You are on page 1of 1

Nr. 43 DIE ZEIT Südauflage/FSD S.

58 SCHWARZ cyan magenta yellow

58 FEUILLETON 15. Oktober 2009 DIE ZEIT Nr. 43

ZEIT VERANSTALTUNG
Wahrheit. Nicht Stil
Es geht um die gerechte Gesellschaft. Zum Streit zwischen den Philosophen Axel Honneth und Peter Sloterdijk
VON CHRISTOPH MENKE

© Werner Bartsch

N
icht immer hilft der Blick aus stricken. Sie gibt den Anspruch auf gleiche Teil- folgen, die gleiche Berechtigung jedes anderen
der Ferne, die Dinge klarer zu nahme aller deshalb jedoch nicht preis, sondern zu bestreiten? Weshalb soll Gleichheit nicht mit
sehen. So wie vom Mond aus versucht ihn besser zu verstehen. So lautet die der Anerkennung unterschiedlicher Grade der
Kurt Biedenkopf Jana Hensel Giovanni di Lorenzo die geografische Lage der Kon- wichtige Einsicht in Honneths Theorie der An- Vollkommenheit in der Ausführung bestimmter
tinente, nicht aber ihre öko- erkennung, dass soziale Gleichheit nicht ein Aus- Tätigkeiten zusammen bestehen können?
Was heißt hier Osten? nomischen, politischen oder gangspunkt oder Zustand, sondern immer nur das An dieser Stelle entwickelt Sloterdijk sein ent-
Modell Sachsen: Was man von den Menschen im kulturellen Beziehungen sichtbar sind, so scheint Ergebnis von sozialen Kämpfen ist. Der emanzipa- scheidendes philosophisches Argument, das zu-
Freistaat lernen kann auch der Blick von einem nordkalifornischen Uni- torische Gedanke, der in solchen Kämpfen »um gleich die gesamte derzeitige Polemik gegen den
Mittwoch, 11. November 2009 · 19.30 Uhr · Schauspiel- versitätscampus auf die deutschen Debatten deren Anerkennung« durchgesetzt wird, besagt: Wenn Sozialstaat auf den Punkt bringt. Denn hier
haus Dresden · Theaterstraße 2 · 01067 Dresden Verständnis nicht eben förderlich. Dass es in der jeder Einzelne überhaupt erst einmal als soziales führt Sloterdijk seine soziale Grundunterschei-
Der ehemalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und die Autorin und Journalistin Auseinandersetzung zwischen Axel Honneth und Mitglied angesehen wird, dann setzt dies eine po- dung ein, die die Idee der Gleichheit als solche
Jana Hensel im Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Peter Sloterdijk vor allem um zwei verschiedene litische Dynamik frei, die auf die Anerkennung zu Fall bringen soll. Das ist nicht die Unterschei-
Karten: € 5,– / ermäßigt € 3,– · Kartenvorverkauf: Vorverkaufsstellen des Staats-
»Stile« des Philosophierens gehe, wie Hans Ulrich jedes Einzelnen als gleichen Mitglieds zielt. Sozia- dung, ob man es auf dem Weg zur Vollkommen-
schauspiels Dresden im Schauspielhaus, Theaterstraße 2 und im Kleinen Haus, Gla- Gumbrecht von dort aus wahrzunehmen meint, le Mitgliedschaft verwirklicht sich nur als gleiche heit weiter oder weniger weit bringt. Es ist die
cisstraße 28 · Telefonisch unter: 0351 / 49 13 555 · Weitere Informationen unter: verkennt jedenfalls ebenso den Gehalt wie die Mitgliedschaft; wer nicht als Gleicher anerkannt ist, Unterscheidung zwischen denen, die den Weg
www.staatsschauspiel-dresden.de · www.zeit.de/veranstaltungen
Schärfe dieses Streits. Der Gegensatz von »riskant« ist nicht anerkannt. zur Vollkommenheit einzuschlagen bereit sind,
In Kooperation mit: und »sicher«, mit dem Gumbrecht den zwischen Es ist dieser Gedanke, den Honneth in seiner die sich den harten Übungen unterziehen, die
Sloterdijk und Honneth beschreiben will, mag Theorie der Anerkennung in differenzierten Ana- sie aus ihrem bisherigen Leben herausreißen und
geeignet sein, die unterschiedlichen Fahrstile von lysen ausarbeitet und den Sloterdijk nicht nur am zu Tüchtigkeit, Leistung und Exzellenz führen,
Männern und Frauen zu beschreiben. Im Feld des politisch dringenden Fall des Sozialstaats, sondern und denjenigen, die faul, blöde und unfähig im
Denkens ist er bedeutungslos. Hier geht es um Gewöhnlichen verharren. Diese können nicht
die Wahrheit des Gedankens, und kein Gedanke anerkannt werden; das Band der Gleichheit mit
wird schon dadurch wahr, dass er einen weithin ihnen ist zerrissen. Denn nur durch Übung und
geteilten Konsens infrage stellt (und sich deshalb
als »gefährlich« anpreist) oder auf dem Weg der
Die Kontroverse Anstrengung macht man sich – selbst: macht
man sich selbst zu einem Selbst. Wer sich nicht
Ableitung von vermeintlich gewissen Grundlagen übt und anstrengt, wer den Imperativ der Ex-
gewonnen wird (und sich deshalb für »gesichert« zellenz nicht hört oder nicht befolgt, verkennt
hält). Man kann den Streit zwischen Honneth daher nicht nur, was es heißt, ein Selbst zu sein.
und Sloterdijk nicht verstehen, wenn man ihn Er ist vielmehr kein Selbst mehr. Wie könnte er
nicht als einen Streit um die Wahrheit, um die dann noch als ein Gleicher anerkannt werden?
Sache versteht. Wer sich nicht übt und anstrengt, wer faul, blö-

