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Amalia

Winter

Plötzlich Vampir!
Kapitel 1

“Morgen”, murrte ich, als ich die Küche betrat. Gott, wie ich Montage
hasse. Und erst recht, wenn man früh aufstehen muss und dann in die Hölle
namens Schule, um dann dort 6 Stunden seines Lebens zu verschwenden,
muss. Ja, ich bin nicht gut zu sprechen so früh am Morgen.
“Morgen, Sonnenschein. Wieso bist du denn so früh wach? Wolltest du die
Vögel, die an deinem Fenster gesungen haben, erschießen und hast vergessen,
dass du gar keine Waffe hast?”, fragte mein großer Bruder, Jamie, breit
grinsend.
So ein Arsch. Wie kann man nur so gut drauf sein am Morgen? Und der ist
mit mir verwandt?
“Du mich auch, Jamie”, nuschelte ich an meinem Guten-Morgen-
Kaffee. Ohne Koffein läuft nun Mal nichts bei mir. Und das wissen meine
beiden Brüder ganz genau. Und genau aus diesem Grund wartet seit 2 Jahren
jeden Morgen ein Kaffee auf meinem Platz, wofür ich ihnen, obwohl ich es nie
aussprechen würde, echt dankbar bin.
“Komm schon, Jamie, sei nicht immer so scheiße zu ihr. Du weißt doch,
dass sie es schwer hat mit deiner guten Laune so früh am Morgen”, sagte
Jason, Jamie’s Zwillingbruder. Doch einer der mit mir verwandt ist. Da haben
Mom und Dad doch noch was richtig gemacht! Guter Junge.
“Ich habe nicht nur am Morgen was gegen Jamie’s gute Laune, Jason. Ich
habe auch Nachmittags und Abends was dagegen. Nur der Unterschied zu
jetzt ist, dass es nicht so schwer ist zu widerstehen ihm die Fresse
einzuschlagen, wegen diesem scheiß fetten Grinsen”, zischte ich woraufhin die
Beiden anfingen zu lachen. “Sagt mal, kann mich wer zur Schule fahren? Mein
Auto ist kaputt”, sagte ich nun schon um einiges netter. Wow, ich kann echt
nett und lieb sein, wenn ich was brauche. Sogar am Morgen.
“Nimm doch den Bus”, nuschelte Jamie an seinem Kaffee.
Jetzt hieß es wohl harte Geschütze auffahren. Ich schaute beide mit rießen
großen, unschuldigen Augen an und schob ein klitze kleines bisschen meine
Unterlippe hervor. “Jamie, schau weg. Sie macht schon wieder den
Hundeblick”, sagte Jason und sah demonstrativ weg.
“Ach kommt schon. Ihr wisst genau so gut wie ich, dass ich jeden, der mir
blöd kommt einen Kopf kürzer machen werde. Auch wenn es ein drei-jähriger
oder ´ne alte Omi mit Krückstock ist. Also, tut der Menschheit einen gefallen
und beschützt sie vor mir.”
“Na gut, ich fahre dich, aber auch nur, weil ich zur Arbeit muss”, sagte
Jason.
“Danke. Das heißt, dass Jamie mich abholt. Finde ich super”, sagte ich und
stürmte die Treppe hoch um meine Tasche zu holen. “Kommst du, Jason?”,
fragte ich unten angekommen.
“Warte, Baby, du kriegst noch deine Umarmung”, sagte Jamie, schon
wieder mit diesem scheiß Grinsen in der Fresse. Gott, ich hoffe, dass Hulk ihm
ein Hifh-Five geben wird, in’s Gesicht, mit einem Stuhl, aus Stahl, drei Mal,
auf ´nem Adrenalinschub. Grr. Und ihm diesen schönen weißen Beißer
aushaut.
“Du. Erdrückst. Mich. Idiot”, zischte ich und befreite mich aus den Armen
des Muskelprotzes.
“Ich habe dich auch lieb”, sagte er und gab mir einen Kuss auf die Wange.
Er weiß wie sehr ich so etwas hasse. Überal Liebe, Friede, Freude. Kotz.
Würg. Gott, ich wäre mir zu 100% sicher, dass er verwechselt wurde bei der
Geburt, wenn er Jason und mir nicht so ähnlich sehen würde.
“Jason, lass uns gehen, sonst kommt der da auch noch mit und blamiert
mich vor allen”, sagte ich und eilte aus dem Haus.
**********
“Danke, Jason, viel spaß bei der Arbeit”, verabschiedete ich mich von
meinem Bruder, als wir vor der Schule hielten. Schon wieder, dachte ich mir
als ich die sabbernden Blicke von den anderen Schüler sah. Die Mädchen auf
meinem, ihrer Meinung nach, heißem Bruder und die Jungs auf den Wagen
meines Bruders. Aber halt, die sabberten ja nicht nur meinen Bruder und
seinen Wagen an, sonder auch einen Sportwagen vor uns an. Den hatte ich
noch nie hier gesehen. Ein neuer Schüler? Schulterzuckend stieg ich aus und
ging zu meinen sabbernden Freundinen. “Hey, Mädels”, grummelte ich. Die
schlechte Laune hat mich wohl schon wieder eingeholt. Das schreit nach
einem weiteren Kaffee. “Könntet ihr bitte aufhören zu sabbern?”
“Tut uns leid, süße”, sagte Reba, ein süßes Mädchen mit feuerroten Locken,
die ihr bis unter die Brüste reichen.
“Aber dein Bruder sieht schon wieder zum anbeißen aus”, murmelte die
hübsche Blondine Lora.
“Ja, ja. Ihr müsst ihn ja nicht 7 Tage die Woche aushalten”, grummelte ich.
“Kommt ihr? Ich brauche einen Kaffee, sonst überstehe ich diese Mathestunde
nicht.” Was für ein scheiß Wochenbeginn, Mathe in der ersten Stunde. Gott
hasst uns Schüler. Die Lehrer haben sicher gedacht, wenn sie uns gleich am
Montag in der ersten Stunde mit Mathe “beglücken” kommen wir so richtig
in Schwung. Die dämmlichste Idee, die es je gab.
“Hey, könnte vielleicht eine von euch mir sagen wo das Sekretariat ist?”,
hörte ich eine sexy Basstimme hinter mir. Dicht hinter mir. Zu dicht. Der Arsch
sollte besser einen Schritt zurück gehen, sonst schiebe ich mein Knie in sein
bestes Stück.
Meine Freundinnen fingen schon wieder zu sabbern an. Gott, womit habe
ich das verdient? Immer dieses gesabber. Ich hoffe bloß, dass der Typ nicht in
unserer Klasse ist. Wäre ja zu schön, wenn sie ihm im Unterricht auch noch
anhimmeln. Ich drehte mich um und blaffe den zugegebener maßen sexy Typ
an “Seh ich aus wie ein gottverdammter Schulplan?!” Die zwei Jungs, die
hinter ihm standen fingen laut zu lachen an, was meine Freundinnen und alle
weiblichen Wesen an der Schule dazu brachte noch mehr zu sabbern.
Wahrscheinlich werden sie sich jetzt die Höschen ausziehen und den Jungs
hinterher schmeißen. Kann ja sein. Aber Wahrscheinlichkeitsrechnungen
waren noch nie meine Stärke.
“Hunter, dass ist dir ja noch nie passiert”, sagte der schwazhaarige mit den
warmen braunen Augen und musterte mich von oben bis unten. An meinen
Augen stehen geblieben zuckte er leicht zusammen und rieß die Augen weit
auf. Wie ich das hasste. Es sind nur Augen, okay, sie sind ein wenig
ungewöhnlich, aber dennoch nur Augen. Die anderen Beiden schienen zu
bemerken wohin ihr Freund starrte und sahen mich genauso irritiert wie
bewundernt an. Zugegeben sie sehen alle echt gut aus, mit den geraden
Nasen, den vollen Mündern und den Muskeln. Aber ich habe zwei solcher
Prachtexemplare zu Hause, also schockt mich ein gutaussehender Typ nicht.
Alles gewöhnungssache.
“Gott, ich brauche unbedingt einen Kaffee, bevor ich irgendwem den Kopf
abreiße”, grummtle ich und drehte mich um, auf der Suche nach einem
Kaffeeautomaten.
**********
“Woah, 2 Dollar für einen Tropfen Kaffee? Das ist ja Ameisenspucke und
kein Becher Kaffee. Das schreit wohl nach noch einem Kaffee.” Ich bin doch
nicht süchtig nach Kaffee. Nein. Es ist nur so, dass ich einen Kaffee beim
aufstehen, einen beim Frühstück, einen vor der Schule, einen vor-und nach
jeder Stunde, einen nach der Schule und dann zu Hause jede Stunde einen
frischen brauche. Also ungefähr 12 Tassen am Tag, dass ist ja nicht viel oder
so. Wobei man den Becher Ameinsenspucke nicht zählen darf. Als ich nochmal
2 Dollar in den Atomaten werfen wollte, spuckte er mein Geld wieder aus. Ich
schob es noch Mal rein, doch der Automat spuckte es wieder aus. Das
wiederholt sich 8 Mal, bis ich mich umsah und niemanden auf dem Gang sah
und einmal gegen den Automaten trat.
“Miss Richmond, Sie müssen ihre Agressionen nicht am Kaffeeautomaten
auslassen. Folgen Sie mir bitte zum Direktor”, hörte ich Miss Pears hinter mir
sagen. Mann, die Alte taucht immer auf. Sie ist immer da, aber auch
irgendwie nie. Das ist echt unheimilch.
“Ja, Miss Pears”, sagte ich und folgte ihr schweren Herzens zum Direktor.
Nur weil ich dem Automaten eine Lektion erteilen wollte? Also wirklich, als
ob er es nicht verdient hätte. Sie hätte an meiner Stelle genau das Gleiche
getan, wenn sie nicht ihren scheiß esoterischen Tee am Morgen trinken würde,
der angeblich den Geist und die Seele beruhigt. Sie hat mich mal gezwungen
einen zu trinken, als ich einen kleinen sagen wir mal…Wutausbruch
hatte, weil wir keinen Kaffee mehr zu Hause hatten und ich eine neue
Studentin angeschrien und sie zum Teufel gejagt habe obwohl sie nur wissen
wollte wo sich Raum Nummer 209 befindet. Nachdem ich den scheiß Tee
getrunken hatte, ging es mir noch mieser als vorher, deshalb habe ich auch
später zwei neun-jährige zum heulen gebracht und Miss Pears auch, weil sie
nicht zu mir durchdringen kann. Pff, so ein Müll. Gebt mir Kaffee und ich bin
ein Engel. Aber nein, es musste ja Tee sein. Tee! Was bitteschön soll mit dem
machen? Ihn inhalieren und drauf hoffen, dass die Drogen, die in dem
Hippizeug enthalten sind ihre Wirkung entfalten?
“Miss Pears, Miss Richmond was kann ich für die zwei hübschen Damen
tun?”, fragte Mr. Meyer, der Direktor unserer Schule. Hübsche Damen? Ich
schnaubte nur, doch die Hupfdole neben mir fing an wie ein Teenager zu
kichern. Gott, wirklich? Ist die Frau high oder hat sie es so nötig?
“Miss Richmond, hatt versucht Schuleigentum zu runinieren”, sagte sie mit
sachlicher Stimme.
“Ich habe nicht versucht Schuleigentum zu runinieren. Der Kaffeeautomat
wollte mein Geld nicht annehmen und ich wollte Kaffee, das war nur ein
Versuch ihn umzustimmen”, protestierte ich.
“Wollen Sie nicht lieber einen Tee statt Kaffee. Kaffee ist doch so ungesund
und sie sind noch so jung”, sagte Miss Pears und sah mich dabei hoffnungsvoll
mit ihren braunen Augen an.
“Wollen Sie wirklich riskieren, dass das was letztes Mal passiert ist,
nachdem ich Ihren Tee getrunken habe, nochmal passiert?”, fragte ich sie mit
einer hochgezogener Braue.
Tränen glitzerten in ihren Augen. Sie wird doch nicht? Oh Gott sie wird.
Wie ich das hasse. Mr Meyers, schien zu bemerken, was sie gleich vor hatte
und wusste, dass ich nicht so gut damit umgehen kann, wenn jemand in
meiner Nähe weinte. Ich kann nun mal nicht so gut mit Gefühlen umgehen,
muss irgend so eine Behinderung sein die ich habe. Ja, ich bin
Gefühlsbehindert. Kann man das so sagen? Naja, egal, zurück zum
wesentlichen. Er sah sich panisch im Zimmer um und fixierte einen Punkt
hinter mir, sodass ich mich umdrehete. Und wen sah ich da? Die drei heißen
Clowns von worhin. Na super, das kann ja nur heiter werden. “Miss Richmond,
führen Sie bitte die Jungs zu ihrer Klasse, da ich ja gerade keine Zeit dazu
habe.”
“Folgt mir”, herrschte ich die Jungs an während ich die Direktion verlasse.
Ja ich bin ein bisschen dominant. “Zeigt mir mal euren Stundenplan”, sagte
ich schon etwas netter. Man muss die Jungs ja nicht gleich an ihrem ersten
Schultag verschrecken oder? Das wird Miss Glow gleich tun. Die und ihre
schrecklichen Hängetitten, wann lernt die Frau sich einen BH zu kaufen? Man
darf in ihrem Alter und mit ihrem Aussehen einfach kein Kleid anizehen ohne
BH, das ist ein ungeschriebens Gesetz! “Mathe”, murmlte ich.
“Was?”, fragte der Blonde, der mich heute in der Früh angesprochen hat.
“Mathe. Ihr habt jetzt Mathe, im gleichen Kurs wie ich.” Er nahm es mit
einem Kopfnicken zur Kentniss.
“Sag mal, was hat die Frau vorhin mit ihrem Tee und deiner Reaktion
gemeint?”, fragte nun der schwarzhaarige.
“Ich hab keinen Morgenkaffee an dem Tag gehabt, ganz schelcht,
daraufhin hat Ms Pears mir einen ihrer Beruhigungstee’s gegeben, der mich
noch wütender und frustrierter gemacht hat. Ich habe vier Leute zum heulen
gebracht inklusive Miss Pears. Eines meiner Hobbys unter der Woche”, sagte
ich schulterzuckend.
“Und was machst du dann am Wochenende, wenn du unter der Woche
Lehrer zum Heulen bringst?”, fragte der süße, braune Lockenschopf, der bis
jetzt noch nichts gesagt hat, amüsiert.
“Kinder von Fahrrädern schubsen”, sagte ich und hörte ein heißeres Lachen
von den Jungs. Ich klopfte an der Tür an und öffnete diese als ich ein “Herein”
vond er anderen Seite vernahm.
“Anastasia Richmond. Sind zu spät”, kreischte Miss Glow. Ich verstehe Sie
auch, wenn Sei in einer normalen Tonlage mit mir sprechen!
“Ich weiß, aber im Gegenzug habe ich Ihnen ein Geschenk mitgebracht,
nein, nicht nur eins sondern gleich drei”, sagte ich und deutete auf die drei
Jungs hinter mir.
Ich glaube mein Schwein pfeift aus dem letzten Loch, dachte ich mir als ich
sehe wie Miss Glow ihre Haltung veränderte. Oh die wird doch nicht? Oh sie
versucht wirklich mit den Jungs zu flirten! Das ist das Lustigste, das ich je in
meinem ganzen Leben gesehen hatte, dachte ich und fing an lauthals zu
lachen. Die irritierten Blicke der Anderen ignorierend ging ich zu meinem Platz
in der Letzten Reihe und ließ mich auf meinen Sessel plumpsen, während ich
zusah wie Miss Glow ihnen ihre Hängetitten entgegenstreckte und versuchte
mit ihnen zu flirten. Die Jungs sahen flehend zu mir rüber und die Mädchen
sabberten noch mehr. Mein Gott noch nie drei Jungs gesehen? Seufzend stand
ich auf und ging auf den Lehrertisch zu. “Miss Glow, finden Sie nicht, dass sich
die Jungs vorstellen sollten?”
“Natürlich. Sie haben recht. Schließlich wollen wir doch wissen, wer diese
drei hinreißenden Jungs sind.” Hinreißend? Okay?! Wenn sie meint.
“Hi, ich bin Hunter”, stellte sich der große Blonde mit den wunderschönen
blauen Augen vor, der mich heute Morgen angesprochen hat.
“Ich bin Tyler”, sagt der schwarzhaarige mit den warmen braunen
Teddyaugen.
“Ich bin Luca”, stellte sich der goldige Lockenschopf vor.
Die Mädchen hatten sich wie es aussieht schon in verschiedene Gruppen
aufgeteilt, wer wem am meisten gefällt. Na toll, die sehen die Drei so an als
ob sie Krebs geheilt hätten. Jetzt wird das Ganze schon lächerlich.
Kopfschüttelnd sagte ich “Na dann, sucht ihr euch wohl ´nen Platz”, sagte ich
und begab mich zu meinem Platz zurück. Und der liebe Gott hasst mich
wirklich, als ich merkte, dass die einzigen drei freien Plätze - wie sollte es
auch anders sein? - neben mir waren. Eigentlich hatte ich mich am Anfang
des Jahres hier hinten alleine hingesetzt, weil die Leute wissen wie
unausstelich ich am Morgen sein konnte, wenn ich nicht genug Koffein intus
habe. Deshalb mein Motto: Ansprechen auf eigene Gefahr.
Der Rest des Schultages verlief herzlich normal, bis auf das Benehmen der
Anderen. Ich verstehe nicht, was an den Neuen so besonders ist, dass sie von
allen angesabbert und angestarrt werden. Deshalb mussten sich die Drei auch
in der Mittagspause zu mir setzten, sonst wären sie von allen anderen
erdrückt worden. Eigentlich hatten wir vor 5 Minuten aus, aber der
Geschichtslehrer ist der Meinung uns noch dringend etwas über Napoleon
erzählen zu müssen. Scheiße! Jamie holt mich doch heute ab. Der wartet
sicher schon seit 10 Minuten, dass heißt das er reinkommen wird um nach
dem Rechten zu schauen und mich nebenbei blamieren wird. Als der Lehrer
uns endlich gehen ließ stürmte ich so schnell wie möglich aus der Klasse, mit
der Hoffnung, dass Jamie noch nicht ausgestiegen ist. Vergeblich. Er stand vor
seinem - ach so geliebten - Wagen, der im Gegensatz zu Jason schwarzem,
rot ist und grinste überheblich, als er die Blicke, die auf ihm und dem Wagen
lagen spürte. So ein Vollhorst. Als er mich entdeckte wurde sein Grinsen noch
breiter und er stieß sich von seinem Wagen ab. Oh nein. Das bedeutet nichts
gutes. Das wird sicher gar nicht gut für mich werden. “Baby! Komm her!”, rief
er und breitet seine starken Arme aus. Der Idiot will mich doch nicht vor allen
in den Arm nehmen oder? Zu Hause ist das ja noch in Ordnung, aber in der
Öffentlichkeit ist das inakzeptabel. Total inakzeptabel.
“Jamie, mach jetzt nichts unüberlegtes!”, warnte ich ihn und trat einen
Schritt zurück.
“Aber, Ana Baby, du weißt doch das ich dich immer drücken muss, weil ich
dich so sehr liebe!”, sagte er mit einem diabolischen Grinsen. Jetzt wurde mir
einiges klar. Das hat er geplant, dass ist die Rache dafür, dass ich ihn am
Sonnatg um 12 Uhr vormittags, nachdem er bis um 5 in der Früh aus war,
aufgeweckt habe. Und zwar indem ich ihm einen Kübel eiskaltes Wasser über
den Kopf geschüttet habe. Das war schon witzig und ja ich habe mich am
Boden gekugelt vor lachen während mein lieber, klitschnasser Bruder mir
todes Blicke zugeworfen und Rache geschworen hat.
“Du bist scheiße”, grummlte ich und trat noch einen Schritt nach hinten.
“Aber mein Sonnenschein, wieso bist du so mieß gelaunt? Hast du heute
keinen kleinen Kinder zum weinen gebracht?”, fragte er lachend. Haha, ich
lach mich tot.
“Wenn du mir noch näher kommst, ramme ich dir mein Knie mitten in
deine kleine Prinzessin und zwar so tief, dass du im Nachhinein beim
Knabenchor zu singen anfangen kannst, verstanden?”, drohte ich ihm mit
erhobenem Zeigefinger und verängte meine Augen zur Unterstüzung zu
schlitzen.
“Das wird mich nicht davon abhalten, Sonnenschein. Das geht schon seit
gut 10 Jahren so und du wehrst dich immer noch. Rache ist süß,
Schwesterherz”, sagte er mit dem fießesten Grinsen, das ich je gesehen habe.
“Du Schnapsbirne, wenn du tust, dass ich denke das du tun willst, dann
schlage ich dir deine schöne Visage grün und blau”, knurrte ich. Im nächsten
Moment schlang er seine Arme um mich. “JAMIEEEEE! Du erdrückst mich”,
keifte ich wütend.
Jamie, der blöde Arsch lachte nur und schlang seine Arme noch fester um
mich. “Ich hab dich auch lieb”, sagte er und ich konnte sein Grinsen förmlich
hören.
“Mann, jetzt hast du mich genug blamiert!”
“Wenn du bitte sagst, dann lasse ich dich los.”
“Könnte mich mein aller liebster Bruder vielleicht loslassen, damit ich nicht
ersticken muss und noch genug Kraft habe ihm seine vorwitzige Fresse zu
polieren?”
“Ana!”, hörte ich Hunter’s Stimme. Plötzlich ließ mein Bruder von mir ab
und sah die drei freudenstrahlend an. Was ist denn jetzt los? Will er mich
noch mehr blamieren? Wenn das so ist, ist Rache unumgänglich, Bruderherz.
“Jamie?!”, kam es von allen Dreien unglaubwürdig fragend im Chor. Die
kennen sich? Ja, aber woher denn?
“Jungs?! Was macht ihr denn hier?”, fragte Jamie gut gelaunt und ging auf
die drei zu. Was läuft denn jetzt?
“Wir gehen hier zur Schule”, sagte Hunter, nachdem sie sich mit so einem
Gangsterhandschlag begrüßt haben. “Und was machst du hier?”
“Ich hole meine kleine Schwester ab. Nicht wahr, Sonnenschein?!”,
woraufhin ich ihm meinen schönsten Finger zeigte mich umdrehe und zu
seinem Auto, das von unzähligen Schülern umzingelt wird, ging.
“Aus dem Weg!”, blaffte ich und alle bildeten einen Gang. Man muss seine
Stimme nur stark und eiskalt klingen lassen und schon tun sie was man will.
So hat es mir mein Vater jedenfalls beigebracht. “JAMIE, DU VOLLKOFFER,
KOMMST DU? ICH HATTE HEUTE ERST EINEN KAFFEE! ALSO SCHWING DEINEN
ARSCH HER, WENN DU NICHT WILLST, DASS ICH DIR DEINEN SCHEIß WAGEN
ZEKRATZE!”, brüllte ich fast über den halben Schulhof.
Jamie, drehte sich mit einem fetten Grinsen im Gesicht zu mir um. Der
Junge, hat ein permanentes Grinsen im Gesicht. Wenn der so weiter macht,
dann bleibt der Ausdruck und man kann das Grinsen im Nachhinen nur noch
operativ entfernen. Aber jetzt mal im Ernst, so ein Grinsen heißt bei meinem
Bruder nie etwas gutes. Entweder er hat einen Plan und der ist generell
scheiße oder er hat gerade scheiße gebaut, dass bedeutet das er was richtig
fießes plant, was mir so gar nicht in den Kram passt. Egal was es ist, es
gefällt mir nicht.“Was grinst du so?”, fragte ich ihn misstrauisch, als er am
Auto ankam.
“Nichts”, sagte er unschuldig un ging zur Fahrerseite. Was mich stuzig
machte was, dass der Typ, ja tatsächlich, immer noch grinste wie ein
Honigkuchenpferd. “Ah, bevor ich es vergesse, wir kriegen heute besuch.”
Das “wir” bezieht sich meistens sowieso auf meine Brüder, also interessiert
es mich nicht sonderlich. Solang es nicht die Idioten aus dem Footballteam
meiner Brüder sind.
Zu Hause angekommen erkannte ich drei weitere Sportwagen, die in
unserer Auffahrt standen. Einer gehörte Hunter, dass wusste ich, weil ich ihn
heute in der Früh schon gesehen hatte. Das hieß dann wohl, dass die anderen
zwei Luca und Tyler gehören. Die Drei sind unser heutiger Besuch? Woher zum
Teufel kennen meine Brüder die drei? Aber gut, solange sie Freunde von Jamie
und Jason waren, müsste ich mich nicht mit ihnen beschäftigen.

Kapitel 2

Im Wohnizimmer angekommen, hätte mich fast der Schlag getroffen. Ich


habe doch nur drei Autos draußen gesehen. Wieso sitzt hier dann die halbe
Footballmannschaft?! Mein Tag kann gar nicht schlimmer werden! “Ana,
Hase, komm her und lass dich drücken!”, sagte Allan breit grinsend.
“Allan, wenn du das tust, was du gerade sagtest zu tun, werde ich dich
höchstpersönlich kastrieren! Verstanden? Ich hatte heute nur einen Kaffee,
also reiz mich nicht”, fauchte ich und der Arsch fing tatsächlich an zu lachen.
“Wenn hast du denn heute zum weinen gebracht?”, fragte Steward.
“Nur Miss Pears, wegen der Teegeschichte.”
“Wieso hat sie denn schon wieder wegen dem geweint?”, fragte Jason.
“Sie hat gesehen, wie ich und die Kaffeemaschiene eine kleine…nun ja…
Ausernandersetzung hatten”, sagte ich unschuldig. Ich muss ja nicht
erwähnen, dass ich den drecks Automaten getreten habe, oder?!
“Wow, ein harmloser Tag”, sagte Jason grinsend. Eher ein langweiliger Tag.
Und die Anderen Idioten lachten. Ja, hahah, voll lustig, ich kugle mich schon
am Boden vor lachen. Arschgesichter.
“Wenn ihr dann fertig seid, dann gehe ich mir einen Kaffee machen”, sagte
ich.
“Was denn? Willst du keine Kinder vom Fahrrad schubsen? Oder alte Omis
anbrüllen oder doch vielleicht einem Kleinkind den Lolly weg nehmen?”,
fragte Jamie grinsend.
“Nö, ich hatte heute eher an Football-Moussaka gedacht”, sagte ich böse
grinsen und ging in die Küche zu meinem heiß geliebten Kaffeautomaten.
“Du bist echt süchtig nach Kaffee oder?”, fragte mich Tyler, als ich wieder
im Wohnzimmer ankam.
“Lass es mich mal so aussdrücken, wenn unser Haus brennen würde und
ich die Wahl zwischen Jamie und dem Kaffeautomaten hätte, dann würde ich
den Kaffeeautomaten wählen”, murrte ich. “Sorry, bro”, gab ich noch zurück,
als ich Jamies beleidigte Miene sah. Ich nahm einen großen Schluck von
meinem Gebräu und stöhnte. Gott, das ist besser als Sex. Denke ich mal, ich
hatte nämlich noch keinen. Offenbarung des Tages.
“Ich glaube, sie würde sogar ihren erst geborenen für Kaffee hergeben”,
sagte Jason.
“Oh, wie recht du hast. Ich würde ihn direkt an Satan verkaufen und im
Gegenzug einen lebenslangen Vorrat an Kaffee verlangen”, gab ich ironisch
hinzu. Idiot.
“Wieso trinkst du eigentlich so viel Kaffee?”, fragte Hunter, der bis jetzt
noch nichts gesagt hatte.
“Weil ich in der Früh wach werden will, weil ich vor der Schule einen
Energieschub brauche, weil ich nach der Stunde noch einen brauche und dann
brauche ich ganz viel um die zwei Vollkoffer, mit denen ich zusammen
lebe, auszuhalten.”
“Ich glaube, als sie ein Baby war hat sie statt Mutermilch Instandkaffee
getrunken”, klugscheißerte mein Bruder Jason.
“Wir sind hier nicht bei den annonymen Kaffeeholikern, also könnten wir
jetzt das Gespräch über meinen etwas ausgeprägteren Kaffeekonsum
einstellen?”
“Ja, aber ich weiß nicht ob dir dieses Thema besser gefallen wird”,
murmelte Hunter. Hä?

“Also”, Jamie räusperte sich. “Ana, wir, müssen dir etwas wichtiges sagen.
Es hört sich vielleicht etwas schräg an, aber bitte hör uns einfach nur zu,
okay?”
“Okay”, murmelte ich misstrauisch. Wenn er sich jetzt outet und sagt, dass
er in seiner Freizeit pinke Tütü‘s trägt, dann hör ich auf Kaffee zu trinken. Ich
schwöre es, bei der Arabischen Kaffeebohne. “Weißt du noch, als Dad dir
vorm schlafen gehen immer diese Geschichten erzählt hat?”
Ich nickte. “Ja, die über Vampire und so n Zeugs.”
“Was würdest du sagen, wenn wir dir jetzt sagen würden, dass sie naja…
echt waren?”
“Zuerst, würde ich denken, dass ihr sie nicht mehr alle habt. Obwohl, bei
dir wäre das nicht ganz so abwägig, weißt du noch, vor drei Monaten, als wir
in der Disco waren. Du so zu warst, das wir in einen 24h Shop gegangen sind
um dann zum Obstregal, wo du dann jede Ananas geschütellt hast und dann
geschrien, “SPONGEBOB, KOMM RAUS! ICH WEIß DAS DU DA DRINNEN BIST!
KOMM RAUS UND ZEIG DICH! ICH WILL DAS DU MIR DAS SUPER GEHEIMREZEPT
ÜBER DIE KRABBENBURGER ERZÄHLST, MEINE SCHMECKEN IMMER SO SCHEIßE
UND KEINER WILL SIE ESSEN!””. Alle lachten sogar Jamie. “Oder als wir danach
nach Hause gefahren sind und du jeden Stein und Felsen umgedreht hast und
geschrien “PATRICK! KOMM RAUS DU FETTER SEESTERN! ICH WILL WISSEN
WOHER DU DIESE GEILE BADEHOSE HAST””, sagte ich am Schluss lachend.
“Oder als du vor einem Moant Hasch-Brownies gefuttert hast und
daraufhin immer wie eine 12-jähreige bei dem Wort “Brust” kichern musstest
und wir dich am Ende, oben auf den Küchenschränken schlafend vorgefunden
haben?”
“Scheiße, wie geil, was habt ihr denn noch so gemacht?”, fragte Hunter
lachend. Jetzt komm ich doch erst richtig in Fahrt!

“Letztes Jahr, im Sommer, waren wir in Kalifornien. Am Abend sind wir zu
dritt ausgegeangen, als wir wieder gehen wollten konnten wir Jamie nicht
finden. Wie haben den ganzen Club durchsucht, 2 Stunden lang, kurz bevor
wir aufgeben wollten, sahen wir, wie Jamie den Rücken eines Transvestiten
ritt und die ganze Zeit “Komm hol dein Lasso raus. Wir spielen Cowboy und
Indianer”, herumbrüllte.” Hunter und die anderen Jungs hielten sich an den
Bäuchen und Lachtränen schossen ihnen aus den Augen. Ja, manchmal ist
mein Bruder echt für was nützlich. Auch, wenn es nur zur Unterhaltung der
Allgemeinheit dient.

“Blamier mich hier doch nicht, Sonnenschein”, meinte Jamie lachend.
“Ach komm, lass mir doch den Spaß.”
“Na gut, aber jetzt zurück zum Ernst des Lebens. Also, was ich vorhin
gesagt habe, habe ich auch so gemeint. Es gibt wirklich Vampire. Ob du es
glaubst oder nicht.”
“Klar, Jamie und ich hab kein Foto, auf dem du mit einer Orange
rumknutscht”, meinte ich gespielt ernst.
“Das hast du immer noch?”, fragte Jason.
“Klar doch, das Ding ist Gold wert. Für 200 Mäuse kannst du es haben.”
“Ich geb dir 500, wenn du mir auch das Foto gibst auf dem er ein Poster
von Adriana Lima abknutscht.”
“Verkauft, mein Lieber”, sagte ich und schlug bei ihm ein.
Jamie räusperte sich. “Kinder, könntet ihr jetzt bitte wieder zu hören? Also,
wo war ich stehen geblieben? Ach so, ja, Ana, es gibt wirklich Vampire. Ich
werde es dir beweisen”, sagte er und machte seinen Mund auf. Wow, toll, soll
ich jetzt deine Zähne bewundern oder was? Just in the moment passierten
zwei Dinge. Jamies Eckzähne verlängerten sich und ich fiel fast vom Stuhl.
Wieso? Na, weil man nicht jeden Tag einen gottverdammten Vampir zu
Gesicht bekommt.
“Krass”, keuchte ich und sah mir die langen Beißer meines Bruders etwas
genauer an. Sie waren lang und spitz, ganz gewöhnliche Vampirzähne. Okay,
nichts an Vampirzähnen ist gewöhnlich, aber ihr wisst was ich meine, oder?
“Und seid ihr auch welche?”, fragte ich in die Runde, die mich fasziniert
beobachtete. Was’n? Immerhin seid ihr hier die Blutsauger oder nicht?!
“Ja”, murmelten sie alle im Chor. Wieso glotzen die mich alle so an?
“Wieso glotzt ihr alle so?”
“Nichts, wir haben uns alle gefragt wieso du nicht austickst?
Normalerweise, wärst du schon die Decke hoch gegangen”, sagte Allan. Ich
hob meine Tasse hoch und sagte, “deswegen.”
“Aber eine Frage hab ich noch, wieso erzählt ihr mir das?”
“Na”, Jason lachte verkrampft. “Weil, weißt du, dass ist lustig, Vampire
werden nämlich nicht verwandelt oder so, wie in diesen ganzen Filmen. Sie
werden…geboren, auserkoren, auserwählt nenn es wie du willst. Fazit, du bist
auch einer”, sagte er entschuldigend lächelnd. “Also, du wirst einer besser
gesagt.”
“Und wann?”
“An deinem 18. Geburtstag”, meldete sich nun Hunter zu Wort.
“Erklärt, dass dan auch meine Augenfarbe?”
“Nein, wir wissen nicht, was es mit deinen Augen auf sich hat. Ich meine
die Ärzte haben immer gedacht, dass deine weißen Augen eine Krankheit sind,
aber das hat nie die schwarzen Ringe drumherum erklärt”, sagte Jason
schulterzuckend. Aha. Interessant.
“Wie auch immer, ich leg mich ein bisschen hin, die Aufregung heute hat
mir ein bisschen zu schaffen gemacht”, log ich. Okay, es war ja nicht so, dass
mir jemand erzählt hätte, dass ich ein mysteriöses Wesen bin, dass eigentlich
gar nicht exestieren dürfte. Ach, warte. Genau das ist ja passiert. Hahaha, ich
dummerchen! Gott, mein Leben kann gar nicht verrückter werden.
Kapitel 3

Am nächsten Morgen, hörte ich den Stimmwirbel von unten bis rauf in
mein Zimmer. Wer wagt es so früh am Morgen, so n scheiß Lärm zu
veranstalten? Und dann auch noch so früh?! Ungeachtet dessen, dass ich nur
mega kurze Pantys und ein Bandeau Top anhatte stürmte ich die Treppe
runter. “Ah, da kommt sie”, hörte ich meinen Bruder Jamie sagen, als ich
unten ankam.
“Ich hoffe du hast eine gute Ausrede für den Lärm hier unten, denn sonst
hau ich dir meine Pradaschuhe so tief in den Arsch, dass sie vorne wieder raus
kommen, verstanden?”, zischte ich. Aus dem Wohzimmer ertönten mehrere
männliche Lacher. Na super, noch mehr Idioten in unserem Haus.
“Ah, unser Sonnenschein, ich möchte dir ein paar Leute vorstellen.”
“Jamie, hör mir gut zu. Und wenn hier die scheiß Queen of England sitzen
würde. Ich würde die Fotze nicht kennen lernen wollen, bevor ich nicht
mindestens eine Tasse Kaffee intus hätte, comprende?”
“Ja, würd ich auch nicht wollen, Elisabeth ist echt ´ne Bitch”, höre ich eine
belustigte männliche Stimme. Aha, interessant.
“Siehst du? Also, geh mir aus dem Weg!”, knurrte ich. In der Küche
angekommen, hörte ich noch mehr Stimmengemurmel. Ich stöhnte genervt
auf. Wieso nur? Wieso? Wieso? Wieso?
“Baby, ich könnte dafür sorgen, dass du wegen mir aufstöhnst, aber vor
Lust”, hörte ich eine tiefe Stimme mit spanischem Akzent.
“Hör mir gut zu, amigo, wenn du mir nicht aus dem Weg gehst, dann
ramm ich dir mein Knie zwischen deine Beine und dann wirst du aufstöhnen,
aber nicht vor Lust”, knurrte ich.
“Baby, du lässt dir was entgehen”, schnurrte er immer noch. Halt deine
Klappe, du riesiger Idiot!
“Djego, treibs nicht zu weit, sie haut dir wirklich eine rein, wenn sie keinen
Kaffee bekommt ist sie nämlich ein bisschen kratzbürstig”, hörte ich Hunter
hinter mir sagen.
“Und jetzt aus dem Weg, monada”, gab ich zuckersüß zurück.
“Sólo para te, belleza.” Kackspast. Ich gab ein Knurren von mir und begab
mich zu meiner großen Liebe. Meine Kaffeemaschiene. Gerade als ich den
Knopf für einen extra großen Latte Macchiato drücken wollte, gab das Gerät
einen Komischen rums von sich und gelb-braune Flüssigkeit tratt aus der
Maschine.
“Nein, nein, nein, nein, nein!” Panik erfasste mich. “Du Drecksding!”,
fauchte ich und knallte einmal mit der Hand dagegen. “Mach jetzt keinen
Scheiß!”
“Jamie! IHRE GROßE LIEBE GIBT GRAD DEN GEIST AUF!”, brüllte Hunter ins
Wohnzimmer. Jamie und sein Gefolge stürmten in die Küche und sahen zu wie
ich gerade versuchte die Maschine wieder zum laufen zu bringen.
“Oh scheiße”, murmelte Jamie. Genau, Bruderherz, scheiße! Aber so richtig
verdammte scheiße!
“Komm schon, du kleines Plastikding, mach Kaffee! NEIN! TU MIR DAS
NICHT AN, BITTE! LIEBLING….KOMM SCHON!” Ich fing gespielt an zu heulen
und lehnte meinen Kopf auf die Maschine. Okay, das ist vielleicht ein bisschen
krank was ich hier mache, aber meine Kaffeemaschiene ist kaputt! Einfach so!
Wir hatten noch unser ganzes Leben vor uns!
Jamie streichelte meinen Rücken. “Ach komm süße, wir kaufen dir eine
neue”, sagte er beruhigend.
Mein Kopf schoss in die Höhe. “Jamie, mein Sonnenschein”, fing ich
zuckersüß an, “würdest du vielleicht deinen Arsch, zu deinem heiß geliebten
Wagen schwingen und mir einen Kaffee besorgen?” Wie schon gesagt, ich
kann echt lieb sein, wenn ich etwas brauche.
“Tut mir leid, aber ich kann grad nicht, ich muss noch ein paar Sachen mit
den Jungs besprechen.”
“Na gut”, grummelte ich. “Dann her mit dem Schlüssel!”
“Bist du sicher? Also ich meine, du weißt doch, was das letzte Mal mit
deinem Wagen passiert ist oder?” Na gut, ich muss zugeben, dass ich nicht
gerade die beste Autofahrerin bin. Ja, so Klischéemäßig, aber es liegt nicht an
mir. Wirklich, ich kann eigentlich ganz gut fahren. Das Problem ist, dass ich
manchmal ein biiiiischen zu schnell fahre. Aber hey, YOLO oder? Ich zog eine
Augenbraue hoch und sah ihn abwartent an. “Na gut”, seufzte er und drückte
mir die Schlüssel seines heiß geliebten Ferraris in die Hand.
“Ich werde versuchen vorsichtig zu sein.”
“Ja, ja”, murmelte er.
“Bist ein Schatz”, sagte ich, stellte mich auf die Zehenspitzen und gab ihm
einen Kuss auf die Wange.
**********
Okay, gut, ich bin mit Jamies Wagen vielleicht ein kliitzekleines bisschen an
einen anderen Wagen angekommen, der dann in einen anderen Wagen
reinngefahren ist und so weiter. Na ja, hätte er halt auf der anderen Spur
fahren sollen und nicht auf der, auf der ich gerade überholen wollte. Selbst
schuld.

“Hey, Bruderherz, hab ich dir eigentlich schon gesagt, dass ich dich liebe?”
fragte ich zuckerüß und kicherte unsicher.
“Was hast du angestellt?”, fragte er panisch.
“Nichts”, sagte ich und kicherte wieder hysterisch. Das passierte mir immer,
wenn ich log. Vielleicht hab ich ja Glück und er merkt’s nicht. Nix da, kein
Glück für Ana heute. Er stürmte schnell in die Auffahrt. “Hey”, sagte ich zu
den anderen Jungs, die mich musterten.
“Wir haben gerade eben in den Nachrichten gesehen, dass es auf der
Autobahn eine Massenkarambolage gab, an der ein Ferrari schuld war”, sagte
einer der Unbekannten. Ich zuckte lächelnd mit den Schultern.
“ANASTASIA SOFIE RICHMOND! VERDAMMTE SCHEIßE! WAS HAST DU MIT
MEINEM AUTO ANGESTELLT?!”, brüllte er aus der Auffahrt. Uii, der ist ja richtig
angefressen. “ICH HAB GEDACHT DU WOLLTEST NUR EINEN KAFFEE KAUFEN
GEHEN, ABER MEIN WAGEN SIEHT SO AUS, ALS OB DU EINE
MASSENKARAMBOLAGE DAMIT VERURSACHT HÄTTEST!”, brüllte er weiter.
Wenn du wüsstest, wie recht du damit hast. Die anderen schienen den
gleichen Gedanken zu haben und fingen an zu lachen.
Ich hielt meinen Becher Kaffee hoch und lächelte - naja ich hoffte es
zumindest - versönlich. “Willst du den Rest von meinem Kaffee haben?”

