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Barkarole

Die Barkarole ist ein Schifferlied der venezianischen Gondolieri. Weiterhin wird der Begriff seit dem 19. Jahrhundert für
instrumentale sowie vokale Kompositionen der europäischen Kunstmusik verwendet, die sich an der Form der ehemaligen
Barkarole orientieren. Das bedeutet, dass sie ruhig und maßvoll sind und vom Klang an den Wellen- und Ruderryhthmus
der Gondolieri erinnern sollen. Der Takt, zumeist 6/8- oder 12/8-Takt, seltener auch 2/4-Takt, gibt dabei einen wiegenden
Rhythmus vor.
Der Begriff leitet sich vom italienischen barca ab, was sich mit Boot oder Barke übersetzen lässt. Die Barke ist ein mastloses Schiff,
wobei der Begriff generell für kleinere Wasserfahrzeuge genutzt wird. Barkenführer sind diejenigen, die ein solches Boot steuern.
Gondolieri führen Gondeln, also Barken, weshalb ihre Lieder als Barkarole bezeichnet werden. Die Übersetzung verweist also auf
die Bedeutung des Wortes.
Barkarolen sind meist im 6/8- oder 12/8-Takt, wobei es auch Barkarolen im 2/4-Takt gibt. Eine der ältesten Barkarolen ist das
bekannte Lied Un pescator dell‘ onda, das den Weg auch in die Moderne geschafft hat. Nachfolgend eine neuzeitliche Interpretation.
Der gemäßigte, schwingende Rhythmus ist deutlich.
Das obige Beispiel verdeutlicht das Prinzip der traditionellen Barkarole, also des Schifferliedes. Der Takt gibt eine stark wiegende
Bewegung vor, die eben an die wiegenden Bewegungen auf dem Wasser in einer Barke erinnern. Das Prinzip wurde im 19.
Jahrhundert durch die Kunstmusik adaptiert und ist vor allem als vokale Komposition in den Arien von Opern auszumachen, auch
wenn es bekannte instrumentale Stücke gibt.
Hinweis: Vorherrschend ist die Interpretation in Moll, wobei ein solches Stück vornehmlich durch Gitarre, Zither und Bandole begleitet
wurde. Dennoch gibt es zahlreiche Abweichungen von dieser Regel.

Barkarole in der Oper

Wie beschrieben, hat es das einstige Schifferlied in die Arien bekannter Opern geschafft und demnach die europäische
Kunstmusik erreicht. So schrieben beispielsweise der französische Komponist Frédéric Chopin sowie der deutsche Felix
Mendelssohn Bartholdy instrumentale Barkarolen.
Ein sehr bekanntes Beispiel für die Adaption in der Oper bietet die Eröffnung des 4. Aktes der Oper Hoffmanns Erzählungen von
Jacques Offenbach. Von dieser gibt es einerseits die vokale Komposition sowie andererseits eine Instrumentalfassung. Nachfolgend
die vokale Interpretation der Barkarole nach Offenbach.
Auch in diesem Beispiel wird der wiegende Rhythmus des Liedes deutlich. Der Gesang von Anna Netrebko und Elina Garanca liegt
über einem ähnlichen Rhythmus wie auch das vorherige Beispiel, das eher einen folkloristischen Anstrich aufwies. Beide Beispiele
sind Formen der Barkarole – einmal als klassische Interpretation und dann eine Variation der Kunstmusik als vokale Komposition.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Schifferlied im Überblick

 Barkarolen sind ursprünglich die Lieder der venezianischen Gondolieri, weshalb sie auch als Schiffer- sowie Gondellieder
bezeichnet werden. Sie basieren meist auf einem 6/8- oder 12/8-Takt und ahmen durch ihren wiegenden Charakter die
Wellen- und Ruderbewegungen nach.
 Diese Liedform wurde im 19. Jahrhundert durch die Kunstmusik adaptiert. Es gibt instrumentale sowie vokale
Kompositionen. Die ersten rein instrumentalen Barkarolen sind die Gondellieder in Mendelssohns Liedern ohne
Worte (Youtube). Vokale Interpretationen finden sich in zahlreichen Opernarien. Bekannt ist die Eröffnung des 4. Aktes in
der Oper Hoffmanns Erzählungen.
 Hinweis: „Barcarole in der Nacht“ war ein Hit der amerikanischen Sängerin Connie Francis. Dieser Song erreichte 1963 in
Deutschland den 1. Platz der Singlecharts.

Bathos
Das Bathos ist ein Stilmittel, das in Texten aller Art ausgemacht werden kann. Das Bathos verknüpft einen höheren Wert mit
einem niedrigeren. Durch diese Gegenüberstellung, die die Stilfigur schafft, kann Komik, aber auch Drastik zum Ausdruck
gebracht werden. Der Begriff findet vornehmlich in der Literaturwissenschaft und Germanistik Verwendung, wohingegen
Schüler im Deutschunterricht eher selten mit ihm konfrontiert werden.
Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab (βάθος) und lässt sich mit Tiefe übersetzen. Dabei geht es allerdings eher um die
weitgreifenden Synonyme Niedrigkeit oder auch Gesunkenheit. Diese Übersetzung erklärt auch besser, was es mit dem Bathos auf
sich hat.

„Die Überschwemmung kostete 13 Menschen das Leben.


Ich habe seither einen feuchten Keller.„
Für den Leser scheint diese Aussage widersinnig, da zwei „Unfälle“ miteinander gleichgestellt werden, die grundsätzlich kaum
miteinander zu vergleichen sind. Allerdings kann der Satz als Paradebeispiel für einen Bathos gelten, der eben zwei Werte
(Moralvorstellungen), einen hohen und einen niedrigen, miteinander verknüpft. Das Ergebnis kann eine enorme Drastik
beinhalten, aber auch komisch wirken:„Edel sei der Mensch, Milchreis ist gut!„
Selbstverständlich ist dieser Vers eine Verballhornung des Satzes „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ aus Goethes Werk „Das
Göttliche„. Dennoch offenbart sich hier, dass das Stilmittel auch eine gewisse Komik bedeuten kann, da zwei ganz unterschiedliche
Werte miteinander verbunden werden.
Sehr häufig lässt sich das Bathos auch in expressionistischen Gedichten ausmachen. Als Beispiel soll an dieser Stelle
„Weltende“ von Jakob van Hoddis dienen.

a
b
b
a
c
d
c
d
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Das Gedicht wird aus einem umarmenden Reim und einem Kreuzreim konstruiert und verweist offenkundig auf das Bathos als
stilistische Figur. Die Verse, die das signalisieren, sind der vierte und achte (Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.; Die
meisten Menschen haben einen Schnupfen.).
Am stärksten ist natürlich der letzte, also 8., Vers in dieser Reihung. Werden in allen anderen Versen recht drastische
Begebenheiten gezeigt, steht das Bathos diesen direkt gegenüber und verweist auf den Schnupfen, was einerseits komisch, aber eben
auch „hart“ im Gesamtbild scheint.

Das Wichtigste im Überblick

 Das Bathos verbindet zwei unterschiedliche Werte miteinander, die sehr weit auseinander liegen. Das kann komisch, aber
auch sehr makaber wirken.
 Verwandt ist die Stilfigur mit der Antiklimax, wobei ebenfalls eine Reduktion vom Größten zum Kleinsten erfolgt.
Allerdings nicht nur in Bezug auf Werte.
 Das Bathos ist nicht mit dem Pathos zu verwechseln, was in der Rhetorik eine emotionale, theatralische und tendenziell
übertriebene Form der Artikulation beschreibt.

Belletristik
Als Belletristik wird die fiktionale und schöngeistige Literatur bezeichnet. Ihr gegenüber stehen somit wissenschaftliche und
nichtfiktionale Texte. Demnach fallen in den Bereich der Belletristik sämtliche Werke, die zur Unterhaltungsliteratur
gezählt werden. Das gilt für Schriften in Prosa, wie Romane, Novellen und Kurzgeschichten, aber auch für Dramen sowie
lyrische Erzeugnisse oder Comics.
Der Begriff leitet sich vom französischen belles lettres ab, was sich mit schöne Wissenschaften oder schöne Literatur übersetzen
lässt. Diese Bezeichnung geht auf den französischen Buchmarkt des 17. Jahrhunderts zurück. Hierbei wurden die literarischen
Schriften in wissenschaftliche und literarische Schriften unterteilt, wobei außerdem eine Sparte der einfachen, niederen Literatur
erwuchs.
Für diese einfache Literatur wurde bereits im 18. Jahrhundert von Joseph Görres und Johann Gottfried von Herder die
Bezeichnung Volksbuch vorgeschlagen. Hierunter fielen Schwänke, volkstümliche Sagen sowie Märchen oder Ritterdichtungen und
Minnelieder. Im Gegensatz dazu standen die belles lettres, die schöne Literatur, die sich vor allem dadurch auszeichnete, dass sie
sich vom Einfachen abzugrenzen versuchte.

Übersicht: Merkmale der Belletristik

Übersicht: Die wesentlichen Merkmale der Belletristik

 Diese schöne Literatur, welche sich von der volkstümlichen Dichtung sowie wissenschaftlichen Arbeiten abgrenzte, war
zumeist komplexer geschrieben, aufwendiger gestaltet und kostete teilweise das Dreifache. Belletristik richtete sich also an
die gebildete Schicht der Leser.
 Belletristische Schriften zeichneten sich häufig durch Anspielungen, allegorische Verdichtungen und einen kunstvollen
Schreibstil aus. Weiterhin waren die Inhalte der Belletristik eindeutig fiktional, wohingegen die Volksbücher das Persönliche
mit dem Fiktionalen vermengten.
 Diese Unterteilung in Sachliteratur und Schönliteratur findet eine klare Entsprechung in der englischen Buchbranche, die
zwischen fiction und nonfiction unterscheidet.
 Der niedere Markt des Frühdrucks zeichnete sich außerdem durch eine ständige inhaltliche Wiederholung aus. Stoffe, die
über die Jahrezehnte funktionierten, wurden oftmals einfach erneut aufgelegt, wohingegen die elegante Literatur in der Regel
neue Inhalt präsentierte.
 Jedoch gibt es Überschneidungen. Beispielsweise wurde Robinson Crusoe (1719), ein Roman von Daniel Defoe, eindeutig in
der Sparte der Belletristik eingeordnet und dementsprechend verlegt. Allerdings gab es alsbald eine gekürzte, einfachere
Ausgabe, die dem Lesenden versprach, einfacher und verständlicher als die elegante Ausgabe zu sein.
 Demzufolge ist der Unterschied nicht erst im Nachhinein entstanden, sondern wurde teils offen kommuniziert. Die niedere
Literatur richtet sich demnach bewusst an Leser, die sich ihres einfacheren Begriffvermögens durchaus bewusst waren und
gezielt danach suchten.
 Heutzutage werden unter dem Begriff alle Schriften abgehandelt, die nicht wissenschaftlich oder nichtfiktional sind.
Demzufolge wird hierbei auch Trivialliteratur als Belletristik geführt, weshalb der Begriff durchaus als Synonym für
Unterhaltungsliteratur überhaupt gebraucht wird.

Unterhaltende und ernsthafte Literatur

Diese Unterteilung in schöne, niedere und wissenschaftliche Literatur rief allerdings auch Kritiker auf den Plan und auch
heutzutage ist der Begriff der Belletristik teils negativ belegt. Das Problem: Texte sollen nicht nur schön und unterhaltend
sein, sondern durchaus Ernsthaftigkeit vermitteln.
Einer der ersten Dichter, die dieses Problem benannten, war Johann Wolfgang von Goethe. Goethe legte der
Romanfigur Werther den folgenden Satz in den Mund […] doch an gründlicher Gelehrsamkeit mangelt es ihm, wie all den
Bellettristen. Dabei wird deutlich, dass der Belletristik durchaus das Ernsthafte mangelte oder jedenfalls die Meinung kursierte, dass
sie sich grundsätzlich von der ernsthaften Literatur unterschied.
Das Problem ist hierbei, dass wissenschaftliche Arbeiten oftmals eine intensive Auseinandersetzung mit dem geschriebenen Wort
voraussetzen. Das Gelesene muss manchmal wiederholt werden, einige Begriffe sind nichnt sofort klar und demzufolge muss der
Text gründlich gelesen und studiert werden. Unterhaltende Literatur zeichnet sich im Gegensatz dadurch aus, dass sie in erster Linie
unterhalten will.
Wenn Belletristik unterhaltend ist, sich der schönen Sprache bedient und vor allem in diesem Merkmal von der volkstümlichen
Dichtung unterscheidet, gibt es einen Widerspruch. Denn Literatur sollte dem Leser nicht nur ein sinnliches Vergnügen bereiten,
sondern ihn erziehen oder bilden, auch wenn der wissenschaftliche Charakter nicht gegeben ist. Diese Annahme war sehr in der
Aufklärung verbreitet (vgl. Literaturepochen).
Auch heutzutage hat belletristische Literatur dieses Problem. So kommt es durchaus vor, dass Literaturkritiker Werke in ernsthafte
und unterhaltende Literatur einteilen, wobei die Grenzen natürlich kaum zu erkennen sind. Deshalb hat sich die Buchbranche dazu
entschlossen, sämtliche Erzeugnisse, die weder wissenschaftlich noch nichtfiktional sind, als belletristische Werke zu führen. Das
lässt sich in Buchläden nachvollziehen.
Hinweis: In literaturwissenschaftlichen Abhandlungen findet sich aufgrund der schwierigen Abgrenzung der Begriff der Belletristik recht
selten. Eher wird auf die englische Entsprechung und Unterscheidung zwischen fiction und nonfiction verwiesen, also auf fiktionale oder
eben nonfiktionale Texte.

Marktsegmente der Belletristik in Deutschland

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gibt regelmäßig einen Überblick, welchen Marktanteil die Belletristik im
Buchmarkt überhaupt hat und aus welchen einzelnen Sparten sich die Verkäufe zusammensetzen. Aktuelle Zahlen liegen
bereits rückblickend für das Jahr 2013 vor (Quelle).
Das obige Diagramm gibt prozentual an, wie hoch der prozentuale Anteil der verschiedenen belletristischen Werke am
Gesamtumsatz der Belletristik in Deutschland ist. Es wird dabei ersichtlich, dass die erzählende Literatur mehr als die Hälfte des
Umsatzes bestreitet, wohingegen Lyrik und Dramatik nur 1% stemmen.
Diese Einteilung ist jedoch schwierig, vor allem deshalb, weil hierbei Kinderbücher nicht zum belletristischen Bereich gezählt
werden. Diese werden vom Börsenverein gesondert betrachtet. Dabei erfüllen Werke wie beispielsweise Ronja
Räubertochter durchaus sämtliche Kriterien der angeführten Literatur.
Hinweis: Ersichtlich wird allerdings, dass der Buchhandel alle Werke – von Kinder- und Jugendliteratur einmal abgesehen – die
nicht wissenschaftlicher oder nichtfiktionaler Natur sind, unter dem Begriff der Belletristik führt, auch wenn sich die
Literaturwissenschaft diesbezüglich teilweise recht schwertut.

Entwicklung und Ursprünge des Begriffs

Wie beschrieben, geht die Bezeichnung auf das französische belles lettres zurück und stand damals im Gegensatz zur
niederen und eher volkstümlichen Literatur, bildete aber auch einen Gegenpol zu wissenschaftlichen Abhandlungen der
Zeit. Ähnlich wird der Begriff auch heutzutage verstanden.
Von der ersten Nennung bis ins 18. Jahrhundert umfasste der Begriff vor allem Memoires, Romane, Poesie, Klassiker der
Antike sowie Journale, also sämtliche Schriften, die sich vor allem durch schöne, vielleicht auch schöngeistige, Sprache
auszeichneten. Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam die Bezeichnung Belles Lettres vornehmlich im deutschen Buchmarkt allmählich
aus der Mode.
Die Tendenz ging eindeutig zu deutschen Bezeichnungen für das gesamte Spektrum, weshalb von galanten oder schönen
Wissenschaften und letztendlich von schöner Literatur die Rede war. Daraus ergaben sich in der Folge die bekannten
Gattungsbegriffe Dramatik, Epik und Lyrik, die im Eigentlichen allesamt zum umfassenden Bereich belletristischer Werke zählen,
auch wenn eine Grenzziehung schwierig ist.
Hinweis: Auch heutzutage ist das Feld der Belletristik noch beinahe identisch mit der Vorstellung des 18. Jahrhunderts. Im
Gegensatz zum allgemeinen Begriff der Literatur ist die Bezeichnung Belletristik aber meist auf den Buchhandel bezogen und findet
kaum Anwendung in wissenschaftlichen Betrachtungen.

Kurzübersicht: Wesentliche Merkmale und Bedeutung der Belletristik

 Der Begriff geht auf den französischen Buchmarkt zurück. Dort entstand im 17. Jahrhundert die Bezeichnung belles lettres,
um schöne Literatur von volkstümlicher Dichtung abzugrenzen. Diese Einteilung blieb allerdings nicht unproblematisch.
 Die Begründung ist, dass eine Unterscheidung zwischen einfach oder volkstümlich sowie schön als Gegenpol zur
Wissenschaft bedeutet, dass keine ernsthafte Literatur bestehen kann, die die Auseinandersetzung des Lesenden erfordert.
Diesen Umstand kritisierte erstmalig Goethe.
 Viel sinnvoller erscheint deshalb eine Unterteilung in fiktionale und nichtfiktionale Texte, da der Begriff der Belletristik sehr
nah an der Unterhaltungsliteratur angesiedelt ist. Demzufolge wird auch heutzutage von einigen Literaturkritikern streng
zwischen ernster und unterhaltender Literatur unterschieden, wobei die Belletristik dem Buchhandel vorbehalten ist.
 Der Buchhandel fasst unter dem Begriff sämtliche Werke, die nicht der Wissenschaft oder den nichtfiktionalen Texten
zuzuordnen ist. Erstaunlicherweise werden außerdem Jugend- und Kinderliteratur nicht zu den belletristischen Werken
gezählt.

Biedermeier
Als Biedermeier wird eine Literaturepoche bezeichnet. Diese literarische Strömung lässt sich zwischen dem Wiener Kongress
(1814/15) und der bürgerlichen Revolution von 1848 verorten. Parallel zum eher konservativen Biedermeier bildeten sich die
Strömungen des sehr liberalen Jungen Deutschlands und die radikal-demokratische des Vormärz heraus. Alle drei
Strömungen werden außerdem als Literatur der Restaurationsepoche bezeichnet. Der Biedermeier prägte die Literatur,
wirkte sich jedoch auch nachhaltig auf die in dieser Zeit entstehende eigene Kultur und Kunst des Bürgertums (Kleidung,
Musik, Architektur) aus. Oft wird die Literatur des Biedermeiers vor allem als hausbacken sowie konservativ bezeichnet,
wobei die Flucht ins Idyll und Private ein typisches Epochen-Motiv ist.
Der Begriff geht auf den humoristischen Dichter und Jurist Ludwig Eichrodt (1827 – 1892)zurück. Mit seinem Studienfreund Adolf
Kußmaul erfand er die Figur des treuherzigen Gottlieb Biedermaier, einem schwäbischen Dorfschullehrer. Eichrodt
selbst charakterisierte Gottlieb Biedermaier, welcher in mehreren Gedichten auftrat, folgendermaßen: seine kleine Stube, sein enger
Garten, sein unansehnlicher Flecken und das dürftige Los eines verachteten Dorfschulmeisters zu irdischer Glückseligkeit
verhelfen. Herr Biedermaier war also der Inbegriff der Biederkeit, der sich nicht für das politische Treiben interessierte und
kleingeistig war.
Demnach war der Begriff ursprünglich negativ belegt und stand stellvertretend für den kleingeistigen Bürger, wobei sehr große Teile
des Bürgertums mit ebendiesem Wort verspottet und karikiert wurden. Erst nach der Jahrhundertwende, also ab 1900, wurde die
Bezeichnung zumeist wertneutral gebraucht. Seither steht der Biedermeier für das Kleinbürgerliche und Häusliche mit der Betonung
des Privaten.
Als Epochenbezeichnung tauchte dieser Begriff ab dem Ende des 19. Jahrhunderts auf und fand vorerst vor allem im Bereich der
Architektur- und Kunstgeschichte Verwendung, wobei außerdem das Mobiliar dieser Zeit und eine bestimmte Kleidermode unter
dem Begriff gefasst wurden. Als Bezeichnung einer literarischen Strömung wurde die Bezeichnung vor allem im 20. Jahrhundert
populär.

Merkmale des Biedermeier

Auch wenn die Strömung klar umrissen ist, da sie sich zwischen 1814/15 und 1848 verorten lässt, ist eine Übersicht der
Epochen-Merkmale, die sich auf alle Werke anwenden lässt, beinahe unmöglich. Einerseits kristallisierten sich zahlreiche
Stile zeitgleich heraus und bestimmten so die literarische Landschaft und andererseits gibt es Zuschreibungen, die sich nicht
auf sämtliche Texte jener Zeit übertragen lassen. Nachfolgend also eine Übersicht der Merkmale, die zumeist Geltung
erfahren.
Übersicht: Die Merkmale der Epoche im Überblick

 Das gesellschaftliche Leben jener Zeit war geprägt vom Misstrauen gegenüber der Obrigkeit und der Politik. Die Autoren des
Biedermeier wuchsen in einer Zeit auf, welche sie vor allem politisch bitter enttäuschte, wodurch sich diese Geisteshaltung
erklären lässt. So ist es ein typischer Wesenszug der zeitgenössischen Dichter, dass sich diese von ihrer Außenwelt
abkapselten sowie vornehmlich im kleinen Kreis oder dem eigenen Heim agierten.
 Generell war politische Mitsprache oder die Kritik am System zu jener Zeit im deutschen Raum weniger erwünscht und
wurde mitunter streng bestraft, wobei das Äußern der freien Meinung durch ausgeklügelte Mechanismen beeinträchtigt oder
teils auch gänzlich zensiert wurde. So war dieser Rückzug der Autoren des Biedermeier auch eine Frage der Sicherheit
 Verschärft wurde dies am 20. September 1819, als nach zwei Attentaten, die von Studenten im März 1819 ausgeübt wurden,
die Karlsbader Beschlüsseerlassen wurden. Wesentliche Inhalte dieser Beschlüsse waren das Verbot der Burschenschaften
(Studentenverbindungen), weil sie als Ort des freien Denkens sowie Unruhestifter galten. Die Zensur von Büchern und
Zeitungen, wobei auch die Zensurfreiheit von Universitätsprofessoren aufgehoben wurde, war eine Folge. All das wurde als
Reinigung von Behörden, Konsistorien, Schulen und Universitäten von gefährlichen Irrtümern, Verführern und
Verführtenverstanden (vgl. Demagogie).
 Die logische Folge war die Flucht des Menschen in einen geschützten Raum. So etablierte sich das, was heutzutage als
Biedermeierzeit bezeichnet wird, vor allem in dem Schutz des eigenen Heims sowie im Freundes- und Familienkreis, wobei
sich ihre Werke durch eine konservative Grundhaltung und Autarkie (ohne Bestreben, sich hervorzutun; in sich
ruhend) auszeichneten.
 Exkurs: Nahezu zeitgleich entwickelte sich zum Biedermeier eine Bewegung, die im Nachhinein als Vormärz bezeichnet
wurde. Charakteristisch ist für die Strömung des Vormärz, dass sie sich – im Gegensatz zu dem Hauptteil der Bevölkerung, zu
dem auch die Anhänger des Biedermeier zählen – eben nicht mit den Einschränkungen und der Zensur abgaben und radikal
sowie mit sozialpolitischen Ansichten dagegen aufbegehrten (Beispiel: Der Hessische Landbote).
 Zurück zur Biedermeierzeit: auch wenn die Anhänger des Vormärz und vor allem des Jungen Deutschlands Kritik an der
Obrigkeit übten, suchten die Künstler des Biedermeier Gemeinschaft. So waren – neben dem eigenen Heim –durchaus auch
öffentliche Plätze (Theater oder Cafés) beliebte Treffpunkte, um sich Werke vorzutragen. Auch das Streben nach der
Gemeinschaft sowie die Wichtigkeit des sozialen Austausches sind wichtige Merkmale des Biedermeier.
 In den dominierenden Gattungen der Epoche spiegeln sich diese Merkmale wider: so bestimmte vor allem Kleinkunst das
literarische Programm, die in geselliger Runde vorgetragen wurde. In der Epik erfreuten sich neben dem Künstler- sowie
dem Familienroman vor allem Textarten wie Stimmungsbild, Novelle, Kurzgeschichte, Skizze oder Märchen großer
Beliebtheit, wobei auch Tagebücher, Briefe, Erinnerungen aus dem Leben sowie Satiren, Reiseberichte und
schaurige Erzählungen verbreitet waren und die Literatur jener Zeit beherrschten. Dennoch entstanden durchaus
große epische Dichtungen, wie etwa die Romane Der Nachsommer (Stifter), Die Epigonien (Immermann) und Maler
Nolten (Mörike), in dem sich das Werk Er ist’s findet.
 Die Lyrik zeichnete sich vornehmlich durch eine Neigung sowie Annäherung zum Epischen aus, weshalb
Ballade, Verserzählung und Idylle – ein episches Gedicht, das im Kreise der Liebsten vorgetragen wurde – aber auch
das Epigramm verbreitete Gedichtformen der Epoche waren.
 Das biedermeierliche Drama wurde vor allem durch Franz Grillparzer, Johann Nepomuk Nestroy und Ferdinand Jakob
Raimund bestimmt, wobei sich ihr künstlerisches Werk vorwiegend durch Pessimismus und Melancholie auszeichnete, was
häufige Motive der Literaturepoche sind.
 Die Motive des Biedermeier stehen ebenso im Zeichen der historischen Hintergründe: Somit war das Künstlerische häufig
von einem Idealismus geprägt, der in einem Gegensatz zur Wirklichkeit stand, wobei Klarheit und Harmonie selten ein
gesamtes Werk bestimmten. Häufiger kippten die Motive schnell innerhalb des Werkes, wobei dann Sehnsucht, Melancholie
sowie Resignation, unerfüllte Wünsche, die Erhöhung der guten alten Zeit und Schwermut die Literatur prägten. Weiterhin
war die Literatur von Genügsamkeit, Naturnähe, dem Rückzug ins Private, dem Bändigen der Leidenschaften, der Liebe und
einem ausgeprägten Schwermut bestimmt.

Historischer Hintergrund der Epoche

Um 1800 war Deutschland noch kein Nationalstaat, sondern setzte sich aus unzähligen Einzelstaaten zusammen. Jeder dieser
Einzelstaaten verfolgte eigene Ziele und politische Interessen, wobei alle Staaten Teil des Heiligen Römischen Reicheswaren.
Preußen und Österreich galten als Großmächte.
Dennoch bestanden zahlreiche Unruhen, welche durch die Kleinstaaterei, die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Staaten
sowie die regionalen Unterschiede begründet waren. Dies hatte zur Folge, dass das Heilige Römische Reich auf wackeligen Beinen
und kurz vor dem Zusammenbruch stand. Im Zuge der Französischen Revolution (1789) gab es fortan Auseinandersetzungen
zwischen Frankreich und den europäischen Mächten.
Als 1799 Napoleon Bonaparte an die Macht gelangte, setzte dieser die kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa fort und
besetzte viele der Ländereien des Heiligen Römischen Reiches, was letzten Endes – im Jahr 1806 – zum Zusammenbruch führte.
Napoleon gelang es, diese einzelnen Staaten zusammenzulegen (Reichsdeputationshauptschluss), wobei außerdem die Macht der
Kirche in der Politik beschnitten wurde sowie Ideale der Französischen Revolution Einzug in die Köpfe der Menschen hielten.

General Napoleon beim Überqueren der Alpen

Dennoch wurde alsbald die Macht Napoleons gebrochen, woraufhin auf dem Wiener Kongress (1814/15), unter der Leitung von
Fürst Metternich, die Neuordnung Europas beschlossen wurde. Hierbei ging es in erster Linie darum, die Monarchie
wiederherzustellen, weshalb sämtliche Reformen, die nach französischem Vorbild entstanden waren, kurzerhand zunichte gemacht
wurden, um die Ordnung in Europa wiederherzustellen.
In der Folge wurden Burschenschaften verboten, Befürtworter einer Opposition und Intellektuelle, die andere Ansichten vertraten,
als Demagogen tituliert und eine Zensur der Presse eingeführt (Karlsbader Beschlüsse). Jedoch wurde das Treiben der Obrigkeit von
großen Teilen der Bevölkerung hingenommen, was wohl darin begründet liegt, dass viele Deutsche die Sicherheit und Stabilität
begrüßten, denn die starken Einschnitte suggerierten wohl auch eine innere Ordnung. Immerhin waren sie die letzten Jahre einem
ständigen Kriegszustand zwischen den französischen Besatzern und den Großmächten ausgeliefert.

Hinweis: Der Denker-Club, 1819, Karikatur zur Zensur der Meinungsfreiheit

Die obige Karikatur zeigt die fiktive Verbindung von Gelehrten im Denker-Club und ist 1819 als Reaktion auf die Karlsbader
Beschlüsse entstanden. Sie illustriert die Unterdrückung der Meinungsfreiheit – was durch die Knebel symbolisiert wird – der
Gelehrten und zeigt auf, dass die freie Meinung unter Zensur gestellt wurde. Dabei ist die Karikatur als Appell an das Volk zu
verstehen und soll vermitteln, dass etwas getan werden muss, bevor der Staat die Oberhand über das Denken des Einzelnen gewinnt.
In ebendieser Zeit entwickelte sich eine künstlerische Strömung, die fortan als Biedermeier bezeichnet werden sollte. Anhänger
des Biedermeier fügten sich der neuen Situation, nahmen das Gegebene hin und flüchteten sich in den geschützen, also den privaten,
Raum. Allerdings begehrte eine Minderheit gegen die äußeren Umstände auf, die der Wiener Kongress geschaffen hatte. Diese
Strömung wird als Vormärz bezeichnet, die neben dem Biedermeier das Künstlerische vor der Märzrevolution (1848) prägte.
Literatur des Biedermeier

Wie bereits in der obigen Übersicht angedeutet, bestimmten vornehmlich literarische Kleinformen die Literatur der Epoche.
Weiterhin gibt es keine Gattung die aus der Strömung heraus entstand, sondern zumeist wurden Textsorten mit Inhalt
befüllt, die formal lange existieren. Demnach ist die Literatur der Strömung vor allem durch bestimmte Motive geprägt,
weniger durch einen vordergründigen Stil.
Nachfolgend werden die einzelnen literarischen Gattungen vorgestellt, wobei nochmals ausführlich auf alle Besonderheiten der Zeit
und bestimmte Ausprägungen eingegangen wird. Weiterhin werden Textbeispiele benannt und typische Werke und Vertreter der
Literaturepoche vorgestellt. Im Anschluss findet sich eine Gesamtübersicht sämtlicher Vertreter inklusive der zugehörigen und
charakteristischen Werke.

Lyrik des Biedermeier


Die Lyrik der Zeit wird von einer großen Einfachheit geformt, was Form und Stil gleichermaßen betrifft. Teils driftet das Lyrisches
der Zeit sogar ins Volkstümliche ab. Daraus entwickelten sich Volkslieder und einfache lyrische Spielereien, die sich vor allem an
den Motiven Liebe, Selbstbescheidung (Verzichten auf gewisse Ansprüche), Entsagung und die Vergänglichkeit des Irdischen und
dem Häuslichen abarbeiten.
Die Lyrik der Strömung wendet sich außerdem häufig der Natur und religiösen Themen zu, wobei natürlich die Grundmotive
Vergänglichkeit, Entsagung, das Besinnen auf das Innere in diesen Zusammenhang passen. Ein bekanntes Werk des Biedermeier ist
eines der populärsten Frühlingsgedichte überhaupt: das einstrophige Gedicht Er ist’s von Eduard Mörike, das die Merkmale der
Epoche verdichtet. Schauen wir auf den Text:

Frühling läßt sein blaues Band


Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab’ ich vernommen!

Das Werk Mörikes verdeutlicht einerseits das Naturmotiv, das im absoluten Vordergrund des Beispiels steht. Andererseits wird das
Gedicht von einer harmonischen Grundstimmung sowie einer freudigen Erwartung des lyrischen Ichs getragen, wobei auch der
einfache, fast volkstümliche Charakter des Werkes offenkundig ist, wobei es formal simpel
ist (Metrum: Trochäus; Reimschema: umarmender Reim, Kreuzreim, Reimwaise).
Häufig lassen sich in der Biedermeierzeit außerdem Gedichtzyklen ausmachen, wie etwa die Heidebilder (1841/42) der Annette
von Droste-Hülshoff, wobei es ebenso – wie im obigen Beispiel – um die Natur, aber auch um die Wechselwirkung von Mensch und
Natur geht. Weitere Zyklen finden sich bei Nikolaus Lenau, Franz Grillparzer und eben bei Eduard Mörike, auch wenn
dessen Œuvre weitaus umfangreicher ist.
Überhaupt galt die Natur – vor allem in der Lyrik – den Dichtern der Epoche nicht mehr als Projektionsfläche des Schmerzes oder
der inneren Zerrissenheit, wie es in vorherigen Epochen durchaus der Fall war, sondern galt vielmehr als ein Gut, das es zu
beobachten galt, in dem darüber hinaus etwas Göttliches sichtbar werden konnte. Weiterhin kamen in dieser Zeit Forschungsreisen
auf, wodurch die Natur außerdem zu etwas wurde, das untersucht und katalogisiert werden konnte und im Kreise der Freunde
vorgestellt werden konnte.

Epik des Biedermeier


Die Epik im Biedermeier ist vornehmlich durch eher kürzere Prosatexte geprägt, obwohl es durchaus einige größere Dichtungen
gibt, wie etwa Der Nachsommer (Stifter), Die Epigonien (Immermann) und Maler Nolten (Mörike). Dennoch bestimmen literarische
Kurzformen, wie etwa die Novelle oder die Kurzgeschichte diese Epoche, wobei außerdem Stimmungsbilder, Skizzen, Märchen,
Tagebücher, Briefe, Reiseberichte sowie Satiren, Lebenserinnerungen und schaurige, aber auch schon lehrhafte, Erzählungen
verbreitet waren.
Am verbreitetesten ist allerdings die Novelle. Typische Beispiele solcher Biedermeiernovellen sind hierbei Die
Judenbuche (Droste-Hülshoff), Der arme Spielmann(Grillparzer) und Die schwarze Spinne (Gotthelf).
Die erzählte Welt der Judenbuche ist im entlegenen westfälischen Dorf B. angesiedelt. Die Judenbuche, die wohl eine der
bekanntesten Novellen dieser Zeit und auch heute noch ein zentrales Thema des Unterrichts darstellt, ist von Dörflichkeit und einem
engen Milieu geprägt. Das zentrale Thema ist dabei die Abwendung von der Welt, was ebenso ein typisches Merkmal der Literatur
im Biedermeier ist.

Drama des Biedermeier


Das Drama wurde zur Biedermeierzeit wurde vor allem von Franz Grillparzer, Johann Nepomuk Nestroy und Ferdinand Jakob
Raimund bestimmt, wobei sich ihr künstlerisches Werk vorwiegend durch Pessimismus und Melancholie auszeichnete. Prägend für
die Dichter der Epoche war auch die Auseinandersetzung mit Goethe, wobei klar ist, dass ihr Werk – vor allem nach der Hochzeit
der Klassik – nachahmend erscheinen musste.
Charakteristisch ist für die Dramen jener Zeit aber nicht nur das Melancholische oder Pessimistische, sondern gleichermaßen das
Düstere. Allerdings entwickelte sich darüber hinaus das Rührstück, ein Theaterstück, das die Zuschauer zu Tränen rühren sollte,
wofür die Werke von Charlotte Birch-Pfeiffer ein Zeugnis sind.
Außerdem verbreiteten sich komödiantische Stücke rasant, wobei vor allem die Possen Johann Nestroys sehr typisch sind. Dennoch
tragen diese meist groteske, also übersteigerte und teils verzerrte Züge. Als besonders charakteristisch gilt hierbei Der
Zerrissene (1844), eine Posse mit Gesang in drei Akten, welche von der Kritik größtenteils wohlwollend aufgenommen wurde. Lips,
der Protagonist dieses Werkes, ist ein gelangweilter und reicher sowie ironischer Mann – wobei das Stück vor allem um das
Komische und die Liebe kreist.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Biedermeier im Überblick

 Die Literaturepoche, die uns heute als Biedermeier bekannt ist, entstand zwischen dem Wiener Kongress (1814/15) sowie
der Märzrevolution. Sie kann durchaus als eine logische Folge des historischen Hintergrundes betrachtet werden. Die
Bevölkerung war durch die Koalitionskriege gegen die Fremdherrschaft Frankreichs geprägt und vom Krieg gezeichnet.
 Die Dichter jener Zeit wuchsen folglich in Unsicherheit auf und waren einem ständigen Wechsel der politischen Ordnung
ausgeliefert; demnach ist es kaum verwunderlich, dass die wichtigsten Motive des Biedermeier die Rückbesinnung auf das
Private und den sicheren Raum des Heims waren, weshalb die Epoche oft als konservativ und hausbacken beschrieben wird.
 Weitere Motive der künstlerischen Epoche waren Sehnsucht, Melancholie sowie Resignation, unerfüllte Wünsche, die
Erhöhung der guten alten Zeit (vor der französischen Besatzung) und Schwermut. Weiterhin war die Literatur von
Genügsamkeit, Naturnähe, dem Rückzug ins Private, dem Bändigen der Leidenschaften, der Liebe und von Schwermut
bestimmt.
 In der Epik dominierten Kleinformen, wobei vor allem die Novelle und die Kurzgeschichte typisch für die Literaturepoche
sind, in der Lyrik dominierten Balladen, Verserzählungen und die Idylle – ein episches Gedicht, das im Kreise der Liebsten
vorgetragen wurde – sowie das Epigramm, wobei das Drama vor allem durch melancholische Züge geprägt war.
 Wichtige Vertreter des Biedermeier sind Ferdinand Jakob Raimund,Franz Grillparzer, Karl Leberecht Immermann, Annette
von Droste-Hülshoff, Jeremias Gotthelf, Johann Nestroy, Nikolaus Lenau, Eduard Mörike und Adalbert Stifter.

