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WWU Münster Dozent: Thies Albers, M. A.

Institut für Soziologie Referenten: Nicole Beckendorf, Michelle


Einführung in die Filmsoziologie Herwegh, Sabine Klarmann, Kathleen
Sommersemester 2005 Schmiemann, Nico Schrimpf
Datum: 09.05.2005

Begriff Postmoderner Film

- Ursprung in Filmkritiken und Einzelanalysen


o Es wurden Züge aus postmoderner Literatur, Kunst, Architektur etc. in
Filmen entdeckt, die dann zu Prototypen des postmodernen Films
gemacht wurden.

Zentrale Merkmale des p-m Films

- Intertextualität
- Spektakularität und Ästhetisierung
- Selbstreferentialität
- Anti-Konventionalität & dekonstruktive Erzählverfahren

Bei Filmen die als postmodern angesehen werden, spielt die besondere Mischung
aus den Merkmalen die zentrale Rolle. Dazu kommen noch weitere, aber nicht
zwingende Eigenschaften, wie z. B.: Tendenz zu bestimmten Themen.

Intertextualität

– Wahrscheinlich wichtigstes Merkmal


– „Kino der Zitate“
– Offen für eine Vielzahl an Bedeutungskontexten (Zitate von für
minderwertig gehaltenes, B-Movies, Trash, Werbung, Musikvideos,
Computerspiele, Trivialliteratur)
– Mittel: Im Prinzip jedes filmische Gestaltungsmittel (Remakes, Sequals,
Pastiches, Parodien, offene Zitate, verdeckte Anspielungen über
Genre, Dialog, Musik, Bild, Dramaturgie, Figuren, Motive, Themen,
Kamera, Schnitt und Darsteller)
– Kombination von Altem zu Neuem
– Tendenz zum Konventionsbruch
– Bevorzugtes Mittel: Ironie

Doppelcodierung

• Ansprechen unterschiedlicher Zuschauergruppen


• Für medienerfahrenes Publikum: Zitate, die eine neue Interpretation
und Erfahrung des Films zulassen
• Für Gelegenheitsrezipienten: Spektakuläre Szenen und Ereignisse

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WWU Münster Dozent: Thies Albers, M. A.
Institut für Soziologie Referenten: Nicole Beckendorf, Michelle
Einführung in die Filmsoziologie Herwegh, Sabine Klarmann, Kathleen
Sommersemester 2005 Schmiemann, Nico Schrimpf
Datum: 09.05.2005

Spektakularität und Ästhetisierung

– „Überwältigung der Sinne“ Schreckenberg 1992


– Tabubrüche, Erotik & Gewalt
– Ästhetisierung vs. Zurückhaltender Realismus

Tabubrüche, Gewalt, Erotik etc. werden nicht verharmlost, sondern - im Gegenteil –


hervorgehoben. Tendenzen zu mehr Spektakulärem liegen auch am technischen
Fortschritt, Szenen immer realistischer aussehen zu lassen, die Grenze jenseits der
etwas für spektakulär empfunden wird, verschiebt sich immer weiter nach oben. Und
die Mischung der unterschiedlichen Genres bringt die Möglichkeit in viel mehr Filme
unterschiedliche Arten von Spektakulärem einzubauen.

Selbstreferentialität

– Enge Verknüpfung mit den anderen Merkmalen


– Distanzierung des Rezipienten, er merkt, dass nur eine Geschichte
erzählt wird und, was die Einbindung und die Anteilnahme schwächt
– 2 verschiedene Arten von Selbstreferentialität, narrative und stilistische:
z.B.: demonstrative Künstlichkeit bei Schauplätzen, Effekten, Design
von Gegenständen
– Ausgleich durch Reizeffekte, durch Spektakuläres: Szenen, Sound,
Technisierung, Kamerabewegungen

Anti-Konventionalität & dekonstruktive Erzählverfahren

– Wendung gegen verbrauchte Konventionen (Unvorhersehbare


Wendungen sorgen für Dramaturgie)
– Lineares wird zerrissen (Handlungsabläufe, Ereignisse)

– Vergleich dekonstruktives Erzählverfahren: DJ


ƒ Er vermischt Altes und mixt daraus Neues

– Bsp.: Pulp Fiction


ƒ Erzählt mehrere Geschichten, bricht mit zeitlichen Abläufen

– Bsp.: Wild Things


ƒ Überrascht mit immer neuen Wendungen am Ende, mit der
die Geschichte jedes Mal einen neuen Sinn ergibt

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WWU Münster Dozent: Thies Albers, M. A.
Institut für Soziologie Referenten: Nicole Beckendorf, Michelle
Einführung in die Filmsoziologie Herwegh, Sabine Klarmann, Kathleen
Sommersemester 2005 Schmiemann, Nico Schrimpf
Datum: 09.05.2005

Ausblick: Die Zukunft der Postmoderne im Film

• Entwicklung ist soweit abgeschlossen, Tendenz wieder zur klassischen,


realistischen Erzählform
• man spricht von Rückkehr des sozialen im Film
• die innovative Phase des postmodernen Kinos, die in den 90er mit PULP
FICTION ihren Höhepunkt erreichte, scheint endgültig abgeschlossen
• Phänomen der Postmoderne hält jedoch noch an
• doch durch Einfluss der Digitalisierung stehen mittelfristig tiefgreifende
Änderungen bevor
• Filme werden z. T. vollständig digital produziert, wie z. B. TOY STORY,
Computerspiele dienen als Vorlage für eine Story, das Internet ermöglicht neue
Werbeeffekte und Übertragungswege
• welche ästhetischen Entwicklungen auf diesem Hintergrund stattfinden ist schwer
abzuschätzen
• denn: Orientierung an PC-Spielen begünstigt „nicht-klassische“ Narrationsformen,
Internet unterstützt Intertextualität, digitale Produktion fördert Ästhetisierung,
Selbstreferentialität und Spektakularität

Literaturverzeichnis

• Bordwell, David (1998): Postmoderne und Filmkritik: Bemerkungen zu einigen


endemischen Schwierigkeiten. In: Rost, Andreas/Sandbothe, David (Hrsg.): Die
Filmgespenster der Postmoderne. Frankfurt a. M.: Verlag der Autoren
• Eder, Jens (2002): Oberflächenrausch: Postmoderne und Postklassik im Kino der
90er Jahre. Münster: LIT-Verlag
• Winter, Rainer (1992): Filmsoziologie: Eine Einführung in das Verhältnis von Film,
Kultur und Gesellschaft. München: Quintessenz-Verl.-GmbH

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