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20.04.

2010

Prok. Helmut Nuspl


(0732) 7802-7551
helmut.nuspl@oberbank.at

MarketBox

Die kommende Synthese von Wirtschaft und Börse

Die Dynamik der Staaten-Neuverschuldung dürfte auf ihren Zenit zustreben.


Damit bekommt die Weltwirtschaft möglicherweise ein Problem. Während des
katastrophalen Zusammenbruchs von Börse (2008) und Wirtschaft (2009) waren
es gerade die Staaten, welche mit massiven Konjunkturprogrammen
dagegengehalten und damit die Rezession abgefedert haben. Diese Phase geht
zu Ende.

Auf der anderen Seite steht der private Konsument, der sich in einem sogenannten
„deleveraging-Prozess“ befindet, also einer Entschuldungs-Phase. Unsicherheit über
die künftige wirtschaftliche Entwicklung veranlasst ihn zu sparen.

In Summe lässt dies nichts Gutes erwarten, wenn Staaten und Private ihre
Entschuldung vorantreiben. Um hier nicht missverstanden zu werden, grundsätzlich ist
sorgsames wirtschaften zu jedem Zeitpunkt notwendig und richtig. In der aber jetzt
noch immer sehr angespannten Konjunktursituation wäre zu viel sparen
möglicherweise auch wieder kontraproduktiv und die Rezession würde wieder
Dynamik gewinnen.

Silberstreif am Horizont

Ein Silberstreif am Horizont lässt sich bei den Unternehmen ausmachen. Selten zuvor
haben vor allem große Konzerne derart viel Liquidität angehäuft, wie derzeit.
Hintergrund dafür sind massive Rücknahmen von Investitionen und sofort eingeleitete
Kostensenkungsprogramme, als das ganze Ausmaß des Zusammenbruchs offenbar
wurde. Es handelt sich dabei um eine Entwicklung, die uns auch der Finanzvorstand
der Volkswagen AG für sein Unternehmen bestätigt hat. Die ökonomische
Verantwortung sollte daher von den Staaten wieder mehr auf die Unternehmen
übergehen, sodass das derzeit sanfte Pflänzchen des laufenden Aufschwungs an
Breite gewinnen kann.

Beginnen die Unternehmen wieder vorsichtig zu investieren und gewinnt der


Aufschwung an Breite wird die Entschuldungs-Mentalität der Privaten langsam aber
sicher auslaufen. Die beiden Säulen des Aufschwungs wären in diesem Fall die
Unternehmen UND der private Konsument, welcher von einer deutlich gesunkenen

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Verschuldungsquote ausgehend, seinen Konsum wieder steigern wird können. Das


mag jetzt spekulativ klingen, macht aber doch Sinn. Denn der eigentliche Grund für die
Spar-Mentalität der Privaten Haushalte, nämlich die Angst vor Arbeitsplatzverlust,
würde im Fall neuer Unternehmensdynamik an Kraft verlieren.

Die Aktienbörsen haben in den letzten Monaten vorexerziert, was nun in der realen
Wirtschaft langsam spürbar wird. Schon Andre Kostolany hatte sinngemäß gemeint,
dass man an der Börse verkaufen soll, wenn der „Himmel voller Geigen hängt“, aber
kaufen muss, wenn „die Kanonen donnern“. Nahezu jeder, der sich mit der Börse
beschäftigt weiß das. Wissen ist zwar das Eine – es umzusetzen ist da schon eine
andere Sache. Insofern ist der hinter uns liegende Crash im Vergleich zu anderen
derartigen Entwicklungen nichts Außergewöhnliches gewesen.

Der Aktienmarkt hat in den letzten Monaten ein Eigenleben geführt, völlig abgehoben
von der realen Wirtschaft. Das ist die „dramatische“ Erkenntnis vieler Marktbeobachter
und steigert in der Öffentlichkeit wieder einmal die Wut auf die „bösen Spekulanten“.
Dazu ist zu sagen, dass es niemals, zu keinem Zeitpunkt seit es Börsen gibt, anders
war. Warum sollte es also diesmal anders sein? Wenn wir akzeptieren, dass die Börse
Entwicklungen vorweg nimmt, was dem antizipativen Charakter der Börse entspricht,
kann sie gar nicht anders, als zu steigen, selbst wenn sich die Wirtschaft noch im
Abschwung befindet. Dies gilt mit umgekehrten Vorzeichen ebenso im
Wirtschaftsaufschwung.

Wenn wir an den Beginn des jetzigen Zusammenbruchs zurückdenken, stellen wir
fest, dass die Börsen im Sommer/Herbst 2007 ihren Höchststand erreicht hatten. Die
Kurse gingen kräftig auf Tauchstation, die Wirtschaft war aber noch dynamisch
unterwegs. Viele Unternehmen bestätigten damals, dass die Kursverluste an der
Börse mit ihrer eigenen Entwicklung im Unternehmen aber auch gar nichts zu tun
haben. Die Auftragslage war blendend. Die Börse führte also ein Eigenleben (worüber
sich damals kaum jemand beschwerte) und koppelte sich von der Wirtschaft ab, nur
waren die Vorzeichen eben andere, als es nun der Fall ist.