Bildbeschreibung
Die Bildbeschreibung ist Bestandteil des Deutschunterrichts, findet aber auch im Fachbereich Kunst und in Fremdsprachen
Verwendung. Weiterhin kann eine Bildbeschreibung in manchen Fächern ein Bestandteil der Textanalyse sein. Die
Bildbeschreibung dient dazu, ein Bild in seiner Gesamtheit zu erfassen, wobei wir die wesentlichen und wichtigsten
Merkmale möglichst detailliert herausstellen sollten. Auf die Beschreibung kann eine Bildanalyse folgen, die noch stärker in
die Tiefe geht.
Dabei ist die Bildbeschreibung sehr stark mit der Personenbeschreibung verknüpft. Das liegt daran, dass auch für diese in der Regel
ein Bild als Grundlage dient (Fotografie, Zeichnung, Gemälde). Im Unterschied dazu sollten wir im Zusammenhang mit der
Bildbeschreibung jedoch auch auf die Wirkung der Farben und künstlerischen Auffälligkeiten eingehen und nicht nur das
Abgebildete selbst beschreiben.
Das bedeutet, dass die Bildbeschreibung aus drei wesentlichen Aspekten besteht.Einerseits ist es die Beschreibung und Erläuterung des
abgebildeten Motivs und andererseits die Beschaffenheit des Bildes selbst (Materialien, Farben etc.) sowie die Wirkung des Bildes auf den
Betrachter.

Hinweis: In diesem Beitrag wird veranschaulicht, worauf es bei einer Bildbeschreibung ankommt, welche Merkmale unbedingt
beachtet werden sollten und wie Sie selbst eine Bildbeschreibung schreiben können. Am Ende finden Sie außerdem
Formulierungshilfen in verschiedenen Sprachen.

Die Bildbeschreibung vorbereiten

Bevor wir uns an das Schreiben der Bildbeschreibung wagen, sollten wir einige Vorbereitungen treffen und außerdem
Vorarbeit leisten. So vergessen wir später beim Schreiben keine wichtigen Details.

 Bildbetrachtung: In einem ersten Schritt sollten wir uns das Bild einmal ausgiebig anschauen, ohne auch nur einen
Gedanken ans spätere Schreiben zu verschwenden. Hierbei können wir uns Notizen machen, welche Dinge uns bei der
Betrachtung auffallen, welche Aspekte herausstechen und vielleicht Angaben zum Künstler und der Entstehungszeit
festhalten.
 Weiterhin können wir knapp angeben, was man auf dem Bild sieht, welche Farben das Ganze auszeichnen und welche
Wirkung das Bild auf uns hat. Hierbei gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, sondern vornehmlich um unseren ersten Eindruck.
 Wichtig ist hierbei, dass wir auch die unscheinbarsten Merkmale notieren, um sie nicht zu vergessen. Das kann schnell
gehen, wenn wir später das Bild als Ganzes beschreiben.
 Sortieren: Die gesammelten Auffälligkeiten sollten wir nun in eine Übersicht eintragen. Diese unterteilen wir
in Informationen zum Bild, Farben und Materialen und Inhalt. So können wir später nachschauen, welche Dinge wir
notierten und vergessen keine wichtigen Details.

 Wichtig: Diese Schritte können ruhig ein wenig länger dauern. Auch wenn wir unter Zeitdruck arbeiten (Tests, Prüfungen),
kann eine solide Vorarbeit der wichtigste Punkt sein, um das Kunstwerk zu erfassen und im Anschluss wirklich alle
Informationen zu verarbeiten.

Tipp: Manchmal ist es hilfreich, das Bild bei der ersten Betrachtung ein wenig zu drehen und dadurch die Perspektive zu verändern.
Mitunter verstecken sich im Bild nämlich Botschaften, die auf den ersten Blick gar nicht zu sehen sind. Schauen wir einmal auf das
Werk „Gemüse in einer Schüssel“ von Giuseppe Arcimboldo. Es wird schnell klar, warum das Bild auch unter dem Titel „Der
Gärtner“ bekannt ist.

Das obige Beispiel verdeutlicht recht gut, warum ein Perspektivwechsel bei der Betrachtung des Bildes hilfreich sein kann. Hätten wir das
Bild nicht gedreht, könnten wir lediglich das Offensichtliche erkennen: nämlich Gemüse. Der versteckte Gärtner wäre uns verborgen
geblieben.

Aufbau einer Bildbeschreibung

Grundsätzlich folgt die Bildbeschreibung dem Aufbau von Einleitung, Hauptteil undSchluss. Allerdings haben die drei
Bereiche bestimmte Unterpunkte, die in ihnen Erwähnung finden.

 Einleitung
 Thema (Was zeigt das Bild hauptsächlich?)
 Art (Gemälde, Fotografie, Zeichnung etc.)
 Titel des Bildes, wenn bekannt
 Künstler (Von wem wurde das Werk geschaffen?)
 Bildquelle (Wo hängt das Bild, wo ist es abgedruckt; wenn bekannt?)
 Datum (Wann wurde das Bild gemalt, gedruckt, veröffentlicht?)
 Tipp: Eine typische Einleitung wäre:“Das Gemälde ‚Titel‘ von ‚Künstler‘ entstand im Jahr XXXX. Es zeigt […] (Thema in wenigen Sätzen,
einer oder zwei reichen für die Einleitung vollkommen aus).“
 Hauptteil (Einzelheiten des Bildes in ihrer Beziehung zueinander, in sinnvoller Reihenfolge)

Hierbei gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Entweder beschreibt man erst das Wesentliche und geht dann auf die Einzelheiten ein oder
wir beginnen mit den Kleinigkeiten und arbeiten uns zum Wesentlichen vor. Wichtig ist, dass genau angegeben wird, wo sich das
Entsprechende befindet

 Tatsächliche Bildbeschreibung
o Bildperspektive (Aus welcher Perspektive ist das Bild dargestellt?)
o Vogelperspektive
o Froschperspektive
o Normalperspektive
o Vordergrund
o Was sieht man hauptsächlich?
o Was fällt auf, was sticht ins Auge?
o Bei Personen: Was geht vermutlich in diesen vor?
o Mittelgrund
o Was befindet sich zwischen Vorder- und Hintergrund?
o Werden Vorder- und Hintergrund verbunden?
o Hintergrund
o Welche Personen, Gebäude, Landschaften sind dargestellt?
o Wie sieht die Landschaft aus?
o Welche Stimmung vermitteln Farben und Licht (Tag, Nacht)?
o Bildgegenstand (Sujet)
o Was ist das zentrale Motiv des Bildes?
o Welche ist die hauptsächliche Darstellungsebene?
o Gibt es noch wichtige Nebendarstellungen?
o Gibt es zweite oder dritte Bildebenen (Bild im Bild)?
o Gibt es ein bestimmtes Zeichen oder Symbol, das im Bild auftaucht (Ikonographie)?
o Bildaufbau (Komposition)
o Wie ist der Bildausschnitt? Ist er angeschnitten? Gesamtansicht?
o Ist das Hauptmotiv in einem räumlichen Zusammenhang gesetzt? Schwebt es frei im Raum?
o Wie wird der Blick geführt? Gibt es klare Blickachsen (Diagonale, Senkrechte etc.)?
o Wie ist die Komposition (symmetrisch, asymmetrisch, einseitig-asymmetrisch)?
o Ist eine bestimmte Sache (Detail) ganz besonders hervorgehoben?
o Darstellungsweise (Stil)
o Wie ist das Bild dargestellt?
o Graphisch oder malerisch?
o Flächig oder mit Licht und Schatten?
o Ist es ein ganz typischer Epochenstil oder ein Individualstil des Künstlers?
o Bildbedeutung (entfällt bei der Bildbeschreibung – ist Bestandteil der Bildanalyse)
 Tipp zum Hauptteil: Wichtig ist vor allem, dass der Aufbau logisch ist. Wir müssen nicht unbedingt mit dem Vordergrund beginnen und
dann Mittelgrund und Hintergrund beschreiben. Jedoch hat sich diese Vorgehensweise bewährt. Möglich wäre es auch andersherum oder
vom Unwichtigen zum Wichtigen.
o Mögliche Positionsangaben: Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund; links, rechts, oben, unten, vorn, hinten; obere, linke, rechte oder untere
Bildhälfte; vorne, hinten
 Schluss der Bildbeschreibung
 Zusammenfassung des Beschriebenen (knapp!)
 Wie wirkt das Bild auf mich (nur, wenn ein Lehrer dies verlangt!)?
 Eigene Meinung (ebenfalls nur, wenn verlangt)

Hinweis: Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten beim Aufbau der Bildbeschreibung. Entweder beginnen wir beim Schreiben mit dem
Wesentlichen, also dem, worum es eindeutig auf dem Bild geht und behandeln dann die Kleinigkeiten und Details oder wir beginnen
mit den Nebensächlichkeiten und arbeiten uns im Anschluss zum Wichtigsten vor. Diese Entscheidung liegt bei Ihnen und ist nicht
festgelegt.

Bildbeschreibung schreiben

Haben wir das Bild betrachtet, uns außerdem für eine Vorgehensweise beim Aufbau entschieden sowie ausreichend Notizen
zu Bildgegenstand, Komposition und den wesentlichen Inhalten des Bildes gemacht, kann es ans Schreiben gehen. Wichtig:
Die Beschreibung wird im Präsens verfasst.
Erster Teil der Bildbeschreibung: Die Einleitung und Formalitäten

Den Anfang der Bildbeschreibung machen die allgemeinen Daten des Bildes. Gewissermaßen können wir uns an den
bekannten W-Fragen aus dem Journalismus orientieren. Wer (Künstler)? Was? (Titel, Bildgattung, Sujet) Wie? (Mal- bzw.
Zeichentechnik, Bildformat) Wo? (Ausstellungsort) Wann? (Entstehungszeitraum, Veröffentlichung, Epoche). Diese Aspekte nennen
wir nur kurz. Mitunter können hier auch Angaben zur Entstehung des Bildes (Grund der Anfertigung) oder wichtige Daten zum
Künstler Platz finden.
Zweiter Teil der Bildbeschreibung: Die tatsächliche Beschreibung

Haben wir die Einleitung erledigt und die Formalitäten abgehakt, kann es an die tatsächliche Beschreibung des Bildes gehen.
Wichtig ist hier, dass die Einleitung keine Elemente der Bildbeschreibung vorwegnehmen sollte und außerdem, dass wir in der
Beschreibung nur nennen, was auch auf dem Bild zu sehen ist.
Interpretieren wir das, was das Bild zeigt, schreiben wir eine Analyse. Die Bildbeschreibung ist aber deskriptiv. Es wird also nicht
gedeutet oder tatsächlich analysiert, sondern nur beschrieben, was man sieht. In diesen Abschnitt gehören also nur Dinge, die man
erkennen kann (vgl. Operatoren im Fachbereich Deutsch).
Um es uns einfacher zu machen, kann die Bildbeschreibung von einer Richtung in die andere erfolgen oder vom Hinter-, über
Mittel- in den Vordergrund. Zwar hat das Ganze schnell einen Aufzählungscharakter, doch kann dieser durch geschickte
Überleitungen vermieden werden.
Der wichtigste Aspekt ist nun, dass wir den Bildgegenstand (Sujet) erkennen, nennen sowie beschreiben. Was ist das zentrale
Motiv des Bildes? Alle anderen Aspekte können wir getrost ein wenig vernachlässigen. Es ist übrigens hierbei sinnvoll, mit dem
Auffälligsten zu beginnen: geraten wir in einer Prüfung nämlich in Zeitnot, haben wir in jedem Fall das Wesentliche erfasst und
abgehakt.
Abschließend sollten wir nun auf die Art der Darstellung eingehen. Welcher Malstil ist im Beschriebenen deutlich geworden und
welcher Epoche lässt sich das Werk demzufolge zuordnen? Ist dieses Bild typisch für den Künstler und für diese Epoche?
Dritter Teil der Bildbeschreibung: Schluss

Im Schluss fassen wir das Geschriebene nochmals zusammen und nennen dabei knapp die wesentlichen Punkte. Nun könnte
unsere Meinung zum Bild folgen. Dieser Punkt sollte allerdings in jedem Fall mit einem Lehrer abgesprochen werden, denn zur
eigentlichen Bildbeschreibung gehört dieser Teil nicht, weil er interpretierenden Charakter hat. In einigen Fällen wird er allerdings
verlang.
Hinweis: Die Bildbeschreibung muss nicht nach dem vorgestellten Aufbau geschrieben werden. Wichtig ist allenfalls, dass wir uns
an die Struktur von Einleitung, Hauptteil und Schluss halten. Die vorgestellte Gliederung ist somit nur eine Empfehlung.

Tipps zur Bildbeschreibung

 Vor dem Schreiben Notizen sammeln und alle Auffälligkeiten aufschreiben, danach sortieren und erst dann beginnen. So
wird gesichert, dass keine wichtigen Details vergessen werden und das Wichtigste erkannt wird. Dennoch kann das Ganze
individuell angeordnet sein.
 Der Aufsatz sollte in Einleitung, Hauptteil und Schluss eingeteilt werden. Wichtig ist, dass die Einleitung keine Details der
Beschreibung beinhaltet und die Beschreibung keine Formalitäten mehr nennt. Der Schluss ist variabel und sollte
abgesprochen werden.
 Die Einleitung lässt sich am besten mithilfe der W-Fragen beantworten. Wenn wir diese abarbeiten, sind im Eigentlichen alle
wichtigen Informationen im Aufsatz enthalten.
 Folgen Sie bei der Beschreibung einer gedachten Linie. Entweder von hinten nach vorn, von links nach rechts, von oben nach
unten oder vom Wichtigen zum Unwichtigen.
 Die eigene Meinung und Wertung darf erst im Schluss der Bildbeschreibung stehen. Außerdem sollte mit einem Lehrer
abgesprochen werden, ob diese erwünscht ist.

Beispiel einer Bildbeschreibung

Um das Geschriebene anhand eines Beispiels zu verdeutlichen, möchten wir Ihnen eine Bildbeschreibung mit auf den Weg geben. Wichtig
ist hierbei, dass Sie daran vor allem den Aufbau ablesen können. Die verschiedenen Niveaustufen, die die Schule oder Universität fordert,
müssen abgesprochen werden.

Das vorliegende Bild ist ein Holzschnitt des deutschen Grafikers Gerhard Marcks aus dem Jahr 1956. Der schwarz-weiß Schnitt
zeigt vier Gestalten, die des nachts und im Schein eines sichelförmigen Mond mit dem Segelboot über das ruhige Meer gleiten. Das
Bild trägt den Titel „Nächtliche Fahrt“.
Der Horizont teilt das Bild in zwei Abschnitte. Den oberen Teil des Schnitts bestimmen Himmel und Mond, wohingegen die untere
Bildhälfte das vornehmlich vom Meer bestimmt wurd. Verbunden werden die beiden Ebenen durch den Schein des Mondes, der mit
einem breiten, senkrechten Lichtstrahl leuchtet.
Scheinbar vom Licht weg und demnach aus diesem hinaus, fährt ein langes, dunkles Segelboot. Zwei der Besatzungsmitglieder sind
schon in die Nacht entschwunden, wobei sich die zwei hinteren Gestalten noch im Licht des Mondes befinden. Das Segel des Bootes
ist sichelförmig gebogen und treibt das Boot in Richtung des rechten Bildrandes. Der Wind scheint das Boot demnach zu bewegen.
Auffällig ist die Linienführung des Werkes. So gibt es sehr ruhige, klare und gerade Linien, die die obere Bildhälfte und somit
Himmel, Mond und Segel bestimmen, wobei auch die Besatzung des Bootes durch klare Kontraste gekennzeichnet ist. Weiterhin gibt
es unruhige, wellenförmige Linien, die das Meer bilden.
Die ruhigen und unruhigen Elemente des Bildes werden durch den Strahl des Mondes verbunden. Die unruhigen Linien, die durch
den Mondschein erhellt werden, sind sanfter als der Rest des Meeres.

Binnenreim
Als Binnenreim wird eine Form des Reims bezeichnet. Beim Binnenreim stehen die Wörter, die sich aufeinander reimen, im
Versinneren, also in der gleichen Zeile. Mitunter werden mit dem Begriff auch Reime bezeichnet, die sich über
zwei Verse erstrecken. Sonderformen sind der Mittelreim, Mittenreim, Inreim, Schlagreim, übergehender und
überschlagender Reim sowie der Zäsurreim.
Ganz klassisch beschreibt der Binnenreim allerdings das Reimen zweier Wörter im Versinneren und war in dieser Form vor allem
in der mittelhochdeutschen Dichtung sowie in der Barockliteratur verbreitet. Schauen wir zur Veranschaulichung des Begriffs auf
ein Beispiel von Rainer Maria Rilke.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe


und hinter tausend Stäben keine Welt.

Das obige Beispiel ist dem Gedicht Der Panther entnommen und zeigt die letzten beiden Verse der ersten Strophe. Hier reimen sich
die aufeinanderfolgenden Wörter Stäbe und gäbe innerhalb einer Zeile, wodurch ein Binnenreim entsteht. Dieser ist außerdem ein
Schlagreim, weil der Gleichklang zwischen zwei Wörtern besteht, die unmittelbar aufeinanderfolgen. Schauen wir auf ein weiteres
Beispiel.

Was sol ich dame in arken oder in barken

Die obige Zeile stammt von Walther von der Vogelweide, einem der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker des
Mittelalters (→ Literaturepochen). Hierbei reimen sich innerhalb der Zeile die Wörter barken und arken aufeinander. Allerdings
werden diese von mehreren Silben getrennt.
Hinweis: Viele Binnenreime sind lediglich durch einen einzigen Verstakt getrennt, wie beispielsweise in Er lief und schlief. Im Brockhaus
von 1911 wird der Binnenreim sogar noch als Reim zweier durch eine Hebung getrennter Worte derselben Verszeile definiert. Diese
Definition deckt aber nicht alle Formen der Reimart ab, die eben auch für Wörter gelten kann, die in der nächsten Zeile ihren Reim finden.

Sonderformen des Binnenreims

Mittelreim

Bei dieser Form des Binnenreims liegt der Reim in zwei aufeinanderfolgenden Zeilen. Die Reimwörter stehen iin der Mitte der
beiden Verse. Das meint, dass die Reimbindung der Worte im Innern zweier Verse vorliegt, die aufeinanderfolgen, inmitten einer
rhythmischen Reihe stehen und nicht an deren Ende.

Ich bin der Vater meiner Tochter


und hab ’nen Kater. Alles Roger!

Mittenreim

Der Mittenreim, ebenfalls eine Form des Binnenreims, zeichnet sich dadurch aus, dass sich das Ende eines Verses und Innere des
vorhergehenden oder folgenden Verses aufeinander reimen. Die Versbindung wird also entweder aus der Mitte zum Ende oder vom
Ende zur Mitte realisiert. Schauen wir auf ein Beispiel.

Ich hab‘ ’nen Kater. Alles gut.


und bin meiner Tochter Vater.
oder eben:
Ich bin meiner Tochter Vater
und hab‘ ’nen Kater. Alles gut.

Inreim

Der Inreim beschreibt eine Reimfolge, die meint, dass sich das letzte Wort eines Verses mit einem Wort aus diesem reimt. Der
Inreim ist gewissermaßen einer der gängigsten Binnenreime, die uns in einem Gedicht begegnen kann. Schauen wir auf ein Beispiel
aus der Feder Heinrich Heines.

Eine starke, schwarze Barke


Segelt trauervoll dahin.
Schlagreim

Der Schlagreim diente eingangs in Rilkes Der Panther als Beispiel für den Binnenreim. Die Reimbindung erfolgt hierbei zwischen
zwei Wörtern, die unmittelbar aufeinanderfolgen. Der Schlagreim ist ein typisches Mittel in humorvoller Lyrik. Schauen wir zur
Veranschaulichung auf ein Beispiel.

Die Kraken erschraken, als wir tauchen gingen


und unsere Harpunen ins Wasser hingen.

Hinweis: Eine besondere Form des Schlagreims ist der Echoreim. Hier steht zwischen den Wörtern allerdings noch ein weiteres
Wort oder ein Zeilenumbruch, wobei der Echoreim nicht mit Endreimen gebildet wird, sondern nur aus Wörtern aus dem Inneren
besteht. Dennoch ist er ein Binnenreim.

Übergehender Reim

Der übergehende Reim meint, dass sich das Versende des einen auf den Anfang des nachfolgenden Verses reimt. Die reime
verbinden somit die einzelnen Zeilen und können den Zeilenumbruch somit gewissermaßen auffangen und weniger stark erscheinen
lassen (vgl. Enjambement).

Ich sagte zu Peter:


Später wirst du verstehen.

überschlagender Reim

Im überschlagenden Reim reimt sich der Anfang einer Verszeile auf das letzte Wort dieser Zeile. So können Anfang und Ende eine
Einheit bilden und demzufolge den Inhalt gewissermaßen einschließen. Schauen wir auch hier auf ein Beispiel, das als
beinahe Floskel in unsere Sprache übergegangen ist.

Geld regiert die Welt

Zäsurreim
Den Zäsurreim gibt es in drei verschiedenen Formen, welche jedoch allesamt einen Binnenreim beschreiben. Entweder meint der
Begriff den Reim zwischen einem Wort des Verses vor der Zäsur und dem Wort, welches unmittelbar vor dieser steht oder den Reim
zwischen zwei Wörtern, die in aufeinanderfolgenden Zeilen vor der Zäsur stehen oder den Reim zwischen einem Wort vor der Zäsur
und dem am Versende.

Was sie heute baut und klaut, | reißt jene morgen ein:

Für dieses Beispiel wurde die alexandrinische Verszeile von Andreas Gryphius ein wenig abgewandelt. Sie zeigt die erste variante
des Zäsurreims und somit den Umstand, dass sich ein Wort vor der Zäsur auf das reimt, das unmittelbar vor dieser steht. In diesem
Fall bautauf klaut.
Kurzübersicht: Bedeutung, Wirkung und Funktion des Binnenreims

 Im engeren Sinne wird als Binnenreim die Reimbindung zwischen zwei Wörtern innerhalb einer Verzeile bezeichnet. Im
Allgemeinen kann somit aber auch ein Reim zwischen einem Wort und einem anderen im nachfolgenden oder vorherigen
Vers bezeichnet werden.
 Oftmals kommen solche Reime in humoriger, also witziger, Dichtung zum Einsatz. Dennoch ist der Reim natürlich nicht auf
dieses Genre beschränkt. Auch in Kinderreimen oder -liedern finden sich häufig solcherart Reime (Bsp.: Ene, mene, miste, es
rappelt in der Kiste.).
 Der Reimform eine konkrete Wirkung zuzuschreiben, ist somit nicht unbedingt zielführend. Zwar wird die Geschwindigkeit
beim Lesen und mitunter beim Vortrag erhöht, wenn sich nachfolgende Wörter reimen, aber dieser Effekt kann ebenso
ausbleiben.
 Ein Stilmittel, dass genau das Gleiche beschreibt, ist das Homoioteleuton. Die Stilfigur meint, dass die Endsilben
aufeinanderfolgender Wörter einer Zeile gleich sind, was natürlich an den Schlagreim erinnert.
 Hinweis: Wichtig ist außerdem, dass der Binnenreim eine spezielle Form des Reims ist und kein Reimschema
wie Paarreim und Kreuzreim. Ein Reimschema zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass strophenübergreifend ein gewisses
Endreim-Muster zu erkennen ist. Der Binnenreim meint allerdings nur die Reimbindung innerhalb einiger Zeilen und betrifft
eben auch nur diese.

Blankvers
Als Blankvers wird eine Verszeile bezeichnet, die ungereimt ist und einen fünfhebigen Jambus aufweist, wobei es männliche
sowie weibliche Kadenzen geben kann. Also wird der Blankvers entweder aus zehn oder elf Silben gebildet und hat, im
Gegensatz zum Alexandriner, eine bewegliche Zäsur. Den Blankvers finden wir oftmals im Drama und seltener in der Lyrik.
Der Begriff leitet sich aus dem Englischen ab (blank verse). Das Wort blank lässt sich mit leeroder auch unverziert übersetzen, meint
in diesem Fall aber hauptsächlich den Umstand, dass der Blankvers ohne Reim auskommt. Verse ist die englische Entsprechung für
eine Verszeile. Wir haben es also mit einem reimlosen Vers zu tun [der fünfhebig und jambisch ist]. Schauen wir dafür auf ein
Beispiel.
Er ist es! Nathan! – Gott sei ewig Dank,
Daß Ihr doch endlich einmal wiederkommt.

Das obige Beispiel ist dem Werk Nathan der Weise, einem Ideendrama von Gotthold Ephraim Lessing, entnommen. Die Passage ist
der Anfang des dramatischen Textes, als Daja, eine Christin, die in Nathans Haus lebt, ihm entgegen eilt und ihn begrüßt. Daja
spricht dabei in zehnsilbigen Blankversen, die betont enden, also eine männliche Kadenz haben.
Zur besseren Darstellung haben wir die unbetonten und betonten Silben farblich hervorgehoben. Dabei wird ersichtlich, dass die
Betonung wechselhaft ist (alternierend) und die ausgewählten Verszeilen mit einer Senkung (unbetont) beginnen, der eine Hebung
folgt (Jambus). Weiterhin sehen wir, dass beide Zeilen fünfhebig sind, also fünf betonte Silben aufweisen. Beide Zeilen sind
demnach Blankverse.
10
10
υ–υ–υ–υ–υ–
υ–υ–υ–υ–υ–

Der obige Aufbau ist somit das Grundmuster des Blankverses: eine jambisch alternierende Verszeile mit fünf Hebungen und
demzufolge 10 Silben. Es fällt auf, dass die letzte Silbe hierbei betont bleibt, also eine männliche Kadenz hat. Die männliche Kadenz
ist allerdings nicht zwingend erforderlich.
Da es für einen Blankvers lediglich entscheidend ist, dass er jambisch ist und weiterhin maximal fünf Hebungen aufweist, kann
durchaus noch eine weitere Silbe angefügt sein, wodurch die Verszeile elfsilbig wird und auf eine unbetonte Silbe endet (weibliche
Kadenz). Schauen wir dafür auf Nathans Antwort.
11
Ja, Daja, Gott sei Dank. Doch warum endlich?

Nathans Antwort besteht hier aus 11 Silben und ist trotzdem als Blankvers zu deuten. Das liegt daran, dass wir deutlich das
Wechselspiel zwischen unbetonten und betonten Silben erkennen, die so eindeutig jambisch sind und – auch wenn es eine Silbe
mehr gibt –lediglich fünf Hebungen haben. Somit ist nur die Kadenz anders, als im ersten Beispiel, da der Auszug unbetont endet:
eine weibliche Kadenz.
11
υ–υ–υ–υ–υ–υ

Alle Beispiele verdeutlichen das grundsätzliche Prinzip. Der Blankvers ist folglich eine reimlose Verszeile mit alternierendem jambischen
Metrum, das aus 10 Silben bei einer männlichen und 11 Silben bei einer weiblichen Kadenz besteht und somit fünfhebig ist. Die Zäsur ist
dabei im Blankvers beweglich.

Die Zäsur im Blankvers

Als Zäsur wird eine (gedanklicher) Einschnitt innerhalb einer Verszeile bezeichnet. Das bedeutet, dass die Zäsur die Stelle im
Vers markiert, an der wir beim Sprechen eine Sprechpause machen. Somit gliedert sie einen Vers in Sprecheinheiten und
mitunter in Sinnabschnitte (→ Zäsur).
Die Position einer solchen Zäsur kann in einer Verszeile vorgeschrieben sein, wie beispielsweise beim eher
strengen Alexandriner (Zäsur nach der dritten Hebung), der die Barockdichtung bestimmte, oder beweglich sein, wie es beim
Blankvers der Fall ist, wo sie mitunter gar nicht auftaucht. Nehmen wir ein Beispiel.
Denn ach! | mich trennt das Meer von den Geliebten,

Das obige Beispiel ist dem ersten Aufzug von Goethes Iphigenie auf Tauris entnommen und ist aufgrund der Hebungen und
Senkungen sowie dem jambischen Metrum, das fünf Hebungen hat, ganz eindeutig als Blankvers zu erkennen. Die Zäsur wurde
farblich markiert und findet sich nach der ersten Hebung.
Vergleichen wir diesen Ausschnitt nun mit dem ersten Beispiel, das untersucht wurde, könnte uns auffallen, dass die Zäsur, also der
sprachliche Einschnitt, in den jeweiligen Blankversen an einer anderen Stelle sitzt: sie ist somit im Blankvers beweglich und taucht
teils überhaupt nicht auf (siehe zweite Zeile).
Er ist es! | Nathan! – Gott sei ewig Dank,
Daß Ihr doch endlich einmal wiederkommt.

Hinweis: Die bewegliche Zäsur im Blankvers lässt ihn sehr dynamisch und beweglich erscheinen, weshalb er vor allem in der Epoche
des Sturm und Drang, die sich gegen eine allzu starre Poetik wandte, den verbreiteten Alexandriner verdrängte und zum Vers des deutschen
Dramas wurde.
Ursprung der Blankverse

Nachdem wir nun auf den grundsätzlichen Aufbau des Blankverses und die freie Zäsur darin geschaut haben, möchten wir
einen Abriss über den Ursprung der Blankverse anbieten.
Der Blankvers findet seinen Ursprung in der englischsprachigen Dichtkunst und wurde vornehmlich von William Shakespeare in
seinen Dramen verwendet. Aber auch andere große englische Dramatiker wie beispielsweise Christopher Marlowe oder Ben Jonson
griffen ihn auf und verfeinerten den Blankvers.
Im Zuge einer euphorischen Aufnahme der Werke Shakespeares fand der Blankvers seinen Weg im 18. Jahrhundert in die
deutsche Lyrik und Dramatik. Er schien um ein vielfaches dynamischer, freier sowie beweglicher als der von Martin
Opitz eingeführte Alexandriner, der seit der Barockdichtung in allerlei Werken Verwendung fand und wandte sich somit gegen eine
starre Poetik.
Und so konnte es kommen, dass Gotthold Ephraim Lessing sein Drama Nathan der Weiseausschließlich in Blankversen verfasste
und eben nicht auf die dominierenden alexandrinischen Verszeilen auswich, was dem Blankvers in der deutschen Literaturlandschaft
zum endgültigen Durchbruch verhalf.
Fortan schrieben zahlreiche Autoren ihre Dramen in Blankversen und erklärten ihn somit indirekt zum eigentlichen Vers der
deutschen Dichtung und zum bestimmenden Element dramatischer Werke.

Wirkung und Funktion der Blankverse

Wie eingangs dargestellt, ist der Blankvers um ein Vielfaches dynamischer, also beweglicher, einzusetzen, da er keiner
starren Norm folgt. Allerdings hat der Siegeszug des Blankverses weitere Gründe, die maßgeblich mit seiner Funktion und
Wirkung zusammenhängen.
Kurzübersicht sowie Ausblick auf Wirkung und Funktion

 Der Blankvers folgt grundsätzlich einem recht eindeutigen Aufbau, da er beschreibt, dass eine Verszeile fünfhebig und
jambisch sein muss und weiterhin fünf Hebungen umfassen sollte.
 Diese Formgebung ist sehr flexibel, was vor allem im direkten Vergleich mit anderen Versformen oder Textarten auffällt.
Dies liegt vornehmlich darin begründet, dass es keine feste Zäsur gibt, die an einer bestimmten Stelle des Verses auftauchen
muss.
 Ein weiterer Grund ist mit Sicherheit die Reimlosigkeit des Blankverses, welche zwar durchaus aufgehoben werden kann,
aber dem Werk kein klares und starres Reimschema auferlegt.
 Diese Freiheiten ermöglichen es, den Blankvers mühelos in dramatische Werke zu übertragen und ihn somit aus dem
lyrischen Umfeld zu lösen und in ein prosaisches einzubetten, wobei dennoch ein sprachlicher Rhythmus existent ist.
 Dadurch entstehen zahlreiche Spielarten der Gestaltung. Goethe orientierte sich beispielsweise meist an eine eher starre Form
und wich selten vom metrischen Schema ab. Andere Dichter durchbrachen das Schema jedoch gekonnt. So lockerte Friedrich
Schiller seine Blankverse oftmals durch Enjambements (Zeilsprünge) auf und andere Dichter lösten sich von der jambischen
Struktur und setzten einen Trochäus an den Beginn einer Verszeile.
 In der Summe seiner Teile kann der Blankvers also dynamischer wirken und weniger, wie mitunter der Alexandriner, wie ein
Leierkasten. Durch die recht freie Gestaltung kann regelrecht Spannung in der Gestaltung erzeugt werden. Gerade dann,
wenn die Erwartung des Empfängers (Leser) durchbrochen wird oder durch eine gesetzte Zäsur unerwartete Pausen
entstehen oder eben schlagartig das Tempo beschleunigt respektive verlangsamt wird.

Blaue Blume
Die Blaue Blume gilt als wichtiges Symbol der Romantik (vgl. Literaturepochen) und wird demnach auch als die Blaue Blume
der Romantik bezeichnet. Sie steht stellvertretend für die romantische Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, Unendlichen
sowie Unbedingten, wobei sie außerdem oftmals als Verbindung von Mensch und Natur gedeutet wird. Darüber hinaus
entwickelte sich die Blaue Blume zu einem Symbol der Wanderschaft, das ebenso charakteristisch für die Epoche der
Romantik ist. Dieses Motiv lässt sich auf eine altdeutsche Sage zurückführen, die besagt, dass man des Nachts die blaue
Wunderblume finden könnte und dadurch reich belohnt werde. Folglich steht diese Wunderblume für eine Sache, die
schwierig zu erreichen ist, aber von vielen ersehnt wird. Dieses Motiv wird von Novalis, einem deutschen Dichter, in
seinem Romanfragment Heinrich von Ofterdingen aufgegriffen. Heinrich, der Protagonist des Werkes, wird von einer blauen
Blume angezogen, woraus sich in der Folge das Sehnsuchts-Symbol der Romantik ableitete.
Im Roman wird sehr deutlich, dass Novalis die Sage der Wunderblume bekannt war, wobei ein ganz anderes Ereignis sehr
wahrscheinlich für das Aufgreifen des Motivs ist. Am 17. November 1794 lernte Novalis die zwölfjährige Christiane Wilhelmine
Sophie von Kühn kennen und entschied – so berichtete er in einem Brief an seinen Bruder Erasmus – innerhalb
einer Viertelstunde über sein Leben, woraufhin es am 17. März 1795, dem dreizehnten Geburtstag Sophies, zum inoffiziellen
Verlöbnis der beiden kam.
In der Folge erkrankte Sophie allerding schwer an Schwindsucht (Tuberkulose) und konnte sich trotz mehrerer Operationen nicht
von der Krankheit erholen. Sophie erlag der Krankheit und verstarb am 19. März 1797 im Alter von fünfzehn Jahren. Novalis war,
als ihn die Nachricht erreichte, zu Tode erschüttert. Als er seinem Studienfreund Friedrich Schwedenstein, einem deutschen Maler,
vom Tod der Verlobten erzählte, sendete ihm dieser ein Aquarellgemälde, das vertrocknete blaue Kornblumen zeigte. Zwar ist das
Gemälde nicht erhalten, doch verarbeitete Novalis das Motiv in seinem Roman Heinrich von Ofterdingen.

Bild: Sophie und Novalis, mittig Die blaue Blume von Fritz von Wille (Symbolbild, 1941)

Im Romanfragment Heinrich von Ofterdingen geht es um einen sagenhaften – jedoch historisch bisher nicht belegbaren – Sänger
des 13. Jahrhunderts: Heinrich. Schon zu Beginn des Werkes erfährt man, dass den jungen Heinrich – noch vor der eigentlichen
Romanhandlung – ein Fremder aufgesucht hat und ihm von geheimnisvollen Fernen, prächtigen Schätzen und von
einer Wunderblume erzählt hat. Durch das Einführen ebendieser Wunderblume verweist Novalis auf die altdeutsche Sage, die besagt,
dass es in der Johannisnacht möglich sei, diese Wunderblume zu finden. Darüber hinaus besagt der Volksglaube, dass in der
Johannisnacht – eine Nacht vor der Sommersonnenwende – ein Blick in die Zukunft möglich sei.
Das erste Kapitel des Werkes beginnt damit, dass der junge Heinrich über die vorherige Begegnung und Erzählungen des Fremden
nachdenkt, wobei ein unaussprechliches Verlangen in ihm geweckt wird. Er sehnt sich nicht nach den Schätzen und Reichtümern,
sondern nach der blauen Blume, die der Fremde erwähnte und schläft über diesen Gedanken ein und beginnt zu träumen. Im Traum
findet er am Fuße eines Berges einen geheimnisvollen Höhleneingang, hinter dem sich ein Wasserbecken befindet, das er
durchschwimmt. Auf der anderen Seite angelangt, zieht er sich ans Ufer. Danach heißt es:
Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die […] ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte.
Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstliche Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue
Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen
und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stängel, die Blume neigte sich
nach ihm zu, und die Blütenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte. Sein süßes
Staunen wuchs mit der sonderbaren Verwandlung, als ihn plötzlich die Stimme seiner Mutter weckte […]
Novalis vereint in diesem Auszug mehrere Motive, die vorab mit der blauen Blume in Verbindung gebracht wurden. So verkörpert
sie – was schon in der altdeutschen Sage deutlich wurde – die Sehnsucht nach einer unerreichbaren Sache und darüber hinaus
erblickt Heinrich in der Blume ein zartes Gesicht. Dieses – so wird im Verlauf der Handlung gezeigt –ist das seiner späteren
Verlobten. Weiterhin wird hierbei das Menschliche mit der Natur verbunden, wenn sich die Pflanze in ein Gesicht verwandelt.
Darüber hinaus strotzt der Text vor typischen Symbolen der Romantik. In romantischen Werken werden häufig Schwellenmotive
genutzt, also Motive, die eine Grenze zwischen der Wirklichkeit und dem Traumhaften markieren, wie etwa die Dämmerung,
Mondschein, Zwielicht oder auch der Blick in die Ferne, der zumeist von einer ungeheuren Sehnsucht des lyrischen
Ichs / Protagonisten getragen wurde.

