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Insgesamt: etwa 93.410.

000 Muttersprachler
in Europa!! = 24% der EU-Bürgerinnen.

Deutsch ist eine plurizentrische und


plurinationale Sprache (wie das Englische
und das Spanische), die in mehreren Ländern
innerhalb Europas gesprochen wird.

Zwei Begriffe sind für diese Lage wichtig:


Varietäten und plurizentrisch. Das bedeutet,
dass alle Varietäten gleich berechtigt sind
und keine Vorrang über die anderen hat.
Zitat von Ammon:

„Die plurizentrische Auffassung des Deutschen


bedeutet, dass sprachliche Besonderheiten
nationaler Zentren nicht als Abweichungen von
einer nationen-übergreifenden deutschen
Standardsprache gelten, sondern als
gleichberechtigt nebeneinander bestehende
standardsprachliche Ausprägungen des
Deutschen.“
(Ammon 2004: XXXII)
Jede natürliche Sprache stellt ein heterogenes
System von mehreren Teilsprachen dar,
wie z.B.

Dialekte,
österreichische Standardsprache,
Sprache der Medien,
Sprache der Medizin,
Jugendsprache,

d.h. im Gebrauchsfeld einer Sprache gibt es eine


Vielfalt von Erscheinungs- bzw.
Existenzformen.
Drei Regionen oder Nationalvarietäten

Bundesdeutsches Standdarddeutsch
(Bundesrepublik Deutschland)

Österreichisches Standarddeutsch (Österreich)

Schweizer Standarddeutsch (Schriftsprache)


(Schweiz).

es kann Unterschiede auf allen Ebenen geben:


orthographische, morphologische, lexikalische...
Lexik

So gibt es im österreichischen Standarddeutsch


die Bezeichnung Landeshauptmann für den
Regierungschef eines Bundeslandes,
während das Lexem Bundespräsident in
Deutschland das höchste Staatsamt bedeutet.
Doch auch in der Schweiz gibt es die
Bezeichnung Bundespräsident in der Bedeutung
von Regierungschef,
der jedoch in Österreich und in Deutschland
Kanzler heißt
(vgl. dazu Ammon 2004:10).
>> Variantenwörterbuch des Deutschen
Wortbildung

Hierher gehört auch die Variation in der


Fugensetzung bei Zusammensetzungen und
gebildeten Wörtern,

wie Fabrikarbeiter (Deutschland)


und Fabriksarbeiter (Österreich),

Schweinebraten (Deutschland) und


Schweinsbraten (Österreich, Schweiz).
Die Lage der nationalen Standardvarietäten ist auch
unterschiedlich:

In Österreich ist die Standardsprache die Sprache der


Öffentlichkeit und die der öffentlich-formellen Situationen
sowie die der Medien.
Ihre informelle Variante, die in einigen Merkmalen von der
formellen Standardvarietät abweicht (z.B. Reduzierungen
der Endvokale: heut, ich hab), ist ebenfalls in öffentlichen
Situationen wie in privaten Gesprächen gebräuchlich, aber
auch in den Medien und in der Schule anzutreffen.
In der privaten Kommunikation der Bevölkerung sind
eindeutig die Umgangssprache und die Dialekte
dominierend (vgl. Ammon 2004: XXXVI).
Die Schweizerdeutsche Standardvarietät, auch
Schweizerhochdeutsch genannt, zeigt – aufgrund der
Geschichte, der geographischen Lage, der Kontakte mit
den Nachbarländern sowie der politischen Entwicklung
des Landes – viele eigene Charakteristika.

Für die Schweiz als Sprachraum gilt die mediale


Diglossie, was bedeutet, dass im Alltag der
Deutschschweizer in der gesprochenen/mündlichen
Form allgemein die Dialekte verwendet, dagegen im
Schriftsprachlichen bzw. in einigen formalen Situationen
die Schweizer Standardvarietät gebraucht wird.
Die Standardsprache hat für die Schweizer die Funktion
einer Schul- und Schriftsprache und sie ist im Vergleich
zu den deutlich wahrnehmbaren Unterschieden zwischen
den Dialekten verhältnismäßig einheitlich.
Ammon (1995) Die deutsche Sprache in Deutschland,
Österreich und der Schweiz.
Das Problem der nationalen Varietäten.
Deutsch ist staatliche Amtsprache in insgesamt 7 Staaten
(welche?).

Allerdings ist der Status des Deutschen in diesen Staaten


zum Teil recht unterschiedlich. In manchen von ihnen ist
Deutsch Amtssprache auf nationaler Ebene, wird also
verwendet in den zentralen Staatsorganen (Parlament,
Regierung, Verwaltung) und teilweise auch in den
Auβenkontakten des Staates.[...]
In manchen Staaten ist Deutsch jedoch nationale
Amtssprache zusammen mit anderen Sprachen (ko-
ofiziell).
Eine deutlichere Statuseinschränkung liegt dan vor, wenn
Deutsch nicht auf nationaler, sondern auf regionaler
Ebene staatliche Amtsprache ist.
Nationale Amtssprache
Solo-ofiziell: Ko-ofiziell:
• Bundesrepublik • Schweiz
Deutschland • Luxemburg
• Österreich
• Liechtenstein
Regionale Amtssprache
Deutschsprachige Autonome Provinz
Gemeinschaft in Bozen-Südtirol in
Belgien Italien

• Schweiz (Dt. neben Französisch und Italienisch;


Rätoromanisch ist regionale Amtssprache)
• Luxemburg (Dt. Neben Französisch und Letzeburgisch)
>> in 7 Staaten Amtssprache, wenn auch nicht mit dem
gleichen Rang.

