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FÜR DAS DEUTSCHE EISENHÜTTENWESEN.


Redigirt von
Ingenieur E. Schrödter, »nd Generalsecretär Dr. W. Beumer,
Geschäftsführer des Vereins deutscher EisenhUttenleute, Geschäftsführer der Nordwestlichen Gruppe des Vereins
deutscher Eisen* und Stahl-Industrieller,
für den technischen Theil für den wirthschaftlichen Theil.
Commissiona-Verlag von A ~ B a g el in Düsseldorf.

1. Juli 189G. 16. Jahrgang.

Der Schiffbau in Deutschland.*


Von C. Ferd. Laeisz in Hamburg.

sn den alten Zeiten der hölzernen Segel­ aus gröfseren Entfernungen von Gruben und Hütten
schiffe hatte der Schiffbau in Deutsch­ herbeigefahren werden müssen, und andererseits
land sich in beträchtlichem Umfang durch die verhältnifsmäfsige Geringfügigkeit der
i ausgezeichneten LeistungenArbeitsaufträge,
aufge­ welche verhindert, dafs auch hier
schwungen, und manch schmuckes Klipperschiff Colonnen geschickter Arbeiter von Werft zu Werft
ist vom deutschen Helling sowohl im Baltischen gehen, um ausgiebige Beschäftigung zu finden, und
Meer wie in der Nordsee vom Stapel gelaufen. aus diesem Grunde viel leistungsfähiger sind. Auch
Seitdem indessen das Holz durch das Eisen ver­ steht die Einschränkung, welche unsere Gesetz­
drängt wurde und von dem Weltverkehr ein gebung hinsichtlich der Beschäftigung jugendlicher
ständig wachsender Theil den Dampfern anheim­ Arbeiter auferlegt, uns im W ege, um gelernte
fiel, haben die natürlichen Vortheile, welche Grofs- Arbeiter heranzuziehen; ferner sind die Beiträge
brilannien in den enormen, unmittelbar an der zur Unfall- und Altersversicherung eine schwere
Seeküste gelegenen Mineralreichthiimern besitzt, in Last für unsere Arbeitgeber.
Verbindung mit grofser Kapitalkraft und kühnem Nachdem infolge Zunahme des Handels unsere
Unternehmungsgeist diesem Lande in dieser, wie Rheder ihre Tonnage haben vermehren können
in manch anderen Industrien eine Ueberlegenheit und insonderheit die Kaiserliche Marine einer Anzahl
gesichert, welcher zu folgen, anderen Ländern von Werften ständige Beschäftigung gegeben und
aufserordentlich schwer gefallen ist. In dieser Be­ hierdurch gleichzeitig den Erfindungsgeist unserer
ziehung sind wir erheblich zurückgeblieben, und Schiffbau- und Marine-Ingenieure angespornt hat,
als die nach derselben Richtung gehenden An­ auch Tausende von Leuten in gelernte Arbeiter
strengungen unserer Werften sich von einem ersten umgewandelt worden sind, sind unsere Schiffbauer
Erfolg gekrönt sahen, verfügte England bereits in die Lage versetzt worden, ihre Thätigkeit
über einen enormen Tonnengehalt von eisernen erstklassiger Arbeit zuzuwenden und in einen
Dampfern und Segelschiffen. Unsere Werften hatten Wettkampf mit den besten ihres Fachs sich einzu­
stets und haben heute noch unter erheblichen lassen. Die Gröfse des von ihnen erbauten Tonnen­
Nachtheilen im Wettbewerb mit dem britischen gehalts ist im Vergleich mit den enorm hohen Zahlen
Schiffbau zu arbeiten. Wenngleich die Löhne in der britischen Statistik klein, aber in Bezug auf Güte
Deutschland niedriger sind, so wird dieser Vortlieil wird manches der Schiffe, welche die Marke „made
doch mehr als ausgeglichen einerseits durch die in Germany“ tragen, Ihrer Beachtung werth sein.
höheren Kosten für Material und Kohle, weil diese Ich will nicht bei den Arbeiten der Kaiserlichen
Marine auf diesem Gebiete verweilen, da 'hierzu
* Vorgetragen vor der Institution of Naval Archi­ein anderer, berufener Redner das Wort ergreifen
tects in Hamburg am 9. Juui 1890. wird, sondern mich auf einige Beispiele unserer
XIII.,«
4SG Stahl und Eisen. Der Schilfbau in Deutschland. 1. Juli 1S9G.

Handelsmarine beschränken. In ihrer Entwicklung nicht Raum genug vorhanden ist. Auf jeder
sind wir natürlich meistens dem Vorgehen der dieser Werften ist ein Passagierdampfer für die
englischen Rheder gefolgt; hier und dort haben ostafrikanische Linie im Bau; der erste davon
wir bisweilen einen Vorsprung gehabt, dessen wird am 10. Juli eine Rundreise um den Contincnt
Genufs uns freilich oft nicht lange vergönnt antreten.
gewesen ist. Als die Schnelldampfer im Ver­ Wenden wir uns den Frachtdampfern wieder
kehr mit Nordamerika Mode wurden, begann zu, so verdient erwähnt zu werden, dafs die ersten
der Norddeutsche Lloyd als erster eine Anzahl Petroleum-Tankdampfer für deutsche Rhedereien
erstklassiger ScbifTe dieser Art einzustellen, er hat erbaut wurden von Gebr. W. G. A r m s t r o n g ,
lange Zeit hindurch mehr Dampfer dieser Klasse M i t c h e l l & Co.; diese Firma hat alsdann der
besessen als alle anderen Linien zusammen. Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Company und
Das erste halbe Dutzend wurde in F a ir fie ld gebaut anderen Rhedereien eine ganze Flotte dieser
und die späteren auf der Vulkan-Werft in Stettin, Dampferart geliefert. Später wurden auch einige
wo auch heute wiederum für diese Rhederei ein Boote dieser Klasse in Deutschland gebaut. Wahr­
Dampfer im Rau begriffen ist, der mit den be­ scheinlich werden Sie bei einer Besichtigung unserer
rühmten neuen Schnellschiffen der Cunard- Linie Werften einige dieser Tankdampfer in Reparatur
wetteifern soll. Die Abmessungen dieses Schiffes liegend finden, da die Beanspruchung der Schiffs-
sind 190,6 m zwischen den Senkrechten, 20 ,13 m construction im Dienst derart gewesen ist, dafs sie
Breite und 13,12 m Tiefe, während die Doppel­ das Vergnügen derjenigen Schiffbauer hervorgerufen
schrauben 28 0 0 0 HP entwickeln sollen. Für hat, welche die Schiffe n i c h t erbaut haben. In
dieselbe Gesellschaft liegt ein weiteres Boot von dieser Beziehung ist aber, wie überall, zu sagen,
ähnlichen Eigenschaften auf der Werft in Danzig dafs jeder weitere Bau auf diesem Gebiet zeigt,
bei S c h i c h a u , dem weltbekannten Torpedoboot- dafs die mit der Einführung dieses neuen Schiffstyps
Erbauer, welcher auch ein Paar Postdampfer fin­ verbundenen Schwierigkeiten mehr und mehr über­
den Verkehr nach dem Osten geliefert hat, im wunden werden.
Bau begriffen. Unsere Aufmerksamkeit hat sich auch auf die
Die Hamburg-Amerika-Linie hat als eine der Thurmdeckschiffe gerichtet; in Flensburg steht
ersten Doppelschrauben bei den Ocean-Dampfern jetzt ein sogenannter elliptischer Dampfer in den
eingeführt, und einer derselben, „Fürst Bismarck“, Spanten, welcher noch eine Verbesserung gegen­
dem soeben die Ehre zu theil geworden is t , die über dem Sunderlandtyp sein soll.
Mitglieder der Institution von England nach Deutsch­ Der gewöhnliche Frachldampfer (Ocean-tramp)
land herüber zu bringen, hat sicherlich den Beifall ist ein Typ, welcher in Deutschland nur wenig
seiner Falirgäste als ein vortreffliches Beispiel Anklang gefunden hat; er kann, wie es scheint,
deutscher Schiffbaukunst gefunden. Dieses Schiff hier nicht so billig betrieben werden wie in Eng­
und ein anderes gleicher Art wurden durch den land. Immer und immer haben die Rheder solcher
V u l k a n erbaut, während von zwei Schwester­ Dampfer damit geendet, dafs sie dieselben in eine
schi ITen das eine von L a i r d B r o t h e r s und reguläre Linie einstellten, oder dafs sie ganz durch
das andere von der F a i r f i e l d - W e r f t geliefert eine solche aufgesogen wurden. Es ist wohl diesem
wurde. Dieselbe Rhederei hat auch Doppelschrauben Umstand zu danken, dafs unsere Dampfer selten
bei ihren grofsen Frachtdampfern eingeführt, welche einen über 0, 76 hinausgehenden Feinheitsgrad
zum Theil durch den V u l k a n , zum Theil durch zeigen, und ich kenne kaum einen deutschen
B l o l n n & V o f s in Hamburg erbaut wurden; Dampfer mit so vollen Linien wie es deren viele
sie hat gegenwärtig einen mächtigen Dampfer unter britischer Flagge giebt, welche 0,8 erreichen
derselben Art bei H a r l a n d & W o l f f auf der und sogar überschreiten.
Helling liegen, welcher bei einer Ladefähigkeit Alle Verbesserungen im Maschinenwesen sind
von 12 102 t so lange der grüfste Dampfer sein hierzulande natürlich aufmerksam verfolgt worden,
wird, bis er von einem anderen wieder überholt und wir haben uns hierbei bemüht, ohne allzu
wird. Seine Abmessungen sind 170, 80 X 18,91 X grofse Kosten aufzuwenden, von dem nie rasten­
12,51 m. den Erfinaungsgeist der Maschinenbauer Nutzen zu
Bei der geplanten Besichtigung der soeben tragen. Die Hamburger K o s m o s - L i n i e hat z. B.
erwähnten Schiffswerft von B l o h m & V o f s , deren unter den ersten das vierfache Verbundsystem nach
Einrichtungen und treffliche Arbeit Ihres Beifalls dem System von W i g h a m , R i c h a r d s o n & Co.
sicher sein werden, werden Sie ein Schwimmdock angenommen, und seitdem die hydraulische Ver­
von rund 17 0 0 0 t Tragfähigkeit im Bau linden, - nietung, die Anwendung hohen Dampfdrucks mit un­
dessen wir bei der grofsen Wasserverdrängung bedingter Sicherheit gestattet, haben mehrere unserer
vieler unserer Dampfschiffe dringend bedürftig sind. Maschinen fabriken Vierfach-Verbundmaschinen ge­
Auf der nebenan liegenden R e i h e r s t i e g - baut, welche uns vollkommen befriedigt haben. Die
Werft findet sich ein einseitiges Schwimmdock, S c h l i c k s c l i e Idee, die Maschinen auszubalanciren,
in welches die Schiffe von der Seite heraufgeholt um die Vibration zu vermeiden, kann ich als be­
werden, da fiir^ein Einbringen von der Kopfseite kannt voraussetzen, da er über diesen Gegenstand vor
1. Juli 189G. Der Schiffbau in Deutschland. Stahl und Eisen. 487

zwei Jahren einen sehr beifällig aufgenommenen keit und verhindert, dafs das Deck vorn und hinten
Vortrag vor der Institution gehalten hat. Von überschwemmt wird.
der Anwendung von Unterwind hält man in diesem Nur wenige unserer Segelschiffe sind für Wasser­
Land nicht viel. Ein paar Anhänger dieses Systems ballast eingerichtet, vielleicht weniger aus tech­
sind auf Kosten ihrer eignen Tasche von der nischen, als vielmehr aus ökonomischen Gründen.
Vorliebe für dasselbe curirt worden. Vielleicht Wo man Wasserballast aufnehmen will, zieht man
waren die anfänglichen Versuche von Unglück tiefe Wassertanks entschieden einem doppelten Roden
begleitet und haben uns den Muth genommen, vor, welcher den Schwerpunkt des Schiffs zu
das richtige System ernsthaft zu versuchen. einem gefährlichen Punkt erhöhen kann, sobald
Die Segelschiff-Rhedereien in Deutschland sind das Schiff mit einer gleichmäfsigen Ladung wie
lange Anhänger des Holzes gewesen und ihr Wider­ Kohle, Reis u. s. w. beladen ist.
stand gegen das Eisen ist nicht eher überwunden Nur wenige deutsche Rhedereien hatten Ver­
worden, als bis die Schiffbauer bewiesen hatten, trauen zu den „composite“-Schiffen, (eiserne
dafs sie eiserne Schiffe zu bauen imstande sind, Spanten, hölzerne Beplankung) es ist auch dem­
welche so schnell wie unsere alten hölzernen entsprechend die Zahl der für Deutschland er­
Klipper segeln können und dabei sehr wenig Ballast bauten Schiffe dieser Art aufserordentlich klein
verlangen. In den letzten 20 Jahren ist indessen geblieben, glücklicherweise, kann ich hinzufügen,
eine Anzahl sehr schöner Eisen- und Stahlschiffe da dieser Schiffstyp bald veraltet war.
auf deutschen Schiffswerften gebaut worden, darunter Stahl wurde von Anbeginn seiner Erzeugung
einige, welche sich hohen Ruf wegen der Schnellig­ von uns als Schiffbaumaterial angenommen, es war
keit ihrer Fahrten erworben haben. Ich erinnere dies um so leichter für uns, als dieses Material
an das aus Stahl von Blohm & Vofs erbaute in Deutschland in ausgezeichneter Beschaffenheit
Vollschiff „Preufsen“, welches von Iquique nach und in den ersten Jahren zu verhältnifsmäfsig
Hamburg in 71 Tagen fuhr; die eiserne Bark ,Luna“, niedrigerem Preis als in England erzeugt wurde.
erbaut von der Germania-Werfl, von Rangoon Später wurde es indessen für unsere deutschen Stahl­
nach Falmouth in 92 Tagen; Stahl-Viermaster werke unmöglich, mit britischem Erzeugnifs in
„Placilla“, erbaut von Tecklenborg, vom Kanal Wettbewerb zu treten, welches nach den deutschen
nach Valparaiso in 58 Tagen; „Selene“, erbaut Häfen billiger geliefert werden kann als das im
aus Stahl auf der Rostocker Werft, vom Kanal Inland erzeugte Fabricat, welches auf weite Ent­
nach Melbourne in 71 Tagen; „Hebe“, erbaut fernungen hohe Eisenbahnfrachten zu tragen hat.
aus Stahl von Blohm & Vofs, vom Kanal Es darf nicht vergessen werden, dafs weder auf
nach Adelaide in 69 Tagen. Das letztgenannte Schiffbaumaterial noch auf Kohle irgend ein Zoll
Schiff legte 13 4 85 Seemeilen mit einer Durch- zu entrichten ist, gerade so, wie auch in der
schnittsgeschwindigkeit von 8, 11 Meilen in der Höhe der Hafenabgaben zwischen deutschen und
Stunde und die „Selene“ sogar 9 ^ 4 Knoten bei ausländischen Schiffen ein Unterschied bei uns
einem Gurs von 64 2 5 Meilen zurück. nicht besteht.
Auf der Werft von Tecklenborg wurde im Ich möchte bei dieser Gelegenheit den Irrthum
letzten Jahr „Potosi“,* ein Fünfmaster aus Stahl, berichtigen, der mir häufig in englischen Zeit­
das gröfste Segelschiff der Erde, gebaut. Die schriften begegnet ist, nämlich den Glauben, dafs
Abmessungen sind 110 m zwischen den Ver- unsere Handelsflotte durch die Regierung in aus­
licalen, 15 m Breite und 9,46 m Tiefe bei giebiger Weise unterstützt wird. Eine solche
4026 Register-Tonnen. Das Schiff vermag eine Behauptung kann kaum aufrecht erhalten werden,
Ladung von 6 20 0 tons zu tragen und verdrängt wenn man bedenkt, dafs mit Ausnahme der zwei
84 7 0 tons bei 7,63 m Tiefgang; es' kann eine Postdampfer-Subventionen (eine von 4 Millionen
Segelfläche von 46 47 qm entfalten. Es hat sich Mark für die ostasiatisch - australische Linie und
als ein sehr schneller und bequem zu handhabender eine andere von 9 00 0 00 J 6 für eine ostafrikanische
Segler erwiesen, welcher mit gröfster Leichtigkeit Linie) keine Subventionen, Prämien, Fracht­
kreuzt. Die hohen Beanspruchungen, denen diese vergünstigungen oder Privilegien in irgend welcher
grofsen Schiffe bei voller Ladung unterworfen Form zu Gunsten der in Deutschland erbauten
sind, haben es gerathen erscheinen lassen, über oder dorthin gehörigen Schiffe über jene anderer
die Vorschriften von Lloyds hinauszugehen. Ein Nationalitäten existiren.
Schott hei jedem vollen Mast hat sich als eine Die Gesetzgebung, welche in gewissen Ländern
ausgezeichnete Querverstärkung erwiesen, und so viel thut den Unternehmungsgeist zu beein­
ein auf 1/s der Schiffslänge mittschiffs einge­ trächtigen, hat uns auch nicht verschont; aber
bautes Brückenhaus erhöht nicht nur die Con- sie hat sich bis jetzt damit begnügt die Rheder
strucüonsfestigkeit, sondern verleiht dem Schiffe allein wirthschaften zu lassen, vorausgesetzt, dafs
auch noch eine grofse Reserve an Schwimmlahig- sie alles Mögliche thun, dafs die Schiffahrt so
sicher wie. möglich gestaltet wird und die Seeleute
und ihre Angehörigen bei Unfällen Entschädigung
* Gehört der Rhedercifirma L a e i s z an. Red. finden. Die See-Bcrufsgenossenschaft, welcher in
4S8 Stahl und Eisen. Jilin neuer Kohlenspeicher in Altona. 1. Juli 1896.

Deutschland jeder Rheder zwangsweise angehört, hat daher entsprechend die Pflichten, welche in England
die Höhe der Beiträge und Entschädigungen zu be­ den Beamten der „Board of Trade“ obliegen. Wir
stimmen, und da es im gemeinsamen Interesse der haben es noch nicht für richtig erkannt, den
Rheder liegt, Schiffsunfälle zu verhüten, so hat die englischen Load Line Act nachzuahmen, aber wir
Genossenschaft die Macht, Sicherheitsvorschriften an haben unsere Schotten-Commission, welche über
Bord zwangsweise einzuführen. Die von derselben der Lösung der Frage, wie die Schiffe unsinkbar
getroffenen Bestimmungen umfassen wieder manche zu machen sind, brütet, um so jene Landratten
Vorschriften, welche die englische Gesetzgebung zufrieden zu stellen, welche den allen Wahrspruch
vorschreibt; ihre Beamten, geleitet von dem sach­ „navigare necesse est, vivere non est necesse“
verständigen Rath des Germanischen Lloyd, erfüllen nicht anerkennen möchten.“

Ein neuer Kolilenspeiclier in Altona.

8,8 bei 8,4 m ; es sind dies Abmessungen, die


Am 6. Mai ist in A l t o n a eine neue industrielle
Anlage, der durch die Firma L. P o s s e h l & Co., bisher bei derartigen Anlagen wohl noch nirgendwo
Hamburg-Lübeck, errichtete „ K o h l e n h o f “, dem auch nur annähernd erreicht sein dürften. Jeder
Verkehr übergeben worden. Die in ihrer tech­ Silo fafst 1000 cbm oder 80 0 t Steinkohlen.
nischen Einrichtung bemerkenswerthe Anlage dient Die Wände der Silozellen bestehen aus Kies-
zum Löschen von englischen Steinkohlen,* sowie betou, welcher in die Felder eines ihm Halt
später, nach Fertigstellung der Wasserwege Rhein- verleihenden Eisengerippes eingestampft wurde.
Elbe, auch dem Löschen der westfälischen Pro- Horizontale Rahmen aus starken I - E i s e n , die
ducte aus Dampfern oder Leichtern, ihrer Lagerung, durch verticale X - Eisen verbunden und deren gegen­
Siebung und Abgabe an Land fuhrwerk, unter Um­ überliegende Wände durch Zuganker versteift sind,
ständen auch Eisenbahn, und ist nach Art der bilden das Gerippe. Zur praktischen Erprobung
Getreidesilos gebaut. der Gonstruction wurde vorher ein einzelnes Wand­
Auf dem in der gr. E l b s t r a f s e , hart am feld ausgeführt und mit dem 2 :/s fachen des reeh-
Elbstrom, belegenen Bauplatz erhebt sich in 12 in nungsmäfsig darauf entfallenden Druckes belastet.
Abstand von der massiven Quaimauer, nach drei Ueber den Silos befinden sich breite Laufstege
Seiten frei gelegen und weithin sichtbar,. das aus Wellblech mit Betonschüttung; darüber erhebt
stattliche Silogebäude. Es enthält 15 grofse Silos, sich der schmiedeiserne Dachstuhl.
6 von 21 m , 9 von 15 m Höhe, erstere direct Der freien Querwand des Speichers ist das
auf dem Grunde, letztere auf einem Unterbau von Gomptoirgebäude mit Wohnung für den Verwalter,
schmiedeisernen Säulen, Unterzügen und Trägem der wasserseitigen Längswand sind neben einem
mit zwischengespannten Betongewölben ruhend. massiven Treppen thurm auch noch vier kleinere Silos
Die Säulen sind mit einem Blechmantel umgeben, vorgebaut; unter diesen befindet sich ein Boden für
während der ganze Hohlraum mit Beton voll­ Siehe, darunter eine Ladebühne. In der an das
gestampft ist. Der aus den Deckengewölben vor­ Nachbargrundstück grenzenden Ecke des Quai­
tretende untere Theil der Unterzüge ist mit Rabitz- platzes liegt das Kessel- und Maschinenhaus.
Umkleidung versehen. So ist hier, wie beim Dem entgegengesetzten Ende des Speichers
ganzen Bauwerk, völlige Sicherheit gegen Feuers­ gegenüber erhebt sich an der Quaikante ein hoher,
gefahr erstrebt. Der Raum unter diesen 9 Silos schmiedeiserner Thurm, welcher einen Schiffs­
dient als Expeditionshalle und steht durch zwei elevator trägt und durch zwei Brücken mit dem
Durchfahrten mit der Strafse einerseits, mit dem Speicher verbunden ist. Die untere Brücke trägt
Quaiplatze des Speichers andererseits in Verbindung. einen, mit dem Elevator in Verbindung stehenden
Die Weite der Silozellen beträgt, von Mitte Bandtransporteur, unter dessen Abwurfende eine
bis Mitte Wand gemessen, 6,68 bei 8,4 m bezw. geaichte Controlwaage aufgestellt ist. Die durch
* Wir machen auf diesen Umstand diejenigenden Elevator aus dem Schiffsraum gehobene Kohle
Behörden, welche bei uns in Deutschland das Frachten­ wird hier gewogen, bevor sie in den Speicher
monopol in Hand haben, besonders aufmerksam. Der gelangt. Dem Transport dahin und der Ver-
Bau trägt eigenthümIicherweise auf der Vorderseite
in grofsen Buchstaben die Inschrift: „Possehls Coai theilung in die Silozellen dienen ein zweiter, fest­
W harf“. Ob die Thatsache, dat's dieser oben be­ stehender Elevator und drei auf den vorerwähnten
schriebene Bau zwar zur Aufnahme englischer Kohle Laufstegen montirte Bandtransporteure. Die stünd­
bestimmt ist, aber doch mit deutschen Abnehmern zu liche Leistung aller dieser Maschinen beträgt 50
rechnen hat, dazu berechtigen soll, ihm diese aus­
ländische Bezeichnung zu geben? Uns h at diese bis 60 t.
englische Aufschrift auf deutschem Boden sehr merk­ Die Entleerung der 9 Silos von 15 m Höhe
würdig angemuthet. Die Seda kio n . geschieht durch Ausläufe im Boden, die mit Kipp-
1. Juli 189G. E in neuer Kohlenspeicher in Altona. Stahl und Eisen. 489

muldenverschlufs ausgerüstet sind. Das Fuhrwerk Das in der Expeditionshalle oder vor den
kann sich in der geräumigen Expeditionshalle Ladebühnen beladene Fuhrwerk gelangt über den
nach allen Punkten hin bewegen und unter jeden Quaiplatz zu den neben dem Comptoirgebäude be­
der Ausläufe gelangen. Diese liegen in solcher findlichen Ausfahrten. Hier ist eine grofse Brücken­
Höhe über dem Fuhrwerk, dafs ein fahrbares, waage angebracht, welche in Thäligkeit tritt, falls
geaiclites und zum Umkippen eingerichtetes Mafs- nach Gewicht verkauft wird.
gefäfs dazwischen gebracht und so die Kohle Endlich ist noch ein auf dem Quaiplatz fahr­
nach Mafs (Doppelhektolitern) abgegeben werden barer Portalkrahn mit 15 m langem Ausleger
kann. Etwas anders gestaltet sich der Betrieb anzuführen, welcher dazu bestimmt ist, gleich­
mit den 6 tiefen Silos. Diese dienen vorwiegend zeitig mit dem Schiffselevator, aber aus einem
der Aufnahme solcher Kohlensorten, welche einer anderen Laderaum des Dampfers, Kohlen auf­
Nachsiebung unterzogen werden sollen. Die zunehmen und auf Fuhrwerk oder in Leichter
Füllung geschieht ebenfalls durch die oberen überzuführen. Die grofse Ausladung des Krahns, der

Bandtransporteure, die Entnahme durch einen in auch diejenige des Elevators entspricht, ergab sich
einem Tunnel unter den Silos laufenden Kratzer- aus der Bedingung, dafs die Dampfer zwischen
transporteur. Mit letzterem stehen wieder ein sich und Quaimauer genügend Baum für Leichter
Elevator und ein über den Siebe-Silos angebrachter freilassen, also 0 m weit von der Quaimauer
Bandtransporteur in Verbindung. entfernt liegen sollen.
Diese 3 Maschinen führen die Kohle aus den Während der Speicher ausschliefslich zur
grofsen in die Siebe-Silos über, welche im Bedarfs­ Aufnahme gesiebter Nufskohle bestimmt ist und dem­
falle indessen auch direct vom Schiffselevator her zufolge alle vorher genannten Transport-Maschinen
gefüllt werden können. Die Sieberei ist so ein­ nur Nufskohle zu befördern haben, kann der Krahn
gerichtet, dafs die ausgesiebte Kohle auf die ebensogut auch Stückkohle löschen. Er benutzt
Ladebühnen, der Grus in den unter diesen be­ dazu eiserne Klappgefäfse von 1 cbm Fassungsraum.
findlichen Gruskeller läuft. Das An- und Abstellen Der Betrieb der ganzen maschinellen Anlage,
der Siebe geschieht von den Ladebühnen aus. einschliefslich des Krahns, geschieht mittels elek­
Auch hier kann die Abgabe unter Benutzung trischer Energie, welche im Maschinenhause durch
geaichler Mafsgefäfse erfolgen. 2 Dampfmaschinen von je 50 Pferdekräften, mit
400 Stahl und Eisen. Ein neuer Kohlenspcichcr in Altona. 1. Juli 1896.

dircct gekuppelten Dynamos erzeugt wird. Den Die statische Berechnung sowie der Entwurf
Rötriebsdampf liefern 2 Wasserröhrenkessel von der Silos und ihres Unterbaues rühren von dem
B a b c o c k & W i l c o x . * Selbstredend sind auch Ingenieur R. K o h f a h l in Hamburg her, der zu­
der Quaiplatz, Speicher und das Coniptoirgebäude gleich als technischer Berather bei der Beschallung
elektrisch beleuchtet. der maschinellen Einrichtung thätig war. Die
Der ganze Speicherbau ist nach den Plänen des Fundamente des Speichers führte der Bauüber­
Architekten Al b . W i n k l e r in Altona ausgeführt; nehmer L. Vol kers in Altona, die sämmtlichen
die Fa^aden in gotbischem Stil aus rothem Back- Gebäude, einschliefslich der Eisenconstructionen

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stein unter decenter Verwendung glasirter Ziegel. und der Quaimauer, die Firma F. H. S c h m i d t in
Das Dach ist in seinen steilen seitlichen Theilen Altona aus. Der Entwurf und die Lieferung der ge-
mit Falzziegeln, im mittleren flachen Theil mit sammten maschinellen Anlage mit Ausnahme des
Dachpappe gedeckt. Ein- und Ausfahrten haben vom E i s e n w e r k v o r m . N a g e l & Ka e mp her-
reiche schmiedeiserne Thore erhalten; schmied­ rührenden Krahns geschah durch die Firma G. L u t h e r
eiserne Ziergitter krönen die Dachfirste. Trotz in Braunschweig (Oberingenieur Kr uk e n be r g ) ,
seiner industriellen Bestimmung ist der Bau äußer­ während der elektrische Theil der Anlage und die
lich reich und malerisch ausgestaltet. Beleuchtung durch die beiden Firmen: El e k t r i -
c i t ä t s - A c t . - G e s . v o r m . S c h u c k e r t & Co.,
* W arum hier wiederum die gänzlich unberech­Nürnberg, Zweigniederlassung Hamburg, und
tigte Vorliebe für das Ausland ? Die Itedaciiou. S i e m e n s & Ha l s ke , Berlin, ausgeführt worden sind.
1. Juli 1896. Meleoreisen und seine Beziehungen zum künstlichen Eisen. Stahl und Eisen. 491

Meteoreisen und seine Beziehungen zum künstlichen Eisen.


Von Otto Vogel.
(Fortsetzung von Seite 448.)

Kohlenstoff. wie im Meteoreisen auf, nämlich entweder in Form


von Blättern (Tafeln) oder in der Eisenmasse knoten-
Schon A l e x a n d e r von H u m b o l d t liebt, artig eingebettet.* Das gemeinsame Vorkommen von
gestützt auf die Untersuchungen von R a in m e i s - Graphit und Schwefeleisen lä ß t sich, wie ich später
noch zeigen werde, auf eine Saigerungserscheinung
b e r g , hervor, dafs derKohlenstoirim Meteoreisen, zurückführen.
wie im Stabeisen, theihveise als schwer verbrenn- Nach A. L e d e b u r * * ist der G raphit, wie die
liclier Graphit beigemengt, tlieils chemisch mit dem Garbid- und graphitische Temperkohle, „das Erzeugnils
Eisen verbunden verkommt.* eines Zerfaliens, einer Saigerung der im flüssigen
Eisen vorhandenen Eisenkohlenstofflegirung; während
Neuere Untersuchungen von W e i n s c h e n k aber diese KohlenstolITormen im erstarrten Eisen
haben ergeben, dafs man im Meteoreisen, ebenso sich bilden, entsteht der Graphit n u r w ä h r e n d
wie im künstlichen Eisen, aufser Graphit und ge­ d e ä t J e h e r g a n g e s aus dem flüssigen in den festen
bundenem- Kohlenstoli noch zwei Formen unter­ Zustand des Eisens, und die Bedingung für sein Ent ­
stehen ist die A n w e s e n h e i t v o n S i l i c i u m neben
scheiden kann, nämlich graphitische Temperkohle einer bestimmten Menge Kohlenstoff im Eisen. Das
und Carbidkohle. Wir wollen nun diese 4 Formen erstarrte Eisen vermag von beiden Körpern nur eine
der Reihe nach besprechen und an gegebener beschränkte Menge, weniger als das flüssige, in Lösung
Stelle einige Bemerkungen über die mögliche Ent- zu behalten; die Folge davon ist, dafs, wenn letzteres
m ehr davon enthielt, ein Theil des Kohlenstoffs als
stehungsweise dieser Beimengungen einflechten. Graphit auskrystallisirt. Dieser Vorgang ist ebenso
Graphit. Das Auftreten von Graphit in bekannt als die Thatsache, dafs auch die Graphit­
Eisenmeteoriten ist schon sehr früh beobachtet bildung wie jede Saigerung erstarrender LegirUtigen
durch rasche Abkühlung geschmälert oder ganz ver
worden; bereits im Jahre 180(3 führte S m i l h s o n hindert werden kann.“ —
' n e n n a n t denselben als ßeslandtheil des C a p - Das Vorhandensein von großen Graphitausschei­
e i s e n s auf. Im allgemeinen kommt der Graphit dungen im Meteoreisen w ürde daher für sehr lang­
in Form von knollenförmigen, bis 100 g schweren, sames E rstarren dieser Massen sprechen. Damit
stimmen aber die meisten übrigen Erscheinungen
Stücken, oft von annähernd eiförmiger Gestalt und nicht überein, ja die ganz eigenartigen Krystallisationen,
in erheblichen Mengen im Meteoreisen vor. Graphit auf die wir später noch zurückkommen werden,
erscheint aber auch in Blättchenform im Meteor­ lassen eher auf ein plötzliches E rstarren der Massen
eisen. Diese Blättchen sind dünn, rund, etwa bis schließen.
Ein anderer Punkt, der zu Bedenken Veranlassung
'1 mm grofs. Bis zu 10 cm lange und 5 cm giebt, ist das vollständige Fehlen von Silicium im
breite, plattenförmige Massen beobachtete F l i g h t Meteoreisen, während doch grade die Grapbit­
im Eisen von C r a n b o u r n e . ausscheidungen auf einen hohen Siliciumgehall
Der Graphitgehalt des Meleoreisens ist sehr deuten würden.
Es ist daher noch der Fall denkbar, dafs der Graphit
verschieden; er schwankt nach den vorliegenden des Meteoreisens gar kein prim ärer Gemengtheil, son­
Analysen zwischen 0 ,03 Jo im A b e r t - E i s e n und dern erst d u r c h n a c h h e r i g e s E r h i t z e n des
1 , 1 7 0 $ im M a g u r a - E i s e n . Eisens zur Ausscheidung gelangt ist. ln erster Linie
Auch in dem terrestrischen Eisen von Ovifak denke ich dabei an ein k ü n s t l i c h e s Erhitzen. Es ist
indessen auch möglich, dafs die heim Durchgang des
lmt B e r l h e l o t eine grapnitartige Substanz nacli- Meteoriten durch die Erdatmosphäre auftretende
gewiesen, die sich indessen anders als der Graphit Erwärmung die Graphitausscheidung bedingt hat.
im Meteoreisen verhält. Zum Beweise meiner Vermuthung will ich nur
ein einziges Beispiel anführen. Der Graphitgehalt
Nach B e r t h e l o t ist die aus meteorischem Graphit des Meteoreisens von G o s b y s C r e e k w ird zu
entstehende Graphitsäure identisch mit derjenigen, 0,798 bezw. 0,5 °/o angegeben.*** Ueber dieses Eisen
welche Gufseisehgraphit liefert, aber nicht mit der
m acht Dr. O t t o B u c h n e r f folgende Mittheilungen:
aus dem Mineral Graphit sich bildenden. Man m u ß „Es fanden sich zwei Massen von 1000 kg und 56 kg.
daher den meteorischen Graphit als Kohlenstoff aul- Da erstere nicht zerschlagen werden konnte, so wurde
lassen, der von geschmolzenem Eisen aufgelöst w ar
sie a u f e i n e m S c h e i t e r h a u f e n e r h i t z t , dann
und sich beim Erkalten ausschied. Da der Graphit in Bruchstücke zerschlagen und in einer Schmiede in
im Meteoreisen aber fast regelmäßig mit Schiwefel- Sevier County verarbeitet. Der Rest fiel in die llände
'eisen vergesellschaftet vorkommt, so w urde die Graphit­ von T r o o s t , der etwa 32 kg davon besitzt.“ —
bildung auch auf Zersetzung von Schwefelkohlenstoff
durch glühendes Eisen zurückgeführt.
Nach meinem Dafürhalten ist es g ar nicht nöthig, * Dr. II. W e d d i n g : Eisenhüttenkunde, II. Aufl.,
hier eine andere Ursache für die Graphitbildung an ­ 1. Bd., S. 28—30.
zunehmen, wie beim künstlichen Eisen, denn auch ** „Stahl und Eisen“ 1888, Nr. 11, S. 740.
bei diesem tritt der Graphit in ganz ähnlicher Weise ***E. C o h e n , „Meleoritenkunde* I, Seite 152.
t Dr. O t t o B ü c h n e r : „Die Meteoriten in Samm­
lungen, ihre Geschichte, mineralogische und chemische
* „Kosmos“, 111. Band, S. 612. Beschaffenheit“. Leipzig 1863, Seite 104.
492 Stahl und Eisen. Meteoreisen und seine Beziehungen zum künstlichen Eisen. 1. Juli 1S!Mi.

