Sie sind auf Seite 1von 24

P.b.b.

ZLNR: GZ02Z033431
Alle AutorInnen erreichst du unter: vorname.nachname@reflex.at
Du willst beim Syntax mitschreiben oder hast Anregungen und Wünsche?
Dann melde dich einfach telefonisch unter 01/523-124-333 oder mail an aks@aks.at

Liebe Leserinnen!
Liebe Leser!

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und eigentlich gibt es


daran nichts positives. Wir müssen zurück in die Schule,
vorbei ist es mit dem „schönen Leben“.
Doch wie „schön“ und erholsam ist dieses Leben wirklick?
Die meisten BMHSlerInnen müssen im Sommer Praktika
machen , für die Sie schlecht oder gar nicht bezahlt
werden. Viele andere SchülerInnen müssen ar-
beiten gehen um Geld fürs nächste Jahr zu haben.
Die Finanzkrise betrifft uns nicht nur indirekt (unse-
re Eltern verdienen weniger) sondern auch direkt. Es
wird immer schwieriger neben der Schule Geld zuverdie-
nen und so müssen wir jede Minute nutzen.
Und neben denen die arbeiten gehen, gibt es natrülich
auch jene SchülerInnen die für ihre Nachprüfungen lernen.
Von wegen „schönes Leben“ im Sommer haben wir
kaum weniger Stress als während der Schulzeit und so
durchleuchten wir in dieser Ausgabe mal alles das uns im
Sommer so betrifft:
Sitzenbleiben, Ziffernnoten, generelles zum Schulsystem
und und und . Da unser Leben aber bei weitem nicht nur
aus „Schule“ besteht legen wir in dieser Ausgabe einen
Schwerpunkt auf Frauenpolitische Themen und Antiras-
sismus.

Viel Spaß dabei, wünscht


Euer Redaktionsteam
Tag für Tag sitzen über eine Million SchülerInnen in Klassenräumen, weit weg davon selbst zu bestimmen, was, wann
oder wie sie etwas lernen wollen. Meist wird ihnen sogar die Fähigkeit abgesprochen, sich für ein Thema zu interes-
sieren und sich selbstständig weiterzubilden. Vorne steht einE LehrerIn und redet und redet und redet. Dabei spielt es
keine Rolle, ob jemand etwas versteht oder interessiert ist. Dabei wäre es doch toll, einmal selbst zu bestimmen, was
mensch wann und wie lernen möchte. Alles ferne Träume und so folgen müde Blicke den Rissen in der Wand, hinauf
zur Decke an der die Farbe schon vor Jahren den Kampf gegen die Schwerkraft aufgegeben hat und sich nun langsam
von der Decke schält. Und die Gedanken wandern hin zu Themen die viel wichtiger sind ... .

Gemeinsam statt Einsam


Alleine kann mensch schwer diskutieren und auch die Welt lässt dich in der Gruppe leichter
aus den Angeln heben. Deshalb treffen sich viele politisch interessierte SchülerInnen regel-
mäßig in so genannten Ortsgruppen um über Themen wie Antifaschismus, Gleichberech-
tigung, Homophobie, Medienkritik ... - eine genaue Aufzählung an dieser Stelle kann nicht
getroffen werden, sie würde den Platz sprengen und wäre dann wohl auch nicht vollständig,
da jede neue Person neue Ideen, Vorstellungen und Themen einbringt- zu behandeln.

Wichtiger Baustein zum Erfolg


Ortsgruppen bilden das Fundament der aks und bestehen aus einer bunt gemixten Gruppe
von AktivistInnen, die sich einmal in der Woche auf WAMs (Wöchentliche AktivistInnen
Meetings) treffen. Auf WAMs wird Politik natürlich nicht nur besprochen, sondern
auch gelebt. Ganz im Sinne des „Leitspruches“ der aks „Bei uns kannst du nichts
werden, bei uns bist du wer.“ gestalten AktivistInnen das Programm jeder Ortsgrup-
pe aktiv mit. Es wird die Demokratie gelebt die wir in der Schule (und Gesellschaft)
meist vermissen. So kommen kreative Aktionen, lustige Filmabende, informative
Lesezirkel und spannende Workshops zustande.
Die in den Ortsgruppen geleistete Arbeit, passiert aber nicht nur zur eigenen
Belustigung. Es geht darum die Gesellschaft zu gestalten, denn SchülerInnen sind
die Zukunft. Wir müssen in ihr leben und im Moment gibt es viele Missstände die es
aufzuzeigen und zu beseitigen gilt.

Damit es in Zukunft nicht heißt „Alles wie immer“; weil wir wissen, dass die Welt sich nicht
von alleine ändert und wir nicht bereit sind, die Augen vor all den Ungerechtigkeiten zu
verschließen um angepasst durchs System geschoben zu werden bis wir in ihm untergehen,
arbeitet die aks aktiv an der Veränderung!

Mündliche Beurteilung ahoi!


Eine weitere Studie, diese Mal aber vom
BMUKK veranlasst, bringt Ergebnisse
hervor, dass die in der Schule beurteilenden
Ziffernnoten eine zu geringe Aussagekraft
haben. Es wäre doch sowieso viel cooler,
wenn jeder und jede eine verbale Beurtei-
lung bekommen würde, bei der man dann
erfährt, dass man zwar eigentlich sehr
gute Texte schreibt, es aber an der Recht-
schreibung noch stark hapert und das auch
Außenstehende erkennen können und nicht
eine vier im Zeugnis steht ,weil nur das
mit der Rechtschreibung nicht so wirklich
funktioniert – im späteren Leben gibt’s ja
Computer mit Rechtschreibprogrammen ;-)
Ist die Einflussname von Unternehmen an Schulen und die im- Monopolbildung, na und? send wären, sprich: den oder die Beste!
4
mer stärker aufkommenden Bildungsökonomisierung eine not- Doch auch ohne diese Bildungsökonomisierung wurde Bildung
wendige Form des Schulsponsoring und der Gewährleistungen Vor allem können durch Einflussname auch oft Monopole gebil- bereits ein Teil der Wirtschaft: Privatschulen.
von Technik, Software und Gerätschaften an Schulen oder eine det werden, bestes Beispiel hierzu ist Microsoft: Dadurch dass In Österreich gibt es immer mehr (oft auch
purer Vorstoss Richtung Lenkung der Bildung und Privatisie- (fast) jede Schule mit Produkten wie Microsoft Word, Exel oder katholischen) Privatschulen, bei denen man
rung eines Grundrechtes? Power Point eben vom gleichen Unternehmen versorgt wird, ist Schulgeld bezahlen muss. Mit diesem Schul-
Das Bildungsbudget ist trotz Erhöhung noch immer enorm das Umsteigen auf eine andere Software in der Zukunft sehr geld werden Arbeitsmaterialien, Lehrgänge,
knapp. Das Bildungsministerium spart, kürzt und streicht was umständlich, gar unmöglich. Es wird sehr schwer in manche LehrerInnen, oft die Unterkunft und vor allem
das Zeug hält. Schulen fehlt es an Geldern um zu renovieren, Arbeitsgebiete (z.B. in die Rechtsbranche) einzusteigen, wo die „bessere Ausbildung“ bezahlt. Denn wa-
sich mit Computern, Beamern (oder gar Büchern) auszustatten, Kenntnisse über ganz andere Systeme notwendig sind. So rum sollten Eltern ihr Kind auf eine Privatschu-
Projekte zu starten oder Veranstaltungen zu organisieren. ist in diesem Fall der Einfluss von Microsoft sehr beeinträch- le schicken, wenn staatliche Schulen genauso
Dieses Geld kann jedoch eingenommen werden, indem Schu- tigend. gut und damit genauso gute Zukunftschance
len Partnerschaften mit verschiedenen Unternehmen (Bsp: hätten? Weil sie es nicht haben, ganz einfach.
Banken) eingehen. Mit diesen Geldern wollen Partnerunter- Wichtige Praxis Privatschulen haben oft das Geld, eben aus
nehmen nicht mehr nur Schulsponsoring betreiben, oft ist es der privaten Finanzierung, um sich beispiels-
nur noch ein purer Vorstoss Richtung Einflussname an Schulen Klar könnten viele Schultypen wie HTL, HLW oder HLT (Tou- weise kleinere Klassen und somit individu-
bzw. deren Lenkung. Und solche Partnerschaften werden be- rismusschule) nicht ohne Unternehmen existieren. Gerade im elleren Unterricht finanzieren zu können und
reits immer öfters eingegangen. Für das Unternehmen ein ge- berufsbildenden Bereich braucht es viele Maschinen, Com- vor allem meist auch einen besseren Ruf.
fundenes Fressen: SchülerInnen werden dadurch Tag für Tag, puter, Geräte oder andere Utensilien, die nie von der Schule SchülerInnen von staatlichen Schulen sind im
bewusst oder unterbewusst, durch diese Unternehmen beein- bezahlt oder bewerkstelligt werden könnten und deshalb ist Gegensatz zu denen der privaten ganz klar im
flusst und stellen später perfekt asugebildetete Arbeitskräfte für Schulsponsoring (zum jetzigen Zeitpunkt) nötig. Eine HLT ohne Hintertreffen. Und das ist verständlich, Privat-
ihre Unternehmen dar. Denn diese wollen ja auch ihren Nutzen Küchen oder eine HAK ohne die notwendigen Computersoft- schulen sind halt „besser“, nur kann sich nur
von Roderick Martin