Deutung der Blauen Blume

Bisher wurde das Symbol der Blume in die Sagenwelt des Deutschen und in das Werk Novalis‘ eingeordnet. Mit diesem
Vorwissen ist es denkbar einfach, das Symbol, das in romantischen Werken häufig aufgegriffen wird, zu deuten. Hierbei ist
anzunehmen, dass die Vertreter der Strömung Novalis‘ Werk kannten und somit durch das bloße Benennen der blauen
Blume auf ebendiese Sehnsucht seines Protagonisten Heinrich anspielen. Folglich muss der Hintergrund nicht erläutert
werden und für den Leser ist ersichtlich, worauf mit der Nennung angespielt wird.
Folglich steht das Symbol der Wunderblume für eine ungeheure Sehnsucht nach einer unerreichbaren Sache. Teilweise ist nicht
einmal ersichtlich, woher diese Sehnsucht kommt. Fakt ist nur, dass sie den jeweiligen Protagonisten stets begleitet. Dieses
Schwanken zwischen dem Heimweh und Fernweh ist maßgeblich für die Epoche der Romantik. Dieses „Getriebenwerden“ ist auch
der Grund dafür, dass man in der Romantik von einem Wandermotiv spricht – der Mensch ist hierbei stets auf der Suche nach sich
selbst, einem unklaren Ziel und pendelt somit zwischen den Stationen des eigenen Lebens.
Darüber hinaus galt den Romantikern das Mittelalter als ideales Zeitalter der Geschichte, da in dieser Zeit alle Menschen
im mythischen christlichen Glauben vereint wurden und darüber hinaus das germanische Kulturgut präsent war, das das Leben durch
den Mythos und Sagen – und eben nicht durch die Wissenschaft und den Fortschritt – begründete. Im Mittelalter waren Mensch und
Natur eins und die Natur galt als eine unbändige, unerschöpfliche Kraft. Auch dieses Bild wird in Novalis‘ blauer Blume ersichtlich,
wenn Heinrich in ihr ein Gesicht erkennt und somit in der Natur das findet, was die Antwort auf seine eigene Sehnsucht ist. So heißt
es am Ende von Heinrich von Ofterdingen:
Ist mir nicht zumute, wie in jenem Träume, beim Anblick der blauen Blume? Welcher sonderbare Zusammenhang ist zwischen
Mathilden und dieser Blume? Jenes Gesicht, das aus dem Kelche sich mir entgegenneigte, es war Mathildens himmlisches Gesicht
[…] O! sie ist der sichtbare Geist des Gesanges […]. Sie wird mich in Musik auflösen. Sie wird meine innerste Seele, die Hüterin
meines heiligen Feuers sein. Welche Ewigkeit von Treue fühle ich in mir! Ich ward nur geboren, um sie zu verehren, um ihr ewig zu
dienen, um sie zu denken und zu empfinden. Gehört nicht ein eigenes ungeteiltes Dasein zu ihrer Anschauung und Anbetung? Und
bin ich der Glückliche, dessen Wesen das Echo, der Spiegel des ihrigen sein darf? Es war kein Zufall, daß ich sie am Ende meiner
Reise sah, daß ein seliges Fest den höchsten Augenblick meines Lebens umgab. Es konnte nicht anders sein; macht ihre Gegenwart
nicht alles festlich?
Im Roman endeckt der Protagonist eine blaue Blume im Traum, die für ihn zu seinem persönlichen Objekt der Sehnsucht wird und
ihn fortan antreibt. Um das zu erkennen, musste er allerdings zuvor in der Natur (Blume) das Gesicht (Ziel?) erkennen. Wer im
Traum erkennt, was seine tiefste Sehnsucht ist, erkennt sich letzten Endes selbst. Kurzum: die Wunderblume verkörpert die
Sehnsucht nach einer unerreichbaren Sache und nur durch das Erkennen des Selbst (in der Natur) wird das Ziel deutlich und –
jedenfalls in Novalis‘ Roman – führt letzten Endes zur Liebe. Wichtig ist, dass diese Erkenntnis des Selbst ein Ergebnis von Gefühl
und Reflektion ist und eben nicht von Rationalität und Wissenschaft. Folglich wird die Blume meist als Symbol der Liebe,
Sehnsucht, Unendlichkeit und Selbsterkenntnis interpretiert.

Die Blaue Blume in Kunst und Literatur

Das beschriebene Motiv wurde in zahlreichen Werken der Kunst verarbeitet. Aufgrund der großen Auseinandersetzung mit
ebendiesem Symbol reichte es in der Folge, die blaue Blume einfach zu zeigen oder zu benennen und so darauf zu verweisen,
worum es grundsätzlich ging. Nachfolgend eine Übersicht ausgewählter Werke, die das Symbol aufgreifen und bearbeiten.
Eines der bekanntesten Werke – neben dem Roman von Novalis – ist mit Sicherheit das Gedicht Die blaue Blume (1818) von Joseph
von Eichendorff, einem Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Das kurze Gedicht besteht aus drei Strophen, die jeweils
aus vier Versen gebildet werden und dabei dem Reimschema des Kreuzreims folgen. Eichendorffs Gedicht lautet folgendermaßen:
Die blaue Blume

Ich suche die blaue Blume,


Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.
Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au’n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.
Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.

In diesem Gedicht verweist das lyrische Ich auf ähnliche Aspekte, wie sie auch bei Novalis zu finden sind. Der erste Vers eröffnet,
dass es sich um eine Suche handelt, welche aber nicht erfolgreich ist. Darüber hinaus wird im dritten Vers auf den Traum verwiesen,
der realitätsübergreifend Wirklichkeit und Traumwelt verbindet. Allerdings – so scheint es dem Ich – würde das Finden der blauen
Blume das gute Glück bedeuten. Das gute Glück meint hierbei einen Lebenszustand in fortwährendem Glück.
Eichendorff bedient sich außerdem des Wandermotivs. Sein lyrisches Ich ist ständig auf der Suche nach der Wunderblume, kann sie
aber nirgends finden und sehnt sich danach. Die Verbindung zwischen Novalis‘ Text und Eichendorffs Gedicht ist demzufolge recht
eindeutig. Darüber hinaus findet sich bei Adelbert von Chamisso der Hinweis, dass er glaubt, im Harz die blaue Blume der
Romantik gefunden zu haben, wobei sie Heinrich Zschokke als Symbol der Liebe und Sehnsucht in der Novelle Der Freihof von
Aarau nutzt und E. T. A. Hoffmann erinnert an Novalis, indem er in Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes
Berganza die blaue Blume mit den heiligen Wundern der Naturgleichsetzt (vgl. Hommage).
Aber auch in der Malerei finden sich zahlreiche Werke, die mit dem Symbolhaften spielen und es aufgreifen. Hierbei besteht
allerdings die Gefahr, das jeweilige Kunstwerk überzuinterpretieren und eine Bedeutung zu sehen, die tatsächlich gar nicht enthalten
ist. Allerdings ist anzunehmen, dass den meisten Künstlern, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Romantik stehen, das
Symbol geläufig ist und das Zeigen von blauen Blumen somit auf das bekannte Sehnsuchts- und Liebessymbol anspielt.

Ausschnitt: Der Morgen von Philipp Otto Runge

Das obige Beispiel zeigt einen Ausschnitt des Gemäldes Der Morgen von Philipp Otto Runge. Das Bild zeigt eine verklärte
Landschaft, die in der Morgendämmerung erwacht. Inmitten des Bildes findet sich eine weibliche Figur, aus deren Händen eine
blaue Lilie wächst. Runge versucht hierbei, eine romantisch-mystische Vision darzustellen und verweist durch die Blaue Blume und
durch das Verwischen der Grenzen von Tag und Nacht auf wesentliche Merkmale der Romantik (→ Vollansicht von „Der
Morgen“).
Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick

 Die Blaue Blume ist ein Symbol der Epoche der Romantik und steht für die Sehnsucht nach Unerreichbarem, Unendlichem
sowie Unbedingtem. Sie wird außerdem häufig als Symbol der Liebe, Sehnsucht, Unendlichkeit und Selbsterkenntnis
interpretiert, steht aber auch für die Verbindung von Mensch und Natur und verbindet Realität mit Traumhaftem.
 Dieses Motiv lässt sich auf eine altdeutsche Sage zurückführen, die besagt, dass man des Nachts die blaue Wunderblume
finden könnte und dadurch reich belohnt werde. In der Folge griff Novalis, ein romantischer Dichter, dieses Motiv in seinem
Roman Heinrich von Ofterdingen auf und belegte es dabei mit den beschriebenen Eigenschaften, die von vielen Autoren
eingesetzt wurden und die Merkmale einer ganzen Epoche verdeutlichten.
 Hinweis: Dieses Symbol wurde nachfolgend für den Inbegriff der deutschen Dichtung und wurde teilweise sogar synonym für
diese gebraucht. Beispielsweise gab es 1968 innerhalb der Studentenbewegung die Losung „Schlagt die Germanistik tot,
färbt die blaue Blume rot!“, wobei die blaue Blume für die deutsche Literatur stand, die wiederum für die Germanistik stand
(vgl. Pars pro toto), welche als erstarrte Wissenschaft galt. Diese Starre sollte durch das Motto angeprangert und der
Wunsch nach Veränderung zum Ausdruck gebracht werden.

Bluette
Die Bluette, auch Blüette, ist ein kleines, witzsprühendes Bühnenstück sowie im weitesten Sinn eine dramatische Kleinigkeit
oder ein kleines musikalisches Tonwerk. Zumeist ist damit aber das witzige Bühnenstück gemeint, das in der Regel nur aus
einem Akt besteht, teils einen satirischen Charakter hat und in der Regel auf eine Pointe zugespitzt wird. Belegt ist die
Bezeichnung darüber hinaus für ein Gedicht, das sich durch Kürze und Witz auszeichnet und wird auch selten
auf Novellen angewandt.
Der Begriff geht auf das französische Verb bluetter zurück, das sich mit Funken sprühenübersetzen lässt, wobei sich aus diesem
das Nomen bluette ableitet, das für eine harmlose Liebesgeschichte, einen Feuerfunken oder einen witzigen Einfall steht. Folglich
verweist bereits die Übersetzung des Wortes darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um einen witzigen und kurzen Einfall,
der künstlerisch dargestellt wird. Im übertragenen Sinne handelt es sich folglich um einen Geistes- oder eben Witzfunken.
Als Beispiel Le moineau de Lesbie kann von Armand Barthet (1820-1874) angeführt werden, eine einaktige Komödie in Versen aus
dem Jahr 1849. Barthet, ein französischer Schriftsteller und Dichter, verfasste neben Lyrik und Prosa mehrere dramatische Einakter.
Allerdings gilt Le moineau de Lesbie, das er für die berühmte Elisa Rachel schrieb, als sein bekanntestes Werk, das sich vor allem
durch pointierten Witz auszeichnet.

Bonmot
Das Bonmot ist eine geistreiche Äußerung, Bemerkung oder Wendung, ein witziger Ausdruck oder ein Witz-Wort, das in der
jeweiligen Gelegenheit treffend passt. Das Bonmot findet sich prinzipiell in der gesprochenen Sprache, wobei es in
allen literarischen Gattungen durch die Figurenrede vermittelt werden kann. Die schriftliche Entsprechung ist der
Aphorismus.
Das Bonmot lässt sich aus dem Französischen ableiten und ist eine Zusammensetzung der Wörter bon und mot, welche sich
mit gut und Wort übersetzen lassen. Das Bonmot ist also ein gutes Wort. Die Übersetzung zeigt deutlich, worum es hierbei geht: eine
gute Formulierung [die geistreich oder auch witzig ist].
Bonmots sind folglich ein Bestandteil der sprachlichen Auseinandersetzung und sind ein Zeichen von Geist
sowie Eloquenz (Sprachgewandtheit) des Sprechenden, weshalb sie im weitesten Sinne auch als Stilmittel verstanden werden
können, auch wenn sie eher spontaner und schlagfertiger Natur sind.
Hier findet sich außerdem der Unterschied zwischen Aphorismus und Bonmot. Denn der Aphorismus ist eine schriftliche Äußerung,
der mitunter eine Erkenntnis innewohnt, wohingegen das Bonmot eine schlagfertige und sprachliche Äußerung ist, die vornehmlich
zur Unterhaltung der Gesprächspartner dient.
Das Bonmot am Beispiel erklärt
Der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer wird von einem Journalisten
gefragt, ob er ihn zu seinem 100. Geburtstag erneut fotografieren könne.
Adenauer: Warum denn nicht, Sie sehen doch ganz rüstig aus!

Das obige Beispiel macht deutlich, inwiefern ein Bonmot für sprachliche Schlagfertigkeit steht, weil es die unmittelbare Erwiderung
auf die vorangegangene Frage des Journalisten ist und zeigt außerdem, weshalb solche Dinge nur im wörtlichen Austausch oder der
Figurenrede funktionieren. Wäre das Ganze schriftlich ausgearbeitet worden, würden wir hierbei nicht von Schlagfertigtkeit und
Wortwitz sprechen können.
Der Wortwitz entsteht hierbei, weil der Journalist den in die Jahre gekommenen, also älteren, Adenauer befragt und jünger als
dieser ist. Folglich fragt er ihn eigentlich, ob er denkt, noch 100 Jahre alt zu werden, weshalb die Erwiderung Adenauers, die auf das
Alter des Journalisten anspielt, als schlagfertige Antwort anzusehen ist und so als Bonmot zu verstehen ist. Der Kontext der
Äußerung ist somit entscheidend.
„Wie viele Inseln gibt es im Ägäischen Meer, und wie heißen sie?“
„Es gibt viele Inseln im Ägäischen Meer, und ich heiße Robert Gernhardt.„

Diese Äußerung stammt vom deutschen Schriftsteller Robert Gernhard und erinnert an ein berühmtes Zeugma von Heinz
Erhardt („Ich heiße nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen.“) Auch hier entsteht die Schlagfertigkeit und
der Wortwitz erst durch die unmittelbare Gesprächssituation, weshalb das Bonmot auch in diesem Beispiel erst im Zusammenhang
der Äußerung entsteht.
Reporter: Mr. Gandhi, what do you think of Western Civilization?
Gandhi: I think it would be a good idea!
———————
Reporter: Herr Gandhi, was denken sie über die westliche Zivilisation?
Gandhi: Ich denke, das wäre eine gute Idee (Sache)!

In diesem Beispiel wird Gandhi, einer der bedeutendsten Pazifisten, Morallehrer und Revolutionäre des 20. Jahrhunderts, gefragt,
was er von der westlichen Zivilisation halte. Der Fragende erwartet hierbei eine Stellungnahme oder Einschätzung der Lage.
Gandhis Antwort ist schlagfertig und witzig, da sie die Frage verkehrt, indem er sagt, dass Zivilisation im Westen eine großartige
Sache wäre, wobei er indirekt sagt, dass der Westen nicht zivilisiert ist. Auch hier entsteht das Bonmot erst im Kontext des Dialogs.

Unterschied zwischen Bonmot und Aphorismus

Eine klare Trennung zwischen Bonmot und dem schriftlichen Gegenstück des Aphorismus ist nicht wirklich möglich, wobei
durchaus Unterschiede zwischen beiden Ausdrücken bestehen.
Der Aphorismus ist ein einzelner Gedanke, der in einem Satz oder wenigen Sätzen besteht und formuliert dabei eine Einsicht oder
besondere Erkenntnis, weshalb er als rhetorisch wertvoll und kunstreich verstanden werden kann. Theodor Fontane formulierte dies
folgendermaßen:
Ein guter Aphorismus ist die Weisheit eines ganzen Buches in einem einzigen Satz.

Diese Aussage ist folglich selbst als Aphorismus zu verstehen, da sie kunstreich und in nur einem Satz das Wesentliche über
Aphorismen zum Ausdruck bringt und dabei selbständig bestehen kann.

Das Bonmot ist grundsätzlich ähnlich zu verstehen und da es uns meist schriftlich überliefert wird, scheint es beinahe identisch zu
sein. Der wesentliche Unterschied ist jedoch, dass der Aphorismus in schriftlicher, überlegter Form besteht und das Bonmot eine
schlagfertige und witzige Erwiderung oder Bemerkung ist.
Das Wichtigste zum Bonmot im Überblick

 Das Bonmot ist eine sprachliche Äußerung, die als besonders treffend, witzig oder kunstvoll empfunden wird. Folglich kann
es eigentlich nur im Gespräch oder der Figurenrede bestehen.
 Folglich wird es als Schlagfertigkeit des Redners betrachtet und spricht für einen gewissen Geist und Eloquenz, da eine
solche Erwiderung einerseits sprachliches Feingefühl voraussetzt und andererseits eine genaue Kenntnis des
Zusammenhangs.
 Der wesentliche Unterschied zwischen Bonmot und Aphorismus ist, dass der Letztgenannte vor allem in schriftlicher,
überlegter Form besteht und nicht spontan geäußert wird.

Botenbericht
Als Botenbericht wird ein technisches Stil- sowie Hilfsmittel im Drama bezeichnet. Dieser Botenbericht meint den Umstand,
dass eine Figur (Bote) die Handelnden des Werkes sowie den Zuschauer über ein zurückliegendes Geschehen in Kenntnis
setzt. Dieses Ereignis ist für den weiteren Handlungsverlauf entscheidend, kann aber nicht auf der Bühne dargestellt
werden; entweder weil die Situation zu komplex ist oder gegen Einheit von Ort, Zeit und Handlung verstoßen würde (siehe
unten).
Ein solcher Botenbericht kommt demnach dann zum Einsatz, wenn etwas auf der Bühne gezeigt werden soll, was eigentlich nicht
darstellbar wäre. Denkbar ist zum Beispiel ein großes Schlachtgetümmel, eine gewaltige Naturkatastrophe, eine brutale Hinrichtung
oder auch ein pornografisches Szenario (vgl. Teichoskopie).
Jedoch hat die Form des Berichts noch ein weiteres Merkmal, was ursächlich für die häufige Verwendung im Drama ist: der
Botenbericht macht es nämlich möglich, eine unmittelbare Reaktion auf ein Ereignis zu erleben. Indem der Bote die Nachricht
überbringt, die bereits geschehen ist, erlaubt die Bühne nun eine direkte Reaktion der Handelnden. Demzufolge sind gleichzeitige
Ereignisse beinahe darstellbar.
Übersicht: Die wesentlichen Merkmale des Botenberichtes

 Botenberichte dienen dazu, ein Geschehen zu vermitteln, das nicht unmittelbar gezeigt werden kann. Das kann verschiedene
Gründe haben. Entweder wäre es zu kompliziert und würde den Rahmen einer Bühne sprengen oder es verstößt gegen die
drei Aristotelischen Einheiten oder aber es geht darum, eine Art der Gleichzeitigkeit verschiedener Ereignisse zu zeigen.
 Oft ist der Bericht des Botens mit einem anderen Moment im Drama verknüpft. Beispielsweise wird durch das Berichtete
die Peripetie (Wendepunkt)eingeleitet, die mit der Anagnorisis (das Wiedererkennen; das Erkennen der tatsächlichen
Lage) verbunden sein kann. Weiterhin kann der Botenbericht unmittelbar das Schicksal des Protagonisten beeinflussen.
 Die Form des Botenberichtes ist meist eine Art Monolog des Boten. In einigen Fällen ist es auch ein Dialog. Hier geht es
meist um ein Wechselspiel aus Frage und Antwort. Weiterhin ist das Element charakteristisch für ein geschlossenes Drama,
das sich an den Forderungen der aristotelischen Poetik grundsätzlich orientiert.
Botenbericht und die drei Aristotelischen Einheiten

Die drei Aristotelischen Einheiten sind grundsätzliche Prinzipien oder auch Regeln, um ein Drama zu gestalten. Sie gehen
auf Äußerungen zurück, die Aristoteles in seiner Poetik formulierte. Es geht darum, dass Zeit, Raum und Handlung im
Drama einheitlich bleiben sollen. Es soll also keine Nebenhandlungen, Ortsveränderungen oder Zeitsprünge innerhalb des
Werkes geben.
Natürlich stößt die Handlung, wenn sie strikt diesen Vorgaben folgt, schnell an ihre Grenzen. Deshalb wurden jede Menge Kniffe
und Stilmittel erdacht, um eben diese Forderungen einhalten zu können und dennoch auf Nebenhandlungen oder Vorhergegangenes
verweisen zu können. Hierbei kommt dem Botenbericht eine bedeutende Funktion zu. Dieser kann nämlich den Raum und außerdem
die Zeit teilweise überbrücken.
Der eigentliche Kniff ist demnach, dass der Bote von einem Sachverhalt berichtet, der in der Vergangenheit und außerdem an
einem anderen Ort stattgefunden hat. Da der Bote als Vermittler auftritt und die Handelnden im Augenblick darüber informiert,
werden die Aristotelischen Einheiten eben nicht gebrochen.

Beispiel des Botenberichtes

In vielen Dramen kommt ein solcher Bericht zum Einsatz. Diese Botenberichte können allerdings sehr unterschiedlich
ausfallen. Zur Veranschaulichung wollen wir auf ein ausgewähltes Beispiel schauen.
Es handelt sich um eine Szene aus der Antigone, einer Tragödie des griechischen Dichters Sophokles. In der dritten Szene tritt ein
Bote vor Kreon, den Herrscher Thebens. Zuvor hatte Kreon untersagt, den Polyneikes, welcher gegen die Stadt Krieg führte, zu
bestatten. Nun erfährt er durch den Boten, der von der Schlacht berichtet, dass genau das eingetroffen ist. Daraus ergibt sich die
eigentliche Handlung der Tragödie.

Brachylogie
Als Brachylogie wird eine knappe sowie gedrängte Ausdrucksweise bezeichnet. Demnach meint Brachylogie die Fähigkeit,
mit einem minimalem Wortaufwand das Maximum an Aussagekraft zu erzielen und somit die Wirkung eines literarischen
Textes zu verdichten. Sie ist folglich ein Stilmittel der Rhetorik und
ähnelt Ellipse, Aposiopese, Syllepse, Apokoinu und Zeugma.
Der Begriff Brachylogie stammt aus dem Griechischen (brachys ~ kurz, logos ~ Wort) und lässt sich in etwa mit Kurzwortigkeit oder
auch Kürze im Ausdruck übersetzen. Demnach zeigt die Übersetzung exemplarisch, worum es hier geht: nämlich um eine kurze und
knappe Ausdrucksweise. Schauen wir auf ein Beispiel.
WALTER: – – – Kann jemand anders hier im Orte nicht – ?
ADAM: Nein, in der Tat –
WALTER: Der Prediger vielleicht.
ADAM: Der Prediger? Der –
WALTER: Oder Schulmeister.

Dieser Auszug stammt aus dem Lustspiel Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist und zeigt uns einen Dialog zwischen dem
Dorfrichter Adam und dem Gerichtsrat Walter. Im Text werden bestimmte Satzglieder ausgelassen, die für den Leser jedoch nicht
unbedingt zum Verständnis notwendig sind.
Die fehlenden Elemente kann der Empfänger (Leser, Zuschauer) nämlich selbst erschließen, wenn er den Zusammenhang des Textes
kennt und die fehlenden Bausteine somit im Kopf zusammenfügt und ergänzt. Folglich meint Brachylogie nicht nur das Verkürzen
des Textes, sondern die künstlerische Fähigkeit, mit minimalem Wortaufwand das Maximum an Aussage zu erzielen.
Das Tröpflein wird das Meer, wenn es ins Meer gekommen;
Die Seele Gott, wenn sie in Gott ist aufgenommen.

Das obige Beispiel stammt von Angelus Silesius, einem deutschen Lyriker, Theologen und Arzt der Barockzeit, und ist seinem
Werk Der cherubinische Wandersmann entnommen, das vornehmlich aus zweizeiligen Sprüchen besteht, die
in Alexandrinern verfasst sind.
Hierbei fehlt das Wort wird (farblich Markierung), das durch den Leser selbst erschlossen werden kann, da es im unmittelbaren
Kontext der Verse schon aufgegriffen wurde, weshalb der Satzsinn durchaus klar und verständlich ist. Demnach kann das Auslassen
von wird als Form der Brachylogie gelten.

Brachylogie und verwandte rhetorische Stilmittel

Wie eingangs erwähnt, ist die Brachylogie mit zahlreichen anderen Stilfiguren verwandt, die auf dem Auslassen von
Satzbestandteilen fußen. Zur Unterscheidung möchten wir diese vorstellen.

 Ellipse: Meint grundsätzlich das Fehlen bestimmter Satzteile, die sich jedoch im Zusammenhang durch den Empfänger
rekonstruieren lassen. Demnach ist die Brachylogie stets eine Ellipse.
 Syllepse: Beruht auf der Einsparung eines Elements, um den Satz zu verkürzen. Sie ist somit die syntaktisch unkorrekte
Verbindung eines Wortes (Satzteiles) mit mehreren in Person, Numerus, Genus oder Kasus ungleichen
Wörtern (Satzteilen). (Beispiel:“Die Rede wurde gehalten und zahlreiche Beispiele gezeigt.“)
 Aposiopese: Ist das Abbrechen eines Satzes, wobei das Wesentliche, also die grundsätzliche Aussage des Satzes,
verschwiegen wird und somit durch den Leser ergänzt werden muss. (Beispiel:“Ich hätte ihn einfach – !“)

Apokoinu: Ist ein rhetorisches Stilmittel der Worteinsparung. Hierbei gibt es eine Doppelbeziehung von einem Satzteil oder Wort
auf etwas Vorhergehendes sowie Folgendes. (Beispiel:“Was sein Pfeil erreicht, das ist seine Beute, was da kreucht und fleucht.“ ~
Der Mittelteil, das ist seine Beute, bezieht sich auf die umschließenden Textteile.)

 Zeugma: Ein Wort (meist ein Verb) bezieht sich auf verschiedene Teile eines Satzes. Demnach wird die
gemeinschaftliche Wortart zweier Sätze in einer Satzverbindung doppelt gebraucht (Beispiel:“Er schlug die Scheibe und den
Weg nach Hause ein.“).

Wirkung und Funktion von Brachylogie

Grundsätzlich ist es natürlich schwierig, einer Stilfigur eine eindeutige Wirkung nachzuweisen. Dann laufen wir nämlich
Gefahr, das Ganze nur noch auf diese Wirkungsweise zu reduzieren. Dennoch möchten wir Ihnen einige Vorschläge zum
Effekt der Brachylogie machen.

 Brachylogie kann einen Text durchaus hektischer erscheinen lassen, gerade in Form des Dialogs, wird durch den Einsatz
Geschwindigkeit vermittelt.
 Weiterhin ist sie die Reduktion auf das Wesentliche. Das kann einerseits bewirken, dass eine Aussage verstärkt wird und
somit eindringlicher wirkt und andererseits die Aussagekraft steigern.
 Oftmals wird Brachylogie in der Literatur auch verwendet, um Umgangssprache nachzuahmen. Diese zeichnet sich oft durch
Auslassungen von Wörtern und dem Abbrechen von Sätzen aus.
 Aber vor allem in Dialogform kann nicht nur Hektik, sondern auch eine innere Zerrissenheit der Protagonisten ausgedückt
werden. Es wirkt so, als würden wir Zeuge der Gedanken werden.

Bramarbas
Als Bramarbas wird eine Typenfigur des Dramas bezeichnet. Bramarbas ist eine Figur, die gern mit ihren Taten und
Fähigkeiten prahlt, im Eigentlichen allerdings nichts tut, was dieses Prahlen rechtfertigt. Folglich handelt es sich um einen
Prahler und Maulhelden, der zumeist im Rang eines Offiziers im Stück erscheint. Eindeutig und erstmalig benannt wird die
Figur im anonymen Gedicht Cartell des B. an Don Quixote, das sich im Anhang des Werkes Vermischte Gedichte (1710) von
Johann Burckhardt Menckes findet. Der Figurentypus ist allerdings sehr viel älter.
Der Begriff geht wahrscheinlich auf das spanische Verb bramar zurück, das sich mit schreien übersetzen lässt. Diese Herleitung
würde darüber hinaus einige Hinweise geben, worum es grundsätzlich geht, denn Bramarbas ist in der Literatur ein lautstarker
Prahlhans, der den lieben, langen Tag schwadroniert, also laut, prahlerisch und wortreich von etwas erzähl, wenn er nicht
aufgehalten oder unterbrochen wird.
Unsere literarische Landschaft ist mit solchen Typenfiguren reich bevölkert. In der Literaturwissenschaft meint ein solcher Typus
eine mit feststehenden Merkmalen versehene Figur, die zumeist in Komödien (vgl. Lustspiel) auftritt. Man kennt hierbei etwa die
lustige oder komische Person, wie etwa Hanswurst und den Harlekin, oder auch den Bösewicht sowie den einsamen Denker,
welcher sich zum Grübeln in den Elfenbeinturm zurückzieht. Folglich gibt es unterschiedliche Typen, deren Eigenschaften vorab
klar sind.
Bramarbas taucht namentlich erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf. Allerdings findet sich der Figurentypus des prahlenden,
lauten Aufschneiders bereits viele Literaturepochen zuvor. Beispielsweise ist Miles Gloriosus (lat.: glorreicher Soldat) mit
Bramarbas vergleichbar und taucht in verschiedenen antiken Werken auf, wie etwa als General Lamachos in Aristophanes‘ Die
Acharner (425 v. Chr.) und in der Person Pyrgopolynices in Miles Gloriosus(ca. 206 v. Chr.) von Plautus. Ähnliches verkörpern
auch Cpt. Horribilicribrifax und Capitain Daradiridatumtarides in Andreas Gryphius‘ Horribilicribrifax Teutsch (1663), wobei es
auch in der italienischen Commedia dell’arte ein entsprechendes Pendant gibt: il Capitano.

Bild: Darstellungen von Il Capitano, der Entsprechung Bramarbas in der Commedia dell’arte.

Buchdeckel
Die Buchdeckel sind zwei Teile des Bucheinbandes. Die Buchdeckel schützen den Buchblock, also die Seiten des Buches, vor
Beschädigung, Stößen und Beschmutzung. Sie werden durch den Buchrücken miteinander verbunden. Man unterscheidet
zwischen Frontdeckel, auch Vorderdeckel und Cover, der die Vorderseite des Buches schützt und Rückdeckel. Die Buchdeckel
ragen meist etwas über den Buchblock und sind zum Zweckes des Schutzes aus härteren Materialien (Graupappe, Karton).
Im Mittelalter waren solche Deckel noch vornehmlich aus Holz gefertigt und wurden teilweise sehr aufwändig durch Vergoldungen
und Verzierungen aufgewertet. Heutzutage sind vor allem Pappdeckel verbreitet, wobei auch Bezüge aus Leder, Gewebe, Papier
oder Kunststoff üblich sind. Moderne Buchdeckel sind häufig mit Bildern oder Schriften bedruckt, wobei ganz verschiedene
Techniken zum Einsatz kommen (Offsetdruck, Siebdruck, Prägedruck, Drucklacken sowie Stanzungen).
Demnach verweist der Vorderdeckel heutzutage zumeist auf den Titel des Buches,wird teils durch eine Illustration verziert und
trägt den Namen des Autoren sowie des Verlages. Bücher in festem Einband werden außerdem sehr häufig mit einem
Schutzumschlag versehen, dessen eingeklappte Enden Raum für den Klappentext bieten sowie eine aufwändige Gestaltung
ermöglichen und noch stärkeren Schutz bieten.

Ursprünge des Buchdeckels

Ehemals bestanden Bücher ausschließlich aus einigen Lagen Papier, die entweder gerollt wurden oder gefaltet. Dieses wurde
durch drei oder auch vier Kolumnen(Spalten) unterteilt, wobei nur sehr selten ein Schutzumschlag den Inhalt vor Stößen,
Verschmutzungen oder Beschädigungen schützte.
Doch bereits im christlichen Alterum (ungefähr bis 311 n. Chr.) führte die Verehrung des heiligen Wortes dazu, dass einige
Schriften rein äußerlich kunstvoll verziert wurden. Teilweise gehörte ein kostbar eingebundener Evangeliencodex zum ständigen
Schmuck auf Kirchenaltären. Diese Einbände gingen auf die kunstvollen Elfenbeindiptychen zurück, zwischen die einzelne
beschriebene Pergamente gelegt wurden.
Diese anfänglichen Buchdeckel bestanden somit aus Holz, auf dem die edlen Elfenbeintäfelchen mit Nieten befestigt wurden.
Diese Tafeln wurden teilweise mit Silber- oder Goldblech umrandet, in welches sehr häufig Perlen oder auch Edelsteine eingelassen
wurden. Jeder dieser hochwertigen Buchdeckel war demnach ein Unikat, da er seinen eigenen Schmuck und individuelle
Verzierungen aufwies.
Übersicht: Das Wichtigste im Überblick
 Die Buchdeckel sind ein Teil des Einbandes eines Buches. Sie unterteilen sich in Vorderdeckel und Rückdeckel. Diese
Deckel haben die Funktion, das Buch vor Stößen, Verschmutzung oder Beschädigung zu schützen, geben aber auch Raum für
Illustrationen und Beschriftungen.
 Sie bestanden früher aus Holz und werden heutzutage vornehmlich aus Graupappe oder Karton gefertigt. Dennoch können sie
mit den unterschiedlichsten Materialien bezogen werden. So kommen beispielsweise Bezüge aus Leder, Gewebe, Papier oder
Kunststoff zum Einsatz.

Buchrücken
Als Burchrücken wird die Hinterseite eines Buches bezeichnet. Diese Hinterseite ist sichtbar, wenn ein Buch im Regal steht.
Der Buchrücken hält durch Leimung oder Bindung den Buchblock und somit die einzelnen Seiten eines Buches. Um den
Buchrücken ist oft ein Schutzumschlag geschlagen, dessen eingeklappten Enden als Klappentext bezeichnet werden. Die
Vorderseite eines Buches wird Cover, Frontdeckel und Vorderdeckel genannt, der
abschließende Buchdeckel als Rückdeckel bezeichnet.
Ein Buchrücken kann gerade oder abgerundet sein und trägt in der Regel als Beschriftung einen Verweis auf den Titel des Buches,
den Autor sowie den Verlag. Diese Beschriftung kann waagerecht oder senkrecht sein. Bei einer senkrechten Beschriftung ist es im
deutschen Buchhandel üblich, den Buchrücken von unten nach oben zu beschriften. Im amerikanischen Markt ist es übrigens genau
andersherum.

Beschriftung des Buchrückens

Wie beschrieben, kann die Beschriftung entweder waagerecht, also von links nach recht, oder aber senkrecht sein. Ist sie
senkrecht, kann entweder von unten nach oben oder von oben nach unten beschriftet werden. Beide Varianten haben
Vorzüge, weshalb die Entschidung selten zufällig ist.
Im deutschen Raum ist der Buchrücken zumeist waagerecht, also von links nach rechts, oder von unten nach oben beschriftet. Das
liegt darin begründet, dass der Titel, wenn das Buch im Regal steht, in der Regel meist besser zu lesen ist, da meist von rechts auf
das Buch geschaut wird, da das Cover auch betrachtet wird.
Ein weiterer Vorteil ist hierbei, dass das Cover des Werkes direkt sichtbar ist, wenn es aus einem Bücherregal gezogen wird. Lesen
wir nämlich von oben nach unten und ziehen das Buch aus dem, Regal, würden wir nur den Rückdeckel sehen. Demzufolge
erleichtert eine Beschriftung von unten nach oben das Auffinden eines Buches im Bücherregal.
Im amerikanischen Buchhandel und auch bei Zeitschriften und Magazinen wird jedoch häufig von oben nach unten
geschrieben. Die Überlegung ist hierbei, dass sich der Schriftzug in einem Bücherstapel besser lesen lässt, wenn die Bücher oder
Magazin aufeinander in einem Buchladen gestapelt werden. Diese Vorgehensweise ist also verkaufsorientierter, wobei der
Buchrücken im Stapel besser zu lesen ist.
Übersicht: Das Wichtigste und weitere Hinweise zum Thema

 Der Buchrücken ist Teil des Einbandes eines Buches und hält den Buchblock, also die einzelnen Seiten, zusammen. Der
Einband besteht aus Cover, Rückdeckel und dem Rücken. Beschriftet ist er entweder waagerecht oder senkrecht. Bei
senkrechter Schreibung wird in Deutschland zumeist von unten nach oben geschrieben.
 Im Jahr 1985 wurde durch eine internationale Norm (ISO 6357, Spine titles on books and other publications) festgelegt, dass
die Beschriftung rechtsdrehend sein müsse. Allerdings hält sich kaum ein Verlag an die Vorschrift. Die
Beschriftungsrichtlinie hat sich also nicht durchgesetzt.
 Hinweis: Die Bezeichnung ist übrigens eine Katachrese. Das bedeutet, dass eine sprachliche Lücke durch einen Begriff aus
einem entfernten Bedeutungsumfeld geschlossen wurde. Der Rücken meint eigentlich einen anatomischen Begriff und wurde
auf das Buch angewandt. Ähnlich verhält es sich mit dem Schlüsselbart und dem Tischbein. (vgl. Neologismus)

Buchstabe
Als Buchstabe wird das Zeichen einer Schrift bezeichnet. Dieses Schriftzeichen steht stellvertretend für einen Laut, eine
Lautfolge oder eine Lautverbindung der jeweiligen Sprache. Demzufolge dienen Buchstaben der Verschriftlichung einer
Sprache. Die Gesamtheit der einzelnen Buchstaben einer Sprache ergibt das Alphabet. Die Laute (Phonem) werden also in
Zeichen (Graphem) fixiert.
Die Herkunft des Begriffs ist nicht gänzlich geklärt. Dennoch gibt es einige Ansätze. So wird der senkrechte Hauptstrich der Rune,
einem alten Schriftzeichen der Germanen, als Stab bezeichnet. Demnach heißt das Schriftzeichen, das für eine Rune steht,
Runenstab. Daraus folgt, dass die Schriftzeichen, die in Büchern vorkommen, als Buchstaben bezeichnet werden.
Eine weitere Erklärung geht auf die Fixierung der einstigen Schriftzeichen zurück.Runen wurden, wenn sie aufgeschrieben
wurden, in dünne Holztäfelchen geritzt. Dafür eignete sich vor allem das Holz der Buche und der Esche. Die Runen wurden
demnach in hölzerne Stäbe geritzt, woraus sich letzten Endes die Bezeichnung Buchstabe ableiten lässt. Allerdings ist keiner der
beiden Theorien gesichert.
Hinweis: Wolfgang Pfeifer führt im Etymologisches Wörterbuch des Deutschen an, dass es tatsächlich unwahrscheinlich sei, dass es einen
Zusammenhang zwischen Buchstabeund Buche gibt. Denn die Bezeichnung ist allenfalls für die Schriftzeichen eines Buches belegt, nicht im
Zusammenhang mit germanischen Runen. Das würde für die erste der angeführten Theorien sprechen.
Buchstaben zum Buchstabieren

Schwierige Wörter sowie Fachbegriffe werden dem Gegenüber sehr häufigbuchstabiert, so dass keine Fehler beim Schreiben
gemacht werden. Vor allem am Telefon, bei uneindeutigen Namen oder bei sehr komplizierten Wörtern des Diktats wird auf
diese Methode zurückgegriffen. Buchstabieren bedeutet, dass das Wort buchstabenweise diktiert wird. Dafür können
Buchstabiertafeln genutzt werden.
Solche Buchstabiertafeln ermöglichen eine höchstmögliche Genauigkeit in Bezug auf das Verständnis des buchstabierten Wortes. Im
Gegensatz zum gewöhnlichen Buchstabieren, wobei ein Wort Buchstabe für Buchstabe diktiert wird, werden hierbei ganze Wörter
mit dem jeweiligen Anfangsbuchstaben genannt.
Buchstabiertafeln kommen vor allem im Sprechfunk zum Einsatz, um auch bei einer schlechten Verbindung möglichst genau
buchstabieren zu können. Aus diesem Grund haben die jeweiligen Wörter solcher Tafeln mehrere Silben, so dass kein Buchstabe
untergeht. Als Beispiel folgt nun das NATO phonetic alphabet.