Kapitel 4

Nachdem sich mein Bruder einigermaßen wieder beruhigt hatte, wollte ich die
Jungs noch ein bisschen über dieses ganze Vampirzeugs ausfragen. “Jungs, ich
hab da mal ´ne Frage.”
“Schieß los”, sagte Hunter.
“Hat man als Vampir irgendwelche Fähigkeiten?” Ich meine in diesem
scheiß Twilight hat ja auch die Schwuchtel, wie hieß er noch mal, auch so ´ne
Fähigkeit. Von wegen Gedankenlesen oder so. Oder war es doch irgendwas
mit Zukunft voraus sagen?

“Ja, aber nicht alle.”
“Cool, habt ihr auch welche?”
“Ich”, sagte Kyle ein echt heißer Typ, mit schwarzen Haaren und
stahlgrauen Augen, der im Footballteam meiner Brüder spielte.
“Und was kannst du?”
“Gedanken lesen”, grinste er. Wieso grinst der so? Oh, ich Idiotin, der kann
ja meine Gedanken lesen. “Jup, kann ich und deine Gedanken sind echt, der
Hammer”, sagte er lachend. Hahahah, Arschgeige. Schon toll, wenn man
jemanden gedanklich beleidigen kann. Null anstrengung, voll mein Ding. “Das
finde ich aber gar nicht nett”, murrte er beleidigt.
“Ich finds auch nicht nett, das jemand in meinem Kopf herum wühlt”, gab
ich zurück.
“Ich wühle nicht, es ist so, dass mir deine Gedanken förmlich zuschreien,
weil du noch kein Vampir bist, deshalb sind deine Gedanken am lautesten.”
“Ich hoffe sie bereiten dir Kopfschmerzen.”
“Eher Lachkrämpfe”, gab er grinsend zurück. KACKSPAST!!!, schrie ich ihn
gedanklich an und er zuckte zusammen. “Bitte nicht so laut!”, knurrte er. Hast
du mich gerade angeknurrt? Er nickte nur. Das find ich jetzt aber echt HEIß!
“Echt?” Ich schenkte ihm nur ein schiefes grinsen und gurrte in Gedanken ein
“Echt”, zur bestätigung.
“Leute!”, machte Jason und auf sich aurmerksam.
“Ah, Jason, lass mir doch meinen Gedanken-Sex”, sagte ich schmollend.
Kyle sah mich fragend an. Oh süßer, das wäre noch viel weiter ausgeartet,
wenn mein Bruder uns nicht gestört hätte, sagte ich und zwinkerte ihm zu,
während er grinste.
“Ich freu mich schon auf das nächste Mal”, sagte er. Dito, lachte ich.
Irgendwie mochte ich diesen Kyle, denn wir waren auf einer Wellenlänge.
Mein Magen kündete sich mit einem lauten knurren an. “Ich hab hunger.”
Die Jungs lachten. “Wir merken es.” Ach, ne, echt? Mein Bauch war ja
kaum zu überhören, Schwachmat!

“Worauf hast du denn lust?”
“Pancakes mit Schokosplittern”, sagte und machte große Augen. Ich würde
es meinem geliebten Kaffe zwar nie sagen, aber ich habe eine heiße Affäre
mit meinen Pancakes.

“Wirklich?”, fragte Kyle, der wahrscheinlich schon wieder in meinem Kopf
gelauscht hat. Ich nickte begeistert und driftete in mein Pancakewunderland
ab. Ich seufzte.
“Was hat sie denn?”, fragte Hunter.
“Sie ist im Pancakewunderland.” Ich liebe mein Pancakewunderland.



Kapitel 5

“Ich bin satt”, stöhnte ich und lehnte mich in meinem Sessel zurück.
“Na, du isst ja auch wie ein Mähdrescher”, kicherte Allan. Im Ernst Kumpel?
Du kicherst? Lass das bloß deine Opfer, wenn du von ihnen trinken willst nicht
hören, sonst scheißen die sich noch in die Hosen, aber nicht vor Angst.

Kyle, der meine Gedanken schon wieder gelesen oder gehört, man weiß ja
schließlich nicht wie der Jungs das anstellt, hatte fing an zu lachen. “Alter,
deine Gedanken sind ´ne Wucht”, sagte er nach seinem Lachanfall.
“Sind ihre Gedanken genau so wie sonst auch immer, wenn sie uns zum
lachen bringt?”
“Ne, besser. Ihr müsstet sie hören. Sie gibt zu jedem Scheiß einen
Kommentar ab”, sagte er und fing schon wieder an zu lachen. Hahahah. Das
ist ja auch so lustig! “Ich find schon”, gab der Spast seinen Senf auch noch
hinzu. Schön für dich! “Finde ich auch.” Ach, halt doch die Klappe! “Bring mich
doch dazu!”
Ich zog eine Augenbraue hoch und sah ihn skeptisch an. Wenn er es nicht
anders wollte. Ich stand auf und ging zu seinem Platz. Ich beugte mich zu ihm
runter, bis sein Gesicht ganz nah an meinem war. Er sah mich triumphierend
an. Denk’ste. Er kam immer näher mit seinem Gesicht, wahrscheinlich in der
Hoffunung einen Kuss von mir zu bekommen. Ich schnappte mir einen
Pfankkuchen von seinem Teller und stopfte ihn in seinen Mund, danach
schüttete ich noch Sirup rein. “Und jetzt, halt die Klappe”, raunte ich ihm zu
und tätschelte mitleidig seine Wange.
Mein Tag kann doch nur schlimmer werden. Zuerst geht meine
Kaffeemaschiene kaputt, dann gibts Massenkarambolage, die wahrscheinlich
auf meine Kappe geht, dann gibt es noch so einen Idioten, der in meinem
Kopf rumwühlt und seinen Senf dazu gibt. Ich hoffe das hast du gehört IDIOT!
Ich hab bock auf schopping! Neue Schuhe sind genau das Richtige! “Ich bin
dann mal weg”, sagte ich und schrieb Reba und Lora eine SMS, dass sie mich
abholen sollten. Denn mein Auto war ja immer noch in der Werkstatt.
“Wohin?”, fragte Jamie.
“Kannst ja mitkommen”, sagte ich zuckersüß. Kann ja nie schaden einen
Packesel mit zu haben oder? Ich meine Schuhe können echt schwer sein.
Er zuckte nur mit den Schultern und erhob sich ebenfalls. Es wunderte
mich aber, dass er nicht misstrauisch nach meinem zuckersüßen Ton
geworden ist, denn er wusste, dass ich nur nett war, wenn ich etwas brauchte.
Und das stimmte auch, denn ich erinnerte mich noch, als eine Cousine von
uns, wie heißt die denn noch mal? ach egal, bei uns war mit ihrem kleinen
Baby. Der kleine Scheißer war 8 Monate alt und hat mich vollgekotzt,
daraufhin hab ich den kleinen angeschrien und ihn zum heulen gebracht. Jaja,
jeder normale Mensch, hätte dem Baby den Rücken getätschelt und nach
gesehen ob etwas nicht in Ordnung war. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich das
auch getan hätte, oder? Und man muss sich schließlich immer treu bleiben,
das sagt Mama zumindest immer. Apropos Mama, wo sind unsere Eltern
eigentlich? “Jamie, wo sind Mama und Papa eigentlich?”
“Na, die machen Urlaub auf den Bahamas. Schon vergessen? Das haben
sie uns schon vor drei Monaten gesagt.” Wenns mehr nicht ist. Ich zuckte mit
den Schultern und schrieb Reba und Lora eine SMS, dass wir uns vor der Mall
treffen würden, weil mein Bruder mitkommen würde.
**********
“Wieso kommst du eigentlich mit?”, fragte ich meinen Bruder, als wir im
Auto saßen.
“Wieso nicht?”
“Weil wir shoppen gehen. Dir ist schon bewusst, dass du meine Einkäufe
tragen und bezahlen wirst oder?”
“Ich weiß.” Hä? Normalerweiße würde er das doch nur über seine Leiche
machen. Also, dass sagt er immer, aber er tut es trotzdem, naürlich nicht
ohne vorher lautstark zu protestieren. Und das tat er nur, weil er mich liebte.
Er hat schon viele Dinge, nur aus Liebe zu mir gemacht. Ich erinnere mich
noch genau , als ich einmal vom Fahrrad gefallen bin, da war ich vielleicht 5,
mein Knie hat geblutet und ich hatte schreckliche Angst. Jamie, ist sofort raus
gestürmt, als er mich weinen hörte. Er hat mich beruhigt, über meinen Kopf
gestrichen und mir zugeflüstert, dass alles gut sei. Als ich mich wieder
beruhigt hatte, nahm er mein Fahrrad in die eine und meine in die andere
Hand. An dem Tag war er noch den ganzen Tag, bis es dunkel wurde bei mir
und hat mir beim Fahrrad fahren zu gesehen und sich kein einziges Mal
beschwert. Er war da und das war das wichtigste. Verdammte scheiße, wieso
psychoanalysierte ich hier die Liebe meines Bruders mir gegenüber? Der
Kaffeeentzung tut mir echt nicht gut, dachte ich und schüttelte meinen Kopf.
“Komm schon, sag Mama was los ist”, sagte ich und verstellte meine
Stimme, wie unsere Großmutter, die sich immer Mama nannte. Ich hatte keine
Ahnung warum sie das tat. Wie es ihr wohl geht?
Jamie, grinste und seufzte daraufhin erschöpft. “Wir werden, sobald du
zum Vampir wirst nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen können und
das heute wollte ich ein bisschen ausnutzen”, sagte er.
“Wieso werden wir uns nicht mehr so oft sehen?”
“Weil, du deine Kräfte trainieren musst, falls welche vorhanden sind, dann
musst du zum Amour-Ball, so wie ich auch, um deinen Gefährten kennen zu
lernen. Und danach geht alles drunter und drüber”, sagte er.
“Wie meinst du das es geht alles drunter und drüber?”
“Na, du musst dich, bei einer Zeremonie mit ihm Verbinden. Dann seit ihr
so zusagen verheiratet und du ziehst in sein Heim ein, dass ist so”, sagte
Jamie.
“Wieso sollte ich bei ihm einziehen?” Das kann er schön vergessen!
“Weil es so vorher gesehn ist. Und, du wirst es wollen.”
“Woher willst du das wissen?”
“Weil du dich in deinen Gefährten verlieben wirst. In der ersten Sekunde an
und er auch in dich.” Oh, menno, das klingt ja wie in diesen ganzen
Kitschromane, wenn der Typ, das Mädchen sieht und alles um ihn herum
verstummt und unwichtig wird. Liebe auf den ersten Blick. Kotz. Würg.
“Jamie! Was wenn der Typ ein Hippie ist und keinen Kaffee trinkt,
geschweige denn mag und mich auch zwingt so ´nen Dreck zu trinken? Oder
wenn das so ein Sonnenschein wie du ist?!”, fragte ich ihn voller Panik und zog
ihn an seinem Kragen, weil wir schon auf dem Parkplatz stehen, zu mir rüber
um ihm in die Augen sehen zu können. “Oder schlimmer! Justin Bieber fan!”
“Lass mein Hemd los, das ist Calvin Klein. Und worüber du dir Gedanken
machst”, sagte er lachend.
“Lach nicht so dämlich, du hrinloser Blutsauger! Ich brauche einen großen
Latte Macchiato, Schokolade und gaaanz viele Schuhe um mich wieder zu
beruhigen”, zählte ich ihm auf, während wir aus dem Auto stiegen. Er nickte
nur und wir machten uns auf den Weg zu meinen Freundinen, dir grinsend auf
uns warteten. Innerlich schlug ich mir gegen die Stirn. Das Gesabber geht ja
jetzt los. Vielleicht sollte ich noch schnell reingehen und ihnen Lätzchen
besorgen, damit sie sich beim Sabbern die Klamotten nicht schmutzig
machen. Mit mir stimmt heute eindeutig etwas nicht, denn so sozial denke ich
normalerweiße nie.

“Hey, Mädels”, begrüßte ich dir zwei.
“Hey”, gaben sie schwärmerisch zurück und sahen meinen Bruder an.
“Hey”, gab er zurück.
**********
4 Stunden Power-Shopping, sabbernde Hühner, kichernde Idiotinen,
nervende Brüder, eine neue Kaffeemaschine und viiieeeele Schuhe später,
kamen Jamie und ich gut gelaunt nach Hause zurück. Obwohl, gut gelaunt
war nur ich, denn mein Bruder schleppte alle meine Tüten, während ich
meinen Kaffee genoss und gemählich die Haustür aufschloss. “Nie wieder”,
stöhnte er. Jaja, das sagtste jedes Mal.

“Hi, Jungs”, trällerte ich gut gelaunt durchs Haus, woraufhin ich natürlich
sofort ein paar skeptische Blicke zugeworfen bekam.
“Was ist den mit dir passiert?”, fragte Jason.
“Ich bin glücklich”, sagte ich.
“Wieso?”
“Ich habe einen großen Kaffee in der Hand, neue Schuhe und eine neue
Kaffeemaschine, die mein toller Bruder gerade aufbaut”, sagte ich grinsend.
“Freut mich das du so glücklich bist”, grinste er.
“Nicht wahr?” Ich lehnte mich zurück und genoss die Still, die natürlich
nicht lange anhielt. Denn das wäre ja auch zu schön um war zu sein, oder?

“Ana, ich glaub wir haben ein klitzekleines Problem mit der
Kaffeemaschine”, zeriss Jamie, dir wunderschöne Stille.
“Was den für…”, fing ich an und hielt abrupt inne, als ich sah das statt
einer Kaffeemaschiene sah ich da ein Ding, das so ähnlich wie so ein Alien aus
dem Film Transformers aussah. Das sieht aber nicht aus wie eine
Kaffeemaschine! “Was hast du gemacht?”
“Die Anleitung war auf Chinesisch! Kann ja kein Schwein wissen, dass es so
schwer ist ´ne Kaffeemaschine zusammen zu bauen.”
“Wieso hast du nicht Jason gesagt, dass er es zusammenbauen soll?”
“Ich kann so was auch!”
“Jamie, was ist letztes Mal passiert, als du deine Handwerkerfähigkeiten
unter beweis stellen wolltest?”
“Die Bettgeschichte kann doch nicht wirklich dazu gezählt werden.” Er
schnaufte beleidigt.
“Alter, ich hab statt ´nem Stockbett ein Lagerfeuer im Zimmer gehabt!
Erklär das mal!”
“Das war….das war…”
“Das war was?” Jamie kratzte sich am Hinterkopf.
“Ähm…ach halt doch die Klappe”, sagte er und verließ die Küche
schmollend. Wie das aussieht, wenn ein 1,90 m großer Muskelberg schmollt?
Zum schießen!



Kapitel 6

“Wieso schmollt Jamie denn?”


“Er hat versucht die Kaffeemaschine zusammen zu bauen, tja,
rausgekommen dabei ist ein….ein Ding, das so aussieht wie aus
Transformers”, versuchte ich meinem Bruder zu erklären.
“Wieso hat es denn nicht gewartet, dass ich das mache?”
“Du kennst ihn doch. Es heißt dann immer: Ich kann das auch”, sagte ich
und vertstellte bei den letzten vier Wörten meine Stimme so, dass sie nach
meinem Bruder klang. Der wahrscheinlich noch immer in seinem Zimmer saß
und rumschmollte. Ich versteh manchmal nicht, wie er jedes Mal eine Frau um
seinen Finger wickeln kann. Also, wenn der sich so aufführt wie jetzt, dann
verstehe ich es nicht, aber wenn er seinen Charme einsetzt. Und ich mein
schlecht sieht er ja nicht aus, so wie die Weiber ihm immer hinterhersabbern.
“Was machen wir heute?”
“Sag mal hattest du heute keine Schule?”
“Nö, Lehrer haben ´ne Weiterbildung, aber morgen wieder.”
“Was willst du denn noch machen?”
“Weiß nicht. Wie wär’s mit Party?”
“Wenn du morgen wieder Schule hast?”
“Stimmt, dann hab ich wieder Kopfschmerzen und bring wieder wen zum
heulen.” Jason nickte nur. “Okay, ein anderer Vorschlag. Ich bestell Pizza und
du erzählst mir was über dieses ganze Vampirzeugs, okay?”
“Können wir machen.”
**********
“Wouw, es gibt wirklich Vampire, die so was können?” Ich starrte meinen
Bruder verblüfft an, der mir gerade erzählt hatte, das es Vampire gab, die
Dinge zum Brennen bringen konnten. Na gut, eigentlich konnte das nur einer
und zwar ein König oder so. Ich weiß es nicht mehr, aber ist ja auch egal,
oder?
Ein Klingeln an der Tür riss mich aus meiner Verblüffung. Das muss der
Pizzaman mit meiner heißen Pizza sein. Ich steh auf Pizza. Da mein Bruder
keine Anstalten machte aufzustehen und meinem Date, also der Pizza, die Tür
zu öffnen, musste das, wohl oder übel, ich machen. Stöhnend machte ich
mich auf den Weg um die Tür zu öffnen. “Wo ist der Pizzaman?”, fragte ich
misstrauisch, als ich die zwei großen, heißen, muskulösen Typen in der Tür
standen sah. Sehen eigentlich alle Vampire so gut aus? “Habt ihr ihn
ausgesaugt? Das war aber gar nicht nett. Ihr hättet wenigstens….Oh, da is er
ja”, sagte ich und erblickte den Mann der unsere Auffahrt hinaufgeschlendert
kam und ingnorierte dabei die Typen, die mich ansahen, als ob ich gerade
verkündet hätte, das ich Kaffee hasse. Ich nahm dem verdutzt
dreinblickenden Jungen die Pizzen ab und ging unsere Auffahrt wieder hoch.
“Jason, gib dem Mann sein Geld”, wandte ich mich an meinen Bruder, der nun
ebenfalls aufgetaucht war.
“Oh Baby, ich liebe dich ja so sehr”, fing ich an und öffnete die
Pizzaschachtel, die ich auf dem Wohnzimmertisch abgestellt hatte. Zwar nicht
so sehr wie meinen Kaffe oder die Pancakes, aber es ist trotzdem Liebe.
“Wer ist das?”, ertönte die Stimme, von einem der Typen. Er hatte
dunkelblonde Haare, stechend grüne Augen, Muskeln, die sich deutlich unter
seinem T-Shirt abzeichneten, ein wunderschönes Gesicht, eine sexy
Ausstrahlung und war 1,95 m groß.
“Dieses reizende Geschöpf, ist meine Schwester Anastasia”, antwortete
Jason. Reizendes Geschöpf? Der hat sicher scheiße gebaut! Ich zog eine
Augenbraue hoch und musterte ihn misstrauisch.
“Willst du uns gar nicht vorstellen?”, fragte der Andere, der schwarze
Haare und blaue Augen hatte und nicht minder attraktiv war, als der andere.
Aber etwas fehlte dieses mal. Es war die Ausstrahlung. Während sie beim
Blonden sex, autorität und stärke ausstrahlten, strahlten sie bei diesem
abenteuerlust, übermut und fröhligkeit aus.
“Ana, das sind Valentin”, er deutete auf den Blonden. “Und George.”
George? George der Vampir?! Ach, komm schon Gerogy, Baby, beiss mich
nicht! Ich kicherte und ignorierte die stutzigen Gesichter der drei und fing an
über meine Pizza herzufallen. “Sag mal, Jason, müssen Vampire eigentlich
was essen?”
“Nein, eigentlich nicht, aber durch das normale essen können sie ihren
Blutdurst ein bisschen stillen.” Interressant. Das heißt ja dann eigentlich, dass
er nichts essen muss uns seine Freunde auch nicht. Das heißt doch dann das
die ganzen Pizzen für mich sind, oder? “Ich kenne diesen Ausdruck, nein, du
darfst meine Pizza nicht haben.”
“Menno. Naja, egal. Woher kennt ihr meinen Bruder?”
Die beiden sahen mich verdutzt an. “Er arbeitet für mich”, antwortete
Blondie.
Ich zog die Stirn kraus. “Du”, sagte ich und deutete auf den Blondschopf.
“Bist sein Chef?”, sagte ich und deutete dieses Mal auf meinen Bruder. Beide
nickten. “Aber du bist doch so….ah ja, genau, du bist ja ein Vampir”, sagte ich
und schlug mir mit der Hand gegen die Stirn.
“Weiß sie es nicht?”, fragte Blondie meinen Bruder.
“Was weiß ich nicht?”
Jason ignorierte mich und antwortete Valentin stattdessen, “nein, tut sie
nicht und vertrau mir, dass willst du ihr nicht sagen. Sie wird es früh genug
erfahren und ich hoffe für alle Beteiligten, dass sie nicht in der Nähe sind,
wenn sie es erfährt.”
“Was erfahren? Jason, ignorierst du mich gerade?” Er schaute nur zur
Decke und fing an zu pfeifen. Das ist ja auch total unauffälig. “Gut. Wo ist
Jamie, diese Pfeife?”, fragte ich und erhob mich vom Boden. Au mein Arsch
hat sich verkrampft. Nicht schön, gar nicht schön.
“Wieso gehst du so komisch?”, fragte mich Geroge der Vampir.
“Mein Arsch ist eingeschlafen”, knurrte er. Ich hörte mehrere leiße Lacher
hinter mir. Ich drehte mich um und starrte sie böse an. Das Lachen
verstummte und sie sahen “unauffälig” gegen die Decke und fingen an zu
pfeifen. “Jamie, mein Schatzischnuckihasibärchen schwing deinen Arsch
runter!” Nichts passierte. Jetzt sind wohl meine schauspielerischen Fähigkeiten
gefragt! Ich legte all meine Gefühle in diesen Ausruf und stellte mir vor, dass
ich kurz davor war vergewaltigt, verschleppt und zerhackstückelt zu werden.
“JAMIIIIIEEEEE!”, kreischte ich. Just in the moment passierten zwei Dinge die
Jungs vielen vom Sofa und Jamie polterte die Treppe runter. Ich legte meinen
Kopf schief und sah meinen Bruder an, der vor meinen Füßen lag und
ziemlich verschlafen wirkte. Upsi.
“Scheiße, Ana, ich dachte es wäre was passiert.”
“Is es ja auch. Pizza ist da und Jason verschweigt mir was, außerdem habt
ihr Besuch. Bist du in deinem Sarg gelegen und hast dich ausgeruht um heute
Nacht noch auf Beutezug gehen zu können?”
“Hahaha, ich lach micht tot. Ich hab geschlafen.”
“Oder geschmollt”, mumelte ich. “Na egal, komm mit ins Wohnzimmer.”
“Hey, Jungs”, hörte ich Jamie hinter mir sagen.
“Hey, Jamie.”
“Also los, was verschweigt ihr mir”, ich sah alle vier vorwurfsvoll an. Und
was taten diese Quadratschädel? Na, drei Mal dürft ihr raten. Die sahen -
ganz unauffällig natürlich - gen Decke und fingen an zu pfeifen. “Hört mal,
ihr vier Neandertaler, ich finde es gar nicht toll, wenn ihr etwas über mich
wisst, dass ich nicht weiß”, schrie ich die vier an, die daraufhin
zusammenzuckten.
“Wir gehen dann mal”, sagte Valentin. Valentin und George standen auf.
“Hinsetzen”, knurrte ich.
“Jason, ich schwöre es bei meinen geliebten Manolo Blahnik’s, dass wenn
du mir nicht gleich die Wahrheit sagst, ich die neue Kaffeemaschine nehmen
werde und sie dir so oft über den Schädel ziehen, bis du auf Jamies geistigem
Stand bist, comprende?”
“Scheiße, die meints echt ernst, wenn sie ihre Schuhe UND die
Kaffeemaschiene mit rein zieht”, murmelte Jason den andern zu. Jamie
schmollte wegen der Beleidigung.
“Darauf kannst du Gift nehmen, Bruderherz!”
“Wir dürfen es dir nicht sagen, Ana, wirklich nicht. Du wirst es nächste
Woche Samstag sowieso erfahren”, sagte Jason. Ach, scheiß doch die Wand
an.
“Na gut”, knurrte ich und aß meine Pizza weiter.
Kapitel 7


“BRIIIIINNNNNGGGGGG! BRIIIIINNNNNGGGGGG! BRIIIIINNNNNGGGGGG!”
“Zum hundertsten Mal, du kleines, hässliches Plastikding. HÖR AUF SO
SCHEßE RUMZUNERVEN!”, schrie ich meinen Wecker an. Ja, ich weiß bringt sich
viel, wenn das Ding kein Lebewesen ist. Aber trotzdem! Aber was machte
mein Herzallerliebster Wecker? Ja, der klingelte Seelenruhig weiter. “Jetzt
reicht’s!” Ich stand auf, nahm meinen Wecker und ging runter damit. In der
Küche fand ich ein Nudelholz, welches mit meinem Wecker unbedingt
Knutschen wollte. Bitte, dann soll es doch, wenn es unbedingt will.
“Ana, wieso machst du so ´nen Lärm?”, fragte Jason, der nur in
Boxershorts am Türrahmen lehnte.
“Das da”, sagte ich und zeigte auf den Wecker, der nie wieder so wie früher
aussehen wird. “Hat mich bei meinem Nümmerchen mit dem Bett gestört!”,
schmollte ich. Ich brauch ´nen Kaffee.
“Aha. Musst du nicht in die Schlule?”
“Hab in der ersten Stunde frei. Musst du nicht arbeiten?”
“Nö, hab frei.”
“Sag mal, jetzt wo du wach bist, könntest du mir doch ´nen Kaffee
machen, während ich mich fertig mache oder?”, fragte ich zuckersüß.
Er nickte nur und ich stürmte nach oben. Ich band mir meine Haare zu
einem lockeren Pferdeschwanz, zog eine helle super skinny Jeans an, einen
grauen Hoddy mit dunkelroter Aufschrift und meine weißen Chucks. “Fertig”,
sagte ich unten in der Küche angekommen. Duft von Kaffee strömte mir
entgegen. Mhmm. “Süß”, kommentierte mein Bruder meinen Aufzug. Ich
zeigte ihm meinen Mittelfinger, ich wollte nicht süß wirken. Ich wollte
unscheinlich und durchschnittlich wirken, weil ich das noch nie war, noch nie.
Ich hatte noch nie Gewichtsprobleme, noch keinen einzigen Pickel, ja nicht
mal Mitesser, meine Haare waren noch nie Kaputt, sonder glänzten immer wie
scheiße und von meinen Augen, müssen wir gar nicht anfangen. Ich meine,
welcher Mensch hat schon weiße Augen mit schwarzen Ringen herum? Ich
kenn keinen, also außer mich.
“Dein Wagen wurde gestern Nachmittag gebracht, habs ganz vergessen dir
zu sagen.” Ich nickte nur. “Wo ist den Jamie?”
“Hier”, hörte ich eine Stimme neben meinem Ohr. “Scheiße, Junge, ich hätte
fast meinen Kaffee verschüttet”, knurrte ich, während die zwei Schwachmaten,
die sich Brüder schmipften, sich einen ablachten. “Ich geh dann mal.”
“Warte, du kriegst noch einen Kuss”, sagte Jamie, immer noch lachend.
Irgendwie schaffte es Jamie, mir einen fetten Schmatzer auf die Wange zu
drücken bevor ich das Haus verließ.
**********
Ich hatte die Fahrt zur Schule - oh Wunder, oh Wunder - heil überstanden
und dieses Mal KEINE Massenkarambolage verursacht. Ich mein, dass kann
doch jedem passieren oder? Shit happens. Ich liebte Tage an denen ich in der
ersten Stunde frei hatte. Wieso? Weil ich länger schlafen konnte und weil fast
keine Schüler auf dem Schulhof sind. Ruhe. Wunderschöne Ruhe. “Ana”, hörte
ich Tracy’s piepse Stimme. Die Schulschlampe schlechthin. Ja sie ist so, wie ihr
euch eine waschechte Schulschlampe vorstellt. Silikontitten, Botoxlippen, zu
kurzer Rock und zu hohe Schuhe. Oh, die zugekleisterte Make-up Fresse
natürlich nicht vergessen. Und Puff! Weg ist die Ruhe. Dabei waren wir doch
dabei uns grade erst kennen zu lernen. Unsere Beziehung war doch noch so
frisch und unschuldig.
“Was?!”, fragte ich für meine Verhältnisse nett.
“Woher kennst du denn Hunter, Luca und Tyler?”, fragte sie honigsüß.
“Von der Schule.”
“Ja, aber wieso waren die denn bei dir zu Hause?”
“Frag sie doch einfach selber”, sagte ich zuckersüß. Und verpiss dich von
mir! Was will sie von mir? Ihr Gesicht reicht um Wutanfälle auszulösen!

“Aber die sind doch noch nicht da”, schmollte sie. Ist das jetzt mein
Problem?

“Dann musst du wohl oder übel warten!”, keifte ich sie an und ging an ihr
vorbei ins Schulgebäude.
**********
“Was ist dir denn über die Leber gelaufen?”, fragte Hunter in der
Mittagspause, als er sich zu mir setzte.
“Tracy.”
“Oh, wieso wollte die wissen was ich und die Jungs bei dir zu Hause zu
suchen hatten?”
“Ich hab keine Ahnung. Wahrscheinlich hatt sie auf ´nen Fick mit einem
von euch drein gehofft.”
“Oh. Die is aber nicht mein Typ. Zu viel Silikon und Plastik.”
“Und zu wenig Gehirn und Selbstachtung”, gab ich hinzu. “Genau”, lachte er.
“Wieso ziehst du dich eigentlich immer so ´normal´ an?”, fragte er mich
plötzlich. Wie kommt der denn jetzt darauf?

“Weil ich normal sein will.”
“Du weißt aber schon, dass du nicht normal bist, oder?”
“Ja, ich mein, welcher Vampir ist denn schon normal? Ich weiß das wir
anders sind, aber ich will das nicht! Ich will durchschnittlich sein. Ich will ab
und zu einen Pickel haben, ich will kaputte Haare haben, ich will ein bisschen
Speck um die Hüften, weil ich so viel esse. Ich weiß, dass hört sich jetzt
behindert an, aber ich will einfach mal ganz normal sein.” Ihr denkt euch jetzt
sicher. Die alte ist doch behindert. Ihr perfektes Aussehen, das sich
wahrscheinlich jede Frau wünscht tauschen gegen ein normales ich. Aber man
fühlt sich auf Dauer echt nicht gut dauernd so…so…perfekt zu sein!
Hunter sah mich verblüfft an. “Ich weiß was du meinst”, gab er
schlussendlich zu. “Es ist nicht immer einfach eines der begehrtesten Objekte
zu sein. Aber so sind wir nun mal und daran können wir auch nichts ändern.”
“Du hast recht. Naja, egal, wo sind den Trick und Track?”
“Machen mit irgendwelchen Weibern rum, weiß nicht”, er zuckte hilflos mit
den Schultern.
“Und warum bist du nicht dort?”
“Du weißt ja das der Amour-Ball nächstes Wochenende stattfindet.” Ich
nickte. “Das lernen wir ja alle unsere Gefährten und Gefährtinnen kennen und
ich will sie so zu sagen nicht betrügen.” Oh man, das ist ja voll süß, würde ich
sagen, wenn ich eine Romantikerin wäre, was ich ja nicht bin, also verließ
stattdessen etwas anderes meinen Mund. “Das klingt ja so was von…schwul.”
“Was?!”
“Ja, dass klingt schwul. Ich bitte dich, als ob deine Zukünftige nicht gerade
die Sau raus lassen würde.”
“Woher willst du das wissen?”
“Intuition? Aber auf der anderen Seite könnte es sein, dass du einen
unschuldigen Engel bekommst, dann wäre es natürlich scheiße von dir, wenn
du die Sau raus lassen würdest. Aber wie sagt man so schön: No risk, no fun.
Vertrau auf dein Bauchgefühl.” Wow, so ´ne psychologenscheiße geb ich ja
normalerweiße nicht von mir. “Hunter, sag mal verändert man sich irgendwie
vor dem Ball?”
“Wie meinst du das?”
“Na, vom Wesen her. Benimmt man sich irgendwie anders. Ich zum Beispiel
bin viel netter geworden.”
“Ja, das ist dann aber nur so, wenn du deinen Gefährten dieses Jahr auf
dem Ball triffst. Man spürt es und deshalb schmeiße ich mich nicht an
irgendein Weib ran. Luca und Tyler spüren das nicht, dass bedeutet das deren
Gefährtinnen entweder noch nicht geboren oder noch nicht gewandelt
wurden.”
“Krass.”
“Mhmm”, machte er nur und aß weiter. Heißt das, dass ich jetzt zu so ´nem
Kuchelwuschelschnuckihasibärchen werde?! Gott bewahre!
“Inwiefern werde ich den Anders werden?”, fragte ich misstrauisch.
“So ziemlich das komplette Gegenteil”, sagte er und zuckte mit den
Schultern. WAS?! So etwas hat aber keiner erwähnt! Halt stopp! Jetzt weiß ich
was der kleine Arsch Jason mir verschwiegen hat. Ich sollte schnell nach
Hause und ihn zur Schnecke machen, bevor ich entgültig zu so einer netten
Truller werde, die Pätzchen für ihre Nachbarn macht und Geld auf der Straße
für die Armen sammelt.
“Kannst du Mr. Blake sagen, dass mir schlecht war und das ich nach Hause
gegangen bin? Danke.” Danke? Gott, es fängt schon an.
**********
“Jason? Jamie? Seit ihr da?”
“Im Wohnzimmer”, hörte ich Jason rufen. Oh, der kann sich auf was
gefasst machen.
“Jamie, du hässlicher Flummi, du hättest mir gleich sagen können, dass ich
mich in irgendso eine nette Barbie, bis zum Ball, verwandeln werde”, sagte
ich, scheiße ja, freundlich zu ihm.
“Wouw”, sagte er und schien von meinem Ton etwas irritiert zu sein. Tja,
Kumpel, mir gefällt die ganze Sache hier auch nicht! Überhaupt nicht!

“Jamie!”
“Ja?” Er kam aus der Küche rein geschlendert.
“Es fängt an”, sagte er und deutete auf mich.
“Cool. Kann ich dich jetzt einmal umarmen ohne Angst davor zu haben
danach eine reigehauen zu bekommen?” Schieb mir gleich einen Stock in den
Arsch.
“Nein, so weit ist es noch nicht gekommen!”
“Och, menno.” Kumpel, was hast du nur mit deinen Umarmungen? Du bist
wie ein riesengroßer Teddybär!
“Wieso verändert ihr euch eigentlich nicht?”
“Das ist nur bei Frauen so, Männer bleiben so wie sie sind.” Des ist doch
unfair!
“Wenn ich wieder richtig gemein bin werdet ihr das richtig zurück
bekommen. Und ich hoffe für euch, dass das wieder weg geht!”
“Das hört sich an, als ob du von einer schlimmen Krankheit sprechen
würdest.”
“Ist es ja auch. Wenn das nicht weg geht, dann werde ich euch mal mit
meiner nettigkeit ersticken, ihr idiotischen Cupcakes! Seht ihr! Sogar meine
Beschimpfungen klingen…nett! Grausig!”, rief ich aus und stampfte die Treppe
hinauf.
**********
“Ana, kommst du mal runter?”
“Jaha”, trällerte ich fröhlich. Verdammt! Ich verfluche dich du gute Laune,
die ich eigentlich nicht haben will!
“Habt ihr das gehört Jungs?”, fragte Jamie, als ich unten ankam.
“Scheiße, dass ich das noch Mal erleben darf!”, lachte Allan.
“Halt den Mund, du Evolutionsbremse, noch bin ich nicht ganz nett”, sagte
ich zuckersüß. Yeah, noch setckt etwas böses in mir!
“Schade, aber das kommt noch, meine süße”, sagte er grinsend.
“Halt den Mund, du Eunuch im Neoprenanzug!”
“Sie fährt wohl harte geschütze auf.”
“Sowas von, du arschgeficktes Eichhörnchen. Bevor ich gänzlich nett
werde, wirst du der Homo-Fürst der Finsternis.”
“Hau alles raus, Sonnenschein. Du wirst es für die nächsten drei Tage
brauchen”, sagte Jamie fett grinsend. Wow, ein Schimpfmarathon, der meine
sadistischen Gelüste für die nächsten drei Tage reichen soll. Das könnt ihr
haben!
”Ihr Steckdosenbefruchter, Sperrmarutschen, Fickfehler, Karusselbremser,
Teflongesichter, Fettgondeln, Hodenkobolte, Fotzenfigaros, Vorhautparasiten,
Doofmannsgehilfen, Dreckslappen, aufgeplatzte Kondome, Wichsfehler, bei-
Telletubbis-Orgasmus-krieger, Intelligenzallergiker, hässliche Flummis
und Gesichtsgrätschen. So das wars dann mal bis Sonntag!”


Kapitel 8

Am nächsten Morgen, werde ich von nervigen Vögeln, die an meinem


Fenster sangen und von Kindern, die glücklich und vor allem LAUT draußen
herumtollten. Kann es sein, dass ich doch nicht nett geworden bin? Also, geil
wäre es! “Guten morgen, Kinder”, begrüßte ich die spielenden Kinder gut
gelaunt. Verdammter Bockmist! Dabei wollt ich die kleinen Scheißer doch
zusammenscheißen. Schrecklich! Jetzt kann ich sie nur in Gedanken fertig
machen. Das werden harte drei Tage werden.
“Guten Morgen Jamie”, sagte ich und gab ihm FREIWILLIG einen Kuss auf
die Wange. Er sah mich schockiert, bewundernd und glücklich an. Gewöhn
dich lieber nicht dran!
“Guten Morgen, Jason.” Auch ich begrüßte ich mit einem Küsschen. Das
werden richtig harte Tage werden!
“Wie fühlt es sich an ´normal´ zu sein?”, fragte Jason lachend.
“Gut.” Scheiße! Echt scheiße, du Gesichtsgulasch.

“Du kochst innerlich, habe ich Recht?”


“Nein. Ich bin vollkommen ausgeglichen.” Ich koche nicht, nein, ich
explodiere, du Klobrillenschlecker!
“Möchtest du einen Kaffee?”
“Nein, danke, ich nehme einen Tee”, sagte ich. Oh, scheiße, dass ist echt
schlimmer, als gedacht. Ich bin ja sowas von am Arsch.
Jason und Jamie hielten in ihren Beweungen inne und starrten mich mit
offenen Mündern an! Ja, das würde ich jetzt auch gerne machen, aber ich
trinke gerade meinen Tee! Tee! Findet den Fehler! “Jamie, wir sind ja sowas
von gefickt, wenn sie wieder normal ist.”
Ich schüttelte nur meinen Kopf. “Nein, seid ihr nicht.”
“Wir sind sowas von dran”, murmelte Jamie. Darauf kannst du wetten, du
Gesichtselfmeter!
**********
“Guten morgen”, trällerte ich meinen Freundinnen Reba und Lora
entgegen, die meine Brüder, die mich beide hergebracht haben, schmachtend
ansahen.
“Hey”, gaben die zwei träumerisch von sich, als ich vor ihnen mit Jamie
und Jason im Schlepptau zum stehen kam.
“Ja, die zwei sehen heute echt einfach zum anbeißen aus, nicht
war?” Wieso hört mein Mund nicht auf das, was mein Hirn ihm vorgibt?!
Lora und Reba nickten und sahen mich verdutzt an. Ja, ich hätte auch nie
gedacht, dass es mal zu so was kommen würde! “Du hast sogar ein Kleid an”,
staunte Reba.

“Ja, ein weißes, weil das meine Augen so toll hervorhebt und die Farbe so
hell ist.” Das wird ja noch schlimmer! Ich schwärme von Farben! Farben! Was
kommt als nächstes? Das ich Tracy ein Kompliment mache? Nehmt einen
Vorschlaghammer und poliert mir damit meinen Hinterkopf. Bitte.
“Guten Morgen, Jungs!” Hunter, Tyler und Luca sahen mich verwirrt an.
Doch als sie begfriffen was los war fingen sie an zu lachen. Hahaha, ihr scheiß
Schrumpfköpfe!
“Na, Sonnenschein, wie gehts?”, fragte Tyler mich immer noch grinsend.
“Toll.” Beschießen. Mit einem seeligen Lächeln auf den Augen schlenderte
ich den Weg entlang zur Schule. Am liebsten würde ich mir für dieses Lächeln
die Fresse einschlagen.

“Hey”, hörte ich Brad neben mir sagen. Er war der Typische Mädchenschwarm.
Quaterback, groß, strahlendes Lächeln, muskeln und reiche Eltern. Ihn habe
ich mir nur von Hals halten können, weil ich ihn jedes Mal böse angesehen
habe, als er mich angegrinst hat. Hat doch gut funktioniert, aber jetzt geht
das natürlich nicht, weil ich dieses verdammte Grinsen nicht abstellen kann.

“Hi”, gab ich scheiße-freundlich zurück. Sein grinsen wurde natürlich noch
breiter. Also bitte, du Blödbommel, als ob ich wirklich mit dir flirten würde.

