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ausgearbeitet und erfunden von

Wtcljaek Ase-aller
Direktor der Deutschen Yekikeidrttrg5«ååkade1nie in München, Æiillerstrafze 42
nach 35 jähriger Tätigkeit als Meister unö Zuschneiöekeljrer von Hchuken unö Vereinen.

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Verfaßt für den Verlag


VOII

Franz Naniwa GuEverfanöljatts, Miquer Daltherstrafze 29.

Gedruckt von der Verlagsdruckerei der ,,D e u f s ch e n B e k l e i d u n g S - 21 k a d e m i e« M. Müller öz Sohn, München V.


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Elle Hechle vonbclxallein
Jede Nachahmung wird gerichtlich
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Meinen Kunden gewidmet

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München im März 1904. Kranz ÆCUMCUZ
uchversandhaus München.
Inhalts-Verzeichnis

Vorwort. Selte Seite


Theoretische Zuschneideliunst bis 28 Der zweireibige Paletot für Dicke . . 140
Der Rockr . . . . 28 Der gloclienförmige Paletot . 142
» » aufrechte Haltung ZZ Das Sacco nach Maß . . . 145
,, ,- geneigte Haltung 32 Das Sacco nach Maß mit schrägen Taschen . . 150
,, ,, für starke Personen. 41 Das Sacco zusammengestellt . 154
Der Irack . 47 Verwachfene personen . 157—170
Der Gebroclt 53 Sportsltleider . 171
Die Beweisführung der Halsspiße . . 57 IalteniIoppe . . 172
Der Schoß . . . 65, 67, 69 Die nahtlose Ioppe . . 176
Der Ärmel . . . 70 Das MorgensSacro .17·Z
Iagonstudie . 74 Der Schlafrock . . 180
Sarco und Paletot 84 Der Pelz Paleiot . . 182
Zweireihiges Sacco 90 Der Havelocle . . 184
Smolring 92 Der Hohenzollern Mantel . 188
DickcbauchsSacco . 96 E pelerinen . 1,90—196
Sacco nach 5 Maßen . 100 Der Wettermantel . 196
Die Blouse . . 104 Die Kapuzen . . 198
Die Interimsjoppe . 106 Die Weste. . 200—209
Das InterimsiBauchsacco . 110 Die Hose. . 211 s
Der Paletot . 113 Die weite Hose .""222
Der wette Paletot . 117 l Die DichbauchsHose «. 2·26
Der Bauchpaletot. . 122 Die O-, stose . 2294230
Der Paletot mit geraden Taschen . 125 Gewölbte Schenkel . . 231-
Der Paletot nach Maß. . . 127 Knabenkleider . . 234—238«
Der Paletot nach Maß für Dicke . 136 «

THE

DuurkfelxlensiTBenichligung
Auf Seite 35 unter Halsspitze in der 4.Zeile muß es beißen: Von x— = 1-, Oberweite. Das Wörtchen
cm fällt weg.
Auf Seite 214 unter Konstruktion der Hose muß es in der 2. Zeile statt li, bei B wieder auf die Stoff-
baute, beißen; dann auf gleicher Seite in der 8. Zeile statt s ein A. (Ich lege die Zahl l bei A an).
Auf Seite 228 unter Kreuznalst, 2. Zeile: E—I weniger 2 cm nach F.
Vorwort
Zum viertenmale erscheine ich vor der geehrten Fachwelt in· neuer Gewandung, aber mit
den alten Grundsätzen. Ja, die Grundsätze müssen die alten bleiben, weil sie auf
Wahrheit, Wissenschaft und Praxis beruhen, und nur die Formen sind es, welche stets dem
Wechsel oder der Mode unterworfen sind und sich der Zeit anpassen müssen.
Der Meister kann die Form zerbrechen, denn er schafft eine neue.
Bei keinem Gewerbe hat dieser Ausspruch eine größere Berechtigung als beim
Schneidergewerbe wo der Geist unaufhörlich neue Formen sucht und neue Moden schafft.
Die Anforderungen, welche heute an unser Gewerbe gestellt werden, sind sehr groß
und werden von Jahr zu Jahr größer. Die auf jedem Gebiete herrschende Konkurrenz tritt
beim Schneidergewerbe am schärfsten zutage und spornt jeden einzelnen Fachmann zu erhöhter
Tätigkeit an.
Den wesentlichsten Hauptfaktor des Schneidergewerbes bildet wohl schon seit urdenk-
lichen Zeiten die Zuschneidekunst. Dieselbe ist mit dem Gewerbe selbst entstanden und wird
im großen und ganzen auf unabsehbare Zeiten nicht von demselben zu trennen sein, wenn-
gleich die moderne Industrie die denkbar größten Ansirengungen macht, beides von einander
zu separieren. Dadurch hat der Betrieb des Gewerbes andere Formen angenommen, ist viel-
fach in die Hände der Kaufmannschaft gelangt und zur Jndustrie herabgedrückt worden. Der
Kaufmann und Industrielle hat mit praktischer Sicherheit herausgefunden, daß die erste und
hanptsächlichste Bedingung des Gewerbes, sowohl .im Klein- als auch im Großbetrieb, die
Zuschneidekunst ist und bleibt, daß von dieser Kunst der wesentlichste Erfolg abhängig ist und
daß ohne diese Kunst ein Florieren des Geschäftes ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Jn
dieser wichtigen Erkenntnis einerseits und in kaufmännischer Überlegenheit andererseits lag
seine Stärke, und damit begann das Suchen nach guten Zuschneidern, welches heute noch
andauert. Dieser Geschäftsbetrieb und die damit verbundene Nachfrage nach guten Zuschneidern
hat aus dem vorher spärlich vorhandenen Zuschneiderpersonal nach und nach eine große Kor-
poration geschaffen, welche heute schon als ziemlich gefchlossene Interessen-Gesellschaft auftritt,
in das Rad des Schneidergewerbes eingreift und demselben für sich Vorteile abzuringen ver-
steht. Wo ist aber der kleine Schneidermeister geblieben?
Fachkollegen, Ihr werdet nicht verlangen, daß man aus falscher Scham den Schleier
über mißliche Übelstände und Krebsschäden ziehe und diese in Weihrauch verhülle, nein, denn
das würde nur weiteren Schaden bringen.
Ein großer Prozentsatz von Fachleuteu ist zurückgeblieben, hat mit der fortschreitenden
Entwicklung des Gewerbes und ganz besonders mit der rasch aufstrebenden Zuschneidekunst
nicht Schritt gehalten, infolgedessen die Neuerungen in unserem Gewerbe mit der ewig wandel-
baren Mode unrichtig angepackt, ungenügend ausgeführt, die Kunden damit nicht befriedigt
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und somit nicht nur keine neuen Kunden gewonnen, sondern alte womöglich verloren und die-
selben in den Laden des Kaufmanns getrieben. Neben gesetzlichen und sozialen Verhält-
nissen trägt die hauptsächlichste Schuld an diesem Zurückbleiben die frühere Unkenntnis im
Zuschneidewesen im allgemeinen.
Man wird sagen, ich übertreibe; nein, denn ich habe die Erfahrung gemacht, daß
sehr viele Schneidermeifter und Zuschneider einer neuen Mode gegenüber fast ratlos dastehen,
und bis diese die neue Konstruktion begreifen, ist längst was anderes Mode und ihre Hilf-
losigkeit beginnt von vorne.
Auch gegen jene Zuschneidelehrer muß ich mich wenden, welche ihr System der Fach-
welt anpreisen als spielend leicht, und welche in 8—14 Tagen sämtlichen Unterricht im Zu-
fchneiden geben können. Jeder bessere und denkende Fachmann weiß, daß solches unmöglich
ist. Die Reichhaltigkeit der Auswahl von Herrenkleidern und die wechselnde Mode, dann ganz
besonders die wirkliche Fachwissenschast selbst verlangen eine viel längere Unterrichtszeit, und
solche Zuschneidelehrer beweisen nur, daß sie selbst nichts können und verstehen.
Ein weiterer Übelstand, welcher sich zum größten Teil mit ganz wenig Ausnahmen
bis auf den heutigen Tag erhalten hat, ist das Lehrlings- und Gesellenwesen. Fast jedes
Handwerk bildet seine Lehrlinge derart ans, daß dieselben nach kurzer oder längerer Gesellen-
zeit imstande sind, als selbständige Meister, ob nun mit viel oder weniger Geschick und Glück,
austreten zu können. Der Schneiderlehrling und Geselle lernt aber nur das Nähen und die
Bearbeitung Der hauptsächlichste und allerwichtigste Punkt, das Z·uschneiden, wird ihm nicht
gezeigt, ja viel eher ängstlich geheim gehalten, als ein Kleinod, als ein Talisman, der seine
Kraft durch Ubermittlung verliert. Will nun ein Geselle Meister werden, so ist er genötigt,
das Zuschneiden erst auf einer Zuschneideschule zu erlernen, oder die oft kaum genügenden
Kenntnisse eines neidlosen Fachmannes diesem in einigen Tagen abzulauschen
Eine gute Zuschneideschule ist aber nicht billig, kann nicht billig sein, infolge ihrer
großen Auslagen, dann erfordert ein erfolgreicher Kursus eine Unterrichtsdauer von wenigstens
4—6 Wochen, während welcher Zeit der junge Mann nicht nur nichts verdient, sondern auch
seinen Lebensunterhalt bestreiten muß. «
» Viele Anfänger sind ganz außerstande, solche Opfer zu bringen, viele andere, welche
die Geldmittel haben, ersparen sich diese Ausgabe, veranlaßt durch die falsche Voraussetzung,
es so auch vorwärts zu bringen, mit Hilfe von ein paar erworbenen Modellen.
Die Folge davon ist, daß sich das Geschäft eines Solchen niein die Höhe schwingen
kann. Die meiste Zeit und die dem Geschäft zu opfernde geistige Tätigkeit wird durch die
unsichere, tiiftelndeZuschneiderei vergeudet und der Kunde ist mit den Kleidungsstücken dennoch
nicht befriedigt. Während ein gewandter Zuschneider und Meister die technischen Schwierig-
keiten spielend überwindet, bleibt ihm Zeit und Geist zu weiterem Denken und Schaffen übrig.
Kommen Proben und Änderungen vor, so wirft der geschulte Fachmann einen
prüfenden Blick über das betreffende Kleidungsstück und trifft die richtigen Änderungen
und Kombinationen, während der ungeschulte Fachmann, selbst nach langjähriger Praxis,
ängstlich zögernd sehr oft falsche Anderungen vornimmt. Die unausbleibliche Folge ist
erstens großer Schaden, dann aber eine Verbitterung im Herzen, welche ihm den ruhigen,
klaren Gedanken vollends raubt und die dem Gewerbe anhaftenden Widerwärtigkeiten un-
erträglich macht.
Was aber soll nun geschehen? «
Daß man den Lehrling schon ganz im Zuschneiden abrichtet, soll nicht gesagt sein,
wohl aber soll man denselben mit einzelnen Teilen der Zuschneiderei vertraut machen, damit
das Interesse geweckt wird und hauptsächlich schon deshalb, damit derselbe ein tüchtiger und
— 9 --

verständnisvoller Arbeiter wird. Als Geselle soll er seine Kenntnisse in jeder Weise erweitern
und, so gut vorbereitet, als reifer Fachmann in eine Lehranstalt eintreten, welche er dann
nach kurzer Zeit als tüchtiger Zuschneider verläßt, gleichviel, ob er dann in dieser Eigenschaft
in Stelle tritt oder ein eigenes Geschäft gründet.
Jahrhunderte lang hat der Kleidermacher seine niedere Stellung im sozialen Leben
mit wahrer Lammsgeduld ertragen, und nur das Bewußtsein seiner Intelligenz und seines
umfangreichen Wissens hat ihm Trost und mitunter Zufriedenheit gewährt. Die Ansprüche
aber, welche die heutige Menschheit mit ihren hohen Forderungen an den Fachmann stellt,
sind so eminent große und in die höhere Wissenschaft eingreifende, daß Staat und Gesell-
schaft verpflichtet sind, dem Schneidergewerbe und der damit auf das engste verwachsenen
Zuschneideknnst mehr Interesse und Wohlwollen entgegenzubringen.
Ein mächtiger Drang nach Wahrheit und Wissen ist es, was mich veranlaßte, dieser
Zuschneidekunst bis in die kleinsten Teile nachzuforschen. Vieljährige Uebung und Praxis als
Zuschneider, verbunden mit geometrischen und anatomischen Kenntnissen, haben mich befähigt,
ein neues System auszuarbeiten, welches in seinem ganzen Wesen von neuen Gesichtspunkten
ausgeht, mit vielen alten Traditionen bricht, und welches vermöge seiner absoluten Sicherheit
mit Recht das ,,System der Zukunft« genannt werden kann. Es fällt mir gar nicht ein,
mein System deshalb anzupreisen, um andere zu verkleinern oder einen großen Gewinn daraus
zu erzielen, nein, es leitet mich vielmehr der Trieb, unserem Gewerbe auf diese Art zu Hilfe
zu kommen.
Mein neues System ist das Produkt jahrelangen Forschens bei über 35jähriger
Tätigkeit, eine Vereinigung anatomischer und praktischer Kenntnisse, und kein bis jetzt bekanntes
System hat auch nur annähernd eine ähnliche Grundlage und Aufstellungsweise. Bedeutende
Fachmänner sprachen unverhohlen ihr Erstaunen über die eigenartige, neue und sichere Aus-
führungsweise ans. Die genaue Wiedergabe des Körpers ist gerader überraschend. egeber
nicht nur bei normalen Figuren, auch bei jeder noch so verwachsenen Figur nimmt man
die gleichen Maße-, dieselbe Yufflellung und dasselbe sichere Resultat wird erzielt. Meine
langjährige Tätigkeit als Zuschneider hat mir Gelegenheit geboten, das System zu prüfen
und dasselbe auf seine jetzige Vollkommenheit zu bringen.
In regem Umgang mit Zuschneidern und Meistern habe ich die Erfahrung gemacht,
daß bei Ansicht eines neuen Systems der Fachmann einen prüfenden Blick über die ganze
Zeichnung wirst, und ehe er auch nur einen einzigen Buchstaben gelesen, ist er in den meisten
Fällen mit seinem Urteil schon fertig. Siimmt die Zeichnung, sowie die nötigen Hilfslinien
mit denen im Gebrauch befindlichen überein, dann ist es ja gut; andernfalls aber entscheidet
der Fachmann oft ungünstig und nur nach seiner Eigenliebe, welche selten frei von Neid und
Vorurteilen ist. Würde man aber sämtliche Hilfslinien entfernen und nur das rein gezeichnete
Modell vorlegen, so ist die Entscheidung meistens eine unklare, und bewegt sich das Urteil auf
untergeordnete Sachen. Diese höchst beklagenswerte Tatsache erschwert jede Neuerung, weil
das Urteil schon gesprochen, bevor die Prüfung begonnen.
An diesem Handwerksübel leiden aber nicht nur die kleinen Geister, sondern weit
mehr jene, die das Glück in irgend einer Weise bevorzugt hat, obwohl vielleicht selbst Schüler
einer Akademie geringschätzig lächeln. Man hört oft solche Leute sagen: »Das habe ich schon
längst vergessen«, was nur beweist, daß sie es nicht mehr wissen, niemals richtig gewußt haben.
Viele Schulen und vielSysteme sind in neuester Zeit aufgetaucht und die Gründungen
wollen kein Ende nehmen, so daß auch hier gesagt werden kann, nicht um der Fachwelt einen
Dienst zu erweisen und das Gewerbe zu fördern, werden Schulen gegründet, sondern aus
Brodneid, und um Kassen für alle möglichen Zwecke zu griinden. Viele Schulen werden auch
--10—

gegründet und Bücher herausgegeben von Fachleuten, welche selbst nicht imstande sind, ein
gutes Kleidungsstück zu schneiden und welche nur den Mühseligkeiten des Gewerbes aus dem
Wege gehen wollen.
Ich will nicht in den alten Fehler verfallen, den fast alle Zuschneidelehrer haben,
alle Zuschneide-Systeme und Werke in den Kot zu ziehen, sondern ich will Jeden nach seiner
Faoon selig werden lassen.
Gegen eine Gesellschaft muß ich mich wenden, das sind die englischen und haupt-
sächlich amerikanischen Autoren.
Diese Herren behandeln die deutsche Fachwelt nur so von oben herunter, als wären
wir Schneider dritter oder höchstens zweiter Güte.
Es gipfelt dieser Stolz und Hochmut auf der Tatsache, daß leider viele deutsche
Kollegen vor den Fremden mehr Achtung haben, als vor sich selbst.
Was sind denn diese amerikanischen Systeme? Man frage doch jeden ehrlichen Fach-
mann, welcher in der Fachliteratur gründlich bewundert ist, und er wird mit mir sagen, daß
alle diese amerikanischen Systeme nur ein Abklatsch deutscher Systeme sind. Gott sei Dank,
im Punkte der Fachwissenschaft haben wir weder den Eugländern, noch gar den Amerikanern
uns unterzuordnen nötig. Es ist nur ewig schade, daß viele feine Geschäfte in Deutschland
die Vorzüge der heimischen Fachliteratur nicht kennen.
Um jedem Fachmann das Selbsterlernen zu erleichtern habe ich den größten Teil
des Buches technisch so geordnet, daß die Zeichnungen und Cliches gleich neben dem Text
angebracht sind. Dadurch habe ich das denkbar beste und leichteste Verfahren zur Selbst-
erlernung gegeben, ohne Rücksicht auf die enormeu Kosten.
Ich werde mit detn fortschreitenden Geist, der zivilisierend auf die Menschheit wirkt,
Schritt zu halten versuchen, und das Schneidergewerbe auf alle Neuerungen, welche ich in
Erfahrung bringe, zu rechter Stunde aufmerksam machen und davon in Kenntnis setzen.
Um diesen Zweck erreichen zu können, bitte ich alle Standesgenossen und Interessenten
um ihre warme werktätige Unterstützung
In diesem Buche habe ich nur das proportionale System mit Anhang über die
Verwendung weiterer Maße veröffentlicht. Außer diesem System lehre ich noch ein wissen-«
schaftliches System, also eine Aufstellung nach genommenen Körpermaßen. Um dieses System
mit Erfolg zu verstehen ist es notwendig auch ein proportionales System vorher zu erlernen. Beide
Systeme in diesem« einen Buche zu veröffentlichen ist nicht möglich und nötig gewesen, da das
wissenschaftliche System eben nur eine weitere Stufenleiter für die sachliche Ausbildung bildet,
dem die Erlernung eines guten Proportionalsystemes vorausgehen mußte.
Wer dieses Buch nun gründlich studiert, dem empfehle ich, sich die große Ausgabe
des Lehrbuches III kommen zu lassen und auch das wissenschaftliche System zu erlernen. Für
Fachleute mit leicht zu befriedigender Kundschaft ist dies zwar unnötig, ausgenommen er hat
großes Interesse an der Zuschneidekunst überhaupt. Viele Tausende arbeiten heute nach den
in diesem Buche niedergelegteir Prinzipien und nur nach proportionalen Regeln mit großem
Erfolge. Ich habe in diesem Buche alles niedergelegt was der Fachmann häufig braucht.
Extra Kleidungsstücke habe ich gleichfalls behandelt. Mit weiteren Fragen und Aufllärungen
gehe ich jedem Fachmann gerne an die Hand.
Ich wünsche und hoffe, daß auch dieses Lehrbuch sich einer günstigen Aufnahme er-
freuen möge und zum unentbehrlichen Ratgeber unserer gesamten Fachwelt weide.

München im März 1904.


Mich Müller
—11-

Einleitung

J s ist nicht gut, wenn man beim Unterricht gleich mit der Konstruktion
Er beginnt, sondern man muß dem Lernenden erst an der Hand von ver-
schiedenen Experimenten und Demonstrationen einen gewissen Überblick
überdas Ganze geben. Man muß figürlich den Zusammenhang der einelnen
·Teile zu einander erklären, man muß die Formen des Körpers, die man
bekleiden oder umhüllen will, kennen lernen. Deshalb ist vor allem notwendig,
daß man den Schüler mit dem Wuchs des Kunden oder sagen wir kurz mit
dem Wuchs der Menschheit vertraut macht. Mancher Leser wird nun sagen,
ach was, das ist mir zu langweilig, das weiß ich längst.
Gut, wer das alles weiß, braucht meine Abhandlungen nicht lesen, für
den sind sie auch nicht geschrieben.
Ich schreibe mein Buch überhaupt nicht für die Herren Professoren unseres
Gewerbes, sondern nur für meine Schüler und für jene Meister und Zuschneider,
welche ein gutes System mit wahren Grundsätzen kennen lernen wollen.

Die anatomischen Figuren.


Um den menschlichen Körperbau in seinem äußeren Teile kennen zu lernen, führe ich
für die Konstruktion desRockes sechs Figuren vor.
(Fig. 1 s. nächste Seite.)
Diese Figur zeigt dem lernenden Fachmanne die verschiedenen Schwingungen des
Körpers, der scheinbar ganz gerade, doch sehr erhebliche Abweichungen von der senkrechten
Linie anzeigt. Diese verschiedenen Biegungen, Höhlungen kann der Stoff nicht nachmachen,
ohne sich in Falten zu legen. Iede Falte bezeugt eine übermäßige Ansammlung von Stoff,
welche entweder durch Wegnehmen verschwindet oder aber auch dadurch, daß man an jenen
Stellen, welche glatt erscheinen, mehr Stoff anbringt, denn nicht selten ist gerade dieses
Glattsein oder Passen an hervorragenden Stellen zdie Ursache von Falten an schwachen und
tieferliegenden Stellen.
256
—12-.

Der menschliche Körper ist hier eingeteilt in 10 Gesichtslängen, mit einer senkrechten
und einer zickzackigen Schwerpunktslinie. Diese Figur bedürfte eigentlich keines Wortes; die-
selbe spricht für sich selbst. Allein da dieselbe
bei vielen Hauptpunkten als Beweis dienen
soll, so müssen wir sie näher beschreiben. Jch
komme zuerst auf 10 Gesichtslängen, wovon
jede Gesichtslänge wiederum in 3 Teile einge-
teilt ist. Die Gesichtslänge von der Stirne bis
zum Kinn ist in 3 gleiche Teile eingeteilt, und
besitzt der normal gewachsene Mensch 30 cm
Stirnlänge Es kommen auf den Ober-körper
5 cm Gesichts- oder 15 om Stirnbeinlängen,
ebenso kommen auf die Beine 5 cm Gesichts-
oder 15 am Stirnbeinlänge. Die senkrechte
Linie berührt die Punkte 0 und l-l. Das sind
jene Punkte, welche am Körper maßgebend
sind und nach welchen Punkten sich die Hals-
spitzen richten.
Die Zickzacklinie stellt die Schwerpunkt-
oder Mittellinie dar. Ieder Körper hat eine
Mittellinie oder Schwerpunkt-Linie
Die Wirbelsäule bildet diese Linie von
rückwärts, ist dieselbe nach der Seite gekrümmt,
so ist infolgedessen der ganze Körper ungleich-
mäßig, oder wie der Fachmann sagt, der Mann
ist einseitig.
Es ist also eine Seite, oder eine Achsel
höher und stärker, damit sich das Gleichgewicht
wieder herstellt. In ganz außergewöhnlichetn
Maßstabe ist dieses bei den wirklich verwachsenen
Personen der Fall.
Ist die Wirbelsäule nur nach vorn gebogen,
so entsteht dadurch mehr oder weniger eine ge-
neigte Haltung, welche von der Seite aus am
besten betrachtet werden kann.
Aber auch dann, wenn die Wirbelsäule
ganz gerade und tadellos gewachsen ist, bildet
der Körper verschiedene Schwingungen, welche
von der Seite aus zu betrachten sind. So sehen
wir denn die Schwerpunktlinie vom Kopfe bei
A ausgehend, nach dem Achselknochen t laufend,
von da zur Hüfte l-l, von H nach ll, von ll
nach l( und von l( zur Ferse nach Z gehend.
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dort an eine ganz andere Richtung nehmen muß. Nun sind aber die Stoffe, welche wir besitzen
glatt, ohne sich zu dehnen, sie machen also die Schwenkung nicht willig mit, sondern sie müssen
durch Einschnitte oder Dres-
sur so dirigiert werden,
«daß sie willig und glatt
folgen.
Daraus geht aber wie-
derum hervor, daß, je
stärker die Schwingungen
sind, desto stärker und größer
müssen die Einschnitte oder
die Dressur sein.
Aus diesem Grunde habe
ich neben dieser normalen
Figur noch zwei andere
zur Ansicht gebracht; näm-
lich eine aufrechte (Fig.2)
und eine geneigte (Fig. 3).
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Fig. 2. Aufrechte Haltung. fältig studiert fein muß, Zig. Z. Geneigte Haltung. L«
—14—

besonders wenn man sie nicht messen kann! Es sind dieses die hohen und niederen Achseln
und die normalen Achseln. (Fig.4,- 5 und 6). Was ist eine hohe Achsel? Einfach ein seichtes
Armloch und dabei eine größere Seitenlänge von ll—l-l. "

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Fig. 4. Fig. 5. Sig. 6.


Normale Achseln. Hohe Achseln. Niedere Achseln.

Eine niedere Achsel dagegen ist ein tiefes Armloch und eine kurze Seitenlänge von
v nach st. Diese Arten, hohe oder niedere Achseln, können bei jeder Körperhaltung also bei
normaler, aufrechter oder geneigter vorkommen und habe ich auch diese Arten figürlich dargestellt.

Das Messen
Nachdem ich so die Körperformen beschrieben und sie dem Lernenden zur Beurteilung
vorgeführt habe, tritt die Frage an uns heran, was für Maße brauchen wir zu einem Rock?
Da heute jede Schule und jeder Zuschneidelehrer sich damit brüstet, mit den wenigsten
. Maßen einen Rock schneiden zu können, so will auch ich dem Lernenden zuerst zeigen, wie viel
Maße notwendig sind, später werde ich ja auf ein direktes Maß-System übergehen.
Kommt also ein Kunde, welcher seinen Rock nicht gerne» auszieht, so nehme ich
folgende Maße auf dem Rock. Erstens die Taillenlänge vom Hülswirbel bis zur kurzen
Taille = 44 em, zweitens die ganze Länge nach Wunsch oder Mode = 90 em, drittens die
Rückenbreite, von der Mitte des Rückens bis zur Ärmelnaht = 19 em, viertens den Ellen-
bogen = 52 em, fünftens die Ärmellänge bis zur Handwurzel = 81 em.
Es kommt jetzt die Ober- und Unterleibweite, welche aber unbedingt auf der Weste
genommen werden muß. Ich fahre also mit detn Maßband unterhalb des Rockes, dicht unter
die Arme, wobei ich zu dem Kunden sage: bitte wollen sie die Arme hoch heben; habe ich
das Maß richtig plaziert, sage ich: bitte lassen sie die Arme jetzt sinken, dann nehme ich
—15-

ziemlich stramttt das Maß, sagen wir 96 em. Man lasse das Maßband heruntergleiten bis
zur Taille und nehme auch die Unterleibweite ziemlich stramm, 88 em.
Es kommt nun häufig vor, daß der Kunde beim Maßnehmen, sobald er das Band
fühlt, sofort sagt, ich möchte den Rock recht bequem haben, denn er hat Angst, der Rock

Sig. 7. - Fig. 8.
Die Taillenlänge = 44 am. Die ganze Länge = 90 am.

möchte so eng werden, als das Maßband aufliegt. Ich sage dem Kunden, der Rock wird
schon bequem, aber das Maßband muß ich stramm anlegen.

Yie Bittre (Fig. 14).


Noch können wir nicht zur Konstruktion übergehen, denn ich will an der Büste,
welche mir den menschlichen Körper ersetzen muß, einige Beweisführungen für meine Theorien
anführen.
Vor allem ist es notwendig, wie ich schon bei Fig. 1 bewiesen habe, daß ich die
senkrechte Linie von ll—l-l beibehalte.
Der hauptsächlichste Grund dafür ist die Mode oder der Brauch, daß man bei den
Röcken eine Achselnaht macht, durch welche bei A zwei Halsspitzen verbunden werden (die vom
Vorder- und Rückteil), welche an zwei verschiedenen Stellen, weit von einander entfernt, anf-
gestellt werden. (Siehe V und s).
Diese zwei Spitzen also werden durch Zusammennähen vereinigt und sollen sich willig
bei Punkt A treffen, dann bleiben auch die übrigen Partien glatt.
Ich sage absichtlich, sie sollen sich willig treffen, denn daß man dieselben zusammen-
nähen kann, wenn sie auch ganz wo anders hinwollen, ist ja jedem Fachmann bekannt.
Vereinigt man aber diese Spitzen mit Gewalt, so folgert daraus, daß die anderen Teile in
Unordnung kommen, wodurch ja selbstredend der ganze Sitz des Rockes zerstört ist.
Um dieses an einem Beispiele zu zeigen, habe ich an der Büste Fig. 14 den Hüften-
punkt H um 3 em nach vorne gerückt (siehe VO) und zeigt sich oben an den punktierten mit
. —16——

Iig 9. Zig. 10.


Die Rückeenbreite 19 em. Die Ärmellänge = 52 —- 52 am.
Ringen durchzogenen Linien, wohin die Halsspitzen treffen, und jedem leuchtet es ein, daß
diese Spitzen sich nicht mehr willig bei A treffen können, mit einem Wort der ganze Rock
verstellt sich.

Zig. 11. Fig. 12.


Die Oberleibweite = 96 em. Die Unterleibweite 88 em.

Aus diesem Grunde wäre es praktischer, gleich mit dieser senkrechten Linie statt mit
der Rückenmitte zu beginnen. "Da jedoch die meisten Fachleute es gewohnt sind, mit der
Rückenmitte anzufangen, so haben wir bei unserem neuen vereinfachten System diese Art
gleichfalls vorgezogen.
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(Deutsche BebleidungsiAlrademie München.) Fig. 14 (Nachdrucli verboten.)
Ich gehe nun an

Die Einteilung des Körpers-.


(Siehe Fig. 14.)

Der Körper wird eingeteilt in Tiefpunkte und Breitenpunkte.


Die Tiefpunkte sind Armlochliefe und Hiiftentiefe. Als Armlochtiefe nehme ich
von Punkt A aus 1s2 Oberleibweite von 32 anfangend bis zur Größe b0 halber Ober-leib-
weite. Von dieser Größe an werden bei allen geraden Nummern aufwärts Issz cm mehr ab-
gebrochen, doch kommt auch die Größe
des Mannes in Betracht, was sich am
Maß der Taillenlänge beurteilen läßt.
Bei dieser Armtiefen-Berechnung setze
ich voraus, daß der Rückenspiegel am Halse
W vom Halsumfang breit sein muß. Ich
nehme bei 96 = 48 Oberweiie 45 cm Hals-
umfang an und wird eine weiter rückwärts
angelegte Tabelle die Halsweite für sämt-
liche Größen enthalten.
Eine andere Art, die Armtiefe, welche
nicht von A, sondern vom Halswirbel, also
detn Punkte HW aus zu berechnen wäre, ist
1s4 Oberweite und stets 7 cm dazu, dann
könnte man den Rückenspiegel am Halse so
breit machen als man will. Es kommen
zwar kleine Differenzen heraus, wenn man
die erste mit der zweiten Art vergleicht,
allein dieselben sind so unbedeutend, daß sie
Fig. 13.
keine Störung verursachen.

Wenn man den Rock auszieht, so mißt man die


Die Hüftentiefe ist in der Regel
Oberweite am besten von rückwärts, weil dann gleich der Taillenlänge, eher 1 ern mehr-
das Maßband direkt über die Schulterblätter geht. besonders bei etwas aufrechter Haltung, bei
geneigter Haltung eher 1 cm weniger.
—19—

cZtie Breitenpunkte.

Zu den Breitenpunkten zählt die Ober- und Unterleibweite


Die Oberleibweite besteht aus drei Teile, Rückenbreite, Armdurchmesser und
Brustweite.
Ich tuuß hier gleich einschalten, daß ich die ganze Oberweite, zum Beispiel 96 gleich
halbiere, so daß also 48 die Oberleibweite darstellt. Es ist dieses ganz richtig, da ja doch
der Stoff doppelt liegt und ein Teil geschnitten wird wie das andere, ausgenommen bei ver-
wachsenen Menschen, auch ist diese Teilung im Gewerbe allgemein gebräuchlich
Der Armdurchmesser ist in den allermeisten Fällen höchstens W Oberleibweite, also
von 48 = 12 em. Der Armdurchmesser liegt in der Mitte des Körpers bei gewöhnlicher
Körperhaltung Ich ziehe nun diese 12 von 48 ab, verbleiben für Brust und Rücken 36 em,
wovon ich jedem Teil die Hälfte, also 18 cm gebe ohne Nähte.
Bei aufrechier Haltung verliert der Rücken 1—2 cm, welchen Betrag die Brust ge-
winnt, da der Armdurchmesser bei ein und derselben Weite sich gleich bleibt, gleichviel ob der
Mensch aufrecht oder geneigt geht.

Bei geneigter Haltung gewinnt der Rücken, aber niemals so viel, was er beim auf-
rechtgehenden Mann verliert, bis deshalb der Rücken 1 cm gewinnt, muß der Mann schon sehr
geneigt gehen und einen runden Rücken haben.
Ich bemerke noch ganz ausdrücklich, daß nicht jene gemessene Rückenbreite in Be-
tracht kommt, welche oben an der Ärmelnaht gemessen wurde, sondern ich spreche von jener
Rückenbreite, welche der Körper an jener Stelle besitzt, wo das Maß der Oberleib weite
genommen wurde,
Eine andere ebenso einfache Art die Rückenbreite zu bekommen (und welche siir
manchen Schüler noch leichter zu berechnen ist), kann folgende sein: Ich nehme von der Ober-
tveite Vs und 2, also Iss von 48 = 16 —s— 2 = 18 cm Rückenbreite, ohne Nähte.
Die Anterleibweite ist scheinbar ungeteilt, weil hier ja kein Armloch dazwischen
liegt. Allein dem ist nicht so, denn dadurch, daß ich vom Armloch bis zur Hüfte eine senk-
rechte Linie ziehe, habe ich auch die Unterweite zu teilen, in eine Weicheubreite nnd eine
Bauchbreite. Die Weichenbreite geht also von der Rückenmitte bis zur Hüfte und beträgt
W Unterweite und 1, demnach bei 44 Unterweite 23 em, somit verbleiben nur 21 om Bauch-
vortritt.
Auch diese Weicheubreite bleibt sich nicht immer gleich, sondern ändert sich bei ein
und derselben Unterweite und zwar wird die Weichenbreite bei aufrechter Haltung 1 cm
größer, bei geneigter Haltung 1 cm kleiner. (Fig. 15.)
Diese Figur gehört noch nicht zur eigentlichen Konstruktion, sondern ebenfalls zur
Beweisführung, ebenso die nachfolgende. Würde ich bei Figur 15 eine senkrechte Linie von
A über D nach lsl ziehen und dort die Tiefpunkte abmessen, so ist eine weitere Folge, wie
man allgemein annimmt, daß nach dieser senkrechten Linie sich auch die wagrechten richten
müssen. Ich hätte also von l) nach R 12 ern Armdurchmesser, von R nach RB 18 cm
Rückenbreite, macht zusammen 30 cm Armvortritt. Unten habe ich eine Weichenbreite von
23 em, es würde sich demnach die Taille unten 7 cm hereinstellen und die Rückenuaht wie
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Zur Veranschaulichung der Beweisführungen über die schräge Arrntieflinie und der Notwendigkeit der
Berechnung von Sugonierung Hier liegt die wahre Ursache dem Auge vor, warum die Röcke das häufige Aus-
schneiden am Armloch brauchen.

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Fig. 15
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ersichtlich ihren schrägen Lauf nehmen. Dadurch


entstünde vor allem der Fehler, daß der Rock bei
U und auch bei T zu eng würde, obne einen
richtigen Ynschluß zu erzielen, denn die Einsenkung
des Körpers ist keine liuealgerade, sondern eine ge-
wölbte. Diese Wölbung ist mehr eine kugel- oder
kegelförmige, je ttach der Haltung Die Rundungen
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aber, welche der Rock dem Körper gemäß machen


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muß, erzielt man nur durch gewölbte Ausschnitte


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ähnlich wie die Fig 16 zeigt. Nun zeige und beweise


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ich aber an der Fig. 17 jedem der sehen will, daß


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durch solche Ausschuitte nach unten, das Seiten-


und Rückenteil vom Armloch, respektive Halsloch
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heruntergezogen werden, und niemals wieder in die


Fig. 16
Die Figur 16 bestätigt in der Theorie die Frage
der Sueonierung wozu Itgur18 die Lösung bringt.
—21--

Höhe gebracht werden können. Demnach nützt eine Geradestellung der Rückennaht, wie Fig 15
ebenfalls zeigt, noch gar nichts. Auch dann wäre es noch nichts, wenn ich von oben
herunter den Sueon einschneiden würde, wie an der Fig 17 ebenfalls zu sehen ist. Auch tnuß
jedem Fachmann einleuchten, daß ein Herumtreiben der Taille niemals gut thut.
Was dann nun?
Wir haben gesehen, daß der Unterschied zwischen Weichenbreite und Armvortritt
7cm beträgt. Das Riickteil darf nun bei gewöhnlicher Haltung lern, bei geneigter
Haltung 2 om hereingestellt sein, der übrige Teil aber muß unbedingt an den Seiten-

Fig. 17

teilen herausgeschnitten werden. Der Beweis liegt schon darin, daß gleich unterhalb der
Weichenbreite der Hiiftenknochen kommt und dann das Gefäß, wodurch sämtliche Weite
wieder aufgebraucht wird. Dieses ganz iiberzeugend vorzufühten, diirste die Fig 18 über-
nehmen. Daß das Artnloch dann schräge aufwärts läuft nach dem Winkel Hc—ll—R, ist
nur eine richtige Folgerung des gesagten und bewiesenen Experiments.
Zu allem glbersluß aber bann ja dieser Yunlit T—R gemessen werden, indem
man von der Taille T bis zum Punkt R die Riickensenkuug = 27 cm mißt, allein es ist gar
nicht notwendig, denn wer nach allen diesen Beweisführungen es nicht glauben will, der wird
auch durch die Messungen nicht überzeugt.
— 22 —

Ich hoffe nun durch diese Vorführungen jenen Stein des Anstoßes gründlich beseitigt
zu haben, an welchem so viele Fachleute straucheln und welcher so manchem berufenen und
unberufenen Kollegen Anlaß zu hämischen Bemerkungen gab, teils aus Unwissenheit, teils aus
wie soll ich sagen, Sucht zum Nörgeln.

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Fig. 18
Heichnungngtenfilien oder Handwerkzeug
Man ist gewohnt zu sagen, der Schneider braucht kein Handwerkzeug als Scheere,
Biigeleisen, Nadel und Fingerhut. Diese wenigen Instrumente sind sehr oft in einem geradezu
lächerlich schlechten Zustande. Gerade diese Auspruchslosigkeit des Schueiders in all seinen
Bedürfnissen ist es, welche viel zu seiner Verspöttelung beigetragen hat, denn die Menschen
wollen, wenn sie jemand ehren auch etwas sehen oder hören. Es sollen Handwerkszeuge da
sein, die durch Hämmern, Schlagen, Pfeifeu, Pusteu u. dergl. imponieren. Nun damit können
wir nun einmal nicht aufwarten, allein so viel Achtung sollte jeder Fachmann vor sich selbst
und seinem Gewerbe haben, daß er wenigstens die etlichen Handwerkszeuge, welche notwendig
sind, in sauberem und richtigem Zustande erhält.
Er braucht einen Stab, einen Winkel, welcher auch im Winkel ist, er braucht gute
Maßbänder, auf welchen die Zahlen klar und deutlich zu lesen sind und welche nicht verzogen
sind, er braucht Zeichnungsmaterial und richtige Scheeren.
Zeige mir deinen Handwerkszeug und ich sage Dir, wer Du bist.
Wenn ein Maßband nichts mehr taugt, so vergleiche man das neue erst mit dem
alten, ob und wie viel letzteres ausgezogen ist, damit keine Irrungen entstehen, besonders gilt
das bei der Messung der Hosen.

Yer verkleinerte Maßstab.

Wer die Konstruktion nicht gleich in großem Format mit dem Eeutimenter machen
will, zeichne in Miniatur und verweude dazu einen verkleinerten Maßstab. Ieder kann sich
einen beliebigen Maßstab selber dadurch konstruieren, daß er sich sagt: Will ich ein B-, 4--
oder 6mal kleineres Bild als die Naturgröße haben, so teile ich den natürlichen Eeutinteter
in Z, 4 oder 6 Teile, betrachte jedes dieser Teile als 1 cm und die gewünschte Verkleinerung
ergibt sich vonsselbst. Da bei Zeichnung eines Lehrbuches mehrere Stäbe in Anwendung ge-
gebracht werden müssen, weil ja verschiedene größere und kleinere Kleidungsstücke auf einem
gleich großen Papier zur Anschauung gelangen, so kann ich nicht sagen, ich habe den oder
diesen Maßstab verwendet, sondern es kommen Z-, 4-, 5-, 6- und 8fache Verkleinerungen vor.
Am besten ist es jedoch, man zeichnet die Modelle gleich mit dem Eeutimeterbaud in
natürlicher Größe nach.

Yer Zirkel.
Da bei der Zeichnung einige Zirkelbögen vor-kommen, verschasse man sich einen durch-
löcherten Centinteter, womit alle Kreisbögen leicht gezogen werden können, indem man die-
Bleistiftspitze bei der Zahl durchsteckt nnd das Ende festhält oder man wickle das Maßband
um den Zeichnungsstist, halte mit dem Finger das eine Ende fest und beschreibe den Zirkel-
zug Wer im Kleinen zeichnet, muß einen Zirkel haben, will er genaue und richtige Zeich-
nungen erhalten.
Yas Zugeben der glühte
Es entsteht die Frage, ist es besser die Nähte gleich beim Zeichnen des Modells,
oder aber erst beim Zuschneiden, das heißt beim Zeichuen auf den Stoff dem Modell zu-
zugeben?
Diese Frage muß ich offen lassen und jedem anheimstelleu, wie er es machen will.
Es ist wahr-, daß die Nähte, je nach der Art des Stoffes, bald größer, bald kleiner
werden, allein für so ausschlaggebend halte ich dieses nicht, daß es nicht möglich wäre, die
Nähte gleich mitzurechnen.
Wenn ein Zuschueider aber sehr viel zu thun hat, so wird er wissen, daß er während
des Zuschneidens eines einzigen Anzuges oft 4—6mal davon abgeruer wird und daß es
dann wirklich schwer ist zu unterscheiden oder zu wissen, daß er den Modellen auch immer
die Nähte zugegeben hat. Allerdings wird jeder sagen, es ist das nur»Gewohnheit, gut-
aber es ist auch nur Gewohnheit die Nähte gleich mit einzurechuen, dann braucht matt beim
Zeichnen aus den Stoff nur um das Modell herumzufahren.
Ich sage ferner, ein guter Zuschneider wird und muß beide Arten kennen und wer
es nicht kann, muß es lernen.
Ich habe es deshalb so eingeführt, daß bei dem proportionalen System die Nähte
gleich mitgerechnet, bei dem wissenschaftlichen, oder Körpermaaß-System aber, die Nähte erst
beim Zuschneiden zugegeben werden.
—25—

Etwas über Meßapparate


für die Zuschneidekunstl
Zu allen Zeiten hat es Fachlente gegeben, welche ihr ganzes Studium dazu ver-
wandten, die Zuschneidekunst durch mechanische Handlungen und Apparate zu erleichtern.
Diese Apparate zerfallen in zwei hauptsächliche Arten:
Erstens Apparate, welche man so verstellen und verschieben kann, daß sie die Form
der SchttittJtnuster bekommen und wenn auf den Stoff gelegt, man mit der Kreide nur um
diese Formen fahren dars. Die Apparate haben sich nie besonders gut eingeführt und haben
sich heute überlebt, obwohl es immer Fachleute gibt, die diese blechernen Schnittmuster zu
verbessern suchen. Zweitens: das papierene Schnitttnuster oder die Schablone ist im Grunde auch
nichts anderes als ein Apparat, dessen sich fast alle Fachleute bedienen und nur wenige sind
es, welche die Schnittsormeu gleich direkt auf den Stoff zeichnen Während nun das Stellen
und Verstellen der metalleneu Schuittapparate ohne irgend welche Kenntnis von Geotnetrie
oder Körperbau vor sich geht, ist das Konstruieren von Papiermodelleu an genannte Kennt-
nisse gebunden, sofern die Modelle Anspruch auf Richtigkeit haben sollen.
Während man nun früher diese Modelle nach einer schematischen Zahleuordnung
herstellte, ist nach und nach eine genauere geometrische oder trigonometrische Messung entstanden,
welche die wirkliche Bauart des Menschen wiedergibt.
Diese Maße nun aus dem Papier wieder richtig zu geben, ist es, was dem Fach-
mann oft nicht gelingt. Nach seiner Meinung glaubt er zwar stets, daß die Verwendung der
Maße richtig ist, allein da der erhofste Erfolg ausbleibt, gibt er den Maßen die Schuld,
er glaubt falsch gemessen zu haben, nnd sinnt ans Apparate, durch welche diese Messungen
garautiert richtig sein sollen und dadurch sind jene zahlloseu Meßapparate entstanden, welche
detn Fachmann sein Geschäft erschweren und den Kunden belästigen.
Auch in neuester Zeit machen sich einige Fachleute wichtig, Apparate erfunden zu
haben, mit deren Hilfe man unfehlbar zuschneiden kann und wo im Ernst davon gesprochen
wird, denn allenfalls verdorbenen Rock zu vergüten. Eine solche Reklame ist unbedingt ver-
lockend, denn welcher Kollege hätte nicht einmal da oder dort eine unangenehtne Änderung
und wenn er nun diese vermeiden oder gar auf den Lieferanten des Apparates abwälzen
könnte, so wäre das gewiß ein uennenswerter Vorteil. Auch gibt es immer noch sehr viele
Fachleute, welche glauben, die Zuschneidekunst hängt an einem unaufgeklärten Rätsel, an einem
verborgenen Kleinod, weshalb denn auch manche Erfinder von Zuschneide-Systemen ihren
Arbeiten dementsprechende Namen beilegen und diese patentieren lassen. Schneiden sie Patent
ruft der eine, Carre der andere, Talisman der dritte und so weiter.
Allein der Fachmann, der diesen patentierten Geheimnissen nachjagt, wird niemals
befriedigt werden, er wird von einer Enttäuschung in die andere fallen und zuletzt gar nichts
mehr wissen.
Die richtige Zuschneidekunst basiert auf einem langjährigen Studium des menschlichen
Körpers, seiner Abwicklungsfortneu, ferner auf der Kenntnis der notwendigsten geometrischen
Zeichnungen. Man muß wissen, in welchem Maßstabe sich die einzelnen Teile, durch Aus-

(Deutsche BekleidungssAkademie München.)- (Nachdruck verboten.) 4


—2(3—

schnitte oder Sueons verschieben, man muß wissen, wie viel sich die Linien beim Schließen
der Nähte versenken, und daß die Maße oder Punkte, selbst wenn sie mit dem Apparat ge-
messen wurden, an jenem Punkte stehen bleiben, wo man sie hingelegt hat. Wer das Zu-
schneiden nicht vom Fundament aus kennen lernt, wird niemals ein Zuschueider, wie ihn
das heutige Geschäftsweseu verlangt, und je größer die Ansprüche der Kunden werden, über
desto mehr Wissen muß der Fachmann verfügen; dieses aber erreicht er nur durch fleißiges
Studintn wirklich guter wissenschaftlicher Werke, durch den Besuch einer guten Schule. Lehr-
biicher allein, selbst wenn sie noch so vollkommen geschrieben und genau und ausführlich ge-
zeichnet sind, genügen für den Anfänger nicht, denn er nimmt sich nicht die genügende Zeit,
alles langsam und fleißig zu studieren, auch ist es viel zu anstrengend und zu schwer, das
Gelesene zu merken, es gehört zugleich persönlicher Vortrag dazu. Für Fachleute aber, welche
schon mehr oder weniger Fixigkeit haben, ist ein gutes Lehrbuch von größtem Werte. Er wird
auch bald einsehen, daß alle Apparate nutzlos, lästig und zeitraubend sind, und schon sehr
viele Meister, welche vorher mit Apparaten hantierten, haben solche ruhig in der Lade ver-
rosten lassen, nachdem sie einen Kursus an unserer Lehranstalt absolviert haben.
Also weg mit allen Apparaten!
—27—

Michael Müllers neues einfaches System


spie notwendigen Yo ße
Wenn man so mit Fachleuten über Maßnehtuen und proportionale Systeme spricht,
dann möchte der eine den andern stets dadurch übertrumper und imponieren, daß er recht
wenig Maße braucht. Mir genügt die Oberleibweite allein, sagt der eine, ich brauche dazu
auch die Unterleibweite, womöglich eine Tailleulänge und Ärmellänge, sagt der andere und
jedenfalls klügere.
Mit dem letzten möchten wir es auch halten und wir nehmen folgende Maße, z. B.:
Taillenläuge = 44 em, ganze Länge 92 em, vordere Ärtuellänge 47 em, Oberleib-
weite iiber Weste gemessen 96 = 48 am, Unterleibweite 88 = 44 em. «-
Bei der Konstruktion nehmen wir die bei der Einteilung des Körpers gemachten Grund-
sätze zu Hilfe. Es hat sich dort genau gezeigt, wie und wieviel sich das Armloch vorne
gegen riickwäxts versenkt. Diese Versenkung ist eine notwendige Sache und man erkennt an
diesen Zeichnungen das Hauptmerkmal unserer Systeme. Dr. Professor Pfeifser sagt, aller-
dings entgegen einer Patentgesellschast, die abgezogeue Haut eines Menschen entspricht
nicht den Schnittmodellen des Schueiders; das glauben wir gerne, denn nach den Formen
einer abgezogenen Haut läßt sich kein chicker Rock zuschneiden
Aber Herr Professor Pfeifser schreibt auch an Mich. Müller unterm 28. September 1899:
»Ihr Lehrbuch und Ihre ganze siehtmethode macht eine erfreuliche Ymsnahme im Ber-
gleich zu den Zserlien mancher anderer Direktoren und ich bedaure aufrichtig Ihr geschätztes
Werk nicht schon früher gekannt zu haben, da es eine rühmliche Ausnahme bildet. Ich hoffe auch.
bei einer späteren Auflagevereint mit Ihnen arbeiten zu können, auch halte ich es für prak-
tisch, auf Ihrer Schule Vorträge zu halten und Demonstratiotten an lebenden Körpern vor-
zunehmen, welche allerdings nackt sein müßten. Der letztere Umstand allein ist der Grund,
weshalb unsere Schule das bisher nicht einführte.
Allein, daß wir auf dem ganz richtigen Wege sind, beweisen uns nicht nur die großen
Erfoge unserer Schüler und die Anerkennung höchst gebildeter Kapazitäten, sondern auch die
Thatsache, daß eine große Zahl der Erfinder von Zuschneidemethodeu aus unseren Werken
mehr oder weniger entlehnt, was wir zur passenden Gelegenheit sestnageln werden.

44
—28—

Zweite Abteilung
Die Konstruktion
(Fig- 1-)

Ziehe eine senkrechte Linie A—Ta, eine


kleine Linie von A—·V, welche 71s2 ern breit
und 2 cm hoch ist, gibt die Halskurve. Lege
die Zahl 1 eine Naht unter A au, messe von
A—B bei gewöhnlicher Körperhaltung Issz cm
Oberweite =24 em, (aber nur bis zur Größe
48) nach Ta die Tailleulänge 44 cm und
dann die Verlängerung der Taille nach Be-
lieben, hier 2 em.
Lege den Winkel bei Ta so an, daß die
Spitze bei Punkt V ansteht und ziehe von
Ta nach lsli eine Linie, welche die Abschrägung
oder Versenkung angibt.

(Fig. 2·)
Messe von B hinauf nach c Vs Ober-
tveite 16 cm (aber nur bis Größe 52) von
c zurück nach D 5 cm, gibt die Spiegelbreite
des Rückenteils.
Man zeichne jetzt die Rückenncrht so, wie
Figur 2 zeigt, oben ein wenig gewölbt, nach
unten 1 ern hohl heraus und über das
Gefäß wieder schließend. Fig-l
Lege den Winkel an der Riickennaht und bei B au, ziehe eine wagrechte Linie nach
Rü, lege den Winkel bei l) und dann bei c an, und ziehe ebenfalls wagrechte Linien.

Die Yreitenpunlita
In der Taille wird der Rücken 5 cm breit.
Vou B—Rü die schmale Riickeubreite 18 —s— 1 für Nähte = 19 em. Die schmale
Rückenbreite findet man auf folgende Weise:
—29—

Man sagt, die Oberweite besteht aus drei Teile, Rückeubreite, Armdurchmesser und
Brustbreite. Der Armdurchmesser liegt iu der Mitte und beträgt Ist Ober-weite ——- 12 ern,
diese zieht man von 48 cm ab, bleiben 36 cm für Brust und Rücken miteinander, wovon
uuu jeder Teil die Hälfte bekommt = 18 em.
Von B—b die Hälfte von
19 am = 91s2 —s— 1:101s2 am.
Von ll—r =19 —s— 1 =
20 em.
Von c—n 1 cm mehr :
21 em.

Zeichne den Rücken nach


Vorlage ans. Wir suchen jetzt
den Armvortritt. Man messe
von Rll in schräger Richtung
den Armdurchmesser 12—s— 1 =
13 em, wodurch der Artu-
vortritt von B—At = 32 cm
beträgt; diese 32 cm werden
unten von der geraden Linie
Ta—l-li gemessen und dann die
senkrechte Linie At über l-li ge-
zogen.
Man messe jetzt von der
hereingestellten Rückeunaht die
Weicheubreite nach Wo, das ist
die Hälfte unterweite und 3 cm HI O 0 XZI s O «
= 25 em, die Hälfte von 25 « s » s
=121s2 cm ist Ha, Von Ha s
messe nach B, übertrage das
gewonnene Maß von lsla nach
------S

At. Dieser Punkt ist die Arm-


tiefe vorne, während lsli die Fig, 2
Hüftentiefe bildet.