Buchstaben im Deutschen

Das deutsche Alphabet hat 26 Buchstaben, hinzu kommen die drei Umlaute und das Eszett (ß). Diese unterteilen sich in
die Konsonantenbuchstaben und dieVokalbuchstaben. Eine solche Unterteilung basiert auf der Artikulation, also
Aussprache, der einzelnen Buchstaben.
Vokalbuchstaben sind Schriftzeichen, welche den Vokalen (a, e, i, o, u) entsprechen, weiterhin zählen hier die
Umlaute ä, ö, ü sowie das y dazu. Als Vokale werden sämtliche Laute bezeichnet, bei denen die Luft ohne Hemmnis aus dem
Mundraum des Sprechenden entweichen kann. Der Luftstrom wird also nicht behindert, weshalb sich der Sprechapparat weder
verengt noch verschließt.
Das Gegenstück hierzu bilden die Konsonantenbuchstaben, welche alle anderen Zeichen des Alphabets umfassen. Die
Besonderheit ist hierbei, dass der Luftstrom beim Sprechen der Konsonanten ein Hemmnis überwinden muss. Ein solches Hemmnis
wird als Hemmstelle bezeichnet.
Die einzelnen Konsonanten einer Sprache lassen sich unterscheiden, indem geprüft wird, an welcher Stelle des Sprechapparats
dieses Hemmnis sitzt. Sprechen wir ein p, fällt auf dass wir es mit den Lippen bilden, sprechen wir ein n, wird der Laut am
Zahndamm gebildet. Das gilt auch für das d im Nomen Dach.
Wer das ganze Alphabet durchprobiert, bemerkt, dass es ganz unterschiedliche Orte im Mundraum gibt, die beim Artikulieren der
Buchstaben sowie Laute genutzt werden. Diese werden als Artikulationsorte bezeichnet. Mehr Informationen zu den einzelnen
Artikulationsorten finden sich im Hauptartikel zum Konsonanten.
Schriftzeichen des deutschen Alphabets (Grafische Darstellung)
Übersicht: Das Wichtigste im Überblick

 Als Buchstaben werden allgemein die einzelnen Schriftzeichen einer Sprache bezeichnet. Diese können dazu genutzt werden,
eine Sprache zu verschriftlichen und demnach konservierbar zu machen. Ein Text besteht demzufolge aus der
Aneinanderreihung einzelner Schriftzeichen. Sämtliche Buchstaben einer Sprache werden als Alphabet bezeichnet.
 Da diese Schriftzeichen die Laute einer Sprache fixieren und lesbar machen, hängt der Umfang eines Alphabets natürlich von
der jeweiligen Sprache ab. Das Deutsche kennt beispielsweise genau 30 verschiedene Buchstaben. Diese können unter
Umständen durch die Diakritika erweitert werden – solche sind aber im Deutschen nicht gebräuchlich und nur in einigen
Fremdwörtern und Eigennamen erhalten (vgl. Trema).

Buchstabieren
Als Buchstabieren wird der Vorgang, die einzelnen Buchstaben eines Wortes nacheinander zu nennen, bezeichnet. Menschen
buchstabieren dann, wenn sie sich die richtige Schreibweise eines Wortes oder einer Wortfolge mitteilen möchten. In der
Regel wird der Buchstabe beim Buchstabennamen benannt (C ~ Ce, F ~ Eff, J ~ Jot). Die Methode ist allerdings
fehleranfällig, da Laute überhört werden können. Deshalb gibt es sogenannte Buchstabiertafeln, die für jeden Buchstaben
ein Wort festlegen.
Bei einem Diktat oder einem Gespräch unter vier Augen ist eine solche Buchstabiertafel natürlich hinfällig. Sinnvoll ist sie
jedoch dann, wenn über das Telefon oder eine anderweitige Funkverbindung, die anfällig für Störgeräusche ist, buchstabiert wird.
Deshalb ist es nur folgerichtig, dass die
Begriffe Buchstabieralphabet, Telefonalphabet, Funkalphabet sowie Fliegeralphabet synonym zu Buchstabiertafel gebraucht
werden.
Die Geschichte der deutschen Buchstabiertafeln geht auf das Berliner Telefonbuch aus dem Jahr 1890 zurück. Damals wurden den
einzelnen Buchstaben des Alphabets Zahlen zugeordnet, welche der Stelle im Alphabet entsprachen. Das A ist der erste Buchstabe
und hatte demzufolge die Eins, das B die Zwei usw.
Das Wort Hallo würde demnach folgendermaßen aussehen: Acht Eins Zwölf Zwölf Fünfzehn. Alsbald wurden für die Buchstaben
allerdings Wörter gebraucht, weil sich diese viel besser einprägen ließen. Das entsprach dem Sinn einer störungsfreie Übertragung
natürlich besser. Dabei entwickelten sich verschiedene Systeme.
Hinweis: Nachfolgend möchten wir die verschiedenen Buchstabiertafeln vorstellen und unser Augenmerk auf das deutsche,
österreichische, schweizerische und internationale System legen. Anschließend werden Ziffern vorgestellt und die deutschen
Buchstabennamen zum Buchstabieren aufbereitet.

Buchstabieren mit den Namen der Buchstaben


Die obigen Buchstabiertafeln eignen sich vornehmlich für das Buchstabieren am Telefon. Die gängige Praxis im Gespräch
oder bei einem Diktat ist allerdings das Buchstabieren mithilfe der Namen der einzelnen Buchstaben. Im Deutschen werden
die Buchstaben folgendermaßen bezeichnet.
Die nachfolgende Übersicht benennt absteigend den deutschen Großbuchstaben sowie Kleinbuchstaben, die Aussprache gemäß
des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA), die Schreibung der Aussprache und die Schreibweise, wie sie in den gängigen
Wörterbüchern zu finden ist (fett).
Übersicht: Das Wichtigste zum Buchstabieren im Überblick

 Buchstabieren bedeutet, dass ein Wort oder eine Wortfolge Buchstabe für Buchstabe genannt wird. Dies geschieht in der
Regel mithilfe des Buchstabennamens, kann aber auch zum besseren Verständnis mit sogenannten Buchstabiertafeln gemacht
werden.
 Buchstabiertafeln sind vor allem für das Buchstabieren via Sprechfunk gedacht und kommen somit in der Telefonie, aber
eben auch beim Militär zum Einsatz. Dabei werden die einzelnen Buchstaben durch Wörter ersetzt. Es gibt verschiedene
Buchstabiertafeln.
 Der Hintergrund ist, dass die Wörter besser verstanden werden können. Da die Wörter, die zum Buchstabieren genutzt
werden, meist aus mehreren Silben bestehen, ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Übertragung höher, da auch
Störgeräusche das Buchstabieren nur geringfügig beeinträchtigen und kaum ins Gewicht fallen.

Bühnenanweisungen
Als Bühnenanweisungen werden die Bemerkungen eines Dichters bezeichnet, welche zwischen die Sprechtexte eines
dramatischen Textes eingeschoben sind (vgl. literarische Gattungen) und dort Informationen über Bühnenbild oder
Aussehen, Ausstattung, Gestik, Mimik sowie Sprechweise der Schauspieler geben. Darüber hinaus können solche
Bühnenanweisungen auch die Art und Weise der Protagonisten beschreiben, wie beispielsweise deren Tempo und
Verhaltensweisen, wobei hier auch akustische Effekte benannt werden können. Bühnenanweisungen sind zumeist in kursiver
Schrift dargestellt und sind in erster Linie für Darsteller und Regisseure gedacht, um das jeweilige Werk im Sinne des
jeweiligen Dichters auf die Bühne zu bringen. Allerdings können solche Informationen auch die Vorstellungskraft des Leser
beflügeln.
Solche Bühnenanweisungen finden sich bereits in antiken Dramen (vgl. Literaturepochen), wobei sie sich unter anderem bei
Aischylos (525 v. Chr. – 456 v. Chr.) belegen lassen. Ferner finden sie sich auch in sehr knapper Form in mittelalterlichen
Spieltexten. Im humanistischen sowie barocken Drama dominieren vor allem sachliche und einfache Schauplatzanweisungen,
wohingegen sich die Anweisungen im Volksstück des 16. und 17. Jahrhunderts vor allem durch Ausführlichkeit auszeichnen. In der
Klassik finden sich dann vor allem wieder knappe Anweisungen (etwa in J. W. Goethes Torquato Tasso), wohingegen sich
in Realismus und Romantik wieder umfassendere Bühnenanweisungen ausmachen lassen.
Noch ein wenig später, etwa im Naturalismus bei Arno Holz oder Gerhart Hauptmann, werden solcherlei Einschübe im dramatischen
Text äußerst präzise und geben auch Kleinigkeiten des Bühnengeschehens vor oder schildern in epischer Breite, wie das Bühnenbild
beschaffen ist und sich die Darsteller in diesem zu verhalten haben. Dabei wird außerdem vermehrt Rücksicht auf das Publikum
genommen, welches die Dramen liest und nicht mehr nur sieht. Diese Rücksicht auf die Leserschaft, die sich das Stück so besser
vorstellen kann, ist vor allem in Naturalismus und Expressionismus zu entdecken.

Beispiele solcher Bühnenanweisungen

Nachfolgend zwei Beispiele, die das Geschriebene verdeutlichen. Das erste Beispiel zeichnet sich vor allem durch Knappheit
aus und lässt sich der Klassik zuordnen, wohingegen das zweite Stück eher ausführlich das Nichtgesprochene auf der Bühne
vorgibt und naturalistisch ist.
Alphons.
Und stellen wir denn Welt und Nachwelt vor,
So ziemt es nicht nur müßig zu empfangen.
Das schöne Zeichen, das den Dichter ehrt,
Das selbst der Held, der seiner stets bedarf,
Ihm ohne Neid um’s Haupt gewunden sieht,
Erblick‘ ich hier auf deines Anherrn Stirne.

Auf die Herme Virgils deutend.


Hat es der Zufall, hat’s ein Genius
Geflochten und gebracht? Es zeigt sich hier
Uns nicht umsonst. Virgilen hör‘ ich sagen:
Was ehret ihr die Todten? Hatten die
Doch ihren Lohn und Freude da sie lebten;
Und wenn ihr uns bewundert und verehrt,
So gebt auch den Lebendigen ihr Theil.
Mein Marmorbild ist schon bekränzt genug,
Der grüne Zweig gehört dem Leben an.
Alphons winkt seiner Schwester; sie nimmt den Kranz von der Büste Virgils und nähert sich Tasso. Er tritt zurück.
Leonore.
Du weigerst dich? Sieh welche Hand den Kranz,
Den schönen unverwelklichen, dir bietet!

Das obige Beispiel stammt aus Johann Wolfgang von Goethes Drama Torquato Tasso(1790; UA: 16.2.1807) und zeichnet sich vor
allem durch äußerst knappe Bühnenanweisungen aus. Hierbei wird vor allem auf die Positionierung der Darsteller und ihre Blick-
sowie Laufrichtung vorgegeben. Das folgende Beispiel, das in einer enormen Länge den gezeigten Raum beschreibt. Dabei handelt
es sich um den Anfang des Dramas Die Familie Selicke (UA: 7.4.1890) von Arno Holz und Johannes Schlaf.
Das Wohnzimmer der Familie Selicke.
(Es ist mässig gross und sehr bescheiden eingerichtet. Im
Vordergrunde rechts führt eine Thür in den Corridor, im
Vordergrunde links eine in das Zimmer Wendt’s. Etwas weiter
hinter dieser eine Küchenthür mit Glasfenstern und Zwirn-
gardinen. Die Rückwand nimmt ein altes, schwerfälliges, gross-
geblumtes Sopha ein, über welchem zwischen zwei kleinen,
vergilbten Gypsstatuetten „Schiller und Goethe“ der bekannte
Kaulbach’sche Stahlstich „Lotte, Brod schneidend“ hängt.
Darunter im Halbkranze, symmetrisch angeordnet, eine Anzahl
photographischer Familienportraits. Vor dem Sopha ein ovaler
Tisch, auf welchem zwischen allerhand Kaffeegeschirr eine
brennende weisse Glaslampe mit grünem Schirm steht. Rechts
von ihm ein Fenster, links von ihm eine kleine Tapetenthür,
die in eine Kammer führt. Ausserdem noch, zwischen den
beiden Thüren an der linken Seitenwand, ein Tischchen mit
einem Kanarienvogel, über welchem ein Regulator tickt, und,
hinten an der rechten Seitenwand, ein Bett, dessen Kopfende,
dem Zuschauerraum zunächst, durch einen Wandschirm ver-
deckt wird. Am Fussende des Bettes, neben dem Fenster,
schliesslich noch ein kleines Nachttischchen mit Medizin-
flaschen. Zwischen Kammer- und Küchenthür ein Ofen, Stühle.
Frau Selicke, etwas ältlich, vergrämt, sitzt vor dem Bett
und strickt. Abgetragene Kleidung, lila Seelenwärmer, Horn-
brille auf der Nase, ab und zu ein wenig fröstelnd. Pause.)

Frau Selicke (seufzend): Ach Gott ja!


Walter (noch hinter der Scene, in der Kammer): Mamchen?!

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

 Als Bühnenanweisungen werden die eingeschobenen Bemerkungen des Dichters bezeichnet, welche zwischen den
Sprechtexten des Dramas stehen und Informationen über Bühnenbild oder auch Aussehen, Ausstattung, Gestik, Mimik sowie
Sprechweise der Schauspieler geben. Darüber hinaus können solche Bühnenanweisungen auch die Art und Weise der
Protagonisten beschreiben, wie beispielsweise deren Tempo und Verhaltensweisen, wobei hier auch akustische Effekte
benannt werden können.
 Demnach gehören diese Einschübe zum sogenannten Nebentext eines Dramas. Die
Begriffe Regieanweisungen und Bühnenanweisungen sind gleichbedeutend. Heutzutage ist allerdings häufiger
von Regieanweisungen die Rede, wenngleich es im früheren Theater noch keine Regie im heutigen Sinne gab. Diese gibt es
erst seit dem 20. Jahrhundert.

Bulletin
Als Bulletin wurde ursprünglich ein Tagesbericht oder eine regelmäßige Bekanntmachung bezeichnet sowie später ein
offizielles Mitteilungsblatt. Weiterhin trugen seit dem 18. Jahrhundert viele Periodika diesen Titel, also regelmäßig
erscheinende Druckwerke (Gazetten, Journale, Magazine, Zeitschriften und Zeitungen). Außerdem bezeichnet das Bulletin
den offiziellen Krankenbericht einer Person des öffentlichen Lebens. Heute ist zumeist eine amtliche Verlautbarung gemeint.
Beispielhaft ist das Epidemiologische Bulletin des Robert-Koch-Instituts mit offiziellen Mitteilungen und Beiträgen.
Der Begriff leitet sich vom französischen Wort für Bericht ab, das auf das altfranzösische Bulle zurückgeht und letztlich eine
Entlehnung des lateinischen bulla ist. Eine Bulle ist hierbei eine Art der Urkunde. Demzufolge verweist bereits die Übersetzung des
Französischen darauf, worum es geht: nämlich um die Wiedergabe eines Sachverhalts in berichtender Form [wobei in der Regel eine
amtliche Verlautbarung gemeint ist].

Bulletin als wissenschaftliche Mitteilung

Ursprünglich meinte der Begriff eine Art des Tagesberichts. So informierten beispielsweise Akademien oder gelehrte
Gesellschaften über die regelmäßigen Sitzungen und die wissenschaftlichen Beiträge ihrer Mitglieder. Auch das
Dokumentieren wissenschaftlicher Arbeiten kann als Bulletin gelten.
Als Beispiele können dabei die Bulletins der Petersburger Akademie sowie das Bullettino des Archäologischen Instituts zu Rom
gelten. Das Bullettino della Commissione Archeologica Comunale di Roma erschien erstmals im Jahr 1872 und dokumentiert seit
seinem Bestehen die archäologische Funde und Restaurierungsarbeiten der Stadt Rom, die Bulletins der Petersburger Akademie
beinhalteten naturwissenschaftliche Beiträge.

Bulletin als Kranken- oder Armeebericht

Weiterhin werden auch die Tagesberichte von Ärzten über den Gesundheitsszustand einer ranghohen Persönlichkeit des
öffentlichen Lebens oder auch Armeeberichte als Bulletins bezeichnet.
Beispielhaft kann das 29. Bulletin der Grande Armée angeführt werden, das am 17. Dezember 1812 als Teil der französischen
Zeitung Le Moniteur Universel veröffentlicht wurde. Bei diesem Bericht handelt es sich um eine Bekanntgabe des französischen
Generals und späteren Kaisers Napoleon Bonaparte.
In der Schrift begründet Napoleon, warum es zum Rückzug der französischen Streitkräfte kam und rechtfertigt das Scheitern des
Feldzuges gen Russland. Er macht dafür den plötzlichen Kälteeinbruch verantwortlich, der große Teile der sieggewohnten
französischen Armee (Grande Armée) zerstörte.
Die Schilderungen des Kaisers sind übrigens dafür verantwortlich, dass auch heute noch die Legende kursiert, dass Frankreich
ausschließlich am russischen Winter scheiterte und eben nicht daran, dass die russische Armee klar bei der Schlacht an der Beresina
überlegen war und so die Franzosen zurückdrängte.
Napoleon’s retreat from Pontin’s Southport, Adolph Northen, Lizenz: Public Domain, via Wikimedia Commons

Weiterhin wird als Bulletin der Tagesbericht eines Arztes über den Gesundheitszustand einer Persönlichkeit des öffentlichen
Lebens oder auch eines ranghohen Staatsbeamten bezeichnet. Beispielsweise gibt es in Frankreich das Gesundheitsbulletin des
französischen Staatspräsidenten, welches periodisch über den Gesundheitszustand des Präsidenten informiert und vom Élysée-
Palast (Amtssitz) publiziert wird.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Textsorte im Überblick

 Als Bulletin wird allgemein ein Schreiben bezeichnet, dass periodisch über eine Angelegenheit informiert. Ursprünglich
meinte der Begriff somit einen Tagesbericht oder eine regelmäßige Mitteilung über ganz verschiedene Sachverhalte.
 So können amtliche Verlautbarungen, Berichte über Vorfälle (bsp. über den Krankheitszustand), die Armeeberichte der
französischen Armee im Kaiserreich sowie die Berichte über die Wirksamkeit wissenschaftlicher Akademien als Bulletin
bezeichnet werden.
 Hinweis: Auch die offiziellen Meldungen der katholischen Kirche, also des Papstes, aus dem Vatikan werden grundsätzlich
mit diesem Begriff bezeichnet.

Bustrophedon
Als Bustrophedon, teilweise auch Boustrophedon, wird eine Schreibweise bezeichnet, bei welcher die Schreibrichtung des
Textes in jeder Zeile wechselt. Im Deutschen verwenden wir eine waagerechte rechtsläufige Schrift, was bedeutet, dass von
links nach rechts geschrieben wird. Wäre ein deutscher Text bustrophedon geschrieben, würde in der nachfolgenden Zeile
von rechts nach links geschrieben werden. Charakteristisch ist dieser Wechsel der Schreibrichtung aber vor allem für antike
Inschriften, bei denen die Richtung des Textes mitunter flexibel und die Ausrichtung der einzelnen Buchstaben noch nicht
eindeutig festgelegt war. Dadurch entfällt beim Lesen der Zeilensprung (vgl. Enjambement).
Der Begriff lässt sich vom griechischen boustrophēdon (βουστροφηδόν) ableiten und mit ochsenwendig übersetzen. Die
Übersetzung verweist somit darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um die Gestaltung eines Textes, bei welchem sich die
Laufrichtung zeilenweise ändert und zwar so, wie es auch ein Ochse beim Pflügen macht, nämlich immer hin und her oder eben in
Schlangenlinien. Schauen wir dafür auf ein Beispiel:
Das obige Beispiel wandelt die ersten zwei Sätze dieses Beitrags ab, nach der ersten Zeile, also nach den Wörtern Als Bustrophedon,
teils aber auch Boustrophedon wechselt die Schreibrichtung des Textes, der nun von rechts nach links verläuft. Dieser Wechsel wird
zeilenweise fortgeführt und erinnert an Schlangenlinien.
Weitere Beispiele finden sich etwa im Dialekt Hieroglyphen-Luwisch, der ein Teil des luwischen Sprache ist, die als am weitesten
verbreitete anatolische Sprache gilt sowie im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. in Anatolien gesprochen wurde. Viele Texte – zumeist
Inschriften –die in dieser Hieroglyphenschrift erhalten blieben, sind auch bustrophedon geschrieben. Vereinzelt finden sich aber
auch im Lateinischen und Griechischen sowie in der etruskischen Sprache solcherlei Schriften oder auch welche, die einen runischen
Ursprung haben.
Ein weiteres und sehr bekanntes Beispiel ist das sogenannte SATOR-AREPO-Quadrat, welches auch als ROTAS-OPERA-
Quadrat bekannt ist. Das Besondere ist hierbei, dass das Sator-Quadrat ein Satzpalindrom ist, welches der Betrachter als magisches
Quadrat vorwärts und rückwärts sowie horizontal und vertikal lesen. Allerdings ist ungeklärt, ob der Text, der wohl aus der Antike
stammt, tatsächlich eine Bedeutung hat.

Das obige Beispiel zeigt das Sator-Quadrat, wobei es mehrere Ansätze gibt, wie dieses zu entschlüsseln ist. Eine Möglichkeit ist
es, die mittlere Zeile zu verdoppelen und den Text dann abwechselnd von links nach rechts, dann wieder von rechts nach links zu
lesen usw. Dann ergibt sich die lateinische Wortfolge sator opera tenet – tenet opera sator, was sich mitDer Sämann hält die Werke
– es hält die Werke der Sämann übersetzen ließe. Dieser Ansatz ist auch der einzige, der allen Wörtern Sinn zuspricht,
da AREPO ansonsten keine Bedeutung hätte und allenfalls als ein Eigenname gedeutet werden könnte.
Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick

 Als Bustrophedon, wird eine Schreibweise bezeichnet, bei welcher die Schreibrichtung des Textes in jeder Zeile wechselt.
Das bedeutet, dass die erste Zeile von links, die zweite von rechts gelesen wird oder eben andersherum. Man liest folglich in
Schlangenlinien.
 Wichtig ist, dass das Nomen Bustrophedon ein Textmerkmal ist, wobei teils auch der ganze Text mit dem Begriff bezeichnet
wird. Das zugehörige Adjektiv lautet bustrophedon. Zumeist wird das Wort aber als Adverb gebraucht, also etwa: Dieser
Text ist bustrophedon geschrieben.
 Ein wesentlicher Effekt ist bei solchen Texten, dass der Zeilensprung entfällt. Der Leser springt also mit den Augen nicht
vom Zeilenende zum Anfang der nachfolgenden Zeile, sondern liest an der gleichen Stelle, wenn auch in die andere
Richtung, weiter. Dadurch ist der Einschnitt (vgl. Zäsur), der üblicherweise beim Lesen entsteht, um ein Vielfaches geringer.

Canción
Als Canción wird ein spanisches, lyrisches Lied bezeichnet, das eine der wesentlichen Gattungen der spanischen Literatur
des Mittelalters darstellte, welches zumeist religiöse Themen oder die Liebe behandelte. In der ursprünglichen Form war das
Canción für den Vortrag bestimmt, wandelte sich aber im Laufe der Zeit zu einer vornehmlich lyrischen Dichtung.
Als Canción trovadoresca beschrieb es im 15./16. Jahrhundert einen fünfzeiligen, trochäischen Achtsilber. Dabei wurde dem
Gedicht im ersten Vers ein Motto, zumeist ein Sprichwort, vorangestellt, wobei die nachfolgenden Zeilen dieses Motto
variierten, was als Volte bezeichnet wird. Dabei reimen zwei Verszeilen auf die erste (entweder 2. und 4. oder eben 3. und 5.).
Da diese Form recht beschränkt erscheint, wurde das Canción im Laufe der Zeit erweitert, dann bestand es aus insgesamt 12
Zeilen, wobei das Motto vierzeilig wurde. Seit der Renaissance und vor allem durch den Einfluss der
Kanzone (vgl. Gedichtformen) wurde dann aber beinahe jedes Strophenlied mit diesem Begriff bezeichnet und noch später
nahezu jegliches Volkslied.
Der Begriff lässt sich vom spanischen Nomen canción ableiten, das sich mit Lied und Gesang übersetzen lässt, wobei heutzutage
ebenso eine Übersetzung mit dem Begriff Songüblich ist. Demzufolge verweist die Übersetzung auf die urspünglich Bedeutung des
Wortes, wie es noch im Mittelalter gebraucht wurde, wobei es schlicht und ergreifend für ein ein lyrisches Lied stand, was auch
heute eine gängige Übersetzung ist.
Thematisch befasste sich ein solches Canción vornehmlich mit der Religion sowie der Liebe oder verwandten Themenbereichen. Als
Vorläufer dieser Liedform galten die galizisch-portugiesischen cantigas de amor (Lieder der Liebe), deren Ursprünge im frühen
Mittelalter liegen. Als Vertreter dieser ursprünglichen Form können die beiden spanischen Renaissance-Dichtern Iñigo López de
Mendoza (1398-1458) sowie Jorge Manrique (1440-1479) genannt werden, deren Canciones durchaus sehr bekannt wurden.
Ein wenig später, im 16. und 17. Jahrhundert, sind es dann Lope de Vega (1562-1635) sowie Miguel de Cervantes (1547-1616),
welche Canciones hervorbringen. Diese Dichter variierten das grundsätzliche Prinzip allerdings, wodurch das sogenannte Canción
petrarquista entstand. Dieses besteht aus 4 bis 12 baugleichen Strophen, die aus Elfsilbern oder Siebensilbern bestanden und mit
einem Refrain abschlossen.

Cantilène
Als Cantilène wird in der mittelalterlichen, französischen Literatur ein kurzes Gedicht bezeichnet, das für den gesungenen
Vortrag gedacht war. Die Cantilène ist eine Abart der lateinischen Sequenz, die einen lyrischen, hymnenartigen Gesang
beschreibt, der eine Textierung des gregorianischen Halleluja in der Kirchenmusik meint. Die Cantilène war zumeist ein
Heiligenlied, das der Verehrung von Heiligen diente oder meinte lyrische Lieder, die ein fester Bestandteil der christlichen
Liturgie waren. Seit dem 13. Jahrhundert wurden darüber hinaus allgemein weltliche Tanz-, Liebes-, Klage- oder Preislieder
als Cantilène bezeichnet. Früher wurde davon ausgegangen, dass mit dem gleichem Begriff ebenso ein episch-lyrisches
Heldenlied bezeichnet wurde, das ein Vorläufer des chanson de geste war, eine der ältesten erzählenden Gattungen der
französischen Literatur – diese Vermutung wird heute bestritten.
Der Begriff leitet sich vom französischen Nomen cantilène ab, das sich mit Singsangübersetzen lässt. Foglich verweist bereits die
Übersetzung des Wortes darauf, worum es grundsätzlich dabei geht: nämlich um eine einfache Melodie, die jemand vor sich hin
singt[und die zumeist einen Heiligen verehrt oder Bestandteil der christlichen Liturgie ist]. Als Beispiel kann die Cantilène de sainte
Eulalie angeführt werden, welche im Deutschen auch als Eulalia-Sequenz bekannt ist und in etwa auf das Jahr 880 zu datieren ist.
Die Eulalia-Sequenz gilt als frühestes Beispiel französischer Hagiographie, also die Darstellung des Lebens eines Heiligen. Sie
stammt von einem anonymen Verfasser (vgl.Adespota) und berichtet vom Martyrium der jungen Eulalia. Diese zog durch ihren
christlichen Glauben den Zorn eines heidnischen Herrschers auf sich und sollte dafür bestraft werden. Doch anstatt sich zu beugen,
vertraute sie auf Gott, woraufhin sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, um von ihrem Glauben abzukommen.
Aufgrund ihres festen Glaubens konnten ihr die Flammen allerdings nichts anhaben, weshalb ihr nun die Enthauptung mit dem Beil
drohte. Die junge Eulalia wandte sich daraufhin an ihren Gott und bat darum, von ihm erlöst zu werden. Kurz bevor das Beil ihr
Leben nahm, entsprang ihrem Mund ihre Seele in Gestalt einer Taube und flog gen Himmel. Die Dichtung endet mit einem
kurzen Epilog, in dem Gott um Milde gebeten wird.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

 Die Cantilène meint in der französischen, mittelalterlichen Literatur ein Gedicht, das zum gesungenen Vortrag gedacht war.
Zu meist war ein solches Gedicht eine Art Heiligenlied und diente der Verehrung, weshalb es auch mitunter zum Bestandteil
der christlichen Liturgie wurde.
 Seit dem 13. Jahrhundert werden teilweise aber weltliche Tanz-, Liebes-, Klage- oder Preislieder mit dem Begriff bezeichnet.
Dann lässt sich das Wort am besten als eine Art des lyrischen Gesangs verstehen, der eher einfacher Natur ist und
an Singsang erinnert.

Captatio benevolentiae
Als Captatio benevolentiae wird ein rhetorisches Stilmittel bezeichnet, das sich in allen literarischen Gattungen ausmachen
lässt. Die Captatio benevolentiae beschreibt den Umstand, dass der Autor eines Textes – beziehungsweise die Stimme, die dem
eigentlichen Text vorangestellt ist – sich direkt mit schmeichelhaften Worten an den Empfänger (Leser, Zuhörer,
Zuschauer) wendet, um ihn zu bitten, das Nachfolgende wohlwollend anzunehmen. Zumeist ist sie im Prolog eines Werkes
verankert, wobei sie sich mitunter auch im Epilog eines Dramas verbirgt, wenn sich der Protagonist oder eine andere Figur
an das Publikum wendet sowie um Nachsicht oder Beifall bittet. Die Captatio benevolentiae ist bereits seit der Antike belegt
und lässt sich vor allem in Reden sowie Theaterstücken entdecken, findet sich teils aber auch in der Prosa. Im weitesten
Sinne meint diese Figur aber jegliche Formel, die verwendet wird, um das Wohlwollen des Publikums zu erlangen. Verwandt
ist die Apostrophe.
Diese Wortfolge lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und bedeutet in etwa Haschen nach Wohlwollen. Folglich zeigt bereits die
Übersetzung der Stilfigur, worum es grundsätzlich geht: nämlich darum, dass der Autor, Schreiber oder Redner sich unmittelbar und
schmeichelhaft an den Adressaten des jeweiligen Textes wendet und um dessen Wohlwollen buhlt. Schauen wir dafür auf ein
Beispiel von Søren Kierkegaard:
Mein lieber Leser! Verzeih, dass ich so vertraulich zu Dir spreche, aber wir sind ja unter uns. Obgleich Du nämlich eine poetische
Person bist, bist Du für mich jedoch keineswegs eine Mehrzahl, sondern nur einer, so sind wir doch bloß Du und ich […] (Aus: S.
Kierkegaard, Die Wiederholung; Brief am Ende der Schrift)
Im obigen Beispiel wird die Anrede des Lesers ganz eindeutig kommuniziert, wobei diesem außerdem – wenn auch indirekt –
geschmeichelt wird. So heißt es nämlich, dass der Leser eine poetisch Person sei und darüber hinaus wahrgenommen wird. Der
Leser ist im Beispiel also keiner unter vielen, also keineswegs eine Mehrzahl, sondern etwas Besonderes. Dadurch kann die Figur
natürlich manipulativ wirken.
Vor allem in der Rhetorik ist die Captatio benevolentiae ein wesentlicher Bestandteil der Rede und gehört
zum Prooemium oder Exordium, also der Einleitung. Sehr häufig versucht der Redner in dieser Einleitung schon im Voraus die
Gunst des Publikums zu gewinnen. Dabei könnte er unter anderem die Bedeutung des Zuhörers unterstreichen sowie an dessen
Weisheit appellieren oder seine eigene Bedeutung kleinreden und sich somit in einem gewissen Maße dem Publikum
unterwerfen. Ein weiteres Beispiel von Thomas Mann:
Indem ich die Feder ergreife […] wenn auch müde, sehr müde (so daß ich wohl nur in kleinen Etappen […] werde
vorwärtsschreiten können) […] beschleicht mich das flüchtige Bedenken, ob ich diesem geistigen Unternehmen […] denn auch
gewachsen bin. (Aus: T. Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull)
Das obige Beispiel zeigt die ersten Zeilen aus Thomas Manns unvollendeten RomanBekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. In
diesem Fall ist es nicht der Autor oder Redner, der sich an den Empfänger wendet, sondern der Protagonist des Werkes selbst. Felix
Krull ist es hierbei, der sich kleinmacht, wenn er berichtet, dass er sehr müde ist und infrage stellt, ob er dem Vorhaben, das Ganze
zu Papier zu bringen, überhaupt gewachsen ist. Auch dieses Kleinmachen ist eine Möglichkeit, das Wohlwollen des Leser zu
bekommen.
Im Mittelalter galt die Captatio benevolentiae vor allem in Gerichtsverhandlungen als ein Mittel, um die Gunst der Richter zu
erlangen und diese schon vor der eigentlichen Verhandlung von der eigenen Unschuld zu überzeugen beziehungsweise von der
Richtigkeit der erhobenen Anklage. Als wesentlicher Vertreter, der sich ebendieser Stilfigur bediente, kann Guillaume Durand (1230
– 1296) angeführt werden, der oftmals durch das lobende Unterstreichen der richterlichen Weisheit um das Wohlwollen des
Tribunals warb.

Beispiele für die Captatio benevolentiae

Tartuffe, Molière
Don Quijote, Miguel de Cervantes
Rede gegen Catilina, Marcus Tullius Cicero
Romeo und Julia, William Shakespeare
Die Wiederholung, Søren Kierkegaard
Brief des Paulus an die Römer, Paulus von Tarsus
Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Stilfigur im Überblick

 Die Captatio benevolentiae ist ein rhetorisches Stilmittel und meint die schmeichelnde Anrede des Empfängers einer Rede
oder eines literarischen Textes. Ihr Zweck ist es, das Wohlwollen des Adressaten einzustreichen, weshalb sie durchaus als
manipulativ zu bewerten ist und vor allem in der Rhetorik eine beeinflussende Funktion hat.
 Im weitesten Sinne meint die Captatio benevolentiae aber nicht nur eine direkte Anrede des Empfängers, um dessen Gunst
einzuheimsen, sondern jegliche Formel in einem Werk, die darauf abzielt, die Sympathie des Leser zu erhalten. Solche
Formeln sind häufig im Prolog verankert, können aber durchaus auch im Epilog stehen oder inmitten eines Textes
auftauchen. Beispielsweise dann, wenn sich ein auktorialer Erzähler an den Leser wendet.
 Hinweis: Der Duden schlägt seit 1996 vor, das Stilmittel mit einem großen „B“ zu schreiben, also Captatio Benevolentiae,
diese Abänderung sollte jedoch nur als Empfehlung verstanden werden, da das Stilmittel in der „alten“ Schreibweise nunmal
geläufig ist.

Carpe diem
Der lateinische Sinnspruch carpe diem, der sich mit Pflücke den Tag und Genieße den Tag übersetzen lässt, geht auf
die Ode An Leukonoë zurück, welche vom antiken Dichter Horaz um 23 v. Chr verfasst wurde. In der letzten Verszeile der
Odenstrophe findet sich die bekannte Wortfolge. Diese stellt einen Appell dar, die knappe Lebenszeit zu genießen und nicht
auf morgen zu verschieben. Der Ausspruch ist zum geflügelten Wort geworden und wird teilweise auch als Nutze den
Tag wiedergegeben. Diese Übersetzung trifft aber nicht in Gänze die Intention, die Horaz mit den Wörtern carpe
diem verfolgte.
Horaz (65 v. Chr. – 8 v. Chr), eigentlich Quintus Horatius Flaccus, gilt neben Vergil, Properz, Tibull sowie Ovid als einer der
bedeutsamsten Dichter des augusteischen Zeitalters. Horaz‘ künstlerisches Gesamtwerk enthält zahlreiche Oden, einige Satiren
sowie mehrere Briefgedichte, welche als Episteln bekannt geworden sind. In den Werken gibt es viele Wendungen, die heute
geflügelte Worte sind (vgl. sapere aude, in medias res).
Horaz verfasst darüber hinaus vier Lyrikbücher, welche als Liber I–IV veröffentlicht wurden und insgesamt 104 Gedichte
beinhalten, welche als Carmina bezeichnet werden. Das elfte Gedicht des ersten Buches, also Carmen I,11, ist die Ode An Leukonoë,
deren letzter Vers im Original folgendermaßen aussieht:
[…] carpe diem, quam minimum credula postero.