“Das ist das erste Mal, dass du mir keinen bösen Blick zuwirfst, wenn ich
versuche mit dir zu reden.” Und ich wünschte wirklich es wäre so
geblieben. Ich lächelte dennoch weiter. “Hättest du vielleicht lust mit mir
auszugehen?”
Nein, du fetter Pinguin! NEIN! NEIN! NEIN! Doch was verließ stattdessen
meinen Mund? “Ja, gerne.” Ja, gerne? Echt jetzt?! Echte jetzt?!!! Verdammte
Kuhscheiße, so ein Mist passiert aber auch nur mir!
“Cool. Ich hohle die am Freitag um 8 Uhr ab, meine Schöne”, sagte er und
gab mir einen Kuss auf die Wange. Du scheiß Fußboden abschlecker!
“Was war das den?”, fragte Hunter, als er bei mir ankam.
“Ich gehe am Freitag mit Bradley aus”, sagte ich, als sei es die normalste
Sache auf der Welt. Mein Leben ist total am Arsch. Also bis Samstag. Und
sobald ich meinen Gefährten kennen gelernt habe, werde ich diesen miesen
kleinen Scheißkerl einen Kopf kürzer. Immerhin trinke ich wegen diesem
Blödbommel Tee! Tee! Da verdient er es doch eine in die Fresse zu bekommen
oder? Ja. Schön, dass mein Gewissen noch auf meiner Seite ist. Eine
Gewissens-High-Five, Kumpel!
Hunter fing an zu schmunzeln! “Ich weiß, dass ich es bereuen werde sobald
du wieder die “echte” Anastasia und nicht dieses Tee trinkende
Gummibärchen, bist aber wie wäre es mit einem Tee, Sonnenschein?” Ach, fick
dich doch, Hunter!
**********
“Was?! Sie hat wirklich Tee statt Kaffee getrunken”, lachte Allan und sah
mich verblüfft an. Ja, lach nur du Hängo, aber du wirst es auch noch bereuen.
“Allan, sie wird nicht immer so nett bleiben, also mach den Mund lieber
nicht so weit auf”, warnte ihn Jason.
Doch Allan lachte weiter. “Ich bitte dich so eine Chance kriege ich nie
wieder!” Oh, du hässlicher Affenarsch! “Na, meine süße, wie war dein Tag in
der Schule?”
“Toll.” Lüge! Ich meine Hallo! Ich war freundlich und das zu wirklich jedem!
Und wenn ich sage jeden, dann sage ich jeden! Sogar zu Tracy! Ja, sogar zu
Affentittchen, das ist mein neuer Spitzname für sie.
“Wirklich?”, fragte er belustigt.
“Ja, ach, übrigens ich gehe morgen mit Bradley aus.”
Jason, spuckte seine Cola, die er gerade erst getrunken hatte wieder aus
und fing an zu husten. Ich klopfte ihm auf den Rücken und fragte ob alles in
Ordnung sei. Doch gedanklich dachte ich, stirb, du Atomspast. Stirb. “Du wirst
nicht mit ihm ausgehen”, herrschte Jason mich an.
“Wieso denn nicht?”, fragte ich wie ein dummes Blondchen.
“Weil du morgen Abend gewandelt wirst um am Samstag am Ball
teilnehmen zu können!”
“Oh”, machte ich nur. Ich komme mir gerade so Blond vor, obwohl ich
schwarze Haare habe. Hier läuft doch was schief. Und zwar gewaltig.
“Sagt mal Leute, kommt euch das nicht komisch vor, dass Ana so eine
krasse Wandlung an den Tag legt?”, fragte Hunter, als ob er meine Gedanken
gelesen hätte.
“Ich habe mich das auch schon gefragt, dass einzige was die ganze Sache
erklären würde, wäre, dass ihr Gefährte sehr mächtig sein muss. Desto
stärker die Wandlung, desto mächtiger der Gefährte”, gab Jason zu
bedenken. Na super, jetzt ist der Dauerlutscher, dem ich den Kopf abreißen
werde auch noch so ein “mächtiger” Idiot!
“Ich gebe Bradley schnell bescheid, dass ich morgen nicht kann”, sagte ich
und ignorierte die skeptischen Blicke der anderen. Yes, doch kein Date mit
dem Spasten!

“Wisst ihr was lustig wird?”, fragte Allan, als ich wieder da war, nachdem
ich dem Blödbommel abgesagt hatte.
“Was?”, fragte Jamie.
“Das Kennenlernen mit ihrem Gefährten”, lachte er. Oh, und wie das lustig
wird. Ich werde seinen dämlichen Kopf nehmen und ihn in seinen Arsch
stecken! Und zwar so tief, dass er ihm zum Hals wieder raus kommt. Kann
das sein, dass ich seitdem ich jetzt so “nett” bin, meine Gedanken brutaler
geworden sind? Kann das sein? Nö.

“Ja, ich hoffe das er nett ist”, sagte ich. Wieso muss sich mein Mund
eigentlich immer von selbst aufmachen?! Wieso sprudelt da in letzter Zeit nur
noch scheiße raus. Ja, ich hoffe das er nett ist? Wirklich? Eigentlich ist es mir
doch scheißegal ob der Dauerlutscher nett ist oder nicht! Hauptsache er kann
Kaffee kochen!

“Jungs, der ist ja sowas von dran, wenn sie wieder normal wird.” Ja und
das wird dann lustig werden.

“Der Kerl tut mir jetzt schon leid.” Ich tue mir selbst leid! Wieso denkt denn
niemand an das echte Opfer? MICH! Ich meine HALLO, ich bin jetzt
NETT! Dieses Wort, hat früher in meinem Wortschatz nicht existiert!

**********
Der Schultag am Freitag war der Horror. Ich war schon wieder so mega
nett und lieb. Und ich “musste” mit Brad reden, weil ich ihn ja versetzt hatte.
Hunter, hat mich wieder damit aufgeogen, dass ich nett war und jetzt Tee
trinken würde. Apropos ich hab sogar Tee mit Miss Pears getrunken. Die und
ihre scheiß esoterischen Tee’s und ob man es glaubt oder nicht - ich hätte es
nicht geglaubt - ich wurde danach noch netter und noch liebenswürdiger und
ich hab sogar jemanden getröstet, als er geweint hat. Alles in Allem, es war
der schrecklichste Tag, meines Lebens!
“Zieh das an und dann gehts auch schon los”, sagte Jason, als er in mein
Zimmer kam und mir eine schwarze satin Robe auf mein Bett legte. Wow,
jetzt seh ich aus wie dieser eine kleine Zwerg aus Star Wars! Oder war es Star
Trek? Und war die Robe nicht weiß? oder doch braun? Ach, ist doch
scheißegal.
“Bist du fertig?”
“Jaa!”
“Kommt ihr mit?”, fragte ich, als ich die anderen Jungs in derselben Roben
sah. Sie nickten zur Bestätigung. “Finde ich heute raus, ob ich irgendwelche
Fähigkeiten habe?” Sie nickten wieder. Ihr seit ja richtig gesprächig heute,
Jungs!


Kapitel 9

“Wow”, hauchte ich, als ich das monströse Schloss sah, dessen Auffahrt wird
gerade hoch fuhren. “Wem gehört dieses Schloss?”, fragte ich Jason.
“Dem König”, war sein antwort. Was ist denn mit den Jungs los? Die sind
doch sonst nicht so!

Zwei Minuten, nachdem Jason an der großen, massiven Kirschholtür
klopfte, öffnete ein Butler die Tür. Kein Vampir! Wieso ich das wusste? Er war
klein, hatte eine Halbglatze und war 50 Jahre alt. Und bisher sah jeder
Vampir, den ich getroffen habe, überirdisch schön aus. Er trat zur seite und
ließ uns ein. Jetzt wo es ernst wurde war die einzige Frage, die sich mir stellte
“Wann verdammt nochmal werde ich wieder normal werden? Des ist doch
scheiße so nett zu sein!”. Anstatt mich zu fragen wie das Leben als Vampir
wohl sein wird oder ob ich eine Fähigkeit habe und wenn ja, welche wird es
wohl sein? Doch das interessierte mich nicht, denn es würde ja nichts ändern.
“Okay, wir werden jetzt schon mal reingehen. Du wirst hier bleiben, in ein
paar Minuten, wird jemand kommen und dir Einlass gewähren, okay? Wenn
du rein gehts, dann gehts du den ganzen Gang entlang, halte den Blick
gesengt, bis der König dir sagt, dass du den Kopf heben darfst, okay?” Ja,
stell dir vor mein IQ ist höher, als der einer Barbiepuppe.

“Okay.”
“Wir sehen uns gleich”, sagte er und gab mir einen Kuss auf die Stirn bevor
er verschwand.
“Anastasia?”, hörte ich die Stimme einer Frau, nach fünf Minuten. Ich nickte
und sah ihr direkt in die Augen. Sie keuchte auf und sah mich verwundert an.
Jaja, es sind nur Augen, Frau, mach weiter, ich will das hier hinter mich
bringen und dann noch ein paar Pancakes futtern.

“Gut.” Sie räusperte sich. “Wenn ich jetzt die Tür aufmache, wirst du die
Hände vor dem Bauch verschränken, den Blick gesengt halten und bis nach
vorne gehen. Du wirst den Blick erst heben, wenn der König es dir befiehlt,
verstanden?” Ich nickte zur bestätigung.

Sie öffnete die schweren Türen und ich tat wie gesagt. Senkte den Blick
und verschränkte die Hände vor dem Bauch. Ich starrte auf den roten
Teppich, der unter mir lag und fragte mich, wer wohl dieser König war, vor
dem alle so viel Respekt hatten. Gut, er war der König. Aber wir lebten
schließlich im 21. Jahrhundert. “Sieh mich an”, hörte ich die schönste Stimme,
die mir je zu Ohren gekommen ist, sagen. Wenn der Rest so wie die Stimme
war, dann verstand ich es wieso er König war. Ich hob den Blick und das was
ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren und gleichzeitig ließ es mich
kochen, so heiß wie die Hölle. Das Gesicht war perfekt, er war ein Engel, ein
gefallener Engel. Die Gesichtszüge, wie in Stein gemeißelt. So schön und
muskulös wie er war, baute er sich in voller größe vor mir auf. Er sah mir
direkt in die Augen und da geschah es. Es ist nicht so wie in diesen ganzen
Kitschfilmen, dass alles um einen herum erstarrt und alles ganz langsam -
wie in Slow Motion - passierte. Nein, es durchfuhr mich wie einen Blitz,
schnell und unbändig. Und da wurde mir eines klar, das war der Arsch. Das ist
der Dauerlutscher, dem ich es zu verdanken hatte nett zu sein. Das war mein
Gefährte. Jason kam ebenfalls zu uns rüber. “Ich werde meine Gefährtin selbst
verwandeln”, sagte der Engel.

Ein Raunen ging durch die Menge und Jason sah uns mit großen Augen
an. Schön, der Spast hat’s auch schon gemerkt. Na, warte Freundchen, wenn
ich mit dir fertig bin! Der Engel, der König oder wie ich sagen würde der
Dauerlutscher nahm mein Gesicht zwischen seine Hände. Ein Kribbeln
durchlief meinen Körper und in seinen Augen trat ein liebevoller Ausdruck,
der die Scheiß-Schmetterlinge, die in meinem Bauch waren, noch heftiger
flattern zu lassen. Er sah mir weiterhin in die Augen und sein Gesicht kam
meinem immer näher. Eigentlich sollte ich dem Idioten jetzt eine aufs Maul
hauen. Aber irgendetwas hinderte mich daran. “Keine Angst”, flüsterte er mir
ins Ohr und eine Gänsehaut überzog meine Haut. Er hauchte mir kleine Küsse
auf den Hals, die mein Herz fast zu kolabieren brachten. Der Biss tat nich
weh. Es war ein einfaches Ziehen von der Stelle aus, ich fühlte mich leicht, als
ob ich schweben würde. Und es war gut. Er saugte immer weiter und ich
fühlte mich mit jedem Sog besser und besser. Auch als mir schwarz vor Augen
wurde und ich drohte in eine andere Welt zu driften.

“Ich glaube sie wacht auf”, hörte ich Jamies Stimme aus weiter Ferne. Was
ist passiert? Und wieso zur Hölle brummt mein Schädel so dermaßen, als ob
eine Dampfwalze über mich gefahren wäre? Achso, ja, genau, die
inkontinente Fotze, die sich mein Gefährte schimpft hat mich verwandelt. Der
Typ kann ja noch so heiß sein, aber ich hab immer noch eine offene Rechnung
mit ihm.
“Jamie, ich hab schreckliche Kopfschmerzen und deine Stimme macht es
nicht gerade besser, du Spacko”, brummte ich und versuchte langsam meine
Augen zu öffnen. Verdammte scheiße, für ein Aspirin würde ich meinen
Erstgeborenen oder meine Seele hergeben. Aber eine gute Sache hat ja das
ganze Theater auf sich. Ich bin nicht mehr nett, yes, bitch.
“Wie geht es dir?”, hörte ich die Stimme meines Gefährten.
“Wie heißt du eigentlich?”
“Tristan.” Wow, mein Gefährte, hat also den gleichen Namen, wie die
Schwuchtel aus dieser mitteralterlichen Schnulze “Tristan & Isolde”. Tja,
Kumpel, deine Eltern hatten wohl ´nen schlechten Tag hinter sich, als sie dir
deinen Namen gegeben haben, hm? Aber das Leben ist für gewöhnlich ja kein
Wunschkonzert.
“Schatz, das finde ich aber gar nicht nett. Außerdem hieß mein Großvater
auch Tristan”, sagte Tristan. Hä? Kann der jetzt auch Gedanken lesen? Ah,
menno, noch ein Typ, der in meinem Kopf herum wühlt.
“Haben dir deine Brüder denn nicht gesagt, dass jeder Gefährte die
Gedanken seiner Gefährtin lesen kann?”
“Ähm, nein. Aber das ist doch total unfair”, schmollte ich, was ihn zum
schmunzeln brachte.
“Du wirst meine Gedanken auch lesen können. Nachdem wir die
Verbindungszeremonie vollführt haben.”
“Gut.” Ich hatte ja noch was zu klären mit meinem >Schatz<! “Und jetzt zu
meinem eigentlichen Problem. Du kleiner, mießer Pisser! Wegen dir war ich
ganze zwei Tage lang NETT! NETT! Verdammte scheiße und das zu allem und
JEDEM! Und ich hab Tee getrunken! TEE! Und daran bist nur DU schuld, du
scheiß, hässlicher Klobrillerabschlecker! Und erwarte ja nicht…”
“Warte! Deine Brüder haben mich schon vorgewahrnt, also hab ich dir was
besorgt. Hier”, sagte er und zauberte eine Tasse Kaffee hinter seinem Rücken
hervor. Wow, mein Tristan kann zaubern! Yippi! Was geileres gibst doch gar
nicht oder? Wenn er jetzt noch Kochen kann und mit mir shoppen geht, dann
wäre mein Leben perfekt!
“Kochen kann ich, aber shoppen gehen werde ich nicht mit dir. Da bringen
mich keine 10 Pferde dazu.” Das hat Jamie auch immer gesagt.
“Wo ist eigentlich mein Bruder?”, fragte ich und sah mich im Raum um.
“Der hat den Raum verlassen, als er gemerkt hat, dass du nicht mehr nett
bist.” So eine Truller.
“Ich hätte gedacht, man lernt seinen Gefährten erst beim Ball kennen.”
“Für gewöhnlich, weil man seinen Gefährten meistens vorher nicht zu
Gesicht bekommt. Am Ball nehmen nämlich Vampire, die auf der ganzen Welt
verteilt leben, teil.”
“Müssen wir morgen trotzdem teilnehmen?”
“Na, aber hallo. Du wirst die neue Königin, meine schöne, außerdem wird
jedes Paar am Ende bekannt gegeben und die Verbindungszeremonie wird
vollführt.” Ich seufzte. Oh, scheiße, jetzt werde ich auch noch Königin. Na,
super. Da denkste dein Leben wird irgendwann ruhiger und “normaler” und
dann das! Mein Magen knurrte laut.
“Wie ich höre hat mein Schatz hunger”, schmunzelte er.
“Wie wäre es wenn du >Schatz< was zu essen bringst?”, fragte ich
zuckersüß.
“Das ist doch schon da.” Wo?! Ich blickte mich in dem modern - teuer
aussehenden - Zimmer um.
“Ich seh nichts.”
“Das essen sitzt vor dir.” Haha, du Witzbold, ich will aber was echtes essen.
“Ich bin echt.”
“Und wie soll ich dich essen?”
“Benutz deine Fangzähne. Bevor du nämlich Menschenblut trinken kannst
musst du das Blut eines anderen Vampirs trinken.” Echt? Das klingt aber
irgendwie eklig!
Er stöhnte und verdrehte genervt die Augen. Hat der Arsch grad die Augen
verdreht?
“Ja, habe ich und jetzt beiß mich”, sagte er. Wirklich? Beiß mich? Gott, das
klingt so gay. Wie aus Twilight, du kleiner schwuler Troll. “Babe, mach jetzt
einfach.”
Na, wenns mehr nicht ist! Du kleiner, hässlicher Gurkenhals. Tristan lachte
lauthals auf. Ich sah ihn verwirrt an, woraufhin er zu einer Antwort ansetzte.
“Du bist so erfrischend. Herrlich.”
“Schön für dich, aber ich werde dein Blut trotzdem nicht trinken”, beharrte
ich.
Er stöhnte schon wieder genervt auf und griff zum Nachtkästchen, welches
neben dem Bett stand. Er öffnete die erste Schublade und holte - na, jetzt
dürft ihr raten - ein Messer raus. Ich sah ihn nur fragend an. “Was denn? Man
muss doch immer vorbereitet sein oder?”, fragte er und sah mich unschuldig
an. Klar. Ist doch voll normal. Ich hab auch ´ne 9 Milimeter in meinem
Nachtkästchen liegen. Nur zur Sicherheit, ist klar.
“Wozu brauchst du das Messer eigentlich?”
“Wirst du gleich sehen.” Er nahm das Messer und legte es sich an den Hals.
“Was-was machst du da?”, stotterte ich vor mich hin. Will die Hackfresse
sich jetzt die Kehle aufschlitzen oder was? Ich meine, soller doch, ich bin ja
nicht seine Mama, aber ich glaube, dass das der Seidenbettwäsche nicht
wirklich gut tun würde. “Ah, du würdest dich also um die Bettwäsche, aber
nicht um deinen Gefährten kümmern?”
“Hey, du kannst dir selbst helfen, aber was macht dann die arme
Bettwäsche, die nur zur falschen Zeit, am falschen Ort war?” Er fing zu lachen
an.
“Ich liebe diese Frau ja so sehr”, murmelte er vor sich hin. Er fügte sich mit
dem Messer, das er immer noch an seinem Hals liegen hatte, einen kleinen,
aber tiefen Schnitt zu.
“Ich werde nicht…”, fing ich an, doch ich wurde von dem Blut, das eine
hypnotisirende Wirkung auf mich hatte abgelenkt. Diese warme rote
Flüssigkeit, die seinen Hals, über sein Schlüsselbein runter zu seiner
muskulösen Brust runter floss. Der Geruch von Schokolade stieg mir in die
Nase, gemischt mit einer Prise Orange. Herrlich. Köstlich. Mein Gesicht folgte
wie von selbst dem Geruch, dieser wundervollen Quelle, die aus diesem
gefallenem Engel herausquoll. Die Flüssigkeit rann in meiner Kehle hinab und
breitete sich in meinem Inneren aus. Mehr, schrie mein Inerstes. Ich saugte und
saugte und konnte gar nicht mehr aufhören. Es war eine
Geschmacksexplosion. Einfach Göttlich. Tristan stöhnte und legte sich zurück
auf das Bett, ich folgte seiner Bewegung ohne von der herrlichen Quelle
abzulassen. Ich setzte mich breitbeinig auf seinen Schoß, um ihm noch näher
zu sein und noch mehr nehmen zu können. “Ana, ich habe auch nur eine
begrenzte Menge Blut in mir”, keuchte er. Wenns denn sein muss. Ich will doch
nicht, dass mir mein Gefährte ausblutet. Ich ließ von ihm ab und sah ihm in
die Augen. Erst da fiel mir auf, dass seine Augen schwarz und - wenn ich mich
nicht irrte - von einem weißen Ring umgeben waren.
Sein Gesicht näherte sich meinem, bis seine Lippen auf meinen lagen. Der
erste Gedanke, der mir dursch den Kopf schoß war: Mhmm, schokolade.
Tristan lachte in unseren Kuss hinein. “Schokolade?”, murmelte er an meinen
Lippen.
“Mhmm”, bestätigte ich seine Vermutung und intensivierte unseren Kuss.
Als seine Hände meine Oberschenkel hochwanderten ließ ich von ihm ab
und stand auf. Er sah mich verwirrt an. “Bis morgen, Schatz”, sagte ich
grinsend und verließ das Zimmer.

**********

Draußen im Flur fand ich Jason und Jamie vor. “Hey, Jungs. Gehen wir?”
Sie nickten nur und ich folgte ihnen zum Ausgang, denn alleine hätte ich mich
in diesem Schloss auf jeden Fall verlaufen.

“Also”, begann Jamie, als wir im Auto saßen.
“Also”, wiederholte ich.
“Du wirst jetzt Königin.” Ach, ne, wär ich jetzt nie drauf gekommen. Aber
ich will ja nicht so sein.
“Sieht so aus.”
“Und wie findest du das?” Ähm, lass mich überlegen….scheiße. Was soll
ich denn als Königin machen? Ich meine HALLO? Ich und Königin? So als ob
Papaschlumpf 2m groß wäre.
“Naja, wenigstens ist er kein Hippi oder so.”
“Mhmm”, war seine einfache Antwort. Dann nicht, Jamie.
Denn rest der Fahrt schwiegen wir. Zu Hause angekommen stürmte ich
gleich in mein Zimmer hoch, wo ich mich umzog und bettfertig machte.

**********

“Anastasia, principessa”, weckte mich eine männliche Stimme mit einem
Italienischen Akzent. Wer zur Hölle ist das und was macht ein Italienischer
Milchbubi in meinem Zimmer?
Aber da mich das herzlich wenig interessierte war meine einzige Antwort
auf das Rütteln des Fremden an meiner Schulter, “noch 5 Minuten, du Romica
Schuh.” Ich wisst schon, reintreten und wohlfühlen.
“No, no, no, mia bella. Du musst jetzt aufstehen, ich muss dich für den
Ball heute Abend fertig machen.”
“Und da müssen wir so früh am morgen aufstehen?” Na, gut, ich hab keine
Ahnung wie spät es ist, aber es ist sicher noch zu früh.
“Schätzchen, wir haben 15 Uhr”, beharrte er und rüttelte weiter an meiner
Schulter.
“Na und?”
“Und um 20 Uhr beginnt der Ball, das heißt, dass wir bis spätestens 19
Uhr fertig sein müssen.”
“Na gut”, stöhnte ich und rappelte mich mühsam auf. Vor mir stand ein
1,60m großer schwuler Italiener. Woher ich wusste, dass er schwul war? Na,
vielleicht lag es ja an dem blauen glitzer Hemd, den lackierten Nägeln oder
den viel zu gepflegten Haaren? Jedenfalls schlug mein Schul-o-Meter an.
“Oh, Gott sei dank bist du keine hässliche Kröte, sodass ich nicht viel mit
dir machen muss, bella mia.”
“Ja, so ein Glück”, gab ich unmotiviert von mir. Eins ist schon mal klar, der
Typ ist kein Vampir. Durften sich Menschen eigentlich alleine in meiner
Gegenwart aufhalten? Ich meine ich bin gerade ein Frischling unter den
Vampiren und das da ist ein laufender, wenn auch ziemlich schwuler,
Blutbeutel. Aber nichts geschah. Meine Fangzähne fuhren nicht aus und ich
bekam auch kein Kratzen im Hals, das einen Hunger hätte ankündigen sollen.
“Na, dann hopp hopp, bella”, sagte er und zog mich hoch. Das wird
schrecklich werden! Ich sollte vielleicht Hellseherin werden! Das würde mir
doch viel besser stehen, als Königin.

**********

Wer gedacht hat, dass schwule Frisöre lustig wären, hat sich geirrt und
zwar gewaltig. Die sind schlimmer als Frauen, auf jeden Fall mein schwuler
Frisör ist so, ich weiß ja nicht wie es mit den anderen aussieht. Aber eins kann
ich sagen, es interessierte mich nicht wie viele und welche Liebhaber er hatte
und es interessierte mich erst recht nicht wie diese Typen im Bett waren, aber
das musste ich mir jetzt schon seit 1,5 Stunden anhören und ich hate noch
KEINEN Kaffee. Ihr könnt euch jetzt vorstellen, dass ich kurz vorm
explodieren war und wenn der Typ, der mir schon seit 15 Minuten die Haare
wäscht, nicht aufhört über Giovanni, Julio oder Djego zu reden, dann
werde ich ihn beißen! “Francesco?”, brachte ich zwischen zusammengebissenen
Zähnen hervor.
“Si, principessa?”
“Ich komme gleich wieder, okay?”, knirschte ich und erhob mich aus dem
Sessel. Auf dem Weg zur Küche begegnete mir ein fett grinsender Allan. Hat
der Junge kein zuhause oder warum hängt der Typ die ganze Zeit hier rum?
“Na, Sonnenschein?” Ab da brannte eine Synapse in meinem Kopf durch
und ich explodierte. Ich weiß nicht wie es geschah, dass einzige das ich sah
war, wie Allan den Gang entlang durch die Wand ins Wohzimmer
geschleudert wurde. Hoppala. Ich war’s nicht.
“Ana?”, ertönte die fragende Stimme meines Bruders Jamie aus dem
Wohzimmer.
“Ja?” Ich sah ihn mit einem unschuldigen Engelsblick an.
“Warst du das?”, fragte er und deutete auf den immer noch auf dem
Boden liegenden Allan.
“Was war ich?”, fragte ich wie ein dummes Blondchen.
“Ana”, sagte er in einem warnenden Tonfall.
“Na gut, ja, aber ich weiß nicht wie und es war nicht mit Absicht, obwohl
er es verdient hätte”, sagte ich und zuckte mit den Schultern. Was denn? Dann
hätte die Evolutionsbremse hier mich nicht so dumm von der Seite anmachen
sollen oder?
“Alter, du hast mich durch eine Wand geschleudert”, nölte Allan herum. Ja,
Ja, schmolli.
“Allan, du bist ein Vampir, also schmoll hier mal nicht so rum.”
“Du bist ein Vampir, na na na, schmoll nicht so rum, bla bla bla”, äffte er
mich nach.
“Sehr erwachsen.”
“Sehr erwachsen”, äffte er mich schon wieder nach.
“Allan, ich schleuder dich gleich durch noch eine Wand mit dem Kopf
voraus, wenn du nicht gleich deine Klappe hälst”, warnte ich ihn.
“Schon gut, schon gut”, sagte er und hob die Hände zur Kapitulation.
“Bella!”, tällerte mein schwuler Frsiör durch das Haus. Der hat mir noch
gefehlt! Mein linkes Augenlied fing verdächtig an zu zucken.
“Oh, oh”, machte Jamie, der wahrscheinlich mein zuckendes Augenlied
bemerkt hatte. Oh, oh?! Willst du mich verarschen?!! Ich geb dir gleich oh, oh!
“Hier”, sagte Jamie und hielt mir unser Haustelefon hin. Was willst du? ich
bin hier kurz vorm explodieren, ich hab keine Lust zu telefonieren!
Er hielt mir das Telefon ans Ohr. “Anastasia?”, ertönte eine wunderschöne
Stimme am anderen Ende der Leitung. Tristan? Ich wusste nicht woran es lag,
doch seine Stimme beruhigte mich ungemein. Ich war von 180 wieder
komplett auf 0. Und es fühlte sich irgendwie eigenartig…gut an. “Hey, mein
Schatz, ich hab gehört das du ein wenig….ehm…naja…aufgeregt bist.”
“Aufgeregt? Ich hab Allan durch ´ne Wand hindurch geschleudert. Ich
meine okay, es war nicht wirklich mit absicht, aber er hat es auf jeden Fall
verdient.”
“Warte, warte. Du hast ihn durch eine Wand geschleudert, habe ich das
richtig verstanden?”, fragte er sicherheitshalber.
“Jaa?”
“Okay, okay, schatz, beruhig dich und lass dich von Francesco verwöhnen,
okay?”
“Warte! Du bist schuld das ich diesen schwulen, kleinen Zwerg und seine
etlichen Bettgeschichten aushalten muss?”
“Er hat sie mit genommen?”
“Nein. Aber er erzählt mir schon seit Stunden von irgendwelchen Julios
oder Alessandros oder Gott weiß was der noch durch genommen hat”,
stöhnte ich genervt auf. Er fing an heißer zu lachen und dieses Lachen ließ
mich wünschen, dass er hier bei mir wäre. Gott, ich war früher nie so…so…
kitschig! Schrecklich!
“Kitschig?”, fragte er und ich konnte sein Grinsen förmlich hören.
“Ja”, gab ich schmollend von mir.
“Wieso? Was hast du denn gerade gedacht?”
“Sag ich dir nicht”, sagte ich grinsend.
“Ich wette ich kann es heute noch aus dir raus kitzeln”, sagte er lachend.
“Ach wirklich?”, fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen.
“Ja.”
“So arrogant wie eh und je. Wollen wir wetten, Schatz?”
“Gerne, meine Schöne. Ich wette mit dir, wenn ich gewinne, dann bleibst du
heute nacht bei mir”, sagte er.
“Wenn du willst.”
“Und was wenn du gewinnst, was nicht passiert, denn ich habe mir
vorgenommen die Nacht mit deiner wundervollen Gesellschaft zu genießen.”
“Das wird eine Überraschung, süßer”, sagte ich und legte grinsend auf.
Meine Brüder und Allan sahen mich irritiert an. Ja, ich weiß, das Gespräch
war grad ein wenig merkwürdig, weil ich normalerweiße nie so bin. “Glotzt
nicht so, los Francesco”, sagte ich und hakte mich bei ihm ein. Shit, manchmal
tut es gut eine Pause von den Mordgedanken, die man nervenden Menschen
gegenüber hegt, macht.

Kapitel 10

Tristans Sicht:

Der Ball, ja, der geht mir schon seit über 30 Jahren am Arsch…vorbei. Ich
meine, meine Gefährtin war ja nie dabei, bis heute. Ich wusste schon immer,
dass meine Gefährtin schön sein würde, so wie es eigentlich jeder Vampir war,
aber ich hätte nie gedacht, dass sie so schön sein würde wie Anastasia. Diese
langen, glänzenden schwarzen Haare, diese reine Haut, diese vollen
kirschroten Lippen, dieser Körper, himmel dieser Körper und diese
wunderschönen Augen. So einzigartig, genau wie sie. Ihr außeres zeugt von
stärkte, was sie ja auch ist, aber niemals würde man diese kratzbürstig keit
und diese….diese…genervtheit gegenüber den Menschen erwarten. Aber so ist
sie nun mal meine schöne Ana, wunderschön, genervt, ein wenig agressiv und
koffeeinsüchtig, aber anders würde ich sie auch gar nicht haben wollen. Sie ist
perfekt wie sie ist. Scheiße, ich bin ja auch richtig kitschig geworden seit ich
meine Frau habe. Meine Frau. Ein grinsen schlich sich auf mein Gesicht und
mein bester Freund Julian sah mich fragend an und ich schüttelte grinsend
meinen Kopf.
“Na, Tristan, ganz schön viele schöne Frauen hier”, sagte Julian. Ich sah
mich um und keine einzige schien auch nur im Entferntesten an Anastasias
Schönheit ranzukommen.
“Naja”, ich zuckte gleichgültig mit den Schultern.
“Was ist denn mit dir passiert? Normalerweiße würdest du dich an die
schönste im Raum, die ihren Gefährten noch nicht gefunden hat werfen und
danach du weißt schon”, sagte er.
“Ich hab sie gefunden”, sagte ich und starrte weiter auf den Eingang.
Wann kommt sie denn? Wir haben bereits halb neun und um neun werden
die neuen Paare bekannt gegeben. Wie sieht denn das aus wenn die neue
Königin nicht da ist, aber das wichtigste ist doch, dass ICH will das sie bei mir
ist! Hier, jetzt, bei mir! Und niergendwo anders.
“Glückwunsch, Mann”, sagte er und schlug mir auf die Schulter. Oh, ja, ich
habe Glück und zwar verdammt großes. “Starrst du deshalb die ganze Zeit
auf den Eingang?”
“Ja, ich…”, ich stockte, als ein schwarzhaariger Engel in einem weißen Kleid
reinkam.
“Verdammte scheiße, wer ist denn das?”, fragte mein bester - gleich toter,
wenn er nicht aufhört meine Frau so anzuglotzen - Freund.
“Anastastia”, strahlte ich und machte mich auf den Weg zu der schönsten
Frau auf dem ganzen Planeten. Sie trug ein weißes bodenlanges Kleid, das auf
der ganzen Seite einen Schlitz hat, der nur von einem goldenen Ring an der
Hüfte zusammengehalten wird. Und verdammt, jedem Mann mit Herzschlag
oder ohne, würde das Herz bei ihrem Anblick stehen bleiben. Sie sah mir
direkt in die Augen und durchbohrte mich mit ihren reinen weißen Augen. Ein
grinsen schlich sich in ihr Gesicht und entblößte zwei perfekte weiße
Zahnreihen. Ich stürmte zu ihr, zog sie an der Hüfte zu mir und küsste sie
stürmisch auf den Mund. Erdbeeren, dachte ich.
Wow, du aufgebrachtes Gummibärchen, scheinst mich ja richtig ermisst zu
haben, strömten mir Anastasias Gedanken entgegen, während sie in unseren
Kuss hinein grinste. Ich grummelte nur ein unverständliches Ja an ihren
Lippen und ließ meine Hände weiter rauf zu ihren Rücken, der volkommen
entblößt durch das Kleid ist, wandern. Oh, ja und wie ich dich vermisst habe.
Doch unser zweisamer - eigentlich unzweisamer - moment wurde durch ein
Räuspern, welches von meinem besten - oh, ja, auf jeden Fall bald toten -
Freund Julian. Widerwillg gab ich Ana’s Lippen wieder frei und knurrte ein
“Was?”.
“Willst du mir denn gar nicht, deine wunderschöne Begleitung vorstellen?”,
fragte er und musterte Anastasia - die wohlbemerkt, meine Frau ist -
intensiv von oben bis unten.
“Natürlich”, knurrte ich weiter und schlang besitzergreifend einen Arm um
Anastasias Hüften.
So ein besitzergreifender Macho, dachte sie und verdrehte die Augen. Und
wie ich besitzergreifend bin, Schatz. “Julia, das ist die bezaubernde Anastasia.
Ana, das ist Julian.”
“Sehr erfreut”, sagte er und streckte ihr die Hand entgegen, die sie annahm
und er mit einem Kuss versehrte. Du dreckiger Lumpen, nimm bloß deine
Knutschlippen von meiner Hand. Der liebe Gott weiß wo du da schon überall
warst mit, dachte sie und ich lachte lauthals auf. Das ist einer der Gründe
warum ich sie liebe. Julian sah uns verwirrt an und Anastsia lächelte so
unschuldig wie ein Engel.
“Tristan, du musst jetzt die neuen Paare bekannt geben und…Ana?”, fragte
er und sah ungläubig auf Anastasia, die in meinen Armen lag.
“Valentin?” Woher kannten die sich?
“Was machst du denn hier?”, fragte er. Na, was wohl Schlaubikopf? Ein
fettes Grinsen huschte über mein Gesicht.
“Wenn du Entschuldigst, Valentin, ich würde meinem Volk, gerne die neue
Königin präsentiren.” Er meint wohl den Löwen zum Fraß vor werfen! “Keine
Angst, sie werden dich lieben, genau so wie ich.”
Getuschel ging durch die Menge, als ich mit Anastasia Hand in Hand ans
Podium, das auf einer Bühne stand, zuging. “Ladys und Gentleman! Ich heiße
sie alle herzlich willkommen zum diesjährigen Amour-Ball! Ich hoffe, dass sie
alle das finden, weshalb sie hergekommen sind. So wie ich es getan habe”,
sagte ich und gab meiner Geliebten einen Handkuss und sah ihr dabei tief in
die Augen. Pass auf das du nicht auf deiner Schleimspur ausrutscht, Babe.
“Darf ich Ihnen allen meine wunderschöne und bezaubernde Gefährtin, die
heute zu ihrer neuen Königin gekrönt wird, vorstellen, Anastasia Richmond”,
sagte ich und ein ohrenbetäubender Applaus ging durch die Massen. Das sind
ja die gleichen Schleimscheißer wie du! Schrecklich. “Zuerst wird Mr. Bishop,
alle Paare bekannt geben, danach werden die Blutsverbindungen geschlossen
und dann noch unsere neue Königin gekrönt.” Wieder ging ein Applaus durch
die Meute und ich verließ mit Ana die Bühne wieder.
“Ich bin froh, wenn ich dann mal deine Gedanken lesen kann.”
“Ich glaub nicht”, gab ich zu bedenken. Sie hob nur eine Augenbraue. “Na,
ich hab nicht wirklich lust auf blaue Flecken oder gebrochene Knochen”, sagte
ich und schenkte ihr ein schiefes Grinsen. Sie schlug mir freundschaftlich auf
die Schulter und kicherte.
“Du bist scheiße”, sagte sie immer noch grinsend.
“Aber heiß”, sagte ich und legte ihr einen Arm um die Schulter.
“Wo sind denn eigentlich meine Brüder?”
“Weiß nicht”, sagte ich und zuckte mit den Schultern.
“Ich geh sie suchen. Ich will unbedingt wissen ob Jamie schon jemanden
zum kuscheln gefunden hat oder ob ich ihm einen überdimensionalen Teddy
schenken muss, der Junge hat’s irgendwie mit Umarmungen.”
“Ich komme mit.”
“Okay.”

**********

“Siehst du sie irgendwo?”, fragte Ana nach 10 Minuten.
“Da”, sagte ich und zeigte auf Jamie, der mit einer hübschen
schwarzhaarigen redete.
Ana tippte ihm auf die breite Schulter, die wie bei jedem Mann an diesem
Abend, in einem teuren schwarzen Smoking steckte.
“Ana”, strahlte er mit den diamantenbesetzten Kronleuchtern die an der
Decke hingen um die Wette. Dieser Vampir liebte seine Schwester wirklich heiß
und innig. “Ana, das ist Isabella meine Gefährtin. Isabella, das ist meine
kleine Schwester Anastasia und den König kennst du ja schon”, sagte er und
deutete dabei auf mich.
“Es freut mich”, sagte sie mit einem ehrlichen Lächeln
und streckte uns die Hand entgegen. Nicht schlecht, Bruderherz.
“Wo ist Jason?”, fragte Ana.
“Dort.” Jamie zeigte auf Jason, der mit einer hübschen Blondiene redete.
Auf jeden Fall seine Gefährtin. Nicht schlecht, Jason, echt nicht schlecht, ihr
zwei Hohlschädel.