Sobald die Oberweite eine größere ist, so stehen die Tiefpunkte


-.---—-—--

nicht mehr im Verhältnis zu dem Körperumsauge und ich breche


von der halben Oberweite ab, so bei 52 am Oberweite 1 em, bei 56 cm
Oberweite 2 em, bei 60 cm Oberweite 3 em, mehr wie 28 am mache
ich sowohl die· Rückenbiiste als die Armtiefe nicht tief. Eine Aus-
nahme bildet bei dieser Verkürzung nur der sehr große Manu, der nach
Umständen auch bei 52 oder 54 cm die Hälfte der Oberweite als Rücken-
büste oder Armtiefe braucht. Auch diese Berechnung wende ich nur
bis 54 cm Oberweite au, sodann breche ich 1 em, bei sehr großer
Oberweite (62 oder 66 em) sogar 2 cm ab, ausgenommen der Mann
ist sehr hochschulterig
—30—

(Fig— 3—)
Ziehe Armlochtiese von- Rll rrach At, dann vou At nach Wo, lege den Winkel bei At
nnd l-li au, ziehe die Linie der Brustbreite, verlängere die Tailleulinie von l-li—l.lt. Lege den
Winkel bei Rii und At au, ziehe schräg aufwärts die Armanschlußlinie sitt-il

Die Heiteuspitza
Man stelle die Bleistiftspitze bei r des Rückenspiegels an, halte das Maßband mit
dem Finger bei L, das ist die untere Breite des Rückens, wo der Knopf hinkonnnt, fest und
ziehe einen kleinen Zirkelzug vou I- nach sP, ebenso von n über f.
Zeichne das Seitenteil fertig

Oberweite.
Lege die Zahl 1 bei B an, uresse bis Rü =19 em, drehe das Maßband ein wenig,
messe nach At ::-—- 32 cm, dann nach Ob 48 —s— 6 = 54 cm Oberleibweite. Von diesen 6 crrr
sind 2 für Nähte und 4 für Bequemlichkeit.

Die Anterleibweita
Von der Rückeunaht bis Wo haben wir 25 em, diese 25 legt man jetzt bei l-li an
(mau überspringt also den Betrag von Wo—l-li) und mißt bis Ut die Unterleibweite 44 —s—
2 cm fiir Nähte = 46 am.

Die Halsspitze.
Messe von ob die 4 cm für Bequemlichkeit zurück, verbleibt die blanke Oberweite,
dann noch einmal 7 ern zurück, also im ganzen 11 cm, gibt x. Diese 7 crrr sind W Hals-
weite weniger Is2 cm für die Naht, oder wer die Halsweite nicht hat, lssi Oberweite weniger 1.
Auf diese Weise ist zwar x die Mitte der Brustbreite, allein der Punkt verändert
sich beim ausrechteu und geneigten Manu, weshalb ich nicht mehr rundweg die Hälfte der
Brustbreite nehmen kann, wie ich dieses iu meinen früheren Werken gethan habe.
Von x—s = Its Oberweite = 24 cm gibt die Halsspitze.
Vonsnachz7—s—2=9om.
Matt ziehe von Z über Ob und über Ut nach P die Brustmitte, mache sodann das
Halsloch für kurze Faeon 7, halblange 8, lange Faeon 9—10 cm tief.

Die vordere LLänge.


Man messe von s—l. übertrage dieses Maß von s nach P, und breche 1 cm ab,
ziehe eine gerade Linie und hohle rückwärts 2 em.

Dchsel und Drmloch.


Ziehe von s nach f eine gerade Linie, messe die Achselbreite des Rückeus ab, mache
die Vorderachsel 1s2 cm schmäler und zeichne Achsel und Armloch nach Vorlage fertig

Die Dusschnitte oder Huhonierung


Der Betrag von Wes-Hi ist iiberfliissige Weite und beträgt 6 am, da ich aber
keine Bequemlichkeit zugegeben habe, so schneide ich nur 31X2 em heraus, während die übrigen
m. mittler 8- Sohn
müncben
42
42 Oüllerstrasse

Fig. Z
Alls cm als Zugabe verbleiben. Man nehme jetzt zwischen Seiten- und Vorderteil 2 cm heraus,
mache einen kleinen Hiiftensueorn bis derselbe darnr genäht ist, sind auch die übrigen 1 Isiz cm
aufgebraucht
Für Übertritt oder Kreuzung gebe man unten wie oben 4 am zu.

Her Histoi-
Das Hinterteil-Schößchen wird über dem Gefäß etwas breiter als oben, doch bleibt
die innere Linie gerade. Wie jedem Leser und Schüler bekannt ist, kann unser Schoß gleich
direkt auf Stoff gezeichnet werden, allein hier wollen wir eine Ausnahme machen und jenen
Schoß vorführen, wie er in unserem letzten Lehrbuch im Anhang dann aber schon im Iahre
1893t94 in der ,,Eleganteu Herrenmode« veröffentlicht wurde.
Man lege den Winkel bei L und P au, ziehe nach l( eine Linie, ebenso nach P,
messe von L—l( die Länge und P—L ist die Weite.
Rückwärts gibt man 11s2 crn Bogen zu und dann die Falte, oben zeichne man den
gleichen Bogen wie das Vorderteil gehohlt ist und nur vorne bei P läßt man 1 1s2 om Aus-
schnitt entstehen.
Punkt I liegt im Winkel von l-li Ut. Wer das Gefäß gemessen hat, kann die
Weite riachkoutrollieren, indem er die Breite des Rückteil-Schößcheus 6 cm bei II anlegt und
bis zum Punkte M die Gesäßweite sagen wir 50 -s— 6 = 56 cm mißt. In gewöhnlichen
Fällen ist von N——llb die Gesäßweite ohne Zugabe.
Aufrechte Haltung
(Fig. 4.)

Maße: 43 cm Taille, 92 cm Länge, 48 ern Oberweite, 44 cm Unterweite, 45 om


Halsweite.
Fronstrulilion

Ich ziehe eine senkrechte Linie von A——Ta; eine kleine Linie von A—V. V ist 71s2 crrr
oder Its Halsweite von A entfernt 2 cm höher als die Linie. Ich ziehe die Halskurve A—V
aus. Messe von A—B die Rückenbüste, bei gewöhnlicher Haltung die halbe Oberweite =
24 ern, bei aufrechter Haltung wie hier 1 am weniger, also 23 em. Die Taillenlänge
43 cm messe ich ebenfalls von A—Ta und verlängere nach der heutigen Mode die Taille
noch tritt 2 em. Lege den Winkel bei Ta so au, daß die Spitze des Winkels bei V ansteht
und ziehe von Ta nach Hi eine Linie, welche die Abschrägnug oder Versenkung angibt
(siehe auch Fig 1 und 2). Von B nach c messe ich ils Oberweite = 16 em, ergibt Punkt c.
5 cm unterhalb ist D.
Ich mache nun nach dem Winkel die Linien bei der Schulterhöhe c, der
Spiegelbreite des Rückteils Punkt U und an der Rückenbreite 8. Hierauf zeichne ich
nach der Figur die Rückenuaht und wird dieselbe von D ab etwas gehöhlt. Von B nach
Rii die Rückeubreite = nur 18 em. Dieselbe beträgt bei dem ausrechten Mann mit seinem
gehöhlten Rücken und flachen Schulterblättern 1 cm weniger als bei dem normalen. Die
Nückeubreite, ich heiße dieselbe die schmale Riickeubreite und ist gedacht in der Gegend, wo
das Maß der Oberweite vorbei geht, finde ich wie folgt-H

Man sagt, die Oberweite besteht aus 3 Teilen, Riickenbreite, Armdurchmesser und
Brustbreite. Der Arnrdurchmesser liegt in der Mitte und beträgt Vi- Oberweite = 12 em,
diese zieht man von 48 cm ab, bleiben 36 om für Brust und Rücken miteinander, wovon
nun jeder Teil die Hälfte bekommt = 18 em.

Wenn die normale Rückenbreite 18 cm beträgt, so ist dieselbe bei dem aufrechten
Manne 17 em. Ich messe also von B nach Rii 17 —s— 1 am für die Nähte ist 18 em.
Nach oben zu hat die Schulter jedoch bei dem ausrechten Manne eine größere
Breite und ich verfahre wie folgt: Von l) nach t- 18 —s— 172 om mehr ist 19Is2 em. Von
c nach n nochmals llse cm mehr ist 21 em. Von B nach b 1s2 cm Rückenbreite —s— 1 cm
ist hier 10 em. Unten bei Ta 5 cm den Rücken breit. Hieraus zieht man den Rücken nach
der Vorlage aus.

Nun messe ich von Ril in etwas schräger Richtung lsr Oberweite =12 cm —s— 1 cm
. für die Nähte = 13 cm als Armvortritt At. Von B aus liegt At jetzt 18 —s— 13 = 31 cm
entfernt. Diese 31 cnr messe ich auch von der senkrechteu Taillenlinie, und zwar bei Punkt
Ta angefangen nach vor, ergibt den Punkt l-li. Über l-li und At ziehe dann eine senkrechte
Linie. Ich tnesse nun von der Rückeunaht Ta nach Wo die Weichenbreite 26. Dieselbe be-
trägt mit den Nähten bei dern normalen Mann die Hälfte der llnterweite und 3 em, bei
(Deutsche VekleidnngsiAkademie München) (Nachdruck verboten.) 5
lit. lltiiller 8- Sohn
müncden
42 Oüllerstrasse 4-

Fig 4
(Deutsche BekleidungsiAkademie München.) IUachdruck verboten.)
—- 35 —-

dem aufrechteu Manne die Hälfte und 4 em; hier bei 44 cm Unterweite also 836 cru.
Diese 26 cm werden halbiert, ist 13 cm oder der Punkt Ha. Die Länge nun, die ich von
Isla nach B habe, übertrage ich von lsla nach At, wie solches durch eine punktierte Linie
auch an der Zeichnung markiert ist. Wo sich die 13 cm, die ich von Pü nach At ge-
messen urtd die Länge von lsla nach B, die ich nach At übertragen habe, zusatmuensinden,
da ist die thatsächliche Artnlochtiefe oder At. Il) ziehe eine Linie von Rü nach dern neu-
gefundeneu At; sodann eine Linie vou At nach Wo. Lege den Winkel bei Hi und At an
und ziehe die Linie x—-0b; ebenso eine Linie von Ta über l-la, Wo und l-li nach Ut. Für
den Artnauschluß nnd die Vorderteilsachselhöhe lege ich den Winkel an dem Punkt Rü und
At an und ziehe nach aufwärts die Linie sp—t.

Die Heitenspitze

Von L, detn Punkte tvo später der Tailleuknopf hinkonnnt, iibertrage ich die Hinter-
teilslänge, die ich bis r habe, uach sP mittels eines kleinen Bogens. Ebenso wiri von L
ans auch die Länge, die ich bis n habe, nach f übertragen Hierauf zeichue ich ttach Vor-
lage das Seitenteil

Oberweite-.
Lege die Zahl 1 bei B au, messe bei Pü :-—— 18 em, drehe das Maßband ein wenig,
uresse nach At = 31 cm, dann nach Ob 43 —s— 6 = 54 ern Oberleibweite. Von diesen
6 ern sind 2 für Nähte und 4 fiir Bequemlichkeit

Die Anterleibweita
Von der Riickennaht bis Wo haben wir 26 cm; die 26 -l-egt man jetzt bei lsli an
(mau überspringt also den Betrag von Wo—l-li) und mißt bks Ut die Unterleibtveite 44 —s—
Z ern für Nähte = 46 em, oder, was ganz gleich ist, von l-l—llt —s— 20 cm Bauchbreite.

Die Hat-spitze.
Messe von Ob die 4 cm für Bequemlichkeit zurück, verbleibt die blanke Oberweite,
datm noch einmal 7 cm zurück, also im ganzen 11 am, gibt x. Diese 7 crrr sind lse Hals-
weite weniger IX2 cm für die Naht, oder wer die Halsweite nicht hat, Vl- Oberweite weniger 1.
Von x—s = 1l2 ern Oberweite = 24 cm gibt die Halsspitze Auch hier gilt das,
w.rs ich bereits bei der Rückenbüste in bezug auf größere Oberweiten erwähnte. Bei dem
aufrechten Manne ist die Partie von A bis B am Rücken also utn 1 om kürzer als die Partie
von x bis s. Weiter ist auch die Breite der Brust von At nach x größer geworden als bei
dem normalen Manne.
VonsnachZ7-s—2=9crn.
Matt ziehe von Z über Ob und über Ut nach P die Brustmitte, mache das Halsloch
für kurze Faeou 7, halblange 8, lange Faeon 9—10 cm tief.

Die vordere Länge.


Matt nresse von s—l. 1 em ab, iibertrage dieses Maß von s nach vor, ziehe eine
gerade Linie und hohle rückwärts 2 em.
5III
—3(3—

Ychsec und Yrmcoch


Ziehe von s nach f eine gerade Linie, messe die Achselbreite des Rückens ab, mache
die Vorderachfel V2 em schmäler und zeichne Achsel und Armloch nach Vorlage fertig.

Die Ynsschnitte oder Hueonierung


Der Betrag von Wo—l-li ist überflüssige Weite und beträgt 5 em, da ich aber keine
Bequemlichkeit zugegeben habe, so schneide ich nur 2 em heraus, während die übrigen 3 em
als Zugabe verbleiben. .
Man nehme jetzt zwischen Seiten: und Vorderteil 2 em heraus. Für Übertritt und
Kreuzung gebe man unten und oben 4 em zu. Bevor man dieses aber bewerkstelligt,
mache ich, um das viele Einbügeln zu ersparen, die Linie 0v und Ut geader, so daß die
Kante eine gerade wird, und nehme diesen Betrag abzüglich 1 em für die Nähte in Form
eines Brustsueons heraus.

Der schoß.
Man lege den Winkel bei l. und an der vorderen Länge P an, ziehe nach l( eine
Linie, ebenso nach vor, messe von L—l( die Länge und P—L ist die Weite.
Rückwärts gibt man 11X2 em Bogen zu und dann die Falte, oben zeichne man den
gleichen Bogen wie das Vorderteil gehöhlt ist und nur vorne bei P läßt man 2 em Aus-
fchnitt entstehen.
Punkt I liegt im Winkel von tsli Ut. Wer das Gefäß gemessen hat, kann die Weite
nachkontrollieren, indem er die Breite des Rückteil-Schößchens 6 em bei I anlegt und bis
zum Punkte M die Gesäßweite, sagen wir 50 —s— 6 Zugabe = 56 em mißt.
—37—

Geneigte Haltung.
(Fig. 5.)

Maße: Taillenlänge 45 em, Rückenbreite 20 em, Oberleibweite 48 em, Unterleib-


weite 44 em.
Geneigt ist das Gegenteil von aufrecht, der Mann hat also einen breiten und langen
Rücken, die Brust ist schmäler und kürzer als bei normaler Haltung.
Es verschiebt sich demnach die Schwere des Körpers oben nach rückwärts und unten
nach vorne, deshalb hat auch jeder Geneigte ein eingezogenes, mehr flaches Gesäß, während
die Gegend an den Hüften breiter und entwickelter ist, was sich bis auf die Schenkel aus-
dehnt, indem dieselben vorne viel gewölbter sind als bei normaler Haltung. Die Folge-
davon ist, daß auch die Weichenbreite schmäler wird, wodurch die Wölbung des Rückens recht
stark hervortritt.
Eine sorgfältige Studie der geneigten Figur im Anfang des Buches wird jeden
über die Richtigkeit meiner Ausführungen belehren.
Auch wenn das Maß der Rückenbreile nicht gemessen wurde, so läßt sich dieselbe
dennoch leicht feststellen wie folgt: Der Armdurchmesser der Quere nach bleibt stets 1X4 Ober-
leibweite, ob der Mann eine gewöhnliche, aufrechte oder geneigte Körperhaltung hat, das ist
bei 48 = 12 em. Die 12 em von 48 abgezogen, bleiben 36 em, die Hälfte ist 18 em und
1 em weil geneigt und runder Rücken :: 19 em, für die Nähte am Rücken und Armloch =
2 em, gibt einen Armvortritt von 33 em.
Diesem Vortritt von 33 em steht eine Weichenbreite =: 22 em, das ist die halbe
Unterweite und 2 em für Nähte = 24 em gegenüber, verbleibt der Unterschied ——»— 9 em.
Je größer dieser Unterschied ist, desto größer ist die rückwärtige Sueonierung, wobei
es sich empfiehlt, dieselbe so zu verteilen, daß auch der Rücken, die Rückennaht 2 em herein-
gestellt wird.

Die Honstrnketiow

(Fig. 5.)
Ziehe eine senkrechte Linie von A—Ta, mache bei A Its em Abstich, eine kleine
wagrechte von A—V, welche 7IX2 em breit wird und 2 em hoch, gibt die Kurve. Die
vordere Armtiefe ist nur Ilg Oberweite = 24 em, der Rücken aber ist 1 em länger, deshalb
messe von A—B := 25 em, nach Ta 45 em Taillenlänge und 2 em Verlängerung = 47 em.
Lege den Winkel bei Ta so an, daß die Spitze bei Punkt V ansteht und ziehe von
Ta nach lsli eine Taillenlinie, welche die Abschräguug oder Versenkung angibt, bis Ut.
Messe von P hinauf nach c Its Oberweite = 16 em (aber nur bis Größe 52), von
c zurück nach V 5 em, gibt die Spiegelbreite des Rückenteils
Man zeichne jetzt die Rückennaht so, wie die Figur zeigt, oben ein wenig gewölbt,
nach unten 2 em hohl herein.
Lege den Winkel an der Riickennaht und bei B an, ziehe eine wagrechte Linie nach
Pü, lege den Wknkel bei II und dann bei c an und ziehe ebenfalls wagrechte Linien.
V r

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m. miiller 8- Sohn
münchen xx
42 Oiillerstrasse 42 « K
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Fig. 5
(Deutsche BekleidungsiAleademie München.) (Iiachdruclr verboten.)
—39-.

Die göteitenpnulile des Ziiirüenkeil5.


Jn der Taille wird der Rücken 5 ern breit, von B—Pii = 19 —s— 1 = 20 ern, die
Hälfte von 20 = 10 —s- 1 = 11 em mißt man von B —b.
Von ll-r = 201l2 erri, von c—n = 2172 ern und zeichnet den Rücken nach Vor-
lage fertig.
Der Armdurchmesser 12 —s— l = 13 em wird von Pli in etwas schräger Richtung
gegen At gemessen, wodurch der Armvortritt vou B—At knapp 33 errr beträgt. Dieselben
33 em werden von der äußersten Linie Ta nach l-li gemessen und jetzt eine senkrechte Arm-
vortricilinie von lsl über At aufwärts gezogen.
Lege die Zahl 1 an der hereingestellten Yiirtiennaljt bei Ta an, messe nach Wo die
Weichenbreite 22 —s— 2 : 24 ern und halbiere diesen Betrag : 12 em, gibt Ha. Messe
von lsla nach B, übertrage die gewonnene Zahl ganz genau von lsla nach At zur senkrechten
Linie und das gibt die wirkliche Armtiefe vorne. Lege den Winkel bei At und Wo au, ziehe
diese Seiteulinie At—-Wo und Armtiefe At—Rü, ziehe eine Linie von At—0d im Winkel,
dann den Winkel bei Pii und At anlegen und die schräge Seiteulinie hinan nach f.

Die Heitenspilze.
Man stelle die Bleiftiftspitze bei r des Rückenspicgels an, halte das Maßband mit
dem Finger bei l., das ist die untere Breite des Rückens, wo der Knopf hinkomrut, fest nnd
ziehe einen kleinen Zirkelzug von s- nach sP, ebenso von n über f.
Zeichne das Seitenteil fertig.

Oberweite.
Lege die Zahl 1 bei B an, messe bis Rij = 20 em, drehe das Maßband ein wenig,
messe nach At = 33 em, dann nach Ob 48 —s— 6 = 54 ern Oberleibweite. Von diesen
v ern sind 2 für Nähte und 4 für Bequemlichkeit.

Die Anterceibweila
Von der Rückennaht bis Wo haben wir 24 em, diese 24 em legt man jetzt bei lsli
an (mau überspringt also den Betrag von Wo— l-li), mißt bis Ut die Unterleibweite 44 —s—
2 ern für Nähte = 46 em.

Die Hat-spitze
Messe von ob die 4 ern für Bequemlichkeit zurück, verbleibt die blanke Oberweite,
dann noch einmal 7 ern zurück, also im ganzen 11 em, gibt x. Diese 7 ern sind Ve- Hals-
weite weniger 1X2 ern für die Naht, oder wer die Halsweite nicht hat, its Oberweite weniger 1.
Von x—s = 1l2 Oberweite = 24 ern gibt die Hals-spitze
Von s nach Z 7 —s— 2 :: 9 em.
Man ziehe von z über 0d und über Ut nach P die Brustmitte, mache das Halsloch
für kurze Faeon 7, halblange 8, lange Faeon 9—10 ern tief.

Die vordere CLänge.


Man messe von s— l., iibertrage dieses Maß von s itach P, zielte eine gerade Linie
nnd hohle rückwärts 2 em.
—40—

Dchsek und Drmkoch


Ziehe von s nach f eine gerade Linie, messe die Achselbreite des Rückens ab, mache
die Vorderachfel 1 ern schmäler und zeichne Achsel und Armloch nach Vorlage fertig.

Die Ynsschnitte oder Hueonierung


Der Betrag von Wo—l-li ist überflüssige Weite und beträgt 7 em, da ich aber· keine
Bequemlichkeit zugegeben habe, so schneide ich nur 4 ern heraus, während die übrigen 3 em
als Zugabe verbleiben. Man nehme jetzt zwischen Seiten- und Vorderteil 21X2 ern heraus,
mache einen kleinen Hüftenfueon, bis derselbe dann genäht ist, find auch die übrigen 11X2 ern
aufgebraucht.
Der Fachmann wird nun sagen, ja der Mann mit rundem Rücken hat keine hervor-
ragende Brust, kann also diesen Sueon auch nicht brauchen. Allerdings, aber wir müser
solchen eingefallenen Brüsten nachhelfen und die entstandene Weite ausfüllen, indem»; man
etwas Watte auf die Brust, oder einen guten Plaftron anflegt, auch mache man2innere
Brufttafchen, wenn dann etwas eingesteckt wird, ein Rotizbuch, Brieftafche, oder was immer
es auch fei, fo wird die entstandene Weite ausgefüllt.
Der Äsertritt oder die Fereuznng beträgt 4 enr oben und unten.

Der gschoß
Das Hinterteil-Schößchen wird über dem Gefäß etwas breiter als oben, doch bleibt
die innere Linie gerade.
Man lege den Winkel bei L und P au, ziehe nach l( eine Lirrie,,sebenso nach P, messe
von L—l( die Länge und P—l. ist die Weite.
Rückwärts gibt man 11X2 em Bogen zu und dann die Falte, oben zeichne man den
gleichen Bogen wie das Voderteil gehöhlt ift und nur vorne bei P läßt man 172 em Aus-
fchnitt entstehen.
Punkt I liegt im Winkel von lsli Ut. Wer das Gefäß gemessen hat,-kann die Weite
nachkontrollieren, indem er von N zum Punkte Ul die Gesäßweite mißt.
—41-.

Röcke für starke Personen.


(Fig- 6—)
Nachdem wir den Zufchnitt für mittelstarke Figuren kennen gelernt haben, wollen wir
zu stark beleibten Personen übergehen.
Die starken Herren unterliegen dem gleichen Gesetze und denselben proportionalen
Rechnungsregeln. Man kann von Fachleuten vielfach die Behauptung hören, dem starken
Manne rnnß man alles vorne zugeben. Dieses ist indessen nicht richtig. Allerdings, wer ein
Modell hat, welches zu weit vom Halse gestellt ist und dieses Modell für einen Mann- mit
starker Unterweite verwendet, thut gut, den ganzen Betrag vorne zuzugeben, im anderen Falle
aber nicht. Nebenbei gesagt, ist dieses eine höchst unsichere Schneiderei und im Zeitalter der
Elektrizität, wo der Knabe schon in den unteren Klassen mathematisch rechnen lernt, ein
Armutszeugnis für einen Meister. Auch hörte ich schon oft darüber streiten, daß der eine
Kollege sagt, beim Dicken muß man den Rücken lang hinein machen, während der andere be-
hauptet, nein, kurz muß er eingesetzt werden. Wer hat recht? Keiner und Jeder. Der dicke
Mann kann geneigt gehen, dann wird der Rücken länger, der dicke Mann kann aufrecht gehen,
dann wird der Rücken kürzer, ganz von selbst. Eingefetzt aber wird der Rücken beim richtigen
Zuschnitt glatt, ausgenommen die Seitennaht geht nicht über die Mitte des
Schulterknochens, wie beim Saeco oder Paletot. Beim Jackett oder Gehrock
nach meiner Methode aber darf kein Anhalten über dem Schulterblatt ftattfindeu, es sei denn,
der Zuschneider hat vergessen, die nötige Wölbung bei rundem Rücken richtig zu verteilen.
Die Maße find folgende: Kurze Taille 48 ern, ganze Länge 94 ern, Oberleibweite
120X60 em, Unterleibweite 132X66 em. (Haltung gewöhnlich.)
Jch habe früher schon besprochen, daß die Tiefpunkte bei starken Personen im Ver-
hältnis zur Oberleibweite zurückbleiben, fo nimmt man hier als Armtiefe die Hälfte der Ober-
leibweite weniger 3 = 27 ern, ja bei kurzen dicken Herren nur 26 em.
Die Breitenpunkte verteilen sich wie sonst, man nimmt als Armdurchmesser Its-« Ober-
weite = 15 ern, diese abgezogen von 60 bleiben 45 ern für Brust nnd Rücken zufammen,
die Hälse = 221X2 gibt Rücken- und Brustbreite. Bei starken Herren, sofern sie nicht geneigt
gehen, kann man ruhig den Vg ern vom Rücken abbrechen, wodurch 22 ern verbleiben.
Wir haben demnach einen Armvortritt von 23 —f— 15 = 37 em, dazu 2 ern für
Nähte = 39 em. Weichenbreite nimmt man beim starken Herrn die Ve Unterweite = 33
—s— 2 für Nähte = 85 em.
Der Unterschied zwischen Armvortritt 39 und Weichenbreite 35 enr beträgt nur 4 ern,
dadurch wird der Ausschnitt oder die Sueonierung klein, weshalb sich auch das Armloch
weniger versenkt. Als Arm- und Halsumfang nehme ich 54 ern an.

Honstrusktiom
Zeichne die Winkellinie A—V, A—Ta, messe von A—V lls Halsweite = 9 ern und
21X2 ern hoch gibt die Halskurve, messe von A—B 27 ern Armtiefe oder kurze Rückenbüste
nach Ta 48 enr kurze und 2 = 50 em verlängerte Taille, messe von s nach c Vs Arm-
(Deutsche BekleidnngsiAleademie München.) (Uachdruclr verboten.) o
MUNCHEN sår Müllerstr. 42

(Denlfche BekleidnngsiAstademie Münchens Fig. 6 (Nachdruck verboten

'
—43 »

nrrrfarrg ;- 18 em oder Ver Oberweite weniger 2, von c retour nach l) 6 enr Spiegelbreite
Lege jetzt den Winkel bei Ta so an, daß die eine Sptze nach V zeigt nnd ziehe die schräge
Txrillenline der Winkel an den Rücken anlegen, die wagrechten Linien B—Hü, dann b—r,
dann c—n ziehen.
Messe von Tor-l- 6 ern, von B—Pll die Rückenbreite 22—s- 1 : 23 ern, die Hälfte
von 23 : 111j2 —s— 1 =- lZIXg ern von B nach klein b, von U—r : 231X2 ern, von
c— n -—- 24 ern, worauf der Rücken nach Vorlage fertig gezeichnet wird. Jetzt messe von
Ali-N zu 15 4- 1 :- 16 ern Armdurchmefser, nur einen Punkt machen, das gibt von B
bis zu diesem Punkt 39 em, diese 39 ern werden jetzt von Ta nach Hi gemessen nnd über
beide Punkte eine senkrechte Linie gezogen, dann mißt man von Ta nach Wo die Weichen-
breite 33 —f— 2 für Nähte = 35 em, überspringt den Betrag von Wo—Hi, legt die Zahle
bei Hi au, mißt nach Ut die Unterleibweite 66 —s— 1 : 67 em; deshalb nur 1 ern, weil die
starken Herren die Röcke unten stets knapp haben wollen.
Die Weichenbreite 35 ern von Ta bis Wo wird nun halbiert = 171X2 gibt Ha,
messe von Ha—B und iibertrage dieses Maß von Ha auf die senkrechte Armvortrittsliuie,
gibt die Armtiefe At.
Lege den Winkel bei At und Wo au, ziehe die Armtiefe von At—Hii, lege den Winkel
bei Pii nnd At an, ziehe schräg aufwärts (aber im Winkel) die Linie Hü—f, lege den Winkel
bei At und Hi an, ziehe wagrecht die Bruftbreite nnd messe von B über At nach Ob die
Oberleibweite 60 —s— 6 : 66 em.
Die Zeiten«-ihm
Man stelle die Bleististspitze bei r- des Rückenspiegels au, halte das Maßband mit
dern Figur bei l., das ist die untere Breite des Rückens, tvo der Knopf hinkonnnt, fest und
ziehe einen kleinen Zirkelzng von t- nach sP, ebenso von n über f.
Zeichne das Seitenteil fertig.

Die Haksspitzen
Je mehr die Bauchrveite die Brustweile überragt, desto mehr liegt die Halsspitze
scheinbar zurück, scheinbar deshalb, weil die Brustbreitelinie nicht wagrecht über die Brust
läuft, sondern abwärts, wie ich dieses in dem System nach geometrischen Maßen ja schon
genügend bewiesen habe. Jch gebe zu, daß für den Fachmann mit weniger technischen Kennt-
nissen jene Abhandlungen nicht leicht sind und ich greife deshalb hier stets wieder zurück zu
jener Methode, wie ich sie schon vor 15 Jahren publizierte; man halbiert die Brustbreite
nnd Bauchbreite x nnd m, zieht über diese Punkte eine Linie, mißt von x—s 26 ern Arm-
tiefe wie rückwärts, wodurch die Hals-spitze sicher gesunden ist. ,Lege den Winkel
bei s nnd x an, ziehe eine Linie nach Z, von s—Z messe 9 —s- 2 = 11 enr und zeichne
die Brustmitte von Z über Ob und Ut bis P. Das Halsloch ea. 8 ern tief, je nach der
Länge des Umsalls.

Die vordere Fänge.


Man messe von s——l., iibertrage dieses Maß von s nach P, ziehe eine gerade Linie
und hohle rückwärts 11X2 em.

Dchsec und Druckvers.


Ziehe von s nach f eine gerade Linie, messe die Achselbreite des Rückens ab, mache
die Vorderachfel ils ern schmäler und zeichne Achfel nnd Armloch nach Vorlage fertig.
610
—44—

Die Dnsschnitte oder Hneonierung


Der Betrag von Wo—Hi ist überflüssige Weite und beträgt 4 em, da ich aber keine
Bequemlichkeit zugegeben habe, so schneide ich nur 2 ern heraus, während die übrigen 2 ern
als Zugabe verbleiben Man nehme jetzt zwischen Seiten- und Vorderteil 2 ern heraus.
Für Ubertritt oder Kreuzung gebe man unten wie oben 4 ern zu.

Der schoß
Das Hinterteil-Schößchen wird über dem Gefäß etwas breiter als oben, doch bleibt
die innere Linie gerade.
Man lege den Winkel bei l. und P an, ziehe nach l( eine Linie, ebenso nach P,
messe von l.—l( die Länge und P—l. ist die Weite.
Rückwärts gibt man 11X2 ern Bogen zu und dann die Falte, oben zeichne man den
kleinen Bogen wie das Vorderteil gehöhlt ist, und nur vorne bei P läßt man l ern Aus-·
schnitt entstehen.
Punkt lil liegt im Winkel von Hi Ut. Wer das Gefäß gemessen hat, kann die Weite
uachkontrollieren, indem er die Breite des Rückteil-Schößchen 6 ern bei H anlegt und bis
zum Punkte H die Gesäßweite 66 —s—6 Zugabe = 72 ern mißt. Man kann auch von til-H
genau die Gesäßweite messen und läßt das Rückteil-Schößcheu als Zugabe.
—45—

Nachtrag für denkende Fachmänner.


Beweisführungen über die Hals-spitze
(Fig. 7·)
Der denkende Fachmann wird sagen: ja, erst beweist der Verfasser, daß von x aus
eine senkrechte Linie nach oben gezogen wird, welche am Halsring direkt vorbei geht und so
die Spitze feststellt und nun bei dern dicken Mann diese Abänderung, als ob diesem der Hals
nicht auch auf der Brustmitte fäße, und scheinbar hat der Fachmann recht, aber nur scheinbar.
Würde diese Halslirrie stets senk-
recht in die Höhe gezogen, auch Q ø
bei recht starken Herren, es würde o O A
das geübte Auge des praktischen ,« »- x s O
Fachmannes sagen, das kann nichts ,«« - r»
gut thun, die Achsel ist unbedingt ,' ,-« «
zu gerade. Das habe auch ich fo- ,- - «
fort erkannt und deshalb nach der , -« , J

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befchrieberren Art dieselbe schräger ; «

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gestellt, und ich kann ruhig behaup- ,« ,-
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ten, daß die Erfahrungen dieRichtig- - X
keit bewiesen haben. Aber was «-
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nützt Erfahrung allein, wenn ich »He-,-


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nicht technisch oder geometrisch nach- »Hei-»-


X
D
X

weise, daß diese Abänderung den- o, OD


selben Grundsätzen unterworfen ist,
wie beim normalen Mann.
Der dicke Mann hat eine faß-
artige Figur, welche in der Leib-
gegend und der Taille am stärksten
ist, nach oben abnimmt und sich
zuletzt zuspitzen würde gleich einer
Pyramide oder einem Kegel. Nun
macht aber der Hals für unsere
sachlichen Zeichnungen einen Ab-
schnitt. Aus der Abwickelung dieses
Fig. Z.
faßartigen Körpers geht aber her-
vor, daß die Linie der Brustbreite
nicht wagrecht, sondern gerundet um den Körper läuft, und zwar nach aufwärts gebogen«
Hätte man diesen Bogen richtig gezogen, so dürfte man an demselben auch nur die 4 und
Va Halsweite zurückmefsen und auf dem Bogen den Winkel anlegen.
Wie aber diesen Bogen richtig finden?
Nur die Geometrie gibt uns Aufschluß und zeigt uns den richtigen Weg.
Jch habe an der Figur 17 (im ersten Teil) gezeigt,wie die richtige Armtiefe gefunden wurde,
das ist jene Stelle, welche in gleicher Höhe steht wie die Rückenbüste. Ich habe bewiesen, daß es
—4(3-.

ganz falsch wäre, würden wir rtur eine gerade Linie nach vorne ziehen, da der Punkt zu
hoch käme.
Das gleiche Experiment, das wir an jedem Rock rückwärts machen, ntiiffen wir beim
Dickbauch auch vorne-machen Würde man eine lange Linie von H über 0—A hinaus, dattrr
von B über 0—0 hinaus ziehen, so würden sich die Linien zuletzt treffen oder krenzctt und
diese Kreuzung et wäre der sogenannte Brennpttttkt oder das Zentrum. Wenn man von
diesem Zeutruttt tnit der erhaltenen Länge einen Zirlelzug gegen o zieht, so entsteht Punkt
ot, jene Brustmitte, welche irr gleicher Höhe liegt wie D und hier müßte der Winkel angelegt
werden, ttttd beix danrt eine senkrechte Linie nach aufwärts gezogen, unt dieselbe unfehlbar
amHalsring vorbei gehen zu lassen. Nun hätte man aber wohl nicht immer ein so großes
Stück Papier, ntn das Zetttrurn suchen zu können, deshalb machen wir es wie rückwärts.
Wir nehmen die Hälfte von A—ll ergibt ot, messen von et nach l), übertragen die Länge
ttach ot, wodurch ot ebenso sicher gefunden wird, als wenn man die Linie verlängert hätte.
Der Frack.
(Fig. 9.)
Maße: Taille 44 ern, Länge 98 ent, Oberweite 96 ern, Unterweite d8 ern, Hals-
weite 45 em, vordere Artttellärtge 48 ern.

Die Fronfkrnlitiom
Ziehe eine senkrechte Linie A—Ta, eine kleine Linie von -A——V, welche 71X2 em breit
uttd 2 ern hoch wird, gibt die Halskurve.
Messe von A—8 bei gewöhnlicher Körperhaltung Ue ern Oberweite : 24 ern (aber
nur bis zur Größe 48) nach Ta die Taillenlänge 44 em und dann die Verlängerung der
Taille nach Belieben, hier 2 em.
Lege den Winkel nach Ta so an, daß die Spitze bei Punkt V ansteht und ziehe von
Ta nach Hi eirte Linie, w:lh·: die Abschrägung oder Versenkung angibt.
Messe von B hirtattf rtach c its Oberweite (aber nur bis zur Größe 52) von c zurück
nach l) 5 em, gibt die Spiegelbreite des Rückenteils
Man zeichrte jetzt die Rückerntaht so, wie Figur zeigt, oben ein wenig gewölbt, nach
unten 11-2 ern hohl heraus urtd über das Gefäß wieder schließend.
Lege den Winkel an der Rückettttaht und bei B an, ziehe eine wagrechte Linie nach Hü,
lege den Winkel bei l) nttd dattn bei c att, und ziehe ebenfalls wagrechte Linien.

Die Breitenpunkte.
th der Taille wird der Rücken 5 ern breit.
Von B—Hii die schmale Rückettbreite 18 —s- 1 =-—- 19 em. Die schmale Rückenbreite
findet man auf folgende Weise:
Matt sagt, die Oberweite besteht ans drei Teile, Rückenbreite, Armdnrchmesser und
Brustbreite. Der Artndurchrttesfer liegt in der Mitte und beträgt Vr Oberweite = 12 ern,
diese zieht man von 48 em ab, bleiben 35 ern für Brust uttd Rücken miteinander, wovon
nun jeder Teil die Hälfte bekommt = 18 em.
Von B—b die Hälfte von 19 ern : 91X2 —s— 1 -—-— 1072 em.
Von ll—r—=—- 19 —s— 1 = 20 em.
Von c—n 1 ern mehr :- 21 em.
Zeichne den Rücken ttach Vorlage aus. Wir suchen jetzt den Armvortritt. Man
rttesfe von Pü irr gerader Richtung den Artndurchntefser 12 —s— 1 :— 13 ern, wodurch der
Artttvortritt von B—At :- 32 ern beträgt; diese 32 ern werden unten von der geraden Linie
Ta—Hi gemessen uttd dattrt die senkrechte Linie At über Hi gezogen.
Man rttesse jetzt vott der hereittgestellten Rückertnaht die Weichenbreite nach Wo, das
ist die Hälfte Unterleibweite utrd 3 ern -—- 25 em, die Hälfte von 25 :—-—- 1272 ern ist Ha-
vorr Ha messe nach B, übertrage das gewonnene Maß von Ha nach At. Dieser Punkt ist
die Armtiefe vorne, während Hi die Hüftentiefe bildet.
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Fig. 9
Der Frack.
«-- 49 —
Ziehe eine Linie von Pü nach At, dann von Ai nach Wo, lege den Winkel bei At
uttd Hi an, ziehe die Linie der Brustbreite, verlängere die Taillenlinie von Hi—Ut. Lege den
Winkel bei Hii und At an, ziehe schräg aufwärts die Armanfchlrtßlinie Hii—s.

Die Heitenspitze
Man stelle die Bleistiftspitze bei r des Rückertspiegels an, halte das Maßband mit
detn Finger bei L, das ist die Innere Breite des Rückens, wo der Knopf hinkotnmt, fest und
ziehe einen kleinen Zirkelzug von r nach sP, ebenso von n über t.
Zeichne das Seitenteil fertig.

Oberweite
Lege die Zahl 1 bei B an, messe bis Pü= 19 ern, drehe das Maßbatrd ein wenig,
messe nach At = 32 em, dann nach 0b 48 —s- 6 = 54 em Oberleibweite. Von diesen
6 ern sind 2 für Nähte und 4 für Bequemlichkeit.

Die Anierceibweite.
Von der Riickenttaht bis Wo haben wir 25 em; diese 25 em legt matt jetzt bei Hi
an (mau überspringt also den Betrag von Wo—Hi) und mißt bis Ut die Uttterleibweite
44 —s— 2 em für Nähte = 46 em.

Die Hase-spitze
Messe von 0b die 4 ern für Bequemlichkeit zurück, verbeibt die blanke Oberweite
dann noch einmal 7 ern zurück, also im ganzen 11 ern, gibt x. Diese 7 ern sind Ite Hals-
weite weniger 1X2 ern für die Naht, oder wer die Halsweite nicht hat, ils Oberweite
weniger 1.
Von x—s = V2 Oberweite = 24 ern gibt die Halsspitze.
Vonsnachz7—s—2s——-90m.
Matt ziehe von Z über 0b und über Ut nach P die Brustmitte, mache das Halsloch
für lange Faeon 10—11 em tief.

Die vordere ELänge.


Man tnesse von s—L, übertrage dieses Maß von s ttach P, ziehe eine gerade Linie
und höhle rückwärts 2 em.

Dchsek und Drmcoch


Ziehe von s nach f eine gerade Linie, messe die Achselbreite des Rückens ab, mache
die Vorderachsel Ve ern schmäler und zeichne Achsel urtd Armloch nach Vorlage fertig.

Die Duzschnitte oder Huoonierunn


Der Betrag von Wo—Hi ist überflüssige Weite und beträgt 5V2 ern, da ich aber
keine Bequemlichkeit zugegeben habe, so schneide ich nur 31X2 ern heraus, während die übrigen
2 ern als Zugabe verbleiben Matt nehme jetzt zwischen Seiten- urtd Vorderteil 2 ern heraus,
mache einen kleinen Hiiftensueon bis-derselbe dann geträht ist, sind auch die übrigen 11X2 ern
aufgebraucht. T
(Deutsche BekleidungSsAltademie München) (Nachdruelc verboten.) 7
—50-.

Nachdem die Zeichnung des Leibes fertig gestellt ist, wie solche für einen Frack,
Jackett und Gehrock ganz gleich ist, gehe ich an die Abänderung, die der Leib nun für einen
Frack bedarf. Vor allem maß ich bemerken, daß gegenwärtig der Utnsall oder die Klappe,
bei dem Frack schmäler tvtro als bisher. Jch nehme also auf der Brustlinie von Z über b,
Ob, Ut oben 2 urrd unten bis 3 ern weg und schneide um diesen Betrag das Teil schmäler,
Dadurch wird der Umfall ein schrnälerer und unten geht der Frack nicht mehr zusammen,
was ja auch nicht seitt soll, da der Frack nicht geknöpft wird. Sodaan schneidet man den
Revers, indem man oben 3 enr Sueon entstehen läßt bis zu detn Punkte ob und trach unten
zu mit der Kante gleichlaufend. Der Revers wird um die Schoßbreite länger geschnitten, er
erhält eine Breite von 5 ern, bei ganz schmaletn Revers 4 em. Oben zu, an der Oberleib-
weite dagegen wird er um 1 em breiter. Die Hauptsache ist ein kräftiger Brustsueon der
am Halse einzuschneiden ist. Der Hals ist um 3em tiefer geschttitten als bei einer normalen
hochgeschlossenen Faeon Jch verweise auf Zeichnung 10 (Su(;onierung).

Yes gedieh
Das Hinterteilschößchen wird über dem Gefäß etwas breiter als oben, doch bleibt
die innere Linie gerade. Der Schoß selbst wird wie folgt gezeichnet: Jch lege den Winkel
bei L und P an uttd ziehe nach l( eine Linie, ebenso nach P. Hierauf mache ich von L einen
Bogen der Schoßnaht entlang und lasse bei P vorne für den Frackschoß·eiuen Sueon von
2 ern entstehen Es ist daher der Schoßbogen beim Frack ein größerer als bei dem Jackett
oder Gehrock. Von L nach l( gebe ich einen Bogen von 2 ern für das Gefäß zu. Der
Frackschoß erhält bei H eine Breite von 5 ern, bei 0 eine solche von 6 em. Der Betrag von
H nach 0 ist ea. 15 ern, ebenso ist derselbe von i(—s an der Schoßlänge 15 ern, oder
Its der Schoßbreite von L nach P.

Der ziemet (Siehe auch Seite 64.)


Der Armumfang ist 45 em. Eine Naht hinter dem Armlochstrich gemessen beträgt
der Umfang 46 em. Jch schneide den Armel auf die Hälfte, also 23 ern weniger = 22 em.
Man mache eine Linie AcB von A nach B, die Hälfte der Weite, 22 em. c ist die
Mitte. Von c bis B nochmals die Mitte und 1 ern weiter vor nach B ist der Punkt b.
Von A nach H die Hälfte von A nach B, ist 11 em. Eine wagrechte Linie. Von
D nach l-· 21X2 em. Von l ttach l( Its von dem Umfang 46 = 151X3. Jch zeichne die
Kugel. Die vordere Ärmellänge beträgt 48 em. Von D nach L 48 ern die Mitte ist
E der Ellbogen 4 ern unter L ist V. Von V nach R 15 em. Hierauf zeichne ich
den Oberärmel, indem ich bei E noch 2 ern hereingehe. Wird der Ärmel überschnitten,
so schneide ich den Oberärmel von 0—E——L um Z ern breiter, den Unterärmel um 2 ern
schmäler. Zwischen c und l in der Mitte geht der Unterärmel durch. Rückwärts wird der-
selbe noch 2 em eingerückt.

Die Hueoniernug.
(Fig. 10 und 11.)

Bei der Zeichnung des Frackes ist des weiteren bemerkt, daß die vorderesKante noch
einer eigenen Behandlung bedarf. Die Sueonierung will ich nun im nachstehetrden erklären
Ich habe bei dieser Zeichnung einen Frack mit Shawlfaeon im Auge oder auch einen Smoking
Soll er mit Klappen sein, so zeigt auf der Figur 10 eine kleine punktierte Linie von c bis
—51—-

zur Kante die richtige Form, welche der Leib ohne Kragen hat. Um die nötige Länge aus
die Brust zn bekommen und an der Kante die richtige Kürze, schneide ich, so wie es an der
Frackzeichnuug bei H bereits eine Linie anzeigt, in das Papiermodell einen langen
Schnitt. Die vorliegende kleinere Zeichnung Figur 10 zeigt nun wie dieser Einfchrtitt zu

Zig. to Fig. 11

machen ist. Ich schneide von c nach l) mein Papiermodell ein, ebenfalls von l) nach s
und von s nach l. Bei s und bei l schneide ich jedoch nicht bis zur Kante. Nun legt man
sowohl bei s als bei l das Papierntodell um einen guten Centinreter übereinander, so daß
bei l( und U ein Zwischenraum von 2 em entsteht. Diese 2 ern, die hier entstehen, müssen
als Länge für die Brust zugegeben werden. Dadurch ist die Partie von der Halsspitze P
urtd D, l( und A eine sehr lange geworden, wie sie der gewölbten Brust entspricht. Die
70
-52..

eigentliche Brttchlinie von B übers nach A ist eine kurze und wird ein solcher Frack niemals
an der Brust abstehen. Wie muß nun nach dettt Modell irrt Stoff das Teil heraus-
geschttitten werden? Dies zeigt die nächste Zeichnung Figur 11. Man schneidet den Stteon
genau so heraus wie er oben sich gebildet hat, aber ttur bis zu dem Punkte D, damit die
Länge, die wir von dort bis l( reserviert haben, eben der Brust zugute kommt. Matt läßt
an der Achfel und am Halskreis seinen Einschlag wie gewohnt stehen urtd gibt dem Sueon
nur noch die notwendige Naht zu. Hat utatr eine Shawlfaeon so läßt utan auch den Kragen
gleich daran stehen wie es unsere Figur 11 auch zeigt.
—53—

Der Gehrock.
(Fig. 12.)

Maaße: Taille 44 ern, Länge 98 ern, Oberweite 96 em, Unterweite 88 ern, Hals-
weite 45 ern, vordere Armellänge 48 em.

Die Fronflrnlition
Ziehe eine senkrechte Linie A—Ta, eine kleine Linie von A—V, welche 7 It2 ern breit
und 2 ern hoch ist, gibt die Halskurve.
Messe von A—B bei gewöhnlicher Körperhaltung Itg ern Oberweite = 24 ern (aber
rtur bis zur Größe 48), nach Ta die Taillertlänge 44 ern uttd dann die Verlängerung der
Taille nach Belieben, hier 2 em.
« Lege den Winkel nach Ta fo au, daß die Spitze bei Punkt V ansteht und ziehe von
Ta nach Hi eine Linie, welche die Abschrägung oder Versenkung angibt.
Messe von s hinauf nach c Its Oberweite (aber nur bis zur Größe 52), von c zurück
nach l) 5 ern, gibt die Spiegelbreite des Rückenteils.
Matt zeichtte jetzt die Rückennabt so, wie Figur zeigt, oben ein wenig gewölbt, nach
unten l ern hohl heraus und über das Gefäß wieder schließend.
Lege den Winkel an der Rückennaht und bei B an, ziehe eine wagrechte Linie nach
Pil, lege den Winkel bei k) und dann bei c an, nnd ziehe ebenfalls wagrechte Linien.

Die Breitenpunkte.
Jn der Taille wird der Rücken 5 ern breit.
Von B—Pil die schmale Riickenbreite 18 —s— 1 = 19 em. Die schmale Rückenbreite
findet man auf folgende Weise:
Man sagt, die Oberweite besteht ans drei Teile, Rückenbreite, Armdurchmesser und
Brustbreite. Der Artndurchtnesfer liegt irr der Mitte und beträgt It4 Oberweite = 12 ern,
diese zieht matt von 48 ern ab, bleiben 36 em für Brust und Rücken miteinander, wovon
nun jeder Teil die Hälfte bekommt = 18 em.
Von B—b die Hälfte von 19 ern = 91j2 —s— 1 = 101J2 em.
Von ll—k=19—s—1=2()em. «
Von c—n 1 ern mehr = 21 em.
Zeichne den Rücken nach Vorlage aus. Wir suchen jetzt den Armvortritt. Man
ntesfe von Pil in gerader Richtung den Artndurchmesser 12 —s— 1 = 13 ern, wodurch der
Arntvortritt von B—At = 32 ern beträgt, diese 32 ern werden unten von der geraden Linie
Tit-Hi gemessen nnd dann die senkrechte Linie At über Hi gezogen
Man ntesse jetzt von der hereingestellten Riickennaht die Weichenbreite nach Wo, das
ist die Hälfte Unterweite Und 3 ern = 25 ern, die Hälfte von 25 = 121l2 em ist Ha, von
Ha messe tttan nach B, iibertrage das gewonnene Maß von Ha nach At. Dieser Punkt ist die
Artntiefe vorne, während Hi die Hüftentiefe bildet.
— —-
—.Q—--

Fig. 12
—55—

Ziehe eine Linie von Rii trach At, dann von At nach Wo, lege den Winkel bei At
und Hi an, ziehe die Linie der Brustbreite, verlängere die Tailleulinie von Hi—llt Lege den
Winkel bei Pli nnd At an, ziehe schräg aufwärts die Armanschlußlinie Hü—f.

Die Heitenspitze.
Man stelle die Bleistiftspitze bei r- des Riickenspiegels an, halte das Maßband mit
dem Finger bei L, das ist die untere Breite des Rückens, wo der Knopf hinkommt, fest und
ziehe einen kleinen Zirkelzug von t· nach sP, ebenso von n über f.
Zeichne das Seitenteil fertig.

Oberweite
Lege die Zahl 1 bei O an, messe bis Rü =19 ern, drehe das Maßband ein wenig,
messe nach At = 32 em, dann nach Ob 48 —f— 6 = 54 ern Oberleibweite. Von diesen 6 ern
sind 2 em für Nähte und 4 em für Bequemlichkeit

Die Anierceibweitt
Von der Rückennaht bis Wo haben wir 25 em; diese 25 em legt man jetzt bei Hi
an (mau überspringt also den Betrag von Wo—Hi) und mißt bis Ot die Unterleibweite
44 —s- 2 ern für Nähte = 46 em.

Die Hat-spitzt
Messe von Ob die 4 ern für Bequemlichkeit zurück, verbleibt die blanke Oberweite,
dann noch einmal 7 ern zurück, also im ganzen 11 ern, gibt x. Diese 7 enr sind lts Hals-
weite weniger 1to ern für die Naht, oder wer die Halsweite nicht hat, lte Oberweite weniger 1.
Von x—s = 1t2 Oberweite = 24 ern gibt die Halsspitze
VonsnachZ7-s—2=9em.
Man ziehe von Z über Ob und über Ot nach P der Brustmitte, mache das Halsloch
für lange Faeon 9—10 ern tief, hier aber nur 7 It2 em.
Of
Die vordere cLänge.
Man messe von s—L, übertrage dieses Maaß von s nach P, ziehe eine gerade Linie
und höhle rückwärts 2 em.

gchsek und Drmkorh.


Ziehe von s nach f eine gerade Linie, messe die Achselbreite des Rückens ab, mache
die Vorderachsel Its em schmäler und zeichne Achsel und Armloch nach Vorlage fertig.

Die Dasschnitte oder Hneonierung.


Der Betrag von Wo—Hi ist überflüssige Weite und beträgt 6 ern, da ich aber
keine Bequemlichkeit zugegeben habe, so schneide ich nur 31t2 ern heraus, während die übrigen
21t2 ern als Zugabe verbleiben Matt nehme jetzt zwischen Seiten- und Vorderteil 2 ern heraus,
tnache einen kleinen Hüftensneon bis derselbe dann genäht ist, sind auch die übrigen 11t2 ern
aufgebraucht Bei einetu Jackett verbleiben zwischen Hi—Wo Bem, bei eittem scharfanliegeuden
Frack 2 em, bei einem Gehrock 21t2 em.
—56.—

Nachdem die Zeichnung des Leibes fertig gestellt ist, wie solche für einen Frack,
Jackett und Gehrock ganz gleich ist, gehe ich an die Zeichnung des Revers. Man schneidet
den Revers, indem man oben 3 em Sueon entstehen läßt bis zu dem Punkte Ob urtd nach
unten zu ebenfalls 3 em. Die untere Länge findet man, indem man die Länge von H nach
P nach H überträgt Die Revers werden unten 7 ern, irr der Mitte— 8 ern nnd oben 6 em
breit Der Kragen: Von der größten Halstiefe gehe man 3 ern hervor urtd mache vom obersten
Knopfloch über diesen Punkt eine Linie. Von der vorderen Mitte tnesse ich 23 ern 1t2 Hals-
weite und It2 em für die Naht zurück, von diesem Punkte 1 gehe ich zuerst 5 ern Kragen-
breite, darin 3 ern Stehkragenbreite tief und zeichne den Kragen fertig.

Yes Histori-
Das Hinterteilschößchen wird über dem Gefäß etwas breiter als oben, doch bleibt
die innere Linie gerade. Der Schoß selbst wird wie folgt gezeichnet: Jch lege den Winkel
an der geraden Reverskattte an urtd setze die Linie nach unten zu fort; sodann mache ich von
H nach rückwärts ttach dem Winkel eine Linie nach L. Von H nach L messe ich 7 ern Revers
urtd die Unterweite 44 —s— 3 =- 47 em, gibt den Punkt L. Von L nach aufwärts 8 em. Beide
Punkte werden verbunden und in drei Teile geteilt hierauf bei dem ersten Drittel 11t2 ern tiefer,
bei dem zweiten Drittel hindurch uttd bei dem hinteren Drittel 11t2 em höher. Von L auch
8 ern tiefer, 3 enr für das Gefäß heraus urtd von O nach l( eine Linie, an der die Schoß-
länge abgemessen wird. Die gleiche Länge wird auch von H nach abwärts gemessen urtd nun
die Länge ausgezogen, ebenso mit 11t2 ern Gesäßbogerr die Schoßfalte.