Diese Zeile lässt sich mit Genieße den Tag, und vertraue möglichst wenig auf den folgenden!übersetzen. Das Ganze lässt sich als ein
Appell deuten, das eigene Leben im Augenblick zu leben und nicht an das Morgen zu denken, wobei stets die positiven Seiten des
Lebens betrachtet werden sollten. Wesentlich ist hier, dass das Verb carpe grundsätzlich pflückenbedeutet, also nur im übertragenen
Sinne als genießen zu deuten ist.
An dieser Stelle, wird der Unterschied zum Wort nutzen deutlich. Denn wer den Tag genießt, lässt diesen mit Freude und
Wohlbehagen auf sich wirken. Wer aber etwas nutzt, gestaltet es möglichst effektiv und versucht dabei ein bestimmtes Ziel zu
erreichen. Wer etwas nutzt, um ein Ziel zu erreichen, lebt allerdings nicht im Augenblick, sondern denkt an das Folgende. Das würde
Horaz‘ Intention allerdings widersprechen.

 Original
 Übersetzung
 Parodie
Carmen I,11
Tu ne quaesieris (scire nefas) quem mihi, quem tibi
finem di dederint, Leuconoe, nec Babylonios
temptaris numeros. Ut melius quicquid erit pati!
Seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
quae nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum, sapias, vina liques et spatio brevi
spem longam reseces. Dum loquimur, fugerit invida
aetas: carpe diem, quam minimum credula postero.
Hinweis: Die obige Ode folgt übrigens einem seltenen Versmaß der antiken Lyrik. Es handelt sich hier um das Versmaß
asclepiadeus maior, das dem Muster — — | — v v — | — v v — | — v v — | v x entspricht (- betont, v unbetont, x Syllaba anceps,
also eine betonte oder unbetonte Silbe).

Carpe diem und der Barock

Als Barock wird eine Epoche der europäischen Kunstgeschichte bezeichnet, die von etwa 1575 bis 1770 währte. Der Barock
verbreitete sich von Italien aus in ganz Europa, wobei ihm vor allem drei Motive der Vergänglichkeit zugrunde liegen:
Vanitas, Memento mori und Carpe diem.
Vanitas, das sich mit leerer Schein oder Nichtigkeit übersetzen lässt, ist ein Wort, das für die Vergänglichkeit des Irdischen steht,
wobei es vornehmlich darum geht, dass der Mensch keine Gewalt über das Leben hat. Häufig wird dieses Motiv durch eine starke
Bildlichkeit, wie etwa die Darstellung von Totenschädeln oder Sanduhren direkt gezeigt oder indirekt durch Benennung zum
Ausdruck gebracht.
Memento mori, eine Wortfolge, die Bedenke, dass du sterben musst bedeutet, fasst den Grundgedanken des Vergänglichen erneut.
Auch hier steht der eigene Tod im Mittelpunkt und die Erinnerung daran, dass alles Irdische irgendwann vergeht. Die
Vergänglichkeit des Lebens wird also auch durch die Wörter aufgegriffen, weshalb das letzte Motiv jener Zeit nur eine logische
Konsequenz ist.
Carpe diem! Denn wenn alles vergänglich ist, das eigene Leben also nicht in der Gewalt des Menschen steht, muss dieser im Hier
und Jetzt, also im Augenblick leben und den Tag genießen und sich eben nicht um das Morgen scheren. Die genannten Motive des
Barocks sind demzufolge allesamt Appelle an die Menschheit, den Moment zu genießen und die Gegenwart in ihrer ganzen Fülle zu
erleben.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum lateinischen Ausspruch im Überblick

 Carpe diem ist eine lateinische Wortfolge, die auf den antiken Dichter Horaz zurückgeht und sich mit Pflücke den
Tag übersetzen lässt. Im übertragenen Sinne kann das Ganze als Genieße den Tag gedeutet werden, wohingegen die
langläufige Übersetzung Nutze den Tag teilweise an der Intention des Dichters vorbeigeht, da das Genießen nicht mehr im
Vordergrund steht.
 Bekannt wurde der lateinische Ausspruch vor allem im Barock, einer Epoche der europäischen Kunstgeschichte und bildete
gemeinsam mit Vanitas und Memento mori die zentralen Motive jener Zeit. Diese Motive lassen sich eindeutig in den
literarischen Erzeugnissen der Epoche, beispielsweise in den Sonetten Andreas Gryphius, sowie in der Kunst ausmachen.
 Das sprachliche Pendant zu carpe diem bildet die Wendung carpe noctem. Dieser Ausspruch lässt sich
mit pflücke oder genieße die Nacht übersetzen. Diese Wortfolge hat dabei keine Entsprechung in der Literatur, sondern leitet
sich nur aus der Wendung carpe diem ab.
 Hinweis: Auf Horaz gehen übrigens noch allerhand weitere Wendungen in lateinischer Sprache zurück, wie etwa die
Begrifflichkeiten in medias res oder ab ovo, die Erzähltechniken meinen sowie das bekannte sapere aude, welches zum
Leitmotiv der Aufklärung avancierte.

Carpe noctem
Der lateinische Ausspruch carpe noctem lässt sich mit Pflücke die Nacht oder im übertragenen Sinne als Genieße die
Nacht und Nutze die Nacht übersetzen. Der kurze Sinnspruch ist keinem literarischen Werk entnommen, sondern ist
gewissermaßen das sprachliche Pendant zu carpe diem (lat.: Genieße den Tag), das ein wesentliches Motiv des Barocks, einer
europäischen Epoche der Kunstgeschichte, darstellte. Carpe diem geht auf den letzten Vers der Ode An
Leukonoë des Dichters Horaz zurück.
Horaz (65 v. Chr. – 8 v. Chr), eigentlich Quintus Horatius Flaccus, gilt neben Vergil, Properz, Tibull sowie Ovid als einer der
bedeutsamsten Dichter des augusteischen Zeitalters. Er schrieb zahlreiche Oden, einige Satiren und eine handvoll Briefgedichte, die
als Episteln bekannt sind. In den Lyrikbüchern des Horaz‘, die als Liber I–IV veröffentlicht wurden, findet sich die Ode An
Leukonoë. Diese ist das elfte Gedicht des ersten Buches (Carmen I,11). In diesem Werk lautet die letzte Verszeile folgendermaßen:

[…] carpe diem, quam minimum credula postero.


Diese Verszeile besteht grundsätzlich aus zwei Teilen. Dabei bildet das bekannte carpe diem den Einstieg, was sich mit Genieße
den Tag übersetzen lässt. Dieser Appell wird durch den Zusatz quam minimum credula postero ergänzt. Dieser bedeutet vertraue
möglichst wenig auf den folgenden [Tag]!. Es geht prinzipiell also darum, im Hier und Jetzt, also in der Gegenwart, zu leben und
nicht an das Morgen zu denken.
Daraus lässt sich allerdings ableiten, dass die Übersetzung Nutze den Tag teilweise an der Intention Horaz‘ vorbeigeht. Denn wer
etwas nutzt, der verwendet es möglichst effektiv und versucht somit ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wenn es aber darum geht,
nicht an das Morgen zu denken, sollte der Tag mit Freude sowie Wohlbehagen angenommen und nicht unbedingt genutzt werden,
um etwas für später zu erledigen.
Davon ausgehend, dass carpe noctem das sprachliche Gegenstück von carpe diem ist, wäre auch hierbei die Übersetzung Pflücke
die Nacht oder Genieße die Nacht am treffendsten. Da es sich hierbei allerdings um kein geflügeltes Wort handelt, das auf eine
literarische Vorlage zurückgeht, kann diese Wortfolge natürlich auch so verstanden werden, wie es beliebt und kann demnach auch
als Nutze die Nacht übersetzt werden.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zu carpe noctem im Überblick

 Der lateinische Sinnspruch carpe noctem ist die Umkehr des bekannten carpe diem von Horaz. Es
bedeutet pflücke/genieße/nutze die Nacht. Der ursprünglichen Intention Horaz‘ folgend, ist eine Übersetzung, die auf den
Genuss des Augenblicks abzielt (genießen/pflücken) treffend.
 Der Ausspruch lässt sich in keinem literarischen Werk nachweisen und wird zumeist gebraucht, wenn zwar der eigentliche
Sinn des ursprünglichen Zitats passend erscheint, aber der jeweilige Zeitpunkt irreführend erscheint (bspw. bei nächtlichen
Aktivitäten, Lange Nacht der Museen etc.). Die Phrase carpe noctem findet sich auch oft als Slogan in der Black-Metal-
Szene.
 Im deutschsprachigen Musical Tanz der Vampire von Jim Steinman und Michael Kunze, das auf dem gleichnamigen Film
von Roman Polanski basiert, findet sich der Ausspruch auch. So gibt es im zweiten Akt den Song Carpe noctem, der hier
auch als Fühl die Nacht gedeutet wird.
 Hinweis: Auf Horaz gehen übrigens noch allerhand weitere Wendungen in lateinischer Sprache zurück, wie etwa die
Begrifflichkeiten in medias res oder ab ovo, die Erzähltechniken meinen sowie das bekannte sapere aude, welches zum
Leitmotiv der Aufklärung avancierte.

Cento
Als Cento wird ein Text (oft ein Gedicht) bezeichnet, der aus Versen, Versteilen, Strophen, Zitaten und Redewendungen
sowie sonstigen Textpassagen bekannter Autoren zusammengesetzt wurde. Centos parodieren die Werke, derer Teile sie sich
bedienen, zumeist nicht, sondern bilden eher eine Collage. Sie verweisen so auf die Intertextualität von Literatur (hier:
konkrete Bezüge zwischen Texten).
Der Begriff leitet sich aus dem Altgriechischen ab (altgr. κέντρων) und fand den Weg über das Lateinische in den heutigen
Sprachgebrauch. Ursprünglich meinte er ein zusammengeflicktes Kleid oder ein Flickwerk und verweist demnach auf die eigene
Bedeutung: nämlich auf ein Flickgedicht [einem Werk, das gewissermaßen aus den Zitaten bekannter Dichter zusammengeflickt
wurde]. Schauen wir auf einen Beispiel-Vers:
Ihr naht euch wieder? In die Ecke, Besen!
Luft! Luft! Clavigo! Meine Ruh’ ist hin.

Das obige Beispiel zeigt die ersten Verse des Gedichtes Goethe Quintessenz des deutschen Schriftstellers Edwin Bormann (1851 –
1912), der mitunter für das Zusammensetzen von Gedichten aus anderen Werken bekannt war. Das obige Beispiel beinhaltet vier
Versteile aus berühmten Goethe-Werken.
Ihr naht euch wieder? ist dem Faust entnommen, In die Ecke, Besen! ist ein Vers aus dem Zauberlehrling und Luft! Luft!
Clavigo! wurde aus dem Trauerspiel Clavigo entnommen, wobei Meine Ruh’ ist hin. ebenfalls aus dem Faust stammt. Bormann
bediente sich also der bekannten Passagen und fügte diese zu einem neuen Gesamtwerk zusammen. Ebendieses Vorgehen wird als
Cento, also als Flickgedicht, bezeichnet.

Ursprünge des Centos

Die Ursprünge der Textsorte gehen bis in die Antike zurück. Hier wurden hauptsächlich die bekannten Dichter Vergil sowie
Homer genutzt, um aus Passagen ihrer bekannten Werke neue Texte zu kreieren. Später nutzten außerdem Vertreter des
Christentums heidnische Texte, um religiöse Prosa und Lyrik zu erschaffen(Beispiel: Athenāis schuf aus homerischen Versen
das Werk Leben Jesu).
Eines der bekanntesten Werke der Zeit ist das Cento nuptialis von Ausonius, einem römischen Staatsbeamten und Dichter, der im 4.
Jahrhundert lebte. Dieses setzt sich gänzlich aus Verszeilen von Vergil, dem lateinischen Dichter und Epiker, zusammen und
schildert die Stationen der Hochzeit der Constantia und des Gratian.
Pikant ist an diesem Werk aber nicht nur, dass Ausonius den bekannten Dichter zweckentfremdet, sondern in seinem Cento
explizit auf Details der Hochzeit eingeht, so schildert er zwar teils Belanglosigkeiten, geht aber auch auf die
Defloration (Entjungferung)der Braut ein, wodurch der Cento teils stark kritisiert wurde.
Im Mittelalter wurde die Gattung vor allem für die geistliche Dichtungen gebraucht,wobei sich abermals hauptsächlich bei
Vergil und Homer, aber ebenso bei Horaz bedient wurde. Hierbei wurden häufig christliche Werke aus (teils heidnischen) alten
Texten kreiert. Als Beispiel kann unter anderem der Mönch Metellus aus dem 12. Jahrhundert angeführt werden, der Werke aus
Vergil- und Horaz-Versen schuf.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Cento im Überblick

 Als Cento, auch Flickgedicht, wird ein Werk bezeichnet, das größtenteils aus anderen Texten zusammengesetzt ist. Hierbei
handelt es sich um eine Art der Collage, die einen komischen Effekt haben kann, aber oft auf die Intertextualität von
literarischen Texten verweisen soll.
 Demzufolge kann die Textsorte durchaus als Hommage verstanden werden, also als eine Art der Huldigung oder Ehrerbie-
tung des zitierten Künstlers sowie dessen Œuvres (künstlerisches Gesamtwerk), das die Grundlage des Centos darstellt.
 Solche Centos sind bereits seit der Antike belegt, wobei zumeist die Dichter Homer sowie Vergil als Vorlage dienten, was
durchaus an der Textfülle der beiden Literaten liegen kann. Dennoch lassen sich Centos in
sämtlichen Literaturepochen ausmachen und sind nicht unbedingt ein Phänomen einer bestimmten Zeit oder literarischen
Strömung.
 Hinweis: Solche Collagen können auch in der Musik vorkommen, weshalb auch der Begriff der Flickoper geläufig ist, die
sich aus verschiedenen Werken speist. Auch die Sammlung von Kirchengesängen (Antiphonar) von Papst Gregorius wurde
als Cento bezeichnet.

Charakterisierung
Die Charakterisierung begegnet uns erstmalig in der Schule, wenn es darum geht, die einzelnen Charaktere
einer Erzählung oder eines allgemeinen Textes näher zu beschreiben. Das bedeutet, dass wir die wesentlichen Charakter-
Eigenschaften der Handelnden herausarbeiten, um uns einen Überblick über das Wesen und Sein einer Figur zu verschaffen.
Dabei hat die Charakterisierung das Ziel, die wichtigsten Merkmale einer Figur zu bündelnund kann außerdem für den Verfasser
selbst ein sehr hilfreiches Mittel sein, um die Taten und Handlungen einer Person zu verstehen und nachvollziehen zu können.
Die Charakterisierung kann sowohl für reale Personen angefertigt werden, als auch für fiktive Figuren. Die Herangehensweise bleibt
hierbei gleich, auch wenn die Charakterisierung meist im Zusammenhang mit literarischen Texten eine Rolle spielt und eben nicht
genutzt wird, um den Nachbarn von gegenüber zu charakterisieren. Aber natürlich wäre es möglich.
Im Gegensatz zur Personenbeschreibung versucht die Charakterisierung, stärker ins Detail zu gehen. Die Personenbeschreibung zeigt im
Eigentlichen nur die äußeren Merkmale eines Charakters auf und ist beispielsweise für die Fahndung der Polizei oder einen knappen
Überblick relevant.

Die Charaktersierung beschreibt Verhalten, Gedanken und das Äußere einer Person und versucht darüber Rückschlüsse auf die
Charaktereigenschaften der fiktionalen Figur zu ziehen.
Das bedeutet, dass die Personenbeschreibung auschließlich eine Außenbeschreibung liefert und die Charakterisierung auch die
Innenwelt des Charakters aufzeigen soll.
Hinweis: Das Wort Charakter leitet sich aus dem Griechischen ab (χαρακτήρ [charaktér]) und bedeutet in etwa Prägestempel oder
auch einfach Prägung. Letzten Endes ist es auch das, was wir bei einer Charakterisierung herausarbeiten: die prägendsten
Merkmale einer literarischen Figur.

Charakterisierung vorbereiten

Bevor wir uns dem Schreiben einer Charakterisierung widmen, ist es durchaus sinnvoll, einige kurze Vorbereitungen zu
treffen, so dass die eigentliche Arbeit leichter von der Hand geht.
Für die Anfertigung ist es hilfreich, einen Text schon aufgrund der anstehenden Charakterisierung zu lesen und zu bearbeiten. Das
bedeutet, dass wir während des Lesens die wichtigsten Textstellen markieren, die für den zu beschreibenden Charakter relevant
sind.
Vor allem ist es aber wichtig, einige Dinge zu klären, um später keine wichtigen Details beim Schreiben zu vergessen und
relevante Charakteristika einer literarischen Figur zu unterschlagen respektive diese vollkommen falsch zu charakterisieren.
Vorbereitung der Charakterisierung
 Bevor wir uns dem eigentlichen Lesen widmen, macht es durchaus Sinn, einige farbige Textmarker zur Seite zu legen, um
wichtige Passagen im Text zu unterstreichen. So können wir markieren, um welche Person es im jeweiligen Abschnitt geht.
 Sollten sie ein Buch behandeln, das in keinem Fall durch Markierungen „verhunzt“ werden soll, halten Sie in jedem
Fall Zettel und Stift oder bunte Klebezettel bereit, um später alle Details zur eine Person wiederzufinden.
 Wichtig ist hierbei, dass wir nicht nur die Anmerkungen aus den Text mitschreiben, sondern idealerweise auch
kennzeichnen, wo sich diese befinden (Seitenzahl, Zeile).
 Wenn wir schon beim Lesen alle wesentlichen Details festhalten, müssen wir den Text auch nicht mehrmals lesen, was
beispielsweise bei einer Gedichtanalyse für das Verständnis wichtig ist. Das ist praktisch und außerdem sehr
zeitsparend. Also lieber gleich richtig machen.

Charakterisierung schreiben

Haben wir alle wichtigen Textstellen beisammen, die für unsere Figur und die Charakterisierung erforderlich sind, kann es an
die eigentliche Arbeit gehen.
Alles vor dem Schreiben der Charakterisierung sortieren!

 Es ist hilfreich, alle wesentlichen Äußerungen für die nachfolgende Charakterisierung zu sortieren. Dafür können wir einen
Schmierzettel oder ein Word-Dokument verwenden.
 Daten zur Person: Alter, Herkunft, Äußerlichkeiten, Beruf, gesellschaftlicher Status und andere Merkmale, die das Umfeld
und die Figur näher charakterisieren.
 Verhalten der Figur: Wie verhält sich die Figur? Wie spricht sie und gibt es dabei Auffälligkeiten? Gibt es innere Konflikte,
wichtige Ansichten oder bestimmte innere Konflikte?
 Entwicklung der Figur: Hat sich die Figur im Laufe der Erzählung verändert? Hat sie ihre Ansichten über den Tisch
geworfen oder verhält sie sich am Ende anders als zu Beginn?

Aufbau der Charakterisierung

 Einleitung: Hier klären wir unseren Leser darüber auf, was ihn denn nun erwartet. Wir nennen den Titel und den Autor des
Werkes. Außerdem geben wir die Textart an und klären in einem Satz, worum es in der Erzählung geht. Diese Einleitung
sollte möglichst knapp gehalten werden.

 Beispiel für die Einleitung: Emilia Galotti, ein Drama von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahr 1772, handelt vom
Prinzen Hettore Gonzaga, seiner fanatischen Liebe zu Emilia Galotti und seinem Vorhaben, das Mädchen zu erobern. Das
bürgerliche Trauerspiel ist im 18. Jahrhundert angesiedelt und spielt in einem italienischen Fürstentum. Nachfolgend soll die
Figur der Emilia Galotti charakterisiert werden. → vgl. Inhaltsangabe schreiben

 Hauptteil: Wir beginnen mit allen offensichtlichen Merkmalen der Figur. Das bedeutet, wir benennen den Namen, die
Herkunft, unter Umständen das Geschlecht und das Alter der Person und werfen einen Blick auf die soziale Situation der
Figur: Welchen Beruf übt sie aus, wie ist ihre Stellung in der Gesellschaft und in welchen Schichten bewegt sie sich?
→ Daten zur Person
 In der Folge wird das Aussehen näher beschrieben, wobei wir nun auch Details benennen (Körperstatur, Haare, Augenfarbe
und -form, Mund, Nase, Ohren). Außerdem kann hier auf die Sprache oder den Dialekt der Figur eingegangen werden.
Weiterhin können wir besondere Auffälligkeiten in der Mimik und Gestik aufzeigen.
 Anschließend geben wir weitere Informationen zur charakterisierenden Figur. Dabei beschreiben wir, wie das Verhalten der
Person gegenüber anderen Figuren ist. Vielleicht ist sie besonders ängstlich oder scheu im Umgang mit Menschen? Unter
Umständen können wir außerdem auf die sozialen Beziehungen des Charakters eingehen → Außensicht

Nun arbeiten wir uns weiter nach Innen vor und schildern die Gefühle, Motive (Was will die Figur?), Ansichten oder auch
inneren Konflikte und Gedanken des Charakters → Innensicht

Tipp: Um diese Dinge in der Charakterisierung zu beantworten, kann es hilfreich sein, sich selbst Antworten auf die
Fragen: Warum verhält sich die Figur so? Warum tut sie dieses oder unterlässt jenes? zu geben und anhand passender
Textstellen zu belegen.

Abschließen können wir den Hauptteil der Charakterisierung mit einem Blick auf die Entwicklung der Figur. Hat Sie
sich im Laufe des Textes verändert und wenn ja, warum und woran lässt sich eine solche Entwicklung festmachen?Außerdem
können wir die Innen- und Außensicht in Bezug auf die Eigenschaften der zu charakterisierenden Person setzen.

 Schluss: Im Schluss ist Platz für einen eigenen, aber kurzen, Kommentar oder auch eine persönliche Wertung. Hierbei
können wir die Person durchaus kritisieren. Vielleicht ordnen wir an dieser Stelle den beschriebenen Charakter auch
nochmals in das Gesamtwerk ein oder setzen ihn in Beziehung zu anderen Figuren.
 Tipp: Der Schluss sollte immer mit einem Lehrer, Dozenten oder Ansprechpartner abgesprochen werden, da keiner der
genannten Punkte zwingend erforderlich ist.

Wichtig: Eine Charakterisierung verläuft immer von Außen nach Innen. Das bedeutet, dass wir mit den offensichtlichen Merkmalen einer
Figur beginnen und uns stückweise in das Innerste bewegen.

Abschließende Hinweise zur Charakterisierung

 Alle Äußerungen, die wir in der Charakterisierung treffen, müssen wir mit entsprechenden Zitaten oder Textstellen belegen. Hierbei
reicht es, wenn wir hinter eine Behauptung die Seitenzahl und Zeile des Buches schreiben. Beispielweise könnten wir (S. 32, Z.
4) angeben, wenn wir uns auf eine Passage aus der vierten Zeile auf Seite 32 beziehen.
 In der Schule wird vorausgesetzt, dass eine Charakterisierung im Präsens (Gegenwart) geschrieben wird. Das sollte man
unbedingt vor dem Schreiben abklären oder die Charakterisierung gleich in dieser Zeitform verfassen. So sind wir auf der sicheren
Seite.
 Weiterhin geht es darum, ein objektives Bild der zu charakterisierenden Figur zu zeichnen. Unsere eigene Meinung hat allenfalls im
Schluss einen Platz.
 Wichtig ist außerdem, dass die Charaktereigenschaften nicht bloß aufgezählt werden. Es geht darum, einen Fließtext zu schreiben
und nicht nur Eigenschaften aneinanderzureihen.
 Andere Personen, die wir nennen, weil sie sich über unseren Charakter äußern, sollten nur knapp umrissen werden. Diese sind
nicht Gegenstand der Charakterisierung.

Welche Dinge sind für eine Charakterisierung wichtig?


Wir schrieben, dass es wichtig sei, alle wesentlichen Dinge in einem Text zu markieren, bevor wir mit dem Schreiben der
Charakterisierung beginnen. Doch was ist wirklich wichtig?
Prinzipiell ist natürlich alles relevant, das unseren gewählten Charakter in irgendeiner Form beschreibt. Das können Informationen
sein, die uns ein Erzähler über die Figur verrät (→ auktorialer Erzähler), aber auch Dinge, die andere Charaktere im Laufe der
Erzählung über die Person äußern.
Außerdem kann sich die Figur natürlich auch selbst charakterisieren, weshalb wir stark auf ihre Äußerungen und Gedanken im
literarischen Text achtgeben sollten (→ innerer Monolog).

Charakterisierende Merkmale im Text


Schauen wir einmal in die Praxis und betrachten diese drei Möglichkeiten der Charakterisierung anhand einiger Beispiele. Die
wichtigsten Passagen haben wir hierbei hervorgehoben.
"An einem unfreundlichen Novembertag wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen,
reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen
Fingerhut, welchen er, in Ermangelung irgendeiner Münze, unablässig zwischen den Fingern drehte, wenn er der Kälte
wegen die Hände in die Hosen steckte, und die Finger schmerzten ihn ordentlich von diesem Drehen und Reiben. Denn er
hatte wegen des Falliments irgendeines Seldwyler Schneidermeisters seinen Arbeitslohn mit der Arbeit zugleich verlieren und
auswandern müssen. Er hatte noch nichts gefrühstückt als einige Schneeflocken, die ihm in den Mund geflogen, und er sah
noch weniger ab, wo das geringste Mittagbrot herwachsen sollte. Das Fechten fiel ihm äußerst schwer, ja schien ihm
gänzlich unmöglich, weil er über seinem schwarzen Sonntagskleide, welches sein einziges war, einen weiten, dunkelgrauen
Radmantel trug, mit schwarzem Samt ausgeschlagen, der seinem Träger ein, edles und romantisches Aussehen verlieh, zumal
dessen lange, schwarze Haare und Schnurrbärtchen sorgfältig gepflegt waren und er sich blasser, aber regelmäßiger
Gesichtszüge erfreute."

Gottfried Keller, Kleider machen Leute

 Der allwissende Erzähler verrät uns in diesem Abschnitt schon allerhand über das Schneiderlein aus Gottfried
Kellers Werk Kleider machen Leute So zeigt er uns Details über das Äußere und gibt uns außerdem einige Einblick in
die sozialen Hintergründe des Protagonisten.
 So wissen wir, dass unsere Figur arm ist und den Beruf des Schneiders ausübt.
 Weiterhin werden uns die Äußerlichkeiten beschrieben, wie beispielsweise, dass das Schneiderlein schwarze Haare und
einen Schnurrbart trägt, regelmäßige Gesichtszüge hat, die ein wenig blass erscheinen. Außerdem hat er ein gepflegtes
Äußeres.
 Diese Charakterisierung nennt man unmittelbare Darstellung durch den Erzähler. In einem Drama kann dies übrigens
durch Regieanweisungengeschehen.

Hinweis: Im Textausschnitt wird auch die Kleidung beschrieben. Diese ist für eine Charakterisierung nicht unbedingt erforderlich, da sie
kein wesentliches Merkmal einer Figur ist. Diese wäre nur dann wichtig, wenn sie die Person wirklich auszeichnen, weil diese ihr
Erkennungszeichen oder ihre auffälligste Eigenschaft ist.
Schauen wir nun, wie andere Personen etwas über einen Charakter aussagen und widmen uns einem weiteren Beispiel. Auch
dieses Element ist für die Charakterisierung entscheidend.
"'Katharina ist eine sehr kluge und kühle Person'

'Es sei wohl dieses merkwürdige, herzliche Kühle an Katharina'

'Katharina sei immer ein fleißiges, ordentliches, ein bisschen schüchternes, oder besser gesagt: eingeschüchtertes Mädchen
gewesen, als Kind sogar fromm und kirchtreu'"

Heinrich Böll, Die verlorene Ehre der Katharina Blum

 Wir haben hier drei exemplarische Textstellen aus Bölls Erzählung vereint, die jeweils die direkte Rede einzelner Figuren
zeigen. Alle Passagen betreffen unmittelbar Katharina Blum, die durch die anderen Charaktere beschrieben wird.
 Zwei Textstellen charakterisieren Katharina als kühl, was ein gemeinsamer Nenner zu sein scheint. Immerhin ist nicht jede
Personenrede auch wirklich vertrauenswürdig und sollte umgehend in unsere Charakterisierung wandern.

 Folglich können Protagonisten und Deuteragonisten durch andere Personen beschrieben werden, was uns bei der eigenen
Arbeit helfen kann.
 Wir bezeichnen das als eindeutige (subjektive) Charakterisierung durch andere Figuren oder auch figurale
Charakterisierung.

Hinweis: Wichtig ist, dass wir Aussagen von anderen Personen immer überprüfenund schauen, ob diese wirklich gelten können. Denn
nicht jede Aussage einer Figur ist für die Charakterisierung relevant. Immerhin können diese auch lügen und Unwahrheiten berichten.

Die letzte, aber doch recht typische, Möglichkeit einer Selbst-Charakterisierung, geschieht durch den Protagonisten selbst.
Schauen wir, wie das aussehen kann.
"'Ich weiß einfach nicht, was ich anziehen soll. Alles fällt unförmig an mir, an meinem hässlichen Körper, hinab und
verhöhnt meine bucklige Gestalt' dachte er und streifte das schwarze Sakko wieder hinab und setzte sich langsam wieder
hin."

Fiktives Beispiel, Wortwuchs

 Dieses Beispiel stammt von uns, um zu verdeutlichen, wie sich eine Figur selbst charakterisieren kann.
 Der unbekannte Protagonist spricht hierbei mit sich selbst und verurteilt die eigene Gestalt aufs Höchste, wobei er sich selbst
durch zwei Adjektive beschreibt (hässlich, bucklig).
 Wichtig ist hierbei, dass wir solche Passagen kritisch beurteilen. Es muss also nicht immer der Fall sein, dass die Figur
wirklich hässlich ist, sondern eher ein geringes Selbstwertgefühl hat. Eben dies müssen wir herausarbeiten und in der
Charakterisierung bedenken.

Explizite und implizite Charakterisierung


Alle vorgestellten Beispiele sollten verdeutlichen, wie Personen durch andere (Erzähler, Figuren) charakterisiert werden
oder sich selbst beschreiben können.
Diese Formen der Charakterisierung sind allesamt explizit. Das bedeutet, dass die jeweiligen Eigenschaften durch andere Figuren,
den Protagonisten oder den Erzähler klar benannt werden. Weiterhin gibt es allerdings die implizite Charakterisierung in
literarischen Texten, die nicht ganz so offensichtlich ist.
Die implizite Charakterisierung ist das Nichtgesagte und dennoch Offensichtliche. Wenden sich beispielsweise alle anderen ab, wenn ein
Charakter spricht oder rümpft eine Figur die Nase, sobald der jeweilige Charakter auftritt? All das sind Dinge, die nicht auf direktem Wege
kommuniziert werden, aber dennoch verdeutlichen können, wie eine Person dargestellt wird.

 Tipp: Bei der Vorbereitung können wir die implizite und explizite Charakterisierung farblich voneinander trennen, so dass
wir im Nachhinein ordnen können, welche Andeutungen wir möglichweise interpretieren müssen und was klar kommuniziert
wird. Warum wird die Person gemieden? Warum verhalten sich andere Figuren so oder so?

Charaktereigenschaften
Wer eine Personenbeschreibung, eine Charakterisierung oder auch nur einen Steckbrief anfertigen möchte, will eine Figur
treffend beschreiben. Schön ist es, wenn die Wesenszüge des jeweiligen Protagonisten detailliert herausgearbeitet werden.
Allerdings neigt man beim Schreiben dazu, sich stets zu wiederholen. Um Ihnen das zu ersparen, möchten wir Ihnen eine
Übersicht unterschiedlicher Charaktereigenschaften anbieten, so dass das Schreiben leichter von der Hand geht und die
Person vielfältig und facettenreich beschrieben werden kann.
Die nachfolgende Liste der einzelnen Charaktereigenschaften ist alphabetisch und nicht in Kategorien sortiert und angelegt. Wenn
sich Ihnen die Bedeutung eines Wortes nicht erschließen sollte, können Sie einfach die Suchfunktion auf unserer Seite nutzen oder
ein Fremdwörterbuch zur Hand nehmen.

Chiasmus
Der Chiasmus ist ein Stilmittel, das uns vornehmlich in der Lyrik begegnet. Hierbei werden gleichwertige Wörter, Teilsätze
oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet. Das bedeutet, dass der Chiasmus die beinahe
spiegelbildliche Anordnung eines dieser Elemente im darauffolgenden Abschnitt beschreibt.
Das Wort ist vom griechischen Buchstaben Chi, also X, abgeleitet und ist uns in seiner lateinisierten Form bekannt. Denken wir an
den Buchstaben X, wird im Eigentlichen recht deutlich, worum es beim Chiasmus grundsätzlich geht: nämlich um eine
Kreuzstellung. Schauen wir dafür auf ein und einfaches Beispiel.

Ich liebe die Sprache , die Sprache liebe ich

Hierbei fällt auf, dass sich die einzelnen Bestandteile des Satzes genau spiegelverkehrt nach dem Komma wiederholen
(Subjekt, Prädikat, Objekt werden gewissermaßen zuObjekt, Prädikat Subjekt). Das Komma kann hierbei als Achse angesehen
werden, die den Umbruch und die Wiederholung einleitet.
Um die Kreuzform noch stärker zu unterstreichen, machen wir aus unserem Beispiel doch einmal zwei Verse und lassen das
Satzzeichen weg, um das Kreuz besser betrachten zu können.

Ich liebe die Sprache


die Sprache liebe ich

Dieses Beispiel ist recht simpel und besteht lediglich aus der Abfolge dreier Teilsätze. Allerdings geht es auch ein wenig komplexer
und vor allem in der Literatur finden sich meist kompliziertere Beispiele, die nicht haargenau die spiegelverkehrte Abfolge zeigen.
Schauen wir dafür auf zwei Zeilen aus Goethes Faust, die auch noch recht eindeutig sind.

Ach Gott! Die Kunst ist lang;


Und kurz ist unser Leben.

Den Ausruf „Ach Gott!“ müssen wir hierbei streichen, da er lediglich dem folgenden Chiasmus vorangestellt ist. In der Folge lässt
sich die eindeutige Kreuzform allerdings wieder sehr schön erkennen, was natürlich durch die Versform begünstigt wird. Notwendig
ist diese jedoch nicht.
Folglich kann ein Chiasmus auch in einem einfachen Satz auftauchen, wodurch wir uns das typische Kreuz einfach denken
müssen. Als Beispiel kann ein Satz von Karl Marx gelten.

Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen.

Hinweis: Die Struktur des Chiasmus wird häufig durch ABBA angegeben. Dies bezieht sich auf die spiegelnde Anordnung der
Satzbausteine und ist nicht mit dem umarmenden Reim zu verwechseln.

Semantischer Chiasmus
Prinzipiell wurde beschrieben, dass es um die syntaktische Spiegelung bestimmter Elemente geht. Das heißt, dass Wörter,
Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet werden. Allerdings kann ein Chiasmus auch
auf der semantischen Ebene beschrieben werden. Schauen wir hierfür auf ein Beispiel aus Friedrich Schillers Maria Stuart.

Ihr Leben ist dein Tod! Ihr Tod [ist] dein Leben!

Streng genommen, haben wir es hier mit einer parallelen Syntax zu tun (→Parallelismus) und nicht mit einer Kreuzstellung im
Satzbau, gleichwohl es beinahe so aussieht. Wenn wir die farbliche Markierung allerdings für die semantische Ebene, also
Bedeutung, nutzen, gibt es schon eine Art der kreuzweisen Gegenüberstellung.

Ihr Leben ist dein Tod! Ihr Tod [ist] dein Leben!

Inhaltlich werden die Wörter Leben und Tod in eine Kreuzstellung gebracht, was charakteristisch für den Chiasmus ist.
Folglich kann der Satz ebenso als ein solcher gelten, wenngleich auch nicht auf einer syntaktischen Ebene. Wenn wir einen solchen
Vers oder Satz finden, muss ausdrücklich gekennzeichnet werden, dass wir uns auf die Bedeutungs-Ebene beziehen, da der reine
Chiasmus eben nicht vorliegt.

Funktion und Wirkung des Chiasmus

Selbstverständlich haben Stilfiguren immer eine Wirkung oder auch Funktion, wenn wir beim Lesen über sie stolpern.
Mitunter können wir das auch als Effekt bezeichnen.
 Der Chiasmus wird oftmals genutzt, um gegensätzliche Behauptungen hervorzuheben (→ Antithese), da diese in der
Kreuzstellung der jeweiligen Satzbestandteile noch deutlicher zum Vorschein kommen. Allerdings ist die Antithetik nicht
zwingend erforderlich, sondern kann durch den Chiasmus lediglich verstärkt werden.
 Folglich hat der Chiasmus eine verstärkende Wirkung auf das Gesagte oder Geschriebene, da durch die Wiederholung
die eigentliche Aussage in den Vordergrund rückt. Eine ähnliche Funktion lässt sich mithilfe
von Anapher und Anadiplose erzielen.

Hinweis: Das Gegenstück zum Chiasmus ist die Synchysis. Dieses Stilmittel bringt die Satzglieder nicht in eine Kreuzstellung,
sondern bildet eine verbundene Wortfolge.

Chick lit
Als Chick lit, wobei lit die Kurzform von literature (~Literatur) ist, bezeichnet man Belletristik, also Unterhaltungsliteratur,
die sich vornehmlich an junge Frauen richtet. Wortwörtlich ließe sich die Bezeichnung mit Tussi-Literatur übersetzen.
Sinngemäß meint dies, dass es sich bei Chick lit um anspruchslose, aber humorvolle und seichte Romane, deren Zielgruppe
Frauen sind, handelt. Diese Bezeichnung, die erstmalig in den 90ern auftauchte, ist durchaus positiv zu verstehen.
Das englische Chick bedeutet im Deutschen Küken oder auch junger Vogel. Umgangssprachlich wird der Begriff aber auch
als Tussi oder Mädchen gebraucht und kann somit als Schimpfwort für Frauen gelten oder zumindest als Bezeichnung eines
oberflächlichen, eitlen Dummchens sowie einer jungen Frau.
Der Begriff bezieht sich nicht auf die Leserschaft, sondern eher auf die Protagonisten des Werkes, also die Figuren, die darin
vorkommen. Chick lit handelt somit von jungen Frauen und ihrem Freundeskreis, die ein Leben in der Ober- oder Mittelschicht
fristen und die Höhen und Tiefen des Alltags durchleben.
Hinweis: Vornehmlich handelt es sich hierbei also nicht um anspruchsvolle Literatur, sondern um sehr seichte Unterhaltung.
Bekannte Vetreter des Genres sind beispielsweise das Buch „Sex and the City“, das auf der gleichnamigen Kolumne von Candace
Bushnell basiert oder der Roman „Schokolade zum Frühstück“ von Helen Fielding. Das Genre umfasst Dramen, Komödien,
Vampirromane und Mysteries.