daraus ziehen, durch ständige Präsenz werben diese Unter- wares ist natürlich auch extrem unbrauchbar und sehr praxis- die kleinste Schicht der ÖsterreicherInnen
nehmen bis zum Umfallen; ein Ignorieren oder gar Entkommen fern und es ist nur verständlich, dass Schulen sich mit Hilfe von dies leisten. Natürlich ist es schön, kleine Klassen zu haben
wird da unmöglich. Unternehmen anfangen „selbst“ zu versorgen und die Bildung und generell mehr Geld für Bildung und die Schule haben, aber
Doch sollte eine Schule nicht eine Bildungseinrichtung sein, immer mehr der Wirtschaft überlassen. Deshalb muss sich der sollten das nicht einfach alle Schulen? Wenn nur ein paar die
die unabhängig von ökonomischem Einfluss Schülerinnen und Staat wieder mehr um seine Schulen kümmern. Egal ob AHS, Möglichkeit haben, ist dies stark selektiv und elitenbildend.
Schüler Wissen weitergibt, eigene Meinungen und Interessen BMHS oder Berufsschule, nötiges Arbeitsmaterial, Maschinen Doch ist Schule ist genau dafür da, jeder Schülerin und jedem
fördert und fordert, diese Interessen und Meinungen jedoch und Utensilien, Infrastruktur und Projekttöpfe, müssen wieder Schüler Wissen zu vermitteln, egal von welcher sozialen Schicht
nicht unterbewusst bildet, gar manipuliert?! vom Staat kommen und nicht von irgendeinem Betrieb. sie/er kommt? Die Schule ist ein Platz wo Personen gleich
Derzeit ist es fast schon nötig Geld von Unternehmen anzuneh- sind, gleiche Chancen haben und objektiv behandelt werden
men, da Schulen zu wenig Geld vom Staat bekommen. Jedoch Eliteschulen sollen. Würde sich unser Staat wieder mehr um ihre Schulen
sollten Schulen unabhängig von Unternehmen sein und deren kümmern, so wäre es das Problem „Elitenbildung“ nicht wert,
Projekte, Veranstaltungen etc. öffentlich finanziert bekommen, Der Trend der Bildungsökonomisierung ist ganz klar steigend. darüber diskutiert zu werden, alle SchülerInne hätten die glei-
denn eine staatliche Schule ist ja keine Privatschule. Der Staat Es gibt bereits Schulen, die bestimmten Partnerunternehmen chen Chancen und alle wären glücklich.
muss sich wieder mehr um seine Schulen kümmern und nicht am Ende des Schuljahres Zeugnisse von SchülerInnen zukom-
alles der Wirtschaft überlassen, denn Bildung ist ein und darf- men lassen. So ist es möglich sich genau die Person auszusu-
nicht der Privatwirtschaft überlassen werden. chen und anzuwerben, die für das Unternehmen genau pas-
EDUCATION IS A RIGHT,
NOT A PRIVILEGE!
Schon mal probiert den „Internationalen Tag des Baumes“ zu is ...“. Wir lernen mit Schubladen zu leben, alles einsortieren
googeln? Nun du wirst mehr erfolg haben als bei der Suche gut-böse, wichtig-unwichtig und langsam ziehen wir uns selbst
nach dem „Internationalem Tag der SchülerInnen und Studie- immer mehr in unsere eigene Schublade zurück und vergessen
renden“. ganz darauf, dass es auch eine Welt außerhalb unserer Box
gibt. Dass die Gesellschaft wie sie jetzt existiert eng verknüpft
Es ist Anfang November und die Tage werden kälter, kürzer, ist mit der Schule in die wir gehen. Dass sich beides bedingt
dunkler und ganz nebenbei rückt die Deadline für das neue und dass wir das Recht haben, Beides mitzubestimmen. Und
Syntax immer näher. so eingesperrt in die Box lernen wir unser Umwelt kritiklos hin-
Dies sind also die Rahmenbedingungen unter welchen die Re- zunehmen, doch dem gilt es entgegen zu wirken.
cherchen für diesen Artikel beginnen. Und wie sich bald he- SchülerInnenrechte in Österreich sind stark ausgeprägt, zu-
rausstellen wird, wird es eine anstrengende und ernüchternde mindest auf dem Papier. Wir haben SchülerInnenvertretungen
Suche werden. Kaum Informationen, viele Quellen die ins Leere an den meisten Schulen außerdem noch eine Landesweite
führen und kaum brauchbare Antworten - Wie sooft wenn Infor- und Bundesweite Vertretung. Doch welche Rechte haben die?
mationen zu SchülerInnenrechten gesucht/gebraucht werden. Welchen Handlungsrahmen? Welche Bekanntheit? Kaum eine
Aus einem englischem Wikipedia (im deutschsprachigen Wiki- SchülerIn kennt die LSV bzw. BSV. Und so wurden Schein-
pedia findet sich dazu nichts) Artikel erfahren wir, dass der 17. strukturen geschaffen um uns stillzuhalten. Denn auch an Ös-
November 1941 erstmals als „International Students‘ Day“ aus- terreichs Schulen läuft einiges schief.
gerufen wird, in Gedenken an 1200 Studierende die 1939 aus Und falls es einen Gedanken gibt der hinter einem Internatio-
einer Anti-Nazi Demonstration in Prag, festgenommen und in nalen Tag der SchülerInnen und Studierenden steht, dann der,
Konzentrationslager gesteckt wurden. Die Demonstration hatte dass wir SchülerInnen das Recht haben gehört zu werden, das
als Trauerfeier für Jan Opletal begonnen, dieser war wenige Recht haben Ernst genommen zu werden, das Recht haben
Tage zuvor, auf einer Demonstration tödlich verletzt worden. unsere Umwelt und Schule aktiv selbst mitzugestalten, das
Im Zuge des Vorgehens gegen die Demonstration wurden 9 Recht haben auf kostenlose und erstklassige Bildung. Ein Tag
Verantwortliche Studenten und Professoren exekutiert und alle an dem alle SchülerInnen gemeinsam für mehr Öffentlichkeit,
Universitäten in Tschechien geschlossen. mehr Respekt, Anerkennung und Rechte eintreten.
Nun soweit zu den historischen Fakten, doch was weiter? Wel- Schon Kleinigkeiten können einen großen Unterschied machen,
che Öffentlichkeit erlangt dieser Tag, wie wichtig werden Stu- ein Flyer an der SchülerInnenwand an deiner Schule, ein Text
dierende und SchülerInnen genommen? in einer SchülerInnenzeitung, auf der SV Homepage, ein Trans-
Die teilweise Abschaffung der Studiengebühren sorgte für parent vor deiner Schule oder auch ein ganzer Workshoptag.
großes mediales Aufsehen, die Überlegung eine Gesamtschu- Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, Hauptsache ist: Wir
le in Österreich zu schaffen ebenfalls. Im Mittelpunkt dieser sind präsent. Sind spürbar und verstecken uns nicht in grauen
Öffentlichkeit stehen alte Experten, selten auch Expertinnen, Klassenzimmern. Sind nicht still und nehmen schweigend zur
MinisterInnen und politische Parteien. SchülerInnen kommen Kenntnis was uns vorgekaut wird.
kaum vor, sind unsichtbar. Wir sind vom mangelndem Interesse
haben wir doch keine starke Lobby hinter uns. In diesem Sinne: Für eine laute Stimme der SchülerInnen am
Doch wir sind es die, die Gesellschaft von Morgen ausma- 17.11. und das alle Jahre wieder bis wir die Anerkennung und
chen, wir sind die Zukunft und deshalb ist es wichtig, dass wir Öffentlichkeit haben die uns zusteht. Bis unsere Rechte eine
jetzt schon gehört werden. Denn das falsche Schulsystem hat Selbstverständlichkeit sind und kein „nerviges Korsett“ an das
verheerende Folgen. Mit 10 Jahren werden wir selektiert, da sich LehrerInnen halten sollten, es aber eindach allzu oft nicht
kommen die klugen ins Gymnasium, die dummen in die Haupt- tun.
schule oder in die Sonderschule wenn „eh schon alles verloren
6 Zuerst lernen wir gehen und sprechen,
dann stillsitzen und maulhalten.
von Lucia Bischof

Die Vorraussetzungen Bereiche gliedern, das System zur Reproduktion der


Intoleranz, Wettbewerb, Unterwürfigkeit, die Selbstde- Gesellschaft baut also auf 4 Säulen auf. Diese lassen
finition über den Sozialenstand alles Eigenschaften die sich wie folgt benennen: Schulorganisation, Lehrme-
nicht der „Natur“ der Menschen entsprechen, sondern thoden, Lehrinhalte und Beziehungen (zw. LehrerInnen
viel mehr erlernte Wertvorstellungen sind. Doch eben und SchülerInnen und SchülerInnen untereinander).
jene „Eigen- Aufgeteilt auf diese Gliederung der Schulstruktur wer-
schaften“ der den SchülerInnen also alle nötigen Fähigkeiten vermit-
Die Lüge von der Schule die nur auf
Menschen telt die zum Erhalt der Gesellschaft notwendig sind.
„unser Bestes“ aus ist, ist bei genauerer
müssen in
Beleuchtung nicht lange zu halten. Was
einem kapi- 4 Säulen
oftmals als „geheimer Lehrplan“ zusam-
talistischen Unter Schulorganisation fallen alle Dinge die zeigen,
mengefasst wird, zeigt auf worauf das
System früh dass der spätere Arbeitsplatz in vorgeschriebenen
Schulsystem eigentlich aus ist – den Er-
anerzogen Strukturen funktioniert und nicht beeinflusst werden
halt des Status Quo.
w e r d e n . kann. Wie den späteren Arbeitsplatz können Schüle-
Ähnlich wie rInnen sich selbst nicht aussuchen in welche Schule
typisch „weibliche“ oder „männliche“ Rollenbilder an- sie gehen, selbst die Wahl ob Gymnasium oder Haupt-
erzogen werden, wird Kindern auch die Rolle als Ne- schule liegt nicht in der Hand von SchülerInnen. Wie
oliberaler Mensch aufgedrängt. Die Schule stellt wie Studien in den letzten Jahren bewiesen haben, schi-
auch schon beim Erlenen der geschlechterabhängigen cken die meisten Eltern mit niedrigem Bildungsab-
Rollenbildern, eine zentrale Handlungsfigur dar. In schluss ihre Kinder in die Hauptschule und umgekehrt
der Schule wird „richtiges“ Verhalten erlernt, so sollen Eltern mit hohem Abschluss, die Kinder ins Gymnasi-
SchülerInnen auf das spätere Leben vorbereitet wer- um, einE 10-jährigeR wird da selten nach der eigenen
den. Die Schule spielt also eine aktive Rolle in der Re- Meinung gefragt. Am Land kommt hinzu, dass es oft-
produktion der aktuellen, der kapitalisitischen, Gesell- mals keine oder nicht genügend Gymnasien gibt. In der
schaft. Schule ist jedoch kein losgelöster Aparat, der Schule angekommen müssen SchülerInnen pünktlich
sich die Reproduktion einer neoliberalen Gesellschaft, zum Unterreicht erscheinen –zu Zeiten die nicht selbst
zum Ziel gesetzt hat. Das Schulsystem funktioniert so, bestimmt werden, sondern flüächendeckend Vorge-
da die MachtträgerInnen auf den Erhalt des Systems schrieben sind- oder, im Falle einer Verspätunge muss
aus sind. eine Entschuldigung erbracht werden, selbiges gilt für
„das Fernbleiben vom Unterricht“. Der Stundenplan
Das Ziel muss strikt eingehalten werden und der Lebensraum
Was sind also die Ziele des derzeitigen Schulsystems Schule kann nicht aktiv mitgestalten werden. Generell
und wie gelingt es diese zu erreichen? Schule arbeitet haben SchülerInnen nur wenig mitsprache Recht, dies
auf den Erhalt der sozialen Schichten hin, sie erzieht zeigt sich auch im Aufbau der SV, der Lehrpläne und
kritiklose KonsumentInnen die sich an eine Gesell- der Hausordnung.
schaft angepasst haben die auf Leistung basiert. Es Durch die Lehrmethoden wird der Konkurrenzkampf
wird vermittelt Hierarchien anzuerkennen, diese nicht antrainiert, es wird gelernt sich Anzupassen und ge-
zu hinterfragen und so wird eine freme Verfügungsge- wünschte Leistungen ohne Rücksicht auf andere zu
walt über das eigene Leben akzeptiert. erbringen. Jegliche Solidarität Mitmenschen gegenü-
ber wird verlernt bzw. im Keim erstickt. Im 50 Minuten-
Der Weg Takt wechseln die LehrerInnen und Unterrichtsfächer,
Die zuerlernenden Fertigkeiten lassen sich grob in 4 doch die Lehrmethoden ändern sich nur geringfügig.
Tagein Tagaus werden SchülerInnen von Lehrkräften „beriselt“, der
Frontalunterricht hat sich als vorherrschende Unterrichtsform durchge-
setzt. Aufgelockert wird der Schulalltag durch Schularbeiten und Tests die idee vom
die möglichst perfekt erfüllt werden müssen. Grundsätzlich gilt während
des Unterrichts ebenso wie während Tests, ruhig sein, aufzeigen, Sitz-
ordnung einhalten und nicht mit dem/der NachtbarIn „tratschen“, sollte
sitzenbleiben
dies doch einmal passieren, wird solches Verhalten –vorallem während In einem angeblich perfekten System
würden SchülerInnen die sitzenge-
Tests und Schularbeiten, aber auch bei Stundenwiederholungen oder
blieben sind, die Chance bekommen,
einer einfachen Frage des/der LehrerIn an eine SchülerIn- als „Schum- alles was beim ersten Mal nicht
meln“ bestraft. So wird dazu übergegangen die Schulbücher gehorsam verstanden wurde, nachzuholen. Sie
würden in einem neuen Klassen-
auswendig zulernen und fleißig auf gute Noten hinzuarbeiten. verband gut aufgenommen werden
Um Tests, in jeglicher Form, zu bestehen reicht es oftmals aus Dinge und sich in den anderen Unterrichts-
fächern nicht langweilen, sondern
auswendig zulernen, Verständnis ist nur selten gefragt und vernetztes
die nochmalige Wiederholung des
Denken fast schon untersagt, scheinen die verschiedenen Unterrichts- Stoffes, dankend annehmen. Lehre-
fächer doch durch die starren 50 Minuten Einheiten und unangenehmes rInnen würden keinen unterschied
machen und sie behandeln wie alle
klingeln, Welten von einander entfernt zu sein. Die Lehrinhalte sind oft- anderen SchülerInnen auch.
mals überholt und noch viel öfter fernab jeder Praxis. Viele Dinge werden
einfach gar nicht unterrichtet, so fehlt meist eine umfassende Sexualer-
ziehung, ebenso lässt sich nichts zum erlernen des sozialen Umgangs
in der Schule finden. Es wird auf Elitenbewusstsein wertgelegt, sei es
in einer Klasse oder im internationalen Kontext, so sind alle Lehrpläne,
was bleibt?
Doch das System ist nicht perfekt.
vorallem aber der der Geschichte und der Geographie eurozentristisch
SchülerInnen die eine Schulstufe
aufgebaut. Es soll klar sein, wie gut es uns als „EuropärInnen“ geht und wiederholen müssen, leiden oftmals
um wievieles wir als solche besser sind als alle anderen. unter Langeweile und Mobbing.
LehrerInnen gehen schon von
Und es gibt noch mehr zu lernen. In der Schule gibt es klare Hierarchien. einem/einer dummen SchülerIn aus,
So steht an der Spitze die/der DirektorIn, gefolgt von den LehrerInnen, schließlich wurde das letzte Jahr
nicht geschafft. Diese Haltung färbt
den HauswärtInnen und den SchülerInnen. Unter den SchülerInnen fin-
auch auf die MitschülerInnen ab. Zu-
den sich nochmal Hierarchien, so werden „SchleimerInnen“ und „Stre- sätzlich besteht der Klassenverband
berInnen“ oftmals gemobbt und ausgegrenzt. Selbst am untersten Ende seit eingen Jahren, die Gruppe hat
sich eingelebt, Rollen wurden verteilt.
der Macht suchen SchülerInnen noch die Schwächsten unter ihnen um Was bleibt ist die Rolle des/der Neu-
sich überhaben über jemanden zu fühlen. Verhalten das früh erlernt en, der/dem VersagerIn. Dazu noch
die Langeweile durch die ständige
wurde. SchülerInnen stehen auf wenn LehrerInnen die Klasse betreten,
Wiederholung, und es kommt meist
sprechen sie nur mit „Sie“ an, nehmen hin wenn sie ungerecht behan- zu noch schlechteren Noten und
delt werden, führen aus was LerherInnen von ihnen verlangen. Autorität Desinteresse bzw. Demotivation.