Der girmelc
(Bei Jackett und Gehrock aus starkem Stoff wird der Ärmel 1 ern weiter als beim Frack.)

Vereinfachte Konstruktion des Ärmels.


Der Armumfang ist«45 em. Eine Naht hinter dern Artnlochstrich gemessen beträgt
der Umfang 46 em. Jch schneide den Ärtnel aus die Hälfte, also 23 em.
Man mache eine Linie A O B. Von A nach B die Hälfte der Weite, 23 em. O ist
die Mitte. Von O bis O nochmals die Mitte und 1 ern weiter· vor nach B ist der Punkt b.
Von A nach H die Hälfte, von A nach B ist 111t2 em. Eine wagrechte Linie. Von O nach
P 2 em. Von l nach l( Vs von deut Umfang 46 = 151t3 —f— Its cm für die Naht Jch
zeichne die Kugel. Die vordere Armellänge beträgt 48 em. Von O nach L 48 ern, die Mitte
ist E, der Ellbogen 4 ern unter L ist l(. Von l( nach P 15 em. Hierauf zeichue ich den
Oberärmel, indem ich bei E noch 2 ern hereingehe. Wird der Ärmel überschnitten, fo schneide
ich den Oberärmel von O—E—L um 2 ern breiter, den Uttterärmel utn 2 ern schmäler. Zwischen
O und l in der Mitte geht der Unterärmel durch. Rückwärts wird derselbe noch 2 ern
eingerückt
—57—

Die Halsspitze und ihre Beweisführung


Schon in den Zeiten, als die Zuschneidekuttst ttoch in den Windeln lag, galt es als
eine ausgemachte Sache, daß die Stellung der Halsspitze auf das Passeu des Rockes einen
ganz wesentlichen Einfluß ausübe. Jtt der Tat verdient dieser Punkt auch eine große Auf-
merksamkeit denn er ist ein ganz wichtiger Faktor, dessen Auffindung oder Festsetzung nicht
so leicht ist.
Es haben deshalb auch die früheren wie heutigen Forscher diesem Punkte die größte
Aufmerksamkeit erwiesen ttnd mancher Kollege hat auf recht sinnreiche Art denselben festgelegt,
aber auch mancher große Unsinn ist oft den verschiedensten Zuschneidelehrern mit urtterlaufen
Alle Forscher jedoch ohne Ausnahme hatten stets nur die Halsspitze des Votderteils im Auge,
während es doch zwei Halsspitzeu gibt, die des Rückens und die des Vorderteils.
Mir sagte einmal ein Kollege, welcher mit Recht sogar darauf Anspruch machte, daß
man ihn zu den besseren Zufchtteidern rechnete, er kenne nur eine Halsspitze, denn die Spitze
des Rückens sei nicht maßgebend, uttd so wie dieser sagte, dachten und denken noch viele
Zuschneider.
Nun aber ganz gemach, meine Herren Kollegen! Jch habe an der Fig. 14 nach-
gewiesen, daß die Halsspitzen in erster Linie von dem senkrechtert Grurtdstrich oder der Armvor-
trittslinie abhängig sind. Jch habe bewiesen, daß oberhalb dieses Striches jener Punkt am
Halse ist, wo die zwei vereinigten oder zusamtnettgenähten Spitzen sich willig treffen sollen
Aber nicht nur eine Spitze soll willig dort hinfallen, nein, beide Punkte müssen willig dort
sich treffen. Dieses setzt denn voraus, daß sowohl die vorderen, als auch die rückwärtigen
Partien einer genauen Messung oder einer genauen Berechnung unterzogen werden müssen
Daß ich — und wahrscheinlich noch Tausende von Fachleuten — die Messung der Berechnung
vorziehe, ist klar; allein die Art und Weise, wie diese Messungen bekannt sind, verursachen
stets Opposition
Viele verlangen, daß diese Spitzen nur durch direkte Messuttgen festgestellt werden,
d.h. durch Messungen, welche jede weitere Berechnung ausschließen Diese Messungen hat
G. A. Müller wohl zuerst veröffentlicht, wie denn überhaupt dieser Forscher stets eine Leuchte
der wissenschaftlichen Zuschneidekunst sein wird.
Nach ihm haben allerdings noch mehrere Zuschtteidelehrer die Halsspitze durch direkte
Messuttgen festgesetzt allein sie ähnelten alle so dem Müller-System, daß sie nicht als eigene
Erfindung betrachtet werden konnten
So schön nun auch sowohl G. A. Müller als nach ihm andere die Halsspitze durch
Messungen festsetzten in der Praxis haben sich alle diese Systeme nicht bewährt Als Grund
wurde angegeben, daß der Kunde bald diese, bald jene Stellung beim Anmessen einnimmt,
daß jenes Maß kurz, das andere lang genommen werden soll u. s. w.
Angenommen, daß die Art des Messens wirklich Martches zum Gelingen oder Nicht-
gelirtgen beitrug, so lag doch die Hanptschuld ganz wo anders; aber wo? Wie oft habe ich
mir diese Frage vorgelegt und wie viele Versuche habe ich angestellt, bis ich diese Frage
richtig beantworten konnte.
(Deutsche BekleidungssAlrademie München) inachdruckt VIIbOth 8
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Fig. 13
—59.—

Die Ursache liegt an den Hüften


Die Hüften erfordern eine Bequemlichkeit trnd da ja bei allen Systemen die Bequem-
lichkeit vorne zugegeben wird, so findet eine Verschiebung des Vorderteils nach rückwärts
statt Durch diese Verschiebung wird der Rock aus seiner senkrechten Lage gerückt, der ge-
messene Hüftenpuukt kommt nicht mehr auf jene Stelle, wo das Zeichen gemacht wurde, er
verschiebt sich und bringt dadurch die Halsspitzen auch wean sie noch so gut gemessen oder
berechnet sind, aus ihrer Lage und die gewaltsame Vereinigung bringt eine unvermeidliche
Störung hervor.
Dadurch nun, daß ich der Bequemlichkeit dann den Nähten und ganz besonders der
Sueonierung vollständig Rechnung getragen habe, kann ich richtig behaupten, daß meine rück-
wärtigen Partien nicht mehr in Uttordnung gebracht werden können,und daß nach Schluß der Sueon
und der Nähte, die Halsspitze V des Rückens an ihren richtigen Platz kommt- womit ich aller-
dings blos die Hälfte bewiesen habe. Es bleibt mir noch übrig nachzuweisen, daß nach meinem
System auch die Vorderteilsachselspitze an ihren richtigen Punkt kommt uttd hier muß mir die
Figur 13 als Lehrsigur dienen -
Ich habe von der Brustkante jene 4 ern Bequemlichkeit zurückgemessen, so daß ich
mit oo die blanke Brustbreite habe. Ob jetzt die Brust eine hohe oder flache ist, immer läßt
sich von der Mitte derselben eine gerade Linie ttach dem Halsgrübchen ziehen und b wäre
also die Mitte des Halses. Dieser Hals tritt nun mit seiner Stärke oder seinem Umfang
nach rechts und zur Hälfte nach links. Je stärker der Hals ist, desto mehr wird er nach
jeder Seite treten. Der Hals ist aber ein Kreis und sein Umfang mißt bei der Lehrfigur
45 ern, somit ist sein Durchmesser rund 1ts, d. i. 15 em,
Jch weiß nun wohl, daß der Durchmesser eines Kreises nicht genau Its vom Umfang
ist, sondern der ganz getraue Durchmesser wird gefunden, indem man den Umfang mit 3,14
teilt, allein die Differenz ist bei 45 oder 48 Umfang so klein, daß man die Bruchzahl ruhig
weglassen kann Anders ist dieses bei großen Halskreisen wie 57, 6"0, 63 2c. Bei solchen
Hälsen bricht man von dem Durchmesser, den man durch eine Teilung mit 3 gefunden hat,
1 ern ab, was dann bei dem Halbtnesfer Its ern ausmacht, also bei 57 statt91t2 nur 9u. s. w.
Es ist selbstverständlich, daß auch der Rückettspiegel am Halse die gleiche Kürzung erfährt
Jm gegebenen Falle nehme ich nun rund 15 ern Durchmesser an, wovon die Hälfte
7 1t2 ern beträgt; messe ich nun diese 7 1t2 ern von dem Hals zentrum oder — was ja ganz gleich
ist —- von oo nach x, so habe ich die Breite des Halses erreicht und eine senkrechte Linie
aufwärts gezogen führt genau am Halsrittg vorüber. Die Breite des oberen Rückenspiegels
am Halse habe ich ja ebenfalls Its vom Umfang breit gemacht uttd trifft diese Breite auf A;
die Länge der Achsel ist aber ebenfalls entweder- gemessen oder berechnet, somit ist die Ver-
einigung beider Linien die Halsspitze selbst
Die Unterschiede, welche sich durch diese Art und Weise der Halsberechnuttg ergeben,
treten bei jedem einzelnen Körper so klar zu Tage, daß ttur ein ganz verbissener Optimist
die Richtigkeit in Zweifel ziehen kann, aber mir auch nur im geringsten einen Jrrtum nach-
zuweisen, wird er nicht fertig bringen
Hat nun ein Mann eine breite Brust, so» verbleibt von dem x—O ein großer Betrag,
während bei einem getteigten Mann mit fchrnaler Brust ein kleiner Betrag übrig bleibt, da
bei ein uttd derselben Oberleibweite auch dieselbe Halsweite vorhanden seitt kann und diese
Halsmitte ja immer auf der Brufttnitte sitzt, so bleibt sich bei aufrechter und geneigter Haltung
die-Entfernung von oo nach x stets gleich. Einen wesentlichen Unterschied aber zeigt die
Armlochuaht Bei einem aufrechten Mann mit breiter Brust legt sich Punkt O weiter zurück
8.
—(30—

und die Armlochnaht wird eine geradere, fast senkrechte, während bei geneigter Haltung und
schmaler Brust sich Punkt l) weiter vorlegt, wodurch die Armlochnaht viel geschweifter wird.
Alles dies Gesagte läßt sich in kurzen Worten folgendermaßen ausdrücken: Je auf-
rechter ein Mann geht, desto gerader sind seine Achseln, je geneigter der Mann geht, desto
schräger erscheinen die Achseln.
Dieser Lehrsatz steht zwar mit den Lehrsätzen aller anderen Autoren im Widerspruch
und die Fachwelt schüttelt ungläubig den Kopf, denn nach den anderen Büchern wird bei
aufrechter Haltung die Achsel schräger, bei geneigter Haltung gerader gestellt. Warum?
Weil manche Herausgeber von Büchern den Unsinn eines Vorgängers abschreiben und viel
zu wenig selbständig denken; auch haben diese Leute oft viel zu wenig eigene Praxis.
Der erfahrene Zuschneider weiß aber ganz wohl, daß er bei sehr starken Brüsten
nicht genug Einschlag an der Halsspitze des Vorderteils stehen lassen kann, welcher bei der
Anprobe ausgelassen und an den Achseln gegen das Armloch wieder weggenommen werden
muß. Die Ursache liegt in den eben angeführten Körperabwickelungen.

Yas thkoeh
Es ist mir nicht möglich, das Armloch so kurz zu behandeln, denn es macht jedem
Fachmann zu viel zu schaffen nnd die Klagen über ein zu enges Armloch oder besser gesagt
über ein zu unbequemes Armloch nehmen kein Ende.
Welcher Fachmann könnte sich rühmen, von-diesen Klagen nichts zu wissen?
Die Arinlochkurve ist seit der Zeit, als man von Kleidern überhaupt reden kann,
der peinlichste Punkt. Jeder Schneidermeister oder Zuschneider, mag er feine, mittlere oder
weniger penible Leute als Kundschaft haben, mit den Armlöchern wird er gar oft seine liebe
Not haben. J-.r, es gibt Kunden, die aus purer Gewohnheit über zu enge Armlöcher klagen,
wenn bei der Probe gar kein Ärmel eingesetzt ist und das Armloch so groß ist, daß es den
Arm nicht einmal berührt. Ein Druck, der von der Weste, ja sogar vom Hosenträger oder
vom Hemd herrührt, wird ohne weiteres dem neuen Rocke zugeschrieben. Hier muß jeder
selbst zusehen, wie er mit dem Kunden fertig wird; allein einen Fingerzeig will ich jenen
geben, die noch keine Praxis erlangt haben, um soviel als möglich ihre Kundschaft zu be-
friedigen. Man frage sich erstens, wie ist der Mann diesem Maße nach gebaut; zweitens,
wann und zu was für Beschäftigungen wird der Rock getragen. Einem Manne mit gebückter
Haltung schneiden wir eine schmale Achsel, desgleichen wenn der Rock am Schreibtisch, im
Bureau, zum Zeichnen oder zu sonstigen Beschäftigungen getragen wird, bei welchem der Körper
eine gebückte oder gekrümmte Stellung einnimmt. Dagegen schneide man einem Manne mit
aufrechter Haltung, sowie beim Promenade- oder Salonrock eine verhältnismäßig breitere
Achsel.
Niemals aber soll-das Armloch zu tief sein« Ein zu tiefes Armloch ist ein großer
Fehler, und ist dabei der Ärmel auch noch nicht genügend weit, so geht der Rock oft so lange
retour, bis dem Fehler abgeholfen ist, oder ein neuer Rock gemacht wird. Die Art und Weise,
wie ich das Armloch zeichne, ist einzig in seiner Art, und erzielt man rückwärts einen guten
Anschluß, was ein hauptsächliches Erfordernis ist.
Die meisten Armlöcher sind rückwärts zu tief, was hauptsächlich bei Quadrat-Systemen
vorkommt.
Eine heikle Frage ist: Sollen die Armlöcher ausgezogen werden oder nicht? Das
kommt ganz auf den Körperbau an und auf die hauptsächlichsten Bewegungen, die der Kunde
macht. Ein Manu, der mit den Armen stets nach vorne fährt und dabei seinen Rücken
—61-

ungewöhnlich hinausdrückt, als wollte er den Rock rückwärts zum Platzen bringen, braucht das
Armloch mehr nach vorne ausgeschnitten und kann solches nur auf Kosten der Brustbreite ge-
schehen; den Betrag der Brustbreite zugeben, hat keinen Wert, denn der Rock wird eben zu
weit. Ein solches Armloch für einen solchen Kunden, oder auch wenn der Kunde wirklich
geneigt geht, soll an jenen Stellen, die gezeichnet sind, ausgezogen werden und müssen in die
Leinwand mehrere tiefe Einschnitte gemacht werden, welche selbstredeud gedeiit werden müssen.
Das Gleiche gilt bei stark nach vorne driickenden Ael)selknochen. Jn diesem Falle
entsteht zwischen dem Halsring und dem Achselknochen eine tiefe Versenkung, welche sich bis
auf die Brustmitte herunterzieht. Jeder Rock und jede Weste, kurz alles wird hier einbrechen
und eine häßliche Falte geben, wenn nicht mehrere erzeugen. Wie entfernt man diese Falten?
vor allem muß ich einschalten, daß diese häßlichen Falten oft vermehrt oder vergrößert werden,
erstens durch eine falsche Halsstellung, zweitens aber durch einen zu kurzen Kragen. Der zu
kurze Kragen zieht das Halsloch noch mehr zusammen, wodurch die Falten von selbst größer
werden. Der Kragen soll deshalb dort lang sein, doch komme ich an den Kragen ganz eigens;
ich sage also vorläufig nur: den Hals gegen die Spitze etwas ausgezogen, den Kragen lang
aussetzen, das Armloch auf den Achselknochen ebenfalls gut ausgezogen und die von selbst
entstehende Höhlung durch einen guten doppelten Leinwand-Plastt«on oder mit Wollroßhaar
überbrücken. Nur eine Ubetbriickung kann helfen, denn ein Ausfüllen mit Watte ist nicht
schön und nicht gut. Freilich muß der Stoff förmlich ausgespannt sein, nach den Armlöchern
gut ausgestreift, mit einem Wort — man nehme es ntir nicht übel — er muß auftapeziert
sein. Das Futter muß reichlich weit und lang sein, nur dann kann die Achsel schön glatt
liegen.
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— eg-

Nochmals das fertige Modell


für Schoß und Ärmel extra.
(Fig. 14.)
Matt hat nicht immer ein so großes Stück Papier, daß man den Rockschoß gleich
mit anzeichnen kann. Auch halte ich es im allgemeinen für praktischer, man zeichnet den
Schoß gleich auf den Stoff. Jch führe nun nochmals ein fertig gezeichnetes Rockmodell dem
Leser vor die Augen, um an demselben verschiedene sehr interessante und wichtige Demon-
strationen zu zeigen.

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Fig. 14

Erstens zeigen dies die Schraffierungen an der Halsspitze, Achsel und Armloch, wo ein
ausziehen stattfindet, doch dürfen diese Dressuren nur mäßig sein. Ferner zeigen weitere
Schrasfuren an der Hüfte und dem Seitenteil die notwendige Dressur und Behandlung.
—63—

Zweitens erscheint dem Fachmann die Seitenteilspitze zu hoch, sie ist aber nicht zu
hoch, denn wenn man von dem Rücken eine Naht wegnäht, so wird die Partie von d—s
länger, nimmt man von dem Vorderteil auch eine Naht weg, so wird diese Partie von
d—sP kürzer. Wer also den Rücken zwei Nähte über das Seitenteil legt, wird finden, daß
die Spitze nicht zu lang ist. Die Nähte sind durch feine Punkte an dem Modell von
d—s und sP angezeichnet. «Das Seitenteil ist unten 1 em gekürzt, um welchen Betrag
dasselbe gezogen wird. .
Die Achsel des Rückens muß mindestens 1t2 em, bei geneigter Haltung 1 em, bei
rundem Rücken 1It2 em angehalten werden.
Wer den Schoß gleich auf Stoff zeichnet, lege erst den Winkel bei N an der Vor-
trittslinie so an, wie Figur zeigt, und ziehe eine Linie von I—U, messe von U hinauf nach
l. = 7 ern und merke sich diese Zahl, dent soviel muß der Schoß rückwärts höher ge-
stellt werden.
—64-.

Das Armloch
(Fig. 15.)
Jch messe jetzt den Artnloch-Umfang ab, aber eine Naht hinter dem Schnitt, und
überspringe die Nähte, wodurch 46 ern herauskormnen, also l ern mehr, als wir berechnet
haben. Das ist kein Fehler und wir machen den Ärmel 46 ern weit. Wir haben einen
Ober- und einen Unterärmel 123 ern breit, rücken aber den Unterärmel 2 ern eiu z= 21ern.

Fig. 16

gso beginnt der Antetärmeci


(Fig. 16.)
Da wo der Rock oder das Armloch unter dem Arm verschwindet und seine größte
Kurve beginnt,,= 21t2 ern oberhalb, U, F.
Jch lege die Zahl 1 an jenem Punkt an und messe die halbe Armweite = 23 ern
unten herum und wo die Zahl 23 hintrifft, kommt die riickwärtige Ärmelnaht hin. Diese
Stelle ist durch ein A bezeichnet. Man messe von R hinauf bis zu diesem A = 11 It2 ern oder
die Hälfte von 23 em. Alle diese Zahlen notiere man erst, dann schneide man das Modell
vorsichtig und schön heraus.
—(35-—

Der Rock-Schoß
(Fig. 17. Anliegende Form)

Her Yorkschoß kann gleich direkt auf den Stoff gezeichnet werden, was gewiß einen
großen Vorteil für den Fachmann bietet. Man sehe erst nochmals nach, ob der Strich des
Tuches oder Stoffes richtig geht und ziehe alsdann die Winkellinie A, B und c, lege das
Längenmaß des Rockes 100 ern bei A an, fahre mit dem Maßband aufwärts und streiche

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bei c die verlängerte Taille = 46 em ab, lege den Winkel bei A und c an und ziehe die
Winkellinie c—0, gebe vorne 2 bis 3 ern Einschlag und messe von demselben an, die untere
Breite des Revers 7 ern zurück = U, von da an die Unterleibsweite 44 —s— 3 = 47 ern
weiter zurück nach 0.
Wir müssen jetzt suchen, wie hoch Punkt s über 0 zu stehen kommt. Zu diesem
Zwecke legt man den Winkel bei I und D am Vorderteil an, zieht eine wagrechte Linie her-

(Deutsche BekleidungsiAleademie München) (Nachdrnrlr verboten). 9


—(3(3—.

über und mißt nun den Betrag vom besagten Punkt U nach l. hinaus, gibt für die Nähte
1em zu.-—- 7em uttd mißt diese 7 von 0 nach s. Dabei wird man finden, daß bei ztt kurz
gemessener Taille dieser Betrag sich vermehrt, während er bei zu lattg getttessener Taille
sich von selbst verkürzt. Man mißt jetzt von s nach T herunter ea. 14 ern das
ist Its Taillenlänge (bis zur Größe 52), wodurch die Gesäßtiefe gefundett wird. Von
T nach 6 mißt man bei gewöhnlichem Gefäß 3 ern, bei starkem Gesäß 31t2 enr und bei aus-
nahmsweise sehr starkem Gefäß 4 ern, dagegen bei schwachetu Gefäß uttd bei Dickbäuchett ttur
2 ern, ziehe nun die schräge Linie von s über G ttach l., messe auf derselben die Länge
des Rockes nochmals ab, indem man auch hier die verlängerte Taille 46 bei s anlegt und
nach l. 100 enr mißt, gebe dattn detn Schoß bei c- einen kleinen Bogen von 1It2 em zu,
welcher eingebiigelt wird, mache die Falte beliebig, hier 3It2 ern breit, uttd steche von L ttach A
den Schoß verloren ab.
Es kommt ttttr ttoch der obere Bogen des Schoßes, wobei wir zuerst eine gerade
Linie von s ttach D, der Breite des Revers, ziehen. Diese Linie wird durch die Erhöhung
rückwärts länger uttd hat jetzt 48 em, welche in drei gleiche Teile geteilt werden = 16 em.
Bei detn hinteren Its gehe man bei gewöhnlichem Körper 1It2 ern, bei starkem Gefäß 2 ern
itt die Höhe, bei dettt 2t3 itt der Mitte auf die Linie ttttd vorn bei c 1It2 ern unter die
Linie und zeichtte den Schoßbogen fertig. Wer keinen Sueon machen will, muß den Schoß
desto mehr anhalten.

Yas cEinsetzen des Hchoße5.


Es genügt nicht, den Schoß ttttr richtig geschttittett zu haben, sondern derselbe muß
auch richtig attfgettäht werden.
Die Leibesttaht am Vorderteil ist, wie wir ja gesehen haben, rückwärts geschweift
worden, allein, wenn die Nähte und der Sueon geschlossen sind, wird diese Linie gerade.
Es ist zwar nicht so leicht, den richtigen Schuß, wie der Fachmann sagt, immer zu treffen,
deshalb legt matt unten das Vorderteil glatt auf den Tisch, zieht von L nach dl mit detn
Lineal eine gerade Linie, ganz gleich, ob matt über die ein-gezogenen Stiche an einigen Stellen
hittiiberkotnntt oder« nicht, und heftet den gut eingebügelten Schoß ttach dent gezeichneten
Strich. Beim Attsbiigeln der Naht ntuß man von vorne uttd von rückwärts hereinbügeln,
sodaß ntan sich auf den Hiiften trifft, da andernfalls zu gerne der Schoß rückwärts hinaus-
getrieben wird uttd die dadurch entstandenen Falten sehr schwer zu entfernen sind. Die Ab-
änderungen werde ich in eittent späteren Artikel behandeln.
Obwohl ich den Jackett- und Frackschoß extra behandle, so habe ich doch gleich bei
Fig. 17 die nötigen Abänderungen durch puttktierte Linien angebracht, ttach welchen aus einem
Gehrockschoß ein Jackett- oder Frackschoß gemacht werden kann, ttach detn Grundsatz: Je an-
schmiegender ein Schoß sein soll, desto tiefer muß er vorne gestellt werden.
—67-.

Der Jackett-5ch0ß.
sc « (Fig-18-)
Die praktische Stoffeinteiluttg erfordert, daß auch der Jackettschoß gleich an seinett
richtigen Platz und seine richtige Lage gezeichnet werten kann. Um nun das Modellfchneiden
zu ersparen, füge ich eine Zeichnung, welche gleich auf den Stoff übertragen werden kann-
sodaß bei mittleren Größen das Rückteil-Schößchen daneben Platz hat.

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Zig. 18

A—B ist die Endseite, A—ll der abgeschnittene Stoff. Die Falte kann unten
3—4 ern, oben 4—5 ern breit und von der Kante entfernt sein.
Jch lege die Länge 90 -s— 2 Einbttg = 92 bei A an, breche bei B die verlängerte
Taille = 46 ern ab, punktiere von A—B eine gerade Linie und gebe derselben 1It2 ern Bogen
zu, dann lege ich den Winkel bei B, unten bei AaberlIt2 ern, bei schwachem Gefäß bis 2 ern
herein und ziehe so die Linie B-—c, tnesse von B nach c die Unterweite 44 —s— Z = 47 ern,
ttnd für einreihig, wenn zum Knöpfen, nochmals 4 ern Kreuzung, den Einbug oder Besatz
ttach Belieben.
gt
—(;8—

Die Weite von B—c, also 47 ern, teile ich in drei Teile, gehe bei detn vorderen Drittel
1It2 ern, beim 2t3 aber 3 ern in die Höhe und ziehe die Schoßttaht schön gebogen aus. Der
Abstich wird nach Wunsch und der jeweiligen Mode gemacht. Es hat nun den Anschein,
als ob dieser Schoß ganz anders wäre, als der nach dent Gehrockschoß, doch wenn man beide
aufeinanderlegt, so sittd sie ganz gleich.
—69—

Der Frack-Schoß
(Fig. 19.)

Auch dieser Schoß kann gleich aufzden Stoff gezeichnet werden. Jch ziehe 4 lt2—5 ern
von der Kante entfernt die Winkellinie A—L—A—B, lege die verlängerte Taille 46 bei A
an, messe nach l- die Länge 98 ern, von A nach B die Unterweite 44 —s—. 1 = 45 ern, gebe
dem Schoß rückwärts von A—a einen mäßigen Bogen von höchstens 1It2 ern zu, nach unten
aber wieder gerade, da hier ein Bogen nicht mehr gut thut. Die Weite von 45 ern wird
wieder in drei Teile geteilt, gehe bei detn hinteren Its, 31t2 em, bei dem vorderen Its, bei

S-

Jig 19 o

E 21t2 em in die Höhe uttd zeichne auch diesen Bogen fertig. Das Schlußstück kann eine
beliebige Breite erhalten, hier 4 ern uttd Its der Schoßweite = 15 em lang. Die untere
Breite sowohl, als auch die Faeon, hängt von der Mode ab, und ist hier 15 ern, gleich der
Länge des Schlußstückes
—70—

Es ist gut, das Schlußstück etwas breiter, also mit Einschlag, zu schneiden, denn
wenn der Schoß an den Hüften von E—D etwas klafft, so versenke matt den Punkt B vom
letzten Sueon aus, wodurch der Schoß anschmiegender wird. Es ist selbstredend, daß die
Bearbeitung des Frackschoßes eine tadellose sein muß.

---—T

Zig. 20

Yet Litmelc
(Siehe Fig.15 und 16.)
Bevor wir den Leib herausgeschnitten, haben wir das Armloch abgemessen = 46 ern,
davon die Hälfte für die Anlage vom Oberärmel =23, davon wieder die Hälfte =111t2 ern
Höhe von der Armtiefe lsl bis zum Zwick oder Kerb im Rücken, wo die riickwärtige Ärmel-
naht hinkommt, dann die Höhe der Kugel, Its; vom Umfang 46 = rund 15 em. Um dieses
nochmals dem Leser klar vor Augen zu führen, lasse ich die Figur 20 folgen.
—71—

Fonstrttüiiow
(Fig. 21.)
Jch ziehe die Wittkellinie A—B, A—l-l tnesse sodann von A—B —--——— 23 ern, die Hälfte
= 11It2 ist c von c—B nochmals die Hälfte : 53tt —s— 1 : 63t4 ern ist klein b, wo
die Kugel durchgeht. Von A—l-l = 11It2 ern ist die Tiefe l-l—D, welche gleich der Arm-
lochtiefe des Leibes ist.
· Jch nehme den Winkel ttnd ziehe die senkrechten Linien, sowie die Linie l-l—-ll aus.
Punkt l ist die Mitte wie c und an dieser Linie tttißt tnatt Its Umfang : 15 ern aufwärts,
gibt die Kugelhöhe l(, während Punkt F 2It2 ern urtd bei größerer Oberleibweite Z em über
s,ch-

d.
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Fig 21
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l) zu stehen kommt. Matt zeichne die Kugel fertig und nehme für den Unterärtttel von c—l
die Hälfte = rund 6 em von unten aufwärts, riicke den Unterärmel hinten 1 = 11t2 ern
ein, bleibe aber in gleicher Höhe.
(Fig. 22 uttd 23.)
Die Länge haben wir über den Ellbogen bis zur Handwurzel gemessen uttd beträgt
dieselbe 19—52—81.
Jch lege dieZRückenbreite weniger lt-- ern bei A an, tttesse EE 52, halte das Maß-
band dort fest uttd tttesse bis R — 81 ern, ziehe die wagerechtett Linien vorne und attt Ell-
bogen aus, mache von V—L den Ärmel ZItsz ern kürzer, von l.—R 16 ern breit, das ist der
—72—

Betrag der Kugelhöhe und der Nähte. Vorne bei E wird die Naht ttur 2 ern geschweift,
dann 2 ern der Oberärmel überschttitten uttd dafür der Uttterärmel enger gemacht wie
Fig. 23 zeigt.

E» EE

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Fig. 22 Fig. 23

Das Einsetzen des Ärmels muß nach der schon» angeregten Ordnung geschehen und
verweise ich nochmals auf Fig.20. Punkt lsT des Armels muß auf F des Vorderteils.
Punkt AA auf A am Rücken kommen, dadurch kommen die Rundungen oder Kurven vom
Ärmel und Armloch zusammen und in die richtige Lage, wodurch der gute Sitz garantiert ist.
(Deutsche BekleidnngssAltademie München.) (Nachdruclr verboten.) 10
Die Studie der FacortS.
Jst das Studium der Faeons auch eine Wissenschaft? Ganz gewiß, sogar eine sehr
schöne Wissenschaft, welche jedem Kollegen Freude bereitet, der sie zu handhaben versteht, denn
sie bildet eine eigene Technik für sich. Diese Technik, verbunden mit Praxis, vollendet den
Künstler in unserem Gewerbe.

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Zig. 24 'Iig. 25

Man versteht zwar unter Faeon das ganze Bild, oder die ganze Form eines
Kleidungsstückes, allein der Fachmann denkt dabei hauptsächlich an die vordere Front mit
dem Utnfall.
X
—75—

Dieser Utttfall bildet die größte Zierde eines Rockes ttttd ist deshalb auch großen
Utnwattdlungen ausgesetzt. Jede Veränderung der Mode rüttelt hauptsächlich an diesem
Genre und gibt dent Rock das Gepräge, nach welchem der geübte und kundige Fachmann
das Zeitalter beurteilt. »
Jn früheren Zeiten hat man seltener und mit einer gewissen Angstlichkeit die
Änderungen der Faeons vorgenommen, weil die technische Wissenschaft unseres Gewerbes ttoch
eine höchst unvollkommene war. Heute dagegen ist der bessere Zuschneider uttd Meister imstande,
aus sich selbst heraus neue Formen zu studieren ttttd in’s Praltische zu übersetzen.
Jede Faeon ist schön, wenn sie technisch richtig ausgeführt ttnd votn Näher fein und
exakt bearbeitet wird. Aber auch die schönste Faeon macht ntit der Zeit Geist uttd Auge
müde uttd es drängt dett Fachmann, Neues zu schaffen.

»Der glmfalk
besteht eigentlich aus drei Teile, dem Spiegel, dem Revers und dettt Kragen. Da nun
der Kragen mit dem Umfall des Teiles zu eittem harmonischen Ganzen vereinigt werden
muß, das eine aber vom andern abhängig ist, so wollen wir mit dem Kragen beginnen, weil
er eine eigene Schnittkonstruktion bildet.

Fronflruütion des Fragen-.


(Seite 73 für Gehröcke und Fräcke.)
Von der größten Kurve des Halsloches bei a zieht man eine kleine Linie nach b,
das ist die Höhe des Stehkragetts, doch kann dieser Stehkragen einmal niederer, oder auch
1t2 ern höher werden, je nachdem der Mann einen kurzen oder langen Hals hat, hier = 3 em.
Jetzt frägt es sich, wie groß die Offnung sein soll.
Jm allgemeinen nun teilt ntatt den unteren Teil in eine beliebige Anzahl von Knopf-
löchern und bestimmt damit den Punkt c, allein es ist technisch korrekter, wenn man den
Punkt l-· zuerst festsetzt, dann von b über l-· eine gerade Linie zieht nnd- wo diese ausmündet,
ist Punkt c selbst.
Die Bruchlinie läuft demnach von c über F—d gerade, von d an geht sie aber ge-
bogen nach l) und weicht jederzeit um die Breite des Umlegekragens von der
geraden Linie U ab. «
Von D mißt man die Stehkragenbreite = 3 em nach litt, zeichnet den Fuß des
Kragens, indem man 3 ern vorn Bruch entfernt bleibt, bis man auf das Halsloch trifft,
auf welchem man liegen bleibt bis E.
Die Länge des Kragens wird festgestellt, indem man von E—l) die lt2 Halsweite =
221t2 ern mißt, so lang muß auch der Kragen ausgesetzt werden.
Die Breite des Kragens überlasse ich Jedem selbst, da sie sich nach der Mode richtet.
Die Kragen-Naht muß so laufen, daß der Stehkragen mit der Bruchlinie etwas weniger, der
Umlegkragen aber etwas mehr als ein rechter Winkel bildet.

Yer Amfalt
(ebenfalls Seite 73.)
Wie schon gesagt, besteht derselbe aus drei Teile. Jch zeichtte zuerst den Spiegel, in-
dem ich den Stift bei E anlege, bei s-· das Band festhalte und nach R einen Zirkelzug mache,
stelle den Stift nochmals bei E an, halte bei S fest, mache noch einen Zirkelzug nach R und
die Kreuzung beider Züge ist R selbst, worauf eine Linie von S—R und von R—F gezeichnet
wird, das ist der Spiegel.
10«
—7(;.-

Der Revers.
Jch stelle den Stift bei s an, halte bei c fest, mache einen Zirkelzttg ttach ss, messe
die Breite des Revers von 0—s ab = 7 ern, stelle die Zahl 7 bei r an, mache einen

C,
Z- r

C (

Fig. 27

Zirkelzttg gegen ss und die Kreuzung ist die Reversspitze, worauf von ss—c der Revers
in gewünschter Form gezogen wird.
Yer Amcegüragem
kann mit dem Revers gleich laufen oder einen kleinen Abstand bilden.
—77—

Yie Fronstrulition der einreihigen Japans


(Fig. 24—25)
weicht von der soeben beschriebettett nicht ab, nur daß die Kreuzuttg schmäler = 4 ern breit
uttd nicht aufgestochett ist.

Die Hhawkfaeom
(Fig. 26.)
Auch hier zieht man von a nach b eine 3 em lange Linie, datnt von d nach c die
Bruchlinie. Diese Bruchlittie wird nach rückwärts ttur wenig abgeschweift, denn je länger der
Uutfall, desto kürzer ntuß die äußere Kante des Kragetts sein.
Jch zeichne jetzt den Shawl in gewünschter Breite fertig, lasse aber denKragen gleich
am Vorderteil stehen, damit der Shawl flach wird, denn die Naht macht stets eine unange-
nehnte Störung.
Nun lehrt aber die Erfahrung, daß der Bruch beim Shawlfaeon gerne zu lang wird
und auf der Brust absieht. Diesem Fehler ist auf folgende Weise vorzubeugen:
Jch setze voraus, daß der Kollege zuerst ein Papier-Modell konstruiert, denn nur
dann sind solche Experimente ausführbar. Figur 28.
Jch mache im Halsloch von a ttach x einen Schnitt, aber nichts herausschneiden,
sondern ttur einen Einschnitt, alsdann bei x einen Schnitt nach dem Armloch, einen dritten
ttach der Brustkante. Jch ziehe nun an dern Modell die Ouerschnitte bei x auseinander um
11t2 ern, bei starker Brust um 2 em, am Arntloch aber und an der vorderen Brustkante lege
ich am Modell eine Falte. Dadurch springt der Einschnitt am Halse von selbst auseinander
uttd dieser Betrag wird am Stoff herausgeschnitten, während selbstredend der Ouerbetrag bei
x bleibt und der Brustlänge zu gute kommt. die Kante aber vorne bedeutend gekürzt wird.

»Die Japan fiir zweireihige Röcke


(Fig. 27.)
Nach derselben Art, wie ich eben beschrieben habe, wird auch hier verfahren.
Bei der Reversspitze habe ich drei verschiedene Abstufungen angebracht. Bei einem
langen Utnfall ist es schöner, die Reversspitze nicht zu hoch zu machen, dagegen bei einem
kurzen Umfall stark aufzustechen.
Jeder, der den Revers von e bis s nach ss überträgt, wird dieses leicht selbst
herausfinden.

Yie Htehbrnskzaeon
(Fig. 29.)
Alle jene Kleidungsstücke, welche keinen Spiegel-Umfall erhalten, nennt man Steh-
brust. Dieselben können sowohl einreihig als zweireihig sein, was sich bei der Kragen-Kon-
struktion ganz gleich bleibt.
»Man zieht von a nach b eine gerade Linie, mißt auf dersebett zweimal die Steh-
kragenhöhe ab und zieht, wie Figur 48 zeigt, den Fuß vom Stehkragen, dann den Bruch
oder die Höhe vom Stehkragen, auf dern Bruch mißt man die halbe Weite des Kragens (hier
= 221t2 em) ab, zeichnet die Kragettnaht so, daß der Stehkragen bei l) etwas weniger als
einen rechten Winkel, der Umlegekragen dagegen etwas mehr als einen rechten Winkel bildet.
—78—

Die Breite des Liegkragetts nach Belieben, wie es eben die Art des Kleidnngsstückes
vorschreibt. Diese Kragen-Fa(;on ist für alle derartigen Kleidutrgsstücke zu verwenden, ganz
gleich, ob Joppe, Mantel oder Havelock —

Fig. 28

Der Fuß muß wie angezeichttet gezogen werden, ebenso der Liegkragen mehr oder
weniger, je nach dessen Breite.
Moden-re Nahtverlegung.
Über dieses Thema ist wohl schon des öfteren geschrieben worden uttd jeder Autor
behandelt es ttach seiner eigenen Weise.
Es ist unstreitig, daß zu einer schönen Nahtversetzuttg attatomische Studien, wenn
auch itt bescheidettem Maße notwendig sind. Die hauptsächlichsteu edlen Formen des Menschen
müssen im Begriffsvermögen des Kleidermachers eine bestimmte Gestalt angenommen haben.
Was verstehen wir unter schöne Formen des Körpers? Schönheit ist eine Sache von sehr
dehttbarent Begriff. Der ein-e hält dieses für schön, der andere jenes. Jeder Mensch, jedes
Volk, ja jede Nation ttnd jeder Weltteil hat seitte eigenen Begriffe über Schönheit, welche
nicht selten eutgegenlattfend sind, doch dürfte bei allen Völkern eine Menschenfigur, welche Ge-
sundheit, Kraft uttd regelmäßigen Wuchs aufweist, als schön gelten. Regelmäßiger Wuchs,
ja, das ist es eben, woran die Kritik die Sonde anlegt. Der Hals soll nicht zu lang, auch
nicht zu kurz sein, desgleichen sollen die Beine uttd der Oberkörper die Harmonie nicht stören.
Das Abendlattd hält die Apollo-Statue votn Belvesdere im Louvre zu Paris für jene, welche
die edelste Formengestalt einnimmt. Diese Formen also wollte Gott uns geben, als er den
Menschen ttach seinem Ebettbilde schuf.
Wer nicht diese Formen von seinem Schöpfer bekommen hat, detn soll der vielfach
verspottete Schneider nachhelfen, nicht an seiner wirklichen Form, denn das wäre ein gewagtes
Experiment, sondern an seiner Umhüllung. Die Umhüllung, das ist die Kleidung, hat neben ver-
schiedenen anderen Zwecken auch diesen: die menschlichen Formen vorteilhalft hervortreten zu
lassen. Und jetzt kommt die Hauptsache, wo keine vorteilhaften Formen sind, soll der Schneider
solche markieren oder zeichtten, zeichnen durch Linien, welche man Nähte nennt. Das Auge
verfolgt die Linien oder Nähte und urteilt nach diesen Nähten. So ist es dem Schneider
schon oft gelungen, durch Gruppierung von Nähten eine schöne Figur zu erzeugen, welche
eine Ebenheit der Formen aufweist, die mit der Wirklichkeit und dem Gesamtausdruck sich
nicht deckt.
Wie sollen nun die Nähte gezeichnet sein? Wir raten jedem Fachmann, sich zuerst
hinter die Büste zu stellen ttnd mit einer fein gespitzten Kreide zuerst die beliebigen Formen
eines Rückteils zu zeichnen, dieselben länger zu betrachten, dadurch wird er gar bald eine
Auderung vornehmen und neue Formen zeichnen, bis ihm endlich sein Jdeal vorschwebt, mit
dem er zufrieden ist; das ganz gleiche Manöver macht er dattn mit Seitenteil und Schoß,
bis er nach seinem Dafürhalten eine schöne Form erreicht hat, an welcher er selbst seine
Freude hat. Hat er sich so in Formettschönheit hineinstudiert, wird es nicht schwer sein,
dieselbe auf dem Stoffe wiederzugeben, ganz gleich, was immer auch für ein Kleidungsstück
er zu liefern hat. Diese Studien veredeln seinen Geist und sein Können und Wissen. Es
ist die plastische Kunst.
Nun will ich einige praktische Ratschläge hier anführen, vielleicht gelingt es mir,
dem Anfänger entgegen zu kommen.
Vor allem sind es die Achselnähte des Rückens. Dieselben sollen niemals zu tief sein, da
sonst die Vorderteils-Achsel zu lang wird, weit über den Rücken hinunterreicht und dadurch,
besonders bei Strichware, einen häßlichen Spiegel erzeugt. Das höchste, was man die Rücken-
achsel«,tief machen soll, ist vom Halswirbel an lts» der kurzen Taill«e, auf diese Naht folgt
—80—

der Rückenspiegel und hier kann wiederum geschickt manipuliert werden. Jst die Taille urt-
verhältnistnäßig lang, so mache man den Rückenspiegel breiter, die Seitettnaht gerade, wodurch
die Letztere weit kürzer wird und sich vorteilhafter präsentiert. Jst die Taille kurz, die Figur
untersetzt, lege man die Achselttaht eine Kleinigkeit höher, wenn auch der Hals etwas kürzer
erscheint, was durch einen höheren Wäsche-Stehkragen ausgeglichen wird, ferner mache man
den Riickenspiegel schmäler, wodurch sich die Seitenspitze höher stellt, und gebe de»r Seitettnaht
etwas mehr Schweifuttg aber ohne Ubertreibung
Die Taille selbst viel zu verlängern, möchte ich
nicht empfehlen, da sonst der Schoß und der
«.»."««’-· · - Unterleib zu kurz erscheint.
« 0 Bei rundettt Rücken schneide matt das Rück-
teil, sowohl oben am Armloch, als auch über
den Schulterblättern nicht zu schmal uttd lasse
»te- womöglich die Naht über die stärkste Stelle
2, q« 0 laufen.
Will man in der Taille selbst eine schlattkere
Figur erzielen, so schneide man das Rückteil
unten ziemlich schmal. Bei starken Herren aber
« empfehle ich das Seitenteil unten breiter zu
»s« schneiden, damit dasselbe der Hüfte näher
s« kommt. Die Schoßnaht soll nicht so geschweift
« sein, daß sie hinten nicht so tief, an den Hüften
f J- aber sog hoch läuft, sondern mehr in gerader
Linie. Patten an den Schoß anzubringen, ist nicht
fein, und lasse ich mir solche höchstens bei sehr
schlanken Personen gefallen, da Patten die
Taillenweite vergrößern. Matt besehe sich zwei
gleichgewachsene Herren im Jacktetrock, der eine
mit, der andere ohne Patten, ob der erste nicht
bedeutend schlanker erscheint. Dies gesagte be-
handelt nun aber blos die Rückansicht, also nur
den halben Teil, während der andere Teil
mindestens ebenso viel Akkuratesse und Auf-
tnerksamkeit erfordert. Es ist selbstredend, daß
bei dent zweireihigen Rock die Reversnaht auf
der Brustmitte plaziert ist, von unten bis oben,
Fig. 29
uttd darf kein Heriiberziehen durch Knopfver-
setzen stattfinden, auch soll der Revers beim
oberen sich kttöpfenden Knopf breiter sein als
unten. Bei einem Gehrock soll der Brust-Sueon von unten herauf niemals fehlen und
ein wenig schräge der Brusttnitte zulaufen. Viele Kollegen scheuen sich immer noch,
diesen Schnitt zu machen, nur weil derselbe eine sorgfältige Bearbeitung erfordert,
dafür verleiht er aber auch der Brust eine Erhabenheit, welche als fein bezeichnet werden
muß. Dieser Sueon ist mit gleichem Vorteil auch bei einem einreihigen Jackett anzubringen,
sofern dasselbe unten geknöpft wird. Der HüftettsSueon ist ttur bei schlanker Taille, starker
Brust, oder auch bei starken Hüftenknochen zu empfehlen, weil dadurch mehr Taillenanschluß
erzielt wird und der Schoß reichlicher hineingelassen werden kann, wodurch ein Spannen auf
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Modern e Nahtverlegung.
Deutsche BekleidungSAltademie Miinchent (Nachdruckc verboten.) 11
—82-

den Hüftett vertttiedett wird. Ferner möchte ich empfehlen, alle Brustwölbuttgett durch
Sueonierung zu bewerkstelligen, da ein solches Kleiduttgsstück seitte schöne Form auch behält,
selbst wenn es ttoch so lange getragen wird.

Bei Haccos
gilt von den Achselnähten das gleiche wie schon gesagt worden, uttd verttteide man sorgfältig
diese Naht stark zu höhlen, sondern dieselbe darf nur gegen den Hals etwas gehöhlt, den
Achselknochen zu dagegen etwas gewölbt sein« Diese Wölbung wird sorgfältig angehalten,
zurückgebügelt und auf den starken Teil des Nückens dirigiert, wodurch um das Arntloch eine
Kürze erzeugt wird.
Yie Heitennaht
beim Sacco uttd Paletot richtet sich vor allem darnach, ob das Kleidttngsstück irr die Taille
gehen soll oder nicht.
Soll dasselbe itt die Taille gehen, so schneide matt die Seitettspitze hoch, wodurch
der Rücken von selbst schmäler wird, soll aber die Taille ttur markiert oder ganz überbrückt
werden, schneide tttatt die Seitenspitze nieder, wodurch ein breiteres Rückteil entsteht. Bei
Jagd- uttd Touristenjoppett, sowie bei ganz geraden Saeeos oder Paletots, mache matt die Seiten-
spitze nur 1—2 ern hoch um ein recht breites Rückteil zu bekommen.
Jch habe zwar mit diesem Kapitel das Sacco früher berührt als ich wollte, allein
das angeführte Thema bringt dieses mit sich uttd im Grunde genommen ist ein Haeco oder
Paletot nnr das Produkt der modernen Yahtversetznng
Sacco Und Paletot.
(«Direkt auf Stoff ztt zeichnen.)

Einleitung.
Die Zuschneidekunst ist eine solch’ eminente Wissenschaft, daß ihre Lehren uttd Zer-
gliederungett fast unerschöpflich sind.
Dieses Werk ist nicht nttr geschrieben, uttt Schüler uttd Anfänger zu uttterrichten
sondern es soll ein Yachschcagebnch, ein geritten für den Hchneider im wahrstett Sinne des
Wortes sein.
Zugleich möchte ich hier alle« meine langjährigen eigenen Erfahrungen, mein selbst-
ständig praktisches Arbeiten, meine langjährigett gemachten Studien, Forschungen uttd
Resultate verwerten
Jh kann es ruhig und ohne Übertreibuttg sagen, daß ich ein Yiertekjahrhnndert
in praktischer Tätigkeit als geleistet, Zuschneider nnd oLehrer mein ganzes Denken der
Jachwissenschast geopfert habe. Jn der ersten Hälfte dieser Zeit trieb mich die Selbst-
erhaltuug, nachdem ich glänzende Resultate erzielte, der einzige Drang, meinen Fachgenossen
neue Wege, neue gute Lehren zu zeigen, ohne das Alte, sofern es praktisch ist, zu verwerfen
Datttt aber trieb mich der sehnlichste Wunsch, unserem Schneidergewerbe, dettt ich mit treuester
Anhänglichkeit ergeben bitt urtd bleibe, zu Hilfe zu kommen und es attf eine, wenn auch kleine
Stufe höher zu schrauben Habe ich dieses Ziel erreicht, so bin ich damit zufrieden
Die vielen Anerketmungen, die große Zahl derer, die alljährlich tttit frohem Mute
meine Akademie verlassen, beweisen mir, daß ich mich in meinen Hoffnungen nicht täusche uttd
daß eine Besserung im Zuschneidewesen eintritt.
Zum eigentlichen Thema selbst zurückkehrettd tttuß ich noch bemerken, daß das direkte
Zeichtten auf Stoff ein alter Wunsch ist und durch- Schema uttd Drittelberechnung bei vielen
Fachleuten bekannt ist.
Doch ist die Art und Weise, wie ich es hier vorführe, ganz mein eigenes Produkt.
Schon seit dem Jahre 1880 arbeite ich ttach diesem von ntir selbst ausgearbeiteten
System und dieses System hat überall Anhänger und auch Nachahmer gefunden, welche den
einen oder anderen Strich anders anbrachten um, wie sie sagen, dasselbe zu verbessern, was
sie aber thatsächlich nur verschlechterten
Aus letzterer Ursache möchte ich deshalb den freundlichen Leser ersuchen, von meinen
Lehren nicht abzuweichen, auch dann nicht, wenn der Erfolg sich nicht gleich mit den er-
warteten Hoffnungen deckt. Der Grund für die getäuschte Hoffnung liegt nicht im System,
sondern itt der Auffassung oder Ausführung des Betreffenden

11-
—84—

Das Sacco und der Paletot


proportional mit 5 Rassen

Das einreihige Sacco.


(Fig 1)
Maße: Taillenlänge— —- 44 ern, ganze Länge= 75 ern, Oberleibweite— — 96 em,
Unterleibweite—
— 88 ern, vordere Ärmellänge-— — 46 em, Halsweite ea. 45 em Wer den
Ärmel gerne von rückwärts mißt, nimmt 19 ern Rücken, 52 ern Ellbogen, 81 ern Ärmellänge.

Honstrnütion
Jch lasse die Stoffe, über welche ich zu verfügen habe, vom
Dekateur so aufschlagen daß der Strich außen läuft, also von
links nackt rechts.
Jn den meisten Fällen nehme ich die Endseite gegen mich,
also den Bruch hinüber. Ausnahmen mache ich bei jenen Bruch-
sachen wo die Stoffeinteilung es empfiehlt, den Rücken oberhalb
des Vorderteils wegzunehmen
Jch ziehe die unterste Linie A, dann gebe ich dem Vorder-
teil 5 ern voraus die Linie a— Wit, lege die Länge = 75 ern
bei klein a au, messe dieselbe aufwärts, gibt B. Nun lege ich
den Winkel bei B an uttd ziehe die obere Linie B—Rii.
Die erste Frage ist jetzt, soll das Sacco ein- oder zwei-
reihig sein?
Als erstes behattdle ich hier das einreihige Sacco.
Jch habe dem Rock und Sacco im ersten Teil dieses Werkes
vorne im ganzen 10 ern zugegeben, d. h. 6 ern für Nähte und
Bequemlichkeit ttnd 4 ern für Kreuzung. Da ich nun mit der
Stofftante, welche doch zugleich die vordere Kante vom Sacco
bildet, beginne, so messe ich von B—Z 10 ern, welche alle Zu-
gaben enthält, und von Z an beginnt jetzt die Oberleibweite
oder besser gesagt, bei Z findet dieselbe ihren Schluß.
Da ich den Rücken ganz für sich allein zeichne, an einem
Platz, wo er sich am besten anbringen läßt, so streiche ich den
Rücken vont Oberleibweitenntaß·ab. Jch bemerke indes gleich
hier, daß matt ebensogut auch mit dem Rücken beginnen kann, wenn man nur weiß,
wo sich derselbe gleich am besten plazierett läßt, was ja bei breiteren Stoffen und gewöhn-
lichen Größen nicht schwer ist.
Jch lege also die Oberweite = 48 ern bei Z an, lasse die Zahl 1 nach rechts gehen
uttd breche bei Rii die schmale Rückettbreite aus 48-——--18 —s— 1-=19 ern ab
Dieser 1 ern ist für die Naht im Rücken und an derSeite. Von Ell-W =
Itr Oberweite = 12 -s— 1 für die Stteonnaht = 13 em gibt den Armvortritt, von Z—s
= Ite Oberweite = 8 ern gibt die Halsspitze.
—85 --

Bei gewöhnlicher Körperhaltung kann ich auch die Brustbreite von V—Z, hier = 16 ern,
halbieren = 8 em, gibt ebenfalls die Halsspitze.

