in Gestalt des Perseus
Gegner des Walfischs, s. u. zu la 12,9 Theseus armatus occidens Pegasum und
dem folgenden (Ia 12,10) caput Crocodili. cauda Ceti: Wird sowohl hier bei
Ge Io—2° als auch 13,9 bei Ge21°—22° genannt: an beiden Stellen auch in P,
aber in L nur an der ersten Stelle. Die Doppelung hängt wohl mit der Enantio-
dromie des Walfischs zusammen (s. u. zu la 11,11 posteriora): Es handelt sich je-
weils um die ersten beiden Grade der Dekane Ge I und Ge III. Nach den ande-
ren Quellen ist nur G e l richtig. Wahrscheinlich muß auch I 12,3 (ή ούρά του)
Κήτους ergänzt werden, s. d. cauda: Angaben über den Aufgang von Ein-
zelteilen sind bei Teukros II selten, vgl. I 4,11 cauda Hydri, I 10,12 cauda Magni
Piscis, 111,7 ιστός, ferner zu 14,9 posteriores partes Ursae. Bei Teukros I
(Ia 12,2) begegnet der Schwanz in der Dreiteilung des Krokodils. Als Gegenstück
zu Herakles-Engonasin ist aber der Kopf wichtiger, s. u. zu Ia 12,10 caput Croco-
dili. Ceti: Das Wort wird hier in F singulär richtig mit de le Balaine über-
setzt, um, wie E. de Strycker, La Baieine (1938), 224 zu Recht vermutet, der ana-
tomischen Absurdität „Schwanz des Blinden" zu entgehen, vgl. zu I 1,4 Ceto.
Hercules: Erscheint auch in Ρ an dieser Stelle. Er gilt nicht als der vorange-
hende, sondern als der folgende der beiden Zwillingsköpfe: Ptol. apotel. 1,9,4
und F. Boll, Sphaera (1903), 1 2 2 - 1 2 8 . F. Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937),
947 und 950f., ferner Heph. 3,7,16. Die richtige Reihenfolge wahrt auch Vett.
Val. 1,2,29. Der Grund für die Vertauschung ist wohl ein spekulativer: Hercules
besetzt hier zusammen mit dem in Wirklichkeit vorausgehenden, hier aber fol-
genden Apollo (I 3,2) einen 5°-Abschnitt, und dieser 5°-Abschnitt bildet eine
glatte Opposition zur Pfeilspitze am Anfang des Schützen bei Sa Io—5o (I 9,1).
Apollo wiederum bildet an der zweiten Stelle bei Ge 3°—5° einen exakten Sextil-
schein zu Pallas bei Ar 3°—5°, s. zu I 3,2 Apollo. (Die Umkehrung der Reihen-
folge bei Teukros II erklärt auch einen Fehler bei Rhet. B, s. zu VII 4,1 sequen-
tis.) Die Zweizahl der Götter erinnert im übrigen an I 7,2 Duae larvae Saturni et
Apollinis bei Li 4°—6°: ziemlich genau Gedrittschein. Da die Zwillinge mit den

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3. Gemini 17

Füßen zuerst aufgehen, liegen die Kopfsterne erst am Ende des Dodekate-
morions, nach dem LH Castor (VII 3,7) in der Nähe von Ge 25° und Pollux
(VII 4,1 ) gar erst am Anfang des Krebses. In diesem System erscheinen Castor
und Pollux dennoch am Anfang des Tierkreiszeichens, weil dort in der Regel
Teile der Tierkreiszeichen selbst genannt werden, vgl. zu 12,1 Pliades. — Für
spätere Autoren ist bedeutsam, daß mit Herakles und Apollon ein Mensch (oder
Halbgott) und ein Gott verbunden werden, hierzu W. Hübner, Zodiacus Christia-
nus (1983), 123—126. — L erwähnt zu Beginn der Zwillinge weder Herakles
noch Apollon, sondern erst später den Herakles anstelle des von Ρ und im LH
13,6 bei Gel3°—15° genannten Theseus (= Engonasin, also eines anderen
Sternbildes) und Apollon anstelle der von Ρ und im LH I 3,10 bei Ge 2(3)° ge-
nannten Cithara. — Die Prognose ist in Η ausgefallen. Die in F genannten Athle-
ten gehören sonst zu Merkur (nach Ptol. apotel. 1,9,4 der vorangehende Zwilling
= Apollon): W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 547 f. zu Manil. 5,162-164,
vgl. dazu Maneth. 4,170-175. 6(3),512.
2. Hippocentaurus: Von F.Boll, Sphaera (1903), 130f. als der Schütze des
Tierkreises gedeutet: Opposition zu 19,1 acuitas teli Sagittarìi bei Sa Io—5o.
Doch andernorts (18,1) bezeichnet dieser Name eindeutig den Südlichen Ken-
tauren: Hippocentaurus [Κένταυρος PL], qui defert leporem: F.Boll (a. 0.),
143—148. Apollo: Gilt als der dem Herakles vorausgehende Kopf stern der
Zwillinge: Ptol. apotel. 1,9,4. F.Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 947.
A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 210. Nach Manil. 2,440 ist Apollo zugleich der
Tutor der Zwillinge: Sextilschein zu I 1,2 Pallas bei Ar 3°—5°. Er besetzt zusam-
men mit 13,1 Hercules einen 5°-Abschnitt, s.d. L läßt ihn an dieser Stelle aus,
um ihn I 3,10 bei Ge 2(3)°—25° zu nennen, wo Ρ und der LH die Cithara an-
siedeln. — Der ungefähre Gedrittschein zur larva ... Apollinis (17,2) bei
Li 4°—6° ist wohl nur Zufall. {fiunt en i m musici eqs.): Ist überliefert im
Anschluß an den Gradbezirk VI 3,1 Ventus, der mit den Teukros-Paranatellon-
ten I 3,1 cauda Ceti und Hercules verbunden ist, von W. Gundel, Neue astrologi-
sche Texte (1936), 256 mit Recht zum zweitgenannten (aber vorausgehenden)
Zwilling, Apollon, gezogen. Die Prognose erscheint allerdings nicht in PL (P
nennt für Herakles die Wirkung άθλητάς, die der LH II 2,13 für den Einzelgrad
Ta 21° gibt, s. d.), ähnliche Wirkungen verheißt jedoch der Einzelgrad Ge 8° bei
Firm. math. 8,21,4 (erunt musici) und die apollinische Trias Tripes — Cithara —
Crater bei Ge2(3)°—25°, s.u. zu 13,10. musici: Dieselbe Prognose ver-
heißt der Venusbezirk V 2,1 und der Einzelgrad Ge 25° (II 3,5), vgl. II 4,11 ama-
tores musicae für Can 20° und F. Cumont, L'Egypte (1937), 82''. Die Einzelgrad-
prognose Firm. math. 8,20,7 schon für Ta 24°: musici, die S. Feraboli, Ricerche
(1989), 232 beizieht, gehört wohl nicht hierher. vero: Schafft innerhalb des
Gesamttextes insofern einen Gegensatz, als Merkur (der Regent des vorher ge-
nannten Planetenbezirks) und Saturn in der Fünferreihe die extremen Positionen
einnehmen. Saturnus: Nicht in PL, wo aber trotzdem dieselben Prognosen
erscheinen. Mit Apollo wird Saturn auch I 7,2 verbunden, s. d. Firm. math.
8,21,1 f. hebt Saturneinfluß für Ge I o und Ge 2° hervor. medicos approba-
tes ... vel herbularios, augures, sacerdotes: Apollinische Prognosen, die
13,10 unter der apollinischen Trias Tripes — Cithara — Crater wiederkehren
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18 I. Paranatellonten

(statt augures: va(ti)cinatores). Zur Verbindung medicos — herbularíos vgl.


18,3 herbularíos, medicos und F. Cumont, L'Egypte (1937), 934. medicos:
Vgl. außer I 3,10 auch I 5,4a und I 8,3. Statt Saturn ist sonst Merkur verantwort-
lich: II 11,3. Vgl. im übrigen F. Cumont, L'Egypte (1937), 934 und 942. nota-
rios : Fehlt wohl richtig in PL, denn diese Prognose sprengt den Zusammenhang
medicos — herbularíos. Sie gehört möglicherweise zum Merkurbezirk V3,l
Tranquillitas. Schreiber und Schnellschreiber gehören zu Merkur-Thot, vgl.
LH 34 p. 100,26.31. Firm. math. 3,10,14 u.ö., mehr bei F. Cumont, L'Egypte
(1937), 30 s und W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 562 zur Wirkung des an-
deren Hauses Merkurs, der Jungfrau (Manil. 4,197): hinc et scriptor erit velox
eqs. herbularíos: Falsch F cubiculaires "Kammerdiener", das Wort wird
aber sonst treffend mit courtilleur wiedergegeben. Auch diese Prognose kehrt
II 3,10 und II 8,3 wieder. Zwillinge und Skorpion gehören zu den signa terrena,
die Ptol. apotel. 4,4,9 ( = Heph. 2,19,18) und Firm. math. 3,3,11 dafür verant-
wortlich machen, Manil. 5,643 f. — Firm. math. 8,17,3 jedoch die Fische,
augures: Fehlt in F, vgl. jedoch Firm. math. 8,21,4 für Ge 6°: divini, enthei, va-
tes. sacerdotes: Diese Prognose auch 13,10 und 18,8, vgl. F. Cumont,
L'Egypte (1937), 1181, besonders Firm. math. 8,21,3 für Ge3°: sacerdotes ...
aut reges sacrorum. assiduos, adiutores: Wohl so nach Ρ zu interpungie-
ren, L dagegen scheint zu verbinden έπίμονόν τινα βοηθόν. matheseos
peritos: Fehlt in PL und F, gehört kaum zum Merkurbezirk V 3,1 Tranquillitas,
sondern wohl weiter zu Apollon, da die Ägypter nach Achill. Isag. 17 den Apol-
lon Merkur nannten, vgl. zu I 3,10 vel grammaticos und VII 3,7 zum Einzelstern
Castor mit Merkurqualität, der nach Ptol. apotel. 1,9,4 der Stern Apollons hieß.
Inhaltlich kommt dieser Zusatz der Prognose augures am nächsten.
3. Die Paranatellonten Draco/Ursa/Venator und Theseus bilden zusammen
wieder einen 5°-Abschnitt und folgen im Gesamttext direkt aufeinander,
sunt: Hier insofern berechtigt, als es sich um Zirkumpolarsterne handelt, die we-
der auf- noch untergehen, vgl. zu I 2,9 est, bei einer Trias auch I 5,2 est Corvus
instans et Crater. Draco et Ursa et Venator: Die zirkumpolare Trias, Dra-
che — Große Bärin — Kleine Bärin: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975),
404, etwa Sextilschein zu I 5,4 Draco exsistens in medio duarum Ursarum bei
Le 8°—10°: dort der zweite Abschnitt eines 5°-Abschnitts, an dessen Anfang bei
Le 6°— 7° (genauer Sextilschein zu dieser Stelle) wohl Cynosura = die Kleine
Bärin zu ergänzen ist. Zur Parallelisierung des nördlichen Drachens zwischen
den Bärinnen mit dem Band zwischen den zodiakalen Fischen W. Hübner, Mani-
lius (1984), 201—203. Andere Triaden bilden Wasserschlange, Rabe und Be-
cher, vgl. zu I 5,1 medietates Hydri und zu I 5,2 Corvus instans et Crater, ferner
I 3,10 Tripes et desuper Cithara et Crater. Eine andere Form von Dreiergruppen
bilden die menschlichen Figuren, die in beiden Händen etwas halten: vgl. zu
I 3,6 ex parte quidem Coronae, zu I 5,5 Frigii Tibicines und zu I 7,7 cranium et
coronam tenens. Draco: S. Feraboli, Ricerche (1989), 216 "il segno corri-
spondente ai Gemelli nel [sic] dodecaoros o il Serpente Boreale." Nur das zweite
trifft zu. Ursa: Über die mangelnde Unterscheidung der beiden Bärinnen
s. o. zu I 2,9, wo — wie hier — die Große Bärin gemeint zu sein scheint, und zwar
im Gegensatz zu Venator = Kleine Bärin. Sowohl Teukros I als auch Ps.Ant.
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3. Gemini 19

verwenden an dieser Stelle die artikellose Form Άρκτος, vgl. zu I 4,9 Ursae.
Venator: Von F. Boll, Sphaera (1903), 97 f. als Bootes gedeutet, vgl. W. Gundel,
Paranatellonta (1949), 1236. Dagegen vertritt Ders., Neue astrologische Texte
(1936), 166 die zuvor von Boll (ibid. 165) verworfene Identifizierung mit Orion
(nach Plut. De Isid. 21 p. 359'), danach A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 130.
S. Feraboli, Ricerche (1989), 216. Es scheint sich jedoch um die als Horus ge-
deutete Kleine Bärin zu handeln: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975),
404—406, vgl. die zu I 2,9 genannten Aspekte sowie I 5,12 Typhon, den Gegner
des Horus, bei Le 28o—30°, zu dem Venator an der anderen Stelle I 9,8 bei
Sa 27°—30° einen Gedrittschein bildet. Für die Deutung von F. Boll könnte Ni-
gid. frg. 102 bei Serv. auct. georg. 1,19 sprechen: Aratorem, quem Horon Aegypti
vocant, denn den Pflüger deutet Boll (ibid. 227—232) ebenfalls als Bootes, s. zu
I 6,6 Frix figens aratrum. significat: Wie I 1,9, s. d. Hier nach Ρ σημαίνων
(σημαίνον trad.), was sich wohl nur auf den letztgenannten "Jäger" bezieht,
carcerem, vincula: Vgl. Firm. math. 8,21,4 (zu Ge 7°) erunt carceris custodia-
rumque custodes. Die Lücke in Ρ zwischen φυλακήν und δεσμά hat in Η keine
Entsprechung. Die Deutung ergibt sich aus der Funktion des Drachens, der die
beiden Bärinnen (trennt und) bindet: Manil. 1,451 f. Arctos \ uno distingui me-
dias claudique Dracene, dazu ferner W. Hübner, Die Paranatellonten (1975),
404. Ders., Manilius (1984), 209 f. Die Prognose der Gefangenschaft ist auch
sonst häufig, vgl. zu I 1,6 Andromeda: in carceribus exsistentes und incarcerates,
zu I 5,7 Canis : custodias, ferner zum Einzelgrad II 1,3 des Nodus Piscium : cap-
tivos und noch einmal unter den Zwillingen die Prognosen des Gradbezirks
VI 3,6 Vinclum : in custodia statuuntur eqs.
4. ab octavo usque ad decimum: Das Sternbild besetzt zusammen mit der
zirkumpolaren Trias einen 5°-Abschnitt, im übrigen Sextilschein zu I 1,4 Perseus
bei Ar8°—10° und Gegenschein zu 19,2 Atlas bei Sa 6°—10°. Theseus
stans super genibus: Nach Ρ ό έν γούνασι Θησεύς (Hexameterschluß? Vgl.
Arat. 66 und F. Boll, Sphaera, 1903, 36). Theseus erscheint nach Ρ noch einmal
I 3,6 bei Ge 13°—15°, doch bietet der Codex L an der zweiten Stelle 'Ηρακλής.
Demnach ist Theseus mit Herakles gleichzusetzen. Allerdings kommt Herakles in
zweifacher Gestalt vor: sowohl als einer der beiden Zwillinge bzw. als dessen
Kopfstern (13,1 und VII 4,1) als auch als Engonasin. Die erste Variante ist nur
durch Schol. Germ. Bas. 11 p. 329,28 zu belegen, vgl. F.Boll, Sphaera (1903),
101 —103 und 123, die zweite (Theseus = Engonasin) ist seit Hegesianax belegt
und geläufiger: Schol. Arat. 65 p. 102,4.69 p. 106,1. Hyg. astr. 2,5,3 und 2,6,2,
vgl. F. Boll (a. O.), 100 f. Daß es sich an dieser Stelle um Engonasin handelt, be-
weisen außer dem Zusatz stans super genibus die Aspekte: der Sextilschein zu
I 1,4 Perseus bei Ar8°—10° (s.d.) und Gegenschein zu I 9,2 Atlas bei Sa6°—
10°. Das Sternbild kommt noch einmal bei Teukros I vor (Ia 12,9 bei Pi 25o—
27°): Qui stat super genibus Theseus, s.d. stans super genibus: Paßt zu
den Zwillingen als stehendem Tierkreiszeichen: W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 116. Ders., Manilius (1984), 165 f., aber gegensätzlich die Prognose se-
dentariam operationem. incisores lapidum: Übersetzt λίθοξόους, eine Pro-
gnose, die L (I 12,8) für Herakles wiederholt. Die Theseus-Prognose erinnert an
Schol. Arat. 65 p. 102,4 (vgl. p. 105,14, zu Engonasin): Θησέα τον έπεγεί-
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20 I. Paranatellonten

ραντα την πέτραν. Hyg. astr. 2,6,2 (nach Hegesianax) Thesea [...] qui Troe-
zene saxum extollere videtur eqs., Theseus wird also in der Pose verstirnt ge-
dacht, in der er den Felsen hochhebt, unter den sein Vater ein Schwert gelegt
hat. Dieselbe Prognose wird I 1,10 für das Dreieck gegeben. Ein Sternbild Πέ-
τρα nennt nur V' bei der Waage. F.Boll, Sphaera (1903), 269 konnte es nicht
einordnen. Die identische Prognose für Dreieck und Theseus sowie die Tatsache,
daß V1 δελτωτόν, πέτρα nebeneinander nennt, legen es nahe, eine Identität an-
zunehmen, vgl. auch zu I 1,1 sedens in rupe. Wenn Hygin (nach dem Dichter
Anakreon) dann Theseus auch mit der benachbarten Lyra zusammenbringt,
könnte Πέτρα auch eine Umbenennung der klassischen Leier sein. Schließlich
hat auch der ebenfalls mit Engonasin gleichzusetzende Herakles im Kampf gegen
die Ligurer (Schol. Arat. 69 p. 106,3. Hyg. astr. 2,6,3) sowie Talos (F. Boll, a. 0 . ,
279) eine Beziehung zum Stein: Ps.Ant. (V 1 ) nennt zum Schützen Τάλως
ρίπτων λίθον. Mehr bei F. Cumont, L'Egypte (193 7), 96 4 . 106'. 140 1 . se-
dentariam operationem: Etwas anders Firm. math. 8,21,4 für G e 9 ° : operarli
laturarii. sedentariam: Übersetzt έπιδίφριον, bildet aber einen Gegensatz
zum stehenden Theseus, vgl. die nur in L erhaltene Prognose für den knienden
Herakles (I 12,8): έπιδίφριον, wozu Maneth. 4,230 εν τε καθέδραις gehört
(s. d.), ferner Apul. flor. 9 p. 36 sellularias ... artes.
5. oritur: Schon der Singular deutet auf ein einziges Sternbild. Navis et
Corona: Übersetzt Ρ τό ΠλοΤον καί ό Στέφανος, aber L nennt nur ein Stern-
bild: το ΠλοΤον των πιθήκων. Schiff und Krone sind zwei verschiedene Be-
zeichnungen für ein und dasselbe Sternbild unter den Vorderfüßen des Schüt-
zen, das Ps.Eratosth. catast. 28 πλοΐον und Schol. Germ. Bas. 29 p. 352,11
navis nennen, das aber später seit Gem. 3,13 Στέφανος = Südliche Krone
(CRA) hieß: F. Boll, Sphaera (1903), 150. 170. 173f., vgl. A. Rehm, Zu Hipparch
(1899), 274 f. Von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 166 f. nicht von
der Nördlichen Krone unterschieden und ohne Plausibilität als Krone des Osiris
gedeutet. Das Sternbild begegnet noch einmal I 9,6 als Navis et Meridionalis Co-
rona bei Sa 21°—23° und unter anderem Namen diametral zu dieser Stelle I 9,3
als Argo et Pelagus bei Sa 11°—15°. Corona: Wird noch einmal im folgen-
den Lemma 13,6 genannt: ex parte quidem Coronae (statt Ρ ροπάλου: s.d.).
Beide Abschnitte besetzen zusammen den 5°-Abschnitt Ge 11°—15°. sceni-
cos, mimos, ioculatores: Etwas anders F les jongleurs [= ioculatores], sierf,
mokeurs [= scenicos ]. Die Mimen werden also zu Sklaven umgedeutet. Weitere
Deutungen der Krone bei W. Gundel, Stephanos (1929), 2358. scenicos,
mimos: Paßt zu den in L τό Πλοΐον των πιθήκων genannten Affen, vgl.
Rhet. C p. 217,7 μίμους ... δια τό παρανατέλλειν τον Πίθηκα, hierüber
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 605 zu Manil. 5,458. Ders., Manilius
(1984), 188—191. Firm. math. 8,8,1 nennt zum Hasen bei Ge 7° (mit zusätzli-
chem Venus-Einfluß) pantomimos aut mimologos, mehr bei F. Cumont,
L'Egypte (1937), 82'. scenicos: Verheißt auch der Einzelgrad II 1,3 bei
Ar 6° mit Nodus Piscium, dort vielleicht eine Kepheus-Prognose. mimos:
Verheißt auch der Einzelgrad II 10,3 bei Cap 3°, s. d. Nach Firm. math. 8, 21, 6
erscheinen bei Ge 16° pantomimi: Zeichenmitte, vgl. unten zu I 3,7 Satirus cum
báculo. ioculatores: Ρ bietet hier zwei Wörter, deren erstes (παραπαλα-

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3. Gemini 21

ρίους) in den Lexika fehlt, F. Boll, Sphaera (1903), 36 vermutet "Schaufechter",


L.Robert, Etudes épigraphiques (1938), 88 2 vergleicht die verwandte Nominal-
komposition όρχηστοπαλάριος. Manil. 5,168—171 und Firm. math. 8,8,1 er-
wähnen die Jongleure für den Hasen bei G e 7 ° : F. Cumont, L'Egypte (1937),
85 2 . W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 547 f. Der Hase fehlt sonst unter den
Teukros-Paranatellonten.
6. In das zweite Lemma über Theseus ist der Gradbezirk VI 3,3 Descensio
eingeschaltet. Theseus : Wird wie in Ρ schon einmal kurz vorher I 3,4 zu
Ge8°—10° genannt, dagegen liest L an dieser Stelle 'Ηρακλής. Dieselbe Vari-
anz begegnet unter den Fischen zwischen Teukros I und Teukros II, vgl. zu
I a l 2 , 9 Theseus und S. Feraboli, Ricerche (1989), 217. Da der nächste Bezirk
I 3,7 wieder mit Ge 13° beginnt, könnte man daran denken, Theseus hier als Du-
blette auszuscheiden, doch wäre ein Bezirk Ge 13°—18° mit seinen 6° unge-
wöhnlich lang. Theseus wird hier also bleiben müssen. qui ex parte qui-
dem Coronae semiperfectus apparet: Scheint diesen Theseus von dem ande-
ren (I 3,4 stans super genibus) zu unterscheiden. Demnach wäre dieser Theseus
einer der beiden Zwillinge, doch deuten andere Indizien auch hier eher auf En-
gonasin, s. u. ex parte quidem Coronae: Wenn hier die Nördliche Krone in
der Nähe des Engonasin gemeint ist, muß sie von I 3,5 Corona bei Ge 1 I o —12°
unterschieden werden. Nach klassischer Astrothesie streckt Engonasin seine
Arme nach zwei Gegenständen aus, Krone und Leier: Mart. Cap. 8,840, vgl. zur
christlichen Umdeutung W. Hübner, Das Horoskop (1975), 120. Ursprünglich
hieß der Ausdruck aber nicht "auf der Seite der Krone": PL ό έκ μέρους μετά
τοΰ ροπάλου φαινόμενος "der mit seiner Keule nur teilweise erscheinende".
Da Engonasin vollständig verstirnt ist, hat F.Boll, Sphaera (1903), 101 bei έκ
μέρους an den beginnenden Untergang gedacht, das wäre aber bei Teukros II
kaum zu belegen, vgl. zu I 4,9 posteriores partes. Coronae: Ersetzt PL μετά
τοϋ ροπάλου. Die Keule gehört dem Herakles sowohl als einem der beiden
Zwillinge (F. Boll — W. Gundel, Sternbilder, 1937, 947) als auch in seiner Deu-
tung als Engonasin (Exc. Barocc. II p. 466,10 Ό έν γούνασι, το ρόπαλον.
Schol. Arat. 69 p. 104,2 und p. 105,13. F. Boll, Sphaera, 1903, 102, vgl. zu I 7,7
coronam tenens), sie gehört auch dem komplementären Sternbild I 3,7 Satirus
cum báculo. Die Krone wird hingegen nur in der Nähe des Engonasin genannt
(s. o.). semiperfectus: Bestätigt die von F. Boll verworfene Lesart in Ρ: Θη-
σεύς ήμιτελής (-εις L), ähnlich auch F: Thezeus, qui ... appert demi parfaite-
ment, doch gibt F für das folgende Sternbild I 3,7 Satirus cum báculo die Pro-
gnose fait ... demiparfais, was hier dem Text von L Θησεύς ημιτελείς
entspricht. L wiederholt das Wort unter dem Satyrn als Dativobjekt: ό ψαύων
Σάτυρος τοΰ ροπάλου τους έμπαίζοντας τοις ήμιτελέσιν, so als ob der Sa-
tyr mit dem spiegelbildlichen Engonasin sein Spiel treibt. Für die Lesung in Ρ
ήμιτελής plädiert auch W. Gundel im Apparat (p. 56,21): "hanc rectam esse lec-
tionem probant Paris. [F] et Harl. [H]." Dennoch zeigen die beiden Varianten in
L (ήμιτελεϊς und ήμιτελέσιν), daß das Wort auch in der Prognose vorgekom-
men ist. Vielleicht ist an dieser Stelle zu konjizieren Θησεύς ήμιτελής ήμιτε-
λεΐς (sc. δήλοι). Wenn Engonasin auch nicht als eine halb verstirnte Figur gilt
(vgl. zu I 4,1 Argo semiapparens), so begegnen dennoch bei Teukros I unter den

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22 I. Paranatellonten

Fischen zwei Teile von ihm: Ia 12,9 το ήμισυ τοΰ Έ ν γούνασι und το αλλο
ήμισυ τοΰ Έ ν γούνασι. Das Sternbild scheint also bei Teukros in einer bisher
nicht näher bestimmbaren Weise halbiert worden zu sein. Vgl. auch zu VII 10,4
= VII 11,1 Equi praeincisio (semi)perfecta. fiunt tarnen . . . potentia: Ge-
hört nach PL über den Gradbezirk VI 3,3 Descensio hinweg wieder hierher,
in fortitudine: Der griechische Text έν ανδρεία κτλ. läßt sich am besten ver-
stehen, wenn man mit L ήμιτελεΐς liest.
7. a sexto decimo: Uberliefert ist a tertio decimo, der Anfangsgrad des The-
seus-Bezirks I 3,6 wird also wiederholt. Daß hier Verwirrung herrscht, zeigt auch
F, der unter dem Satyrn eine Prognose überliefert, die zu Theseus gehört (s. o. zu
I 3,6 semiperfectus). Es gibt aber auch noch eine andere mögliche Erklärung:
Das Sternbild Canis erscheint noch einmal 14,6 bei Can 13 o —15° und ist hier
vielleicht gar nicht am Platze. Zusammen mit dem Sternbild könnte auch der An-
fangsgrad 13° vom Krebs auf die Zwillinge übertragen worden sein. Das setzt
eine Verwechslung benachbarter Kolumnen voraus, vgl. zu 15,1 Argo, 16,8
Pluto, 110,8 Aquila (hierzu W. Hübner, Die Paranatellonten, 1975, 393 und
395 f.), I 10,12 cauda Magni Piscis. Außerdem entspricht der Beginn ab Ge 16°
der Symmetrie von Hercules — Serpentarius (s. u.), die gerade in der Mitte des
einträchtigen Paares der Zwillinge angesiedelt wird, jeweils 3° vor und 3° nach
der Zeichenmitte. Die Mitte der Zwillinge hebt auch Manil. 4,525 f. besonders
hervor: aequa ... | parte, vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 520f. und
545. [Faon]: Falscher Eigenname anstelle von PL (ό) ψαύων "der (die
Keule) berührende (Satyr)", vgl. W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 3 9 0 " ,
dagegen falsch A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 232 «brillant», vgl. auch P. Ku-
nitzsch, Gnomon 54 (1982), 339 3 . Das Wort kommt in L noch zweimal vor:
110,3 ό μέγας Όφις ό ψαύων τω Ήριδανω ποταμω = Serpens magnus,
qui tangit Erìdanum flumen und I 11,8 ό Μέγας Ίχθϋς ό ψαύων της ουράς
τοΰ Αίγοκέρωτος, vgl. auch Teukros I p. 19 = Rhet. Β p. 207,7 über Talas-En-
gonasin (bei S a l ) : Κόραξ ψαύει αύτοϋ της κεφαλής (danach Kam. 1193),
ferner Vett. Val. 1,2,25 Σάτυρος ψαύων ροπάλω (vorher: ψαύουσα ούρα
Κήτους). 1,2,76. Comment. Arat. p. 353,19 έπιψαύει. In diesem Sinne interpre-
tiert das Wort zunächst auch W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 263f.,
der sich dann aber A. Rehm anschließt: Phaon und Satyr mit Keule als Umdeu-
tung von Apollon und Herakles, der beiden Zwillinge selbst, vgl. W. Gundel, Par-
anatellonta (1949), 1231: als Fährmann Orion-Seth. Dies wurde zu Recht nicht
übernommen von A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 206. Wenn Satirus wirklich
der Schlangenträger ist (s. u.), dann betont das Wort (ό) ψαύων, daß sich die bei-
den spiegelbildlich angeordneten Sternbilder, Engonasin und Ophiuchos, berüh-
ren. Satirus cum báculo: Erscheint als Satims noch einmal 13,12 bei
Ge 29°—30° (nicht in L) und dann auch 14,7 im benachbarten Krebs bei
Can 16 o —17°, was vielleicht die falsche Gradangabe erklärt (s. o.), dennoch liegt
wohl keine Verschiebung vor: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 396.
F.Boll, Sphaera (1903), 284—291 deutet das Sternbild mit guten Argumenten
als Orion, dafür könnte auch der beigesellte Hund sprechen, ebenso die verschie-
denen Gegenstände in der Hand der Figur: S. Feraboli, Astronomia classica
(1993), 548f. Aber wenn die Figur "die Keule (sc. des Herakles) berührt", bietet

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3. Gemini 23

sich eher Ophiuchos an, und zwar aufgrund der Spiegelbildlichkeit von Engona-
sin und Ophiuchos: W. Hübner, Religion und Wissenschaft (1988), 32—38.
Ders., Uranoscopus (1990), 272 f. (das baculum wäre dann Aeskulaps Schlan-
genstab). Stimmt diese Annahme, dann wäre das folgende Sternbild I 3,8 Ser-
pens die Schlange des Ophiuchos; sie besetzte mit ihm zusammen den 5°-Ab-
schnitt Ge 16°—20°. Die Spiegelung hat ihr Zentrum gerade in der Mitte der
Zwillinge, vgl. die Einzelgradprognose bei Firm. math. 8,21,6 für Ge 16°: erunt
pantomimi und oben zu sexto decimo sowie im Abschnitt 13,1 Hercules zum
Gegeneinander von Gott und Mensch unter den Zwillingen. Auch Manil. 4,525 f.
hebt gerade bei den Zwillingen die Mitte hervor, vgl. im übrigen I 1,6 f. zum Ge-
geneinander von Andromeda und Cetus in der Mitte des Widders. Kaum richtig
daher die Deutung von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 253 f. und
263f., danach A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 206: Es handle sich auch hier
um einen der beiden Zwillinge, nämlich Herakles mit Keule. Dieser wird viel-
mehr im vorausgehenden Lemma I 3,6 als Herakles (L) oder Theseus (Ρ, LH)
genannt. Wenn die Symmetrie von Engonasin und Ophiuchos auf die beiden
Zwillinge übertragen und Engonasin mit Herakles gleichgesetzt wurde, dann
wäre Ophiuchos-»Satirus mit Apollon gleichzusetzen, vgl. das Exc. Barocc. I
p. 465,4 Απόλλων, Σάτυρος. Auf den apollinischen Bereich in der zweiten
Hälfte der Zwillinge weist Teukros II auch mit der Trias 13,10 Tripes — Cithara
— Crater bei Ge 2(3)°—25°. cum báculo: So an dieser Stelle nur V' Σάτυ-
ρος ρόπαλον εχων, anders jedoch PL: τοΰ ροπάλου ist Genitivobjekt zu ό
ψαύων: Der Satyr berührt die zuvor (I 3,6) genannte Keule des Theseus-Engona-
sin, vgl. das Exc. Barocc. II p. 466,10 (Ende der Fische) ό έν γούνασι, το ρό-
παλον. Damit ergibt sich im ganzen Folgendes: Die Keule wird im LH I 3,6 dem
Theseus genommen und zur Krone umgedeutet, hier jedoch anstelle eines Be-
zugspunktes für das angrenzende Sternbild dem Satirus als Attribut verliehen.
Ganis : Fehlt in L, spricht jedoch für F. Bolls Deutung des Satirus als Orion,
denn der Große Hund gilt seit Horn. 11.22,29 als Hund des Orion: F.Boll —
W. Gundel, Sternbilder (1937), 998. Wenn die andere Deutung Orion = figura
Pastoris (14,1) stimmt, wäre Canis dort der Hirtenhund. Daß der Hund hier
etwa dieselbe Länge aufweist wie bei Ptol. synt. 8,1 p. 142,12 Κύων = Sirius
(Ge 17°40', vgl. VII 3,6), ist an dieser Stelle wohl nur ein Zufall. Der Name Προ-
κύων, den V' hier nennt, dürfte wohl falsch sein. — Der Hund erscheint noch ein-
mal 14,6 als stella Canis bei Can 13°—15°, worauf noch einmal das Sternbild
14,7 Satirus bei Can 16°—17° folgt: Die beiden hier nebeneinander genannten
Sternbilder besetzen dort zusammen einen 5°-Abschnitt. Unter den Einzelgraden
folgen 114,12 stella Canis und 114,14 Canis im Abstand von 4° aufeinander,
s.d. facit pugnatores ... participant: Gehört vielleicht nicht hierher, son-
dern zu einem Einzelgrad. Hier ist schon der griechische Text uneinheitlich: Ρ
μάχας ποιοΰσιν άκαίρως εις ουδέν δέον (am ehesten hiernach F tous [vgl.
omnia] revenons a nient importunement), dagegen L τους εμπαίζοντας ήμιτέ-
λεσιν, was sich nach I 3,6 semiperfectus wohl auf Theseus-Engonasin bezieht.
Voraus geht in F jongleurs et demiparfais, wovon das zweite Wort ebenfalls zu
I 3,6 Theseus (L ημιτελείς) gehört. Auch Jongleure sind nach anderen Quellen
eine Wirkung der Zwillinge, Manil. 5,161—173: Lepus bei Ge 7°, vgl. W. Hüb-

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24 I. Paranatellonten

ner, Die Eigenschaften (1982), 547 f. Hiermit verwandt ist die Seiltänzerprognose
des Engonasin: W. Hübner (a. 0.), 6 2 3 - 6 2 6 zu Manil. 5 , 6 4 5 - 6 5 5 . Ders., Mani-
lius (1984), 165f. pugnatores: Nur ungenau statt Ρ μάχας (anders L: s. o.).
F liest combateurs, eine Wiederholung einer Prognose für den Einzelgrad II 3,3
Ge 17°, also innerhalb dieses Bezirks. Die Prognose könnte eine Wirkung des
Ophiuchos sein, vgl. Manil. 1,336 über diesen und seine Schlange: semper erit
paribus bellum (die Interpunktion Housmans trifft wohl nicht zu). Kämpfe gehö-
ren aber auch zum Großen Hund, vgl. zu I 5,7 contentiones, rixas und zu I 8,5
amatores contentionum, rixatores, ferner Firm. math. 8,21,5 für Ge 11°: erunt
oplomachi und S. Feraboli, Ricerche (1989), 219, die allerdings S. 236 kaum zu-
treffend an die ptolemaeischen Längen des Prokyon denkt. pugnatores ...
et exercitium: Vgl. Firm. math. 8,21,7 zum Einzelgrad Ge 18°: athletarum exer-
citatores, wozu die Prognose II 3,5 athletas für Ge 25° zu vergleichen ist. Mehr
bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 79' 1- ''. rhythmum: Vgl. die Einzelgradpro-
gnose 113,3 F rimeurs für Ge 17°. S. Feraboli, Ricerche (1989), 218 bezieht
rhythmum auf Apollo und exercitationem auf Hercules. Diese ansprechende
Vermutung basiert allerdings auf einer Gleichsetzung des Satirus mit dem Zwil-
ling Hercules.
8. Serpens : Folgt hier ebenso auf I 3,7 Satirus cum báculo wie unter dem
Stier I 2,6 Draco mortuus auf I 2,5 Orion cum gladio, s. d. Dieser Parallelismus
könnte für F. Bolls Gleichsetzung des Satyrn mit Orion sprechen. Die Schlange
identifiziert Ders., Sphaera (1903), 113 f. mit der des Ophiuchos. Dies wird wahr-
scheinlicher, wenn man I 3,7 Satirus nicht mit Orion, sondern mit Ophiuchos
gleichsetzt (s. o.). W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 231 f. denkt hier
— weniger wahrscheinlich — an die Schlange der Dodekaoros, hierzu W. Hüb-
ner, Die Paranatellonten (1975), 413 und oben Tab. 13. Ganz unmöglich ist
seine Identifizierung mit dem Gradbezirk VI 3,5 Gene, s. d. venatores fera-
rum, aucupes: Jäger und Vogelfänger nebeneinander wie beim Piscator (I 1,1),
s.d. ferarum: Danach muß Ρ θηρίον in θηρίων verbessert werden. An-
ders L θηρίοδίκτας, wofür F. Boll θηριοδείκτας konjiziert hat. Dieses seltene
Wort auch bei Ps.Ant. CCAG VII ( 1908), p. 118,8. Rhet. C p. 212,21. 217,23 : Es
ist vielleicht überall θηριοδήκτους zu lesen, vgl. den App. zur letztgenannten
Stelle und unten zu I 5,4a. aucupes: Könnte zu I 3,9 Gallina gehören, wo
die Prognose im LH fehlt. aliquos ... serpens: Nicht in PL, nur verkürzt in
F, auch dies gehört vielleicht an eine andere Stelle. iuxta aquas: Nach Firm,
math. 8,21,7 verheißt der Einzelgrad Ge 19° mit Saturneinfluß Folgendes:
aquam haurientes perpetuis laboribus deterentur, vgl. auch die Einzelgradpro-
gnose II 3,4 für Ge 24°: morantes super fontibus et fluminibus vel paludibus vel
in fossatis. exspoliantes pellem: Firm. (a. 0 . ) erwähnt für G e l 9 ° die
"schuppigen" Tierkreiszeichen: Luna in squamosis signis, vgl. W. Hübner, Die
Eigenschaften (1982), 148f. und 196—200. ut serpens: Seltener Vergleich
mit dem Sternbild, vgl. V 7,5 tamquam scorpiones. Wenn dort der falsche An-
fangsgrad des Bezirks Li 20° gilt, ergibt sich von hier aus ein Gedrittschein.
9. Gallina: Dieser Name für den Schwan ist in der Antike nicht belegt:
W. Gundel, Kyknos (1922), 1 4 4 2 , 6 2 - 2 4 4 3 , 6 0 . A. Le Bœuffle, Les noms (1977),
106, vgl. I 11,6 Gallina bei Aq 1 6 ° - 1 8 ° (fast Gedrittschein) und VII 11,3 stella
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splendida Gallinae für Deneb ( a CYG). Hier liegt ein seltener Einfluß der arabi-
schen Terminologie vor, denn dort hieß der Schwan "Huhn": P. Kunitzsch, Ara-
bische Sternnamen (1959), 155 Nr. 81. — W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 171 wirft F. Boll (Sphaera, 1903, 106) vor, er habe die Kulmination des
Schwans "um ein ganzes Zeichen zu spät" angenommen, er befindet sich jedoch
selbst im Irrtum, wenn er den Stier statt der Zwillinge annimmt. Schon deswegen
ist seine Erschließung eines vogelartigen Sterngottes der Ägypter ebenso abwegig
wie seine Identifizierung der Gallina mit den Pleiaden, die A. Le Bœuffle, Les
noms (1977), 124 kritiklos übernimmt, dagegen wendet sich richtig S. Feraboli,
Astronomia classica (1993), 514 14 . cauda Ceti: Schon einmal (wie in P)
I 3,1 bei Ge Io—2° genannt (s. d.), fehlt an dieser Stelle in L. valde mobiles,
instabiles: Gehört wohl zum Schwanz des Walfischs; die Prognose für den
Schwan ist vielleicht schon mit I 3,8 aucupes vorausgenommen. Gegen die Natur
der Zwillinge, die kein 'tropisches' Zeichen sind, vgl. zu V 1,1 mobiles. Hier we-
gen der beweglichen cauda ? Vgl. vom Schwanz der Wasserschlange I 6,7 vitae
instabilem processum, vom Schwanz des Südlichen Fisches I 10,12 fallibilium
rerum discussionem, ferner zu I 11,8 έπικίνδυνον. ultra eorum meta m
imaginantes: Vgl. Manil. 4,158—160 von den Zwillingen:
inveniunt et in astra vias [...]
[...] postque ipsos sidera linquunt,
natura ingenio minor est.
Firm. math. 8,8,1 (Lepus bei Ge 7° mit Venus und Merkur) nimiae diligentiae
studio. ultra eorum metam: Das Wort meta übersetzt ungenau das ähnli-
che griechische Wort τα μέτρα: Ρ ύπέρ τά έαυτών μέτρα, kürzer L υπέρμε-
τρα.
10. vicésimo (tertio): Die Ergänzung nach F erfordert auch das System, vgl.
zu II 1,17. Tripes et desuper Cithara et Crater: Diese Trias erinnert for-
mal an die Wasserschlange mit Raben und Becher, vgl. 15,1 medietates llydri
mit I 5,2 Corvus instans et Crater, zusammen bei Le Io—5°. Gemeinsam ist bei-
den Triaden der apollinische Sagenkreis. Andere Triaden sind zu I 3,3 Draco et
Ursa et Venator gesammelt. Tripes: Der Name τρίπους kommt auch bei
Ps.Eratosth. catast. 10 als Variante zu Πρόπους vor: F.Boll, Sphaera (1903),
1 2 5 - 1 2 8 . F.Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 951. Boll hat das Bild als
Sterne am Fuß des Apollon-Zwillings selbst gedeutet, danach W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 185 und A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 122.
Dem ist wohl zuzustimmen, wenn auch Teile von Tierkreiszeichen sonst gewöhn-
lich am Anfang der Zeichen erscheinen, s. zu I 2,1. Auf dem Altar von Gabii er-
scheint der Dreifuß als Attribut Apollons, des Tutors der Zwillinge (I 3,2), er er-
innert an den Kampf der beiden Zwillinge, Herakles und Apollon, um den
delphischen Dreifuß. Die Zwillinge gelten allerdings sonst als ein ausgesprochen
einträchtiges Tierkreiszeichen: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 205f.
desuper: Die Übereinstimmung mit 15,2 (Corvus) instans beim mittleren Glied
der Trias ist wohl nur ein Zufall: Es handelt sich um andere Sternbilder; im übri-
gen Zusatz gegenüber PL: Er bestätigt F.Bolls Annahme, daß sich Τρίπους =
Πρόπους am Fuß und die Leier im Arm des Apollon-Zwillings befindet.
Cithara: Nicht die klassische Leier, sondern wie der Dreifuß ein Attribut des
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26 I. Paranatellonten

Apollon-Zwillings: F.Boll, Sphaera (1903), 104f. und 125. W. Gundel, Neue


astrologische Texte (1936), 185. F. Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 950 f.
Abwegig W. Gundel, Paranatellonta (1949), 1237: das Sichelschwert des Per-
seus. L nennt hier Apollon selbst, den er suo loco (I 3,2) bei Ge 3o—5o ausläßt: ó
Απόλλων, ó Τρίπους, ό Κρατήρ. Crater: Name des klassischen Bechers
seit Eudoxos und Arat: A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 143f. F. Boll, Sphaera
(1903), 142 f. hält es zwar für fraglich, ob hier der Becher gemeint ist, entscheidet
sich aber schließlich doch dafür. Daß klassische und nichtklassische Figuren
auch gemischt wurden, zeigt die Trias I 3,3 Draco — Ursa — Venator. W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 185 und 205 denkt, wenig verbindlich, an eine
Art "Zusatzbild" zu den Zwillingen. Das Sternbild erscheint noch einmal I 8,7
auf gleicher Höhe unter dem fünftnächsten Zeichen bei Sc 24°—25°: kein
Aspekt. va(ti)cinatores eqs.: Es wiederholen sich die meisten 13,2 für
Apollo gegebenen Prognosen, dem entspricht die Tatsache, daß L Apollon dort
nicht, wohl aber hier anstelle der Cithara nennt, s. o. Dem Wort va (ti) cinatores
entspricht oben augures. S. Feraboli, Ricerche (1989), 218 f. vergleicht die Ein-
zelgradprognosen Firm. math. 8,21,11 für Ge26°: erunt sacerdotes, haruspices,
prophetae und für Ge 27°: erunt aeditui custodesque templorum. hyp(n)o-
critas : Dieses von W. Gundel stillschweigend gelesene, aber bei Liddell-Scott
nicht verzeichnete Wort ist in Analogie zu PL όνειροκρίτας gebildet, vgl. F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 127'. poetas: Geht wohl nur auf die Cithara, vgl.
PL κιθαρίστας (fehlt im LH), Firm. math. 8,21,9 für Ge 22°: erit citharoedus,
musicus, ferner I 3,2 ( f i u n t enim musici). medicos, herbularios: Wie PL
vorher zwei verwandte Wirkungen nennen (ποίητάς ... κιθαρίστας), so der
LH hier statt der einen Wirkung in PL ιατρούς. Doch bieten oben I 3,2 auch
PL beides: ιατρούς, βοτανικούς: s.d. vel grammaticos: Mit vel beginnt
eine neue Gruppe von Prognosen, hier Merkureinfluß? Vgl. zu I 3,2 matheseos
peritos. prudentia temperatos homines: Die Formulierung in PL κε-
κραμ[μ]ένους deutet auf den Κρατήρ, vgl. F.Boll, Sphaera (1903), 45,1 app.
"Die Ausdrucksweise φρονήσει κεκραμένους ist durch κρατήρ veranlaßt" so-
wie bei der anderen Nennung des "Mischkrugs" die Prognose I 8,7 facit mode-
stos, viros stabiles. magnates, pios: Wohl nicht mit Gundel zusammenzu-
nehmen. sacerdotes: Die letzte Prognose ist wieder apollinisch, s. o. zu I 3,2
sacerdotes. Vgl. Firm. math. 8,21,11 für Ge 26°: erunt sacerdotes.
11. Name und Prognose dieses Sternbildes werden durch das Wetternotat
IV 3,3 unterbrochen. pars Heniochi: Vgl. PL το μέρος τοϋ 'Ηνιόχου ( =
Teukros III p. 185,22). Über den griechischen Namen vgl. zu I 2,4. Es handelt
sich um ein nur halb verstirntes Bild wie bei 11,12 pars Pegasi und L (I 5,9—11)
τό μέρος του Πλοίου, vgl. zu 14,1 Argo semiapparens. Anders Vett.
Val. 1,2,11 (zum Stier) τα λειπόμενα Ηνιόχου: Teilaufgang des Bildes, wie ihn
Teukros II nur selten nennt: s. o. zu I 1,9 totus Oceanus. Da PL auch das Rad er-
wähnen, handelt es sich hier wohl um den zweiten Fuhrmann mit Peitsche und
Rad, vgl. zu I 2,4 Heniochus rotam tenens. Dieser zweite Fuhrmann war viel-
leicht nur zum Teil verstirnt gedacht. — I 5,1 lautet der überlieferte Text medie-
tates Ηγάή et Heniochi, doch muß dort wohl et Heniochus konjiziert werden, so
daß dort die Annahme eines Teilaufgangs ausfällt, vgl. auch zu I 4,10 medietates
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3. Gemini 27

Scarabaei. Heniochi: Der Fuhrmann erscheint schon l 2,3—4 unter dem


Stier, vgl. die Prognose bei Rhet. C p. 217,17 ... ηνιόχους ποιοΰσι, μάλιστα
έν Διδύμοις καί Ταύρω. (et Duo Equi et Rota): Sind am Anfang der
Zwillinge falsch an den Orion-Gürtel (VII 3,1) angeschlossen; da PL hier das Rad
erwähnen, gehört die Angabe hierher, vgl. das Exc. Barocc. II p. 465,19 (Gemini)
oi νότιοι ϊπποι καί τροχός. Teukros III p. 185,7 δια το άποσχίζεσθαι τούς
δύο 'ίππους. Es handelt sich um Attribute des Zweiten Fuhrmanns, s. zu I 2,4
Heniochus rotam tenens bei Ta 12o—14°. Duo Equi: Vielleicht identisch mit
Teukros I τό ίππικόν (bei Ta III) = αρμα (bei Ge I). Rota: Fast genau Ge-
drittschein zu 17,10 Rota bei Li 2(9)°—30°, vgl. zu 12,4 Heniochus rotam te-
nens. [sunt autem gradii s australes ...]: Das Wetternotat IV 3,3 sprengt
den Zusammenhang von Sternbild und Prognose. aleatores, tessellatores:
Übersetzt entweder Ρ κονιστάς [fehlt in den Lexika], συνθηκαρίους ["die
Wetten machen": F. Boll, Sphaera (1903), 37] oder L ήννευτάς [iw- Boll ibid.]
... συνθηκαρίους. Das letzte Wort συνθηκαρίους übersetzt der LH aber wohl
noch einmal: 13,12 compositorum tractatores. — Vorher bieten PL έκπτώτους
ηνιόχους [das Komma ist wohl zu tilgen — es sei denn, έκπτωτος ist hier nicht
wörtlich, sondern übertragen gebraucht wie bei Vett. Val. 2,17,3 u. ö. (s. den In-
dex) oder Paul. Alex. 24 p. 58,15. 71,7]. Der zweite Fuhrmann ist eine unglückli-
che Gestalt, vgl. F. Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 917 f. W. Hübner, Die
Paranatellonten (1975), 397 über Myrtilos, Hippolytos, Phaeton und Salmoneus.
Zu Myrtilos vgl. Germ. Arat. 161 sic nulli currus, sie ruptis maestus habenis.
tessellatores: Konjektur von F. Cumont, L'Egypte (1937), 16' und 1011 aus ta-
xillatores. miseros: Nach L αθλίους, vgl. F ketis ( = "chétifs") und, etwa im
Gedrittschein hierzu, I 7,5 infelices als Wirkung des Sine eurru Auriga bei Li
13°—15°. Anders Ρ άθέους — wegen Salmoneus (vgl. Manil. 5,91—96)?
podagros: W. Gundels Konjektur podagr(ic)os (wohl nach Ρ ποδαγρικούς) ist
unnötig, vgl. L ποδαγρούς. Das Wort begegnet bei Anub. CCAG VIII 4 (1921),
p. 208,7: πώς οιόν τε τον ποδαγρόν άθλητήν γενέσθαι. Athleten erwähnt
der LH zum Einzelgrad II 3,5 für Ge 25°, s.d. Nach Dor. A 5,31,5 und Heph.
3,31,15 bewirken die Zwillinge Hand- und die Fische Fußgicht (nach der Melo-
thesie), dies ist hinzuzufügen bei W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 200.
Kaum hierher gehört die Todesprognose F irm. math. 8,21,10 für Ge 25°: fractis
pedibus interibunt, die S. Feraboli, Ricerche (1989), 218 vergleicht. con-
tractos: Anders PL συρομένους ποσίν (ποσίν om. Ρ), was wohl noch auf den
verunglückten Wagenlenker geht. Vgl. auch zu 1 7,3 Chiron, qui per capillos at-
trahitur.
12. ad tricesimum: Vier Bezirke hören mit Ge 30° auf, doch die Anfangs-
grade erscheinen nicht in numerischer Reihenfolge:
13,12 Ge 29°—30° Delphin, Satirus
VI 3,6 28°—30° Coniunctio
III 3,6 24°—30° gradus umbrosi
V 3,5 25°—30° Saturnbezirk Subiectio
Die Prognose der beiden Teukros-Paranatellonten ist in das Lemma des Gradbe-
zirks VI 3,6 Coniunctio eingebettet. Delphin et Satirus: Beide Sternbilder
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28 I. Paranatellonten

nennt auch Ρ, dagegen L und Teukros I (zu Ge III) nur den Delphin. Vielleicht
ist Satirus falsch aus I 3,7 wiederholt. Auch die Prognosen zielen eher auf den
Delphin. Delphin: Zur Form des Namens A. Le Bœuffle, Les noms (1977),
113 f. F. Boll, Sphaera (1903), 116 f. denkt hier an einen zweiten Delphin in der
Nähe Orions, den er ja mit dem Satirus identifiziert (s. o. zu I 3,7). Setzt man je-
doch den Satyrn mit Ophiuchos gleich, dürfte dieser Delphin doch den klassi-
schen Delphin bezeichnen. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 176
identifiziert ihn falsch mit dem fisch- oder schlangenartig gedeuteten "Sternbild"
VI 3,5 Gene, dort handelt es sich jedoch um kein Sternbild, sondern um einen
Bezirksnamen. — Der Delphin erscheint noch einmal fast diametral gegenüber
I 9,6 bei Sa 21°—23°, dagegen handelt es sich I 10,8 bei Cap 22°—27° um einen
Fehler statt Aquila, s. d. Satirus : Nicht in L (s. o.). Der Name bezeichnet
wohl eher Ophiuchos als Orion, s. zu I 3,7 Satirus cum báculo bei Ge 16°—18°.
faciunt: Wird wiederholt nach IV 3,4 faciunt terrae motus: ein deutlicher Neu-
ansatz über den Gradbezirk VI 3,6 hinweg. nautas, natatores, composito-
rum tractatores: Hier divergieren die griechischen Texte, Ρ ράπτας, KO-
λυμβητάς, λωδικαρίους, L ναύτας, δύτας, κολυμβητάς. nautas: Nur in
L. Das seltene Wort Ρ ράπτας, das der LH I 1,10 mit sutores übersetzt, begeg-
net auch bei Anub. CCAG VIII4 (1921), p. 208,8 πώς οιόν τε ... τον τύφλον
ράπτην (sc. γενέσθαι), vgl. oben zu 13,11 podagres. Dieselbe Prognose auch
14,1 über die Zeichengrenze hinweg. natatores: Ρ und L erwähnen glei-
chermaßen κολυμβητάς, was Schwimmer oder Taucher bezeichnen kann, L er-
wähnt dazu noch δύτας, was nur Taucher bezeichnet. Andere Taucher-Progno-
sen bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 1122. Nach Firm. math. 8,15,2 (Delphin bei
Cap 8°) werden aus Schwimmern Taucher, wenn der Einfluß des feuchten Sa-
turn hinzukommt: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 599. Ders., Manilius
(1984), 218 zu Manil. 5,431—435. compositorum tractatores: Steht an
der Stelle von ράπτας "Näher" oder λωδικαρίους "Deckenmacher", übersetzt
aber vielleicht 13,11 συνθηκαρίους. Im letzten Fall wäre der Bezug zu den
Zwillingen als zusammengesetztem Zeichen nur zufällig, weil er sich nur aus
dem lateinischen Text ableiten läßt. Uber die zusammengesetzten Tierkreiszei-
chen W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 105-110. glutones: Nicht
mehr in PL, vgl. II 10,1 glutones bei Cap 1°: Kurz darauf erscheint I 10,2 das
Paranatellon Satirus bei Cap 4°—7°, daher ist diese Prognose wohl nur auf die-
sen zu beziehen. Die beiden identischen Prognosen finden sich in der Nähe der
beiden Sonnenwenden, wo das Ungleichgewicht zwischen Tag und Nacht am
größten ist.

4. Cancer

Bis zum zweiten Dekan bilden auch die Bezirke des Krebses paarweise 5°-Ab-
schnitte, der letzte Dekan wird jedoch statt von vier nur von drei Bezirken ausge-
füllt.
1. ( a ) : Der Platz für die Initiale ist freigelassen wie I 5,1, vgl. I 1,1. Hier und
am Anfang des Löwen fehlt außerdem die Überschrift des Tierkreiszeichens.
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4. Cancer 29

Argo semiapparens: Das nur halb verstirnte Sternbild wie I 1,12 pars Pegasi
und I 3,11 pars Heniochi, s. d. Zu der nur teilweise verstirnten Argo F. Boll —
W. Gundel, Sternbilder (1937), 1005, vgl. unten am Anfang des Löwen zu I 5,1
et Argo und L in der Mitte des Löwen (I 5,9—11) το μέρος τοΰ Πλοίου. — Die
Argo besetzt zusammen mit der Figur 14,2 Qui movet navem einen 5°-Ab-
schnitt, beide Sternbilder verheißen an erster Stelle nautas. figura Pasto-
ris : Fehlt in L, aber vorhanden in Ρ und bei Ps.Ant. (V '). F. Boll, Sphaera
(1903), 254f. denkt an einen Teil der Zwillinge, der von den Babyloniern als
Hirte bezeichnet worden sei, W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 239
an den Kopfstern des nachfolgenden Zwillings und Teile des Prokyon, später an
den nachfolgenden Zwilling überhaupt: Ders., Paranatellonta (1949), 1255,23.
Gundel wurde verleitet durch den im LH zwischen Sternbild und Deutung inter-
polierten Einzelstern Pollux (VII 4,1). Nach der Schichtenanalyse ist beides zu
trennen. Wichtig ist der Geviertschein zu 11,1 Piscator bei Ar I o —2° und die
Vertauschung der Lebensbereiche, denn der Fischer erscheint am Anfang des
Herdentiers und der Hirte am Anfang des Wasserbewohners zu Beginn des Was-
serdreiecks: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 406 f. und Ders., Manilius
(1984), 221. Der Geviertschein begegnet auch bei Manilius zwischen Orion bei
Ar 10° und Iugulae ( = Oriongürtel) am Anfang des Krebses: Demnach ist die
"Figur des Hirten" wohl mit Orion gleichzusetzen. Orion folgt bei Manilius unter
dem Widder ebenso der Argo wie hier die figura Pastoris unter dem Krebs. Die
Babylonier sahen einen "Getreuen Hirten am Himmel" im Orion: F. Gössmann,
Planetarium Babylonicum (1950), 131 Nr. 348, die Araber bezeichneten ver-
schiedene Sterne als "Hirten" (mit Schafen): P. Kunitzsch, Untersuchungen
(1961), 96 Nr. 2 3 5 - 2 3 8 . Ders., Über eine am/rä'-Tradition (1983), 96 f. Ders.,
Peter Apian (1986), 15 und 20 f. Vgl. auch W. Schickard, Astroscopium, 2Nörd-
lingen 1655 ( Ί 6 2 3 ) , 27 p. 25 über Kepheus: Pastorem cum cane et ovibus. Zur
Vorstellung Sterne = Schafe F.Boll, Endymion (1921), 481. J. Mjöberg, Vergil,
Aen. 1,608 polus dum sidera pascet (1944), 138—141. Mit dem Sternbild capra-
rius (Anth. 761,11 R. für Auriga) hat diese Figur trotz ThLL III c. 355,60 nichts
zu tun. facit nautas, ductores navium: Gehört über den Einzelstern Pollux
(VII 4,1) hinweg als Prognose zu Argo, denn nur diese Wirkungen kennt L, der
die Figur des Hirten ausläßt. nautas ... vel piscatores : Vgl. Firm. math. 8,
22,1 (Can 1° mit zusätzlichem Einfluß Saturns): nautae, piscatores, ferner auch
die Einzelgradprognose II 10,20 für Cap 19°: piscatores vel nautam. nau-
tas: Ebenso die erste Prognose des Delphins am Ende der Zwillinge (I 3,12) so-
wie dessen, der das Schiff flott macht (14,2). Vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937),
110. ductores navium: Übersetzt falsch ναυαγούς "Schiffbrüchige": F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 172. viatores: Nur in Ρ οδοιπόρους έπηρεαζομέ-
νους (das letzte Wort auch bei Teukros III p. 185,11), gehört also wohl zur Figur
des Hirten. S. Feraboli, Ricerche (1989), 220 vergleicht Firm. math. 8,22,1 (für
Can 2°): ibunt sane per itinera infinita. piscatores vel extractores spon-
giarum: Fehlt in PL, von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 239
noch auf die Argo bezogen, gehört aber wohl zur figura Pastoris, die einen Ge-
viertschein zu I 1,1 Piscator bei Ar 1°—2° bildet. Zur Vertauschung der Lebens-
bereiche W. Hübner, Manilius (1982), 2 2 1 - 2 2 7 . Vgl. ferner Firm. math. 8,26,9

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30 I. Paranatellonten

für das erste rechte Bein des Skorpions bei Sc 21°: erit piscator, sed qui marinas
spongias colligat. 8,30,8 für Pi 21° (also Gedrittschein): erunt piscatores legentes
spongias, dazu F. Cumont, L'Egypte (1937), 112'. piscatores: Diese Pro-
gnose kehrt am Ende des Krebses als Wirkung der cauda Hydri (I 4,11) wieder,
sie fehlt dort aber in L. Mehr über Fischer bei F. Cumont, L'Egypte (1937),
111 2 . m e r c a t o r e s a u t negotiatores: Fehlt weiter in PL, nach Firm. math.
8,22,1 Einzelgradprognose für Can I o mit zusätzlichem Einfluß des Mondes:
negotiatores. 8,22,2 für Can 3°: erunt negotiatores, vgl. hier die Einzelgradpro-
gnose 114,10 für Can 18°. 19°: mercatores. Der Handel wird von den tropischen
Tierkreiszeichen begünstigt: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 74—81 und
549 f. speziell über den Krebs zu Manil. 4,166 varios quaestus etc. Weiteres Ma-
terial bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 110 f. [multi e n i m l a e d u n t u r in ca-
pite]: Gehört wieder zum Einzelstern Pollux (VII 4,1).
2. Qui movet n a v e m : Besetzt zusammen mit I 4,1 Argo bei Can 1°—2° einen
5°-Abschnitt. Kaum nach dem Text von Ρ ό κατασείων "der Abschüttelnde"
(vgl. die Prognose άνασειστάς), sondern eher nach L ό κατασπών "der (das
Schiff) zu Wasser Lassende", Gegensatz ist der das Schiff Anhaltende (I 2,7):
Qui detinet navem bei Ta 21°—23°. Somit bezeichnet navem wohl die Argo. Ob
allerdings die hier genannte Figur mit Argo bzw. mit ihrem Steuermann Kanopos
identisch ist, wie W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 223 und Ders.,
Paranatellonta (1949), 1239 und 1249 meint, ist höchst zweifelhaft. Es scheint
unter Astrologen diskutiert bzw. je nach Position differenziert worden zu sein, ob
die Argo im Wasser schwimmt oder an Land gezogen ist. Die nur mit ihrem
Heck verstirnte Argo (s.o. zu 14,1 Argo semiapparens) bewegt sich rückwärts
(Arat. 344): οπιθεν φέρεται τετραμμένη. Man zog die Schiffe mit dem Heck
an Land, vgl. Arat. 342—348 und Manil. 1,413 in caelum subducta mari, doch
schwimmend erscheint das Schiff Manil. 5,13 navigai astris und 5,36 ceu navi-
get Argo, dazu W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 530. Ders., Manilius
(1984), 260 4 U . Nach Hyg. astr. 3,36 wird sie bei ihrem Untergang gleichsam zu
Wasser gelassen: ut in mari conlocata, daher handelt es sich vielleicht auch hier
um den Untergang des Sternbildes, was die folgenden Todesprognosen erklären
würde. — Zwischen der Argo des Manilius bei Ar 4° und der Argo mit "Bewe-
ger" des Teukros II bei Can 1°—5° besteht ebenso ein Geviertschein wie zwi-
schen 11,1 Piscator bei Ar 1 2° und I 4,1 figura Pastoris bei Can 1 2°.
movet: Widder und Krebs gehören zu den "mobilen" Tierkreiszeichen: W. Hüb-
ner, Die Eigenschaften (1982), 74—79. n a v e m : Uber dieses Wort als Be-
zeichnung der Argo (nach dem griechischen πλοΤον) A. Le Bœuffle, Les noms
(1977), 140f. hiatus L e o n i s : Fehlt in F und L, ist jedoch gesichert durch Ρ
und Ps.Ant. (V'A): Λέοντος χάσμα, hierzu F. Boll, Sphaera (1903), 129, zum
lateinischen Namen vgl. Manil. 5,206 Nemeaeus hiatus, ferner 4,536 malis his-
centibus, dazu W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 118 f. und 556. Der hiatus
wird als Bezugspunkt sogleich noch einmal I 4,3 genannt. Einzelteile von Tier-
kreiszeichen selbst erscheinen sonst am Anfang ihrer eigenen Abschnitte (s. o. zu
12,1 Pliades), hier schon am Anfang des vorausgehenden Zeichens; nach Ptol.
synt. 7,5 p. 96,18 geht der Rachen des Löwen (λ LEO) erst mit Can 21°10' auf,
vgl. zu VII 4,5 quae est in extremitate naris Leonis bei Can 21°46'. Demnach ist

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4. Cancer 31

mit einer Verschiebung des hiatus Leonis vom Anfang des Löwen an den An-
fang des Krebses zu rechnen. nautas : Ebenso die Prognose der vorangehen-
den Paranatellonten I 3,12 und I 4,1. ascendentes in arborem navis: Der
Mast der Argo wird auch I 11,7 hervorgehoben: ό ιστός της Αργούς, s. d., ein
weiteres Indiz dafür, daß mit dem Schiff die Argo gemeint ist. vel civitatem:
Zusatz gegenüber PL. F bietet nach vens (= ventos): aires, was wohl das fol-
gende aurarios übersetzt: vel civitatem ist also auch dort ausgelassen. aura-
rios: Nach F. Cumont, L'Egypte (1937), 1 IO4 ist gr. αύραρίους nicht von αυρα
"Luftzug" abzuleiten (vgl. F aires), sondern von aurum, also "Goldschmiede", so
auch Liddell-Scott im Supplement. Das Vorangehende spricht jedoch eher für
eine Ableitung von αί3ρα. fpraeenenses: W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 223 denkt an die Etesien und konjiziert perenenses, skeptisch be-
urteilt von F. Cumont, L'Egypte (1937), 1144. sismaticos: Übersetzt PL
άνασειστάς "Aufwiegler", also wohl im Sinne von schismaticos, überliefert ist
cismáticos : "die diesseits des Meeres wohnen", vgl. ThLL s. v. theatricos
eqs.: Übersetzt Ρ θεωρητάς, nicht mehr in L. Danach ist wohl zu interpungie-
ren. stupefactos: Dieselbe Prognose c. 26 p. 76,32. ad mala concur-
rentes: Nicht mehr in PL, klingt nach einem Interpretament von descensores =
καταιβάτας. Mit diesem poetischen Wort bricht Ρ ab. Das Folgende des Lem-
mas fehlt auch in L, es handelt sich vielleicht um eine Einzelgradprognose,
rixatores: Möglicherweise zum Einzelstern VII 4,2 Anticanis gehörig, vgl. dort
zu praedicta significai. hi autem publice moriuntur eqs.: Die erste Todes-
prognose, vielleicht auf den Untergang des Sternbildes zu beziehen, s. o. Sie er-
scheint just an der Stelle, wo Ρ aufhört. Todesprognosen gibt es in PL überhaupt
nicht, daher wohl späterer Zusatz wie I 5,1 laqueo moriuntur etc. sowie die To-
desprognosen 15,5 und 110,7. igne ... in aquis: Die beiden feindlichen
Elemente, Feuer und Wasser, kommen durch die beiden extremen äußeren Pla-
neten, den sonnennahen Mars und den Sonnenfernen Saturn (W. Hübner, Reli-
gion und Wissenschaft, 1988, 14f.), ins Spiel, vgl. Ptol. apotel. 2,3,4f. (Osten —
Westen). Firm. math. 8,9,1 f. über die Iugulae bei Can I o (also in der Nähe der
hier gemeinten Stelle) und W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 553 zu Manil.
5,189-196 (Saturneinfluß), ferner etwa Rhet. C p. 121,30-33. Zur Klassifizie-
rung der Todesarten nach Elementen vgl. Maneth. 1 (5),254f. 3(2),255—263.
Vett. Val. 2,17,59, ferner Sen. dial. 1,6,9. Zur gegenseitigen Aufhebung der
Wirkungen von Saturn und Mars vgl. Dor. A2,18,2f. und p. 368 sq. Pingree.
Firm. math. 6,22,4. Apom. CCAG II (1900), p. 137,5-7. Saturnus:
Zum feuchten Saturn W. Hübner, Manilius (1984), 140. Manil. 5,196 schließt
seine Prognose mit dem Meergott Nereus, Teukros II erwähnt an der diametral
gegenüberliegenden Stelle (I 10,2 nach Ps.Ant. V1' Νηρεύς) das Paranatellon Ne-
reis bei Cap 4°—7°.
3. Fons et Duo Asini: Ein nichtklassisches und ein klassisches Sternbild wer-
den zusammengestellt, vgl. an der gegenüberliegenden Stelle zu dem Paar II 10,6
parva Lyra und os Capricorni bei Cap 6°. Fons : Das Sternbild Κρήνη
kannte F.Boll, Sphaera (1903), 268 nur aus Teukros I und Abu M., die es zu
Li II stellen (etwa Geviertschein), dazu Abu M. introd. 6,1 p. 535 Boll (zu
AqUI), "die verdorbene Quelle." W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
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32 I. Paranatellonten

187 f. identifiziert das Bild richtig mit dem im nächsten Abschnitt genannten
Sternbild Praesepe : Beide zusammen besetzen den 5°-Abschnitt Can 5°—10°.
Kaum in Frage kommt der Becher, den Schol. Arat. 443 p. 281,14 der Nilquelle
zuteilt: ό Κρατήρ δέ οίκεΐον πηγη, noch weniger die Quelle des Pegasus, de-
ren Mythos Arat. 216—223 erzählt, vgl. zu 13,4 incisores lapidum. Duo
Asini: Bezeichnen zusammen mit der Krippe die Sterne εγδ CNC, wohl die
"Augen" des Krebses: F.Boll, Sphaera (1903), 128 und Ders., Antike Beobach-
tungen (1916), 33 ! . 64 f. Krippe und Esel kombiniert Ptol. apotel. 1,9,5 durch
das Planetentemperament: Die Krippe wird durch Mars und Mond, die Esel wer-
den durch Mars und Sonne bestimmt. — Uber die Opposition zum Maul des
Steinbocks vgl. zu II 10,6 os Capricorni bei Cap 6°. in hiatu Leonis: Vorher
14,1 auf Can 3°—5° beschränkt, s.d. utilitatem ... agentes: Bezieht sich
nach L nur auf die beiden Esel. sign(ific)at: Wie I 2,1. remissam vi-
tam agentes: Ahnlich beim folgenden Paranatellon Praesepe (I 4,4): vitam cum
remissione et dilatione multa, eine Stütze für die angenommene Identität von
Fons und Praesepe. Vgl. den Gradbezirk VI 1,2 Remissio.
4. ab octavo usque ad decimum: Überliefert ist a séptimo usque ad octa-
vum, die Fortsetzung gibt selbst eine Alternative (114,5): quidam vero dicunt,
quod in octavo et nono sit Nubecula [= Praesepe]. Das System erfordert eine
Ausdehnung des Bezirks bis Can 10°. Die identischen Bilder Fons und Praesepe
besetzen zusammen einen 5°-Abschnitt. Bei Can 8°, nach der falschen Angabe
dem Ende, nach der Berichtigung dem Anfang des Abschnittes, vollzieht sich die
Sommersonnenwende. An der gegenüberliegenden Stelle, der Wintersonnen-
wende, gibt es eine ähnliche Verwirrung, vgl. zu II 10,8 septimus et octavus. Die
Unsicherheit der Gradangabe entsteht im übrigen gerade an der Stelle, wo der
Codex Ρ abbricht. Praesepe: Die Krippe ist identisch mit der I 4,5 und
II 4,5 genannten Nubecula, vgl. Ps.Eratosth. catast. 1 1 p . 94 f. und A. Le Bœuffle,
Les noms (1977), 162. Dasselbe Sternbild bezeichnet wohl auch der Name I 4,3
Fons, wie die ähnlichen Prognosen nahelegen. Auch sonst folgen bisweilen ein
klassischer und ein umgedeuteter Name aufeinander (W. Hübner, Die Paranatel-
lonten, 1975, 391 l:! ):

Klassischer Name Umgedeuteter Name

14,3 Can 6°-7° Fons 14,4 Can <8°-10°) Praesepe


15,9 Le 21o—22° Hydrìa I 5,10 Le 23°—25° Lavatorium
16,1 Vi I o —3° Spica 16,2 Vi 4°—6° Machaera

Ob auch die beiden Fuhrleute, I 2,3 Heniochus currum detinens bei Ta 8o— 1 I o
und I 2,4 Heniochus rotam tenens bei Ta 12°—14°, identisch sind, ist eine noch
offene Frage. Lyra, Lyrizans: Kaum richtig W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 249 Lyra lyrizans im Sinne von "die leierspielende Muse". Nach
Ps.Ant. (V:1) Λύρα καί λυρίζουσα Μοΰσα handelt es sich um zwei verschie-
dene Einheiten, dazu W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 391 12 , ferner
F. Boll, Sphaera (1903), 104f. Unbeachtet blieb bisher das Zeugnis des Rhetorios
(VII 9,4) ό έπί της Λύρας ό καλούμενος Λυρικός ( = α LYR), vgl. Theoph.
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4. Cancer 33

p. 214,4 ό ΛυραΤος. Demnach bezeichnet der Doppelausdruck Lyra, Lyrizans


wohl die Leier und deren Hauptstern Wega. Auch bei den Einzelsternen wird
beides unterschieden (VII 9,4—5). Unwahrscheinlich ist W. Gundels Identifizie-
rung mit I 4,5 Nubecula, das wäre neben Fons und Praesepe die vierte Bezeich-
nung für dasselbe Sternbild. F. Boll, Sphaera (1903), 105 und 273—275 vermu-
tet das Sternbild in der Nähe des Σάτυρος, den er mit Orion gleichsetzt, das
Exc. Barocc. II p. 465,19 nennt beide Namen hintereinander: Μοΰσα, Σάτυ-
ρος. Stimmt jedoch unsere Gleichsetzung von Satirus und Ophiuchos (s. zu
I 3,7), sind wir wieder in der Nähe der klassischen Leier. Wer die Deutung Lyri-
zans = Wega ablehnt, könnte auch an Engonasin-Orpheus denken, der seinen
Arm nach der Leier auszustrecken scheint. — Im übrigen ergibt sich ein Sextil-
schein zu 16,3 (Musa) deferens parvam Lyram bei Vi 7°—10°. [qui-
dam ...]: Fehlt in F und sprengt den Zusammenhang zwischen Aufgangsangabe
und Prognose, daher wohl Einzelgradprognose (II 4,5). facilem habentes
vitam: Gehört nach L την ευχερή τροφήν nur zur Krippe. cum remis-
sione et dilatione multa: Gehört nach L έν άνέσεί βιοΰντας noch zu den bei-
den Eseln, vgl. zu I 4,3 remissam vitam agentes. Die beiden Bezirke überschnei-
den sich nach den überlieferten, aber wohl falschen Gradangaben bei Can 7°.
incogitati cum delectatione viventes: Fehlt in L, vielleicht nur eine Aus-
schmückung des Vorigen.
5. Nubecula: Wird im Gesamttext sechsmal genannt, s. zu II 4,2. Die Wolke
gilt auch als Teil des Krebses selbst, steht hier aber nicht am Anfang des Bildes,
vgl. oben zu 12,1 Pliades. saecularium rerum: Versucht, L βιωτικών
πραγμάτων zu übersetzen. [iusti vero fiunt ...]: Fehlt in L, ist also wohl
eine Einzelgradprognose (II 4,8).
6. stella Canis: Das Wort stella übersetzt hier nicht, wie bei den Einzelster-
nen (Kapitel VII) regelmäßig, das Wort άστήρ, sondern die Junktur ersetzt die
griechische Nominalkomposition L άστροκύων (aber κυνός άστρον V 1 : Hexa-
meterschluß? Vgl. F. Boll, Sphaera, 1903, 36). Wenn Sirius gemeint ist, der nach
Ptol. synt. 8,1 mit Ge 17°40' aufgeht, erfolgt die Angabe fast um ein ganzes Tier-
kreiszeichen zu spät, dagegen richtig I 3,7 Canis bei Ge 16°—18°, und zwar dort
zusammen mit dem Satirus, mit dem er hier 14,6—7 den 5°-Abschnitt
Can 13o—17° besetzt. Noch später folgen 114,12 stella Canis bei Can 21° und
II 4,14 Canis bei Can 25° im Abstand von 4°: s. o. Tab. 6. Die Verschiebung des
Sirius von den Zwillingen in den Krebs dürfte auf den variablen ägyptischen Ka-
lender zurückgehen, denn Sirius = Sothis galt den Ägyptern als Isis, ihr Aufgang
markierte das Neujahr. Daher gehört auch der Dekan Can II dieser Göttin:
W.Gundel, Dekane (1936), 126.239.260 u. ö. Gundel (239) nennt Isis die "re-
gina decanorum" und stützt sich dabei auf die ausführlichere Fassung in V1 : κυ-
νός αστρον, δ έστιν βασίλειον των λς' ωρών in der Deutung von F. Boll,
Sphaera (1903), 209 "das königliche Gestirn". Vielleicht ist aber doch die Grund-
bedeutung "Residenz der 36 Stunden" anzunehmen, vgl. zum Gradbezirk VI 4,2
Constellatio bei Can 15°. terribiles: Ebenso Firm. math. 8,10,1 (Canícula
bei Le I o ), vgl. Manil. 5,221 metum. facit autem: Trotz des Neueinsatzes
nach L weiter zur stella Canis gehörig, vielleicht eine Untergangsprognose.
7. Satirus: Hier zum dritten Mal, vgl. zu 13,7 Satirus cum báculo bei
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34 I. Paranatellonten

Ge 16°—18° und zu I 3,12 Satirus bei Ge 29o—30°. nudos: Kehrt I 7,7 bei
Li 19°—20° im Namen Unus nudus currens wieder: fast Geviertschein. la-
trones: Ubersetzt ungenau L λωποδύτας "Kleiderdiebe", das Wort auch bei
Ptol. apotel. 4,4,7, vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 67. S. Feraboli, Ricerche
(1989), 232 vergleicht Firm. math. 8,22,3 schon für Can 7°: latrocinantes.
excogitatos: Übersetzt L αμέριμνους "Sorglose" oder "Teilnahmslose" wie I 7,9
bei Li 2(5)°—28°: etwa Geviertschein; vgl. zu V 6,2 excogitado beim Venusbe-
zirk Sine tristitia (Vi 8°—17°). Anders F, der die beiden Wörter verbindet: la-
rons en pensees.
8. ab octavo decimo usque ad vicesimum: Drei Grade für die Drei Grazien
wie I 7,6 für die Drei Heroen, tetragonal entfernt bei Li 16°—18°. Die Grazien
besetzen zusammen mit dem Satyrn einen 5°-Abschnitt. Tres Gratiae: Teu-
kros I bezieht je eine der Drei Grazien auf die drei Krebsdekane. F. Boll,
Sphaera (1903), 272f. deutet sie als die drei Gürtelsterne Orions (vgl. VII 3,1), so
auch W. Gundel, Paranatellonta (1949), 1254, obwohl er vorher (Neue astrologi-
sche Texte, 1936, 248) an die Sterne im Viereck des Großen Bären gedacht hat,
hiernach auch A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 205. Gundels Deutung ist noch
weniger wahrscheinlich als die von F. Boll, vgl. W. Hübner, Zur neuplatonischen
Deutung (1990), 89—91. fortitudinem, prudentiam, temperantiam : Mög-
licherweise Wirkungen je eines der drei äußeren Planeten, Mars — Jupiter — Sa-
turn: W. Hübner (a. 0.), 94 f. pulchritudinem, divitias, vocem: Von F. Boll
durch differenzierte Interpunktion richtig von den drei vorangehenden Wirkun-
gen getrennt: wohl zu beziehen auf die drei inneren Planeten, Venus — Luna —
Merkur, s. o. und zu II 4,9 divitem, vocem habentem. vocem: Vgl. außer
114,9 auch die Wirkung des Merkurbezirks V 4,3 bei Can 14°—19°: amatores
sermonum— φιλόλογοι.
9. oriuntur: Aufgang, obwohl es sich um ein zirkumpolares Sternbild handelt,
also wohl die untere Kulmination, vgl. zu I 2,9 est. posteriores partes : Hier
beginnt eine fünfteilige Serie mit Teilen von Sternbildern (zu der 114,10 caput
Hydri nur äußerlich gehört):
Stelle Gradbezirk Teile von Sternbildern

I 4,9 Can 21°—23° posteriores partes Ursae


14,10 Can 24°—26° medietates Scarabaei
14,11 Can 27°—30° cauda Hydri
15,1 Le 1°—3° medietates Hydri
15,4 Le <6°-7°> [L] του Δράκοντος κεφαλή
Teilaufgänge von vollständigen Bildern sind sonst bei Teukros II selten: komple-
mentär zu dieser Stelle 19,5 caput Ursae, bei L (I 12,7) ή ουρά της Μικράς
Άρκτου handelt es sich vielleicht um eine Fehldeutung des Namens Κυνόσ-
ουρα. Sonst nur noch I 3,1 = I 3,9 cauda Ceti, I 9,8 anterior pars Ancipitris und
I 10,12 cauda Magni Piscis. Um einen Uberlieferungsfehler handelt es sich wohl
bei II 10,6 pars Lyrae anstelle von parva Lyra, s. d. Anders sind die Stellen bei
Teukros I zu beurteilen, s. zu Ia 11,11 posteriora Ibeos, wieder anders die nur
teilweise verstirnten Figuren, s. zu I 1,12 pars Pegasi und I 3,11 pars Heniochi,
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4. Cancer 35

ferner zu I 4,1 Argo semiapparens. Ursae: Hiernach ist in L wohl της [τοϋ
cod.] Άρκτου zu lesen, ebenso I 9,5, ganz ohne Artikel I 3,3. Über die man-
gelnde Unterscheidung der beiden Bärinnen bei Teukros s. zu 12,9 Ursa.
[... a pluribus eqs.]: Sternbild und Prognose sind durch das Wetternotat IV 4,2
und den Namen II 4,12 stella Canis getrennt, der vielleicht den Namen der Klei-
nen Bärin, Κυνός ούρά, mit dem des Sirius, κυνός αστρον (oder άστροκύων),
verwechselt, s.d. significai eqs.: Gehört nach L wieder hierher. ulti-
mum actum agentium et gloriarti : Etwas anders L τήν τελευταίαν των πρά-
ξεων δόξαν, "den letzten Ruhm ["Raum" W. Gundel, Neue astrologische Texte,
1936, 201, wohl aus Versehen] der Handlungen", nach A.D.Nock, ree. Gundel
(1939), 361 im Sinne der antizipierten Totenfeier. Der Text von L fordert etwa
eine Übersetzung wie ultimam actum agentium gloriam, die Übersetzung des
LH setzt etwa einen Text voraus wie τήν τελευταίαν πράξιν πραττόντων
και δόξαν und könnte damit etwas Ursprüngliches bewahrt haben, vgl. I 2,9
(Ursa bei Ta 28o—30°, Prognose im LH ausgefallen): ή επικείμενη πράξις τω
πράξοντι αύτήν: Auch dort πράξις neben einem Partizip von πράττειν. Das
Wort πράξις bedeutet hier wohl "magische Handlung", ebenso I 9,5 έπί πράξιν
= augurìum für das caput Ursae und I 10,10 πράξιν = actum (wie hier) für
Ursa. Vgl. den Merkurbezirk V 9,3 Πράξεις mit der Prognose prácticos (wie
hier im folgenden Bezirk I 4,10).
10. medietates Scarabaei: Der zweite Einzelteil eines Bildes, vgl. zu I 4,9 po-
steriores partes. So auch I 5,1 medietates Hydri bei Le Io—3°, vielleicht ein ge-
meinsamer Bezug zum ägyptischen Neujahr und dem Beginn der Nilschwellen,
s. u. Sonst kommt die Mittelpartie eines Sternbilds stereotyp bei der Dreiteilung
nach Teukros I vor, vgl. zu Ia 11,7 medietates Equi. — Der Teil eines Dodeka-
oros-Tieres erscheint bei Teukros II sonst nur im Falle des Falken beim Schüt-
zen: 19,8 anterior pars Ancipitris bei Sa 27°—30°. Der Käfer bezeichnet eher
den Krebs selbst als einzelne Sterne im Bereich von Krebs und Löwe, wie
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 232 meint. Wenn die "Mitte" des
Käfers hier in der Nähe der stella Canis (= Sothis) bei Can 21° (II 4,12) sowie
Can 25° (II 4,14) und dem caput Hydri bei Can 22° (II 4,13: als Nil gedeutet?)
erscheint, nimmt er jene Grenzstellung am ägyptischen Neujahrsbeginn ein, die
der Künstler des rechteckigen Himmelsbildes von Dendera so eindrücklich dar-
gestellt hat: Am Ende des Tierkreises taucht er ins Wasser und kommt am An-
fang wieder aus dem Wasser hervor. discípulos: Übersetzt L μύστας wie
I 10,8 bei Cap 22o—23°: fast genau diametral gegenüber, ähnliche Prognosen bei
F. Cumont, L'Egypte (1937), 1552. prácticos: Nicht mehr in L, vgl. jedoch
an der gegenüberliegenden Stelle (I 10,8) den Doppelausdruck μύστας, φαντα-
ζομένους = discípulos et augures. Das Wort practicus weist in die okkulte
Sphäre, vgl. die Prognose des Merkurbezirks V 9,3 prácticos und oben zu I 4,9
ultimum actum agentium. negotiosos: Fehlt weiter in L, vermutlich handelt
es sich um ein falsches Interpretament für prácticos im Sinne von "Geschäftige".
Der Krebs ist jedoch als 'liegendes' Tierkreiszeichen höchst inaktiv: W. Hübner,
Manilius (1984), 167-170.
11. a vicésimo séptimo gradu usque ad tricesimum: Opposition zur cauda
Magni Piscis (I 10,12) bei Cap28°-29°. cauda Hydri: Die dritte Einzel-
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36 I. Paranatellonten

partie, s. zu I 4,9 posteriores partes. Die Wasserschlange wird sechsmal erwähnt,


s. zu II 4,10 caput Hydri. Teukros II stellt sie sich verkehrtherum vor, es folgen
I 5,1 die medietates Hydri, der Kopf, den L (I 6,2 a) erst am Anfang der Jungfrau
ansiedelt, ist in dieser Schicht ausgefallen. cauda: Der Schwanz der Wasser-
schlange erscheint noch einmal I 6,7 : Puella, quae stat super cauda Hydrì, dort
nach der regelmäßigen Aufgangsrichtung nach Teukros I : s. d. Im übrigen vgl. zu
I 12,3 (ή ο ύ ρ ά ) . [sunt termini Saturni]: Eingesprengter Planetenbezirk
und Dublette zu V 4,5. Die Gradbezirke decken sich genau, die Wasserschlange
und Saturn (vgl. I 4,2 in aquis) haben die Feuchte gemeinsam, die auch zum
Krebs gehört: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 171 — 180. Der gegenüber-
liegende Schwanz des Großen Fischs befindet sich dagegen in einem Marsbezirk
(V 10,5). facit piscatores eqs.: Gehört nach L zur cauda Hydri, allerdings
steht piscatores ungenau für L ύδραλεταρίους "Betreiber einer Wassermühle",
was 111,1 noch einmal mit piscatores wiedergegeben wird, vgl. F. Cumont,
L'Egypte (1937), 54;ì. balneatores: Wie I 2,2, s. d. Dieselbe Prognose bietet
L I 6 , 2 a auch für den Kopf der Wasserschlange. fluminum captatores:
Auch das ungenau für L ποταμών διάρτας "who raises water from rivers" Lid-
dell-Scott (Suppl.), vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 602 zu Manil.
4,262 conversis ... fluctibus und zu 4,265 domibus suspendere rivos, ferner
F. Cumont, ibid. hortulanos eqs.: Fehlt in L, der die κηπουρούς aber bei
der Wiederholung — wieder über die Tierkreiszeichengrenze hinweg — (15,1
medietates Hydri bei Le Io—3°) nennt. Gartenbauer und Wasseringenieure er-
scheinen häufig nebeneinander, F. Cumont (a. 0.) zitiert u. a. LH 27 p. 80,40
(vgl. Firm. math. 4,13,6) und Firm. math. 3,5,25 (u.a. Saturneinfluß) hortorum
praepositos aut aquarum distributores. Etwa gegenüber, bei Cap 15o—17°, findet
sich unter dem Paranatellon Ager die Prognose I 10,5 hortulanos, ebenso II 1,13
für den Einzelgrad Ar 23°. haustores fontium: Der Krebs wird nicht nur
mit dem Wasserschöpfen, sondern auch mit dem Brunnenbau in Verbindung ge-
bracht: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 226 f., über andere Determinanten
dieser Prognose F. Cumont a. O.