W ir wollen nun untersuchen, welchen Einflufs das Farbe und carbonatartigem Aussehen, selten sind
Erhitzen wohl haben konnte. F o r q u i g n o n und B e l l sic durchsichtig und farblos.
haben nachgewiesen, dafs weilses in graues Roheisen
umgewandelt, also in demselben eine G r a p h i t - Nach . W e i n s c h e n k scheint das Auftreten
a u s s c h e id u n g her beigeführt wer den kann, von Diamant im Meteoreisen darauf hinzudeuten,
w e n n e s l a n g e g e n u g (im luftleeren Raum) e r ­ „dafs der im Eisen gelöste, respective chemisch
h i t z t wird, ohne dafs Schmelzung oder gar Ueber- gebundene Kohlenstoff unter gewissen Bedingungen
hitzung im llilssigen Zustande eint ritt. „Hierbei ist
indessen nicht zu vergessen,“ sagt Dr. W e d d i n g , * sich in der Modiiication des Diamants ausscheiden
„dals unter Graphit der Regel nach graphitischer kann, denn eine derartige Entstehung dürfte doch
Kohlenstoff, also Graphit u n d Temperkohle, verstanden wohl für diese spärlichen und winzigen Körner
ist.“ Die Versuche der beiden genannten Forscher über im Meteoreisen am wahrscheinlichsten sein“.
die Umwandlung der Kohlenstoffformen im Eisen sind
später durch A. L e d e b u r vervollständigt worden. M o i s s a n b at später durch seine interessanten
Durch 13tägiges Erliitzen weifsen Eisens konnte B e l l Versuche die W e i n s c h e n k s c h e Ansicht in gewissem
den Graphitgehalt desselben von 0,374 auf 1.79 °/o Mafse experimentell bestätigt. Er hat nämlich gezeigt,
steigern. L e d e b u r fand, dafs beim Glühen eines dafs sich der Kohlenstoff aus seinen Lösungsmitteln,
Bruchstückes der gehärteten Kruste eines Hartgufs- geschmolzenen Metallen, bei der Abkühlung unter
laufrades in Holzkohlenpulver, welches 108 Stunden starkem Druck in Form von Krystallen abscheidet.
lang fortgesetzt worden war, der Gehalt an graphitischer M o i s s a n verfuhr bei seinen ersten Arbeiten in der
Tomperkohle und Graphit von 1,26% auf 3,0-1' °/o Weise, dafs er etwa 200 g weichen Eisens im elek­
gestiegen ist. F o u r q i g n o n glühte weifses Roheisen trischen Ofen schmolz, in dasselbe rasch einen kleinen,
14-4 Stunden lang in Holzkohle; dabei stieg der Graphit­ mit geprefster Zuckerkohle gefüllten Eiseucylindcr
gehalt \oii O b is0,96% und bei einem zweiten Versuch einführte, dann den Tiegel aus dem Ofen nahm und
bis 1,69 °/o. in kaltes Wasser tauchte. Es bildete sich dadurch
Nach dem oben Gesagten würde eine nochmalige eine feste Kruste um den inneren, noch glühenden
Untersuchung der Meteoreisen auf ihren Graphitgehalt Eisenkern. Lälst man nun an der Luil langsam
bezw. ihren Gehalt an graphitischer Temperkohle, weiter erkalten, so wird, da sich das Eisen beim
sehr am Platze sein und zwar insbesondere eine U nter­ E rstarren anfangs ausdehnt, ein gewaltiger Druck auf
suchung jener Meteoriten, welche sich als unmagneti- den eingeschlossenen Kern ausgeübt. Nach dem Auf­
sirbar erweisen, bei denen also eine nachträgliche lösen des Eisens in Salzsäure blieb Kohlenstoff in
Erhitzung zu vermuthen ist. 3 Formen z u rü c k : als Graphit, als kastanienbraune
Kohle in gekrümmten, lappenförmigen, dünnen P a r­
Diamant. Im Jahre 1846 beobachteten tikeln und als dichte Kohle. Letztere w urde w ieder­
H a i d i n g e r und P a r t s e h im Meteoreisen von holt mit Königswasser, kochender Schwefelsäure, Flufs-
Ma g u r a würfelförmigen Graphit und hielten den­ säure, chlorsaurem Kalium und rauchender Salpeter­
selben pseudomorph nach Eisenkies. B o s e , dem säure behandelt. Aus dem Rückstände liefsen sich
einige theils schwarze, theils durchsichtige Fragmente
diese Stücke zur genaueren Untersuchung übergeben isoliren, welche Rubin ritzten. Bei späteren Ver­
worden waren, hielt sie eher für umgewandelte suchen erhielt M o i s s a n Krystalle von seltener Klar­
Diamantkrystalle. Später (1888) fanden J e r o f e - heit bis zu 0,5 mm Durchmesser.
j e f f und L a t s c l i i n o f f in dem Meteorstein von Der Nachweis von Diamanten in dem metallischen
Rückstand gehört zu den schwierigsten Aufgaben der
N o w o - U r e i zum erstenmal unveränderte Dia­ chemischen Untersuchung, indem der kristallisirte
manten. Im folgenden Jahre beschrieb S a n d ­ Kohlenstoff von Graphit, Carhonade, Silicium und
b e r g e r Diamanten aus dem Meteorstein von Silicaten abgesondert und rein dargestellt werden mufs.
G a r c o t e. Aus Meteoreisen wurden mikrosko­ B e r t h e l o t h a t hierzu ein Verfahren ausgearbeitet,
das später von M o is s a n in folgender Weise durch­
pische Diamantkörner zuerst von W e i n s c h e n k geführt w u rd e: Das Eisen (bis zu 1 kg) wird in Säuren
beschrieben, doch wurde die Richtigkeit dieser aufgelöst, der Rückstand sorgfältig gewaschen, mit
Bestimmung von anderen Forschern bezweifelt. ganz concentrirter Salpetersäure oxydirt, der wieder
Sicher dürfte dagegen der Nachweis von Diamanten gewaschene Rückstand mit Kalium-Chlorat geschmolzen,
dann wiederholt mit reiner Flufssäure und concentrirter
im Eisen von C a n o n Di a bl o sein. H u n t i n g t o n Schwefelsäure behandelt. Nach diesen verschiedenen
war es gelungen, aus diesem Eisen farblose Diamant­ Operationen bleibt der in regulärer Form krystallisirte
krystalle (Octaeder) zu isoliren. Einige Krystalle Kohlenstoff (Diamant) zurück und kann zu mikros­
zersprangen bald in winzige eckige Fragmente, kopischen P räparaten dienen.*
M o is s a n kommt zu dem Schlufs, dafs im Eisen,
was auf ihre Entstehung unter Druck und auf welches bei 1100 bis 1200° auf Kohlenstoff einwirkte,
Temperaturveränderung zurückgeführt wird. Im Graphit und amorpher Kohlenstoff enthalten ist; bei
ganzen erhielt H u n t i n g t o n ’/a Karat Diamant­ 3000° jedoch nur schön krystallisirter Graphit entsteht
pulver aus farblosen, gelben, blauen und schwarzen und unter gewissen Umständen (rasche Abkühlung)
kann dabei eine Modiiication erhalten werden, vom
Partikeln bestehend.
specifischen Gewicht 3,5, welche Rubin ritzt und sich
Auch M a l l a r d , F r i e d e i und M o i s s a n ganz ähnlich dem schwarzen Diamanten verhält. **
haben das Eisen von C a n o n Di a b l o eingebend Da indessen diese Krystalle beim Verbrennen in
Sauerstoff einen nicht unbedeutenden Rückstand hinler-
auf das Vorkommen von Diamant untersucht. liefsen, der fast 15 % der Gesammtmenge betrug, und
Nach den vorliegenden Untersuchungen wird da­ sich durch Schwefelsäure und Flufssäure gröfstentheils
selbst der Diamant von Graphit, gewöhnlicher verflüchtigen liefs, so ist der Schlufs gerechtfertigt,
Kohle, sowie von kastanienbraunen kohligen Par­
tikeln begleitet. Meist sind es Körner von dunkler * Vergl. Dr. R o s s e l : Die Chemie der hohen T em ­
peraturen. (Schweizerische Bauzeitung 1S96, S. 135.)
** Vergl. E. D o n a t h : Zur Chemie des Eisens
* D r.W e d d in g : „Eisenhüttenkunde“, I. Band. S .66. („Oesl. Zeitschr. f. B. u. H.-W.“ 1895, S. 152).
1. Juli 189G. Meteoreisen un d seine Beziehungen zum künstlichen Eisen. Stahl und Eisen. 493

dafs die von Moissan erhaltenen Kryslällchen nicht h e i f s o r Säure, Graphit und Tomperkohle sind u n ­
Diamant, sondern jdier ein sehr kohlenslolTreiehes l ö s l i c h , ersterer schwer, letztere leicht yerbrennlich.
Siliciumcarbid waren.* Also schematisch dargestellt
Die Frage, oh die in den Meteoriten gefundenen
Krystalle wirklich Diamanten sind, oder ob es sich ln Salzsäure:
nicht dort auch um ähnliche siliciumhältige Aus- löslich unlöslich
scheidungsproducte handelt, ist von H u n t i n g t o n
und K u n z bezüglich C a n o n D i a b l o bereits ent­ in kalter: in heifser: schwer vor- leicht ver-
schieden worden. Mit dem dort gefundenen Material Ilärtungs- Garbid- brennbar: brennbar:
läfst sich Diamant schleifen, während das von A c h e so n kohle kohleGraphit. Temperkohlc.
zuerst dargestellte Gorborundum (Siliciumcarbid) zwar Härtungskohlc, Untersuchung über das
h ärter als Korund ist, aber Diamant nicht angreift.
W e e r e i l * * nahm schon früher an, dafs im
Vorkommen von gebundenem Kohlenstoff im Meteor -
geschmolzenen künstlichen Eisen der gebundene Kohlen­ eisen wurden verhältnifsmäfsig selten aiisgefiihr!.
stoff in der Modification des Diamanten vorhanden sei. doch hob H a m m e l s b e r g schon im Jahre 1Si!l
Dr. R o s s e l , welcher durch die Untersuchungen hervor, „dafs die beim Auflösen (des Meteoreisens)
von Mo i s s a n angeregt, künstliches Eisen (Specialstahlj
sich entwickelnden Gase ganz den Geruch der­
auf einen eventuellen Gehalt an Diamant untersuchte,
erhielt als Resultat ein Pulver, bestehend aus mikro­ jenigen zeigten, welche mittels Roheisen, Stabeisen
skopisch kleinen durchsichtigen Kryställchen, welche oder Stahl erhalten werden, und dafs sie dieselben
sich durch ihre aufserordentliche Härte auszeichnen. flüchtigen Kohlenwasserstoffverbindungen in ölartigen
Sie ritzen Korund und verbrennen bei 1000 0 G. unter
Tropfen absetzen“. Die gleiche Beobachtung wurde
Bildung von Kohlensäure. Der Stahl, aus dem die
Gewehrläufe der neuen schweizerischen Infanterie­ auch von W e i n s c h e n k und Co h e n gemacht,
gewehre hergestellt sind, lieferte Krystalle, die hei so dafs gebundener Kohlenstoff jedenfalls häufig
einer 300 fachen linearen Vergrößerung regehnäfsige vorhanden ist. Die mir vorliegenden Analysen
OctaSder erkennen lassen. Solche P räparate wurden von
zeigen einen Gehalt an gebundenem Kohlenstoff,
M o is s a n untersucht und hierbei die Eigenschaften des
Diamanten feslgestellt. Natürlicher Diamantstaub, ver­ der von 0,02 bis 0, 1 64 Ji> schwankt. —
glichen mit dem aus Stahl künstlich hergestellten, Der zweiten, als G a r b i d k o h l e im künstlichen
zeigte die gleichen Eigenschaften; die mikroskopische Eisen bekannten Form des gebundenen Kohlenstoffs
Untersuchung im polarisirten Licht ergab gleichfalls entspricht im Meteoreisen der Coheni t . Im Jahre
die Identität beider Substanzen. Später ist es Prof.
R o s s e l und seinem Assistenten F r a n k gelungen 1889 fand Weinschenk im Meteoreisen von Ma g u r a
im Eisen eines Hochofenherdes krystallisirte Kohle Krystalle von Kohlenstoffeisen, welches der Formel
d. h. schwarze durchsichtige Diamanten nachzuweisen. (FeNiCo) sC entspricht und für welches er den
Der erwähnte Hochofen, der bereits 30 Jahre in Namen Cohenit vorschlug. Später fand man ähn­
Thätigkeit war, ist Eigenthum der Firma Met z & Go.
in Esch (Luxemburg.)*** liche Carbide auch in anderen Eisen ( W i c l i i t a ,
B e m d e g o , Y o u h d e g i n , C a n o n Di a bl o u.s. w.).
Die g r a p h i t i s c h e T e m p c r k o h l e des künst­
Für die beiden näher untersuchten Meleoreisen
lichen Eisens läfst sich nach W e i n s c h e n k t mit ( Magura und W i c l i i t a ) ist die sehr ungleich­
derjenigen vergleichen, welche beim Auflösen des förmige Vertheilung des Cohenits charakteristisch:
Meteoreisens in verdünnter Salzsäure nicht als während er an einzelnen Stellen in grofsen Mengen
Kohlenwasserstoff entweicht und erst bei starkem auftritt, fehlt er in anderen Partien wieder gänzlich.
Glühen im Platintiegel verbrennt. Aeltere Autoren Die E i g e n s c h a f t e n dieses Carbids kann man
und auch C o h e n bezeichnen diese beim Auf­ nach C oh en folgendermaßen zusammenfassen:
lösen des Meteoreisens in Salzsäure zurückbleibende Die Krystalle sind lang säulenförmig und er­
kohlige Substanz als „ a m o r p h e K o h l e “. So reichen in Magura eine Länge von 8 und eine
sagt C o h e n : „Von dem Meteoreisen dürften die Breite von 4 und 2 mm. In Wicliita sind sie
meisten neben dem beim Auflösen in Salzsäure durchschnittlich kleiner und dünner, auch ist hier
in Form von Kohlenwasserstoffen entweichenden vertical tafelförmiger Habitus und eigenlhümlich
gebundenen Kohlenstoffe noch »amorphe Kohle« zerhacktes Aussehen — wohl infolge lückenhaften
enthalten.“ C o h e n hat verschiedene Meteoreisen Waclisthums — häufiger und schärfer ausgeprägt.
auf „amorphe Kohle“ untersucht und Werthe von Die Flächen zeigen sehr kräftigen Glanz. Die
0 , 0 0 7 ^ (Einwage = 129,57 g) bis 0 ,0 9 3 5 Jo Krystalle sind zinnweifs, laufen jedoch leicht
(Einwage = 72, 15 g) erhalten. bronzegelb bis goldgelb an. Sie sind stark
Nach Dr. W e d d i n g lassen sich die vier im magnetisch und in hohem Grade spröde, so dafs
Eisen enthaltenen Kohlenppffformen leicht durch ihr sie sieh nur bei grofser Sorgfalt unverletzt ge­
Verhallen gegen Salzsäure unterscheiden: Härtungs­
kohle ist löslich in kalter, Garbidkohle löslich in winnen lassen. Wahrscheinlich liegen verzerrte
reguläre Formen vor; damit würde auch die
Spaltbarkeit übereinstimmen. Ihre Härte schwankt
* Vgl. .Zeitschrift für Elektrotechnik und Elektro­
chemie' IS94, Nr. 2, Seite 05. zwischen 5*/* und 6 , das' specifische Gewicht ist
** Vgl. „Stahl und Eisen' 1888, Nr. 1, S. 12. 7,2-27 bezw. 7, 244. In stark verdünnter Salz­
*** Schweizerische Bauzcitung 1896, Seile 151. säure (1 : 20) unlöslich und daher ohne Schwierig­
t Vgl. E. W e i n s c h e n k : „Ueber einige Bestand- keit zu isoliren; durch Digestion mit concentrirter
theile des Meteoreisens von Magura.“ („Annalen des
k. k. Naturhistorischen Hofmuseums“, Wien 1SS9. Salzsäure langsam zu lösen unter Zurücklassung
IV. Band, Seite 101.) eines Tlieils des Kohlenstoffs; in Kupferchlorid-
XIII.,« 2
494 Stahl und Eisen. Meteoreisen und seine Beziehungen zum künstlichen Eisen. 1. Juli 1896.

Chlorammonium leicht löslich, unter Ausscheidung langsamer Abkühlung des Meteoreisens zwischen 600
bis 700° ausgeschieden, denn sjmst müfste man ja
des gesammten Kohlenstoffs. Die Analysen er­ in allen Meteoreisen Cohenit finden, was bekanntlich
gaben : nicht der Fall ist. Hei dem seltenen Vorkommen dieses
Cohenit aus dem Eisen Restandtheils erscheint es mir viel wahrscheinlicher,
von Bemdego 91,06 Fe 2,20 Ni — Co 0,73 C dafs sich der Cohenit n u r i n d e n j e n i g e n M e t e o r ­
„ Magura 89,S1 , 2,08 „ 0,69 „ 6,42 „ e i s e 11 g e b i l d e t h a t , w e l c h e n a c h t r ä g l i c h ,
entweder absichtlich oder zufällig e r h i t z t w o r d e n
Nach der Formel [G5 Fe, 2 (NiCo)] 3 G be­ s i n d . * Man wird ihn also insbesondere in jenen
rechnet 89 84 Fe n - 8 (NiGo) ß 5S G Meteoreisen zu suchen haben, die entweder gar keinen
oder nur sehr schwachen permanenten Magnetismus
D e r b y * erhielt eine ziemlich bedeutende Menge annehmen.
Cohenit aus dem Eisen von C a fio n Di a b l o . Zwei Leider kann ich blofs an zwei Reispielen den
Analysen ergaben: j n Zusammenhang zwischen nachträglicher Erhitzung,
F e ................. 92,88 % 91,67 % Cohenitgehalt und Nichtmagnetisirbarkeit mit einiger
Ni + Co . . . 1,33 , 2,43 „ Sicherheit nachweisen: ich mufs es daher Anderen
P ..................... 0,48 , 0,09 „ überlassen, meine Ansicht zu bestätigen oder zu
C .....................5,33 „ 6,07 „ widerlegen.
Der Cohenit aus Magura und Bemdego entspricht Das W i c h i t a - Eisen ** enthält Kohlenstoffeisen
dem Eisencarbid (FesC), welches nach dem Auf­ und zeigt nur schwachen perm anenten Magnetismus.
lösen von künstlichem Eisen in verdünnter kalter Es befand sich seiner Zeit in einem Hause, welches
Salzsäure zurückbleibt, für welche Form L e d e 1) u r die durch Feuer zerstört wurde, und konnte aus den
Bezeichnung „ g e w ö h n l i c h e C a r b i d k o h l e “ vor- Ruinen gerettet werden, „ i s t a l s o l ä n g e r e Z e i t
geschlagen hat. A bel** h at dieses schon von K a r s t e n e i n e r h o h e n T e m p e r a t u r a u s g e s e t z t g e w e s e n “.
im künstlichen Eisen vermuthete Carbid FesC durch An­ Uebcr dasselbe Eisen schreibt Dr. B ü c h n e r : * * *
wendung einer Lösungsflüssigkeit aus Kaliumbichromat „Schon die Spanier versuchten die etwa 147 kg
und verdünnter Schwefelsäure abgeschieden. (Ersteres schwere Masse auf Mauleseln fortzuschaffen, aber
hat den Zweck, durch Hemmung der Bildung von vergebens. Auch die Comanches machten Versuche,
Wasserstoff auch die Entstehung von Kohlenwasser­ es d u r c h u m g e s e t z t e s F e u e r z u s c h m e l z e n ,
stoffen zu verhindern.) Der von ihm erhaltene Rück­ was nicht gelang.“
stand bestand aus einem schwarzgrauen, schweren Ein anderes Eisen, in welchem Kohlenstoffeisen
Pulver, welches durch heifse Salzsäure unter Bildung nachgcwiesen worden ist und das gar keinen perm a­
von flüchtigen Kohlenwasserstoffen grölstentheils zer­ nenten Magnetismus annimmt, ist das Eisen von
legt werden konnte. Ruffs Mountain. Sowohl R e i c h e n b a c h als
Für das Vorhandensein eines Carbids von be­ S o r b y nehmen an, dafs es künstlich erhitzt worden
stimmter chemischer Zusammensetzung spricht sich ist. Das in diesem Eisen vorkommende Kohlenstoff­
auch Dr. F. C. G. M ü 11 e r aus, der seine Ansicht eisen entspricht fast genau der Formel FeiC, während
auf die Kohlenstoffeisenverbindung stützt, welche der in M a g u r a und W i c h i t a nachgewiesene Cohenit
nach der Lösung in lOprocentiger Schwefelsäure der Formel FejC entspricht. Dafs ;aueli im Magura-
zurückbleibt. Die Eigenschaften dieses Carbids stimmen eisen das Carbid nicht ursprünglich vorhanden, sondern
recht gut mit denen des Cohenits überein. Es sind erst durch nachheriges Erhitzen des Eisens entstanden
silberglänzende Körnchen von unregelmäfsiger, vor­ ist, kann man wohl auch ziemlich bestimmt annehmen,
wiegend rundlicher Form und rauher Oberfläche, wenn man sich dessen erinnert, was B ü c h n e r über
welche nur durch ihre Gröfse verschieden sind. dieses Eisen berichtet. Nachdem nämlich bereits
(Durchmesser bis 0,01 mm.) Die Härte ist 6. Die 32 Centner dieses kostbaren Gutes verschmolzen worden
Körner besitzen grofse Sprödigkeit und sind magnetisch. w aren, konnten nur etwa 2 Centner davon gerettet
Dr. W e d d i n g * * * fügt noch hinzu: „Diese Kohlen­ werden. Dasselhe gilt auch von dem Eisen von
eisenverbindung bildet im erstarrten Eisen krystallisirte T o l u c a , das früher von den Indianern Mexicos auf­
Körper, welche von einer meist amorphen Eisenmasse gesucht und zu Ackergeräthen u. s. w. verschmiedet
umgeben werden. Diese krystallisirten Kohleneisen worden ist.
körper (Carbidkörper), sind in allen Eisenarten vorhan­ Auf einen Cohenitgehalt w ären zunächst zu u n te r­
den, um so reichhaltiger, je mehr Gesammtkohlenstoff suchen das Eisen von C o s b y s C r e e k , das man
vorhanden ist.“ Sie sind von Dr. W e d d i n g nach ihrer behufs Zerkleinerung stark erhitzt h a tte , L e n a r t o ,
Form als K r y s t a l l e i s e n bezeichnet w orden.! aus dem man versuchte eine Glocke zu gielsen, das
Weiter sagt Dr. W e d d i n g : „Die Carbidkohle Eisen von Z a c a t e c a s und ähnliche m ehr; überdies
tritt in allen Eisenarten auf, welche langsam ab ­ müfsten andere Meteoreisen vor und nach vorzunehmen­
gekühlt o d e r n a c h d e m A b k ü h l e n w i e d e r e r ­ der Erhitzung auf einen Carbidgehalt geprüft werden.
h i t z t w o r d e n s i n d , sowohl in graphithaltigem, wie
in graphitfreiem Eisen, v o r a u s g e s e t z t , d a f s d i e Aus dem grönländischen tellurischen Eisen
W i e d e r e r h i t z u n g n i c ht W e ifsg lu th e r r e i c h t von Niakorna hat F o r c h h a m m e r ein Kohlen­
h a t , d. h. denjenigen Grad, bei welchem Carbidkohle stoffeisen isolirt, für welches er die Formel FoiC
in Härtungskohle übergeht.“ Mit Rücksicht auf das annahm. S h e p a r d schlug für diese Verbindung
im Vorstehenden Gesagte glaube ich zu folgender
Schlufsfolgeruug berechtigt zu sein: Der Cohenit hat den Namen Chalypit vor.
sich n i c h t , wie W e i n s c h e n k meint, bei sehr
* Nach H o w e liegt die günstigste T em peratur
* „Amer. Journ. of Science“ 49, 101. für die Ausscheidung der Carbidkohle bei dunkler
** Nach Dr. H. W e d d i n g : „Eisenhüttenkunde“ Rlaugluth (Schwarzgluth), also unterhalb der dunklen
I. Rand, Seite 32 und 54 bis 57. Rothgluth. Nur durch nachheriges Erhitzen des Meteor­
*** A. a. O., Seite 33. eisens auf diese Tem peratur kann ich mir die Cohenit-
t Am eingehendsten ist die Frage kürzlich von bildung erklären, denn gegen die Annahme einer sehr
H a n n s v. J ü p t n e r in einer Arbeit: „Arten des langsamen Abkühlung sprechen zu viele andere
gebundenen Kohlenstoffs“ behandelt worden. (Vergl. Umstände.
Oesterr. Zeitschr. für Rerg- und Hüttenwesen 1896, ** E. C o h e n , „Meteoreisen-Studien“ IV, S. 8-4.
Nr. 17, S. 211 u. ff.) *** D r. R u e b n e r , „Die Meteoriten“. S. 161.
1. Juli 1896. Meteoreisen und seine Beziehungen zum künstlichen Eisen. Stall! und Eisen. 195

W e i n s c h e n k hat in seiner schon öfters von feinen Nadeln auf. Schon 1852 halle Wöhler
genannten Abhandlung mit Recht darauf hin­ in einem Meteoreisen stahlfarbene, stark glänzende,
gewiesen, dafs im Meteoreisen dieselben 4 Kohlen­ scharf ausgebildete, vierseitige säulenförmige Kry-
stoffformen nachweisbar sind, die wir auch im stalle von Phosphornickeleisen gefunden. G. R o s e
künstlichen Eisen kennen.* nahm für diese Nadeln das quadratische System
Dürch neuere Untersuchungen ist seine An­ an und gab ihnen den Namen R h ab d it.
sicht bestätigt worden, so dafs wir nach dem Die Schreibersitkrystalle treten entweder ver­
gegenwärtigen Stand der Meleoreisenforschung wohl einzelt oder nesterförmig vertheilt im Meteoreisen
behaupten können, dafs in dem Meteoreisen s o ­ auf; im Eisen von T o l u c . a sind sie zu mehreren
w o h l m e c h a n i s c h b e i g e m e n g t e r al s a u c h Centimeter grofsen Kryslallstöcken verwachsen.
c h e m i s c h g e b u n d e n e r K o h l e n s t o f f ent­ Einzelne Krystalle erreichen bis 14 cm Länge.
halten sein kann. Ich hebe diesen Umstand hier Sie sind gedrungen säulenförmig bis verlical
besonders hervor, weil Dr. L. B e c k in der Ein­ tafelförmig und an den Kanten wie angeschmolzen
leitung zu seiner vorzüglichen Geschichte des Eisens oder „geflossen“, nach drei aufeinander senkrechten
die Behauptung aufgestellt hat (Seite 24), dafs Bichtungen spaltbar, in hohem Mafse spröde und
sich das Meteoreisen vom künstlichen Eisen „zu­ metallisch glänzend. DieRhabditnadeln sind manch­
nächst durch das Nichtvorhandensein chemisch mal bis 5 mm lang und 1 ‘/i mm dick. Zuweilen
gebundenen Kohlenstoffs“ unterscheidet.** gehen sie in schreibersitähnliche Blättchen über.
Auf Grund dieser Unterscheidung will Dr. B e c k Die E i g e n s c h a f tei l des Phosphornickel­
dann den Nachweis erbringen, dafs das ä l t e s t e eisens sind folgende: Seine Farbe ist rein zinn-
b e k a n n t e S t ü c k E isen*** k ü n s t l i c h e s und nicht weifs oder zinnweifs mit einem Stich ins Stahl­
meteorisches Eisen ist. Er sagt nämlich auf Seite 86:
„Die chemische Untersuchung eines kleinen Stückes graue. An der Luft laufen die Phosphornickel-
durch W a l t e r F l i g h t bestätigte, dafs es weiches eisen sehr leicht an und es entstehen mannig­
Eisen mit wner geringen Beimengung von Nickel war. fache, besonders gern ins Bronzegelbe bis Gold­
Doch hielt es gebundenen Kohlenstoff, w ar d e s h a l b gelbe spielende Färbungen. Der Strich ist dunkel­
k e i n m e t e o r i s c h e s Eisen.“
Aus dem Gesagten, insbesondere aus dem e r­ grau. Phosphornickeleisen ist stark magnetisch,
wähnten Nickelgehalt, ist indessen mit viel gröfserer sehr spröde und schmilzt vor dem Löthrohr zu
Wahrscheinlichkeit der umgekehrte Schluls zu ziehen. einer magnetischen Kugel; seine Härte beträgt
F ür den m e t e o r i s c h e n Ursprung des ersten be­
6 l/2, sein specifisches Gewicht schwankt zwischen
kannten Eisens spricht auch der Umstand, dafs das
egyptische W ort » b a a e n e p e < oder koptisch » be - 6,3 bis 7,3. Stärkere Stücke sind in gewöhn­
n i - p e « , für „Eisen“ in wörtlicher Uebersetzung licher (verdünnter) Säure unlöslich, desgleichen in
„ M e t a l l d e s H i m m e l s “ bedeutet. rauchender warmer Salpetersäure. In warmer
concentrirter Salzsäure und in Königswasser leicht
Phosphor.
löslich. Von schmelzenden kaustischen Alkalien
Wenn man Meteorseisen in verdünnter Salz­
wird es leicht zersetzt. Im Kupferchlorid-Chlor­
säure löst, so bleibt ein Rückstand, der aus einem ammonium ist es unlöslich. Aus zahlreichen
matten schwarzen Pulver und hellen metallglänzen­ Analysen geht hervor, dafs Schreibersit und
den Blättchen besteht. B e r z e l i u s hat die letzteren Rhabdit ihrer Zusammensetzung nach identisch sind
im Jahre 1832 zuerst näher untersucht und als und dafs beide Körper Verbindungen nach festen
P h o s p h o r n i c k e l e i s e n bestimmt. Später (1817) Verhältnissen vorstellen, in denen Eisen, Nickel
schlug H a i d i n g e r hierfür den Namen S c h r e i b e r - und Kobalt als vicarirende Bestand theile auftreten,
s i l vor, zu Ehren Professor S c h r e i b e r s in Wien,
und denen die Formel (Fe, Ni, C o ^ P zukommt.
der sich hohe Verdienste um die Metcoritenforschung
Sie entsprechen daher dem im künstlichen Eisen
erworben hatte. vorkommenden Phosphid (FeaP).
Der Schreibersit kommt in Krystallen, Füttern, L. S c h n e i d e r * hat dasselbe aus Roheisen
Tafeln, Körnern, Platten und Blättchen vor. Das durch Behandeln mit Kupferchlorid abgeschieden. Es
ist krystallinisch, dunkelgrau, metallglänzend, zer-
Phosphornickeleisen tritt aber auch noch in Form
reiblich, magnetisch, unlöslich in verdünnten Säuren,
* E r bezieht sich dabei auf die vortreffliche Arbeitleicht löslich in Salpetersäure und Königswasser,
L e d e b u r s : „Ueber die Benennung der verschiedenen löslich in concentrirter Salzsäure.
Kohlenstoffformen im Eisen“ („Stahl und Eisen“ 1888, Dr. W e d d i n g * * bem erkt hierzu: „Nach allen
Nr. 11, S. 742), dagegen scheint ihm die ältere Ab­ Beobachtungen ist Phosphor nicht gleichmäfsig im
handlung desselben Verfassers: „Einige neuere U nter­ erstarrten Eisen vertheilt, sondern in Phosphiden,
suchungen und Theorien über die Formen des Kohlen­ ähnlich dem CarbidkohlenstofT, abgeschieden. Dafs
stoffs im Eisen und Stahl“ nicht bekannt zu sein. diese Phosphide nicht immer eine bestimmte Zu­
(„Stahl und Eisen“ 1886, Nr. 6, S. 372.) sammensetzung haben (etwa Fes P), ist wahrscheinlich.“
** Es ist dabei allerdings zu bemerken, dafs dieser Wenn künstliches Eisen in verdünnter Salzsäure
Satz zu einer Zeit geschrieben wurde, als die n e u e r e n aufgelöst wird, so theilt sich- der Phosphor nach den
A rbeiten, auf die ich oben hingewiesen hab e, noch Beobachtungen von M a c k in to s h * * * in 4 Partien;
nicht bekannt waren.
*** Dasselbe wurde von Hi l l in der grofsen Pyramide * „Oesterr. Zeitschrift für Berg- und H ütten­
des Cheops gefunden und ist offenbar ein Werkzeug­ w esen“ 1886, S. 735.
fragment, welches alsdann das stattliche Alter von ** D r. W e d d i n g : „Eisenhüttenkunde“. 1. Bd., S. 243.
4900 Jahren besitzen würde. *** „Stahl und Eisen“ 1887, Nr. 3, S. 181.
41)6 Stahl und Eisen. Alberts Versuche und Erfindungen. 1. Juli 1S96.

ein Theil wird als Phospborwasserstoff entwickelt, In dem terrestrischen Eisen von Ovi fak konnte
ein zweiter löst sich in der Flüssigkeit als phosphorige bisher kein Schreibersit nachgewiesen werden,
Säure, ein dritter in Form einer anderen niedrigen
doch ist seine Anwesenheit nicht ausgeschlossen.
Oxydatiousstufe (welcher durch scliwefelige Säure in
phosphorige Säure übergeführt werden kann), und In dem Nickeleisen von S a n t a C a t a r i n a ,
der letzte bleibt in ungelöstem Rückstände. welchem C o h e n terrestrischen Ursprung zu­
Phösphornickeleisen ist ein so vsrbreiteter schreibt, hat D a u b r e c Schreibersit gefunden.
Gcmengtlieii der Metcoreisen, dafs cs von manchen W i n k l e r nahm in dem Eisen von R i t t e r s -
Forschern geradezu für den am meisten charakte­ g r i i n neben Schreibersit ein Phosphorcisen von
ristischen Bestandteil derselben gehalten wird. der Zusammensetzung F e2 P * an, weil sich beim
Sowohl in den verschiedenen Meteoreisen als auch Erwärmen mit verdünnter Salzsäure Phosphor­
in einem und demselben Eisen ist der Gehalt wasserstoll' entwickelt.
sehr wechselnd, er schwankt zwischen 1,73 und Da Schreibersit unter diesen Bedingungen keineswegs
ganz unlöslich ist, so bedarf die Annahme jedenfalls der
8,11 . Obwohl Schreibersit und Rhabdit sich weiteren Bestätigung durch eine vollständige Analyse.
nicht gegenseitig ausschliefsen, so kann man doch ____________ (Schlufs folgt.)
im allgemeinen sagen, dafs in einer Eisengruppe * Ueber künstliches i ’hosphoreisen von der Zu­
der eine und in einer anderen Gruppe der andere sammensetzung Fe 2 1' vergleiche D r. W e d d i 11 g s
Bestandteil vorherrscht. „Eisenhüttenkunde“, 1. Bd., S. 241—242.