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Fig. 1

Damit wären die Breitenputtkte angelegt. Nun ziehe ich die Linie abwärts, nur bei
s braucht man keine Linie.
—86—

Tiefpunkte.
Von Va—l) = lt2 Oberweite = 2-t ern gibt die Armtiefe, von Vo—l-l die Taillen-
lättge = 44 ern, gibt die Hüftentiefe. Jch ziehe nun mit der gewonnenen Seitenlänge U—H
einen kleinen Zirkelzug nach c.
Von diesem Zirkelzug aus messe ich von Ist-c Fern bei gewöhnlicher Körperhaltung
Der aufmerksatne Leser wird nun sagen, ja warum nicht auch 5 ern wie sonst bei den
früheren Konstruktionen?
Wenn ich das Modell eines Saccos, welches ich nach wissenschaftlichem System kon-
struiert habe, auf den Stoff so lege, daß beide Kanten (die vom Stoff und Papier unten
zttsattttnenlaufen, so finde ich, daß die senkrechte Armvortrittslinie des Modells auf dem Stoff
nicht gerade, sondern unten hereinläuft. Es ist demnach die Linie auf Stoff Ver-U -- H nicht
senkrecht, sondern Punkt Its-U und von tri—c sind ebenfalls 5 em und von tri—rni= 21 ern
Battchbreite. s-
Jch ziehe von c über l-l eine etwas schräge Linie, welche die Taillettlinie darstellt, wo-
durch Punkt U entsteht, lege den Winkel bei U—l-l an, ziehe die Brustbreite, wodurch Punkt 0
entsteht, lege den Winkel auf der Jnnenseite bei Ist-c att, ziehe die Armtiefe U—R, lege den
Winkel bei R—l) an, ziehe aufwärts eine kleineLinie, welche das Armloch einschließt = R—t.
Jch messe von R—t = 15 ern bis f 2 ern mehr = 17 em Achselhöhe, d. i. lte Hals-
oder Artnutttfattg ttnd 2 em. ,
Jch ziehe eine gerade Linie von s——f, mache die Achsel des Vorderteils provisorisch
17 em breit, d. i. der gleiche Betrag von Z—s und etst nachdem ich den Rücken fertig ge-
zeichnet habe, gleiche ich die Achsel ab.
Die Seitenspitze kann ich beliebig hoch machen, hier 4 em.
Das Halsloch mache ich je nach der Länge des Umfalles 6—8 ern tief und 3 enr über
die Linie vor, bei 0 tj ern vor, bei U nur 5 em, gibt die Brusttnitte mi oder die Kreuzungslinie.
Unten bei U stelle ich die Seitenttaht nach UW um 11 em hinaus, doch ist dieser
Betrag einer bestimmten Zahl nicht unterworfen, sondern reguliert sich nach der unteren
Breite des Rückens, denn der Rücken und diese Hittattsstellung müssen die halbe Oberweite und
Nähte, also 24 —s— 2 = 26 em ausmachen
(Fig. 2.)
Nachdem ich so sämtliche Punkte markiert habe, zeichne ich das ganze Vorderteil fertig,
indem ich der Achsel 1 1t2 ern Bogen zugebe, die Seitenttaht mäßig schweife, die vordere Kante
mehr oder wenig runde oder gerade lasse, was sehr oft gewünscht wird. Wer einen kleinen,
bei längerer Faeon größeren Sueon hineinmacht, thut gut, nur tttuß derselbe vorne wzeder
zugegeben werden.
Der Sueon an der Seite hat denselben Zweck, wie ich schon früher erklärt habe, neben
dem Anschluß soll er eine Kürze in der Taille erzeugen

Die Taschen
Die Seitentaschen macht man zwei Drittel der vorderenÄrmellänge und l = 31 ern
tief uttd muß die Richtung dieselbe sein, wie die Taillenlinie läuft.
Brust- und Billettasche sind, wie ersichtlich, anzubringen

Das Yiickkteic (Fig. 3.)


Jst der Stoff breit genug, so stellt man den Rücken neben das Vorderteil auf den«
Bruch hinaus, auch dann, wenn der Rücken mit Naht gemacht wird. Jst der Stoff zu schmal,
so riicke man denselben eben höher bis er Platz hat.
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Wird das Sacco gesteppt, gibt man der Länge lem zu, soll es aber einen größeren
Eittschlag von 3—4 ern haben, so muß selbstredend schon beim Vorderteil darauf Rücksicht
genommen werden, bei nur 1—11t2 ern Einbug genügen am Vorderteil die 5 ern bei gewöhn-
licher Haltung.
Jch lege die Länge 75 —s— 1 = 76 ern bei l. an, messe aufwärts 1 ern und gebe die Naht
noch zu, gibt Punkt lle den Halswirbel, lasse eine Naht oben vorstehen, messe abwärts nach
RB die halbe Oberweite, das ist die Armtiefe = 24 ern, nach T die Taillenlänge = 44 em.
Jetzt kommt wieder ein wichtiger Punkt.
Man lege die Zahl 1 bei RB an, messe aufwärts 4 em Seitettspitzhöhe = sp, datttt
1ts Armumfang = 15 ern, Achselhöhe = rn, beide Punkte von RB aus. — Was von
Irr-le übrig bleibt, kann als Hals- oder Nackettlänge gelten
Auch hier muß ich gleich erklären, daß bei aufrechten sowie hochschulterigen Personen
dieser Betrag kürzer wird, während bei solchen mit geneigter Körperhaltung und abhängenden
Achseln diese Partie immer länger wird. Man lege stets den Winkel an all’ den gefundenen
Punkten am Bruche an und ziehe die wagrechten Linien aus.
Eine weitere Frage ist, soll der Rücken im Bruch oder mit Naht sein? Jch will zuerst
den Rücken mit Naht zeichnete, weil der anliegettde Rücken maßgebend ist.
Jch gehe am Halswirbel lle 1 ern, in der Taille 21t2 ern, unten 1 ern herein uttd
zeichne mäßig geschwungen die Riickennaht.

Die Zseite des Rückens. (Figur 4).


Es kommt ganz darauf au, wie man die Seitettnaht des Vorderteils gezeichnet hat,
ist man mit derselben bis auf den Punkt R herausgekommen so wird der Rücken die abge-
brochenen 19 ern breit, ist man über R hinausgegangen was bei einer noch höheren Seiten-
spitze leicht vorkommt, so wird der Rücken schmäler, macht man aber die Seitenspitze wieder
nur ea. 2 em hoch, so kommt man mit der Seitennaht nicht bis R hinaus und der Rücken
wird demnach breiter.
Um nun ein für allemal sicher zu sein, ntesse ich von U, das ist der Oberleibweite-
Punkt, über U nach R = 29 ern, lege die Zahl 29 an der bereingestellten Yüekennaht
bei Rs an uttd messe nach R die knappe Oberleibweite ——— 48 ern, ohne jede weitere Zugabe.
Dadurch ist der Rücken bei R 19 ern breit geworden. Bei sP nehme ich 1 ern mehr =
20 ern, oben von Irr-W die schmale Rückenbreite 18 —I— 21t2 = 201t2 em.
Wer etwas Watte auf die Achsel legt, ungefähr smal, ntuß auf der Höhe des ersten
Punktes bleiben, wer aber keine Watte anflegt, muß den Schuß nach Punkt W 1 ern tiefer
stellen das heißt, er darf von IRS-m nicht 15 em, sondern 1 ern weniger, nur 14 ern nehmen
Am Halse von Mit-V = lts Halsweite = 71t2 ern breit und 2 ern hoch.

Die Ynterkeibweitn
Jch ntesse vott U über l-l ttach F = 32 ent, breche für den Sueon 2 ern ab =
30 em, lege diese Zahl an der hereingestellten Rückennaht bei T an und messe ttach E die
Unterleibweite = 44 em, wodurch das Rückteil in der Taille 14 ern breit geworden ist.
Unten messe ich am Vorderteil den Betrag von U—Ultlt nochmals ab = 11 ern, lege diese
Zahl an der hereingestellten Naht R—l. an, messe ttach U die halbe Oberweite = 24 —s— 2,
für die Nähte 26 ern, wodurch der Rücken dort 15 ern breit wird.
— 89 —-

Man zeichne jetzt den Rücken fertig, wie


die Figur 4 zeigt.

Man ntuß die Achsel- und Seitenttaht des


Rücketts abmessen, die Vorderachsel lts ern
schmäler, das Seitenteil aber 1 ern länger
machen, weil der Rücken an der Seitenttaht
1 ern gezogen wird.

(Deutsche BekleidungssAlradetnie München) (Uachdrucle verboten.) 12


—9()—

Das zweirethtge Sacco mit geradem Rucken


(Fig. 5.)
Maße: Taillettlänge = 43 em, ganze Länge = 75 em, Oberweite = 96 ern,
Uttterweite = s8 em, Gefäß = 100 em, vordere Artnellänge = 46 ern, Hals =ea.
45 ern, cKörperhaltung aufrecht.
Die Franflrnbtian
ist dieselbe wie vorher, nur gebe ich dem Vorderteil
in seitter Länge von A—a»6 ern voraus, dann tnesse
ich von B—Z : 14 ern Uberschlag, das sind 8 em
Revers oder Kreuzung und 6 ern fiir Bequemlichkeit
und Nähte. Jch kann nur wiederholt ermahnen den
llberschlag nicht größer zu nehmen, wer die Knöpfe
nicht so weit zurück haben will, nimmt blos 13 ern,
wodurch die Revers ttur 7 ern breit werden
Der Rücken ist bei Personen mit aufrechter
Haltung wenigstens 1 ern schmäler, nur 17 em, und
1 ern für Nähte= 18 ern, welche bei Rii abgebrochen
werden Die Seitenspitze ist nur 2 ern hoch. Arm-
tiefe = 24 c'm·, Hüftentiefe 43 s 1 = 44 em.

Der Bächen
Von Mit-IRS tttesse ich die halbe Oberweite
weniger 1 = 23 ern nach T -—: 43 ern Tailleulänge,
ganze Länge 75 —s— 1.= 76 ern, lege sodann deu
Winkel am Bruch an und ziehe alle Ouerlinien aus.

Die Oberleibweite.
Messe das Vorderteil von 0 über U bis zur
Zeitennaht bei R = 29 ern, lege den Betrag bei
RB am Brttch an, tttesse rtach R die Oberleibweite 48
weniger 1 = 47 em. Man darf ruhig 1 ern ab-
brechen da jeder Rücken welcher im Bruch geschttittett ist,
noch übrig weit genug wird. Der Rücken wird dadurch von IRS-R =18 ern breit, bei sP
Its ern breiter, bei W = 17 —s— 21t2 = 191t2 ern breit, bei HW ttur 7 ern, weil derselbe
im Bruch geschnitten ist.
Die Anterkeibweitn
Es ist ganz unnötig, die Uttterleibweite nachzumessen denn es ntuß ja die Taille
überbrückt werden Nur beim Dickbauch messe ich deshalb nach, damit das Sacco dort auf
keinen Fall zu eng wird.
Das Gefäß
Das Gefäß ist bei jedem Sacco und Paletot von Wichtigkeit, und wenn ich das-
selbe bei der vorhergehenden Konstruktion nicht angewendet habe, so geschah es ttur deshalb,
weil durch die untere Hinausstelluttg bei normaler oder gewöhnlicher Haltung das Gefäß vott
selbst gefunden wird. Bei geradetn Sacco oder Paletot aber messe ich es nach.
—91·-

Puukt U stellt sich dem Schuß nach herein wie die Mittellinie läuft, ich tttesse deut-
ttach von til-Pl- = 35 em, lege diese Zahl bei s im Brttch an, tttesse ttach P die Gesäßweite 50—s—1
= 51 em, wodurch der Rücken 16 ern breit wird, welche auch unten beibehalten werden

Vo -Z - zszj Rü
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jQX—

Fig. 5

Es kommt oft vor, daß gerade Saccos und Paletots auf dem Gefäß zu fest auf-
liegeu und spannen in der Taille aber zu lang erscheinen Ein Verkürzen der Riickenbüste
bringt keine Abhilfe, sondern hier hilft nur eine Verkürzuttg des Seitenteils mit einem kleinen ’
1—1Iti ern großen Ausschnitt im Tascheneingriff, wie dieses die Figur 5 zeigt.
12«·
Das einreihige Sacco.
(Fig- 6«)
Nach 5 Maßen

Smocking.
Maße: Tailleulätrge = 44 ern, ganze Länge = 75 em, Oberleibweite = 96 ern,
Unterleibweite :- 88 ern, vordere Arrnellättge = 48 ern, Halsweite ea. 48 em.» Wer den
Armel gerne von rückwärts mißt, nimmt 19 em Rücken 52 em Ellbogen 81 ern Armellänge.

Franstrnlitian
Jch lasse die Stoffe, über welche ich zu verfügen habe, vottt Dekateur so aufschlagen
daß der Strich außen läuft, also von links rtach rechts.
Jn den meisten Fällen nehme ich die Ettdseite gegen mich, also den Bruch hinüber.
Ausnahmen mache ich bei jenen Bruchsachen wo die Stoffeinteilung es empfiehlt, den Rücken
oberhalb des Vorderteils wegzunehmen
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alle Zugabett enthält, und von Z an beginnt jetzt die Oberleibweite oder, besser gesagt, bei
Z findet dieselbe ihren Schluß. Beim Stnockirtg nehme ich sogar 12 ern wegen der Wölbung
des Umsalles.
Da ich den Rücken ganz für sich allein zeichne, an einem Platz, wo er sich am besten
attbringen läßt, so streiche ich den Rücken votn Oberleibweitenmaß ab.
Jh lege die Oberweite = 48 ern bei Z an, lasse die Zahl 1 nach rechts gehen,
und breche bei Kü die schmale Rückettbreite ans 48 = 18 —s— 1 = 19 ern ab.
Dieser 1 ern ist für die Naht im Rücken und an der Seite. Von Ell-Ue = Its Ober-
weite = 12 —s— 1 für die Stteonnaht=13ern, gibt den Armvortritt, von Z—s=1tsHals-
weite = 7Its em, gibt die Halsspitze.
Damit wären die Breitenpunkte angelegt. Nun ziehe ich die Linie abwärts, nur
bei s braucht matt keine Linie.
Tiefpunkte.
Vott Vo—U = lts Oberweite = 24 ern, gibt die Armtiefe, vonlto—l-l die Taillen-
lättge = 44 ern, gibt die Hüftentiefe» Jch ziehe nun mit der gewonnenen Seitettlättge U—l-l
einen kleinen Zirkelzug ttach ci.
Von diesem Zirkelzug aus ntesse ich von l-l—ci 3 ern bei gewöhnlicher Körper-
haltuug.
Jch ziehe von ci über lsl eine etwas schräge Linie, welche die Taillenlittie darstellt,
wodurch Punkt Uw entsteht, lege den Winkel bei U—l-l an, ziehe die Brustbreite, wodurch
Punkt Uw entsteht, lege den Winkel auf der Jnttenseite bei U—ci an, ziehe die Armtiefe
U—R, lege den Winkel bei R—U an, ziehe aufwärts eine kleine Linie, welche das Armloch
einschließt = Z—s t.
Jch messe von Z—s = 15 ern, bis t 2 ern mehr = 17 ern Achselhöhe, d. i. Its Hals-
oder Armumfang ttttd 2 em. «
Jch ziehe eine gerade Linie von s—t, mache die Achsel des Vorderteils provisorisch
17 em breit, d. i. der gleiche Betrag von R—t, ttttd erst nachdem ich den Rücken fertig ge-
zeichnet habe, gleiche ich die Achsel ab.
Die Seitenspitze kann ich beliebig hoch machen hier 4 em.
Das Halsloch mache ich je nach der Länge des lImfalles 6—8 ern tief, hier sogar
10 ern beim Smocking, sodann zeichtte ich gleich den Kragen Jch ntesse von der größten
Halstiefe g 6 em ttach vor und mache die Gassurlinie so lange als die Offnung reicht. Den
Utnfall zeichnet tnan ttach Geschmack. Den Stehkragett 21ts enr hoch, len Kragen selbst von
Punkt x aus 23 em, 1ts Halsweite mit der Naht, lang. Hierauf macht tnan in der art-
gezeigtett Form einen Sueon vott 3 em Breite.
Unten bei U stelle ich die Seitenttaht nach UII um 10 ern hinaus, doch ist dieser
Betrag einer bestimmten Zahl nicht unterworfen sondern reguliert sich nach der unteren
Breite des Rückens, denn der Rücken utrd diese Hinausstellung müssen die halbe Oberweite
ttnd Nähte, also 24 —I— 2 = 26 ern ausmachen
Nachdem ich so sämtliche Punkte markiert habe, zeichtte ich das ganze Vorderteil
fertig, indem ich der Achsel 11ts ern Bogen zugebe, die Seitettnaht mäßig schweife, die vordere
Kante etwas runde.
Die Taschen
Die Seitentaschen macht matt zwei Drittel der vorderen Ärmellänge ttttd 1 = 31 ern
tief und nmß die Richtung dieselbe sein, wie die Taillenlinie läuft, ausgenommen man macht
dieselben schräge, wie es hier als Neuheit gezeichnet ist.
—9f)—

Das Yiicktteic
Jch lege die Länge 75 —s— 1 —- 76 em bei L an, tttesse aufwärts 1 und gebe die
Naht noch zu, gibt Punkt lle den Halswirbel, lasse eine Naht oben vorstehen, messe ab-
wärts nach RB die halbe Oberweite, das ist die Armtiefe = 24 ern, nach T die Taillen-
lättge = 44 em.
Man lege die Zahl 1 bei RB an, messe aufwärts 4 em Seitenspitzhöhe = e, dann
1ts Artnumfang = 15 em. Achselhöhe = rn, beide Punkte von RB aus.
Was von rn—l-lW übrig bleibt, kann als Hals- oder Nackettlänge gelten
Jch gehe am Halswirbel Hltlt 1 ern, itt der Taille 2 ern, unten 1 ern herein uttd
zeichne mäßig geschwungen die Rückennaht.

Die Weite des Ziüeliens


Es kommt ganz darattf an, wie man die Seitettttaht des Vorderteils gezeichnet hat,
ist man mit derselben bis auf den Punkt R herausgekommen so wird der Rücken die ab-
gebrochetten 19 ern breit, ist man über R herausgegangen was bei einer noch höheren Seiten-
spitze leicht vorkommt, so wird der Rücken schmäler, macht man aber die Seitettspitze wieder
ttur ea. 2 ern hoch, so kommt tttatt mit der Seitettttaht nicht bis R hinaus uttd der Rücken
wird demnach breiter.
Um nun ein für allemal sicher zu sein, tnesse ich von 0w, das ist der Oberleibweite-
Punkt, über U nach R = 29 ern, lege die Zahl 29 an der hereingestelkten Ziückkennaht bei
RB an uttd tttesse ttach R die knappe Oberleibweite = 48 ern, ohne jede weitere Zugabe.
Dadurch ist der Rücken bei R 20 ern breit geworden. Bei sP nehme ich 1ts ern mehr
= 201t2 ern, oben von Irr-W die schmale Rückenbreite 18 —s— 21ts = 201t2 em.
Wer etwas Watte auf die Achsel legt, ungefähr 3mal, ttrttß auf der Höhe des ersten
Punktes bleiben, wer aber keine Watte anflegt, tttuß den Schuß nach Punkt litt 1 ern tiefer
stellen Die Utttertveite von Uw—FF, dattn diesen Betrag bei T angelegt ttnd ttach E Unter-
weite ttnd 3—4 ern für halbweit weiter. Von A bis ow, U—L sittd lts Oberweite
24 —s— 2 = 26 em.
— 96 —

Das Sacco für den starken Mann.


(Fig. 7-)
M a ß e: Taillenlänge = 46 ern», ganze Länge = 80 em, Oberleibweite = 112X56 ern,
Unterleibweite = 120X60 em, vordere Armellänge = 48 ern, Halsweite ea. 52 em.

Ich ziehe die Anfangslinie A, dann 5 ern höher die Linie klein a—uw, lege bei a
die Länge = 80 em an und messe aufwärts, mache bei 1 einen Punkt : B, ohne indes die
obere Linie gleich auszuziehen, sondern ich messe zuerst die Taillenlänge —s— 2 = 48 em ab-
wärts, wo sich der größte Bauchvortritt befindet = M und stelle von M den größten Teil
des Bauchvorsprunges zurück nach T.
Dieses ist so zu verstehen, wenn ein Rock, Sacco oder Paletot in der Bauchgegend
den Winkelrahmen des Rechteckes nicht überschreiten soll, so muß die Unterweite um ea. 4 ern
schwächer sein als die Oberweite, sobald aber die Unterweite gleich ist der Oberweite, so ist
-- 97-.

ein übermäßiger Bauchvortritt vorhandene und zwar nach folgender Rechnungsregel: Ange-
nommen: Oberleibweite = 48 em, Unterleibweite = 44 em, so ist kein Bauch vorhanden.

IS «- QQ - CO)

la «’. Mu-
Iig. ?
48 Oberleibweite, 44 Unterleibweite = 0 Bauch, l 56 Oberleibweite, 52 llnterleibtveite = 0 Bauch,
48 » 48 » = 4 » 56 » 60 » : 8 »
48 » 52 » = 8 » 60 » 64 » = 8 »
(Deutsche BekleidungssAlrademie München) · (Nachdrurk verboten). 13
--- us -----
Von diesen 8 ern Bauch kommen die Hälfte und 1 -—- 5 ern nach vorne, während
sich die übrigen 3 ern nach der Seite verlegen. Jch stelle also von M nach T 5 em, lege
den Winkel bei T und B an, und ziehe so schräg aufwärts die Linie T—B—Rü.
Der Überschlag von B nach Z darf hier bei einem einreihigen Sacco nur 8 em
betragen, wodurch scheinbar derselbe zu schmal wird, allein durch die Schrägestellung des
Winkels werden vorne wieder 2 ern gewonnen, so daß von 0 bis zur Kante mindestens
10 em verbleiben.
Jch lege die Oberleibweite :-—-. 56 ern bei Z an, breche bei Rii die schmale Rücken-
breite :- 20 —s— 1 für Nähte = 21 ern ab, von Rü—Vo Ist Oberweite ::-—- 14 —s— 1 s= 15 em.
Von Z—s = W Oberweite und 1 = 10 ern, wodurch die Brustbreite, d. i. der
Betrag von Ver-Z zwar halbiert wird, doch trifft dieses nur bei gewöhnlicher Körperhaltung
zu, denn bei aufrechter Haltung kommt die Spitze 1 em über die Hälfte vor und bei geneigter
Haltung 1 ern über die Hälfte zurück.
Ich lege den Winkel bei Rii an, ziehe abwärts die Linie, welche nun schräge über
den Stoff läuft, ebenso die Linien Vo—ll—l-l und Z—0. Von 0 an brauche ich diese Linien
nicht mehr und ist es weit besser, ich lasse sie von dort an fehlen, dagegen messe ich von T
noch weitere 5 em zurück, so daß ich eben von der Kante bis zu U 9 em habe, daß ist der
größte Überschlag bei einem einreihigen Sacco und es würden auch 8 ern genügen, da starke
Herren es nicht lieben, wenn die Röcke vorne weit sind.
Von Vo nach l) die halbe Oberweite weniger 2 -: 26 ern gibt die Armtiefe D,
nach lsl die Taillenlänge : 46 gibt die Hüftentiefe. Von l-l—c -— 3 ern, damit auch hier
das Armloch schräge läuft.
Von Z—s messe ich Vs von 52 rund 17 4- 2 19 ern, die Seitenspitze 5 ern
hoch, die Achsel von Z—s provisorisch 18 ern breit, das Halsloch 8, bei noch stärkeren Herren
9 em tief, und zeichne das Armloch, Halsloch und die Achsel fertig, ebenso die vordere Kante.
Von 0—Wl stelle ich nur 10 em, da durch den starken Bauch-Sueon der untere
Teil rückwärts getrieben wird. Um das viele Einarbeiten der Brustkante zu er-
sparen, habe ich eben diese Kante gerade gestellt, was bei gestreiften und tarrierten Stoffen
nicht zu umgehen ist, und verlege dieses Einarbeiten, oder richtiger gesagt, diese Sueonierung
in die Seitentaschen. Viele Fachleute scheuen sich, diesen Sueon zu machen, nur weil sie
dessen Wirkung nicht kennen oder die richtige Ausführung nicht verstehen.
Der Ansschnitt in der Tasche kann hier gut 3 ern betragen, dafür muß aber der
Ausschnitt oben wenigstens 5 ern groß sein. Wer da glaubt, man dürfe aus der Tasche
schneiden, den Sueon aber nicht öffnen, erzielt niemals die richtige Wirkung, sondern das
Sacco wird unten zu weit und baumelt. Es würde zu weit führen, wollte ich die Beweis-
führung durch Experimente so klar vorführen, wie dieses auf der Schule geschieht und frägt
es sich, ob nicht mancher das Buch weglegen dürfte, weil es ihm zu schwer erscheint. Des-
halb will ich so einfach als möglich die Erklärung machen.
Man zeichne zuerst den Tascheneingriff etwas abwärts laufend, so ziemlich im Winkel
mit der Linie l-lU, messeden 17 ern breiten Eingriff zur Hälfte nach rechts, zur Hälfte nach
links von dieser Linie, zeichne, wie Figur zeigt, einen gut Z, ja sogar 4 ern breiten Sueon
und unter diesen Sueon die Patten. Scheinbar laufen jetzt die Patten aufwärts, allein,
wenn die Tasche geschlossen ist, hebt sie sich rückwärts und nimmt die Richtung des oberen
Eingriffs Punkt 2 tritt also zu Punkt l, dadurch hebt sich aber der ganze riickwärtige Teil,
tritt unten zurück, und oben die Seitenspitze würde zu lang und zn weit in das Vorderteil
hineintreten, deshalb zeichne man vom Armloch bis zur Tasche die Linie i—1 von dieser
Linie oben ea. 5——6 ern entfernt die Linie Ü—2, messe von i nach l, übertrage diese Zahl
von ll nach U, womit beide Sueonnähte gleich lang werden.
Man messe jetzt von l nach sp = 39 und übertrage diese 39 von ll nach R durch
einen kleinen Zirkelzug, man messe von i nach sp in gerader Linie 8, übertrage diese 8
von Ü nach dem kleinen Zirkelbogen R und wo sich die Bögen kreuzen ist wieder die Seiten-
spitze, dann messe man von i nach R ::—- 8 ern, übertrage diese 8 von U nach r. Auch bei
P muß man ersetzen, was durch den Sueon in der Taille zu viel herauskommt weniger 1 em,
welcher ja als Sueon berechnet ist. Auf diese Weise bleibt das ganze Vorderteil in seiner
richtigen Lage und wir haben nach Schließung des Sueons die ganze Bauchwölbung von
selbst und der Punkt A mit klein a treten zurück ohne Abstich Aus diesem Grunde habe
ich das Vorderteil unten enger gehalten. Bei Paletots erspart man auf diese Weise bei
nicht überstarken Personen entweder das Chandeau oder das Auseinanderlegen des Stoffes
Viele hundert-, ja tausendemal habe ich diesen Sueon mit stets gleich gutem Erfolg gemacht.

Yas giückkleik
kann im Bruch oder auch mit Naht geschnitten werden, im vorliegenden Falle wollen wir eine
Naht machen. Man messe von L nach lle die Länge und 1 81 em, lasse bei lle eine
Naht vorstehen und messe von dort an noch nach RR die gemachte Armtiefe weniger 1 = 25 em,
nach T die Taillenlänge 46 em und schweife den Rücken 1 em, bei geneigter Haltung
1I-2—2 ern aus, lege den Winkel stets am Bruche an und ziehe die Ouerlinien

Yie Oberweite
Ich messe von 0 über D—R zur Naht -:—- 35 ern, lege diese 35 bei der Rückennaht
RR an, messe nach R die Oberweite -:-— 56 ern knapp, wodurch der Rücken dort 21 ern breit
wird, weiter oben 22 ein, an der Achsel bei W 22 em, am Hals 81X2 breit und 272 ern hoch.

Yie Anterweite
Ich messe von U über c, dann am Seitenteil weiter unten bis P ---— 48 em, lege
diese Zahl bei der Rückennaht in der Taille an, messe nach E die Unterweite :- 60 em,
wodurch der Rücken dort 17 em breit wird, ebenso breit wird er auch unten.
Man zeichne den ganzen Rücken fertig und gleiche die Achsel- undSeitennaht ab,
wodurch auch das Bauchsaeco vollendet ist.

134
—100——

Das einreihige Sacco.


Nach 5 Maßen.
(Fig.8.)
Maße: Taillenlänge -—— 4Jt ern, ganze Länge : 75 em, Oberleibweite —-——. 96 ern,
Unterleibweite ---—- 88 ern, vordere Armellänge —-- 48 ern, Halsweite ea. 45 em.» Wer den
Ärmel gerne von rückwärts mißt, nimmt 19 ern Rücken, 52 ern Ellbogen, 81 ern Armellänge.
Fronflrukitiow
Ich lasse die Stoffe, über welche ich zu verfügen
habe, vom Dekateur so aufschlagen. daß der Strich
außen läuft, also von links nach rechts.
In den meisten Fällen nehme ich die Endseite
gegen mich, also den Bruch hinüber Ausnahmen
mache ich bei jenen Bruchsachen, wo die Stoffeinteilung
es empfiehlt den Rücken oberhalb des Vorderteils
wegzunehmen
Ich ziehe die unterste Linie A, dann gebe ich
dem Vorderteil 5 ern voraus die Linie a—UW, lege
die Länge :-— 75 ern bei klein a an, messe dieselbe
aufwärts, gibt R. Nun lege ich den Winkel bei R
an und ziehe die obere Linie R—Rii.
Ich gebe dem Rock nnd Sacco vorne im ganzen
10 ern zu, d. h. 6 ern für Nähte und Bequemlichkeit
und 4em für Kreuzung. Da ich nun mit der Stoff-
kante, welche doch zugleich die vordere Kante vom
Sacco bildet, beginne, so messe ich von R—Z10em,
welche alle Zugaben enthält, und von Z an beginnt
jetzt die Oberleibweite oder besser gesagt, bei Z findet
dieselben ihren Schluß.
Da ich den Rücken ganz für sich allein zeichne,
an einem Platz, wo er sich am besten anbringen läßt,
so streiche ich den Rücken vom Oberleibweitenmaß ab.
Ich lege die Oberweite --—- 48 ern bei Z an, lasse
die Zahll nach rechts gehen, und breche bei Rü die
schmale Riickenbreite aus 48 :-—. 18 —s— 1 :-—. 19 ern ab.
Dieser 1 ern ist für die Naht im Rücken und an der Seite. Von Rii—V -—«:— Vr Ober-
weite :.—— 12 —s— 1 für die Sueonnaht —:s 13 ern, gibt den Armvortritt, von Z—s --— 1X(;Hals-
weite -—- 772 em, gibt die Halssvitze
Damit wären die Breitenpunkte angelegt. Nun ziehe ich die Linie abwärts, nur bei
s braucht man keine Linie.
Tiefpunkte
Von V—l) -:—- Vsz Oberweite --——- 24 em, gibt die Armtiefe, von V—l-l die Taillen-
länge = 44 ern, gibt die Hüftentiefe. Ich ziehe nun mit der gewonnenen Seitenlänge 0—l-l
einen kleinen Zirkelzug nach c.
—1()1—

Von diesem Zirkelzug aus messe ich von l-l--c 3 ern bei gewöhnlicher Körperhaltung
Ich ziehe von c über l-l eine etwas schräge Linie, welche die Taillenlänge darstellt,
wodurch Punkt U entsteht, lege den Winkel bei U—l-l an, ziehe die Brustbreite, wodurch
Punkt 0 entst:ht, lege den Winkel auf der Innenseite bei U—-c an, ziehe die Armtiefe U—R,

— . — «
- —- «

Fig. 8

lege den Winkel bei R—U an, ziehe aufwärts eine kleine Linie, welche das Armloch ein-
schließt R——ff.
Ich messe von R-—t -- 15 em bis ff 2 em mehr 17 em Achselhöhe, d. i. W Hals-
oder Armumfang und 2 em.
—- 102 —
Ich ziehe eine gerade Linie von s—- i, mache die Achsel des Vorderteils provisorisch
17 ern breit, d. i. der gleiche Betrag von R—fk nnd erst nachdem ich den Rücken fertig ge-
zeichnet habe, gleiche ich die Achsel ab.
Die Seitenspitze kann ich beliebig hoch machen, hier 4 em.
Das Halsloch mache ich je ttach der Länge des Umfalles 6—8 ern tief nnd zeichne
die Kante.
Unten bei U stelle ich die Seitennnaht nach UW ntn 11 ern hinaus, doch ist dieser
Betrag einer bestimmten Zahl nicht unterworfen, sondern reguliert sich nach der unteren Breite
des Rückens, denn der Rücken nnd diese Hinansstellung müssen die halbe Oberweite nnd
Nähte, also 24 —s— 2 —- 26 ern ausmachen.
Nachdem ich so sämtliche Punkte markiert habe, zeichne ich das ganze Vorderteil
fertig, indem ich der Achsel 11X2 ern Bogen zugebe, die Seitennaht mäßig schweife, die vordere
Kante gerade lasse. Wer einen kleinen, bei größerer Faeon einen größeren Sneon am Hals
hineinmacht, thut gut, nur muß derselbe vorne wieder zugegeben werden.

Yie Taschen.
Die Seitentaschen macht man zwei Drittel der vorderen Ärmellänge und 1 -—: 31 ern
tief nnd muß die Richtung dieselbe sein, wie die Tailleulittie läuft.
Brusttasche ist wie ersichtlich, anzubringen.
Yas Zitückkleic
Ich lege die Länge 75 —s— 1 — 76 ern bei L an, messe aufwärts 1 und gebe die
Naht noch zu, gibt Punkt RW den Halswirbel, lasse eine Naht oben vorstehen, tnesse abwärts
ttach RR die halbe Oberweite, das ist die Armtiefe ; 84 ern, nach T die Taillenlänge
: 44 em.
Man lege die Zahl 1 bei RR an, tnesse aufwärts 4 ern Seitenspitzhöhe = a, dann
Vs Armumfang ---15 ern, Achselhöhe = rn, beide Punkte von RR ans.
Was von m —l-lW übrig bleibt, kann als Hals- oder Nackenlängegelten.
Ich gehe an Halswirbel HW 1em, in der Taille 2em, unten nichts herein, und
zeichne mäßig geschwungen die Rückennaht.
Yie Zseite des Rückseite-.
Es kommt gassz darauf an, wie man die Seitennaht des Vorderteils gezeichnet hat;
ist man mit derselben bis auf den Punkt R herausgekousmen so wird der Rücken die ab-
gebrochenen 19 ern breit, ist man über Rherausgegangen, was bei einer noch höheren Seiten-
spitze leicht vorkommt, so wird der Rücken schmäler, macht man aber die Seitenspitze wieder
nur ea. 2 em hoch, so kommt man mit der Seitennaht Ieicht bis R hinaus und der Rücken
wird demnach breiter.
Um nun ein für allemal sicher zu sein, messe ich von U, das ist der Oberleibweite-
Punkt, über U nach R = 29 em, lege die Zahl 29 an der hereingestetcten Yütkennabt
bei RR an und messe nach R die knappe Oberleibweite =- 48 ern, ohne jede weitere Zugabe.
Dadurch ist der Rücken bei R 19 em breit geworden. Bei sP nehme ich 1 ern mehr = 20 em,
oben von m—W die schmale Riickenbreite 18 —s— 21X2 : 201X2 em.
Wer etwas Watte auf die Achsel legt, ungefähr 3mal, tnnß auf der Höhe des erstere
Punktes bleiben, wer aber keine Watte auflegt, muß den Schuß nach Punkt W 1 em tiefer
stellen, das heißt, er darf von RB——m nicht 15 ern, sondern 1 ern weniger, nnr 14 ern
nehmen.
Atn Halse von Mit-V := Ve Halsweite = 7U2 ern breit und 2 ern hoch.
—103——

Yie Anterceibweite.
Jch tnesse von U über l-l nach F --—-. 32 ern, breche für den Sueon 2 ern ab —-
30 ern, lege diese Zahl an der hereingestellten Rückennaht bei T an und tnesse nach F die
Unterleibweite :—- 44 ern, wodurch das Rückteil in der Taille 14 ern breit geworden ist.
Unten messe ich atn Vorderteil den Betrag von U—UW nochmals ab —--—- 11 em, lege diese
Zahl an der hereingestellten Naht R—L an, messe nach U die halbe Oberweite = 24 —s— 2-
fiir die Nähte 26 em, wodurch der Rücken dort 15 em breit wird.
Man zeichne jetzt den Rücken fertig, wie die Figur zeigt.
Man muß die Achsel- und Seitennaht des Riickens abmessen, die Vorderachsel IX-; ern
schmäler, das Seitenteil aber 1 ern länger machen, weil der Rücken an der Seitennaht 1 ern
gezogen wird.
—1()4—

Die Stehbrusthppe oder Zugbluse


nach denselben Maßen, aber Haltung geneigt.

(Fig— 9—)

Dieses Kleidungsstück wird im Rücken mit


Gurt oder Zug gemacht und deshalb ziemlich
weit gehalten.

Die vordere Front ist einreihig, meistens


mit unterschobener Leiste, bis zum Halse ge-
schlossen, ohne Umfall, mit Steh- oder Umleg-
kragen.

Die Aufstellung ist dieselbe, wie ich schon


beschrieben habe, da ich hier aber einen ge-
neigten Mann vor mir habe, so ist ein Taillen-
sueon unnötig. Deshalb gehe ich von l-l——c
nur 2em auf die Seite, wodurch das Arnrloch
gerader wird. Auch rücke ich ohne Sueon bei
R 1 ern mit der Linie R—f herein.

Der Hals wird vorne tiefer gestellt als


wie bei dein gewöhnlichen Sacco und zwar
stelle ich denselben Its Halsweite —s— 11X2 ern
tief und 3 ern über die Oberleibweitenlinie vor.

Yer Rücken
wird im Bruch geschnitten und die kurze Riickenbüste von l-lllll—RR mache ich wenigstens 1 ern
langer, als was das Armloch tief ist. Geht der Mann sehr stark geneigt, so wird die Rücken-
büste um 2 ern länger als das Armloch tief ist.
-—— 105 — .

Fig. o

(Deutsche BekleidungssUltadenrie München.) eNachdrueli verboten). 14


«- -— 106 —

»Die JnterimS-Joppe.
(Fig. 10.)
Maße: 43 ern, 78 em. Oberweite 48 em, Unterweite --—:- 43 ern, Hals 45 em.

Haltung aufrecht.
Die Träger solcher Kleidungsstiicke nehmen meistens eine aufrechte, utilitärische Haltung
an, weshalb der Rücken schmäler und auch kürzer wird. Was der Rücken schmäler wird,
gewinnt die Brust an Breite, da der Armdurchmesser sich gleich bleibt.

Der hauptsächlichste Unterschied liegt in der Breite des Überschlags oder der Revers,
welche oben 16—21 ern breit gemacht werden, während dieselben unten 8—9 ern bekommen,
gleich jedem anderen ztveireihigen Sacco.
Fronstrubtion
Ich tnesse vom Stoffabschnitt A— klein a 6 em Verlängerung, weil der Mann aris-
recht geht, von a—R die Länge 78 em und ziehe die obere Linie von R—Rü.
— 107 —-

Von R—Z messe ich zuerst die Reversbreite d -——: 17 ern, dann weitere 6 em für
Nähte und Bequemlichkeit = 23 ern im ganzen.
Punkt Z ist wieder die Oberleibweite.

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Zig. 10
Ich lege diese Oberweite = 48 ern bei Z an, lasse den Einser nach rückwärts laufen
und breche die schmale Rückenbreite -- 17 —s— 1 18 ern bei Rtl ab, von Rü—Vo Ist Ober-
weite = 12 —s— 1 für die Naht =· 13 em. Von Z— s Ists Oberweite -——- 8 ern ergibt
die Halsspitze.
14-P
-— 108 ——

Jch ziehe die senkrechteu Linien aus, tuesse von Ver-U V- Oberweite 24 Arm-
tiefe, von Vo—l-l 43 Taillettlänge -s— 1 —- 44 ern, gibt die Hüftentiefe.
Wer keinen Sueon in der Taille macht, mißt von l-l—U nur 2 ern, wer aber einen
Sueon macht, thut besser und mißt von l-I—U 3 ern, zieht die Taillenlinie, indem man bei
l-l—c das Lineal anlegt; wodurch diese Linie etwas schräge abwärts läuft. Ich lege den
Winkel bei U —s— U an, ziehe die Armtiefe gibt R, lege bei U —s— l-l an, ziehe die Brustbreite
U—U, lege den Winkel bei R an, ziehe eine Linie aufwärts nach f, tttesse von R—k W Hals-
umfang —- 15 ern —s— 2 :- 17 ern, ziehe von s—f eine kleine Hilfslinie und mache die·
Achsel provisorisch 17 ern breit bis der Rücken fertig ist, gebe der Achsel 172 ern Bogen und
zeichne Achsel und Arntloch fertig, aber so wie auf die Figur ersichtlich, denn erst jetzt, wenn
die Artnkurve richtig gezeichnet ist, wird die Seitenspitze fest gestellt, welche auch hier 4 ern
hoch ist.
Von U—UW 11 ern, indessen ist an diese Zahl niemand gebunden, da matt ja den
Rücken schmäler oder breiter machen kann, immerhin aber ntuß die Weite unten von U über
Ullll—l. die halbe Oberweite und die Nähte betragen, also hier 25 em.
In der Taille bei F 21s2—3 ern herausgehen und die Seitennaht fertig zeichnen.
Das Seitenteil wird 2 ern verkürzt, einen Centimeter nimmt man aus dem Taschen-
eingriff. Sollte der Mann sehr aufrecht gehen, so wird das Seitettteil tritt 3 ern verkürzt,
wobei man 2 ern aus dem Tascheneinschnitt schneidet.

Yer Hat-.
Bei allen Stehbrustfaeons das ist, wo kein Spiegel umfällt, messe ich, tvie an
Figur U gezeigt, von Z—l1 W Halstoeite —s— 172 - 9 em und gehe 3 ern über die Ober-
leibweite-Linie vor. Von U—mi 6 ern, von U—rni 5 em, gibt die Mittellinie oder Kreuzung,
in welche der Halssueon verlegt wird ttnd zwar mindestens 3 ern stark.
Die Revers oben 16 ern, am Bauch 8 em, unten 9 ern breit uttd das Vorderteil
wird fertig gezeichnet.
Yer Rücken
Von l. nach lle die Länge und 1 ern Einbug, sowie W em für die obere Naht
= 791X2 ern, die Naht lasse ich vorstehen und messe von RW——RR die kurze Rückenbiiste
gleich der Artntiefe des Vorderteils, doch weil aufrecht gehend 1 ern kürzer = 23 ern bis T
die Taillenlänge = 43 em.
Von RR—a 4 ern Seitenspitzhöhe und von RR——m Ve- Hals- oder Armlochttmfang
= 15 ern, das ist der gleiche Betrag von R—f am Vorderteil.

Yie Breitenpunkte.
Ich messe das Vorderteil von U über U—R, lege den Betrag bei RR des Rückens
an und messe bis R die Oberleibweite weniger 1 = 47 em, weil der Rücken im Bruch
bleibt. Ich ntesse von U über U, überspringe den Sueon und tnesse weiter bis F, lege den
Betrag bei T im Rücken an, messe ttach E die Unterleibweite weniger 1 -——- 42 em. Unten
verbleiben von L—U 14 em, oben am Hals 7 ern breit ttnd 2 ern hoch und der Rücken wird
fertig gezeichnet.
Ein guter Ratschlag
Damit man unten bei -A keinen Stoff verliert, lege man den Stoff dort 7—8 ern
herein, oben wo die Revers die Kante berühren wieder heraus.
109 —-
Den Winkel aber lege man an der Tischkante an, wodurch die Linien auf dem Stoffe
schräge laufen, was ja nichts zu bedeuten hat.
Das Gleiche gilt bei den Interimsmänteln.
Wer dieses nicht gut begreift, schneide erst einmal ein Papiermodell und lege es auf
den Stoff, dann kann er die Richtung der gezeichneten Linien leicht verfolgen, legt er dann
zugleich den Winkel an der Tischkante an, so wird ihm wohl alles klar nttd verständlich werden.
Der Kragen kann sowohl als Steh- oder Umlegekragett gezeichnet werden. Irrt
ersteren Falle verweise ich auf die Besprechung der später folgenden Uniformen, itt letzterenr
auf die Fig. 9.
—110—

Das Jnterims-Bauchsacco.
(Fig. 11 und na.)
Maße: 46, 80, 21, 56, 86 em. Oberweite : 112X56 ern, Unterweite = 120X60 em,
Hals : 52 cat.

Sig. ll
-- 111—-

xtnfreehte Fedrpethaktnng
Der Revers wird 17 ern breit, dazu gebe
ich 6 ern für Bequemlichkeit ttttd Nähte -—-—--: 23 em.
Die schmale Riickenbreite für anfrechte
Körperhaltung ist 20 —s— 1 ern für die Naht
= 21em, der Armdnrchtnesser macht ein Viertel
der Oberweite — 14 —s— 1 em -—--: 15 ern, von
Ver-Z : 20 em, die Hälfte :-—-: 10 ern gibt s.
Die Arnttiese = 26 em, Hüftentiefe =
4? ern, Hals- nnd Armntnfang = 52 ern,
davon rund Its = 17 em von R—f und die
Achsel = 18 em breit.
Bei einer Oberweite von 56 ern uttd Unter-
weite von 60 ern habe ich im ganzen 8 ern
Bauch, wovon Eise = rund 5 em nach vorne
kommen, ich tnesse demnach von ut bis groß
U 5 ern ttnd ziehe von U—U eine Linie, welche
die beiden Leibwriten darstellt. Alles andere
ist auf der Zeichnung ersichtlich uttd soeben be-
schrieben worden.

Fig. 11a
——112—

Der Paletot nach proportionaler Berechnung.


Auch der Paletot läßt sich sicher akkurat direkt auf den Stoff zeichnen. Es ist das
Zeichnen auf Stoff gerade beim Paletot ganz entschieden dene Modellschneiden vorzuziehen,
denn erstens ist die Stoffeinteilung eine weit einfachere als beim Sacco, bezw. Sackanzng,
weil dort meistens der ganze Anzug gleich wird, also viele einzelne Teile aufweist, während
der Paletot nur drei hauptsächlichste Teile hat, welche leicht zu plaziereu sind, besonders dann,
wenn man die rückwärts angeführte Stoffeirrteilutrg vorher ein wenig betrachtet.
Zweitens läßt sich mit der fein geschnittenen Kreide auf Stoff leichter urtd akkurater
zeichnen, die Linien bekommen geschmackvollere Formen und der Paletot ist trotz seines künst-
lerischen Entwurfes bald gezeichnet.

Yes Wegnehmen zum Paletot.


Ich betone ausdrücklich, daß auch dieser Paletot nur nach den schon bekannten Maßen
zu zeichnen ist, wie bei Rock uttd Sacco dieselben zu nehmen angeführt wurde.
Maße: Taillenlänge = 45 em, ganze Länge = 104 ern, obere Rückenbreite =
1»9V2 ern, Ellbogen = 53 ern, Armlänge :- 83 em. Oder ich lasse die Riickenbreite samt
Armellänge über den Ellbogen ganz fehlen und nehme, was viel leichter ist, nur die vordere
Ärmellänge = 48 em. Oberleibweite über den Rock -——- 100 ern, Unterleibweite --= 92 ern,
Halsumfang ea. 48 em. Der Hals wird bei allen Oberkleidern um 3 ern größer als er
beim Rock oder Sacco ist.
Betreffs der Ober- und Unterleibweite muß ich bemerken, daß es sehr gut ist, wenn
man diese Maße nochmals über die Weste nachmißt. Man wird dabei finden, daß der Rock
eigentlich nur 4 ern aufträgt, sollte es dennoch mehr sein, so rührt das von überaus starken,
dicken Röcken, oder von den sehr breitete Revers her, welche bei zweireihigeee Saeeos oder
Ioppen, allerdings sehr auftragen. Allein es wäre ganz verkehrt und der Paletot würde
rückwärts zu weit werden, würde man in solchen Fällen die Punkte nach der Oberweite über
den Rock gemessen, berechnen. Findet man, daß der Rock mehr aufträgt, gebe man lieber
1 ern mehr Uberschlag zu.
— 1133 —-

Der anliegende Paletot.


Gattung gervähnkich.)
(Fig. 12 und 13.)

Yie Honstrutitiotn
Mart sehe nach derrt Strich (was man rtie vergessen darf), ziehe die rtrtterste Linie A,
dann 6 enr höher klein a, lege bei a die Länge 104 an, messe aufwärts rtttd ziehe die Linie
BZRü. Abermals fragett wir uns, soll der Paletot ein- oder ztveireihig werden. Diestttal
einreihig, also gebe ich von R rtackt Z 12 ern Überschlag Diese 12 ern bestehen ans 6 ern
für Nähte rtttd Bequemlichkeit ttrrd 6 ern Kreuzung Beim ztveireihigett Paletot gibt man
16 em Überschläg, also auch 6 ern Bequemlichkeit rtrtd Nähte utrd 10 ern Kreuzung oder
Revers. Punkt Z ist jetzt wieder der Anfangspttnkt für die Oberleibweite.
Ich lege also 50 ern bei Z an, ntesse rtach rückwärts rtrtd breche bei Rü die Rücken-
lirrie 19 ern ab. Es wird nun jeder fragen, ja wenn doch schon das Sacco 19 em Rücken
hat, so tttrtß doch der Paletot mehr Weite haben! Ich sage, an dieser Stelle, wo der Arm
ebenso gut ttach rückwärts seirte Bewegungen macht, wie ttach vorwärts, darf der Rücken nicht
breiter sein, wenn er sich nicht zttsattttttertdriickett soll, das Armloch wird allerdings größer
ttrtd dartrt wird der Rücken nach oben breiter, wodurch die Bewegungen gestattet
sind. Ich bitt tttir bewußt, daß mancher Kollege dieses bestreiten wird uttd wird für seine
Beweisführung den Rücken hinausdrücken, wodurch derselbe allerdings breiter wird, allein
das kann er ja beim Sacco auch, wenn er will. Nicht die Breite alleitt macht die Bequem-
lichkeit, sondern das gute Hereinstellett, das richtige Plazieren der Weite, ttttd viele, sehr viele
Zuschneider ändern in diesem Punkt jeden Rock utn ein ganz Bedeutendes, ohne die Gründe
oder den Zusammenhang zu wissen, etnd an die ausgelassenen Reserve von 3em wird noch-
mals ein Stück eingeflickt, welches sich bis unter dett Arm erstreckt. Was ist Schuld? Netr
die iibertnäßige Weite, welche infolge der geraden Armlochtiefliniezu tief ttnd zu weit vom Arm
weggestellt wird, besonders wenn noch eitt kräftiger Hüften-Simon gemacht wird. Dieses ist
auch der Grund, weshalb so viele Kollegen vor dem Hüften-Sueon Respekt haben, aber die
schräge Artnlochlinie erscheint ihnen eine Lächerlichkeit.
Nach Feststellung dieser Thatsache wollen wir mit der Konstruktion weiterfahren,
rtnd bemerke ich, daß auch der Artttdrtrchtnesser leicht nach der Oberweite über der Weste,
also 48 ern berechnet wird. Ich tnesse von Rü—Vo Ist 4- 2 T 14 ern Arntdurchneesser, von
Z—s Isi- Oberweite = 8 ent, gibt die Halsspitze s. Ich ziehe die Linie abwärts und messe
lsg Oberweite = 25 ern von Vo nach U, datttt die Taillertlättge uttd 1 s 46 ern von Vo
nach l-l. Wieder kommt die Frage, soll der Paletot anschließen oder weit sein? Ich will
zuerst den anschließertdere Paletot behandeln, also mit Sueott, uttd ich stelle von lsl nach U
gute 3 ern, lege den Winkel bei U etttd U an, ziehe die Armtieflirtie U—R, lege den Winkel
bei R nnd U· an, ziehe aufwärts die schräge Linie Rtf, messe are derselben aufwärts ttach t
Ve Halsrttg R 16 ern ttach f 2 em mehr : 18 ern nttd für die Seitenspitze 5 em. Ich
tttttß hier iederurn bemerken, daß das Armloch utn denselben Betrag größer wird wie der
Hals, deshalb auch 48 ern Armumfang.
(Derttsche BekleidutthiAlradentie Müttchete.) (Nachdruele verboten.) 17.
s—- 114 —-
Ich ziehe eine Linie von s reach f, messe attf derselben die 18 ern, welche von R
nach f gestellt wurden, als provisorische Achselbreite ab und gebe der Achsel selbst Its- ern
Bogen zu. Die Halstiefe 7 ern, vorn an der Kante 2 enr abgestochen, rtach unten 11X2 ern,
und es kantt die Achsel, Armloch, Halsloch uttd Brustkattte fertig gezeichnet werden. Die
Weite des Vorderteils unten beträgt bei Paletots, welche unter das Knie gehen, von der
Überschlagslinie a«a ttach Ullll die über die Weste gemessene Oberweite = 48 ern oder 2 em
weniger als die über den Rock getttessene Oberweite. Bei langen Paletots bis unter dert
Waden wird dieser Weite 2 em beigegeben, resp. nichts abgebrochen. Bei Paletots, welche
rtur das Kttie berühren oder schon früher abschließen, werden 2—3 em abgebrochen. Die
Taschen werden gezeichnet wie beim Sacco
angegeben, hier = 32 em. Der Sueon wird
ebenfalls reach den gleichen Prinzipien gezeichnet.
Die Knöpfe kommen bei diesem Uberschlag
10 em zurück.

Yas Ziütktteic
Bei dieser Größe nnd einer Stoffbreite von
69——72 ern stelle ich das Rückteil ungefähr
bis zur Taille, ziehe zuerst die Abschlußlinie UZ,
messe von RZ aufwärts die Länge 104 —s— 1 ern,
Einbug 105 ern, ured gebe sogar eine Naht
am Halse rtoch zu. Diese Naht lasse ich obett
vorstehete urtd messe nach RR 25 ern, nach T
45 ern Tailleulänge. Selbstredend bricht man
von den 25 ern Rückenbüste bei kurzen oder sehr
aufrecht gehenden Personen 1 ern ab, während
man bei solchen mit getteigter Haltung 1 ern
zugibt ttrrd trifft auch hier das gleiche Ver-
fahren zu, wie bei dent Rock uttd Sacco. Bevor
ich die Artrtlochhöhe aufwärts messe, ziehe ich
die Rückennahy welche bei T um Bem, bei Rl.
um 2 ern hereingestellt wird, danrt lege ich die
Zahl 1 bei RR an, rttesse aufwärts die Seiten-
spitze 5em, danre 16 ern = Its Artnuttefartg = m.

M , , . Yie Oberleibweite.
Ich rttesse die Breite des Vorderteils von
U über U nach R ab = 31 ern, lege dieselbe
an der hereingestellten Rücketenaht e an, rttesse nach R die Oberweite = 50 ern, wodurch
der Rücken dort 19 ern breit wird. Zwischen a und sP wird derselbe I ern breiter : 20 ern,
obere bei m—l« = 21 ern, attt Halse IX» Hals = 8 ern breit rtttd 273 ern hoch.

Yie Zinterweite.
Ich ntesse von U über H reach l-« = 33 ern, breche davon 2 ern für den Stteon
= 31 ern ab, lege diese Zahl an der hereirtgestellten Rückettrraht t att und messe bis l-: die
Unterleibweite = 46 ern, wodurch der Rücken dort 15 ern breit wird.
- - O
-
Hi
-
-
.
---.n-

Fig. 13
H
U
l A
1
» «
»M-
,
. e . »».»»»»..... - -»

Fig. 12
Oai «
- M
i AK «..
U. Le-
M
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» k- Æ :- k
o t.
l.t t-r
. . tttt
silestVr tttttttttttt
E »Is- m
.
ZZ a A
». -- ZZZ
Be - I-
—116——

Unten wird der Rücken V-- ern der Oberweite über die Weste gemessen = 16 ern
breit. Ich gleiche Achsel- urtd Seitennaht ab, zeichrte die Taschen Eise Oberweite = 33 ern
vom· Arntloch an tief, Sueon rtrtd verdeckte Leiste, wie Figur zeigt.
Der Schlitz int Rückteil kann 40——45 ern erhalten, rtach Mode oder Geschmack. Beine
Zusantmensetzen tttuß Punkt R des Rückerts tttit dettt versettkten Punkt R des Vorderteils
vereinigt werden.
Der Armel wird reach denselben Grundsätzen aufgestellt, wie der Sacco-Ärmel Irrt
übrigen thttt matt attt besten, man nimmt den Rock- oder Sacco-Ärmel und gibt art den
Seitennähten, also ttttr an den Ellbogennähtett 11X--, bei starken Stoffen bis 2 ent zu, macht
die Kugel 1 ern höher, rettd vorne l ern länger und der Ärmel ist ebenfalls richtig.
—1l7—

Der gerade zweireihige palet0t.