5. Leo

Die zwölf Paranatellonten des Löwen besetzen regelmäßig je paarweise sechs 5°-
Abschnitte. Wenn unter I 5,4 a Ophiuchos zu ergänzen ist, würde diese Regelmä-
ßigkeit zerstört. Das regelmäßige Zahlenwerk könnte andererseits aber auch erst
später in das System eingeführt worden sein, denn am Ende weicht der LH er-
heblich von L ab.
1. ( a ) : Die Initiale fehlt samt der Uberschrift wie I 4,1 am Anfang des Kreb-
ses, vgl. auch 11,1. Die Abschnitte des griechischen Textes beginnen jetzt nicht
mehr nach Ρ mit εως, sondern nach L mit dem Dativ des Tierkreiszeichens: τ ω
Λέοντι usw. tertium: Korrigiert aus secundum, denn der nächste Bezirk
beginnt mit Le 4°. In der Mehrzahl der Fälle reicht der erste Bezirk in diesem Sy-
stem bis 3°. Der Fehler erklärt sich vielleicht dadurch, daß Argo sowohl hier als
auch 14,1 bei Can Io—2° erscheint: Die Kolumnen benachbarter Tierkreiszei-
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5. Leo 37

chen könnten verwechselt worden sein, vgl. zu I 3,7 sexto decimo. medieta-
tes Hydri: Das vierte Glied einer Kette von Einzelpartien von Sternbildern, s. o.
zu I 4,9 posteriores partes Ursae. Das Wort medietates macht F. Bolls Ergänzung
in L (ό νώτος) τοΰ Ύ δ ρ ο υ (nach Teukros I) weniger wahrscheinlich als etwa
( τ ά μέσα) τοΰ "Υδρου. Das Bild besetzt zusammen mit I 5,2 Corvus instans et
Crater bei Le 4°—5° einen 5°-Abschnitt, zu dieser Trias F. Boll, Sphaera (1903),
142f. F.Boll - W.Gundel, Sternbilder (1937), 1008-1012. Formal zu verglei-
chen ist I 3,10 Tripes et desuper Cithara et Crater (ebenfalls im apollinischen Sa-
genkreis). Hier folgt I 5,3—4 die zirkumpolare Trias. Andere Triaden sind zu
I 3,3 Draco et Ursa et Venator gesammelt. medietates : Bei Teukros II sonst
nur I 4,10 medietates Scarabaei : gemeinsamer Bezug auf das ägyptische Neujahr
und die Nilflut? Im Gegensatz zu der singulären Erwähnung der medietates Sca-
rabaei gehören die medietates Hydri in eine Serie von sechs Erwähnungen der
Wasserschlange, vgl. zu II 4,10 caput ... Hydri. Diese Erwähnungen bilden aber
kein kohärentes System und sind somit den Einzelgradprognosen zuzurechnen,
medietates ... Heniochi: Fehlt in L an dieser Stelle, dagegen bietet Ps.Ant.
(V1 A) zu Beginn des Löwen den Nominativ 'Ηνίοχος, dazu noch einmal am
Ende des Löwen 'Ηνίοχος τροχόν κατέχων κτλ., ebenso Teukros I für Le III:
ό Ηνίοχος τροχόν βαστάζων. Demnach handelt es sich um den Zweiten
Fuhrmann mit dem Rad, vgl. F. Boll, Sphaera (1903), 108 f. und oben zu I 2,4
Heniochus rotam tenens. Aufgrund der Nominative könnte man im LH die Kon-
jektur Heniochus erwägen. Da aber auf der anderen Seite der Zweite Fuhrmann
nur teilweise verstirnt zu sein scheint (vgl. zu I 3,11 pars Heniochi), könnte man
hier die Junktur medietates ... Heniochi im Sinne von "der Teil des Fuhrmanns"
retten. Dies setzt eine Verwechslung von τ ά μέσα = medietates und τό ήμισυ
= pars voraus, die auch sonst vorkommt, vgl. zu la 11,7 medietates Equi. et
Argo: Fehlt in L am Anfang des Löwen, erscheint jedoch gegen Ende: τό μέρος
τοΰ Πλοίου, vgl. Teukros I zu Le I τό ήμισυ τοΰ Σκάφους — danach also
Argo = Genitiv? Über die nur halb verstirnte Argo vgl. zu I 4,1 Argo semiappa-
rens. Nebeneinander auch bei Ps.Ant. (V'A) 'Ηνίοχος και ΠλοΤον (dieses
Πλοιον deutet F.Boll, Sphaera, 1903, 172 als Argo). horoscopi: Adjekti-
visch, hier zum ersten Mal bei Teukros II, s. zu VI 1,6. Da diese Formulierung
primär zu den Einzelgraden gehört und hier einige Prognosen über L hinausge-
hen, sind diese vielleicht den Einzelgraden zuzurechnen. agrícolas: Fehlt in
L, also Einzelgradprognose? Für die Richtigkeit an dieser Stelle spricht jedoch
der Geviertschein zu I 2,1 agrícolas bei Ta Io—3°, s.d. hortulanos: Schon
eine Wirkung der (I 4,11) cauda Hydri (s. d.), in L nur hier. Auch das Folgende
bis lotores arenae ist nach L nur eine Wirkung der Wasserschlange. aucu-
pes: Nach R. Eisler, The Royal Art (1946), 125 wegen des Raben, der auf der
Wasserschlange steht. Ob die Einzelgradprognose Firm. math. 8,23,2 (für Le 4°)
venator hierhergehört, wie S. Feraboli, Ricerche (1989), 221 vermutet, ist frag-
lich. Vgl. im übrigen zu I 1,1 aucupes. lotores arenae: So die Überlieferung,
lotores arenarios Cumont, Gundel, dazu F. Cumont, L'Egypte (1937), 772, vgl.
jedoch L άμαρηγούς "die Wasser abfließen lassen" (dazu Cumont a.O. 541),
Maneth. 4,252 άμαρησκαπτήρας, ferner das in L folgende Wort ά π ο π λ ύ τ α ς
"Wäscher". nautas eqs.: Nicht mehr in L, also jetzt wohl Wirkungen der

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38 I. Paranatellonten

medietates ... Heniochi et Argo. Ein Teil der Wirkungen stimmt mit denen des
(I 4,2) hiatus Leonis überein. Da Teile der Tierkreiszeichen sonst an den Anfang
der Zeichen selbst gehören (vgl. zu I 2,1 Pliades), ist hier mit einer Verschiebung
des hiatus Leonis vom Anfang des Löwen zum Anfang des Krebses zu rechnen,
lenones . . . gravem vocem: S. Feraboli, Ricerche (1989), 220 vergleicht die
Einzelgradprognose Firm. math. 8,23,1 für Le I o : erunt lenones rauca voce eqs.
Es folgt: (in) Ulis partibus, quae in ore sunt. Vielleicht liegt eine Etymologie
leo — leno vor. os olidum: Auch hier Einfluß des hiatus Leonis ? gra-
vem vocem: Vgl. Dor. bei Heph. 3,40,6 βρυχητήρος vom Löwen, der sonst als
"halb tönend" gilt: W. Hübner, Ζώδια φωνήεντα (1976), 1 2 1 - 1 2 4 . Ders., Die
Eigenschaften (1982), 165—169. enim: Macht hier keinen Sinn. mori-
untur: Wohl eine Untergangsprognose, daher nicht in L, vgl. zu I 4,2 publice
moriuntur.
2. enim: Leitet hier zum ersten Mal ein Teukros-Sternbild ein, vgl. zu V 2,1.
est: Vgl. zu I 1,3; ebenfalls bei einer Trias I 3,3 sunt Draco et Ursa et Venator.
Corvus instans et Crater: Rabe und Recher stehen auf der Wasserschlange, mit
deren Mitte sie zusammen einen 5°-Abschnitt besetzen, s. o. zu I 5,1 medietates
Hydri. Corvus: Der Rabe wird an drei Stellen genannt:

Stelle Gradbezirk Sternbilder

I 5,2 Le 4°-5° Corvus instans et Crater


I 6,5 Vi 14o-15° Corvus (Crater erst I 8,7 bei Sc 24°—25°)
I 10,2 Cap 4 ° - 7 ° Nereis et Corvus et Satirus

Wegen der Präzisierung instans ist hier eindeutig der auf der Wasserschlange
stehende klassische Rabe gemeint, dagegen unhaltbar die Identifizierung mit Re-
gulus (VII 5,2) bei W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 266. in-
stans: Rezieht sich über den Fuhrmann und die Argo hinweg auf die Wasser-
schlange, vgl. in der verwandten apollinischen Trias I 3,10 desuper. Etwas anders
Hyg. astr. 2,40,1 Hydra, in qua Corvus insidere ... existimatur. Crater: Nur
diesen, nicht den Raben nennt das Exc. Rarocc. II p. 465,21. [qui vero
eqs.]: Nicht in L, gehört wohl zu den Einzelgraden, s. zu 115,1. faciunt:
Schließt sich grammatisch an Corvus instans et Crater an. pronosticatio-
nem: Geht auf den Raben, vgl. I 6,5 für den Raben allein bei Vi 14°—15°: pro-
gnosticationem rerum. contemperantiam : Geht auf den Mischkrug, das
griechische Pendant σύγκρασιν kehrt gegen Ende des Löwen als Prognose des
Μεΐραξ ό τον κρατήρα βαστάζων wieder (15,9—11).
3. Der Abschnitt Le 6 o —7° ist im LH nicht besetzt, L nennt hier Κυνός ούρά
(zur Schreibweise vgl. V1 am Ende der Fische), also die Kleine Bärin, mit der
Prognose φιλονεικίας, die der LH vielleicht II 5,3 bei dem Einzelgrad Le 9° wie-
dergibt: amatores luctaminum, vgl. L 112,7: ή ούρα τής Μικρας Άρκτου
μάχας (sc. δηλοΐ). Die zweite Prognose in L, θρέψασας, bezieht sich vielleicht
auf den Mythos, nach dem Kynosura den jungen Zeus genährt hat: Manil. 2,30
und W. Gundel, Kynosura (1925), 40 f. Möglicherweise gehört dann hierher auch
die Einzelgradprognose II 5,4 für Le 10°: non nutriet(ur) a parentibus, sed ad

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5. Leo 39

alienas manus perveniet. Stimmt diese Ausfüllung der Lücke, dann besetzen die
Kleine Bärin und der "Drache inmitten der beiden Bärinnen" zusammen einen
5°-Abschnitt wie — im Sextilschein hierzu — die gesamte Polartrias Draco /
Ursa / Venator I 3,3—4 zusammen mit Theseus (hier folgt dann der komplemen-
täre Ophiuchos). Unter den Fischen (I 12,7) kombiniert L die Wirkungen von
Bärin und Drachen; vielleicht ist dort der Drache ausgefallen. — Weniger wahr-
scheinlich ist, daß der im LH ebenfalls fehlende, in L aber erst nach dem Polar-
drachen genannte Ophiuchos (I 5,4 a) hierher gehört. Immerhin ergäbe sich etwa
ein Geviertschein zu 18,3 Ophiuchus bei Sc 8°—10°.
4. est: Es handelt sich um ein Zirkumpolarsternbild, vgl. zu I 2,9 est, ferner zu
I 5,2 est : Auf die Trias der Wasserschlange mit Rabe und Becher folgt die zir-
kumpolare Trias. Draco exsistens in medio duarum Ursarum: Primär der
nördliche Polardrache, dann aber auch die ganze Trias wie — etwa im Sextil-
schein hierzu — I 3,3 Draco et Ursa et Venator. Draco: L nennt genauer den
Kopf des Drachens: ή επικείμενη αύτη [sc. Κυνοσούρα] Δράκοντος κε-
φαλή, das letzte Glied einer fünfteiligen Reihe von Einzelstellen, vgl. zu I 4,9 po-
steriores partes Ursae. Die Hinterpartie der Bärin geht in L (I 5,3) als Κυνός
ούρά hier voraus und bildet vielleicht einen Gegensatz zum Kopf des Drachen.
Eine 'Enantiodromie' bilden sonst die beiden Bärinnen: W. Hübner, Manilius
(1984), 210 f. — Im übrigen wird sonst der Kopf der Schlange des Schlangenträ-
gers hervorgehoben: VII 7,5. in medio duarum Ursarum: Ist keine reine
Positionsangabe, sondern die Gruppe wird als Gesamtheit gedeutet, vgl. W. Hüb-
ner, Manilius (1984), 201—213. [hi enim tres gradus eqs.|: Interpolierter
Helligkeitsbezirk 1115,2. faciunt custodiam, cautelam: Weil der Polardra-
che die Bärinnen bindet, vgl. zu I 3,3 carcerem, vincula. separationes: Ge-
gensätzliche Wirkung, weil der Polardrache die Bärinnen nicht nur bindet, son-
dern auch trennt: Manil. 1,452 uno distingui ... claudique Dracene, dazu
W. Hübner, Manilius (1984), 2 0 9 - 2 1 2 , ferner die Prognose in L I 12,7 für die
Kleine Bärin: χωρισμούς. separationes parentum: Vgl. Dor. 114,4 bei
Heph. 2,4,26 τοκέων χωρισμόν und Rhet. C p. 220,7 χωρισμόν γονέων,
viri et uxoris: F d'espeus et d'espeuse, übersetzt L ανδρογύνων und bestätigt
damit die Vermutung von F.Boll, Sphaera (1903), 46,25 app. "vielleicht 'Paar
von Mann und Frau'??".
4a. An dieser Stelle, also zwischen dem Kopf des Drachen und den Phrygischen
Flöten, überliefert L den Ophiuchos. Für diesen ist zwar im regelmäßigen Gradsy-
stem des LH kein Platz, doch findet sich ein Teil seiner Prognose unter dem Einzel-
grad II 5,5 Le 1 Io. alii vero medici vel farmachiarii fiunt: Erweitert L ια-
τρούς, dieselben Prognosen 18,3 für Ophiuchus et Aesculapius: herbularios,
medicos. Dort gehen voraus ferarum interfectores wie an dieser Stelle in L θηρο-
φόνους, θηριοδείκτας. Die letzte Prognose ("Schausteller von wilden Tieren")
kehrt in L (I 12,6) für die Zwei Schlangen wieder. Vielleicht ist an beiden Stellen zu
schreiben θηριοδήκτους ("Menschen, die von wilden Tieren gebissen werden",
vgl. zu I 3,8 ferarum und Rhet. C p. 212,21 [auch p. 217,23 app.], ferner Ps.Ant.
CCAG VII, 1908, p. 118,8 und F. Boll, Sphaera, 1903, 37. F. Cumont, L'Egypte,
1937, 61 '). Ähnliche Stellen bei F. Cumont (a. 0.), 942. medici: S. zu I 3,2.
farmachiarii: Das Wort fehlt in den griechischen und lateinischen Lexika, ebenso
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40 I. Paranatellonten

II 7,1 farmaciatores. — Zu den Prognosen in L θηριοφόνους ... ά θ λ η τ ά ς ver-


gleicht S. Feraboli, Ricerche (1989), 232 Firm. math. 8,23,2 schon für Le 4 ° - 6 ° :
erìt venator; erìt athletarum magister; athleta nascetur.
5. Frigii Tibicines: "Phrygische Flötenbläser", fehlt in F. Die griechischen
Texte variieren bei diesem Sternbild besonders stark: L nennt die Flöten selbst:
Φρύγιοι αύλοί, ebenso Teukros I für Le II, vgl. Ps.Ant. ( V ) Αύλοί, dagegen
nennt Kam. 664 Flötenspieler: Φρύγιον αύλοΰντες und bildet einen Gegensatz
zum "lydischen Wagen" (αρματος τοΰ Λυδίου) beim nächsten Dekan, Le III.
Die Divergenz zwischen Flöten und Flötenspielern läßt sich harmonisieren, wenn
man einen ursprünglichen Text wie οί Αύλοί Φρύγιον αύλοΰντες voraussetzt.
Die "Bläser" wären dann keine Menschen, sondern die beiden Rohre der Dop-
pelflöte. Abu M. introd. 6,1 p. 511 Boll trennt die Verbindung Φρύγιον αύλοΰν-
τες und sagt über eine Figur in der Nähe: "ein Götze ... ; er hat Zymbeln ... und
verschiedene Gesänge", erst später folgt "eine Flöte aus dem Geweih der Gazel-
len." F. Boll, Sphaera (1903), 268f. denkt an ein Sternbild in der Nähe des als
Marsyas gedeuteten Engonasin. Wenn auch Marsyas wohl ausscheiden dürfte, so
kommt Engonasin aber in einer anderen Ausdeutung als Bezugsfigur sehr wohl
in Betracht. Ps.Ant. ( V ) nennt nicht nur die Flöten, sondern die Trias Αύλοί καί
Κύμβαλα καί Άτλας, und zwar neben einer anderen Triade, dem zweiten
Fuhrmann mit Rad und Peitsche, vgl. zu I 9,2. Demnach dürften Flöten und
Zymbeln als zwei Gegenstände in den Händen von Atlas-Engonasin zu deuten
sein (ähnliche Beispiele unter I 7,7 cranium et coronarti tenens). Wenigstens die
Zymbeln hat die Figur nach L in der Hand: Ό εχων τεταμένας τάς χείρας
[Hikesiegestus des Engonasin, vgl. zu I 8,2 semper in deum spem habentes und
zu I 9,7 orantes semper] κρατών κύμβαλα, anders jedoch Teukros I (zu Le II):
θεός τις εχων τάς χείρας ανω έκτεταμένας [...] καί κύμβαλα. Kam.663
nennt die Figur ein ειδωλον, gebraucht also das Wort, das Arat. 64 für Engona-
sin verwendet, und schließt unmittelbar die Zymbeln und dann — über den Be-
cher hinweg — die Φρύγιον αύλοΰντες an. Nach Abu M. (a. 0.) hat jener
"Götze" "Zymbeln ... und verschiedene Gesänge [αύλοΰντες]", während er die
"Flöte" abtrennt. Außerdem schreit diese Figur laut (vgl. zu I 7,3 invocai), das
paßt zu den Musikinstrumenten wie auch die phrygische Tonart zum unglückli-
chen Charakter des Engonasin (auch in seiner Ausprägung als Zweitem Fuhr-
mann). Wenn also Atlas bzw. der Gott (Teukros I: θεός τις) bzw. der "Götze"
mit Engonasin gleichzusetzen ist, dann dürften die Zymbeln und Flöten jene Ge-
genstände sein, nach denen Engonasin seine Arme ausstreckt, Krone und Leier
(vgl. zu I 7,7 cranium et coronam tenens). Die Vermutung liegt nahe, daß die
"Flöten" die Leier sind: Ein Saiteninstrument wurde in ein Blasinstrument umge-
deutet. Demnach müßten die Zymbeln die Nördliche Krone sein, und dafür gibt
es auch eine Stütze: Die Krone folgt hier unmittelbar (I 5,6) auf die "Phrygischen
Flöten(spieler)", sie besetzt mit ihnen zusammen einen 5°-Abschnitt. — Abzuleh-
nen ist die Deutung aufgrund der ekliptikalen Längen von W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 246 f., wonach Sterne in der Wasserschlange, der
Argo, dem Löwen oder der Großen Bärin gemeint seien. Frigii: Wie I 6,6
Frix. sterili tas: Übersetzt L αστοχίας (dieses Wort auch bei Vett. Val.
App. I 15), daher wohl kein Bezug zur Kastration der Gallen, wie ihn F. Cumont,

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5. Leo 41

L'Egypte (1937), 133' annimmt, sondern, wie S. Feraboli vermutet, Verwechs-


lung mit άτοκίας. [hi etiam eqs.]: Fehlt in L wie alle Todesprognosen (vgl.
zu 14,2 publice moriuntur) und wird zum Einzelgrad II 5,5 für Le 11° wieder-
holt, gehört also wohl dorthin.
6. C o r o n a : Besetzt zusammen mit den (I 5,5) Frigii Tibicines einen 5°-Ab-
schnitt, auf den einen Gegenstand in der Hand des Engonasin folgt ein zweiter:
s. o. Somit bestätigt sich die Annahme von F. Boll, Sphaera (1903), 99 f., daß hier
die Nördliche Krone gemeint ist, trotz der Bedenken hinsichtlich des genauen
Aufgangs, die W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 167 äußert. in
sacris locis conversationes h a b e b u n t : Ist unter den Fischen für Pi 16°, also
den auf den Corona-Bezirk folgenden Grad überliefert, gehört aber nach L
ΐερωσύνην "Priesterschaft" wohl hierher. Zu dieser Prognose vergleicht S. Fera-
boli, Bicerche (1989), 236 f. den Anon. a. 379 p. 199,21 άρχιερεΤς und die Ein-
zelgradprognose Firm. math. 8,25,2 für Li 3°: erunt sacerdotes. Noch genauer die
Übereinstimmung mit Ptol. apotel. 3,4,3 (Merkur mit Jupiter): έν ίεροις τ ά ς
ά ν α σ τ ρ ο φ ά ς ποιουμένους. — Von hier an fehlen die Prognosen bei sämtlichen
suis locis genannten Paranatellonten bis zum Ende des Löwen. Auch der Be-
stand der Sternbilder weicht für den Rest des Löwen von L ab: Einige sind unter
die Fische geraten, andere folgen der Version des Ps.Antiochos. Auch bei den
Helligkeitsbezirken klafft hier eine Lücke (von Le 110—Vi 5°).
7. a sexto decimo g r a d u u s q u e ad octavum d e c i m u m eqs.: Ist überliefert
unter den entsprechenden Graden der Fische, wo dieser Gradbezirk aber noch
einmal nach Teukros I von den (la 12,6) medietates Crocodili besetzt wird. Auf
der anderen Seite erscheinen in den griechischen Texten unter den Fischen we-
der Hund noch Wolf. Gegen eine Zugehörigkeit des Bezirks zum vorausgehen-
den Wassermann spricht die Tatsache, daß jener Bezirk schon zweifach besetzt
ist: einmal nach Teukros II durch (I 11,6) Gallina und ein zweites Mal — nach
dem Quellenwechsel — nach Teukros I durch die (la 11,7) medietates Equi. Auf
der anderen Seite klafft hier beim Löwen, der dem Wassermann gegenüberliegt,
eben bei Le 16°—20° eine Lücke, und dorthin gehören die Sternbilder Canis
und Lupus nach L. Canis [et L u p u s ] : Uberliefert ist in Η Canis vel Lupus,
aber F: Ii Kiens et Ii Leus. Firm. math. 8,29,13 verbindet beide Bilder, wenn er
für das Maul des Wolfes prognostiziert: comedetur a canibus, doch eine genaue
Untersuchung der griechischen Quellen führt zu dem Ergebnis, daß die beiden
Sternbilder zu trennen sind und F den richtigen Text bewahrt hat. Obwohl dieses
Lemma nicht zu den Fischen paßt (W. Hübner, Die Paranatellonten, 1975, 393),
gehört es innerhalb der Partie nach Teukros I zu Teukros II. Das beweisen die
sprachliche Form, die Prognose und die Folge Gradbezirk — Einzelgrade: All
das ist innerhalb der Umgebung von Teukros I fremd. Da das Sternbild nicht zu
den Fischen gehört, erledigt sich die These von W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 163, es handle sich um die Kleine Bärin, nach L (I 12,7) ή ο ύ ρ α
τ η ς Μ ι κ ρ ό ς Ά ρ κ τ ο υ bzw. V1 κυνός ούρά, jeweils unter den Fischen. In L er-
scheint etwas Ähnliches an zwei Stellen: beim Wassermann und diametral gegen-
über beim Löwen. Wegen der Nachbarschaft zu den Fischen liegt es nahe, den
ursprünglichen Ort zunächst beim Wassermann zu suchen. Dafür könnten fol-
gende Gründe sprechen:
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42 I. Paranatellonten

a) Das Sternbild Λύκος erscheint I 11,3 bei Aq 8 o —10° (Teukros I erwähnt den
Wolf zu Aq III). Es könnte sich also um eine Dublette im Nachbarsternbild
handeln, vgl. zu I 3,7 sexto decimo.
b) Statt des Wolfs bietet V 1 κυνός οίστρος (Hexameterschluß? Vgl. F.Boll,
Sphaera, 1903, 3 6 ) und Ps.Ant. (V : ! A) am Ende von Aq κύνα κατέχων τις,
vgl. im LH I 11,3 Lupus, qui comedit manum Hippocratoris. Die in Η überlie-
ferte Alternative Canis vel Lupus entspricht also der Alternative Hund (V',
Ps.Ant.) oder Wolf (L, Teukros I), jeweils beim Wassermann.
c) Bei 1 1 1 , 3 Lupus fehlt die Prognose, und die unter den Fischen gegebene Pro-
gnose könnte diese Lücke füllen.
Hier liegt nun aber ein Ansatzpunkt für die Annahme, daß das verirrte Lemma
nicht zum Wassermann, sondern zum diametral gegenüberliegenden Löwen ge-
hört. Dafür spricht Folgendes:
a) L führt beide Sternbilder, und zwar getrennt, beim Löwen auf (I 5,7—8); das
Exc. Barocc. II p. 465,21 nennt dort immerhin den Λύκος.
b) Die Sternbilder folgen in L der Nördlichen Krone (I 5,6), und dort klafft im
LH eine Lücke im Gradsystem ( L e 16 o —20°), der unter den Fischen angege-
bene Bezirk Pi 16 o —18° paßt also genau an den Anfang dieser Lücke (s. o.).
c) Auch die Prognosen sprechen dafür, daß Canis und I.upus zu trennen sind,
contentiones, r i x a s : Gehört nach L ερίν nur zum Hund, vgl. zu I 3,7 Canis mit
der Prognose pugnatores und zu I 8,4 Canis mit der Prognose amatores conten-
tionum, rixatores (εριστικούς L) bei Sc 12°(?)—16°: Geviertschein, ferner L
(I 12,7) ή ούρα της Μικράς Άρκτου [ = Kynosura] μάχας. rapiñas:
Gehört zum Wolf, s.u. custodias: Gehört nach L φυλακήν wieder zum
Hund, vgl. im übrigen zu I 3,3 carcerem, vincula und zum Gradbezirk VI 3,6
Vinclum.
8. ( a nono decimo usque ad v i c e s i m u m ) : Der Rest der Lücke L e 16°—20°
nach Abzug des für die Fische überlieferten Bezirks [Pi] 16 o —18°. Wenn Hund
und Wolf zu trennen sind, liegt es nahe, den ersten Bezirk Le 16 o —18° nur dem
Hund und den zweiten Bezirk Le 19°—20° nur dem Wolf zuzuweisen. Beide zu-
sammen besetzen wieder einen 5°-Abschnitt. L u p u s : Wird im Exc. Barocc.
II p. 4 6 5 , 2 1 zum Löwen genannt, und zwar vor dem Sternbild Σκάφος = L το
μέρος του Πλοίου (Σκάφος ist das Wort des Teukros I bei den Dekanen Le I
und Le II). Der LH kennt das Schiff an dieser Stelle zwar nicht, vgl. jedoch zu
I 3,5 Navis. F.Boll, Sphaera ( 1 9 0 3 ) , 2 8 2 f . und 4 0 8 setzt diesen Wolf zweifelnd
mit dem Tier des Kentauren gleich, das noch heute Lupus heißt. Ihm scheint
W. Gundel, Neue astrologische Texte ( 1 9 3 6 ) , 252 f. zu folgen. Andernorts
(S. 163) identifiziert Gundel den Wolf aufgrund dieser Stelle mit Kynosura, doch
wird dieser Identifizierung der Boden entzogen, wenn man die Bilder Hund und
Wolf trennt. rapiñas: Gehört nach L ό Λύκος άρπαγήν nur zum Wolf
und sprengt damit die Prognosen für den Hund. Weniger genau stimmt diese An-
gabe mit der Prognose für den Wolf beim Wassermann überein (I 11,3): άρ-
παγήν άλλοτρίων (im LH ausgefallen). Nach dem Teil des Schiffs bietet L
noch einmal ein ähnliches Sternbild mit ähnlicher Wirkung: ό τοξεύων Λυκο-
πρόσωπος ληστάς, έπιβούλους. Dieses Sternbild heißt bei Teukros I (zu Le I)
wiederum ό Κυνοπρόσωπος τοξεύων (vgl. Ps.Ant. V Τοξευτής) — also wie-

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5. Leo 43

der eine Alternative von Hund und Wolf. Welches Sternbild gemeint sein
könnte, ist ungewiß: F. Boll, Sphaera (1903), 262. [custodias]: Gehört über
die Wolfsprognose hinweg wieder zum Hund, s.o. multum comedentes:
Nichts Entsprechendes in L, weder beim Hund noch beim Wolf. Für den letztge-
nannten spricht das Sternbild I 11,3 Lupus, qui comed.it manum Hippocratoris
(s. d.) und die Hervorhebung des Wolfsmaules bei Firm. math. 8,29,13, vgl. im
übrigen über die Gefräßigkeit des Löwen W. Hübner, Die Eigenschaften (1982),
556 zu Manil. 4,538—541. Die Einzelgradprognose Firm. math. 8,30,7 für
Pi 18°: multum cibum sumens, die S. Feraboli, Ricerche (1989), 228 beizieht,
könnte unserer Umstellung widersprechen, wenn dort nicht auch eine Parallele
zu I 12,3 καταπότας, γαστριμάργους bestünde.
9. a vicésimo primo: Hier folgen drei Teukros-Paranatellonten ohne Pro-
gnose unmittelbar aufeinander und nach dem Einzelstern VII 5,4 Denebola dann
noch ein viertes, ebenfalls ohne Prognose. Es handelt sich wohl um die nachträg-
liche Ergänzung einer Lücke: Hydria nach Ps.Antiochos (V:i), wofür I 5,10 Lava-
torium wohl nur eine Übersetzung ist, dann 15,11 Ancipiter, der beim Löwen
sonst nirgends belegt ist und als Kleiner Bär hier wohl komplementär zu I 5,12
Typhon = Großer Bär erscheint. Hydria: W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 203 konjiziert Hydr[i]a, vgl. F Ydre. Dafür könnte sprechen, daß,
wenn 'Υδρία den Becher bezeichnet, dieser schon I 5,2 als Crater bei Le 4°—5°
genannt worden ist, hier also fehl am Platze ist und daher auch in L an dieser
Stelle zu Recht fehlt. Dagegen sprechen aber folgende Gründe:
a) Der Name für die Wasserschlange lautet in diesem Kapitel stets in der masku-
linen Form Hydrus, s. u. zu II 4,10 llydri
b) Auch Ps.Ant. (V3) nennt unter dem Löwen den Namen Υδρία; dann auch
noch einmal unter den Fischen (V1 zum Wassermann): F.Boll, Sphaera
(1903), 132.
c) Bei dem weit ausgedehnten Sternbild der Wasserschlange werden sonst ge-
nauer Kopf, Mitte oder Schwanz genannt, vgl. zu II 4,10 caput Hydri, ferner
W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 391".
F. Boll (a. 0.) deutet die Hydria als Krug des Wassermanns, bei dem sie in V1 er-
scheint, dagegen spricht aber jetzt im LH die zusätzliche Positionsangabe quae
est subtus Ursam : Demnach handelt es sich um ein nördliches Sternbild. Unkri-
tisch nach Gundel A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 190 und A. Le Bœuffle,
Les noms (1977), 143. Vielleicht ist Hydria identisch mit dem 15,10 folgenden
Lavatorium: Beide Bilder besetzen zusammen den 5°-Abschnitt Le 2Io—25°.
Die Namen identischer Sternbilder folgen auch sonst bisweilen aufeinander, s. zu
14,4 Praesepe. In L sind die drei Bezirke 15,9—11 bei Le 21o—27° anders be-
setzt (voraus geht in H die Verschiebung von I 5,7—8 Canis und Lupus), den-
noch bietet auch L die Spur eines Wassergefäßes, nämlich in der Hand eines
Knaben: ό Μεχραξ ό τον κρατήρα βαστάζων. Wieder anders der LH im
nächsten Lemma (I 5,10) Lavatorium in mediis Draconis, was an den Becher auf
der Wasserschlange (I 5,2) erinnert — also ein ganzes Nest von Verwirrungen,
quae est subtus Ursam: Demnach kann es sich bei Hydria weder um den Be-
cher noch um den Krug des Wassermanns handeln (s. o.), im übrigen ungewöhn-
liche Doppelung zu 15,11 Ancipiter, qui est subtus Lavatorium, doch dort
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44 I. Paranatellonten

scheint ein Fehler vorzuliegen. Uber die mangelnde Scheidung zwischen den bei-
den Bärinnen s. zu I 2,9 Ursa.
10. Lavatorium in mediis Draconis: Besetzt zusammen mit 15,9 Hydria
einen 5°-Abschnitt, von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 265 und
272 als der Becher auf der Wasserschlange gedeutet. Gundel muß demnach in
mediis Draconis als Hydra auffassen, vgl. I 5,1 medietates Hydri, und tatsächlich
heißt die Hydra einmal bei Hipparch (1,10,19) Δράκων. Stimmt diese Gleichset-
zung, dann können I 5,9 Hydria, quae est subtus Ursam (also im Norden) und
Lavatorium in mediis Draconis (also im Süden) keine identischen Sternbilder
bezeichnen, sondern höchstens ein komplementäres nord-siidliches Paar. Wenn
es aber im Folgenden heißt, der Ancipiter ( = Kleiner Bär: s. zu 19,8) befinde
sich unterhalb des Lavatorium, dann ist das Lavatorium auf der Nordhalbkugel
zu suchen: Es dürfte mit Hydria identisch sein. Dann bedeutet in mediis Draco-
nis die Mitte des Polardrachens, und der Gedrittschein zu 18,7 Crater bei
Sc 24°—25° wäre nur ein Zufall.
11. Ancipiter: Besetzt zusammen mit I 5,12 Typhon den letzten 5°-Abschnitt
des Löwen. F.Boll, Sphaera (1903), 295f. kannte den Ίέραξ nur als Dodeka-
orostier des Schützen, vgl. zu I 9,8 anterior pars Ancipitris. W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 265 denkt bei dem Sperber unter dem Löwen zwei-
felnd an den Raben und vergleicht Darstellungen auf ägyptischen Himmelsbil-
dern zwischen den Zwillingen und dem Krebs. Da der Sperber in allen griechi-
schen Texten beim Löwen fehlt, könnte man eine Korruptel in Betracht ziehen.
L nennt folgendes Sternbild: ό ΜεΤραξ ό τον κρατήρα βαστάζων. Der
Schreiber von Η könnte μεΐραξ zu ίέραξ verlesen und das Übrige zurechtgebo-
gen haben: Ancipiter, qui est subtus Lavatorium. Auf der anderen Seite spielt
aber auch der Gedrittschein eine Rolle, vgl. W. Hübner, Die Paranatellonten
(1975), 405:

Löwe Schütze

15,11 Le 26 o —27° Ancipiter 19,8 Sa 27°—30° pars Ancipitris


15,12 Le 28°—30° Typhon 19,8 Sa 27°—30° Venator

Da Typhon nach Plutarch der Große Bär ist (s. u. zu I 5,12), dürfte Ancipiter hier
nicht den Orion (so Plut. De Isid. 21 p. 359 c ), sondern den falkenköpfigen Ho-
ras, den Gegner Typhons, bezeichnen, Punktualität siegt über diffuse Exuberanz:
W. Hübner, Manilius (1984), 2 0 2 - 2 0 7 . Der bei Sa 2 7 ° - 3 0 ° im Gedrittschein
hierzu stehende Ancipiter dürfte mit dem an seiner Seite genannten Venator
identisch sein und den Kleinen Bären bezeichnen, vgl. zu I 3,3 Draco et Ursa et
Venator. Dagegen handelt es sich bei I 9,2 Ancipitris faciem habens wohl um ein
Versehen, s. d. qui est subtus Lavatorium: Eigenartige Doppelung zu I 5,9
Hydria, quae est subtus Ursam, offensichtlich ein Fehler: Wenn Hydria unter-
halb der Bärin liegt und die Bärin mit dem Sperber identisch ist, kann der Sper-
ber nicht unterhalb des Lavatorium = Hydria liegen.
12. Typhon: Besetzt zusammen mit I 5,11 Ancipiter den letzten 5°-Abschnitt

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5. Leo 45

des Löwen. Hier stimmt der LH zum ersten Mal nach I 5,6 Corona wieder mit L
überein. Nach Plut. De Isid. 21 p. 359 (: ist Typhon der Große Bär, vgl. F.Boll,
Sphaera (1903), 1 6 2 - 1 6 4 . H. Gundel, Ursa (1961), 1 0 3 7 , 2 3 - 3 2 . Die Zweifel
und Alternatiworschläge von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 216
(η UMA oder Becher/Hydra) sind abwegig. Für den Großen Bären sprechen
auch der Geviertschein zu I 2,9 Ursa bei Ta 28 o —30° und die dort genannten
Aspekte. — Der bisher unerklärte Zusatz in F Tifón c'est a dire flueves bezieht
sich vielleicht auf den die beiden Bären durchwindenden Polardrachen (vgl. zu
I 3,3 Draco et Ursa et Venator) nach der dichterischen Beschreibung bei Arat. 45
οϊη ποταμοΐο άπορρώξ, hierzu W. Hiibner, Manilius (1984), 209 228 . — Ty-
phon ist auch der Name einer Kometenart: W. Gundel, Kometen (1921), 1178f.,
vgl. zu I 10,13 (Lucina). faciunt stolidos, insipientes: Angeschlossen
an den Wetterbezirk IV 5,4 bei Le 29°. 30°, gehört nach L μωρούς hierher.
Die übrigen Typhonprognosen sind im LH ausgefallen. Die Prognose έπι-
βούλους wiederholt L im Sextilschein hierzu 17,10 für die Zwei Schädel bei
Li 2(9)°—30°.

6. Virgo

1. Spica: V1 und Ps.Ant. (V3) nennen hier eigenartigerweise den Plural στάχυες,
es handelt sich wohl um den Rest einer poetischen Ausgestaltung, die die Gran-
nen der Ähre mit einbezog, vgl. Manil. 5,27Of. cum ... \ Spica feret prae se val-
lantis corpus arìstas. Die Ähre steht als Teil der Jungfrau (α VIR) am Anfang, s. o.
zu 12,1 Pliades, und besetzt zusammen mit der wohl identischen (16,2) Ma-
chaera bei Vi 4°—6° einen 6°-Abschnitt. Firm. math. 8,24,4 läßt sie mit Vi 8° auf-
gehen, die richtigen Längen sind jedoch viel später am Ende der Jungfrau anzu-
setzen: Unter den Einzelsternen erscheint Spica infolge der Präzession sogar erst
am Anfang der Waage: VII 7,1. e r u n t a u t e m eqs.: Gehört wohl über den
Gradbezirk VI 6,1 Via hinweg hierher, auch wenn L viel knapper ist. dis-
pensatores, p r o c u r a t o r e s : Nicht in L, klingt nach dem Einfluß Merkurs, der
den Bezirk Vi I o —7° regiert (V6,l), vgl. dispensatores als Wirkung Merkurs
V 2,2 und V 8,3. divites, ... s e m p e r a b u n d a n t e s : Übersetzt wohl L εύθη-
νίαν και πλοΰτον. [aliquando eqs.]: Nicht mehr in L, wohl eine Einzel-
gradprognose (II 6,1), an die sich die Prognose II 6,2 bei Vi 3°.4° glatt anschließt.
2. M a c h a e r a : F.Boll, Sphaera (1903), 222f. verweist auf das Rundbild von
Dendera, wo die Nilpferdgöttin ein nach unten gerichtetes Messer hält (darunter
die Jungfrau eine nach oben gerichtete Ähre). Er denkt nach H. Brugsch zwei-
felnd an Sterne des Löwen, vgl. R. A. Biegel, Zur Sternastrognosie (1921), 15f.:
Sterne in der Locke der Berenike. Anders dann F.Boll, Offenbarung (1914),
84 3 : das Messer des "Vorwinzers" (Προτρυγητήρ, ε VIR), wohl auch wegen der
Prognose in L θέρος σύντομον. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
225 erwägt dagegen wohl richtig eine Umdeutung der stacheligen Ähre, weil Se-
rapion p. 97,7 die Jungfrau als ξιφήρης bezeichnet, vgl. die Aufeinanderfolge in
VI ξίφος, στάχυες und das Exc. Barocc. I p. 465,7 στάχυς, μάχαιρα (vgl. Ζ. 4
die identischen Gegenstände ξίφος, κηρύκιον), wozu vielleicht auch das Neben-
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46 I. Paranatellonten

einander von στάχυς und αροτρον zu rechnen ist, s. u. zu I 6,6 aratrum, vgl.
W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 410. Dens., Die Eigenschaften (1982),
127 und 5 6 6 - 5 6 8 zu Manil. 5,270f. Dens., Manilius (1984), 217. Mit dieser
Umdeutung hängt wohl auch die verschiedene Beurteilung des Planetentempera-
ments von Spica zusammen: Venus und Mars nach Ptolemaeus, aber Venus und
Merkur nach Rhetorios, s. u. zu VII 7,1. Hinzu kommt, daß Spica und Machaera
zusammen den Abschnitt Vi I o —6° belegen: Über die Aufeinanderfolge verschie-
dener Namen für identische Sternbilder vgl. zu I 4,4 Praesepe. Wieder nach
F.Boll richtet sich W. Gundel, Paranatellonta (1949), 1249 f.: die Nilpferdgöttin
Thueris mit dem Messer, doch das bedeutet gegenüber der 1936 geäußerten
Identifizierung mit Spica einen Rückschritt. — An die μάχαιρα in der rechten
Hand des Perseus (Ptol. apotel. 1,9,17) oder an die μάχαιρα Orions (Ptol. synt.
8,1 p. 134,19) hat zu Recht niemand gedacht. Auszuscheiden hat wohl auch das
Schwert, das Theseus-Engonasin unter dem Felsen hervorholt (Hyg. astr. 2,6,2),
vgl. zu I 3,4 incisores lapidum. — Die Prognose ist ausgefallen, in L erscheint
eine in diesem System seltene Wetterprognose (?): θέρος σύντομον, "kurzer
Sommer", die im Gedrittschein zu I 2,2 βροχάς = pluviosos bei Ta 4°—7° steht,
doch keinerlei Bezug hat zum Wetternotat IV 6,1 australes bei Vi4°.5°, der im
Gesamttext sogleich folgt.
3. { M u s a ) deferens parvam lyram: Davor nennt L (I 6,2a) den Kopf der
Hydra, den der LH zu den Einzelgraden (114,10) Can 18°. 19° und (114,13)
Can 22 o —23° erwähnt, s.d. — Die Ergänzung {Musa) ist gesichert durch F
Musa portons une petite harpe und L Μούσα βαστάζουσα την μικράν λύ-
ραν, vgl. das Exc. Barocc. II p. 465,22 Μοΰσα λυρίζουσα und Ps.Ant. unter
der Waage: Λύρα καί Μοΰσα λυρίζουσα. Eine ähnliche äußere Form hat die
Bezeichnung des folgenden Sternbildes I 6,4 Lucina sedens et baiulans puerum
bei V i l i 0 — 1 3 ° , also Umdeutung desselben Bildes? Die von F.Boll, Sphaera
(1903), 273 aufgelisteten Texte sind widersprüchlich: Teukros I spricht von
einer leierspielenden Muse (Μοΰσα λυρίζουσα sim.), Teukros II von einer lei-
ertragenden Muse und Ps.Antiochos (a. 0 . ) von einer Leier und einer leierspie-
lenden Muse. F. Boll lehnt zunächst eine Identifizierung mit Engonasin-Orpheus
ab und vermutet die leierspielende Muse in der Nähe des (I 3,7) Satirus =
Orion (nach Abu M. introd. 6,1 p. 504 zu Cani). Geht man jedoch von einer
Gleichung Satirus = Ophiuchos aus, dann könnte die leierspielende Muse doch,
wie von F. Boll zuerst erwogen, eine der vielen Deutungen des Engonasin sein,
denn dieser streckt seinen linken Arm nach der Leier aus: Hyg. astr. 3,6 Lyra ...
posita est contra regionem eius loci, qui locus est inter genu et manum sinistram
eius qui Engonasin vocatur, vgl. zu 13,6 ex parte quidem Coronae. Hinzu
kommt, daß Abu M. introd. 6,1 p. 507. 515. 517 Boll einen männlichen Spieler
annimmt (vgl. auch zu VII 9,4 Λυρικός) und daß beide Sternbilder umgekehrt
am Himmel abgebildet sind. Ps.Eratosth. catast. 24 stellt eine weitere mythologi-
sche Verbindung her: Orpheus ist der Sohn der Muse Kalliope. Er erweitert die
ursprüngliche Siebenzahl der Saiten, die der Zahl der Pleiaden entspricht, zur
Neunzahl, die der Zahl der Musen entspricht; außerdem sei die Lyra das neunte
Sternbild am Himmel. — Kosmas von Jerusalem CCAG VIII 3 (1912), p. 121,18
nennt Μοΰσα als σύνοικος in der Jungfrau. — Im übrigen besteht ein Sextil-

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6. Virgo 47

schein zu 14,4 Lyra, Lyrizans bei Can8°—10° [7°—8° trad.], wo auf Wega und
die Leier (VII 9,4—5) verwiesen wird. deferens : Heißt nicht "herabbrin-
gend", etwa in dem Sinn, daß die Leier — ebenso wie Engonasin (vgl. zu I 1,4 ca-
put habens inferius et pedes superius) — umgekehrt am Himmel abgebildet ist:
Manil. 1,627 lyram inversam und Hyg. astr. 3,6, vgl. zur Kreuzung der Bewe-
gungen an der Herbsttagundnachtgleiche W. Hübner, Manilius (1984), 219 f., fer-
ner die arabische Vorstellung vom fallenden Adler: P. Kunitzsch, Arabische
Sternnamen (1959), 138 Nr. 52 und 218 Nr. 198. Nach L βαστάζουσα bedeu-
tet das Wort schlicht "tragend" wie I 1,8 Qui defert lucernas ( = II 1,1 Deferens
candelabra[m]) und 18,1 Hippocentaurus, qui defert leporem. parvam ly-
ram: Nach F. Boll, Sphaera (1903), 105 unterscheidet das Adjektiv "klein" diese
Leier von der klassischen Leier. Weil jedoch auch die klassische Leier ein klei-
nes Sternbild ist (vgl. VII 9,5: Ausdehnung 6°50'), könnte es sich genausogut auf
jene beziehen. Vgl. zu II 10,6 parva Lyra (pars Lyrae trad.). medi(o)s
eqs.: Die Prognose ist von der Aufgangsangabe durch den Wetterbezirk IV 6,2
und den Helligkeitsbezirk III 6,2 getrennt. medi(o)s, dirigentes ad disci-
plinas artium: So interpungiere ich, entsprechend auch in L: τούς μέσους, έμ-
παΐδεύτους. Vgl. die Einzelgradprognose II 10,28 für Cap 29° moderatos, erudi-
tos, ferner vom Merkurbezirk V 6,1 bei Vi Io—7° a disciplina vitam habentes. —
Eher zu diesem Sternbild passen die Einzelgradprognosen Firm. math. 8,24,6 für
Vi 13°: citharoedi vel hymnologi und für Vi 14°: musici, vgl. S. Feraboli, Ricer-
che (1989), 223.
4. Lucina sedens et baiulans puerum: Die äußere Form der Beschreibung
stimmt mit dem zuvor genannten Sternbild I 6,3 (Musa) deferens parvam lyram
überein. F. Boll, Sphaera (1903), 210—212 denkt hier nach Teukros I (zu Vi I:
θεά τις έπί θρόνου καθεζομένη καί τρέφουσα παιδίον, ήν τίνες λέγουσι
την έν άτρίω θεάν ΤΙσιν τρέφουσαν τον Ώρον) an die als Isis gedeutete
Jungfrau selbst, er hat aber diese Deutung später widerrufen: F.Boll, Die vierte
Ekloge (1920/3), 336. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 221 möchte,
im Ansatz verfehlt, aufgrund der ekliptikalen Längen einzelne Sterne der Jung-
frau erkennen. — Das Sternbild Eileithyia kommt in L noch einmal I 10,13 am
Ende des Steinbocks vor, wo es im LH fehlt. Ein ähnliches Sternbild nennt Teu-
kros I zu Arili: ή Κασσιέπεια επί θρόνου καθεζομένη (ist wohl als ein ein-
ziges Sternbild aufzufassen, so jedenfalls Kam. 295 f. καλή γονίτζα, | ήτις καί
Κασσιέπεια έν θρόνω καθημένη und Abu M. introd. 6,1 p. 499 Boll) ent-
sprechend zu Cap II Είλείθυια έπί θρόνου καθεζομένη (Kam. 1337 Γυνή
έπί θρόνου), wo V1 Βασίλισσα liest, vgl. Pap. Οχ. 108 zu Pi Γ—5°: γυνή
καθεζομένη έπί θρόνου, daher hat F.Boll (a.O.), 107 dieses Sternbild zu-
nächst richtig mit Kassiopeia gleichgesetzt, vgl. Arat. 655 έκ δίφροιο und Ps.
Eratosth. catast. 16 έπί δίφρου καθημένη. Später (a. O. 212—216) zieht er für
Είλείθυια auch die Jungfrau selbst in Betracht, bleibt aber bei seiner Deutung
als Kassiopeia, dagegen wendet sich jedoch A. Rehm, BPhW 24 (1904), 1042 !,
daher hat Boll auch seine Deutung als Kassiopeia später widerrufen : CCAG VII
(1908), p. 143,21 und p. 144,9. Ders., Offenbarung (1914), 105': eher die Jung-
frau des Tierkreises. Dennoch tritt W. Gundel, Paranatellonta (1949), 1237 wie-
der für die Gleichung Kassiopeia = Eileithyia ein, anders jedoch ebenda 1248
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48 I. Paranatellonten

(wie schon 1936 vertreten) Lucina = Virgo mit Hinweis auf die Dekangöttin
"Die Schwangere(n)" bei Vi II. Vgl. auch K. Preisendanz, Akephalos (1926), 73 f.
Nach dem Text des Teukros I kommt am ehesten Kassiopeia in Frage. Die Um-
deutung eines ganzen Tierkreiszeichens gibt es sonst (mit Ausnahme vielleicht
der Dodekaoros) bei Teukros nicht, und Teile der Tierkreiszeichen selbst er-
scheinen sonst ganz am Anfang, s. zu I 2,1 Pliades. sedens: Gegensatz ist
I 6,7 Puella, quae stai super cauda Hydri. Nach dem Trigonalsystem gehört die
Jungfrau zu den 'sitzenden' Tierkreiszeichen, sie wird jedoch gegen das System
als stehend angesehen: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 116f. und 484f.
Ders., Manilius (1984), 160—164. baiulans puerum: Gegen die Deutung
von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 221 "mit den Schultern wie
ein Lastträger tragen" richtig A.D.Nock in seiner Rezension (1939), 360': Lu-
cina hält das Kind in den Armen, nach L άγκαλιζομένη, vgl. V1 τροφός μετά
παιδός [Boll p. 36, παίδων cod.], wohl Hexameterschluß: F.Boll, Sphaera
(1903), 36 und 210. [vocatur Providentia, lus]: Durch die Formel vocatur
als zwei Namen eines Gradbezirks (VI 6,2) gekennzeichnet, deutlicher F, der nur
einen Namen kennt: est ycius lius dis Pruderne, aber anders L: πρόνοιαν,
δίκην als zwei Wirkungen der Eileithyia, wobei aber wohl das Wort ΤΓΟρνεία zu
πρόνοια entstellt ist wie V I 1,2, vgl. 110,13 ή Είλείθυχα τοκετόν έκ πορ-
νείας. Der Grund für die Verwirrung liegt in einer schon frühen Kombination
des Teukros-Paranatellons Eileithyia mit dem planetenlosen Gradbezirk VI 6,2
Prudentia, lus, der an die arateische Deutung der Jungfrau als Dike erinnert,
aber zu plakativ W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 221 (vgl. 278):
"Bezeichnungen der Jungfrau als Dike und Pronoia", ebenso Ders., Paranatel-
lonta (1949), 1248. Selbst A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 233 unterscheidet
zu wenig zwischen Tierkreiszeichen und Gradbezirk, obwohl er die Systeme
richtig geschieden hat. — Auch im Text von I 7,9 Nauclerus super equo ent-
spricht im LH ein Eigenname einer Prognose in L, s.d. facit eqs.: Gehört
wohl wieder als Prognose zu Lucina, obwohl sich der Text nicht genau mit L
deckt. iudices: In F anstelle des fehlenden zweiten Namens lus doppelt
übersetzt: fait juges, iustes. Anders L έξκέπτορας ( = exceptores, vgl. Firm,
math. 3,5,25. 3,10,14) "Schreiber", also sehr nahe an der folgenden Prognose.
Der LH hat seine Prognose an den zweiten Namen des interpolierten Gradbe-
zirks (VI 6,2 lus) angeglichen. Zum Übergang von Juristen zu Schreibern vgl.
immerhin Firm. math. 3,5,25 (u. a. Merkureinfluß) aut advocatos aut iure [iuris
var. 1.] peritos aut scribas aut exceptores. chartularios : Eine eher merkuria-
lische Prognose, vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 562 zu Manil. 4,197
(über die Jungfrau) hinc et scriptor erit velox eqs., ähnliche Prognosen bei F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 70 2 . Merkureinfluß herrscht auch im folgenden Gradbe-
zirk VI 6,3 bei Vi 14°—15°, besonders in der dort eingesprengten Bezeichnung
Habitatio vel Exaltatio Mercurii, vgl. dort zur Prognose scribas diligentes.
dictatores: Anders L εντολείς "Agenten".
5. a quarto decimo usque ad quintum decimimi gradum: Ist so nur für die
Prognose des Raben zusammen mit dem Gradbezirk VI 6,3 Fortitudo überliefert,
s. d. Der Name des Raben erscheint dagegen an viel späterer Stelle erst nach dem
Jupiterbezirk V 6,3 Gloriae bei Vi 18°—21° (Gesamttext Z. 493): in alio, octavus
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6. Virgo 49

decimus et nonus decimus gradus est Corvus, doch F liest suo loco, d. h. vor dem
Gradbezirk VI 6,3 Fortitudo bei Vi 13°—15°: dou 14 iusques au 15 naist Ii Cor-
baus. Demnach ist die Erklärung von W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 278 für in alio "in einem anderen Buche" zu ersetzen durch "in einem
anderen Gradbezirk" (sc. loco oder gradu): W. Hübner, Die Paranatellonten
(1975), 391. Während F hier gegen H das Ursprüngliche bewahrt hat, schert er
im System der Planetenbezirke genau an dieser Stelle (Vi 14°) aus, s. zu V 6,3 oc-
tavo decimo. Es scheint, als habe die gemeinsame Vorlage den Aufgang des Ra-
ben so eng mit dem Jupiterbezirk V 6,3 verbunden, daß F beide mit Vi 14° und
H beide mit Vi 18° beginnen läßt. est: Aber F naist = oritur. Hier wohl,
weil statt eines Bezirks zwei (falsche) Einzelgrade genannt werden, vgl. zu I 1,3.
Corvus: Wird dreimal genannt, s. zu I 5,2 Corvus. Da der Rabe hier genau in der
Mitte der Jungfrau angesiedelt wird, gibt es vielleicht einen Bezug zu einer Unre-
gelmäßigkeit bei Kam. 1618—1624. Dort erscheint der Rabe anstelle des Kroko-
dils bei allen drei Dekanen der Fische, "offenbar falsch": F. Boll, Sphaera (1903),
295'. Es sei jedoch daran erinnert, daß die Tiere der Dodekaoros bisweilen in
der Mitte der Tierkreiszeichen angesiedelt werden, etwa der Bock bei der Waage
und der Affe beim Steinbock: W. Hübner, Manilius (1984), 187—191. Für eine
Ansiedlung in der Mitte des den Fischen gegenüberliegenden Zeichens der Jung-
frau gibt es allerdings bisher keine Parallele. facit etiam eqs.: Im Gesamt-
text falsch an den Gradbezirk VI 6,3 Fortitudo angeschlossen, jedoch mit der
richtigen Gradangabe Vi 14°—15°. pronosticationem : Dieselbe Wirkung
hat der Rabe I 5,2 bei Le 4°—5°, weil er dem Apollo heilig ist, vgl. Hyg. astr.
2,40,1. S. Feraboli, Ricerche (1989), 233 vergleicht die Einzelgradprognosen
Firm. math. 8,34,1 f. schon für Vi 2°—6°: prophetae, haruspices und für Vi 7°:
haruspices.
6. a sexto decimo usque ad octavum decimum: Das Wort für den Aufgang
fehlt hier, dafür erscheint dann significai, ebenso I 10,10. Daher ist nicht etwa
(oritur) zu ergänzen. Frix figens aratrum et tenens navem: Hier nach
Ps.Ant. (V:!) Φρύξ αροτρον πήσσων [πηγνύων Α] και πτύον εχων, anders L
ό Βουκέφαλος ό εχων το αροτρον. Der LH nennt den (I 6,9) Bucephalus
erst am Ende der Jungfrau. Es handelt sich also wohl um zwei verschiedene Fi-
guren, die L falsch verbunden hat (der Codex ist in der gesamten Schlußpartie
der Jungfrau lückenhaft). F. Boll, Sphaera (1903), 227—232 folgt L und interpre-
tiert beide Figuren als Umdeutungen des klassischen Bootes, der sonst bei Teu-
kros II fehlt, danach W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 228 f. Ders.,
Paranatellonta (1949), 1236 und 1250. A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 94f.
S. Feraboli, Ricerche (1989), 233. Die Identifizierungen sind jedoch unsicher.
Frix: "Phrygier", vgl. 15,5 Frigii Tibicines. aratrum: Galt auch als geson-
dertes Sternbild, V1 nennt das Sternbild Αροτρον unter dem Skorpion und Teu-
kros I bei Vi II und III; neben Spica nennt das Bild lui. p. 188,21 το 'Αροτρον,
ό Στάχυς und CCAG Vili 4 (1921), p. 250,2 του Στάχυος καί του Αρό-
τρου, dazu F.Boll, Sphaera (1903), 227-232, etwas anders Nigid. frg. 102 bei
Serv. auct. georg. 1,19 Nigidius sphaerae barbaricae sub Virginis signo Arato-
rem [sc. esse dicit], quem Horon Aegypti vocant. Hier könnte allerdings eine Ver-
wechslung mit Venator vorliegen, s. zu I 3,3 und I 9,8. Im übrigen erinnert die
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50 I. Paranatellonten

Kombination von στάχυς und άροτρον bei lui. und Ps.Ant. an den Parallelis-
mus von Spica und Machaera (16,1—2). tenens navem: Übersetzt falsch
πτύον εχων "eine Worfschaufel haltend", dazu F.Boll, Sphaera (1903), 231 f.
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 229 wagt nicht zu entscheiden, was
richtig ist, doch ist es wahrscheinlicher, daß der Übersetzer das seltene Wort
πτύον in πλόϊον verlesen hat, als daß umgekehrt in der griechischen Tradition
aus πλοιον πτύον geworden wäre. Da das Wort navem hier falsch ist, besteht
auch kein Bezug zu I 4,2 Qui movet navem. significat iustitiam eqs.: Fehlt
in L, der sogleich den Bucephalus mit Prognose anschließt. Da das Wort signifi-
cat von Teukros II gebraucht wird (vgl. zu I 1,9), gehört diese Wirkung hierher
und nicht etwa zum Gradbezirk VI 6,2 lus. significat: Dieses selten gesetzte
Verbum (gr. δήλο!) erspart hier das Verbum für den Aufgang, ebenso I 10,10,
vgl. im übrigen zu I 1,9.
7. Puella, quae stat super cauda Hydri: Fehlt in dieser Form in allen grie-
chischen Texten einschließlich L, in dem auch das folgende Lemma I 6,8 fehlt.
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 204 und 259 und Ders., Paranatel-
lonta (1949), 1239 f. setzt dieses Mädchen mit dem auf der Wasserschlange ste-
henden Raben gleich, der 15,2 bei Le 4°—5° erwähnt wird : ό έφεστώς Κόραξ
και ό Κρατήρ. Gegen Ende des Löwen findet sich nur in L etwas Ahnliches: ό
Μεΐραξ ό τον κρατήρα βαστάζων, an entsprechender Stelle auch Teukros I
(zu Li III): Μειράκιον μικρόν ... καί τα μέσα του Ύδρου [της "Υδρας
var. 1.]. Auch die Verbindung mit der Hydra (samt deren Ausrichtung, s. u.) weist
auf den Ersten Teukrostext. Der Name Puella dürfte also auf den zu einem Μεϊ-
ραξ/Μειράκιον umgedeuteten Raben zurückgehen. Die Gradangabe für den
Raben bei Vi 18°. 19° scheidet allerdings als Begründung aus, denn sie ist falsch
(s. zu I 6,5 Corvus). Auf den ägyptischen Sternhimmel weisen die entsprechen-
den Abbildungen auf den beiden Himmelsbildern von Dendera: Dort steht tat-
sächlich eine weibliche Gestalt auf dem Schwanz des Löwen und dieser wie-
derum auf der Wasserschlange. Mit dem Mädchen auf dem Schwanz des Löwen
könnte die Jungfrau selbst gemeint sein, denn ihre Sterne ragen weit in das Re-
vier des Löwen hinein: W. Gundel, Parthenos (1949), 1936. W. Hübner, Das
Sternbild (1977), 60f. Ders., Die Eigenschaften (1982), 103f. stat: Wie die
Jungfrau selbst: Manil. 2,248. Vett. Val. 1,2,49 σχήματι Δίκης έστώς [viel-
leicht zu lesen σχήμά τι Δίκης έστός], vgl. zu I 6,4 Lucina sedens. cauda
Hydri: Nach Teukros II geht die Wasserschlange umgekehrt, mit dem Schwanz
zuerst, auf. Der Schwanz erscheint I 4,11 bei Can 27 o —30°, vgl. auch zu II 4,10
caput Hydri. Hier im Anschluß an Teukros I: Kopf bei L e i , Rücken bei Le II,
Mitte bei Le III — Vi I und Schwanz (ούρά) bei Vi II. instabilem proces-
sum: Deutet das unsichere Stehen auf dem Schwanz der Schlange aus, vgl. I 3,9
instabiles animis als Wirkung der cauda Ceti und I 10,12 fallibilium rerum dis-
cussionem als Wirkung der cauda Magni Piscis. significat: Wie I 1,9, s.d.
8. ad vicesimum sextum: F überliefert 27, doch das widerspricht dem An-
schluß des (I 6,9) Bucephalus mit Vi 27°. Immerhin ergibt der Bezirk Vi 24°—
27° einen genauen Gedrittschein zum Richtergott I 2,8 bei Ta 24°—27°. Dieselbe
Variante gibt es beim Einzelgrad (II 6,8) Vi 26°, dort ebenso unwahrscheinlich.
Pluto: Fehlt in L V und bei Ps.Ant. (die Prognose fehlt auch im LH), ist viel-
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6. Virgo 51

leicht identisch mit Άΐδης, den Teukros I zu Li I nennt (ήνίοχος var. 1.). Wenn
Teukros I die Junktur Άιδης και Μοΰσα λυρίζουσα und Ps.Ant. (V' Λ), eben-
falls unter der Waage, die Junktur Λύρα καί Μούσα λυρίζουσα bildet (vgl. zu
I 6,3), könnte man erwägen, Hades mit Lyra gleichzusetzen. Dafür könnte spre-
chen, daß Firm. math. 8,12,2 bei Li 8° die Styx ansiedelt (vgl. V1 Στυγός ί5δωρ),
jedoch die von Manil. 5,324—338 bei Li 26° genannte Lyra ausläßt. Da sich auf
derselben Höhe des folgenden Tierkreiszeichens (I 7,8 Vulcanus bei Li 23°—
24°) eine Beziehung zu den Göttertutelae des Manilius nachweisen läßt, besteht
wohl auch hier eine solche von Pluto zu Manil. 2,442 spicifera est Virgo Cererie.
Demnach teilen sich Ceres und Pluto ebenso die Jungfrau wie vorher 2,441 Jupi-
ter und die Göttermutter den Löwen, vgl. Heph. 3,7,16. W. Gundel, Neue astro-
logische Texte (1936), 259 und Ders., Paranatellonta (1949), 1254 geht wieder
von den ekliptikalen Längen aus und denkt ohne Plausibilität an Sterne des Boo-
tes, besonders an Arktur, oder auch an Sterne der Jungfrau selbst (S. 236 zwei-
felnd an Spica). Pluto sei ein "astraler Totenrichter", Anubis, Thot, Horos oder
Osiris. An den Tod gemahnt auch die Beschreibung des hiesigen Dekans Vi III
im LH 1 p. 21,22 similis sepulturae est, totum corpus tamquam sepulcrum est.
Bei Teukros II gehören hingegen die Unterweltparanatellonten eher ans Ende
des nächsten Tierkreiszeichens, der Waage, vgl. zu I 7,10 Acherontis Palus.
Pluto: Wird auch von Heph. 3,7,16 zur Jungfrau gestellt (Πλούτος wohl zu än-
dern in Πλούτων): neben Demeter und Kore. Diese drei Gottheiten gehören
auch zum Stier. Hier spielt das Erd-Dreieck eine Rolle. — Kosmas von Jerusalem
CCAG VIII 3 (1912), p. 122,1 nennt Pluto als σύνοικος des Mars im Widder,
corporum et animarum dividens discretionem: Gedrittschein zum Richtergott
bei Ta 24o—27° (I 2,8) Deus, qui significat retributiones malorum vel bonorum
contingentes post mortem. Über die 'kosmischen' Götter vgl. zu I 2,7 Deus dispo-
nens universum mundum.
9. Bucephalus: Ist in L mit der Figur, die den Pflug hält, verbunden: Ó Βου-
κέφαλος ό εχων το αροτρον, muß aber wohl von dieser getrennt werden, s.
zu 16,6. F.Boll, Sphaera (1903), 227—232 deutet den Stierköpfigen als Bootes,
ebenso W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 228. Der Stierköpfige
kommt noch einmal I 8,5 bei Sc 12°(?)—18° vor, W. Gundel scheidet ihn dort zu
Unrecht aus, weil er auf die ekliptikalen Längen fixiert ist. locus iste eqs.:
Die Prognose ist von dem Sternbild durch das Wetternotat IV 6,4 getrennt,
locus iste: Ebenso I 1,2 (s. d.): die einzigen Stellen für locus in dieser Funktion,
significat: Nach L σημαίνει wie 13,3 nach P, s. zu I 1,9. victorem: Das-
selbe verheißen 19,2 Atlas und der Doppelköpfige bei Sa 6°—10°.

7. Libra

Die Waage beherbergt nur nichtklassische Paranatellonten. Für meine Vermu-


tung (Die Paranatellonten, 1975, 413), es könnten einmal schon alle klassischen
Sternbilder auf die elf alten Tierkreiszeichen verteilt gewesen sein, bevor die
Waage als zwölftes hinzukam, hat sich bisher kein weiterer Anhaltspunkt erge-
ben.
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52 I. Paranatellonten

1. Lectus et in eo Mulier accumbens: Die Frau wird in V1 Αριάδνη ge-


nannt, von Teukros I (zu Li III) ή Αριάδνη άνακειμένη, und zwar neben dem
Kranz der Ariadne, den Teukros II (I 10,4) bei Cap 11°—14° ansiedelt. F.Boll,
Sphaera (1903), 275—277 denkt an eine Erweiterung der Nördlichen Krone, vgl.
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 249 f. Somit wäre Ariadne mit der
Jungfrau gleichzusetzen (mit Andromeda identifiziert sie S. Feraboli, Astronomia
classica, 1993, 532). Formal vergleichbar ist I 7,9 Navis et Qui discumbit in ea
gegen Ende der Waage bei Li 2(7)°—28° und, ebenfalls am Ende der Waage
(nur in L): το Πλοΐον ... εχον εσωθεν Κένταυρον έστώτα. Es gibt bei die-
sem Tierkreiszeichen — ähnlich wie bei den Zwillingen — mehrere Doppelun-
gen. remissam: Übersetzt L ανεσιν wie der Name des Gradbezirks VI 1,2
Remissio s. d. significat: Dieses seltene Verbum kommt unter der Waage
viermal vor: I 7,1. I 7,3. I 7,6. I 7,7, vgl. zu I 1,9. [gradus quidem eqs.]: Ge-
hört zu den Helligkeitsbezirken, aber nicht zur Waage, sondern an den Anfang
des Skorpions: III 8,1.
2. Duae larvae Saturni et Apollinis: L erwähnt nur eine Maske: Κρόνου
πρόσωπον (V1 nennt den Kronos selbst ein Zeichen später beim Skorpion).
F. Boll, Sphaera (1903), 281 denkt an die Dekan-πρόσωπα und hier speziell an
den von Saturn regierten Dekan Li II. Die genauen Gradangaben des LH weisen
jedoch auf den Anfang des Tierkreiszeichens, und dort findet sich der Saturnbe-
zirk V 7,1 (bei Li Io—6°), der im Gesamttext sogleich folgt. Die Maske Apollons
ist gegenüber den griechischen Texten neu. W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 1452 und 251 beruft sich auf die Notiz bei Achill. Isag. 17 p. 43,25, nach
der die Ägypter den Merkur als Stern Apollons bezeichnet haben sollen, und
sucht dann bei Ptol. apotel. 1,9 Sternbilder mit Saturn- und Merkurqualität, die
nach Ptol. synt. eine entsprechende Länge aufweisen. Er findet so den Bootes.
Doch gehört dieses Teukros-Sternbild nicht zu den in Kapitel VII zu behandeln-
den Einzelsternen. Somit ist die Lokalisierung dieses Bildes noch nicht geklärt.
Die Zweizahl kehrt im übernächsten Lemma 17,4 Adonis et Venus bei
Li II o —12° wieder, sie erinnert auch an die Kopfsterne der beiden Zwillinge,
Herakles und Apollon (13,1—2), bei Ge Io—5°: ziemlich genau Gedrittschein.
Duae larvae: L kennt nur ein πρόσωπον, doch Teukros I nennt zu Li III im
Anschluß an Ariadne und ihren Kranz zwei Köpfe: έν ούρανω κεφαλαί δύο,
womit wohl die benachbarten Köpfe von Engonasin und Ophiuchos gemeint
sind, vgl. Kam. 983 κεφαλαί λεγόμενοι Αδωνιβασιλίδος (Adonis ist Ophiu-
chos), Abü M. introd. 6,1 p. 521 Boll "von zwei Männern, deren Köpfe zwei in
einander verschlungene Hörner haben und die Balistai und Adonis heißen", vgl.
W. Hübner, Uranoscopus (1990), 264f. und unten zu I 7,3 qui per capillos attra-
hitur ab heroe viro. Die "Balistai" gehören allerdings nach unserer Deutung
(I 7,6) zu Sagitta. larvae: Das in L genannte Wort πρόσωπον verwendet
auch Kritod. für die Beschreibung der Wirkung des Saturnbezirks V 7,1 άφαίρε-
σις στεργομένων προσώπων, doch der LH weicht ab, s.d. Saturni:
Übereinstimmend mit dem Saturnbezirk V7,l bei Li Io—6°. Wenn V1 den Na-
men Κρόνος erst beim Skorpion nennt, so ist daran zu erinnern, daß im System
der Helligkeitsangaben (III 7—8) fast alle Bezirke der Waage mit denen des Skor-
pions vertauscht werden. Apollinis : Ungefährer Gedrittschein zu I 3,2
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7. Libra 53

Apollo bei Ge 3°—5°. Daneben begegnet dort auch Saturn, allerdings in anderer
Funktion als modifizierender Planet. invidos: Geht nach L nur auf die
Maske Saturns. Vgl. den Venusbezirk V 12,1 Φθόνος. zelotypos dissolven-
tes: Vgl. F ialous dissolus, oder zu interpungieren? Da diese Prognosen in L feh-
len, dürften sie sich auf die dort ebenfalls fehlende Maske Apollons beziehen.
Das undurchsichtige Wort dissolventes übersetzt W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 251 mit "Störenfriede".
3. est: S. zu I 1,3. Chiron: Dies ist wohl die richtige Namensform, nach
der L χειρών in Χείρων zu berichtigen ist. Eine ähnliche Variante begegnet bei
Ps.Ant. unter dem Skorpion: V:! τω Χείρωνι gegen Α τάς χείρας. Nichts dar-
über bei W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 206 oder Dems., Parana-
tellonta (1949), 1255, der das Bild mit dem Südlichen Kentauren gleichsetzen
möchte. Der Name begegnet noch ein zweites Mal (I 9,4): Chiro tenens manum
Cephei, auch dort überliefert L den Namen Χείρων nicht (κύων), so daß der
wirkliche Name in der gesamten griechischen Überlieferung fehlt. F. Boll,
Sphaera (1903), 262 denkt an dieser Stelle vorsichtig an Engonasin. Die Aspekte
sprechen dafür:

I 1,4 Ar 8°—10° Perseus 17,3 Li 7°—10° Chiron


13,4 Ge 8 ° - 1 0 ° Theseus 19,2 Sa 6°—10° Atlas/Talas

Sowohl Perseus als auch Theseus als auch Atlas wurden mit Engonasin identifi-
ziert. Hinzu kommt die Spiegelbildlichkeit von Engonasin und Ophiuchos in den
6°-Abschnitten der beiden Nachbarzeichen Waage und Skorpion:

Libra Scorpius

17,3 Li 7°—10° Chiron 18,2 Sc 5°—7° Uranoscopus


17,4 Li 1 I o —12° Adonis 18,3 Sc 8°—10° Ophiuchus

Uranoscopus ist mit Engonasin und Adonis mit Ophiuchos gleichzusetzen:


W. Hübner, Uranoscopus (1990), 267—272. qui per capillos attrahitur ab
heroe viro: Wenn die Gleichung Chiron = Engonasin stimmt, dann könnte der
heros Ophiuchos sein, denn beider Köpfe berühren sich. qui per capillos
attrahitur: Übersetzt L έλκόμενος ... άπό τριχών, ähnlich die Beschreibung
des unglücklichen Fuhrmanns, der an den Füßen geschleift wird, vgl. zu I 3,11
contractos. Über andere Verbindungen zum Fuhrmann s. u. (invocai qui-
dem, sed non exauditur): Wohl weiter als Beschreibung des Sternbildes ge-
dacht, fehlt an dieser Stelle in L, der aber etwas Ähnliches den Fuhrmann ohne
Wagen bewirken läßt (im LH I 7,5 erst bei Li 13°—15°): καλόν σύμβουλον [ =
vim in Consilio], μή άκουόμενον δέ [= non exauditur], das Nichtgehörtwerden
bezieht sich dort nicht auf das Anrufen, sondern auf den Rat. invocat qui-
dem: Das Anrufen, der Hikesiegestus gehört zum "Knienden", Engonasin, Germ.
68 suppliciter passis ad numina palmis (nicht bei Arat), vgl. Hyg. astr. 2,6,2 von
Engonasin — Keteus: genu nixus palmas diversas tendere ad caelum. Es wurde
dann auf Prognosen für den "Sterngucker" übertragen, s. zu I 8,2 semper in
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54 I. Paranatellonten

deum spem habentes und zu I 9,7 orantes semper. Als Beschreibung eines Stern-
bildes kommt etwas Ahnliches bei Abu M. introd. 6,1 p. 511 Boll (für Le II) vor:
"ein Götze..., der seine Hände nach oben erhebt und laut schreit." Dieser
"Götze" ist nach Teukros I ein Gott (θεός τις), nach Kam. 663 ein εϊδωλον und
nach Ps.Ant. (V3) Atlas, der wiederum mit Engonasin gleichzusetzen ist (vgl. zu
I 9,2 Atlas): Der Kreis schließt sich also. — W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 206 muß zugeben, daß dieser Zusatz nicht zu dem von ihm an dieser
Stelle vermuteten Südlichen Kentauren paßt, doch sein Hinweis auf Bootes und
dessen antike Etymologie von βοάω ("Schreier") trifft wohl nicht das Richtige,
sed non exauditur: Als Beschreibung eines Sternbildes sonst nicht belegt,
vim in Consilio: Der Text in L ist unverständlich: μίαν [βίαν temptavi, μίασμα
Boll] δυνάστου, während die Entsprechung zur Prognose für den Zweiten Fuhr-
mann (I 7,5) καλόν σύμβουλον deutlich ist. Wohin die Prognose ursprünglich
gehört, ist schwer zu sagen. violentum: So H, violentiam Gundel, wohl be-
einflußt von F viólense. Für den Text von H spricht auch L βίαν [μίαν trad.]
δυνάστου. Möglicherweise ist die Wirkung von I 7,4 Adonis et Venus: qui in po-
tentia est nichts anderes als eine zweite Übersetzung von δυνάστης. signi-
ficai: Wie 17,1, s.d.
4. Adonis et Venus : Fehlt in L, vorhanden jedoch bei Ps.Ant. (V1). Der Aus-
fall dieses Sternbildes in L hat die Kontamination der Sternbilder I 7,3 Chiron
und I 7,5 Sine curru Auriga begünstigt, s. o. Den Adonis allein nennt auch Teu-
kros I für Li III. Formal zu vergleichen ist I 7,2 Duae larvae Saturni et Apollinis.
So wie W. Gundel dort die Planeten Saturn und Merkur vermutet, so denkt er
hier an die Planeten Mars oder Jupiter und Venus: W. Gundel, Paranatellonta
(1949), 1255 unter Berufung auf Ptol. apotel. 2,3,38, wo gesagt wird, daß Mars in
Kleinasien mit Adonis identifiziert wurde (voraus geht Venus als Göttermutter).
Nach Ptol. apotel. 1,9,23 vermutet Gundel hier "das Temperament der Kopf-
sterne des Kentauren", an jener Ptolemaeus-Stelle regieren Venus und Jupiter
aber nicht den Kopf, sondern den Pferdeleib des Kentauren. Hyg. astr. 2,7,3 er-
zählt einen Streit von Venus und Proserpina um Adonis, in dem Kalliope, die
Mutter des Orpheus (vgl. zu I 6,3 Musa), einen Schiedsspruch fällt. Adonis:
Wird von Teukros I (zu Li III) mit dem "Himmel" gleichgesetzt: Άδωνις öv κα-
λοΰσιν Ούρανόν. Der Himmel liegt dem Sterngucker spiegelbildlich gegenüber
wie Ophiuchos dem Engonasin: W. Hübner, Uranoscopus (1990), 272f. Das
Sternbild Ουρανός kennt L zwar nicht, wohl aber V1, der es sowohl beim Skor-
pion nennt (I 8,2 : Ούρανοσκόπος L, Uranoscopus H) als auch beim Schützen
(19,7: fehlt in L, Uranoscopus H). Über 'kosmische' Götter vgl. zu 16,8 Pluto
und zu I 7,8 Vulcanus. Abzulehnen ist der Versuch von W. Gundel, Paranatel-
lonta (1949), 1236, den Adonis im Sternbild Kepheus anzusiedeln. Venus:
Wir sind nicht in ihrem Bezirk, sondern im Merkurbezirk V 7,2 bei Li 7°—14°.
Venus ist aber die Hausherrin der Waage; Ps.Ant. (V 3 A) nennt unter den Fi-
schen Ζευς, ihren Hausherrn, s. zu I 12,2. ( f i u n t ) pectorei: W. Gundels
Ergänzung wohl nach F et senefient acolemens cordiaus, keine Entsprechung in
L. Das seltene Wort pectoreus erscheint bei R. E. Letham, Revised medieval
word-list from British and Irish sources, London 1965, 337. Das Folgende ist
textlich gestört. et ille qui in potentia est: Gibt vielleicht den entstellten
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7. Libra 55

Namen Ένδυμίων wieder, V3 liest καί έν δήμω κοιμώμενα, doch der cod. Pa-
ris. gr. 2425, fol. 162 καί Ένδυμιών κοιμώμενος, vgl. F.Boll, Endymion
(1921), 480. Das Sternbild Endymion ist sonst nirgends bezeugt. Da Venus in
der Trias Adonis — Venus — Endymion in der Mitte zwischen zwei Liebhabern
steht, dürfte es sich bei Endymion um eine Alternativdeutung für Adonis, also
einen weiteren Namen für Ophiuchos handeln. Über eine mögliche Übersetzung
von δυνάστης s. o. zu I 7,3 violentum. a m a n t e s et a m a t o s i n t i m a r e : Die
Einzelgradprognose Firm. math. 8,25,4 für Li 10°: cinaedus/prostituta, die S. Fe-
raboli, Ricerche (1989), 223 beizieht, gehört wohl nicht hierher, eher schon Ma-
nil. 5,156 über die Pleiaden im Stier, dem anderen Haus der Venus: semper
amare parum est, cupient et amare videri.
5. Sine c u r r u A u r i g a : Übersetzt L ό δίχα άρματος Ηνίοχος, was entwe-
der heißt "der Fuhrmann ohne Wagen" oder (eher) "der vom Wagen getrennte
Fuhrmann", ähnlich unklar Manil. 5,20 Heniochusque memor currus ("roulant
encore son char" Pingré coll. 5,68—70), vgl. Arat. 300—312: der Bogen mit dem
Schützen und der Pfeil ohne Bogen, άλλος Όϊστός | αύτός άτερ τόξου. Dage-
gen bietet F schlicht li Kartons, wieder anders Ps.Ant. (V:t) 'Ηνίοχος τη άρι-
στερά χειρί τροχόν κατέχων, τη δε δεξιά μάστιγα. Es handelt sich um
den sogenannten Zweiten Fuhrmann ohne Wagen und mit Peitsche und Rad, der
schon I 2,4 als Heniochus rotam tenens bei Ta 12°—14° und I 3,11 als pars He-
niochi bei Ge 26°—28° genannt wurde und der ganz oder teilweise noch zweimal
unter der Waage vorkommt: ganz am Ende I 7,10 als Rota bei Li 2(9)°—30°, wo
aber L Η ν ί ο χ ο ς καί Τροχός liest, und — ohne Entsprechung in L — I 7,7 als
Unus nudus Currens cranium et coronam tenens bei Li 19°—22°, vgl. W. Hüb-
ner, Die Paranatellonten (1975), 397 f. und Dens., Manilius (1984), 184189. Es er-
geben sich folgende Oppositionen:

Manilius LH

Ar 15° Heniochus Li 13°-15° Sine curru Auriga


20° Haedi 19°—22° Duo Currentes
Unus nudus Currens
30° Olenie [= Capella] 2(9)°—30° Duo Crania
servans praegressos vel Rota et Hircus
... Haedos

Den Zweiten Fuhrmann hat W. Gundel, Paranatellonta (1949), 1250 ohne Plau-
sibilität als den Dekangott mit Geißel und Krummstab gedeutet. Es handelt sich
vielleicht nur um eine Variante des klassischen Fuhrmanns, den schon Germ.
161 — als Myrtilos — keinen Wagen haben läßt: sic nulli currus, sie ruptis mae-
stus habenis, vgl. 7 1 0 sine curribus ullis. petitos, infelices, otiosos : Anders
L καλόν σύμβουλον, μή άκουόμενον δέ, was der LH I 7,3 als Prognose (vim
in Consilio) und als Beschreibung (sed non exauditur) für Chiron nennt. Es
scheint, als habe H hier das Richtige bewahrt. infelices: Zu den unglückli-
chen Fuhrleuten s. unter 13,11 miseros.
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56 I. Paranatellonten

6. a sexto decimo usque ad octavum decimum gradum: Drei Grade für die
Drei Heroen, ebenso I 4,8 für die Drei Grazien bei Can 18o—20°: Geviertschein,
vgl. W. Hübner, Zur neuplatonischen Deutung (1990), 89—98. Tres
Heroes, qui vocantur Ballistae: Wahrscheinlich die drei schwachen Sterne am
Schaft der Sagitta (Ptol. synt. 7,5 p. 74,14—16) = Τρίαινα (vom Exc. Barocc. II
p. 466,2 am Ende der Waage erwähnt), zu der Manil. 5,298—310 drei pfeilschie-
ßende Heroen nennt: Teuker, Philoktet und Alkon, vgl. W. Hübner, Die Parana-
tellonten (1975), 392 mit Anm. 14 und 4 0 1 - 4 0 3 und Dens., Manilius (1984),
182—186. Das Sternbild stellt Manilius zu Li 8°, dem genauen Herbstpunkt, ent-
sprechend 'stochastisch' und hintergründig seine Deutung, s. auch den Vergleich
des Astrologen mit einem Pfeilschützen bei Ptol. apotel. 3,2,6. — Formal ähnelt
die Beschreibung des Sternbildes dem in L folgenden Lemma (im LH anders:
I 7,7): τα Τρία Μειράκια α καί καλείται Πορθμεύς (πορθμεΐς var. 1.).
Tres: Die Dreizahl spielt nicht nur hier und bei den Grazien (14,8) eine Bolle,
sondern auch bei dem Deltoton, das V1 zur Waage nennt, hierzu F. Boll —
W. Gundel, Sternbilder (1937), 933f. Sie kehrt im nächsten Lemma I 7,7 wieder,
wo L die drei Knaben, der LH jedoch drei Läufer nennt. Heroes: Ein ein-
zelner Heros erscheint I 7,2 bei Li 7°—12°: Chiron, qui per capillos attrahitur ab
heroe viro. Wenn Chiron mit Engonasin gleichzusetzen ist, müßte dieser Heros
Ophiuchos und damit von den Drei Schießenden verschieden sein. qui vo-
cantur: Nach Teukros I (zu Li III): oí λεγόμενοι Βαλλισταί. Ballistae:
Zu konjizieren aus HF baldiste, vgl. Teukros I a. Ο.: βαλισταί cod. V (βαλανι-
σταί, βασιλίς τε var. 11.). F.Boll, Sphaera (1903), 37. 252f. und 2 5 9 - 2 6 2 lei-
tet den Namen von βαλλίζω ab und deutet ihn als "Tänzer", dagegen W. Gun-
del, Neue astrologische Texte (1936), 242 von βάλλω als "Bedienung einer
Schleudermaschine". Der Vergleich mit Manil. 5,298—310 legt zwar eine Ablei-
tung von βάλλω nahe, jedoch in der Bedeutung von "Pfeilschützen". Der Name
kommt auch im Zusammenhang mit den zwei Köpfen vor, Abu M. introd. 6,1
p. 521 Boll (zu Li III): "zwei Männern, deren Köpfe zwei in einander verschlun-
gene Hörner haben und die Balistai und Adonis heißen", Kam. 983 bietet an der
entsprechenden Stelle die Nominalkomposition Άδωνιβασιλίδος (vgl. die o. a.
Variante βασιλίς), doch hat sich F. Boll (a. O.), 252 wohl zu Becht gegen eine
Identifizierung dieser beiden Köpfe mit den Βαλλισταί ausgesprochen. si-
gnificai: Wie I 7,1, s.d. exercitium, philosophiam, clementiam: L bietet
nur zwei Wirkungen: φιλοσοφίαν, έργασίαν. Wenn die zweite mit exercitium
gleichzusetzen ist, hat nur clementiam keine Entsprechung. Angesichts der Drei-
zahl der Heroen dürfte die Dreizahl der Wirkungen ursprünglich sein, doch wäh-
rend sich die drei Wirkungen der Drei Grazien (I 4,8) mühelos den drei inneren
Planeten zuweisen lassen, macht eine Zuordnung der Wirkungen der Drei
Heroen zu den drei äußeren Planeten Schwierigkeiten: W. Hübner, Zur neupla-
tonischen Deutung (1990), 96. Es sei aber ergänzend darauf hingewiesen, daß
die Prognose πορθμέας (vgl. zu I 7,7) bei Ptol. apotel. 4,4,5 = Heph. 2,19,3
von den Planeten Mars und Jupiter abhängt (vorher wird Saturn genannt). Auch
dort spielen also die drei äußeren Planeten eine Bolle.
7. a nono decimo usque ad vicesimum secundum: Nach der Verteilung der
Drei Heroen auf die drei Grade Li 16°—18° erwartet man die zwei Grade
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7. Libra 57

Li 19 o —20° für die Zwei Läufer, die zusammen mit den drei Graden der Drei
Heroen einen 5°-Abschnitt ausmachen würden. Es folgt jedoch ein 4°-Abschnitt,
aber auch noch ein dritter Läufer. Vielleicht ist dieser 4°-Abschnitt in 2 X 2 auf-
zuteilen: Li 19°—20° für die Zwei Läufer und Li 21°—22° für den Einen nackten
Läufer. Duo Currentes et terga sibi dantes ad invicem et desuper Unus
nudus Currens: Nicht in L, wohl aber bei Ps.Antiochos (V 1 und teilweise in A):
Τρέχοντες νώτα άλλήλοις δίδοντες καί επάνω Εις τρέχων. Ps.Antiochos
berührt sich wiederum mit Teukros III p. 184,14 (zu T a l l i ) : το ίππικόν αρμα
καί τους διαιρημένους τρέχοντας ίππους, dazu p. 185,7 διά το άποσχίζε-
σθαι τους δύο ίππους, vgl. das Exc. Barocc. II zu zwei Tierkreiszeichen, zum
Stier (p. 465,17) αρματα μετά δύο ϊππων und zu den Zwillingen (p. 465,18)
Ol νότιοι ϊπποι καί τροχός. Demnach sind die "Zwei Läufer" die beiden
Pferde des vom Wagen getrennten unglücklichen Fuhrmanns, vgl. zu I 7,5 Sine
curru Auriga. Das Wort νότιοι, "südlich", ist das Komplement zu επάνω/
άνωθεν bei Ps.Ant. = desuper im LH: Die beiden Pferde/Läufer befinden sich
unterhalb des Fuhrmanns/Einen Läufers, dieser befindet sich oberhalb der
Pferde/Zwei Läufer. — L nennt dagegen an dieser Stelle eine rein menschliche
Triade: τά Τρία Μειράκια, α καί καλείται Πορθμεύς, vgl. das Exc. Barocc.
II p. 466,1 Μειράκια τρία oí καλούμενοι ΠορθμεΤς. Gegen die Variante πορθ-
μεις (vgl. 11,1 über die Alternative άλιεύς/άλιεΐς sowie I 7,9 die Variante
Nauclerus/vaüKXr]QOVQ und I 10,2 die Variante Νηρεύς/Νηρείς) entscheidet
sich wohl richtig F.Boll, Sphaera (1903), 249 und 468 mit Hinweis auf Teu-
kros I (zu Li I) ό Πορθμεύς (πορόμης var. 1., πυραμίς Kam. 938 nach Weigl,
aber πυραμης nach der Angabe von F. Boll a. 0., 249, vgl. auch die Textstörung
bei Rhet. C p. 166,23: πορθμεΐς als Prognose wie schon Ptol. apotel. 4,4,5),
noch deutlicher Abu M. introd. 6,1 p. 517 (zu Li I): "drei Knaben, die alle zu-
sammen Porthmeus heißen." Teukros I nennt wiederum zu Le III einen einzel-
nen Knaben, den er auf den Zweiten Fuhrmann folgen läßt: Μειράκιον μικρόν
έπόμενον αύτω, vgl. zu I 6,7 Puella. — Die Differenzierung einer Triade in
2 + 1 begegnet auch bei den drei Sternen des Deltoton (Manil. 1,352f.: quod ter-
tia lampada dispar \ conspicitur paribus) und bei den drei Böcklein, vgl. zu
17,10 Hircus. — Aufgrund der ekliptikalen Längen denkt W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 242 und Ders., Paranatellonta (1949), 1255 ohne
Plausibilität an Sterne im Ophiuchus, Hercules und Bootes. terga sibi dan-
tes ad invicem: Erinnert an die Spiegelbildlichkeit von Engonasin und Ophiu-
chos unter den Zwillingen (vgl. zu I 3,6—7). Es sei daran erinnert, daß nach Rhe-
torios und Kamateros auch die Waage gegen das System zu den "doppelten"
Zeichen gerechnet wurde: διά τάς πλάστιγγας, vgl. W. Hübner, Die Eigen-
schaften (1982), 108. Wohl auf deren Köpfe, die sich berühren, bezieht sich Abu
M. introd. 6,1 p. 521 Boll (zu Li III) "deren Köpfe zwei in einander verschlun-
gene Hörner haben und die Balistai und Adonis heißen." Vgl. ferner über die
'Enantiodromie' der Bärinnen Manil. 1,303 f. utraque caudam \ vergit in alterius
rostro. 1,451 et versas [aversas Housman, ed. mai.] frontibus Arctos, womit die
Gegenläufigkeit der beiden zodiakalen Fische kombiniert wird: W. Hübner, Ma-
nilius (1984), 201—213. desuper: Bezeichnet wohl nicht die aufrechte Posi-
tion in der Spiegelbildlichkeit von Engonasin-Ophiuchos, sondern die nördliche

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58 I. Paranatellonten

Lage: επάνω bei Ps.Ant. (V3, άνωθεν A), komplementär dazu das Exc. Barocc.
II p. 465,18 νότιοι von den Pferden des Fuhrmanns. Das Wort επάνω kehrt in
beiden Ps.Antiochos-Fragmenten noch einmal am Ende des nächsten Tierkreis-
zeichens, des Skorpions, für das Sternbild Χείρων/Κύων wieder. Unus nu-
dus Currens: Dürfte der von seinen Pferden (mit Wagen) getrennte unglückli-
che Fuhrmann sein, s.o.; W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 242 hat
diesen Läufer ohne Plausibilität nach den ekliptikalen Längen als Bootes oder
Engonasin, Ders., Paranatellonta (1949), 1236 als Engonasin allein gedeutet (der
dort angegebene Name Saltator ist allerdings nirgends belegt). nudus: Fehlt
bei Ps.Ant., so sonst nur bei Teukros III p. 185,11 διά τον γυμνόν δρομέα, vgl.
die Prognose für den Satirus 14,7 bei Can 16°—17° facit nudos: fast Geviert-
schein. cranium et coronam tenens: Nicht mehr bei Ps.Ant. an dieser
Stelle. Die Gegenstände in den Händen des Zweiten Fuhrmanns bzw. des Lau-
fenden variieren in den Texten besonders stark:

Quelle Gradbezirk Sternbild Requisiten

Teukros III p. 185,8 Talli Τρέχων την μάστιγα καί τόν τροχόν
Ps.Ant. (V : , A) Le Ende 'Ηνίοχος τροχόν ... καί μάστιγα
LH 12,4 Ta 1 2 ° - 1 4 ° Heniochus rotam
I 7,7 Li 19°—22° Currens cranium et coronam
17,10 Li 2(9)°—30° — Duo Crania
vel Roía et Hircus