schule braucht
der wesendliche Pfeiler der momentanen Schulbildung.

Am Ende
Sind Kinder also „erfolgreich“ durch die mindestens 9 Pflichtschuljahre
gegangen haben sie vorallem gelernt, dass es am Besten ist sich um
veränderung!
sich selbst zu kümmern, was Ordnung und Disziplin ist und wer be-
stimmt was zutun ist. Der Platz in der Hierarchie wird gekannt. Es ist In einem wirklich perfekten System
würde es kein Sitzenbleiben geben.
bewusst, dass passiv hingenohmen werden muss was Vorgesetzte
Schule muss anders funktionieren
befehlen. Hinterfragt wird dieser Gehorsam ebensowenig wie andere Sie muss verschiedene Lerntypen
Gesellschaftliche Wertvorstellungen, wie zum Beispiel das christliche ansprechen, SchülerInnen motivieren
Dinge selbst zu entdecken und zu
Familienbild. Was nicht gelernt bzw. erlernt wurde ist Solidarität, vernet- verstehen. Das starre Ziffernnoten-
zendes Denken und Selbstbewußtsein. system muss aufgehoben werden
und durch ausformuliertes Feedback
Denn nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Oder doch für die
ersetzt werden. Die starre Gliederung
Schule? Zuletzt aufjedenfall lernen SchülerInnen nach ihrem Tempo, in Schulstufen abgeschafft werden,
nach ihren Interessen oder ihren Methoden, für eine selbstbestimmte zum Beispiel durch die Einführung
eines Modulsystem.
Zukunft abseits des Kapitalismus.
8 fertig machen wenn zuhause ein Baby wartet, die „Groß-
mama“ des Babys aber nicht auf das Kind aufpassen
kann oder will? Die Folgen einer solchen Situation sind
klar. Die Ausbildung wird nicht Abgeschlossen und es
bleiben sowohl der Frau als auch dem Kind viele Mög-
lichkeiten für die Zukunft verwährt.

Die Sache mit der Moral

Natürlich ist der Schwangerschaftsabbruch eine große


psychische Belastung für viele Frauen. Doch wie groß
die Gefahr ist das die Frau psychische Langzeitfolgen
zu befürchten hat, ist nicht einmal in der Wissenschaft
klar. Eine umfassende Langzeitstudie aus England an
mehr als 13.000 ungewollt schwangeren Frauen kam
zu dem Ergebnis, dass Schwangerschaftsabbrüche
das Risiko psychologischer Probleme im Vergleich
zu ausgetragenen ungewollten Schwangerschaften
nicht signifikant erhöhen. Weitere Studien unter-
stützen diese Befunde und zeigen zum Teil bessere
schulische und berufliche Erfolge für junge Frauen,
die sich für einen Abbruch der ungewollten Schwan-
gerschaft entschieden. Andere Studien kamen zum

D
as Thema Abtreibung ist ein Thema das Gemüter
Schluss, dass Frauen, die eine ungewollte Schwanger-
spaltet. Während Konservative weiterhin sagen
schaft abbrachen, weniger psychische Probleme haben,
dass ein Schwangerschaftsabbruch Mord ist, meinen
als die, die sie austragen. (wikipedia) Hier sieht man
Frauenorganisationen schon seit Jahrzehnten das Ab-
ein erneutes Mal, wie die Kirche an wissenschaftlichen
treibung Frauenrecht ist.
Fakten vorbei zieht und vorbei argumentiert. Studien lie-

Eine Frage der Sichtweise fern klare beweise, doch die Kirche argumentiert dage-
gen. Viele Menschen sind auch bereit dies zu Glauben

Wie bereits gesagt sind die Meinungen zum Thema sehr und haben meist nichts an der gegnerischen Position

ambivalent. Besonders von Seiten der Religion kommt auszusetzte, obwohl die Wissenschaft etwas anderes

viel Kritik. Doch nicht nur die Katholische Kirche, die ja sagt? Dann würde es also Krankheiten, von denen die

am vehementesten eine Gegnerinnenposition einnimmt, Kirche sagen würde, dass es sie nicht gäbe, auch nicht

ist gegen diese Vorgangsweise. Auch das Judentum, geben?

zumindest das Traditionelle, ist gegen einen Schwan-


gerschaftsabbruch. Und in der Frauenbewegung?

Doch diese Ansicht ist, besonders für die meisten linken


Organisationen, nur schwer zu verstehen. Schließlich Hier war der Abbruch seit Anfang des 20. Jahrhunderts

sind viele der Frauen, die sich selbst für einen Schwan- ein Thema. Während FeministInnen der Frühzeit eher

gerschaftsabbruch entscheiden, selbst noch fast Kinder, zur Ablehnung des Abbruchs tendierten, setzte sich vor

oder der soziale Background spricht nicht unbedingt da- allem ab den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die

für, ein Kind zur Welt zu bringen. In solchen Situationen Forderung mit dem Argument der „Selbstbestimmung der

würde ein Kind eine enorme Belastung für eine Frauen Frau“ durch. In dieser Zeit entstanden Slogans wie „Mein

bedeuten. Besonders sehr junge Frauen würden sich Bauch gehört mir“ oder „Kinder oder keine entscheiden

plötzlich vor enormen Porblemen wiederfinden, wenn wir alleine“, die bis heute von FeministInnen verwendet

Abtreibung tatsächlich verboten wäre. Zum Beispiel: werden. So setzte sich die Frauenbewegung politisch

Wie sollte ein 15, 16- jähriges Mädchen ihre Ausbildung für die Straffreiheit des Abbruchs, teilweise auch für ein
Gesetz dazu, ein. Nach der Einführung der Antibabypil-
le Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Diskussionen
auch innerhalb der Frauenbewegung sehr kontrovers
geführt, da nun im Gegensatz zu vorher, einigermaßen
sichere Verhütungsmittel zur Verfügung standen. Lin-
ke PolitikerInnen und ÄrzteInnen unterstützten diese
Forderung aus sozialen Gründen. In Österreich wur-
de 1975 die sogenannte Fristenlösung eingeführt, die
den Abbruch bis zur 12 Schwangerschaftswoche in be-
stimmten Fällen erlaubt. Die einzigen Ausnahmen, bei
denen auch ein späterer Eingriff erlaubt ist, sind wenn
die Geburt des Kindes die Gesundheit der Frau schädi-
gen würde, bzw. wenn die Schwangere zum Zeitpunkt
des Schwangerschaftsbeginns noch nicht 14 war. Auch
in einigen anderen Ländern Europas ist der Schwan-
gerschaftsabbruch keine Straftat mehr.