Gattung aufrecht.)
(Fig. 14—15.)
Bei dettt weiten, geraden Paletot gilt irt erster Linie dasselbe, was ich heitre weiten
Sacco angeführt habe, d. h. es wird der Hüftensueon ttur gemacht, unt eine kurze Taille ztt
erzielen. Wer dieses tticht befolgt, dertt werden seitte Paletots itt der eigentlichen Taille im

Rücken ztt lang, legen sich ferner attf das Gefäß zu fest auf ttttd wenn er irrt Rücken einen
Schlitz macht, so steht derselbe auseinander, sobald die Knöpfe offett sind. Ferner wird ein
solcher Paletot vorne über dettt Bauch ztt weit uttd steht unten mehr oder weniger ab.
Schon mancher tüchtige Zttschtteider hat art diesem Fehler sich vergebens den Kopf
zerbrochen, urtd ein Zuschneidelehrer, dessen Namen ich reicht nettttete will, der übrigens auch
zu den ersten zählt, hat auf diesen Fehler nur die Antwort gegeben, matt solle die Achsel
länger machen, damit das Vorderteil herunter kann, ohne zu bedenken, daß damit derkganze
Paletot — also auch rückwärts — heruntergeht, wodurch selbstredetrd demselben nicht ab-
geholfett, sondern derselbe ttttr verschlitnmert worden ist. Stellt tttatt aber die Achsel oder
—118—

sagert wir die Halsspitze weiter zurück, ttttt mehr vordere Länge zu erzielen, so drückt diese Länge
sich auf der Brust uttd niemals kaute die Achsel selbst schön und glatt liegen.
Es gibt absolut keinen anderete Weg, als das Vorderteil itt seiteent oberen Teil lang,
die Rückenpartie vom Armloch bis zur Taille kurz zu halten. Wohl mag mancher Kollege
sagen, er habe genug Paletots ohne diesen Stteon geschnitten, welche schön saßen, alleirt bei
einer starken Brust war ihm dieses ganz unmöglich und ttur bei Personen tttit getteigter
Körperhaltung kann es ihm geluttgett sein, da ein solcher Mann einen längeren Rücken braucht
und hauptsächlich deshalb, weil der Getteigtgehertde ein eingezogertes Gefäß hat.

Fronftrulitiotn
Ich nehme dieselben Maße, nur, daß die Taille 1 ern kürzer wird, was übrigens
gar nicht irt Betracht kommt.
Da die Aufstellung ziemlich die gleiche ist, wie vorher, fo führe ich nur die wichtigsten
Punkte art:
Vort R—Z rttesse ich 16 ern Überschläg, bei Z lege ich die Oberweite an, rückwärts
breche ich nur 18 ern ab. Von Rii—Vo IX4 Oberweite —s— 2 = 14 ern Artndurchtnesser, von
Z—s Isr- Oberweite —s— 1X2 = 8Is2 em. Ich stelle also hier beittt aufrechtett Mann die Hals-
spitze 1s2 ern mehr zurück. Die Entfernung vott Ver-s ist deshalb doch ttoch größer als sZ.
Armtiefe = V- Oberweite = 25 ern, Hüftentiefe = 44 —s— 1 = 45 em. Von l-l—c =
3 ern, von R—f = 16 —s— 2 = 18 ern, Seitenspitze nur 3 ern hoch, Achsel 17 ern provi-
sorische Breite, Halsloch = 7 ern tief, von aa—Ullll = 46 ern weit.

Yer Hat-.
Ich mache denselben 7 ern tief und 3 ern über die Oberleibweitenlinie vor, tnesse
dann von U—mi 6 ern für Bequemlichkeit und Nähte, von U—mi 5 ern für Bequemlichkeit
und Nähte und ziehe die Mittel- oder Kreuzungslinie rni. Von dieser Kreuzungslittie an
beginnt der eigentliche Uberschlag oder Revers, welcher bei eittene zweireihigen Paletot10 ern
breit gemacht wird. Wer im Halsloch einen Sueon macht, tttuß den ausgeschnittettere Betrag
vorne zugeben-.

Yie Ftnöpfe
Jch messe von nti bis zur Rundung des Knopfloches urtd stelle den Betrag von rni
nach rückwärts, wodurch hier die Knöpfe hinter der Oberweitenlinie kommen und unten
ebenfalls.
Yer Rücken
Der Rücken wird mit Naht, ich messe von RL—l-IW die Länge = 100 —s— 1= 101 ern,
von lle—RR knapp 24 ern, demnach gut 1 em weniger als die Artntiefe Ver-U, Taillen-
länge = 44 em.
Von RR messe ich aufwärts nach a 3 ern, nach m 15 ern, tttit Watte 16 ern Achsel-
höhe, ziehe die Ouerlinien aus und messe

die Oberleibweite
von U über U—R, d. h. nur bis zur Naht = 31 ern, lege diese Zahl bei RRL au, trtesse ttach
R wieder die Oberleibweite = 50 em. Wer den Paletot int Bruch habett will, breche
1 ern für die Naht ab, weil im Bruch geschnittene Rücken stets weiter werden. Den Rücken
—119—

Fig. 14 Fig. 15
Das Gesäßmaß stehe Seite 125.
—120——

mache ich dort 18 ern breit, weiter oben 18IX2 ern tttrd bei W tttesse ich die schmale Riicket:-
breite = 17 —s— 3 = 20 ern, am Hals 71X2 ern breit —s— 2 ern hoch.

Yie Bluterceibweite
wird ttur bei Bauchpaletots nachgemessen.

Yas Gesäß.
Ich habe hier zwar kein Gesäßntaß, allein ich weiß, daß dasselbe itt der Regel 2 ern
stärker ist, als die Oberweite. (Auch hier gilt indes der Satz: Keiree Regel ohne Attsttahrtte.)
Ich messe also vom unteren Kreon = lll zurück nach PR, lege den Betrag bei U an, tttesse
nach P die Gesäßweite, wodurch der Rücken 77 ern breit wird, welche Breite ichs auch tttttett
beibehalte. Ich gleiche jetzt die Achsel- und Seitennaht ab.

Yie Yüetienach sek


muß bei aufrechter Haltung W em, bei gewöhnlicher Haltung 1 ern, bei gerteigter Haltung
11-- ern angehalten werden.
Die Heitetmaht
Die Seitettttaht des Riickens soll nur wenig ausgezogen, der Bruch kaum etwas
eittgebügelt werden, da sonst der schöne gerade Fall verloren geht.
Das Seitenteil wird gekürzt und ausgezogen, ittt Tascheneingriff 1 Is2 ern ausgeschnitten.
X
X
X
X
»N-
X
X
X

Ozs » Hz A- NWMMZH Wo M

Fig. 16
Der Battchpalet0t.
(Deutsche BeleleidtnthiAlradetnie München.) (Uachdruele verboten.) re
—122—

Der Bauch-Paletot.
(Fig. 16 [siehe Seite 121j rtrtd 17.)
Alles was ich beim Bauchsaeeo sagte, gilt auch für dere Bauchpaletot.
Das Maß ist: Taillenlänge 46 ern, ganze Länge 106 ern, Rückenbreite 2272 ern,
Ellbogen 56 em, Ärmellänge 87 em. Oberleibweite 124X62 ern, Urtterleibweite 134s67 ern,
Halsweite ea. 57 ern. »Als schmale Rückenbreite = Vi- ern, Oberweite über die Weste =
201X2 —s-— 3 = 231X2 Um.
Die Konstruktion geht trach derselben Weise, wie das Sacco, zugleich verweise ich
attf den zweireihigen Paletot ttnd bemerke nur, daß der Uberschlag vott B—Z 10 ern beträgt
und daß auch hier die fehlenden 2 ern unten attf der Brust gewottnett werden.
(Fig. 17a.)
Ich habe bis jetzt an den Hüften stets 3 ern von U—U gemessen urtd überall einen
Hüfteusuezon gemacht. Wer nun keinen Hüftettsneon machen will, was man indessen nur bei
geneigtett Personen unterlassen kann, der soll ttur 1—11-2 em den Winkel schräge stellen, weil
die Seitetrfpitze datttt bleibt wo sie hingestellt wurde, während bei einent Ausnäher dieselbe
heruntergezogen wird.
Durch Schließen der Naht kommt Punkt U ztt R wodurch sich A versenkt uttd ttach
rückwärts getrieben wird. Aus diesem Grunde ttrttt stelle ich die Arttttiefe fchtäger, wodurch
die Spitze höher wird trttd erst ttach Schließttttg des Sueons tritt jeder Punkt an feinere
richtigen Platz.
—123—

«- T

Fig 17a

Zig. 17 16—
-— 124 —-

Der halbanliegende Paletot


tnit senkrechten Taschen.
(Fig. 18.)
Yie Fednstrulitiott.
Maß über die Weste: Taille 44 ern, Länge 104 ern, Oberweite 96 ern, llnterweite
88 em, Rückeubreite 18 em, Ärmel 54——84 em rückwärts gemessen.
Man sehe nach dettt Strich, ziehe die ttttterste Linie A, dattte 6 ern höher klein a,
lege bei a die Länge 104 enr an, tttesse aufwärts ttnd ziehe die Linie RZRü. Wir fragett
uns, soll der Paletot ein- oder zweireihig werdens
Einreihig, also gebe ich vott R ttach Z 12 ern Uber-
schlag. Diese 12 ern bestehen atts 6 ern für Nähte rtnd
Bequemlichkeit ttttd 6 ern Kreuzung Beim zweireihigett
Paletot gibt tnart 16 ern Uberschlag, also auch 6 ern
Bequemlichkeit ttrtd Nähte ttttd 10 ern Kreuzuttg oder
Revers. Punkt Z ist jetzt der Anfangsputtkt für die
Oberleibweite.
Ich lege 48 —s— 2 = 50 ern bei Z an, tnesse ttach
rückwärts ttttd breche bei Rii die Riickettlittie 18 s 1
:-:1S) ern ab. Matt wird nun fragen, ja wenn doch
das Sacco schon 19 ern Rücken hat, so tttuß doch der Paletot
mehr Weite haben! Ich wiederhole an dieser Stelle,
wo der Arm ebensogut reach rückwärts seineBeweguugen
macht, wie reach vorwärts, darf der Rücken nicht breiter
sein, wenn er sich nicht zusattttttendriickett soll; das
Artttloch wird allerdings größer utrd dattn wird der
Rücken reach oben breiter, wodurch die Be-
tvegttttgett gestattet sind. Ich bitt ntir bewußt, daß
mancher Kollege dieses bestreiten wird uttd wird fiir
seitte Beweisführung dett Rücken hittausdrücken, wodurch
derselbe allerdings breiter wird, allein das kann er ja
beim Sacco auch, wenn er will. Nicht die Breite allein
macht die Bequemlichkeit, sondern das gute Hereinstellett,
das richtige Plazieren der Weite, uttd viele, sehr viele
Zuschtteider ändern itt diesertt Punkt jeden Rock uttt ein
ganz Bedetttettdes. ohne die Gründe oder den Zusammen-
hattg zu wissen rtttd an die ausgelassenen Reverse von 3 ern wird nochmals ein Stück ein-
geflickt, welches sich bis unter den Arm erstreckt. Was ist schuld? Nrtr die übermäßige
Weite, welche infolge der geraden Artttlochtieflirtie zu tief uttd zu weit vottt Arm weggestellt
wird, besonders wenn rtoch ein kräftiger Hüften-Strome gemacht wird. Dieses ist auch der
Grund, weshalb so viele Kollegen vor dettt Hüften-Stteott Respekt haben, eher die schräge
Artttlochliuie erscheint ihnen eine Überflüssigkeit
Nach Feststellung dieser Thatfache toollett wir mit der Konstruktion tveitet«fahr·ert, ttttd
bemerke ich, daß auch der Armdurchrttesser leicht ttach der Oberweite über die Weste, also
48 ern berechnet wird. Ich tteesse von Rü—Vo Ist —s— 2 = 14 ern Artttdrtrchtttesser von Z—s
W Oberweite = 8 em, gibt die Halsspitze s. Ich ziehe die Linie abwärts ttnd tnesse Vi-
Fig. 18
— 125

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—— 126 —-

Oberweite = 25 ern von Vo rtach U, dann die Taillettlättge ttttd 1 = 46 em vott Vo nach
Isl. Wieder kommt die Frage, soll der Paletot anschließen oder weit sein? Ich will hier den
halbanschließettden Paletot behandeln, also mit Sueon, uttd ich stelle von lsl nach U gute
3 ern, lege den Winkel bei U und U an, ziehe die Armtieflinie U—R, lege den Winkel bei
R und U an, ziehe aufwärts die schräge Linie Ri, messe an derselben aufwärts reach f Is-
Halsring— — 16 ern und 2 ern mehr-— —- 18 ern uttd für die Seitettspitze 5 ern sp. Ich muß
hier bemerken, daß das Artnloch uttt denselben Betrag größer wird wie der Hals, deshalb
auch 48 ern Armumfang.
Ich ziehe eine Linie von s nach f, tnesse aetf derselben die 18 ern, welche von R nach
f gestellt wurden als provisorische Achselbreite ab, urtd gebe der Achsel selbst 1s2 ern Bogen
zu. Die Halstiefe 7 ern, vorn an der Kante 2 ern abgestochen, nach untere 11J2 ern, und es
kann die Achsel, Armloch, Halsloch ttttd Brustkante fertig gezeichnet werden. Die» Weite des
Vorderteils unten beträgt bei Paletots, welche unter das Knie gehen, von der Uberschlags-
littie aa nach UW die über die Weste getnessetee Oberweite : 48 oder 2 ern weniger als die
über den Rock getnessene Oberweite. Bei langen Paletots bis unter den Waden werden
dieser Weite 2 ern beigegeben, resp. nichts abgebrochen. Bei Paletots, welche rtur das Knie
berühren oder schon früher abschließen, werden Z—s ern abgebrochen. Die Taschen werden
gezeichnet wie beim Sacco, 32 ern tief oder wie hier senkrecht. Der Sueon wird ebenfalls
nach den gleichen Prinzipien gezeichnet. Die Knöpfe kommen bei diesem Überschlag 10 ern zurück.
Ya- Rüchteill
Bei dieser Größe uttd einer Stoffbreite vote 69—72 ern stelle ich das Rückteil unge-
fähr bis zur Taille, ziehe zuerst die Abschlußlinie UL, messe von l. aufwärts die Länge
104 -I— 1 ern Einbug 105 ern, sogar eine Naht am Halse wird noch zugegeben. Diese Naht
lasse ich oben vorstehen uttd messe nach RR 25 ern, nach T 45 ern Taillenlänge. Selbstredend
bricht matt von den 25 ern Riickenbüste bei kurzen oder sehr aufrecht gehenden Personen 1 ern
ab, während bei solchen mit geneigter Haltung 1 ern zugegeben wird, uttd trifft hier das
Verfahren zu, wie bei dem Rock und Sacco. Bevor ich die Armlochhöhe aufwärts messe,
ziehe ich die Rückeunaht, welche bei T utn 3 ern, bei l. uttt 2 ern hereingestellt wird, dantt
lege ich die Zahl 1 bei RR an, tttesse aufwärts die Seitenspitze 5 ern, dattn 16 ern = Ixs
Artnumfang = rn.
Yie Oberleibweite.
Ich messe die Breite des Vorderteils von- U über U reach R ab : 31 ern, lege die-
selbe are der hereirtgestellten Riickettnaht RR an, tnesfe nach R die Oberweite -—- 50 ern,
wodurch der Rücken dort 19 ern breit wird. Zwischen a urtd sP wird er 1 ern breiter
= 20 ern, oben bei Irr-m = 21 ern, am Halse W Hals ——s 8 ern breit uttd 21s2 ern hoch.
Yie Anterweita
Jch messe von U über lsl ttach l-· zur Naht = 33 em, breche davon 2 ern für den
Sueon = 31 ern ab, lege diese Zahl art der hereittgestelltett Riickenttaht T an ttnd ntesse bis
E die Uttterleibweite = 46 ern, wodurch der Rücken dort 15—s—3 -—-—. 18 ern für halbweit breit wird.
Unten wird der Rücken Its der Oberweite über die Weste gemessen =16 —s—2 = 18 ern
breit. Ich gleiche Achsel und Seitenrtaht ab, zeichne die Taschen Its Oberweite-—- 33 ern vone
Armloch an tief oder senkrecht, wie Figur zeigt.
Der Schlitz irrt Riickteil kann 40— 45 ern erhalten, ttach Mode oder Geschmack Beim
Zusattemensetzert muß Punkt R des Rücketts mit dettt Punkt R des Vorderteils vereinigt werden.
Der Ärmel wird nach denselben Grundsätzen aufgestellt, wie der Sacco- Ärmel. Im
übrigen thut man am besten, matt nimmt den Rock- oder Sacco-Ärutel und gibt are den
Seitermähten, also nur an den Ellbogettrtähten 172 ern, bei starken Stoffen bis 2 ern zu,
macht die Kugel 1 ern höher, und vorne 1 ern länger und der Ärmel ist ebenfalls richtig.
—127—-

Der Paletot nach Maß.


Yas Maßnehmen.
Das Maßttehtttett geschieht attt besten auf eirtettt passenden Rock, an welchem jedoch
das Artnloch reicht zu tief seitt sollte. Mart lasse die Knöpfe am Rock zukuöpfen, streife den-
selben etwas glatt ttnd mache o htt e A p p a rat ttur mit Hilfe des Eentinteters folgendePuttkte:
Man stellt sich attf die rechte Seite des Herrn, nimmt dett Eerttittteter in die rechte
Hand, fährt tttit der linken Hand unter den rechten Arnt des Kunden, ohne den Arm deshalb
itt belästigender Weise in die Höhe zu drücken, uttd plaziert dett Eerttittteter in wagrechter
Haltung dicht unter dem Arm, macht, wo Artttlochtiefe urtd Vortritt zusattttteettlaufen, eite
Kreuzchett —s—, führt dett rückwärtigert Teil des Ecntimeters von rückwärts unter den linken
Arm, so daß das Maßbattd tvagrecht über den Rücken läuft, urtd macht auf der Rücketnttitte
einen Punkt oberhalb des Maßbattdes.
(Fig. 19).
Dieser Punkt steht nun itt gleicher Höhe mit dent Armlochtief-Punkte. Als dritten
Punkt nehme man die Höhe am Halswirbel att; ttttt die Hiiftentiefe ttttd Taillettlättge zu

Zig. 19

finden, find Punkte nicht erforderlich, da von diesen einmal gemessenen Punkten aus kein
zweites Maß genommen oder ein Punkt gesucht wird. Auch würden bei oft sorgfältigem
Abmessen dieser Punkte die geraden Taillen- uttd Hüftettlinien doch oft nicht auf der Seiten-
naht zusammentreffen Der Grund für die letztere Tatsache liegt in dem mehr oder weniger
gewölbten Rücken, weshalb es dentt auch nur eine Verbindungslinie gibt, entweder hinten an
den Armen oder an den-Hüften. .
Nach Feststellung dieser Punkte, welche mit einer geläufigete Übung und Exaktheit
ausgeführt fein müssen, schreitet mrn zum Messen selbst.
—128—

(Fig 20).
1. Maß: Man legt die Nummer 1 attt Halswirbel an, fährt mit dem Maßbattd eitr
gutes Stück tun dett Hals, hält die Ntnttttter 8 mit dettt Daumen fest uttd mißt die Armloch-
tiefe — 34 ern, datttt
2. Maß: Hüftentiefe --—-: 54 em.

Fig. 20

(Fig. 21.)
3. Maß: die kurze Riickettbiiste vottt Halswirbel bis zu dene attt Rücken gemachten
Punkt beträgt 25 em.
4. Maß: Taillettlättge = 45 em.

Fig. 21
129 —
(Fig. 22).
5. Maß: ganze Länge : 104 em.
6. Maß: die Riickertbreite mißt man, indem man die Nummer 1 des Maßbandes
auf die Mitte des Rücketrs bei derte gezeichtteten Punkte legt, dett Centinteter unter dent Arm
hindurchführt uttd die vorletzte Zahl :—— 18 ern notiert. Den Artttvortrit zu messen ist zwar

Fia. 22
nicht nötig und setzt dieses Maß eine gewisse Übung vor-aus, dettte unter zehrt Zttschtteidertr
finden sich kauttt fünf, welche dasselbe gut zu nehmen verstehen, uttd es tttrtß zugegeben werden,
daß selbst große Praktiker einer besonderen Belehrttttg bedürfen, aber dennoch will ich es
anführen, also: Artttvortritt = 31 em.

Zig. 23
(Siehe Fig. 24).
Wer die Rückenbreite weiter obere nochmals ttresfen will, kantt dieses Maß ruhig eite-
schalten und habe ich schon früher beint Rock auf die Resultate hingewiesen.
(Deutsche BekleidungssAltademie München) (Naebdrttcle verboten.) 17
—130——

(Fig. 24).
7. Maß: Man mißt dantt gleich die Ärmellänge, Ellbogen = 51 ern, Länge = 81 em.
(Siehe Fig. 2:")).

Zig. 24

(Fig. 26).
8. Maß: die Achselhöhe. Dieses Maß muß, soll necttt sich darattf verlassen können,
sehr präzis genommen werden. Matt lege deshalb die Ecke vottt Maßbattd scharf an dem-s—

Fig. 25

im Rücken an, halte es dort mit dent Mittelfittger der linken Hand fest uttd führe es etwas
lose uttd weniger über die Mitte, sondern mehr dem Arm zu über die Achfel reach der Artu-
—— 181

tiefe = 48 em. Auch dieses Kotttrolltrtaß ist nicht absolut nötig, da ja die Armlochaufs
stelluttg dasselbe ersetzt, wenn ich es aber doch anführe, so geschieht dies nur jener Leser

Fig. 26
wegen, denen dieses Maß ohnehin bekannt ist, utn zu gleicher Zeit die Richtigkeit unserer
einfachen Aufstellung mit drei Maßen zu beweisen.
9. Maß: Oberleibweite (glatt, fast stratnm gemessen) = 100s50 em.
10. Maß: Unterleibweite (ebenfalls ziemlich stramm gemessen) — 92X46 ern, beide
über den Rock — J2s46 em.
(Fig. 27).
11. Maß: Die Halsweite :- 48 em.

Zig. 32
17-
—132——

Die, Konstruktion des Vorderteiles.


(Fig. 28).

Ich lege die Ettdseite des Stoffes gegen mich tttrd liniere den abgeschnittenen Stoff
gerade uttd zwar nter obere zu zeichttett anfängt, mit der Linie RZ—Rii, wer dagegen tttttett
anfängt, was wohl bei den meisten Kollegen der Fall seirt dürfte, beginnt mit der Linie A,
mit welcher auch ich beginne. Vott A gebe ich dettt Vorderteil 7 enr Länge voraus = a,
ziehe die Linie a—UW, lege bei klein a die Länge 104
an, ntesse aufwärts nach R, lege dett Winkel att das
weggezeichrtete Ertde bei B an, rttrd zeichtte die schon ge-
nannte Querlinie RZ—Rü. Ietzt entsteht die Frage,
soll der Paletot einreihig oder ztoeireihig werden, wir
sagett einreihig ttttd ich mache deshalb den Uberfchlag
12 ern breit. Diese 12 ern bestehen atts 6em Kreuzung
oder Übertritt uttd 6 ern für Utnhiillung, Bequemlichkeit
uttd Nähte, von denen jedes einzelne 2 ern ausmacht, also
6 em. Sollte der Paletot zweireihig werden, so nehme ich
16 ern Überschlag, also 10 em Krettzttrtg urtd ebenfalls
6 em Bequemlichkeit Bei dieser Gelegenheit tttrtß gleich
bemerkt werden, daß jedes rockartige Kleidungsstück ttttr
arts folgenden Weitere sich bildet: 1) Aus der ge-
utessettete Oberweite, den besprochettett 6 enr Bequemlich-
keitszugabe für Nähte und Urrrhüllttng uttd aus dem
Übertritt oder der Kreuzung. Da nrttt durch dett Über-
schlag von bald 10 bald 12 oder 16 ern, sowohl Über-
tritt wie Kreuzung getvottttert sind, so beginnt ein für
allemal bei allen unseren Schreittete mit dern
Punkt Z die gemessene Oberleibweite. Da wir Ober-
und Unterweite beim Zufchtteideu sofort halbieren, so
verstehen wir unter Oberweite oder Unterweite stets die
halbierte Zahl, also hier 50 em.
Ich lege die Zahl 50 bei Z an, fahre mit der
Nummer 1 nach rückwärts rtttd breche bei Rü die schmale
Rückenbreite = 18 —s— 1 -—-- 19 ern ab, tteesse den Arm-
vortritt 31 —s- 2 = 33 ern = VU.
Von Z—s = Ve- Oberweite über die Weste, oder beitn Paletot W Halsweite ::—-
8 ern, bei starker Brust stellt tteatt die Halsspitze IX2 ern weiter vor, weiter zurück niemals.
Nachdem diese Punkte gemacht sind, nehme ich den Winkel zur Hand, lege denselben
bei Rii au, ziehe die Linie abwärts, lege bei VU att, ziehe die Artnvortrittslinie VU—l-l, lege
bei Z are ttnd ziehe die llberschlagslinie ZU uttd au, am Hals eine Linie zu ziehen ist utt-
nötig, sondern matt macht dort einen i· zum Zeichen, daß dieses die Halsspitze. Nachdem so
die Breitettpunkte durch senkrechte Linien gezeichnet, suche ich die Tiefpunkte. Ich will den
oberen Rückettspiegel am Halse 8 ern breit machen, das ist Ve, von 48 ern Halsweite. Da
nun das Rückteil, wie auch das Vorderteil am Halse eine Naht verliert, so lege ich die Zahl
—— 183 —-


EHIHH—U. M
Z

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27

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U j-

Fig. 28
—134—

7It2 an der Halsspitze s an, tttesse ttach U die Arttttiefe 84 ern, nach R die Hüftentiefe54 em.
Es entsteht die weitere Frage: mache ich einen Sueon in das Vorderteil oder nicht; wenn
ja, tteesse ich vort R rtach U 3 ern , bei starkem Sueon 4 ern, ohne Sueon nur 2 em, lege
dort bei U ttttd U den Winkel an und ziehe die Armlochtieflirtie UR, welche atrf diese Weise
bald gerader, bald schräger wird. Diese Linie wird durch das Zusamtttertttähett des Sueons
wieder tiefer gezogen. Die Richtigkeit dieser Lehre wird heute selbst von denen zugegeben,
welche anfangs gegenteiliger Meinung waren.
Ich lege jetzt den Winkel bei R are und ziehe die schräge Seite Ris, lege die Zahl 1 bei R
an, tttesse aufwärts eine Seitenspitze von 5 em = sp, dartrt die Riickenachselhöhe Itsem= t,
das ist der Durchmesser eines Armloches oder der Halsweite, dartrt weitere 2 ern = 18 ern = f,
ziehe von s ttach f eine kleine Linie, auf dieser Linie messe ich als provisorische Achselbreite
18 ern ab, das ist derselbe Betrag, welchen ich vote R rtach f gemessen habe, gebe der Achsel-
ttaht 1It2 ern Bogen zu uttd zeichne das Armloch fertig, wie die Figur zeigt. Das Halsloch
wird je nach dem Umfall 6, 7, 8 ern tief gemacht, vorne je nach der Breite des Urrtfalls
2—3 ern abgestochen und die Brustkante fertig gezeichnet. Die ganz untere Weite des Paletots
richtet sich reach seiner Länge. Bei einer Länge von 110-115 ern genügt von aa nach Ullll
die Oberweite weniger 2=48, bei kurzen Paletots bricht man 3—4 ern ab, bei langen gibt
matt 2 ern zu. Nachdem diese untere Weite festgesetzt ist, wird die Seitennaht fertig gezeichnet,
ebenso die übrigen kleinen Teile, welche einer näheren Beschreibung nicht bedürfen, da diese
aus der Zeichnung ersichtlich und schon öfters itt diesem Buche erwähnt wurden Die Knöpfe
kommen bei diesem Überschlag volle 10 ern von der fertigen Kante zurück.

Yas Ziiiäiteic
Ich stelle das Rückteil au der Seite des Vorderteils hinunter, geht dieses nicht mehr,
da der Paletot zu groß oder der Stoff zu schmal ist, so nehme ich den Rücken direkt über
dem Vorderteil hinweg, itt welchem Falle es gut ist, den Bruch des Stoffes gegen sich zu
kehren und so beide Teile ander Bruchseite anzulegen.
Ich messe im Bruch von l. rach lle die Länge —l— 1 ern Einbttg und die Naht
= 1051t2 em. Wer den Paletot mehr einschlagen will, gibt sowohl dem Vorder- als auch
Rückteil in der Länge mehr zu.
Ich lege die Zahl 1 eine Naht unter Rlsll an, tttesse ttach RR die krtrze Riickettbüste
———- 25 ern, nach T die Taillenlänge = 45 em.-
Ich lege die Zahl 1 bei RR an, messe aufwärts 5 ern Seitenspitze und 16 ern Achselhöhe.
Oben bei Rllll gehe ich 1 ern, in der Taille 3 ern, unten 2 ern herein und zeichne
die Rückennaht.
Den Winkel aber lege ich am Bruch an und ziehe die wagrechtete Linien aus.

Yie Oberleibweite.
Ich tttesse das Vorderteil von U über U nach R bis zur Rückennaht = 31 ern,
lege diese Zahl, ohne für Nähte oder sonst etwas abzubrechen an der-Rückennaht bei o an,
messe nach R die Oberweite = 50 ern, wodurch der Rücken dort 19 ern breit wird. Bei sP
mache ich den Rücken 1 ern breiter = 20 ern uttd bei W die schmale Rückettbreite 18—s—3-——21 ern,
am Hals 8 em breit und 2 ern hoch.
Die Anterweita
Jch messe von U über lsl nach F = 34 ern, breche 3 ern für den Sueote ab = 31,
lege diese Zahl an der· hereittgestelltete Naht bei t an, messe ttach E die Unterweite 46 ern,
wodurch der Rücken dort 15 ern breit wird. Unten bei L—U lte. Oberweite = 16 em.
—135—

Yie Ychsechäha
Ich messe von der kurzen Rückenbüfte Punkt o—oo : 25 ern, lege diese Zahl bei
der Armlochtiefe U an, tneffe nach oo 48 ern und 11t2 ern für die Nähte. Wenn besonders
viel Watte aufgelegt werden foll, so tttuß matt die Achsel erhöhen.
Beim Abgleichen der Nähte soll nicht vergessen werden, daß die Seitenspitze 2 ern
verkürzt wird, uttd was die Seitennaht zu kurz wird, muß urttete ersetzt werden. Aus diesem
Grrtttde gebe ich dem Vorderteil bei gewöhnlicher Haltung 7 ern, sehr attfrechter 8 ern und
bei geneigter Haltung 6 ern voraus. Auf alle Fälle aber tnuß ich beittt thsammensetzen die
Spitzen sP gleich nehmen. Ich würde fagett die Punkte R sollen aufeinateder oder gleich ge-
nottttttett werden, alleitt durch das Verkürzett der Seitenspitze versenkt sich auch Punkt R rtttd
matt hat keine so genaue Kontrolle, es sei denn, der Zufchneider legt die zwei Teile genau
zusammen ttttd macht bei R und itt der Taille, sowie am Gefäß noch einmal seine Punkte,
damit der Arbeiter ganz genau weiß, wie viel jeder Teil, besonders der Rücken zu ziehen
ist. Das Vorderteil darf are der Seitettrtaht nicht gezogen werden, sondern nur an der Sueounaht

per Firmeb
Ich verwende am besten einen gewöhnlichen Rockärmel dazu, indem ich denselben are
der riiektvärtigen Seite sowohl am Ober- als auch llrtterärntel 1 It2 ern weiter mache.
—136——

Der Paletot für den starken Mann.


(Seitentaschen der Länge reach mit verlegtetn 51190n).
(Fig. 29.)
Viele Zufchriftett an tttts beschäftigen sich mit der Frage, wie wird mit dettr Bauch-
fu(;-on verfahren, tvettn die Taschen der Länge nach eittgefchttitten werden.
Es ist ohne Zweifel eiet nettes Feld, wo der denkende Fachmann feitte Wissenschaft
priifen kann, dentt gar fo einfach ist die Sache nicht. Wir wollen tttttt itt rtachftehettdettt diese
Frage lösen, so gut es ohne mündlichen Unterricht geht, und ist mancher Kollege ittt Anfang
auch nicht mit utts einverstanden, fo wird er doch bei ruhigem Nachdenken utts recht geben,
dieses um so mehr, wenn er die Zeichnung in die Praxis umfetzt.
Maße zum Paletot:
Taille ——— 48
Länge = 115
Rückenbreite = 23
Ellbogen = 56
Artttlänge = 86
Oberweite 114 über die Weste
llteterweite 118 gemessen
das macht über den Rock 2 ern mehr uttd halbiert = Oberweite 59.
Uttterweite 61 gibt einen Bauchvortritt von 6 em.
Vort diesen 6 ern kommen 2t3 .= 4 enr ttach vorne, während die anderete zwei von
selbst ttach rückwärts kommen. Um diese 4 ern überspringt die Kante den Winkelrahrnen.

Die Fronftrulition
Yer Rücken
Solange der Fachmann nicht die nötige Übung hat diese Arten gleich auf den Stoff
zu zeichnen, tut er gut, eitt Papiertttodell zu schneiden.
Von Wi—RR= 27 ern das ist 21t2 ern weniger als die halbe Oberleibweite, (wer
diesen Punkt mißt, tut besser), ttach T die Taillenlänge 48, nach l. = 115 —s— 2 Eittbug =
117 ern Länge. Von RR aufwärts nach a 6 ern Seitenspitzhöhe, von RR-—w 18 ern Achsel-
höhe. Von Wi—V 9em breit uttd 2It2 em hoch, von ver-W 231t2, von a—sP 231teem, von
RR—R ;2 em, von T- -E = 20 ent, tttttert von L—U :: 20 em. Matt zeichne den Rücken ttach
Vorlage fertig.
Yas igierderteic
Ich ziehe die untersteLittieA, datttt 6 ern höher die Linie klein a—U- messe VOU klein
a—R die Länge 115, vott R abwärts die Taillenlättge 48 ern ttnd stelle dort 4em zUiÜck
einen Punkt.
Lege den Winkel bei R uttd die lange Schiene bei dent 4 ern zuriickgestelltett Punkt
an und ziehe so die Linie AZ—Rü,:welche also schräge aufwärts läuft.
Messe vott R—Z 12 ern, das fited 6 ern Krettzttrtg uted 6 ern für Bequemlichkeit ttrtd
Nähte. Lege das Maß der Oberweite = 59 bei Z art, breche bei Rü die Riickenbreite weniger
sälllslolls
slssllllllll

J- Z- L

Fig. 29

(Deutfche BekleidungssAleadentie München.) eNachvrucle verboten.)


—138—

1 ern = 22 ent ab, diese Linie abwärts gibt R. Vott Ril—Vo Ite Oberweite rund 15 —f— 1
:16ent gibt den Armdurchttresfer oder Armvortritt. Bei Dickbäuchen wird der Betrag von
Ver-Z halbiert hier 21=101t2 ern, gibt die Halsspitze s. Matt ziehe von Rii, dantt von Vo
ttttd Z Linien abwärts.
Messe von Ver-U Its Oberweite weniger 21t2=27 em Armtiefe, bis R =48 ern Taillen-
länge, mache mit der Seitettlänge einen kleinere Zirkelzteg uttd tttefse von U—U 3 em, ziehe
über diese 2Punkte eine Taillett-Linie, welche etwas schräge abwärts läuft urtd FOR ttttd Ut
mit einander verbindet. Lege den Winkel bei U uted U an, ziehe die Arttttiefe bis R, lege bei
R uttd U an, ziehe toagrecht die Brustbreite :—— U --— Ub.
Unten nteffe von a— aa -:—- 12 ern wie oben, datttt von aa—Ultll die Uttterleibtveite
= 61 ern, ttnd ziehe von Ul« über R eine schräge Verbittduttgslittie bis f hinaus, ttteffe von
R—t ltsArmumfang welcher bei dieser Größe ungefähr 54 ern beträgt = 18 ern nach klein f
2 ern mehr = 20 ern Vorderteils-Achselhöhe. Die Vorderteils-Achselläuge wird 1 ern schmäler
als die Rückettachsel 18 ern breit uttd jetzt kantt Achfel uttd Armloch fertig gezeichnet werden.
Die Seitenspitze wird 6 ern hoch, gibt sP. Das Halsloch 8 ern tief und Z ern über
die Linie Z vor gibt lr, Kragenfchluß, dartte 6 ern Kreuzung. Auch von Ud mißt tnate noch-
tnals 6 —f— b« = 12 enr vor gibt die Kante. Am Bauch mißt matt zurück 6em Kreuzung und
6 ern für Bequemlichkeit und Nähte gibt Ut.
Man zeichne das Vorderteil fertig, wie die Figur zeigt.
Die Abgleichttttg der Seitenttähte darf jetzt noch nicht vorgenommen werden, sondern
erst wenn die Stteouieruug vollzogen ist.
Man zieht vom Armloch are nach T einen geraden Strich, welcher 12—14 ern unter-
halb der Tailletttiefe geht uttd schneidet denselben ein, auch wird das Vorderteil jetzt heraus-
geschnitten.
Yie Hueonierung
(Fig. 30.)
Matt schneidet das Vorderteil von U—l-l ein, legt die Kante bei Vo fo weit über-
einander, bis dieselbe ziemlich gerade ist, dadurch springt der Eittschttitt bei U 2—3 ern aus-
einander uttd ttrate zeichnet den Bogen von a—T reichlich weit hinaus. Das Seitenteil aber
tteuß gehöhlt uttd dantt stark gezogen werden, art der Seite bei Ta 2 ern übereinander gelegt
uted soviel iiberbrückt werden, als das Seitettteil innen bei st gehöhlt wurde. Wer einmal geübt
ist, schneidet den Eittschttitt vom Arm aus ttach T gleich itt eittettt mäßigen Bogen. Selbst-
redend muß der Bogen am Vorderteil von a—T gut einlifsiert tttrd alle Weite nach lsl ge-
trieben werdeu. Ietzt gleiche man die Seitertnähte ab.
Ärmel uttd Kragen schneide man wie sonst auch.
— 139 —

Zig. 30 18-
— 140 —-

Der zweireihige Bauch-Paletot.


(Fig. 31).

Der Übertritt bei dent zweihreihigett Paletot besteht aus 10 ern Kreuzung —s- 6 ern
Nähte und Bequemlichkeit, demnach im ganzen aus 16 em.
Die Aufstellung ist dieselbe, wie solche schon bei dettt einreihigen Paletot beschrieben
wurde, nur kommen diesmal die geteottttttettert Körpertttaße zur Anwendung, swie ich solche
schon erklärt habe. Ich betone ttttr nochmals, daß, je stärker der Bauch ist, desto mehr tttttß
der Winkel utttett hereingestellt werden, auch ttutß der Ausschttitt im Tafchetteiugrisf dadurch
immer größer werden.
Maße: Artnlochtiefe = 36 em, Hiiftetttiefe 156 em, kurze Rückerebiiste — 27 ern,
Taillenlänge = 47 ern, ganze Länge = 110 ern, schmale Rückenbreite = 21 ern, Armvor-
tritt = 35 ern, Achselhöhe = 52 ern, vordere Ärtttellänge = 48 ern, Halsweite 54 ern,
Oberleibweite 112 ern = 56 ern, Uttterleibtveite 120 ern :- 60 em über den Rock gemessen.
Die Nähte fittd felbftredettd bei allen auf Stoff zu zeichttettdete Kleittngsftiickett schon zugegeben.
eac-
Ito

Zig. Zl
—142—

Der glockensörmige Paletot


(attch Ulster genannt).
(Fig. 32.)

Dieser Paletot findet immer mehr Eingang, so daß wir utts gezwungen fühlen, den-
selben auch hier, ttttd zwar itt neuester Form, zu publizieren.
Die Schreittkottstruktiote ist nach proportionalettt System nach folgenden Maßen in
lt.--. ttatürlicher Größe ausgeführt: Taillenlärtge 46em, ganze Länge 110 em, Riickettbreite 20 ern,
Ellbogen 54 em. Ärtttellättge 84 ern, Oberweite (über die
Weste gemessen) 96 em, Unterweite (über die Weste gemessen)
88 ern, Gesäßweite 100 em. Körperhaltung gewöhnlich,
aber etwas starke Schulterblätter.
Dieser Paletot ist gleich direkt auf Stoff zu zeichnen,
deshalb beginne ich mit dem Vorderteil, weil ich von untere
ttach obett zeichne. Wer von oben herunter zeichnet, kann
mit dent Rücken beginnen.

pas Vorderteil.
Die unterste Linie ist A und bedeutet den abge-
fchttittenett Stoff.
Die Linie klein a—UW steht 6 ern höher, um diese
6 em wird das Vorderteil vorne länger als das Rückteil.
Ich lege die Zahl 110 bei klein a an, messe nach R
uttd mache über die Zahl 1 einen Punkt.
Ich lege den Winkel bei R an der Stoffkante an uttd
zeichtte eine Linie bis Rü. ·
Es kommt die Frage, soll der Paletot ein- oder zwei-
reihig werden? «
Bei zweireihig gibt man 16 ern, bei eittreihig 12 bis
13 ern Gefattttüberfchlag.
Da dieser Paletot einreihig urtd von ziemlich schwerem
Stoffe ist, nehme ich 13 ern vortt U—Z. Lege bei Z die
Oberleibweite 48 —f— 2 für über den Rock = 50 em an,
breche bei Rü die getnesfette Rückettbreite 20 weniger 1 =
19 ern ab, von Rü—Vo Ite Oberweite 12 —s— 2 = 14 ern
Armdurchmesfer. Von Z—s = lte; Oberweite weniger 1 = 7 em. Matt ziehe die senkrechtett
Linien von Rü, Vo ttttd Z.
Die Armlochtiefe von Vo—U lts von 50 = 25 —f— 1 = 26 em. Taillen- oder Hüften-
tiefe 46 ern bis l-l.
Zwischen lsl und U lege tttatt 2 ern mehr Weite, gibt auf der Hüfte Z, weiter untere
schon 4 em.
Lege den Winkel bei U unten diese 2 ern schräge bei U an uttd ziehe die Arnttiefe
von U—R, wo die Linie Rü getroffen wird.
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—143—

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Glocltettförtniger Paletot, its natürliche Größe.


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t -·I IO t ,
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ENXWQWWOTY xxw . sz
— 144 —-

Lege den Winkel bei U ttttd lsl an, ziehe wagrecht herüber die Brustbreite.
Lege das Litteal bei U JF lsl au,» ziehe etwas schräg abwärts die Taillenliuie.
Messe unten von a—aa 13 em Uberschlag wie oben, von aa——UW die Oberweite über
dett Rock 50»—I—2 = 52 ern, ziehe von Ul« eine schräge Hilfslittie über R—f, rttesfe von
R 1t.-- der Oberweite aus 48—16 gibt rn, 2 ern dazu = 18 ern, gibt die Vorderteilsachfel-
höhe = f.
Ziehe von s—f eine Linie, tttesfe von s gegen f die provisorische Achselbreite : 18 ern,
mache das Halsloch 7em tief uttd zeichne Hals, Achfel uttd Arntloch fertig, ebenso die
vordere Kante.
Die Heitennahi.
Ie weiter ein Kleidnttgsstiick dieser Art wird, desto mehr macht matt die Naht unter
den Arm hinein, wodurch die Seitettspitze immer kürzer wird.- Hier ist die Spitze knapp
11t2 enr hoch nted Ra von R alt-z em hereingestellt.
Zeichne die Seitettttaht ttach Vorlage fertig, ebenso die Taschen rtnd das Vorderteil
ist vollendet.
Das Ziüäiteic
Von lle gegen V 71t2 ern breit uttd 2 ern hoch. Von lle bis RR = 251t2 ern,
bis T 46 em Taillenlänge, bis l. 110-f—2 ern Eittbttg = 112 ern Länge.
Bei T gehe Zern herein rtttd ziehe eine Linie von III-U, tttesfe von RR—tn 16 ern,
das ist der Betrag von R—rn am Vorderteil. Lege dett Winkel an der hereingestelltett Linie
an und zeichne die tvagrechten Linien.
Die Weite.
Messe von Ult zurück bis Ra = 271t2 ern, lege diese Zahl an der hereitegeftelltett
Rückenlittie bei RR an, ntesfe bis sP die Oberweite 50 weniger 1 = 49 ern, deshalb 1 ern
weniger, weil im Artttloch kein Sueote gemacht wird. Von m—W die Rückenbreite 20 —1- 1
= 21 em. Die Taillentoeite wird rtur bei Dickbauch nachgemesfen, damit sie nicht zu eng wird,
bei gewöhnlichen Größen ift es unnötig, da die Taille weiter seitt muß.
Dagegen muß das Gefäßmaß eittgehaltett werden. Matt mißt von R—PP, indem
man den attschraffiertete Betrag an der Hüfte überspringt, legt die gewonnene Zahl bei U, der
hereingestelltete Linie, an, rtttd mißt 50 —f— 1 = 51 ern Gesäßweite Von L—U die halbe Ober-
Weite = 25 em.
Man zeichtte den Rücken, wie Figura zeigt, fertig, gleiche Achfel ttttd Seitettnaht ab.
Der Knopf kommt 10 ern von der Kante an zurück.
Als Ärtttel verwettde matt einen Rockärmel und gebe rückwärts sowohl dettt Ober-
als auch dettt Unterärtttel 2 ern, der Kugel aber l em zu.
—145—

Sacco nach Maßen.


Diese Maße sind die gleichen wie bei dem Paletot, blos über die Weste genommen.

Das einreihige Sacco nach Maßen.


Maße: Hüftentiefe -— 54 em, Seitenlänge -:—- 22 ern, kurze Rückenbüste = 24 ern,
kurze Taille ::- 45 ern, Länge :-: 75 em, Rückenbreite, schmale s-—-—— 18 ern, Armvortritt :——:
801X2 ern, kurze Achselhöhe —- 46 ern, Ärmellänge = 48 ern, Halsweite (48 em), Ober-
nseite — 100 -— 50 ern, Unterweite —-:--· 92 :-—— 46 ern, Gesäßweite -—-.-- 102 : 51 em.

Ich habe hier also die kurze Achselhöhe gemessen, wer die lange Achselhöhe nimmt,
das heißt von der Taille an, erzielt ganz genau dasselbe Resultat.
Im übrigen muß ich hier ausdrücklich bemerken, daß diese Zeichnung nur für Fach-
leute bestimmt ist, welche ganz auf der Höhe der Zeit stehen, Zuschneider, welche noch schwach
sind, macht diese Aufstellung stets Kopfzerbrechen.
(Deutsche BekleidungssAlcademie München), (Nachdruclc verboten). 19
— 146 —-
Feonstrutitiou des Yorderteice5.
(Fig. 1«)
Ich ziehe die Linie A und 5 ern höher die Linie klein a, lege bei klein a die Länge
75 ern an, messe aufwärts nach B und ziehe eine Winkellinie. Es frägt sich jetzt, soll das
Sacco einreihig oder zweireihig werden.
Bei einreihigem gebe man für ein sehr bequemes Sacco 10 ern, bei zweireihigenr
14 ern Überschlag nach Z, selbstredend hängt dieses wiederum davon ab, ob die Knöpfe sehr
weit zurückkommen sollen.
Man lege jetzt die Oberleibweite 50 ern bei Z an, so daß die Nummer 1 über Rii
hinausragt und breche die gemessene schmale Rückenbreite 18 —1- 1 = 19 ern ab, ergibt den
Punkt Ril, dann messe ich nach Vo 301X2 —s— 2 = 321X2 ern Armlochvortritt.
Von Z—s = W Oberweite = 872 ern, gibt die Halsspitze.
Jch lege den Winkel bei Rü an, ziehe die senkrechte Linie Rü, R—ll, dann die Arm-
vortrittslinie Ver-H und die Oberleibweiten-Linie Z—U.
Nachdem die senkrechten Linien gezogen sind, gehen wir zu den Tiefpunkten.
Ich mache den Rückenspiegel am Hals wieder W der Halsweite von 48 = 8 ern
breit. Da mir durch die Naht Vg ern verloren geht, so lege ich 71X2 ern bei s an, messe
nach der Vortrittslinie die Hiiftentiefe 54 ern = Isl, von lsl an aufwärts 22 ern Seitenlänge-,
gibt die Armtiefe D.
Ich ziehe von l) aus mit der Seitenlänge U—U einen kleinen Zirkelzug nach vor
und rückwärts, lege das Lineal bei l·l etwas schräge an, so daß U etwas tiefer kommt und
ziehe die Taillenlinie. (Diese Richtung geht von c über l-l.)
Man gehe jetzt bei gewöhnlicher Haltung 5 ern über U vor, gibt die Mittellinie oder
Kreuzungslinie Ini, dort lege man die Unterweite 46 ern an, breche bei hi die Weichenbreite
24 ern ab, und messe von til-c 5 em, das sind 3 ern für die Bequemlichkeit und 2 em Sueon
Auf diese Weise habe ich, gleich wie beim wissenschaftlichen Sacco festgestellt, um wie viel
der Winkel schräge angelegt wird, für die Armlochtiefe cll—R.
Man lege· den Winkel auf der Armtiefe an, ziehe aufwärts die Linie R—f, an welcher
man bis t = 16 ern, bis f = 18 ern mißt. Zieht von s—f eine schräge Achseiliuie, macht
auch hier die Achiell71s2 ern provisorisch breit, das Halsloch 7 em tief und Z ern vor bei lr,
dann mißt man von 0 ebenfalls 6 ern vor, gibt die Kreuzung mi, unten stellt man das
Vorderteil wieder 11 ern von 0—UW.
Ich verweise jetzt auf Fig. 2, Seite 149.
Die Seitenspitze kann wieder nach Belieben hoch gemacht werden; hier 4 em.
Man zeichne das Vorderteil fertig und gebe vorne an der Kante oben 4 ern, unten
31X2 ern Überschlag Die Rundung oder den Abstich nach Mode oder Wunsch des Kunden. Im
Tascheneingriff schneide man 1 ern heraus, ziehe das Seitenteil gut V- em, so daß man das-
selbe oben 11-2—2 ern kürzen kann.
Yer Büchern
Man messe von l.l-l nach W hinauf die Länge und 1 ern Einbug und die Naht, lege
die Zahl 1 eine Naht unter HW an, messe nach RB die kurze Rückenbüste 24 ern, nach T
die Taillenlänge 44 ern.
Man lege die Zahl l bei RB an, messe aufwärts nach a 4 ern Seitenspitze nach
m Vs Armumfang = 16 ern, ohne Ratte aber nur 15 em. Man lege den Winkel am
Bruch an, ziehe die wagrechten Linien und stelle die Naht oben 1 ern, in der Taille 272 ern,
unten 1 ern herein, man hat dadurch stets einen kleinen Einschlag
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Yie Oberleibweite.
Man messe von 0 über D nach R, lege den Betrag an der Rückennaht an und messe
nach R die Oberweite =: 50 em, wodurch der Rücken dort 19 ern breit geworden ist. Bei
sP gibt man dem Rücken 1 ern zu 20 em und zwar aus folgendem Grunde: Die Seiten-
spitze des Vorderteils sP liegt um 1 ern weiter nach innen von der Linie R —f, als die
Seitennaht bei R selbst. Oben bei W macht man den Rücken, wenn derselbe eine Naht
rückwärts bekommt, breit, = die schmale Rückenbreite -s— 3 ern, das ist hier 18 —s— 3 -——-- 21 em.
Am Halswirbel von lle gegen V Ite Halsweite = 8 ern und gut 2 ern hoch.
Yie Anterceiöweite.
Es ist ganz gleich, ob man von rni, das ist von der Kreuzungslinie an mißt und
den Betrag von tsi —c überspringt, oder ob man gleich wie bisher, von Punkt U an uach F mißt.
Um den Leser nicht zu beirren, messe ich wieder von U—F = 34 ern, davon 2 em
ab für den Sueon, oder wenn man mir sagen will, der Sueon ist ja schon berechnet, für
die Nähte verbleiben 32 em. Diese 32 ern legt man bei T, der hereingestellten Taillenuaht
an und mißt nach E die Unterweite 46 ern, wodurch der Rücken dort 14 ern breit wird.
Unten macht man den Rücken 1 ern breiter = 15 ern, so daß diese 15 ern und die 1172 em
vom Vorderteil, die V2 Oberweite 25 -s— 11X2 em für die Nähte ausmacht.
Man zeichne den Rücken, wie die Figur zeigt, fertig, gleiche die Achsel und Seiten-
naht ab und es bleibt nur noch übrig, die Achselhöhe zn kontrollieren.
Yie Ychsechöha
Ich habe die kurze Achselhöhe gemessen = 46 em. Ich lege nun die Zahl 1 an
der hereingestellten Rückennaht bei RB an, messe nach 00 = 24 ern, lege diese 24 ern bei U
der Armlochtiefe an und mefse nach 00 = 46 em.
Hier stimmt zwar das Maß, allein damit ist nicht gesagt, daß es immer stimmt und
man muß eben im anderen Falle die Achselnaht regnlieren, ganz gleich ob man die Auderung
am Rücken oder Vorderteil vornimmt.
Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht unterlassen, zu bemerken, daß, wo immer die
Armtiefe richtig gemessen wurde, die Achselhöhe unbedingt stimmen muß« denn die Abwicklung
des Armloches, wie ich sie vorführe, gibt die Achselhöhe ganz von selbst.
Es ist ans diesem Grunde leicht ersichtlich, weshalb ich die Achselhöhe, sowohl am
Vorder-, als auch Rückteil, stets von der Tiefe des Armloches aus aufwärts berechne, wo-
durch wieder eine nur von mir zuerst erfundene Eigeuheit zu Tage tritt, welche meine
Theorien beweist.
Eine hohe Achsel gibt einen kurzen Hals und lange Seitenlänge, eine niedere oder
abhängende Achsel einen langen Hals und kurze Seitenlänge
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—150—

Das einreihige Sacco mit schrägen Taschen


nach 5 Maßen.
(Fig. 3.)
Maße: Taillenlänge -——-»44 ern, ganze Länge =- 74 ern, Oberleibweite = 9H ern,
Unterleibweite = 88 ern, vordere Armellänge — 48 ern, Halsweite — 45 ern-. Wer den Armel
gerne von rückwärts mißt, nimmt 19 em Rücken, 52 em Ellbogen, 81 ern Armellänge.