ZEIT CAMPUS FORUM Diese Sache verstellt sich Gumbrecht dann voll-
ends, wenn er dartun will, dass es Honneth nur
darum gehe, den schwindenden Einfluss der ehe-
de und unfähig ist, hat sich selbst zu einem
Nicht-Selbst gemacht: zu einem, den wir Üben-
den nicht mehr anerkennen können. So sollten
mals so mächtigen Kritischen Theorie zu erhalten. wir ihn dann auch behandeln. Den Gedanken
Hier verzerren sich dem kalifornischen Blick die Der Philosoph Axel Honneth hat in der der Exzellenz ernst zu nehmen bedeutet, so Sloter-
deutschen Verhältnisse ins Absurde: Der deutsche ZEIT (Nr. 40/09) seinem Kollegen Peter dijks Konsequenz, den Mut und die Kraft zur
(vielleicht gar der westeuropäische?) Sozialstaat soll Sloterdijk (rechts im Bild) einen politisch Exklusion der »Abgehängten« aufzubringen.
ein Produkt der Frankfurter Schule gewesen sein. und moralisch inakzeptablen »Angriff auf Damit liefert Sloterdijk die philosophische
Von dieser Seite des Atlantiks aus versteht man den den Sozialstaat« vorgeworfen. Auf Hon- Begründung für ein politisches Programm, das in
Sozialstaat dagegen zumeist als eine Reaktion des neth meldete sich der Literaturwissen- den (von Henryk M. Broder bis zum NPD-Vor-
bürgerlichen Staates auf die sich formierende Ar- schaftler Hans Ulrich Gumbrecht aus sitzenden Udo Voigt akklamierten) ausländer-
beiterbewegung. An seinem Beginn steht nicht eine Stanford/USA (ZEIT Nr. 41/09) zu Wort. feindlichen Tiraden Thilo Sarrazins einen krude-
Eintritt frei! philosophische Schule, sondern die politisch revo- Ihm antwortet Christoph Menke (links im ren Ausdruck findet. Hier wie dort aber reagiert
lutionäre Forderung nach Gleichheit, also das Er- Bild), Professor für Praktische Philoso- es auf den sozialen Grundwiderspruch, auf den
Job trotz Krise? – Worauf es jetzt ankommt! eignis, das Nietzsche treffend als »Sklavenaufstand« phie an der Universität Frankfurt/Main. der derzeitige Kapitalismus zuläuft: Indem er den
Donnerstag, 5. November 2009 · 18.00 Uhr · Universität bezeichnet hat: die »Umkehrung des werthesetzen- Einzelnen zur permanenten kreativen Selbst-
Innsbruck · Aula in der Hauptuniversität · Innrain 52 den Blicks«, der nicht mehr von oben die Distanz mobilisierung verpflichtet (beschönigend heißt
Ihre Fragen beantworten Experten von:
nach unten, zum Niedrigen, abmisst, sondern jede prinzipiell zurückweist: Der normative Anspruch, das: »Individualisierung«), produziert er notwen-
ATP Architekten und Ingenieure · Binder Grösswang Rechtsanwälte GmbH Handlung, jede Einrichtung danach beurteilt, was einander als Gleiche anzuerkennen, ist (so liest man dig die Gegen- oder Unterklasse der Immobilen,