Synthese von Wirtschaft und Börse

Es spricht also einiges dafür, dass der Börsenaufschwung der letzten Monate ein
Vorbote eines kräftigen Wirtschaftsaufschwunges ist, sehr wahrscheinlich getragen
von den Emerging Markets dieser Welt. Wenn wir die Geschichte unseren Lehrmeister
sein lassen wollen, dann wird die Börse in den kommenden Monaten ihr Eigenleben
beenden – aber nicht um zu fallen. Vielmehr wird sich die Wirtschaft immer kräftiger
erholen, sodass am Ende die Börse und die Wirtschaft eine Art Synthese eingehen
werden.

Das wird nicht ohne Rückschläge von statten gehen. Gerade die Börse reagiert sehr
sensibel auf überraschende Entwicklungen und kräftige Kursrückschläge gilt es
jederzeit einzukalkulieren. Eines dieser überraschenden Ereignisse könnte in der
Zinspolitik der US-Notenbank liegen. Der Konsens der Marktbeobachter sieht eine
erste moderate Zinserhöhung noch in weiter Ferne. Wir wissen jedoch, dass es in
höchstem Maße spekulativ ist, den korrekten Zeitpunkt identifizieren zu wollen.

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Zu bedenken gilt es diesbezüglich, dass es gerade die Zinspolitik der Fed gewesen ist,
welche es dem damaligen Immobilien-Aufschwung gestattet hat, sich in einen
ausgewachsenen Boom zu entwickeln. Einerseits „viel zu lange, viel zu billiges Geld“
nach dem Technologie-Crash und andererseits viel zu langsame Zinserhöhungen von
2005 bis 2007 haben den Immobilienboom erst seine ganze Entfaltung ermöglicht. Die
Fed wird alles in Ihrer Macht stehende tun, um diesen Fehler in Zukunft zu vermeiden.
In diesem Kontext kann also nicht ausgeschlossen werden, dass eine Zinserhöhung
aufgrund der zuletzt gemachten Erfahrungen wesentlich früher und wesentlich stärker
ausfallen wird, als man sich das heute noch vorstellen kann.

Somit stehen die Chancen gut, dass im Laufe dieses Jahres die Wirtschaft zur Börse
aufschließen wird. Die Synthese nimmt ihren Lauf. Irgendwann in der Zukunft wird
dann wieder grenzenlose Begeisterung die Aktienkurse nach oben treiben und die
Wirtschaft wird davon profitieren. Aufwärts ohne Ende - bis zum Ende, wird dann
wieder das Motto sein.

MarketCorner

Das die chinesische Wirtschaft und damit auch die dortige Börse in der heutigen Welt
großen Einfluss hat, ist unbestritten. Insofern ist regelmäßiges Beobachten des
dortigen Aktienmarktes wichtig.

Die Börse in Shanghai hat von allen Weltbörsen ihren Tiefststand nicht erst im März
2009 erreicht, sondern schon viel früher, im Oktober 2008. Einer Verdoppelung bis
August 2009 folgte eine monatelange Konsolidierung. Die letzte Schwächephase rät
nun zur Vorsicht, da der aufwärts gerichtete Trend leicht verletzt wurde (siehe Chart).

Börse Shanghai; Quelle: Reuters


Daily .SSEC 25.07.2007 - 07.06.2010 (SHA)
Price
CNY
5.700

5.400

5.100

4.800

4.500

4.200

3.900

3.600

BarOHLC; .SSEC; LAST TRADE 3.300


19.04.2010; 3.096,784; 3.096,784; 2.977,774; 2.980,297
SMA; .SSEC; LAST TRADE(Last); 200;
19.04.2010; 3.096,471
SMA; .SSEC; LAST TRADE(Last); 100; 3.000
19.04.2010; 3.126,841

2.700

HÄLT DIE TRENDGERADE? 2.400

2.100

1.800

.123
Aug Sep Okt Nov Dez Jän Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jän Feb Mär Apr Mai Jun Jul A ug Sep Okt Nov Dez Jän Feb Mär Apr Mai Jun
Q3 2007 Q4 2007 Q1 2008 Q2 2008 Q3 2008 Q4 2008 Q1 2009 Q2 2009 Q3 2009 Q4 2009 Q1 2010 Q2 2010 [Delayed]

Ein nachhaltiger Durchbruch unter die Trendgerade kann in der Folge auch für die
Weltbörsen eine Korrektur einläuten. Das gilt es zu beachten.

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