Honfttulition
Ich ziehe die untere Linie A, dann gebe
ich dem Vorderteil 5 em voraus die Linie
a—Wi, lege die Länge = 74 ern bei klein a
an, messe dieselbe aufwärts, gibt B. Nun lege
ich den Winkel bei B au und ziehe die obere
Linie B—Rü.
Ich«gebe dem Rock und Sacco vorne im
ganzen 10 ern zu, d. h. 6 ern für Nähte und
Bequemlichkeit und 4 ern für Kreuzung. Da
ich uun mit der Stoffkante, welche doch zugleich
die vordere Kante vom Sacco bildet, beginne,
so messe ich von B—Z 10 ern, welche alle Zu-
gaben enthält, und von Z an beginnt jetzt die
Oberleibweite oder besser gesagt, bei Z findet
dieselbe ihren Schluß.
Da ich den Rücken ganz für sich allein
zeichne, an einem Platz, wo er sich am besten
anbringen läßt, so streiche ich den Rücken vom
Oberleibweitenmaß ab.
Ich lege die Oberweite = 48 ern bei Z an,
lasse die Zahl 1 nach rechts gehen, und breche
bei Rli die schmale Rückenbreite aus 48 = 18
—s— 1 = 19 em ab.
Dieser 1 ern ist für die Naht im Rücken
nnd an der Seite. Von Eli-V —- Vr Ober-
weite = 12 —s— 1 für die Sneonnaht = 13 ern
gibt den Armvortritt, von Z—s = Its Hals-
weite —: 7V2 em is:: weniger 1X2 ern für Naht
= 7 ern, gibt die Halsspitze.
Damit wären die Breitenpunkte angelegt. Nun ziehe ich die Linie abwärts, nur bei s
braucht man keine Linie.
Tiefpunkte
Von V—0 = V- Oberweite = 24 ern gibt die Armtiefe, von V—H die Taillenlänge
= 44 ern, gibt die Hüftentiefe. Ich ziehe nun mit der gewonnenen Seitenlänge ll—l-l eiueu
kleinen Zirkelzug nach c.
—151—
Von diesem Zirkelzug ans messe ich von ist-c 3 ern bei gewöhnlicher Körperhaltung
Ich ziehe von c über l-l eine etwas schräge Linie, welche die Taillenlinie darstellt,
wodurch PunktU entsteht, lege den Winkel bei U—U an, ziehe die Brustbreite, wodurch Punkt

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Fig. 3

0 entsteht, lege den Winkel auf der Innenseite bei D—c an, ziehe die Armtiefe U—R, lege
den«Winkel bei R—l) an, ziehe aufwärts eine kleine Linie, welche das Armloch ein-
schließt —»—— R—if.
Ich messe von R—t ——- 15 ern bis if 2 ern mehr -—— 17 ern Achselhöhe, d. i. Vs Hals-
oder Armumfang und 2 ern.
—152—

Ich ziehe eiue gerade Linie von s—ik’ mache die Achsel des Vorderteils provisorisch
17 em breit, d. i. der gleiche Betrag von R—fi’ und erst nachdem ich den Rücken fertig gezeichnet
habe, gleiche ich die Achsel ab.
Die Seitenspitze kann ich beliebig hoch machen, hier 5 em.
Das Halsloch mache ich hier bei langem Umfall 8 ern tief und zeichne die Kante.
Unten bei 0 stelle ich die Seitennaht nach Wi um 11 ern hinaus, doch ist dieser Be-
trag einer bestimmten Zahl nicht nnterworfen, sondern reguliert sich nach der unteren Breite
des Rückens, denn der Rücken nnd diese Hinausstellung müssen die halbe Oberweite und Nähte,
also 24 —s— 2 s 26 ern ausmachen.
Nachdem ich so sämtliche Punkte markiert habe, zeichne ich das ganze Vorderteil fertig,
indem ich der Achsel 11X2 em Bogen zugebe, die Seitennaht mäßig schweife, die vordere Kante
gerade lasse. Wer einen kleinen, bei größerer Faeon größeren Sneon am Hals hineinmacht,
tut gut, nur muß derselbe vorne wiedeerugegeben werden.

Yie Taschen
Die Taschen sind hier schräg eingeschnitten und ist der Eingriff 15 ern lang.
Die Brusttasche ist, wie ersichtlich, anzubringen.

Yas Yürkteic
Ich lege die Länge 74 —s— 175 ern bei L an, messe aufwärts 1 ern und gebe die Naht
noch zu, gibt Punkt lle den Halswirbel, lasse eine Naht oben vorstehen, messe abwärts nach
RB die halbe Oberweite, das ist die Armtiefe-—- 24 em, nach T die Taillenlänge 44 em.
Man lege die Zahl 1 bei RB an, messe aufwärts öem Seitenspitzhöhe-·sia, dann
Its Armumfang-:15em, Achselhöhe -- rn, beide Punkte von RB aus.
Was von m-—l-IW übrig bleibt, kann als Hals- oder Nackeulänge gelten.
Ich gehe am Halswirbel lle l ern, in der Taille 2em, unten 1em herein und
zeichne mäßig geschwungen die Rückennaht.

Yie Zseite des Rücken-.


Es kommt ganz darauf an, wie man die Seitennaht des Vorderteils gezeichnet hat,
ist man mit derselben bis auf den Punkt R heraufgekommeu, so wird der Rücken die abge-
brochenen 19 ern breit, ist man über R herausgegangen, was bei einer noch höheren Seiten-
spitze leicht vorkommt, so wird der Rücken schmäler, macht man aber die Seitenspitze wieder
nur ca. 2 ern hoch, so kommt man mit der Seitennaht nicht bis R hinaus und der Rücken
wird demnach breiter.
Um nun ein für allemal sicher zu sein, messe ich von o, das ist der Oberleibweiten-
Punkt, über D nach R -—- 29 ern, lege die Zahl 29 an der hereingestellten Rücken-
naht bei RB an und messe nach R die knappe Oberleibweite 48 ern, ohne jede weitere
Zugabe. Dadurch ist der Rücken bei R 19 ern breit geworden. Bei sP nehme ich 1 ern mehr
20 ern, oben von rn—W die schmale Rückeubreite 18—s—8 21em.
Wer etwas Watte auf die Achsel legt, ungefähr dreimal, muß auf der Höhe des
ersten Punktes bleiben, wer aber keine Watte anflegt, muß den Schluß nach Punkt W 1em
tiefer stellen, d. h., er darf von RE— m nicht 15 ern, sondern 1 ern weniger, nur 14 ern nehmen.
Am Halse von III-V = der Rücken IXe Halsweite We ern breit und 2 ern hoch.
—153—

Yie Anterkeibweiie
Ich messe von U über lsl nach l-· ---—- 32 em, breche für den Sneou 2em ab =30 ern,
lege diese Zahl an der hereingestellten Rückennaht bei T an und messe nach I-· die Unterleib-
weite -—-: 44 ern, wodurch das Rückteil in der Taille 14 ern breit geworden ist. Unten messe
ich am Vorderteil den Betrag von 0—Wi nochmals ab —--: 11em, lege diese Zahl an der
hereingestellten Naht P—l. an, messe nach U die halbe Oberweite 24—s—2, für die Nähte
26 ern, wodurch der Rücken dort 15 ern breit wird.
Man zeichne jetzt den Rücken fertig, wie die Figur zeigt.
Man muß die Achsel- und Seitennaht des Rückens abmessen, die Vorderteilsachsel
Vg em schmäler, das Seitenteil aber 1 ern länger machen, weil der Rücken an der Seitennaht
1 ern gezogen wird.

(Deutsche Bekleidungslekademie München.) (Nachdrucle verboten) 20


—154—

Das Sacco zusammengestellt


Wicht direkt auf gekoffJ
(Fig· 4-)
Wenn ich das Sacco zuerst nach dem System zeichnete, wie es direkt auf den Stoff
gezeichnet werden kann, so hat mich dabei die Erfahrung geleitet, daß es eine große Zahl
von Fachleuten gibt, welche diese Methode allen anderen vorziehen. Es ist ja damit nicht
gesagt, daß man gleich auf den Stoff zeichnen muß, sondern es steht jedem frei,«-die Zeichnung
erst auf Papier zu bringen und dann das fertige Muster auf den Stoff zu legen.
Allein in diesem Falle ziehe ich es vor, die Zeichnung vom Vorder- und Rückteil
zusammenzuhängen gleich wie beim Rock.
Der Vorteil des Modellschneidens beim Sacco besteht dann eben darin,
daß man die Sneonierung bequemer machen und die Teile nach Belieben drehen kann.
Diese Experimente werden auf unserer Schule so ausführlich und leichtverständlich
behandelt, daß dieselben jedem Schüler vollkommen verständlich sind.
Auch sei ausdrücklich bemerkt, daß man diese Zeichnung sowohl proportional, also mit
nur 2—3 Maßen, als auch mit ganzer oder teilweiser Körpermessung aufstellen kann.
Die vorliegende Zeichnung ist nach folgenden Maßen ausgeführt:
Taillenlänge 44 em, ganze Länge 74 ern, Oberleibweite über die
Weste gemessen 96 = 48 ern, Unterleibweite 88 = 44 em.

Honstrulitiom
Ziehe die Winkellinie A—Z und A—l..
Von A—B die IX2 Oberleibweite aus 48=24 ern, nach Ta 44 ern Taillenlänge, nach
l. 74 ern ganze Länge G ist 12 ern unter Ta.
Man ziehe die wagrechte Armtiefe von B-—0d, dann die Taillenlinie von Ta—Ut,
dann von 6—N, dann eine kurze Linie von L—U. Von A—W = 7 ern breit und 2 ern
hoch gibt die Halskurve. Stelle die Rückennaht bei Ta 11X2, bei c- Ve ern herein.

Oberleibweite.
Von B—rli 18 —1- 1———19 em Hinterteil, bis R— — 20 ern Rückenbreite.
Von B—A 20 —s— 12———33 ern Armvortritt, dann bis Ob 48 —s— 6—
— 54 ern Oberweite.

Yie Zlnterceibweite
Messe von der geraden Winkellinie den Armvortritt nochmals nach Wo, und
verbinde Wo mit At, das ist die kurze Seitenlinie.
Von We bis Isli messe 5 ern, daß sind Zem B.qu:mlichkeit und 2em für den Sueon
Erst jetzt ziehe von lsli über At die lange Armvortrittlinie, gibt nach oben den Punkt
Vo, nach unten gl.
Da die Unterleibweite 44 ern aus der Weichenbrefte = 23 ern und Bauchbreite = 21 ern
besteht, so lege die Zahl 23 bei l-li an, und messe nach Ut = 44 em.
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Yie Hat-spitze
Man messe von ob zurück, erstens die 4 ern Bequemlichkeit, dann Ve Halsweite Wz em,
ab 1X2 em = 7 ern, zusammen 4 —s— 7 = 11 ern, gibt x. Wer die Halsweite nicht be-
rechnen kann, nimmt statt Its Hals- Ve Oberweite weniger 1 ist ebenfalls 7 em.
Man mißt nun den Betrag von x—At = 11 ern und stellt diese 11 von Vo nach s,
gibt die Halsspitze, von s-—Z = 7 —s— 2 = 9 em. Zeichne von Z über 0d nach Ut die
Brustmitte. Lege den Winkel bei Ut so an wie die Zeichnung angibt und verlängere die
Brustmitte bis VL. Das Halsloch von Z-—h : 7 ern tief.

Yrmkoch nnd Ychsell


Von R nach F hinan eine Winkellinie, welche Its Oberweite — 16 ern hoch wird,
dann von V über F eine Achsellinie, welche bei n 1 ern tiefer steht nnd auch 1 ern breiter wird.
Das Nachmessen von c--—-n, dann von D-—r ist ganz überflüssig.
Man ziehe von s eine Linie nach F, messe die Länge der Rückenachsel ab und mache
die Vorderachsel 3X4 em kürzer und rücke dieselbe nach n 11X2 ern ein.
Man zeichne jetzt Achsel und Armloch fertig.
Die S eitenspitz e kann nach Belieben hochgestellt werden und beträgt hier 5 em— r.
Der Rücken mißt in der Taille von Naht zu Naht 15 ern im Gefäß und unten bei l.
16 em. Man lege die Zahl 15 bei VVo an und messe nach F 23 und 2 für die Nähte
; 25 ern Weichenbreite
pas Gefäß
Das Riickteil bei R von Naht zu Naht mißt 16 ern, diese 16 ern lege bei R an
und messe nach PP 50—s—6 ; 56 ern Gesäßweite Das heißt, weil die Gesäßweite nicht gemessen
wurde, nimmt man 2 ern mehr als Oberleibweite an —- 50 ern Gesäß, dazu 6 ern für Nähte
und Bequemlichkeit — 56 em. Man zeichne die Seitennaht des Vorderteils recht sorgfältig,
besonders von der Taille F über PP nach UVV einen schönen Bogen, verlängere das Vorderteil
um 2 em, damit man das Seitenteil kürzen, den Rücken aber etwas strecken kann.

Yie vordere Hänge


Messe von s—U iibertrage das Maß nach gl, oder man mache das Vorderteil 4em
länger als den Rücken. Die Kreuzung oben 4, unten 31X2 em.
— 157 —-

Verwachsene Personen.
(Fig. 1).

Einleitung.
Es gibt viele Fachleute und auch Zuschneidelehrer, welche behaupten, die Figuren der
verwachsenen Personen lassen sich mit den Schneidertnaßen nicht richtig wiedergeben uttd es
gebe kein System, welches in dieser Beziehung Klarheit geben könnte.
Es ist allerdings wahr, daß, weuu der ungeübte Fachmann verwachsene Personen be-
trachtet und diese Figuren in sein Zuschneidesystem hineiustellt, ihn ein kleines Grauen beschleicht,
umsomehr wenn er gewohnt ist, mit nur wenig Maßen zu arbeitete und sich auf sein Glück
und Augenmaß verlassen muß. Selbst jenem Fachmann, welcher nach einem System schneidet,
das ausschließlich aus Quadratfeldern besteht, ergeht es nicht besser. Wenn ein Zuschneider
oder Zuschneidelehrer behauptet, jeder Körper lasse sich in Vierecken oder Quadratlinien ein-
teilen, so beweist er nur, daß er nicht auf der Höhe der Zeit steht. Damit soll indes nicht
gesagt sein, daß er tnit Hilfe von Quadraten keinen passenden Rock für einen verwachsenen
Mann liefern kann, sondern daß er diesen Rock hauptsächlich seineut praktischen Abänderungs-
verfahren zu verdanken hat. Nun liegt aber zwischen praktischen Abänderungen uttd mangel-
hafter Theorie eine langjährige Tätigkeit alsZuschneider oder Meister, eine Tätigkeit, die detn
Anfänger fremd und unbekannt ist, eine Tätigkeit, an welche der erfahrene Geschäftsmann mit
Grauen und Schrecken zurückdenkt, weil sie ihm alle jene schmerzlich empfundenen Irrungen und
qualvollen Stunden zurückruft, welche ihm seine Arbeit verbitterten und sein Leben sauer machten
Deshalb beruft sich auch der Fachmann mit Stolz auf seine langjährige Praxis, weil er glaubt,
es gibt keine Wissenschaft, welche dem Nachfolger über diese Täuschungen, Irrungen und Müh-
seligkeiten hinweghilft. Es gibt aber ein Wissen und Können, welches ihn wenigstens zum großen
Teil darüber hinweghilft, es frägt sich blos, ob er sich der fleißigen Arbeit unterzieht, diese
Wissenschaft zu erlernen und sich des Könnens auf leichte, einfache Art zu bemächtigen. Es hat zu
jeder Zeit fleißige, strebsameZnschneider nni Meister gegeben und gibt es noch, deren größter
Stolz es war, der Zuschneidekunst so recht auf den Grund zu kommen und welche dieses Ziel
auch erreichten. Es hat aber noch zu keiner Zeit so viele gute Gelegenheit gegeben, dieses auf
Schulen zu erlernen, als jetzt, und es ist durchaus keine Uberhebung, wenn ich sage und be-
haupte, daß gerade die ,,Deutsche Bekleidnngs-Akademie München« (M. Müller cir Sohn) am
eifrigsten bestrebt ist, Licht zu verbreiten und ihre praktischen Wissenschaften der Fachwelt zu
unterbreiten. Die vielen lobenswerten Anerkennungen, die mir fortwährend zugehen, beweisen
zur Genüge, daß mein System fleißig studiert und probiert wird. Freilich so leicht ist die
Sache nicht, daß man nur ein paar Zeilen zu lesen braucht, oder nur die Zeichnung betrachten
darf, um so schon klug daraus zu werden. Wer dieses jemals von mir oder einetn andern
erhosft, ist eben kein Schneider, auch dann nicht, wenn ihm das Glück die Früchte des Gewerbes
mühelos in den Schoß wirft.
—158——

Um nun sowohl den jüngeren wie älteren Fachleuten treu an die Hand zu gehen,
veröffentliche ich stets aufs neue tneiu System, und meine Erfahrungen, enthebe den Anfänger
aller jener Mühseligkeiten und Täuschuugen, denen er bei anderen Systetnen ausgesetzt ist, und
führe ihn sofort zur praktischen Tätigkeit iiber, wenn er sich nur der kleineren Mühe unterzieht
und mein System sorgfältig studiert.
Es gibt bekanntlich verschiedene Arten von Verkrüppelungeu, doch kann jede Art in der
Zeichnung getreu wiedergegeben werden, alleitt nur dann, wenn der Körper genau ausgemessen
wird unter Berücksichtigung der geometrischen Grundsätze.
Wohl lassen sich einige Hauptpunkte nach proportionalen Regeln berechnen, allein, bei
starker Verkrüppelung genügt diese Berechtng nicht mehr ttnd tnuß man hier zur Körper-
tnessung schreiten.

VDie Figur.
Bevor ich zur Ausmessung dieser Figur gehe will ich versuchen, dieselbe zu berechnen.
A. Die Längen. Ist der Mann groß, was höchst selten vorkommt, so kann eine
Taillenlänge von 47—48 ern vorhanden sein und sind tttir in meiner Praxis einige große
Figuren vorgekommen, selbst der Riese Drasal, welchen ich im Iahre 1884 gemessen habe,
hatte einen Höcker, welcher gut verborgen werden mußte.
Die meisten Berwachseneu sind aber, wie schon gesagt, klein mit dünnen Artnen und
dünnem Halse, schwachem Gefäß nnd schwachen Beinen.
Die Taillenlänge beträgt meistens 38—42 ern, nimmt man davon nun als Seiten-
länge die Hälfte weniger 2, so verbleiben als Armlochtiefe 21 bezw. 23 em.
B. Breitenpunkte. Als solche gelten die Ober- und Unterleibweite im ganzen,
dann durch die Zergliederung, Rückenbreite, Armdnrchtnesser und Brustbreite für die Oberweite,
Weichenbreite und Bauchbreite für die Unterweite.
Um nun die Oberleibweite nnd Unterleibtveite sicher festzustellen, genügt das Rundmaß
allein nicht, sondern man muß jede Seite von der Riickenmitte bis zur Brustmitte messen. An-
genommen 51 ern rechts und 47 ern links geben zusammen 98 ern, aber wenn man das
Rundmaß nimmt, kommen 94 ern, also 4em weniger heraus, das kommt daher, weil jede
halbierte Messung eirca 2 ern größer ausfällt. Wir diirfen also bei den einzelnen Maßen
2 ern abbrechen oder auch für die Bequemlichkeit 2 em weniger zugeben. Was die rechte Seite
stärker ist als die linke, kommt leider dem Rücken zn Gute und hier ist derselbe um 2em,
ja manchmal um 5 ern zu breit, dagegen ist der Rücken links wenigstens um 1 ern zu schmal.
Der Armdurchmesser bleibt sich auf beiden Seiten gleich und beträgt Mr der schmalen Ober-
leibweite knapp 12 em. Die Brustbreite ist aus der schwachen Oberleibweite knapp 18 und
für die Bequemlichkeit 4 ern =22 em.

Yie Anterleiöweite
mißt als Rundmaß 91em, davon die-rechte Seite 44 ern, die linke 47 em. Soviel der rechte
Rücken breiter ist als der linke, soviel ist die linke Weichenbreite größer als die rechte.

Yie Weichenbreite
So lange der Mann eine regelmäßige Gangart hat und nicht hinkt, ist die Schwer-
punktlinie ausgeglichen. Das heißt die einseitige Schwere des rechten Oberkörpers stützt sich
auf die Hüfte nnd findet links den Ausgleich. Um was also die rechte Schulter schwerer ist
-——— 159 —-

als die linke, ist dafür die linke Hüfte größer und schwerer, deshalb ist auch die Weichenbreite
links wenigstens 3—4 ern größer als die rechte, während die Bauchbreite wieder ziemlich gleich
groß ist.

Fig. 1

Wer also nach proportionalenr System aufstellen will, muß erst alle diese Punkte aus-
rechnen, dann die Rückenbreite, Artndurchmesser und 2em für die Nähte zusammenzählen,
womit er den Armvortritt erhält. Unter diesen Artnvortritt schreibt man die Weichenbreite
mit ebenfalls 2«em Zugabe für Nähte und erhält so die Größe des Saccos oder der Ausschnitte.
Die Einteilung der übrigen Punkte richtet sich nach den schon beschriebenen Grundsätzen.
-- rao —-

Das Maßnehmen.
Ich verweise hier gattz besonders auf mein großes Lehrbuch No. III. Preis 15 Mark.

Wie schon gesagt ist es notwendig, daß man beide Seiten des Körpers mißt, wobei
tnarr Folgendes beobachten muß: Um eine gleichmäßige Hüftentiefe zu erzielen, welche ja
bekanntermaßen bei Verwachsetteu immer ungleich ist, nimmt man den Centimeter und schlingt
denselben so wagrecht als möglich unt die Taille, hält denselben mit der linken Hand vorne
fest zusammen, nimmt ein Stückchen Kreide, zeichnet die kurze Taille, die beiden Hüftettpunkte
rechts und links itt gleich hoher Lage, unbekümmert, ob die Hüfte an einer Seite etwas höher
steht. Nachdem legt man den Centimeter zuerst unter den rechten, nachher unter den linken
Arm, punktiert die beiden Armlochtiefen uttd den Vortritt uttd zuletzt den Halswirbel. Die
Weichenbreite wird ebenfalls auf beiden Seiten festgesetzt, indem man das Maßband oben an
der Artnntuskel anlegt, unten dazu unter deut Ballen des Daumens so plaziert, damit eine
senkrechte Linie entsteht, dantt macht tttau vorderhalb des Maßbandes einen senkrechtett Strich
durch den wagrechtett Strich der Hüftentiefe, womit Weichenbreite und Hiiftentiefe in einem
Punkt vereinigt sind. Noch einen Punkt müssen wir suchen, das ist die kurze Rückenbüste,
dantt können wir das Maß der langen Riickenbüste schließlich entbehren. Man schlingt das
Maßband unter den Armlöchern durch und markiert rückwärts den Punkt RR. Dseser Punkt
ist wohl jener, welcher atn schwersten zu finden ist uttd tnuß man hier sehr akkurat verfahren.
Wer aber glaubt, denselben durch Nivellieren zu finden, indem er von der Armtiefe nach dem
Boden mißt, uttd dieses Maß rückwärts vom Bodett nach dem Rücken mißt, ist falsch beraten,
denn der Punkt kommt 2—3 ern zu hoch. Dieses wäre nur richtig, wenn der Mensch eine
gleichmäßige senkrechte runde Walze wäre. Nach Feststellung dieser Punkte ist die Entwicklung
des Gesäßes ins Auge zu fassen und genügt in den meisten Fällen eine kleine Bemerkung.
Matt tttesse zuerst die rechte Seite, welche hier die starke ist.
Maße: Artnlochtiefe = 31 ern, Hüftentiefe—
—— 51 ern, kurze Rückenbiiste = 24 ern,
Taillenlänge = 43 ern, ganze Länge Sacco = 70 ern, Rückenbreite = 20 em, Armvor-
tritt — 32 ern, Oberleibweite bis zur Brustmitte = 52 ern, Weichettbreite = 23 ern,
Unterleibweite = 44 ern, Achselhöhe —- 46 ern, Ärmellänge 45 em.
Schwache linke Seite. Armlochtiefe— —— 31 em, Hüftentiefe— —— 51 ern, kurze
Rückenbüste = 24 ern, Taillenlänge = 43 em, ganze Länge Sacco = 70 em. Diese Maße
sittd nun alle Längenntaße und gleich wie rechts ttttd jetzt beginnt der Unterschied. Rücken-
breite = 17 ern, Armvortritt—
— 29 ern, Oberleibweite-— —— 49 ern, Weichenbreite = 26 ern,
Unterleibweite— — 47 ern, Achselhöhe—— 46 ern, Ärmellänge -- 45 em.
Man muß jetzt noch die ganze Oberleibweite, Uttterleibweite uttd auch Gesäßweite
messen als Rundmaße, um konstatieren zu können, wie viel durch die halbierte Messung mehr
herausgekommen ist. Oberweite = 97 ern, Unterweite = 93 ern, Gefäß : 98 em.
Auf der rechten Seite haben wir eine Oberweite von 52 em, auf der linken nur 49 ern,
macht zusammen 101 em, also nehmen wir an, daß auf jeder Seite — 2 ern gut gemessen
—161—

wurden, wodurch sich die Zugabe auf der Brust um 2 em verringert und statt 6 ttnr 4 ern
beträgt. Das gleiche Verfahren wäre schließlich auch unten anzuwenden, doch nehmen wir
davon Abstand, da dieses keine wesentliche, sagen wir gleich gar keine Störung verursacht.
Wohl sittd an der Figur 1 die Punkte der Rückenbüste uttd Achselhöhe zweimal an-
gegeben für jede Seite eigens,»allein in Wirklichkeit genügt dieselbe einmal nnd kommt dieses
ganz auf die Aufstellungsweise an.

(Deutsche BekleidungsiAltadetnie München.) Machdrucke verboten.) 21


—162—

Konstruktion des Saccos.


(Fig. 2 uttd 3.)

A. Die schwache linke Seite.


Ich nehme zuerst die schwache linke Seite, und führe die Anlage des Maßbattdes
deut Leser deutlich vor Augen.
Ziehe die Winkellittie A—Z und A—L. Messe vorm-R die gemessene kurze Rücken-
büste : 24 ern, Taillenlänge Ta = 43 ern, ganze Länge 70 ern —s—2 ern Eittbug = 72 em.
Punkt s das Gefäß ist 12 ern unter Ta. Ziehe von den gemachten Punkten wag-
rechte Linien.
Yie Oberweite.
Messe von R gegen Rii 17 —s— 1 :: 18 em Riickenbreite für das Hinterteil, 19 ern aber
für den eigentlichen Rücken, deshalb 19 weil 2 cm für die Nähte verloren gehen.
Nach At 29 em—-s—2 ern = 31 ern Armvortritt. Nach Ob 49 -s— 4 = 53 ern Ober-
leibweite. Deshalb aus 4 ern, weil durch die halbierte Messung schon 2 ern mehr heraus-
gekommen ist. Von ob tttesse man zurück nach x, erstens die 4 ern Zugabe, dautt Its Hals-
umfattg wäre 71X20m, breche wegen der Naht 1X2 ern ab, also nur 7 —s— 4 = 11 em. Da
diesBrust von 0b—At 22 ern mißt, so ist x zufällig die Hälfte davon, was jedoch nicht immer zutrifft.
Man lege den Winkel bei At an ziehe nach c hinunter eine Linie, die Seitenlinie
genannt, welche gleichläuft mit der Rückenlittie A—l.. Es steht dort die Zahl 30, während
es oben 31 em sind, der eine ern liegt eben zwischen E ttnd F.
Von c—l-li mißt man 4 ern, denn soviel braucht der starke Hüftenknochen Bequem-
lichkeit, welche niemals vorn, sondern stets auf der Seite zugegeben werden muß. Ich ziehe
jetzt eine lange Linie von At über Hi bis gl ttnd hinauf bis Vo. Dieses ist die richtige Vor-
trittlinie, weche am Körper senkrecht läuft. Lege den Winkel bei Rii der Rückenbreite an,
ziehe hinattf nach F eine Linie. Da es von x—At ttoch 11 em sind, so werden diese 11 ern
von Vo nach s gemessen, gibt die Halsspitze.
Nach proportioneller Berechnung trifft diese Spitze gewöhnlich auf die obere Winkel-
linie, allein bei sehr aufrechter Haltung kommt die Spitze über die Linie, bei getteigter Haltung
unter die Linie, das heißt der Wirbel steht höher als die Halsspitze. Um diesen Berechttuttgen
auszuweichen ist die Meßung vorhanden.
Die getnessene Artntiefe beträgt vom Wirbel bis At — 31 ern, lege also die Zahl
31 bei At an, messe aufwärts 31 ern uttd breche bei s die 7 ern Rückenspiegel von A—V, ab.
Das Maß der Hüftentiefe verliert seittett Wert uttd dient ttur als nebensächliche Kontrolle.

Yie exsteljsekhötja
Auch dieses Maß ist durch die Berechnung schon gefunden, allein um eine vollständige
uttd ttnansechtbare Körpermessung zu erlangen sei es hier angewendet. Lege die Zahl 1 bei
R an, messe nach 0 = 24 ern, lege diese Zahl bei At an, messe ttach oo 46 ern ohne Nähte,
mit Nähte 45 ern.
Vons——Z=7-s—2=9ern.
Von A—V, 7 ern breit — V 2ern hoch, gibt die Halskurve.
—163—

» Von Rü — sP -—--: 6 ern ttach n -—: 15 ern, nach F 2 em mehr —---—— 17 em, bei n
2 ern uber die Rückettbreite hinausgehen und von V—n die Achselnaht zeichnen.

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Von s—l-" eine gerade Linie. Die Riickettachsel mißt von V—n 171X2 ern breche
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xz em — 17 ern, messe dtese 17 ern von s—t, worauf man die Achsel nnd das
Armloch
fertig zeichnen kann,
Der Rücken wird mit Naht, aber er wird nur von R—Ta- ein wenig gehöhlt.
III-·
—164—

Yie Zlnterweite
beträgt 47 ern, davon die Weichenbreite schon 26 ern, verbleiben von til-M ttur noch
21 em Bauchbreite.
Von Ta bis c sind es 31 ern, wir brauchen aber erstens 26 ern gemessene, 2 ern
für die Nähte und 2 ern für einen allenfalls zu machenden Sueon sind 30 em. Wer keinen
Sueon macht nruß eben dafür die 2 ern zur Überbrückung stehen lassen.
Das Rückteil ist bei Ta, S —«L L überall 16 em breit nnd ist dieses eine Mode- und
Geschmackrichtung. Man zeichne den Rücken fertig nach Vorlage.

Yie Brustmitte
Man ziehe von Z über Ob nach Ut eine schön geformte Linie, bei Ut lege matt den
Winkel ttach unten an urtd ziehe über R trach VL eine Linie als Fortsetzung der Brustmitte.
Yas Gefäß.
Auch die Gesäßweite ist eine ungleiche, und wenn man nicht beide Teile extra ge-
messen hat, so wird die Gesäßweite halbkert. Das Gefäß beträgt im ganzen 98 ern die
Hälfte : 49 ern, für die starke Hüftenseite 2em mehr= 51em, für rechts 2em weniger —
47 ern. Ich messe von R —- l; -: 51 ern —s— 6 em für Bequemlichkeit = 57 ern, davon
hat der Rücken von s—P = 16 ern, lege diese 16 ern bei R an, messe nach PP — 57 ern,
Um die untere Richtung genau zu finden, zieht matt von Vo über PP eine Hilfslitrie nach
UtiV. Erst jetzt kamt die Seiteturaht des Vorderteils fertig gezeichnet werden.
Da man deu Rücken itt der Taille etwas auszieht wird die Naht länger, deshalb
macht man auch das Vorderteil bei UW 11X2 ern länger.
Yie vordere CLänge.
Mart messe von s —U des Rückens, übertrage das Maß »von s — gl nnd zeichne
die untere Kante. Für einreihig gebe man oben 4 unten 372 ern llberschlag

B. Das starke rechte Teil.


Punkt A ist die Wirbelhöhe, von wo aus man eine senkrechte Linie über R ttach L
zieht. Bei rundem Rücken macht matt bei A einen 1 72 ern großen Abstich urtd stellt zugleich
den Wirbel 11X2em höher, urtr welchen Betrag man die Nähte einziehen ttttd auf das Schulterblatt
zurückbügelu muß. Matt legt datrrt den Winkel arrt Abstich an, zieht nachVV eine 7em breite
Linie uttd ttach V 2 ern hoch, gibt die Kurve. Man mißt von A—R—24 ern kurze Rücken-
büste nach Ta 43 em· Tailletrlänge nach L 70 ern —s— 2 ern Einbug — 72 ern ganze Länge.
s ist 12 ern unter Ta.
Bei A gehe matt diesmal ttoch 2 ern tiefer und ziehe von allen Punkten wagrechte Linien.
Warum gehe ich 2 ern bei A tiefer, weil der Mann eben einen runden Rücken hat,
welcher um so viel länger ist als die Artttlochtiefe nach Abbruch des 7 ern breiten Rücken-
spiegels. Wo man das Maß nicht hat, rttuß man es berechnen. Wo man aber das Maß
hat, kann man es gleich so anlegen, indem ttrarr die Armtiefe 31 ern bei RB anlegt, die
Zahl 1 über V gehen läßt uud wo die Zahl 7 auftrifft, ist die Halsspitzenhöhe.
Yie Zitüaiennaljt
wird oben gewölbt, in der Taille 2em hereingestellt, und weil ein schwaches Gefäß vorhanden
ist, nach unten gleichmäßig weitergeführt.
Alle Messuttgen beginnen nun selbstredend von der hereingestellten Rückennaht.
—165—

Yie Oberleibweite.
Messe von R—R ; 22 ern Rückenbreite, während das Hinterteil nrtr 20 ern breit wird.
Von B—At 32 —s— 2 em, fiir Nähte s—- 34 em, Armvortritt nach Ob 52 —s— 4 = 56 ern
Oberleibweite.

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Zig· 3

Von 0b—x 4—s—7:: 11 ern, verbleiben von x—At ebenfalls 11 em.


Lege den Winkel bei At an, ziehe abwärts eine Linie, gibt c, tttesse vou c—l-li 3 ern,
wer aber einen Stteon macht, muß 5 enr nehmen,
—166—

Ziehe von lsli über At eine Linie aufwärts bis Vo, abwärts bis gl. Das ist wieder
die am Körper senkrecht laufende Vortrittslinie, wenngleich sie auf dem Papier schräg steht.
Von Vo—s die 11 ern gleich x—At urrd eine Linie ziehen von x—s. Zur Sicher-
heit die Armtiefe 31 ern nochmals bei At anlegen utrd 7em Rtickertspiegel abbrechen, gibt
ebenfalls s.
Von s—Z = 7 —s—12—-——- 9 em.
Bei Rii eine senkrechte Linie aufwärts ziehen und trach sP : 6em Seitenspitzhöhe,
nach f 15 ern Achselhöhe = Its ern Arm- oder Halsumfang, da diese zwei Ringe gleich groß sind.
Bei fsden Rücken nur knapp 1 ern breiter, gibt n.
Man zeichne V—n die Achselnaht fertig, ttresse jetzt die Achselhöhe von R—o, lege
den Betrag bei At an, messe nach oo die knappe Achselhöhe ohue Nähte, da diese durch den
Achselbogen des Vorderteils ersetzt werden.
Ziehe von s über oo eine Linie, welche diesmal bei f ausmündet.
Messe die Rückenachsel von V—n = 181X2 ern, mache die Vorderteilsachsel 11X2 ern
schmäler und zeichne Achsel und Artnloch fertig. In der Taille, Gefäß und Länge mache den
Rücken 16 ern breit, wie das linke Teil auch.

Yie Antertveite
Auch hier verbleiben von l·li—l.lt—:21 ern Bauchbreite, oder man lege die Weichen-
breite 23 —s— Zem für Nähte-Les ern bei Hi an, rttesse ttach Ut 44—s—2 ; 46 em. Die Weichenbreite
beträgt also 25 ern samt den Nähten, diese 25 ern müssen aber von c an trach rückwärts gemessen
werden, wobei die 16 ern Rückenbreite von e—E itt Abbruchjkommem würde Punkt F er-
geben. Das Sacco würde jetzt stark irt die Taille gehen ttud da dieses nicht gewünscht wird
und auch ganz verfehlt wäre, so gibt man noch eirca 4em zu, damit die Taille überbrückt ist.

Ya- Gefäß
mißt rechts 2em weniger als das halbierte Rundmaß, 98—49 ern weniger 2 ::- 47 em, dazu
6 ern für die Bequemlichkeit : 53 em.

Yie vordere gelinge.


Messe von s—U, übertrage das Maß von s—gi.

Yas Hat-koch.
Von Z—lr =8em, für kurze Faeon 7 em.
— 167 -——

Das Rock-Jackett für Verwachsene.


(Fig. 4.)
Dieselben Maße oder aber dieselben Berechnungen wie sie beim Sacco angewendet
wurden, gelten auch für das Rock-Iackett.
Zeiaße für das kinlie Seit
Arwlochtkefe =- 31 cID- Hüftentiefe : 51 ern, kurze Rückenbüste : 24 ern, Taillenlänge
= 43 ern, ganze Länge -—- 88 em.
Rückenbreite : 17 cM- Armvortritt : 29 em, Oberleibweite : 49 ern, Weichenbreite
: 2STIM- Unterleibweite :- 47 OW- Achselhöhe :46 cur, Ärmellänge:45 ern,Halsumfang= 45 em.
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Fig.4

Fronflrnlitiotn
Ziehe Winkellinie A—Vs—s-A—Ta.
Von A—Vti= 7 ern breit, bis V=2 ern hoch, gibt die Halskurve.
Von A—R =24 ern, kttrze Rückenbiiste = 24 ern, bis Ta 43 ern kurze, 2 verlängerte
= 45 ern Taille.
—168——

Von Z—s W ern Oberweite weniger 1 ——-—- 15 em oder genau Its ern Hals- oder Artu-
lochumfaug.
Von c zurück nach D —--:5 ern Spiegelbreite
Man ziehe art den bessagten Punkten wagrechte Linien.
Messe von Ta «nach L :-——— 5·em Breite. Von R—Rü = 17 ern Riicketrbreite ttrrd 2 ern
für die Nähte—-— 19 ern, die Hälfte von 19—
— 972 —s— 1: 101X2errr, gibt d.
Von D—p=19em, von V—n---
—20 em.
Man zeichne den Rücken fertig.
Der Armvortritt beträgt 29 ern, die Weichenbreite 26 ern, somit nur Zem weniger.
Ich trtesse demnach von A—i-——— 3em und lege den Winkel nur um diese Zem schräg
an uttd ziehe die Tailletrlinie von Ta— Ut.
Die Antertveite.
Messe von Ta nach We die Weichenbreite 26—s—2em für Nähte— — 98 ern, nach Hi
den Armvortritt 29 —s—2—
— 31 ern, lege die Zahl 28 bei Hi an, messe nach Ut die Unterweite
47—s—2 =49 em. Der Betrag von Wer-Hi wird also übersprungen.
Yie Oberweite.
Von R—Rii ttach At etwas schräg abwärts 29 —s— 2 = 31 ern Armvortritt, darrtr
weiter die Oberweite 49 —s— 4—
— 58 em.
Um nun die Armtiefe At richtig zu finden, wird die Weichenbreite halbiert-Ha-
dann wird von Ha nach R gemessen und dieses Maß von Ha nach At übertragen, wodurch
der Punkt At erst richtig festgesetzt wird.
Wem diese Übertragung zu schwierig ist, der nresse von Wo nach At =20 ern Seitett-
länge, dann von 31 ern Armtiefe bis 51 ern Hüftentiefe, gibt 20 ern Seitenlänge.
Man ziehe von At nach Hi eine Linie abwärts und hinaus, dann eine Linie von At
nach Wo, dantt den Winkel bei At und We anlegen und die Armtiefe rtach Rü ziehen, den
Winkel bei Rit und At anlegen, eine Linie ttach f hinaus, dann den Winkel bei At und Hi
anlegen ttnd wagrecht herüber die Brustbreite ziehen.
Die Hpitze des Heitenteik5.
Man stelle die Bleistiftspitze bei s, daan bei n an, halte das Maßbattd bei l- mit
dem Finger fest und ziehe zwei kleine Zirkelzüge nach sP.
Man zeichne die Seitennaht fertig.
Yie Hat-spitze
Von Ob messe matt zurück- 4 —s— 7 = 11 ern, gibt x, ziehe eine senkrechte Linie aufwärts,
lege die Armtiefe 31 em bei At an, messe gegen s und breche 7 em ab, gibt die Halsspitze.
Von s—-Z 7 —s— 2 = 9 em.
Von s—k eine Linie ziehen, f steht Lern höher als n, oder man tnesse wie bei der
Saccofigur die Achselhöhe ab, mache die Borderteilachsel Its ern kürzer als die Riickenachsel und
zeichne Achsel uttd Armloch fertig.
Yie Brustmitte
Ziehe von Z über Ob und über Ut ttach P eine Linie, ntesse von Z—lt = 7 em
Halstiefe.
Yie vordere Hänge
Messe von s—L, übertrage den Betrag von s—P uttd breche 1 ern ab, worauf das
ganze Modell fertig gezeichnet wird.
Um den Schoß zu zeichnen, verweise ich attf die früheren Abhandlungen.
169
Die starke rechte Seite. (Fig. 5.)
Fronstrnkttion
Mache den Punkt A und ziehe ttur eine Linie abwärts, tuesse von A—R :- 24 ern
kurze Rückenbüste, ttach Ta 43 ern Taille, 2 ern Verlängerung=45 em.
Von R—c--15 ern, zurück 5em, gibt R.

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Fig. 5

Der Abstich ntuß rrach oben und unten sein, man geht bei A--—-: 172 em höher und
1em herein, gibt klein a, bei Ta geht man 2 ern herein und zeichnet so gewölbt die Rückennaht,
legt den Winkel oben bei klein a au, zieht nach W eine 7 ern breite Linie, geht 2 ern hoch, gibt V.
(Deutsche BekleidungsiAkadentie München.) (Nachdrttclr verboten.) 22
sp- 170 —-
Yie gstetcung des Asinseeks
Der Unterschied zwischen 32 ern Armvortritt ttrtd 23 ern Weichetrbreite beträgt 9 em.
Davon habe ich 2 ern die Rückennaht bei Ta hereingestellt, verbleiben troch 7em. Ich lege
also den Winkel bei Ta»und bei W an, welcher Punkt ja auch 7 ern von A entfernt ist und
ziehe die Taillertliuie bis Ut.
Durch diese Abschrägrutg versenkt sich die vordere Partie ganz von selbst so viel als
notwendig ist.
Yie Areitenpnnlite des Aiieliens
Von der hereitrgestellten Naht bei Ta—L=5em breit, von R—Rtt=20—s—2=
22 ern, die Hälste-s—1=—12 em, gibt b.
Von D—k=22 em, von c—n-—
— 2272 ern und der Rücken wird fertig gezeichnet.

spie Antertveite.
Von Ta der geraden Linie bis H den Arntvortritt 32—I—2=34 ern, von der her-
eingestellten Rückennaht bis Wo die Weichenbreite 23—s—2:=25 ern, springe mit der Zahl
25 ern vor nach Hi und tnesse nach Ut 44—s—2=46 ern, es verbleiben demnach von Wo—Hi
nur noch 7 em.
Yie Oberweite.
Lege die Zahl 1 em bei R an, halte 22 ern bei Rü fest, ttresse etwas schräge abwärts
34 ern Vortritt, darin gerade arts 52—s—4—-—-56 em. Halbiere die Weichenbreite=Ha, messe
von Ha trach R, übertrage das Ergebnis von Ha nach At, gibt die Versenkung. Ziehe eine
Linie von At nach Hi urtd aufwärts, ziehe eine Linie von At—l«e, dattrt die Brustbreite, lege
den Winkel bei Rü an, ziehe aufwärts eine Linie nach t.
Ziehe von L aus mit r—s—n kleine Zirkelzüge nach sP utrd zeichtte die Seitennaht
nach Vorlage fertig.
Während nun bei dem linken Teil fast kein Abstich zwischen Rücken- utrd Seitenteil
entstanden ist, rtnd auch unten zum attsschneidetr nichts übrig geblieben ist, sehett wir hier ober
einen großen Schu.lterblatt-Abstich utrd auch unten bleibt ein großer Sueon zwischen Seiten-
ttttd Vorderteil. .
Yie Hat-spitze
Matt mißt wieder von Od gegen x= 11 ern uttd lirriert senkrecht in die Höhe, legt
bei At die Arnttiefe=31 ern art urrd bricht bei s=7em ab. Von s—Z=7-l—2=9 em.
Von f nach t= 2 ern oder wieder die Achselhöhe nachtrressen wie beim Sacco, nnd die Vorder-
achsel= We emschmäler machen als der Rücken ist.
Die vordere Länge und Schoß wie schon beschrieben.
Der Sueon zwischen Seitenteil beträgt=3em, 1 ern zwischen Seiten- urtd Hinterteil
= 4em und 3em Bequemlichkeit, sind zusammen die 7em, welche zwischen lese-s- Hi stehen-
—- 171 —-

Die Sports- und santasie-Kleider.

Der bedeutettdste Zweig unserer Schneiderei ist gegenwärtig die Sportsbekleidung. In


den letzten Iahren hat der Sport und speziell der Radfahrsport einen bedeutenden
Aufschwung genommen ttnd ist dadurch der Bedarf an Sportskleidern ein besonders
lebhafter geworden. Es ist daher zeitgemäß, daß matt auch den Sportskleidern eine besondere
Aufmerksamkeit schenkt.
Außer den Sportskleidern sind es speziell die Fantasiekleider, welche noch besonders
zu erwähnen sind.

Es erfreuen sich außer dem Sacco und Paletot noch verschiedene, den beiden erst-
genannten Kleidungsstücken ähnliche Faeons besonderer Beliebtheit und will ich, um den
Fachmann in jeder Lage ein Berater zu sein, die hauptsächlichsten Arten in dieses Werk mit
einschließen.
, Die Aufstellung lehnt sich naturgemäß dem Sacco oder Paletot in· den verschiedenen
Teilen an ttnd bedeuten speziell die Nahtversetztttrgerr die hauptsächlichsten Anderungen.
Ich beginne mit den Kleidungsstücken, die sich von dem Sacco ableiten lassen ttnd
behandle in erster Linie die Faltenjoppe.
Die Falten-Joppe.
Eines der gegenwärtig beliebtesten Kleidttngsstücke ist die Falten-Joppe. Dieselbe
zeigt viele der verschiedensten Abweichungen, die sich auf das Legert von mehr oder weniger
Falten, geradettt oder mit Spitzen geschnittettettt Koller zu beziehen.
Mein vorliegerrdes Modell ist eine Faeon bevorzugtester Art, jedoch ist es leicht,
demselben eine andere gewünschte Modeforut zu geben.
Die Aufstellung geschieht itt der Weise, daß ich
vor allem ein Sacco-Modell rrach dem genomrrrenert
Maß zeichne, worauf ich dantt die verschiedenen Falten
auf ein beliebiges dazu genügendes Papier lege urrd
dasselbe hierauf nach meinem ersteren Modell
faeonniere.
Ich nehme nun folgendes Maß an:
Maße: Taille 44 ern, Länge ; 75 ern, Ober-
weite-«- 48 ern, Utrterweite 44 ern, Hals -—- 45 em.

Konstruktion
(Fig. 1)—
Vor allem ziehe ich die Winkellirtie A B, messe
von A nach a 5 ern,»von a nach B die Länge 75 em,
von R nach Z den Ubertritt trtrd die Bequetrrlichkeit,
zusammen 10 em. Bei Z lege ich die Oberweite 48
an und breche bei Rü die Rückettbreite ab. Die Rücken-
breite ist 1ts Oberweite rtud 2 ern, also 18 ern, 1 ern
für die Nähte zugerechtret -----19 em. Bei Rü breche
ich also für das Riickteil 19 ern ab. Von Rü ttach
Vo deren Armdurchmesser lts Oberweite und 1 ern für
die Nähte—-is ern, hierattf von Z nach s 1ts Ober-
weite 8 em. Die Armlochtiefe finde ich, indem ich
lts Oberweite 24 emfvon Vo trach R messe. Die Hüften-
tiefe H ist von Vo 44 enr entfernt, gleich der Länge
der Taille. Von H trach c 11t2 ern gemessen, da der
Hüftensueon unterbleiben kann. Die Arntlochtieflinie
erzirle ich, indem ich den Winkel bei c und l) anlege.
Auf dieser Linie lege ich hierauf den Winkel an utrd zeichrte trach aufwärts die Linie für die
Achselhöhe. Für die Achselhöhe tnesse ich vou R nach f lts Armumfartg (gleich Halsumfang)
ist 15 ern ttrrd Lern Zugabe, gibt 17 em. s undf werden hierattf verbunden.
«Vou s rtach t mache ich die Achsel provisorisch 17 ern breit tutd gebe am Schulter-
knochett 11t2 em Erhöhung zu. Nun kann matt das Armloch sehr leicht einzeichnen. Der
Hals wird am richtigstert dadurch gefunden, irdem man von Z lte Halsweite utrd 11t2 ern
tief mißt, also 9 em. 3 ern weiter vor befindet sich bei lr die Mitte des Halses. Für das
linke Teil zeichne ich einen Ubertritt von 3 em, für das rechte einen solchen von 5 em.
—- 1«t3 —-

Die Seitentraht wird irr der Weise ausgeführt, daß man von R aus itt einer Höhe
von 2 ern das Artnloch durchschneidet, unten am Vorderteil von 0 trach Wi deu Betrag von
s nach Vl) überträgt, hier also 8 em. Hierauf wird sP uttd UW, wie Vorlage zeigt, verbunden.

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Die andere Weite wird dadurch ausgeglichen, indem man A ttttd Wl durch eine gewölbte
Linie, wie Vorlage zeigt, verbindet. Die Tasche befindet sich 32 ern unter dettt Arntloch.
Yas Aüeliteic (Fig. 2.)
Ich ziehe die Winkellinie U RL HllV, von RL ttach HW die Länge :: 75 ern und 1 ern
für die Nähte, also 76 ern gemessen. lte Halsweite — 7 1t2 em breit, 2 em nach aufwärts
—174—

befindet sich V, die Halsspitz: des Rückteils. Von HW messe ich trach RR die Rückenbüste, den
gleichen Betrag 24 ern, wie am Vorderteil die Arurtiefe von Vo nach U beträgt.
Von HVs trach T die Taillettlänge 44 em. Von der Riickettbiifte RR ntesse ich hierauf
2 ern für die Seitenspitze und 15 ern für die Achselhöhe m nach aufwärts. Die Breite von
m nach Vel beträgt die Rückenbreite —s— 3 enr —--— 21 em.
Die Rückenbreite R und sP finde ich, indem ich von der Seitennaht am Vorderteil
R rrach U den Betrag abmesse, hier 28 em. Diese 28 ern lege ich bei RR art und messe bis
R am Rückteil 48 ern Oberweite. Die Breite von RR ttach R beträgt also 20 ern, bei sP
lt2 ern mehr-, 201t2 em. Mit der Unterweite verfahre ich auf die gleiche Weise, ich messe
bei F am Vorderteil bis U die Weite ab, hier 82 em, diese 32 ern lege ich am Rückteil
bei T an und messe nach E die Unterweite. Ich ttrttß nun allerdings hier in der Taille noch
eine Extra-Zugabe an Weite haben, diesen Betrag aber bestimme ich nicht voraus, denn er
ergibt sich durch das zeichnett der Seitennaht von selbst. Von RL nach U verfahre ich
folgendermaßen: Ich messe am Vorderteil den Betrag von U bis UllV 8 ern ab, lege den
Betrag von 8 ern bei RL an. und messe bis U Its Oberweite 24 —l- 2 ern —— 26 em. —
Das Rückteil hat also eine Breite von 18 em. Hierauf verbinde ich meine sämtlichen
Punkte wie die Vorlage zeigt; dadurch erziele ich auch in der Taille 4—5 ern mehr Weite
als das Maß ergibt, welche ich aber für diese Faeon beuötige.
Sollten für dieses Sacco weitere Hilfsmaße, wie Achselhöhe, extra genommen sein,
so werden dieselben itt der gleichen Weise, wie dies bei dent Sacco mit Hilfstnaßen beschrieben
ist, angewendet. Da dieses Sacco einen Koller erhält, verfährt man jetzt an denr fertigen
Modell auf folgende Weise: Der Koller kann nun eine Breite ganz nach Wunsch erhalten.
Zu diesem Zwecke messe ich also am Rückteil von HW nach a vielleicht 13 ern urtd zeichne
nach U eine vollkommen wagrechte Linie. Hierauf schneide ich das Rückteil von a nach U
durch, nehme aber, um einen festen Schluß am Armloch zu erzielen, bei U einen kleinen
Sueon heraus, wie die puttktierte Linie Fig. 1 und 2 es anzeigt.
In gleicher Weise verfahre ich auch am Vorderteil, nur daß ich sowohl an der Brust
als am Armloch einen Sueon anbringe.
Mit diesen beiden abgeschnittenen Teilen konstruiere ich nun den Koller dadurch, daß
ich die Rückteils- und die Vorderteilsachsel soweit als möglich zufamntenlege —- Fig. 3 —
und die Umrisse der beiden Teile nachzeichne. Es entsteht an der Achselspitze bei A ein
Zwischenraum t W, ebenfalls ein kleiner bei R s V. Dies beeinträchtigt jedoch den Sitz
nicht, da der Sneon am Abschluß des Kollers, sowohl am Rückteil als auch am Vorderteil
aus diesem Grunde gemacht wurde, um die Weite auf der Achfel zu entfernen.
Mit dent übrigen Vorderteil und Rückteil verfahre ich wie folgt:
Ich zeichne auf dem Modell die Falten genau an. Hierauf schneide ich an der
Falte das Modell durch und lasse nun bei dieser Art, wie ich solche hier behandle, zwischen
dem durchgeschnittenen Rück- und Vorderteil je 12 ern für die Falte stehen, wie dies die
Figuren 4 urrd 5 auch bildlich zeigen.
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Die nahtlose Jagdjoppe (Fig.-V


eine Erscheinung jüngster Zeit, ist äußerst einfach itt der Konstruktion Man zeichnet
sich zu diesem Zweck vor allem ein einreihiges Sacco-Modell mit Stehbrust. Auf dieses

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Modell zeichnet man sich die Steppuaht der verdecktett Leifte an. Hierauf wird bei der Brust-
tasche uttd itt der Steppttaht der verdeckten Leiste das Teil der Achsel entfernt, Vorderteil
ttnd Rückteil zusantmengelegt ttrrd das Rückteil am Brttch des Stoffes angelegt. Hierattf legt
matt das Stück der Achsel, das am Vorderteil von let-F und d herausgefchnittett wurde, bei
sV urrd llll an und zeichnet die Umrisse gleich auf den Stoff.
Am Vorderteil schneidet matt bei F und s einen kleinen Sneon weg, desgleichen auch
bei d und läg am abgeschnittenett Teil.
Dadurch wird das Teil an der Tasche gewölbt, was für die Brust vorteilhaft ist,
uttd gleichzeitig wird auch im Artttloch ein fester Schluß erzielt. Zu beachten ist noch das
Steherrlassen der Nähte von b—F und von F ttach S.

Yer Ärmel
wird genau wie der Sacco-Ärmel oder vorne im Bruch gelassen urtd rückwärts überschttitten.