Alberts Versuche und Erfindungen.


Zugleich B eiträ ge zur F rage der G efügoveränderung v o n E isen durch w ied erholte Stöfso
und zur Erfindung des D rah tseils und der F ö rd eru n g mit K etten ohne Ende.
Von Professor 0 . Hoppe in Clausthal.
(Schlufs von Seite 411.)

Die folgenden Versuche zeigen deutlich, wie werde, fiel günstig aus und führte zu dem Beschlufs,
A l b e r t folgerichtig und mit eiserner Hart­ das anzufertigende neue Seil für den Elisabetlier
näckigkeit Schritt für Schrill auf das Ziel losschreitet. Schacht durch Einlagen gegen die Härtung zu
Die Härtung wird vermindert durch Einlagen. schQlzen.
Ein hierauf gemachter Dauerversuch* auf der Ver­ Zunächst wurden Einlagen von gegossenem
suchsmaschine, ob durch feste Einlagen in den Messing gewählt. Jedoch der Versuch mifslang,
Gelenkstellen der Glieder die Härtung vermieden weil die Einlagen nicht hielten.
Bei dem neuen Versuche mit einem ganz neuen
* Dauerversuche, bei denen auf Zug beanspruchteSeil, welcher hierauf im Jahre 182!) ausgeführt
P robestücke w iederholt heftigen Stöfsen ausgesetzt wurde, wählte man daher Einlagen von Stabeisen,
w u rd e n , h at sp äter auch W ü h l e r angestellt die sich leichter befestigen liefsen. Wiewohl sich
(Erbkam , Zeitschrift für Bauwesen, Ja h rg ä n g e 1800
bis 1870), und nach diesem S p a n g e n b e r g (1874) jedoch zeigte, dafs die Einlagen gegen die Härtung
fortgesetzt. Es wurde die Absicht verfolgt, sehniges geschützt hatten, konnte der Versuch auf die Dauer
Eisen in k ristallinisch es zu verw andeln. Bezüglich nicht fortgesetzt werden, weil schon nach G Wochen
der K rystallbildüng w aren die Ergebnisse resultatlos,
523 Einlagen herausgedrängt waren und nach
aber es zeigte sich, dafs Eisen während dieser Be­
handlung leichter brach. Dafs dieses der Fall sein einem Vierteljahr ein Seilbruch dadurch entstand,
nmfste (liebt li r c u z p o i n t n e r nach , Stahl und dafs eine Einlage zur Seite gedrückt, das Seil
E isen“ 1805, S. 477 hervor), ist ganz natürlich, wenn sich dazwischen geklemmt und ein Glied durch
w ir berücksichtigen, dafs Schlackentheile und andere
Hebel- und Keilwirkung zerbrochen hatte.
Beimengungen des Eisens die grüfstmögliehste Co-
b äsio n d er Fasern des Eisens verhindern. Gleichzeitige K e 11 e n t ri e b w e r k (Seiltransmission. Hirn
Stöise und Längsspannungen müssen das Bestreben 1850). Zugleich wurde noch eine wesentliche
haben, die Schlacke und somit das Gefüge des Veränderung der Fördermaschine ausgeführt. Um
Metalls zu lösen und dadurch letzteres natürlich zu
schwäche». nämlich die nachtheiligen Seilbiegungen an Zahl
Jedenfalls aber geh t aus Obigem h e rv o r, dafs zu vermindern, wurde statt der gewöhnlichen zwei
das Verdienst, die ersten D auerversuche zuerst an ­ Seilscheiben nur eine quer über den Schacht
gestellt und dadurch unzweifelhaft den Nachweis gehängt, auf welcher das Seil blofs in den Schacht
geliefert zu haben, dafs sehniges Eisen im Betriebe
körnig w erde und dann nicht mehr wie v o rh e r Stofs­ geführt wurde* (Fig. 2).
w irkungen e rtra g e , nicht W ü h l e r und S p a n g e n -
b e r g , sondern A l b e r t gebührt. * Im Princip die sp ätere Koepeschc Einrichtung.
I. Juli tS9G. Alberts Versuche und Erfindungen. Stahl und Eilen. 497

Die Uebertragurig der Bewegung vom Kelir- noch immer in der Darstellung eines guten Seil-
l'ade (Wasserrade) auf diese Scheibe dagegen cisens stattfand, da kein Grund vorlag, der guten
wurde mittels zweier Seile ohne Ende bewirkt.* Bearbeitung in der Bergschmiede einen Vorwurf
K e t t e n g l i e d e r mi t d o p p e l t e r E i s e n s t ä r k e zu machen.
an den G e l e n k s t ei l en. Da durch die veränderte A l b e r t s E n t d e c k u n g , d a f s die B r ü c h i g ­
Construction des Treibwerks die Härtung der kei t de s E i s e n s mi t h ö h e r e r E r w ä r m u n g
Glieder bedeutend vermindert zu werden schien, ( Ue be r h i t z e n) z u n i m m t . * Wiewohl obige
wurde im Jahre 1830 ein neues Seil von ganz Ansicht Alberts Widerspruch fand, so schien es
gewöhnlicher bauchiger Form aufgelegt. Es wurde ihm doch „unwiderlegbar“, dafs das Raffiniren
damit ein Versuch verbunden, den Zweck der des Seileisens durch wiederholtes Zusammen-
Einlagen dadurch zu ersetzen, dafs 150 Glieder schweifsen seinen Zweck ganz verfehlen müsse,
mit doppelter Eisenstärke an den Gelenkstellen wenn die Schweifshitze** so stark genommen
und 50 Glieder blofs an einem Ende mit doppelter werde, dals die verschiedenen Lagen von Eisen
Eisenstärke versehen wurden, beide Arten von dadurch zu einem homogenen Ganzen gemacht
Probegliedern aber gerade Grundflächen erhielten, werden. Nur in der fortdauernden Vielfachheit
um die brechende Wirkung der Scheibe zu ver­ der eng miteinander verbundenen Fäden scheine
meiden.** Diese Probeglieder mufsten indessen dieHaltbarkeit eines guten Seileisens gesucht
wieder beseitigt werden, weil zum Theil die Last werden zu müssen. Ueber eine gewisse Grenze
sich in die Ecken bängte, auch eine fast schrauben­ der Arbeit im Feuer hinaus verliere selbst fadiges
förmige Drehung des Seiles bei ihnen stattfand. Eisen seine frühere Haltbarkeit, wenn auch sogar
Uebrigens waren die Ergeb­ bei einer Annäherung zum Faul­
nisse aller Versuche, welche durch bruch die Textur sich noch als
das Seil ohne Ende gewonnen fadig darstellt. Diese Ansicht
wurden, ausgezeichnet. wurde durch kaltes Zerschlagen
Auch in ökonomischer Hin­ einer grofsen Menge von neuem
sicht übertrafen die Leistungen geschweifslen Seileisen bestätigt.
die der übrigen hänfenen und N e u e Art der H e r s t e l l u n g
eisernen Treibseile. Nach einer des K e t t e n e i s e n s . Um zu
von Albert gewälilten Vergleichs­ verhüten, dafs das Scilcisen durch
berechnung ergab sich, dafs bei zu grofse Schweifshitze bei der
jedem Seil ohne Ende mit jedem Anfertigung geschwächt werde,***
verbrauchten Lachter (2 m) Seil um ferner die Ueberzeugung von
1 t (5 Ctr.) 4 3 3 3 3 Lachter hoch, Fig. *2. der völligen Güte jedes Seilgliedes
bezw. 1 t (5 Ctr.) 106 Lachter zu erhalten und endlich die Härtung
hoch für 1 ej gehoben war. Der günstigste Fall bei dem Gebrauch der Kettenseile unschädlich zu
der Leistung unter allen übrigen Treibwerken ergab machen, wurde ein neues Verfahren versucht,
bei hänfenen Seilen auf dem Herzog Georg Wilhelmer dessen erste Ausführung vorzüglich durch den
Schacht eine Leistung: 1 t 24 6 70 Lachter hoch, schon genannten Bergschmiedemeister Angerstein
bezw. 1 l 52 Lachter hoch für 1 ej. Nach dieser bewerkstelligt ist, und welches noch „jetzt“ (1837)
Berechnung Alberts waren die Förderkosten durch als vorgeschriebene Regel für die Anfertigung des
Anwendung des Seiles ohne Ende a u t d i e Hälfte Seileiscns gültig ist:
gebracht. Das zu Seileisen passende Materialeisen, wozu
Solche Resultate (fährt Albert fort) ermunterten am vorzüglichsten das Eisen der Gitteldeschen
zur Fortsetzung. Im Juni 1831 wurde ein neues Hütte wegen der braunsteinhalligen Eisensteine
Seil ganz nach der Construction des vorher ge­ des Ibergs bei seiner hartzähen, fadigen BeschalTen-
brauchten aufgelegt. Die Treiberei ging damit heit sich als geeignet bewiesen hat, wird in Stücke
sehr befriedigend. Im Januar 1832 brach indefs von etwa 16 Zoll Länge und 1 Zoll im Quadrat
dieses Seil schon wieder in 19 Stücke. Alle Stärke zerschlagen und davon nur das gewählt,
Glieder waren in den Gelenken wieder hart und welches an beiden Enden auf dem Bruche fadige
spröde geworden.
* „Stahl und Eisen“ 1895, S. 482: „W enn w eicher
Im Februar 1832 wurde abermals ein neues, „Stahl bei der scharfcn B iegeprobe am orphe Bruch-
auf gleiche Weise angefertigtes Seil aufgelegt. ,,fläche, körnigen Bruch in m ysteriöser W eise in
Dieses brach sogleich nach dem Auflegen, ehe es „einem llonstructionstheile oder anderen Gegen-
nur einmal Dienste geleistet hatte. „stande zeigt, dann ist es wahrscheinlich, dafs das
„Stiick im W alzw erk ü b e r h i t z t w urde. . . . l)ic
Diese Erfahrung konnte nur als ein neuer „Fähigkeit, in solchem Falle durch Augenschein zu
Beweis der Unsicherheit betrachtet werden, welche „urtheilcn, ob das Metall ursprünglich überhitzt w ar,
„hat fü r den Fachm ann mehr W erth als eine W agen­
* Im Princip die sp ätere Hirnschc Seiltransmis-l a d u n g B ücher, die über die K ry stallisation von
sion (1850). „Eisen u n te r Stofs und V ibration handeln.“
** Im P rincip die K ette von C. H oppe: D. Ii.-P. s * Siehe auch w e ite r unten S. 199.
48117 und 5014-1, 23. Dec. 18S8. *** Siehe Anmerkung*** a u f Seite 437.
-tOS Stahl und Eisen. Alberts Versuche und Erfindungen. 1. Juli 1896.

Textur zeigt. Vier Stücke dieses Eisens werden aufgelegt. Bei den von Zeit zu Zeit vorgenommenen
auf einmal unter einem Zainhammer so leicht Untersuchungen und Auswechslungen einzelner
zusammengeschweifst, dafs die Schweifshitze nicht Theile bethätigten sich zwar die obigen Ansichten,
bis in den Mittelpunkt dringt, dann bis zur er­ allein man machte die neue unangenehme Be­
forderlichen Stärke des Seileisens aüsgereckt und merkung, dafs von den einzelnen Strängen des
im Gesenk rund geschmiedet. Aus diesem Seil­ Eisens diejenigen, welche durch den Gebrauch
eisen werden durch kaltes Einhauen und Zerbrechen gehärtet w aren, durch die brechende Wirkung
im Schraubstock die zu den Kettengliedern er­ auf der Scheibe oder durch das allmähliche
forderlichen Stücke hergestellt. Jedes Gliedstück Längen des Seiles Brüche erhalten hatten. So
wird einzeln geprüft und zu der besten Sorte nur fanden sich viele Glieder, welche an mehreren
das gerechnet! welches auf beiden Seiten einen Stellen immer, so weit das Eisen des betreffenden
völlig fadigen Bruch und auf der Mitte jedes Stranges reichte, eingebrochen waren, so dafs
Bruchendes die Trennung der vier leicht zusammen* die ganze Wirkung auf den gesund gebliebenen
geschweifsten Eisenstäbe durch ein mit dem Auge Theil des Gliedes übertragen wurde. Solche Be­
erkennbares Kreuz zeigt. merkungen mufsten w'ieder neue Besorgnisse er­
Der Hauptzweck der neuen Anfertigungsart regen, da man nur von Zeit zu Zeit eine genaue
des Seileisens schien sich bei der Anwendung zu Prüfung des Zustandes und theihveise Auswechs­
bestätigen, nämlich ein mit Sicherheit als haltbar lung vornehmen konnte. Wirklich erfolgte denn
anzusprechendes Seileisen dadurch vor den Nacli- auch im November 1831 abermals ein Bruch
theilen der Härtung bei dem Gebrauch zu schützen, dieses zu Anfang des Jahres aufgelegten Seiles,
dafs die vier Stränge des Eisens eigentlich nur welches um so mehr das Bergamt veranlafste,
möglichst nahe bei einander lagen, folglich die diese Versuche aufzugeben, da unterdessen ge­
durch den Druck (Stofs) veranlafste Härtung nur gründete Hoffnung entstanden war, durch An­
auf die dem Drucke ausgesetzten Flächen von wendung von Seilen aus geflochtenem Eisendraht
höchstens zwei Strängen (nämlich den inneren) die Zwecke zu erreichen, auf welche es ankam.
wirken könne. (Höchst beachtenswerlh sind die Ergebnisse. Die obigen Versuche mit dem
Ergebnisse dieses Versuchs.) „Seil ohne Ende“ ergaben:
Nach mehrmonatlichem Gebrauche eines im 1. dafs bei tiefen Schächten und gtofsen Förder-
Jahre 1832 aufgelegten neuen Seiles von jenem lasten, Kettenseile eine Härtung erleiden, welche
Seileisen zeigten die einzelnen herausgenommenen ihren Bruch herbeiführt;
Glieder bei der Schlagprobe nur bis in die Milte 2. dafs bei tiefen Schächten Hanfseile nicht
eine Veränderung des fadigen Zustandes in einen durch Ketlenseile zuverlässig zu ersetzen seien;
feinkörnigen, die äufsere zur Haltbarkeit völlig 3. dafs durch diese negativen Ergebnisse eine
genügende Hälfte hatte ihren fadigen Bruch be­ Darstellungsw'eise des Seileisens herbeigeführt wurde,
halten. Allein nicht durchgängig war die Schweifs­ welche sich völlig zweckmäfsig erwies überall da,
hitze so schwach geblieben, als sie gewünscht wo noch Kettenseil in Anwendung ist. Ferner
war, und in diesen vollkommenen geschweifsten zeitigten die Versuche als Endergebnifs, wichtig
Gliedstücken war die Härtung auch wieder bis für alle Zeiten,
zu dem äufseren Umfange durchgedrungen. Es 4. das „ n e u e T r e i b s e i l aus g e f l o c h t e n e m
zeigte sich hierbei auch ein bedeutender Unter­ E i s e n d r a h t (1834), herbeigeführt durch die gründ­
schied zum Nachtheile aller Glieder, wx'lche nicht liche Erforschung der Unvollkommenheiten aller
ganz aus Gitteldeschein Eisen angefertigt waren. Kettenseile, so dafs hierdurch die oft sehr ent-
Nachdem dieses Seil ein Jahr im Gange gewesen mulhigenden Erfolge jener sehr mühsamen Ver­
war, brach es wieder im September 1833. suche wieder ausgeglichen wurden“.
Dieser Erfolg, eine Kette ein ganzes Jahr D a s D r a h t s e i l (Alberl-Seil). Es ist nicht
lang betriebsfähig zu erhalten, mufs übrigens schon Absicht, hier näher auf die Herstellungsweise, die
als ein ganz ausgezeichneter angesehen werden, Herstellungskosten, die Leistungsfähigkeit, die un­
wenn man bedenkt, welchen beständigen Slöfsen geheuer rasche Verbreitung des Drahtseiles auch
und plötzlichen Ueberanstrengungen eine Förder­ im Auslande, besonders in England, einzugehen,
kette bei den damaligen unvollkommenen Förder­ nur Einiges sei bruchstückweise erwähnt:
einrichtungen in unseren tonnlägigen (schrägen) 1. Albert drehte* die Drähte zu den Litzen
Schächten ausgesetzt war. und die Litzen zum Seile in derselben Richtung.
Doch Albert setzte seine Versuche, die als
eine ununterbrochene Reihe von , Dauerversuchenk
* A lb ert stellte die ersten D rahtseilstränge aus
anzusehen ist, unermüdlich und mit hartnäckiger Eisendrähten, die er persönlich bei den Kaufleuten
Ausdauer fort. Clausthals und Zellerfelds aufg ek au ft und nach
Im Anfänge des Jahres 1834 (berichtet Albert Hause getrag en hatte, eigenhändig in seinem A rb eits­
weiter) wurde ein neues Seil, ganz aus Gitteldschem zimmer her, befahl dann dem Kutscher, seine Pferdo
mittels dieser dünnen S trän g e an einen mit schw eren
Eisen und mit Beobachtung aller neueren Vor­ Holzstämmen überladenen W a g en zu spannen und
schriften angefertigl, auf dem Elisabether Schachte zu versuchen, durch tüchtiges A ntreiben d e r Pferde,
1. Juli 1890. Alberts Versuche und Erfindungen. Stahl und Eisen. 499

Dieses A l b e r t - S e i l , wie ich’s nennen will, hat welches bei gewöhnlicher Temperatur (-(- 20° C.)
wesentliche Vorzüge vor dem Seil mit „Kreuz- grofse Zähigkeit besafs, bei 30 0° G. zwar die
gefiecht“, in welchem der Drehsinn wechselt und gröfste Zugfestigkeit, aber die geringste Zähigkeit
welches später ebenfalls hier am Harz aufkam. zeigt. Man nennt diese kritische Temperatur
Das Seil des Engländers Lang* ist durchaus nichts „Blauwärme“, das Verhalten „Blaubrüchigkeit“.
Anderes als das A l b e r t - S e i l , sein besonderer Beim Kupfer tritt nach Martens und Budeloff
Name (Lang-Seil), sein Patent hat durchaus keine dieser kritische Zustand bei etwa 2 0 0 ° C. ein.
Berechtigung. Zugleich sei hier noch liingedeulet auf die eigen­
2. Die Seilkosten bei guten Hanftreibereien artigen „Untersuchungen über den Einflufs der
betrugen in 15 Wochen so viel als die Anschaffungs­ K ä l t e auf die Festigkeitseigenschaften von Eisen
kosten neuer geflochtener Drahtseile für den ganzen und Stahl“ von Professor Budeloff („Mittheilungen
Schacht. Für jedes Lachter fertiges Drahtseil aus den kgl. techn. Versuchsanstalten zu Charlotten­
wurden 12 gGr. (etwa 1,5 <rfl) bezahlt. (1 Lachter burg“ 1895, Heft 5 und die gedrängte Zusammen­
Hanfseil kostete 2 Thaler = G J h . siehe oben stellung der Ergebnisse in „Slahl und Eisen“
Seite 439.) 189G (10. Jahrgang), Nr. 1, Seite 15 bis 18),
3. Mit Einschlufs der Versendungen ins Aus­ bei welchen als Probematerial dienten: 1. weiches
land (England) wurden in zwei Jahren, nämlich Nieteisen (Schweifseisen), gezeichnet „N“ ; 2. ge­
von 1834 bis 183G, schon 12 251 Lachter Albert- walzter Schiffbaustahl (Siemens-Martin-Flufseisen),
Seil angefertigt. gezeichnet „Krupp“ ; 3. gewalzter Schiffbauslahl
4. Als gefährlich erwies sich folgender Fehler, (Thomasstahl von Bolhe Erde), gezeichnet „Rothe
der bei der Verbindung des Seiles mit der Förder­ Erde“ ; 4. gewalztes Schweifseisen für Baucon-
tonne gemacht wurde, und der uns gewisser- slruction, gezeichnet „ W “ ; 5. Federstahl, gezeichnet
mafsen wieder auf die am Kopfe unseres Auf­ „FS“ ; G. Gufsstahl (Tiegelstahl), gezeichnet „TS“
satzes gestellte Frage zurückführt. und 7. geschmiedetes Schweifseisen (Hammereisen),
Es wurde bei Anfertigung der Oese der Draht gezeichnet „II“, und sich u. a. Folgendes ergab:
(um das Umbiegen zu erleichtern) zu stark und Durch Abkühlen von -f- 18° G. bis — 8 0 ° C. wird
zu hoch hinaufgegliihl. sow'ohl die -Spannung an der Streckgrenze als
„Das Glühen (behauptet Albert) mindert die auch die Bruchspannung gehoben“ ; dagegen „nimmt
Elasticität, a u f w e l c h e r d a s W e s e n t l i c h e der die Bruchdehnung mit steigender Abkühlung ab
S a c h e be r uht . Dieser Fehler ist am leichtesten und nur beim Hammereisen zu“.
zu vermeiden, wenn das Glühen in einem eisernen
Kohlentopf vorgenommen, vom Seilende nicht Schlufssatz.
mehr als G Zoll in die Kohle gehalten und das Nun noch zum Vergleich nur einige Bruch­
Ueberstehende während des Glühens immer mit stücke aus dem Aufsatze der Zeitschrift „Stahl
Wasser begossen wird.“ und Eisen“ 1895, Nr. 10, durch welchen die
Auf diese Weise wollte man offenbar die .Blau­ gegenwärtige Abhandlung veranlafst wurde. Der
wärme'' verhindern. Streit dort dreht sich um die Frage: Wird Eisen
Ueber die hier bereits von Albert angedeulete unter Stöfsen krystallinisch?
Thatsache sind später von F. Krause („Z. d. V. Wäre Albert diese Frage vorgelegt, er würde
d. Ing.“ 188G, Seile 137 bis 139, unter der dieselbe, wie mit uns die meisten Fachleute tu. a. die
Ueberschrift: „Ueber die Veränderung der Zug­ in dem Aufsatze genannten: Bauschinger, Ledebur,
festigkeit und Dehnbarkeit von Stahl und Eisen Percy, Baymond, Spangenberg, Webster, Wedding,
bei gewissen Erwärmungsgraden“), aber besonders Wühler), mit einem pntschiedenen „Nein“ beant­
eingehend und erschöpfend (auch für andere wortet und hinzugefügt haben, „wohl aber körnig“.
Metalle, u. a. Kupfer, Messing) bis in die letzte Andere dort genannte namhafte Fachleute
Zeit hinein, in den „Mittheilungen aus den königl. sind jedoch sonderbarerweise noch heute ganz
techn. Versuchsanstalten zu Charlottenburg“ von anderer Ansicht.
Bauli (1890), Martens (1894), Budeloff (1893, 1. In der Chicago-Versammlung im August
1895) Versuchsergebnisse veröffentlich!, aus denen 1893 behauptet B. Bickard - California in der
kurz nur herausgegriffen sein mag, dafs Eisen, Discussion des Vortrags von T. A. Biekard-Colorado
über .T h e Limitation of the Gold Stamp-Mill“
die S träng e zu zerreifsen. A b er letzteres w ar un­ entschieden, dafs die Pochstempel im Betriebe
möglich. Dieser erste rohe Versuch schon ü b er­ krystallinisch würden, wogegen Dr. Baymond-
zeugte A lbert, dafs er das R echte gefunden habe.
New York City letzteres als eine weit verbreitete
Es ist noch immer so Mancherlei v o rg eb ra ch t, um
die Erfindung A lberts zu verkleinern. W er solchen Fabel hinstellt.
Berichten Glauben schenkt, ken nt nicht A lberts Ver­ 2. In der Bridgeport-Versammlung im October
dienst und die langw ierige, mühselige Erfindungs- 1894 sagt E. E. Olcott-New York City bei Er­
geschichte des Drahtseiles, die zum Theil in unserem
Aufsatze an g edeu tet ist.
örterung der Frage: „Does the Vibration ofStamp-
* „E ngineering“ 1883, Bd. 36, S. 537. „DinglersStems change the Molecular Structure?“, dafs er
Polytechnisches Jo u rn a l“ Bd. 252, S. 435. nicht der Ansicht des Dr. Baymond sei, ihn hätten
500 Stahl und Eisen. Die Hohlgeschnsse der Artillerie u. s. w. 1. Juli 189G.

die krystaHinisehen Bruchüächen einer grofsen Zahl dafs keine Krystallisation stattfinde, wohl aber die
abgebrochener Pochstempelköpfc an gebrochene Schlackentheilchen im Eisen mit der Zeit gelockert
Roheisenmasseln erinnert. werden. Letzterer hat Poehstempel, welche 200
:S. William Kent, N. J., behauptet, dafs man Millionen Schläge ausübten, untersucht. Unter
in früheren (?) Jahren allgemein* an die Kryslalli- den Schmieden allerdings herrsche die Ansicht,
sationstheorie geglaubt habe, heute noch die Meinung dafs Eisen unter Stöfsen krystalüsire.
getheilt sei und dafs er mehr zur älteren Ansicht 7. Webster und Raymond sind der Ansicht
neige. Er sei erstaunt, dafs eine Autorität wie Kreutzpointners, dafs durch den Einfiufs der Stöfse
B a u s e h i n g e r * * behaupten konnte, dafs Span­ keine Molecularveränderung* oder Krystallisation
nungen im Eisen und Stahl, wenn millionenmal stattfände. Dasselbe hatten übrigens schon weit
wiederholt, die Structur nicht änderten. Wühlers früher Roebling und Fairbairn behauptet.
Experimente bewiesen seiner Meinung nach n i c h t s , Diese Beispiele genügen, um die Unsicherheit
da bei ihnen die Belastung zu vorsichtig an­ der Ansichten namhafter Fachleute darzulhun und
gebracht sei. zu beweisen, wie weit verbreitet noch heute die
4. John Wilken, N. G., seit 25 Jahren Eabricant „Fabel“ ist von dem Krystallinischwerden des
und Besitzer von Pochwerken, nimmt unbedingt Eisens im Betriebe.
Aenderung in den Pochstempeln an und sah in ein­ Nun zum Schlufs meine Ansicht zugleich als
zelnen Brüchen grofse Krystalle wie im schottischen Antwort auf die zweite Fassung unserer Frage
Roheisen. (Seite 437) : W e r d e n E i s e n u n d S t a h l
5. Albert Ledoux, New York City, glaubt sich von u r s p r ü n g l i c h g e n ü g e n d e r E l a s t i c i t ä t ,
in Uebereinstimmung mit Autoritäten in der auf F e s t i g k e i t und D e h n b a r k e i t im B e t r i e b e
ausgeführte Experimente gestützten Behauptung, d ur c h S t ö f s e und S p a n n u n g s w e c h s e l niemals
dafs das beste Schweifseisen unter Umständen wie übe r i hr e E l a s t i z i t ä t s g r e n z e * * h i n a u s b e ­
Gufseisen breche, und glaubt, sich auf Kirkaldvs a n s p r u c h t , w i e es in e i n e r r e g e l r e c h t e n
Arbeiten berufen zu dürfen. (Soviel mir bekannt, C o n s t r u c l i o n s t e t s s e i n s o l l t e , so bl ei bt
ist Kirkaldy kein Anhänger der Krystallisations- i hr Ge f ü g e u n g e ä n d e r t und der B e s t a n d
theorie des Eisens.) de s aus i h n e n h e r g e s t e l l t e n C o n s t r u c t i o n s -
Von Alberls klassischen Versuchen scheint t h e i l e s i st , r e g e l r e c h t e n Be t r i e b und s o r g ­
keiner dieser Fachleute etwas zu wissen. f ä l t i g e W a r tu n g ( Anst ri ch) v o r a u s g e s e t z t ,
ti. W . F. Durfee, N. Y., und Shocklev, Cal., a uf u n a b s e h b a r e Zei t g e s i c h e r t . Kurz: Das
dagegen haben in ihrer langen Praxis gefunden, Ma t e r i a l b l e i b t , w i e es w a r !
C l a u s t h a l , den 18. Januar 1890.
* A lb ert b a t jedenfalls nicht d aran geglaubt!
** William Kent kennt offenbar die bahnbrechen­
den Versuche B a u s c h i n g e r s zu w enig o der hat * D ieB ezeichnm ig„M olecnlarveränderung‘ i st zu
sie falsch gedeutet. Andeutungen über die h erv o r­ unbestimmt. Wenn das Material dauernd durch Stülsc
ragenden Verdienste B a u s c h i n g c r s , T c t i n a j e r s w eit über die E lasticitätsgrenzc hinaus beansprucht
und M a r t e n s auf unserem Gebiete sind gegeben w ürde, miifsten wohl Aenderungen in d e r L agerung
in meinem „Maschinenwesen, element. Lehrbuch d er Molecüle (Schlacken- und Eisen-) eintreten.
zur Einführung in die Maschinenwissenschaftei), die ** N ähere A ngaben zu finden in meinem „Ma­
K inem atik, die Elasticitäis- und F estigkeitslehre' schinenwesen“ 1895 unter „Elasticitäts- und F e stig ­
1895. S. *19 u. ff. keitslehre“, S. 54.

Die Holilgescliosse der Artillerie und das Verfahren


Seimige-Hemmis zu deren Herstellung-.