***********

Nachdem alle Paare bekannt gegeben wurden, kamen jetzt die
Blutsverbindungen an. Ich und Ana kamen als erstes dran. Tut es weh? Ich
schüttelte nur den Kopf. Wenn es weh tut, dann kriegst du das zurück,
verstanden?, warnte sie mich. “Ja, Boss.” Das will ich auch für dich hoffen,
Spast. Ich schenkte ihr nur mein hinreißenstes Lächeln, das ich drauf hatte
und hoffte, dass es sie ein wenig beruhigen würde.
“Tristan Morson, schwörst du hier und jetzt, vor all den Zeugen und deiner
Geliebten, dass du die hier anwesende Anastsia Richmon für immer lieben,
ehren und bis zum Tod beschützen wirst?”, fragte der Vampir-Richter. Kitschig!
“Ich schwöre.”
“Anastasia Richmond, schwörst du hier und jetzt, vor all den Zeugen und
deinem Geliebten, dass du den hier anwesenden Tristan Morson für immer
lieben, ehren und bis zum Tod beschützen wirst?”
“Ich schwöre.” Und was kommt jetzt? Du darfst die Braut beißen oder wie?
“So in etwa.” Der Richter nahm einen Kelch und ein Messer. Zuerst nahm er
meine rechte Hand und ließ ein paar Tropen reinfließen ehe er Ana’s rechte
Hand nahm und dasselbe bei ihr tat.
“Das hier ist nun euer beider Blut, vermischt für die Ewigkeit. Ihr werdet
beide einen Schluck nehmen und dann ist die Zeremonie vollbracht.”
“Bereit mit mir die Ewigkeit zu teilen?” Von wem hast du denn den Satz?
Vom schulen Edward aus Bilight oder was?
“Ich bin bereit deine Gedanken zu lesen”, sagte sie mit einem breiten
Grinsen und trank einen Schluck, dann reichte sie das Gefäß an mich weiter.
Es war eine Geschmacksexplosion. Schokolade vermischt mit Erdbeere. Kannst
du mich hören?
Laut und deutlich.
Gut, dann lass uns tanzen gehen.
Müssen wir denn nicht bei den anderen Zeremonien oder weiß der Kukuck
wie das heißt, nicht auch dabei sein?
Nein, normalerweiße sind bei solchen Verbindungen nur der Richter und
das Paar anwasend. Bei uns war es anders da du die neue Königin wirst.
Ah, stimmt, ja. Naja, wenigstens muss ich mir dann nicht mehr so viel
kitschige scheiße mit anhören.
“Stehst du nicht auf Romantik?”
“Nicht wirklich. Das ist mir zu viel von…von allem.”
“Von allem?”
“Du weißt schon, Liebe, Friede und Freude. Wir-sind-alle-glücklich-scheiß.
Auf so was steht Jamie der Glücksbärchi, aber nicht ich.” Gut zu wissen. Ich
zog sie an der Hüfte näher zu mir un nahm ihre linke Hand in meine Rechte
und fing an mit ihr zu tanzen.
“Wirst du mir jetzt vielleicht sagen, an was du heute Nachmittag gedacht
hast, als du meintest so kitschig geworden zu sein?” Niemals, würde ich dem
Hängo sagen, dass ich mir gewünscht habe, das er bei mir gewesen wäre.
“Nein”, war ihre schlichte Antwort.
“Okay.” Wenn du wüsstest.
“Wenn ich was wüsste?”
“Wie sehr ich mir wünschen würde, dass du es mir erzählen würdest”, sagte
ich und gab ihr einen keuschen Kuss auf die Lippen. “Sag mal, warum genau
hat Francesco dich in dieses Kleid gesteckt?” Nicht das ich was dagegen hätte.
“Er meinte, dass du es im Nachhinein dann einfacher ausziehen könntest.
Ich meine ich hab fast nichts an. Weißt du wie schwer es ist so ein
hauchdünnes Höschen zu finden?” Ach, du scheiße, will die Frau mich
umbringen? “Aber schade, dass du es mir nicht ausziehen wirst”, hauchte sie.
“Bist du sicher?”
“Ja, aber natü….”, sie stoppte, als ihr klar wurde, dass sie unsere Wette
verloren hatte. “Scheiße verfickte”, murmelte sie. “Ich muss jetzt mit zu dir
oder?”
“Und zwar sofort”, murmelte ich und nahm sie bei der Hand.
“WARTE!”
Was ist denn jetzt?
“Ist jetzt nicht die Krönung?”, fragte sie mit einem fetten Grinsen.
“Aber natürlich”, brachte ich zähneknirschend hervor. Verdammte
Krönungszeremonie!
“Du kannst gleich mit dem Grinsen aufhören, Schatz. Du musst nämlich
einen Eid ablegen UND DANACH musst du mit zu mir”, sagte ich mit einem
Grinsen. Ach halt doch die Klappe!
“Ich liebe dich auch, Hase”, murmelte ich während ich sie wieder auf die
Bühne zog.
“So meine Damen und Herren. Wir neigen uns dem Ende des Balles zu.
Doch bevor die Herrschaften den Weg nach Hause antreten, wird unsere neue
Königin gekrönt”, sagte ich durchs Mikrofon an das Volk gerichtet. Das ist
richtig heiß, wenn du so heerisch wirst.
“Ich gebe Ihnen 5.000$, wenn Sie die Sache so schnell wie möglich hinter
uns bringen”, flüsterte ich dem Richter, der unsere Zermonie schon
durchgeführt hat.
“Geht klar”, sagte er und lächelte mich wissend an. Wenn du wüsstest
Kumpel. Wow, 5.000$. Hast du es echt so nötig?
Schatz, 5.000$ sind nichts, das sind Peanuts. Ich würde ihm auch eine
Milionen geben, wenn er will. Und das nur, weil ich unbedingt mit dir hier weg
wil.
Süß.
Nenn mich nicht süß, knurrte ich sie an und schenkte ihr ein wölfisches
Grinsen.
Pardon. Ihr Männer habt ja was dagegen, wenn man euch verweichlicht.
Ganz genau, meine süße.
Dann darfst du mich auch nicht nett nennen, du Dauerlutscher.
Verzeihung, meine schöne.
Seih doch still.
“Nun, nehmt ihr die Krone an?”, fragte der Richter und die Leute sahen
gespannt zu Ana. Oh, verdammt, wir haben fast die ganze Zeremonie
verplappert. Ich glaub ich mach 10.000$, der Mann ist sein Geld wert.
“Natürlich.”
“Gut, sprechen Sie mir nach. Ich, Anastasia Richmond”, fing er an und sah
sie auffordernd an.
“Ich, Anastasia Richmond.”
“Verspreche hier und jetzt, mein Volk, meine Familie und meinen
Geliebten.”
“Verspreche hier und jetzt, mein Volk, meine Familie und meinen
Geliebten.”
“Zu beschützen, zu verteidigen und zu lieben.”
“Zu beschützen, zu verteidigen und zu lieben.”
“Bis zu meinem Tod.”
“Bis zu meinem Tod.” Die nehmen die Sache hier ja ganz schön ernst. Ja,
das tun wir. Gut zu wissen.
“Meine Hochheit”, sagte der Richter und setzte ihr ein silbernes Diadem,
welches über und über mit kleinen Diamanten besetzt war und mit ihren
Augen um die Wette glänzten.
Ich nahm ihre Hand und stellte mich neben sie und sagte, “Unsere neue
Königin. Auf ihre Schönheit, Reinheit und ihre Intelligenz.”
“Auf ihre Schönheit, Reinheit und Intelligenz”, sagten sie im Chor mit
erhobenen Champagnergläsern. Ach, das war ja süß, sagte sie provokant.
“Ich wünsche euch allen einen schönen Abend, genießt es und bis nächstes
Jahr”, verabschidete ich alle und zog meine Braut schnell mit mir. Das ist für
das süß.
Kapitel 11

Anastasias Sicht:

Na, der hat’s aber eilig, dachte ich, als Tristan mit mir aus dem Saal
stürmte. Natürlich, ich hab doch noch viel vor mit dir heute Nacht, rumorte es
in meinem Kopf. Irgendwie hatte ich mich noch immer nicht an die ganze
Gedanken-lesen, schicken, telepathierendingsbums-scheiß gewöhnt. Ich
meine stellt euch mal vor, dass jemand dauernd weiß was ihr denkt, immer in
eurem Kopf herum spukt obwohl ihr vielleicht Ruhe braucht. Noch nie was
von Privatsphäre gehört? Während ich noch in Gedanken hing hob Tristan
mich auf seine Arme und rannte in Vampirgeschwindigkeit durch das große
Schloss, in dem die Party noch in vollem Gange ist. Ich hoffe doch wirklich,
dass der Holzkopf nicht irgendwo dagegen rennt, weil sonst sieht es für ihn
nicht mehr so gut aus.
Weißt du, ich kann das!
Ja, das sagt Jamie auch immer, wenn er was zusammenbauen will und am
Ende fakelt er mein Zimmer ab, weil er es nicht geschafft hat ein scheiß
Stockbett zusammen zu bauen.
Er lachte heißer. Ja, Jamie, ist wirklich nicht sonderlich Handwerklich
begabt.
Ich zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. Woher weißt du das denn?
Er ließ mich wieder runter, weil wir in seinem prunkvollem Schlafzimmer
angekommen sind.
“Ich musste vor ein paar Monaten auf eine Tagung nach Paris. Bevor ich
jedoch zur Tagung ging kam noch mein neuer Fernseher an, ich wollte mit
dem Aufbauen warten bis ich wieder da bin oder ich beauftrage ein paar
Elektriker, die mir das machen, aber Jamie meinte nur er würde das machen.”
“Und Jason hat dich nicht vorgewarnt?”
“Doch, er sagte: Alter, sicher das du das machen willst? Tja, dumm wie ich
war fragte ich ihn was dabei sein würde und Jason hat dann gesagt, dass ich
das schon sehen würde, wenn ich mir ein neues Haus suchen darf, weil Jamie
meine ganze Bude abgebrannt hat und der Strom der Stadt lahm gelegt ist.
Hätte ich mal auf Jason gehört”, sagte er und schüttelte ungläubig den Kopf.
“Und was ist am Ende passiert?”
“Ich hab ein neues Schlafzimmer gebraucht und einen neuen Fernseher.” Ich
lachte.
“Ja, das hört sich nach Jamie an.”
“Aber genug von deinem Bruder. Ich habe heute Nacht vor deine Gedanken
voll und ganz für mich einzunehmen”, sagte er mit rauer Stimme, die eine
Gänsehaut auf meinem Körper hinterließ. “So wunderschön”, hauchte er und
strich ganz zart, sodass ich mir nicht sicher war, ob er mich wirklich berühren
würde, über meinen Arm, hinauf zu meinem Schlüsselbein zu meinem Nacken,
wo er den Verschluss, der mein Kleid zusammen hielt löste und das Kleid zu
Boden fiel. Seine Augen weiteten sich und sein Atem wurde flacher. Atmen
Vampire überhaupt? Obwohl ich atme ja auch, also eigentlich schon, aber
was wäre, wenn ich einfach die Luft anhalten würde? Würde ich dann wie ein
Mensch blau anlaufen und am Ende ersticken? Obwohl die Menschen haben ja
einen Atemreflex….
“Dein Ernst? Ich will mit dir schlafen und du denkst darüber nach ob
Vampire atmen müssen?”
Ich lächelte ihn entschuldigen an. “Zu meiner Verteidigung, ich bin echt
leicht abzulenken.”
“Ich werde schon dafür sorgen, dass du dich nur noch auf mich
konzentrieren kannst”, sagte er rau und kam auf mich zu, bevor er so dicht
vor mit stand, sodass kein Blatt Papier mehr zwischen uns gepasst hätte.
Sachte streich er an meinen Mundwinkeln entlang. “Du siehst wunderschön
aus. Du bist die schönste Frau, die es gibt”, hörte ich ihn heißer sagen, bevor
sein Mund sich auf meinen legte und sich meine Gedanken in lust auflösten.
Er hatte recht behalten, ich würde die ganze Nacht wahrscheinlich an nichts
anderes, als an ihn denken können. “Deine Lippen so wunderschön”, hauchte
er und drückte mir einen langen Kuss drauf. “So voll und reif”, hauchte er und
küsste meine Mundwinkel ganz zart. Mein Körper, der nur noch von einem
hauchzarten Höschen bedeckt war, drängte sich gegen seinen, der noch in
diesem verdammt sexy Smoking steckte. Ich schnappte mir seine Jacke und
zog sie ihm über seine breiten Schultern. In Vampirgeschwindigkeit entledigte
er sich von dem Rest seiner Sachen uns stand in voller größe, erregt und
muskulös vor mir. Mir drohte schwindelig zu werden, aber vor Erregung. Er
hob mich hoch und legte mich sanft auf das Bett, ohne den Augenkontakt ein
einziges Mal zu unterbrechen.
Er verschränkte unsere Hände neben meinem Kopf und bedeckte meinen
Hals mit zarten, ja, fast Engelsgleichen Küssen und brachte mich damit schier
um den Verstand. Süß hin oder her, ich wollte ihn und zwar jetzt! “Dein
Körper ist so perfekt”, sagte er und zeriss mein Höschen. “Ich kauf dir ein
neues”, murmelte er und zog einen feuchten Pfad zwischen meinen Brüsten
runter zu meinem Bauchnabel.
“Egal”, murmelte ich und warf meinen Kopf hin und her. Mit mir stimmte
doch wirklich was nicht! Die “normale” Anastasia, hätte ihm den Kopf
abgrissen! Ich meine der Spast hatte wirklich mein Höschen zerissen! Es hätte
mit Vampirgeschwindigkeit nicht mal eine Sekunde gedauert um es mir
auszuiehen. Aber nein, ich sagte nur, dass es egal sei.Er zog seinen Pfad weiter
runter zu meiner pochenden Stelle, die so sehr nach Erlösung flehte und
ignorierte sie. Jetzt wurde ich wütend. Wie lange wollte dieser Vampir, das
Unvermeidliche denn noch hinaus zögern?! Ich knurrte und sah ihn wütend
an.
“Geduld, Liebling”, murmelte er und küsste sich an meinem Oberschenkel
hinab.
“Hör mir zu, du Blutsauger, wenn du dich nicht beeilst, dann überlege ich
mir das mit dem Sex noch mal, verstanden?”, knurrte ich und sah zu ihm
herab. Doch der Arsch, machte einfach seelenruhig weiter, als ob ich ihm nicht
gerade mit Sex-Verweigerung gedroht hätte.
Als ob du dich mir noch entziehen könntest, hörte ich ihn gedanklich
sagen.
Willst du es darauf ankommen lassen?
Ich verspreche dir, dass ich es nicht so weit kommen lassen werde. Gerade,
als ich ihm das Gegenteil beweißen wollte kam er wieder auf Augenhöhe zu
mir und sah mir tief in die Augen.
“Ich liebe dich”, hauchte er und drang ganz langsam in mich ein. Schmerz
breitete sich in meinem Körper aus und ließ mich zusammenzucken.
“Verfickte scheiße”, knurrte ich und biss ihm in die Schulter.
“Schon gut, Schatz, es tut nur jetzt weh und dann nie wieder”, sagte er und
drang vollends in mich ein.
“Du mießer Idiot, hättest mich gleich vorwarnen können”, knurrte ich und
wartete bis der Schmerz abbebte.
Er lachte nur heißer und biss daurauf hin fest die Zähne zusammen.
“Gehts?”
Ich nickte nur und die Errungung machte sich wieder in meinem Körper
breit. “Ich werde mich jetzt bewegen, okay?”
Ich nickte nur. Er bewegte sich langsam, zärtlich, hinaus und wieder hinein,
immer wieder brachte er mich zum Stöhnen, bis er sich immer schneller und
härter bewegte und mich in eine andere Spähre mitriss.
“Ich liebe dich”, hauchte ich bevor ich einschlief. Das letzte woran ich
dachte, bevor ich ins Land der Träume glit war, ich hätte schwören können
Vampire müssten nicht schlafen! Tja, wie man sich nur täuschen kann.




**********

Ich hätte nie gedacht, dass Sex besser als Kaffee ist. Aber hey besser
später als nie, oder?
Ich hörte ein heißeres Lachen neben meinem Ohr und wie Tristan mir einen
Kuss unter mein Ohr drückte. “Da hab ich ja ganze Arbeit geleistet”, murmelte
er und zog mich eng an sich. Schon wieder?, dachte ich und zog meine Stirn
kraus.
“Ich werde nun mal nie genug von dir bekommen, Baby”, murmelte er und
bedeckte meinen Hals mit zarten Schmetterlingsküssen.

**********

“Was machen wir heute?”, fragte ich Tristan beim Frühstück. Ja, Vampire
essen!
Er grinste breit. “Wir gehen deine Sachen abholen.”
“Wieso das denn?”
“Das du hier einziehen kannst?”
“Oh, okay”, sagte ich und zuckte mit den Schultern. Wenn es sein
muss. “Und was machen wir dann?”
“Ich weiß nicht…Jamie und Jason ärgern?”
“Ich liebe dich”, sagte ich grinsend.
“Ich liebe dich auch, Babe”, sagte er lachend. Hah, mein Gefährte ist toll.
Er grinste noch breiter. “Dito, Babe.”

**********

“Und wo sind eure Gefährtinnen?”, fragte ich und sah meine Brüder an.
“Sie sind nach Hause gefahren um ein paar Klamotten einzupacken”, sagte
Jason und grinste dreckig. Idiot.
“Interessant. Und du Gesichtselfmeter, wie ist es so ohne mich?”
“Ungewohnt”, sagte Jamie und ignorierte meine Beleidigung gefließentlich.
“Ich hoffe du hast dich dran gewöhnt, denn ich bin eigentlich nur
gekommen um ein paar Sachen einzupacken.”
“Was?”, Jamie stand auf und sah mich aufgebracht an. “Wieso?”
“Weil ich meine Frau bei mir haben will”, sagte Tristan herrisch. Wouw,
babe. “Das willst du doch auch, oder nicht?”
“Ja”, gab er kleinlaut zu und setzte sich wieder. Wow, es macht mich so
richtig scharf, wenn du so herrisch wirst.
Schatz, so was darfst du nicht sagen, wenn du nicht willst das ich dich hier
und jetzt nehme und vertrau mir es ist mir scheißegal ob deine Brüder dabei
sind oder nicht.
Es ist eine Überlegung wert.
Schatz, sagte er warnend.
Na gut, dann warte ich damit eben bis wir wieder zu Hause sind.
Du wirst es nicht bereuen.

**********

Seit einer Woche lebte ich nun schon mit Tristan zusammen. Ich ging
Vormittags noch zur Schule und er erledigte sein Zeug, also als König.
Nachmittags gingen wir zu Jason und Jamie, die sich Häuser suchten um dort
mit ihren Gefährtinnen leben zu können, um sie zu ärgern und ja Nachts, da
gabs guten Sex. Was soll ich machen ich hatte nun mal Glück. Heute morgen
weckten mich die Sonne und die scheiß Vögel, die nicht zum zwitschern
aufhören wollten. “Verdammt noch mal, haltet eure verdammte Klappe!”,
schrie ich diese Mistvieher an. Murrend und mit knurrendem Magen ging ich
die Treppe runter.
“Guten morgen, mein Schatz”, sagte Tristan und bag mir einen Kuss auf
den Scheitel.
“Ja, ob der so gut ist, weiß ich nicht”, nölte ich vor mich hin und setzte
mich auf einen Stuhl.
“Willst du was essen?”
“Oh ja”, jubelte ich vor mich hin und merkte wie sehr mein Magen knurrte.
Lachend machte Tristan sich an die Arbeit. Zehn Minuten später stieg mir
der Geruch von Pancakes und Kaffee in die Nase und anstatt, dass ich jetzt
darüber herfiel wie eine verhundernde und alles in mich reinstopfte bis ich
platze, drehte sich mir der Magen um und ich übergab mich in der Spüle.
“Verdammte scheiße”, stöhnte ich und kugelte mich auf dem Boden
zusammen.
“Stimmt etwas nicht mit dir?”, fragte Tristan und streichelte mir über den
Rücken. Ne, du, ich übergeb mich gerne zum Spaß und leg mich danach gern
auf den kalten Boden. NATÜRLICH STIMMT ETWAS NICHT MIT MIR!, knurrte ich
ihn in Gedanken an. Oh, oh, dachte ich, als mir einfiel, dass ich schon seit 3
Tagen drüber bin. Ich hatte mir nichts dabei gedacht, weil das nicht das erste
Mal war, aber verdammt das gerade eben sprach doch für eine…eine…eine
Sch…NEIN! Nicht den Teufel an die Wand malen, wenn ich Glück habe, habe
ich nur ´ne Magendarmgrippe.
“Was heißt >oh, oh<?”, fragte Tristan besorgt.
“Gar nichts! Es ist nur eine Magendarmgrippe”, beharrte ich.
“Du meinst doch nicht etwas, dass du…”, fing er an, doch ich unterbrach
ihn.
“Nein, tut es nicht! Ich bin nicht, du weißt schon was!”
“Du kannst das Wort SCHWANGER nicht aussprechen?”
Ich hielt mir meine Ohren wie ein Kleinkind zu und fing an zu schreien.
“LALALLALA ICH HÖR DICH NICHT! LALAAL!”
“S-C-H-W-A-N-G-E-R!”, buchstabierte er das Teufelswort lachend.
“Halt deinen Mund! Weißt du eigentlich, was es heißen würde, wenn ICH
sch…du weißt schon was, wäre. Ein kleines, blutsaugendes Ding würde in
meinem Inneren heran wachsen, während meine Gefühle noch intensiver
werden und ich noch fießer werde! Ich werde noch unausstelicher und
nerviger! Comprende? Also hoff ich mal für dich du Arsch, dass du hoffst ich
sei nicht…na, du weißt schon”, sagte ich und sah ihn eindrlinglich an.
Sein Mund formte ein O.
“Ja, Freundchen.”
“Und was machen wir jetzt?”
“Wir machen gar nichts. Ich werde morgen in der Früh zum Artzt fahren
und mich testen lassen, damit wir ganz sicher sind.”
“Du kannst nicht zu einem menschlichen Artzt gehen.”
“Und wieso…ach, ja, ich bin ja eine Vampirin.”
“Bingo, mein Schatz. Ich rufe unseren Hausartzt an”, sagte er und zog sein
Handy aus der Hosentasche. Während er mit dem Artzt telefonierte klingelte
es an der Tür und der Butler, James, ja, so einfallsreich, kam gefolgt von
meinen Brüdern in die Küche rein.
“Hey, süße”, sagte Jamie und wollte mich umarmen. Ich verengte meine
Augen zu schlitzen. Hat der nicht ´ne Gefährtin die er mit Liebe überschütten
kann?
“Na, gut dann nicht”, stöhnte er genervt.
“Danke”, sagte ich wiederwillig.
“OKay, der Artzt kommt morgen. Hey, Jungs”, grüßte er die zwei und
stellte sich neben den Stuhl auf dem ich saß und legte eine Hand auf meine
Schulter.
“Wieso Artzt?”, fragte Jason verwundert. Wenn du wüsstes.
“Es besteht der Verdacht, dass ihr Onkel werdet”, sagte er grinsend. Hör
auf zu grinsen, Arschloch.
“WAS?!”, fragten beide gleichzeitig, wobei Jason unsicher und Jamie
überglücklich war.
“Das ist doch toll”, sagte Jamie grinsend. Ähm, nein, ich werde fett und so
und Stimmungsschwankungen kriege ich auch.
“Jamie, weißt du denn nicht was das heißt?”, fragte Jason.
“Na, klar, wir kriegen ein süßes kleines Baby in die Familie. Ich liebe Babys,
die sind so süß und unschuldig. Ich und Isabella arbeiten auch schon an
einem”, sagte er. Isabella seine Gefährtin war genauso wie Jamie, herzensgut
und immer gut drauf. Schrecklich. Zwei Glücksbärchis vereint, dass kann ja
nur schief gehen.
“Ich hoffe dein Kind kommt nach mir”, knurrte ich. “Ich liebe Kaffee, das
heißt aber nicht, dass ich eine Espressomaschiene aus meienr Vagina pressen
werde, Idiot”, zischte ich.
“Es ist ja noch nicht sicher ob sie sch…”
“Wehe du sagst das Teufelswort!”, zischte ich.
Jason fing an zu lachen. “Sie kann es immer noch nicht hören. Damals,
als wir klein waren und ja, eigentlich immer noch, wenn ich sie ärgern wollte,
dann hab ich die ganze Zeit durchs Haus gebrüllt “SCHWANGER! WIE SCHÖN,
DASS DOCH WÄR, WENN MAMA WIEDER SCHWANGER WÄRE!” Göttlich.” Ich
hielt mir währenddessen die Ohren zu und dachte an die Zeit zurück,
weshalb ich mir Lärmschützende Kopfhörer besorgen musste, die Männer auf
einer Baustelle auch immer haben. Gott, war es schwer mit denen zu
schlafen.
“Warte mal was ich dir antun werde, wenn ich schwanger werde! DU wirst
im Kreissaal dabei sein und zusehen, mein Lieber!”, warnte ich ihn. Echt jetzt?,
strömten Tristans Gedanken in meinen Kopf.
Bist du bescheuert? Ich lass doch meinen Bruder nicht dabei zusehen, erst
recht nicht da unten. Sorry, Schatz, aber die Schreierei wirst du mit
niemandem Teilen können.
Gut, ich dachte schon du willst das wirklich durchziehen.
Was du immer denkst. Während Tristan und ich in Gedanken mit einander
komuniziert haben, wurde Jason bleich und sah so aus, als ob er sich gleich
übergeben würde. Wahrscheinlich dachte er daran, was er sehen würde, wenn
er wirklich im Kreissaal dabei sein müsste. Ich lachte laut auf und Tristan sah
mich verwundert an.
“Was ist denn jetzt los?”
“Jason, hat gerade richtiges Kopfkino”, lachte ich weiter und die anderen
beiden stimmten mit ein, während Jason immer bleicher wurde.
“Du bist die schrecklichste kleine Schwester, die es gibt”, krächzte er.
“Was soll ich sagen? Du hättest mich nicht reizen dürfen”, grinste ich.
“Also ich würde es toll finden, wenn unser kleiner Sonnenschein ein
kleines, süßes Baby kriegen würde”, sagte Jamie Seelig lächelnd. Hat, der
Spast denn nichts mitbekommen?
“Wohl eher ein kleines, schreiendes, rotzendes, nerviges Biest, das mir
nicht sagen kann was es will, sondern nur zum Schreien anfängt und von mir
erwartet Gedanken lesen zu können”, konterte ich.
“Anastasia, du übertreibst maßlos”, gab Jamie zu bedenken.
“Ich übertreibe nicht. Und findet ihr es nicht ein wenig zu früh um über
Nachwuchs zu sprechen?”
“Doch schon, aber früher oder später wird es geschehen”, sagte Jason.
Fällt der mir jetzt auch schon in den Rücken? Tolle Geschwister habe ich da ja.
“Leute, regt euch doch nicht auf, es ist doch gar nichts sicher, vielleicht
hatte sie nur eine kleine Magenverstimmung, weil sie gestern zum ersten Mal
Blut getrunken hat”, gab Tristan zu bedenken. Gott sei Dank, wenigstens einer
der zu mir hält.
“Babe, ich werde immer zu dir halten”, sagte er und gab mir einen Kuss auf
den Scheitel. Ich liebe dich. Gott, ich werde ja richtig gefühlsduselig! Tristan
lachte heißer. “Ich liebe dich auch”, flüsterte er mir ins Ohr.
“Ana, jetzt stell dir doch mal all diese kleinen, süßen Kindersachen vor”,
versuchte Jamie mich umzustimmen.
“Alter, in deiner und Claires Beziehung ist wohl sie der Mann oder führt ihr
´ne Lesbenbeziehung?”
“Haha, ich sag ja nur, dass Babys süß sind.”
“Du bist ein Mann, müsstest du nicht eigentlich der Meinung sein, dass
Babys schrecklich sind und eine Beziehung total versauen?”
“Ana, er war schon immer etwas…anders”, lenkte Jason ein.
“Das stimmt aber.”
“Was soll das denn heißen?”, fragte er und zog eine Augenbraue in die
Höhe.
“Naja, du warst schon immer etwas…wie soll ich
sagen….unmännlich..kann man das so sagen? Egal, worauf ich hinaus will,
ja, du siehst wie ein heißer Footballspieler und nicht wie ein handwerklich
unbegabter Softie aus”, sagte ich und zuckte mit den Schultern. Tristan und
Jason nickten zustimmend.
“Das denkt ihr von mir?”
“Nicht nur wir. Du bist wie ein riesengroßer Teddy-Bär, der dauernd
jemanden kuscheln oder umarmen will”, sagte ich.
“Nicht jeden, nur dich.”
“Und wieso?”
“Weil du meine kleine Schwester bist, das war so, das ist so und das wird
auch immer so bleiben”, sagte Jamie.
“Ich weiß, aber du weißt dass ich das nicht mag, außerdem hast du jetzt
eine Gefährtin, die du solange drücken kannst bis sie vor Liebe umkommt.”
“Ich liebe Claire, aber du bist nun mal meine kleine Schwester, dass ist was
anderes”, sagte er. Gott, ich hasse mich jetzt schon dafür.
“Na gut, aber das ist eine Ausnahme”, zischte ich während ich die Arme
ausbreitete. Er grinste mich glücklich an und nahm mich in den Arm. “Jamie,
das waren jetzt 10 Sekunden. Du kannst, nein, du solltest, falls dir dein Leben
lieb ist, wieder los lassen”, murmelte ich, als er mich nah einer Zeit immer
noch nicht los ließ.
“Noch 3 Sekunden”, sagte er und ließ danach wirklich von mir ab. “Danke”,
sagte er bevor er mir noch einen Kuss auf die Wange drückte.
“Jamie, von einem Kuss war nie die Rede”, sagte ich und sah ihn
mit zusammen geknifften Augen an.
“Das gehört zum Gesamtpaket, Baby”, grinste er wie ein
Honigkuchenpferd. Ich hätte nicht gedacht, dass mein Bruder so hinterlistig
ist, auch wenn es nur um eine Umarmung geht. Scheint doch so, als ob wir
Geschwister wären.
“Zurück zum Thema Baby”, sagte er strahlend.
“NEIN!”, schrie ich schon fast und hielt mir die Ohren zu, während er über
die Vorteile der “süßen Racker” sprach. Stirb, Jamie, stirb!

Kapitel 12

In 15 Minuten wäre ich dran und der Artzt würde mir sagen ob ich, ob ich,
naja, ein kleines etwas in mir haben würde. Gott, ich hoffe bloß, dass er sagt,
dass ich nicht schwanger bin. Ich bin noch nicht bereit Mama zu werden und
ich bin noch lange nicht bereit etwas aus meiner Vagina, das der größe einer
mittleren Wassermelone gleich hat durch meine untere Öffnung zu schieben,
egal wie süß dieses Ding nacher ist.
“Schatz?”
Ich schreckte hoch und kreischte, weil ich Tristan nämlich ganz vergessen
hatte. “Alter, gehts noch?! Schlimm genug, dass ich hier fast sterbe, weil ich
ich nicht weiß ob so ein…Ding…in mir aufwächst! Nein, jetzt musst du mich
hier auch noch zu tode erschrecken”, fauchte ich ihn an.
“Babe, wir sind jetzt an der Reihe”, sagte er ruhig und stand auf. Wie jetzt?
Der will mitkommen? NEIN. Sicher nicht.
“Keine Chance!”
“Jetzt hör mal, ich will doch auch wissen ob ich Papa werde!”
“Ich sag dir dann bescheid. Oder warte ich poste es einfach auf Facebook!”,
herrschte ich ihn an und ging alleine in das Artztzimmer und ließ einen
verdutzten Tristan im Wartezimmer.
“Hoheit”, sagte der Artzt und verbäugte sich vor mir. Ich runzelte verwirrt
die Stirn. Meint der mich? Oh, hopps, schon wieder vergessen! Ich bin ja jetzt
“Königin” oder so.
“Nennen Sie mich doch einfach Ana und hören Sie mit dem ganzen
Verbeuguns-Ding auf, bitte”, sagte ich und lächelte so freundlich wie möglich.
Er sah mich verwirrt an und schenkte mir gleich darauf ein strahlendes
Grinsen. Okay, fazit, alle Vampire sehen heiß aus, sogar Ärtzte. Und erst recht
die mit blonden Haaren, einer geraden Nase, vollen Lippen, strahlend blauen
Augen und einem Six-Pack, das sich sogar unter dem Kittel deutlich
abzeichnete.
“Ben”, sagte er und streckte mir die Hand entgegen, die ich annahm.
“Also, was kann ich für dich tun, Ana?”
“Hat Tristan dir denn nicht gesagt weshalb ich hier bin?”
“Nein, er meinte nur, dass er heute ganz dringend einen Termin für seine
Frau bräuche. Also hier sind wir, was für ein Problem hast du denn Ana?”
“Naja, es geht darum, wir glauben, besser gesagt Tristan glaubt und ich
hoffe, dass es sich nur um eine Magenverstimmung handelt, dass ich…ähm…
du weißt schon”, sagte ich und zeigte mit meiner Hand einen runden
Schwangerschaftsbauch.
Er sah mich verständnislos an. Echt jetzt? “Na du weißt schon, dass ich so
ein Ding, in mir habe”, versuchte ich es ihm verständnisvoller beizubringen.
“Ein Ding…ah, du meinst also, dass du nicht weißt ob du sch…”
“Genau”, platze ich im ins Wort hinein. Ich kann dieses Wort echt nicht
ausstehen.
“Gut, wie ich sehe hast du wohl ein kleines Problem mit dem Wort.”
Gelinde gesagt ja. Ich nickte nur bestätigend. “Na, gut, dann gehts du jetzt
bitte hinter den Vorhang und ziehst deine Hose aus und ziehst den Kittel, der
dort liegt drüber an und dann legst du dich auf die Liege, okay, ich werde
dann einen vaginalen Ultraschall machen, okay?”
Ich schluckte trocken. Vaginalen Ultraschall?! In dem Moment, als ich das
dachte stürzte Tristan in den Untersuchungsraum. Gott sei Dank.
“Vaginaler Unltraschall?”, fragte er aufgebracht.
“Natürlich, denn sonst können wir ja nicht sehen, ob da unten was am
laufen ist”, sagte Ben ganz locker.
“Gut, dann bin ich aber dabei!”
“Was?!”, fragte ich alamiert. Schlimm genug, dass mir da unten einer
reinschauen muss, nein, jetzt willst du auch noch dabei sein?
Glaubst du etwa, dass ich es zulasse, dass dir irgendso ein daher
gelaufener Spast da unten reinschaut? Das darf nur ich sehen, das gehört mir,
knurrte er mich an.
Knurrst du mich gerade an?, fauchte ich ihn an.
Ja, und jetzt sei still, ich will wissen ob ich Vater werde.
“Okay, wenn ihr zwei jetzt mit eurem Gedankengespräch fertig seit würde
ich gerne anfangen”, sagte Ben und deutete auf die LIege. “Also, das wird jetzt
ein wenig kalt werden”, sagte er als ich auf der Liege lag. “Dann wollen wie
mal sehen, ob sich da unten etwas entwickelt”, sagte er und wollte gerade
dieses komische Ding, ich will es lieber nicht beschreiben, in mich
reinschieben, als sein Handy klingelte.
“Wartet kurz, das ist mein Notfallhandy”, sagte er und legte, das Ding weg
bevor er an sein Handy ging.
“Bist du aufgeregt?”, fragte Tristan mich, während unser Artzt telefonierte
und ziemlich alamiert aussah.
“Ein wenig”, gab ich zu.
“Du lügst, ich weiß wie aufgebracht bist”, sagte er schmunzelnd und küsste
mich auf die Nasenspitze.
“Was du alles weißt”, verdrehte ich meine Augen.
“Ana, Tristan, es tut mir leid, ich glaube wir müssen das hier verschieben,
es liegt eine Hausgeburt an, bei der Komplikationen aufgetaucht sind und da
muss ich dringend hin”, sagte er und packte seinen Ärtztekoffer, während ich
mich wieder hinter den Vorhang verzog und mich anzog.
“Können wir nicht einfach einen Test machen?”, fragte ich, als wir wieder
im Auto saßen.
“Nein. Der Test würde dir nämlich nicht anzeigen ob du sch…na, du weißt
schon bist. Menschliche Test’s sind dafür nicht geeignet, deshalb hab ich auch
den Termin bei Ben gemacht”, sagte er.
Leuchtet ein. “Und was machen wir jetzt?”
“Wir gehen einfach in den nächsten paar Tagen wieder zu ihm”, sagte er.
“Nein, das meinte ich nicht. Was machen wir jetzt?”
“Ich werde dich zur Schule fahren. Du hast Unterricht, schon vergessen?”
Ach, ja, genau, das Höllenloch!
“Höllenloch?”, fragte er amüsiert.
“Ja. Und wenn diese Uhr in deinem Auto recht hat, dann hab ich jetzt
Französisch.” Ich hasse Französisch. Diese Sprach kllingt ja sowas von…
“Schön?”
“Schwul! Diese ganzen ö‘s und ä‘s. Schrecklich! Und nichts wird so
ausgesprochen wie man es schreibt oder anders rum.”
“Wir könnten mal nach Frankreich fahren.”
“Ja, genau! Reite noch auf meinem Hass herum! Was soll ich denn in
Frankreich? Ein rießengroßes Stahlgerüst bewundern? Die schwulste Sprache
der Welt mit dämlichen Krötenfressen sprechen? Oder lieber doch ein zu lang
geratenes Brot in mich stopfen?”, fragte ich ihn aufgebracht und er brach in
schallendes Gelächter aus.
“Was gibt’s denn da zu lachen? Das meine ich völlig ernst!”
“Ich weiß, deshalb lache ich ja auch”, sagte er immer noch lachend. Ich
verdrehte nur die Augen und dachte an Mr. Schob, meinen Französischlehrer.
Der Mann ist sicher Schwul. Ich meine das merkt man ja wohl an seinen
quitschbunten Pullis und das in den schlimmsten Farben, wie pink, gelb,
orange oder so ein kotz-grün. Bäh! Vielleicht sollte ich ihm mal Franceso, den
schwulen Frisör, vorstellen. Ich meine die feminine Seit und den schrecklichen
Geschmack was Kleidung angeht haben sie ja gemeinsam.
“Über was du dir Gedanken machst”, schmunzelte Tristan neben mir.
“Freut mich, dass es dir gefällt”, gab ich ironisch zurück.
“Du hast ja keine Ahnung wie sehr. Ich meine du hast keine Ahnung wie
langweilig mein Leben in den letzten 30 Jahren war, bis du aufgetaucht bist”,
sagte er.
“Wow, dein Leben war ja echt…scheiße. Und ich dachte immer Könige
haben spaß im Leben mit ganz viel Geld, Luxus und willigen Frauen”, zog ich
ihn auf.
Er schnaubte nur abfällig. “Man hat zu wenig Zeit um das Geld
auszugeben, der Luxus geht mir am Arsch vorbei und die Frauen, wollen nur
das Geld, das ich nicht ausgeben kann”, sagte er abfällig.
“Aber jetzt hast du ja mich, Schatz. Ich kann ja jetzt dein Geld ausgeben”,
grinste ich ihn an.
“Du darfst das immer, Babe”, sagte er und beugte sich zu mir rüber um mir
einen Kuss zu geben, weil wir leider schon am Schulgelände angekommen
waren. “Wann hast du heute Schluss?”
“Um 2.”
“Gut, ich werde da sein”, sagte er und verabschidete sich mit einem letzten
Kuss.
“Bye”, sagte ich und gab ihm schnell noch einen Kuss bevor ich
verschwand. Oh, scheiße verfickte, musstest du auch genau VOR der Schule
mit dem Auto parken?
Sorry, Babe!
Wieso klang das gerade so überhaupt nicht schuldbewusst?
Was soll ich sagen, ich wollte nur meine Grenzen abstecken und klar
machen, dass du mir gehörst.
Wenn ich dich in die Finger bekommen, du königliches Arschloch, dann
gnade dir Gott!
Ich liebe dich auch, Schatz.
“Dieser blöde Arsch”, murrte ich vor mich hin, während mich,
wahrscheinlich alle Schüler der Schule dämlich anglotzten. Der kann was
erleben!
“War das dein Freund?”, vernahm ich eine Stimme neben mir. Nicht, der
schon wieder!
“Ja. Was willst du Brandon?”
Er zuckte mit den Schultern. “Hast du mich wegen ihm versetzt?”, fragte er
und sah mich hoffnungsvoll an. Scheiße, jetzt habe ich auch noch Mitleid mit
ihm. Gott, ich hoffe bloß, dass das an der Magendarmgrippe liegt.
“Nein”, seufzte ich. “An dem Tag gabs so ein familiäres Ding, da hab ich ihn
zufällig kennen gelernt”, sagte ich.
“Okay”, sagte er und grinste mich schelmisch an. Noch mal Glück gehabt,
wenn der hier auch noch angefangen hätte einen auf verletzt zu machen,
dann hätte ich aber ein rießen großes Problem gehabt!
“Hast du jetzt auch Französisch?”, fragte er mich. Ich nickte nur. “Gut, dann
komm.”

**********

“Gut, wer kann mir denn bitte, >Ich würde gerne ein Zimmer reservieren<
übersetzten?”, fragte Mr. Schob 20 Minuten später im Unterricht.
Unsere kleine Streberin Melanie meldete sich sofort und hob
überschwänglich die Hand. “Melanie”, sagte der Lehrer, als kein anderer
Anstalten machte zu antworten.
“Je voudrais…”, fing sie an und wurde durch ein Klopfen an der Tür
unterbrochen. Gott sei Dank, wenn da auch nur noch ein Wort gequirrlter,
französischer Scheiße raus gekommen wäre, dann wäre ich die Decke hoch
gegeangen.
“Hererin.”
“Entschuldigen Sie dir Störung, aber meine Freundin hat ihr Handy in
meinem Auto vergessen und ich wollte es ihr nur zurück geben”, vernahm ich
Tristans Stimme von der Tür aus. Die Mädchen seufzten auf und sahen ihn an
wie Barbie es bei Ken wahrscheinlich getan hätte, wären sie echt gewesen. Ich
meine Barbie ist doch extrem unrealistisch. Immer diese großen blauen
Augen, blonde, lange Haare, kleine Stupsnase, volle Lippen und eine Figur, die
sogar Magersüchtige neidisch werden lässt. Na gut, das letzte war vielleicht
ein bisschen übertrieben. Aber nur ein klitzekleines bisschen. Und ich hätte
schwören können meinen Lehrer ebenfalls seufzen zu hören und einen
verträumten Ausblick in seinem Gesicht zu erkennen bevor er sich sammelte
und mit halbwegs fester Stimme fragte: “Wer ist denn ihre Freundin?”
“Anastasia”, sagte Tristan und grinste mich an. In Mr. Schob’s Augen trat
ein eifersüchtiger Ausdruck. Ich wusste es doch! Mein Schwul-O-Meter schlägt
immer an!
“Na gut, aber beeilen Sie sich”, sagte Mr. Schob. Alter, bei was soll er sich
denn beeilen? Er muss mir ja nur mein Handy in die Hand drücken und dann
kann er auch schon wieder verschwinden.
“Ich werde mich beeilen”, sagte er und kam auf mich zu. Ich streckte meine
Hand nach meinem Handy aus. Wird das heute noch was?
Nicht so ungeduldig.
Hast du denn nicht gehört was Mr. Schob gesagt hat? Du sollst dich
gefälligst beeilen! Also gib mir einfach mein Handy wieder, aber pronto. Ich
bin immer noch wütend auf dich.
Ich werde es heute Nacht wieder gut machen, grinste er mich an.
Denkste! Es gibt keinen Sex, bis nicht geklärt ist ob ich einen kleinen
Tristan oder eine kleine Ana in meinem Uterus habe!
WAS?! Das hälst du sowieso nicht durch!
Natürlich halte ich das durch, du Spast. Jetzt her mit meinem Handy!
“Hier”, sagte er und ließ es in meine offene Hand fallen. Brav. “Wir sehen
uns um 2 Uhr wieder, Schatz”, sagte er und drehte sich mit einem
geheimnissvollen Grinsen um. “Auf wiedersehen und einen wunderschönen
Tag wünsche ich Ihnen”, sagte er zu Mr. Schob, bevor er entgültig aus der Tür
verschwand. Am liebtsen würde ich diesen Stuhl nehmen und ihn dir über
deine idiotische Rübe ziehen, ich hoffe, dass dir das klar ist!, brüllte ich
Tristan gedanklich an. OH UND ICH HOFFE DU BEKOMMST GANZ SCHLIMME
KOPFSCHMERZEN VON MEINEN GEDANKEN!
Sorry, Babe, aber Vampire kriegen keine Kopfschmerzen.
Menno. Trotzdem kann ich dir damit am Arsch gehen!
Wenn du meinst, schoß es durch meinen Kopf und ich wollte am liebsten
meine Faust in seiner Visage versenken.