Bei der letzten Alternative sind wohl die beiden Schädel einerseits sowie Rad
und Bock andererseits zusammenzunehmen und nicht etwa zwei Schädel oder
Rad einerseits und der Bock andererseits. Mindestens einer der beiden Gegen-
stände ist jeweils rund: Rad, Schädel oder Krone. Aus dem klassischen Sternhim-
mel ist Engonasin zu vergleichen (also der Zweite Fuhrmann = Engonasin?),
auch er streckt die Arme nach zwei Gegenständen aus: Mart. Cap. 8,840 ( =
Schol. Germ. Strozz. II p. 172,11) unum bracchium Lyrae, alterum dans Coro-
nae, vgl. W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 410 und zur gnostischen Um-
deutung Dens., Das Horoskop (1975), 120. Auch als Herakles hat Engonasin
zwei Gegenstände in der Hand, Schol. Arat. 69 p. 104,2: τό τε ρόπαλον τη
δεξιά χειρ! άνατετακότα, ώς μέλλοντα παίειν, καί τη άριστερά χειρ!
την λεοντήν περιβεβλημένον (mittelalterliche Handschriften zeigen Abbildun-
gen, die rechts und links vertauschen. F. Boll, Sphaera, 1903, 102), als Atlas viel-
leicht die Zymbeln und die phrygischen Flöten (s. zu I 5,5 Frigii Tibicines und
zu I 9,2 Atlas). Außerdem entsprechen I 10,4 Corona Ariadnae und I 10,5 Ager
den Bildern bei Teukros I (zu Cap II) τό ήμισυ του Τροχού καί Αμπέλου
(s. d.). An Engonasin erinnert auch die Prognose für Li 22° bei Firm. math.
8,25,8 de alto lapsi vel praecipitati crudeli morte moriuntur, dazu W. Hübner,
Manilius (1984), 199f. — Andere Gestalten mit zwei Gegenständen in den Hän-
den: Orion im Schol. Arat. 322 p. 239,14 τη δεξιά καλαύροπα κρατών ...,
έπί δέ της άριστεράς δοράν εχει ένάστερον, dazu F. Boll, Kerykion ( 1899),
645. Ders., Sphaera (1903), 167 f. significant: Wie I 7,1, s. d. in certa-
mine et luctatione: Paßt eher zum Satirus cum báculo, vgl. zu I 3,7 pugnatores.
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7. Libra 59

thymele: Ist eine Art Podium im Theater, hier wohl für das Theaterspiel über-
haupt (nicht in F). a re publica vivunt: Vgl. die Einzelgradprognosen II 7,3
für Li 24° in rebus publicis morientes und II 7,4 für Li 26°.27° qui in rebus pu-
bliais moriuntur.
8. a vicésimo tertio usque ad vicesimum quartum gradum: Schließt sich
im Gesamttext nur zufällig an den lucidi-Bezrrk Li 21°.22° an, der in Wirklich-
keit zum Skorpion gehört (1118,5). Vulcanus: Fehlt in allen griechischen
Texten. Nach Manil. 2,442 f. ist Vulcan der Tutor der Waage, so wie I 1,2 Pallas
Tutorin des Widders und — in hexagonalem Abstand dazu — I 3,2 Apollo der
Tutor der Zwillinge ist. Hephaistos erscheint bei Vettius Valens 1,2,29 und
1,2,72 bei den Zwillingen und dem Wassermann, d. h. den beiden anderen Part-
nern des Luftdreiecks, vgl. F. Boll, Sphaera (1903), 475 f. W. Gundel, Neue astro-
logische Texte (1936), 261 denkt, ohne zu überzeugen, an eine Sterngruppe in
der Waage selbst und den ägyptischen Monatsgott Ptah. L nennt I 7,7 anstelle
der Tres Heroes als Alternativbezeichnung für τά Τρία Μειράκια den Namen
Πορθμεύς (s. o. zu I 7,7 Duo Cúrrenles eqs.). Es könnte sein, daß Vulcanus im
LH an dessen Stelle getreten ist. Trifft dies zu, dann spricht dies für die von
F. Boll (a. 0.), 249 verteidigte Lesart πορθμεύς gegen das Exc. Barocc. II
p. 466,1 πορθμεΐς. Die folgenden Sternbilder, 17,9 Navis et Qui discumbit in
ea, schließen sich gut an den "Fährmann" an. Teukros I nennt zu Li I nebenein-
ander ό 'Άιδης ... καί ό Πορθμεύς, der LH nennt Vulcanus hier gegen Ende
der Waage und Pluto I 6,8 bei Vi 24°—26°, also etwa auf gleicher Höhe des vor-
angehenden Tierkreiszeichens (s. o.). Uber die 'kosmischen' Paranatellonten s. zu
I 2,7 Deus disponens universum mundum bei Ta 21°—23°. fabros: S. Fera-
boli, Ricerche (1989), 224 vergleicht die Einzelgradprognose bei Firm. math.
8,25,9 für Li 25°: erit faber ferrarius vel qui res metallicas tractet, vgl. Manil.
2,442 f. fabricataque Libra \ Vulcani (es folgt sogleich für Li 26° die Minerva-
Prognose textor gerdius). An der diametral gegenüberliegenden Stelle bei
Ar 24°—25° ist fabros eine Wirkung des Deltoton (11,10), das V1 auch unter der
Waage nennt. Vgl. Germ. Arat. 5 3 4 (Argo in der Nähe des Widders, dazu Manil.
5,32—36): quem propter fabricata ratis: Minerva half beim Bau. Es zeigt sich er-
neut, daß die Opposition bei den Göttertutelae eine Rolle spielt.
9. a vicésimo ( s é p t i m o ) : Ergänzt nach F 2 7 wie im nächsten Lemma I 7,10
a vicésimo (nono). Ergänzungen oder Korrekturen sind bei Anfangsgraden öfter
erforderlich als bei Schlußgraden, weil der griechische Text ursprünglich wohl
nur die Schlußgrade angegeben hat, s. o. S. I 96. Weil der Bezirk I 7,8 Vulcanus
mit Li 24° aufhört und auch die letzte zugehörige Einzelgradprognose II 7,3 nur
für Li 24° gilt, könnte man auch an die Ergänzung a vicésimo ( quinto) denken,
doch nach Firm. math. 8,25,9 zeigt auch noch der Grad Li 25° die Wirkung Vul-
cans (s. zu I 7,8 fabros), so daß vielleicht umgekehrt der Vulcan-Bezirk bis
Li 26° auszudehnen ist. Oder es ist ein Sternbild ausgefallen wie Vulcanus in L.
Navis et Qui discumbit in ea et Nauclerus super equo: L bietet nur zwei
Sternbilder: το Πλοιον καί ό άνακείμενος έν αύτω 'Άνθρωπος, dann folgt
als Prognose ναυκλήρους (eine ähnliche Verschiebung bei I 1,1 Piscator und
I 6,4 Providentia, vgl. zur Variante I 7,7 Πορθμεύς/πορθμεϊς), doch der Zusatz
in Η super equo deutet eher auf ein Sternbild. Das erstgenannte ist wohl nicht
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60 I. Paranatellonten

identisch mit dem Sternbild I 2,6 A'avis et desuper Draco mortuus, nur formal
vergleichbar ist das Sternbild 17,1 Lectus et in eo Mulier accumbens. F.Boll,
Sphaera (1903), 173 vergleicht hier den auf einer Barke sitzenden Gott auf dem
runden Himmelsbild von Benderà, doch das ist unsicher. W. Gundel, Neue astro-
logische Texte (1936), 218f. setzt die Bilder Qui discumbit in ea und Nauclerus
super equo gleich und denkt an eine Übertragung des Schützen und des darunter-
liegenden Schiffes (vgl. zu I 9,3 Argo et Pelagus sowie zu I 9,6 Navis et Meridiona-
lis Corona) auf den Südlichen Kentauren, vgl. Dens., Paranatellonta (1949), 1240,
doch das ist unbeweisbar. Nur so viel ist sicher: Die drei Bilder gehören zu den im
nächsten Lemma 17,10 genannten Unterweltparanatellonten. Navis: Über-
setzt L Πλοιον wie I 7,10 Navícula, dagegen gebraucht Teukros I bei allen drei
Waage-Dekanen das Wort Σκάφος. Nauclerus super equo: In L eine Pro-
gnose: ναυκλήρους (s.o.). W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
205—207 und 218f. denkt an eine Kombination des zodiakalen Schützen mit dem
Südlichen Kentauren. Eher schon dürfte dieser Nauclerus der Totenfährmann
Πορθμεύς sein (s. zu 1 7,7), der im LH fehlt: F. Boll (a. O.), 249 f. A. Scherer, Ge-
stirnnamen (1953), 202 (W. Gundel hat die Gleichung Nauclerus = πορθμεύς
nicht ausgesprochen, wie man aus Scherers Formulierung schließen könnte),
super equo: Es handelt sich wohl nicht um eine Beschreibung der Figur in dem
Sinne, daß der Schiffer auf einem Pferd säße, sondern um eine Positionsangabe
"oberhalb des Pferdes", vgl. I 7,7 desuper : Der Eine Läufer befindet sich oberhalb
der Zwei Läufer, die ja zwei Pferde zu sein scheinen, s. d. expertos : Der
Übersetzer hat L έμπορους in έμπειρους verlesen, für L spricht die Parallele L
έμπορους = negotiatores als Prognose für I 9,3 Argo. Diese Parallele legt nahe,
daß die Prognose nur zum Sternbild Navis gehört und dieses mit I 9,3 Argo iden-
tisch ist. Als tropisches Zeichen fördert die Waage den Handel, vgl. zu I 4,1 (Argo)
mercatores aut negotiatores, speziell zur Waage W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 227. excogitatos: Übersetzt L άμερίμνους "Sorgenlose" oder "Teil-
nahmslose" wie I 4,7 bei Can 16 o —17°: etwa Geviertschein. S. Feraboli, Ricerche
(1989), 224 vergleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,25,8 für Li 24°:
negotiatores qui peregrinas merces advehant [in] navibus, sie geht allerdings
vom falschen Anfangsgrad Li 20° für das Paranatellon Navis aus. in adver-
sitatibus: Übersetzt L έν περιστάσει, wofür es I 10,6 circumstantiam heißt,
s. d.
10. a vicésimo ( n o n o ) : Ergänzt nach F 29, was W. Gundel, Neue astrologi-
sche Texte (1936), 166' als einen Fehler der Überlieferung betrachtet. Der über-
lieferte Gradbezirk Li 20°—30° (fast = Li III) ist ungewöhnlich groß, was durch
die Fülle von Paranatellonten zu rechtfertigen wäre, allenfalls auch durch die
glatte Opposition bei Manil. 5,103—139 für die drei Herdentiere Haedi, Hyades
und Capeila bei Ar 20°—30° (vgl. die zu I 7,5 Sine curru Auriga genannten Op-
positionen), doch sprechen folgende Gründe für die Ergänzung nach F:
a) Schon im vorigen Lemma I 7,9 ist die Einerziffer nach F zu ergänzen.
b) Ohne Ergänzung würden sich die beiden Lemmata I 7,9 und I 7,10 überlap-
pen.
c) Mit diesen Teukros-Paranatellonten ist der Planetenbezirk V 7,5 verquickt,
und dieser beginnt ebenfalls mit Li 29°, denn der vorausgehende Bezirk V 7,4
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7. Libra 61

reicht bis Li 28° (Α. Scherer, Gestirnnamen, 1953, 227 läßt ihn irrtümlich mit
Li 28° beginnen).
ad tricesimum: W. Gundels Ergänzung (gradum) ist unnötig, denn es handelt
sich um eine Versparung bei zwei aufeinanderfolgenden Teukros-Lemmata, vgl.
zu II 10,14. Duo Crania eqs.: Hier erscheinen nicht weniger als fünf, in L
sogar sechs verschiedene Namen, deren Gruppierung durch den Wechsel zwi-
schen vel und et erschwert wird. Zu den beiden Schädeln vgl. außer L das Exc.
Barocc. I p. 465,10 (ebenfalls am Ende der Waage) Κράνια δύο, ferner 17,2
Duae larvae Apollinis et Saturni und I 7,7 Duo Currentes. Duo Crania vel
Rota et Hircus: Entweder ist Rota allein eine Alternative zu den beiden Schä-
deln oder das Paar Rota et Hircus. Die erste Möglichkeit erinnert an die beiden
Gegenstände, die der Eine nackte Läufer in den Händen hält, s. o. zu I 7,7 cra-
nium et coronam tenens, diese beiden runden Gegenstände könnten aber auch
die beiden Schädel sein. Der zweite Gegenstand in der Hand des Einen nackten
Läufers ist bei Ps.Ant. (V,!) und Teukros III die Peitsche, die kaum mit dem Bock
gleichzusetzen ist. Die verschiedenen Deutungen von runden Gegenständen
könnten — ähnlich wie bei Engonasin — auf eine Unscharfe bei Arat zurückge-
hen (Arat. 401): άγνωτοι κύκλω περιηγέες είλίσσονται für die Sterne, die
später seit Gem. 3,13 die Südliche Krone heißen. Doch kommt auch die Nördli-
che Krone in Frage (s. u.). — Unsicher ist, ob die beiden Schädel etwas mit den
sich berührenden Köpfen von Engonasin und Ophiuchos zu tun haben, s. o. zu
13,7 Satirus cum báculo, W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 238'
schließt dies (nach Vitruv. 9,4,4) wohl zu kategorisch aus, vgl. A. Le Bœuffle,
Astronomie (1987), 106. Noch weniger wahrscheinlich ist Gundels eigene Deu-
tung (a. 0.) 238 (vgl. Dens., Paranatellonta, 1949, 1255): Er denkt zum einen an
den Kopf der Schlange des Ophiuchus und zum andern an den Kopf des Vulca-
nus, des Waagemannes, des Fährmannes oder des Tieres, das der Südliche Ken-
taur trägt. Duo Crania vel Rota: Dagegen F 2 Crania et une Roe, daher hat
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 238 die beiden Bilder richtig ge-
trennt. Dafür spricht auch L, der zwischen den Δύο Κράνια und den folgenden
Paranatellonten eine Prognose einfügt, er läßt dann noch einmal das ΠλοΤον mit
Schädeln beladen sein. Rota: L nennt vorher den (zweiten) Fuhrmann:
Ηνίοχος καί Τροχός, ein weiteres Indiz dafür, daß das Rad von den beiden
Schädeln zu trennen ist, vgl. zu I 2,4 Heniochus rotam tenens. Der Zweite Fuhr-
mann erscheint unter der Waage schon I 7,5 am Ende der ersten Hälfte bei
Li 13°—15°. A.Rehm bei F.Boll, Sphaera (1903), 1494 denkt an das Rad des
Ixion, der eine der vielen Deutungen des Engonasin ist (Hyg. astr. 2,6,4. Schol.
Arat. 69 p. 106,4 Martin); dann wäre das Rad wohl die Nördliche Krone oder die
Leier. Mit der Nördlichen Krone identifiziert es jedenfalls W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 1661 und Ders., Stephanos (1929), 2352. — Im übri-
gen fast genau Gedrittschein zu 13,11 (Rota) bei Ge 26°—28°. Hircus:
Den Text von F hat W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 232 verlesen,
er lautet bous, vgl. Tobler-Lommatzsch s. v. boc. Es handelt sich um das Dode-
kaoros-Tier der Waage, das ausnahmsweise auch bei Manil. 5,311—323 und
Firm. math. 8,12,3 in der Mitte der Waage erscheint, vgl. F. Boll, Sphaera (1903),
298f. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 5 7 2 - 5 7 4 . Die Rolle des Haedus

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62 I. Paranatellonten

bei Manilius und Firmicus und einige sprachliche Einzelheiten legen eine Gleich-
setzung dieses Bockes mit Engonasin nahe: Ders., Manilius (1984), 182—187
und 199—201. In der Argumentation spielt auch die Leier eine Rolle, die wie ihr
Träger, Engonasin, umgekehrt am Himmel erscheint: Manil. 1,627 Lyram inver-
sant. 5,338 quae cornua ducet ad astra (der Himmel liegt unterhalb der Leier
bei Ophiuchos, s. zu I 8,2 Uranoscopus). Wäre der Bock die Leier, dann wäre
das Paar Rota et Hircus nichts anderes als Krone und Leier, nach denen Engo-
nasin die Arme ausstreckt. Firm. math. 8,12,3 siedelt den Bock bei Li 15° an, wo
im L H der Zweite Fuhrmann erscheint: Dort laufen die Parallellinien des Hörens
in einem Punkt zusammen wie die des Sehens bei Can 15°, wo sich der Affe der
Dodekaoros befindet: W. Hübner, Manilius (1984), 187—191. Doch während
Firmicus die Mitte der Tierkreiszeichen nennt, siedelt der L H die Bilder im hin-
teren Bereich der Waage an:

Sternbild LH Manilius Firmicus

Bock Hircus Haedus Haedus


Li 2 ( 9 } ° — 3 0 ° zwischen Sagitta (Li 8°) Li 15°
und Lyra (Li 26°)

Affe/ Binomia [ lyra ] Cepheus Cepheus


Kepheus Cap 24°—25° regione Aquari Cap 15°

Mit dem Wort hircus übersetzt Gerhard von Cremona den arabischen Namen
der Capella: P. Kunitzsch, Der Sternkatalog II (1990), 66. Acherontis Palus
et Acherontis Navícula: So auch die Reihenfolge in L und bei Teukros I zu
Li I, dagegen umgekehrt Teukros I zu Li II und III. Zu den Unterweltparanatel-
lonten der Waage F. Boll, Sphaera (1903), 2 4 6 - 2 5 1 . W. Hübner, Die Paranatel-
lonten (1975), 397, vgl. ferner zu I 6,8 Pluto. Acherontis Palus: Anders V1
Στυγός ύδωρ (Hexameterschluß? Vgl. Horn. II. 14,271 sowie F.Boll, a.O., 36)
und Firm. math. 8,12,2 Styx. Firmicus nennt den Unterweltfluß zu Li 8°, also bei
dem seit der julianischen Kalenderreform geltenden Herbstpunkt, das Bild ge-
hört also an jene Stelle der Ekliptik, wo die Sonne in die südliche Hemisphäre
übertritt und die Nächte länger werden als die Tage: F.Boll, Sphaera (1903),
246 f. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 236. W. Hübner, Manilius
(1984), 200 und 219f., vgl. das Exc. Barocc. II p. 466,1 ή Αχερουσία λίμνη, ό
Αφανής κόσμος. Daß die Perser so den Großen Bären benannt hätten, hat
F. Boll (a. O.), 251 ' zunächst angenommen, dann aber bei der Edition von Abu
M. introd. 6,1 p. 517'° widerrufen. Acherontis Navícula: L bietet nur
ΠλοΤον, dieses schmückt er aber weiter aus: Es ist voll von Schädeln (s. o. zu
Duo Crania) und in ihm steht ein Kentaur, vgl. die ähnlichen Kombinationen
I 7,1 Lectus et in eo Mulier accumbens und I 7,9 Navis et Qui discumbit in ea.
Der stehende Kentaur (vgl. Ps.Eratosth. catast. 28 έστηκότα) paßt insofern zur
Waage, als diese eigentlich statt zu sitzen stehen müßte: W. Hübner, Manilius
(1984), 159 f. Navícula: Der L H folgt hier der Nomenklatur von Teukros I

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7. Libra 63

und des Exc. Barocc. II p. 466,2 : τ ο Σ κ ά φ ο ς , dagegen L το Πλοΐον wie auch


I 7,9 το Πλοΐον = Navis. Zur Terminologie vgl. E. Zinn, Ά π ο ρ ο ς Σ ω τ η ρ ί α .
Horaz im Rettungsboot (carm. III 29,62), in: Eranion (FS H. Hommel), Tübingen
1961, 1 8 5 - 2 0 5 . F.Boll, Sphaera (1903), 1 6 9 - 1 7 8 behandelt die Schiffe und
Boote am Himmel ausführlich, enthält sich aber an dieser Stelle jeder Deutung,
vgl. 248 f. [sunt enim termini Mariis eqs.]: In die letzten Teukros-Parana-
tellonten der Waage ist der Marsbezirk V 7,5 Fortitudo eingeschaltet. Er bestätigt
die Ergänzung der Einerziffer (nono). Manil. 5,322 suadente Lyaeo nimmt
beim Haedus der Dodekaoros wahrscheinlich zusätzlichen Marseinfluß an:
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 573. in quibusdam vero rebus: Das
Wörtchen vero schafft im Gesamttext zwar einen Gegensatz zwischen gloriosi
und infortunati, doch bezieht sich das erste Wort auf den Marsbezirk V 7,5 und
das zweite auf die hier zu behandelnden Teukros-Paranatellonten. infortu-
nati, äff lieti: L nennt gar drei ähnliche Wirkungen: αθλίους, δυστυχείς, θλι-
βομένους. Sie beziehen sich vielleicht auf den unglücklichen Fuhrmann, vgl. zu
I 7,5 infelices. — Davor nennt L noch die Prognosen τροπήν, δουλίους, die er-
ste ist vielleicht unter die Einzelgradprognosen für Li 24° und Li 26°.27° geraten,
vgl. zu II 7,3 = II 7,4 instabiles. Zur zweiten Prognose vgl. W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 211. intendentes ad venerea: Dagegen in L nur προσ-
έ χ ο ν τ α ς , anders F envieus, der vielleicht invidentes gelesen hat. Neid gehört
zum Saturnbezirk V 8,5 : invidi = F envieus. Danach ist in L wohl die Entspre-
chung zu ad venerea ausgefallen. Die statt dessen folgenden Prognosen gehören
zu I 8,3 Ophiuchus, wenn auch Firm. math. 8,25,9 einen pigmentarius schon für
Li 25° erwähnt. ad venerea: Dürfte sich nur auf den Bock beziehen, vgl.
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 573 zu Manil. 5,321 f. laseivit amores | in
varios mit Hinweis auf Firm. math. 8,12,3 laseivis moribus et praeposteris amo-
ris cupiditatibus obligatus und Rhet. B. p. 205,2 (vgl. Rhet. C p. 198,16) über die
Waage: εστί δέ καί ά σ ε λ γ έ ς καί πολύγονον κ α τ ά τον Τράγον. tam-
qiiam scorpiones: Seltener Hinweis auf die Gestalt des übergeordneten Tier-
kreiszeichens, vgl. zu I 3,8 ut serpens. Waage und Skorpion waren einmal ein
einziger Riesenskorpion, diese Prognose könnte also auf eine frühe Zeit noch vor
der Trennung der beiden Bilder zurückgehen, vgl. jedoch auch die Vertauschung
der Helligkeitsbezirke von Waage und Skorpion in Kap. III. c u s ( p i d e ) fodi-
unt: Uberliefert ist custodiunt. Für die gewagte Konjektur von F. Cumont spricht
F si comme escorpion stimulant, vielleicht auch die seltsame Nachricht des Firm,
math. 8,4,7 über die Waage: in istis partibus, id est in posterioribus, terra dicitur
esse conposita. Uber den Stachel des Skorpions W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 189 und 577 zu Manil. 4,217 cuspide, dazu Theod. Pr. De Mangan. 4,30
κ ρ υ π τ ο δ ά κ τ η ς . Der Stachel sitzt allerdings nicht an dieser Stelle (am Ende der
Waage), sondern am Ende des Skorpions, wo er der Pfeilspitze des folgenden
Schützen entgegengerichtet ist: Ptol. synt. 8,1 p. 110,19: Sc 27°—27°30'. Anon.
a. 379 CCAG V 1 (1904), 208,27: Sc 30°, Rhet. C p. 190,21: Sa 1°. Die letzten
fünf Grade des Skorpions nennt Firm. math. 8,4,8, woran sich im LH I 9,1 die er-
sten fünf Grade für die Pfeilspitze des Schützen glatt anschließen.

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64 I. Paranatellonten

8. Scorpius

Die ersten beiden Bezirke besetzen ebenso 7° wie die letzten beiden. Dasselbe ist
beim gegenüberliegenden Stier der Fall, vgl. auch zum Steinbock. In der Mitte
herrscht Verwirrung.
1. Hippocentaurus qui defert leporem: Die Nomenklatur wechselt, nach L
Κένταυρος λαγωόν βαστάζων, ebenso V1, nach PsAnt. (V:1) Χείρων κατ-
έχων λαγωόν (aber beim Wassermann Κύνα κατέχων τις: s. zu 111,3). Das
Exc. Barocc. I p.465,11 trennt beides: Κένταυρος, ... λαγωός, das Exc. Ba-
rocc. II p. 466,3 kennt nur den Hasen. An der Parallelstelle I 3,2 lesen auch PL
wie der LH Ίπποκένταυρος. Wegen des Zusatzes qui defert leporem handelt es
sich eindeutig um den Südlichen Kentauren: F.Boll, Sphaera (1903), 143—148,
es erscheint also nach langer Zeit zum ersten Mal wieder ein klassisches Stern-
bild. Das zugehörige Tier folgt erst etwas später bei Sc 11°, s. zu 18,4 Canis,
(</ui[a] intendit ad Chironem). qui defert leporem: Es handelt sich weder
um den klassischen Hasen noch um das θηρίον des Kentauren in seiner Rech-
ten, das heute Lupus heißt, sondern um ein anderes Tier in seiner Linken, Schol.
Germ. Strozz. 43 p. 226,18 a quibusdam arbitratur tenere in sinistra manu arma
et leporem, in dextra vero bestiolam, quod therion appellatur. In seiner Linken
hält der Kentaur nach klassischer Tradition einen Thyrsosstab, vgl. F. Boll —
W.Gundel, Sternbilder (1937), 1012 f. Über andere Figuren mit Gegenständen
in beiden Händen s. zu I 7,7 cranium et coronam tenens. [vocatur locus
eqs.]: In das Teukros-Paranatellon ist der Gradbezirk VI 8,1 Obviatio einge-
schaltet. venatores aut milites fiunt: Gehört nach L στρατιώτην,
θηρώντα über den Gradbezirk hinweg wieder hierher. Der LH hat die Reihen-
folge der beiden Prognosen vertauscht. venatores: Ebenso II 2,8, s.d.
1
2. Uranoscopus: So auch L, während V Ουρανός liest, das Exc. Barocc. II
p. 466,3 bietet das unverständliche + όσκοπίποτος. Auf den ersten Blick scheint
sich also die von F.Boll, Sphaera (1903), 264 letztlich ausgesprochene Vermu-
tung zu bestätigen, daß V1 Ουρανός aus L Ούρανοσκόπος verkürzt worden
sein könnte. Doch ist das Wort ουρανός auch ein Name für Adonis (s. zu I 7,4),
der wiederum mit Ophiuchos gleichgesetzt wird: Himmelsbeschauer und Him-
mel liegen einander spiegelbildlich gegenüber wie Engonasin und Ophiuchos,
hierzu genauer W. Hübner, Uranoscopus (1990), 272f., ferner die zu 17,3 Chi-
ron verglichenen 6°-Abschnitte Li 7°—12° und Sc 5°—10°. Die von F. Boll (a. O.)
vorsichtig vermutete Identität von Uranoscopus und Engonasin ist so gut wie si-
cher, abzulehnen dagegen die von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
244 f. vorgeschlagene Gleichsetzung mit α CEN oder die von Dems., Paranatel-
lonta (1949), 1255 f. mit dem Südlichen Fisch, weil es auch einen Fisch mit dem
Namen ούρανοσκόπος gegeben habe. — Das Sternbild begegnet noch einmal
I 9,7 unter dem Schützen, wo es in L fehlt und wo V1 noch einmal Ούρανός
liest. i.e. caelum aspiciens: Ubersetzung des griechischen Namens wie
II 1,1 i.e. Habens caput caninum, s. d. fiunt eqs.: Die Prognose ist von dem
Sternbild durch das Wetternotat IV 8,1 und den Helligkeitsbezirk 1117,1 ge-
trennt. astrologi, astronomi: Doppelt für L αστρονόμους wie V 6,1 gegen-
über Kritod. (s.d.), vgl. W. Hübner, Die Begriffe (1990), 25®. Auf den ersten
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8. Scorpius 65

Blick könnte diese Doppelung die von F.Boll, Sphaera (1903), 264 erwogene,
aber wieder verworfene Konjektur ό ουρανός (ούρανοσ) κόπους, άστρονό-
μους (sc. δηλοΐ) bestätigen, doch über das Exc. Barocc. II hinaus bestätigt auch
der LH hier und I 9,7 den Sternbildnamen Uranoscopus. Die Prognose hat mer-
kurialischen Charakter: W. Hübner, Uranoscopus (1990), 264; Ptol. apotel.
1,9,16 verleiht dem Engonasin ausschließlich Merkurqualität. semper in
deum spem habentes: Ahnlich die Prognose an der Parallelstelle I 9,7 orantes
semper et venerantes deum, s. d. semper: Auch das wie I 9,7, doch meist
verstärkt dieses Wort eine schlimme Prognose, s. zu 112,15 semper omnia de-
struentes.
3. Ophiuchus et Aesculapius et Sanitas et Duo Dracones perplexi: L und
V1 bieten nur ó (καλούμενος) Όφιοϋχος, doch Ps.Ant. (V3) alle vier Namen,
und zwar in umgekehrter Reihenfolge: Ύγίεια [der Akzent deutet auf Poesie]
περιειλημμένη, Δράκοντες [so gegen Boll zu lesen, vielleicht zu konjizieren
Ύγίεια, περιειλημμένοι Δράκοντες: s.u.] καί Ασκληπιός και Όφιοΰχος.
In derselben Reihenfolge wie Ps.Ant. verteilt Teukros I die Sternbilder auf die
drei Dekane:
Sc I Ύγ(ι)εία (Akz.!)
II Ασκληπιός
III ό Όφιοΰχος.
Demnach bezeichnen die drei Namen wohl dasselbe Sternbild : F. Boll, Sphaera
(1903), 113f. Ophiuchus et Aesculapius: Für deren Identität gibt es auch
andere Zeugnisse: Ps.Eratosth. catast. 6. Serv. Aen. 11,259 Ophiuchus ipse est
Aesculapius. Rhet. C p. 181,19 (α ΟΡΗ) δυνάμεως Άσκληπιακής, dazu Α. Le
Bœuffle, Les noms (1977), 198. — Nach Ps.Eratosth. (a. 0.) steht Ophiuchos auf
dem Skorpion: ό έπί Σκορπιού έστηκώς, ja er scheint das Untier noch weiter
nach Süden zu drängen: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 100f., vgl. Dens.,
Das Horoskop (1975), 120f. Ophiuchus: Besetzt zusammen mit 18,2
Uranoscopus ebenso einen 6°-Abschnitt wie unter der Waage (I 7,3—4) Chiron
mit Adonis : In beiden Fällen dürfte das Paar Engonasin-Ophiuchos gemeint sein.
Wenn Ophiuchos nach L auch bei Le 6°—7° zu ergänzen ist, ergibt sich ein Ge-
viertschein zu dieser Stelle (s. zu I 5,3) und ein ungefährer Sextilschein zu I 7,4
Adonis bei Li 1 Io—12°. Der hellste Stern des Schlangenhalters erscheint VII 8,5
unter den Einzelsternen bei Sc28°16'. — Verschiedene Namensformen der alt-
französischen Handschrift für den Ophiuchos sammelt S. Feraboli, A proposito
del calendario (1991), 150, darunter auch die in diesem Text fehlenden Formen
Serpenteres/Serpentaires, die von dem lateinischen Namen abgeleitet sind.
Aesculapius et Sanitas: Nebeneinander auch bei Heph. 3,7,16 (jedoch im
Schützen und in den Fischen, also in den Häusern Jupiters), ebenso Horosc.
L479: der Mond bei Sc 16°, wobei der folgende Text jedoch nicht in Ordnung
ist. Duo Dracones perplexi: Nach Ps.Ant. (V:i) bezieht sich περιειλημμένη
auf Ύγίεια. Das Bild kehrt zweimal unter dem Wassermann wieder, das erste
Mal nach Teukros II bei Aq 4°—7° (I 11,2): Duo Dracones = Δύο Δράκοντες,
das zweite Mal nach Teukros I bei Aq 22°-23° (22°-26° trad.; la 11,9): Duo
Dracones = Δύο Όφεις εχοντες προς άλλήλους συνάφειαν. Die letztge-
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66 I. Paranatellonten

nannte Beschreibung übernimmt der LH dort nicht, hier erscheint sie jedoch in
dem Wort perplexi. Demnach ist bei Ps.Ant. wohl zu konjizieren: Ύγίεια, περί-
ειλημμένοι Δράκοντες. faciunt eqs.: Gilt in L nur für Ophiuchos, ein
Grund mehr, die drei Sternbilder zu identifizieren. ferarum interfectores :
Anders Manil. 5,391—393 und Firm. math. 8,15,1: Schlangenbeschwörer, die
friedlich mit dem Tier verkehren. S. Feraboli, Ricerche (1989), 224 vergleicht die
Todesprognose Firm. math. 8,26,3 für Sc 8°: ab aspide aut a vipera percussi mo-
rientur. herbularios, medicos: Hiernach sind in L wohl folgende Progno-
sen von 17,10 in diesen Bezirk umzustellen: φαρμάκους [-κούς cod.], φιλιά-
τρους. herbularios: Übersetzt vielleicht das hierher umzustellende Wort
φαρμάκους (der Akzent ist auch bei Ptol. apotel. 3,14,17. al. zu ändern), aber
I 3,2 βοτανικούς. Die Prognose herbularios verheißt neben medicos auch der
Hippocentaurus (13,2), vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 934. Möglicherweise
gehört hierher auch die Einzelgradprognose Firm. math. 8,26,3 für Sc 9°: hortu-
lanus hortorum semper culturis applicatus, die S. Feraboli, Ricerche (1989), 224
beizieht. medicos: Eine deutliche Wirkung des Aesculapius, vgl. Ps.Era-
tosth. catast. 6 τέχνη ιατρική χρώμενον. Rhet. C p. 181,21 ιατρών άριστων
συναστρίας θεραπεύει, ähnlich CCAG V I (1904), p. 210,6 und F.Boll,
Sphaera (1903), 479. Exc. Paris, p. 225,23. S. Feraboli, Ricerche (1989), 224
und 233 erinnert an die Einzelgradprognosen Firm. math. 8,25,10 (für Li 30°):
medici magni und 8,26,1 (für Sc I o ): incantator, qui latentes dolores mitiget,
doch die Grade sind zu weit entfernt, um dazuzugehören. Vgl. im übrigen zu
I 3,2. pigmentarios: Fehlt in L, dafür nach der Umstellung doppelt ιατρι-
κούς ... ιατρούς. Beispiele aus Firmicus sammelt F. Cumont, L'Egypte (1937),
942. S. Feraboli, Ricerche (1989), 233 vergleicht Firm. math. 8,25,9 schon für
Li 27°: erìt pigmentarius. optimos: In L auf die Arzte bezogen: καλλίστους
ιατρούς, das ist wohl der ursprüngliche Text, vgl. Rhet. C (a. Ο.) ιατρών
άριστων.
4. (ab undécimo eqs.): Überliefert ist für den nächsten Bezirk (18,5)
Sc 12°—18° bzw. (F) Sc 10°—18°. Beides scheint nicht zu stimmen, denn bei
einem Beginn mit Sc 1 2° wäre der Grad Sc 11° gar nicht und bei einem Beginn
mit Sc 10° doppelt besetzt. In beiden Fällen wäre der Abschnitt mit seinen sie-
ben bzw. neun Grad ungewöhnlich lang, etwa so lang wie der Merkurbezirk
V8,3 von Sc 12°—19°. Auf eine frühe Verwirrung läßt auch Horosc. L 4 7 9
schließen, wo Asklepios und Hygieia bei Sc 16° erscheinen, vgl. zu I 8,3 Aescula-
pius et Sanitas. est: S. zu I 1,3. Canis: Ist nach L durch eine eigene
Prognose von dem folgenden (I 8,5) Bucephalus zu trennen. Diesen Hund haben
F.Boll, Sphaera (1903), 1 4 3 - 1 4 8 und W.Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 206 mit dem θηρίον in der rechten Hand des Südlichen Kentauren
identifiziert, vgl. zu 18,1 Hippocentaurus, qui defert leporem. Es gehören also
der tragende Kentaur und das getragene Tier zu einem Paar zusammen, daher
erscheinen sie bei Ps.Antiochos auch hintereinander, und zwar sowohl beim
Skorpion als auch beim Wassermann (Geviertschein):

Sc Χείρων κατέχων λαγωόν


και επάνω Κύων προσέχων τω Χείρωνι [V3, τάς χείρας Α]
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8. Scorpius 67

Aq Κύνα κατέχων τις ,έκτείνας την δεξιάν, [om. Α]


καί Κύων L καθήμεvoς J [om. V s | προσέχων.

Deutlich zeigt sich die Variation von Hase und Hund sowie von Chiron und χεί-
ρες. Den letztgenannten unbestimmten 'Hundehalter' identifiziert Ps.Antiochos
unter dem dem Skorpion gegenüberliegenden Stier mit Anubis:

Ta V3 'Άνουβις [...] τήν μεν άριστεράν έκτείνας, τη δε δεξιά τους πό-


δας του Κυνός κατέχων
Α Άνουβις [...] τη δεξιά χειρί κατέχων του Κυνός τους πόδας.

Zum Text F. Boll, Sphaera (1903), 166, der auf S. 1 7 8 - 1 8 1 das Paar Anubis -
Hund mit dem Sternbilderpaar Canis maior — Lepus identifiziert (der Hase
kommt bei Teukros nicht vor). Wieder anders der LH unter dem Schützen
(19,4):

Sa 16°—20° Chiro tenens manum Cephei


L ó Κύων ό κρατών Κηφέως τήν χείρα

Da Anubis mit Kepheus gleichzusetzen ist (s. zu II 1,1 Cynocephalus), dürfte es


sich um dasselbe Sternbilderpaar handeln, nur daß die Blickrichtung jetzt umge-
kehrt vom Tier zu Kepheus/Anubis verläuft und den Füßen des Hundes die
Hand des Kepheus entspricht. Das alles klingt nach einer ägyptischen Umdeu-
tung eines Sternbilderpaares, dessen Lokalisierung noch nicht endgültig gesichert
ist. Die unsichere Gradangabe im Skorpion zwischen Chiron bei Li 7°—10°
(I 7,3) und Chiro bei Sa 16°—20° (I 9,4) läßt auf eine frühe Verderbnis schlie-
ßen. (qui[a] intendit ad Chironem): Ist erst am Ende des Lemmas als Be-
gründung für die Prognose in der Form quia intendunt ad Chironem überliefert.
Nach Ps.Ant. (a. Ο.) Κύων προσέχων τω Χείρωνι handelt es sich jedoch um
eine Beschreibung des Sternbildes Canis. F bietet den defektiven Text qui enten-
dent ( . . . ) , rettet also das in H zu quia deformierte Belativpronomen, hat aber
mit H den falschen Plural der Verbform gemeinsam. Vgl. das Paar I 11,4 Hippo-
crator und I 11,3 Lupus, qui comedit manum Hippocratoris bei Aq 8°—13°: Ge-
viertschein zu dem hier an zweiter Stelle genannten Canis. Gegensatz zu dem
"aufmerkenden Hund" ist der Κύων άπεστραμμένος des Teukros I bei Sa I.
qui[a]: Andersherum VI 6,4 qui(a). temptativos, amatores contentio-
num, rixatores : Dreimal für L εριστικούς, was nur zum Sternbild Canis gehört,
vgl. die Doppelung I 5,7 contentiones, rixas statt L εριν, ebenfalls für den Hund
bei Le [trad. Pi] 16o—18°: Geviertschein. temptativos: Deutet das erst spä-
ter überlieferte Wort intendunt aus. Von W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 207 mit "Wagemutige" wiedergegeben, wahrscheinlicher ist jedoch die
Bedeutung "seducens, fallax", vgl. Du Cange s.v. Ausgeschlossen ist Gundels
Konjektur "tempestativos?".
5. a duodecimo [?]: Der Anfangsgrad dürfte falsch überliefert sein (70F),
denn es ist unwahrscheinlich, daß I 8,4 Canis nur Sc 11° besetzt. Die Zahl 10
in F läßt auf den Ausfall der Einerziffer schließen, vgl. zu 13,10 vicésimo ( ter-
tio) und zu II 1,17 vicesimus (septimus). ad octavum decimum: Der
Schlußgrad ist ebenfalls unsicher, weil der anschließende Bezirk Sc 19°—23°
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68 I. Paranatellonten

nicht besetzt ist. Bucephalus : Wird schon einmal I 6,9 am Ende der Jung-
frau genannt, von F. Boll und W. Gundel als Bootes gedeutet, s. d. opera-
rios: Gehört nach L έργάτας nur zum Bucephalus, der nach anderen Texten
ein Pflüger, also ein hart arbeitendes Wesen ist: F.Boll, Sphaera (1903),
2 2 7 - 2 3 2 . S. Feraboli, Ricerche (1989), 234 vergleicht Firm. math. 8,26,3 schon
für Sc 8°: erunt opifices. Vgl. ferner Firm. math. 4,14,2 (Vollmond von Merkur
zu Saturn wandernd): operarios sempitemis laboribus deditos — wir sind im
Merkurbezirk V 8,3, vgl. ferner F. Cumont, L'Egypte (1937), 104 3 . [quia in-
tendunt eqs.]: Gehört nach Ps.Antiochos zur Beschreibung des Canis, s.o. zu
18,4.
6. Der Bezirk Sc 19°—23° wird durch kein Sternbild abgedeckt, auch L bietet
an dieser Stelle nichts, V1 nennt (noch vor dem Ophiuchos) Άροτρον und Κρό-
νος. Der Pflug gehört in die Nähe des "Stierköpfigen", mit dem ihn L — wohl
falsch — verbindet, s. zu I 6,6—9 ό Βουκέφαλος ό εχων το αροτρον, Kronos
gehört an den Anfang der Waage (I 7,2): Κρόνου πρόσωπον. — In dem falsch
benannten Jupiterbezirk V 8,4 Intemperantia bei Sc 20°—24° sind die Progno-
sen intemperati ...et turpes sowie scribae et grammatici vel doctores vel recto-
res, divites bei Kritodemos ohne Entsprechung, vielleicht gehört ein Teil davon
zu einem hier zu ergänzenden Teukros-Sternbild.
7. a vicésimo quarto: Die beiden Gegenstände Becher und Altar besetzen zu-
sammen den 7"-Abschnitt Sc 2 4 ° - 3 0 ° . Crater: Von F. Boll, Sphaera (1903),
142 f. als der klassische Becher erkannt, dagegen kaum richtig W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 205f., der zunächst an eine Verwechslung mit dem
Altar denkt (mit Hinweis auf seine Behandlung des Altars, in der aber nichts dar-
über zu finden ist), dann jedoch an ein kleines Teilbild im Centaurus (danach
S. Feraboli, Ricerche, 1989, 225). Der Becher erscheint schon vorher I 3,10 bei
Ge 2(3)°—25° neben dem Dreifuß und der Kithara und I 5,2 bei Le 4°—5° mit
dem Raben auf der Wasserschlange: keine Aspekte — wohl aber Sextilschein zu
15,10 Lavatorium bei Le 23°—24°, s.d. Der Rabe, der sich sonst in der Nähe
des Bechers befindet, steht hier von ihm getrennt: 16,5 bei Vi 14°—15° und
I 10,2 bei Cap 4°—7°. modestos, viros stabiles: Einer anderen Interpunk-
tion folgt F les enmanieres hommes et estables, L bietet nur ein einziges Wort:
τεταγμένους. Die Prognose ergibt sich aus der Funktion des Mischkrugs, vgl. zu
I 3,10 prudentia temperatos homines. Einen Gegensatz bildet der — wohl fal-
sche — Name Intemperantia des Jupiterbezirks V 8,4, s. d. modestos : So
auch die Wirkung des letzten Grades Sc 30° (II 8,8). viros stabiles : Der
Skorpion gehört zum Quadrat der 'festen' Tierkreiszeichen : W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 74—80, vgl. unter dem Wassermann zu I 11,1 in eisdem ex-
sistentes rebus et locis. Gegensatz ist unter dem Krebs die Prognose V 4,5 insta-
bilissimi und im Geviertschein dazu unter der Waage II 7,4 instabiles (vgl.
II 7,3).
8. a vicésimo sexto usque ad tricesimum : Diese Angabe gilt nur für den Al-
tar, der zusammen mit dem Becher den 7°-Abschnitt Sc 24°—30° besetzt, nicht
aber für den hiermit verquickten Saturnbezirk V 8,5, der schon mit Sc 25° be-
ginnt. Denselben Bezirk Sc 26°—30° besetzen die im Skorpion erstmals richtig
überlieferten gradus umbrosi (III 8,7). Der Bezirk des Teukros-Sternbildes wird
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8. Scorpius 69

in diesem Falle ganz von dem des Einzelsternbildes VII 8,6 Sacrificatorium
überdeckt, das von Sc 24°6' bis S a 6 ° ( 2 6 ' ) reicht. Turibulum: Übersetzt
Θυμίατήριον, vgl. A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 148f., anders I 10,1 Ara,
quae vocatur Sacrificatorium = Βωμός, δς καλείται Θυτήριον, vgl. VII 8,6
Sacrificatorium nach Ptol. synt. 8,1 Θυμχατήριον. facit sacerdotes, sacri-
ficatores, cocos, macellarios: Gehört nach L über die Angabe des Saturnbe-
zirks V 8,5 hinweg wieder zum Altar. Dieselben Wirkungen, nur in umgekehrter
Reihenfolge, verheißt der Altar unter dem Steinbock (I 10,1): macellarios, cocos
et quaecumque pro sacrificiis fiunt. sacerdotes: So schon zweimal unter
den Zwillingen, s. zu I 3,2 Hippocentaurus et Apollo und I 3,10 Tripes et desuper
Cithara et Crater. Von den bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 1181 genannten vier
Firmicus-Stellen beziehen sich die ersten drei (math. 3,7,6. 3,7,19 f.) auf Merkur
allein, die vierte (math. 3,12,16) auf Merkur und Venus, es sind also die beiden
von Ptol. apotel. 1,9,24 für den Altar genannten (im LH fehlenden) Planeten im
Spiel. Am nächsten kommt Firm. math. 8,26,15 (Ara südlich des Skorpions):
erunt sacerdotes, qui ex sacrificiis habent[es] vitae subsidia. sacrificatores:
Übersetzt θότας, vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 1602. cocos, macella-
rios : Verkehrt die Reihenfolge gegenüber L μακελλαρίους, μαγείρους, vgl. die
Prognose coci für den sich mit diesem Bezirk teilweise deckenden Gradbezirk
VI 8,3 Gustus bei Sc 28°—30°. Köche werden nach Ptol. apotel. 4,4,5 unter dem
Einfluß von Mars und Saturn, nach Rhet. CCAG VII (1908), p. 225,25 μακελ-
λαρίους, κυνηγούς καί μαγείρους unter dem Einfluß des Mars geboren, vgl.
F. Cumont, L'Egypte (1937), 941 und 1302.

9. Sagittarius

Die ersten vier Paranatellonten besetzen bei diesem Tierkreiszeichen regelmäßig


einen 5°-Abschnitt. Bis auf die Pfeilspitze am Anfang werden diese 5°-Abschnitte
jeweils von zwei oder mehreren Paranatellonten besetzt, sonst werden Paare von
Sternbildern auf Einzelabschnitte von 2° und 3° innerhalb eines übergeordneten
5°-Abschnitts verteilt.
1. a primo gradu Sagittarii usque ad quintum: Ein 5°-Abschnitt ist für eine
punktuelle Pfeilspitze reichlich breit, hier liegt wohl ein spekulativer Grund vor:
Ein Teil des Schützen selbst steht am Anfang (s. zu I 2,1 Pliades) und bildet eine
Opposition zu den beiden Kopfsternen der Zwillinge, 13,1 Hercules und 13,2
Apollo bei Ge 1 °—5°. Bei Firm. math. 8,4,8 besetzt der konträre Schwanzstachel
des Skorpions die vorausgehenden 5°: in aculeo vero eius [...] posteriores quin-
qué partes collocantur. acuitas teli: Übersetzt L άκίς, ebenso VII 9,1 acui-
tas teli nach Ptol. synt. 8,1 p. 112,20 άκίς, ferner LH c. 1 p. 22,18 (zu Sal) tenet
acida. Anders Rhet. Β. p. 207,27 τόξον: Der ganze Bogen paßt besser zu einem
Gradbezirk (bei ihm Sa 4°—7°). Zur Pfeilspitze des Schützen, die dem Skorpion-
stachel entgegengerichtet ist, W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 520 und
583f., vgl. 0 . Neugebauer zu Horosc. 137c I 18. hic: Müßte eigentlich haec
heißen (anders F et), dennoch nicht geändert, weil der Schreiber entweder den
Schützen gemeint haben könnte, in dessen Pfeilspitze sich seine ganze Kraft kon-
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70 I. Paranatellonten

zentriert, oder einen Grad innerhalb des Bezirks. facit: Anders F denote.
amissiones pecuniarum facientes: Nicht mehr in L, gehört vielleicht zum Was-
sermann, vgl. Manil. 4, 271 f. faciles in damna feruntur; \ nec deest nec superest
census: sic profluit urna, dazu W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 602 f.
2. a sexto gradu usque ad decimum: Opposition zu I 3,4 Theseus bei
Ge 8 o —10°, Sextilschein zu 17,3 Chiron bei Li 7°—10° und Gedrittschein zu
I 1,4 Perseus bei Ar 8°—10°, vgl. das Schema dort. Atlas: Nicht in L, anders
auch Ps.Ant.: Τάλως [Boll: glänzend bestätigt durch B: F.Boll, Endymion,
1921, 4 8 0 ; ταλός V :i , ταώς Α] ρίπτων λίθον, wieder anders Teukros I (zu
S a l ) : θεός τις κατακέφαλα κείμενος [Position des Engonasin, vgl. oben zu
I 1,4 caput habens inferius bei Ar 8°—10°: Gedrittschein], καλείται δε Τάλας.
Zum "armen" Engonasin W. Hübner, Uranoscopus (1990), 269. Atlas erscheint
hingegen bei Ps.Antiochos und — ohne diesen Namen — auch bei anderen unter
dem Löwen (Beziehungen zum Löwen bestehen auch beim folgenden Sternbild,
Ancipiter: s. u.), und zwar neben dem Zweiten Fuhrmann mit Rad und Peitsche
(Ps.Ant. V :! ): Τοξευτής [singular: Verwechslung mit dem Τοξότης?] καί Αυλοί
καί Κύμβαλα καί Άτλας και Ηνίοχος τροχόν κατέχων τη αριστερά
χειρί καί μάστιγα. Da der Zweite Fuhrmann mit seinen beiden Gegenständen
dem Engonasin mit Krone und Leier zu entsprechen scheint (s. o. zu I 2,4 Ilenio-
chus rotam tenens und zu I 7,7 Unus nudus Currens cranium et coronam te-
nens), dürfte hier dasselbe für Atlas zutreffen. An entsprechender Stelle im Lö-
wen, wo Ps.Antiochos den Atlas sowie Flöten und Zymbeln ansiedelt, erscheint
in beiden Teukrostexten ein namenloser Gott, Teukros II (L): Ό εχων τεταμέ-
νος τάς χείρας και κρατών κύμβαλα (nicht im LH), Teukros I zu Le II:
θεός τις εχων τάς χείρας ανω έκτεταμένας, dann folgen nach Hydra und
Becher Κύμβαλα καί οί Φρύγιοί Αύλοί, s. ο. zu I 5,5 Frigii Tibicines. Die aus-
gestreckten Hände gehören zu Engonasin (s. zu 1 9,7 orantes semper et veneran-
tes deum): Wie Engonasin seine Hände nach Leier und Krone und der Zweite
Fuhrmann seine Hände nach Peitsche und Rad (o. ä.) ausstreckt, so könnte Atlas
(bzw. die namenlose Figur) die Hände nach den Zymbeln und Flöten ausstrek-
ken. Mindestens die Zymbeln werden dieser Figur ja in die Hand gegeben. Dem-
nach hat F. Boll, Sphaera (1903), 260f. und 2 7 8 - 2 8 0 sowohl den Atlas als auch
den kretischen Gott Talos wohl richtig mit Engonasin identifiziert. Die Interpreta-
tion des Engonasin als Atlas stellt ebenso eine elementare Verknüpfung zwischen
Himmel und Erde dar wie I 8,2 und I 9,7 Uranoscopus, vgl. F. Saxl, Atlas der Ti-
tan (1933), 4 4 - 5 3 und W. Hübner, Uranoscopus (1990), 2 7 2 - 2 7 4 . Im übrigen
sprechen auch die unter I 1,4 dargestellten Aspekte für eine Gleichsetzung mit
Engonasin. — Abwegig W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 174. 220.
250, der Atlas zunächst mit der linken Hand des Serpentarius und dann (an die-
ser Stelle) mit dem Pfeil und der linken Hand (nebst Bogen) des Sagittarius
gleichsetzt. Ancipit[r]i(s) faciem habens tamquam regina: H liest Anci-
pitri, was nicht nach I 9,8 in Ancipitri( s) im Sinne von Accipitris geändert wer-
den sollte. Zwar liest auch F Ancipiter, vgl. Ps.Ant. (V s Α) Ίέραξ am Anfang des
Schützen, der Falke fehlt jedoch in L an dieser Stelle ebenso wie Atlas, es heißt
vielmehr: Ό το πρόσωπον το βασιλικόν εχων, wieder anders V διπρόσω-
πον βασιλείας, demnach ist in L vielleicht statt το πρόσωπον zu lesen δι-

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9. Sagittarius 71

πρόσωπον, vgl. zu V 1,1 Curms: Ά ρ μ α neben Δίαρμα. Der Falke ist das Dode-
kaorostier des Schützen und gehört als solches nicht an den Anfang, sondern an
das Ende des Tierkreiszeichens, s. u. zu 19,8 anterior pars Ancipitris bei
Sa 27°—30°, daher hat W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 220 den
Falken an dieser Stelle zu Recht ausgeschlossen (er erscheint 15,11 auch bei
Le 26°—27°). Gundel hat jedoch nicht erkannt, daß hier selbst der Name nicht
richtig überliefert ist, denn man hat wohl mit einer Verwechslung der Genitive
Ancipitri(s) und ancipit[r]i(s) zu rechnen. Ancipit[r]i(s) faciem ha-
bens: Übersetzt V1 διπρόσωπον. Zum doppelköpfigen Schützen F.Boll,
Sphaera (1903), 181. F. Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 949 f. Vgl. auch
den Saturnbezirk V 1,5 Διπροσωπία = Bifacies. tamquam regina: Ent-
spricht eher dem Text von V1 βασιλείας (vgl. am Ende des Steinbocks Βασί-
λισσα) als dem von L βασιλικόν. Das Wort wurde von W. Gundel, Paranatel-
lonta (1949), 1247 f. kaum richtig auf das eine der beiden Gesichter des
Schützen bezogen, es geht wohl eher um beide Gesichter, s. o. pugnatores,
victores : Gehört nach L nicht zu Atlas, sondern nur zu der (doppelköpfigen) kö-
niglichen Gestalt, vgl. Firm. math. 8,27,3 für Sa 10°: athleta (h)oplomachus, fer-
ner zu 112,13 athletas. Es handelt sich also eher um Sportler als um Krieger;
zum kriegerischen Schützen vgl. immerhin W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 303 und 583 f. zu Manil. 4,561, dazu Theod. Pr. Mangan. 4,29. vic-
tores: Dieselbe Wirkung verheißt 16,9 der Stierköpfige bei Vi 27°—30°.
3. est: Wie I 1,3, s.d. Argo et Pelagus: Die Doppelung ist bei diesen
Sternbildern typisch, vgl. an der diametral gegenüberliegenden Stelle I 3,5 Navis
et Corona bei Ge 1 Γ—12° (Ρ τό ΠλοΤον καί ό Στέφανος, aber L το Πλοΐον
των πιθήκων), um dasselbe Paar von Namen handelt es sich wohl auch an spä-
terer Stelle im Schützen: 1 9,6 Navis et Meridionalis Corona bei Sa 21°—23°, wo-
für Ps.Ant. (V:i Α) ΠλοΤον και Στέφανος bietet. Zumindest bei Schiff und
Krone dürfte es sich um dasselbe Sternbild handeln, s.u.; V1 trennt die beiden
Namen: Αργώ, Ούρανός, Πέλαγος: Die beiden ins Unendliche weisenden Re-
gionen, Himmel und Meer, stehen beisammen. Argo: Nicht die klassische
Argo, sondern das Schiff unterhalb des Schützen, das 1 3,5 Navis genannt wird,
wie umgekehrt Argo auch Navis heißt: A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 141.
Argo erscheint als Paranatellon des Schützen auch bei Firm. math. 8,27,12 und
im Horosc. L 479 (in der Deutung folgt dort an einer unklaren Textstelle έν τω
πελάγει), dies geht zurück auf Ps.Eratosth. catast. 28 όθεν έστί και πλοΐον
αύτοΰ μαρτύριον [cf. Schol. Germ. Bas. 29 p. 352,11 sub hoc sita est /Vavis],
5τι πασίν έστι σαφής, ού μόνον τοις έν χέρσω, άλλα και τοις έν πελά-
γει. Das Schiff unterhalb des Schützen besetzt den Platz der Südlichen Krone:
F. Boll, Sphaera (1903), 173f. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 202
(vgl. 198f. und 209). Zur ausgedehnten Wasserregion am Südhimmel G.Thiele,
Antike Himmelsbilder (1898), 5. F.Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937),
1006,39. W. Hübner, Perseus (1979), 160. - F.Boll, Sphaera (1903), 138 setzt
das Πέλαγος mit dem Ωκεανός gleich (I 1,9), den er als Eridanus deutet. Er
meldet aber selbst Zweifel an und denkt an eine Gleichsetzung des Π έ λ α γ ο ς
mit dem vorher als Argo bezeichneten Schiff unter dem Schützen, so auch
W. Gundel, ibid., und Ders., Dekane (1936), 110. Nach Ps.Eratosth. catast. 28
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72 I. Paranatellonten

und Horosc. L 479 gehört das Wort πέλαγος zur Beschreibung des ΠλοΤον,
s.o. Wenn Kam. 1201 für S a l i i den Namen Πελαργός, "Storch", anstelle des
Ίέραξ der Dodekaoros nennt, dürfte es sich um eine Verwechslung mit dem hier
genannten Πέλαγος handeln. naucleros, negotiatores: Umgekehrte Rei-
henfolge gegenüber L, doch dieselbe wie Firm. math. 8,27,12 (Argo beim Schüt-
zen): naucleri, gubematores, negotiatores, vgl. auch 8,20,10 (Navis beim Stier):
nautae, gubematores, negotiatores.
4. Chiro tenens manum Cephei: L liest κύων ( = 15,3: Dublette), von
F. Boll, Sphaera (1903), 262 in Unkenntnis des Namens Chiro vorsichtig als En-
gonasin gedeutet. Der erstmals vom LH überlieferte Name Chiro scheint ihm
Recht zu geben, denn I 7,3 Chiron, qui per capillos attrahitur ab heroe viro ist
wohl ebenfalls mit Engonasin gleichzusetzen. Engonasin und Kepheus werden
allerdings durch den Polardrachen getrennt. Ebensowenig paßt die Bestimmung
tenens manum Cephei zu den Kopfsternen des Schützen, an die W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 193 denkt: Das fragliche Sternbild muß am
Nordhimmel gesucht werden. Nach Eudoxos bei Hipp. 1,2,16 berührt nun aber
nicht ein Kentaur, sondern der rechte Flügel des Schwans die rechte Hand des
Kepheus: π α ρ ά δέ την δεξιάν χείρα του Κηφέως ή δεξιά πτέρυξ εστί
του Όρνιθος, danach Arat. 279f. Doch hat F.Boll, Sphaera (1903), 106f. vor
der naheliegenden Konjektur Κύκνος statt Κύων gewarnt, denn die Tradition
nach Teukros I spricht zunächst (zu Sa I) von einem Hund: Κύων άπεστραμ-
μένος (Gegensatz zu 18,4 bei Ps.Ant. [V1] Κύων προσεχών τω Χείρωνι) und
beim zweiten Dekan nicht von einem Vogel, sondern allgemein von einem
"Tier", dem Kepheus seine Hand reicht (zu Sa II): ό Κηφεύς την δεξιάν
χείρα διδούς τω θηρίω, danach Abu M. introd. 6,1 p. 525 Boll (ebenfalls zu
Sali): "Kepheus [...], der mit seiner linken Hand an das Horn eines Bockes
greift und die rechte nach einem Tiere ausgestreckt hat [vgl. L τείνων statt Teu-
kros I διδούς] — mit dem Tiere ist ein Hund gemeint —, indem er mit seiner
rechten an dessen Maul greift." Kam. 1196f. Κηφεύς ... | εισβάλλων κατά
τοϋ Θηρίου δεξιάν αύτοΰ χείρα. An der fraglichen Stelle ist also wohl kein
Vogel, sondern irgendein Vierbeiner gemeint. Somit unterscheiden sich L und
der LH in der Reihenfolge: In L geht das Tier der das Tier haltenden menschli-
chen Gestalt voran, im LH wird zuerst die Verbindung zu Kepheus hergestellt,
bevor das Tier allein folgt. Chiro: Vielleicht hat L κύων das Richtige: S. Fe-
raboli, Ricerche (1989), 226 mit Hinweis auf die Einzelgradprognose Firm. math.
8,27,13 (Sa mit Canis): litigosi, clamosi (die Prognose εριστικούς bietet L aller-
dings nicht). Nach dem Gesagten ist davor zu warnen, L κύων in Κύκνος oder
Χείρων zu ändern, vgl. jedoch zu I 7,3 Chiron, wo L falsch χειρών liest. Die
Prognose domatores ... equorum braucht sich nicht auf diesen Chiro zu bezie-
hen, sondern kann auch auf das übergeordnete Tierkreiszeichen, den Schützen-
kentauren, gehen. tenens manum: Möglicherweise ist der Name Chiro hier-
aus abgeleitet worden, es ist aber auch mit einer etymologisierenden Deutung zu
rechnen, vgl. zu I 10,7 ó Μυς ... μύσος. Cephei: An dessen Stelle tritt bei
Ps.Ant. unter dem Stier Anubis, vgl. zu I 8,4 Canis. et Avis : Ist in L von
dem vorangehenden Sternbild durch eine eigene Prognose getrennt. Vielleicht
besetzten das Tier und Kepheus einmal zusammen den 5°-Abschnitt Sa 16°—20°

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9. Sagittarius 73

(und zwar ohne das folgende capul Ursae). Avis : Dieses Wort übersetzt ge-
wöhnlich Όρνις, den Namen für den Schwan, vgl. A. Le Bœuffle, Les noms
(1977), 104f. Avis, quae inferius est: Anders L im nächsten Lemma: Ό
τείνων το δρνεον το ύποκάτω αύτοΰ, denn dort ist das Tier schon im voran-
gehenden Lemma genannt worden. Nach den oben genannten Stellen bei Eudo-
xos, Arat und Teukros I hat F.Boll, Sphaera (1903), 93 und 96f. diese Figur
wohl richtig als Kepheus gedeutet, den außer Teukros I auch das Exc. Barocc. II
p. 466,4 zum Schützen gesellt. Abzulehnen ist dagegen der Alternatiworschlag
von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 171, der aufgrund der eklipti-
kalen Längen an den Sperber, das Dodekaoros-Tier des Schützen, denkt. Dieser
hat nämlich erst später (I 9,8) bei Sa 27°—30° seinen Platz. Für die übliche Be-
deutung Avis = Schwan spricht außerdem die Prognose domatores avium,
s.u. — Gradmäßig steht das Sternbild Avis im LH bei Sa 16°—20° etwa in der
Mitte zwischen dem Cygnus bei Firm. math. 8,14,3 (Sa 10°) und dem Olor bei
Manil. 5,364—388 (Sa 30°). inferius: Unterhalb des Kepheus. (facit
domatores avium vel equorum) : Ist überliefert als Prognose für das Auge des
Schützen (II 9,4 = VII 9,2), gehört aber wohl hierher, obwohl es in L fehlt: Die
aus Mensch und Pferd zusammengesetzte Doppelgestalt des Schützen verheißt
Zähmung, 'Vermenschlichung' von Tieren, und zwar zunächst allein die Zäh-
mung von Pferden und dann zusammen mit dem Schwan die Zähmung von Vö-
geln, vgl. über die erste Variante W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 582 f. zu
Manil. 4,234—239 quadrupedum omne genus ... domitare eqs., besonders Firm,
math. 8,27,5 (Sa 17° mit Aspekt Jupiters): equorum cultores (die Gradangabe be-
stätigt die Umstellung), und über die zweite Variante ibid. 588 zu Manil. 5,378f.
(Olor bei Sa 30°): quin etiam linguas hominum sensusque docebit \ aerias volu-
cres eqs., besonders Firm. math. 8,14,3 (Cygnus bei Sa 10°): aut ingenioso stu-
dio avibus humanae sonum vocis insinuât : Wir sind im Bereich des ήμίφωνον.
S. Feraboli, Ricerche (1989), 226 vergleicht ferner die Einzelgradprognose Firm,
math. 8,27,8 für Sa 24°: equorum domitor, doch die ptolemäische Länge des
Knies des Schützen (S. 238) dürfte hier keine Rolle spielen.
5. caput Ursae: Komplementär zu 14,9 posteriores partes Ursae bei
Can 21°—23°. Es ist aber nicht ganz klar, ob hier wirklich der Kopf einer Bärin
gemeint ist, denn Teukros I (zu Sa II) läßt auf Kepheus mit dem Tier den Kopf
eben jenes Tieres folgen: ό Κηφεύς την δεξιάν χ ε ί ρ α διδούς τ ω θ η ρ ί ω
καί ή κεφαλή του θ η ρ ί ο υ und Abu M. introd. 6,1 (a. O.) nennt speziell das
Maul jenes Tieres: "indem er mit seiner rechten an dessen Maul greift". Schließ-
lich ist zu vermuten, daß das caput Ursae mit der später (I 9,8) bei Sa 27°—30°
genannten anterior pars Ancipitris identisch ist, s. d. Ursae: Wenn mit dem
θηρίον der Schwan gemeint ist, dann wiederholt sich das Nebeneinander von
Schwan und Bärin unter dem Steinbock (110,10—11) bei den 1°-Bezirken
Cap 26° und Cap 27°. — Teukros II scheidet nicht zwischen den beiden Bärin-
nen, s. o. zu I 2,9 Ursa. Sollte wirklich nur eine Bärin gemeint sein, dann ist es
wegen der Nachbarschaft des Kepheus wohl die Kleine Bärin : F. Boll, Sphaera
(1903), 93. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 161 f. S. Feraboli,
Astronomia classica (1993), 499. — Ps.Ant. (V3 A) nennt vor dem hier folgenden
Delphin (I 9,6) einen Δράκων: wohl den die Bärinnen durchwindenden Polar-
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74 I. Paranatellonten

drachen (vgl. zu I 3,3 Draco et Ursa et Venator und zu I 5,4 Draco exsistens in
medio duarum Ursarum), kaum richtig F. Boll, a. 0., 96 und 114, der in ihm die
Schlange des Serpentarius sehen möchte. vaticinium vel augurium: Diese
Prognose bezieht sich nach L gleichermaßen auf den, der "den Vogel spannt",
und auf den Kopf der Bärin: την έπί πράξιν [έπίπραξιν trad.] μαντείαν, nach
der zwischengeschalteten Prognose für den Schwan gehört sie jedoch wohl nur
noch zu der Bärin. Es gibt zwar das Verbum έπιπράττομαι "[to] exact over and
above from" (Liddell-Scott), doch deutet die Ubersetzung vaticinium eher auf
das Simplex πράξις im Sinne von "magische Praxis", und dieses Simplex
kommt viermal im Zusammenhang mit der Bärin vor, s. o. zu 14,9 actum
agentium. S. Feraboli, Bicerche (1989), 234 vergleicht Firm. math. 8,27,3 schon
für Sa 9°: erunt astrologi, divini, enthei.
6. Delphin et Navis et Meridionalis Corona: Nach Ps.Ant. ( V Α) Δελφχς
και Πλοΐον και Στέφανος, während L nur den Delphin bietet. Alle drei Stern-
bilder erscheinen — auch in L — ebenfalls unter den gegenüberliegenden Zwil-
lingen: I 3,5 Navis et Corona bei Ge 1 I o —12° und I 3,12 Delphin bei Ge 29°—
30°. Delphin und Schiff sind nur äußerlich durch das Wasser verbunden, denn
der Delphin liegt auf der nördlichen Hemisphäre, das Schiff jedoch auf der südli-
chen, s. u. Delphin: Ist hier astronomisch am Platze, dagegen nicht an der
fast genau gegenüberliegenden Stelle 13,12 bei Ge 29°—30° (zur Namensform
s. d.). F. Boll, Sphaera (1903), 116 f. denkt dort an einen zweiten Delphin auf der
südlichen Hemisphäre, vielleicht Orion, doch könnte auch der Untergang ge-
meint sein, vgl. Vett. Val. 1,2,47 (beim Löwen) βορρόθεν δύεταχ [δε εστι Boll
69 nach dem cod. C] Δελφίν. Unter dem Steinbock (I 10,8) hat der Delphin
falsch den Adler verdrängt, s. d. Navis et Meridionalis Corona: Erschei-
nen unter dem Schützen schon einmal I 9,3 als Argo et Pelagus bei Sa 1 I o —15°
und bezeichnen wohl die Südliche Krone (s. d.), die Namen fehlen daher hier
wohl richtig in L. Demnach stehen in L Άργώ und Πέλαγος an der Stelle von
Ps.Ant. Πλοΐον und Στέφανος, im LH handelt es sich also um eine Dublette,
natatores eqs.: Bezieht sich nach L nur auf den Delphin, nicht etwa auf das
Schiff. L nennt statt Schwimmern Taucher, κολυμβητάς, Manil. 5,419—439
(Delphin beim Steinbock) zunächst Schwimmer in fünf verschiedenen Stilarten
und dann Taucher, Firm. math. 8,15,2 (Delphin bei Cap 8°) führt bei der Tau-
cher-Prognose zusätzlich den feuchten Saturn ein, hierzu W. Hübner, Die Eigen-
schaften (1982), 5 9 7 - 5 9 9 und Ders., Manilius (1984), 141 und 1 8 4 - 1 8 6 .
circa navigationem exploratores tranquillitatis: Möglicherweise gibt dieser
Ausdruck L κολυμβητάς wieder, in diesem Fall wäre natatores ein Zusatz ent-
sprechend der Beihenfolge bei Manil. und Firm.: Schwimmer — Taucher. Dann
bleibt aber das Wort tranquillitatis unverständlich, es müßte nach L γαλήνην
als selbständige Prognose (tranquillitatem) abgesondert werden. circa navi-
gationem: Nur entfernt vergleichbar ist Firm. math. 8,27,7 (zu Sa 22°): frequen-
ter etiam navale Ulis Imperium credetur, ähnlich 8,31,7. Wenn sich diese in L so
nicht vorhandene Prognose auf das Sternbild Navis bezieht, wäre sie von zwei
Delphin-Prognosen umgeben. tranquillitatis: Ist nach L γαλήνην vielleicht
als eigene Prognose in tranquillitatem zu ändern, s. o. Etwa gegenüber befindet
sich bei Ge I o —6° der Merkurbezirk V3,l Tranquillitas = Γαλήνη. — Eine

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9. Sagittarius 75

Prognose für Navis et Merìdionalis Corona fehlt (wie bei Ps.Ant. regelmäßig), sie
hat sich vielleicht in die Einzelgradprognose II 9,3 für Sa 17° verirrt: facit certa-
tores coronatos, vgl. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 209.
7. vicésimo (quarto): Nach F 24 und im Anschluß an den vorausgehenden
Bezirk 19,6 bei Sa 21°—23° sicher zu ergänzen. est: Wie 11,3, s.d.
Uranoscopus: Wurde schon einmal 18,2 bei Sc 5°—7° genannt (s.d.), fehlt an
dieser Stelle in L, aber vorhanden in V1 als Ούρανός (neben Πέλαγος), was
F. Boll, Sphaera (1903), 263 f. im Gegensatz zum Uranoscopus (I 8,2) beim Skor-
pion an dieser Stelle als die richtige Lesart annimmt, und zwar anstelle von Ου-
ρανίσκος = Caelulum, d. h. die Südliche Krone (hierzu A. Le Bœuffle, Les
noms, 1977, 149f.). Gegen diese Annahme wendet sich zu Becht W. Gundel,
Neue astrologische Texte ( 1936), 244, dessen eigene Deutung aber ebenfalls zu-
rückzuweisen ist, s. o. zu I 8,2. Unter dem Schützen hat der Sterngucker insofern
seine Berechtigung, als Ptol. apotel. 3,2,6 die astrologische Prognose — in Aus-
weitung einer platonischen Metapher (Plat. Phileb. 56Λ) — mit der "Stochastik"
eines Bogenschützen vergleicht. Vgl. auch H. Herter, Die Treffkunst (1963), 189
mit weiterer Literatur. orantes semper et venerantes deum: Ähnlich die
Prognose I 8,2 semper in deum spem habentes, vgl. über Engonasin Germ. Arat.
68 passis ad numina palmis und Schol. Arat. 69 p. 105,16 κλΐναχ τον [το?1
γόνυ δεόμενον, Hyg. astr. 2,6,2 von Engonasin-Keteus: genu nixus palmas di-
versas tendere ad caelum, ferner bei dem ebenfalls mit Engonasin gleichgesetz-
ten Perseus (vgl. zu I 1,4) Abu M. introd. 6,1 p. 499 Boll (zu Arili) "Perseus
[...] mit dem Kopf nach unten [= Teukros I κατακέφαλα], indem er Gott an-
ruft," und bei dem weiterhin mit Engonasin gleichzusetzenden Chiron (I 7,3) in-
vocai quidem, sed non exauditur, Asel. p. 188,15 ίκέταις ò Έγγόνασιν (sc. αρ-
μόσει). Sonst auch von I 1,6 Andromeda bei Ar 14°—15°: quemadmodum
adorans. semper: Auch das wie I 8,2, anders II 2,15, s. d.
8. anterior pars Ancipitris: Ebenso L το εμπροσθεν τοΰ Ίέρακος, wäh-
rend Ps.Ant. schlicht den Ίέραξ nennt, und zwar zu Beginn des Schützen, wo
der LH (I 9,2) die Wörter aeeipiter und aneeps verwechselt und den Anci-
/ji<[r]i(s) faciem Habens erwähnt, s. d. Der ganze Ancipiter erscheint I 5,11 bei
Le 26o—27°: etwa Gedrittschein, vgl. W. Hübner, Die Paranatellonten (1975),
405: Der Falke bezeichnet wahrscheinlich die Kleine Bärin und ist wohl mit dem
sogleich folgenden Venator = Horos identisch. anterior pars: Der Teil
eines Dodekaorostieres begegnet sonst nur am Ende des Krebses (I 4,10): medie-
tates Scarabaei, vgl. im übrigen zu I 3,11 pars Heniochi. Der vordere Teil des
Dodekaorostieres liegt am Ende des Schützen, also Enantiodromie, vgl. W. Gun-
del, Neue astrologische Texte (1936), 233 und W. Hübner, Zur neuplatonischen
Deutung (1990), 85—89; dagegen in der richtigen Beihenfolge in den drei Deka-
nen nach Teukros I, also bei Sa III ή ουρά της Ίέρακος. Venator: L bie-
tet hier κύων, was W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 263 1 nach H in
κυνηγός berichtigt hat. F.Boll, Sphaera (1903), 97f. kannte also nur den
Κυνηγός unter den Zwillingen, vgl. zu I 3,3 Venator. Er lehnt zu Becht eine
Identifizierung mit dem Jäger Orion ab, den Ps.Ant. (V1) zum Schützen nennt.
Unsicher ist allerdings auch seine eigene Gleichsetzung mit Bootes, die W. Gun-
del (a. O.), 263 zu Becht ablehnt und richtig unter Hinweis auf das rechteckige
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76 I. Paranatellonten

Himmelsbild von Dendera durch eine Deutung als Horos ersetzt. Dafür spricht
auch der Geviertschein zu I 5,12 Typhon bei Le 28o—30°: W. Hübner, Die Par-
anatellonten (1975), 4 0 3 - 4 0 6 und Ders., Manilius (1984), 4 0 4 - 4 0 7 . Da die
Identität von Typhon und Großer Bärin bezeugt ist, dürfte Horos der Kleine Bär
sein (κύων steht daher vielleicht für κυνόσουρα). Läßt man diese Gleichung gel-
ten, dann sind wohl auch Venator und Ancipiter, also Horos und sein Falke,
identisch und damit auch — wie zu I 5,11 vermutet — I 9,5 caput Ursae und hier
anterior pars Ancipitris. Wenn Teukros I (zu Sa III) nebeneinanderstellt το
ήμισυ της Μεγάλης Άρκτου καί ή ούρα τοϋ Ίέρακος, dann dürfte es sich
auch dort um die beiden Bärinnen handeln, die aber wegen der Divergenz von
ούρά und τό εμπροσθεν austauschbar werden. — Gundels Lokalisierung des
Bildes bei Leier und Adler muß auf alle Fälle aufgegeben werden. pugnato-
res: Nach L μάχας eine Prognose nur für den erst an zweiter Stelle genannten
Venator bzw. Κύων, vgl. dieselbe Prognose für I 3,7 Canis: pugnatores = Ρ μά-
χας. Zur kämpferischen Wirkung des Venator W. Hübner, Manilius (1984),
205. Hier wird die Prognose für den Gradbezirk VI 9,4 Exaltado wiederholt, vgl.
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 275. Dabei ist jedoch zu berück-
sichtigen, daß der Gradbezirk Exaltatio bei Sa 26°—27° und damit ganz in der
Nähe des Bezirks des Venator bei Sa 27°—30° liegt. rapaces: Von W. Gun-
del nach F ravissons und L α ρ π α γ α ς aus capaces berichtigt, nach L eine Pro-
gnose nur für die Vorderpartie des Falken, ebenso auch das Folgende, das in L
fehlt. S. Feraboli, Ricerche (1989), 234 vergleicht Firm. math. 8,27,6 schon für
Sc 18°: eritfur. Dieselbe Prognose bietet L (I 12,9) für das letzte Dodekaorostier,
das Krokodil, an vorletzter Stelle unter den Fischen: etwa Geviertschein,
per omnia: Von W. Gundel durch die Interpunktion auf das vorangehende Wort
latrones bezogen, von dem pikardischen Ubersetzer jedoch mit mehr Wahr-
scheinlichkeit auf das Folgende: larons et partout migneurs l'autrui. aliena
comedentes: S. Feraboli, Ricerche (1989), 234 vergleicht Firm. math. 8,27,6
schon für Sa 21°: multum manducabunt et res alienas abnegabunt. armati
pugnatores fiunt: Wohl eher eine Dublette zu pugnatores als die Fortsetzung
des Gradbezirks VI 9,4 Exaltatio.

10. Capricornus

Die Gradverteilung der Lemmata des Steinbocks weist eine gewisse Regelmäßig-
keit auf: Bis Cap 17° wechseln sich 3°- und 4°-Abschnitte ab (die Siebenzahl
spielt auch bei Stier und Skorpion eine Rolle: s. d.), dann folgen sechs 2°-Ab-
schnitte (von denen der vorletzte in zwei 1 "-Abschnitte aufgeteilt ist), und zum
Schluß ist ein 1 "-Abschnitt zu ergänzen. Die allmähliche Verkleinerung der Ab-
schnitte mag dem desinit in piscem des Steinbocks (= "Ziegenfisch") entspre-
chen.
1. Ara, quae vocatur Sacrificatorium: Wörtlich nach L: Βωμός, ος καλεί-
ται Θυτήριον, nur den Namen Θυτήριον bietet das Exc. Barocc. II p. 466,6.
Ein dritter Name begegnet 18,8: Turibulum als Übersetzung für Θυμιατήριον.
Den letztgenannten Namen, der VII 8,6 ebenfalls mit Sacrificatorium übersetzt
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10. Capricornus 77

wird, benutzt Ptol. synt. 8,1 p. 164,9. Ara: Abwegig W. Gundel, Neue astro-
logische Texte (1936), 208, der den Namen der griechischen Fluchgöttin Αρά
bemüht. J. H. Abry, Auguste (1988), 116 f. denkt speziell an den Altar der Vesta,
die nach Manil. 2,243 den Steinbock beschützt, doch die antiken Sternsagen be-
stätigen dies nicht: F. Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 1017f. macel-
larios, cocos et quaecumque pro sacrificiis fiunt: Dieselben Prognosen, aber
in umgekehrter Reihenfolge, gibt der LH unter dem Skorpion für Ara = Turibu-
lum (18,8): sacrificatores, cocos, macellarios, daher vielleicht zu konjizieren:
quicumque pro sacrificiis sunt.
2. a quarto usque ad septimum: Diesen Bezirk besetzt nach Rhet. Β
p. 209,10 die Nase (ρίν) des Steinbocks, vgl. zu II 10,6 os Capricorni. Ne-
reis et Corvus et Satirus eqs.: Nicht in L V , wohl aber bei Ps.Ant. (V3, nur die
ersten beiden auch in A). Nereis: Beide Handschriften des Ps.Ant., die
F. Boll zunächst kannte, bieten Νηρεύς, doch hat er (Sphaera, 1903, 277 f.) nach
Teukros I (zu Capi) Νηρηίς (νηρηείς var. 1.) und Abu M. introd. 6,1 p. 529
Boll Νηρείς konjiziert, was er durch den Codex Β bestätigt fand: Ders., Endymion
(1920), 480. Nach freundlicher Mitteilung von D. Pingree liest aber auch der Co-
dex Β (von ihm R genannt) Νηρής. Für den Meeralten Nereus spricht aber die
zu 14,2 (also diametral gegenüber) genannte Parallele bei Manil. 5,196 Nereus,
vgl. W. Hübner, Nereide (1995). Dieselbe Yerschreibung begegnet bei Kam.
1335, wo F.Boll (a. O.), 29 app. und 277 f. — auch wegen des Versmaßes —
Νηρείς konjiziert hat, vgl. auch I 7,7 über Πορθμεύς/πορθμεΐς und 11,1 über
Άλιεύς/άλιεΐς. Manil. 5,196 nennt den Meeralten diagonal entfernt zu den Iu-
gulae ( = Orion) am Anfang des Krebses (nach Firm. math. 8,9,1 bei Can I o )
und 5,433 zum Delphin unter dem Steinbock, der Name Nereus ersetzt dort den
feuchten Planeten Saturn: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 599. Bei Manil.
5,563 kommt eine Nereide auch als Akteurin im Andromeda-Drama vor (vgl. zu
I 1,3), von dort aus besteht aber wohl kein Zusammenhang zum Teukros-Stern-
bild: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 618. Einen solchen Zusammenhang
vermutet W. Gundel bei F.Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 974 und
Ders., Neue astrologische Texte (1936), 250: Er lokalisiert das Sternbild bei Tei-
len des Adlers und im Horn des Steinbocks. Ders., bei F. Boll — W. Gundel
(a. O.) denkt außerdem noch an den Steinbock selbst (wegen der zusammenge-
setzten Gestalt), ferner an den Delphin, vgl. Dens., Paranatellonta (1949), 1254,
doch sind alle diese auf den ekliptikalen Längen beruhenden Deutungen frag-
würdig. Corvus : Ebenfalls nur bei Ps.Ant. (V3 A), von F. Boll, Sphaera
(1903), 142 f. richtig als der klassische Rabe aufgefaßt, dagegen falsch W. Gun-
del, Neue astrologische Texte (1936), 175 und 205, Ders., Paranatellonta (1949),
1238, danach S. Feraboli, Astronomia classica (1993), 527: Das Sternbild stehe
anstelle des I 10,8 genannten Adlers. Der Rabe erscheint schon vorher I 6,5 bei
Vi 14°—15°: fast ein Gedrittschein. Uber Vögel beim Steinbock s. zu I 10,8
Aquila. Satirus abscondens totam faciem suam cum capite: Nach
Ps.Ant. (V3): Σάτυρος κρύψας έαυτοΰ την κεφαλήν, noch kürzer das Exc.
Barocc. II p. 466,6 ακέφαλος Δαίμων, wieder anders Teukros I (zu Capili):
Δαίμων άκέφαλος βαστάζων την ιδίαν κεφαλήν, vgl. auch LH 1 p. 22,29
(zu Capi): sine capite quidem est, dextra manu tenet proprium caput, dazu
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78 I. Paranatellonten

W. Gundel, Dekane (1936), 147 und 166 sowie J. Abry, Les diptyques (1993),
85 und 104. Zur Variante Δαίμων vgl. die Einzelgradprognose II 10,5 für
Cap 5°: timentes daemones. F. Boll, Sphaera (1903), 221 erinnert an den rechtek-
kigen Tierkreis von Dendera, lokalisiert das Bild aber nicht näher. K. Preisen-
danz, Akephalos (1926), 73 deutet es als Osiris, W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 224 denkt unter Hinweis auf das runde Himmelsbild von Dendera
an einen Dekangott (vgl. auch das Bild für Aq II im "Lapidario del rey D. Al-
fonso X", Madrid 1883, fol. 99 v ) und — im Ansatz verfehlt — nach den ekliptika-
len Längen an Sterne des Adlers, des Pfeils oder auch des Schwans, andernorts
(Dekane, 1936, 147) an Perseus mit dem abgeschlagenen Medusenhaupt in der
Hand, danach S. Feraboli, Astronomia classica (1993), 497. 504. 520. abs-
condens totam faciem suam cum capite: Die o. a. Varianten zeigen auch eine
Figur, die ihren Kopf in der Hand trägt, oder betonen die Kopflosigkeit, vgl. die
beiden anderen kopflosen Paranatellonten im Steinbock: I 10,6 Columba sine ca-
pite und I 10,9 Serpens sine capite. Dazu kommt wohl noch I 10,13 Eileithyia
bei Cap 30°: F. Boll, Sphaera (1903), 213 und mit Hinweis auf die παλαιοί Αι-
γύπτιοι Heph. 1,21,29 το της Ειλειθυίας ζώδιον άκέφαλον öv, vgl. CCAG
VII (1908), p. 143,29 app., und die kopflose Τύχη als Jungfrau bei Ps.Eratosth.
catast. 9 p. 84,14. Möglicherweise wird jeweils die Kopfpartie dieser Sternbilder
nur durch schwache Sterne abgebildet: F. Boll (a. 0.), 258. significai:
Kommt beim Steinbock recht häufig vor, so noch I 10,3. I 10,4. I 10,7. I 10,9.
I 10,10, vgl. zu I 1,9. — Da der LH hier dem Ps.Ant. folgt, ist die folgende Pro-
gnose im Griechischen nicht erhalten. eos qui eqs.: Andere Prognosen für
den Kopflosen nennt Clem. Alex. Paed. 2,2 p. 69 S., vgl. zu II 10,1 glutones, was
auch insofern eine Beziehung zum hier genannten Satirus hat, als die Prognose
glutones auch 13,12 in Verbindung mit dem Satyrn vorkommt.
3. oritur: Gundels Lesung erit trifft nicht zu. Serpens magnus: Von
F. Boll, Sphaera (1903), 258 als eine Umbildung des Großen Fischs erkannt, vgl.
die Parallele in L (111,8) ό Μέγας Ίχθΰς ό ψαύων της ούράς του Αίγο-
κέρωτος. Danach W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 210 und 241 so-
wie Ders., Paranatellonta (1949), 1240. Der Name Μέγας Ίχθΰς begegnet seit
Ps.Eratosth. catast. 38, vgl. A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 150f. (V1 und
Ps.Ant. [V'' A] bieten dagegen den Plural Ίχθύες). — Eine zusätzliche Begrün-
dung für diese Gleichung bietet Manil. 5,394—402: Piscis im vorderen Bereich
des Steinbocks. Die Prognosen weisen auf Cap 8°, wo Firm. math. 8,15,2 den
Delphin ansiedelt, die Stelle des Wintersolstitiums nach dem julianischen Kalen-
der: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 402. Ders., Perseus (1979), 159f.
Ders., Die Eigenschaften (1982), 593. Ders., Manilius (1984), 185 f. Teukros 1
verteilt Kopf, Mitte und Schwanz des Großen Fischs auf die drei Steinbock-De-
kane, den Schwanz nennt auch Teukros II noch einmal I 10,12 bei Cap 28°—29°,
s. d. Wohl zu unterscheiden ist dieser Serpens magnus von I 10,9 Serpens sine
capite, obwohl hier das Telum und dort die korrespondierende Lyra daneben
erscheint. qui tangit Eridanum flumen: Der Hauptstern Fomalhaut (α
PSA, vgl. VII 11,2) ist zugleich der letzte Stern — zwar nicht des Eridanus, wohl
aber des Gusses des Wassermanns. Eridanus wird in den Texten häufig mit dem
Wassermann in Verbindung gebracht: Ps.Eratosth. catast. 38 vom Großen Fisch:
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10. Capricornus 79

δν κάπτειν λέγουσι το υ δ ω ρ της του Ύδροχόου εκχύσεως, dazu F. Boll,


Sphaera (1903), 135 und W. Hübner, Manilius (1984), 177, ja er soll sogar der
Urne des Wassermanns entströmen: Ders., Die Paranatellonten (1975), 413, vgl.
zu I 11,1 Eridanus fluvius. Falsch jedoch L am Ende des Wassermanns (I 11,8):
ό Μ έ γ α ς Ίχθΰς ό ψαύων της ούράς του Αίγοκέρωτος. tangit: Über-
setzt ψαύων, vgl. zu I 3,7 \Faon\. [est autem et Telum eqs.J: Heterogener
Einschub, der daher unter II 10,9 behandelt wird. [a séptimo gradu usque
ad quartum decimum]: Begänne dieser Bezirk im Anschluß an I 10,2 mit
Cap 8°, handelte es sich auch hier um einen 7°-Bezirk, s. o. significat popu-
lorum rebellionem et aegritudinem ex (in)satiabili(ta)te: Gehört nach L
über das Telum hinweg wieder hierher, unübersetzt bleibt das in L Vorange-
hende: εκτροπήV ποταμών, was eher zu Eridanus als zum Südlichen Fisch
paßt. significat: Wie I 10,2, s.d. ex (in)satiabili(ta)te: Von Gundel
nach L έξ απληστίας ergänzt, vgl. vom letzten Einzelgrad des Bezirks
(Cap 10°) II 10,12: facit parasitum. Die Unmäßigkeit entsteht am Wintersolsti-
tium, wo das Mißverhältnis von Tag und Nacht am größten ist, vgl. W. Hübner,
Das Horoskop (1975), 133 zu Zeno 1,38,6 L. avaritia. — Ob die Einzelgradpro-
gnose Firm. math. 8,28,6 für Cap 13°: erunt Marsi venena pendentes hierherge-
hört, wie S. Feraboli, Ricerche (1989), 227 vermutet, ist zweifelhaft.
4. ab undécimo gradu usque ad quartum decimum gradum: Bildet zusam-
men mit dem vorausgehenden Bezirk bei Cap 8°—10° den zweiten 7°-Abschnitt
des Steinbocks. Enger ist jedoch die Beziehung zum folgenden 3°-Abschnitt
Cap 15 o —17°: Dieser 7°-Abschnitt bildet den Anfang des zweiten Dekans, zu die-
sem stellt Teukros I το ήμισυ του Τροχού καί Αμπέλου, und diesen beiden
Sternbildern scheint hier das dionysische Paar Corona Ariadnae und Ager zu
entsprechen. Es handelt sich wohl um die beiden Gegenstände in den Händen
des Engonasin, vgl. zu I 7,7 cranium et coronam tenens. Corona Ariadnae:
Zur Unterscheidung von der Südlichen Krone, vgl. zu I 3,5 Corona. So auch L,
nach dem in V1 statt Στέφανος, Ανδρομέδα wohl zu lesen ist: Στέφανος της
Αριάδνης, vgl. Teukros I (zu Li III): ό Στέφανος της Αριάδνης. Als Verstir-
nungssage erscheint dieser Mythos seit Pherekydes von Athen: F.Boll —
W. Gundel, Sternbilder (1937), 893f., vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982),
564 zu Manil. 5,253 Ariadnaeae ... Coronae. Das Bild wurde von F.Boll,
Sphaera (1903), 99f. und 275f. richtig als die bekannte Nördliche Krone gedeu-
tet, vgl. auch Ps.Ant. ( V Α) επάνω Στέφανος, dagegen verfehlt W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 167 und Ders., Paranatellonta (1949), 1236:
die Südliche Krone oder die Krone des Osiris-Orion. significat: Wie I 10,2,
s. d. commissationes populi: Nach der Interpunktion von Gundel, anders F
de peule subversions, der also — vielleicht richtig — populi subversiones zusam-
mennimmt. Vgl. die Prognose für den Saturnbezirk V8,5: nutritio commissatio-
num = κωμοτροφία sowie die Einzelgradprognose 1110,17 für Cap 15°. 16°:
voraces, ebrios. S. Feraboli, Ricerche (1989), 227 vergleicht ferner die Einzel-
gradprognose Firm. math. 8,28,7 für Cap 14°: qui plurimis conviviis gaudeant.
subversiones : Anders L μέθας, τέρψεις, was zu der dionysischen Sphäre paßt,
vgl. die Prognose für das nächste Sternbild I 10,5 Ager. Daher ist vielleicht in Η
zu schreiben submersiones, vgl. Manil. 5,246 mergetque in pocula mentem.
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80 I. Paranatellonten

desidia propter ignobile regimen: Danach ist in L wohl zu lesen: ανεσιν δι'
άσημότητα [διασ- trad.]. Nach Liddell-Scott ist άσημότης belegt, διαση-
μότης aber nicht. in civitatibus et populis: Scheint gegenüber L στρατη-
γίαν den richtigen Sinn zu bewahren.
5. Ager: L liest ausführlicher το Χωρίον των άμπέλων, Teukros I (zu
Cap II): το ήμισυ του Τροχού καί Αμπέλου. Mit der vorangehenden Ariad-
nekrone (I 10,4) hat dieses Sternbild die dionysische Sphäre gemeinsam, die so-
mit den 7°-Abschnitt von Cap 1 I o bis 17° verklammert. Wenn die Ariadnekrone
die nördliche Krone ist, dann bietet sich nach dem oben Gesagten für Ager der
andere Gegenstand des Engonasin, die Leier, an. F.Boll, Sphaera (1903), 270
hat das Sternbild vorsichtig nach dem von Ov. fast. 3,407—414 besungenen Kat-
asterismos des Ampelos als Vindemitor gedeutet (vgl. Rhet. Β VII 6,2 Προ-
τρυγητήρ — nicht im LH). Noch weniger überzeugt die Positionsangabe nach
der ekliptikalen Länge, die W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 247 er-
wägt: bei der Hand des Wassermanns. vinitores, hortulanos: Doppelt für L
αμπελουργούς. hortulanos: Dieselbe Prognose für 14,11 cauda Hydri,
etwa gegenüber bei Can 27 o —30°, und II 1,13 für den Einzelgrad Ar 23°, s.d.
societatem ebriorum: Demnach und nach F compaignie d'yvroins ist in L ohne
Komma zu lesen: συστρεφομένους μεθυστάς. Vgl. die Einzelgradprognose
II 10,17 ebrios für Cap 15°. 16°, also innerhalb des Ager- Bezirks.
6. Columba sine capite: Uber die kopflosen Paranatellonten vgl. zu I 10,2
abscondens ... faciem. Aufgrund der ekliptikalen Längen denkt W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 241 ohne Plausibilität an Sterne im Delphin
oder im Steinbock selbst. Daß wir uns hier im Venusbezirk V 10,3 bei
Cap 15°—22° befinden, also im Bezirk jener Göttin, der die Taube heilig ist, ist
wohl nur ein Zufall, denn bei anderen Tieren von Planetengöttern besteht diese
Übereinstimmung nicht. circumstantiam rei non verae: Η überliefert
veram, berichtigt nach F circonstances de cose nient vraie und L πράγματος
ούκ άληθοΰς περίστασιν. circumstantiam: Bei L περίστασιν liegt viel-
leicht eine etymologisierende Deutung nach περιστερά zugrunde, ähnliche Ety-
mologisierungen in der Astrologie bei W. Hübner, Manilius (1984), 138 mit
Anm. 48, vgl. sogleich im nächsten Lemma zu I 10,7 odium. Anders I 7,9 in ad-
versitatibus für έν περιστάσει. innubentes: Ubersetzt einseitig aus der
Frauenperspektive L άγαμίαν, was für beide Geschlechter gelten kann, vgl. die
beiden komplementären Einzelgradprognosen II 10,4 innubentem für Cap 4°
und II 10,7 inuxoratos für Cap 7°. Der Steinbock gilt meistens als unfruchtbares
Tierkreiszeichen: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 156—164.
7. Mus: F.Boll, Sphaera (1903), 258 und 339 erinnert an die Maus bzw.
Ratte des ostasiatischen Tierkreises, die jedoch nicht zum Steinbock, sondern
zum Wassermann gehört. Abzulehnen ist der Versuch von W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 241' und Dems., Paranatellonta (1949), 1255, der an
die Göttin Uto denkt, ebenso der von B. Beckmann, Die Maus (1972), Kap. VIII,
der die Maus mit dem Δυσώνυμος (vgl. zu I 10,9 Binomia) gleichsetzt. — Wenn
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 241 die pikardische Ubersetzung Ii
Soris als "Spitzmaus" deutet, ist das überinterpretiert. odium propriorum:
Die lateinische Übersetzung kann die griechische Etymologie Μΰς — μύσος
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10. Capricornus 81

nicht nachmachen, vgl. zu I 10,6 circumstantiam. significati Wie I 10,2,


s. d. [hi autem eqs.]: Nicht mehr L wie alle Todesprognosen, vgl. zu I 4,2
publice moriuntur. Es handelt sich um eine Einzelgradprognose (II 10,21), an
die der umbrosi-Bezirk III 10,5 angeschlossen ist. Diese Prognose wird von
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 241 zu Unrecht weiter auf das Par-
anatellon Mus bezogen.
8. usque ad vicesimum tertium: Berichtigt aus vicesimum septimum
(ebenso F 27). Der Aufgang des Sternbildes ist im Gesamttext zu spät, nämlich
nach der Einzelgradprognose II 10,22 für Cap 23° und dem Venusbezirk V 10,3
bei Cap 15o— 22° und außerdem mit falschem Namen überliefert (s.u.). Der
Schlußgrad Cap 27° überspränge die auch in L genannten Paranatellonten I 10,9
Serpens sine capite et Binomia lyra, I 10,10 Ursa und I 10,11 Cygnus. Der rich-
tige Bezirk Cap 22 o —23° ist jedoch an der richtigen Stelle für den Wetterbezirk
IV 10,2 überliefert, an den sich die Adler-Prognosen anschließen. Im übrigen
befindet sich der so hergestellte 2°-Abschnitt in einer Folge von sechs 2°-Ab-
schnitten von Cap 18°—29° (der vorletzte 2°-Abschnitt besteht aus zwei ^-Ab-
schnitten). Aquila: Überliefert ist Delphin H, Delphin F. Der Delphin er-
scheint schon 13,12 bei Ge 29°—30° und etwa diametral dazu 19,6 bei
Sa 21°—23°, als letztes von vier Steinbock-Paranatellonten nennt ihn auch Manil.
5,416—448, während ihn Firm. math. 8,15,2 schon bei Cap 8°, dem Grad der
Wintersonnenwende, ansiedelt, vgl. W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 402.
Dens., Manilius (1984), 184—186. Weil der Adler sonst im LH nicht vorkommt
und L ihn an dieser Stelle nennt und zudem seine Prognosen für den richtigen
Bezirk Cap 22°—23° erhalten sind, muß hier Aquila konjiziert werden: W. Hüb-
ner, a. O. (1975), 393 und 395f. Der Fehler könnte dadurch entstanden sein, daß
der Schreiber zwei nebeneinanderstehende Kolumnen verwechselt hat, denn der
Delphin besetzt im vorangehenden Schützen den Bezirk Sa 21°—23°, also etwa
den Bezirk auf derselben Höhe, vgl. zu I 3,7 sexto decimo. Die falsche Gradzahl
Cap 27° spricht allerdings nicht dafür. Bestätigt wird dieses Ergebnis durch
Apom. myst. 3,34 (bisher nicht ediert): οι Ίχθύες σημαίνουσι τά πτηνά καί
ό δεύτερος δεκανός και ό τρίτος Αίγοκέρωτος, διότι εστί εις τους δύο
δεκανούς ό Αετός. Im übrigen vereinigt der Steinbock vier Vögel: I 10,2 Cor-
vus (4°—7°), I 10,6 Columba (18°-19°), 110,8 Aquila (22°-23°) und I 10,11
Cygnus (27°). facit eqs.: Ist im Gesamttext vor der Angabe des Aufgangs an
der richtigen Stelle im Anschluß an das Wetternotat IV 10,2 überliefert. W. Gun-
del, Neue astrologische Texte (1936), 175 hat im Vergleich mit L gesehen, daß
diese Prognose zum Adler gehört. discípulos: Übersetzt L μύστας wie
I 4,10 bei Can 24°—26°: fast genau diametral gegenüber, ähnliche Prognosen bei
F. Cumont, L'Egypte (1937), 155 2 . Vgl. ferner F. Boll, Der Adler als Mystengrad
(1913), 553f. R. Merkelbach, Mithras (1984), 84f.105.242. augures: Nur
ungenau für L φανταζομένους. iuxta reges exsistentes: Ahnlich die Ein-
zelgradprognose II 10,22 für Cap 23°, den Schlußgrad des Adlers: fámulos vel
ministros, daher vielleicht hierhergehörig. — Eine ähnliche Prognose geben für
den Adler Manil. 5,486—503 und Firm. math. 8,16,1, allerdings als Paranatellon
des Wassermanns bei Aq 12°, dort astrologisch sinnvoll wegen der Deutung des
Wassermanns als Ganymed (Diener des Zeus) und weil der Wassermann zu den