Merkmale von Chick lit

Da das Genre recht neu ist und erst seit Schokolade zum Frühstück oder auch Sex and the City zu sehr großer Popularität
gelangte, gibt es keine eindeutigen Merkmale. Dennoch gibt es einige Eigenschaften, die auf die meisten Werke der jungen
Gattung zutreffen.

 Im Mittelpunkt des Romans stehen prinzipiell junge Frauen, die sich in ihrem Job und meist in der gesellschaftlichen Mittel-
oder Oberschicht behaupten müssen. Oftmals ist die Protagonistin eine Frau, die zwar mit beiden Beinen im Leben steht, aber
stets auf der Suche nach der Liebe ist.
 Das bestimmende Motiv des Genres ist demnach die Liebe und die Suche nach dem passenden Partner. Häufig geht es im
Freundeskreis der Hauptfigur turbulent zu, wobei Gerüchte, Klatsch, Tratsch und Affären sowie das Streben nach dem
Liebesglück die größten Konflikte darstellen.
 Vornehmlich bestimmen demzufolge alltägliche Situationen die Handlung des Romans und gipfeln meist in komischen
oder ironischen Momenten oder einem Schlagabtausch im Freundeskreis.
 Im Unterschied zum Bildungsroman, steht die Heldin somit schon anfangs mitten im Leben und muss sich lediglich in
diesem selbst behaupten. Es geht also weniger um die Entwicklung der Protagonistin oder das Bewältigen einer großen
Aufgabe. Primär stehen einzelne (komische) Episoden oder die Selbstfindung im absoluten Vordergrund der Geschichte.
 Somit ist die Welt der Figuren prinzipiell heil, wird demnach nur durch kleinere, eher komische, Konflikte getrübt und
entspricht in großen Teilen der Erwartungshaltung des Lesers. Das liegt darin begründet, dass es meist eine klare
Unterscheidung zwischen Gut und Böse oder auch richtig und falsch gibt, wobei das Werk in der Regel glücklich endet, also
ein Happy End hat.
 Das letztgenannte Merkmal der Chick lit ist es auch, warum das Genre als Trivialliteratur begriffen werden kann. Diese
Bezeichnung muss es sich gefallen lassen, da es in der Regel affirmativ ist. Affirmation meint, dass das bestehende
Gesellschaftsbild nicht durchbrochen oder hinterfragt wird. Im Gegensatz dazu strebt Hochliteratur die Auseinandersetzung
mit diesem Bild an.
 Ein weiteres Merkmal des trivialen Charakters der Chick lit liegt darin begründet, dass – vor allem durch den Erfolg der
obigen Beispiele – Bücher des Genres für ein Massenpublikum geschrieben sind und häufig in Bandarbeit produziert werden,
wobei eine schöne Welt, die eine eindeutige Unterscheidung zwischen Gut und Böse ermöglicht, präsentiert wird.

Chick flick und Chick lit

Im Bereich des Films gibt es ein sprachliches Pendant: das sogenannte Chick flick. Mit diesem Begriff werden Filme
bezeichnet, die von der Liebe erzählen oder Emotionen in den Fokus rücken. Auch diese sollen sich vornehmlich an ein
weibliches Publikum richten.
Flick ist im Englischen das umgangssprachliche Wort für Film. Die Merkmale des Filmgenres unterscheiden sich hierbei nicht vom
literarischen. Auch im Film stehen junge, selbstbewusste Frauen im Mittelpunkt der Erzählung und bewegen sich in einer heilen
Welt, die grundsätzlich in Gut und Böse aufgeteilt ist.
Traditionell kommen solche Filme rund um den Valentinstag ins Kino, doch natürlich gibt es Ausnahmen. Ein Beispiel ist der
Klassiker Dirty Dancing. Aber auch in jüngster Zeit werden wir fündig, was die Verfilmung von Sex and the City, aber natürlich
auch die Twilight-Reihefabelhaft illustriert

Chrestomathie
Als Chrestomathie wird eine Zusammenstellung von Texten verschiedener Autoren in einer Sprache bezeichnet, welche für
den Unterricht ebendieser Sprache besonders brauchbar erscheint. Hierbei kommen vor allem Schriften in Prosa zum
Einsatz. Im allgemeinen Sprachgebrauch und vor allem seit der Neuzeit meint die Chrestomathie aber jegliche Sammlung
ausgewählter Texte und Textauszüge, die für den Unterricht bestimmt ist und dabei die bedeutendsten Autoren eines Landes
bündelt. Im Unterschied zur Anthologie, die ebenfalls eine (themenbezogene) Sammlung einzelner Texte meint, steht bei der
Chrestomathie in der Regel im Vordergrund, dass mit ihr tatsächlich gelernt werden soll. Folglich stellt diese
Zusammenstellung eine Vorform des heutigen Lesebuchs dar.
Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern chrestós, was nützlich bedeutet, und matheín, das lernen meint, zusammen.
Folglich verweist die Übersetzung des Begriffs darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um etwas, das nützlich zum Lernen
erscheint und in diesem Fall ist dies eine Sammlung aus Texten, welche besonders brauchbar erscheinen, um eine bestimmte
Sprache mithilfe ausgewählter Texte in der jeweiligen Landessprache zu erlernen. Zumeist handelt es sich dabei um Prosatexte.
Eine Chrestomathie folgt dabei zumeist einem Aufbau, welcher den Übergang vom Leichten zum Schweren nachzeichnet. Am
Anfang stehen folglich Texte, die für Schüler recht einfach zu verstehen sind und im Laufe der Lektüre werden die Texte komplexer
und schwieriger. Mitunter werden dabei einzelne Vokabeln, die für das Verständnis der jeweiligen Passagen erforderlich sind, am
Rand oder auch in einer Fußnote erklärt (vgl.Glosse) oder kurzerhand zwischen den Zeilen des Textes
übersetzt (vgl. Interlinearglosse).
Darüber hinaus gibt es Zusammenstellungen, die die brauchbarsten, also (subjektiv) besten, Werke eines Autors bündeln und ebenso
unter dem Begriff Chrestomathie gefasst werden. Solche Zusammenstellungen waren vor allem seit dem 18. Jahrhundert beliebt,
wobei unter anderem die Werke von Herodot, Thukydides, Cicero, Livius, Horaz, Ovid und anderer lateinischer sowie
griechischer Dichter herausgegeben wurden.
Zwar sind solche Zusammenstellungen in der Regel dafür gedacht, dass sie zum Lernen brauchbar sind oder das literarische Werk
eines Autors exemplarisch verdeutlichen, aber in den vergangenen Jahrhunderten wurde der Begriff auch auf andere Sammlungen
angewandt. So erschienen unter anderem Chrestomathien zur Ökonomie, Pädagogik und Philosophie, die wichtige Schriften zu
einem bestimmten Bereich aufbereiteten.
Mitunter wird der Begriff auch synonym zur Anthologie verwendet, dann steht allerdings nicht mehr der Anspruch im
Vordergrund, dass mithilfe der Zusammenstellung gelernt werden soll, sondern vor allem der, dass ein beliebiges Thema aufgrund
ebendieser Zusammenstellung möglichst umfassend beleuchtet wurde.

Chronique scandaleuse
Als Chronique scandaleuse wird eine Sammlung oder Auswahl von Texten bezeichnet, die Skandale sowie Klatschgeschichten
über Personen, Orte, Epochen oder Milieus bündeln. Oftmals wurden dabei geheime Geschichten von Personen eines
höheren Standes (bspw. Adel, Klerus) verbreitet, obwohl die Richtigkeit der erzählten Anekdoten in den allerwenigsten Fällen
gesichert war und demzufolge auch jede Menge unwahre Begebenheiten verbreitet wurden. Mitunter wird der Begriff auch
als geheime – teils böswillig übertriebene – Auswahl von den Fehlern anderer Personen oder einzelner Orte definiert.
Der Begriff lässt sich aus dem Französischen ableiten und in etwa mit skandalösen Geschichte oder eben skandalöse Chronik
übersetzen und ist demnach in Prosa verfasst. Allerdings ist nicht gänzlich geklärt, worauf die Bezeichnung zurückzuführen ist. In
der Literatur finden sind sich vor allem zwei Varianten.
Entweder wurde der Begriff zum ersten Mal für eine eher polemische Schrift über den König Ludwig XI. von Frankreich
verwendet, der darüber hinaus die gesellschaftlichen Zustände in der Mitte des 15. Jahrhunderts beschrieb. Ursprünglich wurde die
besagte Schrift unter dem Titel Chroniques du très-chréstien et victorieux Louys de Valoisveröffentlicht, wurde aber dann im Jahr
1611 von einem Buchhändler erneut unter dem Titel Chronique scandaleuse gedruckt und ist in diesem Fall ursächlich für die
Bezeichnung.
Eine weitere Möglichkeit – die aber ebenfalls ungesichert ist – stellt ein Werk des französischen Dichters Claude Le Petit dar. Der
Schriftsteller wurde unter dem König Ludwig XIV. wegen Blasphemie hingerichtet, was daran lag, dass er im Jahr 1668 eine Schrift
mit dem Titel Chronique scandaleuse de Paris veröffentlichte, das Straßen, Brücken, Plätze sowie Paläste in Paris satirisch
und sarkastisch parodierte.

Concessio
Die Concessio ist ein rhetorisches Stilmittel, das vor allem in Reden zum Einsatz kommt. Wer eine Concessio gebraucht,
greift das gegnerische Argument auf und räumt außerdem ein, dass es richtig ist. Allerdings macht er es im gleichen Zug
unwirksam, indem ein eigenes Argument angeführt wird, das stärker ist und das aufgegriffene somit
entkräftet (→ Argumenttypen).
Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab und lässt sich mit Eingeständnis übersetzen. Demzufolge verweist schon die
Übersetzung darauf, womit wir es grundsätzlich zu tun haben: einem argumentativen Eingeständnis, dass das gegnerische Argument
richtig ist [bei zeitgleicher Anmerkung, dass das eigene stärker und das andere somit unwirksam ist]. Schauen wir zur
Veranschaulichung auf ein Beispiel.
(1)
(2)
Die Streikenden haben recht, wenn sie auf die schlechten Bedingungen verweisen.
Dennoch sollte dies nicht zu Entlassungen führen, da sie dem Standard entsprechen.

Im obigen Beispiel wird durch den Redner vorerst der Einwand, dass die Streikenden vollkommen richtig liegen, angeführt, um ihn
in der Folge zu entschärfen. In diesem Fall wird eben darauf verwiesen, dass die Bedingungen dem Standard entsprechen, also
weitestgehend in der Branche gültig sind.
(1)
(2)
Ihr Einwand, dass die Wirtschaft am Boden liegt, ist richtig.
Aber das hat ja auch ihre Fraktion zu verantworten

Auch in diesem Fall wird dem Gesprächspartner zuerst beigepflichtet, indem der Einwand, dass die wirtschaftliche Situation
schlecht ist, aufgegriffen wird. Im gleichen Zug wird das Ganze entkräftet, wenn darauf verwiesen wird, dass die Gegenseite selbst
für den Niedergang verantwortlich ist.
(1)
(2)
Ja. Günther hat sich unmoralisch verhalten,
aber juristisch bestrafen kann man ihn dafür nicht.

Das obige Beispiel pflichtet dem Gegenüber insofern bei, als dass aufgegriffen wird, dass sich Günther mit Sicherheit unmoralisch
verhalten hat. Allerdings wird der Einwand gleichermaßen entschärft, indem darauf verwiesen wird, dass dies juristisch belanglos
ist: abermals eine eindeutige Concessio.
Hinweis: Alle angeführten Beispiele für die Stilfigur haben einen gemeinsamen Nenner: sie greifen den Einwand der Gegenseite auf,
um sie im Anschluss zu widerlegen oder zumindest zu entschärfen.

Wirkung und Funktion der Concessio

Natürlich ist es nicht immer sinnvoll, einem rhetorischen Stilmittel eine klare Wirkung oder Funktion zuzuschreiben.
Hierbei laufen wir nämlich Gefahr, es in der Folge stets darauf zu reduzieren. Dennoch möchten wir Ihnen einige Hinweise
zur Wirkung vorschlagen.
Übersicht: Wirkung, Funktion und Bedeutung der Concessio

 Die Concessio ist die vermeintliche Kapitulation vor dem gegnerischen Argument, weil diesem beigepflichtet wird.
Allerdings wird dient das nur dem Schein, da es im nächsten Zug entkräftet oder zumindest entschärft wird.
 Die Concessio kann durchaus einen ironsichen Unterton haben. Nämlich dann, wenn zwischen dem aufgegriffenem Einwand
und dem eigenen, stärkeren Argument eine Kunstpause gelassen wird, wodurch der vermeintliche Effekt der Kapitulation
deutlicher wird.
 Hinweis: Ein anderer Ausdruck für die Stilfigur ist das griechische Wort „Paromologie“, was die gleiche Figur meint.
Verwandt ist die Concessio außerdem mit der Permissio. Hierbei wird dem Angesprochenen eingeräumt, dass er
Entscheidungs- und Handlungsfreiheit genießt, wobei angenommen wird, dass dieser letzten Endes die Meinung des Redner
annehmen wird.

Contradictio in adiecto
Die Contradictio in adiecto ist ein rhetorisches Stilmittel und wird aus einem Adjektiv und einem Substantiv gebildet, die sich
gegenseitig ausschließen. Die Contradictio in adiecto ist somit eine Sonderform des Oxymorons, das zwei Begriffe verknüpft,
die sich grundsätzlich widersprechen oder sogar ausschließen. Verwandt ist das Stilmittel außerdem mit dem Paradoxon.
Contradictio in adiecto ist Latein und lässt sich mit Widerspruch in der Beifügung übersetzen. Folglich verrät uns die Übersetzung
schon, worum es hierbei grundsätzlich geht: einen Widerspruch zwischen einem Begriff und einem Wort, das diesem beigefügt
ist (Adjektiv). Schauen wir dafür auf ein Beispiel.
Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe (Die Ärzte, Band)

Ein Schrei ist laut Duden ein „schriller Laut eines Lebewesens“, wohingegen stumm per Definition bedeutet, dass jemand nicht die
Fähigkeit hat, [Sprach]laute hervorzubringen. Das Adjektiv stumm und das Substantiv Schrei sind also widersprüchlich, weshalb
wir die gezielte Verbindung beider Worte als Contradictio in adiecto bezeichnen können.
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
Die drei Verse stammen aus der ersten Strophe der Todesfuge aus der Feder Paul Celans. In den Verszeilen finden wir
eine Anapher (wir trinken) und außerdem die Contradictio in adiecto, die durch die widersprüchliche Verbindung
von schwarz und Milchentsteht. Immerhin ist Milch bekanntlich weiß.
Hinweis: Die beiden Beispiele für die Contradictio in adiecto haben gemeinsam, dass wir beim Lesen über sie „stolpern“, wodurch die
Stilfigur eine Aussage stärker in den Vordergrund rücken kann.

Contradictio in adiecto und Oxymoron

Die Contradictio in adiecto ist eine Sonderform des Oxymorons, da es zwei widersprüchliche Begriffe miteinander vereint.
Allerdings ist nicht jedes Oxymoron eine Contradictio in adiecto.
Das heißt, dass das Oxymoron ein zusammengesetztes Substantiv sein kann oder eine widersprüchliche Verbindung
anderer Wortarten. Die Contradictio in adiecto meint allerdings immer einen Widerspruch zwischen Substantiv und beigefügtem
Adjektiv → Oxymoron, Beispiele für das Oxymoron
Hinweis: Interessant ist außerdem, dass ein Sprecher die Stilfigur bewusst einsetzen muss, damit wir von einer Stilfigur sprechen
können. Tut er dies aus Unwissenheit, ist dies nicht als Stilmittel, sondern eher als Stilfehler zu interpretieren. Beispiel aus dem
Alltag: Hallenfreibad.

Beispiele für die Contradictio in adiecto

Am besten lässt sich ein Stilmittel anhand von Beispielen veranschaulichen. Deshalb möchten wir Ihnen an dieser Stelle noch
einige Beispiele für die Stilfigur mit auf den Weg geben.
Ein beredsam tiefes Schweigen
Ein Versteck, der offen liegt,
Ganz ergossen, sich nur eigen,
Ein Ergeben, nie besiegt.

Das obige Beispiel ist eine Strophe aus einem Liebesgedicht von Clemens Brentano. Die Widersprüche zwischen Adjektiv und
Substantiv haben wir dabei farblich hervorgehoben. Klar ersichtlich sind dabei die Gegensätze zwischen beredsam /
Schweigen, Versteck / offenund Ergeben / nie besiegt.
Weitere lose Beispiele für das Stilmittel
schwarze Sonne
viereckiger Kreis
weiser Narr
ehemalige Zukunft
absichtliches Versehen
eingefleischter Vegetarier
offenes Geheimnis

Wirkung und Funktion der Contradictio in adiecto

Prinzipiell ist es schwierig einer Stilfigur eine eindeutige Funktion zuzuschreiben. Dann laufen wir nämlich Gefahr, sie stets
auf diese Funktion herunter zu brechen und nicht mehr auf den Gesamtkontext zu achten. Dennoch gibt es häufig einen
Grund für den Einsatz.
Wirkung, Funktion und Effekt der Contradictio in adiecto

 Durch den Einsatz der Stilfigur kann eine Aussage enorm verstärkt werden, da wir beim Lesen über den Widerspuch
„stolpern“ und ihn so stärker wahrnehmen.
 Weiterhin deckt das Stilmittel die Extrema eines Sachverhalts ab und kann so auf die Doppel- oder auch Mehrdeutigkeit einer
Begebenheit verweisen. Alle Seiten eines Sachverhalts werden so in Lyrik und Prosa zum Ausdruck gebracht. Dadurch wird
das sprachliche Bild erweitert.
 Das Verbinden widersprüchlicher Wörter kann aber auch komisch wirken. Ein Beispiel dafür ist das Gedicht “Dunkel war’s
der Mond schien helle“, das durchgehend in Oxymora verfasst ist. Dieses Gedicht finden Sie übrigens im Hauptartikel
zum Oxymoron

Correctio
Als Correctio wird ein rhetorisches Stilmittel bezeichnet, das uns in allen literarischen Gattungen begegnen kann.
Die Correctio beschreibt, dass eine Aussage unmittelbar zurückgenommen und durch einen schwächeren oder stärkeren
Ausdruck ersetzt wird. Die Stilfigur ist demnach eine Selbstberichtigung, um eine Aussage zu verstärken und mit
der Metaphrase verwandt.
Der Begriff lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und mit Korrektur übersetzen. Demzufolge zeigt schon die Übersetzung des
Stilmittels, worum es grundsätzlich geht: nämlich die Korrektur [einer Aussage, wobei meist ein schwächerer Ausdruck durch einen
stärkeren ersetzt wird]. Schauen wir dafür auf ein Beispiel.

Du siehst gut aus, ja, wunderschön bist du!


Das obige Beispiel ist keinem Werk entnommen, sondern fiktiv. Die Correctio wird hierbei ersichtlich, weil das Adjektiv gut im
Folgenden relativiert und durch das Wort wunderschönersetzt wird. Somit hat sich der Sprechende, in diesem Fall ein lyrisches Ich,
selbständig berichtigt und die Aussage verstärkt.

Sie lieben, Madame?


Nein, Sie anbeten, auf Händen tragen!
Dieses Beispiel stammt vom deutsch-französischen Dichter Heinrich Heine. In diesem Fall ist es das Verb lieben, das durch weitere
Ausdrücke ergänzt und somit verstärkt wird. Hierbei haben wir es sogar mit einer doppelten Korrektur zu tun und außerdem einer
dreigliedrigen Steigerung des Gesagten (→ Klimax).

Wer hat die Kirschen geklaut?


Es war der Kleine, das Kind von vorhin!
Hier haben wir es mit einer Sonderform der Correctio zu tun, nämlich der Metaphrase. Diese besagt, dass ein Ausdruck im
Nachhinein ersetzt wird, wobei allerdings ein Synonym des Wortes gebraucht wird. Es geht also nicht nur darum, dass eine Aussage
durch den Sprechenden korrigiert wird, sondern durch ein bedeutungsgleiches Wort (vielleicht um den Ausdruck zu
konkretisieren) ersetzt wird.
Hinweis: Die Correctio ist also immer eine Form der Berichtigung durch den Sprechenden. Meist erfolgt diese Berichtigung
unmittelbar auf das Gesagte, was mitunter auch einen Satzabbruch zur Folge hat. Grundsätzlich kann die Correctio aber auch erst
im nachfolgenden Satz zum Einsatz kommen („Wir haben ihm einen Stein setzen lassen. Etwa ihm zum Denkmal? Uns
zum Wahrzeichen!“, Grillparzer).

Wirkung und Funktion der Correctio

Prinzipiell ist es schwierig, einem Stilmittel eine ganz eindeutige Wirkung zuzuschreiben. Dann laufen wir nämlich schnell
Gefahr, es stets auf diesen Effekt zu reduzieren und nicht mehr zu prüfen, ob es sich tatsächlich so verhält. Dennoch
möchten wir einige Hinweise geben.

Kurzübersicht: Wirkung und Funktion der Correctio

 Die Correctio meint in der Rhetorik den Umstand, dass sich der Sprechende berichtigt. Meist geschieht dies unmittelbar nach
einer getroffenen Aussage, weshalb unter Umständen der ursprüngliche Satz abgebrochen wird oder grammatisch anders
beendet wird.
 So eine Berichtigung kann bewirken, dass die jeweilige Aussage verstärkt wird. Sehr häufig wird nämlich auch ein
schwächerer Ausdruck gegen einen stärkeren ersetzt, da das Gesagte noch nicht den Kern einer Sache getroffen hat.
 Wird die Correctio mithilfe eines Synonyms gebildet, also einem Wort, das bedeutungsgleich mit dem ersetzten ist, nennt
man die Stilfigur Metaphrase.

Da capo
Als Da capo wird in der Musik die Anweisung bezeichnet, ein Musikstück – wenn die Musiker bei der Anweisung angelangt
sind – nochmals von Beginn zu spielen. Zumeist wird die Anweisung Da capo mit al fine ergänzt. Das bedeutet, dass das
Werk von Anfang bis zum Hinweis fine gespielt wird. Dieser Hinweis kann dabei entweder tatsächlich am Ende des Werkes
stehen oder auch an einer beliebigen Stelle innerhalb der Notation. Darüber hinaus ist Da capo! als Beifallsruf seitens des
Publikums üblich, um Musiker, Sänger oder Schauspieler zur Wiederholung aufzufordern. Dieser Ausruf soll zeigen, dass
das Stück so gut war, dass man es nochmals von Beginn an hören möchte.
Die Wortfolge ist italienisch und setzt sich aus da für von/m und dem Nomen capo für Kopf zusammen. Wortwörtlich übersetzt
würde sie demnach vom Kopf bedeuten, lässt sich aber im übertragenen Sinn als vom Beginn deuten. Folglich verweist bereits die
Übersetzung der Wortfolge darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um Etwas, das vom Beginn oder eben Anfang wiederholt
wird.
Das obige Beispiel-Bild verdeutlicht, worum es hierbei geht. Die Notenzeile ist hierbei in zwei Abschnitte eingeteilt: Abschnitt
A und Abschnitt B. Am Ende der Notenzeile findet sich der Hinweis Da capo al fine. Das bedeutet, dass der Musiker, wenn
Abschnitt A und B gespielt wurden, nochmals vom Beginn der Notenzeile beginnen und das Ganze bis zum
Hinweis fine wiederholen muss. Gäbe es den Hinweis finenicht, würde das Stück bis zum Ende durchgespielt werden. Also bis zum
Ende von Abschnitt B.
Darüber hinaus gilt, dass einfache Wiederholungen, die bis zum Da capo gesetzt wurden, nicht erneut wiederholt werden. Dieser
Grundsatz kann aber durch den Hinweis con repetitione (mit Wiederholungen, kurz: con rep.) aufgehoben werden. Dann werden alle
Wiederholung vom Beginn bis fine mitgespielt.

Dal segno und Da capo al coda

Ferner gibt es zwei Anweisungen, die dem Beschriebenen recht ähnlich sind: Dal segno sowie Da capo al coda. Auch hierbei
werden bestimmte Abschnitte des jeweiligen Musikstücks wiederholt. Allerdings bis zu einem anderen (festgelegten) Punkt
und eben nicht bis zum Hinweis fine.
Die Anweisung Dal segno ist mit Da capo vergleichbar. Sie besagt, dass ein Musikstück vom Punkt, der mit Dal segno bezeichnet
wurde, bis zum notierten Endpunkt wiederholt wird. Ebenso gibt es die Anweisung Dal segno al fine (vom Punkt bis zum Ende oder
bis fine) sowie Dal segno al coda.
Al coda oder eben Da capo al coda meint, dass nach ebendiesem Hinweis zum Anfang gesprungen und von dort wiederholt wird. Es
wird hierbei bis zur entsprechend ausgezeichneten Stelle gespielt, um anschließend ins Coda (wörtlich Schwanz, von lat. cauda),
also in ein Nachspiel, zu springen und das Werk darin fortzusetzen. Auch hierbei werden einfache Wiederholungen nicht erneut
gespielt.

Da capo-Arie

Als Arie wird ein solistisch vorgetragenes Musikstück bezeichnet. Namensgebend für eine der bedeutendsten Arienformen ist
die beschriebene Anweisung: die Da-capo-Arie. Populär war diese vor allem im Barock und nahm dort eine beherrschende
Stellung ein (vgl. Literaturepochen).
Diese Form der Arie besteht grundsätzlich aus zwei Teilen, die stark miteinander kontrastieren, also in einem starken Gegensatz
stehen. Nach dem zweiten Teil findet sich im Notentext die Anweisung Da capo, was besagt, dass das Gesangstück vom jeweiligen
Sänger vom Beginn gesungen werden und somit der erste Teil wiederholt werden muss. Wenn man den einzelnen Teilen der Arie
nun Buchstaben zuweist, also dem ersten ein A und dem zweiten ein B, wäre das Schema der Da-capo-Arie ABA.
Interessant ist an dieser Wiederholung, dass der Sänger Teil A entweder wortwörtlich wiederholt oder eben stark variiert. Dadurch,
dass hierbei Variationen erlaubt und meist gewünscht sind, eröffnet sich für den Sänger ein Spielraum, der Gelegenheit für
gesangliche Verzierungen mit beliebigen Koloraturen und Variationen bietet. Die Da-capo-Arie findet sich erstmalig in
Monteverdis L’Orfeo (UA: 24. Februar 1607).
Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick

 Als Da capo wird in der Musik die Anweisung bezeichnet, ein Musikstück – wenn die Musiker bei der Anweisung angelangt
sind – nochmals von Beginn zu spielen. Zumeist wird die Anweisung Da capo mit al fine ergänzt. Das bedeutet, dass das
Werk von Anfang bis zum Hinweis fine gespielt wird. Weiterhin ist ein Beifallsruf seitens des Zuschauers mit diesen
Wörtern üblich, um die Musiker bei Gefallen zur Wiederholung aufzufordern.

Darüber hinaus gibt es die Anweisungen Dal segno und Da capo al coda. Erstere Anweisung beschreibt ein ähnliches Prinzip und
meint dass ein Musikstück vom Punkt, der mit Dal segnobezeichnet wurde, bis zum notierten Endpunkt wiederholt wird. Da capo al
coda meint, dass nach diesem Hinweis zum Anfang gesprungen und von dort wiederholt wird. Es wird hierbei bis zur entsprechend
ausgezeichneten Stelle gespielt, um anschließend ins Coda (Nachspiel) zu springen.

 Von ebendieser Anweisung aus der Musik leitet sich außerdem der Begriff der Da-capo-Arieab. Diese bezeichnet ein
Gesangstück, dass dem Schema ABA folgt. Hierbei werden zwei kontrastierende Teile gesungen, um anschließend den ersten
Teil nochmals wortwörtlich oder mit Variationen (und beliebigen Koloraturen) zu wiederholen.
Daktylus
Der Daktylus ist ein Versfuß, der aus drei Silben gebildet wird. Ein Versfuß rhythmisiert einen lyrischen Text und bestimmt
unsere Lesart. Der Daktylus wird durch die Abfolge einer schweren und zweier leichten Silben in einem Vers gebildet und
gehört neben Jambus, Trochäus und Anapäst zu den vier Grundmetren der akzentuierenden Metrik (→ Versmaß).
Das Wort Daktylus geht auf das Altgriechische (δάκτυλος, dáktylos) zurück und bedeutet in etwa „Finger„. Im Plural (Mehrzahl)
sprechen wir übrigens von Daktylen und nicht von Daktylussen, auch wenn sich diese Formulierung mitunter in deutsche
Klassenzimmer vorgewagt hat. Falsch ist sie dennoch.
Im antiken Griechenland wurde der Daktylus durch die Abfolge einer langen und zweier kurzen Silben bestimmt (– υ υ). Wird der
Daktylus so verstanden, sprechen wir von einer quantitierenden Metrik, die sich auf die Längen und Kürzen in einem Wort
beschränkt.
In der deutschen Nachbildung des daktylischen Versmaßes schauen wir allerdings nicht auf die
Kürzen und Längen eines Wortes, sondern achten auf die Betonung einzelner Silben. Das bedeutet,
dass der Daktylus aus einer betonten und zweier unbetonten Silben gebildet wird. Dieses
Verständnis vom Daktylus ist es auch, das in Schulen und im Deutschunterricht gelehrt wird.

Aufbau des Daktylus

Wie beschrieben, wird der Daktylus aus einer betonten und zweier unbetonter Silben gebildet. Diese Abfolge geben wir
üblicherweise so an: x‘ x x. Mitunter hat sich auch die Schreibweise X xx eingebürgert.
Prinzipiell liegt es allerdings an uns, wie wir bei der Bearbeitung eines Textes die einzelnen Betonungen kennzeichnen. Wichtig ist
allenfalls, dass wir unsere eigenen Ausführungen konsequent durchführen, so dass ein zukünftiger Leser unserer Arbeit genau weiß,
was wir mit den einzelnen Symbolen und Beschriftungen zum Ausdruck bringen möchten.
In Bezug auf den Daktylus können wir uns die genaue Abfolge übrigens recht einfach merken, da das Wort selbst ein Dak ty lus ist.
Wir betonen beim Sprechen die erste Silbe Dak, wobei ty und lus unbetont bleiben.
Weiterhin finden wir in der deutschen Sprache recht viele Beispiele für das daktylische Versmaß, da viele
zusammengesetzte Substantive das Muster beinhalten. Das liegt darin begründet, dass im Deutschen sehr häufig die Betonung eines
Wortes auf der ersten Silbe liegt. Als Beispiel können hierbei Ach ter bahn und Füll hal ter gelten.
Hinweis: Ob eine Silbe unbetont oder betont gesprochen wird, erkennen wir am besten, wenn wir sie laut und deutlich aussprechen.
Prinzipiell sprechen wir eine betonte Silbe lauter und heben die Stimme bei der Aussprache an. Genauer beschrieben haben wir das
im Beitrag zum Versmaß.

Der Daktylus im Gedicht

Aber natürlich findet sich der Versfuß nicht nur in einzelnen Wörtern, sondern kann ebenso ganze Verse bestimmen. Weiterhin
ist der Daktylus natürlich nicht durch die Grenzen eines Wortes bestimmt, sondern kann über die hinaus und über mehrere Wörter
gehen.
Eine daktylische Struktur, die aus mehreren Daktylen gebildet wird, würde folglich so aussehen: x‘ x x x‘x x x‘ x x. Hier hätten wir
es mit einer Aneinanderreihung von drei Daktylen zu tun, die sich einheitlich abwechseln. Schauen wir dafür auf einen fiktiven
Einzeiler.
Au to fahrt? Luft han sa! Wun der bar!

Hinweis: Wir sehen hierbei im Eigentlichen nur drei Wörter, die aufgereiht sind und jeweils einen Daktylus beschreiben. Dieses
Schema muss allerdings nicht immer aufgehen und Daktylen können auch unvollzählig sein, was wir mithilfe der Kadenz
beschreiben.

Kadenz und Daktylus


Mithilfe einer Kadenz beschreiben wir, wie viele unbetonte nach der letzten betonten Silbe in einer Verszeile kommen. Der
typische Dak ty lus, wie in diesem Beitrag vorgestellt, endet dabei immer auf zwei unbetonte Silben. Das bedeutet, der Daktylus hat
eine reiche Kadenz (→ Kadenz).
Nun halten sich Autoren und Dichter aber selten an klare Strukturen und richten das gewählte Versmaß nach irgendwelchen
Theorien aus. Das bedeutet, dass der Daktylus auch unvollständig in einem Vers verwendet werden kann. Schauen wir als Beispiel
auf den ersten Vers aus Schillers Würde der Frauen.
Ehret die Frauen! sie flechten und weben

Hierbei fällt auf, dass lediglich drei daktylische Versfüße vollständig sind. Der vierte besteht lediglich aus zwei Silben, ihm fehlt
also gewissermaßen die letzte unbetonte Silbe. Dennoch müssen wir diese Zeile dem Daktylus zuschreiben, da das Muster ansonsten
recht eindeutig ist.
Hinweis: In der Wissenschaft nennt man solche „unvollständigen“ Verse katalektisch. Die beispielhafte Verszeile wäre somit ein
vierhebiger Daktylus mit weiblicher Kadenz, wobei der letzte Daktylus zweisilbig katalektisch ist (→ Vers).

Der Daktylus und die Hebigkeit


Nun haben wir schon jede Menge über den Versfuß erfahren. Allerdings haben wir bisher von mehreren Daktylen in einer
Verszeile gesprochen. Das ist allerdings nicht ganz korrekt, da wir nicht die einzelnen Versfüße zählen, sondern eine Zeile
mit der Hebigkeit beschreiben.
Das lässt sich erklären, indem wir die Begriffe Hebung und Senkung mit den Begriffen betont und unbetont gleichsetzen. Schauen
wir nun abermals auf Schillers Vers, sehen wir, dass dieser durch vier Hebungen bestimmt wird.
Ehret die Frauen! sie flechten und weben

Schillers Verszeile besteht also nicht aus vier Daktylen, sondern aus einem vierhebigen Daktylus mit
weiblicher Kadenz, der zweisilbig katalektisch ist.

Hinweis: Wir schauen folglich immer auf die einzelnen Hebungen in einer Verszeile. Würde es drei geben, hätten wir es mit einem
dreihebigen Daktylus zu tun usw.

Wirkung und Funktion des Daktylus

Prinzipiell ist es nicht möglich, einem Versfuß eine bestimmte Funktion oder Wirkung zuzuschreiben. Das muss immer im
Kontext des Gedichts beurteilt werden. Dennoch gibt es einige Merkmale, die auf den Daktylus zutreffen und natürlich einen Effekt
auf den Leser haben.
Effekt des Daktylus

 Der Daktylus kann als tänzerisch oder auch beschwingt gelten. Immerhin lässt sich seine Abfolge nahtlos auf den
Dreivierteltakt eines Musikstücks übertragen. Ein Dreivierteiltakt meint, dass eine Note nach drei Viertelnoten „voll“ ist. Der
Walzer ist ein Tanz im Dreivierteltakt.
 Allerdings kann mit dieser unbefangen, tänzerischen Beschwingtheit auch gespielt werden, wenn gegensätzliche Stimmungen
durch den Inhalt eines Wortes erzeugt werden und die Wirkung damit urplötzlich aufgehoben wird.

Hinweise zum daktylischen Versmaß

 Das Gegenstück zu den Daktylen bildet der Anapäst, der aus zwei unbetonten und einer betonten Silbe gebildet wird und folglich
die Umkehrung des beschriebenen Versfußes ist.
 Anfangs wurde geschrieben, dass das Wort Daktylus mit „Finger“ übersetzt werden könne. Dies liegt darin begründet, als dass
auch unser Finger aus drei Gliedern besteht, wobei eines länger ist und die anderen beiden kurz, was ebenso bei unserem Versfuß der
Fall ist.

Debüt
Als Debüt wird im Theater, in der Oper, beim Ballett sowie beim Film das erstmalige Auftreten in einer Öffentlichkeit oder
die erste Arbeit (meist eines Künstlers), welche der Öffentlichkeit vorgestellt wird, bezeichnet. Der Begriff ist vor allem in
Bezug auf Künstler und Schauspieler gebräuchlich, kann aber auch im Sport (erstes Spiel in neuer Mannschaft) gebraucht
werden. Demzufolge wird die erste Rolle, die ein Schauspieler spielt, als Debütrolle und der Künstler als Debütant /
Debütantin bezeichnet. Als Debütantin bezeichnet man außerdem eine junge Frau, die „in die Gesellschaft eingeführt wird“.
Der Begriff leitet sich vom französischen début ab, was sich mit Anfang übersetzen lässt. Demnach verweist bereits die Übersetzung
auf die eigentliche Bedeutung des Begriffs: nämlich auf den Anfang und somit das erste Mal, dass eine Sache oder eine Person
vorgestellt wird. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe deutschte den Begriff der Debütrolle ein und verwendete
das Nomen Antrittsrolle.
Hans Mohwinkel debütierte in Nachtlager als Jäger.

Hans Mohwinkel (1862 – 1922) war ein deutscher Opernsänger (Bariton) sowie Gesangspädagoge. Im Jahr 1889 konnte er, weil er
sich durch Selbststudium in Gesangs- und Musikwissenschaft so weit ausbildete, in der Regensburger Oper debütieren. Seine
Antrittsrolle war die des Jägers im Werk Das Nachtlager in Granada, einer Oper in zwei Akten von Conradin Kreutzer, die im
Sommer 1833 entstand.

Debütalbum (Musiker)
Mit dem Begriff Album wird in der Musikindustrie die Zusammenstellung mehrerer Stücke auf einem Tonträger (CD,
Kassette, Schallplatte etc.) bezeichnet. Den Richtlinien der deutschen Musik-Charts folgend, wird ein solcher Tonträger erst
als Album bezeichnet, wenn er mindestens fünf Stücke beinhaltet. Das erste Musikalbum eines Musikers wird als
sein Debütalbum bezeichnet.
Die erfolgreichsten Debütalben von Künstlerinnen sind von Whitney Houston (Whitney Houston, 13 Millionen verkaufte Tonträger),
Britney Spears (… Baby One More Time, 14 Millionen verkaufte Tonträger) und Lady Gaga (The Fame, 15 Millionen verkaufte
Tonträger). Als das erfolgreichsten Debüt einer Gruppe gilt das Album Boston (1976) von der gleichnamigen Rockband, das sich
über 17 Millionen Mal verkaufte.
Nachfolgend der Titel Poker Face, der auf dem erfolgreichen Debütalbum The Fame von Lady Gaga enthalten ist. Dieser wurde aus
dem Album ausgekoppelt und erreichte in den weltweiten Charts Topplatzierungen.