“Wer.War.Dieser.Gott.Von.Einem.Mann?”, fragte Lora schon fast hysterisch
und sah mich mit neugierigen Augen an. Er? Niemand! Nur der König einer
Spezies, die eigentlich gar nicht existieren dürfte, mein Gefährte und
wahrscheinlich der Vater meiner zukünftigen Kinder. Wenn er bis dahin
überlebt.
Wieso sollte ich nicht bis dahin überleben?
Weißt du, die Lebensqualität bei Arschlöchern ist nicht all zu hoch und
königliche haben leider gar keine Chance!
Das ist ja schade…und dabei wollte dich das königliche Arschloch mit
einem Paar LOUIBUTONS überraschen.
Tja, jetzt ist ja keine Überraschung mehr, versuchte ich so gleichgültig wie
möglich zu klingen. Verfickte scheiße! Ich meine HALLO?!!! LOUIBUTONS!
Normalerweise passe ich ja nicht in das Abbild einer durchschnittlichen
Bürgerin, aber Schuhe gehören nun mal zu Frauen, wie Blut zu Vampiren oder
der Vollmond zu Werwölfen. Sogar irgendwelche Kampf-Lesben, die mit ´nem
Holzfällerhemd und kurzen Haaren durch die Gegend laufen würden weiche
Knie kriegen, bei einem Anblick von wunderschönen Louibutons, Manolo
Blahniks, Pradas oder doch Chanel. Die Liebe zu Schuhen ist nun mal
genetisch vorbedingt. “Schuhe”, seufzte ich träumerisch und starrte Löcher in
die Luft.
“Frauen”, murmelte Hunter neben mir. Halt doch den Mund, Hunter!
“Anastasia Sofie Richmond! Wer war dieser Mann oder besser gesagt, wer
war dieses perfekte Abbild eines Mannes?”
“Mein Freund”, sagte ich und zuckte mit den Schultern. Meine Fresse. Er ist
auch nur ein Mann!
“DEIN FREUND? DU KRIEGST SO EINE SAHNESCHNITTE, WAS SAG ICH DENN
DA, DU KRIEGST SO EINE SCHOKOLADENTORTE VORGELEGT UND ERZÄHLST
MIR NICHTS?!”, schrie sie mich schon fast an. Nur zum Mitschreiben, wir hatte
immer noch Unterricht, sodass sich nun alle zu mir umdrehten und mich
anstarrten.
“Geht‘s noch lauter? Ich glaub die Aborigines in Australien haben dich noch
nicht gehört! Und ihr hört auf mich so anzuglotzen! Hier gibt‘s nichts
umsonst!”, giftete ich die Leute die mich immer noch ansahen an.
“Wir reden noch”, flüsterte mir Lora zu und Reba nickte bestätigend.
Merde. Besser kann es doch gar nicht werden, ich fluche nämlich schon auf
Französisch. Nehmt ´nen Malakoff Cocktail und lasst ihn mich trinken!

**********

„Also, wer war dieser Mann?“, fragte mich Lora zum tausendsten Mal
heute, als wir in der Kantine saßen.
„Mein Freund“, antwortete ich wie jedes Mal.
„Das glaub ich einfach nicht. Unsere Ana, die nichts mit Jungs zu tun
haben wollte, weil es nervige Geschöpfe sind die deine Aufmerksamkeit
brauchen, hat auf einmal einen Freund und das nicht nur irgendeinen. Nein,
statt sich einen Quaterback zu angeln, wie es wahrscheinlich 90% der
weiblichen Gesellschaft in Amerika tun würde, schnappt sich Ana einen Gott
und sagt uns dann auch nichts davon“, beendete sie ihre Rede.
„Ja, ich bin schrecklich“, sagte ich während ich von meinem Schokoriegel
abbiss. Ja, es ist soweit, Lora hat es geschafft, sie hat mich in den Abgrund
genervt sodass ich nun zu Nervennahrung greifen musste. Und ich hab immer
noch Hunger, trotz des Burgers, der Pommes, der Cola, dem Muffin und jetzt
dem Riegel. Es ist als ob ich gar nicht aufhören könnte. Mein Körper verlangte
nach mehr, mehr, mehr!
„Ana, was ist denn los mit dir? Du isst ja immer viel, aber heute ist es
immens. Bist du vielleicht schwanger?“, neckte mich Reba. Ich wurde bleich
und sah sie aus riesengroßen Augen an.
Das wüsste ich auch gerne! Aber ich hoffe nicht! Wieso denkt jeder, dass
ich schwanger bin?
„Hey, süße, stimmt was nicht mit dir?“, fragte mich Reba.
„M-mir geht’s gut. Ich geh mir noch schnell was zum essen holen“, sagte
ich und stand auf.
Ruf Ben an, ich muss verdammt noch mal wissen, was mit mir los ist,
dachte ich und hoffte, dass ich nicht allzu ängstlich klang.
Schatz, mach dir keine Sorgen, ich werde das alles regeln, nur reg dich
nicht auf okay, kam es beruhigend von Tristan.
Ich glaubte selbst kaum, dass ich das sagte. Ich glaube, ich brauche jetzt
eine Umarmung!
Bin in zwei Minuten da, Babe.
Beeil dich bitte! Ich werde doch hier jetzt nicht heulen oder? Verdammt
noch mal, ich habe noch nie geweint. NOCH NIE!
Ich stand kurz vor einer Heulattacke, Tristan war nicht da und die zwei
Minuten waren schon vor drei Minuten um.
„Hey, Babe“, vernahm ich Tristans beruhigende Stimme an meinem Ohr. Er
schlang einen Arm um meine Taille und flüsterte mir beruhigende Worte zu.
„Noch ist alles in Ordnung, ich hab noch nicht geheult“, murmelte ich eher
zu mir selbst.
„Ich hab Ben mitgenommen. Er wird dir ein bisschen Blut abnehmen und
wir sollten die Ergebnisse in 1-2 Tagen haben.“
„Gut, wenn ich nicht bald erfahre, was mit mir los ist, dann werde ich
aggressiv werden, aber so richtig“, zischte ich.
„Schon gut, Babe, beruhig dich wieder. Es wird alles wieder gut werden“,
sagte er und hauchte mir Küsse auf die Stirn. Wieso bin ich in letzter Zeit nur
so wehleidig?

**********

„Ihr bekommt die Ergebnisse bis spätestens übermorgen“, sagte Ben 10
Minuten später, als er mein Blut abnahm.
„Geht das nicht ein bisschen schneller?“, fragte ich hoffnungsvoll.
„Nein, tut mir leid. Die haben im Labor gerade richtig viel zu tun“, sagte er
bedauernd. Was haben brillentragende Spackos den bitte so wichtiges zu tun,
außer sich vielleicht bei einem Bild von einer halbnackten Megan Fox, die sich
gerade auf einem Motorrad räkelt, sich einen runterzuholen denn bitteschön
noch zu tun? Tristan, der wiedermal gehört hatte was ich dachte grinste breit.
„Na gut“, seufzte ich ergeben. „Ich muss dann mal wieder“, sagte ich.
„Wohin?“, fragte mich Tristan mit gerunzelter Stirn.
„Zum Unterricht? Ich hab gleich Mathe und da sollte ich nicht zu spät
kommen“, sagte ich und dachte an Ms Glows Brüste, die hin und her
schwingen würden, wie ein Pendel, während sie mich anbrüllte und spucke in
mein Gesicht schoss. Ja, nicht einmal mein Wundermittel Kaffee hatte damals
was gegen mein traumatisches Erlebnis tun können. Und ich war echt nicht
scharf drauf so etwas noch einmal mitzumachen. Einmal, war mehr als
genug. Ich schüttelte mich vor ekel.
„Gut, wir sehen uns dann in zwei Stunden wieder, wenn ich dich abhole“,
sagte Tristan und gab mir noch einen Abschiedskuss.
„Bye“, sagte ich noch zu Ben bevor ich mich umdrehte und zum
Schulgebäude ging. Ms Glow, ich komme! Rette sich wer kann!
„Viel Spaß noch, Baby!“, rief mir Tristan breit grinsend hinter her. Idiot.


**********

Ich sollte wirklich Hellseherin werden. Jetzt starre ich schon seit gefühlten
15 Minuten Ms Glow’s Brüste an, die schwingen, wie ein Pendel beim
Seelendoktor, wenn er dich hypnotisieren will. Und es klappt tatsächlich, ich
bekomme ja nicht einmal mehr mit was die Gute da von sich gibt. Und das
passiert hier gerade alles auch nur, weil ich beim Läuten reingekommen bin,
ja, beim LÄUTEN! Nicht danach, nein, sondern genau beim Läuten.
„Haben Sie mich verstanden, Ms Richmond?“ Hä? Aber, hey, das sicherste
einfach nicken und lächeln.
„Klar doch“, sagte ich und zwang mich zu einem überzeugenden Lächeln.
Hoffentlich kauft sie mir das jetzt ab.
„Gut. Dann sehen wir uns ja dann um 2 im Nachsitzraum.“
Ich wollte gerade nicken, als mir klar wurde, was sie gerade gesagt hatte.
Ich machte große Augen und fragte eine Oktave höher, „WAS?!“
„Oh, ja, Sie haben mich schon verstanden. Und jetzt hinsetzten! Wegen
Ihnen haben wir schon 15 Minuten des Unterrichts verschwendet!“, schrie sie
mich schon wieder viel zu laut an. Irgendwann werde ich noch taub wegen
dieser Frau werden!
Ich begab mich kopfschüttelnd zu meinem Platz. „Ich weiß ja nicht mal wo
dieser Nachsitzraum sein soll“, murmelte ich zu mir selbst.
„Ich schon, war schon dreimal dort“, sagte Hunter, als ich neben ihm Platz
nahm.
„Du bist doch erst seit letzter Woche hier“, sagte ich.
„Tja, was soll ich sagen, beim Sex in der Mädchentoilette erwischt zu
werden hinterlässt wohl keinen so guten Eindruck“, sagte er grinsend und
zuckte mit den Achseln.
„Sag mal, ich hab deine Gefährtin noch gar nicht kennen gelernt“, sagte
ich.
„Wirst du noch“, sagte er grinsend. Sorry, Schatz, aber das mit 2 Uhr wird
heute wohl nichts, muss nachsitzen.
Wieso das denn?
Weil ich erst beim Läuten in die Klasse gekommen bin und nicht so wie Ms
Glow 5 Minuten vorher.
Was? Wirklich?
Ja.
Wie lange musst du denn nachsitzen?
Ich schätze mal eine Stunde.
Gut, ich hole dich dann um 3 ab.
Gut, weißt du ich finde dieses Gedankendingsbums echt cool. Damit
erspart man sich ´ne hohe Handyrechnung und man kann nicht vom Lehrer
erwischt werden.
Da muss ich dir zustimmen. Ich sitze nämlich gerade bei einer Vorsitzung
und ich sage dir nichts ist langweiliger, als diese Sitzungen. Und keiner der
Typen merkt, dass ich mich gerade mit meiner Frau unterhalte anstatt ihnen
zuzuhören.
Du bist ein beschießener König!
So eine Lüge! Ich bin ein toller König, außerdem bist du nicht anders als
ich! Du hörst doch auch nicht im Unterricht zu.
Touché.
Babe, ich glaube die haben gerade was Wichtiges gesagt. Wir sehen uns
um 3.
Sag ich doch, schlechter König.
Du liebst mich trotzdem.
Aber natürlich. Du bist doch mein Hasischnuckischatzibärli.
Ach wie süß von dir mein Zuckerschnuckibärchen.
Okay, ich glaube wir sollten, dass mit den Kosenamen lassen. Findest du
nicht.
Bin auch der Meinung. Aber jetzt sollte ich wirklich zuhören, Babe. Wir
sehen uns.
Bye.
„Du hast gerade eine Gedankengespräch mit Tristan geführt, oder?“
„Woher weißt du das?“
„Weil du so dämlich vor dich hin grinst und ich glaube kaum, dass das an
Trigonometrie oder Ms Glows Rückenansicht liegt“, sagte er schelmisch
grinsend.
Ich grinse? Echt? Krass. Das hab ich gar nicht bemerkt. Das liegt nur an
dem Spast.

Kapitel 13

Wow! Nachsitzen ist ja noch langweiliger, als es in den ganzen High-


School-Tennie-Filmen gezeigt wird. Anstatt irgendwelche Aufgaben zu
machen oder Strafarbeiten zu schreiben mussten wir hier sitzen und durften
absolut nichts machen.Und wenn ich sage nichts, dann meine ich auch nichts,
wir mussten nämlich am Anfang der Stunde unsere Handys abgeben. Jetzt
darf ich hier noch eine Stunde sitzen und in die Luft schauen. Ganz toll.
Babe, deine Eltern kommen heute von ihrer Reise zurück.
Oh, scheiße, genau Eltern, die existieren ja auch noch. Na, wenigstens
leidet Mama jetzt mit mir, bis ich weiß was ich habe.
Damit du weißt warum ich das denke musst du die Beziehung zwischen
mir und meiner Mutter verstehen. Es ist so, dass ich genau nach meiner
Mutter komme vom Aussehen und von Charakter her. Und mein Vater, naja,
Jamie ist sein Ebenbild. Genauso ein Glücksbärchi wie er auch. Ich habe keine
Ahnung wie meine Mutter es mit ihm ausgehalten hat, geschweige denn wie
sie so jemanden wie Dad heiraten konnte. Ich meine ich liebe meinen Dad
wirklich, aber 24 Stunden am Tag so eine gute Laune um einen herum und
dieses bedrückende Gefühl ihm eine dafür reinhauen zu wollen und diese
unterdrückten Aggressionen des ganzen Tag mit sich zu schleppen ist echt
nicht angenehm. Schlimmer als mein Vater war allerdings meine Tante Betsy.
Sie ist….ähm, wie nennt man das nochmal….Orgsamuspsychologien oder so.
Wenn das überhaupt ein Name, geschweige denn ein angesehener Beruf ist.
Ich meine ich finde es toll, dass sie so einem wohltätigen Zweck nachgeht,
aber das wäre nichts für mich. Was das schlimmste an ihr ist, das sie dauernd
kichern muss. Ohne Spaß, nachdem ihr Kater gestorben ist, weil ich ihn
„irgendein“ Auto überfahren hat und ich ihr das erzählt habe, hat sie zuerst zu
kichern angefangen und dann gesagt: „Dann kommt er ja jetzt in den
Himmel!“ Und ich denke, dass sie auch diese esoterischen Tees trinkt. Das ist
ja eigentlich noch das Harmlose an ihr. Das Schlimme ist….halt dich fest….sie
hält Kaffee für ein Gebräu des Teufels. Schrecklich oder? Und das sagt eine
Frau, die komische Verrenkungen macht um anderen Frauen zu helfen einen
Orgasmus zu bekommen.
Interessant. Ich wollte vorschlagen sie vielleicht für ein paar Tage im
Schloss wohnen zu lassen, du weißt schon, weil Jamie und Jason sind bei euch
zuhause mit ihren Gefährtinnen und deine Eltern waren nicht dabei als du
gekrönt wurdest.
Ist gut, ja, stimmt, die Krönung. Wieso vergesse ich den all den wichtigen
scheiß merke mir aber, was ich vor drei Jahren gegessen habe, kannst du mir
das mal erklären?
Sorry, Schatz, aber da bin ich ein bisschen überfragt.
Okay, naja egal, in 10 Minuten kann ich endlich aus diesem Höllensloch
raus.
Ich weiß, ich warte schon seit 15 Minuten hier vor der Schule.
Das ist ja so….nett von dir.
Nicht wahr? Und danke, dass du nicht süß gesagt hast.
No problemo, amigo. Ja, was mach ich denn in den letzten 10 Minuten?
Du kannst dich mit mir unterhalten.
Aha, ja, könnte ich. Aber jetzt mal im ernst was soll ich machen?
Hallo? Dein Gefährte würde sich gerne mit dir unterhalten!
Dann schieß los.
Wie? Jetzt?
Nein, morgen! Du wolltest dich unterhalten, also schieß los!
Oh, hm, gut. Ahm hab was, Jamie, hat gesagt, dass er das Bettchen
zusammen bauen will, wenn das Baby auf die Welt kommt.
Ich fing lauthals an zu lachen. Das meint er doch nicht ernst oder? Die
anderen Schüler sahen mich irritiert an. „Was denn? Noch nie an was Lustiges
gedacht?“
Das hab ich ihm auch gesagt. Und er fragte mich wieso denn nicht?
Ich hab ihm doch schon mal gesagt, dass er handwerklich so begabt ist,
wie ich Tee liebe! Also unmissverständlicher kann man es nicht machen!
Wie es aussieht doch, denn er ist jetzt im Hungerstreik und weigert sich
etwas zu essen bis du ihm erlaubst das Bettchen zusammenzubauen.
Das ist ja wiedermal so erwachsen, aber das kann er gerne haben!
Das klingt so, als ob du was vorhättest.
Und ob ich das hab!
Hättest du vielleicht die Güte mich an dienen geistigen Ergüssen teilhaben
zu lassen?
Lass dich überraschen. Wir müssen einkaufen gehen. Ich wusste, dass mein
Bruder es liebte wenn ich kochte. Und das würde ich heute machen, dann soll
er doch sehen wie er seinen Hungerstreik durch halten wollte.
„So meine Damen und Herren. Sie dürfen jetzt nach Hause gehen!“
„Wird aber auch langsam Zeit. Ich hab eine Stunde meines Lebens
vergeudet, die ich nie wieder zurückbekommen werde“, murmelte ich während
ich den Nachsitzraum verließ.

**********

„Und wie war’s beim Nachsitzen?“, fragte Tristan, als ich draußen ankam.
„Du tust so, als ob wir gerade nicht eine halbe Stunde lang miteinander
geredet hätten“, gab ich als Antwort zurück.
„Wie du meinst. Also wohin gehen wir zuerst. Wie wäre es wenn wir
irgendwo hin gehen wo ich die Zutaten für eine Maissuppe mit
selbstgemachten Croutons, einen Truthahn mit Kastanienfüllung, als Beilage
Süßkartoffelauflauf, Kartoffelbrei und Buttermöhren und dann noch eine
weiße Mousse mit selbst gemachter Preiselbeersauce, herbekommt.“
„Das kannst du alles Kochen?“, fragte er erstaunt.
„Ja“, sagte ich und zuckte mit den Schultern. „Wir laden alle heute Abend
zum Abendessen ein, als Vorwand nehmen wir, dass Mom und Dad kommen,
aber eigentlich will ich Jamie aus der Reserve locken.“
„Du bist fies, aber ich liebe es“, sagte er lachend und hielt mir die Tür zum
Wagen auf.
„Danke“, sagte ich grinsend.
„Und woher kriegen wie diese Sachen her?“
„Ich kenn da jemanden. Seine Sachen sind die Besten vom Besten und
immer frisch.“
„Okay.“

**********

„Ana?“, hörte ich Killians Stimmte 15 Minuten später. Der große
Muskelprotz mit dem Militärhaarschnitt kam breit grinsend auf mich zu.
„Hey, Killian“, grinste ich ihn an. Das war der einzige Mensch, der mich zum
Grinsen brachte, denn der Mann verstand es einen guten Kaffee zu kochen
und er wusste, wann er nicht zu aufdringlich werden durfte.
„Ich hab dich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.“
„Hier bin ich. Tristan, das ist Killian, der Mann der nur das Beste vom
Besten verkauft. Egal was. Killian, das ist Tristan, mein Gefährte“, stellte ich
die beiden vor.
„Freut mich“, sagte Killian.
„Ebenfalls“, sagte Tristan als sie sich die Hände gaben. Gut, dann hätten
wir das auch noch geklärt.
„Also was brauchst du, meine Schöne?“
„Ich will Jamie aus der Reserve locken“, sagte ich grinsend.
„Das übliche?“
Ich nickte.
„Das übliche?“, fragte Tristan, als Killian verschwunden war um meine
Sachen zu besorgen.
„Das was ich heute Abend koch will ist Jamies Lieblingsessen.“
„Oh, du bist wirklich ein durchtriebenes Biest. Und weißt du was? Das
macht mich gerade richtig scharf“, sagte er. Ich lachte.
„Merk dir das.“
„Was? Das mit dem scharf machen?“
„Nein, das mit dem durchtriebenem Biest“, gab ich zurück.
„Ich werde es mir aufschreiben.“
„Ich hab alles. Sollen meine Männer es einladen?“
„Bitte.“
„Geht klar. Der rote Ferrari oder?“
Tristan nickte und gab ihm die Schlüssel. „Guter Wagen, hab den gleichen
in Rot“, sagte Killian bevor er verschwand.
„Der Mann hat Geschmack“, sagte Tristan grinsend.
„Männer“, sagte ich augenverdrehend.

**********

„WAS? SCHWANGER?“, fragte meine Mutter wenige Stunden später, als ich
in der Küche mit der Zubereitung für das Essen beschäftigt war.
„Wir wissen es noch nicht. Wir kriegen die Ergebnisse in 1 bis 2 Tagen“,
sagte ich.
„Gott, Kind, ich bin noch zu jung um Oma zu werden.“
„Du wirst Oma, entweder wegen mir oder Jamie, der Spast ist nämlich
kräftig am Werkeln um Papa zu werden.“
„Spinnt der Junge? Weiß er denn nicht wie viel Arbeit Kinder bringen.“ Was
für ´ne Ironie, immerhin hast du drei davon.
„Was erwartest du von so einem Spatzenhirn wie Jamie?“
„Nicht viel“, murmelte sie. „Und weshalb kochst du jetzt?“
„Weil er in einen Hungerstreik getreten ist. Er will das Bettchen für das
Kind zusammen bauen, falls ich schwanger sein sollte.“
Meine Mutter fing lauthals an zu lachen. „Jamie und Hungerstreik? Noch
schlimmer, Jamie und handwerkliche Arbeiten?“
„Siehst du, deshalb auch der ganze Aufwand, das hält er sowieso nicht
aus“, sagte ich und zuckte mit den Schultern.
„Das hast du recht“, sagte sie und nippte an ihrem Cocktail. „Das hat alles
sein gutes, für mich jedenfalls. Du kochst und du weißt, dass du besser als
jeder Gourmetkoch der Welt kochen kannst. Und ich kann Jamie dabei
zusehen wie er versucht durch zu halten.“
„Ich hab dich vermisst, Mama“, sagte ich lachend. Objektiv betrachtet
sehen wir wie zwei bösen Disneyhexen aus, die gerade den perfekten bösen
Plan geschmiedet haben, was ja auch irgendwie stimmt.
Babe, ich kenne deinen Plan und ich kenne deine Mutter. Ihr seid zwei böse
Disneyhexen mit dem perfekten bösen Plan.
Danke, für die Unterstützung.
Immer wieder gerne.
„Ich glaube sie sind da“, sagte meine Mutter, als Stimmengewirbel aus
dem Wohnzimmer kam.
„Auf in den Kampf.“

**********

„Ana, du hast gekocht?“, fragte Jamie ungläubig und sah ein wenig nervös
aus.
„Ja, aber schade, dass du nicht mitessen kannst, weil du ja in deinem
Hungerstreik bist. Zu schade aber auch“; sagte ich und schnalzte missbilligend
mit der Zunge.
„Ja, Hungerstreik“, murmelte er und sah mich unsicher an.
„Obwohl ich mir so viel Mühe gemacht habe und extra dein Lieblingsessen
gemacht habe“, sagte ich gespielt enttäuscht. Aus den Augenwinkeln sah ich,
wie Jason, Mom und Tristan sich ein Lachen verkneifen mussten, während
mein Vater sie Stirnrunzelnd ansah.
„D-Du hast Maissuppe mit selbstgemachten Croutons, Truthahn mit
Kastanienfüllung, als Beilage Süßkartoffelauflauf, Kartoffelbrei und
Buttermöhren und dann noch eine weiße Mousse mit Preiselbeersauce
gemacht?“
„Die Preiselbeersauce ist auch selbst gemacht. Ich war heute bei Killian und
der hatte zufälligerweise ganz frische Preiselbeeren da“, sagte ich.
„W-wirklich?“
„Jap“, sagte ich und nickte. Nicht mehr lange.
Ich liebe dich, du herzloses Miststück.
„Na gut, ich werde das scheiß Bettchen nicht zusammenbauen“, gab Jamie
knurrend von sich.
„Halleluja“, jubelte ich.
„Jamie Schatz, du besitzt nun mal kein handwerkliches Talent. Du kommst
nun mal nach deinem Vater“, sagte meine Mutter und tätschelte mitleidig
seine Hand.
Gott, die Wörter Talent und Jamie in einem Satz, das klingt so….falsch.
„Was soll das denn heißen?“; fragte mein Vater.
„Niiichts“, sagten eine Mutter, Jason und ich unschuldig im Chor.

**********

„Also gut, das Essen war brillant, Ana Schatz“, fing mein Vater an und sah
mich liebevoll an. „Aber jetzt kommen wir mal zu einem ernsten Thema“,
sagte er und sah Tristan an.
Oh, oh, jetzt wirst du auf Herz und Nieren geprüft.
„Wieso habt ihr uns nicht gesagt, dass Anastasia schwanger ist?“, fragte
mein Vater und sah uns vorwurfsvoll an.
„Ich bin doch gar nicht schwanger! Die Gefahr, dass ich schwanger bin liegt
in der Höhe von 5%! Wer hat denn gesagt, dass ich schwanger bin?“
„Jamie“, sagte mein Vater und sah meinen – wohlbemerkt – 1,90m großen
Muskelprotz, der mein Bruder ist und gerade den Kopf eingezogen hatte, an.
Ich hob eine Augenbraue. „Wirklich?“, fragte ich betont ruhig.
„Naja, also…ich…ähm…“, stotterte er.
„Ich hole mal den Nachtisch“, sagte ich lächelnd. „Aber Jamie bekommt
keinen.“ Okay, das klingt jetzt vielleicht harmlos. Uhuuu, Jamie bekommt
keinen Nachtisch, aber der Junge würde töten für seinen Nachtisch. Ein
Wunder das er nicht fett wird und immer noch diese ganzen Muskeln besitzt.
„WAS?! Wieso?“, fragte er aufgeregt.
„Uh, Anastasia ist schwanger, Daddy, buhuuu, heul doch! Du kriegst keinen
Nachtisch und damit basta!“
„Aber, Ani“, versuchte er es.
Ich sah ihn scharf an. „Was?“
„Es tut mir leid“, sagte er und machte ein Gesicht wie ein dreijähriger, der
sich seiner Schuld gar nicht bewusst war. Wieso wird mir so komisch warm
ums Herz?
Babe, er erwärmt dein Herz, weil er dein Bruder ist und du ihn liebst.
„Verdammte Herzerwärmungssache!“, rief ich bevor ich in die Küche
stürmte. „Hier, dein Nachtisch, Idiot“, sagte ich bevor ich es ihm auf den Tisch
legte.
Ich hätte den Nachtisch auf den Tisch knallen sollen!
Schon gut, Baby. Beruhig dich, du weißt doch, was das letzte Mal passiert
ist als du wütend geworden bist.
Du meinst das mit dem durch die Gegend schleudern!
Bingo.
Ich bitte dich, das ist doch nur ein einziges Mal passiert. Und es war doch
auch nur Allan.
„Könnet ihr bitte damit aufhören euch gedanklich zu unterhalten“, fragte
meine Mutter und sah uns vorwurfsvoll an.
„Ja, Mama.“
„Natürlich, Ms Richmond.“
„Gut, also, wenn es etwas Wichtiges ist, dann könnt ihr das auch vor der
Familie bereden.“
Wenn du wüsstest. „Schon okay, Mom“, sagte ich.
„Gut. Dann mal zu euch, Jungs. Besonders zu dir Jamie. Wenn du deinem
Vater noch einmal vorlügst, dass deine Schwester schwanger ist, dann kriegst
du ein Problem mit mir, verstanden?“
„Verstanden, Mom“, sagte er.
„Und du Schatz“, sagte sie und sah meinen Vater an. „Du darfst Jamie doch
nicht immer alles glauben.“
„Okay, Schatz.“
„Gut. Jason, wie läuft es zwischen dir und deiner Gefährtin?“
„Gut, Mom. Sie ist wundervoll. Und sie lädt euch alle am Wochenende zum
Abendessen in unserem neuen Haus ein“, sagte er grinsend. Die haben schon
ein Haus gekauft?
„Wir werden natürlich alle kommen, nicht wahr?“, sagte sie und sah uns
alle an.
Wir nickten alle. Wenigstens geht es nicht zu Jamie. Der würde
wahrscheinlich Feenstaub durch die Luft werfen sobald wir ankommen nur
damit die Atmosphäre wegen meiner Laune nicht den Bach runter geht oder
so.
Was du dir wieder denkst, Babe.
Was denn? Is‘ doch wahr!
„Wenn das jetzt geklärt ist würde ich gerne wieder zu der
Schwangerschaftssache zurück kommen“, sagte mein Vater.
„Wir kriegen in 1-2 Tagen die Ergebnisse der Blutuntersuchung, aber ich
bin sicher nicht schwanger. Mir war nur einmal in der Früh schlecht und das
wahrscheinlich, weil ich am Abend zuvor das erste Mal Menschenblut
getrunken habe und seit dem verzichte ich geflissentlich auf den Müll“, sagte
ich und schüttelte mich vor ekel. Ja, lustig, ein Vampir, der kein Menschenblut
mag. Aber Tristans Blut schmeckt einfach besser. Dieser menschliche Schrott
schmeckt schrecklich, so metallisch. Bäh.
„Also denkst du nicht, dass du schwanger bist?“, fragte mein Vater
sicherheitshalber.
„Gott, nein!“
Er atmete erleichtert aus. „Gott sei Dank! Baby, du bist noch viel zu jung
um Mutter zu werden. Du bist doch gerade erst Königin geworden. Du musst
noch so viel machen! Und noch so viel erleben! Deine Mutter und ich, wir
lieben euch über alles. Ihr seid das Wichtigste in unserem Leben, aber wir sind
viel zu früh Eltern geworden.“
Ich war erstaunt. Ich hätte nicht gedacht, dass mein Vater solch eine
Einstellung zum Kinderkriegen hatte.
„Wie alt seit ihr eigentlich?“, fragte ich und sah mir meine Eltern genauer
an. Sie sahen aus wie Anfang dreißig, Ende zwanzig und nicht wie Mitte
vierzig.
„Ungefähr 300 Jahre alt“, sagte meine Mutter und wiegte ihren Kopf hin
und her.
„Oh. Ihr seht aber gar nicht so aus.“
„Danke, Schatz. Hat Tristan dir denn nicht erzählt wie das mit dem älter
werden funktioniert?“
„Ich habe ihn noch nicht danach gefragt.“
„Dann erklärt dir Mommy jetzt alles. Vampire werden ab dem Alter von
18, zumindest die Frauen, nur um 10 Jahre älter in 100 Jahren. Die Männer
fangen ab 20 an um 10 Jahre älter zu werden mit jedem Jahrhundert.“
„Interessant.“
Das erspart mit zumindest eine Menge Feuchtigkeitscremes, besuche im
Fitnessclub und beim Schönheit’s-Doc.
Du brauchst doch keinen Schönheit’s-Doc, Baby.
Ja, jetzt nicht mehr.
Den hattest du auch schon vorher nicht nötig.
Wie nett von dir, danke, süßer.
Klar doch, Babe. Er grinste vor sich hin.
„Ihr führt schon wieder gedanklich Kommunikation. Hallo, hier sind auch
noch – Menschen wäre gelogen -, aber noch weitere Personen anwesend“,
sagte meine Mutter vorwurfsvoll.
„Sorry, Mom“, grinste ich.

Kapitel 14

Tristans Sicht:

“Hey, Babe”, rief ich aus dem Wohnzimmer. Anastasias Eltern hatten sich
doch dazu entschieden bei Jason zu schlafen und hatten sich vor 5 Minuten
vorzeitig verabschiedet.
“Ja?”
“Damien hat mir gerade eine SMS geschrieben und gefragt ob wir heute
nicht vielleicht in seinen Club gehen wollen.” Wer zur Hölle ist Damien?
“Damien ist ein alter Kumpel von mir.”
Sie zuckte nur mit Schultern. “Okay, wann geht’s los?“
“In einer Stunde?” Verdammte Scheiße! Eine Stunde?!
“Dann muss ich jetzt sofort duschen gehen!”, rief sie während sie die
Treppe raufrannte. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
>Wir kommen<, schrieb ich ihm zurück.
>Danke, Mann, ich brauche deine Hilfe heute< Ich runzelte die Stirn. Seit
wann braucht Damien meine Hilfe?
Baby? Wobei braucht Damien deine Hilfe?
Ich habe keine Ahnung. Bist du bald fertig?
Ich bin noch unter der Dusche!
Ich stöhnte. Musste sie mir das auch sagen? Ich stellte mir meine Gefährtin
gerade nackt vor. Wie das Wasser auf ihren traumhaften Körper prasselte und
dampf sie umgab. Ich schloss meine Augen und stellte mir das gerade alles
bildlich vor, als ich eine hauchzarte Berührung an meinen Lippen war nahm.
Sofort öffnete ich meine Augen. Vor mir stand Ana, nur in einem kurzen
Handtuch und ihre Haut noch glänzend feucht vom Wasser, sodass meine
Kehle austrocknete.
„Ich habe dich unter der Dusche vermisst“, sagte sie mit samtweicher
Stimme.
„Gott, Baby, du darfst so etwas nicht sagen, wenn du es nicht so meinst“,
stöhnte ich und konnte mich nicht von ihrem Anblick losreißen.
Sie schob einen Mundwinkel nach oben und schenkte mir ein schiefes
Grinsen. „Außerdem habe ich Hunger“, flüsterte sie und küsste meinen Hals.
Ich knurrte, bückte mich und warf sie über meine Schulter.

Anastasias Sicht:

Im Club wummerte die Musik so laut, das mein Gehör auf jeden Fall heure
Nacht noch einen Schaden davon tragen würde. Und es war heiß, von der
Menschentraube, die an der Bar stand und sich auf der Tanzfläche
umherschlängelte. Süßer, wenn du deinen Arm noch enger um mich schlingst,
dann werde ich ersticken!
Babe, wie soll ich sonst, jedem Perversen, der dich anglotzt als ob du der
Heilige Gral wärst, denn bitte verständlich machen, dass du mir gehörst?
Ich verdrehte nur die Augen. Als ob mich jeder anstarren würde! Bitte! Der
Club ist voller Frauen, die Typen haben besseres zu tun.
Ich hörte Tristan neben mir lachen. Dieses Geräusch löste bei so gut wie
jedem weiblichen Wesen eine erregende Wirkung aus. Babe, du hast wirklich
keine Ahnung oder?
Du wie es aussieht auch nicht. Es ist beinahe lächerlich, wie die Weiber dich
anglotzen!
Eifersüchtig?
Kein Stück. Ich weiß, dass ich besser aussehe, als die, dachte ich und fing
an zu lachen. Und das war noch nicht mal gelogen. Die meisten Frauen waren
vom ganzen Tanzen und der stickigen Luft schon recht verschwitzt, sodass ihr
Make-up verlaufen war und ihnen die Kleider an den Leibern klebten.
Da liegst du verdammt richtig, Babe, dachte er und sah die blonde, die
sich gerade komisch über die Lippen geleckt hatte, angeekelt an. Als Mann
wird einem Heutzutage, aber auch nichts mehr geboten! Überall nur Silikon
und Make-up!
„Nicht jeder Mann hat so viel Glück wie ich“, sagte er und hauchte mir
einen Kuss auf die Schläfe.
Ich rollte mit den Augen. Rutsch nicht auf deiner Schleimspur aus,
Klugscheißer, dachte ich schmunzelnd.
Ich werde es versuchen.
„Da ist Avery. Sie ist meine Cousine“, sagte er und deutete auf eine
wunderschöne Schwarzhaarige mit unbeschreiblich schönen schwarz-blauen
Augen. Ich wohlproportionierter Körper steckte in einem engen Hautfarben
Kleid. Neben ihr stand eine hübsche Blondine, die Avery, jedoch nicht das
Wasser reichen konnte.
„Hey, süße, was machst du denn hier?“, grüßte Tristan seine Cousine.
„Tristan? Oh mein Gott, was machst du denn hier?“, rief die Schönheit
freudenstrahlend und fiel ihm um den Hals. Wenn sie nicht seine Cousine
wäre, wäre ich wütend. Also Glück hatte sie!
„Ich gehe ein bisschen mit meiner Frau aus“, lachte er und erwiderte die
Umarmung.
„Wo ist sie?“, fragte Avery daraufhin aufgeregt. Ihre Augen fingen an zu
strahlen und sie sah aus wie ein Kleinkind, das gleich Süßigkeiten bekommen
würde.
„Hier“, sagte Tristan und legte wieder einen Arm um meine Hüfte.
„Avery, das ist Anastasia, meine Frau. Anastasia, das ist Avery, meine
Cousine“, stellte er uns grinsend einander vor.
„Hi“, sagte ich nett und streckte ihr meine Hand entgegen.
Sie nahm sie an und schüttelte sie. „Es freut mich“, sagte sie grinsend.
„Ebenfalls.“
Sie stellte uns noch ihre Freundin vor, die Sharleen hieß. Danach wurde
kurz besprochen ob wir nicht noch nach oben zu diesem Damien gehen
sollten, der Tristans Hilfe benötigte. Ich wusste sofort um was für Hilfe es sich
da handelte. Avery war seine Gefährtin und die kleine süße Maus, wollte das
wahrscheinlich nicht wahr haben. Aber ich sah Entschlossenheit in den grauen
Augen, des dunkelblonden Mannes sehen, die ihm auf seinem wahrscheinlich
noch schwierigen Weg noch weiter helfen wird.
Eine blonde Kellnerin tänzelt regelrecht in einer fast halbaufgeknöpften
Bluse zu uns an den Tisch und wirft den beiden anwesenden Herren
schmachtende Blicke zu. Ich verdrehte nur die Augen. Wie sollte es denn sonst
sein?
Was denn?
Merkt ihr denn die Blicke der Kellnerin nicht?
Ich ignoriere das schon seit Jahren, also fällt es mir auch nicht auf, und
jetzt erst recht nicht, wenn ich doch meine Frau habe. Ich schüttelte lächelnd
meinen Kopf.
„Was wollt ihr trinken?“, fragte Damien in die Runde.
„Ich nehme einen Scotch und eine Cola für dich?“; fragte Tristan und sah
mich fragend an. Denk dran, wir haben die Ergebnisse vom Test noch nicht.
Ach ne, Kackspast?! „Cola ist okay“, sagte ich so nett wie es mir möglich
war.
Damien und Avey waren schon verschwunden, bevor die
Getränkebestellungen aufgenommen wurden. Averys Freundin, Sharleen,
wurde nach einigen Minuten von einem jungen Mann auf einen Drink
eingeladen. Ich lehnte mich an Tristan und sah auf die Masse nach unten.
Avery und Damien saßen an der Bar und lachten, Sharleen und der junge,
gutaussehende Mann waren am Tanzen. „Tristan, ich komme mir so alt vor.
Lass uns Spaß haben!“
Er sah mich grinsend an. „Was für eine Art von Spaß?“
Ich grinste zurück und beugte mich vor. „Nicht an die Art, an die du
denkst“, hauchte ich und stand lachend auf. „Los, lass uns tanzen“, sagte ich
und streckte meine Hand aus. Er grinste mich an, bevor er meine Hand ergriff
und mir auf die Tanzfläche folgte.