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82 I. Paranatellonten

'mitregierenden' Tierkreiszeichen gehört: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982),


2 0 6 - 2 0 9 und 607 f. und Ders., Manilius (1984), 156.
9. a vicésimo quarto usque ad vicesimum quintum: Fast genau Geviert-
schein zur Lyra des Manilius (5,324—338) bei Li 26°. Serpens sine capite:
Dieses Sternbild ist wohl zu unterscheiden von I 10,3 Serpens magnus, obwohl
daneben hier die Lyra und dort das korrespondierende Telurn erscheint. Es
wurde von F.Boll, Sphaera (1903), 257f. neben die kopflose Taube (I 10,6) ge-
stellt. Uber die kopflosen Steinbock-Paranatellonten überhaupt vgl. zu I 10,2 abs-
condens ... fadem. W.Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 241 denkt auch
hier ohne Plausibilität an Sterne des Delphins und des Steinbocks selbst. Bi-
nomia lyra: Eine Ubersetzung des schon in L fehlerhaften Textes ή δυσώνυμος
[der Übersetzer von Η las wohl δισώνυμος] Λύρα. W. Gundel (a. O.), 245 ver-
steht darunter wörtlich eine "doppelnamige Leier" und denkt an die doppelte la-
teinische Bezeichnung der Leier als Lyra oder Fides bzw. Fidicula (dazu A. Le
Bœuffle, Les noms, 1977, 103f.). Anders R. Eisler, The Royal Art (1946), 125
"the 'disharmonious' (badly-tuned) 'Lyre'." Später verweist W. Gundel, Paranatel-
lonta (1949), 1237 von der griechischen Sprache aus auf die doppelte Bezeich-
nung als χέλυς und λύρα. F. Cumont, L'Egypte (1937), 172 übersetzt das Wort
binomius, das auch LH 26 p. 75,22 vorkommt, im Sinne von διώνυμος "weithin
bekannt", dagegen hat A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 203—205, richtig gese-
hen, daß sich hier der Name des Δυσώνυμος verbirgt (dazu F. Boll, Sphaera,
1903, 295). Er konjiziert in L ή Δυσωνύμου ούρά, vgl. Teukros I (zu Capili):
τά οπίσθια του Δυσωνύμου. Da aber das "Ende" des Unnennbaren nicht zu
Teukros II, sondern in das System nach Teukros I gehört (vgl. zu Cap II auch
W.Gundel, Dekane, 1936, 144f. und 168f.) und da nach dem Exc. Barocc. II
p. 466,6 Λύρα, ό Πίθηκος auch die Leier an diese Stelle gehört, die der LH
II 10,6 noch einmal zu Cap 6°, Manil. 5,409—415 mit dem Namen Fides als drit-
tes von vier Steinbock-Paranatellonten und Firm. math. 8,15,3 als Lyra bei
Cap 10° nennen, muß es sich um zwei getrennte Sternbilder handeln: W. Hüb-
ner, Die Paranatellonten (1975), 393 17 und Ders., Manilius (1984), 182 184 . Dem-
nach ist zu konjizieren [ή] Δυσώνυμος, Λύρα oder [ή] Δυσώνυμος (και)
Λύρα. Gemeint ist mit dem "Unnennbaren" der Affe der Dodekaoros, vgl.
F.Boll (a. O.), 295 und Rhet. C p. 217,7 έν Αίγοκέρωτι δια τό παρανατέλ-
λειν τον Πίθηκα. Wieder ein anderer Name für dieses Wesen lautet Κυνοκέ-
φαλος, dieser wird 1 2,8 mit inferior a Nave Deus wiedergegeben, und zwar bei
Ta 24 o —27°: Gedrittschein. Der griechische Name Cynocephalus erscheint im
LH bei dem Einzelgrad (II 1,1) Ar 3°. — Der Affe ist aufgrund der Deutungen
bei Manilius, Firmicus und Rhetorios wohl nicht mit dem Steinbock selbst (so
S. Feraboli, Astronomia classica, 1993, 543), sondern mit Kepheus gleichzuset-
zen: W. Hübner, Manilius (1984), 187-190. significat: Wie 110,2, s.d.
irritum: Konjiziert für das überlieferte ecitum nach L άβέβαιον (F fällt hier
aus), non ratum Gundel. [hi enim eqs.]: Nicht mehr in L, also wohl Einzel-
gradprognose (II 10,23).
10. in vicésimo sexto gradu: Der erste 1 "-Abschnitt bei Teukros II, auf den
sogleich I 10,11 ein zweiter folgt, dazu kommt vielleicht noch ein dritter: I 10,13
bei Cap 30°. Dementsprechend erscheint jetzt die Präposition in, die sonst den
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10. Capricornus 83

Einzelsternen vorbehalten ist. Wenn an dieser Stelle das Verbum oritur im Ge-
gensatz zu I 10,11 fehlt, liegt das wohl kaum daran, daß Ursa ein Zirkumpolar-
sternbild ist, also in unseren Breiten nicht aufgeht, denn die Bärinnen werden
auch sonst als aufgehende Sterne behandelt, vgl. zu I 3,3 sunt. Ursa: Über
die mangelnde Differenzierung der beiden Bärinnen vgl. zu I 2,9 Ursa. F. Boll,
Sphaera (1903), 95 vermutet hier die Große Bärin, vgl. Teukros I (zu Cap I) το
αλλο ήμισυ ... της Μεγάλης Άρκτου, danach W. Gundel, Neue astrologi-
sche Texte (1936), 163, der den Stierschenkel Seths im rechteckigen Himmels-
bild von Dendera vergleicht (hierzu H. Gundel, Ursa, 1961, 1037,11—23). Vgl.
jedoch auch oben zu I 9,8 anterior pars und ούρά bei Teukros 1: Ihre Enantio-
dromie macht die beiden Bärinnen austauschbar. significai: Hier ohne vor-
ausgehendes oritur wie I 6,6 (etwas anders I 1,9), vgl. zu I 10,2. certamen:
Übersetzt L άγώνα, vgl. von der Kleinen Bärin L I 12,7 μάχας. actum:
Übersetzt L πράξιν, wohl im Sinne von "magische Praxis". Fast genau gegen-
über, bei Can 2 Io—23°, bewirkt Ursa (14,9): actum agentium = L των πρά-
ξεων, s. d. [hi autem eqs.]: Nicht mehr in L, also wohl wieder eine Einzel-
gradprognose (II 10,24).
11. in vicésimo séptimo gradu : S. o. zu I 10,10 in vicésimo sexto gradu. Der
zweite Einzelgrad paßt insofern ins System, als die beiden Einzelgradbezirke in
einer Serie von sechs 2°-Abschnitten stehen. Cygnus: Folgt hier in dem
zweiten 1 "-Bezirk auf Ursa. Beide Sternbilder erscheinen auch I 9,4—5 in dem
Bezirk Sa 16°—20° als Avis und caput Ursae nebeneinander. homines dul-
cís eloquii: Manil. 5,364—388 nennt den Schwan zu Sa 30° (Firm. math. 8,14,3
jedoch zu Sa 10°) und prognostiziert wegen der kentaurischen Natur des überge-
ordneten Tierkreiszeichens das Sprechenlernen von Vögeln: W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 165—168 (der Schütze ein ζωδιον ήμίφωνον) und 588 zu
Manil. 5,378f. linguas hominum sensusque docebit \ aerias volucres, vgl. zu
I 9,4 domatores avium. — Danach bleibt L ποιητάς unübersetzt, vgl. jedoch die
Einzelgradprognose II 10,10 poetam für Cap 8°. Über die poetologische Bedeu-
tung des ήμίφωνον W. Hübner, Varros instrumentum vocale ( 1984), 13 f.
senes: Falsche Wiedergabe von L πρεσβευτάς "Gesandte", "Beauftragte", vgl.
F. Cumont, L'Egypte (1937), 172 im Sinne von πρεσβύτας. F verbindet dieses
Wort falsch mit dem Folgenden : qui en ancienetet sont blechiet. [qui etiam
laeduntur]: Nicht mehr in L, sondern ebenso wie I 10,12 et laeduntur wohl wie-
der eine Einzelgradprognose (II 10,25).
12. a vicésimo octavo gradu usque ad vicesimum nonum: Opposition zur
cauda Hydri (I 4,11) bei Can 27°—30°. cauda Magni Piscis: Als ganzer er-
scheint der Große Fisch schon I 10,3 als Serpens magnus bei Cap 8°—10°. Teu-
kros I verteilt die drei Teile des Großen Fischs parallel zu den drei Teilen des
Δυσώνυμος auf die drei Steinbock-Dekane, vgl. F.Boll, Sphaera (1903), 151.
cauda: Die Hervorhebung des Schwanzes am Ende des Steinbocks könnte ein
Einsprengsel aus Teukros I sein (zu Cap III): ή ούρά του Μεγάλου 'Ιχθύος,
doch findet sich die Angabe auch in L nach Teukros II. Sie hat — abgesehen von
der oben genannten Opposition — insofern ihren Sinn, als auch der Steinbock
selbst in einen Fischschwanz ausläuft: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982),
171 — 179. Vgl. auch zu I 12,3 (ή ούρά). Am Ende des folgenden Tierkreiszei-
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84 I. Paranatellonten

chens stellt L (I 11,8) eine direkte, aber falsche Verknüpfung her: ό Μέγας
'Ιχθύς ό ψαύων της ούρας του Αίγοκέρωτος. Dort wird der Steinbock mit
Eridanus verwechselt, vgl. zu I 10,3 Serpens Magnus, qui tangit Eridanum /lu-
men. Möglicherweise wurden auch hier wieder zwei benachbarte Kolumnen ver-
wechselt, vgl. zu I 3,7. — Uber Teile von Sternbildern überhaupt vgl. zu I 4,9 po-
steriores partes Ursae. fallibilium rerum discussionem: Vgl. 13,9
instabiles animis als Wirkung der cauda Ceti und I 6,7 vitae instabilem proces-
sum als Wirkung der Puella, quae stat super cauda Hydri. discussionem:
Übersetzt L τίναγμα "Erschütterung", daher wäre wohl concussionem passen-
der gewesen. [et laeduntur]: Fehlt in L, gehört wie I 10,11 qui ... laedun-
tur zu einer Einzelgradprognose (II 10,25).
13. Der letzte Grad des Steinbocks ist nach dem LH in diesem System nicht
besetzt, ebensowenig bei den Einzelgraden (II), obwohl dort gerade beim Stein-
bock jeder Grad sonst seine eigene Prognose hat. Auch der letzte Helligkeitsbe-
zirk (III 10,7) reicht in F nur bis Cap 29° (in H ganz ausgefallen). Es ist nicht nö-
tig, mit S. Feraboli, Astronomia classica ( 1993), 517 (unter dem Einfluß von
W. Gundel: s. u.), den letzten Steinbockbezirk von Cap 28 o —30° reichen zu las-
sen. Wenn auch Firm, und Apom. ihre Systeme bis Cap 30° durchführen,
braucht es sich in F nicht um einen Überlieferungsfehler zu handeln, sondern die
Ignorierung von Cap 30° könnte Methode haben. Auf jeden Fall spielt bei den
Helligkeitsbezirken der Schlußgrad zweier anderer tropischer Zeichen eine Son-
derrolle: Nach Abu M. und dem LH schließt der Widder (III 1,7), nach Firmicus
der Krebs (1114,7) mit einem Γ-Bezirk, s.d. Nach Manil. 4,568—572 galt das
Ende des Steinbocks als ausgesprochen ungünstig, der Anfang des Wassermanns
als ausgesprochen günstig: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 592 und 603.
Dennoch überliefert L an dieser Stelle den Namen Είλείθυια. Demnach ist im
LH ziemlich sicher Lucina zu ergänzen, die schon 16,4 bei Vi 11°—13° vor-
kommt: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 393. Ein 1°-Bezirk begegnet un-
ter dem Steinbock schon für I 10,10 Ursa bei Cap 26° und für I 10,11 Cygnus
bei Cap 27°. Teukros I erwähnt etwas früher (zu Cap II) das Sternbild Είλείθυια
έπί θ ρ ό ν ο υ κ α θ ε ζ ο μ έ ν η (Kam. 1337 Γυνή επί θρόνου). Nach Arat. 655 έκ
δίφροιο und Ps. Eratosth. catast. 16 έπί δίφρου κ α θ η μ έ ν η und aufgrund der
Parallele bei Teukros I (zu Ar III) ή Κ α σ σ ι έ π ε ι α έπί θ ρ ό ν ο υ καθεζομένη hat
F.Boll, Sphaera (1903), 2 1 2 - 2 1 6 (vgl. 107) richtig Eileithyia mit Kassiopeia
gleichgesetzt, dazu paßt bei Teukros II auch V1 Βασίλισσα (über die sich daran
anschließende Forschungsgeschichte vgl. zu 16,4 Lucina bei Vi 11°—13°).
F. Boll, CCAG VII (1908), 143,29 app. hat auf den Gedrittschein vom Steinbock
zur Jungfrau hingewiesen, die genauen Gradangaben des LH zu I 6,4 Lucina bei
Vi 1 I o —13° ergeben aber einen etwas größeren Winkel. Man stellte sich die Ei-
leithyia des Steinbocks auch ohne Kopf vor: Heph. 1,21,29 ( = Nechepso-Petosi-
ris frg. 6 Riess) δ ι α το έπικοινωνεΐν τ ω Αιγόκερω τό τ η ς Είλειθυίας ζώ-
διον ά κ έ φ α λ ο ν öv, vgl. Ps. Eratosth. catast. 9 oí δέ Τύχην [sc. αυτήν φασιν],
διό καί ά κ έ φ α λ ο ν αυτήν σχηματίζουσιν. Über die kopflosen Steinbock-Par-
anatellonten vgl. zu I 10,2 abscondens ... faciem. Abzulehnen W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 221 f. und Ders, Paranatellonta (1949), 1249, der an
das trächtige Nilpferdweib Thueris denkt. Im übrigen sucht Gundel den Einfluß

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10. Capricornus 85

der Lucina falsch schon bei Cap 28°, vgl. zu II 10,27. — Nach L bewirkt Eileit-
hyia τοκετόν έκ πορνείας, wonach 16,4 statt πρόνοιαν wohl πορνείαν zu
konjizieren ist, ähnlich auch V 11,2. — Eileithyia hieß schließlich auch eine Ko-
metenart: W. Gundel, Kometen (1921), 1179, vgl. zu 15,12 Typhon.

11. Aquarius

1. Eridanus fluvius: Der Fluß entströmt nach antiker Vorstellung der Urne des
Wassermanns und gilt somit bei einigen Autoren als Teil von diesem: F.Boll,
Sphaera (1903), 1 3 5 - 1 3 8 . W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 393 und
413. Ders., Perseus (1979), 154f. Teukros I stellt den Eridanus geradezu wie den
urnentragenden Wassermann dar (zu A q l ) : ό 'Ηριδανός ποταμός κρατών
κάλπην. Teile von Tierkreiszeichen stehen meistens an deren Anfang, vgl. oben
zu I 2,1 Pliades. — Über die Beziehung des Wassermanns gerade zum f l i e ß e n -
d e n Wasser W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 180 und 603 zu Manil.
4,272 sic profluit urna, dazu noch Theod. Pr. De Mangan. 4,32. — Zwischen
Aufgang und Prognose ist das Wetternotat IV 11,1 eingeschaltet. piscatores:
Ungenau für L ύδραλεταρίους "Betreiber einer Wassermühle", ebenso 14,11,
s. d. plagiarli: Ein lateinisches Lehnwort in L: F. Boll, Sphaera (1903), 37,
von Liddell-Scott mit "kidnapper" übersetzt, kaum zusammenzunehmen mit dem
vorangehenden Wort: piscatores plagiarii im Sinne von "Netzfischer", vgl. den-
noch W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 627 zu Manil. 5,660 retibus.
sermocinatores : Anders L εντολείς "Repräsentanten", danach ist in L wohl zu
interpungieren. in eisdem exsistentes rebus et locis: Trotz des fließenden
Wassers, denn der Wassermann gehört zum Quadrat der 'festen' Tierkreiszei-
chen, vgl. zu I I 1,6 έπιμονήν πραγμάτων, ferner zu 18,7 viros stabiles und
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 7 4 - 8 1 und 225f. Gegensatz ist unter
dem 'doppelten' Tierkreiszeichen der Jungfrau die Prognose II 6,3 in pluribus
(locis) dominantes.
2. volucris Ibis et Duo Dracones: Diese beiden Sternbilder trennt L durch
eine Prognose, s.u. volucris: Zusatz gegenüber L zur Verdeutlichung im
Sinne von "Vogel". Ibis: L überliefert ή "Ηβη, das Exc. Barocc. II p. 466,6
(am Ende des Schützen) "Ηβη. Weil Teukros I die drei Teile der Ibis auf die drei
Wassermanndekane verteilt, erwägt F. Boll, Sphaera (1903), 281 die Konjektur ή
Ιβις, allerdings ohne sie in den Text aufzunehmen. Der LH bestätigt jedoch
seine Konjektur: W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 234. Es handelt
sich um das Dodekaoros-Tier des Wassermanns: F.Boll (a. O.), 295. Aufgrund
der ekliptikalen Längen lokalisiert es W. Gundel (a. 0.) beim Wassermann und
seinem Wasserguß, jedoch ohne Überzeugungskraft. Da die Ibis bei Teukros II
im Gegensatz zu seiner sonstigen Gepflogenheit (s. Tab. 13) am Anfang des Was-
sermanns steht, ergeben sich zufällig über den Quellenwechsel hinweg drei Er-
wähnungen der Ibis, wie das bei Teukros I die Regel ist, doch folgt die erste noch
dem System des Teukros II, die zweite und dritte schon dem System des Teu-
kros I:
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86 I. Paranatellonten

Stelle Gradbezirk (Teil der) Ibis

I 11,2 Aq 4°—7° volucris Ibis


Ia 11,8 Aq 20°—21° medietates Ibeos
Ia 11,11 Aq 27°—30° posteriora Ibeos

Duo Dracones: Diesen Namen bietet L sowohl beim Wassermann: oí Δύο


Δράκοντες (vgl. PsAnt. [V 3 A] Δράκοντες δύο) als auch bei den Fischen
(112,6), wobei unklar ist, ob dasselbe Sternbild gemeint ist: F.Boll, Sphaera
(1903), 256 f., vgl. 204. Das Bild gehört wie die Ibis zu beiden Teukrostexten.
Teukros I gibt zu Aq II eine genauere Beschreibung: οχ Δύο Ό φ ε ί ς εχοντες
προς αλλήλους συνάφειαν, was der LH la 11,9 nicht mitmacht: Es heißt nur
Duo Dracones, vgl. jedoch zu I 8,3 Duo Dracones perplexi. Wie bei der Ibis, erge-
ben sich auch hier drei Erwähnungen der beiden Schlangen über die Quellen-
grenze hinweg:

Stelle Gradbezirk Name

I 11,2 Aq 4°—7° Duo Dracones


Ia 11,9 Aq 22°—23° Duo Dracones
Ia 12,3 Pi 7°—9° caput Cervi comedens
bicapitem draconem

Im Falle des Wassermanns denkt F. Boll, Sphaera (1903), 204 zweifelnd an die
beiden dem Wassermann gegenüberliegenden Zwillinge. Noch weniger über-
zeugt die Lokalisierung nach den ekliptikalen Längen von W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 240 bei dem Südlichen Fisch und im Guß des Was-
sermanns selbst. facit: Aufgang und Prognose werden wie bei I 11,1 Erida-
nus durch das Wetternotat IV 11,2 getrennt. augures, va(ti)cinatores rei
perfectae: Übersetzt frei L τελειότητα πράγματος im Sinne der Magie, vgl.
zu I 4,9 ultimum actum agentium. Diese Prognose gehört nach L nur zur Ibis,
was W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 234 richtig auf den Gott der
Ibis, Thot, bezieht: Wir befinden uns im Merkurbezirk V 11,1, s. d. va(ti)-
cinatores: Vgl. II 10,4 ratio {ci) natorem. qui in poculis ludunt: Gehört
nach L ebenfalls nur zur Ibis, zur Sache F. Cumont, L'Egypte (1937), 85 4 . Mög-
lich ist aber auch ein Bezug zur Urne des Wassermanns selbst, vgl. im vorigen
Bezirk zu I 11,1 Eridanus. duarum rerum laudem: Bezieht sich nach L
auf die Zwei Schlangen, deren Zweizahl ausgedeutet wird. Dagegen gehört der
Wassermann selbst nicht zu den 'doppelten' Tierkreiszeichen, sondern zu den
'festen', vgl. oben zu I 11,1 in eisdem exsistentes rebus et locis. laudem: Un-
verständlich anstelle von L η νοσημάτων έπανάστασιν. Möglicherweise hat
der Übersetzer das letzte Wort in επαΐνον oder έπαίνεσιν (so Feraboli) verle-
sen.
3. Lupus, qui comedit manum Hippocratoris : Besetzt zusammen mit dem
Hippocrator selbst (111,4) den 6°-Abschnitt Aq 8°—13°, während die beiden
Partner unter dem Skorpion voneinander getrennt werden: I 8,1 Hippocentaurus,
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11. Aquarius 87

qui deferí leporem bei Sc I o —4° und I 8,4 Canis, { qui[a] intendit ad Chironem)
bei Sc 11°—?, der zweite im Geviertschein zu dieser Stelle. Diese Zusammen-
hänge bestätigen die Deutung von F. Boll, Sphaera (1903), 282—284, der diesen
Lupus als das θηρίον in der rechten Hand des Südlichen Kentauren deutet, das
auch heute "Lupus" heißt, während das Tier in seiner Linken ein Hase (lepus)
ist: F. Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 1 0 1 4 - 1 0 1 6 . A. Scherer, Gestirnna-
men (1953), 192. A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 147. Vergleichen läßt sich
auch das Sternbilderpaar, das L I 5,8 und I 5,9—11 zum Löwen nennt, ό Λύκος
und ό τοξεύων Λυκοπρόσωπος, vgl. zu I 5,7 f. Canis et Lupus. Die pfeilschie-
ßende Pose des Wolfsgesichtigen erinnert an den zodiakalen Schützen-Kentau-
ren, wozu man die Verwirrung bei Firm. math. 8,29,1 3 vergleichen möge: Im Ab-
schnitt über den Wassermann heißt es: extra partes Sagittarii [gemeint Aquarii]
oritur ... Lupus [Lupus, Lepus var. 1.]. Der Hase ist vielleicht aus den Fischen
(math. 8,30,12 f.) hierher eingedrungen, denkbar ist aber auch ein Korrekturver-
such, vgl. die Namensverwechslung 1985 bei F. Savage-Smith: P. Kunitzsch, Der
Islam 64 (1987), 369. F. Boll, Sphaera (1903), 408 hält den Text. - Abzulehnen
ist die Deutung von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 177 und 252,
der das Sternbild aufgrund der ekliptikalen Längen innerhalb des Pegasus lokali-
siert, danach unkritisch A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 231. — Das Paar kehrt
noch einmal in der Schicht nach Teukros I am Ende des Wassermanns wieder
(Ia 11,11): (posteriora Hippocratoris et) Lupus [Sus trad.] comedens manum
Hippocratoris. Da Teukros I dort (bei Aq III) den Λύκος nennt, ist man genötigt,
Sus in Lupus zu korrigieren, selbst wenn der von Teukros I abhängige Abu M.
introd. 6,1 p. 533 Boll ein "Wildschwein" nennt. Er bezieht sich dort auch nicht
auf das Ende des Wassermanns, sondern auf den zweiten Dekan Aq II, s. d.
qui comedit: Anders L βαστάζων "der trägt" und Ps.Ant. (V 1 Α) κατέχων
"der in der Hand hält"; so hat auch la 12,3 comedens keine Entsprechung in L,
s. d. Mehr Ähnlichkeit hat schon hier der Text des Teukros I, der erst ab Aq 16°
zur Quelle wird (zu Aq III): Λύκος δάκνων την δεξιάν αύτοϋ, danach auch
der LH suo loco la 11,11 Lupus [Sus trad.] comedens manum Hippocratoris,
vgl. auch Abu M. introd. 6,1 p. 535 Boll "der die Hand des Hippokrator packt
und beißt." Heranzuziehen ist schließlich auch die Prognose bei Firm. math.
8,29,13 (das Maul des Lupus zusammen mit Mars): comedetur a canibus.
manum: Die anderen Texte unterscheiden zwischen der rechten und der linken
Hand : Nach Ps.Ant. (V 1 A) streckt die Figur die rechte Hand aus, nach Teukros I
(zu Aq I) die linke, doch der Wolf beißt auch bei Teukros I (zu Aq III) seine
rechte Hand. i. e. eius, qui tenet equum: Übersetzung des griechischen Na-
mens wie II 1,1 i.e. habens caput caninum (s.d.), hier schon vorgegeben bei
Abu M. introd. 6,1 p. 535 Boll: "dessen, der das Pferd hält", vgl. zu la 11,11 <po-
steriora Hippocratoris). — Dadurch, daß hier die Prognose ausgefallen ist, rük-
ken die beiden zusammengehörigen Sternbilder, Wolf und Hippokrator, noch en-
ger zusammen. — Zu der Prognose in L άρπαγήν άλλοτρίων κτλ. vergleicht
S. Feraboli, Ricerche (1989), 228 die Einzelgradprognose Firm. math. 8,29,3 (Aq
mit Lupus): erunt fraudulenti, fures eqs.
4. Hippocrator: Komplementär zum vorangehenden Sternbild I 11,3 Lupus,
qui comedit manum Hippocratoris (s. d.), von F. Boll, Sphaera (1903), 282—284
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88 I. Paranatellonten

als der Südliche Kentaur gedeutet, was trotz Gundels Widerspruch gehalten wer-
den sollte, denn der vorausgehende Lupus spricht dafür. W. Gundel, Neue astro-
logische Texte (1936), 177 und, ohne diesen zu nennen, S. Feraboli, Ricerche
(1989), 228 denken an Sterne des Pegasus, wofür die Prognosen und das schwer
erklärbare Wort pars angeführt werden könnten, s. u. Aufgrund der Verwechs-
lung mit dem Piscator (I 1,1) bei Abu M. introd. 6,1 p. 633 Boll vergleicht S. Fe-
raboli, Ricerche (1989), 239 die Einzelgradprognose Firm. math. 8,30,5 für
Pi 12°: piscator, doch gehört diese Prognose zum Band der Fische, s. zu I 12,1
άλιεΐς. — Der Hippokrator verbirgt sich wohl auch in zwei Sternbildern nach
Teukros I, den (la 11,7) medietates Equi und dem (Ia 11,11) Lupus (Sus trad.),
so daß sich trotz des Quellenwechsels hier ein drittes Mal eine dreifache Nen-
nung des Sternbildes ergibt, vgl. die Aufstellung zu Ia 11,7 medietates Equi.
cuius maior pars facit eqs.: Die Prognose ist vom Aufgang des Sternbildes
durch den Einzelstern VII 11,3 Deneb und den wiederholten /itcwii-Bezirk
III 11,2 getrennt. In F fehlt die Dublette des lucidi-Bezirks, so daß sich diese
Prognose an den Einzelstern VII 11,3 Deneb anschließt. Daß diese Prognose
nach L zum Hippocrator gehört, hat W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 177 und 253 richtig erkannt. cuius maior pars: Der Beginn der
Prognose ist schon in L textlich gestört, F. Boll versucht im Apparat die Ergän-
zung (ιππικών) έπισταμ(ένους), was durch den LH nicht bestätigt wird. Ge-
gen die Konjektur von F. Cumont, L'Egypte (1937), 51' ίπποστασίας spricht
die Tatsache, daß das lateinische Äquivalent, stabulatores, schon das Wort
στράτωρας übersetzt, s. u. Am Ende bleibt dann die Prognose ληστάς übrig,
die der LH ebenfalls nicht bestätigt, vgl. jedoch die Prognose in L unter dem Lö-
wen (15,9—11): ó τοξεύων Λυκοπρόσωπος ληστάς (sc. δηλοϊ), ferner Ptol.
apotel. 4,4,7 ληστάς, άπελάτας. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
253 interpretiert "der größere Teil der Grade 5°—9°". Dieser Sinn ist aber un-
wahrscheinlich, denn der Hippocrator besetzt ja einen anderen Bezirk, nämlich
die Grade Aq 1 I o —13°. Selbst wenn man den komplementären Lupus (I 11,3)
bei Aq 8°—10° mit hinzunimmt, bleibt der größere Teil des Bezirks Aq 5°—9°
ungedeckt. pars: Dieses Wort kehrt I 1,12 für den Teil des zu ergänzenden
Pegasus wieder, und zwar mit einer ζ. T. identischen Prognose. stabulatores
... abigeos: Dasselbe verheißt die pars Pegasi unter dem Widder (I 1,12): sta-
bulatores, abigeos, s. d.; S. Feraboli, Ricerche (1989), 228 vergleicht Firm. math.
8,29,14 (rechter Teil des Aquarius minor): erunt equorum magistri. stabu-
latores: Das lateinische Lehnwort L στράτωρας (F.Boll, Sphaera, 1903, 37,
dazu Apom. myst. 3,52 CCAG XI 1, 1932, p. 181,19) wird in ein anderes lateini-
sches Wort zurückübersetzt, 11,12 steht dieses Wort für ίπποκόμους, vgl. F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 57'. abigeos: Übersetzt L άπελάτας "Viehräuber"
wie I 1,12; Firm. math. 6,31,6 macht für diese Prognose (pecorum abactores)
u. a. die signa aquosa verantwortlich.
5. a quarto decimo: Geändert aus ab undécimo {11 F): W. Hübner, Die Par-
anatellonten (1975), 393. Korrekturen sind bei Anfangsgraden häufiger geboten,
s. o. S. I 96. Hinzu kommt, daß die Leier mit der hellen Wega schlecht zu den
gradus umbrosi bei Aq 10°—13° paßt, s. zu III 11,3. Lyra: F. Boll, Sphaera
(1903), 105 denkt an die Kulmination, ebenso wie bei Ps.Ant. (V 3 A), der die
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11. Aquarius 89

Leier aber erst am Ende der Fische nennt. Vett. Val. 1,2,47 läßt die Leier mit
dem gegenüberliegenden Löwen untergehen. significat eqs.: Gehört nach L
über das Wetternotat IV 11,4 hinweg hierher, vgl. zu 1 1,9 significat. musi-
carum: Der Ubersetzer von F nient usagieus hatte wohl das nicht belegte Wort
*inusicarum vor Augen. expositionem: Das entsprechende Wort ist in L
ausgefallen, F. Boll hat (ίστορίαν) ergänzt, der lateinische Text empfiehlt nun
etwa eine Ergänzung wie (έττίδείξιν).
6. a sexto decimo gradu: Folgt im Gesamttext sogleich auf die Prognose des
vorangehenden Paranatellons 111,5 Lyra. Gallina: Übersetzt L ó Ό ρ ν ι ς
wie I 3,9, s. d. Das Sternbild kommt nach dem Quellenwechsel noch einmal
(Ia 11,10) bei Aq 24°—26° als Cygnus vor, vgl. Teukros I (zu Aq III) ό μέγας
δρνις, δν καλοΰσΐ Κύκνον. — Mit dem Ausfall der Prognose bricht im LH zu-
gleich das ganze System nach Teukros II ab. Das Einsprengsel bei Pi 16 o —18°,
Canis et [vel trad.] Lupus, gehört zu den entsprechenden Graden des Löwen,
vgl. oben zu I 5,7—8. έπιμονήν πραγμάτων: Von dieser Stelle an ist der
griechische Text von L der einzige Zeuge (neben V ' und Ps.Ant.). — Der Was-
sermann gehört zu den 'festen' Tierkreiszeichen, vgl. zu I 11,1 in eisdem exsi-
stentes rebus et locis.
7. ιστός: Seltene Angabe eines Einzelteils, vgl. zu I 3,1 cauda Ceti. Die Argo
ist als Schiffshinterteil bis zum Mast verstirnt: F. Boll — W. Gundel, Sternbilder
(1937), 1005. Ein Mast begegnet in der Deutung des Sternbildes I 4,2 Qui movet
navem, das mit Argo zusammen den Abschnitt Can I o —3° besetzt: ascendentes
in arborem navis.
8. ó Μέγας 'Ιχθύς: Sein Schwanz wird schon I 10,12 am Ende des vorange-
henden Tierkreiszeichens bei Cap 28 o —29° genannt. ό ψαύων της θύρας
Toi) Αιγοκέρωτος: Trifft nicht zu, denn der Südliche Fisch berührt nicht den
Steinbock, sondern den unter dem Steinbock genannten Eridanus, vgl. zu I 10,3
qui tangit Eridanum flumen. ψαύων: Vgl. zu I 3,7 [Faon]. της θύρας:
Der Schwanz des Südlichen Fisches (I 10,12) wird wohl mit dem Fischschwanz
des Steinbocks verwechselt. έπΐκίνδυνον: Ahnliche Prognosen für
Schwanzpartien s. o. zu I 3,9 instabiles.

12. Pisces

1. Λίνον: Der Name für das Band der Fische lautet Αίνος (Exc. Barocc. II
p. 466,9: λινός trad.) oder Λίνον (V1). Er wurde häufig verdorben: zu Νείλος
(F. Boll, Sphaera, 1903, 489), Πηλέα (F. Boll, CCAG V 1, 1904, p. 168,35 app.)
oder αι'νος (Ptol. apotel. 1,9,13 p. 27,5 app.). Uber eine itazistische Verwechs-
lung mit ληνός "Kelter" P. Kunitzsch, Von Alexandria (1991), 12. Zum Band
der Fische, das auch Teukros I unter den Fischen erwähnt (s. u. la 12,8 zu der
Konjektur Linum), vgl. W. Gundel, Pisces (1950), 1 7 7 6 - 1 7 7 8 . A. Le Bœuffle,
Les noms (1977), 182f. W. Hübner, Manilius (1984), 178 und 1 9 3 - 2 1 3 . Als
Teil der Fische selbst steht das Band am Anfang: Vgl. zu I 2,1 Pliades. Etwa am
Anfang erscheint es aber auch bei Rhet. Β p. 212,3 (Pi 4 o —7 o ): ό σύνδεσμος, in
der Mitte der beiden Fische bei Firm. math. 8,4,12 (Pi 1 6 o - 1 8 o ) : in lino. Der
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90 I. Paranatellonten

Knoten im Band wird VII 1,2 nach Ptolemaeus mit Regeldifferenz von +3°26'
ziemlich genau um ein Tierkreiszeichen später bei Ar 6° angesiedelt. Ein ähnli-
cher Unterschied besteht zwischen II 1,1 stella Gorgonis bei Ar 3° und VII 2,1
Gorgon bei Ta 3°6'. Uber F. Bolls Ergänzung dieses Sternbildes am Anfang des
Widders s.o. zu 11,1 Piscator. άλιεΐς: S. Feraboli, Ricerche (1989), 228
vergleicht die verspätete Einzelgradprognose Firm. math. 8,30,5 für Pi 12°: erit
piscator und denkt S. 239 — kaum richtig — an den mit dem Hippokrator ver-
wechselten Piscator, vgl. zu I 11,4. συμπλοκήν: Erinnert an den Knoten im
Band der Fische, der aber nicht zum System des Teukros II gehört, vgl. zu
VII 1,2 Nodus Piscium bei Ar 6°.
2. τ ο μέρος τοΰ ( Π η γ ά σ ο υ . . . ) : Ergänzt nach den griechischen Parallel-
texten: V1, Ps.Ant. (V:i A), Exc. Barocc. II p. 466,9 (vielleicht auch Exc. Barocc. I
p. 465,13: + π ή χ υ ς trad.), vgl. Vett. Val. 1,2,88. Ähnliche Ergänzungen hat
F.Boll, CCAG VII (1908), p. 205,23 und p. 207,10sq. im Text des Teukros I
vorgenommen. Die Junktur τ ό μέρος τοΰ Π η γ ά σ ο υ auch I 1,12 = pars Pe-
gasi, s. d., vgl. auch Rhet. C p. 216,13: Die ersten Grade der Fische gelten als ge-
flügelt: διά τον Π ή γ α σ ο ν , dazu W. Hiibner, Die Eigenschaften (1982), 125.
Die Prognose ist zusammen mit dem Namen des Sternbildes ausgefallen. Firm,
math. 8,17,3, nach dem Equus erst mit Pi 21° aufgeht (vgl. Manil. 5,631), gibt die
Prognose équités, veredarii, die die Prognose für I 1,12 pars Pegasi wiederholt,
s. d. — Ps.Antiochos (V:! A) fügt noch Jupiter hinzu ( Π ή γ α σ ο ς καί Ζεύς), den
F. Boll, Sphaera (1903), 114f. mit dem Adler identifiziert, den V1 zu den Fischen
nennt. Jupiter ist aber Hausherr der Fische, vgl. zu I 7,4 Venus. Schon Arat.
223f. hebt diese Beziehung hervor: α ύ τ ά ρ ò " Ι π π ο ς | έν Διός είλεϊται, was
das Scholion p. 183,16 mit έν τ ω ούρανω erklärt.
3. (ή ο ύ ρ α τ ο ΰ ) Κήτους: Da der Genitiv überliefert ist, bedeutet diese
Konjektur einen leichteren Eingriff als ( τ ό ) Κήτος. Der Schwanz des Ketos
wird auch I 3,1 und I 3,9 erwähnt (dagegen I 1,7 schlicht τό Κήτος), ebenso bei
Teukros I (zu Ar I, vgl. zu Pi I ή ούρα τοΰ Κροκοδείλου) und bei Firm. math.
8,30,13 in cauda Ceti. Die durch einen "saut du même au même" entstandene
Verbindung von Pegasus und Cetus ist wohl auch die Grundlage für die Mytho-
krasie (la 12,9) Qui stat super genibus [Theseus armatus occidens Pegasum],
s. d. ; I 1,12 erscheint die pars Pegasi neben dem Kater wie bei Teukros III der
Schwanz des Walfischs, s. d. ούρά: Bei Teukros II auch sonst bei fischarti-
gen Wesen: 14,11 ή ούρά τοΰ "Υδρου = cauda Hydri bei Can 27 e —30° und
I 10,12 ή ούρά τοΰ Μ ε γ ά λ ο υ Ι χ θ ύ ο ς = cauda Magni Piscis bei Cap 28o—
29°: Gegenschein. Anders 15,3 Κυνός ο ύ ρ ά und I 12,7 ή ούρά τ ή ς Μ ι κ ρ ά ς
Άρκτου, s. d. Über abweichende Ausdrücke für die Hinterpartie bei Teukros I s.
zu la 11,11 posteriora Ibeos. καταπότας, γαστριμάργους : S. Feraboli,
Ricerche (1989), 228 vergleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,30,7 für
Pi 18°: multum eibum sumens, vgl. zu 15,8 multum comedens. δεσμοφύ-
λακας: Diese Prognose überrascht beim Walfisch, s.o. zu 11,7 (Cetus bei
Ar 16°—18°): custodiens Andromedam. Sie kehrt sogleich I 12,4 für Andromeda
selbst wieder. ταριχευτάς: Auch diese Prognose begegnet schon unter dem
Widder (I 1,7) für den Walfisch bei Ar 16°—18°: sallitores, s.d. άποθηκα-
ρίους: Ein άπαξ λεγόμενον, etwa "Lagerhalter".
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12. Pisces 91

4. Ανδρομέδα: Ist mit dem vorausgehenden Walfisch mythologisch verbun-


den, vgl. zu I 1,7 custodiens Andromedam. Nach Manil. 5,538 f. und Firm. math.
8,17,1 geht Andromeda mit Pi 12° auf. δεσμοφύλακας: Wiederholung der
Ketos-Prognose (112,3), eine Ausdeutung des Bandes der Fische: W. Hübner,
Die Eigenschaften (1982), 620 zu Manil. 5,621 carceris ... custos, wieder anders
5,555 ipsa suae custos est visa figurae. Unter dem Widder verheißt Andromeda
hingegen Gefangene, s. zu I 1,6 in carceribus exsistentes.
5. Γερανός: Vgl. F. Boll, Sphaera (1903), 259 und 451 : von den Türken mit
Ophiuchos gleichgesetzt, dazu etwa W. Schickard, Astroscopium, 2 Nördlingen
1655 (' 1623), 26. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 241 f. denkt an
ein reines Wetternotat oder (a. 0 . 196) an eine Verschreibung in *ceamum, vgl.
zu Ia 12,8 Linum. Die Ansiedlung eines Vogels bei den Fischen geht vielleicht
auf die geflügelte Natur dieses Tierkreiszeichens (s. o. zu I 12,2 το μέρος τοΰ
Πηγάσου) und die Bezeichnung des nördlichen der beiden Fische als "Schwal-
benfisch" zurück, hierzu F.Boll, Sphaera (1903), 196f. χειμώνας άέρων:
Eine der seltenen Wetterprognosen bei Teukros II, s. o. zu I 2,2 pluviosos. Nach
Arat. 1010—1020 gilt der Kranich als gutes Wetterzeichen. πραγμάτων:
Ist suspekt, vielleicht ist vorher etwas ausgefallen, vgl. I 11,5 f. und I 12,10.
6. ή Έ λ α φ ο ς και οι Δύο Δράκοντες: Vgl. unten zu la 12,3 caput Cervi
comedens bicapitem Draconem bei Pi 7°—9°, ferner zu I 11,2 Ibis et Duo Draco-
nes bei Aq 4°—7°. θηριοδείκτας: Dieselbe Prognose I 5,4a für Ophiuchos
(nicht im LH), und zwar ebenfalls neben ιατρούς (s. d., auch zur möglichen Le-
sung -δήκτους). Demnach dürfte es sich bei den beiden Schlangen um die des
Aeskulapstabs handeln, vgl. zu I 8,3 Duo Dracones perplexi. S. Feraboli, Ricer-
che (1989), 229 vergleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,30,12 (Pi: in
ore Cervi): erunt Marsi vestigantes prehendentesque serpentes.
7. ή ούρα της Μικράς Άρκτου: Die einzige Stelle, wo Teukros II zwi-
schen den beiden Bärinnen differenziert, s. o. zu I 2,9 Ursa. Daß hier keine späte
Verderbnis, sondern etwas Ursprüngliches vorliegt, beweist Manil. 5,696 Cynos-
ura minor (opp. 693 Arctos). Vielleicht ist ή ούρά ein Rest des Namens Κυνόσ-
ουρα "Hundeschwanz", vgl. V1 κυνός ούρά (an letzter Stelle unter den Fischen,
ebenso unter dem Löwen L I 5,3, wo V1 wiederum άρκτος μικρά liest), doch er-
scheinen auch I 4,9 die posteriores partes der Bärin, s. d. μάχας: Verheißt
die Kleine Bärin auch I 5,3. χωρισμούς: Gehört zum Polardrachen, der die
Bärinnen zugleich trennt und bindet, s. zu I 3,3 carcerem, vincula und zu I 5,4
custodiam ... separationes ( = L χωρισμόν). Möglicherweise ist hier der Drache
ausgefallen wie bei Manil. 5,709, vgl. Firm. math. 8,17,7 und W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 634 und Dens., Manilius (1984), 2 0 8 - 2 1 3 . Entsprechend
folgt unter dem Löwen bei Le 6°—10° (15,3—4) auf den "Hundeschwanz" der
Kopf des Drachens und unter den Zwillingen bei Ge 6°—10° (13,3—4: Sextil-
schein) auf die Polartrias das Sternbild Theseus-Engonasin wie hier Herakles-En-
gonasin.
8. ό έν γόνασιν 'Ηρακλής: Engonasin wird bei Teukros II u.a. als Hera-
kles oder Theseus gedeutet, s. o. zu I 3,4 Theseus stans super genibus. Theseus
besetzt dort zusammen mit der Polartrias einen 5°-Abschnitt, hier folgt er auf die
Kleine Bärin, die aber auch eine Prognose des Drachens bei sich hat. Engonasin
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92 I. Paranatellonten

erscheint auch bei Teukros I gegen Ende der Fische, und zwar als Theseus, "der
den Pegasus tötet" (Ia 12,9): Qui stat super genibus [Theseus armatus occidens
Pegasum], Der Vergleich mit Manil. 5,645—655 und Firm. math. 8,17,4 zeigt,
daß Engonasin am Ende der Fische die Funktion des Perseus einnimmt: Dort
folgt der Walfisch, sein Gegner, auf der Südseite wie hier das Krokodil, das wohl
mit Cetus identisch ist, vgl. W. Hübner, Manilius (1984), 1 9 3 - 2 0 1 . έπΐ-
διφρίους σκυτοτόμους: Wohl ohne Komma zu lesen, vgl. Maneth. 4,320
βυρσοτόμους τεύχει δοροεργέας, εν τε καθέδραις | σκυτείτι τέχνη με-
μελημένα δαιδάλλοντας. Ähnliche Prognosen bei F. Cumont, L'Egypte
(1937), 91". έπιδιφρίους ... έργάτας: Vgl. 13,4 έπιδίφριον έργασίαν
= sedentarìam operationem als Prognose für Theseus-Engonasin. λιθο-
ξόους: Auch diese Prognose verheißt Theseus-Engonasin (I 3,4): incisores lapi-
dum, s.d.; S. Feraboli, Ricerche (1989), 229 vergleicht die Einzelgradprognose
Firm. math. 8,30,9 für Pi 25°: erit aurifex, caelator.
9. Ó Κροκόδειλος: Folgt hier auf Engonasin-Herakles wie bei Manil.
5,556—692 und Firm. math. 8,17,5 Cetus auf Engonasin-Perseus: Auch
das spricht für eine Gleichsetzung von Krokodil und Walfisch, vgl. zu la 12,9
Theseus armatus occidens Pegasum. α ρ π α γ α ς , βιαίους: Wohl so zu
lesen, vgl. 19,8 und Rhet. C p. 212,6 αρπαγας, dagegen άρπαγας βίαιους
Boll, vgl. auch 112,3 λ ρ σ τ ά ς vom Walfisch. α ρ π α γ α ς : Als Wirkung der
Vorderseite des Falken (I 9,8) bei Sa 27°—30° (etwa Geviertschein) mit rapaces
übersetzt.
10. ή Τρίαινα: Dieses Sternbild kommt im LH nicht vor, das Exc. Barocc. II
p. 466,2 stellt es zur Waage. Es ist ebendort nach der Prognose bei Manil. 5,297
cuspide vel triplici und Firm. math. 8,12,1 tridente vel cuspide mit Sagitta zu
identifizieren: W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 402 und Ders., Die Ei-
genschaften (1982), 571, Ders., Manilius (1984), 184f. und 212 f., wo auch ge-
zeigt wird, daß der Pfeil gerade an den kritischen Jahrpunkten eine Rolle spielt.
Wenn es zugleich bei der Waage und den Fischen vorkommt, ist daran zu erin-
nern, daß diese beiden Tierkreiszeichen, obwohl nicht genau gegenüberliegend,
von Rhet. C p. 124,13 als δ ι α μ έ τ ρ α bezeichnet werden. Bei der Wintersonnen-
wende begegnet auch im LH das Paar (II 10,6) Lyra bei Cap 6° und (II 10,9) Te-
lum bei Cap 7°—14°. Das Telum könnte dort allerdings auch auf Ptolemaeus zu-
rückgehen, vgl. zu VII 10,1. Ob der von Vett. Val. 1,2,76 genannte Pfeil oberhalb
des Schwans (statt des Adlers) wirklich ein anderer ist, wie S. Feraboli, Ricerche
(1989), 239 f. vermutet, ist ungewiß. — Das Exc. Barocc. II, das den Dreizack bei
der Waage ansiedelt, nennt hier, an letzter Stelle im Tierkreis, eine andere Waffe,
p. 466,10 το ρότταλον, dabei handelt es sich um ein Attribut des vorher genann-
ten Engonasin, vgl. zu I 3,6 Coronae anstelle von PL μ ε τ ά τοΰ ρ ο π ά λ ο υ sowie
unten zu Ia 12,9 armatus. συμφωνίαν π ρ α γ μ ά τ ω ν : Paßt zunächst zur En-
antiodromie der zirkumpolaren Trias, vgl. W. Hübner, Manilius (1984),
210—213, dann aber auch zum Dreizack, denn unter der Waage schafft Manil.
5,293—338 mit Sagitta ( = Τρίαινα) und Lyra um den zentralen Bock herum
eine Art π α λ ί ν τ ρ ο π ο ς άρμονίη: W. Hübner (ibid.), 184 f., vgl. unter den Wir-
kungen der Sagitta allein die Kombination von Vogel- und Fischfang (Manil.
5,296f.):

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12. Pisces

pendentemque suo volucrem deprendere cáelo


cuspide vel trìplici securum figere piscem.
Die Bewegungen von oben nach unten und von unten nach oben (vgl. 5,398)
kreuzen sich, hierzu genauer W. Hübner (ibid.), 226f. Die Prognose συμφωνίαν
πραγμάτων paßt also auch zum Dreizack.

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94 la. Paranatellonten (Teukros I)

la. T E U K R O S I

11. Aquarius

7. a sexto decimo u s q u e ad n o n u m d e c i m u m : An der Nahtstelle der beiden


Teukrostexte überlappen sich die beiden Bezirke I 11,6 Gallina bei Aq 16°—18°
und la 11,7 medietates Equi bei Aq 16°—19°. Während bei den Gradabschnitten
unter den Fischen das Einmaldrei regelmäßig durchgeführt ist, variieren die Ab-
schnitte am Ende des Wassermanns zwischen 2° und 4°. medietates E q u i :
Dieser Ausdruck ist mißverständlich. Schon bei Teukros I schwanken die Be-
zeichnungen zwischen το ήμισυ und τό μέσον (vgl. oben zu 15,1 medietates
... Heniochi). Auf den ersten Blick scheint es sich um die Halbfigur des Pegasus
zu handeln, der ja regelmäßig mit "Ιππος bezeichnet wird, vgl. zu I 1,12 pars Pe-
gasi und zu 112,2 τό μέρος τοϋ ( Π η γ ά σ ο υ ) . Wenn der LH 11,12 für die
pars Pegasi und I 11,4 für den Hippocrator dieselben Prognosen gibt, wobei die
singuläre Formulierung cuius maior pars ( I I I , 4 ) vielleicht auf die Halbfigur
weist, dann scheint schon in der Quelle diese Identifizierung zu bestehen, und so
hat denn auch W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 177 f. das hier ge-
nannte Sternbild Equus mit Pegasus gleichgesetzt. Dabei muß er aber "die dop-
pelte Erwähnung der mittleren Teile des Pegasus" in Kauf nehmen. In der Tat
bietet der LH ja später unter den Fischen (Ia 12,1.4.5) alle drei Teile des Pega-
sus. Hat man nun einmal erkannt, daß wir uns im Bereich von Teukros I befin-
den, so ist dessen Text maßgeblich, und der nennt an dieser Stelle wieder einen
anderen Namen: τά μέσα τοϋ Ίπποκράτορος. Kamateros schwankt bei der
Benennung des Bildes, Kam. 1562 (Aq I) und 1564 (Aq II) Ίπποκράτωρ, aber
1567 (AqUI) "Ιππου τά οπίσθια. Der Wechsel erklärt sich dadurch, daß die
Hinterpartie des Kentauren eben der reine Pferdeleib ist. Diese Erklärung trifft
hier für die Mitte nicht in dem Maße zu. — Das Bild erscheint in der ursprüngli-
chen Verteilung bei allen drei Wassermann-Dekanen:

TeukrosI LH

Aq 1 ή κεφαλή του Ίπποκράτορος I 11,4 Aq 1 Io—13o Hippocrator


II τά μέσα τοϋ Ίπποκράτορος la 11,7 16 o -19° medietates Equi
III (τά τέλη ... ) δν καλοϋσιν la 11,11 27o—30° {posteriora
Ίπποκράτορα Hippocratoris)

Die Schlußpartie des Hippokrator hat in allen drei Quellen eine Besonderheit:
Bei Teukros I erscheint der Name nur als Umschreibung für ein Sternbild, des-
sen Name ausgefallen ist, Abu M. introd. 6,1 p. 535 Boll bietet eine Tautologie:
"der hintere Teil dessen, der das Pferd hält, und der hintere Teil des Hippokra-
tor", Kamateros benutzt den Namen "Ιππος anstelle von Ίπποκράτωρ, und im
LH erscheint der Name nur in Verbindung mit dem rätselhaften Sternbild Sus,
das die Hand des Pferdehalters frißt, vgl. zu Ia 11,11 Lupus comedens manum
Hippocratoris. Nach dem hier Gesagten hat F.Boll, Sphaera (1903), 282—284
das Bild wohl richtig mit dem Südlichen Kentauren identifiziert, s.o. zu I 11,3
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11. Aquarius 95

Lupus, qui comedit manum Hippocratons. medietates : Die Mitte der Stern-
bilder erscheint fast regelmäßig beim zweiten Dekan:

Teukros I LH

Aq II τά μέσα του Ίπποκράτορος la 11,7 Aq 16°--19° medietates Equi


Aq II τά μέσα της "Ιβεως la 11,8 Aq 20°--21° medietates Ibeos
Pi II - la 12,4 Pi 10°--12° medietates Pegasi
Pi II το ήμισυ του Κροκοδείλου la 12,6 Pi 16°--18° medietates Crocodili
Pi II τά μέσα της Έλάφου la 12,7 Pi 19°--21° medietates Cervi
καί το ήμισυ του Έν γούνασι la 12,9 Pi 25°--27° [Qui stat super
genibus]

Die Gradangaben des LH reichen zweimal bis 21°, also über den zweiten Dekan
hinaus, wohl ein Indiz dafür, daß sie erst später hinzugefügt worden sind, vgl. je-
doch auch schon die Divergenz bei der Ansiedlung des Pegasus: Manil.
5,631-644 bei Pi 20°, aber Firm. math. 8,17,3 bei Pi 21°. Im Fall des Krokodils
berichtigt der LH mit dem Wort la 12,6 medietates den Text von Teukros I (το
ήμισυ statt τά μέσα), s. d. Zweimal kommen die medietates allerdings auch bei
Teukros II vor: I 4,10 medietates Scarabaei bei Can 24o—26° und I 5,1 medieta-
tes Hydrì bei Le Io—3°, also beide Male nicht im zweiten Dekan.
8. medietates Ibeos: Teukros I fügt zur Verdeutlichung hinzu: της δωδε-
καώρου, vgl. F.Boll, Sphaera (1903), 295f. Trotz des Quellenwechsels kommt
die Dreiteilung der Ibis rein äußerlich zustande, weil bereits Teukros II die Ibis
am Beginn des Wassermanns nennt, s. o. zu I 11,2 volucris Ibis bei Aq 5°—7°.
medietates: Wie la 11,7, s. d. Ibeos: An dieser Stelle erscheint der richtige
griechische Genitiv, dagegen ist er la 11,11 aus Ibeo[ni]s zu korrigieren. F über-
liefert an beiden Stellen den lateinischen Genitiv: de Ibidis.
9. vicesimum tertium: Überliefert ist vicesimum sextum (26 F). Der An-
schluß des folgenden Bezirkes Ia 11,10 ab Aq 24° verlangt jedoch den Schluß-
grad Aq 23°. Der Fehler ist wohl durch einen Sprung von den Duo Dracones zu
Ia 11,10 super Draconibus entstanden. Vielleicht bietet aber auch F das Ur-
sprüngliche, der insofern konsequent ist, als er auch den Abschnitt Ia 11,10 ganz
ausgelassen hat. In diesem Fall wäre der "Schwan über den Schlangen" nur ein
sekundärer Zusatz zu den "Zwei Schlangen". Stimmt diese Alternative, dann
wäre das wieder ein Hinweis darauf, daß die Aufteilung in Gradbezirke in dieser
Partie erst sehr spät erfolgt ist. — Im übrigen hat der LH die Ibis und die beiden
Schlangen gegenüber Teukros I vertauscht. Duo Dracones: Schon einmal
I 11,2 bei Aq 4°—7° (und zwar ebenfalls neben der Ibis) nach Teukros II ge-
nannt. Beide Sternbilder verknüpfen also die beiden Teukrostexte und gehören
eng zusammen. Der Zusatz in F desús dis reicht somit über den Quellenwechsel
hinweg. — Es gibt einen zweifachen Unterschied zu Teukros I: Zum einen nennt
dieser die beiden Schlangen schon früher zu Aq II, und zweitens ist er ausführli-
cher: oi Δύο "Οφεις εχοντες προς αλλήλους συνάφειαν. Diese Präzisierung
bietet der LH wiederum an anderer Stelle, wo sie in L fehlt (I 8,3): Duo Draco-
nes perplexi bei Sc8°—10°. Dort sind die beiden Schlangen Teil des Paranatel-
lons Sanitas = Ophiuchos-Aesculapius, also wohl die beiden Schlangen des Aes-
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96 la. Paranatellonten (Teukros I)

culapstabs, vgl. Ps.Ant. (V 3 ) Ύγίεια περιειλημμένη δράκοντα. — Schwer zu


beantworten ist die Frage, ob diese Schlangen irgendetwas mit denen am Kopf
des Hirschs zu tun haben: F. Boll, Sphaera (1903), 256f., vgl. zu Ia 12,3 bicapi-
tem Draconem.
10. Cygnus: Schon einmal I 11,6 als Gallina zu Aq 16°—18° genannt, s.d.
Der Wechsel des Namens geht mit dem Quellenwechsel einher, weniger unter-
schiedlich Teukros II ό Όρνις gegen Teukros I ό μέγας όρνις, öv καλοΰσι
Κύκνον, was an Eratosthenes erinnert: F.Boll, Sphaera (1903), 106. Ebenso
schlicht wie der LH ist Kam. 1566 Κύκνος. Zurückzuweisen ist die Annahme
von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 171, es handle sich wegen der
unpassenden ekliptischen Längen nicht um den klassischen Schwan, sondern um
ein anderes Sternbild, die Ibis. super Draconibus: Zusatz gegenüber Teu-
kros I, Kam. 1565 und Abu M. introd. 6,1 p. 635 Boll. Teukros I nennt oi Δύο
Όφείς zu Aq II, danach im LH bereits la 11,9 Duo Dracones. Möglicherweise
ist das ganze Lemma ein späterer Zusatz, s. o.
11. ori(un)tur (posteriora Hippocratoris) : An dieser Stelle gehen die
Quellen auseinander, man erwartet die Hinterpartie des Hippokrator, vgl. die
Aufstellung zu Ia 11,7 medietates Equi. Der Text des Teukros I ist lückenhaft:
( . . . ) , ôv καλουσιν Ίπποκράτορα, Kam. 1567 erwähnt zwar die Hinterpartie,
spricht aber von einem "Pferd": "Ιππου τά οπίσθια — mit einer gewissen Be-
rechtigung, denn die Hinterpartie eines Kentauren ist der reine Pferdeleib. Voll-
ständig ist dagegen Abu M., der den Namen Ίπποκράτωρ übersetzt (vgl. zu
111,3 i. e. eius, qui tenet equum) und somit das Sternbild doppelt nennt (Abu
M. introd. 6,1 p. 535 Boll): "der hintere Teil dessen, der das Pferd hält, und der
hintere Teil des Hippokrator." Demnach ist im LH etwa zu ergänzen: ori(un)tur
{posteñora Hippocratoris et) Lupus. (posteriora): Über die verschiedenen
Bezeichnungen der Schlußpartie eines Sternbildes s. u. zu posteriora Ibeos sowie
A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 204. Lupus comedens manuni Hippo-
cratoris: Überliefert ist an erster Stelle der Name Sus, der vorher schon einmal
falsch einen Einzelstern (VII 11,6: wohl β PSC) bezeichnet, s.d. Daß es ein sol-
ches Tier in der Sternnomenklatur gegeben hat, beweist Abu M. introd. 6,1
p. 533 Boll (allerdings an etwas früherer Stelle, nämlich schon bei Aq II): "er hält
sein Pferd [übersetzt Ίπποκράτωρ] mit seiner Linken und in seiner Bechten hat
er ein Wildschwein, das ihn mit seinem Fuße tritt." F. Boll, Sphaera (1903), 284
vergleicht hiermit die Darstellung je eines Schweins auf den beiden Himmelsbil-
dern von Dendera, W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 122 und 266
nimmt die beiden Lemmata (Ia 11,11 und VII 11,6) zusammen und schließt von
der Länge des Einzelsterns (Aq 25°[2]6') auf β PSC. Das stimmt nach der Regel-
differenz von + 3°26' gegenüber Ptol. synt. 8,1 p. 124,10 sehr wohl für den Ein-
zelstern, aber nicht für das hier gemeinte Teukros-Paranatellon. (Ganz fernzu-
bleiben hat der "Dekan mit dem Schweinskopf" bei P i l : LH 2 p. 23,13.)
A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 126 und A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 233
schließen sich an, der zweite mit leichtem Zweifel : Der Name bezeichne eher ein
Sternbild als einen Einzelstern. Gegen die Gültigkeit des Namens Sus spricht vor
allem der Text von Teukros I (zu A q l l l ) : Λύκος δάκνων την δεξιάν αύτοϋ
[sc. του Ίπποκράτορος]. Kam. 1567 bietet nichts Entsprechendes, wohl aber

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11. Aquarius 97

Abu M. introd. 6,1 p. 535 Boll: "ein Wolf, der die Hand des Hippokrator packt
und ihn beißt." Demnach ist man wohl berechtigt, statt Sus den Namen Lupus
zu konjizieren. Dafür spricht auch das Sternbilderpaar bei Aq 8°—13°
(111,3—4): Lupus qui comedit manum Hippocratoris und Hippocrator.
comedens: Etwas anders Teukros I δάκνων (nichts Entsprechendes bei Kam.
1567), vgl. AbQ M. a. 0.: "der die Hand ... packt und ihn beißt." Noch größer ist
die Diskrepanz 111,3 qui comedit gegen L βαστάζων und la 12,3 comedens ge-
gen Teukros I έχουσα, s.d. posteriora Ibeos: F.Bolls sichere Ergänzung
τά τέλη (της "Ιβεως) nach dem System sowie nach Kam. 1567 und Abu M.
introd. 6,1 p. 635 Boll wird hier erneut bestätigt. — Uber die Teile der Ibis vgl.
zu I 11,2 volucris Ibis und la 11,8 medietates Ibeos. posteriora: Die Hinter-
partie ist schon vorher beim Hippocrator zu ergänzen, vgl. oben zu Ia 11,7 α
sexto decimo eqs., und wird in dieser Schicht noch dreimal genannt:

TeukrosI LH

Aqlll (τά τέλη ...), la 11,11 Aq 27°—30° (posteriora


δν καλοϋσιν Ίπποκράτορα Hippocratoris )
τά τέλη (της "Ιβεως) posteriora Ibeos

[τά οπίσθια τοΰ Πηγάσου] la 12,1 Pi 1 3o posteriores partes Pegasi

Pil ή ούρα του Κροκοδείλου la 12,2 Pi 4°—6° cauda Crocodili


Pilli τά οπίσθια της Έλάφου la 12,10 Pi 28°—30° posteriora Cervi

Aus dem Rahmen fällt die Hinterpartie des Pegasus, die Teukros I zum letzten
Wassermanndekan Aq III, der LH jedoch an den Anfang der Fische stellt (vgl.
zu Ia 12,1). Die Angabe des Teukros I zu Aq III τά οπίσθια του Πηγάσου ist
zu tilgen, denn sie fehlt nicht nur im LH an dieser Stelle, sondern auch bei Abu
M. introd. 6,1 p. 535 Boll und Kam. 1567. Der Text des Letztgenannten ist auch
dazu geeignet, den Fehler zu erklären: "Ιππου τά οπίσθια meint die pferdear-
tige Hinterpartie des Ίπποκράτωρ (vgl. zu Ia 11,7 medietates Equi), die nach
dem System zu Aq III gehört. Es handelt sich also um eine Verwechslung von
Ίπποκράτωρ und "Ιππος (= Pegasus) und um eine falsche Ergänzung der
(Ia 12,1) έμπρόσθια τοΰ Πηγάσου, bei denen es nicht um den Anfang eines
dreigeteilten Sternbildes, sondern um die προτομή des nur mit seinem Vorder-
teil verstirnten Bildes geht, vgl. I 12,2 τό μέρος τοΰ (Πηγάσου) und zu I 1,12
pars Pegasi. — Einmal erwähnt auch Teukros II eine Hinterpartie: bei der zir-
kumpolaren Bärin, vgl. zu 14,9 posteriores partes Ursae. Ibeos: Berichtigt
aus Ibeo[ni]s nach la 11,8, s. d.

12. Pisces

1. a primo gradu Piscium usque ad tertium: Bei den Fischen wird nach Elimi-
nierung der heterogenen Teile (I 5,7—8) das Einmaldrei schematisch durchge-
führt. Hierbei handelt es sich um eine sekundäre Anpassung an die Gradbezirke
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98 la. Paranatellonten (Teukros I)

nach Teukros II, denn Teukros I rechnet in allen anderen Texten nur mit Deka-
nen (Zeichendritteln à 10°). posteriores partes Pegasi: Unter den Fischen
begegnen drei dreigeteilte Sternbilder, von denen Pegasus und Krokodil zuerst
mit der Hinterpartie, der Hirsch zuerst mit dem Kopf aufgeht:

Pegasus Krokodil Hirsch

Γ - -3° posteriores 4°--6° cauda Croco- 7°--9° caput Cervi


partes Pegasi dili
10°--12° medietates 16°--18 e medietates 19°--21° medietates
Pegasi Crocodili Cervi
13°--15° caput Pegasi 28°--30 e caput Croco- 28°--30° posteriora
dili Cervi

Trotz dieses neunteiligen Schematismus ist das System nicht regelmäßig, denn
von den drei Sternbildern ist Pegasus nur über die erste Hälfte des Tierkreiszei-
chens (Pi 1°—15°) verteilt, die beiden anderen jedoch auf alle drei Dekane, vgl.
W. Hübner, Zur neuplatonischen Deutung (1990), 86 f. Teukros I nennt hier, an
erster Stelle von Pi I, lediglich τά εμπρόσθια του Πηγάσου, ebenso Kam.
1616, ähnlich Abu M. introd. 6,1 p. 535 Boll "die Hälfte eines Pferdes". Dabei
handelt es sich um die προτομή des nur halb verstirnten Pegasus, vgl. zu I 1,12
pars Pegasi. Erinnert sei auch an die ungewöhnliche Zweiteilung des Engonasin
(la 12,9). Die von Teukros I abweichende Dreiteilung samt 'Enantiodromie' wirkt
wie eine nachträgliche Ausfüllung der defizienten Schlußpartie von Teukros II,
und zwar im Anschluß an die schon bei Teukros I falsche Ergänzung la 11,11 τά
οπίσθια του Πηγάσου, wobei der Unterschied zwischen der nur teilweisen
Verstirnung des Pegasus und der Aufteilung der Sternbilder in drei Teile bei
Teukros I verkannt wurde. — Im übrigen begegnet Pegasus am Anfang der Fi-
sche auch bei Teukros II, wo er in L zu ergänzen ist: s. o. zu I 12,2 τό μέρος
τοϋ (Πηγάσου). An späterer Stelle erscheint Pegasus auch bei Manil.
5,631-644 (Pi 20°) und bei Firm. math. 8,17,3 (Pi 21°: zur Differenz zwischen
20° und 21° vergleiche man die Beispiele zu la 11,7 medietates : Teukros I nennt
den zweiten Dekan, der LH 21 °). Dabei berufen sich die Texte auf die Tatsache,
daß sowohl Pegasus als auch die zodiakalen Fische als geflügelte Wesen gelten:
Rhet. C p. 216,14 (geflügelte Tierkreiszeichen) καί ταΐς πρώταις μοίραις των
'Ιχθύων δια τον Πήγασον, vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 622 f.
und Dens., Manilius (1984), 177. posteriores partes: Fällt auch sprachlich
aus dem Rahmen, denn sonst heißt es posteriora, vgl. zu Ia 11,11 posteriora
Ibeos. So wie hier jedoch die Formulierung nach Teukros II (I 4,9): posteriores
partes Ursae. Die 'Enantiodromie' des Pegasus hat zur Folge, daß an der Tier-
kreiszeichengrenze zwischen dem Wassermann und den Fischen die hinteren
Teile der Ibis und des Pegasus aneinanderstoßen. Pegasi: Diesen Namen
verwendet Teukros, dagegen VII 12,1 Equi nach Ptol. synt. 7,5, s. d. Zur Nomen-
klatur A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 115.
2. cauda Crocodili: Das Krokodil ist ebenso dem Hirsch entgegengerichtet
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12. Pisces 99

wie Pegasus, es ist aber mit dem Hirsch dadurch enger verbunden, daß sich
beide Bilder fast über das ganze Tierkreiszeichen erstrecken und ihre Angaben
im Text stets aufeinander folgen, bei der ersten und zweiten Erwähnung in zwei
aufeinanderfolgenden Gradbezirken, bei der letzten sogar im selben Gradbezirk,
s. das Schema zu Ia 12,1 posteriores partes Pegasi. Kam. 1617—1624 ersetzt das
Krokodil durch den Κόραξ, der nichts mit dem klassischen Raben zu tun hat.
Eine mögliche Verwechslung von Cervus (la 12,3) und Corvus setzt eine lateini-
sche Zwischenstufe voraus, für die es aber sonst keine Anzeichen gibt. Bei dem
Krokodil handelt es sich um das Dodekaoros-Tier der Fische: F. Boll, Sphaera
(1903), 295 f. Teukros II (L I 12,3) nennt zu den Fischen den Walfisch, der nach
I 1,7 mit Ar 16°—18°, nach Teukros I dreiteilig mit allen drei Widderdekanen,
nach Manil. 5,656—692 und Firm. math. 8,17,5 jedoch schon mit dem Ende der
Fische aufgeht, vgl. Abram, p. 196: Der Walfisch verstärkt die Wasserwirkung
der Fische. Da nun das Exc. Barocc. II p. 466,9 an entsprechender Stelle unter
den Fischen das Krokodil nennt, kann die naheliegende Gleichung Krokodil =
Cetus wohl als gesichert gelten: W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
234f. A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 188 und 212. A. Le Bœuffle, Les noms
(1977), 127f. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 627. Ders., Zur neuplatoni-
schen Deutung (1990), 84 und 88. Teukros II nennt außer dem Κήτος dann
noch einmal (I 12,9) das Krokodil, und zwar nach dem Herakles, der dort in die
Funktion des Perseus eintritt, s. d. cauda: Sonst werden posteriora oder po-
steriores partes genannt, vgl. zu Ia 11,11 posteriora. Hier cauda wie Teukros I
(zu A r i ) : ή ούρα τοΰ Κήτους, vgl. Firm. math. 8,30,13 in cauda Ceti, aber
dann in II. parte und in III. parte. S. Feraboli, Ricerche (1989), 228 vergleicht
die Einzelgradprognose Firm. math. 8,30,3 für Pi 7°: in aqua a pisce lacerabitur
sowie S. 240 Firm. math. 8,30,13 (Pi mit cauda Ceti): a bestiis lacerati morien-
tur, verkennt dabei aber, daß Teukros I keine Prognosen bietet.
3. caput Cervi: Schließt an Ia 12,2 cauda Crocodili an, über deren Gegenläu-
figkeit s. o. zu Ia 12,1 posteriores partes Pegasi und W. Hübner, Zur neuplatoni-
schen Deutung (1990) 85—89: Sie entspricht den beiden einander entgegenge-
setzt schwimmenden Fischen, hierzu Ders., Die Eigenschaften (1982), 102 und
Ders., Manilius (1984), 2 0 7 - 2 1 3 . Da Firm. math. 8,30,12 das Sternbild Cervus
Lupus [Lepus die Aldina] dem nördlichen Fisch zuordnet, denkt F. Boll,
Sphaera (1903), 255—257 (vgl. 404f.) an ein nördliches Sternbild, ohne dieses
genauer zu lokalisieren. Nach einer Anregung von F. Cumont identifiziert er das
Sternbild später (Die Erforschung, 1908, 113 4 ) mit Pegasus, danach dann
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 240 und zweifelnd Ders. bei
F. Boll - W. Gundel, Sternbilder (1937), 930,55. A. Scherer und A. Le Bœuffle
haben den Namen nicht berücksichtigt. Einen "Stier-Hirsch" nennt Abu M. in-
trod. 6,1 p. 497 Boll zu Ar I und II, die Handschrift Sloane auch zu Li III. Uber
J.Bayers Irrtum (Kassiopeia = cerva) F.Boll, Sphaera (1903), 451. Er findet
sich noch bei W. Schickard, Astroscopium, 2 Nördlingen 1655 ( Ί 6 2 3 ) , 27 p. 26.
Nichts über das Sternbild bei B. Domagalski, Der Hirsch (1990). caput: Der
Kopf steht für den Anfang des dreigeteilten Sternbildes wie la 12,5 caput Pegasi
und la 12,10 caput Crocodili. Anders die Junktur caput Hydri unter den Einzel-
graden des Krebses: 114,10 ( = VII 4,4) und 114,13. Cervi: Die maskuline
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100 la. Paranatellonten (Teukros I)

Form verwendet auch Firm. math. 8,30,12, nur diese kommt im Lateinischen
vor: A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 232f. Aber nach Teukros I (zum zweiten
und dritten Dekan) handelt es sich um eine Hirschkuh: της Έλάφου (beim
zweiten Dekan τοΰ Έλάφου var. 1.), beim ersten Dekan zwar ohne Artikel, vgl.
jedoch Kam. 1617 auch für Pi I: της Έλάφου κεφαλή. comedens bicapi-
tem Draconem: Etwas anders Teukros I (zu Pi I): έχουσα οφεις δύο έν τοις
μυκτήρσι. Zwei verschiedene, etwa übereinstimmende Deutungen nennt Abu M.
suo loco zu Pi I (p. 537 Boll): "in seinen Nasenlöchern sind zwei Schlangen; Teu-
kros sagt, daß es der Kopf eines Skorpions sei, in dessen Maul zwei Schlangen
sind." Vgl. auch Firm. math. 8,30,12 in ore Cervi quicumque habuerint horosco-
pum, erunt Marsi vestigantes prehendentesque serpentes, ferner F. Boll, Sphaera
(1903), 256 f. S. im übrigen zu I 11,2 Duo Dracones.
4. medietates Pegasi: Vgl. zu Ia 11,7 medietates Equi ( = Ίπποκράτορος).
Fehlt bei Teukros I, es handelt sich um eine falsche Ergänzung, s. o. zu la 11,11
posteriora und zu Ia 12,1 posteriores partes Pegasi.
5. a tertio decimo gradu: Der Kopf des Pegasus müßte bei regelmäßiger Ver-
teilung am Anfang von Pi III erscheinen, hier bildet er jedoch den Abschluß der
ersten Hälfte der Fische, so daß Mitte und Kopf des Pegasus direkt aufeinander
folgen, auch das deutet auf die falsche Ergänzung. caput Pegasi: Fehlt an
dieser Stelle ebenfalls bei Teukros I, vgl. oben zu Ia 12,1 posteriores partes Pe-
gasi: Die εμπρόσθια des Pegasus (Teukros I zu Pi I: la 12,1), d. h. seine προ-
τομή (s. zu I 12,2 τό μέρος) wurde zu seinem Kopf umgedeutet und in die
Mitte der Fische versetzt. caput: Vgl. zu Ia 12,3 caput = κεφαλή.
6. a sexto decimo gradu usque ad octavum decimum: Dieser Bezirk ist
doppelt besetzt, weil vier bzw. fünf Lemmata aus dem Löwen unter die Fische
geraten sind:

Stelle Gradbezirk Namen/Prognosen

15.7 Le 16°-18° Canis et [vel trad.]


15.8 Le (19°—20°) Lupus
VI 5,2 Le 16°<-?> Semen
II 5,6 Le 16°
• Einzelgradprognosen
II 5,7 Le 17°. 18°

medietates Crocodili: Darauf folgen sogleich Ia 12,7 die medietates Cervi, denn
die beiden gegenläufigen Figuren treffen sich mit ihren Mittelpartien, vgl. die
Aufstellung zu Ia 12,1 posteriores partes Pegasi. Man erwartet, daß diese 'Kreu-
zung' genau in der Mitte des Tierkreiszeichens geschieht, das ist aber nicht der
Fall, ein Indiz dafür, daß diese Gradangaben erst spät hinzugefügt worden sind,
medietates: Berichtigt den Text des Teukros I τό ήμισυ im Sinne von τα μέσα
(ebenso Ar II τό ήμισυ τοΰ Τριγώνου), vgl. Abu M. introd. 6,1 p. 557 Boll "die
Mitte des Krokodils". Wieder anders Sa II τό ήμισυ für die nur halb verstirnte
Argo, vgl. zu I 4,1 Argo semiapparens. Umständlich Kam. 1621 (mit verändertem
Sternbildnamen): μέρος τι τοΰ Κόρακος καί τό ήμισυ τούτου, die Verwir-
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12. Pisces 101

rung geht also schon auf seine Vorlage zurück. Vgl. im übrigen zu la 11,7 medie-
tates Equi. Crocodili: Vgl. zu Ia 12,2 cauda Crocodili.
7. medietates Cervi: S. o. zu la 12,6 medietates Crocodili und zu Ia 12,3 ca-
put Cervi
8. Linum: Überliefert ist ceamum (ciamum F), was bisher nicht befriedigend
erklärt wurde. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 195f. hat richtig
einen Uberlieferungsfehler festgestellt, doch gehen seine Heilungsversuche in die
Irre. Das Wort ersetzt kaum L I 12,5 Γέρανος, denn dieser Name stammt aus
Teukros II und nicht aus Teukros I, der hier zugrundeliegt. Seinen Erklärungs-
versuch nach span, damo "Walfischlaus" hat Gundel später (267 f.) selbst zu-
rückgezogen zugunsten einer Lösung nach gr. κύαμος "Schilfrohr", wieder an-
ders Ders., Paranatellonta (1949), 1238 nach gr. κάλαμος "(Schilf)rohr",
A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 206 "wohl zu κυαμών 'colocassia', eine ägyp-
tische Pflanze." Nun nennt Teukros I zu Pi I und Pi III das Band der Fische (Αί-
νος oder Aivov) und Teukros II in L (I 12,1): AÍVOV am Anfang der Fische
(s. d.). An der hier korrespondierenden Stelle bei Pi III ist die Überlieferung auch
im griechischen Text des Teukros I gestört: ληνοϋ R, σιίνου Τ (aber richtig
Kam. 1623 λίνου). Abu M. introd. 6,1 p. 537—539 Boll bietet dagegen mit Liqui-
denmetathese den Namen "Neilos", dazu F.Boll, Sphaera (1903), 537 4 ; über
frühe Verderbnisse in der arabischen Überlieferung P. Kunitzsch, Arabische
Sternnamen (1959), 135 Nr. 47 und 191 Nr. 153, insbesondere über das in R
verdorbene Wort ληνός "Kelter" Ders., Von Alexandria (1991), 12. W. Gundels
Versuch, das Bild beim Walfisch anzusiedeln, geht von den ekliptikalen Längen
und einem falsch gedeuteten Namen aus, er ist daher zurückzuweisen.
9. Qui stat super genibus [Theseus]: Zwei Namen für dasselbe Sternbild,
der erste wurde vom Kompilator als Attribut des zweiten aufgefaßt, daher ist
nicht mit Gundel vor Theseus zu interpungieren, vgl. zu I 3,4 Theseus starts su-
per genibus = Ρ ό έν γούνασχ Θησεύς (Hexameterschluß? Vgl. Arat. 66 und
F. Boll, Sphaera, 1903, 36, ebenso das Exc. Barocc. I p. 465,5 unter dem Krebs).
Metrisch gedehnt erscheint die Namensform auch bei Teukros I, aber ohne den
Namen Theseus:

I l 2 9 Í P i 11 τ ό ϋ μ ι σ υ Έ ν γούνασχ
a
L Pi III το αλλο ήμισυ του Έν γούνασι
Diese innerhalb der Dreiteilungen ungewöhnliche Zweiteilung erinnert an die
Zweiteilung des Bandes:
la 12,8 Pi I ή άρχή τοΰ Λίνου
la 12,8 Pi III το τέλος τοΰ Λίνου
Im LH folgen also die beiden nur in zwei Teile geteilten Bilder unter Aufgabe
der Zweiteilung direkt aufeinander. Vielleicht hat die Prognose des Teukros II
(I 3,6) ημιτελείς = semiperfectus etwas mit dieser Zweiteilung zu tun, s. d. —
Die Deutungen des Engonasin sind vielfältig, besonders hier, am Ende des Tier-
kreises: Teukros II (I 12,8) nennt Ô έν γόνασιν 'Ηρακλής, Ps.Antiochos (V:i)
Ηρακλής allein. Herakles wird wiederum mit Perseus kombiniert: K. Lippin-
cott, The astrological vault (1985), 51 47 weist hin auf Ms. Wien 5518 und Ms. Ca-
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102 la. Paranatellonten (Teukros I)

tania 87 fol. 9 r : nomen in latino est Hercules, id est deferens caput algol sive gor-
gonis. In der Funktion des Perseus, d. h. als Gegner des Walfischs, erscheint
Engonasin bei Manil. 5,645—655 und Firm. math. 8,17,4: W. Hübner, Die Par-
anatellonten (1975), 410-412. Ders., Perseus (1979), 145 f. Ders., Die Eigen-
schaften (1982), 623f. Ders., Manilius (1984), 194f., vgl. dazu die hybride Dar-
stellung im cod. Philippicus gr. 1822, abgebildet bei E. Bethe, Buch und Bild
(1945), 46 Abb. 27. — Perseus wird wiederum mit Orion verwechselt oder
gleichgesetzt: F. Boll, Sphaera (1903), 385f. und W.Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 532. Im ganzen konkurrieren hier also vier Namen im Zusammenhang
mit dem namenlosen "Knienden": Theseus, Herakles, Perseus und Orion. Mehr
bei Hyg. astr. 2,6 und Schol. Arat. 65 p. 102,3 sowie 69 p. 105,4. [Theseus
eqs.]: An dieser Stelle in keiner der übrigen Quellen: weder bei Teukros I noch
bei Kamateros noch bei Abu Ma'sar. Teukros II und Ps.Antiochos (V!) nennen
vielmehr Herakles (s. o.). Theseus kommt jedoch an zwei Stellen der Zwillinge
vor: I 3,4 bei Ge 8°—10° (vgl. die zu I 1,4 Perseus volans bei Ar 8°—10° darge-
stellten Aspekte) und 13,6 bei Ge 13°—15°. An der zweiten Stelle variiert der
Name Theseus ebenfalls mit L 'Ηρακλής, s. d. Demnach ist der Name hier wohl
zu tilgen. [Theseus armatus occidens Pegasum]: Es handelt sich um eine
doppelte Mythokrasie, denn Theseus wird mit Perseus kombiniert, der mit dem
Medusenhaupt in der Linken (vgl. zu VII 2,1 Gorgon) und seiner αρπη in der
Rechten nicht etwa den Pegasus, sondern den Walfisch besiegt. Dieser Kampf re-
präsentiert an der alten Jahresgrenze die Überwindung des Winters durch den
Frühling: W. Hübner, Manilius (1984), 193—201. Ähnliche Mythokrasien begeg-
nen schon unter dem Widder: I 1,4 Perseus volans [...] ostendens Ceto caput
Gorgonis und I 1,7 Cetus custodiens Andromedam, vgl. auch zu der Prognose
(I 3,4) incisores lapidum : vielleicht wegen der Quelle des Pegasus. arma-
tus: Scheint trotz der Mythokrasie hier am Platze zu sein. Bei Perseus wäre die
Waffe die αρπη, vgl. Manil. 1,350f. quam [sc. Andromedam] Perseus armis |
eripit (del. Bentley). 5,22 Perseus cum falce, dazu F. Boll — W. Gundel, Sternbil-
der (1937), 913 f. Als Theseus hat Engonasin eine Keule in der Hand, vgl. L
(I 3,6) ό έκ μέρους μετά του ροπάλου φαινόμενος Θησεύς, sonst aber auch
als Herakles: Schol. Arat. 69 p. 104,2. Hyg. astr. 2,6,1 ; ohne den Namen des Hel-
den zu nennen, schließt das Exc. Barocc. II p. 466,9 das Lemma über die Fische
so: ó έν γούνασι, το ρόπαλον. Im zweiten Teukrostext steht an dieser Stelle
der Dreizack, vgl. zu I 12,10 Τρίαινα, im übrigen zu I 3,7 Satirus cum báculo.
[occidens Pegasum]: Pegasus gilt zwar sowohl bei Teukros I (Ia 12,1) und Teu-
kros II (I 12,2) als auch unter den Einzelsternen (VII 12,1) als Paranatellon
der — ebenfalls geflügelten — Fische, doch als unterlegener Gegner des Perseus
in einem Kampf, den Manil. 5,538—618 breit ausgestaltet hat, spielt nur der Wal-
fisch eine Rolle, den Manil. 5,656—692 und Firm. math. 8,17,5 am Ende der Fi-
sche im Süden dem Engonasin-Perseus im Norden gegenüberstellen, s. o. zu Qui
stat super genibus [Theseus]. Dieser Walfisch erscheint auch hier im nächsten
Lemma, allerdings zum Krokodil umgestaltet.
10. caput Crocodili et posteriora Cervi: Enantiodromie, s. o. zu la 12,1 po-
steriores partes Pegasi. Sie wird an dieser Stelle von Abu M. introd. 6,1 p. 539
Boll besonders hervorgehoben: "der Kopf des Krokodeilos, das sich mit seinem
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12. Pisces 103

Kopfe nach hinten wendet, indem es dem [den Boll) ihm Entgegengesetzten ent-
gegensteht." Hier findet sich ein weiterer Ansatzpunkt zur Vermischung der
Sternbilder. Der "Entgegengesetzte" ist zum einen der Hirsch, zum andern aber
auch Perseus, der Gegner des Walfischs, denn bei Teukros I heißt es (zu Ar III):
Περσεύς κατακέφαλα [= 11,4 caput habens inferius] και ή κεφαλή του
Κήτους. Wegen der vertikalen Enantiodromie der beiden Gegner berühren sich
die beiden Köpfe, ähnlich wie die von Engonasin und Ophiuchos, vgl. Arat. 7 4 f.
κεφαλή γε μεν άκρη | σκέπτεο π ά ρ κεφαλήν und W. Hübner, Uranoscopus
(1990), 264f. caput: Wie la 12,3 caput Cervi, s. d. Crocodili: Vorausge-
setzt, das Krokodil ist mit dem Walfisch gleichzusetzen (vgl. zu la 12,2 cauda
Crocodili), dann folgen in allen von Teukros I und II abhängigen Texten außer
Ps.Ant. und V1 die beiden Gegner des Frühlingskampfes aufeinander:

Teukros I Pilli τό άλλο ήμισυ του Έν γοΰνασι ή κεφαλή του


Κροκοδείλου
LH la 12,9-10 Pi 25o—30° Qui stat super genibus [Theseus caput Crocodili
armatus occidens Pegasum]

Teukros II (L) Pi Ende ό έν γούνασιν 'Ηρακλής ό Κροκόδειλος


Manil. 5,645-692 Pi extremos/ Engonasin sidera Ceti
extremis
Firm. math. 8,17,4—5 Pi extremis Ingeniculus, qui a Graecis Engo- Belua, quae a
nasin dicitur Graecis Cetus va-
catur

Im Exc. Barocc. II p. 466,9 ist die Reihenfolge vertauscht: ό Κροκόδειλος, ό


Έν Υούνασί. Dort erscheint ganz zum Schluß noch die Waffe des Knienden, τό
ρόπαλον. Ahnlich erscheint auch bei Teukros II in L (I 12,10) als allerletztes
Sternbild noch der Dreizack, während bei Manilius und Firmicus die zirkumpo-
lare Trias den Abschluß bildet. posteriora: Anders Ia 12,2 beim gegenläufi-
gen Krokodil: cauda Crocodili, wie hier jedoch Ia 11,11 posteriora Ibeos, s.d.
Cervi: Vgl. zu Ia 12,3 caput Cervi. Zur Subscriptio in F vgl. oben S. 112".