Das S c h ul t e - I I o mmi s s c h e Verfahren zur hat, welche die Höhlung erhalten soll, und nun
Herstellung von Hohlkörpern aus schmiedbaren das bis zur Schmiedbarkeit erwärmte offene Ende
Metallen* bezweckt, dem Hohlraum die verlangten des Werkstücks in einem Gesenk durch Schlag
Abmessungen so genau zu geben, dafs ein Nach­ oder Druck soweit schliefst, dafs eine Oeffnung
arbeiten desselben entbehrlich ist. Der Erfinder von kleinstem Durchmesser, etwa 2 bis 3 mm,
will dies dadurch erreichen, dafs er in ein bleibt. Der Kernkörper soll demnächst durch
durch Drehen, Pressen oder Walzen als einseitig Ausschmelzen entfernt werden und mufs deshalb
geschlossenen Holilcylinder hergeslelltes Werkstück aus einem Stoff bestehen, dessen Schmelzpunkt
einen Kernkörper einsetzt, der genau die Form niedriger liegt, als der des Stahls. Der Erfinder
hat zwar Rothgufs gewählt, dessen Schmelzpunkt
* Ü. H .-P . S3701. Vergl. bei 1050° , also tiefer liegt, als der des Stahls
Stahl und Eisen“
1895, Nr. 23, S. 110t. oder Flufseisens, aber durch Versuche festgestellt,
1. Juli 189G. Die Hohlgesehossc der Artillerie u. s. w. Stahl und Eisen. 501

dafs auch Metalle und Melalllegirungen verwendbar nicht denkbar ist. Das könnte nur geschehen,
sind, die schon bei viel niedrigerer Temperatur wenn die Höhlung des Geschosses vom Boden
schmelzen, z. B. Aluminium (600 0 G.), oder Kupfer oder vom Kopfe her im ganzen Querschnitt zu­
( 5 0 0 0 G. ); selbst Blei ist geeignet, das schon gänglich und Boden oder Geschofskopf nach dem
bei 3 3 5 ° C. schmilzt, und sogar ein Kern aus Füllen des Geschosses, wie es heute vielfach ge­
hartem Holz, dessen Oberfläche mit einer Natron­ schieht, auf- oder eingesebraubt werden. Gerade
wasserglaslösung getränkt ist, läfst sich verwenden. diese Einrichtung soll durch das neue Verfahren
Die letztgenannten Stoffe machen nur eine geschickte beseitigt werden.
und schnelle Ausführung der Arbeit erforderlich, um Um die dargebotene Erfindung in ihrer prak­
diese zu vollenden, bevor das Abschmelzen des tischen Bedeutung für den Artilleristen würdigen
Kernes durch die Wärme des Werkstücks beginnt. zu können, scheint es uns zwecktnäfsig, zunächst
S c h u l t e - H e m m i s meint, dafs „durch den einen Blick auf die Geschosse zu werfen, deren
Kernkörper, zur Erzielung eines dicken Bodens sich die Artillerie heute bedient, denn erst damit
oder einer starken Haube, eine Widerlage verschaffen wir uns einen Mafsstab für
geschaffen ist, die bei der hohen Pressung die Würdigung des Neuen.
in geschlossenem Gesenk dem Material Die Hohlgeschosse der Artillerie sind
eine Dichtigkeit und Festigkeit verleibt, die entweder Granaten oder Schrapnels, von
beschossenen und verschossenen Körpern denen die ersteren vermöge ihrer Durch­
an Stellen der Aufschlagflächen entspricht. schlags- und Sprengkraft, die letzteren
Diese Vortheile sind für das Wesen der dadurch wirken sollen, dafs sie vor dem
Geschosse und Sprengkörper von hervor­ Ziele in der Luft zerspringen und ihre
ragender Bedeutung.“ — befreiten Füllkugeln, sich ausbreitend im
Hiermit ist der Erfinder aus dem all­ Weiterfluge, den Feind überschütten. Die
gemeinen, etwas wesenlosen Gebiete der Granaten sollen also hauptsächlich gegen
„Hohlkörper“ zu den Hohlgeschossen der feste Ziele und lebende Ziele dicht hinter
Artillerie hinübergelreten und giebt uns Deckungen, die Schrapnels gegen frei­
damit Gelegenheit, sein Herstellungsver­ stehende oder mangelhaft gedeckte lebende
fahren für solche Geschosse daraufhin Ziele wirken. Die nothwendige Arbeits-
näher zu betrachten, welche Vortlieile es theilung für die Granaten hat im allge­
sind, die aus seiner Anwendung die Ar­ meinen zu zwei verschiedenen Gonstruc-
tillerie gewinnen würde. Das erscheint tionen der letzteren geführt, den Zünder­
uns hier nicht am Unrechten Platze, weil granaten und den Panzergranaten, aber
die Eisenhüttenleute es in der Hand haben, bei den ersteren noch eine weitere Unter­
durch technische Verbesserungen ganz ge­ te ilu n g erfordert. Die gufseiseme Granate,
waltige Umgestaltungen im Waffen- und mit Schwarzpulver gefüllt und einem Auf­
Kriegswesen zu erzwingen. Wir wollen als schlagzünder im Kopf, war lange Zeit das
Beispiel, vorweggreifend, nur auf die Ver­ Hauptgeschofs, und bei der deutschen
drängung der gufseisernen durch stählerne Feldartillerie im Kriege 1870/71 sogar
Geschosse für Geschütze liinweisen. das einzige Hoblgeschofs, bis nach Ver­
Bevor wir aber in diese Betrachtungen besserung des Brennzünders das Sclirapnel
eintreten, müssen wir noch die erweiterte hinzutreten konnte. Die fortschreitende
Anwendung der Erfindung auf besondere Entwicklung der Geschütze, die lediglich
Geschofsconstructionen erwähnen, von eine gröfsere Geschofswirkung bezweckt,
denen Schulte - Hemmis sich einen be­ forderte bald ein geeigneteres Geschofs
deutungsvollen Gewinn für die Artillerie verspricht, als Träger seiner Arbeitskraft. Das Geschofs
und die auch in den Patentanspruch eingeschlossen mufste, ohne Vergröfserung seines Durchmessers,
ist. Er will in die Höhlung des einzuziehenden schwerer werden und eine gröfsere Sprengladung
Hohlkörpers mit dem auszuschmelzenden Kern fassen; so entstanden Granaten bis zu 6 Kaliber
einen die eigentliche Höhlung für die Spreng­ Länge. Das Gewicht der 15-cm-Granate stieg
ladung umschliefsenden Mantel einsetzen, der bei beispielsweise von 27 auf 51 k g , ihre Länge
der einen Construction aus lauter Ringstücken von 2 auf 4,5 bis G Kaliber. Dazu aber sind
besteht (siehe Abbild. 1), bei der ändern eine gufseiserne Granaten wenig geeignet, weil sie
dünnwandige Hülse bildet, welche den Zweck dicke Wände nöthig haben, um dem Stofs im
hat, einen Zwischenraum herzustellen, der mit Geschützrohr beim Schiefsen widerstehen zu
runden Schrapnelkugeln ausgefüllt wird (siehe können, sie fassen demnach eine verhältnifsmäfsig
Abbild. 2). Es leuchtet ein, dafs keins dieser kleine Sprengladung und leisten dennoch den
Ringstücke und keine der Fiillkugeln sich aus dem Gasen der aus kräftigen Sprengstoffen bestehen­
Geschofs entfernen läfst, ohne dasselbe zu zer­ den Sprengladung einen ungenügenden Wider­
trümmern, dafs also auch ein Einbringen derselben stand für deren Verwerthung. Sie werden von
in das Geschofs n a c h dem Einziehen des Kopfes einer Sprengladung aus Schiefswolle oder Pikrin­
XIII.,5
502 Stahl und Eisen. T>ie Hohlgeschosse der Artillerie u. s. «>. 1. Juli 189Ü.

säure* in unzählige, aber ihrer Kleinheit wegen seine Sprengwirkung hinter dem Panzer zur Geltung
unwirksame Sprengslück'e zertrümmert. Stahl­ bringen zu können, mufs es sich erst einen Weg
granaten liefern dagegen viel weniger, aber wirk­ durch denselben schallen, wie die Zündergranate
samere Sprengstiicke. durch andere, weniger feste Ziele.
Die Kruppsche Fabrik, welche zuerst mit dem Wesentlich andere Einrichtungen verlangt das
Verlängern der Granaten vorging, fertigte bereits Schrapnel für seine Wirkungsweise; von ihm wird
gegen Ende der siebziger Jahre Stahlgranaten so wenig Durchschlagsfestigkeit des Geschosses,
ohne Schweifsung aus einem Stück. Zur Minen­ wie eine Spreng- oder Minenwirkung gefordert,
wirkung sind für Mörser 5 bis (i Kaliber lange cs soll nur mittels seiner Füllkugeln und Spreng-
Minen- oder Torpedogranaten gebräuchlich, die stiieke wirken. Der Geschofsmantel soll also nur
in Rücksicht auf einen möglichst grofsen Hohl­ als Gefäfs dienen, welches die Füllkugeln sicher
raum nur sehr geringe Wanddicke haben, deren zum Sprengpunkte trägt und hier dieselben freigiebt.
Kopf aber zum Einbringen der Sprengladung früher Selbst wenn die Sprengladung zur Ausbreitung der
aufgeschraubt wurde. Diese Granaten Füllkugeln nicht beitrüge, würde die
waren es, welche zum Umbau der Achsendrehung des Geschosses wäh­
Festungen, zum Verstärken ihrer Gewölbe rend seines Fluges dieselbe schon
und Einführung der Panzerungen in die bewirken. Jede dieser Schrapnelkugeln
Binnenlandsfestungen zwangen. verfolgt n u n , zunächst mit der End­
Die gufseiserne Granate sollte im geschwindigkeit des Schrapnels im
Festungskriege sowohl gegen Erde und Augenblick seines Zerspringens, eine
andere Deckungen, als auch gegen die mehr oder minder von der Flug­
hinter diesen Deckungen lebenden Ziele richtung des Schrapnels abweichende
durch ihre Sprengstiicke wirken. Bei der Bahn, die in ihrer Gesammtheit den
Feldartillerie war zur Vermehrung der Raum eines Kegels — Streuungskegel —
SprengstückedieDoppelwand- und später ausfüllen, dessen Spitze im Sprengpunkt,
die Ringgranate (von Uchatius erfunden) dessen Grundfläche im Ziel liegt und
aus Gufseisen eingeführt worden. Sie dessen Achse die verlängerte Flugbahn
werden aber in der Wirkung ihrerSpreng- bildet. Es ist selbstredend, dafs auch
stücke vom Schrapnel, in ihrer Minen­ hierin eine gewisse Rcgelmäfsigkeit herr­
oder Splitterwirkung von den mit Spreng­ schen mufs, weil davon das Erreichen
stoff gefüllten Stahlgranaten weit über­ der beabsichtigten Wirkung abhängt.
troffen. Die deutsche Feldartillerie führt Die Wirkung selbst ist im einzelnen
deshalb keine ‘gufseiserne, sondern nur abhängig von der Trefl'kraft (lebendigen
noch Stahlgranaten, aber in anderen Ar­ Kraft) der Schrapnel(Fiill)kugeln, im
tillerien sind die Doppelwand- und Ring­ ganzen von der Anzahl derselben.
granaten und in der deutschen Festungs­ Daraus geht hervor, dafs es zweckmäfsig
und Belagerungsartillerie auch die ein­ ist, die Wanddicke des Schrappelmantels
fachen Wandgranaten aus Gufseisen noch auf ein Mindestmafs zu beschränken, um
gebräuchlich — aus Sparsamkeitsrück­ an innerem Raum zu gewinnen. Schon
sichten. Die Zukunft gehört aber auch hieraus ergiebt sich die Notwendigkeit
hier der Stahlgranate neben dem Stalil- der Verwendung von Stahl zu ihrer Her­
schrapnel. stellung. Auch darin ist Krupp voran­
Während die Zündergranaten das Abbild. 2. gegangen. Die von ihm gegen Ende
Mundloch zum Einbringen der Spreng­ der siebziger Jahre gefertigten Stahl-
ladung und zur Aufnahme des Zünders in der Spitze schrapnels hatten gleichzeitig ein von der damals ge­
des Kopfes tragen, haben die Panzergranaten ein bräuchlichen abweichende, in Oesterreich aber bereits
Bodenloch, weil eine OeiTnung in der Geschofsspitze Anfang der sechziger Jahre versuchte Einrichtung.
diese schwächen und zum Durchschlagen eines Er verlegte die Sprengladung in eine Bodenkammer,
Panzers untauglich machen würde; darin aber welche dadurch gebildet wurde, dafs die Wand am
besteht die Hauptaufgabe des Geschosses, denn um Boden in gewisser Höhe eine gröfsere Stärke nach
* M e l i n i t (Frankreich) ist geschmolzene Pikrin­wolle b at sich ebenso ungeeignet zu Geschofsspreng-
sä u re; in dem in Oesterreich zu Sprengladungen I ladungen erwiesen, wie Dynamit, Nitroglycerin, Spreng­
gebräuchlichen „ E c r a s i t “ und dem englischen gelatine und die verwandten Sprengstoffe, weil sie
. L y d d i t * bildet Pikrinsäure den H au p tb estan d teil. durch den Stofs der Geschützladung bereits im Geschütz
Die deutsche Granatfüllung G/SS ist reine Pikrinsäure, zur Explosion gebracht werden. Dem Mil'slingen aller
durch sie ist auch die früher gebräuchliche nasse dahingehenden Versuche, die besonders von den
Schiefswolle ersetzt worden. Die Schiefswolle wurde Amerikanern mit einer so zähen Ausdauer, die einer
in geprefsten Scheiben vom Durchmesser der Gesehofs- besseren Sache Würdig wäre, bis in die Gegenwart
höhtung, oder in kleinen Prismen verwendet, mit fortgesetzt wurden, verdankt die vielgenannte Zalinski-
denen die Geschofshöhlung angefüllt und die dadurch sche Dynamitkanone ihr Entsehen. Sie hiefse richtiger
iestgelegt wurden, dals man die Zwischenräume mit Druckluftgeschütz, weil sie mittels stark verdichteter
flüssigem Karnaubawachs ausgofs. Trockene Schiefs­ Luft ihre mit Dynamit gefüllten Geschosse forttreibt.
1. Juli 1896. Die Hohlgeschosse der Artillerie n. s. 10. Stahl und Eisen. 503

innen erhielt; auf den dadurch entstandenen Absatz Kopfes in hydraulischer Presse, sondern in der
wurde eine nach oben etwas gewölbte Platte vom Verwendung eines ausschmelzbaren Kernes hierbei
Durchmesser der Höhlung gelegt. Die Sprengladung zu suchen; dieser Kernkörper aber ist nothwendig,
in der so gebildeten Bodenkammer wird durch um die eigenthümliche Füllung in den Geschofs-
eine Zündleitung in der Achse der Geschosse, mantel einzuschliefscn, die sich nach dem Ein­
in welcher die Kammerscheibe ein Loch hat, ent­ ziehen des Kopfes nicht einbringen und ohne
zündet. Die Geschofshiillc soll gleichsam als Mörser Anwendung des Kernkörpers auch nicht in
dienen, aus welchem die Kugelfüllung durch die centraler Lage erhalten lassen würde. Hierin
Bodenkämmerladung hinausgeschossen wird. Die liegt unseres Erachtens der Schwerpunkt der
Schrapnelkugeln erhalten dadurch eine nicht un­ Erfindung und ist deren Bedeutung zu suchen,
wesentliche Steigerung der Fluggeschwindigkeit, die an welche sich, nach den Angaben des Herrn
bis zu 60 m betragen kann. Diese Schrapneleonstruc- S c h u 11 e - H e m m i s , noch einige anderweite
tion ist heute viel, auch in Deutschland, jedoch nicht Vortheile anschliefsen.
bei den Feldschrapnels, gebräuchlich, Betrachten wir zunächst das in Fig. 1
letztere haben noch eine Mittelkammer, dargestellte, mit Ringslücken gefüllte Ge-
welche die Sprengladung aufnimmt und die schofs. Es gleicht in seiner Construction
vom Zünder bis zum Boden reicht. Sie soll genau den sogenannten Segmentgranaten
die Geschofshülle nur gerade zerreifsen, (Fig. i) , die seiner Zeit bei den Armstrong-
um die Kugelfüllung frei zu machen, schen H i n t e r ladungs - Feldgeschützen,
letztere aber nicht mehr als nöthig aus­ die 1865 durch das Woohviehgeschütz
einander zu treiben, damit die Kugeln (ein Vorderlader) verdrängt würden, das
eine ihrer Wirkung günstige Ausbreitung alleinige Geschofs waren. Es war der
erhalten. Die Feldschrapnels haben daher erste Versuch, den Gedanken des Einheits-
nur wenige Millimeter Wanddicke, ebenso gcschosses für die Feldartillerie zu ver­
dieBodenkammersclirapnels vor der Boden­ wirklichen, eines Ideals, dem auch unsere
kammer. Die Füllkugeln sind überall heutigen Artilleristen noch immer zu-
Rundkugeln aus Blei oder Hartblei, deren streben. Sowohl diese, wie die in Fig. 2
Zwischenräume in Deutschland mit einem dargestcllte Construction erwecken den
stark rauchenden Satz ausgefüllt sind, Gedanken, als ob Hr. S c h u l t e - H e m m i s
welcher durch seinen dicken Qualm die mit ihnen dieses Problem zu lösen be­
Beobachtung des Sprengpunkles erleich­ absichtigte. Er nennt diese schrapnel-
tern soll. artigen Geschosse „ Lang g ra na t en mit
Was nun die Herstellung der Granat- Einlagen“. Die Segmentgranate ist in
und Sehrapnelmäntcl aus Stahl betrifft, England bald aufgegeben worden und
so geschieht sie jetzt wohl allgemein ein- hat nirgend Nachahmung gefunden, weil
schliefslich des Einziehens des Kopfes in das Geschofs den nothwendigen Anfor­
hydraulischer Presse mittels Gesenkes oder derungen nicht entsprach. Ihre Spreng­
Matrize, ganz ähnlich wie die der Stalil- wirkung ist für eine Granate zu- gering,
flaschen. Die nothwendige Verstärkung weil die Ringstücke den Raum für die
des Kopfes ergiebt sich durch das Zu- Sprengladung zu sehr beeinträchtigen.
sammendrängen des Metalles zum Kopfe Für ein Schrapnel ist die den Hohlraum
von selbst. Unseres Wissens kommt hier­ füllende Sprengladung zu grofs, weil sie
bei ein aussclimelzbarer Kernkörper nicht Abbild. 3 . die Sprengkörper zu sehr auseinander
zur Verwendung und findet andererseits treibt, so dafs von einer Sprenggarbe
auch eine Nachbearbeitung der Höhlung nicht kaum die Rede sein kann. Noch bedenklicher aber
statt, wir glauben auch nicht, dafs die heutige Art ist die für einen Flugkörper ungünstige Form der
des Füllens sie notlnvendig macht. Die Herstellung Fiillstücke, deren Flugbahnen viel zu unregehnäfsig
der Geschosse aus Stahlgufs ist, seiner Porosität I sind, als dafs mit ihnen gerechnet werden könnte.
wegen, nicht unbedenklich, besonders bei Verwen­ | Dieser Grund war entscheidend für ihre Abschaffung,
dung der neueren Sprengstoffe zur Sprengladung. denn die Höhlung hätte sich für eine geringere
Das Eigenthümlichste der Schulte-Hemmissclien Sprengladung wohl verkleinern lassen.
Erfindung ist aber auch nicht in der Herstellung Die zweite Construction mit den runden
der Geschofsmäntel,* und in dem Einziehen des Schrapnelkugeln könnte, abgesehen von der sehr
| grofsen Sprengladung, günstiger für eine regel-
* Es sind verschiedene Verfahren zur Herstellungmäfsige Sprenggarbe sein ,' wenn die sehr starke
von geschofsartigen Hohlkörpern in Deutschland Kammerhülse, die von der Sprengladung zunächst
patent irt worden. Das bekannteste und am meisten zerrissen werden mufs, die Ausbreitung der Kugel­
genannte ist wohl das Ehrhardtsche Lochverfahren
der Rheinischen Metalhvaareniuhrik in Düsseldorf.
füllung nicht nachtheilig beeinflufst, was durch
Wir nennen ferner das Verfahren von Hesse — Schiefsversuche festgestellt werden müfste. Die
D. R.-P. 7G80 — „Stahl und E ise ir 1894, S. 1139, u. a. vom Erfinder gewählte Bezeichnung „Langgranat e
50t Stahl und Eisen. Die llöhlgeschossc der Artillerie u. s. w. 1. Juli 1896.

mit Kugeleinlagen“ (letztere sind Bleikugeln mit Kommen dermaleinst ein dynamischer, oder in
Stahlmantel) dürfte darauf schliefsen lassen, dafs anderer Weise wirkender Zünder und ein Spreng­
von ihm eine schrapnelartigc Wirkungsweise, stoff zur Verwendung, die ein engeres Mundloch
welche stets durch eine kegelförmige Sprenggarbe brauchen, so läfst sich dem leicht Rechnung tragen.
der Kugelfüllung charakterisirt ist, überhaupt nicht Die beim Einziehen des Kopfes stattfindende
beabsichtigt wurde. Dann glauben wir, dafs Verdichtung, ob 'gering oder von Belang, kommt
dieses Geschofs (in den Abbild, von 15 cm Kaliber) den Panzergranaten zu gute, deren Wirkung zu­
den Wunsch der Artilleristen nicht erfüllen wird, nächst im Durchdringen des Panzerzieles und so­
der gegen lebende Ziele ein Schrapnel mit grofser dann im Zerspringen innerhalb des gepanzerten
Kugelfüllung, gegen feste Ziele eine Sprenggranate Raumes bestehen soll. Durchschlagsfestigkeit ist
von grofstmöglicher Sprengwirkung verlangt. daher die Haupleigenschaft einer Panzergranate,
Wir möchten nicht unerwähnt lassen, dafs die sie besitzen mufs, die Sprengwirkung ergiebt
Schulte - Hemmis auch eine Lang g r a n a l e mit sich dann, sozusagen, von selbst. Wie schwer
Ringstück- und Kugeleinlagen Und Bodenkammer aber eine hinreichende Durchschlagsfestigkeit der
(siehe Abbild. 3 ), für b r i s a n t e n Sprengstoff Panzergranaten gegen die neuesten gehärteten
construirt hat. Das ist unseres Wissens Panzerplatten zu erreichen ist, das ist
eine neue Idee; bisher fand, wie wir vor­ wiederholt in dieser Zeitschrift zur Sprache
stehend ausgeführt haben, die Bodenkammer gekommen. Die Verdichtung dieser Ge-
nur bei Schrapnels, nicht bei Granaten, An­ schofsspitze durch Pressen wird hierzu
wendung, mit Ausnahme bei den vom kaum mehr beitragen, als die durch
Grusonwerk vor Jahren versuchten Grana­ Schmieden erlangte nach bisheriger Weise.
ten, die mit Hellhoffit gefüllt waren. Dieser Ob nun aber die Einlage von Ringstücken,
flüssige Sprengstoff bestand aus Dinitro- die Hr. Schulte-Hemmis den Panzergranaten
benzol [C«l-Ii(NOi)s] und Salpetersäure. Da zur Begünstigung ihrer Sprengwirkung
die Mischung beider Flüssigkeiten baldiger ebenso geben will, wie den Langgranaten,
Selbstzersetzung unterworfen ist, so wurden nicht ebenso die Durchschlagsfestigkeit des
sie im Geschofs durch eine Scheidewand Geschosses, wie die Sprengkraft durch Ver­
getrennt, welche der Stofs der Geschütz­ kleinerung des Hohlraums beeinträchtigt,
ladung zertrümmerte, worauf die Ver­ das würde wohl noch erst durch Versuche
mischung der Flüssigkeiten während des festzustellen sein.
Geschofsfluges eintrat. Der Mifserfolg dieses Abbild, 4. Was nun den starken Kopf der Lang-
Versuchs sollte zu einer Wiederholung nicht granate und dessen Verdichtung, die an sich
anregen. Die Dicke der Kammerplatte in der Boden- problematisch erscheint, durch das Pressen betrifft';
kammergranate von Schulte-Hemmnis schliefst auch worauf Schulte-Hemmis einen grofsen Werth zu
jedes Zertrümmern derselben aus. Die in der Zeich­ legen scheint, da er diese Vortheile besonders her­
nung angedeuteten Brandlöcher in der Bodenplatte vorhebt, so möchten wir vor einer Ueberschätzung
und die vom Mundloch zur Bodenkammer führende, derselben abrathen. Zum Durchschlagen d er Ziele,
in die Kammerplatte und das Mundloch einge­ gegen welche Zündergranaten gebraucht werden,
schraubte Mittelkammer erleichtern auch das Ver­ ist ein mäfsig starker Kopf, wie ihn z. B. die
ständnis der Wirkungsweise dieses Geschosses Kruppschen Langgranaten besitzen und der er­
nicht, wie sie vom Erfinder beabsichtigt ist. heblich schwächer äst, als der in vorstehenden
Der Erfinder scheint besonderen Werth darauf Abbildungen, vollkommen ausreichend, er steht
zu legen, dafs das Einziehen des Kopfes bis auf auch im Verhältnis zur Stauchungsfestigkcit des
eine Oeffnung von kleinstem Durchmesser zur cylindrischen Geseliofstlieils. Eine Verstärkung
Ausführung kommt. Wir möchten hierin keine des Kopfes, welche noch durch den schweren
Besonderheit erblicken, denn für die Weite des Doppelzünder an Gewicht vermehrt wird, ver­
Mundlochs bleiben einstweilen für den oberen schiebt die Schwerpunkllage des Geschosses, die
Theil der Zünder und für den unteren das be­ nicht ohne Einflufs auf das ballistische Verhalten
queme Einbringen der Sprengladung maßgebend. desselben bleibt. j . Castner.
I. Juli 1890. Z u r Versichernmjspßichi der „Techniker“. Stahl und Eisen. 505

Zur Yersicherungsjfficlit (1er „Techniker“.


Zeichner, Techniker und Ingenieure, welche „Belriebsbeamte oder Handlungsgehiilfen noch als
eine gewisse Vorbildung erlangt haben, sind dem „anderweitig von der Versicherungspflicht Befreite
Arbeiter-Versicherungs-Gcsetz n i c h t unterworfen. „bezeichnen und greift man deshalb nothgedrungen
Seitdem das Gesetz, betreffend die Invaliditäts­ „auf den allgemeinen Ausdruck »Gehülfen«, so
und Altersversicherung, vom 22. Juni 18S9 in „darf deshalb noch nicht die Folgerung gezogen
Kraft getreten, hatte ich für alle auf meinem „werden, dafs dieselben, weil das Wort „Gönfllfe“
technischen Bureau Beschäftigten Marken ein­ „unter § 1 Nr. 1 steht, unter allen Umständen
geklebt, bis dieselben ein Jahresgehalt von 2 0 0 0 J(i „versicherungspflichtig seien.
bezogen; die Hälfte des jeweiligen Markeiiwerlhes „ Di e g e n a n n t e n T e c h n i k e r s i n d n a c h
erstatteten mir die Angestellten. „dem Sinn und W i l l e n d es G e s e t z e s vom
Im Laufe des vorigen Herbstes überstiegen „22. J u n i 1889 f ü r n i c h t v e r s i c h e r u n g s -
die Einnahmen zweier meiner Herren die Jahres- „ p f l i c l i t i g zu e r k l ä r e n . “
einnalime von 2 0 0 0 J(> und wurden für die­ Hiergegen erhob der Vorstand der Invaliditäts­
selben Marken nicht mehr eingeklebt. und Altersversicherungs-Anstalt Hannover am
Bei einer im December 1895 vorgenommenen i. Februar 189ü Beschwerde bei der Regierung
Revision der Quittungskarten meiner Angestellten in Osnabrück.
bemängelte der Inspector der Invaliditäts- und Diese fragte am 19. Februar 1S96 nach der
Altersversicherungs-Anstalt Hannover diese Unter­ Ausbildung und Beschäftigung der bei mir An­
lassung und führte aus, dafs die bei mir An­ gestellten.
gestellten weder als B e t r i e b s b e a m t e noch als In meiner Beantwortung dieser Verfügung
H a n d l u n g s g e h ü 1f c n anzusehen seien und führte ich nun am 27. Februar 1890 aus, dafs
dafs deshalb auf sie der Absatz 2 des § 1 des die bei mir Beschäftigten a u f G r u n d d e s
Gesetzes vom 22. Juni 1889 Anwendung nicht T h e i 1s IV d e r A u s f fl h r u n g s v e r o r d n u n g e n
linde. Ich wurde hiergegen am 23. December v o m 31. O c t o b e r 1890, betreffend den Kreis
1S95 auf Grund des § 122 des Gesetzes vom der nach dem Invaliditäts- und Altersversicherungs-
22. Juni 1SS9 bei der unteren Verwaltungs­ Gesetz versicherten Personen, ü b e r h a u p t n i c h t
behörde, in diesem Falle deshalb bei dem zu d e n zu v e r s i c h e r n d e n P e r s o n e n g e ­
Magistrat der Stadt Osnabrück, vorstellig, und h ö r t e n , für dieselben also überhaupt nicht ge­
führte aus, dafs die bei mir Beschäftigten als klebt zu werden brauche, gleichgültig, ob die­
, G e h o l f e n “ anzusehen seien, und dafs ihnen selben weniger oder mehr als 2 0 0 0 -M Jahres­
der beschränkende Zusatz zu g 1 Absatz 2 des einnahme hätten.
Gesetzes vom 22. Juni 1889 zu gute kommen Der betreffende Theil des Absatzes IV dieser
müsse, sobald dieselben eine Jahreseinnahme von Verordnungen lautet:*
2000 hätten. „Diejenigen Personen dagegen, welche nicht
Der Magistrat erklärte unter dem 6 . Januar „mit ausführenden Arbeiten vorwiegend materieller
1890 Folgendes: „Art, sondern mit einer ihrer Natur nach höheren,
,Im § 1 Nr. 1 sind für versicherungspflichtig „mehr geistigen (wissenschaftlichen, künstlerischen
„erklärt Arbeiter, Gesellen, Gehülfcn u. s. w., „u. s. w.) Thätigkeit beschäftigt werden, und
„ohne dafs wegen des Lohnes oder Gehalts ein „durch ihre sociale Stellung über den Personen-
„Zusatz gemacht wäre; im § 1 Nr. 2 sind für „kreis sich erheben, der nach dem gewöhnlichen
„versicherungspflichtig erklärt Betriebsbeamte und „Sprachgebrauch und vom Standpunkt wirth-
„Handlungsgehilfen, deren regelmäfsiger Jahres- „schaftlicher Auffassung dem Arbeiter- und niederen
, arbcitsvei'dieiist 2 0 0 0 J i nicht übersteigt. Darnach „Betriebsbeamtenstande angehört, unterliegen nicht
„sind Belriebsbeamte und Handlungsgehiilfen, so^ „der Versicherungspflicht. “
„weit sie nicht mehr als 2 0 0 0 J t verdienen, den Der Entscheid der Regierung vom 8 . März
„Arbeitern und Gehülfen gleichgestellt. Es wird 1896 lautete:
„also im Gesetz angenommen, dafs Arbeiter und „Die Beschwerde des Vorstandes vom v. M.
„Gehülfen nicht, mehr wie 2 0 0 0 JC verdienen, „gegen den Bescheid des hiesigen Magistrats vom
* „oder anders, dafs Personen, welche mehr als „6 . Januar d. J., betreffend die Versicherungspilieht
„2000 J i an Lohn oder Gehalt bekommen, „der beim Ingenieur F r i t z W. L ü r m a n n hier
„keine Arbeiter, Gesellen und Gehülfen mehr sind. „beschäftigten Techniker H e i n r i c h S c h i f f e r und
„Das Gesetz will nur diejenigen für ver- „Arno Hu t h , ist für begründet nicht zu erachten.“
„sicherungspflichtig erklären, welche weniger als
„2 0 0 0 <J6 an Lohn oder Gehalt erhalten. Lassen
* Götze, Taschenkalender zum Gebrauch bei
„sich nun, wie im vorliegenden Falle, Personen, Handhabung der Arbeiter-Versicherungsgesetze 1896,
„welche über 2 0 0 0 ~Ji verdienen, weder als Theil II, Seite 114
506 Stahl und Eisen. Bericht Hier in- und ausländische Patente.. 1. Juli 1896.