**********

Mein Schädel brummte, wegen der langen Nacht und den paar Stunden
Schlaf,die ich genossen hatte, als mein Wecker in der Früh klingelte. Scheiß
Schule! Wieso muss die denn auch so früh anfangen?
Tristan brummte etwas Unverständliches und erdrückte mich beinahe, als
er mich noch näher an sich zog. Schatz, du erdrückst mich.
Tue ich nicht, ich hindere dich nur daran mich zu verlassen. Das ist eine
Win-Win Situation, du kannst nicht in die Schule und ich muss meine
Wärmequelle nicht los lassen.
Geile Idee! Ich liebe dich.
Ich liebe dich auch, dachte er und hauchte mir einen Kuss auf den Kopf.
Wieso bin ich eigentlich nicht auf die Idee gekommen?
Dafür hast du ja mich.
Bin ich froh.
Ich dachte daran was noch so anstehen würde, denn in die Schule, würde
ich mit diesem Kater ganz sicher nicht gehen. Ich setze mich kerzengerade auf,
als mir einfiel, dass wir heute die Ergebnisse kriegen würde, die nun
bestätigen würden, ob ich ein Kind in mir trug oder nicht. Ich war mit zu 99%
sicher, dass ich nicht schwanger bin, aber dieses 1 % reichte aus um mich in
Panik zu versetzten.
„Was ist, Baby?“, fragte mich Tristan alarmiert.
„Heute kriegen wir die Ergebnisse vom Test“, kreischte ich fast.
„Beruhig dich, Babe. Wir gehen jetzt erst mal was frühstücken und ich
mache dir einen Bananenmilchshake, die sollen angeblich gegen Kater
helfen.“
Ich nickte automatisch. „Bananenmilchshake? Kein Kaffee?“
Er lachte heißer. „Ja, dein Wundermittel hilft bei deinem Kater leider
nichts. Du musst viel trinken, weil Alkohol, dem Körper sehr viel Flüssigkeit
entzieht.“
„Okay.“

**********

Ben saß gegenüber von mir und Tristan auf der Couch und trank
seelenruhig seinen Kaffee während ich Tristans Hand mit meinen Nägeln
malträtierte.
Verdammt, ich werde denn Idioten gleich anspringen, wenn er nicht
schneller macht und mir sagt was Sache ist!
Ruhig Blut, Babe. Du wirst es schon früh genug erfahren.
Ich will es aber jetzt wissen!
„Ben, könntest du uns bitte sagen was Sache ist?“, fragt ich ihn
ungeduldig. Er sah zu mir rüber und lächelte mich leicht an.
„Natürlich.“ Ich sah ihn abwartend an. Auf was wartet er?
„Ja, dann sag es mir endlich!“; fuhr ich ihn aufgebracht an. Langsam aber
sicher wurde ich wütend und das letzte Mal als ich wütend war, habe ich
Allan durch eine Wand geschleudert.
„Ich weiß nicht. Ihr solltet mir erst sagen, was ihr denkt.“ Jetzt war ich
wütend.
„Ben, wenn du mir nicht gleich Rede und Antwort stehst, dann knallt’s!“
Er zuckte lediglich mit den Schultern. Mein linkes Augenlied fing schon an
zu zucken. Um uns herum hörte ich Geklirre von zerbrochenem Glas.
Wahrscheinlich waren es die teuren Vasen, die überall im Raum standen. Die
grüne fand ich schon immer hässlich. Ben sah mich unbeeindruckt an.
„Ben, sag uns einfach ob wir ein Kind bekommen oder nicht“, sagte Tristan
und klang wie die Ruhe in Person.
Er seufzte tief. „Na gut.“
„Endlich. Denn als nächstes wärst du durch die Wand geflogen.“
Er lächelte mich an. Du Lumpensack! „Du bist nicht schwanger“, sagte er.
Ich atmete erleichtert aus. Gott sei Dank, High Five, Uterus!
Tristan sah mich fragend an. Was’n? Jeder hat so seine Macken.
„Gut, wenn dann alles geklärt ist, würde ich mich verabschieden, denn ich
muss gleich weiter“. sagte Ben grinsend. Ich hatte Tristan angesehen, dass er
ein klein wenig Enttäuscht war, dass ich nicht schwanger war, aber das hatte
sich im Laufe des Tages gelegt.
Der restliche Tag verlief recht unspektakulär. Tristan erledigte sein Königs
Zeugs und ich machte die Schulaufgaben von heute nach.

**********

IN der Nacht wurde ich von meinem Durst geweckt. Ich schlich leise aus
dem Zimmer um Tristan nicht zu wecken. Unten tastete ich nach einem
Lichtschalter um mir nicht wie einige Male zuvor, als ich in der Nacht Durst
bekam, mir den kleinen Zeh an irgend so einer verschiessenen Ecke zu stoßen
und dann krepierend am Boden zu liegen, weil es einfach unbeschreibliche
Schmerzen sind, aber wer kennt das nicht?
Ich blinzelte als ich den Lichtschalter gefunden hatte in das helle Licht, das
nun den Raum durchflutete. Als ich eine klare Sicht hatte, dacht ich zuerst,
dass ich halluzinieren würde, als ich die 3 Männer sah, die ganz in schwarz
gekleidet waren, im Wohnzimmer standen und mich beobachteten. Okay, ja,
eindeutig, ich werde verrückt!
Ich wollte gerade nach Tristan rufen, als mir jemand von hinten ein Tuch
auf den Mund legte und alles um mich herum schwarz wurde. So eine Scheiße
aber auch!

„Tristan wird uns allen so was von in den Arsch treten für den Mist hier“,
hörte ich eine aufgebrachte Stimme sagen. Ich hatte einen ekligen Geschmack
im Mund und meine Kehle war so trocken wie die Sahara.
Oh nein, ich, werde euch für den Mist hier in den Arsch treten!
Ana? Anastasia! Hörst du mich?
Laut und deutlich!
Geht es dir gut? Wo bist du?
Ich verdrehte meine geschlossenen Augen und öffnete sie danach. Ich lag
in einem großen Himmelbett. Das Zimmer war altmodisch doch sehr teuer
eingerichtet. Es geht mir gut und woher zur Hölle soll ich denn wissen wo ich
bin?! Aber die Typen scheinen dich zu kennen.
Die kennen mich?
Sagte ich doch. Kannst du mich bitte holen?
Schatz, das würde ich gerne, aber ich hab keinen Plan wo du bist. Kannst
du mir den Raum beschreiben?
Er ist sehr altmodisch eingerichtet, aber er sieht sehr teuer aus. Außerdem
ist ein großes Himmelbett in der Mitte des Raumes.
Sieh mal aus dem Fenster. Ist da eine weitreichende Landschaft?
Ich stand auf und sah aus dem großen Fenster. Ja, aber…
Ich weiß wo du bist! Aber nicht wieso. Ich werde in höchstens einer halben
Stunde da sein, weil das Anwesen außerhalb der Stadt liegt.
Okay, ich geh mir einfach die Zeit vertreiben, dachte ich und malte mir in
Gedanken aus, wie ich die Idioten, die mich entführt hatten den Kopf von den
Schultern riss und ihn ihnen so tief ihn den Arsch stecken würde, dass er ihnen
zum Hals wieder raus kommen würde.
Das Haus war bestimmt riesengroß und ich hatte keine Lust die Idioten zu
suchen, also müssten sie jetzt zu mir kommen. Fies grinsend bereitete ich
mich auf meine Showeinlage vor. Ich stellte mir gerade Ms Glow’s
Hängebrüste vor, die direkt auf mich zusteuerten und fing an zu kreischen, als
hinge mein Leben davon ab. Ein paar Sekunden danach stürmten vier riesen
Idioten durch die Tür und viel einer über den anderen auf den Boden. Ich
verschränkte meine Arme vor der Brust, legte meinen Kopf schief und zog eine
Augenbraue hoch.
Sie sahen mich verwundert an und fingen so unschuldig an zu grinsen wie
ein Bankräuber mit einem Revolver in der einen Hand und einem Sack
geklautem Geld in der anderen.
„Wieso hast du geschrien? Ist was passiert?“, fragte der größte von ihnen
alarmiert.
Ob was passiert ist?! Will der mich verarschen?! „Nö, außer das ihr mich
entführt habt eigentlich nicht, aber der Grund wieso ich geschrien habe war,
dass ich zu faul war euch zu suchen“, sagte ich und zuckte mit den Schultern.
Sie atmeten erleichtert aus.
„Gut, also wird mir Tristan nicht den Arsch aufreißen.“
„Mhmm, der vielleicht nicht, aber ich!“, zischte ich am Ende und warf schon
die erste Vase durch die Gegend. Sie sahen mich erschrocken an. Ich war ja so
was von wütend.
„Wieso habt ihr Steckdosenbefruchter mich entführt?!“, schrie ich und warf
mental das nächste Ding nach ihnen.
„Ihr hässlichen Kanalratten!“ Ich war auf 180 und das würden die Jungs
ausbaden müssen.
„Kriege ich jetzt eine Antwort?!“
„Wenn du aufhören würdest, irgendwelche Sachen nach uns zu werfen,
dann könnten wir es dir erklären“, rief der blonde und duckte sich als ich noch
etwas nach im warf, dieses Mal ein großes Gemälde, dass wahrscheinlich sehr
teuer war. Er hat Recht, aber ich bin sauer!
Ich warf noch ein paar Bilder, Kissen und schlussendlich warf ich die Jungs
quer durch den Raum.
„Jetzt könnt ihr es mir erklären“, sagte ich und verschränkte wieder meine
Arme vor der Brust.
„Also“, sagte der größte wieder und legte sich eine Hand in den Nacken.
„Ich höre“, sagte ich ungeduldig.
„Es ist so…“, er stoppe wieder. Ich sah ihn auffordernd an. „Tristan ist ja
der König der Vampire und folglich bist du die Königin.“ Ach ne, wirklich? Wär
ich nie drauf gekommen, du abgeschaufelte Wurstkuh! Ich nickte jedoch brav,
denn ich wollte unbedingt wissen, welcher Teufel diese Idioten geritten hatte.
„Naja und ich bin der König der Werwölfe“, sagte der große und fuhr sich
mit der Hand durch die schwarzen Haare.
„Schön für dich, aber was hat das mit mir zu tun?“, fragte ich ihn gereizt.
„Ich…ich wollte ihm eins…eins auswischen“, gestand er mir kleinlaut.
Ich nickte bedächtig. „Okay, und wieso?“, fragte ich unheimlich ruhig.
„Naja, du bist das einzige was ihn verletzten könnte, du bist das einzige
wodurch wir ihn erreichen können“, sagte er schulterzuckend.
„Und wieso willst du ihm eins auswischen?“
„Er hat beim Pokern geschummelt.“ Alle meine Gesichtszüge entwichen mir
und ich starrte den 2m großen Idioten unglaubwürdig an.
ER.HAT.BEIM.POKERN.GESCHUMMELT. Der Typ weiß schon, dass er sich gerade
wie ein trotziges Kind aufführt oder? Jetzt war ich erst richtig wütend.
Oh, Kumpel, du hast ja keine Ahnung was ich mit dir anstellen werde. DU
Hackfresse, du Lumpensack, du Gesichtsmatratze!
„Bring deine Hormone in Ordnung, du Pupertätskasper!“, schrie ich und
warf ihn durch das nächste Fenster.
„Dir sollte nichts passieren“, sagte der Blonde. Bin ich eigentlich nur von
hirnlosen Idioten umgeben?
„Mir wird nichts passieren, euch aber dafür mehr!“ Die anderen Drei flogen
durch andere Fenster, die sich im Zimmer befanden. Jetzt wo ich meine Wut
rausgelassen hatte, fühlte ich mich seltsam…frei, ja, genau, befreit. Ich
genoss dieses Gefühl und machte mich auf die Suche nach einer Küche für
einen Kaffee. Nichts passte jetzt zu dem Freiheitsgefühl besser, als ein frischer
Kaffee.

**********

Ich saß auf einem großen Sofa mit einem großen Becher Kaffee in der
Hand und betrachtete die vier Idioten, die mir gegenüber saßen. Sie waren
unheimlich still, weil sie befürchteten, dass ich einen erneuten Wutausbruch
bekommen könnte und sahen sich nach allen Sachen im Raum um, die ich
nach ihnen werfen könnte. Obwohl diese vollkommen unnötig waren, denn
ich könnte ja auch einfach die Jungs „nehmen“ und durch eine Wand
schleudern, wenn sie mir auf die Nerven gingen oder etwas Dämliches sagten.
Die Eingangstür wurde aus den Angeln gerissen und ein sehr, sehr wütender
Tristan stand mitten im Wohnzimmer.
„Was. Habt. Ihr. Gemacht?“, knurrte er die vier an und schien mich gar
nicht zu bemerken. Das fand ich aber gar nicht nett.
„Es sollte wohl eher heißen, was hat deine Frau mit uns angetan“,
verteidigte sich der kleinste von allen, ein Rothaariger.
„Ihr seid selbst schuld. Ich meine wie kommt man auf so eine beschießene
Idee mich zu entführen, weil Tristan angeblich beim Kartenspielen
geschummelt hat?!“ Tristan drehte sich um und sah mich erleichtert an.
„Gott sei Dank, warte…wegen eines Kartenspieles?“, zischte er und drehte
sich langsam wieder zu den Jungs um.
„Es war Poker“, versuchte sich der blonde zu retten, doch in Tristans Hand
brodelte schon ein heißer Feuerball.
„Tristan, mach keinen Scheiß“, versuchte der schwarzhaarige ihn zu
beruhigen. Sagt der Richtige!
„Süßer, beruhig dich. Ich hab ihm schon gezeigt, was es heißt mich zu
entführen, vertrau mir, das wird er kein zweites Mal versuchen“, versuchte ich
ihn zu überzeugen.
„Bist du dir sicher? Ich werde ihn mit Vergnügen in Fetzen reißen!“, knurrte
er.
„Alter, wir sind schon Freunde, seit wir geboren wurden!“
„Das kann sein, aber bei so was ist Schluss, Ty“, knurrte er den
schwarzhaarigen an. Ich verdrehte meine Augen.
„Schon okay. Ich hab sie schon alle drei durch die Fenster geworfen und sie
wissen, dass ich nicht zögern würde es ein zweites Mal zu tun, wenn sie es
noch mal wagen sollten so einen Scheiß zu bauen!“, sagte ich und funkelte die
Jungs an.
Tristan fing an zu grinsen und setzte sich neben mich. „Das ist meine Ana“,
sagte er und drückte mir einen Kuss auf den Kopf.
„Was ich aber nicht verstehe ist, wieso ihr mich wegen eines idiotischen
Kartenspiels entführt habt.“
Ty seufzte und fuhr sich durch die Haare. „Wir haben dich eigentlich nicht
entführt wegen eines Kartenspieles. Wir sind nicht solche riesen Idioten wie du
denkst. Wir wollten nur Tristans Aufmerksamkeit, der Idiot schwebt seit dem
er dich kennt auf Wolke sieben und verletzt daher seine Pflichten als König.
Ich gönne ihm sein Glück wirklich aus ganzem Herzen, aber wir haben ein
Problem.“ Sag ich doch, du bist ein schlechter König!
„Was ist passiert, Ty?“, sagte Tristan mit ernster Stimme.
„Die Kobolde wollen angreifen.“ Ich fing an zu Lachen. Verdammte Scheiße,
der ganze Aufwand wegen ein paar kleinen rothaarigen Idioten mit einem
Topf voll Gold im Arsch!
„Ana, Kobolde sind anders als du denkst. Sie sind weder klein noch haben
sie einen Topf Gold im Arsch, aber ja, sie haben rote Haare und sind
ausschließlich Männlich“, erklärte mir Tristan die Geschichte der Kobolde.
„Und wieso wollen die euch angreifen?“
„Weil die Vampire und wir keine Feinde mehr sind, wie vor ein paar
Jahrhunderten. Dadurch finden mehr Vampire ihre wahren Gefährtinnen, weil
diese nicht durch Werwölfe getötet werden. Eine Vampir und seine Gefährtin
können zusammen stärker als eine Armee voller Kobolde sein. Und Kobolde
sehnen sich nach Macht. Sie sind gierige Wesen, die alles und jeden
manipulieren und besitzen möchten um sie dann für ihre Pläne zu benutzen.
Jetzt hat der König seine Gefährtin gefunden. Noch nie haben so viele
Vampire ihre Gefährten gefunden wie dieses Jahr am Ball. Und genau da liegt
für die Kobolde das Problem“, sagte Ty.
„Aber woher wisst ihr, dass sie angreifen wollen?“
„Wie schon gesagt Kobolde sing gierig. Egal worum es geht. Leg ihm einen
Koffer voller Geld vor die Nase und er würde seine Familie verraten und
seinem Feind helfen“, sagte Ty. Krass. Diese dreckigen, kleinen Bastarde.
„Was wollen sie machen?“
„So viele Gefährtinnen wie möglich entführen und sie…ähm….sie…sie
wollen sie umbringen um die männlichen Vampire zu schwächen. Durch die
Blutsverbindung lebt sozusagen ein Teil von dir in Tristan und ein Teil von
Tristan in die, wenn du sterben würdest, dann würde ein Teil von Tristan mit
dir sterben“, sagte er.
Ich sah Tristan fassungslos an. Ich wollte nicht, dass uns so etwas
passierte. So etwas sollte niemandem passieren.
„Keine Angst, Schatz, ich werde dich beschützen und das weißt du“,
hauchte er mir leise ins Ohr. Ach, ja? So wie du es letzte Nacht getan hast,
dachte ich ironisch. Es war gemein ihm das vorzuwerfen, so mal mir auch
nichts passiert war doch ich hatte wirklich Angst vor dem was uns diese
rothaarigen Ekel antun konnten.
Er verseifte sich. So war das nicht. Das Schloss ist geschützt vor allem, vor
mystischem und menschlichem, man kommt nur mit einer Schlüsselkarte rein
und Ty hat eine.
Na toll.
Es wird nichts passieren. Das schwöre ich dir, okay?
Ich entspannte mich, denn ich glaubte ihm. Okay. Ich lehnte mich an ihn
und genoss seine Nähe.

Kapitel 15


Tristans Sicht:

Ich liebte es, wenn sich Ana an mich schmiegte. Es beruhigte mich und
brachte meinen Seelenfrieden auf. Es war das erste Mal, dass sie Schutz vor
etwas suchte und ihn wahrscheinlich auch benötigte. In mir, hatte sie auf
jeden Fall, den richtigen gefunden, an den sie sich anlehnen konnte. Und das
wollte ich ihr auch zeigen, deshalb schlang ich meine Arme um sie und zog sie
auf meinen Schoß. Sie protestierte nicht und schmiegte ihr Gesicht an meinen
Hals.
Ich liebe es, wenn du dich so an mich kuschelst.
Gewöhn dich nicht dran. Ich schmunzelte und drückte ihr einen Kuss auf
den Scheiltel.
„Was hast du vor, Ty?“, fragte ich meinen alten Freund.
„Wir wissen nur, dass wir diese widerlichen Kobolde ausschalten müssen.
Denn nicht nur die Vampirgefährtinnen sondern auch alle anderen
Gefährtinnen sind in Gefahr. Sie werden niemals angreifen, wenn ein Gefährte
und eine Gefährtin zusammen sind. Dann wären sie zu stark, aber eine
Gefährtin alleine ist es nicht. Sie sind nicht so dumm, wie wir glauben, nur
gierig. Und diese Gier müssen wie nutzen.“
„Du meinst sie wollen uns alle auslöschen? So wie sie vor 500 Jahren
versucht haben?“ Ty nickte. „Und wie sollen wir diese Gier ausnutzen?“ Ty sah
mich mit schiefgelegtem Kopf an, als ob die Antwort schon klar wäre. „Nein!“,
knurrte ich. Das würde ich nicht zulassen. Ich schlang meine Arme instinktiv
enger um Ana.
„Was ist denn los?“, fragte sie mit besorgter Miene.
„Nichts, Schatz.“ Ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn und bettete ihren Kopf
zurück an meinen Hals.
„Du bist angespannt. Also erzähl mir nicht, dass es nichts wäre!“ Sie
musterte mich eindringlich.
„Tristan. Sag es ihr einfach. Es ist doch nicht einmal sicher. Außerdem
müssen wir noch zum Rat und dann muss noch die Reine zustimmen.“
„Es gibt eine neue Reine?“
„Ja, seit fast einem Monat. Und du fragst dich, wieso ich deine Frau
„entführt“ habe. Du bekommst ja nicht einmal das mit!“
Ich hab dir schon gesagt, dass du ein beschissener König bist! Und damit
hatte sie Recht.
„Was ist eine Reine?“, fragte Anastasia.
„Reine, ist Französisch für Königin. Eine Reine ist die Königin aller
mystischen Wesen. Sie bestimmt was geschieht, wenn eine Rasse oder
mehrere in Gefahr sind. Wie in diesem Fall. Sie ist mächtig, ja, aber auch sie
kann nicht voraussehen, wenn jemand etwas geheimes plant.“
„Okay“, kam es langgezogen von Ana. „Und wie kann sie uns jetzt helfen?“
„Sie muss zustimmen, wenn wir gegen die Kobolde kämpfen wollen. Ohne
ihre Zustimmung wäre es unerlaubt und wir müssten mit einer Strafe
rechnen.“
„Und wie würde diese Strafe aussehen?“
„Das ist verschieden. Werwölfe würden mit Silber gefoltert werden und
Vampire müssten an Blutdurst leiden.“
Sie runzelte die Stirn. „Aber das ist ja ungerecht! Die Kobolde haben doch
angefangen!“
„Eigentlich nicht. Sie haben ja noch niemanden angegriffen. Es ist nur ein
Plan, wenn sie nicht vorher angreifen, dann sind wir die Schuldigen.“
Sie schürzte die Lippen und schüttelte den Kopf. „Unglaublich“, murmelte
sie. „Aber ich habe nicht vergessen, dass ihr oder besser gesagte er“, sagte sie
und zeigte auf Ty. „Einen Plan der dir nicht gefällt. Sag mir worum es darin
geht!“
Ich schüttelte den Kopf. Niemals!
Sie hob eine Augenbraue und ein Mundwinkel zuckte nach oben. Entweder
du sagst es mir oder du bekommst drei Monate lang keinen Sex.
Meine Gesichtszüge entglitten mir. Das wagst du nicht!
Wollen wir wetten? Sie grinste mich überheblich an und kletterte von
meinem Schoß.
Scheiß Kobolde!

Anastasias Sicht:

Ich lachte innerlich und freute mich auf heute Nacht. Er wollte es mir nicht
erzählen? Gut, dann würde ich ihn eben dazu zwingen. „Jetzt, da ich ja nicht
wissen darf worum es in eurem super, tollen Plan geht, was machen wir
jetzt?“
Ty und die anderen Jungs sahen mich irritiert an, während Tristan
beleidigt vor sich hin brummte. Selbst Schuld!
Bitte? Ich will dich doch nur beschützen!
Das kannst du mir heute Nacht gerne noch einmal erzählen, Mister!
Du wirst mich sowieso nicht weich kriegen.
Ich schnaubte. Das glaubst du doch nicht wirklich?
Ahh, halt doch die Klappe. Ich fing lauthals an zu lachen, denn ich wusste,
dass Tristan nur so mit mir sprach, wenn er verzweifelt war. Und jetzt war er
wahrscheinlich sehr verzweifelt. Aber ich würde ihn bis zum Rand des
Wahnsinns treiben.
„Die Lache gerade klang ziemlich böse und ich glaube, dass Tristan
irgendetwas bereut, habe ich recht?“, fragte Ty. Ich schenkte ihm ein böses
Grinsen.
„Tristan ist sich sicher, dass er das richtige tut.“ Tristan sah mich aus seinen
Augenwinkeln an. „Nicht wahr, Schatz?“, fragte ich ihn zuckersüß.
Er murmelte ein, „wir gehen“ und zog mich an der Hand mit raus.
„Bye, Jungs!“, rief ich den Wölfen zu.
Die ganze Autofahrt über versuchte Tristan mich zu ignorieren, also hing
ich meinen Gedanken nach. Ich muss noch ein Geschenk für’s Wochenende
kaufen, wenn wir zu ihm und seiner Gefährtin Isabella fahren. Vielleicht sollte
ich etwas Schwarzes kaufen. Das Haus ist sicher richtig schön hell und Jamie
wird strahlen, als ob ihm die Sonne aus dem Arsch strahlen würde. Das muss
ich verhindern, denn sein Strahlen bereitet mir Migräne, wirklich, wirklich
schlimme Migräne, bei der nicht einmal Kaffee hilft und das soll schon Mal
was heißen. Ich hoffe bloß, dass Jasons Gefährtin ist nicht so wie Jamie. Wie
heißt die Kleine denn eigentlich?
„Serena“, hörte ich Tristan neben mir sagen.
War ja klar, dass du lauscht. „Ich habe nicht gelauscht!“
„Na klar“, versuchte ich ihn zu beruhigen und stieg aus, weil wir schon zu
Hause angekommen waren.
„Wie spät haben wir’s denn?“, fragte ich ihn als ich im Wohnzimmer stand.
„Wir haben acht Uhr. Wieso?“
„Nichts.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Ich dachte nur gerade, dass es der
perfekte Zeitpunkt für ein schönes, heißes Schaumbad wäre“, sagte ich und
ging lächelnd davon.
Ich hörte ihn unterdrück stöhnen und musste schon wieder lachen. 1:0,
Baby!
Du mieses, Weibsstück!
Ich betrachtete diesen aus Seide bestehenden roten Hauch von nichts, nach
meinem ausgiebigen Schaumbad. Es war schon nach zehn, als ich frisch
eingecremt, getrocknet und angezogen zu Bett ging, in dem Tristan schon auf
mich wartete. Ich konnte nur schwer ein Grinsen unterdrücken. Ich sah wie er
sich in den Laken verkrallte, als ich die Seidendecke anhob um darunter zu
kriechen. Ich schlang meinen Arm um seine Taille und legte ein Bein um seine.
Ich streichelte seinen Muskulösen Bauch mit einer Hand und drückte ihm
einen Kuss auf den Kiefer. „Gut Nacht, Schatz“, murmelte ich und schmiegte
mich noch näher an ihn. Ich grinste, als sicher der eindeutige Beweis dafür,
dass mein Plan funktionierte sich gegen mein Bein drückte. Ich bewegte mein
Bein ein bisschen und es dauerte genau zwei Sekunden lang bis ich unter ihm
lag und er meine Hände über meinem Kopf festhielt. Ich sah ihm unschuldig in
die Augen. „Willst du aufgeben?“, hauchte ich.
Er knurrte und drückte mich noch tiefer in die Matratze. „Du bist unfair.“
Ich fing an zu lachen und legte meinen Kopf so gut wie möglich in den
Nacken. „Baby. Du weißt doch, dass ich nie fair spiele“, sagte ich und
zwinkerte ihm zu.
„Na gut.“ Er sah mir tief in die Augen. „Ty, hat die beschießene Idee, dich
als Köder für die Kobolde zu benutzen. Er denkt, dass sie zuerst die stärkste
Gefährtin aus dem Weg räumen wollen, alle anderen wären ein Leichtens.
Und, das werde ich nicht zulassen! Niemals! Ich bin tausend Tode gestorben,
als du gestern Weg warst. Ich bin nur nicht mitten in der Nacht aufgestanden,
weil du dir ja immer ein Wasser um die Uhrzeit holst. Dann bin ich
aufgestanden, aber du warst nicht da. Ich habe das ganze verdammte Schloss
auf den Kopf gestellt und hätte Valentin beinahe den Kopf abgerissen, weil er
mir auf die Nerven gegangen ist! Und als ich gedanklich Kontakt zu dir
aufnehmen wollte ging das nicht, weil du nicht wach warst.“
Er hatte sich wirklich Sorgen um mich gemacht. Auch wenn es mir
überhaupt nicht gefiel, dass diekleinen roten Kobolde mich umbringen
wollten. Um mein Herz herum wurde es warm und in meinem Magen war es
als ob tausend Schmetterlinge herum flattern würden! Ich hob eine Hand und
legte sie an seine Wange. Ich hob mein Gesicht und fing an ihn zu küssen.
„War das denn so schwer?“, flüsterte ich zwischen zwei Küssen. Tristan
antwortete nicht sondern schlang seine Arme um mich und fing an mich
stürmisch zu küssen.
Kapitel 16

Anastasias Sicht:

PIEP, PIEP, PIEP! Du scheiß Ding! Wir würde es dir wohl gefallen, wenn ich
mich neben dich stellen würde und einfach anfangen würde zu brüllen?,
dachte ich frustriert als mein Wecker am nächsten Morgen klingelte.
Nicht so laut.
Ich sah rüber zu Tristan, der sich wieder in das Bett kuschelte. Musst du
nicht irgendetwas Königliches machen? Ich weiß nicht…vielleicht dein Volk
regieren oder dich vielleicht um das Problem mit den Kobolden kümmern?
Weißt du, ich bin mein eigener Chef, also kann ich zur Arbeit wann immer
ich will!
Ich verdrehte die Augen. Hast du nicht Angst, dass mich diese Kobolde
angreifen, während ich alleine bin?
Schatz, Kobolde sind allergisch gegen die Sonne.
Das soll ja wohl ein Witz sein! Kobolde sind allergisch gegen die Sonne,
aber Vampire, Vampire, ja, die werden sogar braun! Und da heißt es in den
ganzen Büchern, dass ihr Wesen der Nacht seid, ja, in einem steht sogar, dass
ihr glitzert!
Alles lügen, Babe. Irgendwann werden wir uns hinsetzten und ich werde
alle Mythen aufklären.
Ich verdrehte die Augen. Aber natürlich. Ich stand auf und ging Richtung
Badezimmer. Vielleicht hilft ja eine Dusche.
Auf dem Weg zum Bad zog ich mir meine Unterwäsche aus.
Ich weiß, wie ich dich richtig wach kriege, hörte ich und eine Sekunde
später lag ich in zwei starken Armen, die mich ins Badezimmer trugen.

„Ich werde jetzt dann zu Damien fahren und ihm Bescheid geben, wegen
der Kobolde und danach werde ich beim Rat um eine Sitzung anfragen“, sagte
Tristan, als wir an der Schule angekommen waren.
„Okay und ich werde versuchen niemanden umzubringen.“
„Guter Vorsatz, Babe“, sagte er grinsend. Wenn du wüsstest. Er sah mich
fragend an.
„Wenn du wüsstest, wie ernst ich das meine.“
„So schlimm wird es schon nicht werden.“
„Und ob. Wir haben heute Künstlerische Erziehung, ja, anstatt es einfach
Zeichnen zu nennen. Ich sag dir, die Lehrerin kifft. Hundert pro!“
„Was du immer denkst.“
„Was denn? Es stimmt doch! Wie willst du mir sonst immer ihr dämliches
Grinsen erklären?“
„Vielleicht hat sie einfach nur guten Sex?“
Ich sah ihn mit riesen großen Augen an. „Die Frau hat mindestens 50 Kilo
Übergewicht und schwitzt wie eine Sau und dank dir muss ich sie mir gerade
beim Sex vorstellen“, flüsterte ich während sich in meinem Kopf ein
schrecklicher Film in meinem Kopf abspielte, der Ms Wilks in den
verschiedensten Posen zeigt, die ich nicht sehen wollte. Niemand, absolut
niemand wollte das sehen, was ich gerade sah. Ich schüttelte mich und
versuchte das Bild aus meinem Kopf zu verbannen. Ich versuchte es wirklich,
aber es funktionierte einfach nicht. Immer wieder schoben sich diese
Gedanken in meinen Kopf und wollten einfach nicht weg.
„Geht’s dir gut, Babe?“ Wegen dem Kopf Kino war es mir unmöglich zu
sprechen ohne anzufangen zu schreien sobald ich den Mund aufmachen
würde, nickte ich einfach und stieg aus. „Ana, bist du dir sicher?“, hörte ich
Tristan noch Fragen bevor ich die Tür zuschlug.

„Ana, geht’s dir gut?“, fragte mich Hunter kurz bevor unser Kunstunterricht
anfing. Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Mir wird es nie wieder so gehen wie
früher“, flüsterte ich. Er sah mich mit gerunzelter Stirn an.
„Was ist denn los?“
„Ich will nicht, dass dir das Frühstück wieder hoch kommt, also vergiss es.“
„So schlimm?“, fragte er belustigt.
Ich nickte nur, immer noch nicht fähig das verdammte Bild, das sich in
mein Hirn gebrannt hatte, aus meinem Kopf zu bekommen. Dafür war ganz
allein Tristan schuld. Dieser dumme Idiot!
„Das wird mir jetzt zu gruselig! Sag mir, was los mit dir ist“, sagte Hunter
führte mich in ruhigere Ecke in der Klasse.
„Wie soll ich dir das erklären ohne, dass du mit Augenkrebs oder
zumindest einem Tinnitus im Augen davon kommst?“, fragte ich ihn und legte
den Kopf schief.
„Was ist denn so schlimm?“, fragte er und runzelte die Stirn.
„Na gut, du wolltest es so“, seufzte ich. „Tristan hat mich heute zur Schule
gefahren, irgendwie sind wir auf das Thema Kunst und Ms Wilks gekommen.
Ich beteuerte, dass die Gute kiffte, denn will soll man sich sonst ihr dämliches
Grinsen, das dauernd ihr Gesicht zierte erklären?“ Er nickte zustimmend.
„Daraufhin sagte er, dass sie vielleicht jeden Tag guten Sex bekam“, flüsterte
ich. Er sah mich mit großen Augen an und ich war mir sicher, dass sich in
seinem Kopf genau die gleichen Bilder abspielten, wie in meinem Kopf.
„Hölle. Verdammte. Ich will zu meiner, Mami. Ich will einfach nur umarmt
werden und hören, dass es vorbei geht und, dass alles wieder gut werden
würde. Aber Himmel, ich hoffe du verpasste dem Idioten einen Arschtritt.“
„Ein Arschtritt wäre nicht genug. Ich werde einfach irgendwie die Bilder, die
sich in meinem Kopf abspielen in seinen rüber projizieren oder so. Wenn das
funktioniert.“
„Wenn du es nur stark genug willst, dann klappt das schon.“
„Das hoffe ich doch. Dann soll der Spast zusehen, wie er mit diesem
Trauma umgehen soll“, sagte ich. In diesem Moment knallte die Tür zu und
eine grinsende Ms Wilks kam in einer pinken Strickjacke in den Raum.
Verdammt, das wird ja immer schlimmer!
„Guten Morgen, meine kleinen Häschen…“, und ab da schaltete ich auf
Durchzug und dachte an eine schwarze Wand. Wenigstens konnte die mich
davor bewahren mir Ms Wilks beim Sex vorzustellen.

„Anastasia, Schätzchen? Ist alles in Ordnung?“, fragte mich Ms Wilks eine
halbe Stunde später.
„Natürlich. Alles in Butter“, sagte ich und lächelte – so gut es eben ging –
und hoffte sie würde einfach weiter mit dem Unterricht machen.
„Schön. Kannst du mir vielleicht jetzt sagen, was du auf diese Bilder
erkennst?“, fragte sie und deutete auf die Wand die hinter dem Lehrertisch
war, auf der sie mithilfe des Beamers ein Bild mit schwarzen Klecksern
projiziert hatte.
Ich sagte das erste, das mir einfiel. „Einen Keks.“ Hunter sah mich an, als
ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte.
„Deine Fantasie ist bemerkenswert“, strahlte Ms Wilks. Jetzt sah ich Ms
Wilks mit dem gleichen Blick, den Hunter mir vor ein paar Sekunden
geschenkt hatte, an. Sag ich ja. High. Würde mich nicht wundern, wenn sie
mit Ms Pears und der Schulärztin in der Ärztekammer kiffen würden.
„Ja, meine Fantasie ist heute richtig im Gang.“ Leider.
„Freut mich zu hören, Schätzchen. Sonst hast du immer so schlechte
Laune.“
„Ich hatte heute schon drei Kaffee“, sagte ich. Lüge, es waren fünf.
Sie schüttelte enttäuscht den Kopf. „Wieso musst du denn immer dieses
Zeug trinken?“ Was hat nur jeder in dieser Schule gegen Kaffee?
„Würde ich es nicht trinken, wäre ich wahrscheinlich Selbstmord
gefährdet.“ Was bei Jamie, dem scheiß Glücksbärchi, ja auch kein Wunder
wäre. Ein Wunder ist es aber, dass ich immer noch lebe.
„O-okay. Also“, sie räusperte sich. „Was siehst du jetzt?“
„Zwei Kekse“, sagte ich. Ich hab wirklich Hunger. Wann ist denn Pause?
Hunter fing an zu lachen. „Scheiße, das sieht aus wie ein Vogel und du
denkst an Kekse?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich hab Hunger“, verteidigte ich mich. „Und
es gibt auch Kekse in Vogelform!“
Er schüttelte nur grinsend den Kopf. Ich schnitt eine Grimasse und drehte
mich wieder nach vorne. Idiot.
Gott sei Dank erlöste mich die Schulklingel nach 10 Minuten vom
Unterricht, sodass ich etwas essen konnte. „Kommst du mit was essen?“,
fragte ich Hunter. Er nickte und folgte mir. „Hat Jamie, dich und deine
Freundin am Samstag eingeladen?“
„Ja, Cassie will dich unbedingt kennen lernen.“
„Ich sie ehrlich gesagt auch.“ Es war die Wahrheit. Hunter war mir – leider
Gottes – schon richtig ans Herz gewachsen und ich wollte wissen, wer die
Frau an seiner Seite war.
„Gut. Wir freuen uns schon auf Samstag“, sagte er.
„Wisst ihr schon was ihr Jamie und Isabella schenkt?“, fragte ich. Ich muss
unbedingt was Dunkles, Schwarzes und richtig düsteres finden, das Jamies
Laune ein wenig sinken lässt. Ich bin ja wiedermal so böse.
„Ich hab keine Ahnung. Cassie wollte sich darum kümmern“, sagte er
schulterzuckend.
„Weißt du wo es in der Stadt einen Laden für Gothic‘s und so gibt?“
„Wozu brauchst du denn so was? Ah…lass mich raten, es hat sicher etwas
mit Jamies Geschenk zu tun, habe ich recht?“, fragte er schmunzelnd.
„Bingo!“

„Du dummer Hornochse! Wegen dir habe ich stundenlang das Bild von Ms
Wilks während sie Sex hatte in meinem Kopf!“, warf ich Tristan vor, als ich ins
Auto stieg.
„Dir auch einen wunderschönen, guten Tag, Baby“, sagte er so lässig, das
ich ihm am liebsten seinen Hals umgedreht hätte.
„Oh, ich geb‘ dir gleich wunderschöner Tag, du scheiß Justin Bieber Fan!“
Er fasste sich theatralisch ans Herz. „Das war hart, Baby!“
„Ah, halt doch die Klappe“, sagte ich und verschränkte meine Arme vor der
Brust. Männer sind zu groß geratene Idioten mit einem niedrigen IQ und nur
dazu geschaffen um die Frauenwelt in den Wahnsinn zu treiben!
„Baby, ich liebe es dich in den Wahnsinn treiben zu können. Seit ich dich
kenne ist das eine meiner Lieblingsbeschäftigungen geworden“, sagte er
grinsend.
„Hast du nichts Besseres zu tun? Wie zum Beispiel deiner Arbeit als König
nach zu sehen, dich mit Freunden zu treffen oder die neuesten Justin Bieber
Songs runterzuladen?“ Er lachte laut auf.
„Ich liebe es, wenn wir uns gegenseitig sticheln, aber ich dachte vielleicht,
dass du gerne wissen wollen würdest, dass wir am Sonntag zu einer Sitzung
mit dem Rat müssen. Wegen der Kobold-Geschichte.“
„Gut zu wissen. Darf ich danach ein paar Kobolden in den Arsch treten?
Das wäre das Mindeste!“
„Mal sehen. Vielleicht. Wenn nicht, dann darfst du ein paar Idioten, die uns
verraten wollen oder haben, in den Arsch treten – so tief und so fest du
willst.“
„Wirklich?“, fragte ich und sah ihn mit großen Augen an. Was denn? Die
Typen hätten es verdient und es macht sicher Spaß jemandem in den Arsch zu
treten.
„Jetzt weiß ich jedenfalls, was ich dir nächstes Jahr zum Geburtstag
schenke.“
„Mit einer Espresso-Vollautomatik-Maschine würdest du nie falsch liegen“,
sagte ich grinsend.
„Mhmm, und dazu ein paar Leuten in den Arsch treten? Klingt doch ganz
interessant“, sagte er grinsend.
„Siehst du. Oh, bevor ich es vergesse. Könntest du mich in so einen Shop
für Gothicmode und so bringen?“
Er runzelte die Stirn. „Wozu….Ah, ich vergas. Meine Frau ist in Wirklichkeit
eine böse Disney-Hexe!“, sagte er und fasste sich gespielt an die Stirn. Du bist
heute schon wieder so…lustig, du Witzbold!
„Finde ich auch, Honey“, sagte er und legte den Gang ein.