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II. E I N Z E L G R A D E

1. Aries

1. in tertio gradu: Die Präposition in paßt zum Einzelstern stella Gorgonis,


aber nicht zum Cynocephalus, der ein Teukros-Sternbild ist (s. u.). Es gibt drei-
mal eine Verbindung zu Teukros II:

Einzelgrad Ar 3° Teukros II

II 1,1 Ar 3° stella Gorgonis 11,2 Ar 3°—5° Pallas


Ar 3° Cynocephalus 11,3 Ar 6°—7° Cepheus
Ar 3° Deferens I 1,8 Ar 19°—20° Qui deferí lucernas
candelabra[m]

Andernorts siedelt der LH (3 p. 24,34) diesen Stern bei Ar 17° an: ea vero, quae
in Gorgone Persei. est: Statt oritur in dieser Schicht auch 114,2. 114,13.
II 10,6 und II 10,9 (also nur bei tropischen Tierkreiszeichen), sonst bei Teukros
II (s. zu I 1,3) und bei den Einzelsternen: s. zu VII 1,2. clara stella Gorgo-
nis: Algol (β PER) gehört nicht hierher, sondern nach Rhet. R (VII 2,1) ό λαμ-
πρός άστήρ της Γοργούς ziemlich genau an die entsprechende Stelle des
nächsten Tierkreiszeichens, s. zu VII 2,1 Gorgon bei Ta3°6'. Eine ähnliche Dis-
krepanz von ziemlich genau einem Tierkreiszeichen besteht zwischen I 12,1 Λί-
VOV am Anfang der Fische und VII 1,2 Nodus Piscium bei Ar 6°. Die Angabe
dürfte aber dennoch nicht durch eine Verwechslung der Kolumnen zustandege-
kommen sein (s. o. S. I 95 f.), denn der Stern ist wohl ein Einzelstern innerhalb des
Teukros-Sternbildes Pallas (I 1,2): V1 nennt an erster Stelle des Widders Μέ-
δουσα. Es handelt sich demnach um das Gorgoneion auf der Aigis Athenes, vgl.
Comment. Arat. p. 227,4, wo das Gorgoneion in der (linken) Hand des Perseus
folgt. Demnach dürfte Pallas (I 1,2) mit Perseus gleichzusetzen sein. clara:
Dieses Adjektiv (statt lucida oder splendida) begegnet sonst nur VII 1,1 für Aca-
mar (θ ERI). Obwohl die beiden Sterne Algol und Acamar zwei verschiedenen
Systemen angehören, werden sie im Gesamttext zu einem Paar zusammengefügt.
Die beiden Sterne bilden die falsche Distanz von 30' wie richtig βδ AUR
(VII 3 , 4 - 5 ) die Distanz von 30' und α SGR/α LYR (VII 9 , 3 - 4 ) die Distanz von
20'. Cynocephalus: Auch Πίθηξ oder Δυσώνυμος genannt, wohl iden-
tisch mit Kepheus (I 1,3) bei Ar6°— 7°, daher hier bei Ar 3° falsch: W. Hübner,
Die Eigenschaften (1982), 606, genauer Ders., Manilius (1984), 1 8 7 - 1 8 9 . Ders.,
Zur neuplatonischen Deutung (1990), 80. Cynocephalus ist demnach wohl kein
Einzelstern wie die stella Gorgonis, die Figur erscheint nach Teukros II bei

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1. Aries 105

Ta 24°—27° als inferior a Nave Deus (I 2,8) und im Gedrittschein dazu bei
Cap 24o—25° (110,9), an der zweiten Stelle ist im LH Δυσώνυμος zu Binomia
entstellt. Vgl. auch zu 18,4 Canis (qui[a] intendit ad Chironem) und zu 19,4
Chiro tenens manum Cephei. i.e. habens caput caninum: Übersetzung
des griechischen Namens wie 18,2 Uranoscopus, i.e. caelum aspiciens, I 11,3
Hippocratoris, i. e. eius qui tenet equum, in einer Prognose II 10,14 bio-
thanatum, i. e. violentam mortem patientem. Deferens candelabra[m]:
Von F. Boll, Sphaera (1903), 257 und 218 sowie W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 222f. als Attribut zu Cynocephalus aufgefaßt, der Ausdruck ist je-
doch als eigenes Sternbild abzutrennen: W. Hübner, Lychnos (1987), 6. Es han-
delt sich wahrscheinlich um Kassiopeia, die Teukros (I 1,5) zu Ar 1 Io—12° stellt,
denn diese wird häufig neben ihrem Gemahl Kepheus genannt. Zu demselben
Ergebnis kommt unabhängig davon S. Feraboli, Ricerche (1989), 230, die das
Bild aber weiter (wie Boll und Gundel) mit dem Cynocephalus gleichsetzt. Teu-
kros II (I 1,8) erwähnt dieses Sternbild bei Ar 19°-20° (überliefert 15°-20°):
Qui defert lucernas, daher auch hier pluralisch zu lesen candelabra[m], vgl. F
candelabres und gr. τά λύχνα.
2. quintus [et sextus et septimus]: Die Prognose gehört nach L zum Teu-
kros-Paranatellon I 1,3 Kepheus, doch der erste Einzelgrad Ar 5° wird durch das
Sternbild nicht abgedeckt. Ar 5° ist der Anfangsgrad des in die nächste Einzel-
gradprognose II 1,3 eingeschalteten Gradbezirks VI 1,2 Remissio. Hier ist viel-
leicht etwas ausgefallen.
3. in sexto gradu: Bezieht sich zunächst auf den Einzelstern Alrescha, s. zu
VII 1,2. Der Geviertschein zur parva Lyra und zum os Capricorni bei Cap 6°
(II 10,6) ist wohl nur zufällig. In diesem Lemma sind besonders viele heterogene
Elemente zusammengedrängt. secundum Barbaricam Sphaeram: Weist
nicht mehr auf den Einzelstern Nodus Piscium, sondern auf Teukros, vielleicht
auf die Einzelgradprognose. [hic vocatur Remissio]: Name des Gradbe-
zirks VI 1,2 bei Ar 5°—9°. facit ... fi[un]t: Der Ubergang vom Singular zum
Plural ist ein Indiz für die Verwirrung. Die Prognosen gehören wohl zu mehreren
Graden. diligentes: Gehört vielleicht noch zum Gradbezirk VI 1,1 Diligen-
tia, eine Dublette: s.d. rationabiles: Dürfte ebenfalls zum Gradbezirk
VI 1,1 Diligentia gehören. crudeles: Gehört vielleicht über die Prognose fe-
lices hinweg zu custodes incarceratorum und damit wiederum zum Teukros-Par-
anatellon I 1,4 Perseus. Vgl. jedoch auch Manil. 5,619—630 über die Andro-
meda-Abkömmlinge. felices: Ist in der unmittelbaren Umgebung ein
Fremdkörper. custodes incarceratorum: Gehört vielleicht nach PL zum
Teukros-Paranatellon I 1,4 Perseus, das aber erst bei Ar 8° beginnt, vgl. die Pro-
gnosen statutes super incarceratis für Ar 8° und incarceratis praepositos super
für Ar 9° = PL προστάτας των έν δεσμοις. Doch wird dieselbe Prognose
I 1,7 custodes carcerum auch für den Walfisch und von Manil. 5,619—630 und
Firm. math. 8,17,1 für Andromeda angegeben, vgl. in L die zweimalige Prognose
δεσμοφύλακας: I 12,3 für το Κήτος und 1 12,4 für Andromeda, also ein gan-
zes Nest von identischen Prognosen für die Partner des Andromeda-Dramas, vgl.
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 620f. captivos etiam: So wie die
Prognose der Kerkermeister zu Perseus gehört, so die sich anschließende Pro-
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106 II. Einzelgrade

gnose der Gefangenen zu Andromeda (I 1,7), deren Sternbild aber erst bei
Ar 13° beginnt, vgl. die Prognose in carceribus exsistentes für Ar 13° und incar-
cerates für Ar 15°. Zu dieser häufigen Prognose W. Hübner, Manilius (1984),
178 17,) . Aufgrund dieser Zusammenhänge ist captivos sicherlich Objekt zu facit
und nicht etwa zu dem folgenden facientes. Es bedeutet auch nicht "Bösartige"
im Sinne von ital. "cattivo" wie 115,2—3. violentarci mortem facientes:
Nicht nach PL, wohl aber nach Manil. 5,619—630 und Firm. math. 8,17,1 eine
Prognose für Andromeda. Nicht zu verwechseln ist diese Prognose von Scharf-
richtern mit dem Erleiden eines gewaltsamen Todes. Über jene häufige Prognose
vgl. zu II 2,3 patientes mortem violentam, also auch anders II 10,3 (sc. gradus)
faciunt mortem violentam. scenici: Paßt zu den Gestalten des Andromeda-
Dramas. Besondere Affinität zum Theater hat nach Manil. 5,458—485 und Firm,
math. 8,18,5 Kepheus (I 1,3), in dessen Bezirk (Ar 6°—7°) wir uns hier befinden,
vgl. G.Thiele, Antike Himmelsbilder (1898), 28. W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 605 zu Manil. 5,458 tragico. Dens., Manilius (1984), 188 f. - F übersetzt
mokeurs wie I 3,5 (unter dem Einfluß von Navis und Corona). adulatores,
ignobiles: Ist nicht mehr aus PL zu belegen. [sextus enim gradus eqs.]:
Es folgt das Planetentemperament des anfangs genannten Nodus Piscium
(VII 1,2).
4. magnates et reges: Vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 35 7 . [statutes
super incarceratis]: Gehört nach PL zu Perseus (I 1,4).
5. gradus est: Ebenso II 1,10. II 1,13. II 9,1. II 9,4. II 10,6, ähnlich II 2,4 est
circa. os Arietis: Ptol. synt. 7,5 nennt zwei Sterne im Maul des Widders,
η ARI bei A r i l 0 und θ ARI bei A r l l ° 3 0 ' , beide Sterne gehen zu spät auf.
Rhet. Β p. 195,26 stellt den Kopf des Widders zu Ar3°—7°, tetragonal dazu die
Nase des Steinbocks p. 209,10 zu Cap 4°— 7°, der LH jedoch II 10,6 os Capri-
corni zu Cap 6°: kein genauer Geviertschein (beider facies macht Firm. math.
7,25,14.19 für diese Prognose verantwortlich). Am nächsten kommt Firm. math.
8,4,1 in ore zu Ar 9°—10°, wenn auch die übrigen Angaben nicht übereinstim-
men:

LH Firm. math. 8,4

II 1,10 lumbi Ar 18° 8,4,1 in renibus Ar 2 7 o - -28°


II 1,13 finis caudae Ar 23° 8,4,1 cauda Ar 30°
II 2,4 circa ... genu Ta 7° 8,4,2 in geniculis Ta 21°
II 10,6 OS Cap 6° 8,4,10 in ore Cap 8 o - -10°
VII 1,2 Nodus Piscium Ar 6° 8,4,12 in lino Pi 1 6 o - -18°

turpia facientes: Diese Prognose tritt häufig beim Widder auf, nämlich neun-
mal: Ar 9°. 10°. 13°. 14°. 18 0 (cincius).22°.24 0 .2( 7 )°.28°, ähnlich oft Ps.Ant. bei
Rhet. C p. 195,16: Ar 13°.14 0 .22 0 .24 0 .27°.28° und dazu 30°. Etwas anders Anon.
a. 379 CCAG V I (1904), p. 206,16 (nach Z. 30 ist statt Σκορπιού zu lesen:
Κριού: F.Boll, Antike Beobachtungen, 1916, 69): Ar 13°. 14° und dann unter
dem Oberbegriff οπίσθια zusammengefaßt Ar 25°.26 0 .27 0 .28°. Nach Rhet. C
heißen außerdem die letzten Grade des Widders (ebenso wie die seiner Trigonal-
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1. Aries 107

partner, Löwe und Schütze) μαλακοποιοί, vgl. Tab. 20 und Firm. math.
7,25,8—10 in novissimis ... partibus. Ptol. apotel. 4,5,15 = Heph. 2,21,18 nennt
noch allgemeiner εμπρόσθια und οπίσθια. Zur Lüsternheit des Widders über-
haupt W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 215 f., dazu auch Firm. math.
3,16,5. — Eine ähnliche Wirkung hat auch das Maul (os) des Steinbocks (II 10,6)
bei Cap 6°: etwa Geviertschein. loquentes cum naribus: Verbindung von
Maul und Nase, vgl. die Divergenz von II 10,6 os Capricorni und Rhet. Β
p. 209,10 (zu Cap 4o—7o) ρίν. mutos: Aber F muians, was einem lateini-
schen mugientes entspricht, und dieses Wort gehört — wie der Widder — zum
Bereich des ήμίφωνον: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 165—168.
[incarceratis praepositos super]: Nach PL eine Wirkung des Perseus, s. zu
II,4.
6. gloriosos, insignes: Wird ähnlich für Ar 15° wiederholt (II 1,9): illustres,
gloriosos. turpia facientes : Wie beim vorangehenden Grad Ar 9°, s. d.
7. tertius decimus gradus: Der erste Grad des Andromeda-Bezirks nach
Teukros II (I 1,6), auf den ausdrücklich Bezug genommen wird. cum Sa-
turno vel Luna: Dieselben Planeten nennt Firm. math. 4,14,2, s. u. crucifi-
xes: Vgl. Ptol. apotel. 4,9,13 ( = Heph. 2,25,11) σταυροίς άνορθουμένους, καί
μάλιστα περί τον Κηφέα και την Ανδρομέδαν (danach CCAG VIII1,
1929, p. 248,17), ferner Dor. G p. 416,28 apud Heph. 3,47,26 = Ep. 4 126,26 =
CCAG V 3 (1910) p. 84,29 (dort dem Dor. zugeschrieben): F. Cumont, L'Egypte
(1937), 196"'. W. Hübner, Perseus (1979), 14929. Ders., Die Eigenschaften
(1982), 621 zu Manil. 5,628. Zur christlichen Umdeutung Ders., Zodiacus Chri-
stianus (1983), 80 f. propter Andromeda(m) : Ein seltener Hinweis von
der Einzelgradprognose zum übergeordneten Paranatellon bei Ar 13°—15°
(I 1,6), so auch Firm. math. 6,31,59. afflictos: Gehört ebenfalls zum Andro-
medamythos, allerdings zu Kepheus (I 1,3) und Kassiopeia (I 1,5). benivo-
lus: Vgl. Firm. math. 8,17,2 (Andromeda bei Pi 12 o ): benivola stella cum mali-
volis iuncta. salvatur ... a Perseo: Wie von Manil. 5,538—618 ausführlich
geschildert. Zur astrologischen Funktion dieses Mythos am Frühlingsanfang
W. Hübner, Manilius (1984), 196—201. carceribus ... truduntur: Gegen
eine Konjektur traduntur (vgl. etwa Firm. math. 8,14,2 publico carceri tradun-
tur) spricht außer F mis en carcre vor allem Firm. math. 4,14,2 alios intrudit in
carcerem. Vielleicht zusammen mit in carceribus exsistentes zu I 1,6 gehörig.
Nach Manil. 5,619—630 und Firm. math. 8,17,1 verheißt Andromeda keine Ge-
fangenen, sondern Kerkermeister und Scharfrichter. impúdicos: Gehört mit
Sicherheit nicht mehr zu Andromeda, sondern in ein anderes System, vgl. zu
I I I , 5 turpia facientes: Ubereinstimmung mit Ant. bei Rhet. C p. 195,16 und
Anon. a. 379.
8. impúdicos: Auch hier Übereinstimmung mit Ant. bei Rhet. C p. 195,16
und Anon. a. 379, s. zu II 1,5.
9. quintus decimus gradus: Der letzte Grad des Andromeda-Bezirks I 1,6, in
den eine der Prognosen gehört. horoscopus: Hier zum ersten Mal der grie-
chische Terminus, der wohl auch hier adjektivisch im Sinne von ascendens ge-
braucht wird, ebenso II 1,10. II 1,12. II 1,13. II 1,15. II 1,17. II 2,7. II 2,9. II 2,14.
113,2. 113,5. 114,3. 114,11. 115,10. 116,5 (dist. ascendente). II 10,18. II 10,26.
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108 II. Einzelgrade

II 11,2. II 11,3 (dort vom Planeten), so wohl auch II 10,14. Im Plural: s. zu II 2,1.
Anders II 5,9 (in) horoscopo, s. d. illustres, gloriosos: Wiederholt die Pro-
gnose II 1,6 gloriosos, insignes für Ar 10°. S. Feraboli, Ricerche (1989), 215 ver-
gleicht Firm. math. 8,19,7 (Ar 14o): notus omnibus. [incarceratosi : Zum
Teukros-Paranatellon I 1,6 Andromeda gehörig wie II 1,7 in carceribus exsisten-
tes. exules ... negotiatores: Vgl. Firm. math. 8,19,7 für Ar 14°: negotiato-
rs eqs. Als tropisches Tierkreiszeichen begünstigt der Widder das Reisen und
den Handel, vgl. den Gradbezirk VI 1,6 Motus und W. Hübner, Die Eigenschaf-
ten (1982), 527 zu Manil. 4,129 quaestus. secundum figuram videlicet
nativitatis: Vgl. V9,l secundum nativitatis essentiam.
10. Für denselben Grad Ar 18° werden lumbi und cinctus Arietis genannt:
Sie sind wohl identisch. octavus decimus: Wenn vARI, ό επί της όσ-
φύος, gemeint ist, stimmt die Angabe fast genau mit Ptol. synt. 7,5 p. 84,8
(Arl7°40') ohne Regeldifferenz überein, was sonst nur noch beim Knie des
Stiers (II 2,4) und im Zusatz von F VII 12,3 bei Pi 17°. 18° der Fall ist, wenn dort
wirklich α AND (nach Ptol. synt. 7,5 p. 76,19 bei Pi 17°50') gemeint ist, s. d. Es
könnte aber auch der Schlußgrad des Bezirks Ar 14°—18° gemeint sein, den
Rhet. Β p. 196,1 für die Hüfte angibt. Im übrigen ist Ar 18° der mittlere Grad des
Bezirks VI 1,4 Ruina bei Ar 16°—20°, bei dem der Reif des Widders noch ein
zweites Mal genannt wird. — Bei allen drei Zeichen des ersten Dreiecks ist der
18. Grad durch einen hervorstechenden Körperteil besetzt: beim Löwen durch
die iuba (II 5,8), beim Schützen durch das Auge (II 9,4 = VII 9,2). lumbi
Arietis: vARI, nur sechster Größe, fehlt in F, wohl wegen der Doppelung
cinctus Arietis. Rhet. Β p. 196,1 nennt die όσφύς zu Ar 14°—18° (dann die ισ-
χία zu Ar 19°—21°), Firm. math. 8,4,1 die Sterne in renibus zu Ar 27°—28°, vgl.
oben zu II 1,5 os. Wegen der fehlenden Regeldifferenz von +3°26' und weil die
Paralleltexte die Hüfte nicht unter den Paranatellonten, sondern unter den Ein-
zelteilen aufführen, gehört diese Angabe nicht zu den Einzelsternen (VII), wie
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 154 Nr. 5 meint. Dorthin gehört je-
doch sehr wohl der hierzu im Gedrittschein stehende Stern VII 5,3 super lumbis
Leonis (δ LEO bei Lel7°36'). gradu s est: Wie 111,5, s.d. cinctus
Arietis: Von Vett. Val. 1,2,4 ζώνη genannt, wohl identisch mit den lumbi (s. o.),
vgl. VI 1,4 infra cinctum. Der Ring um den Widder, der auf manchen Abbildun-
gen begegnet, bezeichnet vielleicht den Aquinoktialkolur: G. Thiele, Antike Him-
melsbilder (1898), 107 f. W. Gundel, Krios (1922), 1877,1-9. F. Boll - W. Gun-
del, Sternbilder (1937), 935. — Zum sprachlichen Wechsel auf engem Raum
(lumbi/cinctus) vgl. für den Oriongürtel VII 2,10 cingulum und VII 3,1 zona, fer-
ner den Namen des letzten Gradbezirks VI 3,6 der Zwillinge: Coniunctio/Vin-
clum. horoscopus: Wie II 1,9, s.d. cinaedos: Wie II 1,14 für Ar24°,
vgl. zu II 1,5 turpia facientes.
11. Die folgenden drei Einzelgradprognosen für Ar 21°. Ar 22°. Ar 23° füllen
die drei Grade des Teukros-Paranatellons I 1,9 Oceanus aus, das sowohl vorher
als auch nachher genannt wird. Dennoch scheinen die Prognosen nichts mit die-
sem Sternbild zu tun zu haben. Ínfimos : Kaum wegen der Tiefe des Ozeans,
vgl. etwa Firm. math. 5,1,21 ex muliere infima.
12. horoscopus: Wie II 1,9, s. d. fornicatores, impúdicos: Vgl. zu II 1,5
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1. Aries 109

turpia facientes, hier übereinstimmend mit Ant. bei Rhet. C p. 195,16, daher si-
cher kein Bezug zum Oceanus. de terra viventes: Ebenso die Prognose
111,13 für den folgenden Grad Ar 23°, also einzelgradübergreifend. Dennoch
verhält sich die Prognose zum Sternbild Oceanus geradezu gegensätzlich. Sicher
an falscher Stelle überliefert ist auch die Prognose VII 1,4 für Triangulus bei
Ar 14°26'—20°16': agrícolas, de terra viventes. Möglicherweise handelt es sich
um den Rest einer Prognose für den bei Ar 2 Io—24° ausgefallenen Gradbezirk
VI 1,5.
13. gradus est: Wie II 1,5, s. d. finis caudae: Nach Rhet. Β p. 196,2 erst
bei Ar 25°—27°, entsprechend geht nach Ptol. synt. 7,5 der letzte der Schwanz-
sterne (τ ARI) erst mit Ar 27° auf. Noch später Firm. math. 8,4,1 cauda bei
Ar 30°, s. zu II 1,5 os. horoscopus: Wie II 1,9, s. d. florum annexores:
Übersetzt άνθοπλόκους, vgl. CCAG VIII 1 (1929), p. 183,24, mehr bei F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 94, besonders Firm. math. 4,21,6 qui coronas ex florum
varietate compositas ... distrahere consuerint (unter dem Einfluß der Venus),
hortulanos: Vgl. zu 14,11 und 110,5 und F. Cumont, L'Egypte (1937), 54f.
dispensatores: Sonst eine Wirkung der Planeten Merkur und Saturn, dessen
Bezirk (V 1,5) aber erst mit Ar 26° beginnt. de terra viventes: Ebenso
II 1,12 für Ar22°, s.d.
14. cinaedos, turpia facientes: Vgl. zu II 1,10 cinaedos und zu II 1,5 turpia
facientes. Hier Übereinstimmung mit Ant. bei Rhet. C p. 195,16. S. Feraboli, Ri-
cerche (1989), 230 vergleicht Firm. math. 8,19,7 schon für Ar 15° impudica libi-
dinum labe pollutus eqs., doch die Prognose tritt im Widder zu oft auf, als daß
eine Distanz von 9° signifikant sein könnte.
15. horoscopus: Wie II 1,9, s.d. pastores gregum et huiusmodi iu-
mentorum: Einfluß der Hyaden, die Manil. 5,118—127 und Firm. math. 8,6,6
zu früh bei Ar 27° ansiedeln, also der Rest eines Konkurrenzsystems. Dagegen in
Übereinstimmung mit Teukros (12,2: Hyaden bei Ta 4°—7°) die Einzelgradpro-
gnosen für Ta 3°.4° (112,1) quadrupedum nutritores vel bubulcos und für
Ta 6°.7° (II 2,3) iumentorum nutritores, vgl. II 10,3 für Cap 3°: nutrient iumenta,
also eine Wirkung der zodiakalen Herdentiere, vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937),
57 K2.
16. a vicésimo sexto usque ad vicesimum nonum: Schwer einzuordnen,
vielleicht eine Dublette zum Saturnbezirk V 1,5 bei Ar 26°—30° (s. u.). Anderer-
seits schließt er sich im fast lückenlosen System der Einzelgrade an Ar 25° an,
wenn auch Ar 2(7)° und 28° noch einmal besetzt sind und diesem früher begin-
nenden Bezirk vorausgehen — also wieder Einordnung nach dem Schlußgrad?
magni (fiunt) et magnarum rerum commissarii: Vgl. im fast deckungsglei-
chen Saturnbezirk V 1,5 super populis constituios, ferner F. Cumont, L'Egypte
(1937), 36f.
17. vicesimus (septimus): Sichere Ergänzung nach F und Ant. bei Rhet. C
p. 195,16, auch sonst sind Einerziffern gerade von Anfangsgraden ausgefallen:
13,10. I 7,9-10. I 9,7. III 2,5. III 6,6. V 7,5. Für die Ergänzung spricht auch die
Reihenfolge: zwischen Ar26°-27° (I 1,11) und Ar 28° (II 1,18). horosco-
pus: Wie II 1,9, s.d. Die Formel cum fuerit horoscopus bezieht sich häufig auf
den letzten Grad eines Teukros-Paranatellons wie hier des Katers (I 1,11) bei
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110 II. Einzelgrade

Ar 26 e —27°. impúdicos: Vgl. oben zu II 1,5 turpia facientes: Übereinstim-


mung mit Ant. bei Rhet. C p. 195,16 und Anon. a. 379.
18. impúdicos: Wiederholt die Prognose des vorangehenden Einzelgrades
Ar 27°, vgl. zu II 1,5: Übereinstimmung mit Ant. bei Rhet. C p. 195,16 (der zu-
sätzlich noch Ar 30° nennt) und Anon. a. 379.

2. Taurus

1. tertius et quartus gradus: Drei Doppelgrade folgen aufeinander: Ta 3°.4°,


Ta 4°.5° und Ta 6°.7°, vgl. den Anfang der Jungfrau: Gedrittschein. horo-
scopi: Im Sinne von ascendentes, hier zum ersten Mal im Plural wie II 2,3. II 3,6.
II 4,10. II 5,1 (Akkusativ). II 6,2. II 8,2. II 9,2. II 10,13, vgl. auch VI 1,6. Im Sin-
gular II 1,9 u. ö., vgl. ferner zu II 5,9 ( in ) horoscopo. scribas, terrarum seu
vicorum regiorum conductores : So interpungiere ich, so wohl auch F les escri-
bes de terre conduiseurs et de wies royaus, anders F. Cumont, L'Egypte (1937),
48 :ì scriba terrarum = κωμογραμματεύς. terrarum: Die Erde gehört als
Element zum Stier, vgl. unten zum Gradbezirk VI 2,6 Terra. quadrupedum
nutritores vel bubulcos : Wohl eine Wirkung der Hyaden (I 2,2) bei Ta 4°—7°,
vgl. Manil. 5,126f. und Firm. math. 8,6,6 bubulcos. Demnach gilt von den beiden
angegebenen Graden wohl nur Ta 4°, für Ta 3° spricht allerdings der Gedritt-
schein zu II 10,3 nutrient iumenta für Cap 3°, vgl. zu II 1,15 pastores gregum
eqs. dolebunt oculos eqs.: Eine Wirkung der Pleiaden (nach Teukros I 2,1
bei Ta 1°—3 o ): W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 1 9 3 - 1 9 6 . Ant. CCAG VII
(1908), p. 112,1 nennt hier Ta 5°.6°.7°, Anon. a. 379 CCAG V I (1904),
p. 206,24 Ta 4°—6°, Rhet. Β (VII 2,3) T a 6 ° - 8 ° , Rhet. C p. 191,2 T a 5 ° 3 6 ' - 8 ° ,
vgl. p. 187,24: Ta 5°.6°.8°. 10°. Ohne Längenangabe Vett. Val. 2,37,8. lima-
tici: So konjiziere ich nach F limatikes, vgl. Du Cange s.v. limare. Überliefert
ist lunatici, was zwar im LH 26 p. 79,25 und 36 p. 109,6 sowie bei Firm, be-
legt ist und zur Mond-Natur der Pleiaden (VII 2,3) und zur Exaltation des Mon-
des bei Ta 3° paßt, doch dürfte hier ein weiteres Wort einen Augenschaden be-
zeichnen.
2. quartus et quintus gradus: Der vierte Grad ist also doppelt besetzt, oder
ist oben 112,1 zu schreiben: secundus et tertius gradus? non sunt multo-
rum filiorum: Übersetzt wohl den Terminus όλιγόγονος oder όλχγόσπερμος:
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 156—161. Die Angabe paßt eher zur Na-
tur des Stiers als das Gegenteil VI 2,1 multorum (filiorum), s. d.; Dor.A 2,10,12
beschränkt diese Wirkung auf den Anfang des Stiers.
3. Diese Prognose ist an das Wetternotat IV 2,1 angeschlossen, in F falsch in
den Abschnitt über die Pleiaden (VII 2,3) eingeschaltet. horoscopi: Adjekti-
visch wie II 2,1, s. d. impetuosos: Wohl wie das Folgende schon eine Wir-
kung der Hyaden, vgl. über die Hyaden bei Ar 27° Manil. 5,120—124 nulla
quies eqs. sowie Firm. math. 8,6,6 inquietus erit, turbulentus, popularis eqs.
ad porcos: Weiter eine Wirkung der Hyaden, die Teukros I 2,2 bei Ta 4°—7° an-
siedelt. Dafür spricht auch die Etymologie Hyas — υς: W. Gundel, Neue astrolo-
gische Texte (1936), 255f., vgl. Dens., Hyaden (1913), 2 6 1 7 , 9 - 4 7 . Eine andere

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2. Taurus 111

Etymologie liegt bei 12,2 pluviosos vor. iumentorum nutritores: Gehört


wohl weiter zu den Hyaden wie II 1,15 pastores ... iumentorum bei Ar 25°, s. d.
patientes mortem violentami Übersetzt βΐ(αΐ)θθάνατοι wie 112,8 violentam
mortem patientes, II 2,9 violenta ... morte intereunt, II 8,6 violenta ... morte de-
struentur, 118,7 patientes violentam mortem, II 10,3 faciunt mortem violentam,
II 10,13 violentam mortem patientem, einmal auch als Wirkung eines Planeten-
bezirks (V 2,5): patiuntur violentam mortem; aber griechisch II 10,14 biothana-
tum, i. e. violentam mortem patientem, II 10,18 biothanatos. Zur Sache vgl.
Firm. math. 8,6,13 (Hyaden bei Ar 27°) repentinum et insperatum mortis exi-
tium eqs. Die Prognose folgt hier ebenso auf das Ernähren von iumenta wie
II 10,3 für Cap 3°: etwa Gedrittschein.
4. septimus gradii s : Wird doppelt genannt, also wohl Quellen wechsel. Ptol.
synt. 7,5 p. 86,13: ó έπί του δεξιού γόνατος (μ TAU) bei Ta6°40', die ptole-
maeische Längenangabe ist also nur aufgerundet wie II 1,10 Ar 18°, s. d. Anders
Firm. math. 8,4,2 in geniculis bei Ta 21° (vgl. zu 111,5 os). Rhet. Β
p. 197,24—28 erwähnt kein Knie. Wegen der passenderen Differenz von 3°20'
denkt S. Feraboli (Tab. III) an den Stern λ TAU (Ptol. synt. 7,5 p. 86,12) ó έν
τω στήθεί, doch der Wortlaut spricht dagegen. obliquatimi genu: Zum
hingesunkenen zodiakalen Stier W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 117 und
Ders., Manilius (1984), 167, vgl. die Prognose II 2,15 für Ta 29°: claudi.
5. a duodecimo usque ad quintum decimum: Die zusammenfassende An-
gabe über die Unkeuschheit des Bezirks Ta 12 o —15° erscheint im Gesamttext
erst spät zwischen den Einzelgraden Ta 14° und 15°; alle vier Einzelgrade wer-
den mit dieser Prognose versehen: II 2,6—9. Rhet. C p. 195,17 dehnt den Bezirk
bis zu Ta 17° aus, und zwar mit zusätzlichem Einfluß der Hyaden, die auch Ptol.
apotel. 4,5,13/15 (bei Heph. 2,21,18 ausgefallen) in diesem Zusammenhang
nennt, ebenso der Anon. a. 379 CCAG V I (1904), p. 206,17, der neben den
Hyaden auch das πρόσωπον des Stiers nennt, vgl. Firm. math. 7,25,14 facies.
Von da aus ergibt sich ein Gedrittschein zum πρόσωπον des Steinbocks bei
Cap 11 12° (aber LH II 10,6 os Capricorni bei Cap 6°). Im πρόσωπον des
Stiers befinden sich die Hyaden: Ptol. apotel. 4,5,13/15 (s. o.) ohne Gradangabe,
vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 540 zu Manil. 4,151 habitatque puer
sub fronte Cupido. Ptolemaeus siedelt die Hyaden am Ende des Stiers an, und
weil der Stier rückwärts aufgeht (vgl. zu I 2,2), liegt dort die Stirn, dem entspricht
auch das späte Zeugnis bei Apom. myst. 1,94 CCAG 1X2 (1934), p. 189,22 τά
δέ τέλεια του Ταύρου σημαίνει κίναιδον.
6. servos: Dieselbe Prognose verheißt der Gradbezirk VI 2,3 Servus bei
Ta8°.9°, s.d. impúdicos: Gilt für den übergreifenden Bezirk Ta 12°—15°
(II 2,5), s. d.
7. horoscopus: Wie II 1,9, s.d. impúdicos: Gilt ebenfalls für den über-
greifenden Bezirk Ta 12°—15°.
8. turpium factores, impúdicos, cinaedos: Gilt ebenfalls für den übergrei-
fenden Bezirk Ta 12°—15°, hier sprachlich weiter ausgestaltet. cinaedos:
Vgl. Ant. CCAG VII (1908), p. 117,28. venatores violentam mortem pa-
tientes: Gehört wohl zusammen, vgl. Firm, math 8,26,14 für Sc 30°: erunt vena-
tores sed biothanati. venatores: Ebenso 114,7 für Can 9° und 114,15 für
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112 II. Einzelgrade

Can 28o—30°, ferner für die Teukros-Paranatellonten (I 1,1) Piscator, (I 3,8) Ser-
pens und (18,1) Hippocentaurus, vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 622, dazu
Ant. CCAG VII (1908) p. 117,33. violentam mortem patientes: Wie bei
Ta 6°.7°, s. zu II 2,3.
9. Eine durch einen Einzelstern begründete Einzelgradprognose wird mit dem
Gradbezirk VI 2,5 Mors kombiniert. quintus decimus : Also genau die
Mitte des Tierkreiszeichens, für Aldebaran eine Differenz von +2°20', ebenso
Cleom. 1,8 Z. 48. Anon. a.379 CCAG V 1 (1904), p. 203,3. Firm. math. 6,2,3.
horoscopus: Wie 111,9, s.d. stella splendida Hyadum: Uberliefert ist
stella splendida Ononis, hier korrigiert nach Ptol. synt. 7,5 p. 88,1 ό λαμπρός
των Ύάδων, vgl. Rhet. C p. 180,18 u. ö. und Anon. CCAG V 1 (1904), p. 225,1
ό λαμπτήρ των Ύάδων, s. zu I 2,5 oppositus Antan. Unter den Einzelsternen
wird Aldebaran (αTAU) mit Regeldifferenz von +3°26' bei Ta 16°6' erwähnt
(VII 2,5). opposita stellae Antaris: S. zu 12,5 oppositus Antan. sitae
in quinto decimo gradu Scorpionis: Wieder Differenz von +2°20'. Antares
(α SCO) wird suo loco nicht erwähnt und ist dort (II 8,6) nur aus der identischen
Prognose zu erschließen. tribunos : Schwer einzuordnen : Nach PL nicht zu
Orion (I 2,5) gehörig. Gegen eine Weiterführung des vorausgehenden Gradbe-
zirks VI 2,5 Mors spricht die sprachliche Form (quia sim. fehlt) und die Tatsa-
che, daß die Prognose für den Einzelgrad Ta 17° (II 2,10) wiederholt wird: mag-
nos tribunos. Etwas Ahnliches verheißt Aldebaran bei Theoph. p. 217,7:
σημαίμει μέγαν άνδρα [...] ύποτάσσοντα πόλεις καί χώρας, vgl. Exc. Pa-
ris. p. 225,4: χώρας ύποτάσσοντας ή διοικοΰντας. Tribunen verheißen bei
Manil. 5,120—124 und Firm. math. 8,6,6 die Hyaden — eine Bestätigung für un-
sere Konjektur, vgl. im übrigen F. Cumont, L'Egypte (1937), 40f. [duces
exercitus eqs.]: Gehört nach PL zum Teukros-Paranatellon 12,5 Orion.
magnos et terribiles : Hat keine Entsprechung mehr bei Teukros II, daher wohl
hierhergehörig. Die Prognose II 2,10 für Ta 17° verbindet tribunos magnos, doch
hier werden beide Wörter durch die Teukrosprognose I 2,5 getrennt. terri-
biles: Parallelen bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 412. impúdicos: Der letzte
Grad des 'unreinen' Bezirks Ta 12o—15° (II 2,5), der einzige, der nach dem Sam-
mellemma genannt wird. Der Anon. a. 379 CCAG V 1 (1904), p. 203,27 sagt et-
was Ahnliches über Aldebaran und dessen Mars-Venus-Natur: περιθύμους καί
θερμούς πάνυ περί τάς επιθυμίας καί διαφόρως [άδιαφόρους an der Par-
allelstelle] περί τά άφροδίσια κτλ., ähnlich Exc. Paris, p. 225,16. poten-
tes tarnen ... combusti: Fast wortgleich die Prognose an der diametral gegen-
überliegenden Stelle II 8,6 für Sc 15°, die Opposition wird nur hier
ausgesprochen. Anders deutet die Opposition von Aldebaran und Antares der
Anon. CCAG I (1898), p. 116 unten: doppelte Kraft der Prognose, wieder anders
der Anon. a. 379 CCAG V 1 (1904), p. 203,20 und das Exc. Paris, p. 225,3-19:
gegenseitige Verstärkung der Orte von Mann und Frau im Aszendenten und Des-
zendenten. potentes: Vgl. außer Theoph. a. O. Firm. math. 6,2,3 über die
stella regalis Aldebaran: potentissimarum {.·•)• per multam regionem
peregrinantes: Paßt nicht zu den beiden 'festen' Zeichen Stier und Skorpion,
violenta vero morte: S. zu II 2,3 patientes mortem violentam. Der Gradbezirk
VI 2,5 Mors bei Ta 15°(—17°) spielt hier wohl keine Rolle. fraudulenter

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2. T a u r u s 113

interfecti vel combusti: Vgl. bei Sc 15°. 16° (II 8,6) fraudulenter occisi vel com-
burentur. Das Wort occisi ist prägnanter als interfecti, weil es die Vorstellung des
"Schneidens" enthält. Die Alternative occisi — combusti erinnert an die Todes-
prognosen bei Ptol. apotel. 4,9,12 = Heph. 2,25,11 έν δέ Σκορπίω καί
Ταύρω καύσεσι η τομαΤς (sc. άπολλυμένους). Zum Skorpion gehört das
Brennen wegen Antares (vgl. Verg. georg. 1,34f. ardens \ Scorpius), zum Stier
das Schneiden wegen seiner προτομή, s. o. zu I 2,1 secantur pudenda.
10. magnos tribunos: Beide Wörter kommen in der vorangehenden Einzel-
gradprognose II 2,9 für Ta 15° vor, doch grammatisch getrennt, also auch hier
durch Komma zu trennen? moriuntur tarnen violenter: Auch diese Pro-
gnose eint die Grade Ta 15° und Ta 17°, aber dennoch besteht wohl kein Bezug
zum Gradbezirk VI 2,5 Mors bei Tal5°(—17°) (denselben Bezirk besetzt das
Teukros-Paranatellon I 2,5 Orion). Vgl. im übrigen zu II 2,3 patientes mortem
violentam.
11. a séptimo decimo usque ad vicesimum secundum: Ein ungewöhnlich
ausgedehnter Bezirk von 6°, er könnte wegen der Prognose agricolae zum Grad-
bezirk VI 2,6 Terra gehören, doch passen die überlieferten Gradgrenzen nicht
ins System der vier Elemente, s. d. agricolae: Vielleicht eine Wirkung des
Gradbezirks VI 2,6 Terra, vgl. ferner die Prognosen 111,12 für Ar 22° und
II 1,13 für Ar 23°, wozu wohl auch VII 1,4 [agrícolas, de terra viventes] gehört.
Die Prognose kehrt auch bei den beiden Partnern des Erddreiecks wieder: II 6,9
für Vi 27° und II 10,11 für Cap 9°. Vgl. im übrigen zu 12,1 und F. Cumont,
L'Egypte (1937), 541. et abinde vitam habent: Eine auch sonst begeg-
nende Formel, vgl. 116,9 vitam habentes de ( . . . ) . Ptol. apotel. 3,9,4 ( = Heph.
2,9,5) δια των τοιούτων ποριστικούς. 4,4,4 τούς έκ των όμοιων τούτοις
πορίζοντας. 4,4,7 ( = Heph. 2,19,15) δια των τοιούτων πορίζοντας. 4,4,8
(= Heph. 2,19,16) δια τούτων ζώντας. Firm. math. 3,7,19 (sim. § 20) quibus
ex istis artibus et institutis vitae subsidia ( = Rhet. C p. 166,6 άφ' ών και ßioü-
σιν). Rhet. C p. 148,15 άφ' ών καί βίον εχουσιν. p. 209,13—14. [pericu-
lose peragentes]: Gehört nach PL zu den Teukros-Paranatellonten (I 2,6) Navis
und Draco.
12. cum labore: Wohl speziell auf die Landarbeit zu beziehen, vgl. F avoec
labeur, demnach wohl weiter eine Wirkung des Gradbezirks VI 2,6 Terra bei
Ta 18°—20°. Über die Beziehung des Stiers zur harten Landarbeit W. Hübner,
Die Eigenschaften (1982), 212 und Ders., Manilius (1984), 167.
13. athletas, magistros: Gundel las nigros, danach falsch F. Cumont,
L'Egypte (1937), 78 "des boxeurs nègres". Der Ubersetzer ins Pikardische hat
das Wort athleta verschieden übersetzt (I 3,1 läßt auch H es aus):

Stelle Grade H F

II 2,13 Ta 21° athletas les grans maistres


II 3,5 Ge 25° athletas, episcopos prelas, evesques
II 4,10 Can 18°. 19° athletas gloriosos glorieus
VI 6,3 Vi 14°-15° athletas fortes campion de diu
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114 II. Einzelgrade

Das Wort athleta wird also als "Kämpfer Gottes" gedeutet, zur Metapher
Ch. Gnilka, Palaestra bei Prudentius, ICS 14 (1989), 3 6 5 - 3 8 2 . - Der Text ist
wohl ebenso entstellt wie Firm. math. 8,8,1 pyctas + macharios, wofür L. Robert,
Etudes épigraphiques (1938), 89 nach Ambr. in psalm. 36,55 und Teukros
(13,1) pyctas pammacharios konjiziert hat. Ahnliche Prognosen bei F. Cumont
(a. 0.), 77f. Mars: Bewirkt Tod durch Hunde nach Firm. math. 8,9,4 beim
Untergang von Prokyon, 8,10,5 beim Untergang der Canícula. a canibus
comeduntur: Firm. math. 8,9,4 (s. o.) morsu rabidi canis lacerati. 8,10,5 a lupis
comedi ... aut a canibus ... misera laceratione consumi.
14. horoscopus: Wie II 1,9, s.d. voraces: S. Feraboli, Ricerche (1989),
232 vergleicht Firm. math. 8,20,4 schon für Ta 15°: erunt etiam edaces gulae
ventrisque libidinibus servientes.
15. claudi: Über den hingesunkenen Stier vgl. zu 112,4 obliquatum genu.
semper: Affektive Verstärkung einer negativen Prognose wie VI 7,2 und II 10,1,
vgl. Firm. math. 4,22,4. 5,2,2 u. ö., aber positiv I 6,1 und I 8,2 ~ I 9,7. om-
nia destruentes: Eine Wirkung des Mars: Wir sind im mittleren Grad seines Be-
zirks (V 2,5) bei Ta 28°-30°.
16. ab igne vel ferro: Weiter eine martialische Wirkung. Dieselbe Alternative
II 8,2 für Sc 6°.7° (ebenfalls die letzten Grade eines Marsbezirks), vgl. ferner in
der Prognose des Gradbezirks VI 2,9 Ignis bei Ta 28o—30°. vi decisiones:
Vielleicht, weil der Stier zu den 'verstümmelten' Tierkreiszeichen gehört, vgl. zu
V 2,5 mutilantur und zu 12,1 secantur pudenda.

3. Gemini

1. [a primo enim usque ad sextum gradimi]: Bezeichnet den nachträglich als


Begründung genannten Merkurbezirk V3,l Tranquillitas. [enim]: Gehört
ebenfalls in das System der Planetenbezirke, vgl. zu V 2,1. Das Wort kehrt suo loco
V 3,1 wieder. [sunt gradus lucidi]: Einschaltung zweiten Grades, denn dieser
Helligkeitsbezirk reicht bis Ge 7°, s. zu III 3,1. [quia]: Auch diese Konjunk-
tion ist noch typisch für die Planetenbezirke, vgl. V 2,1 u. ö. cum fuerint in
ascendente, faciunt eqs.: Diese Formel ist typisch für Einzelgrade. Welche Grade
genau gemeint sind, läßt sich nicht mehr ermitteln, sie dürften jedoch innerhalb des
Merkurbezirks V3,l bei Ge Io—6° liegen. navigantes: Diese Prognose
könnte auf den I 3,2 gegenüber PL zusätzlich genannten feuchten Saturn zurückge-
hen, s. d. Sie wird am Ende der Prognosen für den Merkurbezirk V 3,1 in der Form
navigabiles wiederholt. Die zweite Form dürfte sich auf partes beziehen: "schiff-
bare Grade" im Sinne von εϋπλους, vgl. Dor. bei Heph. 3,30,39 für Ar Io—10°
εϋπλους und — im Geviertschein dazu — wieder an einem Jahrpunkt § 48 für
Cap Io—9° έΰπλοος. Da weder Kritod. noch Vett. Val. 1,3,11 eine entsprechende
Prognose für jenen Merkurbezirk nennen und die Einleitungsformel in dieses Sy-
stem gehört, dürfte hier eine Einzelgradprognose vorliegen. vocatur enim
Tranquillitas: Der Name des Merkurbezirks V 3,1, der suo loco noch einmal er-
scheint, dient hier zur Erklärung einer Einzelgradprognose. enim: Hat hier
echte kausale Kraft und verbindet Elemente verschiedener Systeme.
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3. Gemini 115

2. duodecimus gradus: Ist der letzte Grad des Jupiterbezirks V 3,2 Beneficia
und des Gradbezirks VI 3,2 Temperantia. cum Marte: Fehlt in F, doch
auch Firm. math. 8,21,5 erwähnt diesen Planeten für G e l 2 ° , wenn auch mit
einer anderen Prognose. horoscopus: Wie II 1,9, s. d. sacrilegos: Die-
selbe Prognose II 10,26 für Cap 27°, ebenfalls unter dem Einfluß von Mars (und
Saturn), vgl. Rhet. C p. 148,16 und F. Cumont, L'Egypte (1937), 1354.
3. Ist nur in F überliefert. prestres sacres : Wie II 3,5 grans prelas, eves-
ques für Ge 25° anstelle von athletas ... pugillatores (s. zu II 2,13 athletas), viel-
leicht dorthingehörig. musicijens, saleurs : Auch das wie II 3,5 musici-
jen(s) u saltateur(s) = musici vel saltatores. conbateurs: Ebenfalls wie
II 3,5 luiteurs couronnes = luctatores coronatos bei Ge 25°. Gegen eine Ver-
schiebung dorthin spricht in diesem Fall der Gegenschein zu II 9,3 certatores co-
ronatos bei Sa 17°. qui s'ocupent en diverses labeurs : Die Zwillinge ge-
hören zum Quadrat der 'doppelten' Zeichen und verheißen Vielgeschäftigkeit,
vgl. II 6,3 für Vi 5 0 .6°.7° in pluribus ( locis ) dominantes und W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 226.
4. [morantes super fontibus et fluminibus eqs.]: Dublette zu der Prognose
in locis humidis, fontibus vel fluminibus ... morantur für den Gradbezirk VI 3,5
G(al}ene bei Ge 22°—27°, s.d. mollis corporis: S. Feraboli, Ricerche
(1989), 232 vergleicht Firm. math. 8,21,6 schon für Ge 16°: molli ac delicato
corpore. enim: Schließt ein Wetternotat (IV 3,2), in das eine weitere Einzel-
gradprognose eingelagert ist, an die hiesige Einzelgradprognose an. beneficii
significator: Sprengt die beiden Wetternotate australis und terrae motus causa-
tor, vgl. den Namen des Jupiterbezirks V 3,2 Beneficia bei Ge 7°—12°.
5. horoscopus: Wie II 1,9, s.d. athletas, episcopos maxime pugillato-
res: Die Auflösung ep(isco)pos statt eosdem (Gundel) nach F (auf den aber bei
dem Wort athleta wenig Verlaß ist): grans prelas, evesques, vgl. zu II 2,13. Ring-
und Faustkampf sind auch sonst eine Wirkung der Zwillinge: Manil. 5,163 (Le-
pus bei Ge 7°) rígidos eludere caestus. Firm. math. 8,8,1 pyctas pammacharios
[corr. L. Robert, Etudes épigraphiques, 1938, 89]: mit zusätzlichem Einfluß von
Mond und Mars — der Marsbezirk V 3,4 geht hier unmittelbar voraus. L. Robert
hat seine Konjektur bei Firm, nach Teukros I 3,1 vorgenommen: άθλητάς παμ-
μαχαρίους, d. h. nach einer Wirkung des Herakles am Anfang der Zwillinge.
Nun nennt auch der LH im Anschluß an diese Einzelgradprognose den Einzel-
stern quae est in capite praecedentis Geminorum. Der vorangehende Zwilling ist
nach Ptol. apotel. 1,9,4 Apollon (vgl. zu VII 3,7), doch Teukros I 3,1—2 hat die
Reihenfolge der beiden Zwillinge umgekehrt, bei ihm kommt Herakles zuerst.
Auf diesen dürfte sich die Boxer-Prognose beziehen, vgl. Ps.Alex. c. Dind. coli,
p. 180,3 Herculem lacertos sibi utpote pugilem vindicasse. Gegensatz ist 13,11
podagros, s.d. luctatores coronatos: Vgl. 119,3 certatores coronatos für
Sa 17°, also etwa diametral gegenüber. Mehr bei F. Cumont, L'Egypte (1937),
763. Die Parallelen zeigen, daß Gundel zu Recht vor coronatos nicht interpun-
giert hat. luctatores: Übersetzt F hier mit luiteurs, vgl. schon vorher II 3,3
für Ge 17° conbateurs sowie II 9,3 combatans für certatores. Ein Bezug zum
Marsbezirk V 3,4 bei Ge 18°-24°, wie ihn S. Feraboli, Ricerche (1989), 218 an-
nimmt, besteht ebensowenig wie zur Einzelgradprognose Firm. math. 8,21,9 für
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116 II. Einzelgrade

Ge 23°: strenuus. custodes c a r c e ( r ) i s : Hier nicht zu begründen, vgl. unter


den Paranatellonten der Zwillinge zu I 3,3 carcerem, vincula (Ge 6°—7°) und
sonst zu II 1,3 custodes incarceratorum. musici vel saltatores : In F musici-
jen(s) u saltateur(s), aber auch schon 113,3 für Ge 17°: musicijens, saleurs.
Hier wohl eine Wirkung des in Wirklichkeit vorangehenden Zwillings, des Apol-
lon, vgl. zu I 3,2 musici S. Feraboli, Ricerche (1989), 218 vergleicht Firm. math.
8,21,9 für Ge 22°: erit citharoedus, musicus und denkt an eine Wirkung der Ci-
thara (I 3,10) bei Ge 2(3)°—25°. laeduntur vero circa caput: Hier beginnt
eine neue Wirkung, die II 3,6 noch weiter auf Ge 25°.26° ausgedehnt wird. Sie
kehrt beim anderen Zwilling wieder (II 4,1): multi enim laeduntur in capite, vgl.
unter dem Dorn des Steinbocks zu II 10,25. [quia iuxta oritur stella lu-
cida eqs.]: Die Einzelgradprognose wird nachträglich mit dem Aufgang des Ein-
zelsterns Castor (α GEM) begründet, dieser gehört jedoch zu VII 3,7.
6. vicesimus quintus et vicesimus sextus: Da im vorigen Lemma schon
Ge 25° genannt worden ist, ist dieser Grad zweimal belegt. Vielleicht ist gemeint:
vicesimus sextus et vicesimus septimus, denn zwischen diesen beiden Graden
läge der richtige Wert für Castor, Ge 26°46', s. zu VII 3,7 iuxta, ferner zu
VII 12,3. horoscopi: Wie II 2,1, s.d. laedunt caput omnino: Wieder-
holung von II 3,5 laeduntur vero circa caput, vgl. beim Kopfstern des anderen
Zwillings, Pollux (114,1 und VII 4,1): multi enim laeduntur in capite.

4. Cancer

1. multi enim laeduntur in capite: Erscheint II 3,5—6 als Einzelgradprognose,


hier als Prognose für den Einzelstern Pollux (VII 4,1). Da Prognosen für Einzel-
sterne nur selten vorkommen, gehört diese Angabe wohl eher hierher.
2. a quarto: Diesen Anfangsgrad nennt auch Firm. math. 8,22,4. Die Diffe-
renz zum Anfangsgrad des Bezirks II 4,5 nach quidam beträgt 4°, dazu s. o.
S. I 132. secundum B a r b a r ( i c ) a m Sphaeram: Geht hier ebensowenig auf
Teukros II wie VII 1,2, bezeichnet also eine heterogene Angabe. est: Wie
II 1,1, s.d. Nubecula: Wird an nicht weniger als sechs Stellen genannt:

Stelle Gradbezirk Quelle

II 4,2 Can 4°—7° Sphaera Barbarica


II 4,5 Can 8°.9° quidam
II 4,7 Can 9° Dorotheos
II 4,9 Can 13° Ptolemaeus
I 4,5 Can 1 I o —12° (Teukros II)
VII 4,3 Can 1 2 ° 2 6 ' - 1 4 ° 4 9 ' (Ptol. synt. 7,5 + 3 ° 2 6 ' )

Vgl. sonst etwa Ant. CCAG VII (1908), p. 112,2 bei Can 1 0 o - 1 5 ° (ebenso
Rhet.C p. 191,3), Anon. a. 379 CCAG V 1 (1904), p. 208,23 bei Can 1 1 ° - 1 4 ° ,
Firm. math. 8,4,4 bei Can 8 ° - 1 0 ° (in oculis), Rhet. Β (VII 4,3) bei Can 9 ° - 1 5 °
(ebenso Rhet. C p. 187,24). cum Marte et L u n a : Dieselben Planeten modi-

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4. Cancer 117

fizieren 12,1 die Prognosen der ebenfalls 'nebelhaften' Pleiaden bei Tal°—3°
und II 10,3 die Prognosen für Cap 3° (etwa gegenüber). Es sind nach Ptol. apotel.
1,9,5 die Planeten der Krippe, die Teukros I 4,4 bei Can 8°—10° (überliefert 7°—
8°) ansiedelt. L u n a : Ist Hausherrin des Krebses, aber auch sonst für alles
Körperliche zuständig, besonders für Augenleiden: 118,5 und LH 26
p. 78,22—26, ferner Ptol. apotel. 3,13,8 ( = Heph. 2,13,9), vgl. das Horoskop des
Oedipus bei Firm. math. 6,30,1 Luna in nebula Cancri. Sie kennzeichnet bei
Ptol. apotel. 1,9 überhaupt die (augenschädigenden) Nebelsterne: F. Boll, Antike
Beobachtungen (1916), 63—71. caecos: Vgl. zu II 2,1 limatici für Ta3°.4°:
etwa Sextilschein. h a b e n t e s pilos in oculis: Vgl. Firm. math. 8,22,2 (zu
Can 5°): lumina eorum calculosis [calic-, cauc- var. 11.] vulneribus inbueniur,
von der mit dem Krebsnebel identischen Krippe Heph. 1,1,62 ποιεί
λ ε υ κ ώ μ α τ α έν τοις όφθαλμοΤς, ferner S. Feraboli, Ricerche (1989), 220.
3. horoscopus: Wie II 1,9, s.d. piscatores vel n a u t a s vel n a v i g a n t e s :
Von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 223 vielleicht richtig auf das
Teukros-Paranatellon 14,2 Qui movet navem bezogen, dessen Schlußgrad
Can 5° eben dieser Einzelgrad ist. Diese Prognose wird im Gesamttext nur durch
Prokyon von jenem Paranatellon getrennt, während die hier schon mit Can 4° be-
ginnende Nubecula unter den Paranatellonten erst später eingereiht wird,
piscatores: Wiederholt die Prognose der I 4,1 figura Pastoris, s. d. nautas:
Deckt sich mit der ersten Prognose des Bildes I 4,2 Qui movet navem.
4. sextus et septimus g r a d u s : Also genau der Bezirk von Fons und Duo Asini,
schließt direkt an Can 5°, den Schlußgrad des hiatus Leonis (I 4,2) an. molles,
concubitores b e s t i a r u m : Wohl so zu interpungieren, vgl. F. Cumont, L'Egypte
(1937), 183'. Klingt nach einer weiteren Prognose für die Duo Asini (I 4,3).
5. Diese Gradangabe sprengt den Zusammenhang zwischen Aufgang und Pro-
gnose der Teukros-Paranatellonten I 4,4 Praesepe und Lyra. in octavo et
nono: Der achte Grad zeigt eine Differenz von + 4 ° gegenüber dem Anfangsgrad
Can 4° nach der Sphaera Barbarica (II 4,2), der neunte Grad stimmt mit Doro-
theos überein, s.o. S. I 132 und zu 114,7. Nubecula: Ist mit der zuvor ge-
nannten Krippe identisch: F.Boll, Sphaera (1903), 128, s. zu 14,4 Praesepe.
6. octavus g r a d u s : Die beiden für Nubecula (II 4,5) angegebenen Grade be-
kommen nun je eine eigene Prognose. iustos: Dieselbe Prognose 114,8 für
Can 11°—12°: iusti. operarios eqs.: Bei Firm. math. 8,21,4 eine Prognose
für Ge 9°, also fast genau ein Zeichen früher, vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937),
104'. Der Krebs gehört zu den 'dienenden' Tierkreiszeichen: W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 211 f. m a l a patientes: Vgl. die beiden Gradbezirke
VI 2,3 Servus und VI 2,4 Malorum patientia bei Ta8°—14°: Sextilschein.
7. nonus g r a d u s : S.o. zu octavus gradus. adúlteros, luxuriosos: Vgl.
die Prognose für Canis bei Can 25° (114,14), in beiden Fällen keine Entspre-
chung bei Rhet. C p. 195. Vgl. 119,6 (Sa 2 8 ° - 3 0 ° ) und F. Cumont, L'Egypte
(1937), 180. v e n a t o r e s : Dieselbe Prognose auch 114,15 für Can 28°—30°,
ferner 112,8 für Ta 14°, s.d. q u a n d o q u e h a b e n t e s oculos laesos: Hier
fängt etwas Neues an, Quelle ist Dor.A 4,1,109. nono ergo g r a d u ... Doro-
t h e u m : Nicht in F, demnach muß Gundels Absatzgrenze korrigiert werden: Der
Aufgang der Nubecula begründet den Augenschaden, vgl. zu II 8,5. secun-
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118 II. Einzelgrade

dum Dorotheum: Die Fortsetzung II 4,8 secundum Ptolomaeum folgt im Ge-


samttext erst später. Im übrigen Gedrittschein zu den körperschädigenden Gra-
den Sc 8°.9°.10° (118,5). ergo: Passender 114,10 und 114,14 etenim bei
einem nachgeschobenen Sternbild.
8. Diese Prognose ist an das Teukros-Paranatellon I 4,5 Nubecula angeschlos-
sen, ist dort aber nicht mehr durch L abgedeckt. iusti: Vgl. zu II 4,6 iustos
für Can 8°.
9. [secundum Ptolomaeum eqs.]: Der Anfang des Lemmas gehört zu VII 4,3.
Auf einen Gradbezirk für die Krebswolke, den Ptolemaeus nicht kennt, folgt der
abgerundete Wert für den mittleren Stern nach Ptol. synt. 7,5 p. 94,15. est:
Statt oritur (wie vorher), vgl. zu VII 1,2. quae: Bezieht sich weiter auf die
Nubecula. divitem, vocem habentem: Gundel interpungiert nicht, vgl. F
douche vois, was einen Text dulcem vocem voraussetzt. Gegen W. Krolls Konjek-
tur bei Vett. Val. 1,2,18 ευφωνοι W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 165, so
ließe sich höchstens Ale. p. 5 r_v vergleichen: pulchras voces habentia. Dagegen
spricht jedoch die Trennung der Wirkungen der Drei Grazien (14,8 bei
Can 18o—20o): divitias, vocem. divitem: Über den Reichtum der Krebsmen-
schen W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 549f. zu Manil. 4,165-174.
vocem habentem: Gegen die Natur des Krebses, denn dieser gilt als άφωνος:
W. Hübner, a. 0., 165—169, dagegen verheißt die Krebswolke Blindheit: a. 0.,
193-196, vgl. u.a. Ptol. apotel. 3,13,9 (p. 149; = Heph. 2,13,9). - Zu
dem nicht besetzten Einzelgrad Can 15° gehört die in den Jupiterbezirk V 4,4
Terminus vitae bei Can 20°—26° versprengte Angabe Exaltatio lovis. Jupiter be-
stimmt nur einmal, und zwar im folgenden Bezirk 114,10 eine Einzelgradpro-
gnose.
10. octavus deeimus et nonus deeimus gradus: Die ersten beiden Grade
des Teukros-Paranatellons 14,8 Tres Gratiae. horoscopi: Wie 112,1, s.d.
praecedente love: Dieser Planet bestimmt nur hier eine Prognose, s. o. zum
nicht besetzten Grad seiner Erhöhung bei Can 15°, ferner S. I 132. Manil. 4,174
nennt für den Krebs eine ähnliche Prognose und fügt hinzu: aequo love. Verteilt
man die drei äußeren Planeten auf die Drei Grazien und diese wiederum auf die
Grade Can 18°—20°, dann regiert Jupiter den mittleren Grad, Can 19°, der hier
an zweiter Stelle genannt wird, vgl. W. Hübner, Zur neuplatonischen Deutung
(1990), 91—96 und zu 14,8. mercatores: Wie 14,1, s.d. usurarios:
Auch das ist bei Manil. 4,173f. für den Krebs belegt: celeris optando sortibus an-
nos, I dulcibus usuris eqs. athletas: In F ausgelassen, vgl. zu 112,13.
etenim: Bei einem nachgeschobenen Sternbild wie II 4,14. caput... Hydri:
Paßt etwa auch ins System der Einzelsterne, s. zu VII 4,4, daher ist nicht klar, ob
die Angabe hierhergehört. Es finden sich insgesamt sechs Erwähnungen der
Wasserschlange :

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4. Cancer 119

Stelle Gradbezirk Teil der Wasserschlange

II 4,10 Can 18°. 19° caput... Hydri


II 4,13 Can 22o—23° caput Hydri
14,11 Can 27 o —30 o cauda Hydri
15,1 Le I o —3 o medietates Hydri
VII 5,1 Le 3°26' initium Hydri
16,7 Vi 19o—23o Puella, quae stat super cauda Hydri

Die Wasserschlange ist ein ausgedehntes Sternbild, das Teukros I von Le I bis
Vi II reichen läßt. Teukros II kehrt das Bild um und läßt es mit dem Schwanz zu-
erst und mit dem Kopf zuletzt aufgehen: F.Boll, Sphaera (1903), 142f. Der
Schwanz bildet eine Opposition zu I 10,12 cauda Magni Piscis bei Cap 28°.29°.
Zwischen den Einzelgradprognosen für caput Hydri bei Can 18°. 19° und bei
Can 22o—23°, die nicht, wie S. Feraboli (Astronomia classica, 1993, 555f.) an-
nimmt, zu Teukros II gehören, besteht eine Differenz von 4°, s. o. S. I 132. Den
Kopf der Hydra erwähnt L an dieser Stelle nicht, sondern erst I 6,2a bei der
Jungfrau zwischen dem Messer und der leiertragenden Muse. Im späteren Be-
reich der Jungfrau erwähnt wiederum der LH — gegen die Richtungsumkehrung
bei Teukros II — die cauda Hydri (I 6,7), wo sie in L fehlt. caput: Hier trotz
I 5,1 medietates Hydri kein Ansatz zur Dreiteilung nach Teukros I, hierüber vgl.
zu la 12,3 caput Cervi. An dieser Stelle handelt es sich um die echten Kopfsterne
des Bildes, s. zu VII 4,4. Hydri: Zum Wechsel von ϋδρος/ίίδρα F.Boll,
Sphaera (1903), 143. A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 190. A. Le Bœuffle, Les
noms (1977), 142f. In c. 25 des LH begegnet stets die maskuline Form, selbst
VII 5,1, wo Rhet. Β die feminine bietet. — Heute unterscheidet man bekanntlich
zwei Sternbilder Hydra und Hydrus.
11. vicesimus gradus: Der letzte Grad der Tres Gratiae (I 4,8). Wie die er-
sten beiden Grade durch Jupiter modifiziert werden (s. o.), so der letzte durch
Mars. horoscopus: Wie II 1,9, s.d. claudos, loripedes: Von W. Gun-
del, Neue astrologische Texte (1936), 232 falsch auf den "Sternvater" Scara-
baeus (vgl. 14,10 medietates Scarabaei bei Can 24 o —26°) bezogen, wir sind
aber noch im Bereich der Drei Grazien. ab odoribus : Nicht mit F. Cumont,
L'Egypte (1937), 16' in ab oleribus zu ändern. Die Prognose klingt nach Venus-
einfluß wie das folgende amatores musicae. Über Venus und den Geruch Ptol.
apotel. 4,4,4 und F. Cumont, a.O., 9 2 \ ferner A.Olivieri, Melotesia (1934), 41.
amatores musicae: Weiter Venuseinfluß? Vgl. Ptol. apotel. 4,4,6 = Heph.
2,19,14 und in dem im Gesamttext folgenden Merkurbezirk V 4,3 amatores ser-
TTwnum : φιλόμουσοι und φιλόλογοι, ferner zu I 3,2 musici. Mars : Wäre
nach der hypothetischen Verteilung der drei äußeren Planeten auf die drei Grade
der Drei Grazien (s. zu 14,8) der Planet von Can 18°. in his gradibus:
Steht im Widerspruch zu dem Einzelgrad, bezieht sich also wohl auf alle drei
Grade Can 18o—20°. eunuchi: Über diese häufige Prognose F. Cumont,
L'Egypte (1937), 32 4 und 1322. Der Planet Mars ist hierfür nur unter anderem
verantwortlich, mehr schon sind es die femininen Tierkreiszeichen: Firm. math.
3,6,22. 3,9,1. 7,25,1.
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120 II. Einzelgrade

12. vicesimus primus: Aber F 23. Die Divergenz der Überlieferung hängt da-
mit zusammen, daß hier ein Wetternotat (IV 4,2) mit einem Einzelstern und der
Prognose für 14,9 Ursa vermischt wird. Can 21° ist der Anfangsgrad, Can 23°
der Schlußgrad der Ursa. Für die Variante Can 210 als Aufgang des Sirius spricht
der Abstand zu (II 4,14) Can 25°, s. o. S. I 132. stella Canis: Wird im ganzen
dreimal genannt: von Teukros II (I 4,6) bei Can 13o—15°, unter den Einzelster-
nen (VII 3,6) für Ge 21 °6' und hier für die um 6' abgerundete Position. Im Ab-
stand von 4° begegnet noch einmal der bloße Name Canis (II 4,14) für Ge 25°.
Die Angabe folgt an dieser Stelle auf das Wetternotat IV 4,2 und unterbricht den
Zusammenhang zwischen dem Aufgang und der Prognose für Ursa, daher ver-
mutet W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 2012, der Name stella Canis
könne hier aus Κυνός ούρά, dem Namen der Kleinen Bärin, den L beim näch-
sten Tierkreiszeichen verwendet (s. zu I 5,3), entstellt worden sein. Dagegen
spricht allerdings erstens der regelmäßige Abstand von 4° zu Can 25° und zwei-
tens die Tatsache, daß weder L noch Ps.Ant. Κυνός ούρά an dieser Stelle er-
wähnen. Wenn Gundels Annahme stimmt, handelt es sich höchstens um einen
späten Zusatz, der die Namen κυνός αστρον (oder άστροκύων) und κυνός
ούρά verwechselt. [significai eqs.]: W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 201 sieht hierin eine Wirkung des Großen Hundes, doch gehört die Pro-
gnose nach L über das Wetternotat IV 4,2 hinweg zum Teukros-Paranatellon
I 4,9 Ursa.
13. a vicésimo secundo gradu usque ad vicesimum tertium: Geht dem
vorigen Lemma (Can 21°) voraus. Der Bezirk schießt im System des Teukros II
über, und der Kopf der Hydra fehlt in L an dieser Stelle, er erscheint dagegen
I 6,2a am Anfang der Jungfrau, s.o. zu 114,10 caput Hydri. Nach dem LH be-
ginnt an jener Stelle der Bezirk der (I 6,7) Puella, quae stat super cauda Hydri
bei Vi 19°—23°: Sextilschein zum hiesigen caput Hydri bei Can 22°—23°. Der
Kopf der Wasserschlange schließt sich hier an die — später genannte — stella
Canis bei Can 21° an, also ein Bild für den Beginn der Nilflut nach dem Aufgang
des Sirius? Stimmt diese Kombination, dann wäre Hydrus als Nil gedeutet wor-
den. est: Wie II 1,1, vgl. zu VII 1,2. caput Hydri: S. zu 114,10, hier
kaum 'Enantiodromie' zu den (14,9) posteriores partes Ursae bei Can 21°—23°.
14. felices, adúlteros, turpificos : Für denselben Einzelgrad Can 25° progno-
stiziert Firm. math. 8,22,5: erunt omni felicitate provecti, sed hi se stupris adulte-
riisque commaculabunt, vgl. S. Feraboli, Ricerche (1989), 220. adúlteros,
turpificos : Vgl. zu II 4,7 adúlteros, luxuriöses für Can 9° mit einem nachgescho-
benen Sternbild (Nubecula) wie hier. Canis: Wurde im Abstand von 4°
schon einmal bei Can 21° genannt, s. zu II 4,12. etenim: Bei einem nachge-
schobenen Sternbild wie II 4,10.
15. impudici: Keine Entsprechung bei Rhet. C p. 195f. coeunt cum ma-
tribus: Firm. math. 7,13,3 erwähnt in diesem Zusammenhang den Mond in no-
vissimis Cancri partibus und überliefert vorher (6,30,1) ein Horoskop des Oedi-
pus, in dem der Krebs im Aszendenten steht. Mehr bei F. Cumont, L'Egypte
(1937), 179\ ferner Ptol. apotel. 2,3,25. Die zweite Lücke in F könnte aus Prü-
derie entstanden sein. venatores ... vel pugnatores cum feris: Nebenein-
ander auch bei Rhet. C p. 201,21 κυνηγούς ή θηρχομάχους. venatores:
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4. Cancer 121

Wie II 4,7 für Can 9°, s. d. pugnatores cum feris: Übersetzt θηρίομαχοϋν-
τες und θηριόμαχοι, vgl. F. Cumont, a. O., 601.

5. Leo

1. Die erste Einzelgradprognose des Löwen sprengt den Zusammenhang zwi-


schen dem Aufgang der Teukros-Sternbilder I 5,2 Corvus ...et Crater und den
dazugehörigen Prognosen. qui vero habuerit eos horoscopes: Abgewan-
delte Formel für Einzelgradprognosen mit adjektivischem horoscopus, nur hier
im Akkusativ, vgl. zu 112,1. populis dominabuntur: S. Feraboli, Ricerche
(1989), 221 und 236 vergleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,23,1 für
Le 2°: reges potentes mit Hinweis auf Regulus: in hac parte stella limpida est
(aber 6,1,2 bei Le 5°), vgl. zu VII 5,2. amici magnatum, hi etiam magna-
tes: Der Löwe gehört als Partner des Feuerdreiecks zu den herrschenden Tier-
kreiszeichen: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 206—209. Ders., Manilius
(1984), 155 f. Dieselbe Prognose für Le 16°, s. zu 115,6, ferner zu II 1,4 magna-
tes und F. Cumont, L'Egypte (1937), 35 f.
2. Die Prognose ist angeschlossen an den Gradbezirk VI 5,1 Locus. periu-
rus ... et malignus vel captivus: Ähnlich im nächsten Grad Le 9° (II 5,3): deie-
ratores, ... maligni vel captivati, also wohl eine einzelgradübergreifende Pro-
gnose. captivus: Eher im Sinne von "captivus diaboli" (ital. cattivo, vgl. zu
II 1,3 captivos) als eine Wirkung des Polardrachens, vgl. zu I 5,4 custodiam.
3. amatores luctaminum: Ubersetzt vielleicht L φιλονεικίας als Wirkung
der Kynosura (im LH ausgefallen, vgl. zu I 5,3), aber V 7,4 amatores luctationis
für Kritod. φιλοπάλαΐστροι, mehr bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 793.
deieratores, ... maligni vel captivati: Wiederholt etwa die Prognose des vori-
gen Grades Le 8°: II 5,2. deieratores: "Die einen Meineid schwören", eben-
so II 10,23 für Cap 24°-25° und II 10,26 für Cap 27°. Vgl. F. Cumont, L'Egypte
(1937), 1354. captivati: Wohl dasselbe wie 115,2 captivus, s.d.
4. non nutrì et (ur) a parentibus eqs.: Gehört vielleicht zum Mythos der Ky-
nosura als Amme des kleinen Zeus, vgl. zur Lücke I 5,3 bei Le 6°—7°. Zum häu-
figen Kapitel περί άτρόφων vgl. Ptol. apotel. 3,10 und F. Cumont, L'Egypte
(1937), 1862.
5. hi etiam ex occisione ferri moriuntur: Diese Prognose ist zweimal über-
liefert: im Anschluß an das Teukros-Sternbild I 5,5 Frigii tibicines (fehlt in F)
und am Ende der Einzelgradprognosen II 5,5 für Can 11°. Da die Prognose nach
L nicht zu den Phrygischen Flötenspielern gehört, ist der Bezug zur Kastration
der Gallen, den W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 247 und F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 1331 hier sehen möchten, nicht gegeben. occisione
ferri: Uberliefert ist zweimal occasione (ocasion F), zur Konjektur vgl. den He-
braismus occisio gladii : ThLL 1X2, c. 357,60. duces exercitus, temera-
rios, iracundos: Klingt nach Marseinfluß. Über den zornigen Löwen vgl.
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 202 und 555 zu Manil. 4,187 iras.
duces exercitus: Wie 12,5 für Orion bei Ta 15°—17°, s.d. venereos: Es
handelt sich um den letzten Grad des Venusbezirks V 5,2. [plures enim
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122 II. Einzelgrade

eqs.]: Gehört nach Kritod. zu dem im LH ausgefallenen Merkurbezirk V5,4,


s. d. [alii vero eqs]: Gehört nach L zu I 5,4a Ophiuchos, für den allerdings
im Gradsystem kein Platz ist, s. d.
6. sextus decimus gradus: Dieses Lemma ist, wie auch das nächste, unter
den Fischen überliefert, es gehört aber zusammen mit den Teukros-Paranatellon-
ten I 5,7—8 Canis und Lupus, dem Gradbezirk VI 5,2 Semen und der Einzel-
gradprognose 115,7 für Le 17°.18° zum Löwen. [vocatur Semen ...]: Der
Gradbezirk VI 5,2 Semen ist in diese Einzelgradprognose eingesprengt. [in
sacris locis conversationes habebunt]: Nach L ίερωσύνην "Priesterschaft"
wohl eine Wirkung des Kranzes (15,6) bei Le 13o—15°. Es könnte aber auch
sein, daß diese Prognose mit der folgenden (amici magnatum) zusammengehört,
vgl. Ptol. apotel. 3,4,3: έν ΐεροίς τάς άναστροφάς ποιουμένους und σοφι-
στάς μετά προσώπων μειζόνων έχοντας τάς άναστροφάς. amici ma-
gnatum: Ebenso 115,1 für Le4o—5°, s.d.
7. septimus decimus et octavus decimus gradus: Wie die Einzelgradpro-
gnose für Pi 16°, so muß auch die sich anschließende Prognose für Pi 17°. 18°
hierher zum Löwen umgestellt werden, die Prognose bestätigt das (s. u.). Die drei
Grade füllen zusammen den Bezirk der Teukros-Paranatellonten I 5,7—8 Canis
und Lupus aus. Der Nachteil, daß Le 18° nun doppelt besetzt ist, muß in Kauf
genommen werden. fornicatores et fornicatrices : Die Grade erscheinen
nicht unter den άσελγοποιοί bei Rhet. C p. 195,18, der nur Le 25o—30° nennt,
vgl. jedoch die Saturn- und Venusqualität des Einzelsterns Duhr (VII 5,3) bei
Le 17°36', d. h. zwischen den beiden hier genannten Graden. Dasselbe wieder-
holt sich vielleicht 115,11.
8. octavus decimus gradus: Ist schon durch eine Einzelgradprognose belegt,
hier ein Fragment aus Dor.A 4,1,109 (augenschädigende Grade) "The mane of
the Lion in Leo eighteen degrees", vgl. p. 378 Pingree; von W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 293 und danach von Λ. Scherer, Gestirnnamen
(1953), 230 und 233 falsch den Gradbezirken zugerechnet. Im übrigen Gedritt-
schein zu den (II 1,10) lumbi Arietis bei Ar 18° und zu dem ebenfalls augen-
schädigenden (II 9,4) oculus Sagittarii bei Sa 18°. 19°. iuba Leonis: Diesen
Ausdruck gebraucht auch Firm. math. 6,31,88. Die Mähne des Löwen erscheint
sonst erst später im Bild: Ptol. synt. 7,5 p. 100,15 nennt drei Sterne des πλόκα-
μος (sc. der Berenike) von Le 24°20' bis Le 28°30', Ant. CCAG VII (1908),
p. 111,24 für die χαίτη Le 27°.28°, der Anon. a. 379 CCAG V I (1904),
p. 208,28 für die πλόκαμοι Le 27° und Rhet. C p. 190,20 für die χαίτη
Le27°36'—28° und vorher p. 187,23 als σινωτικαί μοίραι Le 18° (vgl. Dor.).
27°.28°. laesibilis: Bezieht sich speziell auf Augenleiden, vgl. W. Hübner,
Die Eigenschaften (1982), 193—195 und zu 114,7 oculos laesos.
9. vicesimus octavus et vicesimus nonus: Folgt im Gesamttext auf das
Wetternotat IV 5,4 für Le 29°.30°; dieses geht voraus, weil es an das Wetternotat
IV 5,3 angeschlossen ist. (in) horoscopo: Ergänzt nach 117,2. Statistisch
häufiger ist allerdings die adjektivische Verwendung von horoscopus, daher ist
vielleicht die Konjektur horoscopi vorzuziehen, vgl. zu 112,1, ferner zu VI 1,6.
impúdicos: Ebenso 115,10 von Le 30° und 115,11 vom gesamten Marsbezirk
(V 5,5) Le 25°—30°, s.d. parasitas: Vgl. die Einzelgradprognose für
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5. Leo 123

Cap 10° (II 10,12): parasitum. leprosos: Der Löwe verursacht sonst keiner-
lei Art von Hautkrankheit: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 196-199.
elephantiam: Ebenfalls keine Wirkung des Löwen, vgl. Ptol. apotel. 3,13,8
(p. 153 = Heph. 2,13,21, vgl. Rhet. C p. 188,3), wo die Bestimmung καί όλως
τά χερσαία καί τα ίχθυικά ζώδια sehr allgemein gehalten ist. Nicht die
Krankheit Elefantiasis, wohl aber der Umgang mit Elefanten wird mit dem Lö-
wen und dem Großen Bären in Verbindung gebracht von Manil. 5,705f., vgl.
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 633 und Dens., Manilius (1984), 203 -
eine Bestätigung für die Gleichung Typhon = Großer Bär.
10. horoscopus: Wie II 1,9, s.d. impúdicos: Wie 115,9 von Le 28°.29°
und II 5,11 vom Marsbezirk V 5,5 bei Le 25o—30°, s. d. maxime in senec-
tute: Hervorhebung des hohen Alters wie Manil. 4,257 für den Steinbock. Die
Konjektur maxime statt máximo nach dem typischen μάλιστα, Beispiele bei
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 466.
11. sunt enim hi gradus impudici et turpifici: Von Kam. 732 άσελγείας,
αισχρότητας ebenfalls unter die Wirkungen des Marsbezirks V 5,5 subsumiert,
nicht jedoch von Kritod. Was hier von den Graden selbst gesagt wird, wird dann
noch einmal nach der Prognose des Gradbezirks V 5,5 von den unter diesen Gra-
den geborenen Menschen wiederholt: impudici vero fiunt et turpifici et sordidi,
vgl. schon vorher II 5,9 impúdicos von Le 28°.29° = II 5,10 von Le 30°. Diesel-
ben Grade Le 25°-30° nennen auch der Anon. a. 379 CCAG V I (1904),
p. 206,18 und Rhet. C p. 195,18, der außerdem die Schlußpartien der beiden
Trigonalpartner, Widder und Schütze, als μαλακοποιοί einbezieht. Ptol. apotel.
4,5,13/15 = Heph. 2,21,18 erwähnt in diesem Zusammenhang etwas vager die
Hinterpartie (οπίσθια), danach der Anon. a. 379 a. O., aber mit Gradangabe, vgl.
Firm. math. 7,25,14 in cauda Leonis. Weniger wahrscheinlich ist ein Einfluß der
Saturn- und Venusqualität des Einzelsterns Denebola (VII 5,4), vgl. oben zu
II 5,7 über Duhr. Sollten diese Prognosen auch etwas mit Typhon = Großer Bär
(15,12) zu tun haben, dann begegnet ein Reflex dieser Lehre noch bei Shake-
speare, King Lear I 2 : Vgl. zu II 10,24 luxuriosi und W. Hübner, Manilius
(1984), 204220. impudici vero fiunt eqs.: Was vorher von den Graden
Le 25°—30° gesagt wurde, kennzeichnet nun die unter diesen Graden geborenen
Menschen.

6. Virgo

1. primus quidem et secundus gradus: Die Grade Vi 1°.2° bilden mit Vi 3°.4°
(II 6,2) und Vi 5°.6°.7° (II 6,3) eine geschlossene Sequenz, vgl. den Anfang des
Stiers: Gedrittschein. aliquando certantes coronabuntur: Diese Prognose
ist angeschlossen an die Prognose des Teukros-Paranatellons I 6,1 Spica, in das
der Gradbezirk VI 6,1 Via interpoliert ist. Sie gehört nach L nicht mehr dorthin,
vgl. die Einzelgradprognose bei Firm. math. 8,24,4 für Vi 9° (Spica geht nach
ihm mit Vi 8° auf): erunt luctatores, sed qui in omnibus certaminibus consequan-
tur insignia coronarum. Manil. 5,251 und Firm. math. 8,11,1 lassen die Krone
mit Vi 5° aufgehen, vgl. S. Feraboli, Ricerche (1989), 222, ferner die Prognose
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124 II. Einzelgrade

(II 9,3) certatores coronatos für Sa 17°. amici magnatum: Vgl. II 6,3 fami-
liares erunt regi für Vi 5°.6°.7°, ferner die Einzelgradprognosen des Löwen II 5,1
und 115,6 sowie zu 111,4 magnates. doctores: Klingt nach dem Einfluß
Merkurs, der die Grade Vi I o —7° regiert (V6,l), vgl. zu 16,1 dispensatores.
[semper abundantes]: Schließt sich wohl nach L εΰθηνίαν και πλοΰτον an
I 6,1 divites an.
2. tertius et quartus: Schließt glatt an Vi 1°.2° (VI 6,1) an. horoscopi:
Wie II 2,1, s.d. speciosos: S. Feraboli, Ricerche (1989), 221 vergleicht die
Einzelgradprognose Firm. math. 8,24,1 für Vi 2°—6°: erunt speciosi. cinae-
dos: Diese Prognose überrascht bei der Jungfrau, sie hat keine Entsprechung bei
Rhet. C p. 195, wird aber 116,4 für Vi 16° wiederholt. S. Feraboli, Ricerche
(1989), 221 vergleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,24,1 schon für
Vi I o : erit cinaedus. quartus facit ut praedicitur: Im Gesamttext an das
Wetternotat IV 6,1 für Vi 4°.5° angeschlossen, dort sicher falsch (fehlt in F) und
von W. Gundel getilgt. Die Angabe gehört wohl am ehesten zu den Einzelgrad-
prognosen, wenn sie auch nach et quartus eine Dublette darstellt (vgl. II 10,10).
Rein zahlenmäßig schließt sie sich an I 6,1 Spica bei Vi I o —3° an, doch wird dort
suo loco keine Prognose gegeben, auf die sich ut praedicitur beziehen könnte.
Für die Einordnung an dieser Stelle spricht auch die Tatsache, daß im Gesamt-
text sogleich die sich gradmäßig anschließende Einzelgradprognose II 6,3 für
Vi 5°.6°.7° folgt.
3. quinto, sexto et séptimo: Schließt sich glatt an Vi 1°.2° und Vi 3°.4° an. Drei
aufeinanderfolgende Grade werden durch den Mond modifiziert wie im Lemma
118,5 die sich zahlenmäßig anschließenden Grade unter dem Skorpion:
Sc8°.9°.10°. Dort nach Dorotheos, also auch hier? Luna: Modifiziert auch
zwei weitere Einzelgrade der Jungfrau: (II 6,5) Vi 20° und (II 6,9) Vi 27°. ma-
gnos: Wie II 6,9 für Vi 27° kaum auf die Körpergröße zu beziehen, auch wenn die
Jungfrau ein ausgedehntes Tierkreiszeichen ist: W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 103 f., denn es folgt dominantes wie II 6,9 potentes (dort ebenfalls durch
Luna bestimmt), vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 36f. in pluribus (locis)
dominantes: Zur Ergänzung nach F dominons enpluiseurs lius vgl. 111,1 in eis-
dem ... rebus et locis für Aq Io—3°. Die Jungfrau begünstigt als Partnerin des
'doppelten' Quadrats Mehrfachbeschäftigung: W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 74—81 und 225f., vgl. zu 116,7 pluribus communes für Vi 25°, Firm,
math. 8,24,6 plura negotia tractantes für Vi 16°, ferner zu II 3,3 qui s'ocupent en
diverses labeurs für Ge 17°. familiares erunt regi: Vgl. zu II 6,1 amici ma-
gnatum. enim: Macht hier keinen Sinn, also Hinweis auf einen Quellenwech-
sel? digni fiunt sacris: S. Feraboli, Ricerche (1989), 221 vergleicht die Ein-
zelgradprognosen Firm. math. 8,24,1 f. für Vi 2°—6o sacerdotes, prophetae,
haruspices und für Vi 7° (ebenfalls mit Luna): sacerdotes, haruspices.
4. cinaedos: Wie 116,2 bei Vi 3°.4°, s.d. mulierum ornatores: Vgl.
F. Cumont, L'Egypte (1937), 92 '. mulieres vero: Differenzierung nach dem
Geschlecht wie 116,7 und 8 sowie 1110,27. steriles: So auch 116,8 für
Vi 26°. Die Jungfrau gehört zu den 'unfruchtbaren' Tierkreiszeichen (στειρώδη):
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 1 5 6 - 1 6 4 und 4 9 9 - 5 0 2 . Ähnliche Pro-
gnosen bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 185 2 . crissatrices: Zu der Konjek-
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6. Virgo 125

tur von F. Cumont, L'Egypte (1937), 16' (statt trìssatrices) vgl. LH 32 p. 96,26
crissatrix sive fricatrix. Zur Prognose vgl. II 6,8 meretrices und F. Cumont, ibid.,
180 'und 182'.
5. horoscopus: Wie II 1,9 (s.d.). Hier der griechische Terminus, weil ascen-
dere für den Mond gebraucht, wird. Luna ascendente septentrionalia vel
meridionalia: Singulare Einbeziehung des auf- und absteigenden Mondknotens,
anders II 6,3 in quinto [...] cum Luna ascenderli, vgl. II 6,9 Luna exsistente sep-
tentrionali bei Vi 27°, d. h. der Mond befindet sich nördlich der Ekliptik.
Luna: Wird unter den Einzelgraden der Jungfrau dreimal genannt, s. zu II 6,3.
vendentes eqs.: Paßt besser zu einem tropischen Tierkreiszeichen, vgl. zu II 1,9
negotiatores. [super iudiciis statutos et timentes deum]: Diese Angabe
paßt schlecht zum Vorangehenden, darum überliefert F wohl das Richtige, wenn
er sie dem folgenden Einzelgrad Vi 21° zuweist.
6. (super iudiciis statutos et timentes deum): In F an das in H folgende
Wetternotat IV 6,3 angeschlossen: Ii 21 degret est austraus et fait estatus sur ju-
gemens et cremir dieu. S. Feraboli, Ricerche (1989), 233 vergleicht Firm. math.
8,24,5 schon für Vi 12°: his frequenter populorum iudicia credentur.
7. pluribus communes: Fehlt in F an dieser Stelle, statt dessen — auf Frauen
bezogen — II 6,8 für Vi 26° (bei ihm 27°) communes = LH meretrices, vgl. oben
II 6,4 für Vi 16°. Die Jungfrau gehört zum Quadrat der 'gemeinschaftlichen' Tier-
kreiszeichen : W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 188 f., vgl. zu II 6,3 in pluri-
bus (locis), ferner unter dem Schützen zu 119,6 cum pluribus se miscentes.
venereos: S. Feraboli, Ricerche (1989), 233 vergleicht Firm. math. 8,24,6 schon
für Vi 15°: qui virginum concubitus saepe sectentur. a mulieribus amatos:
S. Feraboli (a. 0 . ) vergleicht weiter Firm. math. 8,24,7 schon für Vi 18°: qui a
mulieribus amentur semper. mulierum procuratores : Vgl. F. Cumont,
L'Egypte (1937), 59 :i und die Prognose für den Venusbezirk V 11,2 procuratores
magnarum mulierum. mulieres vero: Hier werden deutlich männliche und
weibliche Geburt getrennt, vgl. zu II 6,4. F stellt die Frauen voran und be-
schränkt sich beim nächsten Einzelgrad II 6,8 ganz auf Frauen.
8. vicesimus sextus: F überliefert 27, so wie er das Teukros-Paranatellon
I 6,8 Pluto nicht bis Vi 26°, sondern bis Vi 27° reichen läßt: In beiden Fällen
wird also die Einzelgradprognose für den letzten Grad des Pluto-Bezirks gege-
ben. Es zeigt sich erneut, wie eng die Systeme I und II zusammengehören. F be-
tont dann, daß das folgende Teukros-Paranatellon I 6,9 Bucephalus bei ihm mit
dem zuletzt genannten Einzelgrad beginnt: d'iceli 27 degret eqs. Da bei Teu-
kros II der sich anschließende Bezirk I 6,9 mit Vi 27° beginnt und II 6,9 noch
einmal Vi 27° berücksichtigt wird, dürfte die Lesart vicesimus sextus die richtige
sein. steriles: Wird doppelt genannt, so als ob diese Prognose zunächst für
Männer gelten könnte. Sinnvoller ist der Text in F, der sich nur auf Frauen be-
schränkt, vgl. im übrigen zu II 6,4 mulieres ... steriles für Vi 16°. filios sup-
ponentes: Auch das dürfte sich nur auf Frauen beziehen. mulieres vero:
Macht hier keinen Sinn (s. o.), vielleicht nur eine mechanische Wiederholung
von 116,7, s.d. meretrices: Vgl. beim vorangehenden Grad 116,7 pluribus
communes eqs., F übersetzt hier communes. — Etwa Gedrittschein zu II 10,27
meretrices, s. o.
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126 II. Einzelgrade

9. vicesimus septimus gradus: Folgt im Gesamttext erst nach dem Einzel-


grad Vi 28°, der aber nach einem anderen System durch ein Wetternotat besetzt
ist und mit dem vorausgehenden Teukros-Paranatellon I 6,9 Bucephalus durch
die Prognose verklammert ist. Luna: Erscheint bei drei Einzelgraden der
Jungfrau, s. zu II 6,3. exsistente septentrionali: Vgl. zu II 6,5 Luna ascen-
dente septentrìonalia. magnos: So richtig W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 228, dagegen versehentlich magos in der Edition, daher hat F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 1224 und 1291 diese Stelle zu Recht nicht berücksichtigt
(falsch jedoch 170'). immerhin erwähnt auch Ptol. apotel. 4,4,10 u.a. auch
Mond und Jungfrau für diese Prognose, Rhet. C p. 145,5 u. a. den Mond. Das
Wort magnos bezieht sich hier wohl neben potentes auf politische Macht wie
II 6,3 (ebenfalls durch Luna determiniert), s. d. agrícolas: Kaum eine Wir-
kung des Bucephalus, der in L mit dem Pflüger verbunden wird, vgl. zu 112,11
und 12,1. vitam habentes de ( . . . ) : Hier ist etwas ausgefallen, ähnliche
Stellen s. zu 112,11 et abinde vitam habent. finarrizatores: F. Cumont
konjiziert vindemiatores, wohl im Hinblick auf den Stern ε VIR, Vindemiatrix,
vgl. A. Le Rceuffle, Les noms (1977), 166f., doch dieser Stern geht nach Ptol.
synt. 7,5 p. 102,15 schon mit Vi 12°10' auf. campsores: "Wechsler", can-
geurs F, vgl. Du Cange s. v. cambiare.

7. Libra

1. sextus decimus: Es handelt sich um den ersten Grad des im Gesamttext un-
mittelbar vorausgehenden Teukros-Paranatellons (I 7,6) Tres Heroes. Die ge-
samte erste Hälfte der Waage bleibt also unberücksichtigt. advocates: Ist
sonst eine Wirkung hauptsächlich Merkurs: Firm. math. 3,5,25. 3,7,1. 3,9,1.
4,19,26. farmaciatores : Das Wort fehlt in den Lexika ebenso wie das von
W. Gundel gelesene farmacatores sowie I 5,4a farmachiarii. praecantato-
res: Erscheint an den im ThLL angegebenen Stellen häufig neben haruspices,
divinatores sim., vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 125'. medicos: Gehört
über die praecantatores hinweg zu den farmaciatores, vgl. I 5,4a medici vel far-
machiarii, Neben advocati auch bei Firm. math. 8,26,12 für Sc 26°. astrólo-
gos: Hier allein, vgl. zu V6,l astrologi, astronomi. Firm. math. 8,25,10 erwähnt
Astrologen unter Li 30° mit Bootes. sedentes vel alloquentes: Anders F
presidens, und zwar deutlich von den Astrologen getrennt. Die Waage gehört zu
den 'sitzenden' Tierkreiszeichen: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 116f.
Ders., Manilius (1984), 163-165.
2. vicesimus secundus: Dieser Grad liegt ausnahmsweise noch vor dem An-
fangsgrad des zuvor genannten Teukros-Paranatellons 17,8 Vulcanus bei
Li 23°—24° (nicht in L). in horoscopo: Eindeutig substantivisch nur hier
und VI 7,3, vgl. II 5,9, ferner zu II 1,9 und II 2,1. semet ipsos suspendent:
Erinnert an die Engonasin-Prognose bei Manil. 5,655 et praeceps pendens popu-
lum suspendet ab ipso, zum Text W. Hübner, Manilius (1984), 194203.
3. vicesimus quartus gradus: Ist der letzte Grad des Teukros-Paranatellons
I 7,8 Vulcanus. instabiles: Paßt zur Waage als tropischem Tierkreiszeichen,
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7. Libra 127

vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 7 4 - 8 1 und 225 f., die Prognose wird
noch passender im nächsten Lemma II 7,4 für Li 26°.27° wiederholt. in re-
bus publicis morientes: Auch das wird im nächsten Lemma wiederholt (II 7,4):
qui in rebus publicis moriuntur, daher ist morientes nicht etwa in morantes zu
ändern. Nach lui. CCAG V 1 (1904), p. 187 gehören alle tropischen Tierkreiszei-
chen zu den πράγματα δημόσια: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 225,
vgl. auch Ptol. apotel. 2,8,11.
4. in istis duobus gradibus: Angeschlossen an die Einzelsterne VII 7,7
αμ LIB, aber wohl von diesen zu trennen. instabiles: Wiederholt von II 7,3
für Li 24°, also einzelgradübergreifend. Kaum wegen des Schwankens der Waag-
schalen, sondern weil die Waage ein tropisches Tierkreiszeichen ist, s. o. zu II 7,3
für Li 24°. Geviertschein zum Saturnbezirk V 4,5 unter dem ebenfalls tropischen
Krebs (Can 27°—30o): instabilissimi. Vielleicht gehört hierher auch die Prognose
in L τροπή für den im Schiff stehenden Kentauren (I 7,10) am Ende der Waage,
die suo loco ohne Entsprechung ist. Gegensatz ist die Prognose des Teukros-Par-
anatellons I 8,7 Crater: viros stabiles unter dem Skorpion im 'festen' Quadrat,
in rebus publicis moriuntur: Wiederholung von II 7,3 in rebus publicis mo-
rientes für Li 24°, somit übergreift auch diese Prognose die Einzelgrade.