,Z\var genügen die Ausführungen des ange­ „genossen haben, so darf ihrer Thätigkeit doch
griffenen Bescheides nicht, um die dort getroffene „schon deswegen die Eigenschaft einer höheren,
„Entscheidung zu rechtfertigen. Auch können „mehr geistigen, nicht abgesprochen werden,
„die beiden Techniker, wie die Beschwerde zu­ „weil ähnliche Stellungen bei anderen Unter­
treffend ausführt, a ls B e t r i e b s b e a m t e n i c h t nehm ungen gleicher Art üblicherweise durch
„g e l t e n und aus d i e s e m Grunde im Hinblick „jüngere akademisch gebildete Kräfte (z. B. Re-
„auf § 1 Ziffer 2 des Invaliditäts- und Alters- „gierungsbauführer) eingenommen werden, vergl.
„versicherungs - Gesetzes wegen ihres 20 00 J b „Hermann Gebhardt, die nach dem Invaliditäts-
„übersteigenden Jahresgehalts der Versicherungs- ,und Altersversicherungsgesetze versicherten Per­
, pflicht sich nicht entziehen. Aber sie fallen so n e n ( 1803) , zu Ziffer IV der Anleitung, An­
„auch nicht — wie der Vorstand annimmt — m erkung 13. D ie T e c h n i k e r S c h i f f e r u. s. w.
„unter die bei Ziffer 1 des § 1 genannten Personen. “ „sind d a h e r auf Grund i hre r g e g e n w ä r t i g e n
„Dafs sie zur Kategorie der Ar b e i t e r n i c h t „ S t e l l u n g der I n v a l i d i t ä t s - und A l t e r s -
„gehören, bedarf keiner Erörterung. Sie sind aber „versicherungspfiicht nicht unterworfen.“
„auch keine Geholfen im Sinne des Gesetzes, Nachdem so festgestellt war, dafs die Herren,
, denn als solche können, wie die »Anleitung des welche als Techniker auf meinem Bureau be­
„ReichsVersicherungsamtes« vom 31. October 1890 schäftigt, nicht versicherungspdichtig sind, also
„ausführt, diejenigen Personen nicht gelten, »welche bis dahin auch nicht w aren, beantragte ich die
„nicht mit ausführenden Arbeiten vorwiegend R ü c k z a h l u n g de s B e t r a g e s der für die Be­
„materieller Art, sondern mit einer ihrer Natur treffenden verwendeten Marken.
„nach höheren, mehr geistigen Thätigkeit be­ Auch diesem Antrage ist Folge gegeben und
schäftigt werden und durch ihre sociale Stellung h a t d ie R ü c k z a h l u n g s t a t t g e f u n d e n .
„über den Personenkreis sich erheben, der nach Wie mir bekannt, werden nicht nur für
„dem gewöhnlichen Sprachgebrauch und vom Techniker, welche auf technischen Mittelschulen
„gewöhnlichen Sprachgebrauch und vom Stand- ihre Ausbildung gefunden haben, sondern auch
. punkt wirthschaftlichcr Auffassung dem Arbeiter­ für Betriebsbeamte, und auf Gonstructionsbureaus
kind niederen Belriebsbeamtenstande angehört.« beschäftigte Ingenieure, welche auf technischen
„Die hier gegebenen Begriffsmerkmale treffen auf Hochschulen ausgebildet sind, Versicherungsmarken
„die Techniker Schiffer u. s. w. zu, wie aus der ein geklebt.
„Eingabe des Ingenieurs Lürmann vom vorigen Nach Vorstehendem kann diese Verwendung
„Monat an den hiesigen Magistrat, deren 2. Aus- von Versicherungsmarken eingestellt und der
„führung ich nebst Anlagen mit der Bitte um bisher dafür verwendete Betrag zurückverlangt
„Rückgabe an den Magistrat beifüge, erhellt. werden.
„Wenn sie, was insbesondere ihre Beschäftigung O s n a b r ü c k , im Juni 1896.
„anlangt, auch k e i ne a k a d e m i s c h e Vorbildung Fritz II'. Lünnann.

Bericht über in- und ausländische Patente.


Kl. 49, F 8593. Mit Gewichtsdruck arbeitende
Patentanmeldungen, Kaltsäge. Benno Fischer, Cannstatt.
welcho von dem angegebenen Tage an w ä h r e n d z w e i e r 18. Juni 1896. Kl. 18, R 10216. Ausmauerung
M o n a te zur Einsichtnahme für Jedermann im Kaiserlichen für Winderhitzer. Rheinische Chamotte- und Dinas-
Patentamt in Berlin ausliegen. werke. Ahtheilung Bendorf, Bendorf a. Rh.
Kl. 20, J 3953. Eisenbahn-Wagenschieber. Peter
Henry Jacobus, Millstadt, Grafschaft St. Clair, JH.,
11. Juni 1896. Kl. 5, G 5961. Maschine zur Ge­V. St. A.
winnung anstehenden Gebirges mittels rotirender Kl. -48, II 16818. Verfahren zur elektrolytischen
Schneidscheiben, deren Achsen einen Winkel mit­ Darstellung von Metallen in Gestalt eines porösen
einander bilden. A. Caleri, St. Petersburg. aber festen Niederschlages; Zus. z. Anm. II. 16090.
Kl. 18, M i l 803. Verfahren zur Herstellung von Dr. L. Höpfner, Berlin.
Eisenschwamm. Walter Mills, London. KI. 81, B 1S576. Stellbarer Anschlag für Seil­
Kl. 35, H 15857. Flaschenzug mit Stahl- oder bahnwagen. Basse & Selve, Altena i. W.
Seilbaud statt Lastkette. Josef Holub, Weinberge-Prag. 22. Juni 1896. Kl. IS, S 9029. Verfahren zur
Kl. ¿9, H 16521. Gesenk zum Schweifson und direkten Darstellung des Eisens aus seinen Erzen.
Kalibriren von Kettengliedern. H. d'Hone, Duisburg. Emil Servais, Luxemburg, u. Paul Gredt, Esch a. Alz.
15. Juni 1896. Kl. 19, B 17 989. Vorrichtung Kl. IS, Sch 11081. Verfahren zur Kohlung und
zum Herausziehen von Schienen- und anderen Nägeln. Desoxydation von Fiufseisen. F. Schotte, Berlin.
11. Bössing, Braunschweig. Kl. 20, G 10544. Buffer-Kegelfeder. Emil Grund,
Kl. 40, S 9128. Verfahren zur Darstellung von Köln-Nippes.
pulverförmigem Metall. Société civile d’études du Kl. 31, X 3758. Formmaschine zum Formen von
syndicat de l'acier Gérard, Paris. Rohr-Pafsstücken. Curd Nube, OfTenbacli a. M.
1. Juli 1896. Bericht Uber in- und ausländische Patente. Stahl und Eisen. 507

Kl. 4-9, B 17 810. Vorrichtung zum Führen zu KI. 5, Nr. 85780, vom 3. April 1895. J. B o l a n d ,
schweifsender Röhren und dergl. an ihren Schweifs­ G. W. F r i t z , II. F. D o r i s und J. J. M c C l o s k e y in
kantin. Eduard Blafs, Essen a. d. Ruhr. W a s h i n g t o n (V. SI. A.). Schrämwerkzeug m it zwei
sich drehenden Messerscheiben.
Gebrauchsmuster-Eintragungen.
15. Juni 1S96. Kl. 5, Nr. 57 90t. Form-, Schneid-
und Schlichtstempcl enthaltende Vorrichtung zur H er­
stellung von Steinbohrern mittels Maschinenarbeit.
Dr. J. Schanz & Co., Berlin.
Kl. 20, Nr. 57 943. Schienenverbindung für elek­
trische Bahnen mit Durchführung durch die Lasche.
Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, Berlin.
Kl. 31, Nr. 58218. Aus Schmiedeisen gebogenes Die beiden Messerscheiben a b sind wie gezeichnet
Formmodell für Riemscheibenkränze mit offenem auf der Welle c gelagert und stehen unter sich durch
Stofs und in diesen einzusetzenden Zwischenstücken. Kegelradverzahnung d in Eingriff, so dafs bei Drehung
Eduard Liebich, Berthelsdorf bei Reibnitz in Schles. der oberen Scheibe a durch das auf der Welle c
Kl. 49, Nr. 58000. Gesenk mit Ober- und U nter­ sitzende Kegelrad e, die Scheibe a die Scheibe b dreht.
stempel für Kessclstirnwände. Hörder Bergwerks­
und llüttenverein, Hörde.
Kl. 31, Nr. 85787,
Kl. 49, Nr. 58110. Geprefste Mulde für Förder-,
vom 10. August 1895.
Feldbahn- und Kippwagen. Siebecksche Stanzwerke,
E d w ill G a r n e r in
Gesellschaft m. b. 11., Bochum.
K ö l n - S ü l z . Form ­
22. Juni 1S96. Kl. 31, Nr. 58354. Kernstütze,
kasten.
deren Platte eine Warze zur Aufnahme des Stütz­
stahes trägt. H. F. G. Mölck, Hamburg. Zur genauen Cen-
Kl. 49, Nr. 58205. Korb aus Bandeisen oder trirung der Form ­
kasten a b sind die­
Stahlblechstreifen mit Mittelrippe und am R ande des
selben mit Lappen cd
tellerförmig gedrückten Blechbodens befestigten Enden.
v erseh en , in deren
Herm ann Franken, Schalke i. W.
seitliche Einschnitte,
die auf beiden Seiten
des Kastens entgegengesetzt liegen, der Bolzen e sich
Deutsche Reichspatente. einlegt und vermittelst der Flügelmuttcrschrauben i
festgehalten wird.
Kl. 49, Nr. 80118, vom 14. Mai 1895. A. V o fs
se n . in S a r s t e d t . Verfahren der Ausfütterung KI.5, Nr. 85(567 und S5OOS, vom 18. Aug. 1895:
metallener Behälter m it Behältern aus anderem Metall. Zusatz zu Nr. 82 718 (vergl. „Stahl und Eisen“ 1895,
In den innen verzinnten Eisenkessel wird ein S. 1018). E. T o m so n in D o r t m u n d . Fördereinrichtung.
aufsen verzinnter Nickelkessel eingesetzt; danach Die Druckcylinder der Hülfsfördergestelle a b c d
werden beide'K essel bis zum Schmelzen des Zinn- sind paarweise mit einem Druckcylinder e derart
loths erhitzt und der Nickelkessel durch Dampfdruck verbunden, dafs bei Verschiebung des Kolbens f durch
zur festen Anlage an den Eisenkessel gebracht.

Kl. 49, N r .80375, vom 17. August 1895. H e i n r .


E h r h a r d t in D ü s s e l d o r f . Walzwerk fü r Kessel­
schüsse und Hinge.

Um endloses Walzeisen (Ringe u. s. w.) sowohl


nach der Länge als nach der Breite zu strecken,
wird eine der Walzen parallel der Walzrichtung um
einen in der Mitte des Kalibers gelegenen Punkt in
Oscillation versetzt. Dies kann durch Excenter be­
wirkt werden.
i eine Dampf- oder dergl. Maschine i das eine P aar
a c bezw. b d sich hebt und das andere sich senkt.
Kl. 18, Nr. 80007, vom 5. März 1895. F i r m a
Statt des einfachen Kolbens f kann auch ein
F r i e d . K r u p p in E s s e n a. d. R u h r . Verfahren
DifTerentialkolben g angeordnet werden, so dafs bei
zu r Dcsoxydirung sauerstoffhaltiger Metalle oder
Metallleginingen. Eröffnung des Hahnes »i die vollen Hülfsfördergestelle
Das flüssige Metall erhält während des Giefsens die leeren Gestelle heben, während nach Schliefsung
von m durch Verstellen des Schiebers n Druckwasser
oder vor demselben einen Zusatz, bestehend einer­
seits aus Aluminium oder Magnesium und Mangan auf die eine oder andere Seite des Kolbens g treten
kann, um die Gestelle beliebig zu heben und fest­
oder einem anderen geeigneten Metall und anderer­ zustellen.
seits aus Silicium oder einem anderen Element,
welches mit diesen Metallen und dem zu entfernenden
Sauerstoff eine möglichst leichtflüssige Schlacke bildet. Kl. 10, Nr. S o837, vom 18. October 1S95.
Diese Schlacke steigt an die Oberfläche des Gusses W m . S c h ö n i n g i n S t r a m s u n d (Norwegen). Ver­
und hält diesen rein und blasenfrei. Als Zusatz für fahren zu r Verkohlung von Torf.
Stahlguls wird empfohlen: 5 % Al, 10% Mn, 10% Si Der Torf wird zwischen Platten oder Walzen,
und 75 % Fe. welche derart erhitzt sind, dafs die Verkohlung des
Torfes einfritt, geprefst.
50S Stahl und Eisen. Bericht Uber in- und ausländische Patente. 1. Juli 1896.

Kl. 7, N r. 8 5 7 3 t, vom 26. Juli 1895. H e i n r i c h gasen von a bei i in den Herdraum gelangt, um hier
B o s e n t h a 1i n I I a u s a c h , Baden. Blechwalzen- mit der hei o eintretenden heilsenLufl. sich zu mischen
strafse m it durch Seile angelriehenen Walzen. und zu verbrennen.
Am Walzengerüst ist
eine Vorgelegewelle a
angeordnet, deren Seil­ K l .' 5 , N r. SO 1(U, vom 13. September 1S95-
scheiben b durch endlose B. M. D a e l e n i n D ü s s e l d o r f . Hohle Katnmuialze
Seile mit Seilscheiben c mit innerem A n g riff der Kuppelspindel*
sowohl der Ober- als ■ Die Kjämmwalze a ist hohl und in dieser Höhlung
auch dertlnterw alze der­ der Kuppelspindel b entsprechend geformt. Letztere
art verbunden sind, dafs w ird zuerst nur ein kurzes Stück — wie es zur
letztere entgegengesetzte Kraftübertragung gerade notliwendig ist — in die
Drehungsrichtung
haben. Beim Verstellen
der Oberwalze wird ver­
mittelst der Stange e
gleichzeitig die Spann­
rolle i verstellt, so dafs
die Treibseile stets straff
bleiben.
hohle Kammwalze a eingeschoben, während der
Kl. 4-i), Nr. 855)11, vom 2S. Juni 1895. G. H. übrige Theil ihrer Höhlung durch ein Füllstück e
K e n n i n g iri l n v e r g l o y (Kent, England). Ver­ mit Deckel d ausgcfüllt wird. Sind die Angriffs­
fahren der Herstellung von Bädern aus Blech. flächen von a b verschlissen, so werden eine längere
Kuppelspindel b eingesetzt und damit neue Angriffs­
flächen gewonnen, bis die Kammwalzenhöhlung auf
ihrer ganzen Länge ausgenulzt und verschlissen ist,
wonach auch die Kammwalze a ersetzt werden mufs.

Kl. 40, N r. SO220, vom


13. Juni 1895. D r. W a l t e r
Ratlienau in Berlin.
Elektrischer Schmelzofen.
Die Elektrode a wird
von einem das Schmelz­
material b aufnehmenden
T richter e aus Kohle um ­
geben , um a gegen zu
schnelle Verbrennung zu
schützen und Kanäle i zur Ableitung der Stich­
Vorgeprefste oder ebene Blechscheiben a werden flamme herzustellen.
aufeinander gelegt, wonach um dieselben in einer
Presse ein Blechcylinder c herumgebördelt wird, so
dafs ein starres Ganzes ensteht. Die B äder können KI. 4 9 , N r. SO 103, vom 25. August 1891.
als Möbelrollen und dergleichen Verwendung finden. II. W. G a b b e t t - F a i r f a x i n L o n d o n . Verfahren
zum Härten von Stahlplatten und dergl.
Erhitzte Panzerplatten, Geschosse, Eisenbahn­
Kl. 24, Nr. 85738, vom 10. August 1S95. C a r l radreifen und dergl. werden der Wirkung von Kälte-
S c h w a l m e u n d F. B ü s t a i n Z a b r z e , O.-S. crzeugungsmitteln derart ausgesetzt, dafs letztere
Petroleum-Generatorfeuerung fü r Flammöfen. die abzuschreckenden Gegenstände nicht d i r e c t b e ­
Eine Bostfeuerung a erhitzt die. Mulde b, wonach r ü h r e n . Die Skizze zeigt z. B. eine Einrichtung
die Feuergase zum Theil in den Gasraum c, zum Theil

zum Abschrecken einer Panzerplatte a. Danach wird


die Panzerplatte a zwischen zwei m it Kälteerzeugungs­
mitteln gelullte Behälter b c gelegt, wovon die untere c
lest liegt und die obere b in Führungen lieh- und
senkbar ist. Die die Panzerplatte a berührenden
zum Wärmespeicher d für die Verbrennungsluft ge­ Wände der Behälter b c sind aus Kupferblech. Diese
langen und dann zur Esse gehen. In die von unten Wände können stellenweise verschiedene Stärke haben,
hocherhitzte Mulde b (liefst durch das Bohr e aus um die Abschreckung mehr oder weniger stark ein-
Ireten zu lassen.
dem Behälter f P etroleum : dasselbe verdampft und
strömt nach c, von wo es gemischt mit den Feuer- * Vergl. „Stahl und Eisen“ 1S9G, Seite 279.
1. .fuli 1890. Statistisches. Śtahl und Eisen. 509

Statistisches.

Statistische Miltlieilungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller.


Erzeugung der deutschen Hochofenwerke.
Monat April 1896.
G ru p p e n - Bezirk.
Werke. Erzeugung.
Tomieu.
Nordwestliche G r u p p e ......................... 40 74 192
(Westfalen, Rheinl., ohne Saarbezirk.)
Ostdeutsche G r u p p e .............................. 10 28 195
(Schlesien.)
P u d d e l- Mitteldeutsche G r u p p e .........................
(Sachsen, Thüringen.)
lio lie is e n 2
Norddeutsche G r u p p e .......................... 491
11n ( I (Prov.Sachsen, Brandenb., Hannover.)
Süddeutsche G ru p p e.............................. 7 19 121
S p ic fje l- (Bayern, Württemberg, Luxemburg,
Hessen, Nassau, Elsafs.)
e ise n .
Sädwestdeutsche Gruppe . . . . . . 7 26 242
(Saarbezirk, Lothringen.)
Puddel-Roheisen Summa . 66 1-48 241
(im März 1896 66 159 002)
(im April 1895 63 120 763)
Nordwestliche G r u p p e ......................... 5 35 823
Ostdeutsche G r u p p e .............................. 1 3 181
Mitteldeutsche G r u p p e .........................
B e sse in e r- Norddeutsche G r u p p e ......................... 1 4 Otó
Süddeutsche G ru p p e .............................. 1 1 210
lio lie lis e ii.
Bessemer-Roheisen Summa . 8 44 259
(im März 1S9G 8 4G 013)
(im April 1895 11 51 236)
Nordwestliche G r u p p e ......................... 18 125 015
Ostdeutsche G r u p p e .............................. 3 13 911
Norddeutsche G r u p p e ......................... 1 14 189
T h om as" Süddeutsche G ru p p e .............................. 7 36 000
R o lic is e ii. Südwestdeutsche G r u p p e ..................... 8 75 000
Thomas-Boheisen Summa . 37 204 805
(im März 189G 3G . 281 405)
(im April 1895 34 227 891)
Nordwestliche Gruppe . ...................... 13 30 548
Ostdeutsche G r u p p e ............................. 5 G 186
G rie fs to v c l- Mitteldeutsche G r u p p e .........................
B o lie is e n Norddeutsche G r u p p e ......................... 2 3 214
und Süddeutsche G ru p p e .............................. 6 25 049
Südwestdeutsche G r u p p e ...................... 4 10 094
C riiis T w a n i^ e ri
I . S chm elzung. Giefserei-Roheisen Summa . 30 81091
(im März 1896 28 64 077)
(im April 1S95 34 70 530)
Zusam m enstellung.
Puddel-Boheisen und Spiegeleisen . . 148 241
B e sse m e r-R o h e ise n .................................. 44 259
T h o m as-B o h eisen ...................................... 204805
Giefserei-Roheisen...................................... 81 091
Erzeugung im A p ril 1896 ...................................... 53S 396
, im A p ril 1895 .................'.................... 470 420
„ im M ürz 1896 ...................................... 551 157
„ vom 1. Ja n u a r bis 30. A p ril 1896 2 098 751
, vom 1. Ja n u a r bis 30. A p ril 1895 1 875 843

X III.IS 4
51Û Stalli und Éisen. Berichte iii>er Versammlungen aus Fachvereinen. 1. Juli 189G.

Berichte über Versammlungen aus Fachvereinen.


land und speciell Hamburg w ar es auch, welche dem
Institution of Naval Architects. Bau der grofsen Doppelschraubendampfer den Weg
gebahnt habe. Grofsbritannien und Deutschland w ett­
Die Vereinigung hielt ilire diesjährige Sommer­ eifern darin, das handeltreibendste Volk zu sein.
versammlung in Deutschland ab, wie dies durch zahl­ Ihre „Rivalität“ habe die Gultur bis in die fernsten
reiche, zum Tlieil von recht überflüssigen Erörterungen Länder getrag en , und England begrüfse diese
begleitete Nachrichten durch die Tagespresse bekannt „Rivalität“ mit Freuden, da die gesunde, ehrliche
geworden ist. Ohne uns auf diese einzulassen, sei Concurrenz die beste Förderung der Bestrebungen
nur festgestellt, dafs erfreulicherweise dadurch die darbiete. Das deutsche Volk sei dem englischen nahe
Empfangs-Ausschüsse, welche die Vorbereitungen in verwandt durch Abstammung und Sprache, England
Hamburg, Berlin und Stettin getroffen, sich in keiner und Deutschland seien stets gemeinsam bestrebt
Weise haben beeinflussen la ssen, sondern ruhig gewesen, ihre Unabhängigkeit allen Anderen gegen­
ihren Weg gegangen sind. Dadurch und dank dem über zu behaupten. Beide Nationen streben nicht
Umstande, dafs sich unser, im vorigen Ja h r zum nach eitlem Ruhm, sondern wollen friedlich neben­
Ehrenmitglied der Institution gewählter Kaiser aller­ einander wirken. Redner schliefst mit dem Aus­
höchst persönlich betheiligte, hat das Fest einen für drucke des Wunsches, dafs die beiden Nationen stets
alle Theilnehmef äufserst befriedigenden und glanz­ Hand in Hand gehen mögen, als Pioniere der
vollen Verlauf genommen. Civffisation des Christenthums und des Friedens.
Selbst angesehene Fachblätter, wie „Engineering“, (Lebhaftes Bravo!)
fallen aus ihrer gewohnten Rolle, indem sie die Ober-Ingenieur F r a n z A n d r e a s M e y e r -Ham bürg
W ärme und Herzlichkeit des Empfangs betonen und hielt darauf einen Vortrag über „Die maritime Lage
dem nicht sachlichen Theil der Veranstaltungen und die Charakteristik der Häfen von H am burg“.
lange Berichte widmen. E r giebl eine Schilderung der Entstehung der Stadt
Wir unsererseits nehmen hiervon um so lieber und ihrer Lage an der Elbe und der Entwicklung
Notiz, als in dieser Zeitschrift stets der Standpunkt der maritimen und handelspolitischen Verhältnisse
vertreten wurde, dafs für die Vertreter der deutschen von ihrem Anfang an bis auf die Gegenwart, und
Technik, sofern sie diese weiter vervollkommnen und bringt ein reiches statistisches, geographisches und
auf der Höhe der Zeit erhalten wollen, absolutes handelspolitisches Material bei zur Beurtheilung der
Erfordernifs ist, mit ihren ausländischen Fachgenossen jetzigen Lage der Hamburger Häfen und des H am­
rege und freundschaftliche Beziehungen zu un ter­ burger Handelsgetriebes.* Sodann spricht der um das
halten. Wir bezeugen daher auch unseren Freunden, Gelingen der Zusammenkunft unermüdlich thätig ge­
welche sich an den genannten Orten der Mühe­ wesene Präses der Hamburger Handelskammer, Rheder
waltung des Empfangs unterzogen haben, im Interesse C. F. L a e i f s , über „den Schiffbau in Deutschland“.
deutscher Technik aufrichtigen Dank, und w ir schätzen An beide Vorträge, von welchen der letztere an a n ­
sie glücklich, dafs sie dabei der allerhöchsten P ro ­ derer Stelle dieser Nummer im Wortlaut wiedergegeben
tection sich zu erfreuen hatten. ist, schlossen sich kurze Discussionen, in denen insbeson­
Die Reihe der Veranstaltungen nahm ihren dere die Gäste den deutschen Einrichtungen ihre A ner­
Anfang am ö. Juni mit einer internen Versammlung kennung aussprachen. B. Ma ' r t e l l , w eicherzw ar seine
in St. Pancras-Station in London, am Abend schiffte grofse Verehrung für Hrn. L a e i s z bekundet, zugleich
sich die Gesellschaft, welche einschl. Damen 400 auch meint, dafs dieser ihn wegen der Klassificirung
Personen zählte, auf dem von der Hamburgisch- der Tankdampfer arg auf die Füfse getreten habe,
Amerik. Packetfahrt-Act.-Ges. zur Verfügung gestellten ist der Ansicht, dafs gegenüber dem billigeren Schiff­
Doppclschraubendampfer „Fürst Bismarck“ in Tilbury baum aterial und billigerer Kohle, welche den Eng­
ein und traf Montag Vormittag, nach prächtiger Fahrt ländern zur Verfügung ständen, die deutschen Werlte
durch die geschmückten Elbufer und begrüfst von den Vortheil niedrigerer Löhne und längerer Arbcils-
unzähligen Menschenschaaren, in Hamburg ein. Vor­ schichten sowie der neueren W erkseinrichtungen be-
mittags fand eine R undfahrt durch den Hafen und sätsen. Bei B io h m & V o f s ist dem Sprechenden
eine Besichtigung der bekannten Schiffsbauwerfte ein bei F r i e d . K r u p p hergestellter, trefflich ge­
von B i o h m & Y o f s , deren treffliche Einrichtungen arbeiteter Vordersteven aufgefallen. Sir W m. W h i t e
ihren tiefen Eindruck auf die Gäste nicht verfehlten, führt noch aus, dafs er bei einer kürzlich angestellten
am Abend eine Vergnügungsfahrt auf der Alster statt. Berechnung gefunden habe, dafs bei einem Torpedo­
Am Dienstag wurde in Ludwigs Concerthaus die boot 70 bis 75 % der Kosten aus Löhnen beständen
erste Sitzung eröffnet, welche mit einigen Begrüfsungs- h ä tte n ; der grofse Einflufs der in Deutschland um 25 %
ansprachen begann. Bürgermeister M ö n c k e b e r g , billigeren Löhne liege daher auf der Hand. A. D e n n y
der die Gäste namens der Stadt Hamburg willkommen spricht der Werlt von B io h m & V o f s ebenfalls
hiefs, wies auf den maritimen Aufschwung Deutsch­ unumwunden hohe Anerkennung aus, sie habe ihre
lands in den letzten Jahrzehnten hin. Der Präsident Lehrer, die Engländer, überholt, namentlich sei man
der Gesellschaft, Earl of H o p e t o u n , betonte in seiner in Deutschland iu Bezug auf die Gefälligkeit der
Erwiderung: die „Institution of Naval Arcliitects“ sei Form voraus. Sodann hält Ingenieur L y o n e i C l a r k ,
keine englische, sondern eine mehr cosmopolitische London, an der Hand einer grofsen Anzahl von A b­
Einrichtung, sie zähle Mitglieder in allen schiffahrt- bildungen einen Vortrag über „Die neuesten Verbesse­
und schiffbautreibenden Ländern. Die Nationalität rungen an den Docks und den Dock-Einrichtungen“.
spiele in ihr keine Rolle, und wenn in den Zeitungen Die Fortsetzung der Sitzungen erfolgte auf be­
wirklich einmal etwas von Frictionen unter ihnen sondere Einladung des deutschen Kaisers in Berlin.
gesprochen würde, so schwänden diese, sobald die
gemeinsamen Interessen zu behandeln seien. — Aus * Vergl. den Vortrag des geschätzten Redner
den Vorträgen werde man ersehen, dafs Deutschland welchen derselbe im Jahre 1888 vor dem „Verein
in dem Fache enorme Fortschritte macht und jetzt deutscher Eisenliüttenleute“ gehalten hat. „Stahl
bereits Kopf an Kopf mit England marschirl. Deutsch­ und Eisen“ 18S8, Nr. 10, Seite «50.
1. Juli 189ß. Berichte ilber Versammlungen aus Fachvereinen. Stuhl und Eisen. 511

Die Gesellschaft traf mittels Sonderzuges am 10. Juni mit Bewunderung. Und wer ist der Künstler, der
in Berlin ein; von Reichs wegen wurde zu ihren denkende, bildende, ausführende Schöpfer dieser Kunst­
Ehren am Abend im neuen Königl. O perntheater eine w erke? Es ist der Naval Architect, und die Ver­
Festvorstellung gegeben, in welcher der 2. Aufzug einigung dieser Naval Architects, deren gröfste
von T annhäuser und ein Ballet zur Aufführung Repräsentanten wrir zu unserer gröfsten Freude liier
kamen und an welche sich eine Begrüfsungsfeierlichkeit unter uns sehen, ist es, der wir unsere Huldigungen
in den Nebensälen anschlols. darbringen. Nachdem Council und Members der
Zu der am folgenden Tage statthabenden Fest­ Institution beschlossen hatten, sich zu ihrem Summer-
sitzung in der Technischen Hochschule in Charlotten- Meeting in Deutschland zu vereinigen, betrachtete
bürg empfingen der Rector Prof. M ü l l e r - B r e s l a u das Deutsche Reich es als eine Ehrenpflicht, dieser
und Prorector Geh. R ath S l a b y sowie Geh. R ath hohen Versammlung einen ihrer Bedeutung ent­
W e h r e n p f e n n i g das englische Präsidium und sprechenden Empfang zu bereiten und aus der
geleiteten dasselbe nach dem Lichthof, wo sich in ­ allergnädigsten Anwesenheit unseres vielgeliebten
zwischen die Mitglieder versammelt und auch Ab­ Herrschers, Ihres huldvollen Ehrenmitgliedes, wollen
geordnete der Studirenden Aufstellung genommen Sie erkennen, welches Interesse Ihnen von dieser
hatten. allerhöchsten Stelle entgegengebracht wird. (Leb­
Nachdem zwischen Rector und Lord Hopetoun hafter Beifall folgte bei der deutschen Rede, bei
herzliche Begrüfsungsreden gewechselt worden waren, deren Uebersetzung sich die Versammlung erhebt,
begaben sich die inzwischen erschienenen Minister um dem Kaiser eine begeisterte Huldigung d a r­
v o n B o e t t i c h e r und Dr. B o s s e sowie der Rector zubringen, für die der Herrscher durch Erheben und
zum Empfang des Kaisers nach dem vorderen Portal. Verneigen dankt.) Und wenn Sie die Mühe nicht
Pünktlich fuhr der Kaiser, der die Uniform eines scheuen wollen, sich bekannt zu machen mit der
Grolsadmirals der englischen Armee angelegt batte, Arbeitsthätigkeit und den Arbeitsergebnissen Ihrer
mit Admiral v. Senden-Bibran und dem Oberst deutschen Collegen, so werden Sie uns die An­
v. Scheele vor und begab sich alsdann nach dem erkennung nicht versagen, dafs auch deutscher Fleifs
Lichthöfe, wo er sofort auf den Lord Hopetoun zutrat und deutsche Schaffenslust die weltverbindende
und ihn mit herzlichen W orten bewillkommnete. In Schiffbaukunst zu fördern gewufst haben. (Zu­
feierlichem Zuge wurde sodann der Kaiser nach der stimmung.-) Möge Ihre diesjährige Arbeit, der Sie
Aula geleitet. Den Zug «öffneten die Mitglieder des sich auf deutschem Boden und in Gemeinschaft mit
Ausschusses der Studirenden mit gezogenem Schläger, Ihren deutschen Berufsgenossen unterziehen, von
alsdann folgten paarweise die Mitglieder des akade­ denselben erspriefslichen Erfolgen gekrönt werden,
mischen Senats, als letzten der Rector und Prorector, welche bisher alle Ihre Versammlungen in höchstem
die unmittelbar vor dem Kaiser einherschritten. Die Mafse ausgezeichnet haben.“ (Lebhafter Beifall.)
Minister und die Präsidenten und Councilmitglieder der Im Namen der Engländer antwortete Lord Ilope-
Institution schlossen sich dem Kaiser an. Für den toun. Er dankte dem Kaiser für sein Erscheinen,
Kaiser w ar seitlich vom Tisch der Präsidenten an der dem Comité für den herzlichen Empfang und der
Fensterwand ein kleiner Tisch aufgestellt. Nachdem Regierung für ihre Liebenswürdigkeit. „Wir wissen,
der Kaiser sich noch kurze Zeit mit dem Staatssekretär welches Interesse der deutsche Kaiser an Schiffs­
Hollmann unterhalten hatte, nahm er hier Platz, angelegenheiten nimmt, wir schätzen ihn als F ach­
während mit Präsident Hopetoun die Minister mann, und w ir bewundern seine tiefe fachmännische
v. Bötticher und Bosse, Staatsseeretär Hollmann und Kenntnifs. W ir in England wissen das zu schätzen.
der Rector Prof. Müller-Breslau am Präsidententisch W ir blicken in England mit freudigem Interesse und
sich niederlielsen. Zur Begrüfsung nahm nunmehr grofser Bewunderung auf die Entwicklung der
Staatsseeretär Ilollmann das Wort. Er sagte u. A .: Schiffbaukunst in Deutschland, die in verhältnils-
» -Ich darf wohl mit Fug und R echt und ohne mäfsig kurzer Zeit einen so bedeutenden Aufschwung
jede Uebertreibung die Behauptung aufstellen, dafs genommen hat. Deutschland ist heute eine jener
das Schiff in sich die gröl'ste Leistung des mensch­ kräftigen Nationen in Europa, die zur Erhaltung des
lichen Wesens darstellt. Jedes Schiff für sich ist Friedens berufen sind, jenes Friedens, unter welchem
eine Welt, die alle Erfindungen der Technik für ihre allein H a n d e l , K u n s t und W i s s e n s c h a f t ge­
Ziele und Zwecke sich dienstbar macht. So sehr deihen können. Um so mehr haben w ir V eran­
uns auch die Erhabenheit monumentaler Meisterwerke lassung zu freundschaftlichem und gedeihlichen Zu­
gefangen hält, sie sind doch festgemauert in der sammenarbeiten mit dem deutschen Volke.“
Erde und an sich ein lebloses Werk. Anders das
(Schlufs folgt.)
Schiff. Das Schiff ist ein lebendes Wesen, welches
berufen ist, den Kampf mit den Elementen zu führen
und seine höchste Vollendung zu zeigen. Aus der
W ucht des Sturmes, aus dem erschütternden Anprall Iron and Steel Institute.
der Wogen soll dieses Schiff siegreich hervorgehen.
Uebersehauen w ir die Gebiete der Schiffbaukunst: (Schlufs von Seile
hier das mächtige starke Panzerschiff der Neuzeit,
welches in sich schliefst alle Kampfmittel in unge­
Am folgenden Tage kam zuerst ein Vorlrag des
ahnter Vollendung, hier der gigantische transatlantische
Chefchemikers von Neuberg, Barons H a n s J t t p t n e r
Dampfer, der die Länder verbindet, der Menschen v o n J o n s t o r f f , zur Verlesung. Er umfaste:
und Güter m it einer Sicherheit und Schnelligkeit be­
fördert, von der w ir noch vor kurzem keine Ahnung D ie Einführung' einheitlicher analytischer Methoden
hatten; weiter hier das stolze tunfmastige Klipper­
für die Untersuchung des Eisens.
schiff, welches uns die fast verschwundene Herrlich­
keit der Segelschiffahrt wieder ins Leben zu rufen ln ähnlicher Weise wie s. Z. auf dem inter­
scheint, und endlich hier die schlanke, dem Segel­ nationalen Congresse in Zürich im September 1895
sport gewidmete Rennjacht, auf welcher das Auge wurde in diesem Vortrage die Nothwendiglceit der
des Erzeugers mit Entzücken ruht, welche alle See­ Einführung einheitlicher chemischer Methoden aus­
leute mit Bewunderung anschauen, und die ihre Segel einandergesetzt und durch zahlreiche Analysen be­
spannt, um in heifsem W ettbewerb den Preis zu wiesen. Der Verfasser theilt die Fehlerquellen der
erringen, man weifs nicht, welchem Gebiet man die bisherigen Untersuchungen in acht Abtheilungen ein.
Palme des Sieges geben soll, vor allen stehen wir Die e r s t e Abtheilung umfafst die groben Fehler in
512 Stahl und Eisen. Berichte über Versammlungen aus Fachvereinen. 1. Juli 1896;