Ein Schwangerschaftsabbruch muss natürlich je-


der Frau selbs überlassen sein. Natürlich ist es eine
schwere psychische Belastung, doch es ist auch ein
enormen Druck, ein Kind zur Welt zu bringen, bei dem
nicht einmal weiß, ob es versorgt werden kann oder
das Leben der Mutter dadurch zu sehr eingeschränkt
würde. Ob „Ja“ oder „Nein“ muss einer Frau freistehen,
aber sie muss zumindest die Möglichkeit in Erwägung
ziehen können.
10 Mensch oder Frau?
von Johanna Reuter

F
rauen sind in unserer ach so modernen und aufgeklärten Gesellschaft
Männern immer noch nicht gleichgestellt. Frauen werden immer wieder in die
Rolle der Untergeordneten und der Hausfrau geschoben, obwohl laut Allgemeiner
Erklärung der Menschenrechte (EMRK) jede Person egal welchen Geschlechts
dieselben Rechte genießen sollte.

Es war einmal…. schwarzen Frauen entwickelte, zeitliches sowohl als


auch inhaltliches Vorbild für die Frauen in Europa.
Schon seit hunderten von Jahren gibt es immer wieder
Versuche Frauen endlich dieselbe Rechte zukommen Dies sind nur zwei Beispiele vieler bewundernswerter
zu lassen wie Männern. Die erste Frau, die hier zu er- Frauen, die bereits zu einer Zeit für eine Gleichberech-
wähnen ist, ist Olympe de Gouges, eine Kämpferin für tigung kämpften, in der sie dafür verspottet und ver-
die Rechte der Frauen während der Französischen Re- urteilt wurden. Sie haben damit einiges erreicht, doch
volution. Olympe de Gouges lebte zu einer Zeit, in der noch lange nicht alles – sich ein Beispiel and ihnen zu
den Frauen viele politische und ökonomische Rechte nehmen, ist auch in der heutigen Zeit enorm wichtig.
untersagt blieben und in Anlehnung an die, im Jahre
1789 proklamierte, „Erklärung der Menschen- und Bür-
gerrechte“ verfasste sie die „Erklärung der Rechte der Wahlrecht ist jederMANNs Recht
Frau und Bürgerin“. Jedem „Mann“ fügte sie in ihrem
Text eine „Frau“ hinzu und jedem „Bürger“ stellte sie Das Wahlrecht ist das Grundrecht um sich in das täg-
eine „Bürgerin“ zur Seite. De Gouges sprach sich für liche politische Geschehen eines Staates einzubrin-
Dinge aus, die uns heute global betrachtet doch nicht gen. Es ist die Möglichkeit tatsächlich selbst etwas
so selbstverständlich wie gedacht scheinen. So zum bestimmen zu können und an der Entwicklung eines
Beispiel das Recht die RednerInnentribüne zu bestei- Landes mitwirken zu können. Dieses Recht wurden
gen und jegliches Amt belegen zu dürfen, das eine Frauen jedoch lange Zeit enthalten. 1919 zieht Öster-
Frau möchte. Doch diese Forderungen wurden, wie reich, im vergleich zu anderen Ländern früh, im Ver-
die, nach einem so genannten Geschlechtervertrag, in gleich zu Pitcairn, dem ersten Land in dem Frauen
dem Mann und Frau gleichgestellt sind, der eine Ehe ein Wahlrecht im Jahre 1838 zugesprochen bekamen,
ersetzt, damals nicht in die „Erklärung der Menschen- spät, mit dem Wahlrecht für Frauen nach. Doch ab
und Bürgerrechte“ aufgenommen. 1793 wurde Olym- 1919 gilt immer noch nicht für alle Frauen Österreichs
pe de Gouges geköpft woraufhin Frauen immer mehr dieses Grundrecht der Mitbestimmung, denn bis 1923
Rechte verloren und noch weiter in die Rolle einer durften Prostituierte weiterhin nicht wählen, Freier je-
Nicht-ernst-zunehmenden gedrückt wurden. doch schon. Lange argumentierten Männer, Frauen
seien, aufgrund ihrer sozialen Unterstellung dem Mann
Doch nicht nur in Frankreich gab es Frauen, die sich gegenüber, nicht in der Lage unabhängig zu Wählen
gegen die Unterdrückung wehrten. Elizabeth Cady und es gibt heute noch Staaten in denen es für Frauen
Staten war die Vorreiterin der Frauenbewegung im nur ein eingeschränktes Wahlrecht beziehungsweise
19ten Jahrhundert in den USA. Sie verfasste auf ei- kein Wahlrecht gibt. In Saudi-Arabien und Brunai ist
ner Tagung 1848, die die Diskriminierung der Frau dies der Fall, aber auch im Vatikanstaat können sich
thematisierte, „the Declaration of Sentiments“. Staten Frauen an der Wahl des Staatsoberhauptes, die den
forderte, in Anlehnung an die Unabhängigkeitserklä- Mitgliedern des männlichen Kardinalskollegiums vor-
rung, das Recht auf Eigentum, bessere Scheidungs- behalten ist, nicht beteiligen.
möglichkeiten, das Recht auf Bildung und Beruf und
das Wahlrecht für Frauen. Diese Frauenbewegung,
die sich auch aus der Bewegung für die Rechte der Schlechterstellung per Gesetz
Sie sind diejenigen, denen unbegründet die völlige
In Europa dauerte es lange bis zumindest offiziell, Verantwortung für Kinder und Haushalt zugeschoben
laut Gesetz dieselben Bestimmungen für Männer und wird und diese Zusatzbelastung wird kaum anerkannt
Frauen eingeführt worden sind. Zum Beispiel konnten und ist in unserer Gesellschaft zu unrecht immer noch
Ehemänner in Deutschland bis 1958 das Dienst-
verhältnis ihrer Frau fristlos kündigen und bis 1977 In Österreich verdienen Frauen 25,5% weniger
mussten Frauen laut Gesetz ihren Ehemann um als Männer, obwohl sie meist nicht nur ihren
Erlaubnis fragen, um jeglichen Beruf ausüben zu Beruf haben, sondern unter einer Doppel- oder
dürfen. Doch auch in Österreich wurde mit der Ein- Dreifachbelastung stehen.
schränkung der Rechte der Frauen lange nicht an-
ders umgegangen. Bis 1989 war innereheliche Verge- eine Selbstverständlichkeit. Obwohl es schon viele
waltigung kein Strafverbrechen, sondern Sex galt als großartige Frauen gegeben hat, die sich für die Rechte
eheliche Verpflichtung der Frau dem Mann gegenüber der Frauen einsetzten, ist es noch ein weiter Weg bis
und erst seit 1989 ist es Frauen möglich ihre Ehemän- zwischen Frau und Mensch/Mann nicht mehr differen-
ner auf Grund von Vergewaltigungen anzuklagen. ziert wird, bis Quoten nicht mehr gebraucht werden,
weil eine natürliche gerechte Verteilung der Stellen
Frauenrecht ist Menschenrecht gegeben ist und bis alle Menschen gleichgestellt sind.
Deswegen ist es wichtig sich weiterhin für die Gleich-
Auch in den modernen Industriestaaten müssen viele berechtigung aller Personen einzusetzen und nicht
Frauen immer noch die Rolle der Hausfrau und der zwischen Mensch und Frau zu differenzieren.
Unterdrückten am eigenen Körper spüren. Über 400
Jahre nach Olympe de Gouges kommt Frauen bei-
spielsweise noch immer nicht derselbe Lohn zu. In Ös-
terreich verdienen Frauen 25,5% weniger als Männer,
obwohl sie meist nicht nur ihren Beruf haben, sondern
unter einer Doppel- oder Dreifachbelastung stehen.
12
Asyl ist wie Lotto oder
die Millionnenshow
- Es können nicht alle von Sophie Fitz