8. Scorpius

1. quartus gradus: Der letzte Grad des Teukros-Paranatellons 18,1 Hippocen-


taurus. [est australis]: Eingeschaltetes Wetternotat IV 8,1. expertos:
Dieselbe Prognose II 10,8 für Cap 7°.8°: etwa Sextilschein.
2. sextus et septimus: Voraus geht Sc 4°, es folgt noch einmal Sc 7°, also in
quintus et sextus zu berichtigen? Auf der anderen Seite sind Sc 6°.7° die beiden
letzten Grade des Teukros-Paranatellons I 8,2 Uranoscopus und des Marsbezirks
V8,l. horoscopi: Adjektivisch wie 112,1, s.d. igne destruuntur vel
ferro: Die Alternative erinnert an die Alternative II 8,6 für Sc 15°. 16°: destruen-
tur fraudulenter occisi vel comburentur, s. d. Hier wirkt vielleicht auch der Mars-
bezirk V8,l bei Sc Io—7°, vgl. von Ta 30°, dem letzten Grad des Marsbezirks
V 2,5 (II 2,16): ab igne et ferro.
3. septimus gradus: Ist schon einmal besetzt (s. o.), der letzte Grad des Teu-
kros-Paranatellons I 8,2 Uranoscopus. in exercitu potestatem militarem
habentes: Paßt zu dem im Gesamttext sogleich folgenden Marsbezirk V 8,1, der
mit eben diesem Grad Sc 7° endet. Vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 41 f.
4. octavus gradus: Eingeschaltet in diese Einzelgradprognose ist das Wetter-
notat IV 8,2. Es handelt sich um den ersten Grad des Teukros-Paranatellons I 8,3
Ophiuchus. magnates: Dieselbe Prognose 118,6 für Sc 15°. 16°: viros mag-
nates, ferner für Ar 8°, s. zu II 1,4.
5. secundum (Dorotheum): Ergänzt nach F selonc Dorothee, vgl. II 4,7. Ge-
hört nicht mehr zu dem Lemma II 8,4, so richtig D. Pingree, Dor. p. 378 nach
Dor.A 4,1,109 (augenschädigend): "the face of the scorpion and its eyes in eight
degrees and nine degrees and ten degrees of Scorpio" (die Korrektur erscheint
noch nicht in frg. 117b bei Stegemann). Entsprechend muß auch das folgende se-
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128 II. Einzelgrade

cundum Ptolomaeum von diesem Lemma zum ersten Einzelstern des Skorpions
VII 8,1 gezogen werden. octavus, nonus et decimus gradii s : Drei einzelne
Grade wie bei Dor. a. 0 . Sie werden hier ebenso durch den Mond modifiziert
wie II 6,3 unter der Jungfrau die zahlenmäßig vorausgehenden Grade Vi 5°.6°.7°,
also auch dort nach Dorotheos? Vgl. ferner im System der Gradbezirke VI 8,2:
Luna in den drei Graden Sc 13°. 14°. 15°. Im übrigen Gedrittschein zur augen-
schädigenden Nubecula bei Can 9° (114,7): ebenfalls nach Dor. nocivi:
Ebenso II 11,4 nocivus, vgl. frz. nocif, anders II 9,1. II 9,4. II 10,25 nocitivus, vgl.
im folgenden Lemma VII 8,1 locus est nocitivus. Die volle Form nocitivus gehört
eher zu den Einzelsternen, die kontrahierte eher zu den Einzelgradprognosen.
Das Wort bezeichnet terminologisch einen Augenschaden wie laedere mit Ablei-
tungen. Zum augenschädigenden Skorpion W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 193—196. Luna: Ist auch sonst für den Körper und 114,2 beson-
ders für Augenschaden verantwortlich, s. d. cum Saturno vel Marte: Die-
selben Planeten bestimmen VII 8,1 das Temperament der Stirn des Skorpions
(βδπ SCO). laesiones circa corpus: Dürfte trotz des allgemeinen Aus-
drucks wie nocivi auf den Augenschaden gehen, vgl. II 4,7 oculos laesos u. ö.
[secundum Ptolomaeum]: Gehört nicht mehr zu diesem Lemma, sondern zu
VII 8,1, s.d.
6. viros magnates: Dieselbe Prognose II 8,4 für Sc 8°: magnates. poten-
tes eqs.: Fast wortgleich die Prognose II 2,9 an der diametral gegenüberliegen-
den Stelle bei Ta 15°: potentes tarnen, per multam regionem peregrinantes et
barbaras gentes subiugantes. violenta vero morte intereunt fraudulenter inter-
fecti vel combusti. Dort wird die Opposition von Aldebaran und Antares hervor-
gehoben und die Position von Antares bei Sc 15° antizipiert: stellae Antaris sitae
in quinto decimo gradu Scorpionis (VII 8,3). per plures regiones peregri-
nantes: Gegen die 'feste' Natur von Stier und Skorpion: W. Hübner, Die Eigen-
schaften (1982), 74—81. violenta vero morte destruentur: Vgl. zu 112,3
patientes mortem violentam. fraudulenter occisi vel comburentur: Vgl.
außer II 2,9 auch II 8,2 für Sc 6°.7°: igne destruuntur vel ferro. fraudulen-
ter: Paßt eher hierher zum Skorpion als zum Stier: W. Hübner, Die Eigenschaf-
ten (1982), 220f. [sunt gradus australes]: Könnte sich weiter auf Antares
beziehen, vgl. das Wetternotat IV 8,4.
7. [in vicésimo quarto gradu eqs.]: Die Prognose ist angeschlossen an den
Einzelstern VII 8,4 α HER, dessen Position bei Sc 24°6' in S c 2 1 ° 6 ' berichtigt
werden muß. Vielleicht ist der dort falsche Grad Sc 24° hier der richtige,
monoculos: Diese Prognose wird sonst beim Schützen angegeben: W. Hübner,
Die Eigenschaften (1982), 478f. und 584 zu Manil. 4,565. patientes violen-
tam mortem: So schon 118,6 für Sc 15°.16°, vgl. zu II 2,3.
8. modestos: Diese Angabe wiederholt die Prognose des Mischkrugs I 8,7 bei
Sc 24°—25°. Sie bildet einen Gegensatz zu dem — wohl falschen — Namen In-
temperantia für den Jupiterbezirk V 8,4. sine filiis : Paßt nicht zum Skor-
pion, der als fruchtbares Tierkreiszeichen gilt: W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 1 5 6 - 1 6 4 und 4 9 9 - 5 0 2 .

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9. Sagittarius 129

9. Sagittarius

1. secundum Ptolomaeum: Gehört primär zu VII 9,1, hierher höchstens wegen


der Prognose. gradus est: Wie II 9,5 für Sa 18°. 19°, vgl. zu II 1,5. noci-
tivus: Augenschaden wie II 9,4: Die volle Form des Wortes gehört eher zu den
Einzelsternen, s. o. zu II 8,5 nocivi.
2. horoscopi: Adjektivisch wie 112,1, s.d. crepatos: Du Cange "ruptus
hernia." epilempticos : Nach Ptol. apotel. 3,13,8 (p. 153; = Heph. 2,13,21,
vgl. Rhet. C p. 188,4) verursachen Schütze und Zwillinge Epilepsie, vgl. LH 26
p. 74,18 (u.a. Zwillinge) und 29 p.85,14 (u.a. Schütze), ferner 36 p. 110,30 in
bicorporibus vero et firmis (Firm. math. 7,23,29 nur von den solida), dazu F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 168" und W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 193.
3. septimus decimus gradus: Opposition zu II 3,2, s. u. certatores coro-
natos: Ist vielleicht eine Prognose für das Teukros-Paranatellon I 9,6 Meridiona-
lis Corona bei Sa 21°—23°: W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 209.
Eine ähnliche gradmäßige Differenz tritt an der gegenüberliegenden Stelle auf:
Fast eine Opposition bildet unter den Zwillingen II 3,5 luctatores coronatos bei
Ge 25°. F überliefert die Prognose conbateurs auch II 3,3 für Ge 17° (fehlt in H):
Das ist genau der gegenüberliegende Grad. Die ptolemäische Länge von β CRA,
die S. Feraboli, Ricerche (1989), 226 und 238 ins Spiel bringt, scheidet mit Si-
cherheit aus. Vgl. im übrigen die Prognose (116,1) certantes coronabuntur für
Vi 1°.2°. certatores: Übersetzt vielleicht άθλητάς, vgl. Firm. math. 8,27,5
(zu Sa 17°): athletae, ferner F. Cumont, L'Egypte (1937), 77'. coronatos:
Von W. Gundel, Paranatellonta (1949), 1248,1 ohne Plausibilität auf das "könig-
liche Gesicht" des Schützen (vgl. zu I 9,2 tamquam regina) bezogen.
4. octavus et nonus decimus gradus: Da diese Gradangabe der bei Ptol.
synt. 8,1 p. 112,17 mit Regeldifferenz von + 3 ° 2 6 ' entspricht, gehört sie zumin-
dest auch zu den Einzelsternen, s. zu VII 9,2. gradus est: Wie 119,1 für
Sa8°, vgl. zu II 1,5. nocitivus: Wie 119,1, s.d. Vgl. S. Feraboli, Ricerche
(1989), 238. [facit domatores eqs.]: Gehört über das Auge des Schützen
hinweg zu den Teukros-Paranatellonten I 9,4 Chiro und Avis.
5. vicesimus quintus: F liest 24 und bietet damit vielleicht das Richtige: Er-
stens hat F auch beim vorangehenden Teukros-Paranatellon I 9,7 das Richtige,
und zweitens betrifft auch eine ähnliche Prognose bei Firmicus den Einzelgrad
Sa 24°: s.u. equorum persecutores vel equorum cursores: Wohl eine
Wirkung des Pferdeleibes des Schützen selbst, vgl. Firm. math. 8,27,8 für Sa 24°:
equorum domitor, ferner 8,27,7 für Sa 22°: quibus peditum equitumque commit-
tantur exercitus, bzw. 8,31,7 zu schwer identifizierbaren Sternen ebendort: ducet
exercitum peditum atque equitum. Das folgende Imperium navale geht wohl auf
19,6 Navis bei Sa 2 I o —23° zurück, s.d.
6. a vicésimo octavo gradu usque ad tricesimum: Bezieht sich in erster Li-
nie auf den um,òrosi-Bezirk III 9,6, an den diese Einzelgradprognose angeschlos-
sen ist. libidinosos eqs.: S. Feraboli, Ricerche (1989), 226 vergleicht die
Einzelgradprognose Firm. math. 8,27,9 für Sa 26°: erunt vitiorum contagione
polluti, mulieres vero viragines meretrices eqs. Nach Rhet. C p. 195,22 sind die
Schlußgrade aller drei Tierkreiszeichen des ersten Dreiecks μαλακοποιοί. Unter
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130 II. Einzelgrade

dem Löwen sind diese Schlußgrade II 5,11 mit dem Marsbezirk V 5,5 verquickt;
hier folgt der Marsbezirk V 9 , 5 bei Sa 2 7 ° - 3 0 ° . adúlteros: Wie 114,7 für
Can 9°, s. d. cum pluribus se miscentes: Der Schütze gehört zum Quadrat
der 'gemeinschaftlichen' Zeichen: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 188f.,
vgl. unter der Jungfrau zu II 6,7 pluribus communes.

10. Capricornus

Für den Steinbock bietet der LH extrem viele Einzelgradprognosen. Mehrere


Grade sind doppelt besetzt, es fehlen Prognosen nur für Cap 22° und 30°.
1. primus gradus: Der Gesamttext bietet eine ununterbrochene Folge von
sechs Einzelgradprognosen von Cap I o bis 6°. glutones: Dieselbe Prognose
fast genau diametral gegenüber (I 3,12) für Delphin und Satyr bei Ge 29°—30°
(Satirus erscheint hier kurz darauf I 10,2 bei Cap 4°—7°). W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 224 vergleicht die Wirkung des ακέφαλος (viel-
leicht = I 10,2 Satirus abscondens totam faciem suam) bei Clem. Alex. Paed.
2,2 p. 69 S. τους όψοφάγους καί ηδονικούς και τους έτοιμους εις μέθην,
doch die Übereinstimmungen sind nur vage, um so mehr die anderen von Gun-
del beigezogenen Parallelen. Am nächsten kommt die Prognose II 10,17 für
Cap 15°. 16°: voraces, ebrios. Die Opposition dieser Prognose am Anfang von
Krebs und Steinbock hat vielleicht ihren Grund im extremen Ungleichgewicht
von Tag und Nacht, vgl. W. Hübner, Das Horoskop (1975), 133 zu Zeno 1,38 L.
cum cinaedis semper conversationem habentes : Der Steinbock hat nach dem
Widder die meisten Unkeuschheitsprognosen: hier für Cap I o , II 10,6 für Cap 6°
(os), II 10,13 für Cap 11°.12°, II 10,16 für Cap 15° und II 10,24 für Cap 26°. Nur
Cap 11 12° haben ihre Entsprechung bei Ant., den Rhet. C p. 195,19 zitiert, und
Anon. a. 379 CCAG V 1 (1904), p. 206,19, der letztgenannte präzisiert: προσώ-
που ήτοι ρύγχους (nur das πρόσωπον ohne Gradangabe nennt Ptol. apotel.
4,5,15 = Heph. 2,21,18). Auch der Venusbezirk V 10,3 bei Cap 1 5 ° - 2 2 ° produ-
ziert lascivitates et libidinosos. Zur Lüsternheit des Steinbocks überhaupt Ptol.
apotel. 2,3,28 άκάθαρτον, LH 18 p. 45,4 impudico (vgl. Firm. math. 3,16,5 und
Rhet. C p. 160,11) und W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 215f. sem-
per: Wie II 2,15, s.d.
2. saltatores: Vgl. Manil. 5,323 vom Haedus-Abkömmling bei der Waage:
mobilis in saltus, Firm. math. 8,12,3 nennt genau die Mitte der Waage (Li 15°):
aptus ad saltandum. Von dort aus gibt es Beziehungen zum Anfang des Stein-
bocks: W. Hübner, Manilius (1984), 187—193. Weitere Tänzer-Prognosen bei
F. Cumont, L'Egypte (193 7), 84 3 . et in huiusmodi ( . . . ) fréquentantes:
Anders, aber ebenso unklar F et apertises.
3. tertius gradus facit mimos: Fehlt in F, nicht jedoch die sich anschlie-
ßende Differenzierung durch die Planeten. mimos : Wie I 3,5 scenicos, mi-
mos, ioculatores für Schiff und Krone bei Ge 1 I o —12°, ferner Firm. math. 8,12,3
(Haedus bei Li 15°: s.o.): aptus ad saltandum et scaenicas artes, im Geviert-
schein dazu Manil. 5,478f. (Kepheus beim Steinbock, nach Firm. math. 8,15,4
bei Cap 15°): interpres [P.Thomas hestemis trad, extemis Cus. Housman] ta-
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10. Capricornus 131

men aptus erìt, nunc voce poetis, \ nunc tacito gestu eqs., dazu W. Hübner, Die
Eigenschaften (1982), 606f. und Ders., Manilius (1984), 1 8 7 - 1 9 0 unter Beru-
fung auf Rhet. C p. 217,7 (Merkur und Venus) μίμους ή πολιτικούς ποιοϋσιν,
μάλιστα έν Αίγοκέρωτι δια τό παρανατέλλειν τον Πίθηκα (vgl. zu 110,9
Binomio). Weiter hinten im Steinbock, für Cap 26°, erwähnt Firm. math. 8,28,11
die Prognose erìt pantomimus. Weitere Stellen bei F. Cumont, L'Egypte (1937),
82'. Mars et Luna: Dieselben Planeten modifizieren an der etwa gegen-
überliegenden Stelle die Prognose für II 4,2 Nubecula bei Can 4°—7°, s. d.
in desertis: Vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 57. nutrient iumenta: Die-
selbe Prognose II 1,15 für Ar 25° (s.d.), II 2,1 für Ta 3°.4° (Gedrittschein) und
II 2,3 für Ta 6°.7°. faciunt violentam mortem: Vgl. zu II 2,3 patientes mor-
tem violentam bei Ta 6°.7°, wo diese Prognose ebenfalls auf das Ernähren von
iumenta folgt: etwa Gedrittschein. Anders II 1,3 (sc. homines) violentam mortem
facientes.
4. quartus gradus: Die Einzelgrade Cap 4°, Cap 5°, Cap 6° erscheinen vor
dem Teukros-Paranatellon I 10,2 bei Cap 4°—7°, der Einzelgrad Cap 7° erst da-
nach. ratio{ci)natorem: Vgl. I 11,2 va(ti)cinatores. innubentem: Die
Prognose für eine Frau paßt zu der geraden Gradzahl wie umgekehrt II 10,7 in-
uxoratos die Prognose für einen Mann zur ungeraden Gradzahl. Auf zwei Grade
erstreckt sich die Prognose innubentes für das Teukros-Paranatellon I 10,6 Co-
lumba sine capite bei Cap 18°—19°. Im übrigen gehört der Steinbock nach der
Mehrzahl der Quellen zu den unfruchtbaren Tierkreiszeichen: W. Hübner, Die
Eigenschaften (1982), 156—164. amatorem fraudium: Der Steinbock ge-
hört zu den täuschenden Tierkreiszeichen: Ibid. 220f.
5. timentes daemones: Möglicherweise Einfluß des Teukros-Paranatellons
(I 10,2) Satirus = Δαίμων bei Cap4°—7°. inutiles, zelatores: W. Gundel
interpungiert weder vor noch nach inutiles, F verbindet die beiden Wörter: ia-
lous sans pourfit.
6. sextus gradus: Der Geviertschein zum Nodus Piscium (II 1,3 und VII 1,2)
bei Ar 6° beruht wohl nur auf Zufall. gradus est: Vgl. zu II 1,5. parva
Lyra: Uberliefert ist pars Lyrae, vgl. unter den Teukros-Paranatellonten zu I 4,9
posteriores partes Ursae, anders 11,12 pars Pegasi und I 3,11 pars Heniochi. Hier
besteht kein Gegensatz zu VII 9,5 tota Lyra [Fortuna trad.], denn jene Angabe
gehört dem System der Einzelsterne an und bildet dort einen eigenen Gegensatz
zu VII 9,4 stella splendida Lyrae. Da zudem gerade bei dem kleinen Sternbild
der Leier (vgl. zu VII 9,5) die Angabe eines Teilaufgangs wenig Sinn hat, ist wohl
zu ändern in parva Lyra nach Arat. 268 χέλυς όλίγη, vgl. I 6,3 (Musa) deferens
parvam lyram und F. Boll, Sphaera (1903), 105 und 273 f. zur μικρά Αύρα des
Teukros. Das hier zusammen mit II 10,9 Telum bei Cap 7°—14° gegenüber dem
System des Teukros II überschießende Sternbilderpaar geht wohl auf ein Kon-
kurrenzsystem zurück, das auch in anderen Quellen faßbar ist. Der LH nennt die
Lyra noch einmal I 10,9 bei Cap 24°—25° (zum verdorbenen Text s. d.). Im hin-
teren Teil des Steinbocks, nämlich als drittes von vier Paranatellonten, nennt
sie — als Fides — ohne Gradangabe auch Manil. 5,409—415, während sie Firm,
math. 8,15,3 — als Lyra — schon früher bei Cap 10° ansiedelt. Die doppelte Nen-
nung der Lyra im LH folgt also aus der Divergenz zweier Systeme, die die Leier
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132 II. Einzelgrade

entweder am Anfang des Steinbocks in der Nähe der Wintersonnenwende oder


gegen Ende des Steinbocks bei dem Fischschwanz ansiedelten. Beide Positionen
spielen auch in der Deutung eine Rolle, s. u. — Zur παλίντροπος άρμονίη von
Lyra und Telum W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 571 und 574 und Ders.,
Manilius (1984), 181 und 184f. os Capricorni: Hier erscheint ein Teil des
Steinbocks selbst wie II 10,25 bei dem für die Grade Cap 27 o —29° zu ergänzen-
den Dorn, vgl. oben Tab. 16. Ptol. synt. 8,1 p. 116,10 siedelt die drei Sterne έν τ ω
ρύγχει (οπρ CAP) bei Cap8°40'—9° an, die Regeldifferenz von +3°26' ergäbe
die Längen 12°6'—12°26', und das entspricht etwa den Angaben des Anon.
a. 379 CCAG V 1 (1904), p. 206,19 und bei Rhet. C p. 195,19: Cap 11°.12°. Die
ungefähren Längen des Ptolemaeus selbst übernimmt Firm. math. 8,4,10: in ore
bei Cap 8°—10°. An derselben Stelle, bei Cap 10°, siedelt Firm. math. 8,15,3 im
Gegensatz zu Manilius die hier im LH mit dem os Capricorni gepaarte Lyra an
(vgl. Firm. math. 7,25,14 in facie Capricorni, ferner 7,25,19), ein erneuter Beweis
dafür, daß der LH hier einer abweichenden Quelle folgt. Einen Grad früher er-
scheint unter dem Widder II 1,5 das os Arietis bei Ar 9°, das somit etwa einen
Geviertschein zur Position des os Capricorni bei Firmicus bildet. Doch der LH
verlegt das Maul des Steinbocks noch weiter nach vorn an die Stelle Cap 6°, wozu
nur Rhet. Β p. 209,10 ρίν bei Cap 4 o —7 o (das ist der Bezirk der Teukros-Parana-
tellonten I 10,2 Nereis et Corvus et Satirus) zu vergleichen ist. Der Grund ist
wohl wieder einmal ein spekulativer: Es ergibt sich eine Opposition zu den bei-
den Aselli bei Can 6°—7°, und dieser Opposition entspricht die Ähnlichkeit der
Katasterismen der beiden Esel und des Aigipan, s. u. So wie hier die parva Lyra
denselben Grad besetzt, so folgt sie dort unmittelbar (I 4,4), wobei der falsche
Gradbezirk Can 7°—8° (statt Can 8°—10°) der Verwirrung unter den hiesigen Ein-
zelgraden genau entspricht, vgl. zu II 10,8 septimus et octavus. Auch das läßt auf
eine bewußte Oppositionsbildung schließen. fornicatores et fornicatrices
turpia facientes: Eine Prognose für das Maul des Steinbocks, von dem es bei
Firm. math. 8,4,10 (bei Cap8°—10° unter zusätzlichem Einfluß des Mondes)
heißt: impuros ore viros faciei, muliebrium libidinum labe pollutos, und dann
folgt auch dort eine gesonderte Prognose für Frauen: omni erunt impudicae im-
puritatis vitio possessae. S. Feraboli, Ricerche (1989), 227 vergleicht ferner die
Einzelgradprognose Firm. math. 8,28,2 für Cap 5°: erunt turpes, impuri, ad omne
vitium libidinis applicati und dann (S. 234) auch Firm. math. 8,27,8f. schon für
Sa 25°: mulieres vero fient meretrices sowie für Sa 26°: mulieres vero viragines
meretrices eqs. Ptol. apotel. 4,5,13/15 = Heph. 2,21,18 macht hierfür das
π ρ ό σ ω π ο ν verantwortlich, danach Anon. a. 379 CCAG V 1 (1904), p. 206,19 τοϋ
π ρ ο σ ώ π ο υ ήτοι ρύγχους, ferner Firm. math. 7,25,14 in facie Capricorni und
schon Manil. 4,258 pars prior at Veneri mixto cum crimine servit. Über die Un-
reinheit des Steinbocks überhaupt vgl. oben zu II 10,1 cinaedis. tubatores
vel tibicines vel citharoedos: S. Feraboli, Ricerche (1989), 227 vergleicht die
Einzelgradprognose Firm. math. 8,29,2 für Cap 4 o : músicos und denkt an das
Paranatellon Αύρα. Man ist zunächst versucht, die Tuba- und Flötenspieler dem
zuletzt genannten os Capricorni zuzuweisen, dem ja auch die vorangehende Pro-
gnose gehört, und die Kitharöden der Lyra, doch sind die beiden Prognosen nicht
so leicht zu trennen. Die kleine Leier gehört zur musizierenden Muse (vgl. zu

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10. Capricornus 133

16,3 (Musa) deferens parvam lyrarn), und diese flötet auch: Kam. 529 (zu
Can I) Μ ο ΰ σ α συραυλίζουσα = Kam. 938 (zu Li I: Geviertschein), vgl. Abu M.
introd. 6,1 p. 507 Boll (zu Can I) "der die Leier ... spielt und flötet", p. 515 (zu
Vi II) "er spielt die Leier und flötet" und p. 517 (zu Li I) "er ... spielt die Leier
..., singt und flötet." Auch Manil. 5,329—331 läßt unter der Leier Spieler sowohl
von Saiten- als auch von Blasinstrumenten geboren werden. Somit könnte auch
die Prognose tibicines auf die Leier zurückgehen. Auf der anderen Seite scheint
mindestens die Prognose tubatores zum Maul des Steinbocks zu gehören, denn
nach Ps.Eratosth. catast. 27 ist der Steinbock als Aigipan der Erfinder einer Mu-
schel (κόχλος), mit deren Trompetenlaut (ήχος Πανικός) Jupiter die Titanen in
die Flucht gejagt hat. Hygin erzählt die Geschichte suo loco (astr. 2,28) zwar
nicht, erwähnt sie aber an der diametral gegenüberliegenden Stelle, wo von dem
Laut der Esel die Rede ist, der die Giganten in die Flucht jagte (astr. 2,23,3):
huius similis est historia de bucina Tritonis eqs. Da der LH nach Teukros (I 4,3)
die Aselli an der gegenüberliegenden Stelle bei Can 6°—7° ansiedelt, liegen die
Sternbilder der beiden von Hygin verglichenen eratosthenischen Katasterismen
einander genau gegenüber, und zwar an den bedeutungsvollen Stellen jeweils di-
rekt vor der Sonnenwende. Wegen des Trompetengeräusches des Aigipan dürfte
die Prognose tubatores (und wohl auch die folgende Prognose tibicines) zumin-
dest auch von dem os Capricorni ausgehen. An der gegenüberliegenden Stelle
findet sich allerdings keine entsprechende akustische Prognose. — Bei Ps.Erato-
sthenes heißt es dann weiter: δια δέ το τον κόχλον έν τη θ α λ ά σ σ η εύρεϊν πα-
ράσημον εχει ιχθύος ούράν (vgl. Hyg. astr. 2,28). Während also der LH die
Prognose mit dem Maul des Steinbocks begründet, denkt Eratosthenes an den
Fischschwanz. Mit dieser Divergenz mag auch die verschiedene Position der klei-
nen Leier (s. o.) zusammenhängen. Ob das Maul des Steinbocks aufgrund dieser
Zusammenhänge mit der kleinen Leier zu identifizieren ist, kann nicht entschie-
den werden. tubatores vel tibicines: Die Bläser gehören zum Bereich des
ήμίφωνον wie der Steinbock selbst: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982),
165—168 und Ders., Varros instrumentum vocale (1984), 25 f. Hyg. astr. 2,23,3
verwendet im Zusammenhang mit der Aigipan-Sage das für diesen Bereich typi-
sche Wort mugitus, vgl. Maneth. 5,162 μυκήματα. tubatores: Entspricht
dem griechischen σαλπιγκτής: F. Cumont, L'Egypte (1937), 83 1 . tibicines:
Entspricht dem griechischen αύλητής: F. Cumont, L'Egypte (1937), 83 2 . ci-
tharoedos : "Sänger zur Kithara", also eine Verbindung zweier akustischer Berei-
che. Das Singen sinnhaltiger Texte gehört zum Bereich des φωνήεν, das Spielen
auf einem Saiteninstrument zum Bereich des αφωνον. Wenn auch die beiden
kombinierten Bereiche nicht zum Steinbock, sondern eher zum Schützen passen,
so doch die Kombination zweier Bereiche als ganze, denn der Steinbock ist zu-
sammengesetzt aus einem Ziegenvorderteil ( = ήμίφωνον) und einem Fisch-
schwanz ( = αφωνον). Wenn Ps.Eratosthenes die Erfindung der Muscheltrom-
pete beim Fischschwanz ansiedelt, verwechselt er die Bereiche ήμίφωνον und
αφωνον. Uber ähnliche Vertauschungen an dieser Stelle W. Hübner, Die Eigen-
schaften (1982), 594 zu Manil. 5,395 alienis finibus ibit, 598 zu Manil. 5,427
vada mentitus reddet super aequora campum und 600 zu Manil. 5,443 ut liqui-
dis per humum ponuntur in undis. Zu den Kitharöden F. Cumont, L'Egypte

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134 II. Einzelgrade

(1937), 83'. — Wer diese Prognose mit der parva Lyra begründen möchte, hat
mit dem Gegensatz zwischen der kleinen Leier und der großen Kithara zu
kämpfen.
7. septimus gradus eqs.: Fehlt in F, weil im nächsten Lemma noch einmal
der Grad Cap 7° genannt wird, vgl. II 10,16. coronarum annexores: Viel-
leicht eine Wirkung der I 10,4 erst bei Cap 1 I o —14° genannten Krone. Ahnliche
Prognosen bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 94 5 . inuxoratos: Das männliche
Gegenstück bei einer ungeraden Gradzahl zu der Prognose II 10,4 innubentem
bei einer geraden, s. d.
8. septimus et octavus : Überrascht nach der regelmäßigen Serie von Einzel-
graden Cap Io—7°, den Graden des Merkurbezirks V 10,1. F läßt et octavus und
vorher das ganze Lemma II 10,7 für Cap 7° weg — vielleicht richtig, denn die
Prognosen sind ausgesprochen merkurialisch, und der im Gesamttext sogleich
folgende Merkurbezirk V 10,1 reicht nur bis Cap 7°. Auf der anderen Seite wird
II 10,10 noch einmal ausdrücklich hervorgehoben, daß auch Cap 8° dasselbe be-
wirke wie Cap 7°. Im übrigen sind die kurz vor der Sonnenwende liegenden
Grade 6° und 7° an der gegenüberliegenden Stelle offenbar falsch überliefert, vgl.
zu I 4,4 ab octavo usque ad decimum. valde expertos eqs.: Hier begegnen
eindeutig merkurialische Wirkungen. Im Gesamttext folgt zwar sogleich der Mer-
kurbezirk V 10,1, doch hat dieser seine eigenen, mit Kritod. und Kam. überein-
stimmenden Prognosen. Es handelt sich also um zwei miteinander konkurrie-
rende merkurialische Wirkungen. expertos: Dieselbe Prognose 118,1 für
Sc 4°: etwa Sextilschein. civitatum scribas: Ähnliche Prognosen bei F. Cu-
mont, L'Egypte (1937), 70 2 , besonders Rhet. C p. 157,26 (Merkureinfluß):
πόλεως γραμματείς.
9. est autem et Telum eqs.: Wirkt wie ein nachträglicher Zusatz: Eingelagert
in das Teukros-Paranatellon I 10,3 Serpens magnus, so wie die korrespondie-
rende Lyra (s. zu II 10,6) I 10,9 zusammen mit dem Serpens sine capite genannt
wird. Gemeint ist Sagitta, die in den Teukros-Texten an dieser Stelle nicht er-
scheint. Das Exc. Barocc. I p. 465,5 nennt den Όϊστός zum Krebs, L (I 12,10)
die. Τρίαινα am Ende der Fische. Die Angabe stammt aus Ptolemaeus (s. zu
VII 10,1), dennoch ist auch eine Vereinnahmung der Sagitta für Teukros an die-
ser Stelle denkbar: Über mögliche Verbindungen zum Delphin beim Wintersol-
stitium W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 401 f., vgl. auch Manil. 5,24f. ce-
lerique Sagittae \ Delphinus certans und Plin. nat. 9,20 über Delphine: acrior
telo und ut arcu missi ... emicant. est: Wie II 1,1, s.d. a séptimo
gradu usque ad quartum decimum: Wegen der Parenthese folgt die Gradan-
gabe erst nach dem Namen des Sternbildes. Der überschießende Gradbezirk
Cap 7°—14°, der mit Regeldifferenz auf Ptolemaeus zurückzugehen scheint (s. zu
VII 10,1), deckt sich nicht mit dem Bezirk Cap 8°—10°, in den er eingeschaltet
ist. Er schließt sich an den ebenfalls überschießenden Einzelgrad II 10,6 bei
Cap 6° mit parva Lyra an, vgl. dort über die παλίντροπος άρμονίη : bei Mani-
lius in der Nähe der Herbstgleiche, hier bei der Wintersonnenwende (nach dem
julianischen Kalender bei Cap 8°). Über das Auftreten des Pfeils in der Nähe der
Jahrpunkte W. Hübner, Die Paranatellonten (1975), 401 f. Im übrigen deckt sich
dieser Bezirk fast genau mit dem Jupiterbezirk V 10,2 Tenor bei Cap 8°—14°.
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10. Capricornus 135

10. octavus gradus: Dieser Grad galt seit den Babyloniern und Hipparch als
Grad der Wintersonnenwende, vgl. zu II 10,9 Telum. poetam: Diese Pro-
gnose überliefert L für das Teukros-Paranatellon I 10,11 Cygnus bei Cap 27°:
ποιητάς. Sie fehlt dort im LH — hat sie sich von dort hierher verirrt? et
quaecumque septimus gradus : Wiederholung trotz II 10,8 septimus et octavus
gradus, vgl. II 6,2. Die Trennung der beiden zusammengehörigen Grade rührt
daher, daß bei Cap 7° drei Bezirke aufhören :

III 10,1 Cap l ° - 7 ° gradus umbrosi


V 10,1 Cap l ° - 7 ° termini Mercurii
I 10,2 Cap 4 ° - 7 ° Nereis et Corvus et Satirus
Außerdem gehen die ausgesprochen merkurialischen Prognosen weiter, obgleich
auch der Merkurbezirk V 10,1 mit Cap 7° zuende ist.
11. [est humidus et frigidus]: Das Wetternotat IV 10,1. rhetorem: Ein-
fluß Jupiters, in dessen Bezirk V 10,2 (Cap 8°—14°) wir uns befinden? agri-
colam : Vgl. zu II 2,11 und I 2,1.
12. [similiter est humidus et frigidus]: Fortsetzung des Wetternotats
IV 10,1. parasitum: Vielleicht besteht eine Verbindung zur Wirkung des
Teukros-Paranatellons 110,3 Serpens magnus, das eben mit Cap 10° aufhört:
aegritudinem ex (in)satiabili(ta)te, s.d. Im übrigen vgl. zu 115,9 parasites.
13. undecimus et duodecimus gradus: Zum zweiten Mal werden zwei
Grade zusammengefaßt, die ersten beiden Grade des Teukros-Paranatellons
I 10,4 Corona. Auch der sich anschließende Einzelgrad Cap 13° wird teilweise
durch eine identische Prognose unter Einfluß der schlimmen Planeten mit hinzu-
genommen. horoscopi: Adjektivisch wie 112,1, s.d. impúdicos: So
auch Ant. bei Rhet. C p. 195,19, vgl. zu 1110,1 cinaedis. Nach Anon. a. 379
CCAG V I (1904), p. 206,19 gehört die Schnauze des Steinbocks nicht zu
Cap 6° (s. o. zu II 10,6), sondern an diese Stelle. Die ptolemaeischen Längen, ver-
mehrt um die Regeldifferenz von +3°26', geben ihm Recht. malivolus: Sc.
planeta, vgl. F mais [Mars Gundel] pianettes, synonym in der nächsten Einzel-
gradprognose 1110,14 für Cap 13° mali(g)no. In der Prognose 1110,18 für
Cap 17° werden die Namen der ungünstigen Planeten genannt: cum Saturno et
Marie. violentam mortem patientem: Ebenso für Cap 12° Firm. math.
8,28,5 biothanatus, hier unter dem Steinbock auch II 10,14 für Cap 13° und
II 10,18 für Cap 17°, vgl. ferner zu II 2,3 patientes mortem violentam. cae-
cum: Als augenschädigend gilt der Dorn (ακανθα) des Steinbocks: W. Hübner,
Die Eigenschaften (1982), 1 9 3 - 1 9 6 , dieser ist aber erst bei Cap 2 7 ° - 2 9 ° vor-
auszusetzen, vgl. zu II 10,25 = VII 10,3 nocitivi. mutilatum (cir)cum ex-
trema: Weder diese Ergänzung noch die von A. Rehm (mutilatum cum extrema
(ignominia)) findet eine Stütze in F: u affollement. Für die Beibehaltung von
mutilatum spricht die Tatsache, daß der Steinbock als 'verstümmeltes' Tierkreis-
zeichen gilt: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 1 1 1 - 1 1 4 . Rhet. Β p. 209,7
nennt speziell jene Stelle, die sonst für Augenschäden verantwortlich ist (s. o. zu
caecum): πηρώσεις δια την ακανθαν.
14. Diese Prognose ist zwar im Gesamttext von der vorherigen durch das
Wetternotat IV 10,1 getrennt, gehört aber dennoch eng mit der Prognose II 10,13
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136 II. Einzelgrade

zusammen: Nach den beiden ersten Graden des Teukros-Paranatellons I 10,4


Corona wird nun der dritte Grad durch die schlimmen Planeten modifiziert, und
zwar mit identischer Prognose. mali(g)no: Sc. planeta, vgl. F mal pianette,
dagegen II 10,13 malivolus. horoscopo: Wohl auch hier adjektivisch (vgl.
zu II 2,3) und auf gradu zu beziehen, anders Gundel: (in) horoscopo, was aber
nur selten vorkommt, vgl. zu 115,9. biothanatum: Diese umgangssprachli-
che Form statt βιαιοθάνατος bietet der LH auch c. 19 p. 46,6 (= p. 19,17 Pin-
gree) und in dem dieser Prognose gewidmeten c. 36, so auch schon Firm. math.
3,2,2 u. ö. (s. den Index IV). Im Lateinischen wird fast nur diese Form gebraucht:
ThLL II 1999,32-53 s.v.; im Griechischen Dor. 1,12,14.15 βιωθάνατον cod.,
wohl wegen des Versmaßes, kaum richtig die Ergänzung von Pingree βι(αι)θ-
θάνατον. Kritod. V2,5 (v. app. er.). Ant. CCAG VIII 3 (1912), p. 109,17 und
CCAG VIII 4 (1921), p. 199,1 (v. app. er.). Ptol. apotel. 2,9,11 p. 87,26 βιοθα-
νασίας (βίαιο- var.l. und Heph. 1,20,29). PSI 158,11 (saec. III) βιοθανασίας.
Rhet. C p. 138,10 βιοθανάτους, p. 138,25 βιοθάνατον, p. 167,18 βιοθανά-
τους, vgl. p. 121,7 βιοθανασίαν. Anon. CCAG I (1898), p. 137,14, wo der cod.
βιοθανάτους liest (vgl. p. 10). Diese Schreibweise führte später zu der Umdeu-
tung "ein totes Leben führend" als verächtliche Bezeichnung für die Heiden:
G. Polara, Biothanatus (1980), 93—99. In unserem Kapitel erscheint an dieser
Stelle zum ersten Mal das griechische Fremdwort, hier noch mit lateinischer
Übersetzung, dagegen II 10,18 nur noch griechisch biothanatos, vgl. zu II 2,3 pa-
tientes mortem violentam. i.e. violentam mortem patientem: Hier als zu-
sätzliche Übersetzung wie c. 36 tit., II 10,13 als reine Ubersetzung, vgl. LH 19
p. 46,6 (= p. 19,17 Pingree) biothanatum, i.e. facientem violentam mortem. —
Danach ergänzt Gundel (significai). Diese Ergänzung ist zwar im Gesamttext
(Z. 754) erforderlich, nicht jedoch nach Eliminierung des Wetternotats IV 10,1 :
Wie schon II 10,13 das Verbum faciunt am Ende zu ergänzen ist — weder Gun-
del noch Rehm haben dort ein Verbum ergänzt —, so ist hier eine Versparung
von facit anzunehmen, vgl. zu I 7,10.
15. venditorem: Die vorsichtige Konjektur von F. Cumont, L'Egypte (1937),
112' conditorem "Pökler" hat einiges für sich, doch läßt sich der überlieferte
Text halten, denn als tropisches Tierkreiszeichen fördert der Steinbock den Han-
del, vgl. die folgende Prognose negotiantem und W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 590 zu Manil. 4,252 mercem. S. Feraboli, Ricerche (1989), 227 ver-
gleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,28,6 für Cap 13°: de commerciis ...
habebunt vitae subsidia. carnium et aliarum rerum huiusmodi salli-
tarum: Ahnliche Prognosen bei F. Cumont, L'Egypte (1937), 112'. W. Hübner,
Die Eigenschaften (1982), 629f. zu Manil. 5,682 salinas. negotiantem: Be-
stätigt den Text am Anfang: venditorem, s. o.
16. quintus deeimus gradus eqs.: In F ausgelassen, weil sogleich noch ein-
mal eine Prognose für Cap 15°. 16° folgt, ebenso II 10,7. cinaedum eqs.:
Vgl. zu II 10,1 cinaedis.
17. cursores: F. Cumont, L'Egypte (1937), 774 gibt ähnliche Stellen an und
vermutet eine Übersetzung von gr. δρομείς, das aus δριμεΐς entstellt sei —
kaum richtig. Manil. 5,640f. meint wohl berittene Boten. voraces: Vgl. zu
II 10,1 glutones. ebrios: Vielleicht noch eine Wirkung des Teukros-Parana-
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10. Capricornus 137

tellons I 10,5 Ager, in dessen Bezirk wir sind, vgl. dort die Prognose societaiem
ebriorum. An das vorangehende Paranatellon Corona (I 10,4) denk! S. Feraboli,
Ricerche (1989), 227, s.d.
18. horoscopus: Wie II 1,9, s. d. cum Saturno et Marte: Das sind eben
die ungünstigen Planeten, die II 10,13 und II 10,14 mit dem Wort malivolus/ma-
lignus bezeichnet werden und dort ebenfalls gewaltsamen Tod verheißen. Auf
andere Weise bestimmen sie noch einmal die Prognose II 10,26 für Cap 27°.
biothanatos: Hier nur noch das griechische Fremdwort, vgl. zu II 10,14 bio-
thanatum, i. e. violentarti mortem patientem. Firm. math. 8,28,9 verwendet das
Fremdwort für den vorausgehenden Grad Cap 16°: biothanati interibunt.
19. a venenis: So auch F par venin. F. Cumonts Konjektur (L'Egypte, 1937,
111·®) a balaenis ist abwegig. Es gibt nur ein einziges, durch Konjektur herge-
stelltes Beispiel für einen giftigen Steinbock: Zeno 1,38,6 L. spumantibus
ven(en)is ebulliens: W. Hübner, Das Horoskop (1975), 133. Ders., Die Eigen-
schaften (1982), 171. — Der bei Gundel folgende Text gehört zum nächsten
Lemma.
20. nonus decimus gradus facit piscatores: "add. ultima linea folii" Gundel,
der aber übersehen hat, daß dieser Nachtrag hinter II 10,19 destruí gehört und
daß das Wort piscatores am Fuß der Seite wiederholt wird. Auch F bietet an die-
ser Stelle eine Unregelmäßigkeit, er fügt falsch hinzu: sont luisant, vgl. zu
III 10,4 lucidi. piscatores vel nautam: Ist vielleicht eine Wirkung des
Fischschwanzes am Ende des Steinbocks. Die beiden Prognosen erscheinen auch
I 4,1 für Argo und die figura Pastoris bei Can Io—2° nebeneinander, s. d.
21. a vicésimo gradu usque ad vicesimum primum: Bezieht sich in erster
Linie auf das Teukros-Paranatellon I 10,7 Mus, an dessen Prognose diese Einzel-
gradprognosen angeschlossen sind. parvi: So zu lesen, vgl. F petit (primi
Gundel). Der Steinbock ist selbst von geringer Ausdehnung: W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 103f. latrones: Vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 1353.
[gradus enim eqs.]: Angeschlossen ist der Helligkeitsbezirk III 10,5, wohl ohne
kausalen Bezug, s. d.
22. vicesimus tertius gradus: Der letzte Grad des Teukros-Paranatellons
I 10,8 Aquila. fámulos vel ministros: Klingt an die Adler-Prognose I 10,8
iuxta reges exsistentes an und gehört vielleicht dorthin, s. d. ministros : Vgl.
Firm. math. 8,28,7 für Cap 14°: ministri regum, mehr bei F. Cumont, L'Egypte
(1937), 4 6 \
23. a vicésimo quarto usque ad vicesimum quintum: Angeschlossen an die
Teukros-Paranatellonten I 10,9 Serpens und Lyra. enim: Hier funktionslos.
deieratores: Diese Prognose begegnet auch II 10,26 für Cap 27° (bezieht sich
also auf einen größeren Bezirk), ferner II 5,3 für Le 9°, s. d.
24. in vicésimo sexto gradu: Angeschlossen an das Teukros-Paranatellon
I 10,10 Ursa. cum pluribus se miscent, videlicet luxuriosi: Der Steinbock
gehört nicht zum Quadrat der 'gemeinschaftlichen', wohl aber zu den 'lüsternen'
Tierkreiszeichen, vgl. zu II 10,1 cum cinaedis. Sollte diese Prognose dennoch auf
die Bärin gehen, fände sich ein später Reflex bei Shakespeare, King Lear I 2 (Ed-
mund spricht): "my nativity was under ursa maior; so that, it follows, I am rough
and lecherous." Vgl. auch zu II 5,11 turpifici.
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138 II. Einzelgrade

25. Die Prognose zu diesem Bezirk ist auf drei Lemmata verteilt: zunächst
zweimal gleichlautend mit dem Wort laeduntur angeschlossen an die Teukros-
Paranatellonten I 10,11 Cygnus bei Cap 27° und I 10,12 cauda Magni Piscis bei
Cap 28o—29° und dann als eigenes Lemma mit dem Wort nocitivi für Cap 27°—
29°. Die augenschädigenden Grade des Steinbocks liegen in seinem Dorn (ακαν-
θα), vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 1 9 3 - 1 9 6 : nach Ant. CCAG VII
(1908), p. 112,4 bei Cap26°-29°, ebenso Rhet. C p. 187,24, nach dem Anon.
a. 379 CCAG V I (1904), p. 209,1 bei Cap 2(5)°, nach Rhet. C p. 191,6 bei
Cap 26°46'—29° (= VII 10,3). Es handelt sich um die Sterne εκ CAP, die nach
Ptol. synt. 8,1 p. 118,8 mit Cap 23°20' und Cap 25° aufgehen, die Regeldifferenz
von +3°26' führt auf die Längen Cap 26°46' (das ist der erste Wert des Rhet. C)
und Cap 28°26' (das ist fast sein zweiter Wert). Die Längen rechtfertigen es also,
dieses Lemma auch unter die Einzelsterne einzureihen, s. zu VII 10,3. lae-
duntur: Unter den Zwillingen — ebenfalls doppelt — von der Kopfverletzung:
113,5 und 113,6 = 114,1, hier aber wohl vom Augenschaden, vgl. zu II 10,13
caecum, ferner zu II 8,5 nocivi. Das Wort wird an der ersten Stelle in F falsch
mit der vorangehenden Teukros-Prognose senes verbunden, s. zu 110,11. a
vicésimo séptimo: Aufgerundet gegenüber Cap 26°46', s. o., daher trotz des feh-
lenden Namens der Sterne wohl auch zu VII 10,3 gehörig. nocitivi: Auch
diese volle Wortform gehört eher zu den Einzelsternen, vgl. zu II 8,5 nocivi.
26. vicesimus septimus gradus: Wird hier zum zweiten Mal genannt, eine
Bestätigung dafür, daß die Prognose II 10,25 qui etiam laeduntur, die an das
Teukros-Paranatellon I 10,11 Cygnus angeschlossen ist, zu einem anderen und
übergreifenden Bezirk gehört. horoscopus : Wie II 1,9, s. d. cum Sa-
turno et Marte: Dieselben schlimmen Planeten werden auch II 10,18 für
Cap 17° genannt, sonst heißt es allgemein malevolus oder malignus. Mit Venus
zusammen erscheint Mars im nächsten Lemma II 10,27 bei Cap 28°. sacri-
legos, deieratores: Zu dieser Verbindung F. Cumont, L'Egypte (1937), 1354.
sacrilegos: Vgl. zu II 3,2 für Ge 12°, wo ebenfalls Mars hinzutritt. deierato-
res: Fehlt in F, schon einmal II 10,23 ohne planetaren Einfluß für Cap 24°—25°
genannt, bezieht sich also wohl auf einen größeren Bezirk, s. d.
27. Mars et Venus: Mars erscheint — zusammen mit Saturn — bereits in der
vorigen Einzelgradprognose II 10,26, Venus wird außer an dieser Stelle nur noch
einmal II 11,5 für den sogleich anschließenden Grad Aq 29° genannt, s.d. Eine
ähnliche Prognose für diese Planetenkonstellation bietet etwa Firm. math. 3,6,14.
homines turpis vitae, mulieres vero meretrices: W. Gundel, Neue astrologi-
sche Texte (1936), 221 und Ders., Paranatellonta (1949), 1249,4 sieht hierin we-
gen L (110,13) Είλείθυια τοκετόν έκ πορνείας die Prognose der bei Cap 30°
ausgefallenen Lucina, dagegen spricht aber die Differenzierung der Prognose
nach männlicher und weiblicher Geburt sowie die Tatsache, daß der Steinbock
überhaupt als unkeusch gilt, vgl. zu II 10,1 cum cinaedis. mulieres vero:
Sonderprognose für Frauen wie II 6,7—8 für Vi 25° und Vi 26°: etwa Gedritt-
schein. meretrices : Auch das etwa im Gedrittschein zu II 6,8 meretrices für
Vi 26°. Vgl. im übrigen zu II 6,4 crissatrices.
28. vicesimus nonus gradus: Der letzte Grad des Teukros-Paranatellons
I 10,12 cauda Magni Piscis und damit auch der letzte Einzelgrad des Stein-
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10. Capricornus 139

bocks, obwohl sonst alle Grade durch Prognosen abgedeckt sind. Ebenso ist auch
bei den Paranatellonten Cap 30° im LH nicht besetzt, wo aber wohl nach L
(110,13) Lucina zu ergänzen ist. Dagegen liegt am Ende des Steinbocks bei
Firm. math. 8,28,12 eine Textlücke und beim letzten Helligkeitsbezirk III 10,7
eher ein Überlieferungsfehler vor, s. d. Vielleicht gehört hierher auch die Pro-
gnose II 11,5 für Aq 29°, s.d. moderates, eruditos: Erinnert an die Pro-
gnose I 6,3 medi(o)s, dirigentes ad disciplinas artium für Musa bei Vi 7°—10°.
Der Gegensatz zwischen schlimmer Prognose für Cap 28° und günstiger Pro-
gnose für Cap 29° erinnert an den Gegensatz, den Manil. 4,568—572 zwischen
dem Ende des Steinbocks und dem Anfang des Wassermanns annimmt.

11. Aquarius

1. secundus et tertius gradus: Diese beiden Grade sind im Gesamttext kurz


vorher schon einmal für das Wetternotat IV 11,1 genannt worden, dasselbe wie-
derholt sich II 11,2 und IV 11,2 für Aq 7°. — Der erste Grad des Wassermanns
bleibt ebenso unbesetzt wie der letzte des Steinbocks. potentes : S. Feraboli,
Ricerche (1989), 227 vergleicht Firm. math. 8,29,2f. (für Aq 3°): erit magnus,
potens und omnia Uli potentine conferentur insignia. crudeles: Vgl. Firm,
a. O. : ad omne crudelitatis facinus adiunctus.
2. septimus gradus: Ist im Gesamttext kurz vorher schon einmal für das
Wetternotat IV 11,2 genannt worden, ebenso folgen IV 11,1 und 1111,1 die
Grade Aq 2°.3° in kurzem Abstand aufeinander. horoscopus: Wie II 1,9,
s. d. Mercurio: Nur hier und sogleich II 11,3 für Aq 8° genannt. An dieser
Stelle sind wir im letzten Grad seines eigenen Bezirks V 11,1 sowie im letzten
Grad des Teukros-Paranatellons 111,2 Ibis, das dem Thot gehört und deswegen
merkurialische Prognosen verheißt. nummularium: Weil Merkur den Han-
del fördert.
3. octavo gradu: Folgt im Gesamttext erst nach dem Wetternotat IV 11,3 für
Aq 10°, dadurch werden die beiden Merkurprognosen noch weiter getrennt.
Mercurius: Nur hier und II 11,2 für Aq 7° genannt, fehlt an dieser Stelle in F.
Da der Merkurbezirk V 11,1 nur bis Aq 7° reicht, hat diese Angabe gerade kei-
nen Bezug mehr zu den όρια — es sei denn, man rechnet nach dem ptolemae-
ischen System (apotel. 1,21,29), wo Merkur erst den zweiten Bezirk Aq 7°—12°
regiert. horoscopus: Im Sinne von ascendens, hier singular von einem Pla-
neten, sonst von einem Grad, s. zu II 1,9. medicos : S. Feraboli, Ricerche
(1989), 227 vergleicht Firm. math. 8,29,5 für Aq 1 I o : erunt medici. Die ptolemae-
ischen Längen für Deneb, die sie S. 239 geltend macht, scheiden mit Sicherheit
aus. Auch die an den Merkurbezirk V 5,4 angeschlossene Prognose medici schei-
det als Parallele aus, weil sie wohl zu I 5,4a ( Ophiuchus ) gehört, vgl. zu I 3,2,
wo Saturn verantwortlich ist. astronomes vel astrologos: Die griechische
Vorlage bot wohl nur das eine Wort αστρολόγους wie 18,2 und V 6 , l : Dort
auch über Parallelen und den merkurialischen Charakter dieser Prognose. Nur
das Wort astrologos erscheint II 7,1.
4. gradus est nocivus: Diese Prognose ist angeschlossen an eine unvollstän-
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140 II. Einzelgrade

dige Aufgangsangabe, die sich wohl auf die Urne des Wassermanns bezieht, s. zu
VII 11,5. gradus est: Wie II 1,5, s. d. nocivus: Über diese kontrahierte
Form als terminus technicus für Augenschäden vgl. zu II 8,5 nocivi Besteht man
nach dem Singular auf einem Einzelgrad, dann kommt nach Rhet. C p. 187,24
(vgl. p. 191,5) Aq 18° oder Aq 19° in Frage.
5. in vicésimo nono gradu eqs.: Singulare Einzelgradprognose innerhalb der
Partie, die von Teukros I abhängt. Es ist daher zweifelhaft, ob die Angabe wirk-
lich hierhergehört. Da die fälschlich unter die Fische geratenen Einzelgradpro-
gnosen II 5,6—7 zum Löwen gehören, könnte man auch hier an den Löwen, das
gegenüberliegende Tierkreiszeichen, denken, doch sind dort die Grade
Le 28°.29° schon durch eine Prognose (II 5,9) besetzt. Zwei andere Lösungen
sind denkbar:
a) Da Venus genannt wird, diese aber den Planetenbezirk V 11,2 bei Aq 8°—
13°, den letzten Bezirk vor dem Abbruch des Systems, regiert, könnte die Pro-
gnose dorthin gehören. Ebenso modifiziert der andere selten genannte innere
Planet, Merkur, die Prognose für Aq 7° (II 11,2), den letzten Grad seines Bezirks,
dann allerdings auch die für den folgenden, Aq 8° (II 11,3). Der Text des Krito-
demos bietet hierfür aber keine Stütze.
b) Das Lemma könnte zum vorangehenden Steinbock gehören. Venus modifi-
ziert sonst nur noch die Prognose für Cap 28° (II 10,27, zusammen mit Mars, in
dessen Bezirk wir dort sind), Cap 29° würde sich zahlenmäßig daran anschlie-
ßen. Dagegen spricht aber, daß auch dieser Grad Cap 29° bereits durch eine an-
dere Prognose (II 10,28) besetzt ist. Venus: Wir befinden uns hier in dem
im LH nicht überlieferten Saturnbezirk V 11,5. Die modifizierenden Planeten
sind zwar nicht immer, wohl aber teilweise mit denen des betreffenden Planeten-
bezirks identisch, daher ist auch Venus ein schwaches Indiz dafür, daß diese Pro-
gnose nicht hierher gehört. proprias uxores gladiis occidunt: Eine martia-
lische Prognose, die für die Alternative Cap 29° spricht, denn erstens wirken
auch bei der Einzelgradprognose II 10,27 für Cap 28° Venus und Mars im Mars-
bezirk V 10,5 zusammen, und zweitens bietet Firm. math. 8,28,9 etwas Ahnli-
ches im Steinbock (Mars, Venus und Merkur bei Cap 18°): interficient uxores
suas. Andere planetare Konstellationen für diese Prognose, bei denen auch Mars
eine Rolle spielt, bieten Dor.A II 1,21 ( ~ Dor.G p. 342,22 = Heph. 2,21,33).
Maneth. 1(5),260-261. Ptol. apotel. 4,9,12. Firm. math. 3,2,4. 4,36. 7 , 1 7 , 1 - 3 ,
vgl. ferner F. Cumont, L'Egypte (1937), 176 4 und 177 1 . Dagegen spricht aller-
dings die ausgesprochen günstige Prognose II 10,28 für Cap 29°.

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III. H E L L E , D U N K L E U N D L E E R E G R A D E

1. Aries

1. Das erste Lemma erscheint wie der Gradbezirk VI 1,2 Remissio an drei Stel-
len mit widersprüchlichen Gradangaben : an der ersten Stelle zusammen mit dem
ersten Wetternotat IV 1,1 eingeschaltet in den Gradbezirk VI 1,1 Diligentia und
dieser wiederum in das Teukros-Paranatellon I 1,1 Piscator. usque ad se-
cundum: Gilt nur für den Piscator (I 1,1), der Helligkeitsbezirk reicht jedoch
weiter. quidem: Derselbe Anschluß auch 1116,6 und 1118,1. sinceri:
Nicht zu erklären, F übersetzt cler (ebenso für Ar3°.4°; die Wiederholung für
Ar Io—3° macht F nicht mit), wortgleich übersetzt F III 1,2 cler für lucidi, was er
aber sonst mit luisant wiedergibt. Möglicherweise geht die doppelte Terminolo-
gie auf die beiden Synonyma für "hell" bei Abu Ma'sar zurück. An derselben
Stelle begegnet unter den Einzelsternen (111,1 und VII 1,1) für Ar 3° und
Ar 3°30' die singulare Bezeichnung clara stella. Es scheint also, daß die hellen
Grade hier durch Gorgo und/oder Acamar begründet sind. Helle Grade passen
hier aber nicht ins System, erstens weil III 1,2 helle Grade folgen und zweitens,
weil der Bezirk nach Firm. math. 4,22,8 vacuus und die Grade Ar Io—3° nach
Abu M. schattig sind. [et australes]: Da der südliche Stern Acamar tangiert
ist, könnte sich dieses Wort auf die Position des Paranatellons beziehen, vgl. Rhe-
torios (VII 1,1) νότιος. Es ist jedoch Vorsicht geboten, denn längst nicht immer
lassen sich für "südliche" Grade helle Sterne im Süden ausfindig machen, s. o.
S. I 151. tertius et quartus: Bezieht sich wohl auf Acamar, der VII 1,1 bei
Ar 3°30', also genau in der Mitte der hier genannten Grade Ar 3°.4° angesiedelt
wird. Nur Ar 3° gehört zu den sinceri, wenn die folgende Angabe usque ad
tertium sunt gradus sinceri stimmt, was durch die Ubereinstimmung mit Firm,
und Abu M. nahegelegt wird. Andererseits beginnt im LH der nächste Bezirk
III 1,2 erst mit Ar 5°, daher reicht der erste Bezirk gegen die Paralleltexte wohl
doch bis Ar 4°. usque ad tertium: In Übereinstimmung mit Firm, und Abu
M., s. o.
2. a quinto: Abweichend von Firm, und Abu M., nach denen der zweite Be-
zirk mit Ar 4° beginnt, vgl. oben III 1,1 usque ad tertium. lucidi: Nach Firm,
math. 4,22,8, der zu Ar 4°—8° einen Dekangott nennt, während die Grade nach
Apom. σκοτειναί sind.
3. Der dritte Bezirk ist auf zwei Lemmata mit unterschiedlicher Benennung
verteilt. tenebrosi: Zwischen zwei Wetternotate eingeschaltet, entspricht
sonst dem Wort muzlima/aκοτεινός, das Abu M. aber auf den vorangehenden
Bezirk III 1,2 bezieht. Das Wort erscheint auch III 4,5. III 6,5. III 9,5, also jeweils
beim fünften Bezirk (ergänzt III 5,3 und III 8,5 vielleicht zu konjizieren), sonst

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142 III. Helle, dunkle und leere Grade

III 10,3, anders III 11,1 obscuri. a nono enim gradu usque ad sextum de-
cimum: Stimmt mit Abu M. überein, ebenso umbrosi = qatima/σκιώόεις.
enim: Kein kausales Verhältnis, ebensowenig innerhalb dieses Systems: um-
òrosi-Bezirke III 9,2 (lucidi trad.). III 10,1 (ein kausaler Bezug jedoch 1115,2:
s.d.), obscuri-Bezirk: 11111,1, lucidi-Bezirke: 1111,4. 1111,6. 1113,1. 1114,2.
III 5,1. III 9,4, vacui-Bezirk: III 2,5. Vgl. jedoch Kam. 464 (zu III 3,6) άλαμπεΐς
γάρ. 868 (zu 1116,7) γαρ ... κεναί. umbrosi: Widerspruch zu tenebrosi,
ähnlich III 9,5—6 in F, hier im Einklang mit Abu M., s. o.
4. enim: Káum wegen des im Gesamttext vorausgehenden günstigen Merkur-
bezirks, vgl. zu III 1,3. usque ad vicesimum: Mit demselben Schlußgrad
hört der im Gesamttext vorausgehende Merkurbezirk V 1,3 auf. lucidi: Hier
stimmt der LH in der Terminologie zum ersten Mal ganz und ohne Variante mit
Abu M. überein.
5. vacui: So auch Firm. math. 4,22,8 für Ar 22°-26°, aber Abu M. muz-
limalσκοτεχναί, was meist mit tenebrosi wiedergegeben wird, ebenso III 1,7 bei
Ar 30°.
6. enim: Vgl. zu III 1,3.
7. tricesimus: Der einzige 1 "-Bezirk dieses Systems wie bei Abu M.; Firm,
math. 4,22,11 hat dagegen seinen einzigen Eingradbezirk im Geviertschein
hierzu bei Can 30° (zur falschen Summe von 31° s. o. S. I 158). Den Schlußgrad
des Widders heben auch Heph. 1,1,11 und Rhet. W p. 124,33 hervor. Der
Schlußgrad des ebenfalls tropischen Steinbocks spielt unter den Paranatellonten
(I 10,13) und den Einzelgraden (II) eine Sonderrolle, s.d. vero: Auch am
Ende des Krebses werden mit diesem Wort in den beiden letzten Lemmata
(III 4,6—7) leere Grade an helle Grade angeschlossen: Geviertschein. Sonst auch
III 3 , 3 - 4 bei Ge 11 17° sowie III 6,1 - 2 bei Vi 1 ° - 9 ° . vacuus : Aber Abu
M. muzlima/σκοτεινή wie III 1,4.

2. Taurus

1. Der erste Bezirk ist eingeschaltet in den Gradbezirk VI 2,1 Vita und die-
ser wiederum in das Teukros-Paranatellon I 2,1 Pliades. Auch am Anfang des
Widders werden diese drei Systeme doppelt ineinandergeschachtelt. us-
que ad tertium: Gegenschein zu den gradus umbrosi bei Sc 1°—3°, s. zu
III 8,1.
2. Zu ergänzen nach Firm. math. 4,22,9 und Abu M.
3. ab undécimo eqs.: Folgt im Gesamttext erst auf den Einzelgradbezirk
Ta 12°—15°, ähnlich noch öfter.
4. a tertio decimo: Ab hier fällt Apom. myst. bis zum Schluß des Stiers aus.
5. vicésimo (primo): Der Grad Ta 20° ist nach der Überlieferung zugleich
der Schlußgrad des lucidi-Bezirks III 2,4 und der Anfangsgrad des mcui'-Bezirks
1112,5. Nach Firm. math. 4,22,9 (Ta 21o—25° vacuus) ist die Zahl an dieser
Stelle zu ändern. Außerdem ist der Ausfall der Einerziffer leichter zu erklären,
vgl. zu I 3,10 und zu II 1,17. enim: Vgl. zu III 1,3. S. Feraboli nimmt eine
Verschreibung enim aus primo an.
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2. Taurus 143

6. Weil die Helligkeitsangaben meist sehr spät genannt werden, bleiben am


Ende zwei Bezirke übrig, die der Gesamttext direkt hintereinander nennt, vgl. zu
III 1,7 vero.
7. vicesimus nonus et tricesimus: Ebenso III 4,7 Can 29°.30° (Sextilschein)
und III 6,7 Vi 29°.30° (Geviertschein).

3. Gemini

1. enim: Obgleich das Teukros-Paranatellon (13,2) Apollo vorausgeht, wohl


kaum von kausaler Kraft, vgl. zu III 1,3. septimum: Der überlieferte
Schlußgrad sextum stimmt nur für den Merkurbezirk V 3 , l Tranquillitas, mit
dem die gradus lucidi kombiniert werden, derselbe Fehler begegnet am Anfang
des Löwen 1115,1, wo aber die beiden Lemmata getrennt sind. Firm. math.
4,22,10 und Abu M. lassen einmütig den ersten Bezirk bis Ge 7° reichen. Vgl.
auch die Änderung des Schlußgrades im Bezirk 1119,4. [quia...]: Gehört
zum Merkurbezirk V 3 , l Tranquillitas.
2. octavus, nonus et decimus: Denselben Bezirk besetzt das im Gesamttext
vorangehende Teukros-Paranatellon I 3,4 Theseus.
3. Dieser lucidi-Bezirk ist mit dem folgenden racui-Bezirk verbunden, vgl. zu
III 1,7 vero.
4. Dieser Bezirk fehlt in F. a sexto decimo vero usque ad septimum
decimum: Hier divergieren die Quellen, Firm. math. 4,22,10 nennt die Grade
Ge 15°—17°, Abu M. nennt übereinstimmend mit dem LH einen Bezirk von 2°
Ausdehnung von Ge 16°, Apom. beginnt zwar auch mit Ge 16°, rechnet aber von
da an 5°, also bis Ge 20°. Zwei Handschriften rechnen allerdings von Ge 16° an
wie der LH 2°, so daß zwar die Gesamtsumme falsch wird, aber die Übereinstim-
mung mit Abu M. und dem LH gleichermaßen gewahrt bleibt. An dieser Stelle
steht der LH dem arabischen Originaltext Abü Ma'sars näher als der mittelgrie-
chischen Übersetzung aus dem 12. Jh. vero: Wie III 1,7, s.d. Weil die lee-
ren Grade im Gesamttext direkt an die hellen Grade (III 3,3) angeschlossen wer-
den, gibt es eine Versparung. W. Gundels Ergänzung ( sunt gradus ) vacui ist
also ebenso rückgängig zu machen wie VII 2,2 (oritur). ad septimum deci-
mum: Mit demselben Schlußgrad hört der im Gesamttext vor den beiden Hellig-
keitsbezirken genannte Venusbezirk V 3,3 auf.
6. umbrosi: Hier bietet Kam. 464 eine vereinzelte Angabe: άλαμπεΐς γαρ
μοιρίαι, und zwar als abschließende Begründung für die Prognosen des Saturn-
bezirks 'Υποταγή (s. zu V3,5): Geviertschein zu 1116,7 ~ V6,5. Im übrigen
vgl. zu III 1,3 enim.

4. Cancer

1. Den zu ergänzenden ersten Bezirk Can I o —7° nennt Firm. math. 4,22,11 va-
cuus, nach Abü M. sind die Grade qatima/σκιώδεις = umbrosi.
2. enim: Der lucidi-Bezirk schließt an den fast deckungsgleichen Venusbezirk
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144 III. Helle, dunkle und leere Grade

V4,2 bei Can 8°—13° an, dennoch hat das Wort kaum kausale Kraft, vgl. zu
III 1,3.
5. tenebrosi: S. zu III 1,3.
7. vicesimus nonus et tricesimus: Ebenso 1112,7 Ta 29°.30° (Sextilschein)
und 1116,7 Vi 29°.30° (Geviertschein). Firm. math. 4,22,11 nennt hier nur den
letzten Grad: Geviertschein zum letzten Widderbezirk 1111,7, s.d. vero:
Auch am Ende des Widders (III 1,6—7) folgen im Gesamttext ein lucidi- und ein
vacui-Bezirk am Ende des Tierkreiszeichens direkt aufeinander, wobei aber Abu
M. gleichermaßen die Kategorie muzlimaUτκοτεινός nennt: Geviertschein.

5. L e o

1. enim: Schafft hier wohl keinen kausalen Bezug zum vorausgehenden Plane-
tenbezirk V5,l Ascensio, obwohl die Gradzahl angeglichen wurde. Das Wort ist
in diesem System typisch, s. zu III 1,3. septimum: Ist zu berichtigen aus
sextum : Sowohl Firm. math. 4,22,5 als auch Abu M. lassen den ersten Bezirk bis
Le 7° reichen, außerdem beginnt der nächste Bezirk auch im LH mit Le 8°. Der-
selbe Fehler begegnet im Sextilschein hierzu III 3,1 zu Beginn der Zwillinge. Er
resultiert in beiden Fällen daraus, daß der erste Helligkeitsbezirk mit dem ersten
Planetenbezirk kombiniert wird. Bei den Zwillingen werden die Lemmata auch
syntaktisch verbunden, hier jedoch allenfalls durch enim (s.o.). F ändert V5,l
die Gradzahl in 7, also gerade an der falschen Stelle. lucidi: Hier begründet
durch Regulus bei Le 5° 5 ( 6 ) ' ? Vgl. zu VII 5,2 splendida.
2. enim: Der Helligkeitsbezirk sprengt hier den Zusammenhang zwischen
Aufgang und Prognose des Teukros-Sternbildes I 5,4 Draco. Das Wort enim
könnte wie oben III 5,1 kausale Kraft haben, denn der Drache hat nur Sterne 3.
bis 5. Größe, anders III 6,5, vgl. auch zu III 6,7 : γάρ bei Kam. 868 hat im LH
keine Entsprechung.
3. (ab undécimo eqs.): Von Le 1 I o bis Vi 5° klafft eine Lücke. In diesem Be-
reich (Le 16o—27°) sind auch die Teukros-Paranatellonten in Unordnung gera-
ten. Der erste fehlende Bezirk ist zu ergänzen nach Abu M. muzlima/σκοτειναί,
wo der Bezirk bis Le 16° reicht (aber nach Firm. math. 4,22,12 Le 12°—14°).
4. Zu ergänzen nach Abu M. sifr häliya/κοϋφαΐ, wo der Bezirk von Le 17°
bis Le 21° reicht (aber nach Firm. math. 4,22,12 Le 15°-20°).
5. Zu ergänzen nach Abu M. raoyyira/λαμπροα, wo der Bezirk mit Le 22° be-
ginnt (aber nach Firm. math. 4,22,12 mit Le 21°).

6. Virgo

1. Die große Lücke greift vom Ende des Löwen auf den Anfang der Jungfrau
über. Ergänzt nach Firm. math. 4,22,13 und Abu M. (bei Apom. ist an dieser
Stelle in einem Teil der Handschriften die Gradzahl ε' ausgefallen).
2. vero: Der Kontrast bestätigt, daß gradus umbrosi vorausgegangen sind (vgl.
zu III 1,7 vero); kaum als Gegensatz zu den im Gesamttext vorausgehenden
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6. Virgo 145

(IV 6,2) gradus australes gemeint. Allerdings hätte vero besser in das nach dem
Einschub unmittelbar folgende Lemma 1116,3 gepaßt. (lucidi): Ergänzt
nach F dou 6 degret iusques au 9 sont degret luisant, bestätigt durch Firm. math.
4,22,13 und Abu M. [medi(o)s eqs.]: Gehört nach L zum Teukros-Parana-
tellon I 6,3 Musa bei Vi 7°-10°.
3. a decimo usque ad undecimum: F nennt dagegen keinen Bezirk, sondern
die einzelnen Grade: li 10 et li 11. vacui: Die Alternative in F vage u wit
bewahrt noch einen Rest der arabischen Synonymik.
5. usque ad vicesimum primum: Ab hier divergieren Firm., Abu M./Apom.
und der LH. Nach Firm. math. 4,22,13 und Apom. reicht der Bezirk bis Vi 23°,
doch in der arabischen Version wie im LH nur bis Vi 21°. Demnach ist wieder
einmal nicht der Schlußgrad (dieses Bezirks), sondern der Anfangsgrad (des fol-
genden) zu ändern. enim: Hat hier keine kausale Kraft, funktional wie
1115,2. tenebrosi: Kennzeichnet hier, beim Krebs und dem Schützen und
vielleicht auch beim Skorpion jeweils den fünften Bezirk, vgl. zu III 1,3.
6. vicésimo secundo: Der überlieferte Wert vicésimo sexto muß schon für
den zunächst genannten Marsbezirk V 6,4 in vicésimo secundo geändert werden
und so nach dem arabischen Text des Abu M. auch für diesen /ucidi-Bezirk, s. o.
quidem: Wie III 1,1, s. d. lucidi: Ebenso bei Abu M., aber nicht bei Apom.,
der von den σκοτειναί sogleich zu den κοϋφαι übergeht, während Firm. math.
4,22,13 für Vi 24°—27° einen Dekangott nennt, was auf gradus lucidi schließen
läßt. qui est in stella splendida: Bekräftigt noch einmal gegen Apom. den
hellen Bezirk. Ebenso ungewöhnlich ist die Formulierung im nächsten hellen Be-
zirk III 7,1: sunt stellae lucidae: ein Hinweis darauf, daß die hellen Grade mit
hellen Sternen besetzte Grade sind. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
157 Nr. 38 erwägt ζ VIR ( + 3°10' gegenüber Ptol. synt. 7,5 p. 102,17: Vi 24°50')
oder α BOO, also Arktur (+ 1° gegenüber Ptol. synt. 7,5 p. 50,17: Vi 27°), S. Fe-
raboli (Tab. III) hingegen β BOO, gemeint ist aber wohl Spica (α VIR), die im Sy-
stem der Einzelsterne VII 7,1 mit Li 0°6' aufgeht. Hier eine Differenz von
+ 1°20' gegenüber Ptol. synt. 7,5 p. 102,16: Vi 26°40', die etwa auf die Zeit um
260 n. Chr. weist.
7. hi gradus: In Übereinstimmung mit Abu M., bei dem dieser vacui-Bezirk
nur die beiden letzten Grade der Jungfrau ausfüllt. Nach Apom. beginnt dieser
Bezirk schon mit Vi 24°, doch hat er den vorausgehenden lucidi-Bezirk über-
sprungen. Nach Firm. math. 4,22,13 beginnt dieser Bezirk einen Grad früher mit
Vi 28°. vacui: Schon Kam. 868 hat diese leeren Grade an den Saturnbezirk
V6,5 angeschlossen: αί γαρ μοΤραι κεναί είσιν έσχατοι της Παρθένου:
Geviertschein zu III 3,6 άλαμπεις ~ V 3,5, s. d. Bemerkenswert ist hier das nä-
herliegende Wort κενός anstelle des von Apom. gebrauchten Wortes κοϋφος.
Die Konjunktion γάρ hat der LH an dieser Stelle nicht durch enim wiedergege-
ben, vgl. jedoch zu III 5,2, ferner zu III 1,3.

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146 III. Helle, dunkle und leere Grade

7. Libra

Die ersten fünf Helligkeitsbezirke der Waage (III 7,1—4) sind im LH in den Ab-
schnitt des Skorpions geraten, s. o. S. I 159—161. Dafür gehören sämtliche unter
dem Skorpion genannten Bezirke mit Ausnahme der überschüssigen gradus um-
brosi (III 8,7) bei 26°-30° hierher zur Waage.
1. usque ad quintum: in Übereinstimmung mit Firm, und Abu M., die vom
zweiten Bezirk an divergieren. stellae lucidae: Sonst werden die Grade
selbst lucidi genannt, wie hier nur noch in der überschießenden Angabe III 6,6
qui est in stella splendida, ein Hinweis darauf, daß die hellen Grade von hellen
Sternen besetzt sind. In diesem Fall sind wohl die nur 20' auseinanderliegenden
Einzelsterne Spica (nach VII 7,1 bei Li 0°6') und Arktur (nach VII 7,2 bei
Li 0°26') gemeint. Die beiden Sterne folgen im Gesamttext sogleich auf den fal-
schen Helligkeitsbezirk nach dem Teukros-Paranatellon I 7,1 Lectus bei Li Io—
3°: gradus quidem sunt lucidi. Diese Grade Io—3° gehören jedoch als um-
òrosi-Bezirk zum Skorpion. [fiunt eqs.]: Gehört nach L über diesen
Helligkeitsbezirk und das Wetternotat IV 8,1 hinweg als Prognose zum Teukros-
Paranatellon I 8,2 Uranoscopus.
3. ab undécimo gradu: Die beiden Helligkeitsbezirke III 7,3 und III 7,4 fol-
gen im Gesamttext direkt aufeinander. Voraus geht der scheinbar fast deckungs-
gleiche Merkurbezirk V8,3 — aber eben beim Skorpion (Sc 12°—19°).
5. ad vicesimum septimum: Überliefert ist ad tricesimum, was aber einen
folgenden Bezirk Li 28°—30° ausschlösse, daher hat F 27 das Richtige (in umge-
kehrter Richtung divergieren H und F am Ende des Schützen: s. zu III 9,5), ob-
wohl der im Gesamttext folgende Bezirk schon mit Sc 26° beginnt, denn jener ist
unter dem Skorpion der erste, den der LH suo loco richtig überliefert. Auch
Firm. math. 4,22,14 bietet den Schlußgrad Li 27°, wenn man vorher im zweiten
Bezirk korrigiert, während Abu M. den vorletzten Bezirk bis Li 28° reichen läßt
(im Skorpion wiederum bis Sc 27°).
6. a vicésimo octavo usque ad tricesimum: Schließt im Gesamttext direkt
an einen umbrosi-Bezirk an, doch jener vorangehende Bezirk überdeckt mit sei-
nen Graden 26°—30° diesen Bezirk: Er gehört als erster wirklich zum Skorpion
(III 8,7), während es sich hier um den letzten Waage-Bezirk handelt. Die Aufein-
anderfolge bezieht sich also auf Bezirke zweier verschiedener Tierkreiszeichen,
[vocatur eqs.]: Es folgt der Gradbezirk VI 8,3.

8. Scorpius

Sämtliche Helligkeitsbezirke des Skorpions mit Ausnahme des letzten (III 8,7)
sind im LH unter die Waage geraten, s. o. S. I 159—161.
1. usque ad tertium: Bezieht sich primär auf das Paranatellon Lectus bei der
Waage. Daß sich die beiden Bezirke decken, ist reiner Zufall, weil der um-
òrosi-Bezirk zum Skorpion gehört. Die Umstellung wird durch den Gegenschein
zum umòrosi-Bezirk III 2,1 bei Ta Io—3° gestützt. quidem: Wie III 1,1, s. d.
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8. Scorpius 147

Das Wort markiert unter der Waage den Anschluß an das Teukros-Paranatellon
I 7,1 Lectus.
2. usque ad octavum: Angeschlossen ist — unter der Waage — das Wetterno-
tat IV 7,1 für Li 9°, doch dieser Anschluß trügt, denn erstens gehört das Wetter-
notat in ein anderes System und zweitens wohl zu einem anderen Tierkreiszei-
chen.
3. usque ad quartum decimum: Folgt im Gesamttext wegen des gemeinsa-
men Schlußgrades unter der Waage auf den Merkurbezirk V 7,2, der ebenfalls
mit Li 14° aufhört.
4. a quinto decimo: Geht im Gesamttext — unter der Waage — dem Jupiter-
bezirk V 7,3 Divisiones voraus, der mit Li 15° anfängt.
5. umbrosi: Der LH geht an dieser Stelle mit der widersprüchlichen Angabe
lucidi et umbrosi von der falschen zur richtigen Verteilung der Bezirke über, s. o.
S. I 161. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 284f. hat den überlieferten
Text zwar richtig als "Nonsens" erkannt, doch seine Lösung geht in die Irre,
denn, verleitet durch das angeschlossene Wetternotat IV 7,2 ventosi, konjiziert er
für umbrosi ein Wetternotat όμβρώδεις "regenbringend", allgemein postuliert er
sogar die Gleichung umbrosus = imbrosus: Ders., Paranatellonta (1949),
1259,3. Der Fehler resultiert aber aus einer größeren Verwirrung, an deren Ende
der LH an dieser Stelle zum richtigen System übergeht. Nach Abu M. muz-
lima/σκοτειναί müßte an dieser Stelle die Kategorie tenebrosi erscheinen, doch
ist wohl trotzdem die Überlieferung vorzuziehen.
6. Dieser Bezirk ist der Vertauschung zum Opfer gefallen, er ist nach Firm,
math. 4,22,15 und Abu M. zu ergänzen, bei denen der helle Bezirk allerdings
gleichermaßen bis Sc 27° reicht, so auch in F an vorletzter Stelle, wenn man von
der Vertauschung der Tierkreiszeichen absieht, s. zu III 7,5.
7. a vicésimo sexto eqs.: Der erste Helligkeitsbezirk des Skorpions, der an
der richtigen Stelle überliefert ist. Er folgt auf das Teukros-Paranatellon I 8,8 Tu-
ribulum, das dieselben Grade ausfüllt. usque ad tricesimum : Die Variante
in F 27 besticht zwar auf den ersten Blick, denn es ergibt sich so ein glatter An-
schluß an den im Gesamttext sofort folgenden letzten Bezirk im Skorpion. Au-
ßerdem hört auch bei Firm. math. 4,22,15 und bei Abu M. der vorletzte Bezirk
mit Sc 27° auf. Dennoch handelt es sich hier wirklich um den letzten Skorpion-
bezirk, während der im Gesamttext noch folgende uacui-Bezirk 28°—30° zur
Waage gehört (III 7,6).

9. Sagittarius

1. lucidi: Nach Firm. math. 4,22,16 und Abu M. nayyira/λαμπραί korrigiert


aus umbrosi. In sämtlichen Bezirken des Schützen sind helle und dunkle Grade
vertauscht, s. o. S. 1161 f.
2. a decimo: Vorher wird gegen die numerische Reihenfolge der falsche va-
cui-Bezirk 1119,3 für Sa 13°—15° angegeben. enim: Wie 1111,3, s.d.
umbrosi: Nach Abu M. qatima/σκιώδεις korrigiert aus lucidi.
3. a tertio decimo: Der dritte Bezirk ist mit diesem Anfangsgrad zweimal
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148 III. Helle, dunkle und leere Grade

überliefert: einmal im Anschluß an die Einzelgradprognose II 9,2 für Sa 13°. 14°


noch vor dem zweiten Bezirk mit dem falschen Schlußgrad Sa 15° und dann erst
viel später mit dem richtigen Schlußgrad Sa 19° nach dem fast deckungsgleichen
Venusbezirk V 9,2 bei Sa 13°—17°. [vacui]: Die Grade sind hell, s.u.
ad nonum decimum: Dies ist der richtige Schlußgrad, erstens wegen des An-
schlusses des folgenden Bezirks III 9,4 ab Sa 20° und zweitens, weil sowohl
Firm. math. 4,22,16 als auch Abu M. den dritten Bezirk bis Sa 19° reichen las-
sen. lucidi: Nach Firm. a. 0 . und Abu M. nayyira/λαμπραί zu korrigieren
aus vacui, das gleich zweimal falsch überliefert ist.
4. vicesimum tertium: Nach dem Anschluß 1119,5 mit Sa 24° korrigiert aus
vicesimum primum, bestätigt durch Firm. math. 4,22,16 und Abu M. Der Fehler
dürfte dadurch entstanden sein, daß der im Gesamttext vorangehende Merkurbe-
zirk V 9,3 mit Sa 21° endet, vgl. zu III 3,1. enim: Wie III 1,3, s. d. um-
brosi: Überliefert ist lucidi. Nach Abu M. muzlima/σκοτειναί müßte tenebrosi
konjiziert werden (vgl. zu III 1,3), doch gehen danach die Texte auseinander,
und der LH nennt erst die folgenden Grade III 9,5 tenebrosi, daher ist hier wohl
umbrosi zu schreiben.
5. usque ad vicesimum septimum: Anders F iusques au 30 (ebenso, aber in
umgekehrter Richtung divergieren H und F unter der Waage III 7,5). Der pikar-
dische Übersetzer nimmt die letzten beiden Bezirke mit der doppelten Charakte-
risierung tenebreus et ombreus zusammen (vgl. zu III 1,3). Auch Firm. math.
4,22,16 und Abu M. lassen den letzten Bezirk von Sa 24° bis 30° reichen, wobei
aber Firmicus einen Dekangott nennt, was einem lucidi-Bezirk entspräche, wäh-
rend Abu M. auf die muzlima/aKOTEivai-Grade qatima Ζσκιώδεις-Grade folgen
läßt. Auch der LH bietet diese Folge am Schluß, nur daß er sie anders verteilt:

Firm. math. H F Abü M. introd. 5,17(20)


4,22,16 Apom. myst. 3,17

20o—23° vacuus 20o—21° lucidi 20o—21° luisant 20°—23° muzlima


σκοτειναί
24°—30° [Dekan- 24°—27° tenebrosi 24°—30° tenebreus 24°—30° qatima
gott) 28°—30° umbrosi et umbreus σκιώδεις

Die Unstimmigkeit geht also schon auf die gemeinsame Quelle zurück. tene-
brosi: Entspricht Abu M. muzlima/σκοτειναί für den vorletzten Bezirk, der
aber schon bei Sa 20°—23° angesiedelt ist, vgl. zu III 1,3. Mit Sa 24° beginnt
nach Firm. a. 0 . der Bezirk eines Dekangottes, was sonst einem lucidi-Bezirk
entspricht, nach Abu M. jedoch ein ça<ima/CTKtcôÔ6iç-Bezirk, der im LH erst ab
Sa 28° folgt.
6. a vicésimo octavo gradu: Folgt im Gesamttext sogleich auf den tene-
brosi-Bezirk III 9,5 (F nimmt beide Bezirke bei inhaltlicher Differenzierung zu-
sammen: tenebreus et umbreus). Nur H teilt den letzten Bezirk Sa 24°—30° in
zwei Bezirke auf, s. o. umbrosi: Müßte nach Firm. math. 4,22,16 weiter ein
heller Bezirk sein, doch stimmt der LH hier zum ersten Mal im Schützen inhalt-
lich mit Abu M. überein: Der letzte Bezirk ist "schattig". [faciunt...]: Ange-
schlossen ist die Einzelgradprognose II 9,6.

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10. Capricornus 149

10. Capricornus

1. enim: Wie III 1,3, s.d. ad septimum: Stimmt sowohl für diesen Bezirk
als auch für den im Gesamttext angeschlossenen Merkurbezirk V 10,1. Der sich
anschließende Bezirk III 10,2 ist zwar ausgefallen, doch der Schlußgrad Cap 7°
wird sowohl durch Firm. math. 4,22,17 als auch durch Abu M. bestätigt.
2. Dieser Bezirk ist im LH ausgefallen, aber nach Firm. math. 4,22,17 und
Abü M. sicher zu ergänzen. lucidi: Ist im LH fälschlich in das nächste
Lemma geraten, wo es nach Abu M. muzlima/tenebrosi heißen muß. Ausgefal-
len ist also nur die Bezirksangabe, nicht die Helligkeitsangabe.
3. ad quintum decimum: So liest richtig H, Gundel druckt quartum deci-
mimi, vielleicht beeinflußt von F 14 (den Bezirk Cap 1 I o —14° füllt das Teukros-
Paranatellon Corona : I 10,4). Die Lesart H wird sowohl von Firm. math. 4,22,17
als auch von Abü M. bestätigt. tenebrosi: Nach Abu M. muzlima/σκοτει-
ναί korrigiert aus lucidi, vgl. zu III 1,3. Von dem ausgefallenen Bezirk III 10,2
hat sich die Helligkeitsangabe erhalten und hier das richtige Wort verdrängt, so
daß nun falsch zwei lucidi-Bezirke aufeinanderfolgen.
4. lucidi: Der Überlieferung nach der zweite von zwei aufeinanderfolgenden
lucidi-Bezirken, an dieser Stelle richtig, s. o. In F erscheint diese Kategorie noch
ein drittes Mal mit falschem Plural bei dem Einzelgrad Cap 19° (II 10,20), also
dem letzten Grad des Bezirks.
5. usque ad vicesimum primum: Gilt in erster Linie für das Teukros-Parana-
tellon I 10,7 Mus und dann zunächst für die Einzelgradprognose II 10,21. Die
Angabe ist aber wohl auch für diesen Bezirk richtig, denn während Firm. math.
4,22,17 den wicuus-Bezirk bis Cap 24° reichen läßt, bezieht sich Abu M. eben
auf die Grade Cap 20°—21°. enim: Trotz der vorausgehenden schlimmen
Einzelgradprognose II 10,21 latrones wohl kein kausaler Bezug, sondern funktio-
nal wie III 5,2, s. d. umbrosi: W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
241 sieht hier eine Wirkung des Teukros-Paranatellons I 10,7 Mus: weil die
Mäuse nach antiker Vorstellung schlecht sehen. Jene Angabe gehört jedoch in
ein anderes System.
6. a vicésimo secundo usque ad vicesimum quintum: In Ubereinstimmung
mit Abü M., während Firm. math. 4,22,17, der nicht zwischen gradus umbrosi
und vacui differenziert, seinen vacui-Bezirk schon bei Cap 20° beginnen und mit
Cap 24° aufhören läßt.
7. a vicésimo sexto gradu usque ad tricesimum: In H durch einen "saut du
même au même" auf den Marsbezirk V 10,5 bezogen, der aber erst bei Cap 27°
beginnt, denn der vorangehende Saturnbezirk V 10,4 reicht bis Cap 26°. Die An-
nahme einer Lücke wird bestätigt durch F dou 26 iusques au 29 sont degret lui-
sant, wo aber der Schlußgrad nicht stimmt, der nach Firm. math. 4,22,17 und
Abü M. Cap 30° lauten muß. Diese Abweichung geht auf eine ältere Verwirrung
zurück, denn auch bei Teukros II (I 10,13) und unter den Einzelgraden ist der
letzte Grad des Steinbocks nicht besetzt, s. d. Vgl. im übrigen im Geviertschein
hierzu III 1,7 zum Schlußgrad des ebenfalls tropischen Widders. (lucidi):
Die Ergänzung nach F luisant wird durch Abu M. nayyira/λαμπραί gestützt.

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150 III. Helle, dunkle und leere Grade

11. Aquarius

1. enim: Stellt kaum einen kausalen Bezug zur schlimmen Einzelgradprognose


II 11,1 violentos ... crudeles her, sondern funktional wie III 1,3, s.d. ob-
scuri: Übersetzt hier singulär Abu M. muzíima/σκοτειναί, was in der Regel mit
tenebrosi wiedergegeben wird, vgl. zu III 1,3. Sonst erscheint dieses Wort nur
noch in der Übersetzung des Hermann Dalmata, s. o. S. I 259 f. Rhetorios (IV 17)
gebraucht für die dritte Kategorie statt σκοτεινός das Wort άμαυρός.
2. a quinto gradu usque ad nonum: Dieses Lemma wird doppelt aufgeführt
(in F nur an der ersten Stelle), das erste Mal vor dem Teukros-Paranatellon
111,4 Hippocrator, das zweite Mal vor dessen Prognose, die Verbindung zu die-
sem Sternbild scheint also gewollt zu sein.
3. a decimo gradu usque ad tertium decimum: Alle drei erhaltenen Hellig-
keitsbezirke des Wassermanns stimmen mit Firm. math. 4,22,18 und Abü M.
überein. umbrosi: Steht im Widerspruch zum Bezirk der hellen Lyra, der
nach der Überlieferung die Grade Aq 11°—15° ausfüllt, aber wohl in Aq 14°—
15° geändert werden muß, s. zu I 11,5. — Danach bricht das System ab. Zwi-
schen Firmicus und Abü Ma'sar/Apomasar bestehen in der zweiten Hälfte des
Wassermanns erhebliche Unterschiede, s. o. S. I 156.

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IV. WETTERNOTATE

1. Aries

1. Das erste Notât ist zusammen mit dem Helligkeitsbezirk III 1,1 in den Gradbe-
zirk VI 1,1 Diligentia eingeschaltet. [sinceri]: Eine Helligkeitsangabe, s. zu
III 1,1. sunt: Ist (neben est) das für dieses System typische Wort. au-
strales: Diese Prognose kommt sehr häufig, nämlich noch an 17 Stellen, vor:
IV 1,2. IV 2,3. IV 2,4. IV 3 , 1 - 3 . IV 4 , 1 - 2 . IV 5,4. IV 6 , 1 - 3 . IV 7,1. IV 8,1.
IV 8,4. IV 9,2 und IV 11,4, vgl. Tab. 25. Hier ist das Wort zweimal mit dem Wort
sinceri zusammengekoppelt. Es bezieht sich an dieser Stelle vielleicht auf die
südliche Position von Acamar ( = νότιος im Sinn von Kap. VII, vgl. zu III 1,1),
an anderen Stellen eher auf den Südwind, wie es W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 285 generell angenommen hat. tertius et quartus gradus:
Umrahmen die Position von Acamar bei Ar3°30', s. zu VII 1,1 und zu III 1,1.
2. [tenebrosi]: Gehört in den Helligkeitsbezirk III 1,3, s.d. australes:
Wie IV 1,1, s.d. grandinosi: Vom ganzen Widder Ptol. apotel. 2,12,2 =
Heph. 1,1,4 und Vett. Val. 1,2,3 χαλαζώδες, vom Merkurbezirk V 1,3 bei
Ar 13°—20° Vett. Val. 1,3,3, vgl. sonst noch IV 6,4 von Vi 28°. {caliginosi) :
Nach F caligineus zu ergänzen. Diese Kategorie ist sonst sechsmal überliefert:
IV 6,4 (ebenfalls neben grandinosus). IV 7,1. IV 8,2. IV 8,3. IV 8,5. IV 9,2.