der Analyse, welche sich durch zweckmäßige Ent- I portes der Proben hin und zurück, sowie für U nter­
nalnne richtiger Proben vermeiden liefsen, d i e z w e i t e i haltung der Correspöndenz mit den einzelnen Mit­
die Anwendung unreiner Reagentien, die d r i t t e gliedern und dem Präsidenten der Commission eben­
Irrthüm er, welche in mangelhaften A pparaten zu falls ein Betrag von 30000 J i in Anspruch zu
suchet) seien, unter denen ganz besonders Fehler nehmen sein. Sollte im ganzen auf der Erde die
der Waagen und Mefsinstrumente betont w urden; die Zahl der sich an den Untersuchungen betheiligenden
v i e r t e Fehler, welche aus Vernachlässigung der Werke auf 300 angenommen werden können, so
Volumencorrectionen und solche, welche durch würde für jedes Werk der nur geringe Betrag von
Adhäsion der Flüssigkeit an Glasgeiäfsen entständen, etwa 200 M im Jahre entfallen. Auch wenn die
ferner Irrthümer, welche durch falsche Operationen Zahl der beisteuernden Werke zu hoch angegeben
herbeigeführt wurden, z. B. Nichtberücksichtigung der sei, würde der Betrag nicht ein zu grofser werden,
Eigenschaften der Filter u. s. w. Die f ü n f t e Ab­ müsse aber auf mindestens 10 Jahre festgelegt sein.
theilung bezieht sich auf I r r t h ü m e r i n d e n Diese Vorschläge fanden, wie gesagt, allgemeinen
a n a l y t i s c h e n M e t h o d e n . Um diese handelt es Anklang, und es wiirae namentlich die Errichtung
sich gegenwärtig ganz besonders, während s e c h s t e n s eines Laboratoriums in der Schweiz unter der Leitung
persönliche Irrthüm er, welche aus Unfähigkeit oder des bewährten Frhrn. v. J ü p t n e r als ein sehr glück­
Gewissenlosigkeit entstehen, natürlich nur durch licher Gedanke bezeichnet, welcher auf alle Weise zu
Gontrole zu vermeiden sind. Eine s i e b e n t e Fehler­ unterstützen wäre. Der Vorsitzende gab a n , dafs
quelle liegt in den Irrthürnern durch Anwendung seiner persönlichen Ansicht nach es gar keine Schwierig­
verschiedener Atomgewichte, eine a c h t e , wieder keit haben würde, die erforderlichen, verhältnifs-
sehr wichtige, in dem Mangel an Gleichartigkeit der mäfsig geringen Mittei durch die Eisenwerke auf­
Theile einer und derselben Probe. zubringen, und dafs auch das „lron and Steel Institute“
Die Nothwendigkeit, Abhülfe in den jetzt be­ aus seinem disponiblen Fonds von 8000 £. gern eine
stehenden Ungleichförmigkeiten zu schaffen, wurde erhebliche Summe für diese Zwecke zu bewilligen
bei der lebhaften Besprechung dieses allgemein sehr bereit wäre. Auch die Anschauung, dafs diese Summen
lobend anerkannten Vortrags von allen Seiten leb­ auf mindestens 10 Jahre festgestellt sein müfsten, um
haft zugestanden. die Betheiligten zu sichern, erregte keinerlei Bedenken.
Auf Aufforderung des Vorsitzenden setzte im So ist denn zu hoffen, dafs, wenn man eine geeignete
Laufe der Besprechungen Dr. H. W e d d i n g aus­ Localität in Zürich oder einer anderen schweizerischen
einander, was seit dem internationalen Gongresse in Stadt für die Errichtung des Laboratoriums finden
Zürich im Jahre 1895 von ihm, der von dem Vor­ kann, der weiteren Ausführung des entwickelten
stande des Congresscs zum Präsidenten einer be­ Planes keine Hindernisse entgegenstehen würden.
sonderen Commission für die chemische Untersuchung Es sei hier bemerkt, dafs bei der Rückreise von
ernannt sei, und Herrn Frhrn. Jöptner v. Jönstorff, London Dr. H. W e d d i n g diese Ergebnisse einer
der ihm zur Seite gegeben sei, bisher geschehen von Ingenieur S c h r ö d t c r nach Duisburg be­
wäre. Er sagte, dafs von ihnen beiden an zahlreiche rufenen Versammlung des dem „Verein deutscher
Chemiker aller Länder geschrieben sei, und dafs ein Eisenhüttenleute“ angehörigen chemischen Ausschusses,
grofser Theil derselben, unter ihnen auch sein hier der sich schon seit Jahren mit den gleichen Aufgaben
im Vorstände anwesender Freund Snelus, sich gern beschäftigt hat, vortrug.
bereit erklärt hätte, die Leitung solcher U nter­ Der Ausschul's, welcher bereit ist, noch nach
suchungen als Ehrenam t zu übernehmen, wenn ihnen Möglichkeit für eine gleichartige Betheiligung in an ­
gewisse Summen zur Verfügung gestellt würden, um deren Eisenbezirken, namentlich in Oberschlesien
Geholfen zu bezahlen für Arbeiten, die unter ihrer und an der Saar, zu w irk e n , erklärte sich zur that-
Leitung ausgeführt werden müfsten und für deren Aus­ kräftigen Mitarbeit an den vorzunehmenden U nter­
führung ihnen selbst Zeit nicht verbliebe, dafs ferner suchungen u. s. w. gern bereit, hält es aber für
allgemeine Zustimmung der Vorschlag gefunden hätte, zweckmälsig, sich nur, was Dr. H. W e d d i n g eben­
alle diese Arbeiten zusammenlliefsen zu lassen in die falls für ganz unbedenklich erklärte, als Ganzes an
Hand der beiden Vorsitzenden zur Berichterstattung den Arbeiten zu betheiligen und die Ergebnisse der
für den nächsten Congrefs, vor allen Dingen aber, Untersuchungen der einzelnen Mitglieder durch
ein Oberlaboratorium unter der Leitung des Hrn. seinen Vorsitzenden S c h r ö d t e r an das Präsidium
Jüptner v. Jönstorff zu schaffen, welches lediglich gelangen zu lassen. Die Assistentenbesoldung, meinte
den Zweck der Prüfung der von den einzelnen Mit­ m a n , würde in Deutschland durch die Werke selbst
gliedern endgültig vorgeschlagenen Methoden und der besorgt w erden, so dafs daher besondere Summen
Anregung zu weiteren Fortschritten haben solle. nicht aufzubringen seien; was das in Zürich zu
Damit vollständige lnternationalität gewahrt bleibe, schaffende Laboratorium betrifft, so stand der Aus-
sei dieses Laboratorium am besten in der Schweiz schufs auf dem Standpunkt, dafs ein solches Labora­
und wegen der Verbindung mit wissenschaftlichen torium zur rascheren Förderung der Arbeiten sehr
Kräften ersten Ranges in Zürich zu errichten. empfehlenswerth sei, wenn die Mittel dafür beschafft
Namentlich dieser letzte Vorschlag fand ungetheilte werden könnten. Ferner erachtete die Commission
Zustimmung. Freilich seien, sagte der Redner, um es nicht nur für wünschenswerth, sondern für nolh-
diese Ziele zu erreichen, nicht unerhebliche Mittel wendig, die Bearbeitung der einzelnen zu bestimmenden
erforderlich; für die Geholfen der Analytiker, zu Körper n a c b e in a n d e r und nicht, wie ursprünglich
welchen zweckmälsig hauptsächlich solche Männer beabsichtigt wrar, nebeneinander vorzunehmen.
zu w ählen seien, die durch ihre in der Praxis auf Dr. H. W e d d i n g steht im Augenblicke in
Eisenhüttenwerken erworbenen Kenntnisse einen voll­ Verbindung mit dem Präsidenten des Verbandes,
ständigen Einblick in die Bedürfnisse der Eisen­ Professor von T e t m a j e r , um die sich wegen Be­
industrie hätten, w ürde nach Angabe der befragten schaffung der nöthigen Räumlichkeiten in Zürich
Herren im ganzen etwa eine Summe von 30000 M noch bietenden Schwierigkeiten zu erledigen.
erforderlich sein, die vielleicht zweckmäßiger weise Bereit zur Mitarbeit als Leiter haben sich bisher
von den einzelnen Ländern je nach Bedarf auf­ endgültig erklärt die H erren:
gebracht würde. F ü r das Laboratorium in Zürich Brunner-Lausanne, Carnot-Paris, Garrison-
würde für die Besoldung des Chefchemikers, zweier Philadelphia, H ad fie ld -S h eflield , K ast-K arlsru h e,
Assistenten und eines Dieners, ferner für die Be­ d e K ö n in c k -L ü ttic h , L u n g e -Z ü ric h , M a t t h e w -
schaffung und Unterhaltung der nöthigen Apparate, m a n - Glasgow, Pu fa h l-B e rlin , S n e l u s - Ernmer-
Reagentien und Tragung der Unkosten des T rans­ dale, S t e a d- Middlesborough,
1. Juli 1896. Berichte über Versammlungen aus Fachvcrcinen. Stahl und Eisen. 513

sowie der ständige Ghemiker-Ausschufs dos Vereins bleibt vielmehr nach wie vor zweifelhaft, ob die
deutscher Eisenhültenleute, welcher bestellt aus den Allotropie des Eisens zur Erklärung der physikalischen
H erren : Vorgänge nöthig sei oder ob nicht vielmehr die einfache
B e c k e r - R o t h e Erde, G o rle ifs-E s se n , G e r s t n e r - A n o r d n u n g der Gefügelheile des Eisens und der
Essen, G 1 e b s a 11 d 1- Oberhausen, R e i n h a r d t - Einflufs der a n d e r e n Elemente auf diese Anordnung
Rulirort, S a lo m o n -E s s e n , S c h rö d te r-D iisse ld o rf, zur Erklärung der Aenderung der physikalischen Be­
Wol ff-Dortm und. * schaffenheit vollkommen ausreichen. Die Frage, die
hier wiederum aufgerollt ist und welche, wie erwähnt,
Der folgende Vortrag betraf n u r zu einer kurzen Besprechung hauptsächlich durch
Die B ew egung des Kohlenstoffs im Eisen. die HH. Hadfield, Professor Arnold, Stead und einige
Andere führte, h at ta ts ä c h lic h nur ein theoretisches
Der Verfasser w ar R o b e r t - A u s t e n , Professor Interesse.
der Metallurgie und Münzdireetor in London, welcher
Die letzte Abhandlung,
in sehr interessanter Weise ausführte, wie die Be­
wegung des Kohlenstoffs im Eisen zu vergleichen sei Studie über einige Legirungen m it Eisencarinden,
mit leichter zu beobachtenden Bewegungen anderer besonders von Mangan und Wolfram, von James
Elemente ineinander, ohne dals der flüssige Aggregats­ S. de B ellev iiie,
zustand vorläge. Namentlich erregte allgemeines
Aufsehen die Vorführung einer B leisäule, welche einem Amerikaner, wurde weder verlesen noch vor­
verschiedenen Goldgehalt bis zu ihrer Spitze hin be- gebracht und gab daher auch zu keinen Verhandlungen
safs und die dadurch entstanden w a r, dafs man auf Veranlassung. Es sei hier nur darauf hingewiesen,
festes Gold eine feste Bleisäule gebracht und beide dafs die Schlufsfolgerung, welche der Verfasser aus
erhitzt h atte, ohne dafs jedoch Schmelzung eintrat. seiner Arbeit gezogen hat, d arau f hinausgelit, dafs
Es w ar also das specifisch schwerere Gold in dem flüssiges Eisen als Lösungsmittel sich nicht von anderen
leichteren Blei bis an seine Spitze hinaufgewandert. Flüssigkeiten, wie Wasser, unterscheide mit Ausnahme
der verhältnifsmäfsig grofsen Verwickeltheit seiner
P ie Anwendung des Momlgnses zur Eisenerzeugung, Molecularstructur.
Torgetragen von F. G. Darby. Belleviiie theilt die krystallisirten B e sta n d te ile ein i n :
1. regulär krystallisirende Verbindungen, wie FeC.i,
Schon 1885 hatte D r. L u d w i g Mo n d darauf
und prismatisch krystallisirende, wie Mangan- und
aufmerksam gem acht, dafs man zweckmäfsig aus
Ghromcarbide, Pliosphide und Sulphide;
Generatorgasen Ammoniumsulphat gewinnen könne.
2. Verbindungen, welche in der Zusammensetzung
Dieser Vorschlag ist nun in neuerer Zeit dadurch
zwischen einer und der anderen Verbindung abwechseln
von besonderer Wichtigkeit gew orden, dafs sich die
und in engen Grenzen von den Bedingungen des Ab-
gleiche Gewinnung auch aus den Hochofengasen
kühlens abhängen und oft ihren Ursprung zurück­
solcher Oefen erzielen läfst, welche mit Rohkohle
führen lassen auf die umgebende Hülle (z. B. Form ­
betrieben werden, wie das namentlich bei den schot­
masse, w'ie Magnesia). Dahin gehören die körnigen
tischen Hochöfen der Fall ist. F ü r unsere mit Koks
Rückstände, welche nur in gewisser Beziehung von
betriebenen Hochöfen dürfte der Vortrag wenig
der Grundmasse der Legirung abweichen.
Interesse bieten, dagegen nach manchen Richtungen
Die Arbeit zeigt klar — man mufs sagen: leider! —
hin für die Koksfabricanten, welche Nebenproducte
dafs die mikroskopische Untersuchung des Eisens noch
gewinnen, von Bedeutung sein. In der Besprechung
fern davon ist, zu einem bestimmten wissenschaftlichen
hob namentlich B a u e r m a n hervor, dafs das In ter­
Ziele zu gelangen, und dafs es daher vorläufig für
essante bei den Untersuchungen Mo n d s die Wechsel­
den Hüttenmann vortheilbafter ist, sich (ohne deshalb
wirkung einerseits zwischen Kohlenoxyd und Wasser­
die Fortschritte der Theorie gering zu schätzen) in
stoff und andererseits zwischen Kohlensäure und
der Praxis darauf zu beschränken, die Mikroskopie
Wasserstoff sei, eine Wechselwirkung, die je nach
des Eisens auf bestimmte, wesentlich immer gleichartige
den verschiedenen Tem peratur- und Druckverhält­
Eisenarten zu verwenden und durch p r a k t i s c h e n
nissen gerade umgekehrt sein k a n n , und auf welche
Vergleich zu Schlüssen auf die zweckmäfsige oder u n ­
auch bei der Gewinnung der Nebenproducte aus
zweckmäßige Beschaffenheit des in grofsen Mengen
Koksöfen mehr Rücksicht als bisher genommen werden
wiederkehrend erzeugten Eisens zu gelangen.
sollte. Namentlich ist wohl auch die oft erörterte
Frage nach dem zweckmäßigsten Nässegehalt der
K ohlen, welche verkokt werden sollen, durch diese
Betrachtung in ein neues Stadium gerückt. Verein deutscher Ingenieure.
Eine Abbildung des Apparats findet der Leser
u. a. im „lron Monger“ vom 9. Mai 1896, S. 284. (37, Hauptversammlung in Stuttgart.)
Ein weiterer Vortrag (Schlufs aus vor. Nr.)
Das Härten des Stahls von Henry M. Howe
«nd Albert Sauveur, Der in voriger Ausgabe ausführlich wiedergegebene
Vortrag von Geh. Regierungsrath B u s l e y w ar durch
beides Amerikanern, w urde nicht verlesen und auch eine umfassende Ausstellung von Zeichnungen, Photo­
nur kurz besprochen.- Er behandelt die physikalischen graphien, zahlreichen Modellen von Schiffen, zuge­
Einflüsse des Härtens von Stahl, namentlich in Bezug hörigen Maschinen, Kesseln, Geschützen u. s. w. in
auf die Beschaffenheit des Kleingefüges. Der Vortrag wirksamer Weise unterstützt. Da diese, ein treffliches
js t von grofsem wissenschaftlichem Interesse und zwar Bild unserer Flotte gebende Sammlung der Oeffent-
um so mehr, als Osmond dazu wichtige Bemerkungen lichkeit zugängig gemacht w urde, so hat dieselbe in
und Vervollständigungen geliefert hat. Es handelt Verbindung mit dem lichtvollen Vortrag ohne Zweifel
sich hier hauptsächlich um die Frage nach der zur Erhöhung des Verständnisses für unsere Flotte
A l l o t r o p i e des Eisens. Indessen scheint auch und ihre Bedürfnisse in ^weiten Kreisen beigetragen
durch diesen schönen und sorgfältig ausgearbeiteten und ist daher die Veransütltung auch aus nationalem
Vortrag diese Frage nicht entschieden zu werden, es Interesse als eine sehr dankenswerthe zu bezeichnen.
Am Nachmittag fanden Besichtigungen der soeben
* Zeitweilig haben in demselben auch nocheröffneten Landes-Gewerbehalle, ein P rachtbau, der
andere Herren mitgearbeitet. aus einem Ausfuhr-Musterlager hervorgegangen ist,
514 Stahl und Eisen. Berichte über Versammlungen aus Fachvereinen. 1. Juli 1896.

und der Ausstellung für Elektrotechnik, sowie einiger Ingenieure mit Zweifeln erfüllten, bis endlich durch
gewerblicher Anlagen, darunter die Maschinenfabrik die Erfahrungen des modernen Dampfmaschinenbaues
von G. K u h n , sta tt; am Abend wurde Vorstand und d a s allgemein beachtet und als zutreffend a n ­
Vorstandsrath vom König in huldvollster Weise erkannt wurde, was W att schon 100 Jah re früher als
empfangen. eine der Grundbedingungen für den w irtsc h aftlic h en
Die am 9. Juni wicdereröffnetc Sitzung w ar der W erth seiner Maschinen aufgestellt und selbst an ­
Erledigung des geschäftlichen Theiles und den ver­ gewendet hatte.
schiedenen Anträgen gewidmet. Zum Vorsitzenden- Gegen Ende des Vortrags streift Prof. E rnst auch
Stellvertreter werden für 1897/98 Director R i e p p e l - die überraschend vielseitige und stets schöpferisch
Nürnberg, als Beisitzer Director T ie m a n n -D o rtm u n d Neues schaffende Thätigkeit W atts auf Gebieten, die
und Prof. S c li ö 111e r - Braunschweig gewählt. Ver­ aufserhalb seiner Hauptlebensaufgabe lagen. Hier
sammlung billigt sodann nach einigem Widerspruch ist von besonderem Interesse der Nachweis für die
das vorgeschlagene gemeinsame Vorgehen mit dem scheinbar ganz in Vergessenheit gerathene Thatsache,
„Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller“ bezw. dafs unser einheitliches Mafs- und Gewiohtssyslem
dem „Verein deutscher Eisenhüttenleute“, um vor der den Anregungen Watts entsprungen ist, als er für seine
technischen Hochschule in Charlottenburg die Auf­ wissenschaftlichen Arbeiten und für den Vergleich der
stellung von Denkmälern für W. S i e m e n s und A l f r e d in verschiedenen Ländern angestellten physikalischen
K r u p p auszuführen. Die Grashof-Denkmünze wird an und chemischen Versuche das Bedürfnifs empfand, ein
K raul's-M ünchen und öeh. Regierungsrath W ö h l c r - internationales System zu vereinbaren. Die persönlichen
Ilarinover verlieben. Ueber die Einführung des m etri­ Beziehungen zu französischen Gelehrten verschafften
schen Gewindes berichtet C. M e h ­ seinen Gedanken zunächst Eingang
l e r - Aachen, dafs im Auslande eine in Frankreich, und der im Jahre
Zunahme in der Einführung des 1790 von der Nationalversamm­
metrischen Mais- und Gewichts­ lung zu Paris gefafste Beschlufs
systems festzustellen sei, dafs die über das neue bürgerliche Mals­
Kundgebungen für ein internatio­ und Gewichtssystem deckt sich
nales metrisches Gewindesystem vollkommen mit den Wattschen
sich mehre und dafs die Ver­ Vorschlägen, die er schon im Jahre
handlungen zur Anbahnung eines 1783 englischen Gelehrten und
Solchen im Fortgang begriffen den Franzosen De Luc und La
seien. Der Antrag des Frankfurter Place übermittelt hatte.
Bezirksvereins, betr. die Frage Nach einem Rückblick auf die
der Gesundheitsschädlichkeit des ergänzenden Arbeiten, mit denen
Kohlenrauchs, wird abgelehnt; der W att seine Dampfmaschine auch
Antrag des Siegener Bezirksver­ hinsichtlich der erforderlichen
eins, betr. das Rosten von Schweifs- Mefsinstrumente vollständig aus­
unll Flufseisen,* wird, ohne dafs stattete, indem er sic mit Mano­
die Versammlung Stellung zu der meter und Vacuumineter, mit In-
demselben zu Grunde gelegten Vor­ dicator und selbst registrirendem
aussetzung nimmt, an die Bezirks­ Hubzähler ausrüstete, schliefst der
vereine verwiesen. Die nächste Redner mit dem Hinweis, wie
Hauptversammlung soll in C a s s e l nach zeitweisen Stillstandsperio­
stattfinden. den in der Weiterentwicklung der
J a m e s W a t t.
Der dritte Sitzungstag wurde Aufschwung des modernen Dampf­
Nach einem von Prof. E r n s t in der Versammlung
durch einen trefflichen Vortrag von vertheilten Bildnifa. maschinenbaues mit der Rück­
Prof. A d. E r n s t ü b e r : kehr zum wissenschaftlichen For­
James Watt und die Grundlagen dos modernen schungsversuch im Wattschen Geiste und mit den
von ihm selbst hierzu gebotenen Hülfsmitteln zu ­
Dampfmaschinenbaues* sammenfällt. Nichts könne die Berechtigung der Be­
Redner stützt sich auf sein umfassendes Studium strebungen des „Vereins deutscher Ingenieure“, dem
der englischen Quellen aus der W attsehen Zeit, die technisch - wissenschaftlichen Versuch in der Aus­
bisher in Deutschland nur wenig durchforscht zu sein bildung der jungen Ingenieure an unseren technischen
scheinen, und entwickelt aus diesen, an Hand der Hochschulen durch Ingenieur-Laboratorien eine be­
zahlreichen im Saale aufgehängten Zeichnungen von fruchtende Pfiegstätte zu sichern, deutlicher veran­
Versuchsapparaten und vollständigen Maschinen aus schaulichen, als der geschichtliche Rückblick auf das,
der Zeit 1764 bis 1800, die Erfindung und fortschreitende was unter dem Einflufs einseitiger abstracter Forschung
Vervollkommnung der Waltschen Mederdruckdampf­ für die Erkenntnifs der ^tatsächlichen Vorgänge un­
maschine mit ihrem wichtigsten Zubehör, demConden- entwickelt blieb und was andererseits durch W att und
sator, von der einfach wirkenden Dampfpumpe bis später durch die Wiederaufnahme der wissenschaft­
zur doppelt wirkenden Maschine mit Expansions­ lichen Prüfungsversuche geschaffen und kräftig weiter
steuerung, Schwungrad und Regulator für allgemeine gefördert wurde. Die Geschichte der Dampfmaschine
Betriebszwecke. Von Anfang an bauen sich die Watt- liefert den Beweis, dafs die Vernachlässigung der ex­
schen Erfindungen auf planmälsig und streng wissen­ perimentellen Untersuchung nicht nur den Fortschritt
schaftlich durchgeführte Forschungsversuche. Aus hem m t, sondern auch die Gefahr von Rückschritten
den Patentschriften und aus dem Wattschen Brief­ in sich schliefst, wie sie der häutige Verzicht auf den
wechsel folgt, dafs der Schöpfer des weltumgestallenden Dampfmantel, der theoretische Federkrieg um seinen
Culturmittels auf diesem Wege schon durch seine W erth in Fachzeitschriften, die vollständig zweck­
ersten grundlegenden Untersuchungen über die Vor­ widrige Verwendung von Abdampf zum Heizen der
gänge in der älteren Newcomenschen Maschine so tief Cvlinder und die Vernachlässigung des unentbehrlichen
in die thermodynamischen.Erscheinungen eindrang, indicatorgebrauchs während eines mehr als sechzig-
um mit Sicherheit äufsersf verwickelte F ragen, wie jährigen Zeitraums nach dem Abschlufs der Wattschen
z. B. den W erth des Damptmantels für den Arbeits- Arbeiten bekunden. Da es gleichzeitig an einem gründ­
cylinder, zu entscheiden, die noch Generationen späterer lichen Quellenstudium fehlte, das über lange Zeit
streitige Fragen leichten Aufschlufs hätte geben können,
* Vergl. „Stahl und Eisen“ Seite 365 d. J. gingen kostbare Erfahrungen und Versuchsergebnisse
1. Juli 1896. Berichte über Versammlungen aus Fachvereinen. Stahl und Eisen. 515

der allgemeinen Kenntnifs verloren und mufsten zum und Frankreich je 9 %, auf die Vereinigten Staaten
Thcil erst in mühevoller Arbeit wieder erworben 2,8% und auf Belgien und Rufsland je 1,5% en t­
werden. Aus dem Rahmen dieses Rildes tritt uns fallen. Wie sehr die Productionsquoten bezüglich der
James W att nicht nur als der geniale Erfinder der gesammten Stahlproduction zum Nachtheil Englands
Dampfmaschine, als der Altmeister in der Kunst des verschoben wurden, ist daraus zu ersehen, dafs,
Maschinenbaues, sondern vor Allem auch als der während im Jahre 1869, wo die gesammte Stahl­
gedankenreiche, tiefsinnige Forscher und als der be­ erzeugung der Welt etwa 670000 t betrug, noch auf
deutendste L ehrer für die A rt, wie die technischen G roßbritannien 41 % , auf Deutschland 2 1 % und auf
und rein wissenschaftlichen Fragen des Ingenieur­ die Vereinigten Staaten, etwa 5 % entfielen, im Jah re
wesens zu behandeln sind, entgegen. (Lebhafter Reifall.) 1892 aber, wo die gesammte Stahlerzeugung der Welt
W eiter folgte noch ein Vortrag von Dir. W . H e y d e r - etwa 121X10000 t betrug, auf England blofs 24,7 %,
Augsburg über die Arbeiten der Mascliinen-Ingenieure auf Deutschland 21,7 % und auf die Vereinigten Staaten
im Städte-Reinigungswesen. Am Nachmittag fanden 35,2% entfallen. Der bedeutende Rückgang der Stahl-
Besichtigungen der grolsen Maschinenfabriken von productionsquote Englands in der letzten Zeit liegt
E f s l i n g e n und C a n n s t a t t sta tt; der Freitag w ar theils in der grofsartigen Entwicklung der Stahl­
der Erholung auf einem Ausflug nach dem Sagen­ industrie der Vereinigten Staaten, theils in dem Um­
reichen Lichtenstem gewidmet. stande, dafs in England es unterlassen w urde, die
Das Fest kann als ein in jeder Beziehung ge­ Einführung und Entwicklung der basischen Stahl*
processe zu forciren.
lungenes bezeichnet werden, seine Ordnung w ar aus­
gezeichnet. Voll Dank erinnern sich die Theilnehmer Bis vor einigen Jahren schob man die relativ
geringe Entwicklung der basischen Processe in Eng­
der herzlichen Gemüthlichkeit und der liebenswürdigen
land dem Umstande zu, dafs im Jahre 18S5 die Ad­
Gastfreiheit, welche ihnen zu allen Stunden und an
m iralität und der Lloyd die Verwendung von basischem
allen Orten des schönen Schwabenlandes entgegen­
gebracht wurde. Stahl für Scliiffbauzweeke untersagten. Allein im
Jahre 1891 wurden umfassende Versuche mit basischem
Flulseisen vorgenommen und wurde a u f Grund der
günstigen Resultate dieser Erhebungen das basische
Oesterreichischer Ingenieur- und Flulseisen zu Schiffsbauzwccken als zulässig erkannt.
Trotzdem ist seither keine wesentliche Steigerung in
Architekten-Verein. der Production dieses Metalls eingetreten. Auch die
Productionskosten sind gegenwärtig nicht zu Un­
(Fachgruppe der Rcrg- und Hüttenmänner.)
gunsten der basischen Processe; denn es stellen sich
die Kosten der Blöcke, die im sauren Converter
erzeugt werden, um etwa 5 bis 6 sh. höher als jene,
In der Versammlung vom 27. Februar d. J. hielt
die im basischen Converter erblasen werden. Aelin-
Hütteningenieur J o s e f L a n g e r , R itter v. P o d g o r o ,
lich verhält es sich auch mit den Gestehungskosten
einen Vortrag:
der im sauren und basischen Martinofen erzeugten
Einiges über den basischen Jlartinofeiiproccfs in Blöcke. Auch hier ergiebt sich eine Preisdifferenz
von 5 bis 6 sh. zu Gunsten der im basischen Ofen
England.* erzeugten Blöcke.
Vortragender legt zunächst an Hand statistischer Der Grund, dafs in vielen Industrie-Districten
Nachweise die untergeordnete Rolle dar, welche der Englands der basische Procefs gegenüber dem sauren
basische Martinofen in der englischen Eisenindustrie Bessemerprocefs und somit die Verarbeitung ein­
einnimmt. So betrug dort im Jah re 1895 die Gesammt- heimischer Erze gegenüber den fremden Erzen als
erzeugung an Blöcken 3 385 000 t, wovon nur 78000 t nicht rentabel hingestellt wird, liegt darin, dafs die
im basischen Martinofen erzeugt, dagegen 35S000 t basischen Martinöfen in England fast durchwegs auf
im basischen Converter, 1 493 0 0 0 1 im sauren Converter die Verarbeitung von Roheisen mit 2 bis 3 % Phosphor
und 1 456000 t im sauren Martinofen hergestellt angewiesen sind und die erfolgreiche Durchführung
w urden; es sind somit 2949000 t saure Blöcke gegen der Entphosphorung eines Metallbades, das im Durch­
nur 436 000 t basische Blöcke. schnitt 2 bis Phosphor enthält, eine erhebliche
Menge an Zusätzen von Erz und Kalkstein, sowie
Redner giebt hierauf sehr ausführliche Daten
eine längere Chargendauer erfordert. Andererseits
über die historische Entwicklung der in den letzten ist aber die vollkommene Entphosphorung schwierig,
vierzig Jahren auf dem Gebiete der Stahlfabrication erfordert grofse Sorgfalt und eine gründliche Kennt-
erfundenen drei Processe, nämlich des Bessemer-, des nil's des Processes, eine Voraussetzung, die in England
Siemens-Martin- und des Thomas-Gilchrist-Processes
selten zutrifft. Trotz der unrichtigen und rnifslichen
und bemerkt, dafs der basische Bessemer-Procefs eine Verhältnisse, unter welchen die basischen Martinöfen
Combination der Erfindungen Bessemers und Thomas- in England entstanden sind, und trotzdem, dafs die­
Gilchrist, während der basische Martinofen-Procefs selben lür Fälle angewendet wurden, für welche sie
eine Combination der Erfahrungen von Siemens Martin von Natur aus nicht bestimmt waren, behaupten sie
und Thomas-Gilchrist ist. Infolge der Voreingenommen­ doch ihren Platz, weil einerseits mit denselben eine
heit der in England so m aßgebenden „practical m an“ so gute weiche Qualität erzeugt wird, wie mit keinem
sei dort der Thomasprocefs nicht verstanden und ent­ anderen Procefs und weil andererseits einige Anlagen
sprechend gewürdigt worden. Die viel gewandteren dieser A rt entstanden sind, die es ihrer vortrefflichen
Metallurgen Deutschlands und Oesterreichs erkann­ Leitung verdanken, dafs sie sich, allerdings nach
ten sofort die grofse Tragweite dieser Erfindung, schwerem Kampfe, als concurrenzfähig und lohnend
welche die Eisenindustrie des Continents in ganz erwiesen haben. Dazu gehören hauptsächlich die
irische Bahnen lenkte und der Eisenindustrie Grofs- basischen Martinwerke in North-Wales und in Lin-
britanniens gegenwärtig tiefe Wunden schlägt; denn colnshire. Besonders das letztere Werk, das Roheisen
im Jahre 1892 wurden auf der ganzen Welt 3202 640 t von n u r l :;/< bis 2 % Phosphor verhüttet, gehört zu
basischer Stahl erzeugt, wovon auf Deutschland 63% , den erträgnifsreichsten Eisenindustrie-Unternehmungen
auf Grofsbritannien 12,7%, auf Oesterreich-Ungarn Englands. Dasselbe erzeugt gegenwärtig etwa 45000 t
Blöcke jährlich.
* Nach der „Zeitschrift des österr. Ingenieur- Die Bauart, die Zustellung und der Betrieb der
und Architekten-Vereins“ 1896, Nr. 19, Seite 300. basischen Martinöfen in England unterscheidet sich
510 Stahl und Eisen. Berichte über Versammlungen aus Faclivcreinen. 1. Juli 1896.