„Geben Sie mir, das düsterste und hässlichste Ding, das Sie hier haben“,
sagte ich der Verkäuferin, nachdem ich zu faul war mich selbst umzusehen.
Sie runzelte nur die Stirn und nickte. „Wozu brauchen Sie es denn?“
„Ich will meinen Bruder ein bisschen auf die Palme bringen“, sagte ich böse
grinsend.
„Ich verstehe, was Sie meinen“, lachte sie. Du hast ja keine Ahnung,
Schätzchen! „Ich hab selbst drei Brüder und weiß, wie die sein können.“
Himmel, bei drei Brüdern, hätte ich mir ´ne Waffe besorgt und mich
eigenhändig ins Jenseits befördert. Jamie ist manchmal – ob man’s glaubt
oder nicht – schwerer zu ertragen, als ich.
„Dann wissen Sie ja, wie hässlich es sein muss“, sagte ich grinsend.
Sie nickte. „Ich weiß ganz genau was Sie brauchen beziehungsweise wollen.
Wir haben vor einer Woche ein risen Großes Bild reingekommen, für das sich
keiner interessiert. Es kostet aber zweitausend Dollar“, sagte sie. zweitausend
Dollar! Für zwei riesen könnt ich mir eine Menge leisten. Wie zum Beispiel die
Kaffeemaschine von der ich geschwärmt habe! Andererseits wäre es eine
kleine Genugtuung für meine sadistisch veranlagte Seite, Jamies Laune sinken
zu lassen. Ich bin ja so was von…badass! Und die Gute hat nicht übertrieben.
Das Bild ist hässlich!
Die Verkäuferin zeigte mir eine 2x3 m große schwarze Leinwand mit einer
dicken, hässlichen, nackten Frau in der Mitte, die ein Messer im Brustkorb
stecken hatte und statt Blut, quirlte eine Giftgrüne Masse aus der Wunde. Ich
schüttelte mich vor grauen. Perfekt.
„Ich nehme es“, sagte ich und sah das Bild angeekelt an. „Ich muss nur mal
kurz meinen…“
„Bin schon da“, unterbrach Tristan mich.
„Gut. Ich wollte dich gerade holen, denn ich hab das perfekte Geschenk
gefunden. Jamie wird es hassen“, sagte ich böse grinsend.
Er schüttelte nur schmunzelnd den Kopf. „Willst du ihm nicht vielleicht
noch zusätzlich ein schönes Geschenk kaufen?“
„Wieso sollte ich? Jamie ist ein Idiot!“
„Ich rede ja auch nicht von Jamie sondern von Isabella. Sie hat dir ja nichts
getan oder?“
„Ah, scheiße. Du hast ja recht!“
Er liebte es wenn er Recht hatte, deshalb strahlte er auch dieses Mal, wie
ein Honigkuchenpferd. Idiot.
„Dann müssen wir aber noch in ein anderes Geschäft gehen“, sagte ich und
konnte nicht verhindern dabei gequält zu klingen.
„Nein, eigentlich nicht. Ich hab zu Hause immer irgendwelche eingepackten
Geschenke für die verschiedensten Anlässe da. Du kannst dir eins Aussuchen.
An allen sind Schildchen angehängt auf denen steht was drinnen ist.“
„Das ist unheimlich praktisch! Ich hasse es nämlich für andere Geschenke
kaufen zu müssen. Ich weiß nie, was ich kaufen soll.“

„L’ingénieur Gustav Eiffel a construit cette tour en acier à l’occasion de
l’Expostition Universelle de 1889“, fing mein Französischlehrer am Freitag an
uns die Geschichte über den Eiffelturm zu erzählen. Wenn zur Hölle
interessiert es wann und wie dieses Stahlgerüst aufgebaut wurde? Mich
jedenfalls nicht. Diese Franzosen mit ihren Schwuchteltüchern. Der Turm ist
ihr ganzer Stolz. Und ihre Baguettes! Die können sich ihre Baguettes sonst wo
hin schieben! Französisch. La Reine. Königin. Hat Tristan nicht gesagt, dass
diese Königin der mystischen Wesen auch Reine heißt? Das wird ja immer
besser mit diesen doofen Kobolden!
„La Tour Eiffel a été jusqu‘à la construction de l’Empire State Building de
New York en 1931 le plus haut monument du monde.“ Aus? Haben wir jetzt
aus?! Wird aber auch langsam Zeit!
„La butte Montmartre est le point culminant de Paris. Le nom Montmartre
vient de « Mont des Martyrs ».
Zu früh gefreut, Anastasia! Das wäre auch zu schön gewesen um wahr zu
sein!
Ich verschränkte meine Arme auf dem Tisch und knallte meinen Kopf
darauf.

Später am Nachmittag rutschte ich in dem „Raum“ herum in dem die
verpackten Geschenke gelagert wurden.
„Es sind nur ein paar Geschenke, Schatz! Das schaffst du schon!“, äffte ich
Tristan nach. In dieser monströsen Halle türmten sich hunderte, wenn nicht
sogar tausende, von Geschenken. Ein paar waren wirklich Lächerlich leicht zu
erkennen. Wie zum Beispiel der 2 m große Teddy Bär. Dass ich sagen konnte,
dass es sich um einen Teddybären handelte, erklärte doch schon alles, oder?
Vielleicht sollte ich Jamie den Teddybären schenken? Der will doch sowieso
bald Papa werden! Ah, verdammt, das geht nicht! Was soll ich ihm den dann
schenken, wenn das Kind da ist? Zu blöd aber auch. Wie wäre es mit dem da?
Was ist das denn überhaupt? Ein Stabmixer. Interessant. Aber Jamie kann
nicht kochen und ob Isabella es kann, weiß ich nicht. Auf was steht Jamie?
Ah, scheiß drauf! Ich nehme einfach diese weiße Vase und steck ein paar
Blumen rein und gut is! Oh, ich hab‘s! Das ist tausend Mal besser, als eine
hässliche Vase mit irgendeinem Grünzeug drinnen! Aber vorher muss ich noch
ein paar Sachen besorgen.


Wo zur Hölle ist ein Verkäufer, wenn man einen braucht? Ich sah mich im
Supermarket um und suchte einen so zu sagen Personal Shopper, der mir
meine Sachen in den Wagen legen sollte.
„Kann ich dir behilflich sein?“, hörte ich eine Stimme von der Seite. Ich
wirbelte herum. Vor mir stand ein sehr großer, sehr gutaussehender blonder
Typ.
„Arbeitest du hier?“, fragte ich und sah ihn an. Er trug ganz normale
Straßenkleidung bestehend aus einem Hoodie, einer Jeans und Stiefeln von
Timberland.
„Nein, aber ich kann dir vielleicht trotzdem helfen“, sagte er und grinste
mich an. Versucht der gerade mit mir zu flirten? Ich zuckte innerlich mit
Schultern. Hey, er hat angeboten zu helfen und es war kein Verkäufer in der
Nähe, also wieso nicht?
„Okay. Das war deine Idee. Ich will eine Crème Caramel und Profiteroles
machen. Ich brauche noch Vanillemilch, Eier, Auflaufformen, einen
Spritzbeutel, Sahne, Schokolade und Puderzucker.“ Ich muss unbedingt noch
zu Killian um Vanilleschoten, Karamell und Kuvertüre besorgen. Ich hoffe
Jamie würdigt diesen Aufwand!
Der Typ sah mich irgendwie hilflos an. „Okay, das kriegen wir schon hin“,
sagte er und legte sich die Hand in den Nacken und grinste mich an.
„Dann mal los!“
Er grinste mich breit an und nahm mir den Einkaufswagen ab um ihn
selbst zu schieben.
Babe, wo bist du?
Einkaufen.
Soll ich dir helfen?
Nö.
Wieso bist du denn einkaufen gegangen?
Ich will ein paar Desserts machen. In deiner Geschenkhalle habe ich nichts
Brauchbares gefunden, Weihnachtsmann.
Haha, du bist mal wieder so lustig, Schatz! Und du bist dir sicher, dass du
keine Hilfe brauchst?
Ja. Hier ist so ein Typ, der mir helfen will.
Ein Typ?
Ja?
Ich bin gleich da.
Was? Nein, ich brauche deine Hilfe nicht! Ignorierst du mich gerade?
Tristan!
„Alles okay?“, fragte der Typ mich.
„Klar.“
„Sicher? Du hast deine Stirn so komisch gerunzelt, als ob du wütend wärst
oder so“, sagte er.
„Alles okay“, sagte ich und versuchte zu lächeln.
„Gut. Dann lass uns einkaufen“, sagte er grinsend. „Übrigens. Ich bin
Jeremy“, stellte er sich vor.
„Anastasia.“

Jeremy und ich waren gerade dabei Schweizer Schokolade in den
Einkaufswagen zu legen, als sich von hinten ein starker Arm um meine Taille
legte. Ich verdrehte meine Augen.
„Hi, Schatz“, raunte mir Tristan zu, aber laut genug, sodass auch Jeremy es
mitbekam.
„Tristan. Das ist Jeremy. Jeremy, Tristan“, machte ich die beiden Männer
bekannt.“ Jetzt wo Tristan da war, konnte ich nicht umhin die zwei zu
vergleichen. Tristan war ein paar Zentimeter größer als Jeremy und auch um
einiges muskulöser. Während Jeremy ganz einfach gekleidet war, sah Tristan
– wie sonst auch immer – einfach perfekt aus. Er hatte ein weißes T-Shirt an,
wodurch man seine Muskeln sehr gut erahnen konnte, eine Bluejeans und
schwarze, schwere Stiefel an.
„Freut mich“, sagte Jeremy während er Tristan die Hand entgegen streckte.
„Ebenfalls“, sagte Tristan kalt lächelnd und schüttelte seine Hand. Ich
verdrehte wieder die Augen, während die zwei sich von oben bis unten
taxierten. Männer.
„Danke, dass du meiner Frau geholfen hast, Mann, aber ich übernehm
jetzt“, sagte Tristan und legte einen Arm um meine Taille.
„Klar. Hat mich gefreut Anastasia“, sagte er und schenkte mir ein schiefes
Lächeln.
„Mich auch. Viel Spaß noch, Jeremy“, sagte ich und lächelte ihn an.
Tristans Griff wurde stärker und Jeremy lächelte mich wissend an.
„Was sollte denn das scheiß Platzhirschgehabe?“, zischte ich, als Jeremy
weg war.
Tristan grinste mich nur dämlich an. „Ich wollte nur klar stellen zu wem du
gehörst.“
„Du bist ein Idiot!“
„Aber ich bin dein Idiot“, sagte er und drückte mir einen Kuss auf den
Scheitel.
„Leider“, sagte ich und schlang meine Arme um ihn.
„Kann ich Ihnen behilflich sein?“, kam es von der Seite. Es stand eine Frau
Anfang zwanzig vor uns. Sie hatte braune lange Haare, die sie
zusammengebunden hatte und dunkelbraune Augen und sie hatte – da würde
ich meinen Arsch darauf verwetten – ihr T-Shirt runter gezogen, sodass der
Ansatz ihrer Brüste zu sehen war. Sie strahlte Tristan an, als ob er
höchstpersönlich der Diamant Koh-i-Noor wäre. Was mich aber viel mehr
aufregte war, dass diese Schnepfe erst jetzt kam und nicht schon vor einer
viertel Stunde. Wo war diese blöde Kuh vor zehn Minuten, als ich sie
gebraucht habe?
„Schatz. Brauchst du noch was?“, fragte er mich und schenkte der
Brünetten keine Aufmerksamkeit. Was sie irgendwie zu stören schien, denn ihr
Augen blitzten mich wütend von der Seite an. Ich wand mich ihr zu und sah
ihr in die Augen. Sie zuckte zusammen und ihre Pupillen weiteten sich ein
wenig. Ich hob eine Augenbraue und sah sie mit einem Was-willst-du-jetzt-
tun Blick an.
„Ich bräuchte noch Auflaufformen“, sagte ich und musterte sie weiter.
Sie nickte nur und ging vor uns her. Ich wusste nicht ob sie normalerweise
auch so ging, aber es sah komisch aus wie sehr sie mit den Hüften wackelte
und ihren Arsch raus streckte. Sie konnte es wohl nicht lassen. Ich schüttelte
schmunzelnd den Kopf.
„Was ist denn so lustig?“, flüsterte mir Tristan ins Ohr.
Ich wandte mein Gesicht seinem zu. Er hatte sich untergebückt, sodass
meine Lippen nur ein paar Millimeter entfernt von einen waren. „Wie scharf
alle Frauen auf dich sind“, lachte ich.
Er grinste und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen. „Sollen sie doch.
Aber ich finde nur meine Frau heiß“, sagte er und drückte mir noch einen Kuss
auf die Lippen.
„Gut“, sagte ich. Ich wollte ihn ein bisschen reizen. „Weißt du. Ich hab echt
viel Schokolade in den Einkaufswagen geworfen. Es wird sicher noch reichlich
über bleiben. Und es wäre verschwenderisch, wenn wir sie wegwerfen würden.
Hast du eine Idee was wir noch damit anstellen können?“, fragte ich und sah
ihn unschuldig wie nur möglich an. Er schluckte hart und sah mir tief in die
Augen. „Ich glaub mir fällt da was ein“, flüsterte er. Ich fing an zu grinsen. Oh,
mir auch, süßer! Mir auch, dachte ich und grinste böse.
Kapitel 17


„Hey Ani! Wie geht’s dir?“, begrüßte Kilian mich grinsend.
„Mir geht’s gut und dir?“
„Mir geht’s gerade besser“, sagte er und zwinkerte mir zu. „Was brauchst
du denn dieses Mal, meine Schöne?“
„Vanilleschoten, Karamell und Kuvertüre.“
„Ich hab heute erst Vanilleschoten aus Mexiko bekommen. Ich hatte so
eine Vorahnung, dass du heute kommst und hab dir ein paar zur Seite gelegt.“
„Süß, dass du denkst ich kauf dir das ab. Ich weiß, dass du auch zu Jamies
Einweihungsfeier morgen kommst“, sagte ich lächelnd und tätschelte ihm die
Wange. Er zuckte nur mit den breiten Schultern.
„Ein Versuch war’s wert. Ich besorg dir die Sachen, sweety!“ Ich verdrehte
nur meine Augen und ging zu Tristan rüber.
Ich hatte mir eine Schürze umgebunden und dachte gerade nach was ich
zuerst machen musste. „Okay, zuerst muss ich die Milch, die Butter, das Salz,
und den Zucker aufkochen.“ Ich rührte die Zutaten solange bei schwacher
Hitze, bis sich der Teig als Kloß vom Topfboden löst. Danach rührte ich ein Ei
unter. Diesen Teig ließ ich etwas abkühlen und rührte nach und nach die
restlichen Eier unter.
„Was machst du da?“, hörte ich Tristans Stimme an meinem Ohr nuscheln,
während er seine starken Arme um mich schlang.
Ich zog eine Augenbraue hoch. „Ich reparier grad den Auspuff an deinem
Ferrari“, sagte ich trocken. Was denkst du denn?

Vier Stunden später und etliche Desserts später stand ich mit Mehl,
Schokolade und Karamell bekleckert in der Küche. Draußen war es dunkel
und ich war fix und fertig. Jamie, ich schwöre dir, wenn du das nichts
würdigst, dann schieb ich dir den Stabmixer, den ich in der Geschenkehalle,
des Weihnachtsmannes gefunden habe, in den Arsch!
Ich legte die Schürzte ab und fing langsam an die Küche zu putzen.
Jemand nahm mir die schmutzigen Schüsseln ab. „Schon gut, Babe. Ich mach
das okay?“
Ich nickte nur und schleppte mich die Treppen rauf. Müde schleppte ich
mich unter die Dusche. Eine halbe Stunde später lag ich im Bett und kuschelte
mich in die Seidenkissen. Doch ich konnte noch nicht schlafen, weil Tristan
noch nicht da war.
„Hey, Baby. Warum schläfst du noch nicht?“, fragte mich Tristan einige
Minuten später.
„Ich konnte noch nicht schlafen“, murmelte ich müde. Er lächelte leicht und
legte sich nur in Boxershorts zu mir und schlang seine Arme um mich.
„Jetzt kannst du ja schlafen“, murmelte er in mein Haar und kurz darauf
driftete ich auch schon ab.

„Baby! Komm schon! Wir müssen jetzt los!“, rief Tristan am nächsten
Abend. Ich checkte nochmal mein Spiegelbild. Ich trug ein rotes Wickelkleid,
schwarze Stilletos, roten Lippenstift und meine Haare hatte ich zu einem
strengen Pferdeschwanz zusammen gebunden.
„Komme schon!“, rief ich zurück. „SIND DIE DESSERTS SCHON IM WAGEN?!“
„JAHA!“ Ich verdrehte nur meine Augen und ging die Treppe runter. Tristan
hatte einen schwarzen Anzug und ein schwarzes Hemd ohne Krawatte an. Er
starrte mich an, besser gesagt meinen Mund und meine Brüste.
„Könntest du bitte aufhören meine Brüste anzuglotzen? Man könnte
meinen, dass du noch nie welche gesehen hast“, sagte ich und legte meinen
Kopf schief.
„Baby, ich hab diese perfekten Brüste schon gesehen und genau da liegt
das Problem. In meinem Kopf herrscht absolute Leere.“
„Tut es das nicht immer?“, fragte ich zuckersüß und ging an ihm vorbei.
„Nur wenn du in meiner Nähe bist“, sagte er und schlang einen Arm um
meine Taille, als er mich eingeholt hatte.

„Ana Baby!“, rief Jamie freudenstrahlend und erdrückte mich beinahe mit
seinen Armen.
„Okay, Jamie. Das reicht. Du willst doch nicht, dass ich mit ´ner
beschießenen Laune zum ersten Mal dein neues Haus betrete oder?“ Er ließ
mich mit einer Seufzer wieder los.
„Hey, Kumpel“, begrüßte er Tristan. Die beiden umarmten sich
freundschaftlich. Wieso kann Jamie mich nicht auch nur zwei Sekunden
umarmen?
Weil du seine Schwester bist und ich nur sein Schwager.
Ah, scheiße verdammte. Egal, ich hab ja noch dieses abscheuliche Ding,
dass ich ihm geben kann, dachte ich böse grinsend. Drinnen erwartete uns
schon eine ganze Meute voller Menschen, die etwas aßen, plauderten oder
lachten. Jamies und Isabellas Hause war sehr groß und im Großen und
Ganzen eine Konstruktion aus Stahl und Glas, aber im inneren sehr gemütlich
eingerichtet.
„Hey, mom“, begrüßte ich meine Mutter, die ein schwarzes Etuikleid trug.
Sie hatte ihre Haare offen und gewellt über den Schultern liegen.
„Hallo, mein Schatz. Du siehst schön aus“, sagte sie lächelnd.
„Danke, mom, aber das liegt nur an deinen guten Genen“, zwinkerte ich ihr
zu.
„Was ist mit mir?“, empörte sich mein Vater.
„An deinen natürlich auch, Daddy. Uh, wartet ich muss Jamie noch sein
Geschenk geben“, sagte ich böse grinsend.
„Das wird interessant“, murmelte meine Mutter an ihrem Glas.

„Jamie, mein lieber, süßer, toller Bruder“, sagte ich so süß, dass alle, die
mich kannten, mich wirklich kannten, anfingen zu lachen. „Ich hab ein
gaaaaanz tolles Geschenk für dich!“ Ich zog das Geschenk, das in zartrosa
Geschenkpapier eingewickelt ist in den Raum. „Mach es auf.“ Ich lächelte
zuckersüß und ging einen Schritt zurück und verschränkte meine Arme hinter
dem Rücken.
Jamie, so neugierig und naiv wie er war, öffnete freudenstrahlend das
Geschenk während mein Grinsen immer breiter und breiter wurde. Jamies
Grinsen zerfiel als er sah was ich ihm geschenkt hatte. „Was ist denn Jamie?“,
fragte ich unschuldig.
„E-Es ist sehr…“, fing er an und kratzte sich am Hinterkopf.
„Außergewöhnlich?“ Er nickte. „Willst du es denn nicht aufhängen?“ Er
wurde bleich und sah mich mit riesengroßen Augen an.
„Baby, i-ich weiß n-nicht ob das so eine gute Idee wäre“, stotterte er.
„Am besten in das Zimmer des Babys, das du dir so unbedingt wünscht“,
fuhr ich einfach fort ohne Jamie zu beachten.
„Ana, ich will mich ja nicht beklagen, aber…“
„Lass mal sehen“, unterbrach Jason ihn. Ein breites Grinsen breitete sich in
auf seinem Gesicht aus.
„Ana, mein Schatz, du bist die beste Schwester, die man haben kann“,
lachte er und ich grinste Jamie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Tristan
schüttelte grinsend den Kopf.
„Komm schon, Jamie! Zeig den Leuten das Bild!“, rief Jason begeistert.
Jamie drehte wiederwillig das Bild um und zeigte es der Masse. Ab da konnte
ich mich nicht mehr halten und fing an lauthals zu lachen.
„Scheiße, Bruderherz, du denkst doch nicht, dass ich so grausam bin?“
„Das war jetzt ´ne Fangfrage oder?“ Ich sah ihn gespielt böse an. „Tristan
hohl mal das echte Geschenk her“, bat ich ihn. Er verschwand immer noch
grinsend.
„Ich hoffe, dass es so gut ist, sodass ich mich wieder von meinem Schock
erholen kann“, sagte Jamie.
„Es ist sogar noch besser.“ Jetzt sah er mich neugierig an.
Kapitel 18

Ein paar Stunden später saßen ein amüsierter Tristan, eine betrunkene
Avery, ein mürrischer Damien, der versuchte sein Grinsen zu verstecken und
ein auf Französisch singendes, betrunkenes ich. Ja, ich sang wirklich auf
Französisch und zwar Frère Jacques.
„Frère Jacques, Frère Jacques,dormez-vous, dormez-vous ?“, sang ich
gerade und fing an zu kichern.
„Babe, ich dachte du hasst Französisch?“, hörte ich Tristan fragen.
„Tu ich auch“, sagte ich wieder kichernd. Ich hoffe das bleibt nicht so. „Aber
ich bin betrunken. Und eins kann ich dir sagen. Ich werde mich morgen dafür
hassen und dich auch.“
„Wieso denn mich?“
„Na, weil du es verhindern hättest müssen. Deswegen. Das ist doch alles
deine schuld!“
„War ja klar, dass ich wieder Schuld haben werde“, sagte er und seufzte.
„Weiber“, hörte ich Damien murmeln.
„Du bist doch nur mies gelaunt, weil Avery dir den Sex verweigert“, sagte
ich und drehte mich so gut wie möglich im Sitz um, um ihn ansehen zu
können. Avery fing an zu kichern wie ein kleines Mädchen.
„Du kriegst keinen Sex, du kriegst keinen Sex“, trällerte sie vor sich hin.
„Armer, Sex loser, schmollender Damien“, sagte ich und zog einen
Schmollmund.
„Hört auf den armen, Sex losen Damien zu ärgern“, hörte ich Tristan für
ihn Partei ergreifen.
„Strike drei, mein Freund. Out.“
„Was?“
„Dein dritter Strike. Somit auch kein Sex für dich, also kannst du das Leid
mit Damien teilen“, sagte ich grinsend.
„Wann hab ich den drei Strikes gemacht?“
„Erstens du hättest mich nicht trinken lassen dürfen. Zweitens du hast
zugelassen, dass ich dieses potthässliche Bild kaufe“, sagte ich und hielt drei
Finger hoch.
„Das waren aber nur zwei.“
Ich schüttelte meinen Kopf. „Nope. Drei. Du hast für Damien Partei
ergriffen, süßer.“
„Ach, komm schon! Ich hab doch nur gesagt, dass ihr ihn nicht triezen
sollt.“
„Bla, bla, bla. Du kriegst trotzdem keinen Sex“, sagte ich und zuckte mit
den Schultern.
„Das hast du schon öfters gesagt.“
„Ich weiß, aber ich schlafe heute mit Avery in einem Zimmer“, sagte ich
und zuckte mit den Schultern.
„Nein, wirst du nicht“, sagten die zwei anwesenden – wohl nicht so
begeisterten – Heeren synchron.
„Aber so was von!“, sagten Avery und ich gleichzeitig.

„Ich hab irgendwie Hunger“, sagte ich eine Stunde später, als Avery und ich
im Schlafzimmer auf dem Bett lagen und die Decke anstarrten.
„Dann lass uns was essen“, sagte sie und schwang sich aus dem Bett. Ui,
scheiß Idee, Avery!, dachte ich als ich einen dumpfen Laut hörte, der
daraufhin deutete, dass Avery mit ihren fünf Buchstaben auf dem Boden
gelandet war.
„Scheiße“, stöhnte sie. „Jedes Mal das gleiche“, sagte sie als sie auf dem
Boden lag und versuchte sich aufzurappeln.
„Seidenbettlaken sind aber auch scheiße“, kommentierte ich.
„Bin ich ganz deiner Meinung, aber Tristan will ja nicht drauf verzichten!“
„Ich weiß, aber das krieg ich auch noch hin“, sagte ich diebisch grinsend.
„Du böses, böses Ding! Aber jetzt lass uns Mal was essen gehen!“

„Auf was hast du Lust?“, fragte ich als ich vorm Kühlschrank stand.
„Wie wäre es mit Pizza? Oder warte nein…ich hab’s“, sagte sie und grinste
mich breit an. Ich zog nur eine Augenbraue hoch und sah skeptisch zu wie sie
in Wohnzimmer verschwand. Ein paar Minuten später kam sie mit einem
durchsichtigen Plasticksäckchen in dem sich definitiv Gras befand. „Hasch
Brownies“, war das einzige was sie sagte.


Tristans Sicht:

Damien und ich saßen gerade in meiner „Männerhöhle“ tranken Scotch
und beschwerten uns über unsere Frauen, als wir ein lautes, verdächtiges
Rumsen aus der Küche kam. Blitzschnell waren wir in der Küche und
entdeckten eine Avery, die mit dem Kopf in einer Schüssel steckte und eine
Ana, die gerade einen Teelöffel begutachtete und ihn anstrahlte als ob es das
niedlichste Ding auf der ganzen Welt wäre.
„Schatz“, fing ich vorsichtig an während sich Damien um Avery kümmerte.
„Was machst du da?“
„Ist das kleine Ding nicht süß?“, fragte sie strahlend. Ich konnte nicht
anders als sie anzugrinsen, weil sie zum ersten Mal seit dem ich sie kenne
unschuldig und brav aussah.
„Ja, klar“, sagte ich. Was ist denn los mit ihr? So betrunken war sie auch
wieder nicht!
„Ich will auch so was kleines, süßes“, sagte sie und sah mir in die Augen.
„In mir drinnen“, sagte sie leise und kam auf mich zu. „Tristan“, hauchte sie mir
ins Ohr. „Ich will so etwas, kleines süßes in mir drinnen, aber von dir. Ich will
ein Baby“, sagte sie. Ach. DU. Sch-grüne Neune. Ich wusste nicht was ich
zuerst machen sollte. Vor Glück und Freude anfangen zu tanzen oder meine
Frau einfach über die Schulter werfen und ihr geben was sie wollte.
„Ich dachte du willst keine Kinder. Also noch nicht.“
„Ich hab’s mir anders überlegt“, sagte sie und streichelte meine Brust.
Irgendetwas stimmt da n…, bevor ich zu Ende denken konnte, kam mir schon
eine Idee.
„Sag mal hast du Gras geraucht?“
„Nö“, sagte sie kichernd und beugte sich verschwörerisch zu mir vor. „Ich
hab‘s gegessen!“ Ich runzelte verwirrt die Stirn. AH! Deshalb die Schüssel mit
dem Schokozeugs! Verstehe, aber woher hat sie den bitte das Marihuana her?
„Okay, Schatz“, sagte ich und hob sie hoch. „Feierabend für heute“, und
trug sie in unser Zimmer hoch, da Damien und Avery schon verschwunden
waren.
„Wo bringst du mich denn hin?“, fragte sie wie eine vierjährige.
„Ins Bett.“
„Bett“, sagte sie und kicherte. „Machst du mir da ein Baby?“
„Nein.“
„Aber wieso?!“„Weil ich will, dass du alle sieben Sinne bei dir hast, wenn ich
dir ein Baby mache“, raunte ich ihr ins Ohr.
„Na toll! Jetzt hast du mich scharf gemacht“, schmollte sie. Ich sah sie
grinsend an. „Aber vorher will ich was essen!“

„Macht ihr grad was zum Essen?“, fragte Damien, der mit Avery im
Schlepptau runter kam.
„Na ja, ich mach essen. Ana“, sagte ich und sah zu ihr rüber. Sie saß auf
der Theke und hatte eine Kartoffel in der Hand, „gratuliert der Kartoffel
gerade für ihr Rolle, die sie in Toy Story hatte.“
„Kannst du noch mehr machen? Die Dealerin hat auch Hunger.“„Kannst du
mir bitte einen Krabben Burger machen?“, fragte sie den gelben Schwamm,
der in der Spüle gelegen ist.
„Ich mach ihr auch was. Die sind noch verrückter, wenn sie High sind.“ Ich
schüttelte grinsend den Kopf.
„Wem sagst du das. Avery ist vorhin vom Bett gefallen. Weißt du was sie
gesagt hat? Ich hab den Boden angegriffen!“
„Mit ihrem Rücken?“
„Das hab ich sie auch gefragt. Daraufhin hat sie nur gesagt: Tja, ich bin
nun mal verdammt talentiert!“
Ich wendete lachend den nächsten Pfannkuchen, als ich Ana und Avery
reden hörte. „Ist das nicht soooo süß?“, fragte Ana und starrte weiterhin ins
Handy.
„Jaaa! Ich will auch so was!“
Ich sah Damien fragend an doch der zuckte nur mit den Schultern und sah
den zwei Damen wieder zu.
„Aber dann müsstest du ja mit Damien Sex haben“, sagte Anastasia
kichernd. Jetzt wurde mein Kumpel hellhörig und ich ehrlich gesagt auch.
„Ah ja“, sagte Avery und schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
„Das geht ja nicht, weil ich nicht seine Freundin bin.“
„Siehst du, aber Tristan kann mir eins machen. Wir sind ja Gefährten“,
sagte sie und zog das letzte Wort in die Länge.
„Ich weiß. Damien und ich auch“, erklärte Avery.
„Wirklich? Aber wieso seid ihr dann nicht zusammen? So wie Tristan und
ich“, fragte Ana, wie ein Kleinkind, dass ihre Eltern gerade fragte woher die
Babys kommen.
„NE! Das geht nicht!“, sagte Avery und schüttelte den Kopf.
„Okay, Ladies! Eure Pancakes sind jetzt fertig!“
„YEAH!“

„Wo zur Hölle ist NARNIA?“, fragte Ana jetzt schon zum zehnten Mal.
„Babe, komm aus dem Schrank raus.“ Sie krabbelte aus dem Schrank mit
einem enttäuschten Gesichtsausdruck.
„Ich hab Narnia nicht gefunden“, sagte sie und sah mich traurig an. Es
brach mir das Herz – so absurd wie es auch war, denn es ging ja um Narnia
und die gute war so High wie die Wolken am Himmel.
„Ich weiß Schatz, aber Narnia befindet sich nicht in dem Schrank“, sagte ich
und trug sie in mein Bett.
„Aber wieso befindet sich dann die Werkstatt vom Weihnachtsmann bei dir
zu Hause?“, fragte sie und sah mich mit großen Augen an.
„Es ist unser zu Hause, Schatz.“
„Hast du sie dem Weihnachtsmann gestohlen?“ Sie sah mich schockiert an.
„Wie kannst du nur! Du kannst doch nicht einfach das Weihnachten von
Millionen und Abermillionen Menschen kaputt machen! Du Grobian! Was
kommt als nächstes? Willst du dem Osterhasen die Eier wegnehmen? Oder
der Zahnfee die Flügel ausreißen? Obwohl bei der wäre es mir egal. Die blöde
Kuh hat mir immer meine Zähne weggenommen und nie das versprochene
Geld da gelassen! Weißt du wie enttäuschend das war? Die Frau ist echt ´ne
Enttäuschung. Ich finde ja, dass sie gefeuert gehört, aber ich hab da ja nichts
zu melden.“
Wahrscheinlich hat Jason dir das Geld weggenommen. „Schatz, du weißt
schon, dass die nicht echt sind oder?“
„Wer?“
„Na der Weihnachtsmann, der Osterhase und die Zahnfee.“
Sie schnappte laut nach Luft. „DU LÜGST!“ Sie verschränkte die Arme vor
der Brust – wir ein trotziges Kind.
„Babe, es tut mir ja leid dir das sagen zu müssen, es ist aber leider die
Wahrheit“, sagte ich vorsichtig. Anastasia war High, das hieß aber noch lange
nicht, dass sie nicht wusste wie sie mir wehtun könnte und das sie nicht sauer
werden konnte.
„Du wärst ein beschissener Vater! Wer sagt denn dem Kind einfach so, dass
die nicht echt sind? Gefühl, Tristan. Mehr Gefühl. Ich dachte Isolde hätte dir
das beigebracht du kleiner schwuler Troll.“ Sie schüttelte den Kopf und
kuschelte sich ins Bett, während ich sie mit offenem Mund anstarrte.
War sie nicht? Aber vor zwei Minuten war sie doch noch…
„Babe, wie war das nochmal mit dem kleinen, süßen Baby das du in dir
haben willst? Von mir“, sagte ich und zog sie an mich ran.
Kapitel 19

Ich saß am Steuer meines Range Rovers und versuchte nicht auf die Beine
meiner Gefährtin zu blicken und mich abzulenken. Wieso muss sie auch einen
beschießenen Minirock anziehen? Nicht das ich was dagegen hätte, aber wieso
jetzt? Ich muss mich doch auf die Straße konzentrieren. Gott sei Dank, sitzen
Avery und Damien in einem separaten Auto, sodass sie meine riesige Latte
nicht sehen können.
„Tristan“, hörte ich Anastasias wunderschöne Stimme.
„Ja, babe?“
„Ich will ein Baby“, sagte sie so unschuldig wie nur möglich. Hätte ich nicht
die Reflexe eines Vampires, dann wären wir jetzt gegen einen LKW gekracht.
„Jetzt?“, fragte ich ungläubig.
„Ah, das muss nicht jetzt sein. Ich kann warten.“ In meinem Kopf spielten
sich gerade Bilder ab, die auf jeden Fall nicht Jugendfrei waren. „Aber nicht
lange“, sagte sie in einer Singsang Stimme.
Willst du mich umbringen?
„Okay“, sagte ich und fuhr die nächste Abzweigung entlang, diese führte in
einen Wald. Ich schrieb Damien eine Nachricht, dass wir später kommen
würden, sodass er uns nicht stören konnte.
„Du willst mit mir im Wald schlafen?“
„Darauf kannst du wetten, babe.“ Ich fuhr ein paar Minuten entlang bis ich
weit genug entfernt war, sodass uns niemand dazwischen funkte. „Du willst
ein Baby? Dann kriegst du auch ein Baby!“
„Süßer, ich kann auch warten bis wir ein Bett zur Verfügung haben.“
„Ich aber nicht.“ Nicht nachdem sie mich so scharf gemacht hat. In der
Geschwindigkeit eines Vampires stürmte ich aus dem Auto auf die andere
Seite und riss die Tür, der Beifahrerseite auf um Ana aus dem Wagen zu
ziehen.
Fünf Minuten später saß Anastasia auf der Motorhaube des Wagens, ihre
Beine um meine Taille geschlungen und meine Hände erforschten gerade
ihren himmlischen Körper, während wir in einem heißen Kuss versanken. Ich
stöhnte als sie an meinen Haaren zog und die Beine enger um mich schlang.
Das Blut rauschte in meinen Ohren und floss weiter in tiefere Regionen.
“Schön zu sehen, dass der König sich mit seiner Königin so zu amüsieren
versteht!”, vernahm ich eine belustigte Stimme hinter mir. In einer Millisekunde
hatte ich mich um meine eigene Achse gedreht und Ana von der Gefahr
abgeschirmt.
Konnte er mit der Störung nicht ein paar Minuten warten?
Dank Anas Kommentar musste ich grinsen und der schlaksige Typ, der vor
mir stand, sah mich verwirrt an.
Will der mich verarschen?!, fragte ich mich selbst als ich den Typen, der
wahrscheinlich so groß wie Ana war, ansah. Er hatte dunkelblonde Haare und
leblose braune Augen. Ab da war es mir klar. Er war ein Lakai. Ein Körper
ohne Seele, der nur noch Befehle von seinem “Macher” entgegen nehmen
konnte.
Ich will ihn auch sehen!
Nein!, grollte ich und konnte mir schon vorstellen wie sie ihre Augen
verdrehte.
“Was willst du von mir?”, fragte ich ihn und behielt meine Kampfhaltung
ein. Auch wenn er schwach aussah und ein Mensch war, durfte man Lakaien
nicht unterschätzen. Sie würden alles tun um ihren Meister nicht zu
enttäuschen. Alles. Sogar ihr eigenes Leben geben. Aber um dies nicht tun zu
müssen sind sie meistens mit einem beeindruckenden Waffenarsenal
ausgestattet.
“Von dir will ich gar nichts. Ich will nur deine Königin!”
“Auf gar keinen Fall! Wieso sollte ich sie dir mitgeben?”
“Weil du ganz sicher nicht willst, dass deine wunderschöne Gefährtin dabei
zusehen muss, wie dir eine Bleikugel durchs Herz geschossen wird oder?”
Blei. Dieser kleine Mistkerl. Einen Vampir mit einer Bleikugel genau durchs
Herz zu schießen war die schmerzhafteste Methode ihn umzubringen. Man
leidet stundenlang unter höllischen Schmerzen und nimmt immer noch alles,
was um einen herum geschieht, deutlich war.
“Ich bin schneller und stärker als du, Mensch! Bevor du überhaupt deine
Waffe rausziehen könntest, hätte ich dir deinen Kopf von den Schultern
gerissen und dein Körper würde die Bäume schmücken, wie Girlanden einen
Weihnachtsbaum”, grinste ich.
Der Ton macht mich an, gurrte Ana.
Dich macht doch alles was ich mache an.
Sollte das nicht eigentlich ich sagen?
”Ich habe keine Waffe dabei”, grinste der kleine Lakai.
“Wieso kommst du dann auf die Idee meine Frau und mich zu bedrohen?”
“Weil ich nicht alleine bin. Sagen wir so, ich hatte das Gefühl, dass du mir
deine wunderschöne Braut nicht einfach so überreichen würdest. Deshalb
habe ich mir Verstärkung besorgt”, sagte er und lehnte sich so lässig gegen
einen Baum, dass ich ihm am liebsten die Fresse dafür poliert hätte. Ich hörte
Geraschel von allen Seiten und drückte Anastasia näher an mich um sie zu
beschützen. Innerhalb paar Sekunden waren wir von 10 ungefähr 2m großen
Trollen, die geladene Waffen hatten, umzingelt. Scheiße.
Kapitel 20

Baby, kannst du mich hören?, fragte ich Ana gedanklich.