gewinnen!
„Slumdog Millionaire“, der neue gen, in ein anderes Land einzurei- nen.“ (Art 1 GFK) Außer der Genfer
Film, der gerade noch im Kino sen, in dem sie sich sicher fühlen Flüchtlingskonvention beinhalten
läuft und wieder ein voller Erfolg können und sich in Ruhe eine ei- auch universelle Rechte (=für alle
war, zeigt uns den Traum aller gene Existenz aufbauen können. und überall gültig), wie die Men-
Slum-BewohnerInnen: Mit quasi „Asyl“ ist das Stichwort, dass wie schenrechtskonvention, Artikel,
Fingerschnipsen raus aus dem die Musik der Millionenshow beim die klar für Asyl sprechen und die
schrecklichen Leben und rein in Erreichen der obersten Grenze in Gleichbehandlung von allen Men-
das Schöne. Das würden sich be- den Ohren vieler Asylsuchender schen beschließen. So der Artikel
stimmt viele Menschen wünschen, klingt. Doch nicht allen Menschen 14 der Allgemeinen Erklärung der
deren Lebensumstände nicht ge- wird „einfach so“ Asyl gewährt. Menschenrechte von 1948: „Jeder
rade „rosig“ aussehen. Vorrausetzung für die Bearbeitung hat das Recht, in anderen Ländern
eines Asylantrages ist, dass den vor Verfolgung Asyl zu suchen und
AsylwerberInnen – sind das die Menschen in ihrem Land entweder zu genießen“.
bösen Menschen? die Todesstrafe droht, sie politisch
verfolgt werden oder Kriegsflücht- Wie das „Lotte“ der Asylwerbe-
Doch es geht nicht nur um Slum- linge sind. Österreich hat im Jahr rInnen fuktioniert
BewohnerInnen. Viele Menschen, 1954 die Genfer Flüchtlingkonven-
die in Kriegsgebieten leben, poli- tion (GFK) ratifiziert, die festlegt, Hat ein Mensch all diese „Vo-
tisch verfolgt werden oder denen dass Flüchtling ist, „wer aus wohl- raussetzungen“ erfüllt, so hat er
die Todesstrafe droht, wünschen begründeter Furcht, aus Gründen eine mehr oder weniger geringe
sich eines Tages in der Millionen- der Rasse, Religion, Nationalität, Chance auf ein faires Asylverfah-
show zu sitzen und das sind eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten ren. Fair bedeutet in diesem Fall,
Menge, nämlich sind weltweit ca. sozialen Gruppe oder der poli- ein in angemessener Zeit und
18 Mio. Menschen auf der Flucht, tischen Gesinnung“ verfolgt wird, genügend ausgearbeitetes Ver-
wovon 30.000 AsylwerberInnen „sich außerhalb seiner Heimat- fahren mit einer entsprechenden
momentan in Österreich leben. landes befindet und nicht in der Rechtsvertretung. Da die Asylbe-
Doch es muss nicht einmal un- Lage oder im Hinblick auf diese hörden kaum auf korrektes Vor-
bedingt die Millionen Show sein. Furcht nicht gewillt ist, sich des gehen überprüft werden konnten
Vielen Menschen würde es genü- Schutzes dieses Landes zu bedie- und es für AsylwerberInnen kei-
ne obere Instanz gab, an die sie Diese können auf Grund des Du- finden. Absoluter Spitzenreiter in
sich wenden konnten, wurde 2008 blinverfahren allein in Schubhaft Sachen Todesstrafe ist weiterhin
ein Gesetz erlassen, das die Er- versetzt werden, weil ein anderes China. Laut Amnesty International
richtung eines Asylgerichtshofes, EU-Land für ihr Verfahren zustän- wurden 2008 mindestens 2.390
beinhaltete. Der bis dahin beste- dig sein könnten. Da wird es ja Menschen in 25 Ländern hinge-
hende, aber kaum bekannte UBSA relativ einfach, sich weniger Arbeit richtet, wovon 70% der weltweiten
(unabhängige Asylsenat) wurde zu machen und die Verfahren an Exekutionen China zu zuschreiben
also zum Asylgerichtshof umge- andere Länder ab zu geben, muss sind.
staltet, dieser soll sowohl letzte ja auch nicht so schnell gehen. Ein
Instanz darstellen, falls ein Asyl- weiteres Problem stellt der man- Gewinnchancen erhöhen!
verfahren geklagt wird, als auch gelhafte Rechtsschutz der Flücht-
eine regelmäßige Kontrolle der linge dar, denn diese können be- Wahrscheinlich ist es in Österreich
Asylbehörden durchführen. Somit reits nach der erstinstanzlichen eine Grundeinstellung oder besser
endete auch die Aufgabe des Ver- Entscheidung wieder abgescho- gesagt eine Grundangst allgemein
waltungsgerichtshofes (VwGH) als ben werden, haben so also keine Leute aus dem Ausland auf zu
Mittelinstanz. Ein Asylverfahren in Chance eine nächst höhere Instanz nehmen. Alles Fremde und nicht
Österreich bekommen nur jene An- anzurufen und den Behörden wird gewohnte ist als aller erstes ein-
werberInnen, die nicht über ein si- so „unsaubere“ Arbeit sehr einfach mal schlecht. Diese „Grundgedan-
cheres Drittland einreisen. Sichere gemacht. Wobei wir auch schon ken“ tragen höchst wahrschein-
Drittländer sind all jene Länder, beim nächsten Problem angelangt lich ihren Teil dazu bei, dass die
die die Genfer Flüchtlingskonven- sind: Viele AsylbeamtInnen sind Asylverfahren in Österreich viel zu
tion unterzeichnet haben und so- schlecht geschult, dementspre- lange dauern und eher für eine Ab-
mit fast alle Länder, die Österreich chende laufen also auch die Asyl- schiebung sprechen, als integrativ
umgeben. verfahren ab. Aber das allein reicht arbeiten. Aber als erster Schritt
nicht einmal. Nicht nur, dass die wäre es wahrscheinlich sinnvoll
Asyl ohne „Joker“? Asylverfahren ungenau gemacht die AsylbeamtInnen besser zu
werden, dazu dauern sie auch schulen und eventuell einige mehr
Es läuft aber nicht immer alles ganz noch enorm lang. In einem 2006 anzustellen. So könnten die Anträ-
glatt ab. Traumatisierte Flüchtlinge veröffentlichten Bericht, heißt es, ge schneller und weitaus genauer
haben in Österreich beispielsweise dass rund 16.000 Asylverfahren durchgearbeitet werden. Asylwer-
keinen Abschiebungsschutz mehr. rund 3 Jahre dauern und von den berInnen flüchten zu Recht aus
Sie können daher ohne irgendwel- bearbeiteten Flüchtlingsverfahren ihrem Land, das ist sowieso ein
chen rechtlichen Beistand, ohne (egal ob positiv oder negativ) 35% Grundbedingung für eine Bear-
ein Verfahren oder ähnliches wie- vom damaligen UBAS wieder auf- beitung, und reisen meist nicht mit
der abgeschoben werden. Gera- gehoben wurden. bösen Absichten, sondern einem
de Menschen, die sich in einem ordentlichen Trauma und Angst-
traumatischen Zustand befinden, Warum sie Lottospielen oder zuständen in ein Land ein, um
haben ein Bedürfnis auf Schutz gleich das Land verlassen... dort neu Fuß fassen zu können.
und ein Trauma ist wahrscheinlich Aber um diese Grundeinstellung
auch Grund genug, zu erkennen, Einer der Hauptgründe für Men- zu ändern, muss man an der Wur-
dass sie den Schutz wirklich brau- schen zu Flüchten, ist die Todes- zel ansetzten und Rassismus und
chen. Außerdem kam es in Öster- strafe. Sie Flüchten, um in einem Rechtsextremismus „präventiv“
reich zu einem drastischen Anstieg anderen Land, in dem es ein Ver- bearbeiten.
der AsylwerberInnen in Schubhaft. bot der Todesstrafe gibt, Schutz zu
14
von Moritz Ablinger

Oder:
Warum wir ihre Krise
nicht zahlen
B
ereits seit Frühherbst 2008 werden rund um gegen die Krise interveniert wird, bleibt die Macht der
den Globus Banken, Versicherungen etc. mit Finanzwirtschaft unangetastet. Denn obgleich viele
horrenden Geldmengen gerettet. Für andere Zwecke Banken ihrer (Noch-)Existenz dem Staat verdanken,
sind dann die finanziellen Ressourcen nicht vorhan- hat eben jener oft noch immer nicht gerade viel zu
den. Verständlich ist das nur sehr bedingt. sagen in den Geldinstituten. Auch bemühen sich
weltweit RegierungschefInnen die Krise als „vorüber-
Change has come gehenden Ausrutscher“ zu bezeichnen, anstatt das
aktuelle System zu hinterfragen. Solange beispiels-
Am 16. September wurde mit AIG der größte ameri- weise private Pensionsfonds versuchen ihr Kapital zu
kanische Versicherungskonzern zu dessen Rettung vermehren indem sie damit an der Börse spekulieren
verstaatlicht. Damit hatte man sich der „Mehr Pri- und de facto darauf hoffen, dass das Geld von allei-
vat-Weniger Staat“-Maxime entledigt. Noch bis vor ne mehr wird, wird es solche Krisen immer wieder
einem Jahr war dieses Motto ganz tief in jedes Hirn geben. Systembedingt. Auch hat/wird dieser Börsen-
der WirtschaftsexpertInnen und die von ihnen bera- wahn unverantwortbare Profitgeilheit hervorgerufen
tenen Regierungen eingegraben. Was also am 16. beziheungsweise wird es auch in Zukunft noch tun,
September begann, setzt sich seitdem immer weiter denn wenn die Pensionen von privaten AnlegerInnen
fort. Wahrscheinlich wären weltweit die meisten Ban- von den Börsenkursen abhängen, sind diese daran
ken zu Grunde gegangen, hätte der Staat kein Geld in interessiert das diese steigen. Dies funktioniert durch
die Wirtschaft gepumpt. In den USA würden die Au- Riesenprofite der Unternehmen dann doch am Be-
toindustrie ohne Milliarden an Steuergeldern schon sten.
nicht mehr existieren. Ganze Volkswirtschaften, wie
zum Beispiel die rumänische, musste mit Hilfe des Die Auswirkungen auf die Bevölkerung
Internationalen Währungsfonds gerettet werden. Di-
ese und noch viele andere Beispiele zeigen, dass Denn falls es dann soweit kommt, dass die Börsen-
die antistaatliche neoliberale Irrlehre am Ende ist. kurse fallen, beginnen auch die Pensionsfonds ernst-
Veränderungspotenzial wäre da – nur scheinen das hafte Probleme zu bekommen. In den USA haben
viele und vor allem jene, die den Ton angeben, noch viele solcher Institute Probleme die Pensionen an
nicht ganz einsehe zu wollen. ihre KundInnen zu zahlen. Sollte der Staat hier also
nicht seinen Teil dazu beitragen, würde das blanke
Zum Umgang mit der Krise Chaos ausbrechen.
Dies darf aber nicht heißen, dass Regierungen kein
Obwohl mittlerweile weltweit von Seiten der Staaten Geld mehr für Bildungs- und Sozialprojekte haben,
weil sie ohne Gegenleistung Banken retten und dabei
zusehen wie ManagerInnen haufenweise Millionenboni
einstreichen. Einfach gesagt heißt dies: Den Bankma-
nagerInnen, die diese Krise (mit-) verursacht haben,
wird nun das Geld nachgeworfen, während die sozial
weniger gut Situierten kaum auf staatliche Hilfe zählen
können.

Get active

Am 28. März, anlässlich des G20-Gipfels, kam es erst-


mals europaweit zu Demonstrationen gegen den staat-
lichen Umgang mit der Finanzkrise. Insgesamt dürften
wohl zehntausende Menschen auf die Straße gegan-
gen sein, es bleibt aber zu hoffen, dass dies nicht das
letzte zivile Aufbegehren gegen die Finanzkrise war.
Bislang war es nämlich, angesichts der Größe dieses
Finanzkollapses, auf den Straßen relativ ruhig geblie-
ben. Und die Systemfrage muss trotz allem noch von
den demonstrierenden Massen von der Straße kom-
men. Dass dies ganz gut funktioniert bewiesen die Is-
länderInnen ja bereits. Nach dem es dort zu massiven
Protesten kam, wurden Neuwahlen angesetzt, aus de-
nen die Linke als Sieger hervorging.