Sandoz GmbH · SPAR Österreichische Warenhandels-AG sie für den anderen Gleichen bedeutet. Das ist die in Sloterdijks jüngstem Buch Du mußt dein Leben Nichtkreativen, Unfähigen, denen ihr Scheitern
Moderation: Jan-Martin Wiarda, Redakteur DIE ZEIT, Ressort Chancen
Sache, um die es in dem Streit zwischen Honneth ändern) nur der faule Wunsch der »letzten Men- als Versagen vorgehalten werden kann.
und Sloterdijk geht, und diese Sache ist eine poli- schen«, durch »Umverteilung von Endstations- Das ist nicht nur politisch zu bekämpfen, es
In Kooperation mit:
tische: Es ist die Sache der Gleichheit. errungenschaften« den Status quo der Durch- ist auch schlecht gedacht. Sloterdijks Apologie
Zur Erinnerung: Ausgelöst wurde der Streit schnittlichkeit zu bewahren: »Einschwenken in die übender Selbsterschaffung hat nicht nur üble
durch den bizarren Vorschlag zur Armutsbe- Horizontale«, »resignatio ad mediocritatem«. Ver- Konsequenzen, sondern undurchschaute Voraus-
kämpfung, den Sloterdijk im Vorfeld des Wahl- kannt, ja verdrängt würde hier die »kulturüber- setzungen. Den ethischen Imperativ »Du musst
kampfs gemacht hatte: An die Stelle des durch greifend« gültige Tatsache, dass Gesellschaften dein Leben ändern« deutet Sloterdijk als die Auf-
Zwangsabgaben finanzierten Sozialstaats sollte durch eine »Vertikalspannung«, mit oben und forderung, sein Leben an »Vertikalspannungen«,
die freiwillige Mildtätigkeit der Wohlhabenden unten, Hohem und Niedrigem, bestimmt seien; an Vollkommenheitsidealen von Exzellenz und
treten. Die Kritik am Sozialstaat, die diesem verkannt würden die »Universalien der Leistungs- Tüchtigkeit auszurichten. Das führt zu unter-
Vorschlag zugrunde liegt, betrifft nicht seine ge- rollen, der Statuserkennung und der Exzellenz«. schiedlichen Graden der Verwirklichung von
wiss problematische Form, sondern seine Grund- Verdrängt wird für Sloterdijk weiterhin, dass das Vollkommenheit. Der ethische Imperativ enthält
Nichts wie weg von hier?! idee und damit das einzig Gute an ihm. Diese
Grundidee besagt, dass es die bürgerliche Gesell-
Streben des Einzelnen dem Aufstieg in einer solchen
vertikalen, hierarchischen Ordnung gilt. Der ethi-
aber auch die Feststellung: »Du kannst dein Le-
ben ändern.« Anders als die Fähigkeiten, die ich
schaft in »ungehinderter Wirksamkeit« ist, die sche Imperativ, unter dem wir stehen – »Du musst übend erwerbe (und in deren Vervollkommnung
»das Herabsinken einer großen Masse unter das dein Leben ändern« –, besagt: »Beweise, daß dir ich weiter oder weniger weit komme), ist dieses
Fotos (Ausschnitte): Elke Födisch (li.); Hannah/Agence Opale (re.)