Natürlich höre ich dich, du Spast. Ich hab dich auch noch vor fünf MInuten
hören können. Ich konnte mir bildlich vorstellen wie sie die Augen verdrehte
und hoffte, dass die Trolle ihr nicht so viel Aufmerksamkeit schenkten und so
nicht merkten, dass wir uns gedanklich unterhielten.
Okay, du musst mir jetzt gut zuhören, Anastasia. Sie wusste, dass ich es
ernst meinte, weil ich ihren ganzen Namen benutzte.
Okay.
Auf mein Zeichen musst du deine Kraft nutzen und den Typen die Waffen
wegschleudern, abergleichzeitig. Verstanden?
Auf welches Zeichen.
Auf drei.
Verstanden.
Ich stellte mich breitbeinig hin, Ana gut geschützt hinter mir, und beugte
meinen Oberkörper ein wenig nach vorne. “Drei”, sagte ich und im nächsten
Moment, wurden die Waffen in die Luft geschossen und ein paar hundert
Meter weiter nach hinten geschleudert wurde. Ich spürte wie mein Blut zu
kochen began. Durch meine Adern, bis in meine Fingerspitzen. Heißes Feuer
schoß aus meinen Händen und ich richtete sie in die Richtung der Trolle. Einer
nach dem anderen wurde von dem Feuer erfasst, ein paar konnten schnell
genug ausweichen um nicht verkohlt zu werden, aber nicht schnell genug um
nicht verbrannt zu werden. Ich sah wie Ana die restlichen zu Boden drückte,
damit sie nicht fliehen konnten, doch den Lakaien konnte ich nirgends sehen.
In der nächsten Sekunde fuhr spitzer, fürchterlicher Schmerz durch meinen
Körper, der meinen ganzen Körper verkrampfen ließ. Es war ungefähr so, als
ob man einen Schmerzensschrei warnehmen würde, der so hoch war, dass er
Panzerglas zersprengen konnte. Das konnte nur einer bedeuten. Die Trolle
hatten sich Hilfe geholt, und zwar von den Hexen. Verdammt.
Ich hörte noch Anas Schmerzensschrei, bevor alles um mich herrum
schwarz wurde.
––––––––––––––––––––––
Anastasias Sicht:
Stimmen waren, das erste was ich warnahm. Stimme, die ich nicht
zuordnen konnte. “Ich hoffe für dich, dass sie wieder aufwacht, Hexe”, sagte
eine männliche Stimme.
“Sie wird wieder aufwachen, Meister”, sagte die Frau. Ich konnte ihre Angst
deutlich raushören. Meister? Was zum Teufel ist hier los? Ist das irgend so ein
kranker BDSM Scheiß? Ich hab Shades of Grey gelesen und der Typ ist ein
Traum. Abgesehen von seiner sadistischen Ader. Ah, Christian Grey.
Baby, es verletzt meine Gefühle, dass das erste an das du denkst, sobald
du aufgewacht bist, Christian Grey und nicht ich war.
Sorry, süßer. Aber du brauchst keine Angst haben, er ist ja nicht echt.
Beruhigend zu hören. Ich nehme an, dass es dir gut geht. Du kannst ja
immerhin von deinem ach so tollem Christian Grey träumen.
Baby, er ist nicht mein Christian Grey. Ich stell mich immer dich als
Christian vor.
Wirklich?
Natürlich? Niemand ist heißer als du, Schatz.
Dito, baby.
Gut, jetzt wo du dich beruhigt hast, kannst du mir ja vielleicht sagen WO
ZUR HÖLLE ICH GERADE BIN.
Baby, schrei doch nicht so. Kannst du dich denn nicht mehr erinnern?
Hab’s nicht versucht und es ist mir auch scheiß egal, ich will hier wieder
raus.
Wie sieht der Raum aus in dem du bist?
Weiß nicht. Ich wollte die Augen nicht aufmachen, als ich diese Stimmen
gehört habe.
Okay, welche Stimme, baby.
Eine Frau und einen Mann. Der Mann hat zur Frau irgendwas von wegen,
Hexe gesagt.
Hat sie ihn Meister genannt?
Ja!
Okay, gut gemacht, baby.
Wer sind diese Menschen Tristan?
Der Typ den sie Meister genannt hat, ist das Arschloch, das angeordnet
hat uns entführen zu lassen.
Ohh, verstehe. Und was soll ich jetzt machen? Das A-Team rufen und
warten bis sie mir helfen?
NEIN! Du sollst gar nichts machen. Ich weiß nicht, wer es ist, der in dem
Raum ist. Es könnte jeder sein, außerdem weiß ich nicht was für Kräfte er hat
oder ob sie deine nicht lahm gelegt haben für gewisse Zeit. Warte ein
bisschen. Öffne die Augen, wenn du dich ein bisschen sicherer sicher fühlst
und dann sag mir was du siehst, okay?
Okay. Aber dann halt bitte die Klappe, damit ich mich auf meine
Umgebung konzentrieren kann, okay?
Natürlich, Boss.
Ich verdrehte meine Augen hinter geschlossenen Augen und versuchte mich
auf die Geräusche um mich herum zu konzentrieren. Sobald ich nichts
verdächtiges hören konnte und keine Blicke auf mir spürte, öffnete ich
vorsichtig die Augen. Es war anders als ich erwartet hatte. Ich dachte, dass
ich in irgendeinem stinkenden, alten Keller aufwachen würde, liegend auf
einer modrigen Matratze. Aber nein. Ich befand mich in einem großen
Schlafzimmer, auf einem gemütlichen King-Size Bett, welches mit Satin
Bettwäsche überzogen war. Meine Augenbrauen zogen sich vor Verwirrung
zusammen und ich wusste nicht was ich von der ganzen Situtation halten
sollte. Zuerst ließ so ein Psychopat meinen Gefährten und mich von einer
Horde Trolle entführen und dann wache ich hier in einem protzigen
Schlafzimmer auf, das eher in den Film Sissi und nicht in diese Situation
passte. Meine Hände waren auch nicht irgendwo angebunden oder mit
Handschellen versehen.
Was zur Hölle?
Baby? Was ist los?
Ich bin in einem riesen Schlafzimmer mit Satinbettwäsche ohne
irgendwelche Handschellen oder sonstiges.
Okay…da stimmt was nicht. Wahrscheinlich ist das Zimmer mit einem
Zauber versehen, sodass du deine Kräfte nicht einsetzen und nicht fliehen
kannst. Fass bloß die Fenster nicht an.
Wieso?
Sonst durchfährt es dich wie einen Stromschlag. Es ist kein echter Strom.
Es handelt sich um Magie, die dich glauben lässt, dass es Strom ist.
Okay. Fenster - NEIN!
Plötzlich wurde die Tür geöffnet und eine Gestalt in einer schwarzen Robe
kam hindurch. Die Kaputze tief ins Gesicht gezogen. Er, sie oder es schwebte
förmlich über dem Boden, bis er am Fußende des Bettes stand.
“Hallo, meine Königin”, sagte die Gestalt mit tiefer Stimme.
“Hey?”
“Erinnerst du dich noch an mich, Anastasia?”, fragte die Gestalt.
Ne, sorry. Ich kenn’ leider keine Menschen, die schwarze Roben tragen und
gruselig über den Boden schweben. Ich hielt die Klappe und schüttelte nur den
Kopf.
“Verzeih. Ich habe vergessen, dass ich die Robe noch trage”, meinte er und
kicherte rau. Große Hände kamen der Kaputze näher und schoben sie
langsam nach hinten, während ich versuchte mich auf das Gesicht zu
konzentrieren, das gleich entblößt werden würde. Überraschenderweiße
wurde ein unverschämt attraktives Gesicht entblößt. Der Mann hatte eine
schmale, gerade Nase, schmale Lippen, dichte Augenbrauen über
hellbraunen, fast goldenen Augen. Eine schmale Narbe, kaum sichtbar, lief
von seiner rechten Augenbraue bis zur Mitte seiner Wange. Irgendwie kamen
mir diese Augen verdammt bekannt vor, aber ich wusste nicht wo ich sie
zuordnen sollte.
“Na, klingelts, Nastja?”, fragte er mit einem breiten Grinsen. Die Erkentnnis
traf mich mit einer Wucht, die mich umgehauen hätte, wenn ich nicht schon
liegen würde.
“Antonius?!”, fragte ich geschockt.
Kapitel 21

Antonius war mein bester Freund. Gewesen. Wir kannten uns schon seit
dem wir zusammen im Sandkasten gespielt haben und er war einer der
wenigen Menschen zu denen ich nett war und der Einzige mit dem ich
freiwillig das Essen geteilt habe. Dann kam wohl die Pubertät und wir wissen
alle was da passiert. Kinder sind scheiße, aber pubertirende Teenager sind
Ausgeburten der Hölle.
Wenn ich jemals Kinder haben sollte, dann werde ich sie von zehn bis
achtzehn in ein Internat schicken. Ganz weit weg von mir.Oh, ich schweife
schon wieder ab!
Was du nicht sagst!, hörte ich einen klugscheißerischen Bastard in meinem
Kopf sagen.
Halt die Klappe!
Baby, ich glaube jetzt ist nicht gerade so ein gute Zeitpunkt mir zu
befehlen die Klappe zu halten, wenn ich doch wissen muss, wer der Typ ist,
der uns hier fest hält.
Oh, hast recht. Antonius.
Was?
Antonius ist der Typ, der uns festhält!
Woher kennst du seinen Namen?!
Er war einmal mein bester Freund, okay?
Tolle Freunde hast du da! Ich blockierte seine Gedanken, bevor ich noch
anfing zu schreien.
“Nastja. Du kannst so viel wie möglich mit deinem Gefährten komunizieren
und ihm über mir erzählen, aber es wird dir nichts helfen. Er wird dich hier
nicht rauskriegen können.”
Woher weiß er, dass ich mich mit Tristan unterhalten habe?
“Ich bitte dich. Ich versuche schon seit fünf Minuten deine Aufmerksamkeit
zu erregen”, sagte er und verdrehte die Augen. “Glaubst du eigentlich, dass ich
dämlich bin?”
Das war jetzt ´ne Fangfrage oder? Es gibt im Leben Fragen die man
bestimmten Personen niemals beantworten darf. Ein Beispiel. Du darfst deiner
fetten Frau nie sagen, dass sie fett in dieser Hose aussieht, wenn sie dich
fragt. Einfach sagen, dass sie wunderschön aussieht und darauf hoffen, dass
sie die Frage nie wieder stellt. Aber sein wir mal ehrlich. Sie wird die Frage
wieder stellen und es werden immer schlimmere Fragen dazu kommen. Wie
zum Beispiel. Findest du nicht auch, dass die Kellnerin, die dich die ganze Zeit
angeschaut hat, richtig hübsch ist? Keine Angst, dass ist meistens keine Frage.
Nur eine Feststellung. Jetzt kommt die Frage - Sie war viel hübscher als ich.
Und jetzt ACHTUNG! Niemals, aber auch niemals, egal unter welchen
Umständen - auch wenn die Kellnerin Adrian Lima und deine Freundin wie die
Schwester von Freddy Krüger aussieht - darf man nicht sagen, dass die
Kellnerin hübscher war. Das einzig Richtige in dieser Situation ist, wenn man
der Freundin sagt, dass sie das wunderschönste Wesen auf der ganzen Welt
ist. Egal wie sie wirklich aussieht. Ah, fuck, schon wieder den Faden verloren.
Ich hörte ein genervtes Stöhnen, dass von Antonio stammen musste.
“Nastja, du lässt deine Gedanken so schnell in eine andere Richtung gehen,
dass ich mich manchmal frage wie du es in den Kindergarten geschafft hast.”
“Das war gemein!” Ich spürte wie heiße Wut in meinen Adern zu brennen
begann. “Außerdem warst schon immer du der Idiot von uns beiden!”
“Ah ja?”, fing er an und sah mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
“Wer von uns beiden dachte damals, dass Bigfoot ein großer Fuß ist, der uns
alle zerquetschen will?”
“Ich war DREI, du Neandertaler! Wenigstens zeigt das, dass ich damals
schon Englisch konnte im gegensatz zu dir, Quasimodo! Wer hat denn
gedacht, dass Teletubbis sterben, wenn man Gummibärchen ist?”
“Das…das…”
“Du warst zehn! Bade dich nicht in Ausreden, King Kong!”
“King Kong? Du warst schon immer sehr ausgefallen was Beleidigungen
anging.”
“Ja und du wenn es um Ausreden ging! Los, tisch’ mir eine deiner
weltbekannten Lügen auf. Wieso hast du uns entführt?”
“Eine Herausforderung! Es war vor vierzehn Jahren, als du und ich noch im
Kindergarten waren. Es war ein verniselter Dienstag…”
“Du sollst mir sagen wieso du uns entführt hast und nicht deine
Lebensgeschichte, du Kackbratze!”
“Kackbratze? Also wirklich. Du warst schon mal besser, aber ich komme
gleich dazu wieso ich dich und deinen Gefährten entführt habe, wenn du mich
ausreden lässt.”
Ich spürte wie mein linkes Auge zu zucken anfing und die Wut in mir weiter
aufkochte. Doch ich nickte nur, damit er fortfuhr.
“Also zurück zu meiner Geschichte. Es war ein vernieselter Dienstag und ich
wollte unbedingt mit den Bauklötzen spielen. Ich hab’ es geliebt, denn mit
den Bauklötzen konnte ich mir mein eigenes kleines Reich bauen. Nur für
mich. Ein Reich in dem mir niemand etwas tun konnte. Im Gegensatz zu
meinem zu Hause. Nastja, du weißt, dass ich damals sehr klein und
schmächtig für mein Alter war und mich deshalb nie gegen andere Kinder
währen konnte.”
Ich nickte. Ich erinnerte mich noch wie ich damals immer auf ihn
aufgepasst hatte, weil er kleiner war als ich. Wie ein kleiner Bruder obwohl er
gleich alt wie ich war.
“An dem Tag wollte ich unbedingt wieder mit den Steinen spielen, also
habe ich das auch getan. Mit den Klötzen hat kaum einer gespielt, also hatte
ich sie meistens für mich alleine. Nicht an diesem Tag. Es geschahn zwei Dinge
an diesem Tag, Nastja. Erinnerst du dich noch daran?”
Ich dachte scharf nach um rauszufinden was diese zwei Dinge waren.
Kindergarten. Bauklötze. Antonio. Es war mein erster Tag im Kindergarten
gewesen!
“Das war mein ertser Tag im Kindergarten. Du hast gespielt. Ganz alleine.
Ich hab’ dich schon den ganzen Tag lang beobachtet, weil ich nicht verstanden
habe, wieso du mit niemandem gespielt und geredet hast. Beim Essen habe
ich mich dann zu dir gesetzt und angefangen mit dir zu reden…”
“Ganz genau. Du warst das erste Kind gewesen, dass mich nicht beleidigt,
geschubst oder geschlagen hat, weil ich kleiner als die Jungs in meinem Alter
gewesen bin. Du warst nett zu mir. Und so hübsch, Nastja. Ich hab’ mich
sofort in dich verliebt, aber ich war nicht der einzige, dem aufgefallen ist, wie
hübsch du warst. Kannst du dich noch an Kayden erinnern?”
Natürlich. Der kleine Arsch hatte mich damals regelmäßig geärgert. Ich
habe ihn gehasst. Ich nickte.
“Er hat gemerkt, dass du mit mir gesprochen hast und mir mehr
Aufmerksamkeit als ihm geschenkt hast. An dem Tag hat er das Schloss, das
du und ich gebaut haben, zerstört und hat angefangen mich zu beleidigen.”
Ich erinnerte mich daran. Es hatte mir damals mein unschuldiges
Kinderherz gebrochen zu sehen wie Kayden unser Schloss kaputt gemacht hat
und danach Antonio, der ihm nichts getan hatte, zu beleidigen. Das
schlimmste jedoch war zu sehen wie Antonios zuvor fröhlich strahlendes
Gesicht ganz traurig wurde.
“Du bist aufgestanden, hast ihn geschubst und mich in die Arme
genommen. Zum ersten Mal hat mich jemand getröstet. Zum ersten Mal hat
sich jemand um mich gekümmert. Nastja, du weißt es vielleicht nicht, aber ich
wurde damals zu Hause geschlagen. John und Elly waren nicht meine
richtigen Eltern. Sie waren nur meine Pflegeeltern. Als ich das erfahren habe,
hatte ich keine Reue endlich weg zu laufen, aber nicht ohne mir voher zu
schwören, größer und sträker zu werden, damit ich eines Tages dich
beschützen konnte.”
“Und heute bist es du, der mich hat entführen lassen”, fauchte ich.
“Aber nur um dir endlich das geben zu können, dass du verdienst.”
“Und was wäre das?”
“Ein Leben voller Reichtum und Sicherheit.” Will der mich verarschen? Sag
mal, was glaubt der denn wo ich vorher gewohnt hab’? Im Ghetto? “Ich weiß
was du jetzt denkst, Nastja, aber dem Schicksal ist ein Fehler unterlaufen. Du
kannst nicht Tristans Gefährtin sein. Du bist dafür bestimmt mit mir
zusammen zu sein. Für immer!”
Wir sitzen ganz tief in der Scheiße.

Kapitel 22

Ich wusste nicht wie ich in dieser Situation landen konnte, aber ich steckte
in einem Brautkleid und hatte Fesseln um meine Handgelenke, die in mein
Fleisch schnitten und lag auf einem harten Untergrund. Sie waren schrecklich
eng und taten höllisch weh. Ich hatte keine Ahnung wo Tristan war und wie
es ihm ging, weil ich ihn nicht erreichen konnte. Ich fühlte mich schrecklich
müde und ausgelaugt, weil ich schon seit längerem kein Blut von Tristan
getrunken hatte.
Ich war alleine in einer großen Halle, die so aussah als ob man eine
Zeremonie durchführen wollte. Es gab keine Fenster, aber dafür sehr viele
Kerzen, die den Raum erleuchteten. Ich wollte weinen. Ich wusste nicht mehr
wann das letzte Mal war, als ich weinen wollte. Ich wusste nur eines in diesem
Moment - das war der mit Abstand beschissenste Tag in meinem ganzen
Leben.
Ich mein’ zuerst werde ich um meinen Sex mit meinem heißen Gefährten
gebracht, dann wurde ich von hässlichen 2m großen Trollen angegriffen,
entführt und jetzt steckte ich hier. In einem Brautkleid!
Ich hörte ein Knacksen hinter mir und wendete meinen Kopf so gut es ging.
Ich hielt ausschau nach dem Erzeuger des Geräusches.
Das fängt schon wieder alles wie ein scheiß Horrorfilm an.
Ein Huschen war zu vernehmen. Ich verdrehte die Augen. Es wurde schon
wieder ganz schön lächerlich. Ich war müde, hungrig, genervt und das aller
wichtigste, ICH WOLLTE KAFFEE!
“Okay. Wer oder was auch immer du bist. Komm einfach raus und zeig
dich! Du gehst mir nämlich schrecklich auf die Nerven!”
Ein tiefes, aber dennoch weibliches Lachen ertönte im Hintergrund. “Süß”,
gurrte die Person. “Wie mutig du doch bist.”
“Ja. Ein Wahnsinn was Hunger mit einem machen kann”, meinte ich
gelangweilt. Ich würde bald anfangen zu quengeln. Mein Rücken tat weh und
der harte Untergrund drückte schmerzhaft gegen meinen Hinterkopf, der
schrecklich wehtat.
“Du bist so schön”, gurrte die Stimme und ich spürte wie etwas hartes
meine Wange entlang fuhr. Ich sah hoch, konnte aber nur eine Gestalt mit
einer schwarzen Robe entdecken, die die Kaputze so tief ins Gesicht gezogen
hatte, das man nicht einmal die Lippen erkennen konnte. Nur ein schwarzer
Schatten.
“Wer bist du?”
“Dein schlimmster Albtraum”, lachte sie. “Aber im wesentlichen bin ich du.”
Was? Nun verstand ich genau Bahnhof. “Ich werde es zumindest bald sein”,
sagte sie und verwirrte mich damit noch mehr.
“Keine Angst. Du wirst es bald verstehen”, sagte sie, als sie mein verwirrtes
Gesicht sah.
“Das glaube ich eher weniger”, antwortete ich.
“SAG MIR VERDAMMT NOCHMAL WO ANASTASIA IST!”, hörte ich eine mir
vertraute Stimme brüllen.
Die Gestalt über mir schnurrte. “Da ist ja mein Zukünftiger.”
Normalerweiße wurde ich nicht eifersüchtig, wenn jemand mit Tristan
flirtete oder ihn anschmachtete, aber diese Frau überspannte den Bogen
gerade maßlos. Aber im Moment stand die Eifersucht nicht im Vordergrund.
Im Vordergrund stand meine Wut. Wie konnte diese verholhlte Schnepfe es
nur wagen sich so etwas einzubilden. Wie konnte sie es wagen so über
MEINEN Gefährten zu sprechen.
Ich sah mit zornigen Augen zu ihr auf. Auch wenn ich ihre Augen nicht
sehen konnte wusste ich, dass dieses Kaputzentragende Monster mich sehr
wohl sehen konnte. Am liebsten hätte ich ihr den Mittelfinger gezeigt, aber
das ging ja schlecht, wenn ich gefesselt war.
“WAS HABT IHR MIT IHR GEMACHT!!!”, brüllte er weiter und im nächsten
Moment sprang die schwere Doppeltür auf. Hindurch kam Antonius, der
Tristan hinter sich her zerrte. Tristans Handgelenke rauchten und es hatten
sich große Blasen um seine Handgelenke gebildet.
Er sah gleichzeitig geschwächt und wie der stärkste Mann der Welt aus.
Antonuis muss ihm etwas gegeben haben.
“Tristan!”, rief ich und sein Kopf schellte in die Höhe. Seine Augen
begannen zu strahlen und er versuchte mich zu erreichen. Ein paar Meter
bever er mich erreichte schien es als ob er an einer Wand abprallen würde. Ich
runzelte verwirrt die Stirn. Was war da los?
“Baby. Geht es dir gut?”, fragte er und blickte über meinen Körper. Er
schien die Gestalt über mir nicht zu merken oder es war einfach viel zu
dunkel.
Ich nickte schwach. “Ja. Mir geht’s gut! Dir?!”
“Mir geht’s gut, baby. Ich bringe dich hier raus,okay?!”
“Weißt du was hier los ist, Tristan?”
“Nein. Tut mir leid, Ana, aber wir werden es bald rausfinden, okay?”
“Lass dem Paar noch ein wenig Zeit, Antonius. Solange sie noch Zeit
haben”, ertönte die Stimme der Unbekannten wieder.
“Ich will nicht, dass sie alleine mit ihm ist”, zischte Antonius.
“Hab keine Angst, mein Freund. Er kann nicht zu ihr und sie kann nicht zu
ihm. Die Hexe hat einen Schutzzauber um den Altar gelegt”, versicherte ihm
die Frau.
“Und was wenn sie einen Weg Hinaus finden?”
“Das wird nicht passieren, aber falls doch, dann können sie nicht fliehen.
Wohin denn? Sie sind umgeben von Wachen und Kilometerweit ist nichts
außer Grass und Wald.”
Die Beiden verließen den Saal und ließen Tristan und mich alleine. “Was
sollen wir jetzt machen?”, fragte ich.
“Ich werde einen Weg finden, baby”, beruhigte er mich.
“Tristan, diese Frau ist psychisch gestört. Sie hat gerade eben gesagt, dass
sie ich sei. Jedenfalls bald. Was zur Hölle soll das bedeuten?”
Er zog seine Stirn kraus und dachte nach. “Ich weiß es nicht. Wirklich. Aber
es gefällt mir nicht. Irgendetwas stimmt hier ganz gewaltig nicht, Ana.”
“Das hab’ ich auch schon rausgefunden, Sherlock.”
“Freut mich, Watson.”
“Wieso darfst du Sherlock sein und ich muss Watson sein?”
“Du hast doch angefangen”, verteidigte er sich.
“Ist doch jetzt egal. Wir haben andere Sorgen. Wie zum Beispiel wir von
hier verschwinden können.”
“Wir finden schon einen Weg, baby”, meinte er beruhigend und sah mir tief
in die Augen. Ich wusste, dass er mich am liebsten in den Arm genommen
hätte um mich zu beruhigen. Ich wollte es auch. Wirklich. Aber es ging wegen
diesem dummen Schutzzauber nicht.
“Zeit abgelaufen!” Anonius und die schwarze Gestalt kamen wieder in den
Raum. Tristan sah nicht weg von mir. Er behielt seine Augen auf meinem
Gesicht.
“Es wird Zeit, Antonius”, meinte die Frau. “Wir müssen sie vorbereiten. Der
Mond ist bald ganz zu sehen und die Hexe hat nicht mehr viel Kraft.”
“Wofür müsst ihr sie vorbereiten?”, fragte Tristan.
“Für den Wechsel.”
“Welchen Wechsel?”
“Dem Körperwechsel. Estella wird Anastasias Körper einnehmen”,
antwortete Antonius.
Estella hieß die Gestalt also. “Was?! Wieso?”
“Deshalb”, meinte Estella und schob langsam die Kaputze vom Kopf.
Ich keuchte. Ihr Gesicht war völlig enstellt. Sie hatte vernarbungen die von
Verbrennungen kamen und an manchen stellen gar keine Haut. Das Fleisch
war zu sehen.
Heilige Scheiße! Das wär’ mal ein Fall für ‘Extrem schön!’.
Kapitel 23

Das Blei brannte sich in meine Handgelenke. Ich spürte nicht nur meinen
Schmerz, sondern auch Tristans. Sie hatten uns beiden Handschellen aus Blei
umgelegt. Jede Frau, die sich über Regelschmerzen beschwert hatte, sollte
mal lieber die Fresse halten und diesen Schmerz aushalten.

Ich hoffe, dass dieser Spuk bald zu Ende ist.

Baby, wir werden hier raus kommen. Ich verspreche es.

Wie? Du steckst doch genauso in Blei, wie ich.

Keine Angst. Nur noch ein paar Minuten, bis dahin müssen wir sie
hinhalten. Schaffst du das?

Wenn das bedeutet, dass ich wieder nach Hause komme, dann werde ich
sie meinetwegen auch Tage beschäftigen.

Ein paar Minuten reichen völlig. Höchstens drei.

“Wieso tust du das, Antonius?”, fragte ich.
“Ich will, dass sich meine Gefährtin wieder wohl fühlt. Ich kann ihren
Schmerz nicht mehr ertragen”, sagte er traurig. Diese Frau war verrückt
geworden. Natürlich verstand ich, dass sie nicht so aussehen wollte, wie sie es
in diesem Moment nun mal tat, aber das gab ihr noch lange nicht das Recht,
meinen Gefährten und mich zu entführen. Verrückte Schlampe.
“Aber wieso ich? Wieso nicht einfach zu ‘nem magischen Schönheits Doc
gehen?”, fragte ich. Ich wusste, dass bei diesen Wunden, sicher kein normaler
Schönheitschirurg helfen konnte.
“Wir haben schon alles versucht. Heilkräuter”, ich verdrehte die Augen,
“Magie, wir haben die Haut abgezogen, aber sie ist immer wieder vernarbt
zugewachsen.”
“Es hat schon einen Grund wieso”, hörte ich eine laute weibliche Stimmte
durch den Saal boomen. Ich drehte meinen Kopf in die Richtung der Stimme.
“Die Reine”, keuchte Antonius und senkte seinen Kopf, während ich die
wunderschöne Blondine musterte, die mit einem großen gutaussehendem
Typen auf ihrer Seite aufgetaucht war.
“Ihre ‘Verletzungen’, wie ihr sie nennt, sind keine echten Verletzungen. Sie
sind ein Fluch. Deine liebe Gefährtin hat sich lustig über andere gemacht, eine
von ihnen war leider eine Hexe, die sie nicht ungestraft davon kommen lies.
Sie hat sie mit einem Fluch belegt, der sich von Außen genau so hässlich
zeigen soll, wie sie von Innen ist”, erklärte sie. Ergibt Sinn.
Im nächsten Moment spürte ich, wie die Handschellen sich von meinen
Gelenken lösten und zu Boden fielen. Ich seufzte erleichtert auf. “Fasst sie!”
Ich sah wie Estella versuchte zu fliehen und das Blut in meinem Körper
kochte. Sie würde nicht ungestraft davon kommen. Das würde ich nicht
zulassen.
Innerhalb von zwei Sekunden hatte ich sie an ihrem Hals gepackt und
gegen die nächste Wand gedrückt. Meine Finger drückten so fest zu, dass
meine Fingernägel Blutspuren hinterließen. Mein inneres Biest freute sich
darüber und wenn ich ehrlich war, dann freute ich mich genauso sehr, wenn
nicht sogar eine Spur mehr.
“Lass sie lieber los, sonst erstickt sie mir noch, dabei hab’ ich mir so eine
schöne Strafe überlegt”, sagte eine Stimme neben mir und ich konnte nicht
anders als Estellas Körper mit einem breiten Grinsen fallen zu lassen.
“Hast Recht. Ich sollte mir meine Hände nicht schmutzig machen.” Ich sah
rüber zur Blondine. Sie grinste breit und es hatten sich zwei Grübchen in ihren
Backen gebildet. Sie war wirklich wunderschön mit ihren hellen grauen
Augen, die von dichten Wimpern umrandet wurden. Ihre Lippen waren voll
und rosa, die Wangen hoch, die Nase gerade und das Haar lang und voll und
von einer satten Farbe.
Ich spürte große Hände um meine Taille und im nächsten Augenblick war
mein Gesicht in Tristans Brust vergraben. Ich schlang meine Arme um seinen
Nacken und fühlte mich um so viel besser, als noch vor zehn Minuten.
Ich fühlte mich wohl. Mehr als das, ich fühlte mich zu Hause
und überraschenderweiße hatte ich nicht das Bedürfnis jemandem ins Gesicht
zu schlagen.
Epilog

Es war Weihnachten. Die schrecklichste Jahreszeit des ganzen Jahres.


Überall glückliche und singende Menschen, Glitzer, ein fetter Pedo und
singende Kleinwüchsige. Ich hasste es und jedes Jahr um diese Zeit war Jamie
besonders glücklich, das regte mich am meisten auf.
Dieses Jahr war er schlimmer. Seine Gefährtin war schwanger. Yippi. Klein
Jamie. Wieso braucht die Welt sowas? Sind Hunger und Armut denn nicht
schon genug bestrafung?
Er, sie oder - so gut wie ich Jamie kannte - es, sollten in fünf Monaten auf
die Welt kommen. Was aber noch schlimmer an der Tatsache war, war das ich
auch schwanger war. Tristan hatte es wirklich geschafft ein Baby in mich
einzupflanzen, na gut, wir wollten es beide, aber damals hatte ich auch nicht
an Jamie gedacht und wenn ich ehrlich sein sollte hatte die Zeugung mehr als
nur Spaß gemacht.
Was aber die Kirsche auf diesem beschießenen Eisbecher war, dass das
Baby im Februar auf die Welt kommen sollte, Valentienstag um genau zu
sein. Was für ‘ne scheiß Ironie.
Tristan wünschte sich viele Kinder, aber ich war mir da nicht so sicher.
Zwei, höchstens drei, sollten es werden und dann Ende im Gelände. Sollte er
sie doch selber auspressen. Meine Mutter hatte mir erzählt, wie sehr die
Geburt der Zwillige weh getan hatte. Als ich das gehört hatte, wollte ich das
unten am liebsten zu nähen und das Baby drinnen behalten, aber das hieß
wiederrum, dass ich für immer fett und unbeweglich bleiben würde.
Zugegeben, außer meinem Bauch war nichts an meinem Körper fett
geworden. Was es werden würde, wussten wir immer noch nicht, weil Tristan
sich überraschen lassen wollte und ich hatte dummerweiße zugestimmt. Ich
muss high gewesen sein. Ich wollte unbedingt wissen was es wurde. Der
Gedanke, dass ich nicht wusste was in mir heran wuchs, trieb mich in den
Wahnsinn. Fast so sehr wie Jamies schreckliches geheulte von All I want for
Christmas - Mariah Carey. Ich wäre heilfroh gewesen, wenn meine Ohren
einfach abgefallen wären. Taten sie aber leider nicht.
Notiz an mich: Jamie die Stimmbänder ausreißen.
Jake, der glückliche Spast, hatte sich Ohropax mitgenommen, sodass er
jetzt ruhig und ‘taub’ wie er war auf dem Sofa saß und Eierpunsch trank.
Dieser glückliche Mistkerl.
“Lasst uns Geschenke aufmachen!”, trällerte Jamie.
“Sicher das du nicht schwul bist?”, fragte ich.
“Anastasia”, mahnte meine Mutter.
“Was denn? Man wird ja wohl noch fragen dürfen”, protestierte ich und
hielt meine Hände hoch.
“YES!”, brüllte Jamie. Ich schnitt eine Grimasse. “Eine Karaokemaschine!”
Mein Gesichtsausdruck fiel in sich zusammen und ich starrte ungläubig vor
mich hin. “Wieso?! Wer ist so grausam und tut mir sowas an?!”
“Sorry, baby”, meinte Tristan.
“Du mieser Verräter!” Ich verschränkte genervt die Arme vor der Brust und
lehnte mich wieder zurück. “Ich hasse dich.”
“Tust du nicht.”
“Hey, das reimt sich.”
“Schön für dich.”
“Und schon wieder.”
“Das sieht aus wie ein Bieber”, sagte Jake und hielt ein Holzteil hoch, dass
wirklich wie ein Bieber aussah.
“Fröhliche Weihnachten”, grinste Jamie. Idiot. “Bevor noch jemand ein
Geschenk aufmacht, möchte ich Ana ihres geben. Fröhliche Weihnachten,
Sonnenschein”, sagte er und reichte meine eine große flache Schachtel.
Ich öffnete den Deckel und es kamen zwei Strampler in verschiedenen
Farben in Sicht. Ich sah fragend zu Jamie.
“Ich hab’ mit Ben gesprochen und der hat mir gesagt das ihr Zwillinge
bekommt! Ist das nicht der Wahnsinn?!”
Ich sah ihn fassungslos an. während Tristan glücklich brüllend meinen
Vater in den Arm nahm, der genauso glücklich war. A) Wieso weiß er das? B)
Ben ist ein toter Mann. C) Jamie ist ein blödes Arschloch.

Eigentlich wollte ich ihm ‘nen Pulli schenken, aber den kann er sich jetzt in
den Arsch schieben.
Extrakapitel


Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Ich hoffe, dass euch allen das Extrakapitel gefällt :) Schnappt euch
Lebkuchen, Spekulatius, Vanillekipferl und Co. und genießt das Kapitel! :D
Ganz viel Liebe ❤❤❤
e.d.a.




Ich war genervt.
Wieso?
Vielleicht lag es daran, dass die Babys morgen auf die Welt kommen
sollten. Am 14. Februar 2015 um genau zu sein und mir deshalb Jamie, mein
verblödeter Bruder, und Tristan mir gewaltig auf die Nerven gingen und ich so
fett wie ‘ne Seekuh war.
Scheiße. Die einzig normalen Menschen in diesem Haus waren meine
Mutter und ich. Mein Vater hatte ebenfalls die Nase voll gehabt und war zu
Jason und seiner Gefährtin gegangen.
Man sollte eigentlich meinen, dass Jamie zu Hause bei seiner Frau sein
sollte. Immerhin war sie auch schwanger, nur leider nicht so weit wie ich.
Wäre ich nicht schwanger und so extrem faul, dann würde ich den zwei
Idioten, die oben das Kinderzimmer zusammenbauten und dabei Love is in the
air schmetterten, eine runterhauen. Meine Mutter hatte ihre Tasche gepackt
und ist mit einem “Wenn ich nicht sofort von hier verschwinde, dann hau’ ich
sie beide um” verschwunden. Ich konnte es ihr nicht einmal übel nehmen.
“LOVE IS IN THE AIR! NA NA NA NA NA NA NA!”
Das schlimmste an dem Geschmetter war ja immer noch, dass keiner der
zwei Idioten den Text konnte. Wieso musste mir Tristan auch so in den Rücken
fallen und zu einer singenden Pussy werden?
Vielleicht sollte ich raufwatscheln und den beiden einfach eins mit dem
Bohrer überziehen. Immerhin hatte ich nichts anderes zu tun außer zu essen,
fernzusehen und mich langzuweilen.
“LOVE IS- AHH!”
Der Köchlöffel, den ich auf Jamies Kopf geworfen hatte, prallte von
seinem Kopf ab und landete scheppernd auf dem Boden. “Das war ein
Mädchenschrei”, sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.
Na gut. Eigentlich legte ich sie nur auf meinem Bauch ab.
“Hab ich dir nicht verboten in dieses Zimmer zu kommen bis es fertig ist?”,
hörte ich Tristan mit seiner nervtötenden Stimme fragen.
“Hab ich dir nicht gesagt, dass es mir am Arsch-”
Ich wurde unterbrochen als mir Tristan seine Hand über meinen Mund
legte. “Pst. Die Babys hören das sonst noch.”
Ich hätte gelacht wäre es nicht so traurig, dass Tristan jetzt so ‘ne brave
Bitch war. Ich biss ihm in die Hand und war froh, als er nicht wie ein Mädchen
aufschrie. Wie ein gewisser Jemand, der immer noch am Boden lag und
sich eine Hand auf die Stirn drückte.
Ich verspürte so ein komisches Gefühl aus reinem Trotz rumzufluchen.
Wem machte ich hier was vor? Ich würde beim Fluchen ans Fluchen denken.
Und das extra laut. “ARSCH! SCHEIßE! FICKEN! VERFICKT! VERDAMMT!
SCHWUCHTEL! N-”
“Schon okay! Ich hab’s verstanden. Ich werde dir nicht mehr sagen,
dass du nicht fluchen darfst”, unterbrach mich Tristan bevor ich noch mehr
obszönitäten durch die Gegend schreien konnte.
“War doch gar nicht so schwer.”
Zufrieden mit mir selbst streichelte ich über meinen Bauch.
Tristan und ich wussten immer noch nicht welches Geschlecht die Babys
haben würden. Wir hatten nämlich gewettet. Er hatte gewettet, dass es zwei
Jungs werden und ich hatte gewettet, dass es zwei Mädchen werden. Ich hatte
nichts dagegen Jungs zu kriegen, aber ich wollte nicht überschwemmt werden
von der männlichen Gemeinschaft.
Ich war gerade dabei mir einen dieser himmlischen Weihnachtskekse in
den Mund zu stopfen als ein Schmerz meine Wirbelsäule durchzuckte. Im
nächsten Moment spürte ich etwas feuchtes meine Beine runterlaufen.
Scheiße. “TRISTAN!”
Im nächsten Moment standen Jamie und Tristan neben mir.
Oh mein Gott. Jetzt war es soweit. Meine Vagina würde sich auf die Größe
einer Wassermelone ausweiten und fremde Menschen würden da unten hin
sehen.

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“Der Muttermund ist leider noch nicht weit genug geöffnet”, sagte der Arzt.
“Und wann wird er offen sein?”, fragte Tristan, der so aussah, als ob er
kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. So eine Memme. Immerhin war
ich hier Diejenige die in den Wehen war. Und das schon seit sechs Stunden.
“Wahrscheinlich in ein paar Stunden”, antwortete Ben. Dieser Idiot.
“Kannst du mir nicht….Ahhh….Schmerzmittel gebene?”, presste ich
zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.
“Menschliche Schmerzmittel helfen dir nichts und es gibt noch keine die für
Vampire sind”, erklärte er.
“Brenn in der Hölle, Ben”, knurrte ich. “Und du”, sagte ich und starrte
Tristan an. “Kriegst keine Kinder mehr von mir, Arschloch. Press sie doch
selber raus.”
“Baby…”
“Nichts <<Baby>>! Leck mich am Arsch, Tristan. Du aufgeplatztes
Kondom!” Eine erneute Welle des Schmerzes schwappte über mich. “AHHH!”
“Atmen, Liebling. Atmen.”
“Wenn ich hier fertig bin wirst du das nicht mehr können.”
“Es tut mir leid, Baby. Wenn ich mit dir tauschen könnte dann würde ich es
auf der Stelle tun”, beteuerte er.
“Das sagst du jetzt, aber wenn du diese Schmerzen- AHHH!…aushalten
müsstest dann würdest du das nicht sagen.” Ich atmete tief durch und biss die
Zähne zusammen.
Ich war doch sonst nicht so ‘ne Memme und Hölle, ich wollte ganz sicher
nicht wie Jamie werden.
“Okay, es ist so weit!”, rief Ben plötzlich. “Ana, wenn ich sagen pressen,
dann presst du, verstanden?”
“Bin ja nicht blöd, Schwachkopf.”
“Pressen!”
Meine Bauchmuskeln, die man nicht sehen konnte, spannten sich an und
ich fing an zu pressen. Ich drückte Tristans Hand, als die Schmerzen
schlimmer wurden und meine Schreie wurden lauter.
“Pressen!”

XxxxXxxxXxxxXxxxX PLÖTZLICH VAMPIR! XxxxXxxxXxxxXxxxX

Achtzehn Stunden, ein paar gebrochene Knochen bei Tristan und zwei
Babys später lag ich K.O. auf dem Bett und konnte kaum noch meine Augen
offen halten.
“Tut mir leid was ich vorhin gesagt habe”, krächzte ich. Vom vielen
Schreien hatte ich fast keine Stimme mehr. Ich war froh, dass ich heute schon
nach Hause gehen konnte mit meinen Kindern.
Vampire hatten zwar mehr Schmerzen als Menschen bei einer Geburt, aber
dafür ging es uns sofort wieder gut danach. Der Bauch wurde über Nacht
wieder flach werden und in der unteren Region war auch wieder alles okay.
Wir mussten also nicht sechs Wochen lang auf das Okay des Arztes warten
um wieder Sex haben zu können.
Tristans Hand, die nach ein paar Minuten wieder voll hergerichtet war
nachdem ich ihm ein paar Fingerknochen gebrochen hatte, strich über mein
Haar und er schenkte mir ein weiches Lächeln bevor er mir einen Kuss aufs
Haar drückte. “Schon okay”, sagte er breit grinsend. “Das war’s wert”, sagte
er und blickte er auf die zwei kleinen Bettchen in denen ein Baby in einer
blaue Decke und eines in einer pinken Decke lag.
Ja, wir hatten beide die Wette verloren.
“Sie sind perfekt”, sagte ich und spürte wie sich ein Lächeln auf meinem
Gesicht ausbreitete.
“Wir sollten die Zeit genießen, solange die Familie-”
“OKAY! ONKEL JAMIE IST HIER!”
Tristan stieß einen Seufzer aus und ich zischte, “Halt die Klappe, Jamie. Du
weckste die Babys noch auf.”
“‘Schuligung.”
“Du bist ein Idiot.”
“Ich bin jetzt Onkel”, sagte er grinsend.
“Jamie, aus dem Weg, Fettwanz! Ich will zu meinen Enkelkindern”, hörte
ich meine Mutter sagen.
“Ich bin gar nicht fett, Mom.”
“Ja, sag’ das mal dem platten Reifen auf deiner Seite”, sagte sie
schnaubend.
“Der ist nicht wegen mir geplatzt. Da lag wahrscheinlich ein Nagel auf der
Straße oder so.”
“Oder so…auf der Straße waren keine Nägel, Jamie. Sieh’s ein, du wirst
fett.”
Ich war mir schon immer bewusst woher dieser Drang kam Jamie in
Dauerschleife zu beleidigen. Nicht, weil er immer so fröhlich war und er mir
schrecklich auf den Wecker ging, nein. Es lag einfach in meinen Genen.
Wenn ich Glück hatte, dann hatte eines meiner Kinder, wenn nicht sogar
beide, dieses Gen geerbt.
“Ich hab’ ein Geschenk mitgebracht.” Erst jetzt bemerkte ich die Tüte die er
in der Hand hatte. Er zog zwei kleine weiße Shirts raus auf denen ein Foto von
Jamie abgebildet war und darunter I love my uncle stand.
Ich konnte nicht anders als meine Augen zu verdrehen. Mein Bruder war
und würde immer ein Idiot bleiben.
“Meins ist besser”, hörte ich Jason sagen. “Hier.” Er hielt einen kleinen
Teddy hervor der eine Schnur am Rücken hatte. “Zieh mal dran”, sagte er
grinsend.
“Ist das wie damals mit deinem Zeigefinger? Es hat drei Tage lang
gestunken und ich musste in der Badewanne schlafen”, sagte Jamie.
“Wieso hat er nicht einfach im Gästezimmer geschlafen?”, fragte Tristan.
“Keine Ahnung.”
“Jetzt zieh schon dran!”
Jamie zog an der Schnur und der Teddy fing an zu sprechen. “Scheiße.
Jamie ist scheiße.”
“So werden die kleinen Racker ganz schnell sprechen lernen”, sagte Jason
breit grinsend.
Ich lachte und hörte im nächsten Moment wie die Babys zu weinen
anfingen.
Es war als ob ein ganz neuer Instinkt in mir wach wurde, als ich das kleine
Mädchen mit den dunkel blonden Haaren und den weißen Augen hochhob,
während sich Tristan um unseren kleinen Jungen, der schwarze Haare und
dieselben schwarzen Augen wie sein Vater hatte, hochhob.
“Psst, Briar Rose”, nuschelte ich an ihrem weichen Köpfchen. Sie roch so
wundervoll nach Baby. Ich sah wie Bexton seinen kleinen Kopf in Tristans Hals
vergrub und mein Herz schwoll an.
Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich Anastasia Richmond einen Mann
und zwei Babys haben würde. Und nie hätte ich gedacht, dass ich es lieben
würde.
Naja, ich hätte aber auch nie gedacht, dass ich plötzlich ein Vampir
werden würde.

Texte: e. d.a.

Alle Rechte vorbehalten.

Tag der Veröffentlichung: 28.09.2015

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