Grundsatzfragen

All die Probleme in denen das Finanzwesen momen-


tan steckt, sind aber auch eine Chance. Eine Chance
auf eine alternative Organisation der Wirtschaft. Denn
eines hat die Finanzkrise den meisten wohl klar ge-
macht: Wie in den letzten Jahren gewirtschaftet wurde
ist unverantwortlich und stürzt in regelmäßigen Inter-
vallen die Weltwirtschaft in eine (mittel-)schwere Krise.
Es braucht nun eine Wirtschaftsform die nicht auf der
einen Seite zu Massenarmut und struktureller Benach-
teiligung und auf der anderen Seite zu Millionengehäl-
tern für einige wenige führt. Was die Regierungen mo-
mentan machen, wirkt diesen Ungerechtigkeiten kaum
entgegen. Falls aber die Zahl der Arbeitslosen weiter
so explodieren wie sie das momentan tun (In Öster-
reich steig die Arbeitslosigkeit der unter 25 jährigen
in den letzten Montagen um rund 20,5 %; orf-online,
Kurier, Krone, Standard, Wiener Zeitung) werden die
StaatschefInnen sich gezwungen sehen eine sozialere
Politik zu machen. Wenn sie es nicht tun, liegt es an
uns, uns zu wehren.
16A ls Reaktion auf die unmenschlichen Zustände
in DEM Auffanglager für Flüchtlinge in Lampe-
dusa (Italien) kam es zu Aufständen von Seiten der Mi-
setzte, und MigrantInnen. Bei diesen Krawallen fingen
auch Gebäude des Internierungslagers Feuer, als Insas-
sInnen versuchten durch das Anzünden von Barrikaden
grantInnen. Die Antwort darauf ist mehr ein konservativer vor der Polizei zu schützen. Diesen Protesten war ein
Reflex, als eine ernsthafte Lösung. Hungerstreik von rund 300 Inhaftierten vorgegeangen, die
auf diese Weise gegen die Abschiebung der 107 Tunesie-
Wo? Wie? Was? rInnen protestierten. All dies zeugt von einer Stimmung
auf Lampedusa von der weder die MigrantInnen, noch die
Lampedusa ist eine Insel südlich von Italien und ist deshalb Polizei, noch die EinwohnerInnen der Insel profitieren.
auch oft das Ziel von Flüchtlingen aus Afrika um nach Eur-
opa einzureisen. Gleichzeitig befindet sich dort ein großes Schlussfolgerungen
Auffanglager für eben solche MigrantInnen, deren Zahl in
den letzten Jahren immer höher wird. Dies bringt diverse Nun reagierte die italienische Politik durchaus auf die Pro-
Probleme mit sich. Italien verwehrt sich zusehends dage- teste. Es wäre allerdings falsch diese Reaktionen als ver-
gen afrikanische Flüchtlinge, vor allem aus Tunesien und nünftig zu bezeichnen. Wer also geglaubt hätte, es würde
Ägypten, aufs Festland zu bringen. Folglich befinden sich darüber nachgedacht, ob man das Internierungslager ver-
mittlerweile im eigentlich für 804 Menschen konzipierten größert oder gar ein Zweites baut oder den MigrantInnen
Auffanglager, bereits 1800 InsassInnen. Das dies zu un- tatsächlich Zutritt auf italienisches Land gewährt, dem/
menschlichen Zuständen führt liegt nahezu auf der Hand. der sei gesagt, er/sie unterschätzt die Unmenschlichkeit
Beispielsweise verfügt das Lager über 800 Betten 1800 europäischer Politik. In erster Linie ist nämlich die Rede
Menschen in diesen Betten unter zu bringen, ist ein klarer davon, die MigrantInnen künftig schneller abzuschieben.
Verstoß gegen die Menschenrechte und ein inhumanes Doch dieses Gerede auf andere Länder zu beschränken
Vorgehen, das keines falls geduldet werden kann. ist schlichtweg falsch. Auch hier in Österreich wird immer
zuerst von schnelleren Abschiebungen und strengeren
Konsequenzen Auflagen für MigrantInnen geredet.
Warum es Migration in dieser enormen Form gibt, scheint
Und so kommt was kommen musste. Bereits am 24. Jän- irgendwie eine überflüssige Frage zu sein. Aber dass
ner flüchteten an die 700 MigrantInnen aus dem Lager, durch Verkleinerung der Mittellosigkeit in Afrika, auch die
um vor dem Rathaus Lampedusas gegen ihre sofortige Zahl der Toten vor Europas Toren weniger würde, sollte
Abschiebung zu demonstrieren. Dem schlossen sich die auf der Hand liegen. Natürlich gibt es kein Allheilmittel ge-
italienischen EinwohnerInnen der Insel an. Diese pro- gen Armut, aber sich damit auseinander zu setzen wäre
testierten unter anderem gegen die Neuregelung des ein erster Schritt, und auf alle Fälle sinnvoller, als jegli-
italienischen Asylrechts, wonach alle Menschen deren ches Gerede über strengere Einwanderungsgesetze.
Asylantrag abgelehnt worden war, abzuschieben wären,
um Platz für Neuankömmlinge in Lampedusa zu schaf- Festung Europa
fen. Diese sollten allerdings gar nicht erst die Möglichkeit
bekommen, auf italienisches Festland zu treffen. Die oft 13.239 Menschen, so schätzt die NGO Fortress Europe,
angesprochen Integration fällt da wohl reichlich schwer. seien seit dem Jahr 1988 vor der den Toren Europas ge-
Außerdem ist es für die MigrantInnen nahezu unmöglich storben, beinahe täglich kommen Neue hinzu. Dies ist in
gegen ihre Asylbescheide juristisch vorzugehen, was an erster Linie auf die Armut, die in Afrika ungebrochen ist,
sich ihr Recht ist. Auch der BürgerInnenmeister Lampe- zurückzuführen. Prinzipiell könnten Regierungen Armut
dusas warnte die italienische Regierung ,allen voran den auf anderen Kontinenten durchaus entgegentreten. Der
Ministerpräsidenten Sylvio Berlusconi, vor einer Beschö- europäische Weg ist allerdings ein pragmatischerer: Denn
nigung der Lage. Am 17. und 18. Februar kam es aber- solange die Zäune rund um die Küsten Europas hoch ge-
mals zu Protesten der Flüchtlinge. Als 107 TuniesierInnen nug, und die Auffanglager weit genug entfernt sind, solan-
abgeschoben werden sollten, eskalierte die Situation ge beschäftigen sich europäische Regierungen kaum mit
einmal mehr. Nachdem die Abzuschiebenden vorerst aus Afrikas wahren Problemen.
dem Lager geflüchtet waren, kam es zu Auseinanderset-
zungen zwischen Polizei, die wiederholt Tränengas ein-
Ein Hummer kostet Leben von Marie Degiampietro, Johanna Heinemann, Hannah Wolf

In Simbabwe werden Spenden gesammelt, jedoch die zusätzlich durch die fehlende Infrastruktur sichtlich
nicht um die an Cholera sterbende und an Hunger geschwächt ist, ist der Bevölkerung auch der Zugang
leidende Bevölkerung zu unterstützen, sondern damit zu Bildung erschwert. LehrerInnen können sich groß-
Präsident Mugabe seinen 85. Geburtstag auf möglichst teils nicht mal mehr die Anreise zu Schulen leisten, ge-
pompöse Art und Weise zelebrieren kann. Während schweige denn, kann der Staat die nötigen Mittel für
Mugabe seinen Gästen Kaviar, Hummer und andere Gehälter und Unterrichtsmaterialen aufbringen. Das
Delikatessen im Wert von 50,000 US-Dollar auftischt, derzeit größte Problem sind die Choleraausbrüche die
haben viele EinwohnerInnen nicht einmal Zugang zu sich in steigender Zahl durchs ganze Land ziehen. Es
sauberem Wasser.Die Bevölkerung Simbabwes leidet. ist kein Ende in Sicht, denn das Gesundheitssystem
Täglich flüchten Leute aus ihrer Heimat, da die Um- brach mit der Infrastruktur zusammen. Das heißt, dass
stände in ihrem Land unerträglich sind. Die Zahl von die Gesundheitseinrichtungen entweder geschlossen
Cholera - Toten steigt von Tag zu Tag, die Hungers- sind oder überhaupt nicht funktionieren, bestenfalls
not im Land treibt die verzweifelte Bevölkerung auf die kann sich nur die oberste Schicht der Gesellschaft eine
Straße und durch die katastrophalen Hygienezustän- ärztliche Behandlung leisten.
de ist die Verbreitung einer Vielzahl von Krankheiten
nicht mehr aufzuhalten. Doch wie kam es dazu, dass Diktatur?
die einstige Kornkammer Afrikas zum Abbild des Leids
und Elends wurde? Auf eine Verbesserung wurde im Jahre 2008 gehofft,
da die MDC, die Oppositionspartei "Movement for De-
Einblick in die Vergangenheit mocratic Change", bei den Wahlen antrat, jedoch, we-
gen schlechter Organisation und Meinungsverschie-
Zu Zeiten des Kolonialismus vertrieben die westlichen denheiten bezüglich des politischen Kurses innerhalb
EinwanderInnen die Einheimischen aus Machtpositi- der Partei, mit Spitzenkandidat Tsvangirai knapp die
onen und beanspruchten die fruchtbaren Gebiete für Wahlen verlor. Die größte Rolle jedoch spielte die Ma-
sich. Diese Situation hielt sich Jahre lang bis Präsi- nipulation der Wahl durch Mugabe, in Form von Er-
dent Mugabe an die Macht kam, und beschloss, einige pressung, Drohung und Fälschung. Auf Grund dieses
Veränderungen in der Landwirtschaft durchzuführen. Betrugs, wurde Simbabwe aus dem Commonwealth
Leider waren diese nicht sonderlich durchdacht, und ausgeschlossen, und Mugabe ist die Einreise in die
endeten mit der chaotischen und gewaltsamen Enteig- EU nicht erlaubt. Außenkorrespondenz ist unter Mu-
nung der westlichen FarmerInnen, was zur Folge hatte, gabe nicht möglich. Weder dürfen Informationen nach
dass die ohnehin schon ärmlichen LandarbeiterInnen außen dringen, noch erhalten Hilfsorganisationen wie
weiter verelendeten. zum Beispiel Ärzt(innen) ohne Grenzen einen Einblick
in die Infrastruktur des Landes, was nötig wäre um ef-
Die Krise fektiv handeln zu können. Der einzige Ausweg aus die-
ser Situation wäre das Abschaffen von Barrieren, die
Als Folge dieser gewaltsamen Vertreibung, brach die eine derzeitige Verbesserung blockieren.
gesamte Wirtschaft Simbabwes letztendlich im Jahr
2000 vollkommen zusammen. Wegen der enormen In den letzten Monaten sind die Stimmen, die den öf-
Inflation wurde kürzlich sogar eine Banknote im Wert fentlichen Sturz Mugabes fordern, lauter geworden,
von 100 Billionen Simbabwe-Dollar eingeführt. Mit der denn viele sehen ein Ende der Krise nur ohne den
Landeswährung ist es grundsätzlich nicht mehr mög- mittlerweile seit 28 Jahren regierenden Mugabe. Ein
lich ein Brot zu kaufen, AusländerInnen ist es nur er- baldiger Wechsel in der Regierung, auf den viele Ein-
laubt mit ihrer eigenen Währung zu bezahlen. wohngerInnen schon sehnlichst warten, bringt
Inzwischen sind schon mehr als 80% der Bevölkerung hoffentlich die erhoffte besserer medizinischer
arbeitslos, die Verfügbarkeit von Lebensmittel sinkt Versorgung, Gegenmaßnahmen zu der stetig
täglich, dafür steigt die Inflation ins Unermessliche. wachsenden Inflation und eine Verbesserung
der Lebensqualität des Landes mit sich.
Abgesehen von der Grundversorgung der Menschen
18 Kein
Kein
Recht
Recht
aufauf
Rechte
Rechte von Marie Degiampietro, Hannah Wolf, Johanna Heinemann