Dienstag, 3.11.2009 · 18.00 Uhr · Universität Greifswald Maß einer gewissen Subsistenzweise« (Hegel) zu der Unterschied zwischen Vollkommenem und Können eine Kraft, die nicht von mir abhängt.
verantworten hat und dass es deshalb auch Sache Unvollkommenem nicht gleichgültig ist, führe uns Sie ist mir vorgegeben – Natur oder Gabe. Weil
Historische Aula · Domstraße 11 · Eintritt frei! der Gesellschaft ist, hier Abhilfe zu schaffen. Der vor, daß Leistung – Exzellenz, areté, virtù – für dich sie keine Tüchtigkeit ist, ist sie auch nicht abge-
Den neuen Bundesländern gehen die Akademiker verloren. Kaum haben sie ihren Sozialstaat ersetzt demnach die private »Morali- keine Fremdworte sind.« stuft. Jeder hat sie, gleichermaßen. Es ist das,
Abschluss gemacht, zieht es die meisten von ihnen gen Westen.
tät«, die sich durch bittere Einzelschicksale rüh- Trotz des drohenden Untertons – was, wenn worin wir gleich sind. Weil Sloterdijk nicht ver-
Darüber diskutieren auf dem Podium: Juliane Hille, Referentin für Nachhaltigkeit
und Ökologie des AStA · Udo Possin, Geschäftsführender Gesellschafter bei ml&s
ren lässt, durch den Gedanken, dass jedes Mit- man dem Imperativ nicht gehorcht, vielleicht steht, dass die Fähigkeiten, die wir uns übend
manufactoring, logistics and services GmbH & Co. KG · Björn Reichel, Studentischer glied der bürgerlichen Gesellschaft, bloß durch weil einem areté oder virtù Fremdwörter sind? – erwerben, von einer Kraft abhängen, die wir
Gleichstellungsbeauftragter des AStA · Thimo von Stuckrad, CHE Consult · Prof. Dr. seine Mitgliedschaft, gleichermaßen berechtigt lässt sich dies auch als noch ein Versuch verste- nicht selber machen, sondern die uns gegeben
Nikolaus Werz, Lehrstuhlinhaber Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften ist, von ihr diejenigen Mittel zu erhalten, die hen, die durch den Utilitarismus durchgesetzte ist, versteht er auch nicht, dass die vertikalen
an der Universität Rostock.
eine aktive Teilnahme an ihr ermöglichen. Definition des guten Lebens als »Summe der Be- Hierarchien der Exzellenz nicht alles sind, son-
Moderation: Jan-Martin Wiarda, Redakteur im Ressort Chancen der ZEIT Gerade die Kritische Theorie hat die praktischen friedigung« zu korrigieren: Es geht im Leben dern eine Gleichheit voraussetzen, ohne die es
Probleme, ja logischen Paradoxien aufgewiesen, in nicht um das Glück der Verwirklichung von In- sie gar nicht gäbe. Politischer Kampf heißt: Die-
In Kooperation mit: die die sozialstaatlichen Apparate sich beim Versuch teressen, sondern um Vollkommenheit in der se Gleichheit gegen die Exklusion im Namen der
der Umsetzung dieses normativen Anspruchs ver- Erfüllung von Idealen. Aber weshalb soll daraus Exzellenz zur Geltung zu bringen.