Debütfilm (Regisseur)

Ein Debütfilm, auch Erstlingsfilm, ist der erste Film, den ein Regisseur der Öffentlichkeit präsentiert. Solche Werke werden
auf Filmfestivals kritisch beäugt und sind der erste wesentliche Punkt im Schaffen eines Regisseurs und werden in der Regel
mit einem Förderpreis gewürdigt.
Häufig lassen sich in Erstlingswerken schon Tendenzen der späteren Regiearbeit erkennen. Beispielsweise legte Blood Simple – Eine
mörderische Nacht den Grundstein des späteren Erfolgs der Coen-Brüder und wurde vielfach von der Kritik gelobt. Der Thriller ist
eine Hommage an den den Film noir der 1940er.
Auch Quentin Tarantinos Erstlinge tragen seine Handschrift. So verwendete er bereits in My Best Friend’s Birthday, seinem
zweiten Filmprojekt, das nie vollendet wurde typische Elemente, die aus seinem späteren Schaffen bekannt sind. Das fällt bei der
Gestaltung der Dialoge auf, aber auch durch das Verwenden von Zitaten aus anderen Filmen, was auch heutzutage charakteristisch
ist.

Debüt der Debütantin

Als Debütantin wird eine junge Frau bezeichnet, die in die Gesellschaft eingeführt wird. Dieser Brauch, eine Frau in die
Gesellschaft einzühren und sie dieser somit vorzustellen, stammt aus Großbritannien. Dabei wurden die Töchter der
Aristokratie (Herrschaft einer kleinen – meist adligen – Gruppe), die das 18. Lebensjahr vollendeten, dem König oder der
Königin vorgestellt und galten als heiratsfähig.
Diese feierliche Zeremonie wird zumeist auf einem Debütantinnenball begangen. Auch heutzutage erfreut sich das Ritual in den
USA und Australien einer großen Beliebtheit. Aber auch in Europa werden junge Frauen teils auf diese Art und Weise in
die Erwachsenengesellschaft eingeführt. Einer der bekanntesten und größten Debütantinnenbälle ist der Wiener Opernball, der
jährlich in der Wiener Staatsoper stattfindet.
Traditionell sind die Debütantinnen bei einem solchen Anlass in Weiß gekleidet und werden von einem Partner begleitet. Eröffent
wird der Ball meist durch die Polonaise der Debütantinnen, der sich ein Walzer anschließt. Den Höhepunkt bildet der sogenannte
Cotillon, einer wechselvollen Abfolge von Contretänzen.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Debüt im Überblick

 Als Debüt wird gemeinhin das erste Auftreten eines Künstlers oder die Vorstellung seines ersten Werkes bezeichnet. Im
Theater kann der Begriff allerdings auch das erstmalige Auftreten in einer Stadt, die der Schauspieler noch nicht bespielte,
gemeint sein.
 Das erste Album eines Musikers wird gemeinhin als Debütalbum, der erste Film des Regisseurs als Debütfilm bezeichnet. In
vielen solcher Debütstücke kann man das spätere Werk des Künstlers bereits erahnen. Diese Werke sind der Anfang des
künstlerischen Œuvres.
 Aus Großbritannien stammt die Tradition der Debütantinnen. Der Begriff meint Frauen, die der Gesellschaft vorgeführt
werden und somit als heiratsfähig gelten. Dieses Debüt wird meist auf einem Debütantinnenball begangen. Einer der größten
ist der Wiener Opernball.

Demagogie
Als Demagogie wird die Volksaufwiegelung, Volksverführung und politische Hetze bezeichnet. Folglich schürt ein Demagoge
die Emotionen seiner Zuhörer, bedient sich dabei Klischees und Vorurteilen, um letztlich selbst die Macht zu erlangen.
Demagogisch sind somit unsachliche, verunglimpfende und öffentliche Äußerungen, die zu dem Zweck gemacht werden,
Hass gegen Personen oder Gruppen hervorzurufen. Die Demagogie ist polemisch, manipulativ und im höchsten Maße
angreifend.
Der Begriff setzt sich aus dem griechischen Nomen δῆμος (dēmos) für Volk sowie dem Verb ἄγειν (agein), das sich
mit führen übersetzen lässt, zusammen. Demzufolge meint die Demagogie die Volksführung, was später zur Volksverführung wurde.
Demnach unterlag der Begriff einem Bedeutungswandel. In der Antike war das Wort durchaus noch positiv konnotiert, wurde aber
spätestens im 20. Jahrhundert stark negativiert.
Beispielsweise verstand Perikles, einer der führenden Staatsmänner Athens und der griechischen Antike des 5. Jahrhunderts v. Chr.,
den Begriff größtenteils positiv, wohingegen Thukydides, ein antiker Historiker, den Begriff zur gleichen Zeit negativ auf den
athenischen Politiker Kleon anwandte. Dennoch stand der Begriff noch bis ins 18. Jahrhundert eher für einen sehr einflussreichen
Redner, der das Volk durch rhetorisches Geschick und Eloquenz oder eine brillante Argumentation begeistern
konnte (vgl.Argumenttypen).
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, genauer 1819, wurde im Königreich Preußen das Preußische Zensuredikt erlassen. Dieses hob die
Zensurfreiheit der Universitätsprofessoren auf. Nur kurze Zeit später, 1820, sollten durch eine Kabinettsorder Behörden,
Konsistorien, Schulen und Universitäten von gefährlichen Irrtümern, Verführern und Verführten bereinigten werden. Diese
Demagogenverfolgung, die der Unterdrückung von Freiheitsbestrebungen im Deutschen Bund diente, konnotierte den Begriff
zunehmend negativ.
Wortwörtlich lässt sich dies in den Karlsbader Beschlüssen von 1819 nachvollziehen. Diese Karlsbader Beschlüsse bezeichnen
eine Zusammenkunft einflussreicher Staaten des Deutschen Bundes. Aus der Angst heraus, das Volk könnte revoltieren, wurden
einschneidende Punkte in Bezug auf die Freiheit des Wortes beschlossen. Kurzum: die öffentliche schriftliche Meinungsfreiheit
wurde verboten und die Presse unter Zensur gestellt, wobei auch die Träger liberaler und nationaler Ideen als Demagogen verfolgt
wurden.

Hinweis: Der Denker-Club, 1819, Karikatur zur Zensur der Meinungsfreiheit

Die obige Karikatur zeigt die fiktive Verbindung von Gelehrten im Denker-Club und ist 1819 als Reaktion auf die Karlsbader
Beschlüsse entstanden. Sie illustriert die Unterdrückung der Meinungsfreiheit – was durch die Knebel symbolisiert wird – der
Gelehrten und zeigt auf, dass die freie Meinung unter Zensur gestellt wurde. Dabei ist die Karikatur als Appell an das Volk zu
verstehen und soll vermitteln, dass etwas getan werden muss, bevor der Staat die Oberhand über das Denken des Einzelnen gewinnt.

Demagogie im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff der Demagogie vollends ins Negative verkehrt. Seither meint er die manipulative
Beeinflussung des Volkes, um eigene Machtansprüche zu realisieren. In dieser Zeit erfuhr die Demagogie als mögliches
Werkzeug, um die Massen zu manipulieren, allerdings auch die größte Verbreitung, was durch die rasante Entwicklung der
Medien unterstützt wurde.
Der Begriff wird demnach vor allem für Volksverführer gebraucht, deren Ziel es ist, das Volk zu manipulieren. Die Reden des
Nationalsozialismus, etwa von Adolf Hitler oder Joseph Goebbels, sind meist demagogisch. Beide sind typische Vertreter
der Sprache des Nationalsozialismus, die sich zahlreicher Neologismen (Wortneuschöpfungen) zum Zwecke der manipulativen
Demagogie und politischen Hetze bediente.
Selbst bezeichneten die Ideologen des Nationalsozialismus und Faschismus ihre rhetorischen Methoden als politische Propaganda,
wohingegen Wortführer von kommunistischen oder sozialistischen Ideologien als Agitatoren bezeichnet wurden (Agitation meint die
aggressive Beeinflussung anderer Personen in einer politischen Hinsicht). Gegenseitig bezeichneten sich beide Lager allerdings als
Demagogen.
In diesem Zusammenhang wird offensichtlich, dass der Begriff der Demagogie in den letzten Jahrzehnten vor allem für das
Manipulieren und Verführen einer Masse gebraucht wurde und nicht als Bezeichnung für einen eloquenten, mitreißenden Redner.
Das Wort ist demnach negativ konnotiert. Der Journalist Martin Morlock definierte Demagogie nach heutigem Verständnis im
Werk Hohe Schule der Verführung. Ein Handbuch der Demagogie., das 1977 im Econ Verlag erschien, folgendermaßen:
Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre
Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob
vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie
durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Demagogie im Überblick

 Als Demagogie wird die Volksaufwiegelung, Volksverführung oder politische Hetze bezeichnet. Demagogen bedienen sich
dabei oft emotionaler Mittel, um den Adressaten zu manipulieren, wobei das eigene Machtinteresse im Vordergrund steht.
Demagogische Äußerungen sollen zumeist den Hass gegenüber einer Person oder Gruppe schüren.
 Allerdings unterlag der Begriff einem Bedeutungswandel. In der Antike konnte die Bezeichnung Demagoge als Ehrung des
Redners gelten. Der Begriff meinte ursprünglich, dass ein Redner es verstand, das Volk mitzureißen und sich durch einen
soliden und eloquenten Stil auszeichnete.
 In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Wort allerdings negativ belegt. Dies lässt sich vor allem durch die politische
Rheorik des 19. und 20. Jahrhunderts erklären, wobei gegnerische Wortführer häufig als Demagogen verunglimpft wurden.
 Hinweis: Häufige Stilmittel, die sich in demagogischen Reden finden lassen, sind Hyperbel,Neologismus, Euphemismus,
Dysphemismus, Sarkasmus, Polemik, aber auch Klimax undAntiklimax, wobei häufig ein appellativer Charakter das Gesagte
unterstreicht.

Dedikation
Die Dedikation meint die Widmung oder Zuneignung eines Werkes, egal ob nun literarischer Natur oder eben
nicht, an eine bestimmte Person. Die Dedikation – wenn literarischer Art – findet meist auf der ersten Seite eines
Werkes ihren Platz und ist Inbegriff des Dankes oder auch der Verbundenheit eines Autors gegenüber einer
anderen Person, die in der Dedikation genannt wird.
Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen ab (lat. dedicatio = Weihe, Zuneignung) und wird normalerweise auf der
Widmungsseite untergebracht und ist ein Teil der Titelei. Prinzipiell kann die Dedikation auch mit der Danksagung in
einem Werk verbunden sein oder gar als Stilmittel zum Einsatz kommen.
Weiterhin kann das Wort auch im gehobenen Sprachgebrauch Verwendung finden. Beispielsweise wäre der Satz
„Diese Statue ist eine Dedikation des Bürgermeisters.“ grammatikalisch und auch inhaltlich korrekt. Dabei würde zum
Ausdruck kommen, dass der Bürgermeister die Statue einer anderen Person gewidmet oder eben geschenkt hat.

Funktion und Art der Dedikation


Prinzipiell soll die Dedikation eine andere Person ehren respektive den Dank des Autors gegenüber dieser Person zum
Ausdruck bringen. Allerdings hat sich das Bild und die wirklich Funktion der Dedikation mit den Jahrhunderten
gewandelt. Heutzutage dient sie hauptsächlich zum Selbstzweck oder der Selbstdarstellung des jeweiligen Autors.
Die Dedikation ist heutzutage meist zwischen Haupttitelblatt und dem eigentlichen Text untergebracht, wobei es
bei ihrer Gestaltung keine wirklichen Vorgaben gibt. Prinzipiell ist also ein ganzer Dankesbrief ebenso denkbar wie ein
dankender Einzeiler.

Ursprung der Dedikation


Wenn heutzutage ein Autor einer anderen Person seinen Dank offenbart, ist das mitunter recht neckisch und schön, hat
aber im Eigentlichen keinen Sinn. Hierbei müssen wir eher die Selbstdarstellung des Autors annehmen, auch wenn das ein
wenig die Romantik zerstört.
Früher hatte die Dedikation allerdings einen ganz anderen Sinn. Immerhin war es nicht üblich, einem Autoren ein
Honorar durch den Verlag zu zahlen, da es im Grunde eher um die Reputation ging. Folglich verfasste der geneigte Autor
eine Dedikation, also eine Widmung, um eine angesehene Person zu ehren.
Dabei erhoffte sich der Autor durch die öffentliche Danksagung eine Erwiderung – meist in Form von Geld – vom
Genannten, um auf seine Kosten zu kommen. Dieses Tribut wurde übrigens sehr häufig erwidert und mit kleinen
Geschenken belohnt.
Spannend ist hierbei, dass solche Dedikationen nicht nur von Schriftstellern verfasst wurden, sondern teils auch Drucker
oder Verlage die Widmung verfassten, um sich einen Obolus vom „Geehrten“ anzueignen.

Dedikationen im 21. Jahrhundert


Heutzutage hat die Dedikation im eigentlichen Sinne keinen „Wert“ mehr, sondern kann allenfalls als kleine Nettigkeit
oder auch Selbstdarstellung des Autors aufgefasst werden, auch wenn es mitunter sehr geheimnisvolle und schöne
Dedikationen in der literarischen Landschaft gibt: Einen wirtschaftlichen Nutzen haben die wenigsten von ihnen.

Dénouement
Das Dénouement ist ein dramatisches Element. Als Dénouement wird eine Auflösung des Konflikts im Drama bezeichnet.
Mittlerweile wird der Begriff auch auf andere Gattungen angewandt und ist ebenso in der Epik gebräuchlich. Laut Gustav
Freytags Dramentheorie besteht ein dramatisches Werk aus Exposition, Steigerung mit erregendem Moment, Höhepunkt
mit Peripetie, fallender Handlung mit Retardation und Katastrophe, welche in der Tragödie das Dénouement bewirkt.
Der Begriff leitet sich aus dem Französischen ab und lässt sich mit Auflösung eines Knotens übersetzen. Demnach verweist schon
die Übersetzung darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich das Entwirren (Auflösen) [eines dramatischen Konflikts, der im Laufe
der Handlung gewissermaßen verknotet war].
Im Drama gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Entweder haben wir es mit einer Tragödie zu tun oder mit einer Komödie. In
der Tragödie geht die Katastrophe meist mit dem Tod des Protagonisten(Held) einher, wohingegen die Komödie traditionell auf das
bekannte Happy End hinausläuft. Diese beiden möglichen Ausgänge sind eine Form der Auflösung und können demnach als
Dénouement bezeichnet werden.

Dénouement bei Gustav Freytag

Gustav Freytag war ein deutscher Schriftsteller, der heutzutage vor allem für sein Werk über dieTechnik des Dramas von
1863 bekannt ist. Freytag unterteilte das Drama in fünf Teile, wobei er sich vornehmlich an antiken Werken orientierte,
weshalb die Theorie bei modernen Stücken oftmals nicht aufgeht und demzufolge häufig kritisiert
wurde (→ Literaturepochen).
Laut Freytag besteht das Drama aus der Exposition und einer Steigerung mit erregendem Moment, was im Höhepunkt mit Peripetie
gipfelt, woraufhin die Handlung abfällt und in der Katastrophe endet, die schließlich das Dénouement bewirkt. Dieses führt beim
Zuschauer letztlich zur Katharsis, welche durch das Durchleben von Jammer/Rührung und Schrecken/Schauder zur Reinigung von
ebendiesen Affekten führt.
Die Exposition führt die Situation ein, klärt über die Zusammenhänge, den Ort und die Zeit der Handlung auf und vermittelt dem
Zuschauer somit die notwendige Grundstimmung für das nachfolgende Werk. Hier können auch Geschehnisse berücksichtigt und
erzählt werden, die in der Vergangenheit liegen und demzufolge wichtig für das Verständnis des Stückes sind.
Es folgt das erregende Moment, das letzten Endes die steigende Handlung im Drama bewirkt. Das bedeutet, dass der Protagonist
das Bedürfnis hat, zu handeln. Allerdings kann es auch sein, dass der Antagonist eine Intrige spinnt oder eine Tat begeht, die den
Protagonisten zum Handeln zwingt. Der dramatische Konflikt beginnt also, sich zu entfalten, wobei die Spannung allmählich steigt.
Dieser Konflikt läuft zwangläufig auf den Höhepunkt des Dramas zu, der in der Peripetie umschlägt. Die Peripetie meint den
Augenblick, in dem das Schicksal des Handelnden umschlägt. An dieser Stelle wird der Ausgang (gut oder schlecht) des Stückes
ersichtlich, der nur noch im Handlungsablauf verzögert wird.
Verzögert wird das Ende durch die Retardation. Diese ist gewissermaßen der letzte Strohhalm oder die letzte Möglichkeit, dass
das Werk doch noch anders ausgehen könnte. Auch wenn der Zuschauer eigentlich weiß, dass das nicht eintreffen wird, kann die
Spannung an genau diesem Punkt ein letztes Mal vor der endgültigen Katastrophe oder Lösung aufrecht erhalten werden.
Im letzten Akt des klassischen Dramas steht nun die Katastrophe oder Lösung. In der Tragödie geht diese meist mit dem Tod
des Helden einher, wohingegen die Komödie mit einer Lösung aufwartet. Weiterhin werden hierbei alle Konflikte und Wirrungen
gelöst, was eben als Dénouement bezeichnet wird.
Hinweis: Gustav Freytag bezieht sich auf ein Regeldrama, das aus fünf Akten besteht. Dabei wird jedem Akt eine der obigen
Aufgaben zugeschrieben. Allerdings können die einzelnen Elemente durchaus in anderen Akten vorliegen. Das ist in jedem Fall so,
wenn das Werk weniger als fünf Akte aufweist.

Desiderat
Das Desiderat beschreibt einen Gegenstand oder auch ein Objekt, das fehlt oder noch gebraucht wird. Dabei leitet sich das
Wort Desiderat oder auch Desideratum aus dem Lateinischen ab (pl. Desiderate, im Lateinischen Desiderata).
Die Bedeutung von Desiderat ist im eigentlichen Wortsinn „von den Gestirnen herabgefleht“ und meint folglich etwas, das
gewünscht und nicht vorhanden ist. Hierbei geht es allerdings weniger darum, eine abstrakte oder nicht-existente Sache zu erbitten,
sondern ein reales Objekt, das nur am jeweiligen Ort nicht vorhanden ist oder eben erwünscht wird.

Desiderat im literarischen Kontext

Prinzipiell kann das Wort sinnbildlich für jeden Mangel gebraucht werden, doch haben sich mit den Jahren vor allem vier
Bedeutungen herauskristallisiert.

 In Bibliotheken meint das Desiderat ein Buch, das zur Anschaffung vorgeschlagen wurde und noch nicht im Magazin der
Bibliothek vorhanden ist.
 Im Zusammenhang mit dem Schreiben, kann unter einem solchen auch ein unvollendetes Manuskript oder nicht begonnene
Schreibarbeit gemeint sein.
 In der Forschung verstehen wir unter dem Begriff ein Gebiet, das noch nicht erschlossen wurde oder deren Erkundung noch
nicht gänzlich abgeschlossen ist.
 Weiterhin kann als Desiderat das fehlende Objekt in einer Sammlung oder einer Teilsammlung verstanden werden.

Hinweis: In Bezug auf das unvollendete Manuskript geht es allerdings weniger um eine unfertige Idee, als um das berufliche
Schreiben, wie es beispielsweise bei Sachbüchern der Fall ist. Nicht jeder unfertige Plot im Kopf eines Autors ist folglich ein
Desiderat.

Vielmehr sprechen wir von einem Desiderat, wenn ein Verlag plant, eine Buchreihe zum Thema „Gartenteich“ auf den Markt zu
bringen und folglich ganz bestimmte Schreibarbeiten dafür einfordert und Autoren mit der Verfassung dieser beauftragt.

Destan
Als Destan wird ein Volkslied der türkischen Dichtung bezeichnet, das epische Elemente aufweist und vornehmlich im
Mittelalter verbreitet war. Das Lied ist dabei zumeist in Strophen gegliedert, die aus Elfsilbern bestehen, wobei in der Regel
regionale Helden, Sagen oder Ereignisse im Destan besungen werden. Bisweilen werden mit dem Begriff auch
türkische Erzählungen bezeichnet, welche mündlich überliefert werden. Der Urheber ist allerdings in beiden Fällen zumeist
nicht bekannt und demzufolge anonym (vgl. Adespota).
Der Begriff lässt sich vom türkischen Nomen destan (‫ )داستان‬ableiten und mit Erzählung oder auch Eposund Sage übersetzen.
Foglich verweist bereits die Übersetzung des Begriffs darauf, worum es hier geht: entweder um ein türkisches Volkslied, das von
lokalen Ereignissen sowie Helden erzählt oder um eine einfache Erzählung, die ebendiesen Stoff zum Inhalt hat und mündlich
überliefert werden.

Deus ex machina
Deus ex machina ist ein lateinischer Ausspruch, der Gott aus der Maschine bedeutet. Diese Wendung bezeichnet das
plötzliche Auftauchen einer Gottheit in der antiken Tragödie, die einen Konflikt löst. Im griechischen Drama gab es teils
Konflikte, die sich nicht immer aus der Handlung des Werkes heraus auflösen ließen: die Lösung dieser Konflikte erfolgte
von außen durch das überraschende Eingreifen einer Gottheit, welche mittels Hebemaschine über der Theaterbühne
schwebte. Darüber hinaus wird Deus ex machina sprichwörtlich gebraucht, wenn durch das plötzliche und unmotiviert
eintretende Eingreifen von äußeren Mächten in Theater und Alltag Konflikte gelöst werden (vgl. Dénouement).
Der Ausspruch ist eine Lehnübersetzung aus dem Griechischen und leitet sich von ἀπὸ μηχανῆς Θεός (~apò mēchanḗs theós), was
gleichbedeutend ist, ab. Dieser Satz findet sich schon bei Dion Chrysostomos, einem antiken griechischen Philosophen und
Schriftsteller. Heutzutage wird die Wendung immer noch vor allem im Zusammenhang mit einem dramatischen Werk gebraucht,
findet allerdings auch für Filme und Literatur Anwendung oder wird ganz allgemein für das Lösen eines Konflikts in letzter Minute
gebraucht.
Dieser Deus ex machina wurde ursprünglich im antiken Theater mithilfe eines Bühnenkrans, der sogenannten Theatermaschine, über
die Bühne gehoben oder auf dem Bühnendach abgesetzt. Auf diese Weise wurde die Macht der Gottheiten dargestellt, die von oben
auf das Geschehen auf der Bühne Einfluss nahmen, Konflikte auflösten und das Schicksal der Protagonisten plötzlich und
überraschend wendeten.

Hinweis: Der Deus ex machina erschien von hinten über der Bühne des griechischen Theaters

Einsatz des Deus ex machina

Ein solcher Maschinengott, also eine außenstehende Macht, kam jedoch nicht in jedem dramatischen Werk der Antike zum
Einsatz und stellte eher eine unerwünschte, obwohl mitunter auch notwendige, Möglichkeit dar, ein verworrenes Stück
letzten Endes wieder auflösen zu können.
Ein Hinweis, dass eine Auflösung dieser Art nicht erstrebenswert war, findet sich in der Ars Poetica von Horaz, einem
römischen Dichter der Antike. Die Ars Poetica ist eine Schrift, die in Hexametern verfasst ist. Sie nahm maßgeblichen Einfluss auf
die Dichtkunst des Mittelalters, der Renaissance sowie des Klassizismus. Horaz schuf in der knappen Abhandlung zwar keine
eigenständige Poetik, verwies allerdings auf Merkmale, die seiner Meinung nach wesentlich für die Ästhetik eines Werkes
waren. Dort findet sich das Folgende:
nec deus intersit, nisi dignus vindice nodus / inciderit.
Übersetzung: kein Gott sei im Spiel, außer es gibt eine Verstrickung, die einen Befreier verlangt.

Folglich war es das erklärte Ziel, den Handlungsknoten eines Dramas durch die vorhandenen Protagonisten selbst aufzulösen und
nicht eine externe Macht einzuführen, welche das verworrene Schauspiel zum Ende oder einer Lösung brachte. Also erst, wenn kein
Mensch mehr in der Lage ist, den Konflikt des Dramas aufzulösen, sollte der Dichter zu einem Deus ex machina greifen, der eine
Lösung präsentiert.
Streng genommen handelt es sich dabei immer um das Auftreten einer Gottheit. Beispielsweise ist es die Schutzgöttin Athene, die
in der Tragödie Orestie des Dichters Aischylos als Deus ex machina fungiert. In der Tragödie ermordet Klytaimnestra ihren Mann
Agamemnon (König von Mykene), welchen sie hasst, da er die gemeinsame Tochter Iphigenie den Göttern opferte. Daraufhin sinnt
Orestes, der Bruder der Iphigenie und Sohn von Agamemnon und Klytaimnestra auf Rache und ermordet die eigene Mutter.
Daraufhin erscheinen die Erinyen (Rachegöttinnen) und außerdem der Schatten der ermordeten Mutter, diese fordern nun Rache an
Orestes, denn immerhin musste Klytaimnestra für ihr Vergehen büßen. Die Situation ist folglich verzwickt, vor allem deshalb, weil
Orestes nur auf das Ansinnen des Gottes Apollon gehandelt hat, weshalb der Streit über Rache und Blutrache unlösbar erscheint.
Orestes bittet um Unterkunft bei Athene.

Orestes erscheinen die Rachegöttinnen – nur Athena kann die Situation als Deus ex machina auflösen.

Die Schutzgöttin Athene fungiert in der Folge als Deus ex machina, da sie überraschend erscheint sowie eine Lösung des
Konflikts möglich macht. Würde Orestes nämlich sterben, würden die Schuldzuweisungen und gegenseitigen Rachegelüste ins
Unendliche getrieben werden. Die handelnden Figuren sind demnach nicht in der Lage, den Konflikt aufzulösen. Athene agiert als
Gericht, stellt sich auf die Seite Orestes und verspricht den Erinyen Gaben und die Verehrung der Bürger, um sie zu besänftigen.
In der literarischen Landschaft ist diese außenstehende Macht aber nicht immer eine Gottheit. Im Mittelalter sind es
beispielsweise sehr häufig Hexen und Dämonen, die einen solchen dramatischen Konflikt auflösen, teilweise handelt es sich
beim Deus ex machina aber auch um eine Person, die überraschend ins Spiel gebracht wird und die scheinbar unlösbare Situation
plötzlich auflöst oder um das Erscheinen eines unerwarteten Heeres, eines Zauberers, eines Wunder, eine Naturkatastrophe oder
Ähnliches.

Beispiele für den Deus ex machina

Wie beschrieben, geht die Wendung auf das griechische Drama der Antike zurück. Folglich finden sich auch in jener Zeit
sowie in den künstlerischen Arbeiten der griechischen Dichter die ersten und vor allem sehr vielfältige Beispiele für den Gott
aus der Maschine. Nachfolgend eine Auswahl, die griechische Werke berücksichtigt und einen Blick auf
verschiedene Literaturepochen wagt.

Werk
(Autor, Jahr)
Deus ex machina
(Was? Wo? Wie?)

Medea wird von ihrem Mann Iason verlassen, der sie mit
den gemeinsamen Kindern zurücklässt und aus der Stadt
Medea verbannt. Aufgrund einiger Ereignisse beschließt Medea,
(Euripides, 431 v. Chr)
ihre Kinder zu töten, da sie damit rechnen muss, dass
diese sonst von anderen getötet werden. Nach dem Mord
an den eigenen Kindern kommt Iason zurück und möchte
deren Tod rächen – plötzlich erscheint ein Drache, der
Medea dem menschlichen Machtbereich entzieht und vom
Gott Helios geschickt wurde.

Das Stück parodiert die Werke des Euripides, der häufig


einen Deus ex machinaeinsetzt, um Situationen
Thesmophoriazusen aufzulösen. Hierbei wird der Dichter, also Euripides
(Aristophanes, 411 v. Chr.)

selbst, zum eingesetzten Maschinengott, der als Frau


verkleidet den Konflikt auflöst.

Am Ende des Stückes erfährt der Zuschauer, dass Herzog


Friedrich auf dem Weg in den Ardenner Wald einem
Wie es euch gefällt religiösen Menschen begegnete, der ihn zu einem
(Shakespeare, 1623)

friedliebenden Leben bekehrte, und deshalb Herzog Senior


sein Herzogtum zurückgibt.

In der letzten Szene des Stückes erscheint der Betrüger


Tartuffe in Begleitung eines Polizisten, um die Familie
Pernelle verhaften zu lassen. Tartuffe hatte sich zuvor
Tartuffe durch Lügen den gesamten Besitz der Familie durch eine
(Molière, 1682)

Schenkung erschlichen. Zur Überraschung aller verhaftet


der Polizist daraufhin Tartuffe selbst, da dieser ein
bekannter Betrüger ist.

Die Geschichte um den Waisenjungen Oliver Twist wird


immer verworrener und nach einem missglückten
Einbruch trachten diesem Diebe nach dem Leben, doch
Oliver Twist letztlich kann Oliver Zuflucht bei den Maylies finden. Am
(Dickens, 1837-1839)
Ende stellt sich heraus, dass Rose Maylie die Tante
Olivers ist und dieser urplötzlich der Gefahr entkommen
ist sowie eine sichere Bleibe und darüber hinaus eine
Familie hat.

Der Ganove Mackie Messer heiratet – ohne die


Einwilligung ihres Vaters – die Tochter des Bettlerkönigs.
Um diesen Umstand zu sühnen, zeigt der Bettlerkönig
Mackie bei der Polizei an, die ihn – weil er sie außerdem
bestochen hat – nun verhaften will. Nach seiner
Dreigroschenoper Verhaftung kann Mackie allerdings fliehen und wird
(Brecht, 1928)

erneut gesucht, gefasst und soll nun hingerichtet werden.


Kurz vor seinem Tod erscheint ein königlicher Bote und
verkündet, dass Mackie sofort freigelassen, in den
Adelsstand erhoben und ihm eine Rente von 10000 Pfund
überreicht wird

Am Ende des Romans erscheint plötzlich ein Schiff, das


Herr der Fliegen
(William Golding, 1954) die Jugendlichen, die auf einer Insel gefangen sind, rettet.
So wird die Situation, die sich im Werk stets zuspitzt,
plötzlich aufgelöst und der Roman beendet.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Deus ex machina im Überblick

 Als Deus ex machina wird das Auftauchen einer Gottheit in der antiken Tragödie bezeichnet, die einen Konflikt löst, der
nicht mehr aus der Handlung selbst zu lösen ist. Das Erscheinen einer solchen Gottheit kommt für den Zuschauer
überraschend und beendet den Konflikt aprupt.
 Zwar ist mit dem Begriff prinzipiell eine Gottheit gemeint, doch in der literarischen Landschaft finden sich zahlreiche
Beispiele, die den Konflikt durch eine andere außenstehende Macht auflösen. Es kann sich hier auch um Hexen, Zauberer,
Wunder etc. handeln. Wesentlich ist allenfalls, dass die Situation unlösbar erscheint und plötzlich aufgelöst wird.
 Im Alltag bezeichnet der Begriff darüber hinaus sämtliche Situationen oder Notlagen, die durch einen plötzlichen Helfer
gelöst werden oder die unerwartete Lösung einer Schwierigkeit.

Deuteragonist
Der Deuteragonist ist der zweite Schauspieler im griechischen Drama und bildet oftmals das Gegenstück zum Protagonist,
der dem Wort zufolge der „erste Kämpfer“ ist. Die Bezeichnung geht auf das griechische Theater der Antike zurück.
Der Deuteragonist kann entweder gegen oder für den Protagonisten sein und ist häufig der zweitwichtigste Charakter einer Handlung
oder eines klassischen Werkes. Im griechischen Drama taucht der Deuteragonist zwischen Protagonist und Tritagonist auf, der die
drittwichtigste Rolle übernimmt. Er ist folglich die zweitwichtigste Figur in einem Stück oder eben Werk.
Der Deuteragonist ist oftmals der Sidekick des Protagonisten, was in der Literatur eine besonder Art der Nebenrolle ist, die uns
gewissermaßen über die Gedanken des Protagonisten aufklärt und häufig den klassischen Antagonist beschreibt (der hauptsächliche
Gegenspieler des Protagonisten).

Deuteragonist und seine Funktion

Eine der wichtigsten Funktionen des Deuteragonisten ist es, uns eine Sichtweise auf den Protagonisten zu spendieren, um diesen
aus einer gewissen Außenperspektive zu sehen. Dabei muss es noch nicht einmal um eine Wertung gehen, sondern vielmehr um eine
andere Betrachtungsweise des Protagonisten, als die, die dieser uns vorgibt. Hierbei braucht es folglich keinen auktorialen Erzähler,
sondern lediglich die offenbarten Gedanken des Deuteragonisten.

Deuteragonist in der Literatur

Werfen wir hierbei einen Blick in die Literatur, stolpern wir über unzählige Beispiele. Denken wir beispielsweise an Dr. Watson, der
uns eine ganz andere Perspektive auf Sherlock Holmes ermöglicht und uns annehmen lässt, dass sich hierbei Genie und Wahnsinn
miteinander vereinen.
Allerdings müssen wir für solch ein Beispiel nicht einmal in die Annalen der Literatur abdriften. Immerhin sind Ron und Hermine
(Harry Potter) Deuteragonisten par excellence, die uns einen Blick auf Harry, aber auch andere Charaktere der Erzählung offenbaren
und gleichermaßen seine Mitspieler sind.

Deutungshypothese
Die Deutungshypothese begegnet uns meist im Deutschunterricht der Oberstufe und ist ein Teil der Gedichtanalyse und -
interpretation. In der Deutungshypothese skizzieren wir in wenigen Sätzen, was die grundsätzliche Aussage eines Textes sein
könnte. Diese Deutungshypothese muss jedoch nicht korrekt sein und stellt lediglich unsere Vermutung dar. Wir können ihr
im Anschluss an die Gedichtanalyse auch widersprechen und sie erweitern und verändern.
Die Deutungshypothese soll dabei einen Einstieg in die Analyse bieten und unsere ersten Gedanken nach dem Lesen bündeln. Sie
dient folglich dazu, dem Leser eine Richtung vorzugeben, was wir denn überhaupt untersuchen möchten und kann uns als
gedankliche Stütze während der Interpretation und Analyse dienen. Sie beschreibt also, was der Text grundsätzlich vom Leser will.
In der Deutungshypothese stellen wir demnach eine Vermutung an, was die Kernaussage des Gedichts sein könnte, ohne dass wir diese
Vermutung beweisen oder belegen müssten. Dieser Sachverhalt ist übrigens der wichtigste Unterschied zwischen (Deutungs-) Hypothese
und These.

Tipp: Das Wort „Hypothese“ leitet sich vom lateinischen „hypothesis“ ab und bedeutet „Unterstellung“. In diesem Zusammenhang
unterstellen wir folglich einem Text, das er so oder so ist. Die Hypothese ist also nur eine Vermutung, die wir für richtig halten.
Dafür braucht die Hypothese keinen Beweis, sondern ist nur die Vorstufe einer späteren Theorie und kann natürlich widerlegt
werden.

Deutungshypothese formulieren
Nun könnten wir uns fragen, inwiefern ein Text überhaupt etwas vom Leser wollen kann und wie wir diese Aussage
herausarbeiten sollten, um einen sinnvollen Einstieg zu schaffen.
Im Deutschunterricht oder in der Wissenschaft spricht man deshalb auch nicht davon, was der Text will oder der Autor uns mit
seinem Werk sagen möchte, sondern von der Intention eines Textes. Und genau diese Intention ist es, die wir versuchen, in Worte
zu kleiden. Was möchte das Werk bewirken? Welche Fragen wirft es auf? Was ist der Sinn des Ganzen? Oder ganz salopp: Was will
der Text von mir?
Sie werden merken, dass diese Fragen immer nur Vermutungen sein können, bevor wir Sie nicht überprüft haben. Deshalb sprechen wir eben
auch von der Deutungshypothese.

Schauen wir als Beispiel auf die erste Strophe des Gedichts „Der Postillon“ des Schriftstellers Nikolaus Lenau aus dem 19.
Jahrhundert. Dort heißt es zu Beginn:
a
b
a
b
Lieblich war die Maiennacht,
Silberwölklein flogen,
Ob der holden Frühlingspracht
Freudig hingezogen.

Zur Verdeutlichung, möchten wir Ihnen zwei Deutungshypothesen anbieten. Einmal davon ausgehend, dass Lenaus Gedicht aus
dieser einen Strophe bestünde, könnten es die folgenden sein.
Deutungshypothese: „Wetterbericht„

 „Das Gedicht „Der Postillion“ stilisiert eine Vorhersage, die das milde Frühlingswetter zum Inhalt hat und auf das nahende und
lebensspendende Sommerwetter verweist. Gekennzeichnet wird diese Lebendigkeit durch die Häufung von Personifikationen.“

Deutungshypothese: „Erotik“
„Das Gedicht „Der Postillion“ verweist auf die aufkeimende Lust in der Pubertät, was durch zahlreiche Frühlingsmetaphern, die
unmittelbar in Verbindung mit lustvollen Adjektiven (hingezogen, freudig, holden) stehen, offenbar wird.“ → Beispiele für die
Metapher
Farblegende: Wettermetaphorik | Adjektive der erotischen Hingezogenheit

Wichtig ist nun, dass prinzipiell beide Hypothesen möglich sind. Denn genau darauf kommt es an: was vermuten wir, will uns der Text
vermitteln. Das Wichtigste ist nur, dass wir es in der folgenden Gedichtanalyse begründen müssen. Es gibt also keine richtige Interpretation,
sondern meist mehrere Deutungsebenen, die ein Text haben kann.

Deutungshypothese, Analyse, Interpretation

Fraglich ist jedoch, inwiefern die einzelnen Teile der literarischen Textarbeit nun miteinander zusammenhängen. Da der
Übergang fließend ist, macht es Sinn, sich das klar zu verdeutlichen.