Eiserne Jungfrauen, Streckbänke und Daumenschrau- status gewährt und daraus resultierend jeglicher ihnen
ben - Mittelalterliche Foltermethoden. zustehende Rechtsbeistand verweigert. Auch wenn
In Österreich wurde die Folter schon 1776 abgeschafft, das Festhalten ohne ein Gerichtsverfahren laut der
in den USA ist sie noch bis heutenicht verboten. Wo amerikanischen Verfassung illegal ist, und gegen die
früher der Körper geschändet wurde, konzentriert man Grundlagen der Genfer Konvention verstößt, findet
sich heute auf das Einschränken des freien Willens und dies in Guantanamo regelmäßig statt.
des selbständigen Denkens. "Weiße Folter", so werden Um die nun aufgebrachten und Informationen for-
heutzutage Methoden genannt, die auf Demütigung, dernden Medien zu beruhigen, kündigte der ehemalige
und daraus folgende Geständnisse abzielen. US-Präsident Bush des Öfteren die Schließung der
Camps an. Die tatsächliche Schließung der Lager er-
„Weiße Folter“ folgte so unter Bush jedoch nie.
Stattdessen erfolgte ein regelrechtes Katz und Maus
Schlafentzug, Waterboarding und Isolationshaft stehen Spiel: viele der Gefangenen wurden zwar freigelassen
auf der Tagesordnung der Gefangenen in Guantana- und sind in ihr Heimatland zurückgekehrt, wurden je-
mo. Guantanamo Bay Naval Base, so nennt sich der doch später ein weiteres Mal inhaftiert und der Grau-
Stützpunkt der US Navy auf Kuba, in dem Häftlinge, samkeit Guantanamos erneut ausgesetzt.
meist ohne Gerichtsverhandlung und oft auch ohne
Anklage rechtswidrig festgehalten werden. Vielen der Büstenhalter und andere Grausamkeiten?
Insassen wird vorgeworfen, Mitglied der islamischen
Terrororganisationen Taliban oder Al-Quaida zu sein Erst 2004 wurden Berichte über die Foltermethoden
oder Mitschuld an den Vorfällen des 11.Septembers zu in Guantanamo veröffentlicht und bestätigt. Bekannte
haben. Foltermethoden sind unter anderem das Verbot der
Ausübung ihrer Religion, in Form von Koran-Schän-
Bush’s Katz und Maus Spiel dungen und Verkleben der Münder der Betenden,
Drohungen bezüglich der Verfolgung ihrer Familien,
Anfänglich existierte in Guantanamo nur Camp X-Ray, Anketten, Reizentzug und -überflutung und viele wei-
welches geschlossen wurde da es nur 320 Gefange- tere Grausamkeiten. Gesprochen wurde im Zuge der
ne aufnehmen konnte. Daher wurde 2002 ein weiteres Berichte von schwerer seelischer und körperlicher
Lager errichtet, unter dem Namen Camp Delta. Im Misshandlung, die bis hin zur Abtrennung von Glied-
darauf folgenden Jahr kursierten Gerüchte, dass dort maßen reichte.
auch Kinder und Jugendliche, die während des Afgha- Im Einzelnen wurde der Fall des Insassen Mohammed
nistan-Krieges gefangen genommen wurden, unter al-Qahtani geschildert: Der Gefangene musste sich
Missachtung der Menschenrechte inhaftiert wurden. nackt verhören lassen, Büstenhalter anziehen, einen
Letztendlich wurden die zwischen 13 und 16 Jährigen Striptanga aufsetzen, Beleidigungen seiner Familie
freigelassen, da sie "keine Gefährdung mehr für die Si- erdulden, und befand sich über 160 Tage in Isolations-
cherheit der Vereinigten Staaten darstellen". haft die von 18-20 Stunden dauernden Verhören unter-
Inhaftierten wird nicht einmal der Kriegsgefangenen- brochen wurde.
Wie schon erwähnt, spielen Menschenrechte in Guan- noch in ihren Heimatländern erwünscht sind, werden
tanamo keine große Rolle. Das IKRK (Internationale andere Staaten aufgefordert diese nach Möglichkeiten
Komitee vom Roten Kreuz) ist die einzige humanitäre einzugliedern, denn eine Aufnahme setzt voraus, dass
Organisation, der regelmäßig Einblick gewährt wird. im Land medizinische und psychische Betreuung er-
Außerdem forderte die UN-Menschenrechtskommissi- folgt, um die Traumatisierten wieder in die Gesellschaft
on in einem Sonderbericht die Auflösung des Gefange- einzugliedern. Viele Länder haben allerdings auch
nenlagers. Während Bushs Amtsperiode wurde dieser Angst, dass die Bevölkerung durch die Aufnahme der
Aufforderung nicht nachgekommen. ehemaligen Gefangen das Vertrauen in die Sicherheit
des Staates verliert, also sprechen sich gerade Länder
Obama – Yes, we can? mit bevorstehenden Wahlen gegen diese aus.

Obama jedoch verspricht Veränderungen. Guantana- Innerhalb der ersten 5 Jahre des Bestehens Guantana-
mo und andere Geheimgefängnisse, jedoch nicht alle, mos wurden 4 der Insassen angeklagt, und nur einer,
sollen innerhalb des nächsten Jahres geschlossen wer- ein Australier, bekam einen Prozess. Das ist nur eine
den. Außerdem erließ er nach seinem Amtsantritt über vieler erschreckender Statistiken. Fakt ist, dass der
ein Verbot von Folterverhörmethoden und Überprüfung Großteil der Insassen unschuldig ist, jedoch durch die-
weiterer Praktiken im Verhör mit Terrorverdächtigen. sen unmenschlichen Aufenthalt nun verstört und unbe-
Ob die von Obama versprochenen Veränderungen rechenbar ist.
durchgeführt werden, bleibt zu hoffen. Keine Chance, keine Freiheit, kein Recht auf Leben –
Aktuell stellt sich die Frage: Wohin mit den bald ehema- das ist die Guantanamo Bay Naval Base.
ligen Insassen Guantanamos? Da sie weder in Amerika
20
Die NATO - das mächtigste rung des Kosovos, die ohne Ermächtigung des
militärische Staatenbündnis - UNO-Sicherheitsrates durchgeführt wurde, also
wurde 60 Jahre alt. Doch rich- de facto unrechtsmässig durchgeführt wurde.
tig in Feierlaune sind neben Mi- Ausserdem wurde kein NATO-Mitgliedsstaat an-
litärs nur die Regierungen der gegriffen, deswegen entsprach dieser Krieg nicht
Mitgliedsstaaten. einmal den eigenen Statuten. Von Seiten der
USA und der NATO wurde der zynische Begriff
It’s time for history des „humanitären Kriegs“ eingeführt, in dem es
eigentlich nur darum ging, das damalige Jugo-
Im Jahre 1949 wurde zuerst slawien in kleine, vom sogenannten Westen ab-
im Hinblick auf eine erneute hängige Kleinststaaten zu zersplittern, dort den
deutsche Aggressionspolitik wirtschaftlichen Aufbau zu sichern und danach
und danach als kapitalistischer sich diese als Faustpfand für diverse geopoli-
Gegenpol zur Sowjetunion der tische Verhandlungen zu halten. Diese Strategie
Nordatlantikvertrag zwischen ist typisch für Einsätze der NATO: Ein in der
den USA und ihren europä- medialen Weltöffentlichkeit in schlechtem Licht
ischen Verbündeten geschlos- erscheinendes Land (oft in den Jahren davor ein
sen, auf dessen Grundlage die Verbündeter des Westens) wird attackiert, die lo-
NATO bis heute handelt. Doch kale Infrastruktur im wörtlichen Sinne dem Boden
anstatt einer einseitigen Unterstützungs- gleichgemacht und das Land politisch gänzlich
zusage der vereinigten Staaten von Ame- destabilisiert. Danach greift der ökonomische
rika entstand ein militärisches Abkommen, Arm des imperialistschen Komplexes nach dem
welches beide Seiten formal gleich verpflich- Staat und leistet dort „wirtschaftliche Aufbauhil-
tete. Sechs Jahre später wurde auch die Bun- fe“, sprich von den NATO-Mitgliedern geförderte
desrepublik Deutschland Mitglied der NATO. Errichtung monopolistischer Zweigstellen trans-
In den Jahren danach rüstete die USA ato- nationaler Konzerne. Diese Förderung werden
mar auf und schafften es, in Großbritannien menschenverachtenderweise oftmals noch als
Mittelstreckenraketen zu stationieren. Von da Entwicklungshilfe in den öffentlichen Budgets
an errichteten sie immer mehr militärische Ba- geführt. Danach ist das besiegte Land militä-
sen in diversen Ländern, darunter in der durch risch, politisch und wirtschaftlich vom Westen
ihre Lage strategisch wichtigen Türkei. abhängig – dies heißt vor allem die natürlichen
Ressourcen des betreffenden Gebietes wandern
Bombenstimmung in Nichtmitgliedstaaten in dessen Hände. Jüngstes Paradebeispiel ist
hier wohl Afghanistan, wo auch schon der neue
Nach dem kalten Krieg und dem Fall der UDSSR US-Präsident Obama mehrmals Gebiete, welche
fehlte der NATO nicht nur ihr Feindbild, sondern von ZivilistInnen bewohnt werden, bombardie-
auch die Argumentationsgrundlage ihrer Exi- ren ließ. Aktuell beteiligen sich NATO-Mitglied-
stenz. Daraufhin wurden "friedenserhaltende staaten weiter an den Einsätzen im Irak und in
Maßnahmen" als Kernaufgaben definiert. Die Darfur. Hinzu kommt die Präsenz der Schiffe der
Neudefinierung war neben der weitaus un- NATO-Marine, die seit geraumer Zeit im Mittel-
militärischeren klingenden Zielsetzung die meer patrouillieren.
Grundlage für weitere Konsequenz: Ab nun
war es der NATO möglich, auch außerhalb Auslageschild des Imperialismus
der Territorien ihrer Mitgliedsstaaten Krieg zu
führen.Eine der Folgen dieses Beschlusses Auch sonst ist die NATO vor allem ein Werkzeug
war der Kosovokrieg und die Bombadie- und verlängerter Arm der US-imperalistischen
Wirtschaftshegeno-
mie geworden, die
wie bekannt auch
vor dem Gang über
Leichen nicht zurück-
schreckt. Neben der
oben schon erwähnten
Stationierung von Mittel-
streckenraketen befinden
sich mittlerweile auch schon
240 atomare US-Waffen in
den europäischen Staaten, na-
türlich auf NATO-Basis. Dies stellt
jedoch nicht nur mehr eine blosse
militärische Machtdemonstration dar,
sondern auch viel mehr ein einfluss-
reiches Druckmittel auf die betroffenen
Staaten. Außerdem sind die Atomwaffen
auch in Ländern stationiert, die prinzipiell
dem Atomwaffensperrvertrag unterliegen.
Es wurde zwar ab und an innerorganisätere
Kritik an der amerikanischen Dominanz - vor
allem von französischer Seite - in der NATO
laut, allerdings mit keinen entscheidenden
Konsequenzen.