Das Morgen-Sacco.
(Fig. 7, 8 und 9.)
Ein äußerst beliebtes Kleiduttgsstück ist das Morgensacco.
Maße: Taille = 44 ern, Länge = 76 ern, Oberweite = 48 ern, Unterweite
: 44 em. (1 Breitenpunkte).
Yas Vorderteil.
(Fig. 9).
Ich messe die untere Linie A, gebe dem Vorder-
teil 5 ern voraus, ziehe die Linie klein a—ltl. Bei
klein a lege ich die Länge 76 ern an, messe nach AA
die Zahl 1. Von M nach z gebe ich 12 cm über-
schlag, sonst bei zweireihigem Sacco 14 ern, allein
hier kommen keine Kttopflöcher hinein, deshalb nur
12 em.
Ich lege die gemessene Oberweite, hier 48 ern,
bei Z an, lasse die Zahl 1 nach rückwärts schauen und
breche bei lll lts Oberweite uttd 3 = 19 ern schmale
Rückenbreite ab. Von H-—l) Itr Oberweite und 1
= 13 ern, gibt den Armdurchmesser. Von Z nach
s Ite Oberweite weniger Its ern = 71t2 ern oder
was gleich ist Its Halsutnfattg von 45 em.
(Tiefpunkte.) Ich messe bei allen Größen
von 32—52 ern die halbe Oberweite, hier 24 ern, von
b nach U, dann die kurze Taille 44 —s— 1 =45 ern,
gibt die Hüftentiefe.
Von der Artntiefe H messe ich nachV hinauf bei
allen genannten Größen 1ts Oberleibweite, hier 16 ern,
mache die Achsel provisorisch 16 -l«— 1—— — 17 em
breit und reguliere diese Breite, nachdem der Rücken
fertig gezeichnet ist. Achsel urtd Armloch können jetzt
gezeichnet werden. Das Halsloch mache ich, je ttach der Länge des Umfalls 7—8 em tief
Von R nach U messe ich 91t2 ern, das ist der Betrag von s der Halsspitze bis zu d.
Ich zeichne das Vorderteil fertig, wie die Figur zeigt.
(Deutsche BekleidungsiAltademte München)- (Nachdruclc verboten). 23
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Fig.
— 179 —

Zier Yiickkew
(Fig» "8)·
1. (Längenpunkte.) Ich messe von R nach V die Länge, lege bei l die Zahl 1 an,
messe nach F die kurze Rückenbiiste —— 24 cm, nach c die Taillenlänge — 44 em. Lege die
Zahl 1 bei F an, messe aufwärts nach klein e Z, nach klein a 15 em.
2. (Breitenpunkte.) Ich messe von der
» Überschlagslinie Z bis zur Seitennaht, lege den
erhaltenen Betrag auf dem Bruch des Rückens
bei F nnd messe nach lsl die Oberleibweite 48 cm
weniger 1 :—- 47 em, deshalb 1 cm weniger,
weil erstens der Rücken im Bruch ist und
zweitens weil im Vorderteil kein Sucon in den
Arm kommt. In der Taille messe ich eben-
falls so, nur wird hier nichts abgebrochen,
sondern weil das Sacco gerade ist und die
Taille überbrücken soll, gebe ich 4—5 cm zu.
Unten mache ich den Rücken so breit, als wie
in der Taille, oder ich messe von R nach R die
halbe Oberweite = 24 —s— 2 = 26 em. Von
klein o bis P wird der Rücken 1 cm breiter
gemacht als bei l-·l-l. Von klein a bis W messe
ich die schmale Rückenbreite 18 —s—3 =21cm,
von l nach V :--- 71l2 em, das ist Ils Halsweite und
2 cm hoch, worauf der ganze Rücken fertig ge-
zeichnet wird.

Yer Ärmel
(Fig— 9.)
Ich messe von A nach B die Hälfte vom
Armlochumfang, welcher erst ausgemessen wird
(46 em) = 23 em, c ist die Hälfte = 111l2 em,
von A nach lsl ebenfalls 111X2 cm oder W
Umfang, von E nach t die Kugel Vs Umfang
=151l3 em, von der Linie E nach F 2 cm ergibt
den vorderen Zwicker oder Kerbe. Auf der Hälfte
zwischen o und E geht die Unterärmelnaht
Fig. 9 hindurch.

cDie Hänge
Ich lege bei A die Rückenbreite weniger 1, also akkurat die schmale Rückenbreite
18 cm an, messe nach N den Ellbogen, nach lVl die ganze Lange Bei L um 372 cm kürzer,
und von l- nach M 151X2—6 cm breit, woran der ganze Armel fertig gezeichnet wird.

Los-:-
—180—-—

Der Schlafrock
(Fig. 10, 11, 12·)
Der Schlafrock, ein beliebtes Weihnachtsgeschenk der Frauen, ist eines von jenen
Kleidungsstiicken, dessen sich die Konfektion fast vollständig bemächtigt hat. Iedoch soll damit
nicht gesagt sein, daß besonders schön ausgestattete Schlafröcke nicht auch in den feinsten Ge-
schäften gemacht werden.
Die Aufstellung ist folgende:
Maße: Taille 44 em, Länge 130 em, Oberweite 48 em, Unterweite
44 em, Hals = 45 em.
. Zu beachten ist vor allem, daß der Schlafrock kein
Uberkleid ist, also nicht über den Rock getragen wird. Die
Aufstellung der Hals- und Achselpartie ist also die gleiche
wie bei dem Sacco.
Von A nach a k- 6 em. Von a nach B die Länge
: 130 em. Von 8 nach z dek ubektxitt von 12 em.
48 cm Oberweite bei Z angelegt, bei Rii die Rückenbreite
und die Naht abgebrochen, also 19 em. Von Rü bis Vo
der Armlochdurchmesser 12 —s— 1 cm = 13 em. Von Z
nach s 1le Oberweite = Bem. Von Vo nach D· = 24 cm
Armlochtiefe, nach lsl : 44 cm Hüftentiefe. Von lsl nach
c = Lom, hierauf ziehe ich die Armlochtieflinie, indem
ich bei c und l) den Winkel anlege.
Von R nach f IXZ Armumfang und 2 cm=17 em.
Die Vorderteilsachsel auch 17 cm breit. Hieran das Arm-
loch ausgezogen. 2 cm von R aufwärts wird das Armloch
« durchschnitten sP. Die Seitennaht ist ganz gerade, unten
ist die Weite von der Uberschlagslinie aa bis UW 50 cm
gleich der Oberweite und 2 em. Am Hals gehe ich von
Z Ils Halsweite und 1 em, also 81X2 am tief. Bei Shawl-
faeons mache ich an der gezeichneten Linie einen Sueon
und behandle den Shawl auf die gleiche Weise, wie dies
bei dem Smoking beschrieben.

Yas Yücketeit
(Fig. 11.)
Von l. nach lle die Länge und 2 em, also 132 em. Von lle die Riickenbüste
24 cm, RB tiefe Taillenlänge : 44 cm, gith. Von RB Lcm a und 15 cm m. Von lle
llo Halsweite 772 :2 cm aufwärts V. Von m nach W Rückenbreite 18 -s— 3 --—- 21 cm
breit. Hierauf messe ich das Vorderteil bei R bis 0 ab : 27 em; lege diese 27 cm bei
RB an und messe nach R Oberweite 48 —s- 3 em.
Ich habe dadurch eine Rückenbreite von 24 em. Von a nach sP ebensoviel. Was
hier das Riickteil zu breit wird, ist als Bequemlichkeit notwendig. Man achtet bei dem
zeichnen der Armlochlinie auf die Zeichnung. Von l. nach U Eis Oberweite —--—- 32 em.
Hieran verbinde ich die verschiedenen Punkte miteinander.
— 181 —

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Das Rückteil wird im Bruch geschnitten.


An beiden Seiten läßt man, wie die Zeichnung
veranschanlicht,Schlitze. Als Kontrollmaß kann
man auch die gemessene Achselhöhe noch an-
wenden.

per Ärmel
(Fig- 12)
wird meist einnähtig geschnitten und gibt hier
die Zeichnung alles Wissenswerte an. Die Auf-
stellung ist die gleiche, wie ich solche schon
einigemale beschrieben habe.

Der Pelz-Paletot.
(Fig. 18, 14 und 15.)
Die Aufstellung für einen Paletot, zu dessen Fütterung Pelz verwendet wird, ist
jene des Paletots, wie solcher bereits beschrieben wurde, gleich. Lediglich in Betracht zu
ziehen ist eine Zugabe für das Auftragen des Pelzwerkes So gebe ich der über den Rock
gemessenen Oberweite bei einem feinen Pelzwerk Z—s ern, bei einem dickeren Schafpelz 2e.
4—5 cm zu. Z. B. ich habe über den Rock gemessen eine Oberweite von 50 am (zur Hälfte),
so verfahre ich bei einem Pelz-Paletot folgendermaßen: Von B—Z 13 cm Uberschlag Bei
Z lege ich die Oberweite 50 —1- 3 : 53 cm an, breche bei Rü die Riickenbreite Ilsk von
53 —I— 2 also 191X2 4- 1 -—-- 201l2 cm sür die Nähte ab. Von Rii nach Vo messe ich
V; Oberweite 13 —s— 1 —- 14 em. Von Z nach s W Oberweite 9 em. Auf diese
Weise werden sämtliche Punkte festgestellt. Eine besondere Verbreiterung erfährt noch das
Rückteil nach unten zu, damit der Pelz beim Gehen nicht geniert. Bei der Ärmel-Aufstellung
verfahre ich wie bei jedem Paletot-Ärmel und berücksichtige nur den Pelzausschlag.
— 183

Zig. 13 Fig. 14
Der Havelock mit halber Pelerine.
(Fig. 16, 17.)
Man hat wiederholt versucht, den zwar alten, aber äußerst bequemen Havelock durch
eine engere Form zu verdrängen. Daß dieses nicht gelungen ist, daran trägt der gute Geschmack
der Herrenwelt selbst die Schuld.
Auch ich vermag nicht einzusehen, daß in jenem Augenblick, wo die übrigen Kleidungs-
stiicke weit getragen werden, der Havelock anliegend sein soll.
Aus diesem Grunde habe ich die weite bekannte
Form zur Ansicht gebracht und wird dieselbe auf
folgende Weise konstruiert:
Ich ziehe die Linie AB, gebe dem Vorderteil 6 am
in seiner Länge voraus, messe von a aufwärts die
Länge 130 am bis B.
Von B nach Z gebe ich 12 am Überschlag, lege
bei Z die über die Weste gemessene Oberweite 48 —s—
2 = 50 am an, breche bei Ril die Rückenbreite—s— 1
= 19 am ab, nehme von Rii nach Vo den vierten
Teil der Oberweite : 12 —s— 2 = 14 am als Armloch-
durchmesser, von Z nach s die Halsweite, ergibt die
Halsspitze s. Die Halstiefe ist Vg, die Oberweite
81X2 —1- 1 = 91l2 am. Die Armlochtiefe, die halbe
Oberweite 24 —s— 1 :—— 25 am D, dann weitere 12 am macht
37 am und 5—6 am Zugabe in der Weite bei Punkt E.
Die untere Weite vom Havelock beträgt vom Punkt
aa an 48 am, das ist die über die Weste gemessene
Oberleibweite, Ich zeichne das Vorderteil fertig, wie
Figur es anzeigt.

Yas Ziücketeik
bleibt im Bruch, ich ziehe die Linie Llslllll, indem ich
den Winkel am Bruch anlege, messe aufwärts die
Länge 132 am nach l-lllll, gehe bei lslllll Sam herüber
und 2 am hoch für die Halskurve, messe von lle erst 25 am nach RB, dann 37 am abwärts,
smesse von RB 16 am aufwärts nach m die Achselhöhe und ziehe die wagrechten Linien aus.
Von m nach llll messe die Rückenbreite 18—s—3 =21 am, von RB nach R die Rücken-
breite und 7 am = 25 am (bei E 26 am) und von L nach U 2l3 Oberweite = 32 am und zeichne
das Hinterteil fertig.
Die schwach punktierten Linien zeigen den Havelock mit Ärmel an, wobei die Seiten-
svitze mit der Achselnaht vereinigt wird. Der Armel kommt mit der Rückennaht nicht in
Berührung.
—185——

Fig. 16 Fig. 1?
(Deutsche BekleidungsiAlkademie München.) (Nachdrurk verboten.) 24
—18(i—

Die Havelock-Pelerine.
(Fig. 18.)
Diese Pelerine wird mit dem Kragen festgenäht. Die Aufstellung ist folgende:
Ich messe vor allem von A nach B die Länge und mache bei B eine kleine Winkel-
linie, hieran messe ich von B die Tiefe des Halses am Havelock-Vorderteil also Jem, Vgcm
Zugabe, weil die Pelerine auf dem Havelock zu liegen kommt, also erfahrungsgemäß etwas
giößer sein muß. Von der Linie AS messe ich vor allem den Einbug der Pelerine und dann

Fig. 18

den übern-in des linken Teiles zurück gibt n. Von n sei-m zurück, winsde die Stelle geben,
an der am Havelock-Vorderteil die Überschlaglinie hindurch läuft, M ist also die Mitte des Halses.
Ich messe von M zuerst scm und von diesen Z cm noch weitere 9 cm = W cm ber-
weite und 1see-m. Von diesem Punkt, der von M nun 12 cm entfernt ist, zeichneKnach
aufwärts eine Linie. Wenn die Winkellinie B mit dieser neuerdings gezogenen Linie z sammen-
trifft, ist s die Halsspitze. Von dieser Halsspitze s ziehe ich nun mit der Länge der Pelerine
—187—

Z einen Kreisbogen von Z nach ZZ. Zu diesem Zwecke setze ich die Spitze des Zirkels bei s
an und ziehe den Kreis von Z nach llll zu.
Hierauf setze ich die Spitze des Zirkels bei Z ein und zeichne mit der Länge von Z
nach s einen Zirkelbogen. Wo sich die beiden Zirkelbögen treffen ist ZZ. Von ZZ erweitere
ich nach W die Pelerine noch um Vsem Oberweite, hier 16 cm und zeichne den oberen Kreis
gerader, wodurch die Pelerine auch an Weite gewinnt.

Die Pelerine.
Eine nicht unbedeutende Rolle spielt in der Schneiderei gegenwärtig die Pelerine.
Abgesehen davon, daß dieselbe bei einem Hohenzollerw oder Kaisermantel als ein Teil des
Ganzen gilt, wird dieselbe auch lediglich allein als Uberkleid viel benützt. In der französischen
und italienischen Armee ist die Pelerine als Uberkleid obligatorisch, ebenso auch in der Schweiz.
In der deutschen Armee werden Versuche gemacht, um für die Kavallerie ebenfalls die Pelerine
einzuführen. Trotzdem die Pelerine seit sehr langer Zeit die Fachwelt beschäftigt, werden
im Zuschnitt noch sehr viele Fehler gemacht. Wer hätte nicht schon häufig Pelerinen gesehen,
die über der Schulter massenbaft Falten machen oder am Rücken vollständig glatt anliegen,
was ebenso unschön aussieht. Meistens jedoch ist die Pelerine rückwärts oder vorne zu kurz.
Mit wenigen Worten: So einfach eigentlich der Zuschnitt der Pelerine ist, gibt es doch sehr
viele Fachleute, welche es nicht verstehen, eine richtige Pelerine zn schneiden. Als vor einigen
Iahren die Pelerinen besonders viel getragen wurden, speziell auf Hohenzollern-Mäntel, und
zu gleicher Zeit die Radfahrer dieselbe als Überkleid erkoren, waren gute Modelle für Pelerinen
sehr begehrt. Ich habe in diesem Buch die wesentlichsten Formen der Pelerinen-Arten berück-
sichtigt. Durch die jahrelange Praxis habe ich gefunden, daß die besten Resultate bei der
Aufstellung mit einem Sacco-Muster erzielt werden. Ich nehme mir zur Aufstellung ein der
Größe resp.»Oberweite des Rades entsprechendes Sacco-Modell, wenn möglich sogar ein
Stehbrust-Sacco und konstruiere darnach das Rad, ganz gleich, ob es nun ein ganzes oder
halbes ist. Um dem Lernenden dies recht deutlich zu machen, habe ich bei der Konstruktion
auch das betreffende Modell dazu gezeichnet und ist dies für den Aufstellenden lediglich eine
Erleichterung.
-—188—

Der Hohenzollern-Mantel mit Pelerine.


(Fig. 19 und 20.)
Oberweite 50 am über dem Rock. «
Die Aufstellung dieses Mantels ist die gleiche wie die eines Havelocks, mit Ausnahme
eines Armloches, wie das bei dem Paletot, da hier Armel eingesetzt werden.
Von A uach a 6 am. Von a nach B die Länge
;:130 am. Von B nach Z den zweireihigen llbertritt
vou 16 am. Bei Z die Oberweite 50 am angelegt,
bei Rü die Rückenbreite 19 am abgebrochen Von Rü
nach Vo 14 am Armlochdurchmeffer. Von Z nach s
Ve am Oberweite, 81s2 am zurück. Die Armlochtiefe
Ve am Oberweite von Vo nach l) 25 am, nach l-l 45 am.
Von l-l——c 2 am. Die Armlochtieflinie gezogen nach
aufwärts von R IXZ am Armumfang 16 -s—2 =18 am.
s und f verbunden, die Achsel auch 18 am breit und
das Armloch ausgezogen. Der Hals wird vonZnach
l·1 Ixn am Halsweite —s— 1 : 9 am tief, 3 am von der
udetschlagsunie weiter vdr befindet sich die Hers-
mitte.-Die Kanten werden, wie die Zeichnung zeigt,
fertig gezeichnet Die Seitennaht wird von R 3 am
nach sP erhöht und kommt unten von aa der Uber-
schlagslinie 50 am Oberweite zurück-—
— Ullll -

VDar- Ziückiteic
erhält vor allem eine 6 am breite Quetfchfalte, es
wird von Rl. nach lslllll 182 am lang. Von l-lllll——RB
26 am = die Rückenbüste, 46 am die Taille. Von RB
nach a 3 am, nach m 16 am.
— Das Rückteil wird von l-lllll nach V 8 am breit,
2 am erhöht. Von m nach W 22 am, von a nach
sp 221-2 em. Von« no nach-n 22 em breit.
Das wird folgendermaßen abgemessen: Die Breite des Vorderteiles von der Seitennaht ist
R—0. Den gefundenen Betrag bei RB am Rückteil angelegt bis nach R Oberweite 50 —s—2
= 52«am. Unten wird das Rückteil von Rl. nach ll Eise Oberweite = 35 am breit. sP-R und
U werden verbunden, dadurch erziele ich die Weite von T nach E in der Taille von selbst.
Was die Unterweite zu groß ist, wird durch einen Gurt in der Taille zusammengenommen
Bei Mänteln, die ohne Anprobe gemacht werden, wird der Knopf und Gürtel wie folgt, be-
stimmt: Am Vorderteil von ll nach F die Weite gemessen, den Betrag, den wir hierdurch
erhalten, hier 32 am, lege ich bei E am Rückteil an und messe die Unterweite = 46 am und
2 am Zugabe = 48 am und an diesem Punkt des Gurtes kommt der Knopf zu stehen.

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DaS ganze Rad.


(Fig. 21.)
Fionsttulitiom
Ich zeichne dasselbe gleich direkt auf Stoff und verfahre auf folgende Weise:
Ich lege den Stoff auseinander, lege hierauf die Länge der Pelerine, nehmen wir
an 120 am, bei A an, und messe dieselbe nach B. Die Oberweite über die Weste ist 48 am
zur Hälfte. Ich nehme also ein Modell 48 am Oberweite, lege-»das Riickteil bei B an und
unten aa. 12 am herein, damit sich am Rücken genügende Weite oder eine Glocke bildet. Ich
zeichne den Hals des Rückteiles fertig, lege hierauf das Vorderteil gleicher Größe direkt mit
der Rückteilsachsel zusammen, ohne für die Nähte etwas abzubrechen, weil der Hals etwas

- . -
größer sein muß als bei dem Sacco, und zeichne auch den Hals des Vorderteiles fertig.
Habeich ein gewöhnliches Sacco-Modell mit einer für Faaon oder Umfall berechneten Hals-
tiefe, so muß ich bei x noch um 11X2 am tiefer gehen, damit das Halsloch dem eines Steh-
brustsaccos"enlfpricht. Vorne zeichne ich das linke und rechte Teil, wie es die Zeichnung
veranschaulicht. Die vordere Länge und die Länge an der Seite finde ich, indem ich von B
nach x am Hals eine Linie ziehe, ebenfalls über die Mitte der Schulter, welche sich 2 am
oberhalb der Rückteilsachsel befindet, wie auch der Pfeil an der Zeichnung anzeigt. Wo
sich nun die Linie von B nach x und der Pfeil treffen, ist Punkt W. Von diesem Punkt llll
aus ziehe ich bei A beginnend einen Halbkreis, der mir die Seiten- und Vorderlänge ergibt.
Selbstverständlich bekommt der Rücken von A bis B« eine Naht. Bei kürzeren Pelerinen ist
es auch zweckmäßig, sobald es die Stoffbreite erlaubt, neben der Pelerine noch das Rückteil
eines Mantels wegzuschneiden

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DaS halbe Rad. «


(Fig. 22.) T

Franflrukition
Das halbe Rad wird am zweckmäßigsten geschnitten, indem man bei einer riickwärtigen
Länge von aa. 80 am 2 am Stoff vom Stück abschneidet, denselben auseinanderlegt und
wieder der Länge nach zusammenlegt. Auf diese Weise erhält man ein quadratähnliches Stück,
wobei allerdings der Strich quer einläuft, allein darauf ist nicht zu achten
Ich lege nun das Rückteil eines Saccos gleicher Größe an dem künstlichen Bruch an
und zwar so, daß das Rückteil bei L 12 am weitereherein kommt und am Rücken eine Glocke
bildet. Ich zeichne hierauf von l-lVll nach V den
Hals des Rückteiles fertig, ebenso die Schultermitte,
welche sich 2 am oberhalb der Rückteils-Achsel befindet.
Diese Linie wird so lange fortgesetzt als die Achse
breit ist, also bisw. Um diese 2 am, welche ich
die Rückteilsachsel verbreitert habe, schmälere ich die
Vorderteils-Achsel und lege nun die Achselspitze des
Vorderteils ebenfalls bei VV an. Ich halte die Achsel-
spitze bei llll fest und je mehr ich die Halsspitze s
nun herunterdrehe, desto enger wird die Pelerine.
Gewöhnlich lasse ich zwischen V und s einen Abstand
von 12 am.
Das Halsloch und die vordere Kante werden
nun nach den Umrissen des Sacco-Vorderteiles fertig
gezeichnet. Ist das Modell ein Sacco mit einem
Umfall, also hoch geschnittenem Hals, so muß bei le
der Fall noch um 172 am tiefer geschnitten werden;
bei einem Stehbrust-Sacco, also einem Sacco mit
Liegkragen, ist die Halstiefe am Modell auch die
richtige Halstiefe fix-t- die Pelerine. Es erübrigt mir
noch die richtige Länge festzustellen. Zu diesem
Zwecke suche ich das Zeutrum des Halses. Dieses
finde ich, indem ich von Vll über V eine Linie ziehe.
Wo diese Linie den Bruch des Stoffes erreicht, wäre
das Zentrum. Insolge des Suaons aber, der sich
zwischen V und s gebildet hat, muß ich mit dem
«sz Zentrum ebenfalls nachgeben, dies geschieht dadurch,
daß ich von Hber A, der Mitte von V und s, ebenfalls eine Linie ziehe bis zum Bruch
des Stoffes. Nun übertrage ich die Länge von VV über V bis zum Bruch auch von VV über
A auf die letztgezeichnete Linie und ich habe at, das Zentrum, gefunden Von at aus mache
ich nun mit der Länge at—
— L einen Zirkelbogen L= VL und ich habe die richtige Länge
an der Seite und vorne. Bei sehr hohen Achseln brauche ich jedoch an der Seite mehr
Länge, hier s sich den Zirkel bei A ein und zeichne mit der Länge von A—L den Kreis-
bogen nach «
Das Bündchen zum Aufknöpfen der Pelerine setzt man am besten mit der Naht an,
um die nötige Länge zu erreichen, jedoch kann man dasselbe auch gleich am Halskreis stehen
lassen, nur muß dasselbe am Halse gut gezogen werden«
Deutsche BekleidmtgsiAliademie München)
— 193 —

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eNachdrucli verboten. )-
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—194——

Die geteilte Pelerine.


Die populärste Pelerine von allen ist weitaus die geteilte. Dies hat seinen haupt-
sächlichsten Grund in der Stoffersparnis Die geteilte Pelerine wird mit Hilfe eines Sacco-
Modelles gleich direkt aus den Stoff gezeichnet. Da man hierbei den Stoff nicht ausein-
anderznlegen braucht, so ist es auch leicht durchführbar, diese Pelerine dem Strich nach zu

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Fig. 23

schneiden Eventuell ist es auch in den meisten Fällen erlaubt, die untere Weite durch ein
Stück zu ergänzen, wenn der Stoff nicht die notwendige Weite aufweist. Es ist ziemlich
gleich, ob ich mit der Hinterteils- oder Vorderteils-Pelerine beginne. Nachdem ich aber bis
jetzt-mit der Hinterteils-Pelerine angefangen habe, will ich hier eine· Ausnahme machen und
zuerst die Vorderteils-Pelerine aufstellen
Fronflrnlition (Fig. 23.)
Ich lege das Stehbrustsaeco-Modell, das ich entsprechend der gemessenen Länge ver-
kürze oder verlängere, auf den Stoff und zeichne vor allem den Halbkreis s-—l1. Von lI
—— 195 —-
brauche ich nach vorn noch 3 am Übertritt und einen kräftigen Einbug, der mir auch gleich-
zeitig für die Knopflöcher das Besetz ersetzt. Damit die Naht auf die Mitte der Achsel kommt,
gehe ich mit der Zeichnung meiner Vorderteils-Achfel von s beginnend 2 am zurück. Mit
der Länge, die ich von s nach AL messe, ziehe ich nach rückwärts einen Kreisbogen ltlL. Wie
weit steht nun ML von VL entfernt? Bei gewöhnlicher Weite rechne ich von VL nach IIL
die ganze Oberweite = 48 am und die halbe Oberweite : 24 am, zusammen also 72 am,
wird jedoch in die Achsel bei f ein Suaon hineingemacht, so kann die Pelerine auch enger
geschnitten werden, wie EV zeigt.

Die Rückkeilspelerina
(Fig. 24.)
Nachdem man auch hier die Länge des Sacco-Rückteils nachkontrolliert hat, legt
man vom Bruch des Stoffes laus gerechnet das Modell 12 am herein, damit sich am Rücken

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-s— 196 —
auch reichliche Glocken bilden. Ich zeichne sodann den Halskreis des Rückteils an und gebe
den Betrag, um den ich die Vorderteilsachsel verkürzt habe, der Riickteilsachsel wieder zu VVV.
Von V, welcher Punkt etwas oberhalb des Halskreifes liegt, ziehe ich einen Kreisbogen thlL
Als Weite von L—ltlL nehme ich die Oberweite = 48 am und mindestens Un Oberweite =
16 am dazu, ist also 64- am. EV zeigt auch hier eine etwas engere Form an. Die Seiten-
länge der beiden Pelerinenteile werden noch nachkontrolliert und entsprechend der Riickteils-
pelerine ausgeglichen
Wer die Pelerine ganz glatt im Rücken haben will und alle Falten an der Seite-
muß das Modell des Saccorückens am Bruch anlegen Sollte es auftresfen, daß am
Vorderteil ein Stück an die Seite kommt und es ist nicht übermäßig breit, kann dasselbe
durch eine Verbreitung des Rückens ersetzt werden.
Aus einen hauptsächlichen Punkt muß ich bei der Pelerine noch aufmerksam machen,
daß ist der Stehkragen Viele Zuschneider lassen den Stehkragen gleich stehen, es schadet
dies nichts, wenn der Kragen an den Rundungen gut ausgezogen wird, wenn derselbe aber
durch eine Einfassung oben gar eingezogen wird, so ist er viel zu kurz, wodurch die Pelerine
vorne am Halse-in die Höhe getrieben und unten deshalb übereinander geht. Man thut
deshalb gut, wenn der Stehkragen eigens ausgesetzt wird.
NX -
X

Der Wetter-Mantel
s (Fig. 25.)
« Der Wetter- oder Holzknechtsmantel ist ein Kleidungsstück, daß speziell in Gebirgs-
gegenden gerne getragen wird. Der Zuschnitt geschieht aus folgende Weise:
Ich schneide 180 am Loden ab, lege den Stoff auseinander und dann quadratähnlich
wiedefzusammen Hierauf nehme ich von Z-—Z die« Mitte c. Von c—A = 71s2 am, von
A nach 845 am, at ist 2 am unter c. Von at nach ll W Halsweite = 71s2 am —s— 1 am
Zugabe = 81l2 am. Hieraus ziehe ich den Halskreis aus und runde die Teile s uud s ab.
«« Für die Achsel kann auch von Z ein Abstich von 20 am gemacht werden, welcher jedoch nicht
notwendig ist. Vorne ein Schützen-»v 30—35 am mit einer Knopfleiste.

spie Fiapuza
(Fig. 26, siehe S.198.)
Es gibt mancherlei Kapuzen, am häufigsten sieht man jedoch wohl die mit gebrochenen
Spitzen .
Eine ganz einfache, aber viel schönere Kapuze ist die, welche ich hier vorführe. Jch
ging beim Suchen und Zeichnen derselben von dem Gedanken aus, daß, wenn man einen
Mantelkragen so breit machen würde, daß man denselben oben über dem Hut wieder zusammen-
nähen könnte, man eigentlich eine Kapuze erhalten müßte, und der Versuch gelang vortrefflich
und ich erzielte eine weit schönere Kapuze als früher.

Yie eKonstruktion
Ich ziehe die Winkellinien A—B —s— Ac, messe von A nach klein a Vi Oberweite,
rund 12 am, von a nach ll herein die Hälfte von diesen 12 = 6 am, von ll nach c herunter
die halbe Halsweite 24 und 2 am für Einbug vorn = 26 und 5 am Suaon und Nähte
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—- 498 —-
= 31 am. Ich zeichne jetzt den Fuß vom Stehkragen, dann den Stehkragen selbst, wie
ersichtlich. Als Höhe der Kapuze messe ich von klein a nach B bei einem großen steifen
Filzhut aa.48 am, das ist die Oberweite über die Weste. Bei einem weichen oder niederen Hut

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A
O Fig. 26 «
« X C - , »

kann man ruhig einige Centinieter wenigernehmen Ich zeichne von-E nach c die Ossnung
der KaprM welche ebenso» gesteppt wird, wie die Kanten am Mantel.
es« Vorne anderO ung wird ein Gummizug eingezogen, oder einige Haken und
Ofen angebracht — , «
Die Kapuze mit gebrochenen Spitzen ist eine sehr populäre und wird« von seiten
- der Kundschast viel gewünscht.

Die Honflrnletion
(Fig. 27 und 28.)

Maß: Halsweite F: 45 am.


- Ich ziehe die Mlinie AEB, messe von A nach E die ungesähre Taillenlänge von
44 am, von E nach B Its Halsumfang := 15 am. Von Enach F Ise Halsweite —s— 1 =
12 am, sodann eine Linie nach aufwärts. l( ist 7 am von E entfernt oder Its Halsweite
= 71s2 am. Ich ziehe sodami den Halskreis aus, indem ich bei l( 21s2 am aufwärts gehe.
Von E--nach L nehme ich für gewöhnliche Kopfbedeckung ca. 7 am mehr als die Rückenbreite,
hier also 25 am. Bei hohen Hüten und solchen mit breitete Rändern muß dieser Betrag
vergrößert werden. Punkt ll finde ich auf folgende Weise: Ich ziehe mit der Länge von A
nach E einen Zirkelbogen und iibertrage die Breite E—L 25 am von L nach lV. Bei L
mache ich einen Suaon und bei A werden die Ecken abgerundet. Da die Linie AEB den
Bruch bildet, so bekommt diese Kapuze, wenn der Bruch auseinander gelegt ist, die Faaon
wie es die Figur 28 zeigt. Die Punkte A vereinigen sich bei M, der Rückenmilte.
— 200 -——

Die Weste.
Ida-S Maßnehmen.
Ossnung und Länge.
Ich lege die Zahl 1 des Maßbandes am Halswirbel an, fahre ein Stück um den
Hals herum, dann zur gewünschten Ossnung :: 30 am, dann ohne rückwärts loszulassen
sin gerader Richtung zur ganzen Länge =,(38 am.
—- cDie Oberweite. q
denw - Man schlinge das Maßband um den
Körper dicht unter den Armen und ziehe es
B »:s Z A » ziemlich stramm an =96 =48 am. Es hat
sosssssssss st---Itos-sssst.? keinen -Wcl«t, das Ylllß lose zU nehmen, da
«« « CI sonst die ganze Weste in allen Punkten zu
« »» ,««« sz weit wird. «
« . Yie Bluterkeibweita
»»,xj.« , «'-» E Hat man die Oberleibweite gemessen, so
E , F— : läßt man das Maßband zur Taille herunter
V « : gleiten und mißt auch dieses Maß ziemlich
s .O« X- s« : stramm-—88 =44 am. Es ist nicht mehr
»O « « 's z E gebräuchlich, wenn man das Maßband erst
Iz- sz»—-; » « « D ne zusammenlegt und so das ganze Maß oder
- , fxuspsssfssssssssst«.-.-. , Cz dlc Zahl zU halbieren sucht.

« · J 7» «« I Die Taillenlänge
s s wird nur dann genommen, wenn der Kunde
;- ««’. s eine einzelne Weste bekommt, wo das Rock-
« « « f I maß fehlt.
xH » . O Yie Honflrielition

-«- sI M a ße : Ofthig
n 3o)a m, Länge 68 am,
Uo «I i I - k - - , « J IEHLW Tc Oberleibweite 96s48 am , Unterleibweite
H He « 88X44 am.
Da das Vorderteil aus Stoff, der Rücken
»H» aber aus Futter besteht, habe ich es für ein-
sN F facher und praktischer gefunden, jedes Teil
RAE-X MER- einzeln zu zeichnen, man hat dadurch nicht
« « » immer nötig ein Modell zu schneiden, sondern
MLL JWYZØJZEM zeichnet das Vorderteil aus den Stoff gleich
9 J an seinenPlatz, dann den Rücken aus Futter
Fig. 1 eigens ohne Modell.
Breitenpunkte.
Ich ziehe die Winkellinie A— B—c, messe von A«— B die halbe Oberweite von 48——
=
24—s—1-I-250m,vonn—— Hedong4=641—-—7 am, verbleibt von b— B 18 am,
davon die Hälfte weniger 1—
— 8 am von h—s, gibt die Halsspitze s.
—201—

Tiefpunkte
Von A—f ZIXZ am, von A—at die halbe Oberweite weniger 1 = 23 am, von
A—c die Taillenlänge = 44 am, von c—..—l-· eine Verlängerung nach Wunsch nnd Mode,
hier rund 8 am oder Ve- der Taillenlänge-
Man ziehe die senkrechte und wagrechte Linie aus, messe von U gegen c die halbe
Unterweite = 22 am, wer einenHüftenfueon machen will, muß 114-L am zugeben, wie
H
eine andere Figur zeigt, doch ist bei ge-
wöhnliher Körperhaltung »ein solcher un-
nötig, wie denn überhaupt die viele Suao-
nierung bei dieser gewöhnlichen Brust nichts
taugt.
J-— « Ossnung und cLänge-.
X.
0

« -.Da fkägt sich, wie breit sonder Rücken


am Hals werden? Ich sage wieder Vz Hals
weite, rund7IJ2 am, lege die Zahl 7 bei s
an, weil durch die Naht der halbe Zentimeter
verloren geht, messe nach 0 30 am Ossnung,
nach L 68 am Länge. Die Achsel kann von
s—f eine beliebige Breite erhalten, hier 14 am.
(Fig. 2.)

Da bei schlanken Figuren, wenn dieselben


nicht geneigte Körperhaltung haben, der Bauch
I HX RUTLIUIUv

zurücktritt, stellt man die Kante L 3 am zurück,


bei geneigter Haltung nur 11,2—2 am.
Man zeichne das ganze Vorderteil fertig,
«
· spXX X« kehde XXX TIERE XXXX X
X

wie die Figur zeigt, und gebe für einreihige


XXVX
» X

Faaon 3 am Überschlag oder Kreuzung Die


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TH-
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Stellen, welche gezogen werden, sind durch


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x
» Xspx k — A

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»xx«s«-0X .-

Schraffierungen angezeigt.
«»x»X«
«« X
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Auch wie der Shawlkragen geschnitten


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und dressiert werden muß, ist an der Zeich-


»««xx««..»

nung ersichtlich.
..QKG

Yes Rücken
(Fig. 3 s. Seite 202.)
Ich will zum leichteren Verständnis
zuerst ein Rückteil zeichnen, wie solches nach
, Jzszåzxky ymøsz regelrechten geometrischen Prinzipien anzu-
fertigen wäre und ziehe die Winkellinie A—
T—AV,1nesse von A gegen V in gerader
Lisnie 772 am und 2 am hoch, von A nach RB die kurze Rückenbüste, das ist 2 am mehr
als die Armtiefe am Vorderteil—
— 25 am, von A—T die Taillenlänge-—
—— 44 am, von T— Z
—-8 am oder Ve, Taillenlänge (Fig 4)
» Man wird mir nun entgegenhalten, daß ich beim Rock die Rückenbüste gleich der
Armtiefe desVorderteils gemacht habe, aber dort ist die Armtieflinie schräge gezogen und
hier, wo kein Armel hineinkommt, gerade, wodurch sich das wieder ausgleicht. Ich stelle nun
(BelrleidungS-2lliademie München) (Uacb»druckr verboten.) 26
—202——»

die Rückennaht bei T 3 am herein, damit etwas Wölbung erzielt wird, auch verlängert sich
dadurch die Rückenbüste noch etwas.
Wie breit soll der Rücken werden?
Das Vorderteil hat-ohne Kreuzurnz von at—0 eine Breite von 25 am; diese Zahl 25
lege ich an der hereingestellten Riickenuaht RB an und messe nach at die Oberleibweite
48 —s— 3 = 51am, sodaß also dfeeinreihige Weste im ganzen 6 am weiter ist als das Maß.

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Sig. 3 Zig. 4

Diese 6 am reichen vollkommen aus und wird die Weste eher zu weit als zu eng,
weshalb jede weitere Zugabe unzulässig ist, was sich besonders Anfänger merken mögen, welche
aus Anngeit alles zu weit schneiden Unten mißt das Vorderteil von der hereingestellten
Hüftennaht bis II 22 am; ich lege diese Zahl ebenfalls an der hereingestellten Riickeunaht t
·an, messe nach c die Unterweite 44 —s— 3 = 47 am. Punkt l-· steht 3 am über c hinaus, damit
ja die Weste über die Hüfte nicht zu eng wird.

»Die Ychsekhöhe
findet man am sichersten und einfachsten, indem man mit der kurzen Rückeubüste = 25 am einen
Zirkelbogen von A—VV zieht und dann von V—Vll die Vorderteils-Achselbreite überträgt und
1s2 am zugibt.
—- 203 —

Bei hohen Achseln stellt man die Naht 1—11X2 am höher = i, bei abhängenden
Achseln 1—11-2 am tiefer : a.
Damit das Armloch rückwärts genügend ausgeschnitten wird, mißt man von der
Rückennaht nach R die schmale Rückenbreite ;= 18 am und zeichnet das Armloch, sowie den
ganzen Rücken nach Vorlage fertig.
Yer gchnalkgztrk
wird häufig ganz falsch plaziert-und zwar meistens zu tief, wodurch derselbe die ganze Weste
in die Höhe zieht, man setze also das untere Ende des Schnallgurtes auf den Hüftenpunkt c
—- so, daß die Breite des
Gurtes oberhalb der
kurzen Taille zu liegen
kommt.

««»» Yer gonoon im Rücken.


, Durch die Zugabe
von 3 am unten wird
die Weste in der Taille
ziemlich weit, sodaß der
Schnallgurt ziemlich weit
übereinander geht. Allein
ich möchte empfehlen, den
Rücken bei c nicht enger
zu machen, sondern wer
diese Weite nicht will,
schneide sie wie anpunk-
tiert heraus, denn wenn
, es erlaubt ist, im Rücken
,- unten einen Zwickel ein-
zusetzen, so ist es auch
gestattet, einen Aus-
schnitt anzubringen.
Der Zweck des Aus-
schnittes ist, erstens auf
das Schulterblatt Wöl-
bung zu bringen, dann
aber stellt sich, wie schon
angedeutet, der Punkt c
·- — . weiter vor, wodurch die
» s --« eigentliche lange Rücken-
i ; · «——-- » , -« biiste von A—c sich ver-
is M« 9 größert.
Ein Ziiietiteic nach der Yraxiky
(Fig 5)
Es mag überflüssig erscheinen nochmals einen Rücken vorzuführen, allein die Praxis
J bringt Vorteile und Handfertigkeiten mit sich, welche das ABC der Theorie umgehen. Habe
ich das Vorderteil aus den Stoff herausgeschnitten, nehme ich das Futter, schlage ein Stück anf,
264
—204—

lege die Seitenlänge des Vorderteils l-·—at unten bei kau, gib EB, halte l-· bei B fest und
dirigiere die Halsspitze s am Bruch hinauf-, gibt A oder den Halswirbel des Rückens. Bei
aufrechter Haltung breche ich 1 am ab ;- a, bei geneigter Haltung gibt man 1——11X2 am zu,
legt den Winkel am Br,u»ch «an, zieht die Ouerlinien A— V, dann EB— at, dann T— c und B—F.
Die Weite wird ebenso gemessen,Jvie schon beschrieben, auch die Achselhöhe wird auf
dieselbe Weise gefunden
Auch hier kan die Riickennaht hereingestellt werden, allein viele Kollegen sind nicht
zu bewegen, dem Rücken in der Mitte eine Naht zu gebeu. Auch wie der Schnallgurt und
der Shawlkragen zu schneiden ist, zeigt die Figur 9 deutlich.

Die Weste für sehr aufrechte Haltung


(Fig 6)
. as bei dem Rock maßgebend ist, macht sich auch bei der Weste geltend.
XXBei aufrechter Haltung wird die Brust breiter, der Rücken schmäler, das Armloch
bleibt sich. bei ein und derselben Oberweite gleich.
Ich messe von A— B die halbe Oberweite— —— 24 —s— 2—
— 26 am,1X-4 von 24— — 6 —s—
1 —7 am gibt b, bleiben von b— B 19 am, davon die Hälfte weniger 1— — 81X2 am, von
bquibt die Halsspitze.
Die Halsspitze kommt hier Vz am weiter von B zurück, was durch ein etwas kürzeres
J
Aufsetzendes Shawlkragens ausgeglichen wird.

J s Yie cTiefpunkte
bleiben sich gleich, nur das Armloch versenkt sich durch den Suaon nachher mn 11-, am.
I. Bei der Unterweite gibt man 2 am für den Hiiftensuaon, von U—U zu.

Yer Åöerschkag.
Diese Weste ist zweireihig und hat einen angesetzten Revers, welcher unten 61-2,
oben 7 72 am breit ist, und nach der Mode schmäler oder breiter gehalten werden kann. Wer
« den Revers nicht gerne wegtrennt, läßt die Naht weg und verlegt den Ausschnitt in die
Knopftour.
Yer Rücken
(Fig 7)
Bei sehr aufrechter Haltung ist ein Hereinstellen der Rückennaht in der Taille nicht
nötig,wohl aber empfiehlt es sich, die Naht zu höhlen.
X
X
Yie Yiickienöiiste
wird 1 am kürzer und die Achsel bei W 1 am höher gehalten. Da sehr aufrechtgehende Per-
sonen stets ein starkes Gesäß haben, so ist manchmal ein Einsatz zweckdienlich.
Bemerkung: Es ist unstatthaft, daß man alle Wölbung, welche die Brust erfor-
dert, durch Einbiigeln der Brustkante oder durch Einziehen des Halsloches herstellt; in diesem
Falle müßte allerdings die Halsspitze um 1 am zurückgestellt werden, der Sitz der Weste wäre
aber nicht gut, dieselbe wirst bald Blasen und steigt beim Sitzen gern in die Höhe. Man
schneide deshalb in das Arm-loch einen kleinen Suaon; ebenso von unten der Brustmitte zu
einen Suaon
— 205 —

Die Weste fiir geneigte Haltung.


(Fig. 8 s. Seite 206.)
Bei geneigter Haltung wird die Brust schmäler, der Rücken breiter, das Armloch gleich.
Ich messe you A — B die halbe Oberweite = 24 am, von A—b M- :: 6 4- 1 :- 7 am,
bleiben von b—B te am, die Hälfte weniger 172 am = 7 am von b—s, gibt die Halsspitze.

Fig. ?

Fig. 6.

Die Tiefpunkte bleiben sich gleich, dagegen wird bei L die Kante nur 1—1’-2 am
hereingestellt, weil die geneigten Personen dort alle breiter sind, als solche mit gerader Haltung
Alles übrige zeigt die Figur selbst.
-« 206 — «
Yet Ziiielim
(Fig; 9.)
Hier muß die Riicketinaht unbedingtiwenigsteusB am im Bogen hereingestellt werden,
auch muß ein kräftigerAusschM gegen das Schulterblatt gemacht werden. Die kurze Rücken-
»biiste von RB—A wird länger, also 3 am.größer als die Armtiefe des Vorderteils.
»- « t

L WWZ· Fig. 9
Zig. 8

Die Achselhöhe wird bei W 1 am tiefer gestellt und ist auch dieser Rücken leicht nach
der Vorlage zu zeichnen.
—207—

Die Bauchweste
, (Fig. 10 und-n s. Seite 208.)
Maß: Ossnung 38 am, Länge 74 am, Oberleibweite 112X56 am, Unterleib-
weite 120X60 am. «-
Jch messe von A— B die halbe Oberweite = 28 —s— 1— — 29 am, von A—— b «- von
28— — 7 —s— 1 :.—: 8 am, verbleiben von b— B———
—21 am, davon die Hälfte weniger 11t2= 9 am,
welche von b—s gemessen werden und die Halsspitze ergeben-
Ich stelle demnach auch hier die Halsspitze etwas weiter zurück, denn je mehr die
Unterleibweite zunimmt, desto mehr stellt sich die Halsspitze zurück, wie ich schon beim Rock
bewiesen habe.
Tiefpunkte
Messe von A—f 31X2 am, von A— at die halbe Oberweite weniger 2 : 26 am, nach
c die Taillenlänge
—-46 am, von c— l-· 8 am Verlängerung :—. 54 am.
Ich habe also hier das Armloch 2am höher gestellt, als es sich durch die halbe
Oberleibweite 28 stellen würde, dieses ist leicht verständlich, denn der Mann verändert sich
nicht mehr in der Länge oder Tiefe, sondern nur in der Weite, deshalb bleibt die Armtiefe
verhältnismäßig zurück.
Die Breite der Achsel beträgt hier 15 Vg am und kann schmäler und breiter gemacht werden.

Yie Anterweite.
. Das Verteilen der Unterleibweite ist nicht so einfach wie bei den vorhergehenden
Größen, sondern muß sehr sorgfältig geschehen.
Solange die Unterleibweite Z—4 am kleiner ist als die Oberweite, besteht ein nor-
males Verhältnis, es tritt die vordere Kante nicht über den Winkelrahrnen hinaus.
Sobald aber die Oberleibweite und Unterleibweite gleich groß sind, ist schon ein
Bauchvortritt vorhanden, welcher sich selbstredend vergrößert, wenn die Unterleibweite zunimmt.
Ich stelle deshalb folgenden Modus fest:
Oberleibweite 48 am, Unterleibweite 44 am, Bauch—0 am, Oberweite 48 am, Unter-
leibweite 48 am, Bauch— —-
—4 am, Oberleibweite 56 am, Unterleibweite 52 am, Bauch-—
— 0 am,
""Oberleibweite 56 am, Unterleibweite 60 am, Bauch—
— 8 am.
« Demnach rechne ich von 56—60 sind 4 am und 4 = 8 am.
Weiteres Beispiel 58 am Oberleibweite und 64 am Unterleibweite:
Von 58—64 am sind 6 am und 4 dazu——-: 10 am Bauch.
Bei gewöhnlicher Körperhaltung legen sich zwei Drittel dieses Bauches noch vor, das
letzte Drittel auf die Seite und nach rückwärts.
Ich gehe demnach bei c 1 am heraus und gebe dem Schuß noch bei F 2 am, dann
messe ich die Seiten naht bei c bis U die halbe Unterleibweite und 3 am, das sind 30 —s— 3
-—: 33 am, wodurch sich die Kante 3 am über die Winkellinie hinausstellt, bei L geht man
Ve am herein und zeichnet das Vorderteil nach der Vorlage fertig, wobei man den Bauchsuaon
nicht vergessen darf. Die Kreuzung beträgt auch hier 3 am.
Wer eine Stehbrustweste machen will, läßt 11,t2 am Stehkragenhöhe stehen, setzt oben
bei s einen kleinen Teil ein, damit der Hals und die Achsel dort lang genug wird, bei
weichen Stoffen genügt ein starkes Ausziehen jener Partien.
—208—
per Rücken.
(Fig. 11.)
Der Rücken kann bei Bauchwesten, sofern der Mann eine gewöhnliche oder aufrechte
Haltung hat, im- Bruch bleiben, sobald aber eine geneigte Haltung vorhanden ist, muß man
eine gebogene Naht-machen und diesekbe in der Taille wieder 3 am hereinstellen.

c « ' « IXT
D Zwin-
F Jl- 254
i f H B

Iig.11

»Sitz. 10
Die kurze Rückenbüste wird bei Bauchwesten stets 1 am kürzer gehalten, als bei ge-
« wöhnlicher Haltung von A—RB = 27 am, das ist 1 am mehr als die Armtiefe des Vorder-
teils, bei aufrechter Haltung ist Armtiefe und kurze Rückenbüste gleich und nur bei geneigter
Haltung wird die Rückenbiiste 2 am größer gemacht als die Armtiefe des Vorderteils.

Yie Achselhöhe
wird bei starken Personen stets 1 am, bei starken sehr aufrechtgehenden Personen 2 am über
den Zirkelzug gestellt. Alles übrige ist an der Zeichnung ersichtlich.
—209——

Knabenwefteii
(Fig. 12 und 13).
Knabenwesten werden-ganz genau nach demselben Modus aufgestellt, wie die 48er
Westen aufgestellt wurden, und man hat auch hier zu beobachten, ob der Knabe-eine gewöhn-
liche, aufrechte
oder gar schon eine geneigte Körperhaltung hat.
ZurAbwechslungm den Faaons habe ich hier eine Stehbrust mitUmlegkragen gezeichnet.
Die Ossnung von B herunter beträgt ein Va Oberweite— —- 6 —s— 2 = 8 am und
geht man dort 1 am über die Winkellinie herein. Das linke Teil hat nur 11X2 am Ubertritt,
während das rechte Teil 5 amjreit ist.

XX

V
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Z-
Hing

c J-
0 a T

»He-J »
F. I MS

r Wwekk Zig- 13
Fig. 12

» Her Rücken
(Fig. 13.)
wird nach denselben Grundsätzen gezeichnet, wie schon angeführt, nur gibt man, wenn der
Rücken im Bruch bleibt, der Oberleibweite nur 2 am zu. Bei der Westenprobe verfahre ich
auf die nämliche Weise wie bei dem Rock. Ich nehme die Kanten übereinander, stecke die-
selben mittelst zweier Stecknadeln an den Kanten fest und zeichne den llbertritt an, sehe nach-
der Länge, ebenso Hüfte und Achsel, wo ich einen eventuell vorhandenen Fehler durch ein
Zeichen mit der Kreide anmerke. Man sehe streng daraus, daß auch der Schnallgurt bei der
Probe angebracht ist.
Deutsche BekleidungsiAlcademte München.) Machdrnek verboten.) 27
-—210—-

Die Hofe nach vereinfachtem System.


(Yiretit ans gitoff zu zeichnen).
———«-—-——

-«" Einleitung
schkkomme jetzt zu einem sehr wichtigen Abschnitt, und zwar behandelt derselbe die Hose
und deren Zuschnitt im allgemeinen.
Es gibt viele Fachleute, die dem Zuschuitt ier Hose nicht jene Aufmerksamkeit und
Sorgfalt angedeihen lassen, welchen derselbe erfordert.
« Während man den Rock sorgfältig studiert, für jede andere Körperhaltung seine Ab-
änderuttgeNrifft, verlangt man von einem Hosenschnitt, daß er in seiner Aufstellung schon
so gehalten ist, daß eine Abänderung bei verschiedenartigem Wuchs zu umgehen sei. Kurz
und gut, eine gute normale Hosenkonstruktion soll stets gute Resultate erzielen. Wie viele
Meister und Zuschneider hörte ich schon sagen: »Ach, wegen der Hofe studiere ich nicht lange
herum, ein guter gerader Schnitt paßt zu jederzeit und wenn er nicht paßt, dann, nun ja,
dann hat der Arbeiter den Schnitt verdorben.« Gut gesprochen, aber ich frage zuerst, ist
dieses auch wahr und ist das vielleicht eine Ausrede, mit welcher sich die Kundschaft zufrieden
stellt? Was kümmert sich die Kundschaft, wer an der nicht passenden Hofe die Schuld trägt,
sie will und verlangt eine gut passende, tadellose Hose. Auch die Ausrede, der Kunde ist
nicht normal gebaut, oder derselbe hat keine geraden Beine u. s. w., darf absolut nicht gebraucht
werden, denn für jede Beinformation kann »eiue gut passende Hofe gemacht werden.
Wer trägt die Schuld an diesem Ubelstande?
Der Schlendrian in allererster Linie, dann die frühere und jederzeit wieder auf-
tauchende Mode, die Hosen recht eng zu tragen und alles durch die Dressur hineinwiirgen
zu lassen.
Wie viele Kollegen messen eine Hofe an, ohne die Beine und deren ganze Formation
genau zu beachten.
Wer dieses nicht tut, kann auch von der besten Konstruktion nicht verlangen, daß die
Hofe paßt.
Es zwingt mir jedesmal ein mitleidiges Lächeln ab, wenn ich von Fachleuten, ja
selbst von Zuschneidelehrern sagen höre, was kümmern mich die Beine, wenn ich nur die Gesäß-
oder Bundweite richtig habe, eine gute normale Hose sitzt dann von selbst.
Mancher Anfänger glaubt dann, das muß ein «tüchtiger Mensch sein, der braucht
soche WissenschaL nicht, wie ich sie anwende, abgesehen von mancherlei Reklamationen. Der
erfahrene Kollege jedoch belächelt ihn und denkt sich, mir machst Du nichts weiß, auf Deinem
Standpunkt bin ich vor so und so vielen Jahren auch gestanden, ich weiß, was ich damals
wußte und dachte; und weiß auch, was ich heute kann und weiß nnd was für Resultate
ich erziele.
Es wäre gewissenlos, wollte ich nur darauf ausgehen, die verschiedenen Schwierig-
keiten zu umgehen oder zu verdecken, um mein Werk als kinderleichtes System an den Mann
zu bringen, um auf diese Weise Abnehmer zu bekommen.
Im Gegenteil halte ich mich als Leiter einer Schule verpflichtet, recht eindringlich auf
die verschiedenen Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, dieselben zu besprechen und zu er-
klären, auf welche Weise man am besten um dieselben herumkommt, ohne Schaden zu nehmen.
Ich kann diese Einleitung nicht schließen, ohne auf die geringe Fachkenntnis im
Hosenschnitt aufmerksam zu machen, an welcher der weitaus-größte Teil sämtlicher Kollegen
gelitten hat, als die weite Hofe modern geworden.
Auch hier zeigt sich die Tatsache, daß, bis die Mode sachlich richtig verstanden wird,
längst eine andere Mode Platz gegriffen hat. «
Kollegen aber, welche die Körperformen kennen, deren Abwicklung verstehen, denen«ist
jeder Modenwechsel nur angenehm.
—211—-

DaS Anmessen selbst.