2. Taurus

1. quare: Schafft keinen kausalen Bezug zum vorher genannten Knie des Stiers
bei Ta 7° (II 2,3), also neues Lemma. a primo gradu ad octavum: In dieser
Schicht der längste Abschnitt, der sich außerdem mit dem Venusbezirk V 2 , l
deckt. (Der nächstlängste befindet sich IV 8,1 diametral gegenüber bei Sc 4°—7°;
dort handelt es sich um die letzten Grade des Marsbezirks V 8 , l bei Sc 1°—7°.)
Vielleicht besteht hier eine Beziehung zu den sogleich genannten Pleiaden, die
nach Manil. 5,143 (bei Ta 6°) Bacchi Venerisque sequaces hervorbringen. Vett.
Val. 1,2,10 (s.u.) nennt hier als Schlußgrad Ta 5°, jedoch beim Widder (1,2,3)
μέχρι του ισημερινού, was nach F. Boll, Sphaera (1903), 64 1 vielleicht auf Ar 8°,
also den erst an dieser Stelle genannten achten Grad, schließen läßt. et usque
ad Pliadem: Die kollektive Namensform (vgl. zu I 2,1) schließt die Pleiaden des
Teukros aus, die nur bis Ar 3° reichen, hier nach Ptol. apotel. 2,12,3 (sim. Heph.
1,1,24) τα προηγούμενα αύτοΰ καί μάλιστα τα κατά την Πλειάδα, vgl. synt.
7,5 p. 90,1 (VII 2,3), etwas anders Vett. Val. 1,2,10 άπό μοίρας α' εως ε' τον
περί τάς Πλειάδας τόπον ... Demnach bedeutet die zusätzliche Angabe des

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152 IV. Wetternotate

Sternbildes keine Erweiterung des Bezirks über Ar 1 8° hinaus, vgl. auch IV 8,2
für Sc 8°: cuius in opposite Plias occidit. Der LH faßt am Anfang des Stiers die
Wetternotate zusammen, die Ptol. apotel. 2,12,3 = Heph. 1,1,24 auf die Pleiaden
am Anfang und die Hyaden am Ende des Stiers verteilt. in túrbido aere:
Vgl. Ptol. apotel. 2,12,3 = Heph. 1,1,24 (Pleiaden am Anfang des Stiers) πνευ-
ματώδη, ομιχλώδη. Ähnlich die Prognose IV 2,4 turbidi et motivi aeris für
Ta 25°.26°, dort aber falsch, s. d. factores tonitruorum [...] et coruscatio-
num factores et ignei: Nach Ptol. apotel. 2,12,3 = Heph. 1,1,24 eine Wirkung
der Hyaden am Ende des Stiers: πυρώδη καί κεραυνών [-ώδη var. 1.] και
άστραπών ποιητικά, der LH folgt hier Vett. Val. 1,2,10 (Pleiaden bei Ta Io—5°) :
βροντοποιόν, σεισμώδη, κεραυνοποιόν, doch die letzte Kategorie, πυρώδεις,
erscheint erst bei Ta 6°.7° (IV 2,2). terrae motus: Nach Vett. Val., Ptol. und
Heph. a.O. ebenfalls eine Wirkung der Pleiaden am Anfang des Stiers, vgl. das
Ende der Zwillinge (IV 3,2—4), vgl. Anón, apud Lyd. ost. p. 174,( 15). corus-
cationum factores: Gehört nach Ptol. a. 0 . wieder zu den Hyaden am Ende des
Stiers und wird entsprechend im LH IV 2,4 coruscationum (factores ) für
Ta 25°.26° wiederholt. ignei: Ptol. a. 0 . an erster Stelle für die Hyaden am
Ende des Stiers, doch Vett. Val. 1,2,10 πυρώδείς für die folgenden Grade
Ta 6°.7° (IV 2,2). Für die ptolemaeische Position am Ende des Stiers spricht im
übrigen der Gradbezirk VI 2,9 Ignis bei Ta 28o—30°.
2. Innerhalb des Bezirks Ta 1°—8° werden noch einmal die Einzelgrade
Ta 6°.7° hervorgehoben, etwas anders Vett. Val. 1,2,10: Auf die Pleiadenwirkung
bei Ta Γ—5° folgt die Angabe a i δέ έξης β' μοΐραι [d.h. Ta6°.7°] πυρώδεις
ομιχλώδεις, vgl. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 286. Ps.Herm. De
XV stellis p. 247,3 bezieht die Trockenheit auf Aldebaran: haec quidem stella
fixa est significatrix magnae siccitatis propter Martern eqs. vocantur: Die-
ses Verbum ist sonst den Planetenbezirken (V) und den namentragenden Grad-
bezirken (VI) vorbehalten. S. Feraboli siedelt denn auch gegen A. Scherer diese
Angabe bei den planetenlosen Gradbezirken (VI) an, doch spricht der Zusam-
menhang mit dem vorherigen Notât bei Vettius Valens dagegen. desiccativi:
Übersetzt wohl das griechische Wort ξηραντικός, vgl. Ptol. apotel. 1,4,7 u. ö.:
Konträr zur Hyaden-Prognose (I 2,2) für Ta 4°—7° pluviosos eqs. Möglicher-
weise wird aber nur noch einmal das Wort πυρώδεις wiedergegeben, vgl.
W. Gundel a. 0.: "das dürfte dem Ausdruck πυρώδης und πνιγώδης [vielmehr:
ομιχλώδης] bei Valens [1,2,10] entsprechen." Das erste Wort wurde allerdings
vorher (IV 2,1) mit ignei wiedergegeben. [quia]: Dieses Wort gehört wie
vocantur zu den namentragenden Gradbezirken, doch das Folgende paßt eher
zu den Einzelgradprognosen II 2,3, zum Teil vielleicht auch zu dem Teukros-
Paranatellon I 2,2 Hyades.
3. enim: Ist in dieser Schicht selten, vgl. IV 3,1 und zu III 1,3 enim. Kein Be-
zug zum vorher genannten Einzelgrad II 2,9. quintus decimus et sextus
decimus gradus: Von hier aus ergibt sich ein Geviertschein zu den gradus au-
strales IV 11,4 bei Aq 15°. 16° und eine Opposition zu den gradus australes
(IV 8,4) bei Sc 15°. 16°: Alle drei Tierkreiszeichen gehören dem 'festen' Quadrat
an. australes: Diese Kategorie kommt auch im nächsten Bezirk IV 2,4 vor,
vgl. zu IV 1,1. fumosi : Übersetzt vielleicht ομιχλώδη : So nennt Ptol. apotel.
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2. Taurus 153

2,12,3 = Heph. 1,1,24 den Anfang des Stiers und Yett. Val. 1,2,10 die Grade
Ta 6°.7°. Auf keinen Fall handelt es sich um eine Helligkeitsangabe, denn die
Grade Ta 13°-20° (III 2,4) gelten als lucidi.
4. australes: Könnte sich auf βγ ORI beziehen (nach VII 2,7—8 bei Ta 23°16'
und 26°26'), doch s. zu IV 1,1. turbidi: Wohl als Nominativ Plural auf gra-
dus zu beziehen trotz IV 2,1 in túrbido aere. Die Prognose gehört wohl dorthin,
also an den Anfang des Stiers, s. d. Die Wiederholungen der Angaben aus IV 2,1
resultieren aus der Parallelität von Pleiaden und Hyaden. coruscationum
(factores): ergänzt nach IV 2,1, s. d.

3. Gemini

1. quandoque contingit quod eqs.: Singuläre Einleitung eines Wetternotats.


octavus et nonus gradus: Werden auch IV 4,1 beim Krebs an erster Stelle her-
vorgehoben. faciunt hiemem: Im Sinne von χειμών = Unwetter, denn wir
sind im Frühsommer. australes enim sunt: Nachgeschobene Charakterisie-
rung und Hinweis darauf, daß mit australis weniger die südliche Position von
Sternen als vielmehr die Südwinde gemeint sind, vgl. zu IV 1,1. bonae aspi-
rationis significatores: Gegensätzlich zum Vorausgehenden, dieselbe Prognose
IV 3,3 (ebenfalls neben australes) für Ge 26°—28°, vielleicht schließt also jener
Bezirk Ge 24° mit ein. Nach Ptol. apotel. 2,12,4 = Heph. 1,1,43 ist das ganze
Sternbild εύκρασίας ποιητικόν, vgl. Vett. Val. 1,2,21 εύδιεινοί, ferner den Mer-
kurbezirk V3,l Tranquillitas bei Ge 1°—6°. Die Übersetzung in F de bonnes
operacions setzt einen — wohl falschen — Text bonae operationis voraus, mögli-
cherweise das im nächsten Lemma (IV 3,2) auszuscheidende beneficii significa-
tor, das dort aber mit signeres de benefisses übersetzt wird. significatores:
Dieses Wort kommt in den ersten drei Lemmata der Zwillinge IV 3,1 —3 gleicher-
maßen vor.
2. enim: Schließt hier ein Wetternotat an eine Einzelgradprognose (II 3,4) für
denselben Grad an, vgl. zu IV 2,3. australis: Der Einzelstern Sirius (nach
VII 3,6 bei Ge 21°6') ist zu weit entfernt, um in Frage zu kommen. S. zu IV 1,1.
[beneficii significator]: Gehört trotz des gemeinsamen Wortes significator
(s. o.) nicht hierher, sondern sprengt als Einzelgradprognose (II 3,4) die beiden
Teile des Wetternotats. Vgl. auch oben zu IV 3,1. terrae motus causator:
Ähnlich in den beiden folgenden Bezirken IV 3,3 terrae motus inductores für
Ge 26°—28° und IV 3,4 faciunt terrae motus für Ge 28°—30°, sonst auch beim
Stier, s. zu IV 2,1 factores ... terrae motus. Ptol. apotel. 2,12,4 = Heph. 1,1,43
nennt nur die nördlichen Partien der Zwillinge σεισμοποιά, das wurde später
auf die ganzen Zwillinge ausgedehnt: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 90,
dazu noch Anon. apud Lyd. ost. p. 174,(17).
3. Dieses Notât ist eingelagert in das Teukros-Paranatellon I 3,11 pars Henio-
chi. australes: S. zu IV 1,1. bonae aspirationis significatores:
Ebenso IV 3,1 für Ge 8°.9°. Das Wort significator(es) verklammert die Lemmata
IV 3,1—3. terrae motus inductores: Ahnlich schon IV 3,2 für Ge 24° (s. d.)
und dann noch einmal IV 3,4 für Ge 28°—30°.
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154 IV. Wetternotate

4. gradus isti: Zusammen mit den Prognosen für die Teukros-Paranatellonten


I 3,12 Delphin et Satirus eingesprengt in den Gradbezirk VI 3,6 Coniunctio/Vin-
clum. terrae motus : Hier zum dritten Mal, s. o. zu IV 3,2 terrae motus cau-
sator für Ge 24°. [faciunt eqs.]: Es folgen die Prognosen für das Teukros-
Paranatellon I 3,12 Delphin et Satirus.

4. Cancer

1. Eingeschaltet in den doppelt genannten Venusbezirk V 4,2 Concupiscentia bei


Can 8°—13°. octavus et nonus gradus: Wie IV 3,1 an erster Stelle. au-
strales et frigidi et ve(n)tosi: Dieselbe Triade IV 4,2 für Can 21°(23°?).
australes : Der Einzelstern Procyon (nach VII 4,2 bei Can 2°36') ist zu weit ent-
fernt, um in Frage zu kommen. S. zu IV 1,1. frigidi: Gegen die Natur der
Venus: Ptol. apotel. 1,4,6. Ebenso gegen die Natur des Krebses: Ptol. apotel.
2,12,4 = Heph. 1,1,62 θερμόν. ve<n)tosi: Ptol. und Heph. a. 0 . nennen
die nördlichen Partien des Krebses πνευματώδη. Vgl. sonst IV 5,2
(Le 14°. 15°. 16°). IV 5,3 (Le 28°). IV 6,4 (Vi 28°). IV 7,1 (Li 9 o ). IV 7,2
(Li 21°.22°) und IV 11,4 (Aq 15°. 16°).
2. vicesimus primus : Aber F 23. Die Divergenz ist dadurch entstanden, daß
dieses Wetternotat in das Teukros-Paranatellon I 4,9 Ursa eingebettet ist, dessen
Anfangsgrad Can 21° und dessen Schlußgrad Can 23° ist. Welcher Grad gemeint
ist, läßt sich kaum entscheiden. Die folgende, nicht hierhergehörige Angabe stella
Canis spricht eher für Can 21°, s. Tab. 17 und zu II 4,12. australis et frigi-
dus et ventosus: Dieselbe Trias IV 4,1 für Can 8°.9°.

5. Leo

1. est vero: Das Wetternotat ist assoziativ an den Hauptstern des Löwen, Regu-
lus (VII 5,2), angeschlossen, den auch Vett. Val. 1,2,42 an entsprechender Stelle
nennt: ό δέ εν τω στηθεί λαμπρός πυρώδης και πνιγώδης. Die Begrün-
dung mit dem Einzelstern ist also an dieser Stelle schon alt. sextus gradus :
Bedeutet eine Aufrundung der vorher genannten Länge des Regulus bei
Le 5°5(6)'. Wieder richtet sich die Reihenfolge der Lemmata nach dem Schluß-
grad:
IV 5,1 Le 6° gradus aestivus
V 5,1 Le I o —6° termini Iovis
III 5,1 Le l ° - 6 ° (statt 7 o ) gradus lucidi
aestivus: Keine Entsprechung bei Ptol. apotel. 2,12,5 = Heph. 1,1,82 καυ-
ματώδες καί πνιγώδες, das Wort θερινός kommt nur als Variante zu θερμός
für den Krebs vor.
2. ventosi: Wie IV 5,3 von Le 28°, Geviertschein zu den gradus ventosi
IV 11,4 bei Aq 15°. 16°, s. zu IV 4,1 ventosi.
3. vicesimus octavus gradus : Derselbe Grad der folgenden Jungfrau (IV 6,4)
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5. Leo 155

ist ebenfalls ventosus. ventosus : S. o. Hier folgen singulär zwei Wetterbe-


zirke unmittelbar aufeinander. Es handelt sich um die drei Grade des Ty-
phon-Bezirks 15,12.
4. australes: S. zu IV 1,1. [faciunt eqs]: Gehört nach L als Prognose
zum Teukros-Paranatellon I 5,12 Typhon.

6. Virgo

1. quartus et quintus gradus: Im Gesamttext angeschlossen an das Teukros-


Paranatellon Machaera bei Vi 4°—6°. australes: Ebenso alleinstehend
IV 6,2 von Vi 9°. 10° und IV 6,3 von Vi 21° sowie IV 8,1 von Sc 4 ° - 7 ° und IV 8,4
von Sc 15°. 16°, vgl. im übrigen zu IV 1,1. Kein Bezug zur jahreszeitlichen An-
gabe des Teukros-Sternbildes I 6,2 Machaera bei Vi 4°—6°: θ έ ρ ο ς σύντομον
(fehlt im LH).
2. sunt autem: Im Gesamttext angeschlossen an den Aufgang des Teukros-
Paranatellons Lyra bei Vi 7°—10°. nonus et decimus: Abstand von 5° zu
IV 6,1 quartus et quintus. australis: S. zu IV 6,1.
3. quidem: In diesem System singulär (vgl. zu III 1,1), was vielleicht damit zu-
sammenhängt, daß F mit diesem Wetternotat die Einzelgradprognose II 6,6 für
denselben Grad verbindet, s.d. australis: S. zu IV 6,1.
4. vicesimus octavus gradus: Derselbe Grad des vorangehenden Löwen
(IV 5,3) ist ebenfalls ventosus. [qui est in stella splendida]: Widerspruch
zur folgenden Bestimmung caliginosus, gehört wohl zum lucidi-Bezirk III 6,6,
vgl. III 7,1 sunt stellae lucidae. Daher ist der Bezug zu Arktur, den W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 286 sehen möchte, auszuschließen. in-
aquosus: Übersetzt das seltene Wort άνυδρος, vgl. CCAG 1X2 (1953),
p. 174,26 vom Steinbock, dazu W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 96. Ge-
gensatz ist IV 8,5 aquosus bei Sc 29° (beinahe genau Sextilschein), beide Male
neben caliginosus, s. d. caliginosus: S. zu IV 1,2. Daß diese Kategorie nicht
(wie tenebrosus und obscurus) zu den Helligkeitsbezirken gehört, beweist auch
der Widerspruch zu stella splendida. grandinosus: Wie IV 1,2 für
Ar 9°.10°.l I o , s. d. ventosus: Nur diese Bestimmung könnte auf Ptol. apotel.
2,12,5 = Heph. 1,1,101 zurückgehen, wo die nördlichen Partien der Jungfrau
πνευματώδη heißen. [locus iste eqs.J: Gehört nach L als Prognose zum
Teukros-Paranatellon I 6,9 Bucephalus bei Vi 27°—30°.

7. Libra

1. nonus gradus : Schließt sich im Gesamttext zwar glatt an den umòrosi-Bezirk


Li 4°—8° an, doch dieser gehört zum benachbarten Skorpion: III 8,2. Auch beim
Schützen und beim Steinbock wird an erster Stelle der neunte Grad berücksich-
tigt. caliginosus, australis et ventosus : Ahnlich die Trias IV 9,2 für
Sa 19°.20° australes, hiemales et caliginosi, also ventosus = hiemalis im Sinne
von χειμερινός? Daß sich in den beiden verglichenen Bezirken (Li 9° und
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156 IV. Wetternotate

Sa 19°.20°) nach Teukros II gleichermaßen Chiron befindet, ist wohl nur ein Zu-
fall. caliginosus: S. zu IV 1,2. australis: S. zu IV 1,1. ventosus:
So auch IV 7,2 für Li 21°.22°, nur diese Kategorie auch bei Ptol. apotel. 2,12,6 =
Heph. 1,1,120 πνευματώδη von den nördlichen Partien der Waage.
2. vicesimus primus et vicesimus secundus: Bezieht sich in erster Linie auf
die widersprüchliche Helligkeitsangabe III 8,5, die aber zum Skorpion gehört,
ventosi: S.o. zu IV 7,1 ventosus für Li 9°.

8. Scorpius

1. quartus gradus: Wird zweimal australis genannt, das erste Mal in Verbin-
dung mit der Einzelgradprognose 118,1, s.d. australis: Alleinstehend wie
IV 8,4 für Sc 15°. 16°, vgl. zu IV 6,1. a quarto usque ad septimum: Nach
dem Einzelgrad Sc 4° jetzt der ganze Bezirk, der im Gesamttext erst nach dem
Teukros-Paranatellon I 8,2 Uranoscopus bei Sc 5°—7° folgt, weil für die Anord-
nung nicht der Anfangsgrad, sondern der Schlußgrad maßgeblich ist. Es handelt
sich um den zweitlängsten Bezirk in dieser Schicht, der dem längsten (IV 2,1 bei
Ta 1 8°) diametral gegenüberliegt. Der Schlußgrad entspricht hier dem Marsbe-
zirk V8,l bei Sc Io—7° und dort dem Venusbezirk V2,l bei Ta Io—8°.
2. cuius in opposito Plias occidit: Müßte entweder heißen cuius in opposite
Plias oritur (vgl. IV 2,1 a primo gradu ad. octavum et usque ad Pliadem : genaue
Opposition) oder ubi in opposito orta Plias occidit sim. Die Opposition von Stier
und Skorpion wird II 2,9 und II 8,6 wegen der diametralen Position von Aldeba-
ran und Antares hervorgehoben, s.d. Anders Teukros II (12,1): Aufgang der
Pleiaden mit Ta Io—3°. caliginosus: Kommt im Skorpion dreimal vor: hier,
IV 8,3 für Sc 10°. 11° (vielleicht mit Sc 8° zu einem Bezirk zusammenzunehmen)
und IV 8,5 für Sc 29°, vgl. zu IV 1,2. W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 286 sieht hier einen Einfluß der Stirnsterne des Skorpions (vgl. VII 8,1
bei Sc 9°6'—9°46'), diese sind II 8,5 (nach Dorotheos) auch für Augenschäden
verantwortlich, vgl. zu IV 9,2 und IV 10,2. [facit eqs.]: Die Einzelgradpro-
gnose II 8,4.
3. humidi et caliginosi: Stärker IV 8,5 für Sc 29°: caliginosus et aquosus.
humidi: Ptol. apotel. 2,12,6 = Heph. 1,1,140 nennt die südlichen Partien des
Skorpions ενικμα. caliginosi: So schon IV 8,2 von Sc 8°: Dieser Einzelgrad
ist daher vielleicht mit Sc 10°. 11° zu einem Bezirk zusammenzunehmen, s.d.
4. quintus decimus et sextus decimus gradus: Von hier aus ergibt sich ein
Gegenschein zu Ta 15°. 16° (IV 2,3) und ein Geviertschein zu Aq 15°. 16°
(IV 11,4). Die Opposition von Ta 15° und Sc 15° spielt auch bei den Einzelster-
nen Aldebaran und Antares eine Rolle, s. zu 112,9 und 118,6. [facit eqs.]:
Die Einzelgradprognose II 8,6, die der diametral gegenüberliegenden (II 2,9 für
Ta 15°) ähnlich ist. australes: Da der Einzelstern Antares (nach VII 8,3 bei
Sc 16°6') ein südlicher Stern ist, mag sich das Wort hier auf die vorausgehende
Prognose in diesem Sinne beziehen, vgl. im übrigen zu IV 1,1. IV 6,1. IV 8,1.
5. caliginosus: Die dritte Erwähnung dieser Kategorie im Skorpion, s. zu
IV 8,2—3, ferner zu IV 1,2. aquosus: Hier zum ersten Mal, ebenso IV 11,2
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8. Scorpius 157

von Aq 7° und IV 11,3 von Aq 10°, aber IV 9,1 aquaticus. Gegensatz ist IV 6,4
inaquosus für Vi 28°: beinahe Sextilschein. Uber die vielen griechischen Begriffe
für die Feuchtigkeit W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 503.

9. Sagittarius

1. nonus gradii s : Noch vor den wasserbezogenen Teukros-Paranatellonten I 9,3


Argo et Pelagus bei Sa 1 Io—15° genannt, daher ohne Bezug zu diesen. Auch bei
der Waage und beim Steinbock wird an erster Stelle der neunte Grad berück-
sichtigt. aquaticus: Der Text benutzt sonst das Wort aquosus, so auch im
vorhergehenden Lemma IV 8,5, s.d. — Ptol. apotel. 2,12,7 = Heph. 1,1,159
nennt die vorderen Partien des Schützen δίυγρα.
2. nonus decimus et vicesimus gradus: Die letzten beiden Grade des Teu-
kros-Paranatellons Chiro bei Sa 16°—20°, das aber viel früher genannt wird,
australes, hiemales et caliginosi: Vgl. zu IV 7,1 für Li 9°: caliginosus, australis
et ventosus. An beiden Stellen befindet sich das Teukros-Paranatellon Chiro(n).
australes : Kaum wegen des Schützen-Auges (nach VII 9,2 bei Sa 18°. 19°) oder
wegen des Knies (nach VII 9,3 bei Sa 20°26'), s. zu IV 1,1. caliginosi: S. zu
IV 1,2. Hier liegt vielleicht Einfluß des nebelhaften Auges des Schützen vor
(VII 9,2 bei Sa 18°. 19°), vgl. zu IV 8,2.

10. Capricornus

1. nonus gradus: Wie IV 7,1 und IV 9,1, s.d. humidus et frigidus: Wird
einzeln für die Grade Cap 9°, 10° und 110 genannt, gehört aber wohl zu einem
einzigen Bezirk. Die ersten beiden Lemmata sind mit den entsprechenden Ein-
zelgradprognosen II 10,11 und II 10,12 verbunden. Somit überlappen sich zwei
3°-Bezirke: die Einzelgrade Cap 8°, 9° und 10° (II 10,10-12), die den Bezirk
des Teukros-Paranatellons I 10,3 Serpens magnus ausfüllen, und der feucht-kalte
Bezirk Cap 9°—11°. Feucht und kalt sind die Grundqualitäten des schwersten
der vier Elemente, des Wassers, das auch bei Teukros II eine Rolle spielt, vgl. zu
I 10,3 Serpens magnus. humidus: Ptol. apotel. 2,12,7 = Heph. 1,1,179
nennt den ganzen Steinbock κάθυγρος sowie die nördlichen und südlichen Par-
tien κάθυγρα, Vett. Val. 1,2,60 die zweite von vier Partien κάθυγρα, όμβρικά.
undecimus gradus: Unterbricht im Gesamttext den Übergang von der Einzel-
gradprognose 1110,13 für Cap 11°. 12° zur Einzelgradprognose 1110,14 für
Cap 13°.
2. a vicésimo secundo gradu usque ad vicesimum tertium: Das ist der Be-
zirk des erst später mit falschem Schlußgrad (Cap 22o—27°) und falschem Na-
men (Delphin) überlieferten Adlers (I 10,8), dessen Prognosen an dieses Wetter-
notat angeschlossen sind. caliginosi: S. zu IV 1,2. Ob das nebelhafte
Rückgrat des Steinbocks eine Rolle spielt (nach VII 10,3 bei Cap 27o—29°, nach
Ptolemaeus bei Cap 23°20'—25°), ist zweifelhaft, vgl. zu IV 8,2. nivosi: So
richtig Gundel im Text, aber Ders., Neue astrologische Texte (1936), 175 vi-
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158 IV. Wetternotate

tiosi — wohl aus Versehen. Diese seltene Wetterqualität wählt Ptol. apotel. 2,12,8
= Heph. 1,1,198 erst für die südlichen Partien des Wassermanns: νιφετώδη.
[facit eqs.]: Die Prognose für das Teukros-Paranatellon I 10,8 Aquila [Delphin
trad.], die der Nennung des Sternbildes vorausgeht.

11. Aquarius

1. Dieses Wetternotat unterbricht den Zusammenhang zwischen dem Aufgang


und der Prognose des Teukros-Paranatellons 111,1 Eridanus bei Aq Io—3°.
secundus et tertius gradus: Diese beiden Grade nennt der Gesamttext kurz
darauf noch einmal, dort handelt es sich um die Einzelgradprognose II 11,1. Das-
selbe wiederholt sich IV 11,2 und II 11,2 für Aq 7°. humidi et frigidi: Ptol.
apotel. 2,12,8 = Heph. 1,1,198 nennt das Zeichen des Wassermanns ψυχρόν
[ψυχρώδες Heph.] καί κάθυγρον. Es handelt sich um die Grundqualitäten des
Wassers (vgl. zu IV 10,1) und paßt somit hier zum Teukros-Paranatellon Erida-
nus, in das dieses Wetternotat eingeschaltet ist. humidi: Ptol. und Heph.
a. 0 . nennen die vorderen Partien κάθυγρ(Χ, ebenso Vett. Val. 1,2,68 f., der vor-
her den ganzen Wassermann als κάθυγρος bezeichnet hat. [fiunt eqs.]:
Angeschlossen ist die Prognose für das Teukros-Paranatellon I 11,1 Eridanus.
2. Auch dieses Wetternotat unterbricht (wie das vorangehende Notât IV 11,1)
den Zusammenhang zwischen dem Aufgang und der Prognose eines Teukros-
Paranatellons, in diesem Fall von I 11,2 Ibis und Duo Dracones bei Aq 4°—7°.
septimus gradus: Wird im Gesamttext kurz darauf noch einmal für die Einzel-
gradprognose II 11,2 genannt, vgl. IV 11,1 und II 11,1 für Aq 2°.3°. Da sogleich
(IV 11,3) noch einmal Aq 10° aquosus genannt wird, handelt es sich vielleicht
um einen zusammenhängenden Bezirk. aquosus : Ebenso IV 11,3 für
Aq 10° und IV 8,5 für Sc 29°, aber IV 9,1 aquaticus für Sa 9°. Das Wort über-
setzt hier Ptol. apotel. 2,12,8 = Heph. 1,1,198 ύδατώδες, während IV 11,1 hu-
midi wohl das Wort κάθυγρος wiedergibt. [facit eqs.]: Es folgt die Pro-
gnose für das Teukros-Paranatellon I 11,2 Ibis.
3. decimus gradus : Der letzte Grad des im Gesamttext vorausgehenden Teu-
kros-Paranatellons Lupus bei Aq8°—10°. Er wird noch vor der Einzelgradpro-
gnose II 11,3 für Aq 8° genannt, dadurch rücken die beiden als aquosus bezeich-
neten Grade, Aq 7° und Aq 10°, näher zusammen. Sie gehören vielleicht zu ein
und demselben Bezirk, s. o. aquosus: Wie IV 11,2, s. d.
4. Das Lemma unterbricht den Zusammenhang zwischen dem Aufgang des
Teukros-Sternbildes 111,5 Lyra bei A q l 4 ° ( l l ° trad.)—15° und dessen Pro-
gnose. quintus decimus et sextus decimus gradus: Diese beiden Grade
werden auch im Stier (IV 2,3) und im Skorpion (IV 8,4) australes genannt, alle
drei Tierkreiszeichen gehören dem 'festen' Quadrat an. australes : Der Ein-
zelstern Fomalhaut (nach VII 11,2 bei Aq 10°26') erscheint zu früh, um in Frage
zu kommen, s. zu IV 1,1. ventosi: Ptol. apotel. 2,12,8 = Heph. 1,1,198
nennt die hinteren Partien des Wassermanns πνευματώδη, im übrigen Gegen-
schein zu den gradus ventosi IV 5,2 bei Le 14°. 15°. 16°, vgl. ferner zu IV 4,1 ven-
tosi. reliqui vero gradus sunt varii: Eine Art Abbruchsformel, die nur in
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11. Aquarius 159

dieser Schicht gebraucht wird. Sie bezieht sich wohl nicht nur auf die übrigen
Grade des Wassermanns, sondern auf den ganzen fehlenden Rest des Systems,
[significai eqs.]: Es folgt die Prognose des Teukros-Sternbildes I 11,5 Lyra.

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V. PLANETENBEZIRKE

1. Aries

1. q u i d e m : Leitet noch viermal ein Lemma über einen Planetenbezirk ein:


V 1,4. V 2,2. V 4,4 und V 7,1, sonst III 1,1 und IV 1,1 bei einem Helligkeits- und
Wetterbezirk, VI 3,5 bei einem Gradbezirk, VII 2,5 bei einem Einzelstern. In der-
selben Funktion erscheint enim, s. zu V 2 , l . termini: Übersetzt όρια, das
Fachwort für diese Bezirke (anders LH 16 p. 42,10 términos lucidos signorum:
gehört zu III). Firm. math. 2,6 u. ö. übersetzt dieses Wort mit fines. Iovis :
Jupiter ist der Nachtregent des ersten Dreiecks, daher erhält er auch den ersten
Bezirk des Löwen (V5,l) und des Schützen (V9,l). C u r r u s : Ubersetzt
Kam. 270 'Άρμα. Dagegen bedeutet der Name des Kritodemos (Δίαρμα) nach
Ausweis der Lexika "Erhöhung", vgl. εξαρμα = "Polhöhe". Damit bezeichnet
dieser Name etwa dasselbe wie der des dritten planetenlosen Gradbezirks des
Widders (VI 1,3): Exaltatio (s. d.). Hierfür hat wiederum Kam. 275 innerhalb des
folgenden Venusbezirks V 1,2 bei Ar 7°—12° die Bezeichnung 'Υψώματα an fal-
scher Stelle nachgeholt. — Die Vorsilbe Δι- kehrt — in anderer Bedeutung — im
letzten Bezirk des Widders wieder (V 1,5) Διπροσωπία = Bifacies. enim:
Leitet hier die Prognose ein wie V 5,4 und V 5,5, vgl. das bei den Gradbezirken
stereotype quod/quia/quoniam. mobiles et ... pervenientes: Cumonts Um-
stellung και προκοπαί glättet zwar den Text, doch das καί verbindet dann
einen Namen und eine Wirkung. Das Wort προκοπαί ist hier an der ersten
Stelle nicht genau übersetzt:

Stelle Kritodemos Planet LH

V 1,1 προκοπαί Jupiter pervenientes


1,3 προκοπαί Merkur proficuum
2,3 προκοπαί Jupiter proficua
3,4 προκοπαί Mars proficua
5,1 προκοπή Jupiter profectus
5,2 προκοπαί Venus proficuum
6,3 προκοπαί Jupiter profectus
8,4 προκοπαί Jupiter proficientes
12,2 Προκοπή Jupiter —

Dieser Stelle am nächsten kommt V 5,1 προκοπή άπό μικράς τύχης = pro-
fectus, quoniam a parva fortuna exaltantur: Gedrittschein zweier Jupiter-Be-
zirke. Wenn das Wort mobiles nicht προκοπαί wiedergibt, dann ist im griechi-

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1. Aries 161

sehen Exzerpt nach καί eine Lücke anzunehmen, in der ein Verbum wie
προκόπτοντες gestanden haben könnte. Andernfalls ist καί zu tilgen, vgl. zu
V 3,4. mobiles: Ebenso VI 1,6 mobiles im Gradbezirk Motus bei
Ar 25°—30° und — tetragonal entfernt — unter dem Krebs im Saturnbezirk V 4,5
bei Can 27°—30°: instabilissimi, ... valde mobiles. Der Widder ist ein 'tropi-
sches' Tierkreiszeichen, vgl. unter der gegenüberliegenden Waage II 7,4 instabi-
les bei Li 26°.27°. bieives: Das Wort findet sich weder im ThLL noch bei
Du Cange, es bestätigt bei Kritod. die Lesart Ρ δίπολίται, vgl. Maneth. 5,291
(Jupiter in einem Haus der Venus) δίπολίται. Anders Kam. 272 μεγίστων
όχλων άστικών γίνεται άρχηγέτης. Entsprechend fehlt bei Kam. die Vorsilbe
Δι- im Namen Άρμα, vgl. zu 19,2 Ancipit[r]i(s): TÒ πρόσωπον neben δι-
πρόσωπον.
2. Cupido: Genauso heißt der Venusbezirk V 2 , l am Anfang des Stiers, ent-
sprechend dem S. I 182. und Tab. 32 dargestellten Prinzip, daß der zweite Plane-
tenbezirk häufig der erste des nachfolgenden Tierkreiszeichens ist. Nur in diesem
ersten Fall stimmt sogar der Name überein. amicitias ... erga egregias
mulieres: Gedrittschein zur Prognose des Venusbezirks V 5,2 bei Le 7°—11°:
amicitia erga maiores. Vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 30'. egregias mu-
lieres: Paßt auch zu Kassiopeia bei Ar 1 I o —12° (I 1,5).
3. est: Ebenso V 4 , 3 beim Merkurbezirk Can 14°—19°: Geviertschein.
B o n u m nutrimen: Wohl als Name zu werten, vgl. Kam. 278 καλείται (aber
ohne diesen Namen), ferner V 9,5 Ανατροφή vom Saturnbezirk Sa 27°—30°.
amor laboris: Wohl kein Name mehr trotz Kam. 278 καλείται δέ ... Φιλοπο-
νία. profieuum: Kritod. hat den Plural (ebenso V 5,2), doch Kam. 278 eben-
falls den Singular Προκοπή, vgl. zu V 1,1 ad maiora pervenientes.
4. quidem: Vgl. V 1,1. Distemperantia: Wie Kam. 281 καλείται Άκρα-
σία, danach ist der Text von Kritod. zu ergänzen. Wohl um einen Fehler handelt
es sich bei dem Namen des Jupiterbezirks V 8,4 Intemperantia, s. d. descen-
siones: Vgl. den Namen Descensio des Gradbezirks VI 3,3 bei Gel3°—15°.
exilium, fugas : Bestätigt F. Cumonts Konjektur έξορισμοί für Kritod. Ebenfalls
im Marsbezirk (V 4,1) bei Can I o —7° exilia, (V 9,5) bei Sa 27°—30° exilium und
(V 10,5) bei Cap 27°—30° fugas, carcerem, custodias vel exilia. detentio-
nes: Nichts Entsprechendes bei Kritod., ebensowenig im Marsbezirk V 8 , l bei
Sc I o — 7°: detentio.
5. Bifacies: Übersetzt Kritod. διπροσωπία (διπρόσωποι var. 1., aber δι-
προσωπεΤαι Kam. 286 [ΐδιοπροσωπίαι Weigl coll. CCAG I (1898), 157,29]),
von A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 227 wohl zu Unrecht eingeklammert. Die
Vorsilbe Δι- begegnet schon beim ersten Bezirk des Widders, zwei Gesichter
spielen beim zodiakalen Schützen eine Rolle, vgl. zu I 9,2 διπρόσωπον βασι-
λείας. dispensatores: Übersetzt επίτροποι wie in den beiden einander
diametral gegenüberliegenden Merkurbezirken V 2,2 bei Ta 9°—14° und V 8,3
bei Sc 1 2 ° - 1 9 ° . Nach Ptol. apotel. 4,2,2 = Heph. 2,17,4 gehört die έπιτροπία
allerdings zu Jupiter. Sonst auch beim Einzelgrad Ar 23° (II 1,13) und beim Teu-
kros-Paranatellon 16,1 Spica. super populis: Danach Kritod. έν οροις
(όρίοις Q) wohl zu ändern in έν οχλοΐς. Eine ähnliche Prognose erscheint für
den Jupiterbezirk V 6 , 3 : populorum praepositos. Vgl. zu V 1,1 bieives.
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162 V. Planetenbezirke

2. Taurus

1. enim: Hier zum ersten Mal am Anfang eines Planetenbezirks wie V 3,1 (dort
aber auch in anderer Funktion). V 3,2. V 3,3. V 3,4. V 4,2. V 5,2. V 7,2. V 7,5.
V 8,1. V 8,4. V 9,1. V 10,1. Eine Prognose leitet das Wort V 1,1 ein. Vene-
ris : Venus ist Tagregentin des zweiten Dreiecks und hat im Stier ihr Nachthaus.
Außerdem gehen mit dem Anfang des Stiers die Pleiaden auf, die nach Manil.
5,143 (bei Ta 6°) Bacchi Venerisque sequaces hervorbringen, vgl. zu dem dek-
kungsgleichen Wetterbezirk IV 2,1, von wo aus eine Beziehung zum diametralen
Marsbezirk V 8,1 besteht. Cupido: Genauso heißt der Venusbezirk im Wid-
der (V 1,2), s. d. Nur scheinbar stimmt Manil. 4,151 habitatque puer sub fronte
Cupido überein, denn die Stirn befindet sich am Ende des rückwärts aufgehen-
den Stiers: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 540 ad 1. amatores puri-
tatis, musici, alacres: Vgl. Vett. Val. 1,1,30 (Venus) φιλοκαθαρίους καί φιλο-
παιγνίους αυτούς αποτελεί περί τά των ζωδίων αύτής ορια καί τάς
μοίρας, amatores puritatis verheißt auch der Venusbezirk in dem anderen Ve-
nushaus, der Waage (V 7,4), vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 172. musici:
Als Wirkung der Venus auch Ptol. apotel. 4,4,6 = Heph. 2,19,12, zum Text
F. Cumont (a. 0.), 82 3 , vgl. zu I 3,2.
2. quidem: = V 1,1, s.d. Supini: Ist wohl eine falsche Wiedergabe von
Kritod. Ειρήνη (Kam. fällt hier aus); nach dem lateinischen Text F Souvin. Die
drei Wirkungen werden jedoch getreu übersetzt. horoscopi: Hier adjekti-
visch wie V 3,1, s. unter den Einzelgraden zu II 2,1 und unter den Gradbezirken
zu VI 1,6. quia cum eqs.: Die Grenze zwischen Name (Ειρήνη) und Wir-
kung (ήγεμόνες/ήγεμονία) wird in diesem Fall auch in Q markiert: σημαίνει
δέ ήγεμόνας. dispensatores : Wie im Saturnbezirk des Widders (V 1,5),
s. d.
3. quinto decimo: Diese einhellig überlieferte Zahl erfordert auch das System
(quarto decimo Gundel). Pulchritudo eqs.: Eine Häufung von fünf Nomina,
bei der der Übergang vom Eigennamen zur Prognose schwer zu bestimmen ist.
Pulchritudo ... insperata proficua: Das zweite ist wohl eine Wirkung, vgl. vom
Venusbezirk V 3,3 bei Ge 13°—17°: pulchritudo (oder Name wie hier?), felicitas
ab insperatis, ferner Firm. math. 8,21,6 für Ge 16°: perspicua pulchritudo. Zur
Schönheit der Zwillinge W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 148. Gloria:
Der Name bezeichnet im Plural Gloriae den Jupiterbezirk V 6,3 bei Vi 18°—21°
und — im Singular — nur bei Kam. 1136 den Jupiterbezirk V 8 , 4 : Δόξα, vgl.
Kam. 1550 Εύδόξων für den Jupiterbezirk Aq 1 4 ° - 2 0 ° (V 11,3), ferner Ptol.
apotel. 2,9,9 (δόξας als Wirkung Jupiters) und Firm. math. 6,32,56: Gloriae
werden durch die Distanz zwischen Jupiter und Venus ermittelt. Aditus:
Vgl. den Namen des Marsbezirks V 8 , l Aditus alienorum = Προσθέσεις αλλό-
τριων, danach ist wohl auch hier bei Kritod. Π ρ ό ( σ ) θ ε σ ΐ ς zu lesen. inspe-
rata proficua: Übersetzt Kritod. προκοπαΐ άνέλπίσται, vgl. zu V 1,1 perve-
nientes, ähnlich im Venusbezirk V 3,3 felicitas ab insperatis für ευτυχία έξ
ανέλπιστων. multae amicitiae: Bietet eine Mischform der griechischen
Überlieferung: Die in allen griechischen Hss. hinzugefügte Negation ού ist wohl
zu tilgen, denn man erwartet bei Jupiter eine positive Prognose (wie vorher),

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2. Taurus 163

wenn der Stier auch nicht zu den "gemeinschaftlichen" Tierkreiszeichen des drit-
ten Quadrats gehört, hierzu W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 188f. — Im
übrigen Gedrittschein zum Jupiterbezirk V 6 , 3 bei Vi 18°—21°: profectus, amici-
tiae.
4. ( a vicésimo tertio g r a d u ) : Dieser Planetenbezirk ist falsch mit der Grad-
angabe für Bellatrix (VII 2,8) kombiniert, s. d. Solutio: Also statt λύσεις bei
Kritod. wohl Λύσις zu schreiben. Ebenso heißt der Gradbezirk VI 4,1 bei
Can 10°( —14°). Möglicherweise liegt ein Bezug zur Entfesselung Saturns vor,
vgl. LH 1 p. 20,7 (Talli): stans sicuti Saturnus iunctis pedibus, doch stimmt die
Jahreszeit (Dezember) nicht. Gegensätzlich die Wirkung V 3,5 vinctiones.
malorum: Anders Kritod.: πάντων.
5. Der letzte Planetenbezirk des Stiers ist an das letzte Teukros-Paranatellon
Ursa (I 2,9) angeschlossen und in der Form a b a b mit dem Gradbezirk VI 2,9
Ignis verschränkt, s.d. (sunt termini Martis): Von W. Gundel richtig er-
gänzt, aber erst nach dem Wort habebunt, die Angabe gehört jedoch vor den Na-
men des Bezirks. Violentia: In F viólense de feu mit dem vorangehenden
Wort zusammengenommen, so auch von W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 162 und 270, doch von A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 227 und 230
richtig getrennt, vgl. zu VI 2,9 Ignis. Der Name Violentia ist die einzige Quelle
für die Benennung des Bezirks, denn der Name ist bei Kritod. ausgefallen. Man
hat wohl Βία zu ergänzen, das einer Haplographie zum Opfer gefallen ist, vgl.
etwa die Marswirkung bei Ptol. apotel. 2,9,11 βίας. violentam mortem:
Nimmt deutlich Bezug auf den Namen des Bezirks, es handelt sich aber um eine
häufige Prognose, vgl. zu II 2,3 patientes mortem violentam latrones, rapa-
ces, damnati: Ähnlich in der verlorenen Partie des Marsbezirks V 12,4 Kritod.:
αρπαγές, ληστρικοί, ..., δίκας πολλάς. Vgl. Ptol. apotel. 4,4,7 (Merkur und
Mars mit Saturn): αρπαγας, ληστάς, ferner F. Cumont, L'Egypte (1937), 67'.
damnati: Bestätigt bei Kritod. die Lesart POQ κατάκριτοι (κράτιστοι RV).
alii: Bestätigt weiter bei Kritod. den Text von PO τινές. mutilantur: Der
Stier ist ein halbes, verstümmeltes Tierkreiszeichen, vgl. zu 12,1 secantur pu-
denda und beim letzten Grad Ta 30° (II 2,16) ab igne vel ferro vi decisiones ha-
bent.

3 . Gemini

1. Der erste Planetenbezirk wird zweimal genannt, das erste Mal zwischen dem
Helligkeitsbezirk III 3,1 lucidi, der Einzelgradprognose II 3,1 und der planetaren
Differenzierung der Teukros-Paranatellonten Hippocentaurus und Apollo (I 3,2),
das zweite Mal als Lemma für sich. vocatur enim: Da die Namensnennung
auf die Prognose folgt, hat enim hier eine echt kausale Funktion, anders als
sonst, s. zu V 2,1. Der Name des Planetenbezirks begründet hier die Einzelgrad-
prognose navigantes, die in der Dublette mit dem Wort navigabiles wieder auf-
genommen wird. Möglicherweise spielt dabei auch der im Folgenden genannte
feuchte Saturn eine Rolle. Der Planet Merkur wird an der ersten Stelle noch
nicht erwähnt. Tranquillitas : Übersetzt hier Kritod. Γαλήνη, vgl. zu VI 3,5
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164 V. Planetenbezirke

G(al)ene und M.-H. Quet, La mosaïque (1981), 337;). Das Wort kommt bei Teu-
kros II auch als Prognose für den Delphin vor (I 9,6): circa navigationem explo-
ratores tranquillitatis, dabei ist wieder der Bezug zur Seefahrt deutlich, s. d. Daß
die Zwillinge gutes Wetter bringen, ist auch sonst reichlich belegt, vgl. zu IV 3,1
= IV 3,3 bonae aspirationis significatores. W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 257 f. hat das vermeintliche Sternbild bei Sternen der Argo angesiedelt,
dagegen richtig A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 228: Es handelt sich um den
Namen eines Planetenbezirks. — Der Gegenschein des Gradbezirks VI 9,1 Tur-
batio ist wohl nur zufällig, denn die beiden Namen gehören verschiedenen Syste-
men an. a primo enim: Hier enim in der üblichen Funktion, s. o. In F folgt
dieses Lemma auf die Teukros-Paranatellonten I 3,3 Draco, Ursa und Venator.
Mercurii: Merkur ist der Nachtregent des dritten Dreiecks und regiert daher
auch den ersten Bezirk (V 11,1) des Wassermanns. Außerdem hat er in den
Zwillingen sein Nachthaus. horoscopi: Adjektivisch wie V 2,2, s. d. con-
stantes: Soll wohl ενστάσεις (και στάσις var. 1.) wiedergeben, obwohl keine
genaue Entsprechung vorliegt. intellegibiles: Nicht bei Kritod., vgl. jedoch
Vett. Val. 1,3,11 von eben diesem Bezirk [sc. μοιραι] συνεταί, [...] επιστημο-
νικοί. taciti: Soll wohl ήσύχιαι (oder ήσυχίαι) entsprechen. Das Femini-
num im Griechischen könnte sich auch auf ein zu ergänzendes μοιραι beziehen,
vgl. Vett. Val. a. 0 . [navigabiles]: Fehlt bei Kritod. und Vett. Val., wohl Du-
blette zu 113,1 navigantes, s.d.
2. enim: S. zu V 2,1. usque ad duodecimum: Denselben Schlußgrad hat
der Gradbezirk VI 3,2 Temperantia. Beneficia: Der Plural auch bei
Kam. 455 Εύεργεσίαι, aber der Singular bei Kritod. und in F Benefisse. be-
nefaciunt et recipiunt beneficia: Bestätigt für Kritod. die Reihenfolge in VR ευ-
ε ρ γ ε τ ο ύ ν και ευεργετούνται. Vgl. Vett. Val. 1,3,12 εύεργετικαί (sc. μοιραι).
3. enim: S. zu V2,l. quidem: Steht sonst sogleich bei der Gradangabe,
s. zu I 1,1. locus: Ist noch kein Name wie VI 5,1 (so Gundel), vgl. Kritod.
Das Wort bezeichnet aber sonst nur Gradbezirke (vgl. zu VI 1,1), keine Planeten-
bezirke, in F allerdings auch V 10,4—5 (Z. 663 und 675) lius für Planetenbe-
zirke. Flos: pulchritudo: Diese Interpunktion ist unsicher, s.o. S . I I 8 4 f .
Flos: Etwas anders Vett. Val. 1,3,13 άνθηραί, sc. μοιραι. pulchritudo:
Hier zweifelnd als Prognose gewertet, doch als Name fungiert das Wort V 2,3 (Ju-
piterbezirk). Zur Schönheit der Zwillinge überhaupt W. Hübner, Die Eigenschaf-
ten (1982), 148. felicitas ab insperatis: Kaum als Name zu werten, ebenso-
wenig bei dem soeben genannten Jupiterbezirk V 2,3 insperata proficua.
4. enim: Wie V 2,1, s.d. Martis: Hiernach muß Kritod. in Άρεως korri-
giert werden, vgl. auch F. Cumont p. 259,28 app. Fortitudo: Ubersetzt hier
Kritod. Δύναμις wie beim Jupiterbezirk V 9,1 Δυνάμεις, aber beim Marsbezirk
V 7,5 für 'Ισχύς. Der Name bezeichnet einmal auch einen planetenlosen Gradbe-
zirk (VI 6,3). Zur Verbindung von Mars und fortitudo vgl. Serv. georg. 1,33
p. 140,25 Augustum et fortem propter Scorpium, id est Martis domicilium [...]
fore significai, ferner W. Hübner, Zur neuplatonischen Deutung (1990), 9572.
et praesidens potestas: Wahrscheinlich beginnt hier die Wirkung, also viel-
leicht zu schreiben Fortitudo [et]: praesidens potestas, vgl. zu V 1,1. Die Junktur
übersetzt Kritod. έξουσία ηγεμονική, Kam. 461 verbindet εξουσία mit dem
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3. Gemini 165

Folgenden: προκοπή έξουσίας. Für eine Prognose spricht auch die Wirkung
praesides im Merkurbezirk V 2,2 und im Jupiterbezirk V 9,1. proficua: Wie
V 2,3, vgl. zu V 1,1 pervenientes.
5. Subiectio: Bestätigt für Kritod. die Lesart POQ 'Υποταγή, ebenso
Kam. 463, ύπαγωγή VR ("fort, recte" Cumont). vinctiones: Vgl. zu V2,4
Solutio und die Wirkungen des Gradbezirks VI 3,6 Vinclum : super aliquibus
vinctionibus. Hier kaum wegen der wollenen Binden der Saturnstatue, die im De-
zember gelöst wurden, vgl. dennoch LH 1 p. 20,7 (Ta III) stans sicuti Satumus
iunctis pedibus und p. 21,32 (Li II) figura stans super palude, desinens in unum
coniunctis pedibus und G. Wissowa in: W.H.Roschers ... Lexikon IV
(1909—1915), 431,58 s.v. Saturnus. dignitatis depositionem: Nach Kri-
tod. καθαίρεσις άξίας, dagegen im Saturnbezirk V7,l καθαίρεσις ύπαρ-
χόντων (s. d.), anders Kam. 464 άλαμπεϊς γ ά ρ μοιρίαι, was für die diesem
Lemma im Gesamttext vorausgehenden gradus umbrosi (III 3,6) steht, Geviert-
schein zu V 6,5 ~ III 6,7 κεναί, s. d.

4. Cancer

1. Martis : Mars ist Regent des vierten Dreiecks, darum erhält er auch den ersten
Bezirk (V8,l) des Skorpions. Possessio: Hat keine Entsprechung, weder
bei Kritod. noch bei Kam. 589f., dafür ist Kritod. κινήσεις nicht übersetzt, hat
also der Übersetzer κτήσεις/κτήσις gelesen? Auf der anderen Seite gehört aber
κινήσεις eng zu den folgenden Begriffen. Zu κίνησις vgl. den Gradbezirk VI 1,6
Motus: ebenfalls bei einem 'tropischen' Zeichen. turbationes: Für einen
(stillschweigenden) Übergang vom Namen zur Prognose spricht hier der Wechsel
vom Singular zum Plural, vgl. im übrigen den Namen des Gradbezirks VI 9,1
Turbatio. exilia: Noch dreimal in Marsbezirken, s. zu V 1,4 exilium.
2. Dieses Lemma ist im LH geteilt: Bezirk und Name erscheinen suo loco, die
Wirkungen sind mit dem Wetternotat IV 4,1 verquickt, daher die Wiederholung
von termini Veneris. enim: Wie V 2 , l , s.d. Concupiscentia: Bestätigt
für Kritod. die Lesart Ρ 'Επιθυμία (Bei Kam. 592 έπιθυμίαΐ als Wirkung über-
liefert). Einen Gegensatz bildet der Name des sich anschließenden Merkurbe-
zirks V4,3 Contemperantia. amatores puritatis et desiderabiles: Bestätigt
für Kritod. die Reihenfolge in PO φιλοκαθάρ(ιοι), έπιθυμητικοί (ähnlich Q).
Das letzte Wort verlangt eher die Übersetzung desiderantes.
3. est: Statt vocatur wie V 1,3 (ebenfalls Merkurbezirk) bei Ar 13°—20°: Ge-
viertschein. Contemperantia: Trotz Kritod. συγκράσεις (σύγκρασις?)
hier wohl Eigenname, komplementär zum Namen V 4,2 Concupiscentia für den
vorausgehenden Venusbezirk. amatores sermonum: Das Wort φιλόλογοι
wird im Merkurbezirk V 9,3 mit amatores orationum übersetzt. Über diese mer-
kurialische Wirkung vgl. zu I 4,8 vocem, sie steht hier vielleicht parallel zur ve-
nushaften Wirkung II 4,11 amatores musicae für Can 20°, s. d.
4. quidem: Wie IV 1,1. Terminus vitae: Übersetzt Kritod. Ό ρ ο ς ζωής,
demnach ist wohl bei Kam. 596 zu lesen ζωής όρος [δόρος trad., δώρος
Weigl], vgl. jedoch Vett. Val. 2,1,3 von Jupiter: ζωής δοτήρα. [et Exaltatio
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166 V. Planetenbezirke

Iovis]: Weder bei Kritod. noch bei Kam. 596. Die Erhöhung Jupiters liegt etwas
früher bei Can 15°. Ebenso um einen späteren Zusatz handelt es sich wohl bei
dem Gradbezirk VI 6,3 Exaltatio Mercurii bei Vi 14°—15°. Ohne den Zusatz
eines Planetennamens kommt Exaltatio VI 1,3 für den Bezirk Ar 10°—15° und
VI 9,4 für den Bezirk Sa 26°—27° vor, vgl. auch zu V 1,1 Currus. a divinis
aliqua requirentes: Anders Kritod. θεώ τά εαυτών άνατιθέντες und
Kam. 598 προς θεόν ολως ούτοι.
5. termini Saturni: Ist doppelt überliefert, innerhalb des Teukros-Sternbildes
14,11 cauda Hydri und suo loco. (vocatur . . . ) : Der Name des Bezirks
fehlt, er lautet im Griechischen nach Kritod. Άνωμαλίαι. Die Verwirrung be-
stand wohl schon in der gemeinsamen Quelle, denn Kam. 600 sagt von Saturn
selbst ανωμαλίας γέμων wie vorher 596 (V 4,4) von Jupiter selbst της ζωής
δρος μέγας. instabilissimi ... valde mobiles: Paßt weniger zum trägen
Saturn als vielmehr zum beweglichen Schwanz der Hydra (14,11) bei
Can 27o—30° oder zum 'tropischen' Krebs: W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 74—81. Im Geviertschein hierzu stehen die Prognosen VI 1,6 mobiles
für den Gradbezirk Motus (Ar25°-30°) und 117,4 instabiles für Li 26°.27°.
instabilissimi: Gegensatz ist I 8,7 viros stabiles bei Sc 24°—25° im 'festen' Qua-
drat. furentes in dignitatibus: Die Codices POV bei Kritod. lesen μή μέ-
νοντες επί της αξίας, der LH unterschlägt die Negation μή und übersetzt die
Form μεμηνότες, ähnlich bietet Kam. 602 μαντικοί (danach φθονοϋντες προς
άξίαν), doch μή μένοντες fügt sich besser zu den anderen Bezeichnungen für
die Unstetigkeit. multorum consiliorum : Paßt zodiakal eher zu einem Tier-
kreiszeichen des dritten Quadrats: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 225f.

5. Leo

Die Planeten des Löwen bilden die altbabylonische Reihe, die des Schützen die
neubabylonische Reihe: F.Boll, Neues (1914), 345.
1. usque ad sextum: Voraus geht im Gesamttext die Einzelgradprognose
115,1 für Le4°—5°, es folgt der Helligkeitsbezirk 1115,1 mit derselben Ausdeh-
nung Le 1°—6°, der jedoch in Le Io—7° geändert werden muß, so daß die Vari-
ante in F 7 von dieser Stelle zum nächsten Lemma des Gesamttextes gezogen
werden muß. Noch enger ist die Verquickung des lucidi-Bezirks III 3,1 mit dem
Planetenbezirk V 3,1 (Sextilschein), s. d. Anders ist die abweichende Gradangabe
in F für V 6,3 zu erklären, s. d. Iovis : Jupiter ist der Nachtregent des ersten
Dreiecks, s. zu V 1,1. Ascensio: profectus: Vielleicht doch so zu interpun-
gieren trotz Kam. 721 f. Προκοπή καλείται | καί "Υφος καί Άνάβασις έκ
σμικροτάτων τύχης. F verbindet — bei falscher Auflösung der gekürzten Vor-
silbe — die ersten beiden Wörter noch enger: Ascension parfaite. Das Wort pro-
fectus gibt sonst fast immer eine Wirkung an, genauso unsicher ist der Fall im Ju-
piter-Bezirk V 5,3 : Nach Kritod. cod. Q handelt es sich um zwei Wirkungen
(Anhang II): σημαίνει δε άνάβασιν καί προκοπήν. Ascensio: Der ge-
gensätzliche Name Descénsio gehört in das System der planetenlosen Gradbe-
zirke, s. zu VI 3,3. profectus: Kann Singular sein (so Kritod. codd. POQ
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5. Leo 167

und Kam.) oder Plural (so Kritod. cod. V). Das Wort übersetzt V 6,3 den Plural
προκοπαί, vgl. im übrigen zu V 1,1 pervenientes : Jupiter-Bezirk im Gedritt-
schein. exaltantur: Nicht bei Kritod., wohl kein Bezug zum Gradbezirk
VI 1,3 Exaltatio.
2. enim: Wie V 2 , l , s.d. Felicitas: Kritod. bietet den Plural εύτυχίαι,
also wohl als Wirkung zu verstehen, ebenso proficuum statt προκοπαί und ami-
citia statt φιλίαι. proficuum: Übersetzt προκοπαί wie V 1,3, vgl. zu V 1,1
pervenientes. amicitia erga maiores : Gedrittschein zum Venusbezirk V 1,2
bei Ar 7°—12°: amicitias et amplexus erga egregias mulleres. Diese Prognose hat
Kritod. fälschlich auch schon für V 5,1 angegeben. Ahnliche Prognosen bei
F. Cumont, L'Egypte (1937), 36'.
3. Der Saturnbezirk ist im LH ausgefallen, er heißt nach Kritod. Μήκος, vgl.
den Namen des Gradbezirks VI 6,4 : Latitude ( = Πλάτος). Auch bei Kritod.
herrscht an dieser Stelle insofern eine Verwirrung, als er die Prognose für den
Venusbezirk V 5,2 schon beim Jupiterbezirk V 5 , l antizipiert, s.o.
4. Auch der Merkurbezirk ist im LH ausgefallen, er heißt nach Kritod. Λόγος,
doch hat sich die Prognose innerhalb der Prognosen für den Einzelgrad (II 5,5)
Le 1 I o erhalten. enim: Leitet auch V 1,1 die Prognose eines Planetenbezirks
ein, sonst meistens den Bezirk selbst, s. zu V 2,1. filios regum vel magna-
timi nutriunt vel docent eqs.: Gehört hierher nach Kritod. τιμαί ένεκεν παι-
δείας, dazu F. Cumont, L'Egypte (1937), 37. S.Feraboli, Ricerche (1989), 221
vergleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,23,4 schon für Le 9°: regum vel
potentium filios nutrient. — Die im LH nicht übersetzte Prognose ίερονΤκαι
kehrt an der gegenüberliegenden Stelle im Jupiterbezirk V 11,3 für Aq 14°—20°
wieder.
5. [sunt enim hi gradus eqs.]: In den Marsbezirk eingesprengte Einzelgrad-
prognose, s. zu II 5,11, ebenso nennt schon Kam. 732 άσελγείας, αισχρότητας
über Kritod. hinaus diese Wirkungen am Anfang dieses Marsbezirks. Das Wort
enim leitet zwar bisweilen auch die Prognose eines Planetenbezirks ein (s. zu
V 1,1), hier aber kaum. (vocantur) Labores: Als Name erschlossen aus
dem Singular Μόχθος bei Kritod., der sich von den folgenden Pluralformen ab-
hebt, aber bei Kam. 732 als Prognose: άσελγείας, αισχρότητας, μόχθους.
Auch infortunio und malorum passiones könnten als Namen gemeint sein, denn
quidam enim könnte den Beginn der Prognose markieren. malorum pas-
siones: F übersetzt: possessions de maus, liest also falsch malorum possessiones.
Der Plural bestätigt die Lesart bei Kritod. cod. V κακοπάθειαι. Für einen Na-
men könnte der Name des Gradbezirks VI 2,4 Malorum patientia sprechen,
enim: Leitet hier (nicht jedoch oben) die Prognose für einen Planetenbezirk ein
wie V 1,1, s.d. corporaliter periclitan tur: Vielleicht weil der Löwe zu den
'verstümmelten' Tierkreiszeichen gehört: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982),
111 —113. [impudici eqs.j: Wiederholung der oben interpolierten Einzel-
gradprognose II 5,11.

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168 V. Planetenbezirke

6. Virgo

1. Mercurii: Merkur hat in der Jungfrau sein Taghaus und bei Vi 15° seine Er-
höhung, vgl. zu VI 6,3 Habitatio vel Exaltatio Mercurii. Merkur spielt für die
Jungfrau auch insofern eine Sonderrolle, als Dor. A 1,1,3 (= Heph. 1,6,2) ihm
eine besondere Regentschaft einräumt. Diligentia: Ubersetzt Kritod. Ακρί-
βεια, so heißt auch der erste Gradbezirk VI 1,1 des Widders. Wie dort auch das
Adjektiv diligentes erscheint, so auch bei der Jungfrau in einer merkurialischen
Prognose des Gradbezirks VI 6,3 Fortitudo, s. d. philosophia, geometria,
mechania: Trotz der Verbindung bei Kam. 855 Σοφία και Ακρίβεια wohl
keine Eigennamen mehr. Kam. 856 fährt fort: αποτελεί δέ ..., versteht also
wohl das Vorausgehende als Eigennamen. philosophia: Kam. 855f. unter-
scheidet zwischen Σοφία und αποτελεί δέ ... φιλοσόφους. geometria:
Nicht bei Kam., der an dieser Stelle vorausnimmt νομή των αστέρων ~ astro-
logi, astronomi. Um eine echte Prognose geometrae handelt es sich bei dem
Gradbezirk VI 1,1 Diligentia, vgl. die Merkurprognose bei Ptol. apotel. 3,14,26
(= Heph. 2,15,16) γεωμέτρας, μαθηματικούς, vgl. ferner Maneth. 4,210. Vett.
Val. 1,1,37. 2,17,37.55. Euseb. praep. evang. 6,10,31. Firm. math. 3,7,9.25.
8,25,7. mechania: Weder bei Kritod. noch bei Kam., vgl. jedoch Teukros
I 1,2 (Athena). Maneth. 4,439. Rhet. C p. 217,3. quidam vero fiunt rheto-
res : Der Neueinsatz wird bei Kritod. nur durch den Übergang vom Singular zum
Plural markiert, deutlicher ist Kam. 856 αποτελεί δέ ρήτορας κτλ. astro-
logi, astronomi: Anders Kam. 855 νομή των άστέρων (s.o.), Kritod. nennt
nur einen Begriff: αστρολόγοι, ebenso gedoppelt I 8,2 astrologi, astronomi (fehlt
im Text des Teukros II), ohne griechisches Pendant II 11,3 astronomes vel astro-
logos für Aq 8°, dort ebenfalls unter Merkureinfluß wie auch LH 32 p. 95,25
(Sonne im Haus Merkurs) astronomiae vel astrologiae ... periti. Die sachliche
Trennung zwischen astrologia und astronomia ist erst spät: W. Hübner, Die Be-
griffe (1990), 25 mit Anm. 68. Jungfrau und Merkur nennt Ptol. apotel. 2,3,28
für die Sternbeobachtung der Babylonier. Über Merkur als Astrologengott Ders.,
Manilius (1984), 127 mit Anm. 2, dazu etwa Ant. CCAG VII (1908), p. 117,19,
ferner F. Cumont, L'Egypte (1937), 124f., besonders Firm. math. 5,2,15 (Aszen-
dent und Merkur in den fines Merkurs): astrologos, mathematicos. Die Jungfrau
erwähnt für diese Prognose Ptol. apotel. 4,4,10 άστρολόγους (= Rhet. C
p. 210,8 άστρονόμους), die Häuser Merkurs Maneth. 6,473 άστρονόμοι. a
disciplina vitam habentes: Ebenfalls im Merkurbezirk V 7,2: amatores disci-
plinae.
2. Sine tristitia: Die Abgrenzung zwischen Name und Wirkung ist hier un-
möglich. F bietet am Anfang der Triade Leeche : sans tristece, verkehrt also die
Reihenfolge der beiden ersten Wörter. Demnach wäre Laetitia der Name, vgl.
Kritod. V9,4 Εύψυχία καί χαρμονή. excogitado: Übersetzt άμεριμνία
"sorgenloser Zustand" wie bei Teukros II (I 4,7 und I 7,9) excogitates das Wort
αμέριμνους.
3. octavo decimo: F läßt den Jupiterbezirk schon mit Vi 14° beginnen, ob-
wohl er den vorangehenden Venusbezirk V 6,2 bis Vi 17° hat reichen lassen. Er
folgt mit dieser Abweichung dem ptolemaeischen System (Ptol. apotel. 1,21,28):
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6. Virgo 169

Vi 14 o —18° Jupiter
19 o —24° Saturn
25 o —30° Mars

Entsprechend teilt er auch den nächsten Bezirk V 6,4 dem Saturn zu, wenn dort
auch der Schlußgrad Vi 21° wieder dem ägyptischen System gehört. — Während
F an dieser Stelle aus dem System ausschert, hat er das Teukros-Paranatellon
I 6,5 Corvus an der richtigen Stelle bei Vi 14°—15° bewahrt. Es scheint, als sei in
der gemeinsamen Vorlage der Aufgang des Raben so eng mit dem Beginn des Ju-
piterbezirks verknüpft worden, daß F beide Bezirke mit Vi 14° und H beide Be-
zirke mit Vi 18° beginnen läßt. Daher ist in F der Beginn des Jupiterbezirks und
in H die Lokalisierung des Raben zu korrigieren. Gloriae: Pluralischer
Name, jedoch im Singular Kritod. Όνομα ενδοξον und im LH Gloria für den
Jupiterbezirk V 2,3 bei Ta 15 o —22 o : Gedrittschein, s.d. profectus, amici-
tiae: Obwohl erst danach das Verbum facit folgt, wohl schon hier Prognosen,
Kritod. geht an dieser Stelle vom Singular zum Plural über. Vgl. auch die Jupiter-
Wirkungen V 2,3 insperata proficua et multae amicitiae. profectus : Ist Plu-
ral, aber V 5 , l wohl Singular, vgl. zu V 1,1 pervenientes. facit: Nach dem
vorangehenden Fachwort termini und den pluralischen Substantiven erwartet
man auch hier den Plural. Der Singular spricht dafür, daß das Verbum hier nicht
genuin ist und somit auch keine klare Grenze zwischen Name und Wirkung mar-
kiert. insignes, populorum praepositos: Wohl so zu interpungieren nach
Kritod. όχλων άφηγοϋνται, έπίσημοι, fehlt bei Kam.; S. Feraboli, Ricerche
( 1 9 8 9 ) , 2 3 3 vergleicht Firm. math. 8,24,5 schon für Vi 12°: civitatum vel provin-
ciarum rectores. — Jupiter bewirkt (neben Merkur und Venus) bei Ptol. apotel.
4,4,6 auch die Prognose όχλων προεστώτας, vgl. F. Cumont, L'Egypte ( 1 9 3 7 ) ,
71 3 , ferner im Saturnbezirk V 1,5 super populis constitutes. [hi enim gra-
dus eqs.]: Angeschlossen ist der tenebrosi-Bezirk III 6,5. Alle drei Helligkeitsbe-
zirke am Ende der Jungfrau sind in Planetenbezirke eingeschaltet (vgl. für den
letzten Kam. 8 6 8 und oben Tab. 2 5 ) :

V 6,3 Vi 18°—21 ° Jupiter — tenebrosi III 6,5


V 6,4 [26°]—28° Mars — lucidi III 6,6
(22°)
V 6,5 29°—30° Saturn — vacui III 6,7

Durch die Kombination haben sich einige falsche Gradzahlen ergeben. Die Kom-
bination dieser beiden Systeme findet sich sonst nur noch am Anfang des Stein-
bocks bei Cap I o —7°: Der umbrosi-Bezirk III 10,1 deckt sich mit dem Merkur-
bezirk V 10,1. [tenebrosi]: Steht in krassem Widerspruch zu insignes.
4. vicésimo secundo: Zu korrigieren aus vicésimo sexto (vicésimo primo
Gundel). Der überlieferte Gradbezirk Vi 26 o —28° stimmt jedoch für den einge-
schalteten hellen Bezirk 1116,6. Martis: F nennt hier Saturn, weil er vor-
übergehend dem ptolemaeischen System folgt, s. o. zu V 6,3 octavo decimo, doch
V 6,5 nennt er richtig Saturn, der somit bei ihm fälschlich zwei benachbarte Be-
zirke besetzt. [hi quidem gradus eqs.]: In den Planetenbezirk ist auch hier
wieder ein Helligkeitsbezirk eingeschaltet, von dem der Anfangsgrad Vi 26° zu
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170 V. Planetenbezirke

stammen scheint, s. zu III 6,6. vocatur {... ) : Der Name lautet bei Kritod.
Φώς, danach hat W. Gundel Lumen ergänzt, es wäre aber auch der Name Lux
möglich. Ein solcher Name lud dazu ein, den lucidi-Bezirk III 6,6 einzuschalten,
illustres: Übersetzt Kritod. λαμπροί, dasselbe Wort bezeichnet bei Apom. auch
die hellen Grade. super iudiciis statuuntur: S. Feraboli, Ricerche (1989),
223 vergleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,24,8 schon für Vi 21°: his
frequenter iudicia credentur.
5. termini Saturni: Folgt im Gesamttext sogleich auf den Marsbezirk V 6,4,
beide sind mit einem Helligkeitsbezirk kombiniert. vocatur Exitus: Dieser
Name fehlt bei Kritod. und Kam. (dieser nennt jedoch später den Namen
Ταπείνωμα). Der sprachliche Gegensatz zum Marsbezirk V8,l Aditus ist nur
äußerlich, direkter Gegensatz ist der Marsbezirk V 7,5 Fortitude bei Li 29°—30°,
s. o. S. I 183. Vgl. ferner den bei Mart. Cap. 1,17 genannten Namen Saturni exi-
tium. ab exaltatione fiunt infimi dignitate: Ist etwas ausführlicher als Kri-
tod. PO ύψωμα ταπείνωμα τη άξία, wo vielleicht nach V zu konjizieren ist
(έν) ύψοταπεινώματι τη άξία, vgl. Vett. Val. 1,2,52 und 1,3,46. Nach
Kam. 867 verbirgt sich hier der Name: καλείται (δε) Ταπείνωμα. et pe-
riclitantur: Auch das ist nach Kam. 867 ein Name: καλείται (δέ) Ταπείνωμα
και Ναυάγιον βίου. [hi gradus eqs.]: Schon bei Kam. 868 κεναί sind die
leeren Grade am Ende der Jungfrau (III 6,7) an den Saturnbezirk angeschlossen:
Geviertschein zu V 3,5 — III 3,6, s. d.

7. Libra

1. quidem: Wie V 1,1, s. d. ad sextum: Denselben Schlußgrad hat das Teu-


kros-Paranatellon I 7,2 Duae larvae Saturni et Apollinis, das im Gesamttext vor-
ausgeht. Es ist wohl eher dieser gemeinsame Schlußgrad, dessentwegen diese bei-
den Bezirke hier direkt aufeinanderfolgen, als der gemeinsame Name Saturn.
Saturni: Dieser Saturnbezirk grenzt an den vorausgehenden Saturnbezirk V 6,5
an. Ebenso folgen bei der nächsten Tierkreiszeichengrenze (V 7,5—V8,l) zwei
Marsbezirke aufeinander. Saturn ist der Tagregent des dritten Dreiecks und hat
seine Erhöhung bei Li 21°. Ablatio: Übersetzt Kritod. Αφαίρεσις. Der fol-
gende Genitiv στεργομένων προσώπων dürfte sich gegen die Interpunktion
von Cumont, der Feraboli folgt, auf das folgende Wort απώλεια beziehen wie
eindeutig in cod. Q. Ebenso gehört V 8,1 alienorum = αλλότριων (wie eindeutig
in cod. Q) zur folgenden Prognose. Ablatio und Aditus (Marsbezirk V 8,1) bilden
einen Gegensatz: Am Anfang von Waage und Skorpion stehen die beiden ungün-
stigen äußeren Planeten, die Deutung erfolgt nach dem μεσότης-Schema: Mars
hat zuviel, Saturn zuwenig, vgl. dazu W. Hübner, Religion und Wissenschaft
(1988), 14 f. perditio: Könnte ein zweiter Name sein, so ausdrücklich in F
sont dit Perdission, dort ist aber Ablatio ausgefallen. dignitatis: Zusatz ge-
genüber Kritod., der aber im Saturnbezirk V 3,5 die Junktur καθαίρεσις αξίας
= dignitatis depositionem bildet, vgl. LH 16 p. 42,33 depositiones dignitatum.
2. a séptimo: Abweichend F: dou 11 degret. Li 11° ist nach dem ptolemaei-
schen Konkurrenzsystem der Schlußgrad des zweiten Bezirks, der von Venus re-
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7. Libra 171

giert wird. enim: Wie V 2,1, s. d. usque ad quartum decimum: Den-


selben Schlußgrad hat der Gradbezirk VI 7,2 Turbatio, darum folgen auch beide
Bezirke im Gesamttext aufeinander. Darüberhinaus scheint es auch dort Bezie-
hungen zu Merkur zu geben, vgl. zu VI 7,1 Necessitas. triplicitatis noctur-
na(e) : Ein singulärer Hinweis auf die Triplizitäten (Merkur ist der Nachtregent
des dritten Dreiecks: Ptol. apotel. 1,19,5), zugleich ein Indiz für das Funktionie-
ren des Systems, s. o. S. I 182. Im übrigen ersetzt dieses Einsprengsel den ausgefal-
lenen Namen des Bezirks, der nach Kritod. Έργον (fehlt im cod. V), nach
Kam. 991 Παίδευσις heißt. Etwa auf derselben Höhe bei Li 10°—14° sind in
den Gradbezirken VI 7,1—2 unter zwei verschiedenen Namen ähnliche Progno-
sen überliefert, s. d. negotiatores, bene doctos, amatores disciplinae: An-
ders Kritod. πολύτεχνος [πολύτεκνος Q], πολυάδελφος. Die Variante πολύ-
τεχνος paßt eher zum Namen 'Έργον (vgl. Vett. Val. 1,3,11 πολύτεχνοι für
den Merkurbezirk V3,l), das entstellte Wort πολύτεκνος eher zur zweiten Pro-
gnose πολυάδελφος. negotiatores: Weder bei Kritod. noch bei Kam., vgl.
jedoch Vett. Val. 1,3,32 αγοραίοι ... εμπορικά! (sc. μοΐραι), außerdem gehört
die Waage als tropisches Zeichen zum Handel, vgl. zu 14,1 mercatores.
bene doctos: Für diese Konjektur statt Η benedictos spricht außer F bien en-
singnies auch Kam. 991 Παίδευσις καλείται und 992 προκόπτοντας λόγων,
ferner die Fortsetzung amatores disciplinae. amatores disciplinae: Eben-
falls in einem Merkurbezirk V6,l a disciplina vitam habentes.
3. Divisiones: Übersetzt Kritod. Μερισμοί, aber singularisch Kam. 994 Με-
ρισμός. donat(i)ones: So wohl richtig wegen Kritod. δόσεις und
Kam. 994 δόσις, vgl. die Jupiter-Wirkung δωρεάς bei Ptol. apotel. 2,9,9. F über-
setzt singneries, was wohl auf lat. dominationes beruht (H bietet am Ende des
Wortes eine Nasalkürzung).
4. Voluptas: Danach ist wohl bei Kritod. statt Τροφή zu schreiben: Τρυφή,
vgl. Kam. 997 τρυφαί und Ptol. apotel. 2,3,20 τρυφηταί neben καθάριοι als
Wirkung der Venus, ferner 3,12,6 τρυφερώτερον, dennoch könnte das folgende
nutrientes (= Kam. τρέφουσιν) das überlieferte Wort stützen. amatores
puritatis: Ebenso bei einem Venusbezirk V2,l, s.d. eruditi: Bestätigt
F. Cumonts Konjektur bei Kritod. μεμουσωμένοΐ. Diese Prognose paßt eher zu
Merkur. immunda: Überliefert ist in munda, vgl. F ordes coses (von Gun-
del falsch getrennt), et munda Gundel nach Kritod. και καθάρια (VQ, καθά-
ριος PO), vgl. jedoch Manil. 5,125 (Hyaden bei Ar 27°, also genau gegenüber):
inmundosque greges agitant per sordida rura. amatores luctationis: Über-
setzt hier Kritod. φιλοπάλαιστροι, aber II 5,3 amatores luctaminum vielleicht
für L φιλονεΐκίας, s. d. Auch diese Prognose gehört eher zu Merkur und Mars,
vgl. Ptol. apotel. 4,4,7. Vett. Val. 4,25,6. Firm. math. 3,11,15.18.19. 4,11,13.
4,14,13. Rhet. C p. 190,17. 214,10. LH 28 p. 84,42, ferner F. Cumont, L'Egypte
(1937), 79°. (et venationis): Ergänzt nach F amans luites et venacions,
dies nach Kritod. φιλοπάλαιστροι ή φιλοκύνηγοι, vgl. auch Vett. Val. 4,25,6
(Eros mit Mars und Merkur) φιλοκυνήγους καί φιλοπαλαίστρους, mehr bei
F. Cumont, L'Egypte (1937), 623.
5. vicésimo (nono): Zu ergänzen im Anschluß an den vorangehenden Bezirk
V 7,4, der bis Li 28° reicht. Die Ergänzung gilt wohl auch für die Teukros-Par-
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172 V. Planetenbezirke

anatellonten, s. zu I 7,10. [oriuntur eqs.]: Eingeschaltet sind die Unterwelt-


paranatellonten I 7,10 am Ende der Waage. enim: Bezeichnet hier kein kau-
sales Verhältnis zwischen den Teukros-Paranatellonten und dem Marsbezirk,
sondern leitet häufig Planetenbezirke ein, s. zu V2,l. Fortitudo: Ubersetzt
hier 'Ισχύς, aber V 3,4 Δύναμις (ebenfalls Marsbezirk, bei Ge 18°—24°: fast Ge-
drittschein) und V9,l ebenfalls Δυνάμεις (Jupiterbezirk), beides kombiniert
Kam. 1000 Άρης εχει την δύναμιν, αϊ και Ισχύς καλούνται. Über forti-
tudo als Eigenschaft des Mars vgl. zu V 3,4. Gegensatz ist der Saturnbezirk V 6,5
Exitus bei Vi 29°—30° = Kam. 867 Ταπείνωμα, s. o. S. 1183. duces ... glo-
riosi: Nach Kritod. eindeutig auf den Marsbezirk zu beziehen. [in quibus-
dam vero rebus eqs.]: Entspricht nicht der Fortsetzung bei Kritod. καί ύπερ-
αυξήσεις und Kam. 1001 άλλα καί στρατηγίαι, gehört vielmehr nach L
wieder zu den Teukros-Paranatellonten 17,10. W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 278 hat die Fortsetzung bei Kritod. καί ύπεραυξήσείς mit dem
Gradbezirk VI 7,4 Augmentum samt der Prognose augmentabunt verglichen.
Dafür spricht die Tatsache, daß es gerade hier Interferenzen zwischen Planeten-
bezirken und planetenlosen Gradbezirken gibt, vgl. zu VI 7,3—4.

8. Scorpius

1. enim: Scheint auf den ersten Blick kausale Kraft zu haben, denn voraus geht
eine martialische Wirkung für den Einzelgrad II 8,3 für Sc 7° (auch die Verspa-
rung von gradu spricht dafür — Gundels Ergänzung ist unnötig), das Wort ist
aber dennoch in diesem System formelhaft, s. zu V2,l. usque ad septi-
mum: Das ist auch der Schlußgrad des Wetternotats IV 8,1, von dem aus eine
Beziehung zum diametralen Venusbezirk V2,l bei Ta 1°—8° zu bestehen
scheint. Mariis: An den Marsbezirk V 7,5 schließt dieser Marsbezirk unmit-
telbar an, dasselbe ist an der vorausgehenden Zeichengrenze mit zwei Saturnbe-
zirken der Fall. Mars regiert das vierte Dreieck und besetzt daher auch den er-
sten Krebsbezirk V 4,1. Er hat überdies im Skorpion sein Taghaus, und nach ihm
ist der hellste Stern des Skorpions, Antares, benannt. Aditus: alienorum
detentio, rapinae: Mit dem Cod. Q des Kritodemos gegen die Interpunktion von
Cumont und Gundel, der auch Feraboli folgt. Wie der Cod. Q versteht auch F
Aditus als Namen und zieht alienorum zu detentio: et denotent detenir l'autruj
par rapine, Kam. 1125f. versteht alle drei Substantiva als Namen: Αρπαγή κα-
λείται, I 'Εγκράτεια και Πρόσθεσις, άλλα των εναντίων, er bezieht also
alienorum auf Aditus, dagegen spricht aber der Gegensatz beim Saturnbezirk
V 7,1 Αφαίρεσις = Ablatio, wo ebenfalls der dazwischenstehende Genitiv statt
auf den vorangehenden Namen auf die folgende Wirkung zu beziehen ist. Das
sprachliche Gegenstück zu Aditus, der Name des Saturnbezirks V 6,5 Exitus, ist
nur von sekundärer Bedeutung, s. d. Etwa an der diametral gegenüberliegenden
Stelle erscheint der Name Aditus für den Jupiterbezirk V 2,3 bei Ta 15°—22°.
detentio: Nichts Entsprechendes bei Kritod., anders Kam. 1126 'Εγκράτεια
(ebenso der Name des Merkurbezirks Aq 1°—7°: Geviertschein), also Contentio
zu lesen? Auch im Marsbezirk V 1,4 bleibt die Prognose detentiones ohne Ent-
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8. Scorpius 173

sprechung im Griechischen, dagegen lautet die erste Prognose für den Saturnbe-
zirk V 8,5 detentio nach Kritod. συνοχή (aber Kam. 1139 άνοχή). rapinae:
Kam. 1126 bietet den Singular als Namen: Αρπαγή καλείται. facit autem
acutus natura: Nicht bei Kritod., wohl aber bei Kam. 1127 f. Ol γεννηθέντες έν
αύτοϊς όζεις τη τραχύτητι | και φρόνιμοι τυγχάνουσι καί σύντομοι τη
φύσει. [et fortuna]: Die Übersetzung in F et fortunes setzt den Text et for-
tunados) voraus. Beide Varianten sind jedoch falsch, denn es handelt sich um
den Namen des anschließenden Venusbezirks V 8,2 als Übersetzung von Τύχη.
Der Venusbezirk ist im LH ausgefallen, ebenso im Codex V des Kritod., wo auch
der folgende Merkurbezirk fehlt. — Das Wort fortuna ist fälschlicherweise auch
in den Marsbezirk V 9,5 geraten, s. d.
2. Der Venusbezirk ist im LH ausgefallen, ebenso wie im Cod. V des Kritod.,
wo auch der folgende Merkurbezirk fehlt. Der Name Fortuna hat sich jedoch am
Ende des vorangehenden Marsbezirks erhalten. W. Gundel (App. zu p. 65,28) ist
also wie folgt zu korrigieren: "desunt fines Veneris VIII—XI." Ebenso hat sich
der Name Fortuna des Gradbezirks VI 9,3 in den Marsbezirk V 9,5 verirrt, er ge-
hört vielleicht zum Saturnbezirk V 9,4, s. d. Über Τύχη und Venus vgl. Heph.
3,7,16, ferner Manil. 2,927.
3. Mansio: Übersetzt Kritod. Μονή, denselben Namen hat der Gradbezirk
VI 7,3 bei Li 25°(—27°), s.d. dispensatores: Ebenso im Merkurbezirk
V 2,2 an der gegenüberliegenden Stelle bei Ta 9°—14°, sonst auch im Saturnbe-
zirk V 1,5, s. d.
4. enim: Wie V2,l, s.d. Intemperantia: Anders Kritod. Αϋξησις und
Kam. 1136 καλείται Αϋξησις (αυξησις als Wirkung Jupiters auch bei Ptol.
apotel. 2,9,9). Der Name Intemperantia paßt nicht zum ausgleichenden Jupiter,
vielmehr heißt der Gradbezirk VI 3,2 bei Ge4°—12° Temperando, der teilweise
von dem Jupiterbezirk V 3,2 bei Ge 7°—12° abgedeckt wird, gegensätzlich der
Marsbezirk V 1,4 Distemperantia = Άκρασία, wofür der Name Intemperantia
eine zweite Übersetzung darstellt. Betrachtet man den verdrängten Namen
Αυξησις, so findet sich eine ähnliche Verwirrung am Ende der Waage: Zu der
Prognose des Marsbezirks V 7,5 ύπεραυξήσείς bietet der LH keine Entspre-
chung, und das ist wohl richtig, denn sie scheint zum Gradbezirk VI 7,4 Augmen-
tum zu gehören. Im übrigen besteht ein Gegensatz zu dem im Gesamttext folgen-
den Teukros-Paranatellon 18,7 Crater bei Sc 24°—25° mit der Prognose
modestos. quod intemperati fiunt et turpes: Richtet sich nach dem fal-
schen Namen Intemperantia und gehört daher wohl nicht hierher. [scribae
et grammatici vel doctores]: Ohne Entsprechung in den griechischen Texten,
klingt nach Merkureinfluß, doch werden diese Wirkungen in den griechischen
Texten auch nicht unter dem vorausgehenden Merkurbezirk V 8,3 genannt,
Kam. 1268 erwähnt jedoch für den Merkurbezirk V 9,3 zusätzlich νοταρίους,
s. d. [rectores, divites]: Fehlt ebenfalls in den griechischen Texten, gehört
vielleicht mit zum Vorhergehenden, wenn auch kein deutlicher Merkureinfluß zu
erkennen ist, sondern durchaus auch eine Jupiterprognose vorliegen könnte,
augmentantes eqs.: Erst ab hier wörtlich nach Kritod., wenn dort auch wenig-
stens das erste Wort Αΰξησις keine Wirkung, sondern der Name sein dürfte, wie
das deutlich bei Kam. 1136 καλείται Αυξησις κτλ. der Fall ist. augmen-
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174 V. Planelenbezirke

tantes et in maius procedentes: Ebenso im Gradbezirk VI 7,4 augmentabunt


et proficient. procedentes : Bestätigt F. Cumonts Konjektur bei Kritod. :
πρό[σ]βασις. proficientes: Vgl. zu V 1,1 pervenientes.
5. a vicésimo quinto: Zu korrigieren aus a vicésimo sexto. Der Anfangsgrad
Sc 26° stimmt für den Altar (I 8,8), in dessen Lemma der letzte Planetenbezirk
eingeschaltet ist. Saturni: Der Altar hat nach Ptol. apotel. 1,9,24 das Plane-
tentemperament von Venus und Merkur, doch nennt Heph. 1,5,1 Venus und Sa-
turn: Hierauf könnte die Kombination der beiden Lemmata beruhen. voca-
tur autem Necessitas: Gehört über die Prognose für den Altar hinweg wieder
hierher und übersetzt Kritod. Α ν ά γ κ η . Nach dem System der Planeten-κλήροι
bei Paul. Alex. 23 gehört ά ν ά γ κ η zu Merkur (dagegen νέμεσις zu Saturn, vgl.
Vett. Val. 1,1,16. Achill, isag. 17. Apom. rev. nat. App. II p. 245,10, ferner Heph.
3,7,16: Saturn = Νεμέσεως άστήρ). Denselben Namen trägt der Gradbezirk
VI 7,1 bei Li 10°.l I o , s. o. S. I 212. Andernorts (LH 4 p. 25,31) wird der necessa-
rius locus durch die Distanz zwischen Saturn und Mars bestimmt. — W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 208 und Ders. bei F. Boll —W. Gundel, Stern-
bilder (1937), 1016,50. Ders., Paranatellonta (1949), 1240 lokalisiert das ver-
meintliche Sternbild im Altar, verleitet durch die Kombination der beiden Sy-
steme im LH, andernorts (Neue astrologische Texte, 1936, 261) jedoch im
Bereich zwischen Jungfrau und Waage, wobei er zweifelnd an Bootes oder Cen-
taurus denkt. Es handelt sich jedoch um einen Bezirksnamen. detentio:
Übersetzt eher Kritod. συνοχή als Kam. 1139 άνοχή. Es handelt sich wohl nicht
mehr um einen Namen, sondern um eine Wirkung — ebenso wie am Anfang des
Skorpions bei der ersten Prognose im Marsbezirk V 8 , l detentio. nutritio
commissationum: Bestätigt für Kritod. die Lesung κωμοτροφία, angezweifelt
von F. Cumont, L'Egypte (1937), 16 und 150;i, der ώμοτοκία erwägt (κομοτρο-
φ ί α oder κουροτροφία Delatte). Nichts dergleichen bei Kam. Daß es sich hier
um eine Wirkung handelt, läßt die ähnliche Prognose für I 10,4 Corona vermu-
ten. a seminatoriis locis: Eine Ableitung dieser Prognose nach der antiken
Etymologie von Saturnus — sata setzt die lateinische Sprache voraus, ist also un-
wahrscheinlich. Zu etymologisierenden Deutungen W. Hübner, Manilius (1984),
1384H. beneficium habent: Anders Kritod. στερούνται "werden beraubt",
nichts Entsprechendes bei Kam. tardi eqs.: Weder bei Kritod. noch bei
Kam., wohl ein späterer Zusatz, aber deutliche Wirkungen Saturns; zu dessen
tarditas W. Hübner, Saurix (1969), 271 f. durabiles in ira: Vielleicht nicht
nur wegen Saturn, sondern auch deswegen, weil der Skorpion zu den 'festen'
Tierkreiszeichen gehört, vgl. zu I 8,7 viros stabiles.

9. Sagittarius

Die Planeten des Schützen bilden die neubabylonische Reihe, die des Löwen die
altbabylonische: F. Boll, Neues (1914), 345.
1. a primo enim usque ad duodecimum: Ein ungewöhnlich großer Bezirk
von 12°, vielleicht wegen der Umlaufzeit Jupiters von ca. 12 Jahren. Über deren
spekulative Verwendung W. Hübner, Die geometrische Theologie (1980), 19. Im
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9. Sagittarius 175

Geviertschein hierzu steht der Bezirk V 12,1 bei Pi Io—12°, also im anderen
Haus Jupiters, doch wird jener 12°-Bezirk von Venus regiert, weil sie Tagregen-
tin des vierten Dreiecks ist und bei Pi 27° ihre Erhöhung hat, vgl. zu VII 11,2
Meridionalis Piscis. enim: Wie V 2,1, s. d. Iovis: Jupiter ist der Nacht-
regent des ersten Dreiecks und regiert die ersten Bezirke aller drei Zeichen die-
ses Dreiecks, s. zu V 1,1. Fortitude: Der Singular entspricht Kam. 1257 Δύ-
ναμις, dieser ist daher vielleicht auch bei Kritod. aus Δυνάμεις zu
konjizieren. — Sonst bezeichnet Foriitudo zwei Marsbezirke: V3,4 und V 7,5,
ferner den planetenlosen Gradbezirk VI 6,3 bei Vi 14°—15°. praesides, qui
... domini fiunt: Der Relativsatz ist wohl kein Attribut zu praesides, sondern be-
zeichnet eher eine neue Gruppe von Menschen, daher wohl richtig auch Cu-
monts Interpunktion bei Kritod.: ήγεμόνας, κυρίους. vitae ac mortis do-
mini: Vgl. VI 8,2 dominos vitae ac mortis dominium habentes, ferner Vett. Val.
2,4,6-7.17,21. Ptol. apotel. 4,3,2. Firm. math. 3,4,2 Rhet. C p. 136,4-5).
3,4,28 (— Rhet. C p. 168,13—14). nitentes: Im Sinne von "die sich unbeirrt
anstrengen", nach Kritod. άκαταπλήκτους, fehlt in F. reguíos: Der Über-
setzer hat wohl Kritod. βασιλικούς (βασιλείς Kam. 1259) in βασιλίσκους ver-
lesen; der Name Regulus für α LEO ist modern, vgl. zu VII 5,2. Zur königlichen
Natur des Schützen vgl. I 9,2 tamquam regina, ferner W. Hübner, Die Eigen-
schaften (1982), 206—209. virtuosos eqs.: Ohne Entsprechung bei Kritod.,
daher wohl davor zu interpungieren, nicht so jedoch L. Weigl bei Kam. 1259 βα-
σιλείς πανάρετοι τον βίον. secundum nativitatis essentiam: Mißver-
steht τον βίον bei Kam. a. O. im Sinne von την γένεσιν, vgl. im übrigen II 1,9
secundum figuram videlicet nativitatis.
2. Fluxus: Spricht für die Variante PO 'Ρύσις bei Kritod., dagegen V ρήσεις
und Kam. 1262 ρήσις. Das Wort ρύσις bezeichnet sonst auch den Guß des
Wassermanns: F.Boll — W. Gundel, Sternbilder (1937), 974, lateinische Ent-
sprechungen bei A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 179f. felicitas: Hier wohl
kein Name wie V 5,2 Felicitas = Εύτυχίαι für den Venusbezirk Le 7°—11°:
etwa Gedrittschein. Anders Kritod. άδημονία (-ίαι V), "Unruhe, Angst", vgl. je-
doch Kam. 1262 πλούτος μέγας, daher hat S. Feraboli vielleicht richtig εύδαι-
μονία konjiziert. libidinosi: Bestätigt die Erklärung von F. Cumont für Kri-
tod. κατωφερεϊς: "proni ad libidinem", ähnlich V 10,3 im Venusbezirk
Cap 15o—22° libidinosos für κατωφέρειαι. boni, amatores musicae:
Nicht mehr bei Kritod., wohl aber bei Kam. 1264 άγαθοί και φιλόμουσοι,
amatores musicae: Hier durch Kam. 1264 gesichert, wird wiederholt VII 9,4 als
Prognose für den Hauptstern der Leier, der u. a. Venustemperament hat. S. Fera-
boli, Ricerche (1989), 225 vergleicht die Einzelgradprognose Firm. math. 8,27,4
für Sa 14°: citharoedi erunt, doch ist ein Zusammenhang nicht sicher.
3. (vocatur...): Zu ergänzen ist etwa der Name Actus, Kritod. bietet Πρά-
ξεις, was aber vielleicht nach Kam. 1265 in Πράξις geändert werden muß.
prácticos : Nicht bei Kritod., dort wohl mit dem Namen Πράξεις verschmolzen.
Daß es ursprünglich sowohl den Namen als auch die Wirkung gegeben hat, be-
weist Kam. 1265 δς καί Πράξις καλείται, αποτελεί γαρ πρακτικούς. Das
Wort bedeutet wohl "praktizierende Magier", vgl. zu I 4,9 actum agentiufn, fer-
ner zu V 10,1 pragmatici. amatores orationum: Vgl. außer Kritod. φιλόλο-
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176 V. Planetenbezirke

γοι (V4,3 mit amatores sermonum übersetzt) Vett. Val. 1,3,43 φιλολόγων,
desides, boni ingenii: Übersetzt Kritod. ράθυμοι, εύφυεΐς. Die beiden Progno-
sen kehren im Geviertschein zu dieser Stelle im Merkurbezirk V 1 2 , 3 bei
Pi 17 o —19° wieder. Danach fügt Kam. 1268 hinzu νοταρίους "Schreiber", eine
merkurialische Prognose, vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 562 zu Ma-
nil. 4,197 scrìptor erit velox, ferner F. Cumont, L'Egypte (1937), 30 ,! . Vielleicht
gehört die im Jupiterbezirk V 8,4 überschießende Prognose scribae hierher.
4. (vocatur Fortuna): Wie im vorangehenden Bezirk V 9,3 fehlt der Name,
der nach Kritod. Εύψυχία [άψυχία V] lautet. Anders Kam. 1270 Κρόνος έπι-
στρατεύ(ε)ται καί ευτυχής τυγχάνει, also wohl hierher der V 9,5 überschüs-
sige Name Fortuna, der allerdings auch schon für den Venusbezirk V 8,2 zu er-
schließen ist. hereditabiles: Anders Kritod. (nur cod. Q) χαρμονή
"Freude" — vielleicht ein Name, also auch im Venusbezirk V 6,2 Laetitia zu
schreiben? — Saturn und Erbschaft: Ptol. apotel. 4 , 2 , 3 - 4 . 4,7,7. Firm. math.
5,3,12. 6,3,4.
5. a vicésimo séptimo usque ad tricesimum: Mars besetzt auch dieselben
Grade des Steinbocks (V 10,5); voraus geht jeweils Saturn. Der Bezirk beginnt
um einen Grad früher als der im Gesamttext vorangehende "lüsterne" Bezirk
II 9,6; am Ende des Löwen (V 5,5 und II 5,11) sind beide Schichten miteinander
verquickt: Gedrittschein. Peregrinatio: Übersetzt Kritod. Ξενιτεία, fehlt
bei Kam., vgl. die Prognose peregrinabuntur für den Gradbezirk VI 6,1 Via.
[fortuna]: Ist an dieser Stelle zu tilgen, denn erstens fehlt eine Entsprechung bei
Kritod. und Kam., zweitens folgt im Gesamttext der Gradbezirk VI 9,3 Fortuna,
drittens steht Fortuna noch einmal falsch anstelle des Namens VII 9,5 Lyra und
V 8,1 falsch wie hier in einem Marsbezirk, viertens weist die Prognose bei
Kam. 1273 καί το δεινόν, πενίαν auf das Gegenteil. Der Name gehört wohl
zum vorangehenden Saturnbezirk. casus: Oder wegen Kam. 1272 Με-
τάπτωσις καλείται weiter als Name zu werten? Vgl. den Namen VI 1,4 Ruina.
exilium: Nach Kam. 1273 έξορισμούς eine Wirkung, wie sie noch in drei ande-
ren Marsbezirken vorkommt, u. a. am Ende des folgenden Tierkreiszeichens
(V 10,5), vgl. zu V 1,4 exilium.