D I S KO T H E K

ZEIT CAMPUS TALK Wenn blütenweiße Anglopop-Bands wie Vampire nelle Gesänge, kraftvolle Bläsersätze, polyrhyth- daraus resultierende Debütalbum Segu Blue 2007
Weekend oder The Foals sich stilistisch im Stein- misches Schlagzeug und dezenter Dub zu einer zum Weltmusik-Album des Jahres. Mit I Speak Fula
bruch afrikanischer Popmusik bedienen, hört ein weltmusikalisch informierten Version von Rock- hat dasselbe Team nun im Bogolan-Studio in Ba-
schlaues Pop-Publikum darin schulterzuckend spielarten ursprünglich westlicher Prägung. Das mako das zweite Album aufgenommen. Auf der
einen kulturellen Ausläufer der Globalisierung. Ergebnis klingt so vital, funky, massiv und zu- CD machen Bassekou Kouyate und Ngoni Ba da
Dass die keine Einbahnstraße ist, dass neben gleich luftig, wie wahrhaft progressive Rockmusik weiter, wo sie auf Segu Blue
dem Kapital weltweit auch die Kreativität zir- heute sein muss. In transkulturellen Mischmusi- aufgehört haben: Sie
kuliert, dafür ist After Ro- ken wie dieser scheint die Zukunft des Pop auf. spinnen auf ihren drei
bots ein eindrucksvolles Wenn After Robots nicht zur Lieblingsplatte eines kleinen Ngoni-Lau-
Beispiel. Das elektri- schlauen Pop-Publikums wird, kann es mit der ten und der selbst
Eintritt frei sierend polyglotte De- Schläue nicht so weit her sein. ARNO FRANK konstruierten Bass-
bütalbum der BLK Ngoni ein dichtes
In der Mensa mit ... Peter Kloeppel JKS (gesprochen: BLK JKS: After Robots melodisches Geflecht,
Black Jacks) aus Jo- Secretly Canadian/Cooperative Music dem zwei Perkussionisten
Montag, 26. Oktober 2009 · 18.00 Uhr · Studentenwerk
hannesburg klingt, den Puls vorgeben. Amy
Göttingen · Zentralmensa · Platz der Göttinger Sieben 4
als hätten sich die vier Jede Woche wird Bassekou Kouyate von jungen Sacko, Kouyates Ehefrau, singt dazu im traditionell
Peter Kloeppel kehrt an seine ehemalige Hochschule zurück! An der Georg-
August-Universität Göttingen studierte er von 1978 bis 1983 Agrarwissenschaften. schwarzen Afrikaner in Musikern in Mali angesprochen: Sie wollen die alte schrillen Griot-Stil von den Helden versunkener
Mit ZEIT CAMPUS-Autor Philipp Schwenke spricht der RTL-Chefredakteur in der den vergangenen Jahren musikalisch ausschließ- Ngoni-Laute spielen lernen. Er soll ihnen verraten, Königreiche und vom Hoffnungsträger Barack
Göttinger Zentralmensa über seine Studienzeit, seine Erfahrungen als Moderator lich von Bands wie TV On The Radio und The wie man weit über die Grenzen Bamakos hinaus Obama. Immer wieder findet die Band in Unisono-
und aktuelle Projekte.
Mars Volta ernährt. Und heimlich von Sonic bekannt wird. Kein Zufall: Kouyate und sein En- Passagen zusammen – dann greift Bassekou Kouya-
In Kooperation mit:
Youth genascht. Das Kunststück der BLK JKS be- semble Ngoni Ba verkörpern eine malische Erfolgs- te in die sieben Ngoni-Saiten und spielt seine eks-
steht darin, ihre mäandernden Songstrukturen geschichte. Vor drei Jahren hat sich Bassekou tatischen Soli, die so sehr an die E-Gitarrensoli der
vollkommen frei von Kitsch und Klischees zu Kouyate aufgemacht, das Repertoire seines Groß- Bluesmusik erinnern. Aus Segu blu, dem Experiment
halten. An keiner Stelle lassen sie ihre tief atmen- vaters, der Ngoni-Legende Bazoumana Sissoko, neu zwischen Tradition und Moderne, ist vielfältige,
den Songs in anbiedernde Ethno-Exotik abrut- zu vertonen. Er gründete das erste Ngoni-Ensemble organische Musik geworden. Die Erfolgsgeschich-
schen. Im Gegenteil: Wenn Sänger und E-Gitar- überhaupt, unterstützt wurde er dabei vom kleinen te kann weitergehen. THOMAS BURKHALTER
www.zeit.de/veranstaltungen
rist Lindani Buthelezi vom Englischen abweicht und umtriebigen Münchner Label Outhere Records
und ganze Strophen in lokalen Dialekten vorträgt, – und vom großen Jerry Boys, dem Tontechniker Bassekou Kouyate & Ngoni Ba: I speak Fula
verdichten sich sporadisch eingestreute traditio- des Buena Vista Social Club. Die BBC kürte das Outhere Records/Musikvertrieb

Nr. 43 DIE ZEIT Südauflage/FSD S.58 SCHWARZ cyan magenta yellow