wellig von den am Continent gebräuchlichen Formen. forderlichem Mafse vorhanden ist, und ist dies h au p t­
Man findet die mannigfachen Ofenconstruclionen mit sächlich der Grund, dafs sich die beiden Processe in
separat stehenden Regeneratoren mit theilweise liegen­ England nicht so entwickeln konnten, wie es mit
den und stehenden Kammern und endlich auch die Rücksicht auf die dortigen natürlichen Hülfsquellen
ursprüngliche Construction der Firm a Siemens ver­ an Erzen und vorhandenem Kapital zu erw arten wäre.
treten. Die Herdplatten liegen aber meistens auf Wenn jedoch die Verluste, welche die Engländer im
gufseisernen Trägern, die durch kräftige Gufseisen- Concurrenzkampf mit Deutschland und Belgien erleiden,
säulen getragen werden, so dafs der Raum unterhalb sich immer steigern werden, wird man dort gezwungen
des Bodens frei zugänglich ist. Zur Zustellung der sein, mit dem alten System zu brechen und die dortige
basischen Ausfütterung der Oefen wird durchaus Eisenindustrie auf Grundlage der basischen Stahl-
Dolomit verwendet. Als neutrale Schicht wird Chrom­ processe“ zu organisiren. —
erz benützt. Die Hälfte des Bodens wird eingestampft In der Besprechung wendet sich Oberbergrath
und der obere Theil sodann, nachdem der Ofen an ­ Prof. F r a n z K u p e l w i e s e r zunächst gegen die
geheizt ist, in dünnen Lagen so eingebrannt, wie der Bezeichnung des Martinprocesses als Siemens-Martin-
Sandboden im sauren Martinofen. Vor jeder gröfseren procefs, da dieser Stahlprocels lediglich von den
Ofenreparatur werden die obersten Schichten des Brüdern Martin erfunden wurde.* Weiters mifst
Bodens ausgeschmolzen, um nach dem Anheizen frisch er dem hohen Phosphorgehalt rücksichtlich des heifsen
eingebrannt zu werden. Zum Einbrennen des Bodens Chargenganges keine wesentliche Bedeutung zu; denn
verwendet man gut gebrannten trockenen und ge­ ein gröfserer Phosphorgehalt von 2 bis 3 % sei aller­
mahlenen Dolomit ohne Theer. Der Dolomit soll dings mafsgebend im Converter, wo der Verlauf des
2 bis 3 % Eisen enthalten. Der Abstich wird mit Processes in etwa 20 Minuten stattfindet, jedoch im
trockenem Dolomit geschlossen. Martinofen, wo sich der Procefs auf mehrere Stunden
Die Generatoren sind durchwegs mit langen und ausdehnt, sei ein gröfserer oder geringerer Phosphor­
sehr weiten Bohrleitungen, die sie gemeinsam mit gehalt ohne Bedeutung für die schliefsliche Tem peratur
Gas versorgen, mit den Oefen verbunden. Das Gas des Bades während des Chargen Verlaufs. Es seien
steht unter schwachem Druck, wird in den Leitungen auch in Oesterreich mehr Martinwerke, die schon
Stark abgekühlt und setzt, bevor es durch die Gas­ seit langer Zeit die Martinöfen mit 80 % Roheisen
ventile der Oefen strömt, Theer und Stauli ab. Die betreiben, so dafs gegenüber der bezüglichen Ofen-
Generatoren sind fast durchwegs nach der bekannten processe in England kein Unterschied besteht.
Wilsontype gebaut. Eine der verbreitetsten Con- Der Vortragende stimmt den Ansichten, dafs die
structionen ist die Inghamtype, die eine A bart der Führung des Processes in unserer Heimath und in Eng­
früheren ist. Die Generatoren sind rund und mit land nicht voneinander abweiche, nicht zu, da seines
Blechmänteln und Dampfstrahlgebläsen versehen. Die Wissens in Oesterreich nirgends 70 bis 80% des
verwendete Kohle ist Feingries. Der Kohlenverbrauch Einsatzes der Martinöfen current auf 2 bis 3 % iges
beträgt 50 bis 55 % des Ausbringens. Vor den fast Phosphoreisen entfällt, weil man mit Ausnahme von
allgemein in einer geraden Linie angeordneten Oefen Böhmen über ein derartiges Roheisen nicht verfüge
befindet sich die Gufsgrube, über welche die Gufs- und dort dasselbe im Thomasconverter verarbeite.
pfanne mittels Dampfhaspeln und einer Kette hin und Der Vortragende giebt noch über die leichtere Tempe-
her bewegt wird. Die genaue Einstellung erfolgt von raturführuug des Stahlbades in jenen Fällen, wo der
Hand aus über der Coquillenmündung. Es werden mittlere Phosphorgehalt über 1 % steigt, entsprechende
nie Blöcke unter 1000 kg gegossen, da alle englischen Aufklärungen und beantwortet sodann die seitens des
Martinwerke grofse Blockstraßen besitzen und nicht Generaldirectors H e y r o w s k y an ihn gerichtete An­
wie viele deutsche Hütten angewiesen sind, kleine frage über das von der Admiralität untersuchte
Blöcke communicirend zu giefsen. Das Einheben der Probematerial dahin, dafs die Proben mit Martin- und
Coquillen in die Gufsgrube und das Herausheben der Thomasmaterial durchgeführt wurden und, wie schon
Blöcke aus denselben besorgen kräftige fahrbare Dampf- während des Vortrages erwähnt, sehr zufrieden­
krähne. stellende Resultate ergeben haben.
Die Baukosten eines 20-t-0fens sammt den nöthigen
Generatoren der Gasleitungen, der Esse, dem ent­
fallenden Antheil der Gufsgrube und der Gufspfanne * Die Redaction gestattet sich hierzu die B
betragen bei einer Anlage von mindestens 1 Oefen merkung, dafs die beiden M a r t i n erst dann Erfolge
etwa 2500 £ . verzeichnen konnten, nachdem sie sich entschlossen
Aus dem Angeführten geht hervor, dafs der hatten, die epochemachende Erfindung der Regenerativ­
basische Martinofen in England meistentheils dort an ­ feuerung von F r i e d r . und W i l l i a m S i e m e n s auch
gewendet wird, wo der Thomasconverter am Platze bei ihren Versuchen in Anwendung zu bringen, dafs
wäre und die Thomashütten nicht genügend selbständig daher ihres Erachtens der Procefs seitdem auch viel­
und modern entwickelt wurden. Bei den Processen fach beider Erfinder Namen m i t R e c h t trägt. (Siehe
mangelt aber in England vor allem die nothw'endige auch „Gemeinfafsliche Darstellung des Eisenhütten­
technische Führung, die nur au einigen Orten in e r­ wesens“ Seile 40.)
1. Juli 1896. Referate und kleinere Mitfheilungen. Stahl und Eisen. 517

Referate und kleinere Mittheilungen.

Wolfram mul seine industrielle Bedeutung.* Ein Verkürzen des Geschosses ist daher vortbcilhaft,
aber nur zulässig, wenn der Geschofskern, oder, das
Unter dieser Ueberschrift ist in der Zeitschrift ganze Geschofs aus einem specifisch Schwereren
für „Berg-, Hütten- und Maschinen-Industrie“ vom Metall als Blei hergestellt w ird; dazu soll Wolfram
10. und 17. December 1895 ein Aufsatz erschienen, dienen. Das heutige Mantelgeschofs hat ein spec.
der seiner vielseitigen Anregung wegen in der Gewicht von etw a 10,5, Wolframgeschosse würden
deutschen Industrie ohne Zweifel Beachtung gefunden auf 11,6— 10 kommen, je nach der Art ihrer H er­
hat. Unter den zahlreichen Verwendungszwecken stellung. In einem kleinen Buch: „Wolfram-Geschosse,
des Wolframmetalles, auf welche hier hingewiesen (Berlin 1S90) hat General W i l l e die Vorzüge
wird, sind die zum Kriegswesen in Beziehung stehenden, solcher Geschosse und die Art, wie Major Mi e g
hinsichtlich der milglichen Verbrauchsmengen an dieselben mittels der ihm im Jahre 1882 patentirten
Wolfram, vielleicht von der gröfsten Bedeutung, in Maschine (D. R.-P. Nr. 22891 und 22892) herstellte,
erster Linie aber sind es die Wolframgeschosse für eingehend besprochen.
Handfeuerwaffen. Es sei mir gestattet, hierauf etwas Aus den vorstehenden Betrachtungen geht hervor,
näher einzugehen. dafs es sich hierbei in erster Linie um eine E r­
Die Verwendung des Wolframmetalles zu Gewehr­ höhung des spec. Gewichtes des Geschosses handelt.
geschossen h at zuerst der bayrische Major M i e g , Dieser Zweck würde am besten durch möglichste
ein bekannter und verdienstvoller Ballistiker, zu Verwendung reinen Wolframmctallcs erreicht werden.
Anfang der SOer Jah re vorgeschlagen. Er ist durch Ob dies aber bei den Eigenschaften des Wolframs
seine ballistischen Untersuchungen darauf gefühlt technisch ausführbar ist, das ist eine nicht so einfach
worden, die er zur Lösung der heute noch nicht zu beantwortende Frage, weil hierbei noch ein ander-
endgültig entschiedenen Frage des „kleinsten Kalibers“ weiter Umstand von höchster Bedeutung mitspricht.
anstellte, als die Einführung von Mehrladergewehren Der Professor Dr. P. B r u n s hat in einer Schrift
die Waffentechniker, Ballistiker und Taktiker lebhaft „Die Geschofswirkung der neuen Kleinkaliber-Gewchre.
beschäftigte. Von der Annahme eines Mehrlader­ Ein Beitrag zur Beurtheilung der Schufswunden in
systems w ar die Forderung der Munitionserleichterung künftigen Kriegen“ (Tübingen 1889), gestützt auf die
unzertrennlich, die ihrerseits wieder ein Vermindern Ergebnisse seiner Schiefsversuche mit S t a h l m a n t e l ­
des Kalibers zur Voraussetzung hatte. Es liefs sich geschossen gegen Thierkörper, behauptet, dafs diese
ballistisch leicht naclnveisen,** dafs mit dem Geschofs Geschosse beim Hindurchgehen durch Thier- und
von kleinerem Durchmesser die gestrecktere Flug­ Menschenkörper, selbst beim Auftreffen auf R öhren­
bahn und eine Reihe hieraus sich herleitender Vor­ knochen, i h r e F o r m n i c h t v e r ä n d e r n und des­
theile verbunden sind, wenn man nicht versäumt, dem halb reine und glatte Schufswunden verursachen,
Geschofs die nöthige Schwere, oder in ballistischer deren Heilungsverlauf sich günstig gestalten wird.
Weise ausgedrückt, eine genügende Querschnitts- In Rücksicht auf diese Art der Geschofswirkung sagte
helastung (Gewicht dividirt durch den Querschnitt e r: „Das neue Kleinkaliber-Gewehr ist nicht blofs die
des Geschosses) zu geben. Man rechnet hierfür beste, sondern zugleich die h u m a n s t e W a f f e , um
0,31—0,33 g a. d. qmm des Geschofsquerschnitts. nach Möglichkeit die Schrecken des Krieges zu
Da nun aber bei Geschossen von ähnlicher Form mildern.“ Dieser schöne Glaube ist leider n u r zu
der Querschnitt im quadratischen, das Gewicht da­ bald durch den Nachweis zerstört worden, dafs das
gegen im kubischen V erh ältnis zum Durchmesser Verhalten und die Wirkung der Stahlmantelgeschosse
abnimmt, so lälst sich die gleiche Querschnitts­ in Wirklichkeit genau entgegengesetzt derjenigen ist,
belastung n u r durch steigende Verlängerung des die Bruns ihnen nachrühm te. Dieser hatte nämlich
Geschosses erreichen. So ist die Gescliofslänge von mit verminderter Ladung geschossen. Auf Ver­
21/» Kaliber beim 11-mm-Gewehr (das deutsche M/71) anlassung des General - Stabsarztes Dr. v. G o 1e r
auf 4 Kaliber beim S-mm-Gewehr (deutsches 88), auf wurden deshalb Schiefsversuclie ähnlicher Art, aber
5 Kaliber beim 6,5-mm-Gewehr (italienisches 91) ge­ mit der vollen Gebrauchsladung (wie im Kriege)
stiegen, und wenn man noch zum 5-mm-Gewehr über­ durchgeführt, wobei sich ergab, dafs die Stahlm antel­
geben sollte, würde m an zu einem etwra -7 Kaliber geschosse gerade auf den Hauptgefechtsentfernungen
langen Geschofs kommen. Zu der steigenden Ver­ nur allzusehr ihre Form beim Eindringen in m ensch­
längerung trägt noch der Umstand bei, dafs man bei liche Körper verändern und furchtbare Zerstörungen
dem kleinen Kaliber und dem hohen Gasdruck der in ihnen anrichten.
Pulverladung gezwungen ist, das Geschofs mit einem Das Wolframmetall besitzt nun Eigenschaften,
Mantel aus Stahl, Kupfer, Neusilber oder Nickel zu welche zu der Hoffnung berechtigen, dafs es mit
umhüllen. Da nun Stahl ein geringeres spec. Gewicht seiner Hülfe gelingen werde, das Gewehr kleinen
als Blei h at und der Mantel bei kleiner werdendem Kalibers wieder zur h u m a n s t e n W a f f c zu machen,
Kaliber und gleich bleibender Wanddicke einen wie Bruns es zw ar schön, aber irrthümlich nannte.
steigend größeren Raum- und Gewichtsantheil des Der Technik fällt die noch ungelöste, aber ver­
Gesehofskörpers in Anspruch nimmt, so wird dadurch dienstvolle Aufgabe zu, ein geeignetes Verfahren zur
auch Anlals zur steigenden Verlängerung des Geschosses Herstellung von Wolframgeschossen zu ermitteln,
gegeben. Damit sind mancherlei Unbequemlichkeiten welches sowohl das hohe spec. Gewicht, als auch
und Nachtheile verbunden. Zu den letzteren gehört die grofse Festigkeit des Wolframs in möglichst
der, dafs der seitliche Winddruck einen um so hohem Mafse zur Geltung kommen läfst.
gröfseren aus der Flugbahn ablenkenden Einflüfs auf Bei dem gänzlichen Mangel an Elasticität und
das Geschofs ausübt, je länger dasselbe wird, weil der der grofsen Härte des Wolframs bedarf ein daraus
Längendurchschnitt des Geschosses mit der steigenden gefertigtes Geschofs eines weicheren Führungsmittels,
Länge des letzteren um so weniger belastet wird. welches sich in die Züge des Gewehrlaufs einprefst,
ohne Vermittlung einer Stauchung des Geschosses,
* Vgl. „Stahl und Eisen“ 1880, Nr. 9, S. 027. weil das Wolfram nicht stauchungsfähig und zu h art ist.
** „Stahl und Eisen“ 1892, S. 10S5. Es kämen hier also dieselben Bedingungen für die
XIII.,«
518 Stahl und Eisen. Meferdte und kleinere Miliheituiigen. 1. Juli 1890.

Führung des Geschosses zur Geltung, wie beim die auch den Arbeitern dieser Werke unheilvoll zu
Geschütz. Major Mi cg prefste deshalb mittels der werden droht. Die Weifsblechwalzwerke arbeiten
ihm patentirten Maschine in den mit einer Führungs­ nicht, wie andere Walzwerke, in 12stündiger, sondern
wulst versehenen Geschofsmantel reines W olfram­ mit Rücksicht auf die Schwere der Arbeit in 8 stiindiger
metall in Staubform. Die anfängliche Verdichtungs­ Schicht. Die Arbeiter haben also nach Sstündiger
weise in 20 Portionen ergab Geschosse von ganz Arbeit 16 Stunden lang Ruhe. Dadurch verm ehrt
ungenügender Festigkeit weil sich die einzelnen sich die vorgeschriebene 24stündige Sonntagsruhe
Schichten nicht mischten. Jede Partie blieb für sich, der Arbeiter in einer vom Gesetzgeber wohl nicht
so dals das Geschofs mit zwanzigtheiligem Kern einer beabsichtigten, weil ungeahnten Weise auf 32 bezw.
Kartätsche glich. Später soll es ihm zw ar gelungen 4-0 Stunden. Hierdurch geht dem Arbeiter */i3 seines
sein, diesen Uebelstand dadurch zu vermeiden, dafs Lohnes unmittelbar und durch das zu weit gehende
er die ganze Füllung mit einemmal einprefste, aber Erkalten der Oefen und Walzen mittelbar sogar noch
für die Massenanfertigung der Geschosse soll dieses mehr verloren. Die Werke können nach Lage der
Verfahren ungeeignet gewesen sein. Wettbewerbsverhältnisse dem Arbeiter den Lohn-
Von anderer Seite ist auf eine Legirung von ausfall nicht nur nicht ersetzen, sondern werden
Wolfram mit Eisen oder einem anderen Metall hin­ vielleicht sogar gezwungen sein, sich durch H erab­
gewiesen worden. Solche Legirungen sind, mit setzung des Stücklohnes einen Ersatz für den Schaden
Ausnahme des Eisens, heute noch schwer herzustellen. zu sichern, der ihnen durch die Vorschriften über
Mit Eisen legirt sich Wolfram bis zu 8 0 % des letzteren die Sonntagsruhe entsteht. Auf der ändern Seite
zwar leicht, aber bei einem Wolframgehalt, bei dem besteht bei den Arbeitern dieser Werke der aus­
das hohe spec. Gewicht zur bezweckten Verwerthung gesprochene Wunsch, die Sonntagsruhe auf ein zu­
kommt, ist die Legirung sehr schwer schmelzbar trägliches Mafs herabgesetzt zu sehen. Die Nothlage
und spottet seiner Ilärte wegen jeder Bearbeitung. des deutschen Weifeblechgewerbes, die hauptsächlich
Letztere wird aber zur Anbringung des Führungs­ dadurch hervorgerufen ist, dafs der amerikanische
mittels nicht entbehrlich sein. Dagegen hätten solche Markt der englischen Hervorbringung verloren ging,
Geschosse eine unbedingt zuverlässige Festigkeit, die nun Ersatz auch auf deutschem Markte sucht,
diese ist zwar auch dann gewährleistet, wenn der kennzeichnet sich durch eine Verringerung seiner
Wolframgehalt bis zur Bearbeitungsfähigkeit der Erzeugung. In den fünf ersten Monaten des Jahres
Legirung herabsinkt, aber der Vortheil der gröfseren 1896 ist fast fünfmal soviel Weifsblech aus England
Schwere wäre dann gänzlich geopfert und die Ver­ nach Deutschland eingeführt worden, als in dem
wendung von Wolfram ganz zwecklos. Eine Mischung entsprechenden Zeitraum von 1895. Dieses Mifs-
von 35 Wolfram und 65 Eisen würde erst Geschosse von verhältnifs wird sich noch steigern, wenn man die
etwa dem spec. Gewicht der heutigen Mantelgeschosse durchaus unzuträglichen Vorschriften, betreffend die
mit Hartbleikern geben. Es scheint, dafs das Miegsche Sonntagsruhe in der bisherigen Weise bestehen läfst.
Prefsverfahren besser zum Ziele führen wird. Wenn man in den Weifsblechwalzwerken die Sonntags­
Eine Herstellung des H e b l e rschen R öhren­ ruhe auf das frühere Mafs von 12 Stunden h e ra b ­
geschosses, die in dem eingangs erw ähnten Aufsatze setzte, so würden infolge der 8 ständigen Schicht die
in Erwägung gezogen wurde, kann unseres Erachtens Arbeiter eine immer noch erheblich längere Sonntags­
hier gar nicht in Frage kommen. Die Behauptungen ruhe als 24 Stunden haben; denn diejenigen Arbeiter,
Hehlers von den , w underbaren“ ballistischen Eigen­ die beispielsweise bis Sonntag Vormittag um 0 Uhr
schaften seines Röhrengeschosses, die s. Z. so viel gearbeitet haben, würden erst am Montag Nachmittag
Aufsehen erregten, waren nur theoretisch unter um 2 Uhr mit der Arbeit wieder beginnen, und die­
Voraussetzungen errechnet, die ebenso des praktischen jenigen, welche am Sonntag Abend um 6 Uhr zur
Beweises bedurften, wie die Rechnungsergebnisse. neuen Schicht antreten, haben schon Samstag Nach­
Durch die späteren Schiefsversuche wurden sie auch mittag um 2 Uhr aufgehört zu arbeiten. Es liegt
nur in geringem Mafse bestätigt. Die erlangten daher ebensowohl im Interesse der Arbeiter als der
Vortheile stehen in keinem Verhältnifs zu der heimischen Erzeugung, dafs hier Wandel geschafft
schwierigen Herstellung des Geschosses, bei der wird in Verhältnissen, die der Gesetzgeber gar nicht
Wolfram ganz ausgeschlossen wäre. Zudem würde gewollt haben kann, und wir zweifeln nicht, dafs der
dieses Geschofs es nie ermöglichen, das kleinkalibrige Minister für Handel und Gewerbe sich dem Eindruck
Gewehr wieder zu einer „humanen Waffe” im der Thatsachen nicht verschliefsen wird, die eine
Brunsschen Sinne zu machen. Abhülfe gebieterisch verlangen.
Wir glauben unsere Betrachtung nicht schliefsen
zu dürfen, ohne die Frage zu berühren, ob denn
das Wolfram für den zu erwartenden gröfseren Bedarf
Koksofengase in der amerik. Gesetzgebung.*
herbeigeschafft w'erden könnte und der theure Preis
dieses Metalles seine Verwendung zu Geschossen auch lieber Koksofengase und deren Verwerthung
gestattet. D arauf läfst sich e rw idern , dafs von handelte jüngst ein Verhör, welches eine Commission
dieser Seite kaum Schwierigkeiten zu erw arten sind. des gesetzgebenden Körpers des Staates M a s s a ­
Sollten die deutschen Wolframerzlager unseren Bedarf c h u s e t t s N. A. mit den betreffenden Unternehm ern
nicht decken können, so sind die in Nordamerika, und Gutachtern am 3. und 4. März a. c. anstcllte,
Argentinien und Australien entdeckten ausgedehnten um sich über einen Gesetzentwurf „ z u r B e f ö r d e ­
Lager an Wolframerzen zu jeder Aushülfe imstande. r u n g der H e r s t e l l u n g und des V e r t r i e b e s
Aufserdem lehrt die Erfahrung, dafs mit der Nach­ v o n b i l l i g e m K o k s u n d K o k s o f e n g a s e n “ zu
frage das Angebot steigt und der Preis fällt. unterrichten und schlüssig zu machen. Es wird
J . Castner. nämlich beabsichtigt, von einer grofsen Central-Koks-
ofenanlage aus die Gase durch Böhren nach ver­
schiedenen Plätzen des Staates hin zur Vertheilung
Zur Sonntagsruhe in den Weifsbleclnvalzwcrken. zu bringen, ähnlich wie solches mit Naturgas in
Die Weifsblechwalzwerke, welche im Wettbewerb Pennsylvanien bereits der Fall ist.
gegen das durch günstigere Erzeugungsbedingungen
bevorzugte England einen schweren Kampf um ihr * Der umfangreiche vollständige Bericht w ar de
Bestehen kämpfen, sind durch die Bestimmungen Ausgabe des „American Manufacturer and Iron World*
betreffs der Sonntagsruhe in einer Weise geschädigt, vom 20. März d. J. beigefügt.
1. Juli 189G. Referate und kleinere Mittheilungen. Stahl und Eisen. 519

Die Unternehmer, vornehmlich Mr. H e n r y M.


W h i t n e y , Präsident der D o m i n i o n C o a l Co. i n Gasanalysen aus Gasanstalten.
C a p e B r e t o n , welche für sich das Recht der E r­
richtung der Koksöfen und des Lebens der Röhren- Eng­ Amerika Deutsch­
Bestandtheile land Amerika P itts­ land
leitimg in Anspruch nehmen, hielten in dieser Sitzung burg Köln
Vorträge über die Verhältnisse des amerikanischen
Koksbetriebes, über die chemische Zusammensetzung C O ........................... 6,64 0 — f,3 7 5,40
der benutzten Kohle und deren Gase, sowie über den 0 ........................... 0,50
w irtsch aftlich en W erth der sogenannten Neben- I I .................................. 45,58 46,— 50,28 55,—
producte. Der Bericht des Mr. W h i t n e y erstreckte 34,90 4 0 , - 36,95 36,—
sich auch auf die Schilderung der inzwischen in den
Vereinigten Staaten errichteten Theeröfen, nämlich Leichtöl • • • • 6,46 4 ,- 6,34 2,73
12 Solvay-Oefen zu Syracuse und 60 Otto-Hoffmann-
Oefen auf den Cambria Iron-W erken zu Johnstown, Brennb. Bestandtheile 93,58 96,50 97,94 99,13
und in fernerer Linie auch auf den Koksverbrauch. CO* ........................... 3,67 0,50 0,87
In dieser Beziehung wurde mit gewisser Genugthuung N . : .............................. 2,-46 1.50 0,06
hervorgehoben, dafs Koks bereits in umfangreichem I L S .................................. 0,29
Mafse als L o c o m o t i v k o k s auf den Eisenbahnen W a s s e r .......................... 1.50
benutzt werde. Speciell bei der B a l t i m o r e a n d zusammen 100,— 100,— 98,— 100,—
O h i o - E i s e n b a h n gelangt seit etwa sieben Jahren
Koks zur Locomotivfeuerung bei allen Personenzügen A n a l y s e von Ko k s o f e n g a s e n .
zwischen W ashington und Philadelphia, und seit den
letzten zwei Jahren auch auf den Zügen von letzterer HUssenor- Otto-
Stadt nach Chicago zur Verwendung. Aus einem Bestandtheile Oefen Hofr- lielg. Solvay-
Engl.
raann- Solvay-
mitgetheilten Briefe gedachter Bahn geht des weiteren I 1 II Oefen Oefen Oefen
hervor, dafs dieselbe seit Jahresfrist die Heizung
ihrer Locomotiven mit Koks noch beträchtlich aus­ C O .................. 4,46 4,61 6,49 7,95 8,8
gedehnt habe, was in ganz bestimmter Weise die 0 ..................... 0,14 0,41 — 0,23 —
Bequemlichkeit der Reisenden befördere und jegliche I I ............................. 58,37 61,40 53,32 52,77 56,—
Rauchbildung bezw. Rauchbelästigung der Fahrgäste C I L ........................ 27,36 24,71 36,11 31,22 23,7
— welche sonst der Sleinkohlenfeuerung anhafte — Leichtöi . . 2,33 2,03 2,24 2,57 3,1
vermeide. —
Als Gutachter hatte die Commission den J o s . D. 92,96 93,16 98.16 94,74 91,6
W e e k s , Beamten des geologischen Bureaus der Ver­ COa........................ 0,90 0,88 1,41 3,27 3 , -
einigten Staaten und Herausgeber des „American N ........................... 5,74 5,51 — 1,99
Manufacturer and Iron W orld“, zugezogen. Derselbe H äS ....................... 0,10 0,43 0,43 — —
berichtete in eingehender Weise über die Resultate W a s s e r................ — — — — —
seiner europäischen Reise, welche er in Gemeinschaft
mit Dr. F. L. S 1o c u m aus Pittsburg zum Studium zusammen 100,— 99.9S |100,— ¡100,— 94,6
der Verwerthung der Koksofengase vor zwei Jahren S.
ausgeführt habe. Aus diesen Berichten interessiren
unsere Leser die nachstehenden Analysen.
Hochöfen in Grofsbritannlen am 14. März 1896.
In Aufser Ins-
K o h l e n - u. K o k s - A n a l y s e n a u s P e n n s y l v a n i e n . Betrieb Betrieb gcswn
South Staffordshire..................... 22 44 66
An- F e tt­ Koks­
Koks North Staffordshire..................... 15 19 34
th racit kohle kohle S h r o p s h i r e .................................. 6 4 10
N o rth a m p to n s h ire ..................... 14 12 26
K ohlenstoff................. 83,672 60,92 73,728 92,55 Gloucestershire .......................... — 5 5
Flucht. Bestandtheile Hauts, Wilts and Somerset . . 1 2 3
einschl. Wasser . . 5,582 32.60 21,970 1 ,1 0 1 North Wales .............................. 3 2 5
A s c h e .......................... 10,746 6,48 4,672 6,346 Derby, Nottingham and Leicester 37 23 60
100,— ; 1 0 0 ,— 100,370 too,— Yorkshire, West R iding. . . . 16 23 39
L incolnshire.................................. 14 7 21
C lev elan d ...................................... 96 44 140
A n a l y s e v e r s c h i e d e n e r G a s e (in Volumen- Lancashire and Cumberland . 40 56 96
procenten). South Wales and Monmouthshire 20 4-4 64
S c o t l a n d ....................................... 79 30 109
der Kölner

Generator­
Gasanstalt

Gasanstalt
Murryvillo

a
amorikan.
Naturgas

Cc 0•uT>2_
Gas aus
Gas aus

, 363 315 678


gase

O « a>
aus

Bestandtheile („Iron and Steel Trades Journal


oigo
23
Ia 1896, S. 342.

Wasser............ 0,8 1,5 _ __ 1,5 _ Middlesborougli.


BtDZoldampf CcIIg — 0,61 — 1.51 Dem lS 95er Handelsbericht des Cleveländer
Atlhjlea C2IU . . . 1,0 4 ,— 1,63 — 0,4 1,19 Districtes entnehmen wir, dafe die Roheisenerzeugung
SthstftlwasittsloirII2S 0,5 — 0,43 0,5 0,3 daselbst 2916439 Tons betragen h a t; davon ent­
hkltiiäm CO2 . . 0,6 0,5 0,87 1,41 4 , - 2,5 fielen 1 MO 206 Tons auf Giefserei- und Puddelroheisen
üohltMijd 00 . . . 0,6 6 ,- 5,4 6,49 45,— 2,70 und 1476233 Tons auf Häm atit und andere Sorten
Wasitrsiof 11 . . . 22,— 4 6 , - 55,— 53,32 4 5 , - 12,— zur Stahlfabrication.
Adían Calls . . . 5— _ _ — — Die Ausfuhr von Roheisen nach fremden Ländern
Mas C1U . . . 67,— 40 — 36,— 36,11 2,4 2,5 betrug im Jahre 1895 622375 Tons, wovon 238 714
Slitksioff fi. . . . 3,— 1,5 — _ 56,2
Tons auf Deutschland und die Niederlande entfielen.
100,— 1 0 0 - 100,— 1 0 0 , - 100,— ? Die Ausfuhr von Schweifseisen, Flufseisen und
SeUlmr lleimrih . 1 0 0 , - 7 4 , - 7 4 , - 70,6 37,4 19,4 Stahl nach fremden Ländern und britischen Be-
520 Stahl und Eisen. Referate und kleinere Mittlieilungen. 1. Juli 1S9G.