10. Capricornus

1. enim: Bezieht sich auf den umbrosi-Bezirk III 10,1, an den hier der Merkur-
bezirk angeschlossen ist (vgl. zu V 6,3 hi enim gradus), hat also dieselbe Funk-
tion wie III 1,3, s.d. Bezöge es sich auf den Merkurbezirk, wäre eine kausale
Verknüpfung zu den merkurialischen Einzelgradprognosen II 10,8 für Cap 7°.8°
denkbar, doch auch dort hat enim in der Begel keine kausale Kraft, vgl. zu V 2,1.
etiam: Schließt den Merkurbezirk an den Helligkeitsbezirk an. Beide Bezirke
haben tatsächlich dieselbe gradmäßige Abgrenzung. Mercuri!: Nur beim
Steinbock hat der Planet des ersten Bezirks keinen Bezug zu einem Haus, einer
Erhöhung oder einer Trigonalregentschaft, vgl. Ptol. apotel. 1,21,4 τω του Έρ-
μου ... μηδένα λόγον εχοντι προς το ζωδιον [sc. Αίγόκερων] οίκοδεσπο-
τείας. Der von Dor. A 1,1,3 für das zweite Dreieck außer der Reihe genannte
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10. Capricornus 177

Merkur bezieht sich nur auf die Jungfrau, vgl. zu V 6,1 Mercurii : Gedrittschein,
(vocatur . . . ) : Nach Kritod. lautet der Name Γένεσις (γενέσεις V), s.u., das
wäre lateinisch etwa Nativitas. Der Name fehlt ebenso bei Kam. fiunt eqs.:
Fehlt in F, aber gesichert durch Kritod. und Kam. fiunt stomachici [stoma-
tici HJ: Nach Kam. 1409f. άποτελών ... | στομαχικούς. Für Kritod. ist überlie-
fert γ έ ν ε σ ι ς στομαχική (γενέσεις στομαχικαί V), demnach ist wohl zu konji-
zieren Γένεσις" στομαχικοί. Eine ähnliche Konjektur ist im anschließenden
Bezirk V 10,2 vorzunehmen. Nach Ptol. apotel. 4,9,6 und Vett. Val. Appendix
1195 eineWirkung der Venus. pragmatici, legis periti, bene docti vel doc-
tores: Nicht mehr bei Kritod., aber sehr wohl bei Kam. 1411 f. γραμματικούς
καί νομικούς, μάλλον καί φιλοσόφους, | διδασκάλους καί παιδευτάς και
γραμματικωτάτους. Es handelt sich um ausgesprochen merkurialische Progno-
sen wie vorher II 10,8 für Cap. 7°.8°. pragmatici: Hat keine Entsprechung
bei Kam., der sich zudem die Dublette γραμματικούς - γραμματικωτάτους
leistet, daher ist an der ersten Stelle wohl πραγματικούς, wenn nicht gar πρακ-
τικούς (vgl. V 9,3) im Sinne von "Praktizierende der Magie" zu konjizieren, vgl.
zu I 2,9 L πράξις (fehlt im LH).
2. ab octavo usque ad quartum decimum: Der Bezirk deckt sich fast genau
mit dem des schwer einzuordnenden Paranatellons II 10,9 Telum bei Cap 7°—
14°. Tenor: Übersetzt Kritod. Κράτησις (vgl. den Namen V 11,1 Εγκρά-
τεια), anders Kam. 1414 άποτελών φρονίμους. conservatores : Im LH
deutlich als Wirkung abgetrennt, demnach ist bei Kritod. statt κράτησις συν-
τηρητική wohl zu schreiben: Κράτησις· συντηρητικοί, vgl. Kam. 1415 συν-
τηρητικούς, dazu Weigl im Apparat: "συντηρική Ptol. [er meint Kritod., den er
im cod. Paris, phil. gr. 2419 las, dort steht aber συντηρητική]; συντηρητικούς?"
Diese Konjektur paßt zwar bei Kam. nicht ins Versmaß, trifft jedoch für Kritod.
zu. Vett. Val. 1,2,16 erwähnt συντηρητικοί als Prognose für den Stier. Auf die-
selbe Weise ist beim ersten Planetenbezirk des Steinbocks V 10,1 zu konjizieren.
nobiles vitae: So wohl richtig als Gräzismus nach Kritod. εύσχήμονες βίου, da-
gegen setzt F de noble vie den Text nobilis vitae voraus. virtuosissimi:
Nicht mehr bei Kritod., wohl aber bei Kam. 1415: παναρέτους.
3. (vocatur . . . ) : Der Name des Venusbezirks ist ausgefallen, so wohl auch
bei Kritod., dessen Uberlieferung hier gespalten ist. facit lascivitates et libi-
dinosos: Der LH bestätigt den Plural des cod. V für Kritod.: ήδυπάθειαι,
κατωφέρειαι und versteht darunter eindeutig eine Wirkung. Vielleicht ist je-
doch in dem Singular der codd. PO der Name verborgen: Ήδυπάθεΐα'
κατωφέρεια. Ganz anders Kam. 1418 άποτελοΰσα σι(κ)χαντούς ["Ekel-
hafte"] προς βίον καί κηλήτας ["die einen Bruch haben"]. libidinosos:
Ebenso im Venusbezirk V 9,2 bei Sa 13°—17° libidinosi für κατωφερεΤς, eine
Bestätigung dafür, daß zumindest hier eine Wirkung vorliegt. Uber die Lüstern-
heit des Steinbocks überhaupt vgl. zu II 10,1 cum cinaedis.
4. constituti: Danach folgt bei Kritod. τινές δε καί γένους μετέχουσι, aber
nichts Entsprechendes bei Kam. asperi, prompti: Übersetzt wohl Kritod.
τραχείς [V, ebenso Kam. 1421, ταχείς PO], άνυπόστολοι, das zweite Wort im
Sinne von "ohne Hinterhältigkeit, geradeheraus", so auch Kam. 1420 f. άνυπο-
στόλους | ... καί τραχείς, daher steht das Wort prompti nicht für das in PO
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178 V. Planetenbezirke

wohl falsch überlieferte Wort ταχείς. dominabiles: Übersetzt Kritod. αύ-


θεντικοί "Gewalttäter", vgl. F dominacions und A. Dihle, Αύθέντης (1961),
77—83, dagegen kaum richtig Gundels Lesung damnabiles. iura dicentes:
Mit Kam. 1421 δίκολόγους (nach Ptol. apotel. 4,4,6 eine Wirkung anderer Pla-
neten, vgl. F. Cumont, L'Egypte, 1937, 71'), anders Kritod. δίκας Κίνοϋντες
"Prozesse in Bewegung setzend". Wieder anders im Marsbezirk V 12,4 δίκας
πολλάς εχουσιν bei Pi 20o—28°: Sextilschein.
5. {a vicésimo séptimo) usque ad tricesimum: Überliefert ist a vicésimo
sexto usque ad tricesimum, doch diese Gradangaben beziehen sich auf den
durch einen "saut du même au même" übersprungenen lucidi-Bezirk III 10,7,
s. d. Denselben Bezirk besetzt Mars im vorangehenden Schützen (V 9,5), auch
dort im Anschluß an Saturn. fugas, ... exilia: Vgl. außer Kritod. auch Vett.
Val. 1,3,50 (Mars bei Cap 27o—30o): αποδημητικοί (sc. μοίραι), ferner die Pro-
gnosen zweier anderer Marsbezirke: V 1,4 exilium, fugas und V 9,5 exilium. Die
Angaben sind bei Kam. 1425 ausgefallen, vielleicht gehört 1545 φυλακαί an
diese Stelle, s. zu V 11,1. custodias: Bestätigt bei Kritod. den Plural der
codd. OV φυλακαί (vgl. oben zu Kam. 1545 φυλακαί), anders jedoch vorher
carcerem für das in übertragener Bedeutung nur pluralisch gebrauchte δεσμοί.

11. A q u a r i u s

1. Mercurii: Merkur regiert jeweils den ersten Bezirk der Nachbarzeichen Stein-
bock (V 10,1) und Wassermann, also der beiden Häuser des konträren Planeten
Saturn. Als Nachtregent des dritten Dreiecks regiert Merkur auch den ersten Be-
zirk V 3,1 der Zwillinge. Er modifiziert ferner die im Gesamttext vorausgehende
Einzelprognose II 11,2 für Aq 7°, des letzten Grades seines Bezirks, dann aber
auch die Prognose II 11,3 für den Grad Aq 8°, der nicht mehr zu seinem Bezirk
gehört, vgl. ferner die Prognosen des Teukros-Paranatellons I 11,2 Ibis. (vo-
catur . . . ) : Hier ist die Überlieferung gespalten. Kritod. (OVQ) bietet 'Εγκρά-
τεια, was wohl als Name zu werten ist, vgl. den Namen Κράτησις des Jupiter-
bezirks V 10,2 (dagegen bedeutet Ρ εγκρατείς eher eine Wirkung). Anders
Kam. 1545 καλούνται Φυλακαί, was wohl aus dem vorangehenden Marsbezirk
V 10,5 hierher geraten ist, denn dort (1425) ist das Wort ausgefallen. fiunt
iudices : Weder bei Kritod. noch bei Kam., also eine Entstellung aus dem Namen
des Bezirks? philosophi moribus: Übersetzt Kritod. έμφιλόσοφοι τω
ήθει, anders Kam. 1545 καλούνται ... Φιλοσοφίαι. Vgl. die Merkur-Wirkung
bei Ptol. apotel. 3,14,26 und 34 έμφιλοσόφους.
2. ab octavo gradu usque ad tertium decimum: Fast deckungsgleich mit dem
Gradbezirk VI 11,1 Cibus bei Aq 8°—12°. f ornicatores : F gebraucht zwei Wör-
ter: prostibulaires, fornicateurs. Demnach muß wohl in beiden griechischen Quellen
konjiziert werden, bei Kritod. προνοίας [πρόνοια Cumont] in πορνείας (Liquiden-
metathese) und bei Kam. 1548 πόνοι in πο(ρ)νοΐ. Eine ähnliche Textentstellung
liegt wohl bei I 6,4 πρόνοίαν = Providentia vor, s. zu VI 6,2 Prudentia. procu-
ratore» magnarum mulierum: Vgl. F. Cumont, L'Egypte (1937), 59® und die Ein-
zelgradprognose II 6,7 für Vi 25°: mulierum procuratores.
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VI. G R A D B E Z I R K E MIT N A M E N

1. Aries

1. Dieser erste Gradbezirk ist eingeschaltet in das Teukros-Paranatellon I 1,1 Pis-


cator, in diesen Gradbezirk sind wiederum der erste Helligkeitsbezirk (III 1,1)
und das erste Wetternotat (IV 1,1) eingefügt. usque ad secundum: Gilt nur
für das Teukros-Paranatellon I 1,1 Piscator, der Gradbezirk Diligentia reicht je-
doch bis Ar 4°, s. u. locus: Ebenso für einen Gradbezirk VI 8,1 und im Plu-
ral VI 7,1. Nur in F begegnet das Wort li(e)us auch für die Bezirke VI 2,3 Servus,
VI 6,2 Prudentia, lus, VI 6,3 Habitatio eqs., VI 8,3 Gustus, VI 9,4 Exaltatio,
VI 11,1 Cibus und (falsch unter den Fischen) VI 5,2 Semen. Über andere Funk-
tionen des Wortes s. zu I 1,2 und V 3,3. Als Name erscheint Locus VI 5,1, vgl.
A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 229. Das Wort bezeichnet sonst auch Sektoren
der täglichen Rotation: Firm. math. 2,16—20. Diligentia: Übersetzt
Kam. 270 Ακρίβεια. Der Name bezeichnet ebenso den Merkurbezirk V 6 , l .
Hier vielleicht komplementär zum folgenden Gradbezirk VI 1,2 Remissio : An-
spannung und Entspannung, vgl. A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 233. Die
Verbindung zum Fischer und zu Pallas, die W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 274 bzw. nur zum Fischer, die A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 233
sieht, besteht ursprünglich nicht. quia: Ist eine typische Einleitung von Pro-
gnosen für diese Gradbezirke. in loco isto: Nimmt über das Wetternotat
IV 1,1 hinweg deutlich Bezug auf locus iste: Wir sind wieder im Lemma des
Gradbezirks. diligentes: Bezieht sich trotz syntaktischer Verknüpfung mit
den Teukros-Prognosen (11,1) noch auf den Gradbezirk Diligentia. enim:
Ebenso VI 5,1, sonst häufig für Planetenbezirke, s. zu V 2,1. geometrae vel
arismetici: Klingt merkurialisch, vgl. zum Merkurbezirk V6,l Diligentia: ...
geometrìa. tertius et quartus gradus: Der Bezirk reicht also weiter als bis
Ar 2°. Dafür, daß Ar 4° der letzte Grad des Bezirks ist, spricht der Beginn des fol-
genden Bezirks VI 1,2 mit Ar 5°.
2. Der Name Remissio wird wie der erste Helligkeitsbezirk (III 1,1 sinceri) an
drei Stellen genannt, und zwar mit widersprüchlichen Gradangaben. in
sexto gradu: Bezieht sich nur auf den Nodus Piscium (VII 1,2). Remissio:
Wohl komplementär zu VI 1,1 Diligentia (s.d.), übersetzt Kam. 275 'Άνεσις,
ebenso wie nach Teukros II ανεσιν (I 7,1) vitam ... remissam. Von W. Gundel,
Paranatellonta (1949), 1235,16 falsch auf das Band bezogen, dagegen richtig von
A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 229 als Gradbezirk erkannt. Wieder anders
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 275: "Generalnenner" für Ke-
pheus, Andromeda und Perseus, später (Ders. bei F. Boll — W. Gundel, Sternbil-
der, 1937, 914,43) als Perseus aHein oder (Ders., Paranatellonta, 1949, 1236) als

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180 VI. Gradbezirke mit Namen

Kepheus allein gedeutet. Es handelt sich aber um kein Sternbild, sondern um


einen Bezirksnamen. [facit eqs.]: Es folgt, schon vor der Aufgangsangabe,
die Prognose für das Teukros-Paranatellon I 1,3 Cepheus. a sexto usque ad
septimum: Trifft nur für I 1,3 Cepheus zu, denn der Gradbezirk fängt schon bei
Ar 5° an und reicht bis Ar 9°. a quinto gradu usque ad noiium: Das sind
die richtigen Zahlenangaben, wie die Anschlüsse der Bezirke VI 1,1 und VI 1,3
zeigen.
3. Exaltatio: Diesen Namen nennt Kam. 275 als 'Υψώματα fälschlich für den
Venusbezirk Ar 7°—12° (V 1,2), s.o. S. 1211 f. Die Verquickung der Systeme
beruht auch auf der Tatsache, daß der erste Planetenbezirk des Widders (V 1,1
Δίαρμα) dasselbe wie Exaltatio bedeutet. W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 275 denkt an die Erhöhung der Sonne bei Ar 19°. Da er so den Bezirk
über Ar 15° hinaus erweitern muß, bezieht er auch die Andromedasage und
ihren glücklichen Ausgang mit ein. Dieser ist aber in anderer Weise auf den Neu-
beginn des Jahres bei der Frühlingstagundnachtgleiche zu beziehen : W. Hübner,
Manilius (1984), 193—201. Sollte die Erhöhung der Sonne etwas mit der Tag-
undnachtgleiche zu tun haben, wäre diese Vorstellung schon sehr alt (ca.
770 Jahre vor Hipparch). A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 231 f. bezieht in
Gundels Ansatz den folgenden, komplementären Bezirk VI 1,4 Ruina mit ein
und denkt an die Erniedrigung Saturns etwa an derselben Stelle Ar 21 All dies
ist weniger sicher als V 4,4 Exaltatio Iovis bei Can 20o—26° oder VI 6,3 Exalta-
tio Mercurii bei Vi 14°—15°. Ohne jeden planetarischen Sinn VI 9,4 Exaltatio
bei Sa 26°—27°. eloquentes vel nummulär«: Paßt eher zu Merkur, dessen
Bezirk V 1,3 bei Ar 13°—20° sich in Ar 13°—15° mit dem Gradbezirk Exaltatio
überschneidet, doch die Konjunktion quia spricht für eine reine Bezirkspro-
gnose. nummularii: Fehlt in F.
4. usque ad vicesimum: Vier aufeinanderfolgende Bezirke hören mit Ar 20°
auf:
VI 1,4 Ar 16° -20° Ruina
I 1,8 Ar 15°(190)—20° Qui defert lucernas
V 1,3 Ar 13° -20° termini Mercurii
III 1,4 Ar 17° -20° gradus lucidi

Wir haben hier wieder ein Indiz dafür, daß die Anordnung der Bezirke dem mit
εως genannten Schlußgrad folgt. infra cinctum: Singulare Lokalisierung
eines Gradbezirks. Der Beif des Widders befindet sich nach der Einzelgradpro-
gnose II 1,10 genau in der Mitte dieses Gradbezirks bei Ar 18°, s. d. Ruina:
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 268 f. denkt zunächst wohl richtig
an die Bedeutung "Sturz". Ob allerdings hier die auch von A. Scherer, Gestirnna-
men (1953), 231' aufgegriffene Kombination mit dem Sturz der Helle vom Wid-
der des Phrixos stimmt, bleibt zu bezweifeln. Noch weniger paßt Gundels Deu-
tung als "Ruine" unter Einbeziehung des ägyptischen Dekangottes Chons. Für
die Bedeutung "Sturz" sprechen die übrigen nomina actionis, insbesondere der
komplementäre Name des vorangehenden Bezirks VI 1,3 Exaltatio, vgl. dort zu
A. Scherers unwahrscheinlicher Bezugnahme auf die Erniedrigung Saturns bei
Ar 21°. Wenn Ruina wirklich der Gegenbegriff zu Exaltatio ist, dürfte er im
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1. Aries 181

Griechischen Ταπείνωμα gelautet haben, vgl. zu Kritod. V 6,5 ύψωμα τα-


πείνωμα. ab altis locis ruunt: Bildet einen Gegensatz zu der singulären
Formulierung in eodem ascendente und nimmt vielleicht Bezug auf den vorange-
henden Bezirk VI 1,3 Exaltatio. Eine ähnliche Prognose gibt Firm. math. 8,16,3
für den Untergang der Kassiopeia mit Aq 20° (Sextilschein): ex ruina peribunt,
und math. 8,12,4 für den Untergang des Haedus mit Li 15° (Opposition): corpo-
ris ruina [...] franguntur und praecipiti lapsu moriuntur, vgl. auch die Wirkung
des Marsbezirks V 9,5 casus = μετάπτωσις. Weitere Beispiele bei W. Hübner,
Die Eigenschaften (1982), 625 f. zu Manil. 5,655 praeceps pendens.
5. Die Grade Ar 21°—24° sind nicht besetzt. Möglicherweise gehört die II 1,12
für Ar 22° und II 1,13 für Ar 23° gleichermaßen überlieferte Prognose de terra
viventes hierher.
6. vicésimo quinto: Die varia lectio in F 28 dürfte falsch sein, sie schließt
sich dort an den Einzelgrad Ar 2 ( 7 ) ° an, dessen Einerziffer in H fehlt (II 1,17).
Für den Anfangsgrad Ar 25° spricht auch die Opposition zu VI 7,3 Mansio bei
Li 25°(—27°?), s. d. Motus: W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
275 vergleicht den Marsbezirk V 4 , l Κινήσεις, den der LH aber Possessio =
Κτήσις nennt. Es handelt sich weder um ein Sternbild (Gundel denkt an den
Fuß des Pegasus) noch um einen Planetenbezirk, sondern wohl um die Ausdeu-
tung der Erscheinung, daß der Widder extrem schnell aufgeht: W. Hübner, Die
Paranatellonten (1975), 399. Ders., Die Eigenschaften (1982), 5 6 - 5 8 . A. Sche-
rer, Gestirnnamen (1953), 232 hat die semantische Opposition zu VI 7,3 Mansio
erkannt. Hinzu kommt der sachliche Gegensatz der Aszensionalwerte und die zo-
diakale Opposition zu Li 25°(—27°?). Vgl. ferner zu II 1,9 exules ... negotiato-
res. Den Gegensatz von Ruhe und Bewegung, der hier auf die beiden äquinoktia-
len Zeichen verteilt ist, bezieht Manil. 2,440.445 (vgl. 4,243) auf die
Wende-Zeichen Steinbock und Krebs: Vesta und Merkur, vgl. Pausan. 5,11,8
und J. P. Vernant, Hestia-Hermès. Sur l'expression religieuse de l'espace et du
mouvement chez les Grecs, L'Homme 3 (1963), 12—50. W. Hübner, Hermes als
musischer Gott. Das Problem der dichterischen Wahrheit in seinem homerischen
Hymnos, Philologus 130 (1986), 153—174, hier: 156f. horoscopi: Hier ad-
jektivisch gebraucht im Sinne von 'horoscopantes' wie VI 2,8. VI 3,1. VI 3,2.
VI 3,5. In anderen Systemen: S. o. zu I 5,1. II 2,1. V 2,2, vgl. ThLL s. v. Substan-
tivisch VI 7,3 in horoscopo = II 7,2. mobiles: = V 1,1, s. d.: Der Widder ist
ein 'tropisches' Zeichen. negotiosi: Auch das, weil der Widder ein 'tropi-
sches' Zeichen ist: W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 74—81 und 527 zu
Manil. 4,129 quaestus und 4,132 vendere. Vgl. zu VI 4,1 peregrinabuntur et di-
tantur.

1. Taurus

1. Der Gradbezirk Vita ist in das Teukros-Paranatellon I 2,1 Pliades und in die-
sen wiederum der umbrosi-Bezirk III 2,1 eingeschaltet. Dieselben drei Systeme
werden auch im ersten Widder-Lemma kombiniert. vocantur: Wird im Ge-
samttext falsch auf die Pleiaden bezogen statt auf die Grade Ta 1°—3°, danach
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182 VI. Gradbezirke mit Namen

W. Gundel, Paranatellonta (1949), 1230,40 "die Pleiaden, die im LH als vita ge-
kennzeichnet werden." Vita: W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
275 f. versucht, die falsche Verbindung von Pleiaden und Vita durch Asklepia-
des von Myrlea bei Athen. 11,79 p. 489 K zu stützen: οίς δή τεκμαίρονται τα
περί ζωήν οί άνθρωποι, doch gehören die Angaben zu zwei verschiedenen Sy-
stemen. Gundel weist richtig auf das Antonym VI 2,5 Mors bei T a l 5 ° ( — 1 7 ° )
hin: Anfang und Mitte des Stiers, aber die "Seelenreise im Zodiakus" spielt hier
wohl ebensowenig eine Rolle wie der erste Dekan des Stiers, sondern eher die
προτομή des Stiers, der nur halb verstirnt ist: F. Boll — W. Gundel, Sternbilder
(1937), 939 f. W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 1 1 1 - 1 1 3 . Etwas Ähnliches
begegnet beim gegenüberliegenden Skorpion, so daß sich folgendes Schema er-
gibt:

Stier Skorpion

Stelle Gradbezirk Name Stelle Gradbezirk Name

VI 2,1 Ta I o —3° Vita


VI 2,5 Tal5°<-17°) Mors

VI 8,2 Sc 13°. 14°. 15° Abstinentia


VI 8,3 Sc 28°—30° Gustus

Vita und Mors bezeichnen nach Firm. math. 2,20,2 auch zwei "Häuser" der Do-
dekatropos, doch die Häuser I und VIII bilden dort keine Opposition, weil die
ungünstigen Häuser keinen Aspekt zum Horoskop bilden. quia: Ist typisch
für diese Gradbezirke und knüpft über den umfcrosi-Bezirk III 2,1 hinweg wie-
der an den Gradbezirk Vita an, ebenso das Verbum vivunt. nullo indigen-
tes: Gehört trotz der Etymologie bei Hyg. fab. 192,4 quia plures erant und Isid.
nat. 26,6 a pluralitate (vgl. A. Le Bœuffle, Les noms, 1977, 121 : πολύς) nicht zu
den Pleiaden. multorum (filiorum) : Die Ergänzung ist durch F moult di
fieus abgesichert, der Gegensatz erscheint im anschließenden Bezirk II 2,2 bei
Ta 4°.5°: non sunt multorum filiorum. Der Stier gehört nicht zu den fruchtbaren,
sondern entweder zu den mittleren oder zu den unfruchtbaren Tierkreiszeichen:
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 156—164. Hier eine Ausnahme wegen
der Pleiaden?
2. Die Lücke ist nicht sicher abzugrenzen, vielleicht reicht der Bezirk Vita bis
Ta 7°, denn er ist ja in das Teukros-Paranatellon der Pleiaden (I 2,1) verschränkt,
und darauf folgen mit Ta 4°—7° sogleich die Hyaden, die auch hier ihre Spuren
hinterlassen haben (s. u.). Auch die beiden folgenden Bezirke VI 2,3—4 scheinen
zusammenzugehören und einen 7°-Abschnitt abzudecken. — Formal gehört die
oben als Wetternotat gewertete Angabe IV 2,2 hi duo gradus sextus et septimus
vocantur desiccativi, quia ... hierher, doch deckt sich jene Angabe mit Vett. Val.
1,2,10 für Ta6°—7° πυρώδεις ομιχλώδεις, so daß inhaltlich ein Wetternotat
wahrscheinlicher ist. Die Fortsetzung cum fuerint horoscopi, faciunt ... ist wie-
derum für Einzelgradprognosen charakteristisch, und diese scheinen auf die Hya-
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2. Taurus 183

den zurückzugehen (vgl. zu II 2,3 impetuosos, ad. porcos eqs.) — also ein ganzes
Nest von verschiedenen Einflüssen.
3. Servus : Bildet mit dem folgenden Bezirk (VI 2,4) Malorum patientia bei
Ta 10°(—14°) einen 7°-Abschnitt, s. o. Vielleicht besteht auch eine Beziehung zu
VI 2,6 Terra bei Ta 18o—20°, denn zum Stier gehört die schwere Landarbeit:
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 212. Ders., Manilius (1984), 167f. Un-
wahrscheinlich die Deutung von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936),
255 f. als Dekansymbol "Die Gefangenen" mit Hinweis auf die kniende Gestalt
hinter dem Schwein auf dem runden Himmelsbild von Dendera. servos:
Vgl. für den Einzelgrad Ta 12° (II 2,6) servos und für den Einzelgrad Ta 18°
Firm. math. 8,20,5 servi. Der Stier gehört zu den 'dienenden' Tierkreiszeichen:
W. Hübner, Die Eigenschaften (1982), 211. subiectos: Der Stier gehört
auch zu den subalternen Zeichen: W. Hübner (a. 0.), 206—210. Vgl. den Saturn-
bezirk V 3,5 Subiectio.
4. decimus gradus: Schließt direkt an den vorangehenden Bezirk Servus
(VI 2,3) an: Die beiden Bezirke bilden ein Paar. Es handelt sich um den Anfangs-
grad des Bezirks, der wohl bis Ta 14° reicht, s. o. S. I 205. Malorum patien-
tia: Wohl in bezug auf schwere Arbeit (s. o.), vgl. Vett. Val. 1,2,16 εργαστηρια-
κοί, πονικοί.
5. quintus decimus gradus: Weil dieser Gradbezirk in die Einzelgradpro-
gnose für Ta 15° (II 2,9) eingeschaltet ist, wird kein Bezirk genannt. Es handelt
sich wahrscheinlich wieder um den Anfangsgrad (s. o. S. I 205). Für die Ergänzung
Ta 15°(—17°) spricht erstens der Anfang des nächsten Bezirks VI 2,6 Terra mit
Ta 18° und zweitens die Tatsache, daß der komplementäre Bezirk VI 2,1 Vita
bei Ta 1 3° ebenfalls drei Grade umfaßt. Über die Bedeutung der Tierkreiszei-
chenmitte vgl. zu den Teukros-Paranatellonten Andromeda und Cetus (I 1,6 f.)
sowie Hercules/Theseus und Satirus = Ophiuchus (13,6f.). Mors: In der
Mitte des Stiers der Gegensatz zu Vita am Anfang, s. o. ; W. Gundel, Neue astro-
logische Texte (1936), 198 (vgl. 256) und Ders., Paranatellonta (1949), 1239.
1246. 1250 sowie A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 233 denken ohne Plausibili-
tät an den Totenrichter Osiris-Orion. Dem ist schon durch die Konjektur VII 2,5
stella ... Hyadum der Boden entzogen. Ganz abwegig ist die Kombination mit
dem Teukros-Paranatellon I 2,6 Draco mortuus bei W. Gundel, Paranatellonta
(1949), 1250.
6. Der Name dieses Gradbezirks wird zweimal genannt, dafür fehlt die Pro-
gnose. vocatur gradus: Angeschlossen an den Einzelstern VII 2,5 Aldeba-
ran bei Ta 16°6'. Wenn hier der Einzelgrad Ta 16° gemeint sein sollte, wäre das
folgende ab octavo decimo in a sexto decimo zu korrigieren. Da der Gradbezirk
Ta 18°—20° mit den Teukros-Paranatellonten (12,6) Navis und Draco mortuus
kombiniert ist, könnte sich der Anfangsgrad Ta 18° nur auf diese beziehen und
der Gradbezirk schon früher beginnen. Dann umfaßte aber der vorangehende
Bezirk VI 2,5 Mors nur den einen Grad Ta 15° — es sei denn, dieser Grad wäre
der Schlußgrad, was in diesem System aber nicht die Regel ist (s. o. S. I 205). Au-
ßerdem erstrecken sich die nach den Elementen benannten Gradbezirke sonst
stets auf 3°, s. u. Terra: An den ägyptischen Erdgott Geb denkt ohne Plausi-
bilität W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 256 und 293 (der Beleg
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184 VI. Gradbezirke mit Namen

θεών γαία ist textlich nicht haltbar: 2561) und Ders. bei F. Boll — W. Gundel,
Sternbilder (1937), 992,13. Abwegig auch die Identifizierung mit den vorgenann-
ten Paranatellonten (12,6) Navis und Draco mortuus : Ders., Paranatellonta
(1949), 1247. Es handelt sich vielmehr um den ersten der nach den vier Elemen-
ten benannten Bezirke, die jeweils 3° umfassen:
VI 2,6 Ta 18o—20° Terra
VI 2,8 25°—27° Aqua
VI 2,9 28°—30° Ignis
VI 3,1 Ge Io—3° Ventus
Die beiden weiblichen Elemente gehen — jeweils in absteigender Reihenfolge —
den beiden männlichen voraus. Zur zodiakalen Hierarchie der vier Elemente
W. Hübner, Manilius (1984), 150—158. Im Arrangement des LH entspricht das
erstgenannte Element, die Erde, dem betreffenden Tierkreiszeichen, dem Stier,
ebenso das letzte, die Luft, den Zwillingen, vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 238 f. Zur Polarität Terra (VI 2,6) - Aqua (VI 2,8) vgl. unter den Teu-
kros-Paranatellonten die Polarität von I 2,3 Heniochus currum detinens bei
Ta 8°—11° und 12,7 Qui detinet navem bei Ta 2Io—23°. Wegen der Erdarbeit
des Stiers gibt es vielleicht auch einen Bezug zu den beiden vorausgehenden
Gradbezirken (VI 2,3—4) Servus und Malorum patientia, s. d. — Ein Stück Erde
(terra) sieht Firm. math. 8,4,7 am Himmel unter den Füßen des Waagehalters
am Ende der Waage. — Eine Prognose fehlt, vgl. jedoch zu II 2,11 agricolqe bei
Ta 17o—22° und zu II 2,12 labore bei Ta 19°.
7. Den Namen Terminus erhalten die beiden Einzelgrade Ta 23° (F: 22) und
Ta 24° (an der zweiten Stelle in das Einzelsternlemma VII 2,7 eingeschaltet). Da
der vorangehende Gradbezirk VI 2,6 Terra bis Ta 20° reicht, umfaßt dieser Be-
zirk wohl die Grade Ta 21o—24°. Der 4°-Bezirk trennt die 3°-Bezirke der beiden
niederen und weiblichen Elemente, VI 2,6 Terra bei Ta 18o—20° und VI 2,8
Aqua bei Ta 25°—27°. Der Übergang von Land (Erde) und Wasser spielt auch
beim initium Fluminis (VII 2,6) bei Ta 22° eine Rolle und vielleicht auch bei
dem Wesen, "das das Schiff (an)hält", s. zu I 2,7 Qui detinet navem. Termi-
nus: Von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 155 Nr. 15 und 269 f.
falsch als Fixstern (ß TAU bzw. γ AUR) aufgefaßt, dagegen richtig A. Scherer,
Gestirnnamen (1953), 230: Es handelt sich um den Namen eines Gradbezirks,
vgl. den Namen des Jupiterbezirks V 4,4 Terminus vitae, also von hier aus ein
Bezug zur Polarität der Bezirke VI 2,1 Vita und VI 2,5 Mors? Vgl. 12,8 für
Ta 24o—27°: retributiones ... contingentes post mortem. plurimam regio-
nem navigant: Gehört wohl hierher, weil die Prognose wörtlich bei der zweiten
Nennung für Ta 24° wiederholt wird, vgl. auch das für diese Gradbezirke typi-
sche zweimalige quia. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 218 zieht die
Prognose navigant jedoch zu den Teukros-Paranatellonten 12,6 Navis bei
Ta 18o—20° oder I 2,7 Qui detinet navem bei Ta 21o—23°, doch bieten PL an-
dere Prognosen. plura loca regunt: In der Dublette zu Ta 24 o heißt es
plura loca procurant. Die Gebietsverwaltung spricht weiter für die Zugehörigkeit
der Prognose zum Gradbezirk Terminus.
8. Aqua: Das zweite weibliche Element nach VI 2,6 Terra, von W. Gundel,
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2. Taurus 185

Neue astrologische Texte (1936), 198f. 257. 270 falsch als Sterne Orions, des
Flusses und anderer südlicher Bilder gedeutet. Es folgt nahtlos das höchst kon-
träre Element VI 2,9 Ignis, vgl. unter den Einzelgradprognosen Firm. math.
8,20,3 f. bei Ta II o —12° den Gegensatz humoribus — ignibus. horoscopi:
Adjektivisch wie VI 1,6, s. d. negotiatores eqs.: Ebenso VI 3,1 für den Be-
zirk Ventus : negotiatores ad. loca plura euntes et in alienis frequenter vitam ha-
bentes. Weder Stier noch Zwillinge sind ein tropisches Zeichen, vgl. zu II 1,9
negotiatores. in aquis vitam peragentes eqs. : Ist wohl von negotiatores als
eigene Personengruppe zu trennen.
9. Der letzte Gradbezirk des Stiers ist direkt an das letzte Teukros-Paranatel-
lon 12,9 Ursa angeschlossen und in der Form a b a b mit dem Planetenbezirk
V 2,5 Violentia verschränkt. Ignis [Violentia]: F verbindet beide Namen
viólense de feu, so auch W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 162 und
270, doch hat A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 227 und 230 die beiden Wörter
richtig als zwei Nominative getrennt: Der erste Name bezeichnet einen Gradbe-
zirk, der zweite einen Planetenbezirk. Ignis: Scharfer Gegensatz zu VI 2,8
Aqua, vgl. zu VI 2,6 Terra. Nach Ptol. apotel. 2,12,3 = Heph. 1,1,24 gehören die
gradus ignei (IV 2,1) zu den Hyaden, also an das Ende des Stiers. Abzulehnen
ist der Versuch von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 161 f. und 270,
diesen Bezirksnamen als Stern bei der Kleinen Bärin anzusiedeln, oder von
Dems., Paranatellonta (1949), 1235,62, darin ein ägyptisches Sternbild "die
Flamme" oder "das Feuer" zu sehen. quia: Ist typisch für einen Gradbezirk,
daher zu Ignis gehörig. horoscopi: Adjektivisch wie VI 1,6, s.d. ab
igne et ferro: Brennen und Schneiden wird seit Ptol. apotel. 4,9,12 = Heph.
2,25,11 auf das diametrale Paar Skorpion — Stier bezogen, vgl. Rhet. C p. 187,27
und hier zu II 2,9 und II 8,6, ferner die Einzelgradprognose für Ta 30° (II 2,16):
ab igne vel ferro vi decisiones habent.

3. Gemini

1. a primo gradu usque ad secundum: Der erste Gradbezirk der Zwillinge ist
mit den ersten Teukros-Paranatellonten 13,1 cauda Ceti und Hercules verbun-
den, deswegen erscheint zuerst der verkürzte Gradbezirk Ge 1°—2° (richtig für
Teukros), und dann wird Ventus noch ein zweites Mal für Ge 3° genannt.
Ventus: Von W. Gundel, Paranatellonta (1949), 1231 als Name des Herakles ge-
deutet, Subjekt zu vocatur ist jedoch ein zu ergänzendes gradus, wie das für
Ge 3° deutlich ausgesprochen wird. Früher hatte W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 256 f. den Namen als "Wind" gedeutet, danach auch A. Scherer,
Gestirnnamen (1953), 232, und zwar als Gegensatz zum Merkurbezirk V3,l
Tranquillitas, doch auf der nächsten Seite (233) hat dann Scherer das Richtige
gesehen: Ventus steht für die Luft, das den Zwillingen zukommende Element
(s. o. zu VI 2,6 Terra). Es gab im Lateinischen ja kein genau entsprechendes
Wort für άήρ. Da die Luft zum ideal ausgeglichenen Temperament gehört, be-
steht eine Verwandtschaft zu dem folgenden Gradbezirk VI 3,2 Temperantia.
quia: Ist typisch für die Prognosen von Gradbezirken, daher ist die Prognose auf
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186 VI. Gradbezirke mit Namen

den Bezirk Ventus zu beziehen. horoscopi: Adjektivisch wie VI 1,6, s.d.


negotiatores : Dieselbe Prognose beim Gradbezirk VI 2,8 Aqua, s. d. ad
loca plura euntes: S. Feraboli, Ricerche (1989), 216 vergleicht Firm. math.
8,21,2 für Ge 2°: ignota sibi videbit loca eqs. Die Zwillinge verheißen als Partner
des 'gemeinschaftlichen' Quadrats vielfältige Handlungen : W. Hübner, Die Eigen-
schaften (1982), 225f. [fiunt enim eqs.]: Gehört weder zu den Teukros-
Paranatellonten cauda Ceti und Hercules (I 3,1 ) noch zum hiesigen Gradbezirk,
sondern wohl zu dem erst später genannten Teukros-Paranatellon I 3,2 Apollo,
obwohl PL keine Entsprechung bieten, s. d.
2. enim: In dieser Schicht singular, vgl. zu V2,l. ad duodecimum gra-
duiti : Denselben Schlußgrad hat der Jupiterbezirk V 3,2 Beneficia. Jupiter ge-
hört auch zur "Mäßigung": W. Hübner, Religion und Wissenschaft (1988), 14f.
Temperantia: Setzt den Gedanken des vorangehenden Bezirks VI 3,1 Ventus
insofern fort, als die Luft das wohltemperierte Element ist: W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 252-254. Ders., Manilius (1984), 164-166. Falsch deutet
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 277 nach F atemprance (so der
richtige Wortlaut) den Namen als attemperantia "Anmischung". Fernzubleiben
hat an dieser Stelle auch ein "astrometeorologisches Notât", dieses suche man
vielmehr unter IV 3,1. horoscopi: Adjektivisch wie VI 1,6, s.d.
3. vocatur Descensio: Dieser Bezirk ist in das Teukros-Paranatellon I 3,6
Theseus eingeschaltet, daher wird der Name von W. Gundel, Neue astrologische
Texte (1936), 277 und Dems., Paranatellonta (1949), 1237 sowie jüngst wieder
von S. Feraboli, Ricerche (1989), 216 f. falsch auf Theseus bezogen. Während
Gundel keinen rechten Zusammenhang sieht, denkt A. Scherer, Gestirnnamen
(1953), 233 an die Vertreibung des Theseus aus Attika, doch beruht dies alles
auf der falschen Kombination eines Teukros-Paranatellons mit einem Gradbe-
zirk. — Der gegensätzliche Name V 5,1 Ascensio gehört in das System der Plane-
tenbezirke (Jupiter bei Le 1 6°), die Wirkung V 1,4 descensiones zum Marsbe-
zirk V 1,4 bei Ar 21°-25°. cadunt eqs.: S. Feraboli, Ricerche (1989), 216
vergleicht Firm. math. 8,21,5 für Ge 14°: de alto loco lapsi. Ein Zusammenhang
ist jedoch nicht gesichert. [fiunt tarnen...]: Gehört über den Gradbezirk
hinweg wieder zum Teukros-Paranatellon Theseus.
4. Der vierte Gradbezirk der Zwillinge ist ausgefallen, dafür werden die Pro-
gnosen für den folgenden Bezirk VI 3,5 teilweise schon bei dem Einzelgrad II 3,4
für Ge 24° antizipiert.
5. morantes super fontibus eqs.: Die Prognosen für den Einzelgrad II 3,4
bei Ge 24° stimmen so sehr mit den Prognosen des diesen Einzelgrad enthalten-
den Bezirks überein, daß sie wohl hierhergehören. vel paludibus: Fehlt in
der Dublette. in fossatis: Etwas anders suo loco: in locis ruinosis, kaum ein
Bezug zum Gradbezirk VI 1,4 Ruina bei Ar 16°—20°. quidem: Leitet sonst
Planetenbezirke ein, s. zu V 1,1, einen Gradbezirk jedoch auch VI 6,1. Hier viel-
leicht deswegen, weil die Prognose schon vorausgeht. G ( a l ) e n e : Das über-
lieferte Gene deutet W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 264f. (vgl.
231 f.) als Schlange in der Nähe der Zwillinge, später (Ders., Paranatellonta,
1949, 1231) im Sinne von genae = "Wangen", dagegen richtig A. Scherer, Ge-
stirnnamen (1953), 234, dessen eigene Deutung im Sinne von γονή = "(Schlan-
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3. Gemini 187

gen)brut" jedoch auch nicht überzeugt. Die Prognosen bieten dafür nur eine
schwache Handhabe. Zu der hier nur zweifelnd vorgenommenen Konjektur
G (al) ene vgl. den Namen des Merkurbezirks V 3,1 Γαλήνη bei Ge Io—6°, den
der LH mit Tranquillitas übersetzt. horoscopi: Wie VI 1,6, s.d. in lo-
cis humidis eqs.: Paßt insofern zu dem erschlossenen Bezirksnamen, als der Be-
zirk V3,l Γαλήνη zur Seefahrt gehört und navigantes hervorbringt.
6. vocatur autem: Vorangestellt, weil der Gradbezirk Coniunctio an das Teu-
kros-Paranatellon 13,12 Delphin et Satirus angeschlossen ist. Dieser Bezirk
sprengt dort den Zusammenhang von Sternbildern und Prognosen und schließt
seinerseits das Wetternotat IV 3,4 ein. Goniunctio: Wird im folgenden noch
einmal mit Vinclum wiedergegeben, griechisch vielleicht Σύνδεσμος, was auch
den Stern Alrescha (VII 1,2) bezeichnet: A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 182.
Über den Wechsel der Nomenklatur auf engem Raum vgl. zu II 1,10 lumbi/
ductus Arietis. Komplementär hierzu verhält sich der Name VI 4,1 Solutio bei
Can 10°(—14°), der zwar der nächstgenannte ist, doch bleibt das Dazwischenlie-
gende (Can Io—9°) unbesetzt. Wegen der unverständlichen Prognose organis no-
tantes denkt W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 270 an Teile der
Argo, besonders an τ PUP, es handelt sich aber nicht um ein Sternbild, sondern
um einen Gradbezirk. [gradus isti eqs.]: Eingesprengtes Wetternotat
(IV 3,4), an das sich die Prognosen für I 3,12 Delphin et Satirus anschließen.
Vinclum vero vocatur: Deutlicher Neueinsatz nach der Interpolation. Über die
Namensvariante s.o. zu Coniunctio. in custodia statuuntur eqs.: Da auch
das Teukros-Paranatellon I 3,3 Draco die beiden Bärinnen bindet, erscheinen
dort ähnliche Prognosen: carcerem, vincula. vinctionibus: Hier als Wir-
kung des Vinclum, gleich darauf (V 3,5 vinctiones) als Wirkung des Saturnbe-
zirks Subiectio, s.d. organis natantes: Unverständlich, "wohl Seefahrer"
nach W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 270. Wenn 13,12 natatores
wiederaufgenommen sein sollte, wäre dies über den Gradbezirk Coniunctio hin-
weg wieder eine Wirkung des Delphins. carceris experientiam: Dublette
zum Vorangehenden, hier unklar, ob Kerkerhaft oder Kerkermeister, vgl. zu I 1,4
und I 1,6.

4. Cancer

1. decimus gradus: Die Abfolge II 4,6 octavus gradus, II 4,7 nonus gradus und
hier decimus gradus ist nur äußerlich stetig, denn jetzt folgt ein auf einen Einzel-
grad reduzierter Gradbezirk. Für alle vier Bezirke des Krebses und die beiden
des Löwen ist nur ein Grad angegeben, wahrscheinlich der Anfangsgrad: s.o.
S. I 205f. Solutio: Komplementärer Name zu VI 3,6 Coniunctio/Vinclum bei
Ge 28°—30°, dazwischen ist jedoch mindestens ein Gradbezirk zu ergänzen.
Denselben Namen trägt der Saturnbezirk V 2,4 bei Ta 23°—27°. Abwegig
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 277, der einen Bezug zum sternlo-
sen Grad Can 10° (das heiße Can 9° bei Ptol. synt. 7,5 + 1 ° ) annimmt. mul-
tam regionem peregrinabuntur: Dieselbe Prognose verheißt der Gradbezirk
VI 6,1 Via bei Vi Io—2°. peregrinabuntur et ditantur: Der Krebs begün-
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188 VI. Gradbezirke mit Namen

stigt als tropisches Zeichen das Reisen und den Handel: W. Hübner, Die Eigen-
schaften (1982), 74—79 und 549 f. zu Manil. 4,166 quaestus artemque lucrorum.
Vgl. zu VI 1,6 negotiosi.
2. quintus decimus: Der Schlußgrad des Bezirks für I 4,6 stella Canis, hier
wohl der Anfangsgrad eines Bezirks, s. zu VI 4,1. Constellatio: Dieses Wort
ist erst seit dem 4. Jh. n. Chr. belegt und bezeichnet ursprünglich die Gesamtheit
eines Sternstandes, ist also nicht auf die Planeten beschränkt: F. Boll, Sternen-
freundschaft (1917), 115—124. Der Bezirksname wurde von W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 156 Nr. 30 falsch unter die Einzelsterne eingereiht
und S. 270f. als a CNC gedeutet, vgl. Dens., Paranatellonta (1949), 1241,56, da-
gegen richtig A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 230 und 232, dessen eigene Deu-
tung wahrscheinlicher ist: Im spekulativen Welthoroskop des Nechepso-Petosiris
(Firm. math. 3,1,1) stand Can 15° im Aszendenten. Vielleicht ist der ausführli-
chere Text in V1 hierfür eine Stütze (14,6): κυνός αστρον, δ έστι βασίλειον
των λς' ώρών, s. d. Die von F. Boll, Sphaera (1903), 209 verworfene Grundbe-
deutung "Residenz der 36 Stunden" ist plausibel: Wie im Welthoroskop die Pla-
neten, so stehen am Anfang des ägyptischen Jahres alle 36 Dekane in einem 'Pa-
last' beisammen. — W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 271 denkt auch
an den Dekan Can II, doch dieser kommt höchstens wegen Isis-Sothis in Frage,
aber nicht wegen der beiden dort angesiedelten Schildkröten. [super]: In F
wohl zu Recht ausgelassen. apparitionem et splendorem: Entspricht so-
wohl der Bedeutung der Constellatio als 'Residenz' der 36 Dekane als auch dem
Sirius, dem hellsten Fixstern.
3. vicesimus sextus gradus: Wohl wieder der Anfangsgrad, s.o. zu VI 4,1
decimus gradus. Mensura: Die Erklärungsversuche von W. Gundel, Neue
astrologische Texte (1936), 271 befriedigen nicht. Der Jupiterbezirk V 4,4 Ter-
minus vitae, der mit demselben Grad Can 26° endet, hat wohl nichts mit diesem
Gradbezirk zu tun. Vgl. zum Gradbezirk VI 6,4 Latitudo bei Vi 18°. 19°. si-
gnum ... est: Dieselbe Formel VI 5,2. VI 9,2 und so wohl auch VI 9,1. Ob dieses
Wort den hermetischen Fachausdruck für diese Gradbezirke darstellt, wie
A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 229 annimmt, ist zweifelhaft. Nichts darüber
bei A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 23—29 und Dems., Astronomie Astrologie
(1987): Das Lemma fehlt. invanae: Dieses Adjektiv fehlt in den Lexika, der
ThLL bietet nur eine zweifelhafte Stelle für invan(a)e.
4. vicesimus nonus (et tricesimus): Ergänzt nach dem Plural LH 16
p. 41,11 ultimi enim gradus [...] Deorum nuptiae [sc. vocantur] nach Rhet. C
p. 119,15 διά (το) τάς τελευταίας μοίρας του Καρκίνου καλεΐσθαι
Θεών γάμον [corr. F. Cumont, cf. W. Gundel, Neue astrologische Texte, 1936,
259, γαιαν trad.]. Damit bestätigt sich die Vermutung, daß die einzelnen Grade
hier den Anfang der Gradbezirke angeben, s. zu VI 4,1 decimus gradus. Neben
Deorum nuptiae erscheint bei Rhet. C und im LH der im Geviertschein hierzu
stehende Gradbezirk VI 7,4 Augmentum bei Li 28°—30°, auch dort also ein Be-
zirk und kein Einzelgrad. vocatur: Braucht trotz der Ergänzung nicht in den
Plural gesetzt zu werden, vgl. etwa VI 7,2 oder VI 8,2. Deorum nuptiae:
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 258 f. denkt an das ägyptische Fest
einer Götterhochzeit mit Hinweis auf Plut. De Isid. 12, weniger wahrscheinlich
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4. Cancer 189

die Annahme von Α. Scherer, Gestirnnamen (1953), 232, der ausgehend von der
Erniedrigung des Mars bei Can 28° an die Vereinigung von Ares und Aphrodite
bei Homer denkt, verleitet vielleicht auch durch die Einzelgradprognose 114,15
impudici für Can 28o—30°. Ps.Eratosth. catast. 5 erwähnt die Götterhochzeit bei
der Bestimmung der Ariadne-Krone.

5. Leo
1. octavus ... gradus: Die Aufeinanderfolge der drei Grade des Teukros-Par-
anatellons 15,4 Draco, Le8 o .9°.10°, ist nur äußerlich, denn Le 8° ist wohl der
Anfangsgrad dieses Bezirks, vgl. zu VI 4,1 decimus gradus, während für Le 9°
(II 5,3) und Le 10° (II 5,4) Einzelprognosen gegeben werden. Die Prognosen für
Le 8° und Le 9° sind ähnlich. enim: Leitet wie VI 1,1 einen Gradbezirk ein,
sonst gern Planetenbezirke, s. zu V 2,1. Locus: Dieser Name kommt als Ap-
pellativum sowohl für diese planetenlosen Gradbezirke als auch für Teukros-Ab-
schnitte und Planetenbezirke vor, s. zu VI 1,1 locus. Wegen der folgenden Pro-
gnose versteht W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 272 den Namen
zweifelnd im Sinne von "Grundstück", das ist jedoch unsicher. quia locus
eorum dividetur: Kaum wegen der trennenden Funktion des Polardrachens bei
Le8°—10°, vgl. zu 15,4 separationes, näher liegt ein Bezug zum Jupiterbezirk
V 7,3 Divisiones bei Li 15°—21°. [periurus vero...]: Gehört wohl nicht
mehr dazu, sondern zur Einzelgradprognose II 5,2 für Le 8°.
2. sextus decimus gradus: Uberliefert unter den Fischen, gehört zusammen
mit den Teukros-Paranatellonten I 5,7—8 Canis und Lupus sowie den Einzel-
gradprognosen 115,6—7 für Le 16° und Le 17°. 18° zum Löwen. Hier steht ein
Einzelgrad für einen ganzen Bezirk, erstens weil der Bezirk mit einer Einzelgrad-
prognose kombiniert ist, und zweitens, weil dies auch bei den übrigen Gradbezir-
ken des Krebses und des Löwen der Fall ist — eine formale Bestätigung für die
Umstellung von den Fischen zum Löwen. Der Einzelgrad gibt wahrscheinlich den
Anfang des Bezirks an, vgl. zu VI 4,1 decimus gradus. Semen : Paßt eigent-
lich zur extremen Fruchtbarkeit der Fische, vgl. W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 156—164, dennoch ist die Umstellung zu dem keineswegs fruchtbaren
Löwen so gut wie sicher. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 274 er-
wägt zwei Deutungen: das Viereck des Wassers zwischen den beiden zodiakalen
Fischen auf den beiden Himmelsbildern von Dendera oder eine Deutung des
Krokodils (dessen medietates unter den Fischen la 12,6 folgen) als Sämann, der
Samen ausstreut. Die Umstellung zum Löwen entzieht beidem den Boden. Später
denkt Ders., Paranatellonta (1949), 1241 an einen Einzelstern, es handelt sich je-
doch um den Namen eines Gradbezirks. Unwahrscheinlich ist auch die Annahme
von A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 232, die Erhöhung der Venus bei Pi 21°
könne hier eine Rolle spielen, besonders dann, wenn die Umstellung zum Löwen
richtig ist. signum est: Typisch für Gradbezirke, s. zu VI 4,3 signum.
amatores: Würde gut zu den Fischen passen, s. o. multos filios habent: Ist
ebenfalls eher eine Wirkung der fruchtbaren Fische als des Löwen, s. o. filios
etiam amittent plures: Vielleicht schon ein Teil der Einzelgradprognose für
Le 16° (II 5,6), doch weil es weiter um die Nachkommenschaft geht, gehört die
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190 VI. Gradbezirke mit Namen

Angabe wohl doch noch hierher, das Folgende dagegen sicher nicht mehr. — Der
von W. Gundel, A. Scherer und S. Feraboli hier angesetzte Bezirk für Le 18° iuba
Leonis gehört zu den Einzelgradprognosen, s. zu II 5,8.

6. Virgo

1. primus quidem et secundus: Hier wird zum ersten Mal wieder mehr als ein
Grad genannt. quidem: Wie VI 3,5, s. d. Via: W. Gundel, Neue astrolo-
gische Texte (1936), 272 versucht eine Lokalisierung nach den ekliptikalen Län-
gen bei Sternen der Jungfrau selbst, des Bootes, des Bechers und der Hydra,
doch gegen die Annahme eines Sternbildes wenden sich zu Recht A. Scherer
und R.Böker bei H. Gundel, Pleiaden (1952), 2517. - Sextilschein zu VI 8,1
Obviatio bei Sc Io—5°. peregrinabuntur: Vgl. den Marsbezirk V 9,5 Pere-
grinado. Die Jungfrau gehört nicht zu den tropischen Tierkreiszeichen, die die
Reise begünstigen, vgl. zu VI 4,1 multam regionem peregrinabuntur. [erunt
autem eqs.]: Gehört wohl zum Teukros-Paranatellon 16,1 Spica, s.d.
2. ab undécimo usque ad tertium decimum: Bezieht sich primär auf das
Teukros-Paranatellon I 6,4 Lucina, daher könnten die Gradangaben für diesen
eingeschalteten Bezirk geringfügig abweichen. Nach F beginnt der nächste Bezirk
VI 6,3 mit Vi 13°. Da er den Raben an der richtigen Stelle einordnet (s. zu I 6,5),
könnte er auch hier den richtigen Anfangsgrad überliefern. Dann wäre hier zu
konjizieren: usque ad duodecimum. Prudentia: Nach F Pruderne korrigiert
aus Providentia, vgl. Serv. georg. 1,33 p. 140,26 Augustum [...] prudentem prop-
ter vicinam Virginem, id est Mercurii domicilium, fore significai (sc. Vergilius).
Dagegen scheint auf den ersten Blick L I 6,4 πρόνοίαν als Prognose für Eilei-
thyia bei Vi II o —13° zu sprechen, doch ist dort wohl πορνείαν zu konjizieren.
Eine ähnliche Textentstellung begegnet unter den Planetenbezirken : Für den Ve-
nusbezirk V 11,2 überliefert Kritod. die Form προνοίας, daraus erschließt F. Cu-
mont den Namen Πρόνοια, nach dem Text des LH fomicatores muß dort aber
wohl πορνείας gelesen werden, s.d. lus: Als Eigenname auch in V' Δίκη,
vgl. Arat. 105 und Nigid. frg. 91 bei Schol. Germ. Bas. X p. 326,11 Virginem
Iustitiam dici sive Aequitatem, dazu W. Hübner, Das Sternbild (1977), 59. Den-
noch fehlt dieser zweite Name vielleicht richtig in F, der dafür I 6,4 iudices dop-
pelt übersetzt: fait juges, justes.
3. a quarto decimo: F läßt diesen Bezirk mit Vi 13° beginnen. Dagegen
spricht zwar der Anschluß an den vorangehenden Gradbezirk VI 6,2 bei Vi II o —
13°, doch ist die Abweichung wohl eine Folge der Vermischung der Systeme: Im
vorausgehenden Lemma wird das Teukros-Paranatellon I 6,4 Lucina mit dem
Gradbezirk VI 6,2 Prudentia und hier der Gradbezirk Fortitude (mit eingeschal-
teten weiteren Namen) mit der Prognose für das Teukros-Paranatellon I 6,5 Cor-
vus kombiniert. Da F den Namen des Raben hier gegen H an der richtigen Stelle
überliefert, könnte auch der Anfangsgrad Vi 13° der richtige sein. S. Feraboli
nimmt einen Augensprung an und suppliert als zweite Bezirksangabe (a tertio
decimo usque ad quintum decimum). [Habitatio vel Exaltatio Mercurii]:
Die Jungfrau ist als ganze das Taghaus Merkurs, und ihre Mitte (Vi 15°) gilt als
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6. Virgo 191

seine Erhöhung, der zweite Name trifft also nur auf den zweitgenannten Grad zu.
Die beiden Bezeichnungen dürften ebenso zu dem eigentlichen Namen Fortitudo
hinzugefügt worden sein wie im Jupiterbezirk V 4,4 Exaltado Iovis zum eigent-
lichen Namen Terminus vitae. Exaltatio: Vgl. zu VI 1,3 Exaltatio und zu
VI 9,4 Exaltatio. Habitatio: Gegen die Deutung von W. Gundel, Neue astro-
logische Texte (1936), 273 als "Atrium der Isis" richtig A. Scherer, Gestirnna-
men (1953), 233: Gemeint ist das Taghaus Merkurs, s.o. Fortitudo: Hier
erscheint endlich der eigentliche Name des Bezirks, vgl. die Prognose athletas
fortes. Der Name bezeichnet sonst drei Planetenbezirke, nämlich zwei Marsbe-
zirke und einen Jupiterbezirk, s. zu V 3,4 Fortitudo. athletas fortes : Eine
klare Wirkung der Fortitudo, vgl. zu 112,13 athletas. S. Feraboli, Ricerche
(1989), 233 vergleicht Firm. math. 8,24,4 schon für Vi 9°: luctatores. ratio-
nabiles: Bezieht sich wohl wie das Folgende auf Merkur. scribas diligen-
tes : Bezieht sich eindeutig auf Merkur, vgl. zu I 6,4 chartularios, zum Merkurbe-
zirk V 6,1 Diligentia (bei Vi Io—7°) und zum Gradbezirk VI 1,1 Diligentia,
ferner Firm. math. 8,8,1 (Venus und Merkur im Merkur-Zeichen Gemini): ni-
miae diligentiae studio. [facit eqs.]: Gehört nach L als Prognose zum Teu-
kros-Paranatellon I 6,5 Corvus, dessen Name an falscher Stelle erst bei Vi 18°. 19°
erscheint, s. d.
4. Latitudo: Dem entspräche griechisch Πλάτος, vgl. den Saturnbezirk V 5,3
Μήκος, was im LH keine Entsprechung hat, ferner den Gradbezirk VI 4,3 Men-
sura. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 278 denkt vorsichtig an die
"Breite des Bildes" (sc. der Jungfrau), er meint wohl ihre Überlänge. Die Jung-
frau reicht nach Ptol. synt. 7,5 von Le 26° - Li 12°40', vgl. W. Hübner, Die Ei-
genschaften (1982), 103 f. und oben zu I 6,7 Puella, quae stat super cauda Hy-
dri. q u i ( a ) : Ergänzt nach F car li net la und der üblichen kausalen
Verknüpfung in diesem System. Andersherum I 8,4 gui[a].

7. Libra

1. decimus et undecimus: Einzelgrade wie im nächsten Bezirk VI 7,2 duodeci-


mus gradus et tertius decimus et quartus decimus : glatt anschließend, auch die
Prognosen sind ähnlich. Gegen eine Zusammenfassung zu einem Bezirk
Li 10°—14° spricht der unterschiedliche Name. Daß jedoch an dieser Stelle Ver-
wirrung herrscht, zeigt auch der ausgefallene Name des Merkurbezirks V 7,2
(griechisch Έ ρ γ ο ν bzw. Παίδευσις). Innerhalb jenes Merkurbezirks V 7,2 bei
Li 7°—14° nehmen die Grade Li 10°.11° genau die Mitte ein. Necessitas:
W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 260f. denkt an eine ägyptische
Göttin der Notwendigkeit und beruft sich dabei auf die I 7,4 für Li 1 I o —12° ge-
nannte Venus. Er verkennt dabei jedoch, daß es sich dort um ein anderes System
handelt. Auch seine Lokalisierung des vermeintlichen Sternbildes bei Sternen
zwischen Jungfrau und Waage sowie des Bootes und des Kentauren geht in die
Irre: Es handelt sich um den Namen eines Gradbezirks. Dagegen hat A. Scherer,
Gestirnnamen (1953), 232 wohl richtig den Namen eines κλήρος nach Paul.
Alex. 23 angenommen, er denkt jedoch versehentlich an das Los des Saturn (Ne-
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192 VI. Gradbezirke mil Namen

cessitas heißt auch der Saturnbezirk V 8,5 bei Sc 25°—30°). Dieses heißt aber
Νέμεσις (vgl. auch Vett. Val. 1,1,16. Heph. 3,7,16. Apom. rev. nat. App.
p. 245,10), während der Name Necessitas das Wort Ανάγκη übersetzt (so auch
bei dem Merkurbezirk V 8,5). Ανάγκη ist das Los Merkurs, in dessen Planeten-
bezirk (V 7,2) die Grade Li 10°. 11° die Mitte bilden. A. Le Bœuffle, Les noms
(1977), 264 hat es nicht gewagt, Α. Scherer zu widersprechen: "malgré la confu-
sion possible avec le sort de Saturne." secundum hos locos: Singulärer Plu-
ral, vgl. zu VI 1,1 locus. necessitatibus incidunt: Wie VI 7,2 in turbationi-
bus incidunt : wörtliche Ausdeutung des Namens. in proeliis periclitantur:
Auch das wie VI 7,2.
2. duodecimus gradus et tertius decimus et quartus decimus: Drei Einzel-
grade, die direkt an die Einzelgrade (VI 7,1) Li 10°. 11° anschließen. Nach der
Mitte des Merkurbezirks V 7,2 bei Li 7°—14° folgen jetzt die restlichen Grade.
Turbatio: Derselbe Name ist wohl auch VI 9,1 bei dem Gradbezirk Sa 1°—7°
aus Turbatio[nis] signum herzustellen, vgl. die Wirkung des Marsbezirks V4,l
turbationes bei Can Io—7°. Die Erniedrigung der Sonne bei Li 19°, die A. Sche-
rer, Gestirnnamen (1953), 232 hier geltend machen möchte, dürfte als Begrün-
dung ausscheiden. semper: Wie 112,15, s.d. in turbationibus inci-
dunt: Wie VI 7,1 necessitatibus incidunt: wörtliche Ausdeutung des Namens,
in proeliis ... periclitantur: Auch das wie VI 7,1.
3. in vicésimo quinto gradu [et minutis triginta (sex)]: Dieser Gradbezirk
ist an die Grad- und Minutenzahl des Einzelsterns VII 7,6 (β LIB) angeschlossen,
sein Anfangsgrad dürfte mit der hier genannten Gradzahl übereinstimmen, denn
so ergibt sich eine Opposition zu VI 1,6 Motus bei Ar 25°—30°. Danach wäre der
Schlußgrad bei Li 30° zu suchen, was vielleicht die Verkürzung der Minutenzahl
36' zu triginta bewirkt hat, vgl. zu VII 7,6 triginta (sex): W. Hübner, Die Par-
anatellonten (1975), 399. Da aber noch der Bezirk VI 7,4 Augmentum bei
Li 28°—30° folgt, reicht dieser Bezirk wohl nur bis Li 27°, so daß zu ergänzen ist
(usque ad vicesimum septimum). vocatur Mansio: Bezieht sich nicht wei-
ter auf den Einzelstern β LIB (VII 7,6), wie W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 273 meint, sondern auf ein zu ergänzendes gradus, so richtig A. Scherer,
Gestirnnamen (1953), 231. Ebenso abwegig Gundels Hinweis auf den Kreis
oberhalb der Waage oder auf den Sessel der sitzenden Gottheiten auf den Him-
melsbildern von Dendera oder gar ein Bezug zu Teukros I (ohne Stelle) ό οπή
καί ό τόνος: Ders., Paranatellonta (1949), 1232. Vielmehr dürfte die extrem
langsame Aufgangsgeschwindigkeit der Waage eine Rolle spielen, vgl. zu VI 1,6
Motus. Im übrigen folgen hier die Gradbezirke Mansio und VI 7,4 Augmentum
ebenso aufeinander wie unter den Planetenbezirken des angrenzenden Skor-
pions der Merkurbezirk V 8,3 Mansiu/Movr] und der Jupiterbezirk V 8,4
Αυξησις (im LH anders: Intemperantia):

Gradbezirke Name Planetenbezirke Planet

VI 7,3 Li 25°—(27°) Mansio V 8,3 Sc 1 2 ° - 1 9 ° Mansio Merkur


VI 7,4 Li 2 8 ° - 30° Augmentum V 8,4 Sc 20°— 24° [Intemperantia] Jupiter
Αϋξησις

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7. Libra 193

Es ist daher vielleicht kein Zufall, daß dieser Bezirk an Merkur, der als zweiter
Planet das Temperament von β LIB bestimmt, angeschlossen ist. numquam
peregrinabuntur: Obwohl doch die Waage als tropisches Tierkreiszeichen das
Reisen begünstigt, vgl. zu VI 4,1 peregrinabuntur. sed in operibus fessi
sunt: Fehlt in F, vgl. jedoch Manil. 2,249—251 vel quae fessa sedent, ... | Libra
sub emerito considens orbe laborum, dazu W. Hübner, Die Eigenschaften
(1982), 116f. und Ders., Manilius (1984), 1 5 9 - 1 7 4 , besonders 168. In der Neu-
zeit werden die Schalen der Waage auch aufliegend und mit schlaffen Bändern
oder Ketten dargestellt.
4. Augmentum: Vgl. LH 16 p. 41,11 ultimi gradus {Librae) vocantur Aug-
mentum, ergänzt nach Rhet. C p. 119,15 διά τό τάς τελευταίας μοίρας τοΰ
Ζυγοϋ καλεΐσθαι Αϋξησιν. Daneben erscheint in beiden Quellen der im Ge-
viertschein hierzu stehende Gradbezirk VI 4,4 Deorum nuptiae bei Can 29°
(—30°). An dieser Stelle stimmen also zwei aufeinanderfolgende Gradbezirke
mit zwei aufeinanderfolgenden Planetenbezirken überein, s. o. zu VI 7,3 Mansie.
Für Interferenzen zwischen den beiden Systemen spricht auch die Tatsache, daß
die Prognose και ύπεραυξήσεις, die Kritod. für den Marsbezirk V 7,5 gibt, zu
dem im Gesamttext anschließenden hiesigen Gradbezirk paßt, s. d. Falsch die In-
terpretation von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 278f. nach der
Zunahme des Lichtes vom Steinbock an, dem widerstreitet die Position am Ende
der Waage. augmentabunt et proficient: So der richtige Text, vgl. beim Ju-
piterbezirk V 8,4 augmentantes et in maius procedentes. fiunt ... magni:
Wiederholt etwa augmentabunt.

8. Scorpius

1. vocatur locus: Eingeschaltet in das Teukros-Paranatellon I 8,1 Hippocentau-


rus, dessen Bezirk aber nur bis Sc 4° reicht. locus : Wie VI 1,1, s. d. a pri-
mo gradu usque ad quintum: Ausnahmsweise wird hier darauf hingewiesen,
daß die Ausdehnung des Gradbezirks von dem des Teukros-Sternbildes ab-
weicht. Obviatio: Von W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 279
wegen der Prognose mit dem Südlichen Kentauren gleichgesetzt, aber erstens
handelt es sich nicht um ein Sternbild, und zweitens bezieht sich ein Teil der
Prognosen auf den Hippocentaurus (s. u.), im übrigen Sextilschein zu VI 6,1 Via
bei Vi 1 °—2°. quoniam huiusmodi feris occurrunt vel obviantes moriun-
tur: Gehört hierher, W. Gundel (a. 0 . ) denkt wegen feris an das θηρίον des
Kentauren (vgl. zu I 8,1 Hippocentaurus, qui defert leporem), doch sprechen die
Verben occurrunt und obviantes eindeutig für den hiesigen Gradbezirk Obviatio.
Recht hat Gundel jedoch, wenn er für die venatores den Südlichen Kentauren
verantwortlich macht. [vel venatores aut milites fiunt]: Gehört nach L
wieder zum Teukros-Paranatellon I 8,1 Hippocentaurus.
2. tertius decimus, quartus decimus et quintus decimus: Die letzten drei
Grade vor der Mitte des Bildes, so wie der folgende Bezirk VI 8,3 die letzten drei
Grade überhaupt abdeckt (Sc 28°—30°), vgl. das Schema zu VI 2,1 Vita.
Abstinentia: Nicht nur die Gradzahlen, sondern auch die Namen korrespondie-
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194 VI. Gradbezirke mit Namen

ren, vgl. A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 233 zu dem Paar Abstinentia — Gu-
stus. W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 279 denkt u.a. an Sterne im
linken Schenkel des Engonasin, den er nach Comment. Arat. 75 p. 353,22 wegen
der "Enthaltsamkeit" als Tañíalos deutet. Abgesehen von der mangelnden Plausi-
bilität dieser Erklärung handelt es sich nicht um ein Sternbild, sondern um einen
Bezirksnamen. Luna: Die einzige Modifizierung durch einen Planeten in
diesem System. Der Mond differenziert auch die Einzelgradprognose II 8,5 für
die drei Grade Sc8°.9°.10°, daher handelt es sich vielleicht auch hier um eine
Einzelgradprognose — wie auch bei Firm. math. 8,26,4 für Sc 13°, s.u.
cursu vacua: Zur κενοδρομία des Mondes A. Bouché-Leclercq, L'astrologie
(1899), 255. a bonis spedata: D.h. in günstiger Aspektstellung zu den
glückverheißenden Planeten. dominos vitae ac mortis dominium haben-
tes: W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 279 3 und S. Feraboli, Ricerche
(1989), 225 und 238 ohne Quellenangabe vergleichen Firm. math. 8,26,4
(Sc 13° mit Luna wie hier): habentes vitae necisque maximam potestatem, S. Fe-
raboli (a. 0.) dazu Firm. math. 8,31,5 (Sc 13° mit Antares: vgl. VII 8,3 und zu
II 8,6) vitae et necis habentes potestatem. vitae ac mortis: Die Opposition
von Leben und Tod spielt an der gegenüberliegenden Stelle unter dem Stier eine
Rolle, vgl. zu VI 2,1 Vita und VI 2,5 Mors.
3. a vicésimo octavo usque ad tricesimum gradum: Bezieht sich zunächst
auf den wicui-Bezirk III 7,6. Als Grade des Bezirks Gustus korrespondieren die
letzten drei Grade des Skorpions mit den letzten drei Graden vor der Mitte des
Bildes, Sc 13°. 14°. 15°, s. o. zu VI 8,2 Abstinentia. Gustus: Von W. Gundel,
Neue astrologische Texte (1936), 280 mit zwei Sternen im Altar, βγ ARA, gleich-
gesetzt, es handelt sich aber um einen Bezirksnamen. Die Symmetrie der 3°-Be-
zirke stützt die Annahme von A. Scherer, Gestirnnamen (1953), 233, daß Absti-
nentia und Gustus ein Paar bilden. coci: Werden auch wegen 18,8
Turibulum eben hier bei Sc 26°—30° hervorgebracht, vgl. F. Cumont, L'Egypte
(1937), 94'. Vielleicht gehört die Prognose nur dorthin, wie auch am Ende des
nächsten Tierkreiszeichens die Prognose VI 9,4 pugnatores zu Teukros gehört,
unguentorum venditores: Übersetzt μυροπώλαι, ähnliche Prognosen bei
F. Cumont, L'Egypte (1937), 94f. pigmentaria Vgl. ebenda, 93 '. odo-
ratum: Klingt nach Venuseinfluß, vgl. Ptol. apotel. 3,13,5. Porph. 45. al.

9. Sagittarius

1. vocatur Turbatio[nis]: signum: Korrigiert nach der Formulierung des folgen-


den Bezirks VI 9,2 vocatur Daemon: signum est, quia ... und der des unter die
Fische geratenen Bezirks VI 5,2 vocatur Semen: signum est, quod..., vgl. auch
VI 4,3 vocatur Mensura, quia signum invanae operationis in vita est, ferner die
stereotype Formulierung bei Heph. 1,1,36 u. ö.: το δέ σημεΐον κτλ. Tur-
bado: Für diese Konjektur spricht auch derselbe Name für den Bezirk VI 7,2 bei
Li 12°. 13°. 14° mit der Wirkung turbationibus, vgl. ferner die Wirkung turbatio-
nes im Marsbezirk V 4 , l . — W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 278
und 286 setzt das vermeintliche Sternbild Turbationis signum mit dem Altar
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9. Sagittarius 195

gleich, es handelt sich jedoch um einen Bezirksnamen. Er deutet den Namen


weiter falsch als Wetternotat, doch weder IV 2,1 in túrbido aere noch IV 2,4 iur-
bidi gehören hierher. distemperate vivent: Vgl. die Prognose intemperati
fiunt für den Jupiterbezirk V 8,4 Intemperantia bei Sc 20°—24°. in peregri-
nationibus: Der Schütze gehört nicht zu den tropischen Tierkreiszeichen, die
das Reisen begünstigen, vgl. zum Marsbezirk V 9,5 am Ende des Schützen.
2. Daemon: So heißt nach Paul. Alex. 23 das Los der Sonne, dort folgt wie
hier (VI 9,3) Fortuna = Τύχη, das Los des Mondes: A. Scherer, Gestirnnamen
(1953), 232, vgl. Vett. Val. 4,4,2. Pap. Mich. III 149 col. XVI 3, ferner Manil.
927/938: Fortuna und Daemonium als Namen der von Venus und Saturn regier-
ten, einander gegenüberliegenden Häuser X und IV der Dodekatropos. Die Pola-
rität von Mond und Sonne spielt nach Ptol. apotel. 1,9,10 auch bei den augen-
schädigenden Graden des Schützen eine Rolle, vgl. zu VII 9,1 acuitas teli
Sagittarii und VII 9,2 oculus Sagittarìi. — W. Gundel, Neue astrologische Texte
(1936), 261 f. denkt, nachdem er eine Identifizierung mit den Sternbildern Τά-
λας, Ακέφαλος Δαίμων abgelehnt hat, ohne Plausibilität an die drei Kopf-
sterne des Schützen. signum est: Wie VI 9,1, s.d. multorum bono-
rum: Es handelt sich also um einen Αγαθός Δαίμων, vgl. den Namen des
elften Hauses der Dodekatropos: A. Bouché-Leclercq, L'astrologie (1899), 280,
ferner zu VI 9,3 felices.
3. a nono decimo usque ad vicesimum quintum: Überliefert ist α nono de-
cimo usque ad vicesimum nonum, doch das ist suspekt,
a) weil ein Abschnitt von 1 I o ungewöhnlich lang wäre (der längste Bezirk dieses
Systems hat eine Ausdehnung von 9°),
b) weil ein mit 19° beginnender Bezirk als vorletztes Lemma eines Tierkreiszei-
chens im Gesamttext zu spät kommt,
c) weil der im Gesamttext vorausgehende Gradbezirk VI 9,4 Exaltado die
Grade Sa 26°—27° besetzt, die somit doppelt vergeben wären. A. Scherer, Ge-
stirnnamen (1953), 231 nimmt allerdings eine solche Doppelbelegung in Kauf
(er schreibt irrtümlich Fortitude statt Fortuna),
d) weil am Ende des Schützen nur der Einzelgrad Sa 30° übrigbliebe, was in die-
sem System eine Singularität wäre.
Man hat nun die Wahl, entweder den Anfangsgrad Sa 19° oder den Schlußgrad
Sa 29° zu ändern, also entweder einen Bezirk Sa 19°—25° bis zum Anschluß an
VI 9,4 Exaltatio bei Sa 26°-27° oder einen Bezirk Sa 28°-29° ab Ende Exalta-
do anzunehmen — denn daß beide Grade falsch sind, ist unwahrscheinlich. Für
einen Bezirk Sa 28°—29° spräche die Stellung des Lemmas im Gesamttext erst
nach dem Bezirk Exaltatio an vorletzter Stelle im Schützen. Dagegen spricht je-
doch die Vakanz des Einzelgrades Sa 30° und die Tatsache, daß der Name For-
tuna im allerletzten Lemma VII 9,5 noch einmal falsch überliefert ist. Für einen
Bezirk Sa 19°—25° spricht hingegen der glatte Anschluß an den komplementären
Bezirk VI 9,2 Daemon bei Sa 15°—18°: Das 'Los' der Sonne und das 'Los' des
Mondes folgen auf diese Weise direkt aufeinander. Etwas entfernt Vergleichbares
findet sich unter den Einzelsternen: Von den beiden augenschädigenden Stellen
des Schützen unterstellt Ptol. apotel. 1,9,10 die erste, άκίς (= VII 9,1 acuitas
teli), den Planeten Mars und Mond, die zweite, πρόσωπον (= VII 9,2 oculus),
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196 VI. Gradbezirke mit Namen

der Sonne und Mars. Fortuna: Übersetzt Τύχη, nach Paul. Alex. 23 das
'Los' des Mondes, komplementär zu VI 9,2 Daemon, dem 'Los' der Sonne. Der
Name Fortuna kommt auch im System der Planetenbezirke vor. Da jenes System
die Luminare nicht berücksichtigt, wird der Name nicht mit dem Mond, sondern
mit dem anderen weiblichen Planeten, Venus, verbunden, s. zu V 8,2 Fortuna,
wo der Name ebenfalls an die falsche Stelle geraten ist wie hier: nämlich in den
vorausgehenden Marsbezirk V 8 , l und in den Marsbezirk V 9,5. Und noch ein-
mal fehl am Platze ist der Name bei dem Einzelsternbild VII 9,5, wo er den Na-
men Lyra verdrängt hat, s. d. Nicht von Belang ist hier der Name Fortuna =
Τύχη für die Jungfrau, hierzu A. Le Bœuffle, Les noms (1977), 214. feli-
ces : Der Name Fortuna ist also wie VI 9,2 Daemon in gutem Sinne zu verstehen,
vgl. griechisch Αγαθή Τύχη für den fünften Ort der Dodekatropos.
4. a vicésimo sexto usque ad vicesimum septimum: Dieses Lemma ist vor
dem Lemma VI 9,3 überliefert, obwohl dessen Anfangsgrad Sa 19° der richtige
zu sein scheint, s. o. Exaltatio: Kein Planet hat im Schützen seine Erhö-
hung, vgl. zu VI 1,3 Exaltatio bei Ar 10°—15°. animis et corpore: Vgl. Ma-
nil. 4,241 f. über den Schützen: et nervös tributi membñs et acumina cordi \ et
celeres motus nec delassabile pectus. [pugnatores fiunt]: Wiederholt die
Venator-Prognose I 9,8 pugnatores für Sa 27°—30°: Die beiden Bezirke treffen
sich in Sa 27°. Eine ähnliche Interferenz begegnet am Ende des vorangehenden
Tierkreiszeichens, vgl. zu VI 8,3 coci.

10. Capricornus

Für den Steinbock hat sich kein Gradbezirk erhalten, gewissermaßen zugunsten
der vielen unter II genannten Einzelgradprognosen.

11. Aquarius

1. ab octavo gradu usque ad duodecimum : Dieser Gradbezirk deckt sich fast


genau mit dem Venusbezirk V 11,2 bei Aq 8°—13°. Cibus: Diesen Namen
deutet W. Gundel, Neue astrologische Texte (1936), 273 f. als die nektarspen-
dende Urne des Wassermanns, weil er das folgende ipse auf diesen bezieht. Es
handelt sich jedoch um den Namen eines Gradbezirks. Es bestehen Verbindun-
gen zu den verschiedenen Ausgestaltungen des ersten Wassermann-Dekans:
Ders., Dekane (1936), 147 und 172. ipse: Ob der Wassermann selbst ge-
meint ist, bleibt unsicher, eher dürfte der unter diesem Bezirk Geborene gemeint
sein, weil quoniam gewöhnlich die Prognose einleitet, vgl. VI 2,6 gradus ipse.

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12. Pisces 197

12. P i s c e s

[sextus decimus g r a d u s eqs.]: Dafür, daß diese Partie zusammen mit den Teu-
kros-Paranatellonten I 5,7—8 Canis und Lupus und den Einzelgradprognosen
II 6—7 zum Löwen gehört, spricht auch die Tatsache, daß der Schlußgrad des
Bezirks wie bei allen Gradbezirken des Krebses und des Löwen fehlt, s. zu
VI 5,2.

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VII. EINZELSTERNE

1. Aries

1. [in tertio gradu eqs.]: Am Anfang werden zwei Einzelsterne zusammenge-


stellt, die um einen halben Grad auseinanderliegen sollen, doch die clara stella
Gorgonis (Algol) gehört nicht hierher, sondern zum folgenden Tierkreiszeichen:
VII 2,1 bei Ta3°6'. Da die Angabe auch nicht ins Gradsystem des Teukros II
paßt, wird sie hier den Einzelgradprognosen zugerechnet (II 1,1). in tertio
... et dimidio: Die Regeldifferenz von +3°26' ergibt für Acamar die Länge
Ar 3°36', der Wert ist also abgerundet wie VII 1,2 in sexto gradu, VII 2,6 vicesi-
mus secundus, VII 4,3 tertio decimo und VII 10,4 vicésimo nono. Erst vom drit-
ten Sternbild an erscheinen in der Regel die präzisen Minutenangaben. Im übri-
gen bezieht sich auf diesen Bruch die Angabe III 1,1 tertius et quartus gradus,
s. d. quidem: Schafft einen Gegensatz zwischen den in der Kompilation eng
beieinanderliegenden Sternen Algol (II 1,1) und Acamar, es handelt sich jedoch
um zwei verschiedene Schichten: Die Position von Algol geht auf Teukros und
die von Acamar auf Ptolemaeus zurück, vgl. auch zu VII 2,5. Andernorts (VII 4,3
bzw. II 4,9) schafft quidem — ebenfalls zusammen mit dem Namen Ptolemae-
us — einen Gegensatz zwischen zwei verschiedenen Positionsangaben für die
Krebswolke oder auch (II 4,8) zwischen den Längen des Dorotheos und denen
des Ptolemaeus. dimidio: Hier ein Bruch statt der Minutenzahl wie sonst
nur noch VII 10,4 für Equuleus (dort wahrscheinlich um 4' aufgerundet),
oritur: Ist in dieser Schicht das übliche Wort im Gegensatz zu est (vgl. zu
VII 1,2) bei der vorausgehenden Gorgo, die sich auch dadurch als einem anderen
System (II 1,1) zugehörig erweist. — Rhet. Β benutzt nur an dieser ersten Stelle
das Wort έπανατέλλει, sonst stets παρανατέλλει. secundum Ptoloma-
eum: Deutet darauf hin, daß der LH bei Acamar einer anderen Quelle folgt als
bei Algol. Der Name Ptolemaeus erscheint nur in dieser Schicht, und zwar sonst
nur bei nebelhaften Sternen, s. u. zu VII 4,3 Nubecula. Die Zahlenangaben nach
Ptolemaeus gelten nur mit der Regeldifferenz von +3°26'. clara: Übersetzt
Ptol. synt. 8,1 p. 140,12 λαμπρός. Das Wort begegnet in dieser Schicht nur hier,
parallel zu II 1,1 clara stella Gorgonis. Sonst gebraucht der LH 15mal splendida
und 4mal lucida (dieses Wort verwendet Gerhard von Cremona). Auch Firm,
math. 6,2 gebraucht clara stella im Wechsel mit anderen Adjektiven, 8,31 clara
syn. limpida (8,23,1). ultima Fluminis: Acamar (θ ERI), für die Antike der
letzte sichtbare und zugleich hellste Stern des Bildes. Der Fluß ist am Himmel
verkehrtherum abgebildet (vgl. zu VII 2,6 initium Fluminis bei Ta 22°), so daß
gerade beim ersten Sternbild der Liste sein "letzter" Stern erscheint. magni-
tudinis primae: Acamar war für die Antike der hellste Stern des Eridanus,

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1. Aries 199

α ERI wurde erst später entdeckt. Nur hier beim ersten Stern wird die Größe an-
gegeben, wie das bei Rhet. Β ziemlich regelmäßig der Fall ist. Wohl ein nachträg-
licher Einschub in F ist VII 12,3 une estoille de 5 grandeur, s. d. Iovis et Ve-
neris: Venus ist gegenüber Ptol. apotel. 1,9,21 hinzugefügt wie bei
Rhet. B/Rhet. C p. 179,27. Die übrigen Sterne des Flusses haben nach Ptol. Sa-
turnqualität. Ebenso hinzugefügt sind Venus bei Aldebaran (VII 2,5) und Jupiter
bei Castor (VII 3,7).
2. Dieser Einzelstern wird kombiniert mit dem Gradbezirk VI 1,2 Remissio
und der Einzelgradprognose I 1,2. in sexto gradu: Aufgerundet statt 5°56',
s.o. zu VII 1,1 et dimidio. Diese Aufrundung ermöglicht später die Wiederauf-
nahme mit der Formulierung sextus enirn gradus. secundum Barbaricam
Sphaeram: Soll einen Gegensatz schaffen zu VII 1,1 secundum Ptolomaeum,
wir bleiben aber weiter in der ptolemaeischen Schicht. Umgekehrt gehören schon
früher genannte Sternbilder, Piscator (I 1,1), Pallas (I 1,2), Cynocephalus
(II 1,1) und der Einzelstern Gorgo (II 1,1) zur Sphaera Barbarica des Teukros.
est: Kommt unter den Einzelsternen limai anstelle von oritur vor, nach Posi-
tionsangaben ohne Minuten auch VII 2,6. VII 4,3 (als Zusatz). VII 4,4. VII 9,1.
VII 9,2. VII 10,1 (bei Einzelgraden 111,1 und 114,13), mit Minutenangabe
VII 3,5 und VII 4,5, mit Minutenangaben eines ganzen Bezirks VII 8,6 und
VII 9,5. Nodus Piscium: Alrescha (α PSC), zum Namen A. Le Bœuffle, Les
noms (1977), 182f. Über den Σύνδεσμος als Verknüpfung von Ende und An-
fang des Jahres W. Hübner, Manilius (1984), 211 f. Nach Ptol. synt. 8,1 p. 126,10
liegt der Stern bei Ar 2°30' (da er die Längen Hipparchs um 2°40' erhöht, lag
der Stern damals 10' vor der Grenze zwischen Pisces und Aries). Firm. math.
8,4,12 stellt das Band zu Pi 16°-18°, Rhet. Β p. 212,3 noch früher zu Pi 4°-7°,
entsprechend auch Teukros II (L: I 12,1) Λίνον am Anfang der Fische. Somit er-
gibt sich ebenso eine Diskrepanz von einem ganzen Tierkreiszeichen wie zwi-
schen II 1,1 stella Gorgonis bei Ar 3° und VII 2,1 Gorgon bei Ta 3°6'. sex-
tus enim gradus: Schließt über den Gradbezirk Remissio VI 1,2 und die
Einzelgradprognose II 1,2 wieder an den Einzelstern an. Singulär wird nicht der
Stern selbst, sondern sein Grad mit einem Planetentemperament versehen, dies
wird durch die Aufrundung auf Ar 6° sprachlich möglich. Martis et Mercu-
rii: Nach Ptol. apotel. 1,9,13; weder Rhet. Β noch Rhet. C p. 179,5—14 führen
Alrescha unter den Mars-Merkur-Sternen.
3. in capite Cassiepiae: ζ CAS, ein Stern nur vierter bis dritter Größe. Er
wird hier genannt, weil er bei Ptol. synt. 7,5 p. 60,11 als erster (aber nicht frühe-
ster) Stern des Bildes erscheint. Das Planetentemperament fehlt. Die Kassiopeia
des Teukros (I 1,5) folgt unmittelbar bei Ar 1 Io—12°.
4. Triangulus [Deltoton]: Die maskuline Form triangulus ist seit Frontin be-
legt. Das kleine Sternbild heißt seit Eudoxos Τρίγωνον, seit Arat bzw. Ps. Era-
tosth. catast. 20 Δελτωτόν ("Form eines Delta"), vgl. A. Le Bœuffle, Les noms
(1977), 116f., aber nirgends triangulus Deltoton (so Gundel: "die dreieckige
Schreibtafel", vgl. F li triangles Deltoton). Da hier die Terminologie des Ptole-
maeus maßgeblich ist, wird man den Namen Deltoton (so Teukros 11,10) zusam-
men mit der folgenden Prognose als Interpretament ausscheiden. [facit agrí-
colas, de terra viventes]: Da die Einzelsterne in der Regel keine Prognose bei
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200 VII. Einzelsterne

sich haben, gehört diese Angabe wohl nicht hierher. Es handelt sich wohl um
eine Einzelgradprognose, aber ohne daß man den gemeinten Grad ausmachen
könnte. Am ehesten in Frage kommt der Bereich Ar 22°—23°, vgl. die Einzel-
gradprognosen für Ar 22° (II 1,12) de terra viventes, und für den anschließenden
Einzelgrad Ar 23° (111,13), mehr s. zu 112,11 agricolae für Ta 17 o —22° und
I 2,1 agrícolas für Ta I o —3°.

2. Taurus

1. in tertio gradu et minutis sex: Regeldifferenz von + 3 ° 2 6 ' gegenüber Ptol.;


Rhet. Β bietet den Wert 3°20', während Rhet. CCAG VIII 1 (1929), p. 241,26
(Ta 7°) aus späterer Zeit stammen muß. Gorgon: Zur assoziativen Verknüp-
fung mit der Pleiaden-Prognose (12,1) secantur pudenda s.d. Der Stern Algol
(ß PER), der nach einem anderen System schon 111,1 zu Ar 3° genannt wurde,
erscheint hier an der richtigen Stelle. Er heißt bei Ptol. synt. 7,5 p. 62,19 των έν
τω Γοργονίω ό λαμπρός, apotel. 4,9,12 το Γοργόνιον τοΰ Περσέως, dort
assoziativ als abgeschlagenes Medusenhaupt mit der Protome des Stiers ver-
knüpft. Eine ähnliche Diskrepanz von ziemlich genau einem Tierkreiszeichen be-
steht zwischen Teukros II (I 12,1) Atvov am Anfang der Fische und VII 1,2 No-
dus Piscium bei Ar 6°. Saturni et Iovis: Ebenso, aber in umgekehrter
Reihenfolge Ptol. apotel. 1,9,7 (für den ganzen Perseus) und Rhet. B/ Rhet. C
p. 1 77,31. Dieselbe Vertauschung von Jupiter und Saturn auch VII 2,7. VII 2,9.
VII 3,2. VII 3,4 und VII 9,3, von anderen Planeten: VII 2,3. VII 3,6. VII 4,2.
VII 7,1. VII 7,2. VII 7,4. VII 8,1. VII 9,4. VII 11,2. Ps. Ptol. De XXX stellis nennt
nur Saturn: Das paßt zu der versteinernden Wirkung der Gorgo, vgl. die Mytho-
krasie I 1,4 Perseus ... ostendens Ceto caput Gorgonis und W. Hübner, Capella
(1991), 361 f.
2. in quarto gradu et minutis sex: Zwei nur um 1° auseinanderliegende Ein-
zelsterne mit demselben Planetentemperament werden im Gesamttext unmittel-
bar na