Neben all den Kritikpunkten stellt sich vor


allem die Existenzfrage für eine Organisation,
die vordergründig Frieden Stiften möchte, ihren
Verträgen nach aber auf Krieg ausgelegt ist.
22
Bei einer Lesung und im Interview mit Alina Bachmayr für das Syntax

rinnen verstummen. Ein Lehrer, ge-


einen Saal. Zweihundert Schüler und Schüle
Ein Mann, geschätzte Anfang Fünfzig, betritt
die Hand geschüttelt hat, bevor er sich
t, kurz jenen Mann, der brav dem Direktor
fühlte Mitte Hundert, erhebt sich und beginn
Aus der „kurzen Vorstellung“ wird eine
isierten Bühne gestellt wurde, vorzustellen.
auf den Tisch, der auf eine kleine improv
was für ein Aufsehen um ihn und seinen
m-Tisch-Sitzer ist sichtlich unangenehm,
Lobeshymne und eine Biografie, dem auf-de
seine Tirade beendet. Erich Hackl, sei-
ten, vier Stunden hat auch besagter Lehrer
Besuch gemacht hat. Nach, wiederum gefühl
renden Menge und setzt an.
auf, schaut in die Gesichter der ihn anstar
nes Zeichens Schriftsteller, atmet erleichtert

selbst und sein neues Buch vorzustel-


Vorstellung, nun die Gelegenheit, uns sich
Er habe, nach dieser doch nicht ganz so kurzen
lesen seiner Bücher vorstellen könnte,
zu lesen. Er liest anders, als man es sich beim
len. Ohne weitere Umschweife fängt er an
t, denn er ist in Steyr aufgewachsen, wie
ett verdrängten oberösterreichischen Akzen
einfacher, trockener, mit einem fast kompl
Sidonie“ reden, erzählt.
er uns später, als wir über „Abschied von

Gescheitert?
welche Menschen schreibt. Hackls
Hackl nicht irgendwelche Bücher über irgend
An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass Erich
Schicksal, nicht mit der Welt, wie sie ist,
ein Regime kämpfen, sich nicht mit ihrem
Bücher handeln von Menschen, die gegen
hen, die den aufrechten Gang nicht
nlosen Gesellschaft werden. Er zeigt Mensc
zufrieden geben wollen oder Opfer einer gnade
im klassischen Sinne, denn die Protago-
schten. Seine Bücher haben kein Happy End
erst trainieren mussten, sondern ihn beherr
hen, deren Leben er semidokumentarisch
sind keinesfalls trostlos, denn diese Mensc
nistInnen sterben meist zu Ende, doch sie
h. Sie leben und lebten unter uns und
tätte setzt, wo es keine gibt, gab es wirklic
festhält, denen er so ein Denkmal, eine Grabs
gaben ihr Leben für eine bessere Welt.

Als ob ein Engel...


um, liest ein Kapitel, dann noch eines von
t er das Buch auf, blättert ein paar Seiten
Am Anfang von „Als ob ein Engel“ schläg
in Südamerika, in Mendoza in Argentinien,
in eine Welt fernab von Bregenz. Wir sind
weiter hinten vor. Der Saal taucht kurz ein
Ungerechtigkeit, verschwindet. So auch
die sich wehrt gegen die Gewalt, gegen die
in einem Regime, unter dem jeder und jede,
la Argentiniens angeschlossen hatte, um
den Montoneros, der peronistischen Gueril
Gisi Tenenbaum, eine junge Frau, die sich
unter all den Guerilleros und Guerilleras
ehen. Dass Hackl sich Gisela Tenenbaum
im Untergrund gegen die Militärdiktatur vorzug
hied von Sidonie“, „Auroras Anlass“,
meisten der Hauptfiguren seiner Bücher („Absc
ausgesucht hat, ist wohl kein Zufall. Wie die
Frau. Zu Frauen fühlt er sich hingezo-
politischen Situation, eine Kämpferin, eine
„Hochzeit von Auschwitz“) ist ein Opfer einer
einen „besseren Draht“. Und auch das ist
gegen Ungerechtigkeit, zu ihnen findet er
gener, sie seien wohl tapferer, kämpfen eher
rn erkundigt sich, stellt Nachforschungen
er schreibt nicht einfach blind drauflos, sonde
eine weitere Besonderheit an Erich Hackl,
Natürlich kann er nicht über alle schreiben,
örige der Personen, über die er schreibt.
an, besucht Bekannte, Verwandte, Angeh
Zugang findet, wenn die Angehörigen
rchen stolpert. Wenn er nicht den richtigen
über deren Schicksal er im Laufe seiner Reche
rt.
nicht reden wollen, was aber selten passie

Ein „linker Autor“

, Eltern, Nachbarn und Nachbarinnen, das


rieben. Über Dinge, die er kannte, Schule
Früher, schon mit 17, hat er selbst gesch
schreibt er nicht mehr, es gibt grade
nd dem Germanistik- und Hispanistik-Studium
kleinbürgerliche Leben in Österreich. Währe
stößt er auf den Fall von Aurora Rodriguez,
tzt er andere AutorInnen. Und irgendwann
nichts, das er festhalten will. Später überse
es nicht. Gibt es in keinem seiner
töten. Doch eine klare Schuldzuweisung gibt
die eines Tages beschloss, ihre Tochter zu
diejenigen, die nichts gegen
eine Ungerechtigkeit unserer Welt und gegen
Bücher, außer vielleicht die gegen die allgem
setzt mit seinen Büchern, die
h tätig, aber sehr wohl engagiert, denn er
sie unternehmen. Selbst war er nie aktiv politisc
Zeichen.
erzählen, ein klares Zeichen, ein klar linkes
stets von Heldinnen unserer Gesellschaft
Darf ich dich adden?
von Nora Kleibl

Facebook, StudiVZ, SchülerInnenVZ, myspace auf Beschluss der Regierung keinen Zugang zu Facebook).
Soziale Netzwerk sind die neuen Treffpunkte, wo so ziemlich
alles besprochen wird. Und dass heute nicht mehr nur noch Der gläserne Mensch?
für Jugendliche. Aber woher kommt die Idee, und was steckt
hinter dem Gerücht des Datenmissbrauchs? Prinzipiell ist der Umgang mit persönlichen Daten im Zusam-
menhang mit Social Communities kritisch zu betrachten. Wie
Das zweite Leben in der virtuellen Welt. bei Facebook ist es auch bei anderen Netzwerken unklar, was
mit den Daten wirklich passiert und wer Einsicht hat. Bereits
Millionen Menschen gefällt dir Vorstellung von sozialen Netz- jetzt gibt es Firmen die sich auf den Verkauf solcher Daten
werken im Internet. Es macht es einfacher Kontakt zu den ei- spezialisiert haben, und dieser Markt ist gerade erst am Auf-
genen FreundInnen zu halten und gibt den BenutzerInnen die blühen. “Ich hab eh nichts zu verbergen” zieht in diesem Fall
Möglichkeit neue Freundschaften weltweit zu knüpfen. Face- wenig, vor allem in Amerika sind Fälle bekannt, bei denen Fir-
book und auch die deutschsprachige Version der VZe schaf- menchefs JobbewerberInnen nicht einstellen wollten, weil sie
fen die Möglichkeit in wenigen Sekunden mehrere hundert auf Facebook zu viele Photos von exzessiven Trinkgelagen
Menschen zu informieren, was ich heute Abend vor habe. hatten. Aber nicht nur in den USA kommt es zu Missbrauch
der persönlichen Daten, in Deutschland benutzt die BILD-
Webspace culture. Zeitung regelmäßig soziale Netzwerke um sich Informationen
und Photos für ihre Nachrichten zu besorgen.
Durch das Service von sozialen Netzwerken können Use- Auch StudiVZ bekam die Empörung der Öffentlichkeit zu spü-
rInnen nicht nur mit FreundInnen kommunizieren, sondern ren, als bekannt wurde das die Website mit personalisierter
durch die Plattformen können sich auch verschiedene In- Werbung arbeitet. Die deutschen BetreiberInnen dachten
teressengruppen vernetzten. In unterschiedlichen Gruppen sogar nach, sich das Recht zu erwerben den NutzerInnen
kann ich als UserIn meine Überzeugungen, Hobbies und an- personalisierte Werbe-SMS zu schicken. Diese Idee wurde
dere Gemeinsamkeiten kundtun. Diese Interessensgruppen allerdings durch unzählige Beschwerden gekippt.
dienen auch als eine Art Diskussionsforum, so kann ich zum
Beispiel mit Mitgliedern aus allen möglichen Teilen der Welt Zwar ist Datenschutz und Privatsphäre im World Wide Web
über das neue Album der Strokes reden. schon länger ein großes Thema, allerdings wurden noch nie
zuvor derart detailliert und kategorisiert persönliche Informa-
Facebook, die mit 175 Mio. UserInnen momentan größte So- tionen von NutzerInnen abgefragt wie bei den umfangreichen
cial Community, war vom Gründer Mark Zuckerberg eigentlich Webformularen der heutigen Sozialen Netzwerke.
als eine Vernetzungsplattform nur für HavardstudentInnen Das vereinfacht die maschinelle Analyse dieser Daten enorm,
gedacht. und schafft so schnelle und kosten effiziente Möglichkeit von
Doch schon im Gründungs Jahr 2004 expandierte Facebook Überwachung und personalisierter Werbung.
auch auf andere Unis, und öffnete sich 2006 für alle Menschen
ab dem Alter von 13 Jahren. Jedoch gab es auch starke Kritik
an den “Privacy Settings” von Facebook. Um die persönlichen
Daten zu löschen reicht es nämlich nicht sein persönliches
Profil zu deaktivieren. Was mit diesen Daten tatsächlich pas-
siert ist bei ExpertInnen weltweit in Diskussion(bis auf Bhutan,
Burma, Syrien und dem Iran dort haben die EinwohnerInnen
AKS-Stuff

get active!
 Broschüre
Ich will:

 aktiv werden
..... stk. Poster

 ..... stk. Folder

 ..... stk. Poster


 ..... stk. Pickerl
 ..... stk. Pickerl
Frauen-Kampagne

 eine Ortsgruppe gründen


Schule ist unfair - Kampagne
 ein kostenloses Syntax-Abo

 Reader mit Hintergrundinfos


 Reader mit Hintergrundinfos

 Infos zu SchülerInnenzeitungen
auch möglich: online bestellen unter

 ..... stk. AKS- Wandkalender 08/09

 einen Workshop an meiner Schule


 Infos über eure laufenden Aktivitäten
 beim Verteilen von Infomaterial helfen
 Materialien zur Antirassismus- Initiative
 eine Liste aller erhältlichen Materialien
www.aks.at

 123 Fragen an das SchUG (Schulrechtsbroschüre)


Syntax 04/08
Impressum
MHV: AKS-Bundesorganisation | ChefInnenredaktion: AKS | Layout: Lucia Bischof | Redaktion:
AKS-Bundesorganisation; alle: Amtshausgasse 4, 1050 Wien, Österreich
Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz: Syntax ist eine Zeitschrift der AKS-Bundesorganisation
und steht zu 100% in deren Eigentum | Grundsätzliche Richtung: Das Syntax ist die Organi-
sationzeitung der Aktion kritischer SchülerInnen. Inhaltich den Werten der aks verpflichtet, ihr
journalistischer Auftrag die Aufarbeitung gesellschaftlicher Themen aus einer Perspektive, die
nicht von ökonomischen und gesellschaftlichen Verpflichtungen und Normen eingeengt ist.
ZVR: 27 0 200 209 | Kontakt 01/523 12 43, aks@aks.at
Druck: LUIGARD Druck- und VerlagsGmbH, Johann-Pölzer-Gasse 3, 1100 Wien
Texte unterstehen folgenden CC-Lizenzen:

c b n a