Sitzungen betrug im Berichtsjahre 208111 Tons, der ringsum Sitzbänke enthält; während die W agen­
darunter 13 171 Tons nach Deutschland (zum gröfsten, mitte für das Handgepäck und dergl. freibleibt. Die
Theil SchifTbaumaterial) und 114764 Tons nach Ost­ Wagen erster Klasse, die der Zug ferner enthält,
indien (hauptsächlich Eisenbahnbaumaterial). Eine sind nach amerikanischem Muster gebaut und sehr
Anzahl grofser deutscher Dampfschiffe nimmt seil bequem, ja prächtig eingerichtet. Zuletzt kommen
einigen Jahren starken Antheil an den Verschiffungen die Güterwagen verschiedener Art. Die Maschinen
von Middlesliorough nach Ostindien. werden von Europäern geführt; jedem Zuge ist ein
Die Einfuhr von Eisenerzen aus fremden Ländern europäischer Schaffner beigegeben, dem zwei bis drei
betrug im Jahre 1S95 2090114 Tons. Diese Erze einheimische Bedienstete unterstehen. Es verkehren
werden zur Herstellung von Hämatitroheisen ver­ auf der Bahn auch Schnellzüge, die 00 km in der
wendet. Die Förderung eigener Eisenerze betrug Stunde zurücklegen und bei denen die Fahrpreise
5 125000 Tons. n u r verhältnifsmäfsig wenig höher sind.
Die Ausfuhr phosphorbaitiger Schlacke für Dünger­
zwecke belief sich auf 54946 Tons.
Metrisches Mats- und Gewichts-System im Ausland.
(Deutsches Handels-Archiv 1896, S. 118.)
Die Ausbreitung des metrischen Mafs- und Ge­
wichts-Systems im Ausland scheint neuerdings be-
Eisenbahnen in China. merkenswerthen weiteren Fortschritt zu machen. In
Die Gesammtlänge der chinesischen Eisenbahnen der Bepublik Me x i c o hat sich die Einführung ohne
beträgt rund 200 km.* 140 km davon entfallen auf Schwierigkeit vollzogen, und in der T ü r k e i ist sie,
die im Jahre 1888 eröffnete Strecke Tientsin-Kaiping, wenn w ir zuverlässig berichtet sind, am 1. März vor­
von der wieder 35 km auf die Theilstrecke von genommen worden. Im d ä n i s c h e n Beichstag ist
Tientsin bis Tongku entfallen, während die weiteren vor kurzem ein diesbezügliches Gesetz zur Vorlage
105 km die Bahnlinie von Tongku nach Tongkua- gelangt, ebenso wurde dem Parlam ent der V e r e i n i gt e n
Tongshan umfassen. Der zuletzt genannte Ort liegt I S t a a t e n ein Antrag unterbreitet, gemäfs welchem
in der Nähe der Stadt Kaiping, woselbst sich die das metrische System in allen behördlichen Kund­
Gruben und Werkstätten der China Mining and gebungen vom 1. Juli 1897 ab und bei allen privaten
Engineering Company befinden. Ueber den Bau und Geschäften vom 1. Juli 1S99 ab vorgeschrieben werden
Betrieb jener Bahn enthält „Le Genie civil“ folgende soll. In Gr o l ’s b r i t a n n i e n h a t das U nterhaus vor
Angaben: Die Linie scheint in recht sorgsamer und längerer Zeit eine besondere Commission unter dem
befriedigender Weise gebaut worden zu sein. Das Vorsitz von Sir H e n r y I t o s c o e eingesetzt, deren
Geleise besteht aus Vignoleschienen von 35 kg/m Berichterstattung nunmehr veröffentlicht ist. Zu dem
Gewicht, die in England (Barrow) gewalzt wurden; Bericht haben sich etwa 20 berufene Gutachter aus be­
die Querschwellen sind aus einheimischem Holz, das hördlichen, w irtschaftlichen, gewerblichen, Handels-,
sich ohne Behandlung mit Creosot sehr gut erhält. Schul- und Gelehrten - Kreisen geäufsert. Die tech­
Der ganze Oberbau ist in gutem Zustande und von nischen Gutachter A l e x . S i e m e n s , E. D o w s o n ,
gröfster Einfachheit, was von Vortheil ist, da die Kapt. S a n k e y und Sir B e n j a m i n B a k e r sprachen
Bahnbediensteten, die denselben erhalten und hand­ sich einstimmig zu Gunsten des Berichts aus, w’elcher
haben sollen, meistens Eingeborene sind. Fast die Zwangseinführung des metrischen Systems nach
durchweg ist die Bahn eingeleisig und in den Stationen Verlauf von zwei Jahren nach Annahme’ des Gesetz­
m it Auszugsgeleisen versehen. Zwei schöne eiserne entwurfs empfiehlt. Nur Sir F r e d e r i c k B r a m w e l l
Brücken sind die bemerkenswerthesten Bauwerke auf w ar allein gegen die zwangsweise Einführung des
dieser Bahnlinie. Die Locomotiven zeigen den am eri­ Wechsels in England und stimmte dafü r, dafs das
kanischen Typus, sind aber fast durchweg in England neue und alte System nebeneinander laufen sollen.
augefertigt worden. Die meisten hier verkehrenden Züge Lord K e l v i n m einte, das gegenwärtige englische
sind gemischte Züge. Unmittelbar hinter der Maschine System schwäche das Gehirn und vergeude die Zeit,
wird ein langer Wagen zweiter Klasse eingereiht, der so dafs es schleunigst abgeschafft werden müsse. Nur
durch eine Längsscheidewand in zweiTheile getheilt ist. allein J. G. S t e v e n s o n , ein Vertreter der chemischen
Die Sitzbänke sind zu beiden Seiten dieser Scheide­ Industrie, sprach sich gegen Einführung aus und
wand und entlang jeder Seite des Wagens angeordnet. m einte, dafs das britische System, bei welchem
Als dritter B e sta n d te il des Zuges wird ein unge­ 1 Galone 10 engl. Pfund Wasser und der Fufs 12 Zoll
deckter Wagen für die Arbeiterklasse angeordnet, vorstelle, das beste für die gesammte englischsprechende
Bevölkerung sei. Die technische englische Presse
* Dies entspricht etwa der Entfernung Berlin-drängt ebenso wie die amerikanische allgemein lebhaft
Dresden. auf Einführung des metrischen Systems. S.

Büelierschau.
Eu g . v. B e r g m a n n , Privatdocent. D ie W irtli- unserer V olksw irtschaft gesuchte Ursache der W i r t ­
schiiftslcrisen. Geschichte der nationalökono- schaftskrisen n ic h t; aber grofs genug bleibt sie im mer­
hin. Und so ist eine Geschichte dieser Theorien
mischen Krisentheorien. Stuttgart 1S95, W. Kohl­
gewifs nicht ohne Interesse, zumal wenn sie in einer
hammer. 9 J ( \ so sorgsam abwägenden Art und Weise geschrieben
In „The first annual report of the commissioner ist, wie sie in E. v. Bergmanns Buch vorliegt. Er hat
of labor (Washington 1S96)- ist zu lesen, dais das diejenigen Theorien, welche die Krisen ausschließlich
„grofse Publikum“ über 180 Ursachen von v o lk s w ir t­ in der Geld- und Creditsphäre verfolgen oder auch
schaftlichen Störungen angegeben habe. Ganz so grofs die allgemeinen Krisen überwiegend aus den Vor­
ist die Zahl der im Kreise der nationalökonomischen gängen jener Sphäre ableiten, von seiner Darstellung
Gelehrsamkeit voneinander abweichenden Ansichten ausgeschlossen. Auf diese Lehren, denen gegenüber
ü b e r die in der Verfassung und in den Functionen ein Hereinziehen und eine Betrachtung der That-
1. Juli 1S96. Bilcherschau. Stahl und Eisen. 521

sachen des W irtsch a ftsleb en s unbedingt n o tw e n d ig einschlägigen Paragraphen der Gewerbeordnung sowie
erscheint, will der Verfasser in einer auf die realen verschiedene auf die Sonntagsruhe bezügliche An­
Vorgänge der V o lk sw irtsch aft eingehenden weiteren weisungen und Bekanntmachungen.. Die Darstellung
Arbeit eingehen. W ir sehen derselben mit Spannung des Werkchens ist eine im besten Sinne populäre,
entgegen. Dr. W . Beniner. und bei den billigen Preisen dürfte ihm eine grofse
Verbreitung sicher sein. D r. W. Beniner.
Neuester Eisenbahn - G ütertarif fü r Deutschland,
enthaltend die Entfernungen v o n j e d e r und Dr. A. S c l i ä f f l e , B au und Leben des socialen
n a c h j e d e r Station Deutschlands, Tabelle über Körpers. II. Auflage. I. Band. Allgemeine
die Frachtsätze nach Kilometer, die wichtigsten Sociologie. Tübingen 1896, H. Laupp.
Vorschriften für den Güter- und Viehversand, Dieses in seiner ersten Auflage vielangegriffene
Zusammenstellung der erforderlichen Fracht­ und vielgelobte Buch hat in seiner zweiten Auflage
bezüglich der Grundauffassung des Gegenstandes und
briefe, Steuer- und Zollvorschriften nach sämmt- der Behandlung besonderer Stoffe wesentliche Aende-
üclien europäischen Staaten und Ländern, sowie rungen nicht erfahren, so wenig, dafs, wie der Ver­
die wuchtigsten Ausnahmetarife. Nach amtlichen fasser in der Vorrede hervorhebt, weitaus der gröfsere
Quellen zusammengestellt (ohne Verbindlichkeit Theil des neuen Textes mit dem Texte der ersten
Ausgabe wörtlich übereinstimmt. Dennoch darf sich
der Eisenbahn) von G. S c h ö n e b o r n , Eisenbahn- die jetzige Auflage als eine neue Schöpfung bezeichnen,
Stationsassistent für den Güter - Abfertigungs­ welche die Ergebnisse weiteren zwanzigjährigen Den­
dienst. Gültig vom 1. Mai 1S96. Hagen i. W . kens und Lernens in sich aufgenommen hat. Wir
1SOG, Verlag von Otto Hammersclimidt. Preis haben wiederholt dargelegt, was uns von den An­
sichten des Hrn. Dr. Scliäffle tr e n n t; aber auch w enn
geb. 10 ¿w. man nicht mit ihm übereinstimmt, bleibt es ein Genufs,
Das vorstehend angezeigle Buch ist die Frucht ihn zu lesen. Dr. TF. Beumcr.
einer langwierigen, grol'sen und mühevollen Arbeit,
für die alle am Handel und Verkehr betheiligten
Interessenten dem Verfasser zu wärmstem Dank ver­ Dr. K u n o F r a n k e n s t e i n , D er Arbeiterschute,
pflichtet sind. Dasselbe bringt zunächst die allgemeinen seine Theorien und Politik. (Hand- und Lehr­
Tarifvorschriften und bringt sodann das Eisenbahn­ buch der Staatswissenschaft. I. A btli.: Volks­
stationen verzeichn ils, enthaltend sämmtliche deutsche wirtschaftslehre, 14. Bd.) Leipzig 1896, G. L.
Stationen unter Bezeichnung der Kilometer, nach
welchen die Fracht in der allgemeinen Kilometer- Hirschland. 11 J i .
Tariflabelle zu ersehen ist. Hierzu kommen die be­ Ein aufserordentlich reichhaltiges und durch seine
sonderen Verkehrsbestimmungen der einzelnen Direc- vergleichende Darstellung des Arbeiterschutzreclits
tionsbezirke und ein Abschnitt, der sämmtliche Aus­ aller Culturstaaten doppelt verdienstliches Werk, das
nahmetarife enthält. Das Buch ist außerordentlich sowohl als Lehrbuch in die zahlreichen politischen
übersichtlich und enthält alle am 1. Mai d. J. in Probleme des Arbeiterschutzes einführt als auch ein
Geltung stehenden Bestimmungen. Wir empfehlen es trefflich orientirendes Nachschlagewerk bildet. Eine
den betheiligten Kreisen auf das wärmste. D r. B. Fülle statistisch vergleichenden Materials ist in die
Darstellung verwebt, die sich in wohlthuender Weise
M ax H a u s h o f e r , D er moderne Socialismus. durchweg einen objectiven C harakter zu w ahren
gewufst hat. ___ Dr. JF. Beumcr.
Webers Katechismen Nr. 154. Leipzig 1S9G,
J. J. Weber. 3 J L Deutsche und Engländer. Von T r a u g o 11 W i 1h e 1m
Man braucht, wie wir, längst nicht mit allen An­
sichten des Verfassers einverstanden zu sein und kann
Dy c ke r hof f . Essen 1S96, Baedeker. Preis 6 0 ^ .
doch in dem vorliegenden Buche eine werthvolle Be­ Eine vom besten nationalen! Empfinden getragene
reicherung unserer populären, gegen die Socialdemo­ Sammlung von Aufsätzen über gewisse Unterschiede im
kratie gerichteten L iteratur erblicken. Wenn dem deutschen und englischen Volkscharakter, die jeder gut­
Verfasser nach der Vorrede hauptsächlich daran lag, gesinnte Deutsche mit Vergnügen lesen wird. Dr. B.
den eigentlichen Kernpunkt des socialdemokratischen
Programms — die Verwandlung des kapitalistischen Statistisches Jahrbuch fü r das Deutsche Reich.
Privateigenthums an Productionsmitteln in gesellschaft­
Herausgegeben vom Kaiserlichen Statistischen
liches Eigenthum — gründlich zu entschleiern, die
denkbaren Formen der Expropriation und des hierauf Amt. 17. Jahrgang 1896. Berlin 1896,
folgenden socialistischen Betriebes zu erörtern und so Puttkammer & Mühlbrecht. Preis 2 d t .
in den Gedanken des Lesers ein Urtheil über die Der soeben erschienene 17. Jahrgang des Stati­
Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer socialistischen stischen Jahrbuchs für das Deutsche Reich bringt im
Weltordnung entstehen zu lassen, so hat er diese wesentlichen eine Fortsetzung der Zahlenreihen des
Aufgabe auf das beste gelöst. vorigen, enthält aber den früheren Jahrgängen gegen­
über auch mehreres N eue; hiervon ist hervorzuheben
H. v. Kr ü g e r , Regierungsrath, Vorschriften über erstens die dem Abschnitt I (Gebiets-Eiritheilung und
die Sonntagsruhe. In gemeinverständlicher Form Bevölkerung) eingefügte schematische Darstellung der
Verwaltungseintheilung der deutschen Bundesstaaten,
zusannnengcslellt. Zu beziehen durch Fr. Künker deren Material den amtlichen Quellen entnommen ist,
in Elberfeld. 15 portofrei bei 10 Exemplaren. und zweitens der Versuch, in dem Abschnitt XVI
In der gemeinverständlichen Form des Zwie­ (Versicherungswesen) über den bisherigen Rahmen
gesprächs werden in diesem Werkehen die Bestim­ hinaus, der nur die reichsgesetzlich geregelte Kranken-,
mungen über die Zulässigkeit der Sonntagsarbeit im Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung umfafste,
allgemeinen, die Ausnahmen vom Verbot der Sonntags­ auch Nachweise über die Lebens-und Feuerversicherung
arbeit im Gewerbebetrieb und Handelsgewerbe und zu bringen. Bei der Behandlung der Lebensversicherung
die besonderen Vorschriften für die Sonntagsruhe im ist eine Unterscheidung von Actien- und Gegenseitig­
Handelsgewerbe mitgetlieilt. Ein Anhang bringt die keits-Gesellschaften vermieden w o rd e n ; bei der Feuer-
522 Stahl und Eisen. Industrielle Rundschau. 1. Juli 1896.

V e r s ic h e r u n g liefs s ic h nur über die ö ff e n tlic h e n Katalog der M annheimer M aschinenfabrik M ohr <&
Anstalten ein einigermafsen ausreichender Nachweis Federhaff, III. Ablh. Materialpriifungsmascliiiieii.
führen. Aufser diesen neuen Kapiteln finden sich
kleinere Zusätze im Abschnitt VI (Gewerbe), betreffend: Derselbe enthält Beschreibungen der verschiedenen
Gewerbegerichte, Fabrikarbeiter: Abschnitt Vll (Ver­ Zerreifsmaschinen des der F irm a e ig e n tü m lic h en
kehr): Consulate; X (Preise): Marktpreise wichtiger Systems für Hand-, Riemen- und W asserdruckbetrieb
Lebensmittel in deutschen Städten; Abschnitt XIII nebst besonderen Einrichtungen und Zuthaten, von
(Justizwesen): Finanzielle Ergebnisse der beendeten hydraulischen Biegemaschinen für Biegungsversuche
Goncursverfahren; XIX (Die Schutzgebiete): Post­ mit Schienen und ähnlichen Materialien (Gröfsen von
verkehr und Postdampfschiffe. Von dem Ergebnils 40- bezw. 60000 kg Druckkraft), Federprüfungs-
der Berufszählung vom 14. Juni 1895 konnte noch maschinen, ferner von kleineren Biegemaschinen,
nichts gebracht werden; aus dem der Volkszählung welche zur Bestimmung der relativen Festigkeit und
vom 2. December 1895 sind die Einnahme-Zahlen Biegungsfähigkeit von gußeisernen Stäben bestimmt
für die einzelnen Staaten mitgetheilt. Das Jahrbuch sind, und anderen Maschinen solcher Art zum Biegen
bietet in der T hat eine vortreffliche Zusammen­ Von Blechstreifen um beliebige oder bestimmte Radien,
fassung der wichtigsten statistischen Angaben über sowie von Draht-Verwindungsmaschinen. Der Katalog
die polnischen und w irtsch aftlich en Verhältnisse ist das E rgebn is ernster Arbeiten auf diesem Sonder-
des Deutschen Reichs. gebiet.

Industrielle Rundschau.

Eisenhüttenwerk Maricnliiitte bei Kotzenau, richtete Direclor Ol f e Folgendes: Im Monat April w ar


die Betheiligungsziffer 3348690 t, die Förderung
AcL-Gcs., vorm. Schlittgcn & Haasc. 2952011 t. Es betrug also die Einschränkung 396679 t
Der Bericht über das Jahr 1895/96 lautet in der oder 11,85%. Die Betheiligungsziffer betrug arbeits­
Hauptsache: „Bei Beginn des Jahres w ar die Ge­ täglich mehr gegen den März 870 t, gegen April 1S95
schäftslage für unsere beiden Werke trotz des Vor­ 10140 t oder 7,84% . Die Förderung betrug m ehr
handenseins ausreichender Aufträge keine günstige. gegen März 570 t, gegen April 1895 10430 t oder
Die Verkaufspreise neigten, wie auch am Schlüsse 9,27 %. Versandt wurden im April 2207 047 t, davon
unseres vorjährigen Berichtes betont, nach unten und gingen 2 037 846 t = 92,32 % für Rechnung des
verfolgten speciell in emaillirten Blechwaaren eine Syndicats. Es sind versandt 1896 arbeitstäglich in
scharf rückgängige Bewegung. Erst der Herbst brachte Doppelwagen :
in dieser Beziehung eine Besserung. Der Aufschwung, Kohlen Koks Briketts
der sich in den meisten Industriezweigen, nicht zum März . . . 9245 1692 .277
mindesten in der grofsen M ontanindustrie, fühlbar April . . . 9196 1769 253
machte, führte, im Verein mit der günstigen Lage Mai . . . . 9264 1832 fehlt.
des englischen Roheisenmarktes, eine langsame E r­
höhung der Verkaufsnotirungen unserer Fabricate Der Absatz zu den Rheinhäfen ist flott, ebenso
herbei. Unterstützt wurde diese Bewegung dadurch, für den Export und die Industrie. Kokskohlen sind
dafs im Zusammenschlufs der an einzelnen unserer kaum zu beschaffen, es können die vertraglichen
Specialartikel interessirten Werke eine sachgemäfse Mengen nicht voll geliefert w e rd en , da das Koks­
Verständigung über die Milderung des Concurrenz- syndicat die Einschränkung für Juni auf 3 % ermäfsigte.
kampfes sfattfinden konnte. Naturgem äß kam diese
Besserung erst nach und nach zum Ausdruck, w ar
aber, in Verbindung mit bedeutendem Mehrumsatz
w ährend des zweiten Halbjahrs, stark genug, nicht W estfälisches Kokssyndicat.
n ur das im ersten Halbjahr gegen 1894/95 gehabte
geringere Erträgnifs auszugleichen, sondern auch Der Vorstand des Kokssyndicats wünscht das
neben gröfsoren Abschreibungen die Vertheilung einer Syndicat bis 1905 zu verlängern. Bei Nichtverlängerung
um 1 % gegen das Vorjahr erhöhten Dividende — desselben w ürde das Kohlensyndicat in Gemäfsheit
•51/* % gegen 2 1/ 2 % — zu gestatten. Der erwähnte seines Vertrags mit den Zechen ohne weiteres auch
Mehrumsatz betrug 290660,01 J i \ w ir erlösten für den Verkauf des Koks übernehmen. Der Vorstand
die verkauften Fabricate 381-9255,61 J l gegen des Kokssyndicats hatte daher, um die Ansichten der
3558595,60 J l für 1894/95.“ Die Vertheilung des Syndicatsmitglieder zu hören, letztere auf den 11. Juni
Gewinnes von 136 706,47 J l wird wie folgt vor­ nach Bochum eingeladen. Die „Rh.-YV. Ztg.“ berichtet
geschlagen: 5 % von 128974,36 M dem Reserve­ über die Versammlung wie folgt: Die Stimmung w ar
fonds = 61-18,72 ,//, l 'l i % von 128902,36 J l dem überwiegend dafür, das Kokssyndicat zu verlängern.
Aufsichtsrath = 9667,6S J l, 10 % von 128902,36 «# Ein verbindlicher Besclilufs wurde nicht gefafst. Nach
dem Vorstande und den Beamten — 12890,24 J l , längerer Verhandlung wurde der Vorstand des Koks­
3 ‘/* % Dividende von 2SSOOOO J t den Actionären — syndicats beauftragt, mit dem Kohlensyndicat darüber
100S00 J l , Vortrag auf die Rechnung des nächsten zu verhandeln, dafs das Kokssyndicat bis zum Juli
Geschäftsjahres 6899,83 <.#. 1905 verlängert werde. Es soll jedoch jeder Zeche
gestattet sein, den Vertrag vor dem Jahre 1900 zu
kündigen, worauf dann die Auflösung am 1. Juli 1901
erfolgen würde. Bei Nichtannahme des Vorschlags
Rheinisch-westfälisches Kohleusyudicat. durch das Kohlensyndicat erlischt das Kokssyndicat
Ueber die in Essen am 8. Juni abgelialtene Versamm­ am t. Juli 1S98 und geht der Koksverkauf an das
lung der Zechenbesitzer berichtet die „Rh.-W. Ztg.“ : Kohlensyndicat über.
Zu Punkt 1 der Tagesordnung, „Geschäftliches“, be­
1. Juli 1896. Industrielle Rundschau. Stahl und Eisen. 523

Dlfl'erdlnger Hocliöfcn. wurden. Die Maryland Co. machte 242 962 $ Rohüber*
‘schtifs, der aber zur Deckung der Zinsen und Reorgani“
Im Memorial du Grand - Buche de Luxembourg
sationskosten sowie zum Anblasen eines neuen Hochofens
vom 19. Mai werden die Satzungen der Gesellschaft
veröffentlicht. Das Actienkapital ist 4 Millionen Frcs., nicht ausreichte, so dafs noch ein Verlust von 35920 $
verblieb. Die Jurugua Iron Ore Co. (Cuba) konnte
es werden aber von den 6000 Actien zu je 500 Frcs.
vorab nur 4000 Stück ausgegeben. Eingebracht sin d : 5 % Dividende vertheilen; zur Zeit leidet sie unter
dem Aufstande, so dafs man stellenweise zum Bezug
das Grubeneigenthum (etwa I6l/i ha) der Bergwerks­
von anderem ausländischem Erz übergehen mufste.
gesellschaft von Belvaux-Übercorn nebst allen Anlagen,
In 281 Betriebstagen verluden die Werke 232000 t
das Bergbaurecht auf 50 Jahre (vom Jahre 1875 ab)
Erzeugnisse; ein ernstlicher Unfall entstand durch den
auf Concessionen von 11,7 Ar bezvv. 20 ha und der
Zusammenbruch des Daches einer Giefshalle. 2 Hoch­
zur Erbauung der Hütte erforderlichen Ländereien
öfen wurden neu zugestellt; sie sind zur Zeit alle 4
nebst Plänen u. s. w.
in zufriedenstellendem Betrieb. In der Bessemerei
hat die neue Einrichtung die Zahl der „tonnage m en“
La Métallurgique, Société anonyme de construction. von 153 auf 119 verm indert, auch verspricht man
sich guten Erfolg von der Einführung des directen
Laut Geschäftsbericht gelegentlich der H aupt­
Betriebs. Im Martinwerk ist der letzte der sechs
versammlung vom 2S. März haben die Betriebe dieser 40-t-0efen fertig; die Erzeugung w ar dort 122000 t.
Gesellschaft einen Rohgewinn von 518331 Frcs. er­ Die Brückenbauanstalt fertigte 10000 t. Sollte auch
bracht, von welcher nach Aufwendung von 377 000 Frcs. die Lage sich nicht bessern, so würde das Ergebnils
für Abschreibungen und nach Dolirung des Reserve­
für das laufende Jah r finanziell günstiger sein, weil
fonds mit 5% 7 Frcs. per Actie, im ganzen 210000 Frcs., man besser arbeitet und weniger Zinsen auszugeben hat.
also 3'/ä % auf das 6 Millionen Francs betragende
Actienkapital vertheilt werden sollen. Ende Februar
hatten die vorliegenden Aufträge eine Höhe von Hauts-fourneaux du Sud de Chätelineau.
0 336 574 Frcs. erreicht, die, nachdem die Preise sich Der Gewinnst in 1895 belief sich auf 8933 Frcs.
vor einiger Zeit gebessert haben, einen recht zufrieden­ gegen 71504 in 1894 und 179 335 in 1893. Eine
stellenden Nutzen versprechen. Dividende wird nicht ausgeschüttet.
Der Hochofen von Sud du Chätelineau ist im
vorigen J a h r , während der niederen Preislage, aus­
Soc. Commeutry-Fourcliambault.
geblasen worden, ausgebessert und in der günstigsten
Weise wiederhergestellt worden. Bei den ersten Die Kohlenförderung w ar in 1894/95 994 G72 t
Zeichen der beginnenden Preisbesserung wurde der (-f- 49 971 t), die Erzeugung an Eisen 45091 t
Betrieb wieder anfgenommen, der sich bei den jetzt (— 3697 t); der Gewinn betrug 917 654 Frcs.; man
besseren Preisen gewinnbringend gestaltet. Bei der vertheilt 7 % Dividende.
Société des Ateliers Franco Russes ist die Gesellschaft
stark betheiligt. Dieselbe h a t in der Nähe von Jeka- P anzerplatten-L ieferung.
terinoslaw eine mit den bestbewährtesten Einrich­ F ür die Panzerplatten-Lieferung, welche die Ver­
tungen und Werkzeugmaschinen ausgerüstete W erk­ einigten Staaten vor kurzem ausgeschrieben hatten,
stätte errichtet und dürfte für diese allem Anschein ergab die am 2. Mai d. J. erfolgte Eröffnung der A n­
nach sehr schnell eine grofse und gute Kundschaft gebote, dafs nur die Carnegie Steel Co. und die Bethlehem
finden. lron Co. sich am Wettbewerb betheiligt hatten. Letztere
Erzeugt wurden in den W erkstätten von Tubize forderte für die Platten für das Panzerschiff Kearsarge
43 Locomotiven, in Nivelles 451 Wagen verschiedener 1573 390 $ und für Kentucky 1569 075 §, erstere
Art, 106 Gestelle und 3371 R adsätze, in La Sambre Gesellschaft 1 568 162 bezw. 1 572477 $ ; auf die Tonne
106 Wagen, 4 Tender, 725 Weichen und Kreuzungen, umgereelmet stellt sich der Preis zwischen 525 und
21 Krähne, 8 Panzerthürm e u. s. w. 585 x. Die Platten sollen nach dem Harvey-Verfahren
Interessant ist, dafs der Durchschnittslohn der hergestellt werden, jedoch bezahlt die Regierung die
1350 durchschnittlich beschäftigten Arbeiter nur Patentgebühren für die Erlaubnifs zu seiner Benutzung
771! Jt, betrug. Bei der rheinisch -westfälischen Ma­ besonders. Es wird angenommen, dafs die ganze,
schinenbau- und Kleineisenindustrie - Berufsgenossen- einen Werth von rund 13 Millionen Mark vorstehende
SChaft betrug 1891 der durchschnittliche Jahresverdienst Lieferung an die beiden Werke je zur Hälfte vertheilt
921 J l, also in Belgien 145 M weniger. Auf die werden wird. Das Ausland w ar von vornherein von
Arbeiterzahl der Métallurgique berechnet, ergiebt der der Lieferung ausgeschlossen.
in Deutschland gezahlte Mehrlohn den Betrag von
195750 JL, d. h. mehr, als die Dividende des belgischen
Werks ausmacht. Eisenindustrie in Neu-Seeland.
Angeregt durch den Vortrag über die Behand­
Pennsylvania Steel Co. lung des Neu-Seeländer Magneteisensandes, weichen
Aus dem ersten Bericht der unter dem 7. Juli v. J. E. Metcalf Smith kürzlich vor dem Iron and Steel
neu organisirten Gesellschaft erhellt, dals die Kapital­ Institute gehalten hat, hat sich in England die „New
verhältnisse sich wie folgt gestalten: 5 Mill. Dollar Zealand Iron and Steel Company“ mit einem Kapital
Starnmactien, 1 lji Mill. Vorzugsactien und 1 Mill. von 9 Millionen Mark gebildet. Der Eisensand soll
Vorzugsobligationen auf die Anlage in Steelton und folgende Analyse zeigen: Eisenoxyd und Eisenoxydul
für die M a r y l a n d S t e e l Co. auf 1 Mill. Starnmactien 8 2 %, Titanoxyd 8 % , Kieselsäure 8 % . Es soll ein
und 2 Mill. Vorzugsobligationen auf Sparrow Point, Hochofen mit einer wöchentlichen Erzeugung von
sowie ferner 7 Mill. gemeinsamer Obligationen, von 500 t, eine Giefserei und ein Walzwerk mit 100 bis
denen aber 3 Mill. zur Tilgung der genannten Vorzugs- 150 t Stabeisen, Strafsenbahnschienen u. s. w. E r­
Obligationen bestimmt sind, auch ein Theil sich noch zeugung, ferner auch eine Stahlgießerei, Maschinen­
in dem Portefeuille der Gesellschaft befindet. Die fabrik u. s. w. errichtet werden. Man hofft nämlich
Pennsylvania Co. erzielte aus Aufträgen im Gesammt- auf gewinnbringenden Absatz in Neu - Seeland und
werth von 6679G59 § einen Roligewinn von 452989 den Colonien in Australien, welche jährlich für etwa
und einen Reingewinn von 121657 $, aus welchem 30 Millionen Mark an Eisen und Stahl einführen.
113-464 ¿’ für Neubauten in der Bessemerei und E r­ W ir überlassen unserer Quelle „Iron and Steel Trades
weiterung der Brückenbauwerkstätten aufgewendet Journal“ die Verantwortlichkeit für die Zahlen.
52 t Stahl und Eisen. Vereinn - Nachrichten. 1. Juli 1S9C.

ihre Schienen bezogen hat, einen Auftrag von 15 000 t


ScliienenÜeferung nach Japan und Itohcisencxport. an die Illinois Steel Comp, vergeben hat.
Zu der kürzlich gemeldeten Lieferung von 10000 t Ferner w ird bestätigt, dafs neuerdings wieder in
Eisenbahnschienen, welche die Carnegie Steel Comp, dem Süden der Vereinigten Staaten eine Ladung von
für Japan in Auftrag erhalten hat, wird nachträglich 10000 t Roheisen nach England gegangen ist. Der
noch bekannt, dafs'd er Preis etwa 21 '/* f.d .T o n n e Marktpreis daselbst schwankt zur Zeit von 8 $ für
f. o. b. Schiff New York gewesen ist, ein Preis, welcher Giefsereieisen Nr. I bis G'/j $ für graues Puddelroheisen
loco Hütte b .Pittsburg ungefähr 20 g lassen soli. Gleich­ loco Hochofen. Es wird angenommen, dafs der für
zeitig wird bekannt, dafs die Grand Trunk Comp, in England geforderte Preis nicht viel unter diesen Noti-
Canada, welche bisher ausschliefslich von England rungen gewesen ist.

Yereins - Nachrichten.

V erein d e u ts c h e r E is e n h U tte n le u te . L in tz, 0., Ingenieur, Mülheim a. Rh., Deutzerstr. 122.


Meyer, H., Betriebschcf, Servola bei Triest.
Aemlerungen Im Mitglieder-Verzeichnils. Neue Mitglieder:
lhnder, Theodor, Betriebsführer der Margarethenhütte, Chrz, K arl, Maschinen - Ingenieur der Sächsischen
Giefsen. Gulsstahlfabrik Döhlen, Döhlen bei Dresden.
Fischer, Joseph, Director der Hochöfen von l'Esperance- Kübcke, G., Ingenieur der deutsch-österreichischen
Longdoz, Seraing, Belgien. Mannesmannröhrenwerke, Remscheid.
Gouvg, Alexander, Chef der Forste, Gruben und Hoch­ Scharmann, Wilhelm, Werkzeugmaschinenfabricant,
öfen der metallurg. Gesellschaft Oural-Volga, Rheydt.
22 Bue de l’Odeon, Paris.
Verstorben:
Ilegerkamp, F., Ingenieur der Firma Gebr. Körting,
Linden vor Hannover, Nicmeyerstr. 13, I., r. Schmitz, August, Civilingenieur, Düsseldorf.

V o r 1ä u f i g’e A n z e i g e.

Da die bisher bei der Geschäftsführung eingelaufenen Anmeldungen eine zahlreiche Betheiligung
gewährleisten, so hat der Vorstandsausschufs in Gemäfsheit des ihm vom Vorstand übertragenen
Rechtes beschlossen, die nächste

Hauptversammlung des Vereins deutscher Eisenhüttenleute


am Sonntag den 20. September in Glehvitz

abzuhalten und in Verbindung damit am Montag den 21. September Besichtigungen oberschlesischer
Werke und am Dienstag den 22. September eine gemeinsame Fahrt nach Witkowitz vorzunehmen.
Die Festordnung für diese vom Verein beabsichtigten Veranstaltungen wird nach Feststellung
der Einzelheiten an dieser Stelle veröffentlicht werden, ebenso auch das Programm für den am 25.
und 26. September d. J. in Budapest abzuhaltenden montanistischen und geologischen Gongrefs,
dessen Besuch zahlreiche Vereinsmitglieder im Anschlufs an die Hauptversammlung beabsichtigen.

Gebundene Sonderabziige der Verhandlungen über

Die Deckung des Erzbedarfs


der deutschen Hochöfen in der G e genw art und Z u k u n ft
mit 9 buntfarbigen Tafeln sind zum Preise von G o ll durch die Geschäftsführung zu beziehen.