1. Maß.
Yie Zeitenkänge.
J (Fig. 1.)«
( Jch messe «an der Mten Seite, setze die Nummer 1 in den Hüften oder in der ge-
wünschten Höhe an und fahre, ohne am Knie anzuhalten, herunter bis zur Sohle, das heißt
ich Jege den Zeigefinger in der Rinnes zwischen Sohle und Uberleder des Stiefels an und
messe bis zum Zeigefinger Ich habe gar nichts dagegen, wenn die Lage vom Knie gemessen
wird, allein durch tausendmalige Messungen habe ich erfahren, daß die Knielage ebenso sicher,
ja ich behaupte sogar noch sicherer durch meine Berechnung gefunden wird, als durch eine
» Messung. Ieder praktische Zuschneider wird mir recht geben, daß ohne ein mehrmaliges Tasten

Fig.1. Seitenlänge. « Zig. 2. Schrittlänge.

die Mitte der Kniescheibe nicht gefunden wird. Abgesehen davon, daß mancher Kunde an
dieser Stelle empfindlich ist, hat ja die Kniescheibe selbst eine gewisse Länge von 7—8 am,
davon gerade die Mitte zu finden, ist schwer, weil diese von der Hofe bedeckt wird.
Ich will gleich hier schon einschaltete, daß ich als Knielänge die Hälfte der Schritt-
länge und on derselben von unten heraus nehme, z. B. Schrittlänge 80 am, die Hälfte = 40
und Ifxo von 80 =: 8 am, 40 —I— 8 = 48 am von unten herauf.

2. Maß.
«-« Yie Hchritkkänge.
« (Fig— 2—)
Ich fahre mit der linken Hand von rückwärts durch den Spalt, drücke sanft das be-
schlagene Ende gut in die Höhe, selbstredend ohne Schmerz zu verursachen,-fahre sodann mit
der rechten Hand resp. Zeigefinger bis zur Sohle.
27I’11.
—- 912 —-
»- Z. Maß. (Fig. 3.)
» Yie Bund- oder Gürkekweita
Man hebe die Weste etwas in die Höhe und messe die Bundweite sehr stramm, nur
bei starken, korpulenten Herre twas-lose. Sieht man aber, daß die Hofe des Kunden im
Bund zu eng ist und auf der Bauch einen Druck ausübt, so macht man den Haken auf, daß
der Bauch in seine richtige«»bequeuie Lage kommt.
L

Zig. Z. Bundweite. Fig. 4. Gesäßweite

4. Maß. (Fig. 4.)


Yie Gesäßweite.
Die Gesäßtveite ist über den stärksten Teil des Beckens zu nehmen, das ist in der
Mitte zwischen Schritt und Bund, jedoch in ganz wagrechter Lage. Alle Weitenmaße, also
auch die Gesäßweite sind stramm zu nehmen, ohne auf die Einrede des Kunden zu achten,
welcher, sobald er das Maßband fühlt, sofort einwendet, ich will die Hose bequem haben!
Man sage ihm, die Hofe wird schon bequem, ich muß nur die genaue wirkliche Stärke haben,
damit ich die Zugaben darnach richten kann. Es ist klar, daß alle besonderen Wünsche, auch
die über die Weite notiert werden müssen, um beim Zuschnitt darauf achten zu können.
.- 5. Maß. (Fig. 5.)
Yie beiden gichenüek zusammen, oder auch Yerimeten
Dieses Maß ist in der Fachwelt vielfach als kleines Gesäß bekannt.
Es umfaßt beide Schenkel direkt unter den Gesäßbacken in ganz wagrechter Lage,
welche ebenfalls stramm gemessen werden, ohne zu drücken.

S 6. Maß. (Fig. 6.)

X
Yie rechte obere gschenliekweite
wird ganz oben, direkt unter dem Spalt stramm gemessen. Dieses Maß ist bei der Auf-
stellung nicht notwendig und führe ich es hauptsächlich an, um zum Schluß zu beweisen, wie
vielfach unrichtig dasselbe genommen und angewandt wird.
—213—

i
1
t -
i?

Fig. 5. Perimeter. Zig. 6. Schenkelweite.

7 Maß (Fig 7)
-- Yie Finieweite
Auch dieses Maß wird zuerst ganz stramm genommen, um die eigentliche Stärke
des Knies festzustellen, erst nachher mißt man die Faaonweite, welche aber nach Wunsch und

Fig. 7. Enge Knieweite. Zig. 8. Jagonweite.


Mode reguliert wird. Solange mir ein Kunde nicht selbst die Knieweite angibt, was ja sehr-
oft vorkommt, halte ich mich an keine Zahlen gebunden, sondern richte mich, wie schon gesagt,
nach der gewünschten Faaon
— 214 ·-
8. Maß. (Seite 213).
»Die Jußweita
» Die Fußweite richtet sich ebenfalls nach Wunsch oder Mode und gilt dasselbe, was
ich eben von der Knieweitejgesagt habe. -
Um nun im Maßbuchejxch auch zurecht zu finden, mache ich in demselben folgenden
Vermerk:
Für gerade Beine (S =), für getvölbte Beine (B, 0), für unten nach auswärts
Xstehende Beine (B, A). Abstand der Füße unten-am Boden (At)). »
«—« Zu der vorzuführendem Hose nehme ich folgenden Maßsatz als Ubungsmaß an:
B = Bauchvortritt 2 am« Seitenlänge 107 am, Schrittlänge 80 am, Bund-
weite 84 am, Gesäß 96 am, Perimeter 88 am, Schenkel 55 am, enges Knie 38 am, Faaon
ilm Knie 46 am halbweit, Fuß 46 am.
Es ist notwendig, den Kunden über etwaige Wünsche, wie Taschen 2e. zu befragen.

Konstruktion der Hose.


Yratitischer Zinterricht
(Fig— 9-)
Erst sehe ich nach, wie der Strich geht, lege den Stoff unten bei T 7 am von der
Tischkante herein, bei R wieder auf die Tischkante heraus, so daß bei L die Stofskante über
die Tischkante herausgeht.
Ich lege den Winkel bei T der Tischkaute an, zeichne die unterste Linie, dann den
Aufbug, welcher bei dressierten Hosen klein, zirka 2—21X2 am sein soll, weil die Hose durch
disDressur länger wird und der Einschlag, oder Einbug zu groß wird, messe von A nach c
20 am Vorderhosenbreite, die Hälfte = 10 gibt am M.
Ich lege die Zahl 1 bei B an messe nach N die Schrittlänge 80 nach B ungefähr
95 nach L die Länge 107 am.
Yas Freie.
Ich habe die Tiefe vom Knie nicht gemessen, sondern nehme von der Schrittlänge
die Hälfte und Vio, das ist 40 —s— 8 = 48 am von A nach l(, lege den Winkel an der
Tischkante an, ziehe die wagrechten Linien wie die Figur zeigt. Diese Linien laufen nun
selbstredend aus dem Stoff schräge abwärts.
Yie Breitenpunkte.
Die größte Breite oder Weite hat das Gesäß = 96 am.
Ich messe Ika von 96 = 24 am von der Tischkante B nach S A und bei engen
Hosen von B = klein n I« Perimeter und die Naht = 221X2 am nach D, und l) und A zu-
sammen verbunden.
Von ll—s W von den 24 = 6 am gibt die rechte Schrittspitze, für das starke
Teil 2—21-2 am mehr. Man nehme jetzt von der rechten Vorderhosenbreite := 29 am die Hälfte
= 141X2 am gibt die Mitte til und ziehe von unten nach oben die Mittels oder Faaonlinie,
ziehe sodann von l) über c- eine Linie gibt Punkt E, stelle bei l-: den Bauch 2 am vor = f,
messe von f zurück nach l-' If4 Bund = 21 —s- 2 = 23 am, wodurch der Hüftenabstich er-
zielt wird.
sp—215——

Yie Hchlitztiantem
- Es ist von großer Wichtigkeit, daß
F Pfg-Z- E
L. · TUILUIIIITHIU die Schlitzkanten nicht so stark geschweift
sind, es wird sonst die Hofe dort zu eng
kx , und unten an der Kreuznaht zu lang und
e i
unrein, auch zwängt sich die rechte Schütz-
, «. patte heraus. Ich ziehe deshalb von l)
B z- --Z- nach der Mitte heraus eine kleine schräge
. I1Ilslllsllllllslllll c
Linie, messe von ll—i jenen Betrag den
W der rechte Schlitz hat = 6 am für das
R J-
linke Teil, und 21J2 am (also 1-- am mehr
als das linke Teil vorgestellt wurde), von
i nach o zurück gibt das rechte Teil.
Je D Wenn einmal Auge und Hand Ubung
N« IIluuunthnnttwnu hat, findet man die Kurven ohne Zahlen.
B st Bei G geht man ebenfalls 1 am vor,
sk- »s« nicht wegen der Nähte, sondern damit
z von dort aus die Uberbrückung gemacht
werden kann, welche die Höhlung des
Körpers an der Schamleiste erfordert.
Man ziehe jetzt den Schlitz geschmack-
voll aus wie die Figur 9 zeigt.
t
El

it Yas Linie.
il- (Fig. 9.)
i
« O " Mo
« oH
Es wäre ganz falsch, wollte man die
Knieweite von der Faaonlinie aus gleich-
«,l1sIRJIllt
mäßig verteilen, denn das Knie ist seiner
Beschaffenheit nach, nach innen stärker als
außen, demnach geht die Faaonlinie nicht
durch die Mitte der Kniescheibe wie Figur 9
zeigt. Ich messe deshalb von U nach il
W vom strammen Knie-s—21X2 am. Die
Knietveite beträgt 38 am 1X4 = 972 —s—
272 = 12 am, bei engere Hosen Ve —s—
2 = 111X2 am, bei weiten Hosen IX4—s— 3
= 121X2 am. Damit will ich sagen, daß
eine Zugabe von 2 am das Wenigste ist,
und daß je weiter die Hofe wird auch die
Zugabe wächst, so daß zuletzt die Schritt-
uaht bei weiten Hosen gerade wird.
Von l-l messe man jetzt bei engen und
halbweiten Hosen die halbe Faaonweite
= 23 und die Nähte = 24 am zurück, da-
mit man womöglich die Stoffkante erreicht.
Z-.c Bei engen Hosen trifft aber an der
Seite mehr oder weniger heraus, was bei
gestreiften Stoffen oder solchen mit Gallon
unterbleiben muß.Ich werde an diesesThema
—216—

noch besonders kommen, bemerke aber jetzt schon, daß es in solchen Fällen am besten ist, man
schneidet ein Vorderhosenmodell aus Papier, läßt am Knie 1——2 am stehen und nimmt oben
zirka 2 am verloren weg, damit die Seitennaht gerade wird, und beim Nachmessen der Hinter-
hose wird oben der Betrag zugegeben, im Knie weggenommen, wodurch die Seitennaht der
Hinterhose allerdings eine große Schwingung erhält.
Man zeichne die Schrittnaht und alles übriae fertig wie Figur 9 darstellt.

Yie Hinterhose.
«» « X- (Figur 10.)
Nachdem man die Vorderhose herausgeschnitten, legt man dieselbe aus den ver-
bliebenen Stoff,« womöglich so, daß die rückwärtigen Streifen möglichst gerade werden und
nicht so schräge über den Waden laufen, auch muß der Stoff unten zirka 2 am länger sein
als die Vorderhose, was sehr wohl zu beachten ist.
Ich fange stets unten an.
»Punkt ltil ist Mitte der Vorderhose, nicht aber zugleich von der Hinterhose, denn die
Füße stehen vorne viel weiter voneinander ab als rückwärts und nur bei 0-Beinen kommt es
dann und wann vor, daß-die Füße gleichlaufend sind. Dieses ist jedoch beim Maßnehmen
wohl zu beachten nnd zu notieren. Erfahrungsgemäß stelle ich das Zentrum der Hinterhose
3 am über das Vorderhosenzentrum M hinüber, und ist hier ct die Mitte der Hinterhose.
Die Faeonweite soll 46 am betragen, dazu 2 am für die Nähte macht 48 am, wovon die
Vorderhose 20 am mißt, verbleiben demnach für die Hinterhose 28 am. Die Hälfte von 28
ist 14, ich messe sonach von ct—B 14 am und von B zurück nach A = 28 am. Ich muß
hier einschalten, daß es manchem Kollegen der schon länger nach irgend welchem System zu-
geschnitten hat, als unrichtig erscheinen mag und nur ungern will sich sein Auge daran ge-
wöhnen, allein ich kann nur wiederholen, daß es so sein muß, wenn sich die Hofe nicht
drehen soll, so daß die Seitennaht zu weit auf den Stiefel vorfällt, welcher Fehler meistens
dem Hosenschneider zugefchoben wird.
Auch am Knie muß man bei halbweiten Hosen zirka 5 am, bei engen Hosen wenig-
stens 3 am, die Hinternosennaht herausstellen
Ich messe somit von l·l——c 5 am, damit jedoch der Punkt c nicht zu hoch wird, so
mache ich in der Mitte zwischen Vorder- und Hinterhosennaht einen Punkt klein rn, von welchem
aus von l-l nach c ein Zirkelzug gezogen wird, dann messe man die Vorderhosen-Schrittnaht
von l·l—s, lege bei c an und mache mit dem Betrag einen Zirkelzug von s—R, messe von
s—F, mache damit einen Zirkelzug nach Z, messe von der Seitennaht lsl—F, mache damit einen
Zirkelzug nach 0, wodurch die Höhe der Hinterhose festgelegt wird.

spie Fenieweita
Man messe die Vorderhosenbreite von l(—l-l = 24 am, lege diese Zahl bei c an,
messe zurück nach V die Faaonweite 46 —s— 2 für die Nähte = 48 am, wodurch sich bei
engen und halbweiten Hosen die Seitennaht der Hinterhose hereinstellt. Man hüte sich es
anders zu machen und gar etwa im Schritt etwas weg zu nehmen um es der Seite zuzugeben.

Yer Hpactdnrchmessen
Der Spaltdurchmesser wird vielfach nur Schrittspitze genannt. Derselbe gehört ganz
entschieden zum wichtigsten Punkt der Hose, weil von ihm die hauptsächlichste Bequemlichkeit
abhängt und es ist eigentümlich, daß dieser Punkt von so vielen Fachlenten nur sehr schwer
verstanden wird. Aber ist es denn ein Wunder, daß hier so wenig Klarheit herrscht, wenn
—217—

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Fig. 10
(Deutsche BekleidnngsiAkademie München.) (Nachdruek verboten.)
— 218 —

fast alle Schulen und alle Lehrbücher diesen Punkt so dilettantenhaft behandeln und zu geistes-
arm sind, um durch Wort und Bild denselben begreiflich zu machen. Ja selbst Lehrbücher ganz
neuen Datums vonxejner Fachkorporafion herausgegeben, von der man Aufklärung hierüber
und zwar mit Recht verlangen könnte, geben darüber auch nicht den geringsten Aufschluß, ob
aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit bleibt dahingestellt. Die Hauptsache ist bei solchen Leuten,
ihrem Vorwort gemäß, nur die-Konkurrenz kalt zu stellen und herabzuwürdigen, was aber
mit hohlen Phrafen nicht geschehen kann, weil Wissen stärker ist als Prahlerei.
Um dem Lernenden das richtige Verständnis beizubringen, führe ich zuerst die Figur 11
au, welche einen Querdurchfchnitt an jener Stelle veranschaulicht, wo die beiden Schenkel sich
zu einem einzigen Körper vereinigen und das eigentliche Gesäß bilden. Die Mitte dieser zu-
sammengewachsenen Schenkel ist Punkt A, Punkt B ist die vordere, Punkt lsl die rückwärtige
Grenze-dieses Zusammenwuchfes, während Punkt E die Seitennähte darstellt. Von E—B
bildet demnach dieselbe Breite, welche die Vorderhose von- Ist-D mißt. DieHinterhose mißt
aber ohne jede Zugabe denselben Betrag, welcher von E nach D geht, somit wäre der Betrag

Fig. 11

von l) über E nach B der halbe Perimeter = 44 am. Das Gefäß aber überragt diesen
Perimeter bedeutend, wie dieses die Figur von L—U anzeigt, das ist der sichtbare Teil der
Hose. Der größtenteils unsichtbare Teil der Hofe geht von D—B und stellt den Spaltdurchs
messer dar.
Da ich bei der wissenschaftlichen Hofe denselben weit ausführlicher erkläre an der
Hand von mehreren Maßen, so muß ich hier mich auf das Wesentlichste beschränken, schon
deshalb, weil ja, wie ich eingangs erwähnt habe, der Zufchneider nur die wenigen notwendig-
sten Maße besitzt. Wie groß ist nun die Partie von D—8? Die einfachfte Antwort wäre,
erstens der Schenkeldurchmesser = 18 am, wäre auch der Spaltdurchmesser, allein dieser Betrag
würde nur für eine Hofe genügen, welche anliegt, wie die eigene Haut. Das kann der Stoff
nicht, und je weiter der Stoff vom Schenkel absteht, desto größer muß der Durchmesser sein,
ich gebe deshalb den 18 am noch 2—4 am zu, das soll heißen, bei eng anliegenden und
halbweiten Hosen gebe ich 2 am und bei weiten gerade fallenden Hosen 4 am zu, das ist der
Betrag, den das halbe Gesäß, 48 am, größer ist, als der halbe Perimeter = 44 am.
Da hier die halbtveite Hose in Betracht kommt, gebe ich 2 am zu, habe somit von
D—B einen Durchmesser von 20 am. Nun wird man mir einwenden, wenn man aber weder
—219—

Schenkel noch Perimetermaße hat, was dann? Alsdann nehme ich von dem halben Gesäß
hier 48 am, Vs = 16 am und gebe bei der engen und halbweiten Hofe 4 am zu, macht eben-
falls 20 am Durchmesser, bei der weiten Hofe gibt man 6 am zu.
Erst jetzt kann ich mit der Konstruktion der Hinterhose fortfahren, und verweise ich
wieder auf Figur 14. -
Von diesen 20 am Durchmesser hat die Vorderhose von ll—s = 6 am, verbleiben
demnach für die Hinterhose noch 14 am, welche von D nach R gemessen werden.
Die Schrittnaht kommt also nicht in die Mitte des Durchmessers zu liegen, sondern
weiter nach vor und ist dies lediglich eine Sache der heutigen Mode.

Yie Hreuznahi.
Die Kreuznaht geht von Punkt R aus über die rechte Schlitzkante bei F- -und kommt
-bei f heraus. ,
-Wie ist Punkt f zu finden?
Wenn man den Betrag von L—U halbiert, so hat man Punkt f gefunden, allein
« nur bei der engen, also anliegenden Hofe darf die Kreuznaht so schräge gestellt werden, je weiter
die Hofe in den Beinen ist, desto gerader muß die Kreuznaht aufsteigen. Bei der halbweiten
Hose, wie im vorliegenden Falle, steht Punkt f 1 am näher bei E.
Yie Gesäßweite.
Man mißt die rechte Vorderhose P—l; weniger 1 am für die Nähte = 24 am, legt
diese Zahl bei S an, mißt retour nach PP 48 —s- 4 = 52 am. Diese 4 am genügen für die
Bequemlichkeit vollständig.
Yie Heitenuaht der Hinterhose.
Man ziehe eine Linie von der Kniekehle V über PP nach O, ist nun die Hinterhose
viel zu weit, so daß man sich nicht getraut alles durch einen Suaon zu entfernen, so sticht
man bei 0 die Hinterhose 1—2 am ab, damit von 0 über PP ein kleiner Bogen entsteht,
bei il geht man ein wenig herein, soll aber die Hofe ganz anliegend sein, so muß man voll-
ständig auf I herein» gehen, damit die Hase ja nicht weiter wird, als das genommene
Perimetermaß. Uber den Waden macht man einen kleinen Bogen, doch soll der Waden
bei der halbweiten Hofe niemals breiter sein, als das Knie, unten fährt man schön geschweift
auswärts nach dem schon gefundenen Punkt A.

Yie Höhe der Hinterhose


ist bereits durch den Zirkelzug gefunden worden und man ziehe von 0—Z eine gerade
Linie, nehme wie schon angedeutet, alles was die Hofe zu weit ist, durch einen Ausschnitt
heraus, wie ihn die Figur zeigt. Die Ansicht, als ob für den Schnallgurt 2 am Uber-
schuß vorhanden sein müssen, ist ganz unrichtig, denn weil das Bundmaß über der Hofe
genommen wurde, wird dieselbe immer noch zu weit.
Hosen die ohne Hosenträger getragen werden, müssen 2 am enger geschnitten werden
als das Maß beträgt, auch macht man die Hinterhose bei Z zirka 3 am tiefer, ganz abgesehen
davon, daß solche Hosen im Leib 2—3 am kürzer sein müssen, das heißt, sie sollen fest in
den Weichen sitzen und an der Hüfte einen Halt haben.
Bei dieser Gelegenheit kann ich es nicht unterlassen, den Fachmann aufzufordern,
jungen Leuten stets Hosen mit niederem Leib zu empfehlen, und den Hosenträger, als gesund-
heitsschädlich, zu verbannen. Man stößt hier zwar auf Widersprüche und viele Kunden wollen
den Hosenträger nicht ablegen. In solchen Fällen soll und darf kein eigensinniger Zwang
288
— 220 —-
geiibt werden, denn wer anschasft, hat schließlich auch zu befehlen, allein guter Rat schadet
niemals. Mancher Kollege hat seinen Geist angestrengt, den Hosenträger durch andere Vor-
richtungen zu ersetzen, wie Gummieinsätze, Schnallgurt von Gummi nnd dergleichen, allein es
bleibt bei allen diesen Neuerungen immer und immer wieder nur das eine hervorzuheben, die
Hüften müssen die Hosen tragen, was am besten durch einen langen, gut plazierten Schnall-
gurt geschieht.
Yie Dressur der Hose.
(Fig. 12—)
Soll eine enge oder halbweite Hofe am Schenkel, Knie und Waden anliegen, und
die Schwingungen des ganzen Beines mitmachen, so müssen die geschnittenen einzelnen Teile
dressiert, das heißt, mit Gewalt durch ein heißes Eisen gezwungen werden, jene Formen au-
zunehmen. Die Schuld daran liegt an der Gewohnheit oder Mode, daß man die Hofe nur
mit zwei Nähten schneidet, welche an der äußeren und inneren Seite der Beine entlang gehen,
während doch die hauptsächlichsten Schwingungen der Beine rückwärts liegen.
Könnte sich also die Mode zu einer Nahtverfetzung, oder zu einer Hofe mit 3 oder 4
Nähten entschließen, so würde sämtliche Dressur wegfallen und man könnte alle Höhlungen
dahin plaziereu, wo man sie braucht. Solche Hosen, wie ich schon viele geschnitten habe,
werde ich später anführen, und kann ich behaupten, daß dieselben alle Anforderungen die man
nur an eine Hofe stellen mag, erfüllen.

Yie Yressur
der Vorderhose besteht nur in einem mäßigen Ausziehen jener Stellen, welche durch schräge
Schrasfierungen markiert sind, während in der Mitte die Hofe etwas eingebügelt wird.
Die Hinterhose dagegen muß, je enger dieselbe geschnitten ist, desto mehr in der
Kniekehle ausgezogen und über den Waden gebügelt werden. Dadurch wird die an der Seiten-
naht-angelegte Form der Hinterhose nach der Mitte übertragen.
Der Zuschneider muß die Zwicker selbst machen, das heißt, er soll womöglich selbst
die Stiche an jenen Punkten einziehen mit einem eigenen Faden, welcher von dem Hosen-
schneider nicht gut zu erlangen ist. Das Einzwicken ist wertlos und gefährlich, denn erstens
reißt der Stoff gerne ein, zweitens aber, schneidet der Arbeiter die Zwicker, weil sie ja nur
klein gemacht werden können, weg, sei es vor oder nach dem Zusammensetzen und macht sodann
selbst welche, die dann allerdings stimmen. Ich lasse mir stets die Hosen mit den einge-
zogenen Stichen liefern und erst nach einer genauen Kontrolle entfernen, dann bekomme ich
keine Differenzen mit dem Hosenschneider wegen dem Zusammensetzen.
Yas nun das Elattbügecn der Hosen anbelangt, so darf man nur gerade Beine
siachliügecm bei x- und besonders bei 0-Yeineu ist dieses strengstens zu vermeiden.
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Die weite gerade Hose.
(Fig. 13 und 14.)
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Ich nehme als Ubungsmaße die gleichen Maße, welche ich bei der halbweiten Hose
angewendet habe.
Beine = Bv = 2 am, al) 7 am, Seitenlänge 107 am, Schrittläuge 80 am, Bund
84 am, Gesäß 96 am, Perimeter 88 am, rechter Schenkel 54 am, enges Knie 38 am, Faaon
gerade, Fuß nur 44 am.
Yie Vorderhose

,- (Fig. 13.)
unterscheidet sich vou der vorhergehenden Vorderhose nur dadurch, daß sie im Knie etwas
weiter gehalten ist, indem man von U—U Ist Knie —s— 3 = 121X2 am mißt, die Seitennaht
bleibt stets gerade, so daß auch oben von U—U der Perimeter nicht in Anwendung kommt.
Am Fuß muß die Vorderhose aufgeftochen sein und zwar je enger die Faaon unten
wird, desto mehr wird sie gekürzt. Auch kann die Schrittläuge bei enger Form unten
1—1-1-2 am gekürzt werden.
Der Eiubng muß bei nicht dressierten Hosen größer sein, als bei dressierten.
Alle weiteren Punkte sind an der Zeichnung selbst genau zu verfolgen, und ist die
Aufstellung der weiten Hofe mit Ausnahme von den bereits erwähnten Abänderungen die
gleiche, wie vorhergehend beschrieben.

Yie Hinterhose.
·(Fig.14.)
Die Hinterhose bei der weiten Faaon unterscheidet sich sehr wesentlich von der
früheren. Ganz abgesehen davon, daß sie weiter ist, muß auch die Stellung eine ganz andere
sein. Es zwingt mir jedesmal ein mitleidiges Lächeln ab, wenn ich, selbst von Zuschneide-
lehrern, sehen muß, daß sie die Hinterhose bei der weiten Faaon nur dadurch abändern, in-
dem sie die Höhlung an der Seitennaht ausfüllen. Allerdings wird die Hofe auch dadurch
weit, aber wie sieht der gerade Fall aus? Ich werde nach der Konstruktion eine Beweis-
führung über meine Grundsätze der Hinterhosenaufstellung bringen. .

tFienstrulitiom
Ich messe wieder von lll nach at 3 am und ist dieses die Mitte der Hinterhose. Die
ganze Weite der Hofe beträgt 44 —s— 2 am für die Nähte = 46 am, davon mißt die fertige
Vorderhose 20 am, verbleiben für die Hinterhose 26 am, die Hälfte =13 am. Man mißt dem-
nach von est-B = 13 am und von B—A 26 am, ganz gleich, ob man über die Vorder-
hosennaht hereinkommt oder nicht. Von l-t—c mißt man 6 am und läßt die Seitennähte
gleich weit, eher geht man 1 am über die Vorderhose hinaus und nur wenn die Hofe ein
bestimmtes Maß, zum Beispiel 52 am haben soll, so müßte man über die Vorderhose herein-
kommen, denn an der Schrittnaht darf nichts geändert werden. In solchen Fällen wird aber
die Seitennaht der Hinterhose nicht mehr gerade und muß dieselbe deshalb so viel ausgezogen
werden, bis sie gerade ist und die Höhlung auf die Mitte der Hinterhose kommt.
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» Yer Hpactdurchmesser
ist größer wie ja schon beschrieben. Jch nehme Vs vom halben Gefäß 48 = 16 —s— 6 .—: 22 am,
wovon die Vorderhose ebenfalls 6 am hat, verbleiben demnach von D—R = 16 am für
die Hinterhose.
Yie cfireuznaht
wird gerade gestellt, indem man am linken Schlitzteil hindurch geht und bei E herauskommt.

Yie Gesäßweite,
Man mißt die rechte Vorderhose von P—l; = 24 am nach Abzug der Nähte, legt
die Zahl 24 auf der Kreuznaht an, mißt zurück nach PP 48 —s— 4 = 52 am.

Yie Heiteuuahi.
Ich ziehe von l( über PP eine gerade Linie, ebenso von l( nach A, oben bei 0 geht
man 1 am herein, bei PP 1 am heraus bis l(.

Yie Hinterhosenhöhe
ist dieselbe wie schon beschrieben und nur der Suaon wird hier stärker, weil dadurch eine
Länge nach dem Gesäß dirigiert wird.

Die Jason am Zinsz.


Ie enger die Hofe am Fuß ist, desto mehr muß die Vorderhose ausgehöhlt sein,
während die Hinterhose nach rückwärts länger wird. (Siehe Figur 2.) Die Vorderhose wird
am Fuße etwas ausgezogen.
(Fig. 15.)
Die erste Frage ist, soll die Zugabe für die Bequemlichkeit sich an der Kreuznaht in
Längsfalten legen, oder soll diese Zugabe an der Seitennaht sich zeigen?
Soll die Kreuznaht glatt sein, so muß unbedingtan diese Weise verfahren werden,
wie ich beschrieben habe und nur, wenn die Hofe an den Seiten glatt, im Spalt aber Falten
haben soll, wird die Hinterhose schräge gestellt.
Die Figur 15 zeigt eine Hinterhose, welche im Gesäß schräge gestellt ist, sowie es
sich bei engen und halbweiten Hosen ergibt. Diese Schrägstellung trägt wesentlich zuPBe
quemlichkeit bei, denn erstens dehnt sich ein schräger Stoff infolge seiner Elastizität, zweitens
aber, und das ist die Hauptsache, legt sich beim Zusammensetzen der Vorder- und Hinterhose
der schräge Teil zurück und bildet rückwärts eine Falte, welche sich unter das Gesäß herabdrückt.
Diese Falten erleichtern das Sitzen und Treppen- oder Bergsteigen, denn bei diesen
Bewegungen dehnen sich auch die rückwärtigen Teile des Körpers und die dort angelegte Fülle
wird aufgebraucht Es ist das ein ganz ähnliches Verhältnis wie beim Knie, auch dort
lagert sich beim Stehen eine Reservehaut, welche in bückender oder knieender Haltung aufge-
braucht wird, weshalb ja auch die Hofe dort weit gehalten wird.
Mit den Fingerknöcheln verhält es sich ebenso, auch da wird durch das Einbiegen der
Finger die Refervehaut aufgebraucht. Nun aber kommt die Mode, der Brauch oder Wunsch,
ja sagen wir gleich das bestimmte Verlangen des Kunden, daß diese Falten verschwinden
müssen, denn diese eine Falte ist die Ursache, daß die Hinterhose von oben bis unten sich staut.
-—225——
Diese obere Querfaltse habe ich durch Geradestellung der Hinterhose entfernt, aller-
dings habe ich zugleich viel Bequemlichkeit zerstört und ich muß suchen dieselbe aus andere
Weise zu ersetzen. In erster Linie geschieht dieses durch einen großen, kräftigen Sueon in

Z -

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Fig. 15

der Hinterhose, dann durch den größre-wir Spaltdurchmesser und Geradestellung der Schritt-
naht. Alle diese Längen und Weiten zusammengenommen ersetzen zum großen Teil jene Be-
quemlichkeit, welche ich durch Geradestellung der Hinterhose zerstört habe.

(BeleleidungS-Aleademie München.) (Nachdrueü verboten.) 29


—926——

—- Die Dickbauchhose
Einfachste und praktische Honstruiition
(Fig. 16.)
Ich brauche zu einer solchen Bauchhose, je nach der Stoffbreite, 1,35—1;50 Meter
Stoff, deshalb ziehe ich gleich oben von L—E eine gerade Linie, messe von L—A die vor-
dere Leibeshöhe 113 am und die Naht = 114 am, dann ist A wieder der Anfang, nur gibt
man unter A noch den Einbug Die Stoffkaute legt man bei-A 9 am herein naLdem Modus
wie ich anfangs erklärt habe, bei B laufen Stoffkante und Tifchkante zusammen. Von A
mißt man nach l( V2 Schrittlänge —s— Vio = 48 am, nach lI die Schrittlänge 80 am, nach
B zirka 95 am, nach F 11072 am Seitenlänge. Man lege den Winkel für alle Quer-
linien an der Tischkante an. -
Breitenpunkte.
Man messe von Z—s-l 1« Gesäß = 31 —1- 1 für Nähte = 32 am, hat man das
Perimetermaß nicht, mißt man von kl—s die halbe Schenkelweite = 35 —s— 1 = 86 am
und mißt-von s—ll zurück W von den oben angelegten 32 am Gesäß = 8 am, hat man
auch die Sehenkelweite nicht, so bricht man bei mittelstarkem Bauch 3 am, bei starkem Bauch
the am nnd bei sehr starkem Bauch 4 am von der V; Gesäßweite ab. Von D—s Vr von
82 = 8 am, gibt die rechte und 21-2—8 am mehr die linke Schrittfpitze.
Die rechte Vorderhose wird halbiert = 18 am, gibt die Faaonlinie lä.
Unten bei A nach c die Vorderhose 21 am breit halbiert= 101-e am, gibt die Facon-
linie Ul, welche jetzt gezogen wird.
Mit dieser Linie parallel läuft die punktierte Linie ll—f nnd es gibt demnach einen
Bauchvortritt, f—E von 4 am, welcher übrigens am sicherften dadurch gefunden wird, wenn
man von l) über S eine Linie zieht und fiir das rechte Teil 1 am hereingeht.
Die vordere Leibeshöhe mißt man von c nach E- Die Bundweite der rechten
Vorderhose ist 1-« von 120 = 30 —s— 3 = 33 am. Diese Zugabe von 3 am besteht aus
1 am Nähte und 2 am Anhaltung, damit die Wölbung von oben herunter eingearbeitet wird,
andernfalls wären kleine Suaons anzubringen. was bei Flügeltaschen leicht möglich ist. Der
Abstich ist auch damit von selbst gegeben. ,
Nun kommt es Manchem schwer an, die Bauchstellung auf diese Weise zu finden,
diesem rate ichdbeip an. der Seite bei l-· einen Abstich von 2—21Xs am zu machen und von
l-· nach E V4 Bund und 3 am als höchste Zugabe zu messen, bei kleineren Bäuchen gibt man
nur 2 am zu.
Yie Ftnieweite
Von l« der Faaonlinie mißt man nach lsl 1l4 strammes Knie = 11 —s— 21J2 am, = 131X2 am
bei weiten Hosen 8 am, dann von l-l-—l( zurück die halbe Faaonweite 26 —s— 1 = 27 am,
wodurch auch bei l( etwas Stoff herausfällt.
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Die Hinterhose.
Damit auch jeder Anfänger sich leicht zurecht findet, habe ich die Stosfkanten sowie
die Einteilung samt »denHosenstücken angezeichnet. Es ist besser, man macht an der Seite der
Hinterhose ein kleines Stück, wodurch dasjenige im Schritt kleiner wird, denn zu große Stücke
werden oft beanstandet. -
Man messe von U—U wieder 3 am, gibt die Mitte der Hinterhose. Die Faeon-
weite beträgt 48 —s— 2 am für Nähte = 50 am, davon hat die Vorderhose 21 am, ver-
bleiben für die Hinterhose 29 am, messe von ct—B = 141-2 am und von B nach A
zurück 29 am.
Von lsl nach c am Knie 5 am, messe die Vorderhose ab = 27 am, lege die Zahl
bei c an, messe zurück nach V 52 —s— 2 = 54 am.

Yer gipaktdurchmesser
beträgt Vs vom halben Gesäß 62 = 21 -s— 6 = 27 am. Ich behandle demnach bei dem
starken Mann den Spaltdurchmesser wie bei einer geraden Hose, denn die starken Herren wollen
die Hosen im Schritt sehr bequem. Von diesen 27 am hat die Vorderhose 8 am, verbleiben
für die Hinterhose 19 am, welche von U—R gemessen werden.
Wer den Spaltdurchmesser nach dem Schenkeluinfang berechnet, muß von dem halben
Gesäß 62 erst 3 am Bauchvortritt der Vorderhose bei S abziehen = 59 am, davon 1-, Peri-
meter 54 am bleiben 5 am, diese 5 am werden zu dem Schenkeldurchmesser 23 am gezählt,
macht 28 am Spaltdurchmesser, wodurch allerdings derselbe um 1 am größer wird, was aber
beim dicken Mann kein Fehler ist.
Yie Fereuznaht
geht wieder an der rechten Schlitznaht der Vorderhose durch nnd kommt zwischen der Hälfte
E—l« weniger nach E, bei F heraus, wodurch auch hier die Hinterhose schräge gestellt wird.

Yas Gesäß
Man mißt die rechte Vorderhose von P—l; ab, weniger 1 am für die Nähte, bleiben
81 am, legt die Zahl bei S der Kreuznaht an, mißt nach PP die halbe Gesäßweite
62 -s— 4 = 66 am.
spie Heiteunahi.
Man’zieht von V über PP eine gerade Linie, macht am Waden einen kleinen Bogen,
welcher eingebügelt wird, und zeichnet die Seitennaht, wie Figur zeigt, fertig, ebenso die
Schrittnaht.
Yie Höhe der Hase
Met man·auch hier, indem man mit der Länge N—l-· einen Zirkelzug nach 0, dann mit der
schrägen Länge Z—s-· einen Zirkelzug nach Z hinaufzieht. Was die Hofe zu weit ist, wird
durch einen Ausschnitt entfernt, selbst wenn derselbe 5—6 am groß werden sollte.
Nun kommt es aber dann und wann einmal vor, daß der Bauch weit größer ist als
das Gesäß, wodurch kein Suaon entsteht. In diesem Falle stelle man die Seitennaht der Hinter-
hose nach oben etwas mehr heraus, die Kreuznaht1—2 am gerader, wodurch dann ein Suaon
gemacht werden kann. Ich bin stets für ziemlich große Suaons eingenommen, weil dieselben
nach den Gesäßbacken zu Weite und Länge, also Bequemlichkeit bringen.

spie Yressur
ist dieselbe, wie schon früher beschrieben.
—229—

»Der grund.
Bei schlanken Hosen soll die Bundnaht
gehöhlt sein, allein bei Bauchhosen muß der-
Bund oder die Bundnaht gewölbt geschnitten
werden, damit zwischen Bund und Vorderhose
ein Suaon entsteht. Sobald dieses übersehen
wird, oder das die rechte Schlitzkante nach unten
nicht gewölbt gering gezeichnet ist, so steht die
Hofe vom Bauche- ab und es hat den Anschein,
als ob zu viel Bauchvortritt angeschnitten wäre,
was aber gar nicht leicht vorkommt.

Fluch bei weiten geraden Yauchhosen


ist zu empfehlen, daß man die Kreuznaht ziem-
lich schräge stellt und dieselbe an der Seitennaht
von« III-—() etwas weiter hinausstellt, als es
dem Schuß nach von V—l(, welche Punkte
ja bei weiten Hosen zusammenfallen, trifft,
denn der starke Mann zieht die Bequemlichkeit
einer glatten oder faltenlosen Hofe vor.
Ein weiterer Fehler liegt sehr oft im un-
richtigenSetzenderHofenknöpfeamvorderenBund.
Diese vorderen Knöpfe sollen nicht zu weit
zurück und nicht zu weit nach vorne kommen.
Allein mit dem besten Willen ist dieses
nicht immer sicher zu treffen, da die heutigen
Hosenträger nur selten so beschaffen sind, daß
die kleinen Riemchen mit den Knopflöchern sich
hin- und herbewegen können, was bei starken
Herren notwendig wäre. Ich kann es nicht
unterlassen, zu bemerken, daß man in diesem
Punkte noch sehr weit zurück ist, und daß selbst
wirkliche praktische Hosenträger aus falscher
Sparsamkeit zu wenig gekauft werden.

s. Das gewöhnliche O-Bein.


(Fig. 17.)
Dasselbe macht innen, vom Spalt bis zur
Sohle gerechnet, eine mehr oder weniger sichel-
förmige Höhlung.
Wer ein Vorderhosenmodell von dem ge-
raden Beine hat, könnte dieses am leichtesten
dadurch abändern, daß er das Modell an der
Seite bei l( sehr tief einschneidet, fast bis zu H.
Dann nimmt man den Einschnitt auseinander,
bis die Faaonlinie ist annähernd soviel nach
außen läuft, wie die Beine, wodurch die Seiten-
naht gerader, die Schrittnaht geschweifter wird,
)

was bei weiten Hosen wieder ausgefüllt oder


iiberbrückt wird.
Aber noch eine Änderung zeigt sich, welche
sehr zu beachten ist.
Die Seitennaht wird bei ein und der-
selben Schrittlänge länger und gewölbter,
Punkt F hebt sich und Punkt E stellt sich vor.
Das ist diejenige Stelle, auf welche ich schon
lange hingewiesen habe, wenn die Hofe unten
nicht zusammen fallen will,« es sei denn, man
macht den Haken und die oberen Knöpfe auf.
Auch Punkt l) hebt sich, oder was gleich ist,
Punkt s versenkt sich. - «
Da sich die Hinterhose nach der Vorderhose
unter denselben Bedingungen richtet, wie bei
der geraden Beinformation, so ist eine Wieder-
holung unnötig.

2. Das gewöhnliche X-Bein.


(Fig. 18.)
Da ich nun einmal davon ausgehe, daß
die gemessene Schrittlänge bleiben muß, so
schneide ich auch hier von l( gegen lsl ein, nur
nehme ich jetzt die Kanten übereinander, wo-
durch sich der untere Teil nach außen dreht,
während der obere bleibt wie er ist. Was an
der Seite im Knie übereinander genommen
wird, muß an Länge unten bei Aa ersetzt werden.
Es liegt klar auf der Hand, daß diesmal
die Auffüllung an der Seite zu geschehen hat
und zwar soviel, als man wünscht.
—231—

Z. Die gewölbten Schenkel.


(Fig. 19.)
Zahllos sind jene Beine, welche vom
Spalt bis zum Knie bald eine kleinere, bald
eine größere Höhlung aufweisen und am
Knie selbst nur einen kleinen, sagen wir
regelrechten Abstand haben.
In diesem Fall schneidet man das gerade
Modell in der Mitte zwischen l( und I ein,
nimmt die Ränder soviel auseinander, bis
die nötige Höhlung, welche ja, wieschon ein-
gangs angeführt, gemessen wird, erreicht ist.
Nach oben erzielt man dieselbe Wirkung wie
bei den 0-Beinen. Von N—A wird auf-
gefüllt und auch im Schritt von s—l-l.
Nun wird aber die Seitennaht selbst etwas
zu lang, so daß, wenn man die Hinterhose
ebenfalls so lang einsetzt, dieselbe rückwärts
viele Querfalten erzeugen würde, gerade, als
hätten.wir die Hinterhose im Gesäß schräge
gestellt. Was nun tun?
Die Vorderhose muß über dem stärksten
Bogen 1—11X2 am einlisfiert und die Länge
auf die Mitte der Schenkel gebiigelt werden,
damit sie dort lang genug, an der Seite
aber etwas kurz wird.
Da solche Personen meistens auch stark
hinausgedrückte Waden haben, so muß man
die Hinterhose über den Waden ebensoviel
anhalten, denn nur dann bekommt die Hofe
jene Form, die das Bein, von der Seite
betrachtet, hat.
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4« Gewölbte Schenkel, unten


X-Beine.
(Fig. 20.)
Nicht selten zeigt sich auch eine solche Bein-
formation. Der obere Teil wird genau be-
handelt wie soeben beschrieben, während das
untere Bein durch einen Einschnitt am Knie
übereinander genommen wird, wie bei dem schon
beschriebenen X-Bein.
·— 233 —

Die Pumphose (Knickerb0ckex).


(Fig. 21).
XI XXNZ Zu den beliebtesten Hosen
zur Ausübung des Radfahr-
sportes zählt unstreitbar die
weitePumphose. Eswerden
ex xxx Wiywx
olxxkxüXX X »r E von der ganzen Länge, die
ich genau so lang messe wie
bei einer langen Hose, also
zur Sohle, zirka 28 cm ab-
gebrochen; selbstverständlich
ist auch hierin der Wunsch
des Kunden noch maßgebend,
denn die Hofe geht bei
28 am Verkürzung noch im-
merhin einen ziemlich großen
Betrag unter das Knie, wie
dieses eben auch die heutige
Mode erheischt. Bei aa und
ØØ ca wird von der geraden
Linie etwas hereingegangen,

IX damit die Hofe unten, wo


der Gumming den An-
schluß am Fuße vermittelt,
nicht zu weit wird. Zur
leichteren Verarbeitung und
zur Erzielung eines schönen
Umfalles der Hose ist bei
lll ein Suaon angebracht.
Bei der Hinterhose wird
das Gesäß bei PP noch
etwas herausgestellL Um
an der Seite die moderne
Weite zu erzielen. Ich
rechne hier folgendermaßen:
XX Von P—l; der Vorderhose
habe ich 24 am; lege bei
S derHinterhose diese 24 am
an und messe nach PP die
halbe Gesäßweite = 48—s—
6 am. Dadurch ist die ge-
wünschte Weite erzielt.
N
r» M " «-
B
Jig 21
Deutsche BekleidungssAleadenrie München.) fliachdrucli verboten.) zu
Knabenkleider
Das Knaben-Sacco.
(Fig- 1.)
Maß e: Taillenlänge = 30 am, Länge = 52 am, Oberweite = 64l32 am, Unterweite
= 60X30 am, Hals 30 am.

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Ich beginne, indem ich zuerst eine Winkellinie ziehe, »A, U, B. Von A—a 4 am
gemessen; von a nach B die Länge 52 am. Von s—Z 9 am Uber-schlag. Bei Z die Ober-
weite 32 am angelegt, abgebrochen 13 am für den Rücken, Ril. Von Ril—Vo Vr Oberweite
—235——

-s— 1 = 9 am. Von Z 51X2 am zurück, gibt s. Ich ziehe die senkrechteu Linien ans. Von
Vo nach l) Ite Oberweite = 16 am, nach l-l Taillenlänge —s— 1 = 31 am, 2 am zurück c.
Bei c und l) angelegt, die Armtiefe eine Linie aufwärts und nach k 12 am gemessen, nach
sP nur 2 am. Von s nach V eine Linie, die Achsel provisorisch 13 am breit, sodann Achsel
und Armloch ausgezogen,. Das Halsloch : 5 am tief. Ich ziehe sodann die Brustkante
und untere Länge ebenso die Seite aus, indem ich von 0 — UW noch 7 am heraus-gehe
Für das Rückteil zeichne ich erst die Winkellinie U
L km. Von L nach isle die Länge 52 —s— 1 = 53 am,
nach V Its Halsweite 5 —s— 1 =6 am aufwärts V. Von
lle snach RIZ 16 am, zur Taille 30 am. Von RB nach
er 2««am nach m 10 am. Von m—l» 14I-- am breit, von
a—sP Rückenbreite mit den Nähten 13 am. Von RB—R

Ni-

Iig. 2 R

121X2 am. Von T—E 111X2 am, von L—U 12 am und die Seitennähte und Achselnaht
ausgezogen. Die Nähte des Rückteils und Vorderteils werden ausgeglichen
(Fig— 2-)
Der Ärmel ist in seiner Konstruktion der gleiche wie schon oft beschrieben, nur sind
eben die Maße kleiner.
» Yas cLeibchen (Fig. 3.)
Oberweite 64f32 am.
Ich ziehe den Winkel A B R, messe bis R die Länge = 32 am, stelle das Rückteil
3 am herein c, messe nach I die Oberleibweite 32—s—2=34 am, desgleichen von A nach B.
30M
— -2»36 —«-
Diefe Weiten werden halbiert, geben lr. , Ich messe an dieser Linie herunter die halbe Ober-
leibweite = 16 am nach T, von T nach lI die Seitenlänge = 14 am, das ist 2 am weniger
als die Armlochtiefe. Die Linie lr T ist die Mitte vom Armloch. Der Armlochdurchmesser
ist lte Oberweite = 8 am, davon kommen 4 am nach rechts und links. Die Höhe des Arm-
loches beträgt Its Oberweite, rund 11 am x und nun zeichne ich das Armloch, wie die Figur
es zeigt. Bei A stelle ich das Hinterteil lts Oberweite = 4 am tiefer, W, mache den Hals
lt4 Oberweite = 8 am breit l-l, und zeichne die Achselnaht des Rückteils, messe den Betrag
ab, übertrage denselben auf die Vorderteils-Achfel nach m, ergibt die Halsspitze. Die Tiefe
vom Halsloch ist lte Oberweite, doch kann hier noch tiefer gegangen werden, je nachdem der
Knabe Krägen trägt. Über der Brust werden noch 2 am zugegeben. Die-Vorderlänge wird
gefunden, indem man die Länge B—l1 unterhalb ktl überträgt. Für Knöpfe und Knopflöcher
lasse ich einen Überschlag von 4 am stehen, welcher auch unten so weit vorgeht, als die
Hinterhose breit wird, da ja letztere auf das Leibchen geknöpft wird. Ein Zirkelzug von
x—l-l nach m, gibt auelkdje Halsspitze.

DaS HöSchen
(Fig. 4—)
Das Höschen mit und ohne Leibchen erhält unten meistens drei kleine Knöpfe, zu-
weilen auch einen Guminizug Beim Anmessen mache man außen nnd innen am Bein mit
der Kreide einen kleinen Strich in gleicher Höhe, damit Seiten- und Schrittlänge in gleicher
Tiefe gemessen werden; wer dieses unterläßt, wird niemals die richtige Leibeshöhe bekommen.
Die Aufstellung ist folgende: Man ziehe die wagrechte Linie A, gebe 3 am Einbug, messe
aufwärts nach B die Schrittlänge 30 am, nach c die ganze Länge 52 am. Von B nach l)
1t4 Gesäß = 16 am, davon wieder ltr = 4 —s— 1 = 5 am nach s als Schrittspitze. Eine
Zugabe für das linke Teil gibt man nur bei großen Hosen. Knabenhosen erfordern keinen
Ausstich. Man ziehe die Linien cl-' und FU, halbiere die ganze Breite der Vorderhose, von
B nach s und ziehe die Linie E R 6. Die untere Weite der Hofe beträgt 32 am, die Hälfte
ist 16 am. Von diesen 16 am wird die Hälfte und 1 = 9 am nach l-l gestellt, die noch ver-
bleibenden 7 am nach außen. Man mißt nun 1t4 Bund von d nach c zurück, ergibt den
Hüften-Abstich V und jetzt zeichnet man die ganze Vorderhose fertig-

spie Hinterhose.
(Fig. 5-)
Ich schneide die Vorderhose aus, lege dieselbe auf den übrigen Stoff, so daß die
Linie Gl( mit dem Streifen gleichläuft, d. h. fadengerecht, stelle innen die Hinterhose 2 am
heraus, messe die Vorderhose ab, lege den Betrag an der Schrittnaht an, zeichne nach außen
die Seitennaht. Der Schrittdnrchmesser beträgt lte vom halben Gesäß = 11 —s— 3 = 14 am,
davon hat die Vorderhose 5 am, bleiben für die Hinterhose von D nach ll noch 9 am. Die
Kreuznaht berührt die Linie P in der Mitte zwischen a und l( hindurch nach Z. Ich messe-
—-—237-—
nun die Vorderhose nach m ab, lege den Betrag bei P an, messe nach PP die halbe Gesäß-
weite und 3 = 35 am, und ziehe von PP nach oo eine gerade Linie. Die Hinterhose ist
nm 8 am höher als die Vorderhose. Was die Hofe am Bund zu weit ist, wird durch einen
Einfchnitt in der Hinterhose entfernt.

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Fig. 4 Sig. 5
—238 .-

Die Matrosenblouse für Knaben


(Fig- 6«)
Zur Aufstellung einer Matrosenblouse verwende ich ein Sacco der betreffenden Größe,
lasse jedoch die Seitennaht wegfallen und nehme dadurch die zu große Weite durch einen Zug
in der Taille weg.

Fig. 6

Zur Konstruktion des Kragens lege ich die Rückteils- und Vorderteils-Achsel zusammen,
zeichne den Halskreis, und die gewünschte Faaon des Kragens fertig.
Es existieren sür die Knaben-Garderobe noch eine Menge verschiedener Fantasie-Fac;ons,
für welche aber alle als Grundmodell die vorgeführten Saccos, Leibchen und Hosen maß-
gebend sind.-
-—239——

Schlußwort

CI ieber Leser! Ich war mir wohl bewußt, daß ein solches großes Werk viel, sehr viel
G Arbeit verursacht, denn es ist ja schon das vierte Buch, welches ich herausgebe, aber
dennoch habe ich sowohl die immense Arbeit, als auch die damit verbundenen Kosten unter-
schätzt, welche durch die in allen seinen Teilen verbesserte bildliche wie textliche Ausführung
nötig waren. Eine solche Fülle von Arbeit ermüdet und drängt zum Schluß, wenn nicht
immer wieder eine neue Kraft einsetzt.
Sollte der eine oder andere Leser auch manchmal nicht mit mir einverstanden sein,
so möge er mir doch vertrauen und keine willkürlichen Abänderungen vornehmen.
Diese Lehren und Grundsätze sind die Resultate meiner praktischen Tätigkeit während
eines Vierteljahrhnnderts als Meister, Zufchneider und Zuschneidelehrer. Wenn auch die
Moden wechseln und da und dort eine Abänderung sich als notwendig erweist, so bleibt doch
der Hauptgrnndsatz nnd die Technik die gleiche.
Obwohl dieses Buch an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, so ist damit
die Fachwissenschaft noch nicht erschöpft, wie es denn überhaupt Gegenstände gibt, welche nur
durch einen mündlichen Vortrag und durch experimentelle Darstellungen mitgeteilt, oder über-
tragen werden können.
Aus diesem Grunde laden wir jeden verehrl. Leser ein, unsere Schule zu besuchen,
in welcher ihm ein wirklich praktischer Unterricht erteilt und der von größtem Erfolge für sein
späteres Fortkommen begleitet sein wird.
Unsere Lehrmethode ist tatsächlich von der k. vayer. Staatsbehörde pramiiekt worden
mit dem Zusatze: daß dieselbe einen zweckmäßig durchgeführten praktischen
Lehrgang erweist.

München, im März 1904.


Oirlx. Oiillen Je Sohn.