(Ammon:13) Die Amtssprachregion des Deutschen ist


zusammenhängend.

Die Amtssprachregion des Deutschen ist nicht


identisch mit der Region, in der Deutsch als
Muttersprache gesprochen wird.

>> In Luxemburg ist die Muttersprache der Bevölkerung


das Letzeburgische.
>> In anderen Gebieten sprechen Menschen Deutsch als
Muttersprache, obwohl es nicht die Amtssprache ist.
(Ammon:14)
Nach einer Untersuchung, gibt es in 25 Staaten
deutschsprachige Minderheiten: Argentinien,
Australien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile,
Dänemark, Ecuador, Frankreich, Israel, Kanada,
Kolumbien, Mexiko, Namibia, Paraguay, Peru, Polen,
Rumänien, die ehemalige Sowjetunion, Südafrika,
Tschechien, die Slovakei, Ungarn, Uruguay,
Venezuela.

Angrenzende Minderheiten in: Dänemark, Polen,


Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Frankreich
(wobei nicht alle Wohngebiete deutschsprachiger
Minderheiten unmittelbar an der (heutigen)
deutschen Amtssprachregion angrenzen.
Sprachinsel- Definition:

• „eine verhältnismäßig kleine geschlossene Sprach- und


Siedlungsgemeinschaft, die sich in einem größeren
fremden Sprachgebiet befindet.“

Die Überlebensfähigkeit einer Sprachinsel ist


entscheidend von ihrer Isolierung abhängig.

• „Eine Sprachinsel ist eine relativ kleine, vom Mutterland


entfernt, in einem anderssprachigen Gebiet lebende
Sprachgemeinschaft, die durch eine von ihrer Sprache
und Kultur differenten Mehrheitssprache und -kultur
umgeben ist und sich von dieser sowohl sprachlich als
auch kulturell abgrenzt“ (vgl. Mattheier 1994: 105 und
Wiesinger 1980: 491).
Diese sogenannten „Sprachinseln“ haben
unterschiedliche Herkünfte und
Entstehungsgeschichten.
Dank ihrer Isolierung hat die deutsche Sprache eine
lange Zeit überlebt und sie behält auch die dialektale
Eigenschaften von den ersten Aussiedlern:

1) im Mittelalter und später:


Kolonisierungsbewegungen

(König: 75)
a) Bairische
Sprachinseln

• Zimbrische
Sprachinseln
(Sieben
Gemeinden +
Dreizehn
Gemeinden): 12.
und 13. Jh.
(angeschlossene
Täler in Italien)
• Pladen (Oberitalien) 13. Jh.

• Zarz, Jugoslawien (Serbien); 13. Jh.

• Gottschee, Jugoslawien (Serbien); 14. Jh

• Budweis (Böhmen), Brünn und Iglau (Mähren),


Tschechien, 13. Jh.
b) Mitteldeutsche Sprachinseln

• Schönhengtstau (Nordböhmen), 13. Jh.

• Zwittau, Landskron (Nordmähren), 13. Jh.

• Zips (Slowakei), um 1200

• Siebenbürgen (Hermannstadt), Rumänien, um 1150.


Siebenbürger Sachsen: die älteste noch existierende
deutsche Siedlergruppe in Osteuropa. 1930 etwa
300.000 Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen; 2007
noch knapp 15.000. Auswanderung seit den 1970er
Jahren und verstärkt ab 1990 in die BRD. Organisierte
Gemeinschaften Siebenbürger Sachsen auch
in Österreich sowie in Kanada und den USA.
2) Auswanderungen von bestimmten Gruppen
(religiöse Gründe)

Neue Expansion des deutschen Sprachgebiets: 18. und


19. Jh.

• Polen: Mittelpolen, Wolhynien, Galizien

• Ungarn: Schwäbische Türkei

• Jugoslawien: Batschka

• Rumänien: Banat, Bukowina, Bessarabien

• USA: Pennsylvanien (Pennsylvania Dutch)


• Brasilien

• Namibien

• Russland: Wolgadeutschen. Nachkommen deutscher


Einwanderer, die im Russischen Reich unter der
Regierung Katharinas der Großen an der unteren
Wolga ansässig wurden. Sonderstatus; unter Stalin aber
Repressionen: einige flüchteten. Zwischen 1924 und
1941 waren sie innerhalb der Sowjetunion in der
Wolgadeutschen Republik organisiert. Danach nach
Sibirien deportiert. Seit 1970 erlaubte die BRD die
Einreise und die Einbürgerung: Aussiedler,
Spätaussiedler. Z.B. die Mutter von Cristina Fdez. de
Kirchner war eine emigrierte Wolgadeutsche.
3) im Folge des Zweiten Weltkrieges:
Auswanderungen, Flüchtlinge (Ernst: 12)

• mehrere Flüchtlinge (USA, Kanada...), die aber


meistens versuchten, sich in der neuen Heimat zu
integrieren (Namenwechsel, neue Sprache als
Muttersprache)

• Auswanderungen von Menschen nach der neuen


Grenzenlage: andere sind geblieben

• in den älteren Sprachinseln bestand das Bedürfnis,


die deutsche Herkunft zu leugnen (Sprache und
Gewohnheiten wurden verdrängt)