 Deutungshypothese: Steht vor der eigentlichen Untersuchung und stellt lediglich unsere Vermutung dar, bevor wir den Text ausführlich
bearbeitet und untersucht haben. Diese kann sich am Ende der Untersuchung bestätigen oder in Luft auflösen. Das Ergebnis nennen wir im
Schluss der Untersuchung.
 Gedichtanalyse: Nimmt das Gedicht regelrecht auseinander und funktionalisiert die einzelnen Bestandteile. Versmaß, Stilmittel und
Reimschema werden hierbei haargenau unters Messer genommen.
 Gedichtinterpretation: Versucht, die einzelnen Bestandteile zu deuten und in einen übergeordneten Zusammenhang zu bringen. Was
bedeuten die Ergebnisse der vorherigen Analyse grundsätzlich?

Das Wichtigste im Überblick

 Die Deutungshypothese ist unsere Vermutung zur Intention des Werkes. Das bedeutet, sie ist in unseren eigenen
Worten verfasst und zeigt, was wir grundsätzlich „glauben„
 Allerdings muss sie nicht anhand von Beweisen belegt werden und kann auch vollkommen „falsch“ sein. Das ist jedoch
kein Problem.
 Dabei sollte sie grundsätzlich aus wenigen Sätzen bestehen, die klar und präzise formuliert sind und zwischen Einleitung
und Hauptteil der Analyse stehen.
 im Schlussteil unserer Arbeit müssen wir darauf verweisen, ob sich unsere Deutungshypothese bestätigt hat oder eben
nicht. Wenn wir von dieser abgekommen sind, müssen wir das klar benennen. Auch dann, wenn sie sich bestätigt hat.

Devise
Als Devise wird entweder ein im Ausland zahlbarer Wechsel, also ein Zahlungsmittel in einer fremden Währung oder ein
Begriff aus der Heraldik bezeichnet. Heraldik ist ein Begriff für das Wappenwesen und befasst sich mit Wappenkunst, -
kunde sowie -recht. Die Divisa war ursprünglich ein abgeteiltes Feld mit einer Inschrift innerhalb des Wappens. Heutzutage
bezeichnet Devise aber vor allem den Denkspruch oder Wahlspruch einer Person oder Gruppe sowie deren persönliche
Losung.
Der Begriff leitet sich vom französischen devise (Motto) ab, welches auf deviser (einteilen) zurückzuführen ist. Diese Wörter haben
ihren Ursprung im lateinischen dividere, was sich mit einteilen oder aufteilenübersetzen lässt. Daraus geht ebenso das
lateinischen Nomen divisa zurück, was das Unterscheidungszeichen im Wappen meinte und im Speziellen ein Feld des Wappens
bezeichnet, das eine Inschrift aufweist.
Der Begriff Devise wurde von Philipp von Zesen, einem deutschen Dichter des 17. Jahrhunderts, durch die
Bezeichnung Wahlspruch eingedeutscht. Zumeist steht eine solche Devise auf einem Spruchband, das unter dem eigentlichen
Wappen abgebildet ist. Solche Wahlsprüche gibt es bei Wappen von Personen, Familien, Personengruppen, aber auch bei
Organisationen und Gemeinwesen (Gemeinden, Länder, Staaten)

Die obige Abbildung zeigt zwei Wappen. Auf der linken Seite das Wappen des Königreichs Sachsen, das zwischen 1806 bis 1918
existierte und auf der rechten das Wappen der Niederlande, das auch heutzutage noch Gültigkeit erfährt. Im unteren Bereich finden
sich Spruchbänder, die ein Spruch ziert: die Devise.
Die Devise der Sachsen lautete Providentiae Memor (Der Vorsehung eingedenk), was an die Verteidigung des Landes im Krieg
1806 erinnern sollte, wohingegen das niederländische Hoheitszeichen durch die Worte Je maintiendrai verziert wird. Diese lassen
sich mit Ich werde aufrechterhalten übersetzen.
Solch ein Wahlspruch ist die Maxime, das Motto oder auch die Losung einer Person, einer Gruppierung oder eines sonstigen
Zusammenschlusses und kann an ein denkwürdiges Ereignis erinnern oder auf die Ziele der entsprechenden Träger hinweisen.
Zumeist entstanden solche Leitsprüche über Jahrhunderte, also aus der Tradition heraus, aus gemeinschaftlichen Festlegungen oder
leiteten sich aus wichtigen Ereignissen ab.
Weitere Devisen-Beispiele (Klappt beim Klicken auf!)
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

 Die Devise ist ein Begriff aus der Wappenkunde (Heraldik). Sie meint das Motto einer Person, Gruppe oder sonstigen
Organisation, der letzten Endes in wenigen Wörtern verkörpert, nach welchen Regeln oder Ansichten die Person oder
Gruppierung lebt. Philipp von Zesen, ein deutscher Dichter, deutschte den Begriff durch die Bezeichnung Wahlspruchein.
 Umgangssprachlich meint der Begriff aber auch das Lebensmotto eines Menschen (Bsp.: Sie macht immer irgendwelche
Dummheiten, stets nach der Devise: „Papa wird’s schon richten.“)

Diaphora
Als Diaphroa, auch Diapher, wird ein rhetorisches Stilmittel bezeichnet, das in sämtlichen literarischen
Gattungen Verwendung findet. Die Diaphora ist die Wiederholung eines Wortes oder einer Wortfolge in unterschiedlicher
Bedeutung. Das Wort wird demnach in der Wiederholung anders gemeint oder wird anders empfunden, als bei der
erstmaligen Nennung. Somit sind die Wörter orthografisch identisch, wohingegen im Mündlichen auch
Homophone (Gleichklang bei anderer Schreibweise) möglich sind.
Der Begriff stammt aus dem Griechischen (διαφορά) und lässt sich mit Verschiedenheit übersetzen. Demnach verweist bereits die
Übersetzung des Wortes darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich die verschiedene Bedeutung zweier Wörter [die ansonten
rechtschreiblich identisch sind]. Schauen wir dafür auf ein Beispiel:
Wenn hinter Fliegen Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach.
Das obige Beispiel ist ein geläufiges Wortspiel, wobei das Wort viermal als Substantiv und zweimal als Verb gebraucht wird.
Entscheidend ist hierbei, dass das Wort dadurch zwei verschiedene Bedeutungen hat. Als Verb (fliegen) meint es, dass sich etwas
durch die Luft bewegt, als Substantiv meint es das Insekt. Die Wiederholung wird also anders gemeint oder empfunden, was eben als
Diaphora bezeichnet wird.
»Was willst du hier«, sagte sie, »du hast mich hier belauschen wollen, nicht wahr, du Simpel?«
»Es ist nicht wahr, es ist nicht wahr«, rief er mit derselben Stimme […]
Dieses Beispiel ist dem Roman Die Kronenwächter (1817) von Achim von Arnim, einem deutschen Autor und Vertreter
der Heidelberger Romantik, entnommen. Dabei ist es die Wortfolge nicht wahr, die in verschiedenen Bedeutungen, wenn auch
gleichklingend und identisch geschrieben, wiederholt wird. Das erste Mal wird die Wortgruppe als eine Bekräftigung des vorher
Gesagten verwendet, also um die Frage zu verstärken.
In der Antwort auf diese Frage wird die Wortfolge allerdings gebraucht, um etwas zu bestreiten. Das Wort nicht soll hier
das Adjektiv wahr negieren, also verneinen. Die Wortfolge wird also wiederholt, aber bedeutet in der Wiederholung etwas anderes,
wodurch das Ganze als Diaphora bezeichnet wird. Ein weiteres Beispiel:
Durch diesen Trick werden Sie leichter leichter.

Der obige Beispielsatz könnte ein Werbeslogan sein, um eine neue Diätformel zu bewerben. Hier ist es das Adjektiv leicht, das in
verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. Einerseits meint es, dass eine Sache oder Aufgabe keine große Anstrengung erfordert
und demzufolge einfach zu lösen ist. Andererseits bezieht sich das Wort auf das Gewicht einer Sache. Ist etwas leicht, ist es von
einem geringem Gewicht.

Diaphora und Homophon

Die Diaphora meint also stets eine Wiederholung, wobei der Sinn des Wiederholten verändert wird. Es ist wesentlich, dass
das wiederholte Wort oder die jeweilige Wortgruppe mit der ersten identisch ist. Allerdings ist es verbalen Äußerungen
denkbar, dass die Stilfigur durch Homophone gebildet wird.
Als Homophone, auch Homonyme, werden Wörter bezeichnet, die gleichnamig, also gleichlautend sind, aber unterschiedlich
geschrieben werden, etwas anderes bedeuten, etymologisch verschiedene Ursprünge haben und dennoch identisch klingen.
Beispielsweise klingt das Substantiv Meer genauso wie das Adverb mehr. Dennoch bedeuten die beiden Wörter etwas ganz
anderes. Schauen wir nun auf ein Beispiel:
Wer nichts wird, wird Wirt.

Das obige Beispiel ist demnach eine Diaphora, die durch Homophone gebildet wird und demzufolge auch nur in der gesprochenen
Sprache möglich. Denn wenn der Satz geschrieben wird, sind die Wörter für den Leser auch nicht mehr identisch. Hierbei geht es
um den Gleichklang des Wortes Wirt, das den Eigentümer eines Gasthauses bezeichnet sowie die dritte Person Singular des
Verbes werden. Diese klingen gleich, haben allerdings eine unterschiedliche Bedeutung. Ebenso verhält es sich in einem Schlager
von Theo Lingen:
Der Theodor, der Held, der hält!

Diaphora als Antistasis und Anaklasis

Die Stilmittel Antistasis und Anaklasis beschreiben zwei Sonderformen der Diaphora. Beide Stilfiguren sind in den obigen
Beispielen schon aufgetaucht, sollen nun allerdings en detail vorgestellt werden.
Die Anaklasis beschreibt eine Diaphora, die im Dialog zwischen zwei Gesprächspartnern entsteht. Das meint, dass der erste
Gesprächsteilnehmer ein Wort gebraucht, das vom Antwortenden ebenfalls benutzt, aber mit einer anderen Bedeutung versehen
wird. Offensichtich ist das im obigen Beispiel von Achim von Arnim.
»Was willst du hier«, sagte sie, »du hast mich hier belauschen wollen, nicht wahr, du Simpel?«
»Es ist nicht wahr, es ist nicht wahr«, rief er mit derselben Stimme […]
Der erste Satz des Beispiels stammt von einer Wirtin, die sich von Anton belauscht fühlt, der sie ertappt, als sie mit dem Wirt
streitet. In der Erwiderung Antons steckt die gleiche Wortfolge, welche allerdings eine andere Bedeutung hat. Somit wird der
Bedeutungswandel im Dialog vollzogen, was als Anaklasis bezeichnet wird.
Die Antistasis meint das entsprechende Pendant im Monolog. Hierbei wird die Diaphora von einem einzelnen Sprecher gebildet, der
eigenständig dem Wort eine andere Nuance, also einen feinen Unterschied in Bezug auf die Bedeutung, gibt. Alle anderen Beispiele
dieses Beitrags können demzufolge, wenn sie im Monolog fallen, als Antistasis gelten und somit als eine Sonderform der Diaphora.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Stilmittel im Überblick

 Als Diaphora, auch Diapher, wird die Wiederholung eines Wortes oder einer Wortfolge mit einer verschiedenen Bedeutung
bezeichnet. Sehr häufig wird der zweite Teil dabei stärker betont, um den feinen Unterschied auch für den Empfänger
eindeutig zu machen, wenn dieser die entsprechende Äußerung nur hört und nicht lesen kann.
 Ist die Äußerung nicht schriftlicher, sondern ausschließlich sprachlicher Natur, kann die Diapher auch mithilfe von
Homophonen gebildet werden. Hierbei wird ein Wort wiederholt, das identisch klingt, aber anders geschrieben wird. Für den
Empfänger ist der Unterschied nicht offensichtlich.
 Sonderformen der Stilfigur sind die Antistasis sowie die Anaklasis. Die Antistasis bezeichnet die Verwendung der Diaphora
innerhalb eines Monologs, also die Wiederholung eines Wortes, das eine andere Bedeutung erhält, durch einen Sprecher,
wohingegen die Anaklasis den Umstand beschreibt, dass der Bedeutungswandel in einem Dialog von zwei Sprechern
vollzogen wird.

Dichter
Als Dichter wird der Verfasser von Sprachkunstwerken bezeichnet. Folglich ist ein Dichter der Urheber von Dichtung, die im
weitesten Sinne als schriftstellerische sowie sprachliche Kunst wahrgenommen wird. Grundsätzlich kann der Begriff den
Schöpfer eines Werkes aller literarischen Gattungen meinen, wird heute aber vor allem für Künstler gebraucht, welche sich
mit der Lyrik, also Gedichten, befassen, wobei als Oberbegriff eher die Bezeichnung Schriftsteller gebräuchlich ist. Noch im
Mittelalter waren die Begriffe Poet und Dichter gleichbedeutend, doch spätestens seit dem Sturm und Drang galt der Poet
vor allem als Liebhaber (vgl. Dilettant) und der Dichter als Genie und Urheber hoher Literatur.
Erstmalig erwähnt wird der Begriff des Dichters im König Rother, einer mittelhochdeutschen Paarreimdichtung des 12.
Jahrhunderts, als tihtaere, das sich vom lateinischen dictare ableitet. Das lateinische Verb dictare lässt sich
mit ansagen, diktieren, vorsagen sowie oft sagen übersetzen. Das Wort meinte folglich eine Person, die etwas ausdrückt, also zum
Ausdruck bringt und demzufolge dichtet.
Noch im Mittelalter setzte sich diese Wortneuschöpfung sehr schnell durch und wurde synonym zum Begriff Poet verwendet, der
wiederum auch allgemein für Autoren und Schriftsteller gebraucht wurde. Neben diesen Begriffen wurden die
Bezeichnungen Barde, Skalde und Skop sowie Meister und Sänger, daraus abgeleitet auch der Meistersänger (Meistersinger),
gebraucht. Allerdings verdrängte der Dichter den Poeten alsbald.
Der Poet galt, wie eben auch der Dichter, bis ins 18. Jahrhundert als der Schöpfer von Poesie, aber seltener von Romanen.
Allerdings wurde im Zuge der Differenzierung zwischen trivialer Literatur, deren Ziel es war, zu unterhalten und der ernsthaften
Literatur, die nicht nur einen unterhaltenden Charakter aufwies, sondern auch den Leser zur Auseinandersetzung aufforderte, eine
begriffliche Trennung vollzogen (vgl. Belletristik).
Der Dichter galt nunmehr als der Urheber hoher, anspruchsvoller sowie kritikwürdiger Literatur, wohingegen der Poet eher als der
gescheiterte Dichter galt, dessen Schaffen im Bereich des Trivialen und Gewöhnlichen anzusiedeln ist. Der Dichter verfasste
demnach gefeierte Werke, wobei der Poet eher ein karikiertes Abbild dessen darstellte. In diesem Kontext lässt sich auch Carl
Spitzwegs Meisterwerk Der arme Poet deuten.

Der arme Poet (1839), Carl Spitzweg, Neue Pinakothek in München

Das Werk, das zu den bekanntesten Spitzwegs zählt, zeigt einen Schriftsteller in einer Dachstube. Der Raum ist eng und wird nur
von einem kleinen Fenster beleuchtet. Das Inventar und die sonstige Darstellung soll an dieser Stelle nicht untersucht werden.
Dennoch gibt es einen entscheidenden Hinweis auf die Stellung des Poeten, vor allem im direkten Vergleich zum Dichter jener Zeit:
nämlich den Ofen.
Darin liegen Papiere, die wohl ein Teil des geschnürten Bündels vor dem Ofen sind. Anzunehmen ist, dass diese Papierbündel
genutzt werden, um zu heizen. Auf den Papieren, die vor dem Ofen liegen, lässt sich der lateinische Schriftzug Operum meorum
fasciculum III erahnen, was sich mit Das dritte Bündel meiner Werke übersetzen lässt. Die eigene Arbeit dient also nicht dem
Verkauf, sondern dem Verbrennen. Die graue Wand ist darüber hinaus eher dafür geeignet, etwas festzuhalten (im Hintergrund
das Versmaßdes Hexameters).
Demnach zeigt das Bild kein Genie, das der Dichter ist, sondern eher einen Kauz, der zwar auch schreibt, aber eben nicht gekauft
wird und demnach keinerlei Beachtung des modernen (Literatur-)Marktes fand. Im Gegensatz dazu wurde der Dichter zu einer Art
Ideal stilisiert, das von der Nation anerkannt und gewürdigt wurde. Der Dichter schrieb nicht in erster Linie, um Geld zu verdienen,
sondern war der geistige Vertreter einer Epoche, der die Fähigkeit besaß, deren Geisteshaltung in Worte zu fassen.
Gegensätzlich wird demzufolge im 19., teils noch im 20., Jahrhundert, ebenfalls der Begriff des Schriftstellers gewertet. Wenn der
Poet derjenige ist, der der Dichtung aus Liebhaberei nachgeht, aber keinen finanziellen Nutzen daraus zieht, weil er nicht anerkannt
ist, ist es der Schriftsteller, der schreibt, um zu verkaufen. Der Schriftsteller schreibt also Texte, um davon zu leben, wohingegen der
Dichter eine Würdigung durch die Nation erhält und unter Umständen von einem Mäzen oder durch Dichterpreise gefördert wird.
Von ebendiesem Verständnis zeugen auch heutzutage noch Literaturwettbewerbe und Dichterpreise, die den Künstler fördern
sowie dessen Arbeit honorieren sollen. Sie verweisen darauf, dass das dichterische Schaffen finanziell unterstützt werden sollte, um
dem Künstler eine Art der finanziellen Freiheit zu ermöglichen, so dass dieser sich gänzlich seinem künstlerischen Schaffen widmen
kann.

Dichter im 20. und 21. Jahrhundert

Dennoch unterlag der Begriff des Dichters im 20. Jahrhundert einem Bedeutungswandel, welcher dem Wort auch
heutzutage, also im 21. Jahrhundert, weiterhin anhaftet. Der Begriff büßte nämlich wieder den Status des schreibenden
Genies einer Epoche ein und wurde synonym für Autor gebraucht.
Grenzte sich der Begriff also vorher noch vom (Berufs-)Schriftsteller sowie vom Autor ab, verlor er dann im 20. Jahrhundert seinen
erhabenen Status. Vor allem durch die rasante Verbreitung von Film und Rundfunk, die sich natürlich geschriebener
Stoffe (Manuskripte) als Grundlage bedienten, trat die so Persönlichkeit des Schreibenden in den Hintergrund. Es war also weniger
der Dichter, der im Fokus stand, als sein Werk.
Demnach werden heutzutage vor allem die Begriffe Schriftsteller und Autor gebraucht und bilden Oberbegriffe für alle
Schreibenden. Der Dichter meint tatsächlich zumeist den Autoren von Gedichten, wobei außerdem die Bezeichnung Lyriker oder
Lyrikerin gebräuchlich ist. Als Dichter werden vermehrt Autoren vergangener Zeiten bezeichnet. Der Begriff Poet hat heutzutage
sehr häufig einen ironischen Beigeschmack.

Bekannte Dichter verschiedener Epochen

Im Beitrag wurden die wesentlichen Merkmale, welche einen Dichter auszeichneten und auszeichnen, gezeigt. Allerdings
wurden keine Beispiele gegeben, welche Künstler mit der Bezeichnung tatsächlich gemeint sind. Deshalb möchten wir
nachfolgend eine Auswahl bekannter Dichter geben. Diese ist jedoch nur als subjektiver Ausschnitt zu verstehen und soll
lediglich einen Eindruck vermitteln.

Dichter
(alphabetisch)
Lebensdaten Werke
(Auswahl)

 Baal
 Leben des Galilei
1956 
Bertolt

Brecht 1898 – Mutter Courage und ihre Kinder


 Die Dreigroschenoper

 Godwi
Clemens  Des Knaben Wunderhorn
Brentano 1778 – 1842  Eine feine reine Myrte

 Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen.


Gottfried August  Leonore
Bürger 1747 – 1794  Über Volkspoesie. Aus Daniel Wunderlichs Buch

 Tändeleyen und Erzählungen


Matthias  Abendlied
Claudius 1740 – 1815  An meinen Sohn Johannes

Anette von
 Hospiz auf dem großen Sankt Bernhard
Droste-  Die Judenbuche
1797 – 1848  Der Knabe im Moor
Hülshoff

1788 – 1857  Aus dem Leben eines Taugenichts


Joseph von

Eichendorff Das Marmorbild


 Die Entführung

 Effi Briest
Theodor  Stine
Fontane 1819 – 1898  Der Stechlin

 Faust
 Erlkönig
Johann Wolfgang von  Die Leiden des jungen Werther
Goethe 1749 – 1832  Der Zauberlehrling
 Gefunden

 Die Jüdin von Toledo


Franz  Der arme Spielmann
Grillparzer 1791 – 1872  Das goldene Vlies

 Lichtenstein
Wilhelm  Zahlreiche Märchen
Hauff 1802 – 1827  Jud Süß

 Bahnwärter Thiel
Gerhart  Vor Sonnenaufgang
Hauptmann 1862 – 1946  Der Biberperlz

 Die Wanderratten
Heinrich  Atta Troll
Heine 1797 – 1856  Romanzero

 Adrastea
Johann Gottfried von  Lieder der Liebe
Herder 1744 – 1803  zahlreiche Gedichte und Fabeln

 Der Tod des Empedokles


Friedrich  Trauerspiele des Sophokles
Hölderlin 1770 – 1843  Hyperion oder Der Eremit in Griechenland

 Die Leute von Seldwyla


Gottfried  Der grüne Heinrich
Keller 1819 – 1890  Kleider machen Leute

 Prinz Friedrich von Homburg


Heinrich von  Michael Kohlhaas
Kleist 1777 – 1811  Der zerbrochne Krug

Friedrich Gottlieb

Klopstock 1724 – 1803  Müde, sündenvolle Seele


 Messias
 Oden und Elegien

 Minna von Barnhelm


Gotthold Ephraim  Emilia Galotti
Lessing 1729 – 1781  Nathan der Weise

 Maler Nolten
Eduard  Er ist’s
Mörike 1804 – 1875  Mozart auf der Reise nach Prag

 Die Wupper
Else  IchundIch
Lasker-Schüler 1869 – 1945  Gebet

 Der Panther
Rainer Maria  Die Sonette an Orpheus
Rilke 1875 – 1926  Duineser Elegien

 Die Räuber
Friedrich von  Maria Stuart
Schiller 1759 – 1805  Die Bürgschaft

 Der kleine Häwelmann


Theodor  Der Schimmelreiter
Storm 1817 – 1888  Pole Poppenspäler

 Das Schloß am Meere


Ludwig  Des Sängers Fluch
Uhland 1787 – 1862  Schäfers Sonntagslied

 Herzeliebez vrouwelin
Walther von der um 1165 –  Under der linden
Vogelweide 1228  Ir sult sprechen willekomen

Digest
Das Digest war ursprünglich eine Sammlung von juristischen Schriften oder Gerichtsentscheidungen. Später beschrieb der
Begriff vornehmlich eine Zusammenstellung von kurzen Auszügen bestimmter Schriften, die bereits in anderen Formen
veröffentlicht wurden. Dies konnten Auszüge von Essays, Fachbeiträgen oder ganzen Büchern in Kurzform sein, die ein
Fachgebiet beleuchteten. Allgemein gesprochen meint der Begriff demzufolge eine Sammlung von Auszügen aus
Veröffentlichungen.
Der Begriff leitet sich vom lateinischen digestae ab, was sich mit Gesammeltes übersetzen lässt. So verweist die Übersetzung
verweist bereits darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um eine Sammlung [diverser Auszüge anderer Werke]. Die
Bezeichnung ist vor allem im englischen Sprachraum gebräuchlich und dabei Namensgeber vieler Zeitschriften: Reader’s
Digest, Literary Digest, Science Digest.
Den Publikationen ist zu eigen, dass sie – jedenfalls zu Anfang – den Schwerpunkt auf das Zusammenfassen anderer Schriften
legten und es ihrer Leserschaft somit ermöglichten, sich einen Überblick des jeweiligen Fachgebietes zu verschaffen. Mittlerweile
hat sich das inhaltlich Konzept allerdings gewandelt.
So basierte beispielsweise das Reader’s Digest in seinen Anfängen noch darauf, ausgewählte Beiträge aus Artikeln, Zeitschriften
sowie Büchern und anderen Werken in gekürzter Form und verschiedenen Sprachen zu sammeln und zu publizieren. Dabei
zeichnete sich allerdings eine pro-amerikanische Grundhaltung ab, die dem Verlag die Kritik eines geschlossenen Weltbildes
einbrachte.
Heutzutage besteht die Zeitschrift vornehmlich aus eigenen Inhalten und die Gesellschaft, die hinter der Reihe steht (The Reader’s
Digest Association) streute auch das Programm enorm, weshalb Sachbücher, Belletristik, Hörbücher, CDs sowie DVDs zum
Programm gehören.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

 Als Digest wurde einst eine Sammlung von juristischen Schriften oder Gerichtsentscheidungen bezeichnet. Dieser Begriff ist
in den USA auch heute noch für ein solches Werk gebräuchlich.
 Später meinte der Begriff aber vor allem Publikationen, die zumeist regelmäßig erschienen und eine Auswahl von Auszügen
anderer Veröffentlichung beinhalteten. Solche Arten der Übersicht ermöglichten es dem Leser, sich einen Überblick zu
verschaffen sowie das Wesentliche in Kurzform konsumieren zu können, was vor allem in der Wissenschaft essentiell ist.
 Die Zeitschrift Sputnik, die von der russischen Nachrichtenagentur Nowosti ab 1967 publiziert wurde und als wesentliche
Zielgruppe das sozialistische sowie westliche Ausland hatte, bezeichnete sich selbst als Digest der sowjetischen Presse.
 Hinweis: Mitunter wird die Bezeichnung auch für Kurzformen und Zusammenstellungen aller Art gebraucht. Beispielsweise
trägt auch das „Manual Digest“ die Bezeichnung im Namen und stellt dabei Wissenswertes (Geschichte, Regierung,
Gebräuche und Sitten) über Andorra vor.

Dilemma
Als Dilemma, auch Zwickmühle, wird die Zwangslage einer Person bezeichnet, die sich zwischen zwei Möglichkeiten
entscheiden muss, die gleichermaßen schwierig sowie unangenehm sind. Demnach ist das Dilemma stets eine Situation, die
zwar mehrere Auswege bietet, von denen allerdings keiner zum gewünschten Resultat führt. Weiterhin kann die Wahl
zwischen zwei positiven Dingen als Dilemma bezeichnet werden. Handelt es sich um drei Möglichkeiten, die zur Wahl stehen,
spricht man für gewöhnlich von einem Trilemma, sind es mehrere Optionen, von einem Polylemma.
Das Nomen lässt sich aus dem Griechischen ableiten (δί-λημμα) und mit zweigliedrige Annahmeübersetzen, die Mehrzahl (Plural)
wird mit Dilemmas, aber auch Dilemmata, gebildet. Diese Übersetzung verweist bereits darauf, worum es grundsätzlich geht: um
eine Annahme, also die Vermutung einer Person, aus welcher sich zwei Möglichkeiten ableiten. Man unterscheidet gemeinhin
zwischen positivenund negativen Dilemmas.
Das positive Dilemma beschreibt eine Situation, die zwar zwei Auswege beschreibt, doch führen beide zum gewünschten Ergebnis.
Es ist demzufolge egal, für welchen Weg sich die entsprechende Person entscheidet. Beispielsweise könnte eine Person starken
Hunger verspüren und im Kühlschrank befinden sich genau zwei Mahlzeiten – vollkommen egal, welche Mahlzeit verzehrt wird, ist
die Person anschließend satt.
Das negative Dilemma meint eine Situation, die zwei Auswege aufzeigt, wobei keiner zum positiven Ergebnis führt. Das Dilemma
zerstört sich demnach selbst. Beispielsweise könnten zwei Personen an starkem Hunger leiden, wobei nur eine Mahlzeit zur
Verfügung steht, die eine Person retten könnte. Ist Person A davon, stirbt unweigerlich Person B. Verzehrt B die Nahrung, muss A
sterben. Wer erhält nun die Nahrung?
Hinweis: Im allgemeinen Sprachgebrauch ist allerdings zumeist die negative Form gemeint, wenn der Begriff verwendet wird. Auch
die meisten Beispiele in der Philosophie und Literatur befassen sich mit dieser Form der Zwickmühle, die eine Form der
Auswegslosigkeit beschreibt (vgl. Aporie).

Beispiele für das Dilemma

Nachfolgend möchten wir einige bekannte Beispiele aus der Philosophie sowie der Literatur anführen, um die Zwickmühle
noch deutlicher zu veranschaulichen. Die vorgestellten Beispiele zeigen demnach für den Betroffenen zwei Möglichkeiten
auf, die jeweilis zu einem unerwünschten Resultat führen.

Rettungsboot-Dilemma
Das Rettungsboot-Dilemma, wird auch als Brett des Karneades bezeichnet, ist ein Gedankenexperiment der Philosophie und wird
in seiner ursprünglichen Form dem griechischen Philosophen Karneades zugeschrieben. Da Karneades selbst allerdings keine
Schriften verfasste, ist die bekannte Form nur durch den Philosophen Cicero überliefert, der ihn als Quelle nennt. Man stelle sich
dafür die folgende Situation vor:
In einem Sturm kentert ein Schiff und sinkt auf den Meeresgrund. Zwei Schiffbrüchige überleben das Unglück. Im wilden Wasser
treibt eine Holzplanke (schmales Brett). die allerdings nur einen der beiden tragen könnte. Würden beide Männer versuchen, mit der
Planke über Wasser zu bleiben, würden sie ertrinken. Einer der Schiffbrüchigen entschließt sich, den anderen zu töten, um sich
selbst zu retten und überlebt.
Der eine Mann stand demnach vor dem Dilemma, entweder zu sterben und keine Straftat zu begehen oder durch den Morde am
anderen das Unglück zu überleben. Beide Möglichkeiten führen nicht zum gewünschten Ergebnis, dass beide überleben und
verdeutlichen das Dilemma. Das Beispiel wirft rechtsphilosophische und ethische Fragen auf. Auch im Strafrecht kann das Beispiel
als Fallbeispiel herangezogen werden, wenn es darum geht, ob das Leben eines Menschen geopfert werden darf, um das eigene zu
retten.
Cicero selbst, der das Beispiel anführt, kommt zu dem Schluss, dass eine faire Auswahl im Grunde nicht möglich ist. Lediglich ein
Losverfahren kann zu einem Ergebnis führen. Ähnlich fallen auch die Urteile der Rechtssprechung in den meisten Fällen aus. Cicero
gibt das Dilemma mit den folgenden Worten wieder:
Angenommen aber, es gibt nur ein Brett, aber zwei Schiffbrüchige, und beide sind weise Männer. Soll es jeder von ihnen an sich zu
reißen suchen oder soll es einer dem anderen abtreten? Es soll abgetreten werden, aber an den, der eher wert ist, um seiner eigenen
Angelegenheiten […] am Leben zu bleiben. Was aber, wenn sie in beiden Punkten gleiche Ansprüche haben? Es wird keinen Streit
geben, sondern einer wird dem anderen den Vortritt lassen, wie wenn er durch Losen […] verloren hätte.

Gefangenendilemma
Das Gefangenendilemma, eigentlich Prisoner’s dilemma, ist ein häufiges Beispiel in der Philosophie und Spieltheorie. Im Beispiel
geht es um zwei Gefangene oder eben zwei Spieler, die theoretisch die Möglichkeit hätten, zusammenzuarbeiten und somit beide
gewinnen würden oder sich gegenseitig zu verraten. Die Beteiligten wissen allerdings nichts von der Entscheidung des
anderen. Stellen wir uns das Folgende vor:
Zwei Personen werden beschuldigt, gemeinsam ein Verbrechen begangen zu haben und werden getrennt von der Polizei befragt. Sie
haben keine Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten und sich so zu beraten. Die höchste Strafe, die für dieses Verbrechen
verhängt wird, beträgt 6 Jahre. Wenn beide schweigen, werden sie wegen kleinerer Taten zu je zwei Jahren inhaftiert, gestehen
beide, erhalten sie jeweils nur vier Jahre, da sie mit der Polizei kooperierten. Schweigt der eine und der andere gesteht, erhält der
Beschuldigte die höchste Strafe (6 Jahre) und der andere, weil er als Kronzeuge auftritt, lediglich ein Jahr auf Bewährung.
Die Gefangenen stehen nun vor einem Dilemma. Wenn sich beide vertrauen und schweigen, kommen sie mit zwei Jahren davon,
wenn der eine allerdings gesteht und nur einer schweigt, muss der Schweigende die Höchststrafe in Kauf nehmen. Würde er aber
auch gestehen, wären es aufgrund der Kooperation nur vier Jahre. Tabellarisch verhalten sich die Folgen und Möglichkeiten von A
und B also folgendermaßen:

B B
schweigt gesteht

A: 2 Jahre B: 2 Jahre A: 6 Jahre B: 1 Jahr


A
schweigt

Gesamtstrafe: 4 Jahre Gesamtstrafe: 7 Jahre

A: 1 Jahr B: 6 Jahre A: 4 Jahre B: 4 Jahre


A
gesteht

Gesamtstrafe: 7 Jahre Gesamtstrafe: 8 Jahre

Die obige Tabelle verdeutlicht, warum die beiden in einer Zwickmühle stecken. Sie können nämlich nicht wissen, wie sich der
andere Gefangene beim Verhör verhält. Idealerweise würden nämlich beide schweigen, um eine kleine Strafe zu kriegen. Da sie aber
nicht wissen, was der andere tut, sollten sie aber gestehen – schweigt der andere, erhält einer die kleine Strafe, gesteht der andere,
kriegen sie nicht die Höchsstrafe.

Buridans Esel
Buridans Esel ist ein Gleichnis der Philosophie. Es beschreibt ein Dilemma, welches entsteht, obwohl es zwei positive
Möglichkeiten gibt, wobei ein Ausweg nur deshalb nicht besteht, weil sich der Handelnde nicht für eine der Möglichkeiten
entscheiden kann. Das Gleichnis wird dem Philosophen Johannes Buridan zugeschrieben, auch wenn es keinen Nachweis in dessen
Schriften dafür gibt. Es lautet folgendermaßen:
Ein Esel steht zwischen zwei gleich großen und gleich weit entfernten Heuhaufen. Er verhungert schließlich, weil er sich nicht
entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll.
Das obige Beispiel scheint paradox, veranschaulicht aber trotzdem metaphorisch die Ausweglosigkeit eines Handelnden. Zwar ist
nicht belegt, ob das Ganze tatsächlich dem Philosophen zuzuschreiben ist, doch ist es für die Illustration vollkommen gleich: der
Esel verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann, da die Wahlnotwendigkeit ein Ergebnis unmöglich macht und er sich so in
einem Dilemma befindet.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick
 Als Dilemma wird eine Situation beschrieben, welche zwei mögliche Auswege hat, wobei beide Möglichkeiten zu einem
unangenehmen sowie schwierigen Ergebnis führen. Vor allem in der Rechtsphilosophie und in der Ethik finden sich
zahlreiche Beispiele, die zur Illustration von Ausweglosigkeit dienen oder als Übung zum Urteilen herangezogen werden.
 Gibt es genau drei Möglichkeiten, die zu einem unangenehmen Ergebnis führen, spricht man von einem Trilemma, sind es
mehr als drei, wird das Ganze als Polylemma bezeichnet.
 Bestehen tatsächlich mehrere Auswege, wobei lediglich derjenige, der sich entscheiden muss, eine Zwickmühle annimmt,
spricht man vom Falschen Dilemma. Ein solches kann absichtlich genutzt werden, um anderen eine ausweglose Situation zu
suggerieren und sie so zu manipulieren, kann aber durchaus auch auf falschen Annahmen beruhen.
 Hinweis: Synonym werden häufig die Begriffe Bredouille, Klemme, Misere, Patsche oder auch Zwangslage sowie
Zwickmühle verwendet.

Dilettant
Als Dilettant wird derjenige bezeichnet, der eine Kunst oder auch Wissenschaft nur aus Liebhaberei, also zum Vergnügen,
betreibt und sie nicht als Beruf ausübt oder durch eine Ausbildung erlernt hat. Somit ist der Dilettant ein Amateuer, auch
Laie, und unterscheidet sich so vom Fachmann. Dennoch kann Dilettantismus nicht mit Stümperei, also dem unsauberen
Arbeiten, gleichgesetzt werden, weil durchaus Meisterwerke sowie perfekte Arbeiten von Dilettanten kreiert werden können.
Der Begriff wird dennoch teilweise abwertend für eine Person gebraucht, die ihr Fach nicht versteht.
Der Begriff geht auf das italienische dilettare zurück, welches vom lateinischen delectare abgeleitet ist. Diese Wörter lassen sich
mit sich erfreuen übersetzen. Folglich verweist schon die Übersetzung darauf, worum es grundsätzlich geht, wenn eine
Person dilettiert: sie geht dann nämlich einer Tätigkeit aus Freude nach [ohne diese beruflich auszuüben oder eine entsprechende
Ausbildung absolviert zu haben].
Ursprünglich bezeichnete dieser Begriff Künstler, die das jeweilige Handwerk nicht erlernt hatten, oder meinte Kunstliebhaber.
Belegt ist das Substantiv, ebenso wie das Verb dilettieren, seit dem 18. Jahrhundert und lässt sich vor allem im Zusammenhang mit
der Musik belegen. Ehemals wurden die Begriffe keineswegs negativ gebraucht, sondern grenzten beispielsweise die
Beschäftigungen des Adels von denen ab, die mit einer Tätigkeit ihren Lebensunterhalt bestritten. Heute wird der Begriff oft
synonym zum Stümper gebraucht.

Bekannte Dilettanten

Das Dilettantische muss demzufolge nicht schlecht oder minderwertig erscheinen, da es lediglich von einer Person angefertigt
wurde, die das Ganze nicht professionell, also beruflich, macht oder im Zuge einer Ausbildung erlernt hat. Demnach gibt es
allerhand bekannte Dilettanten aus Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft, die wesentliche Beiträge im jeweiligen
Bereich leisteten.

Bedeutungswandel des Begriffs

Der Dilettant galt ehemals als derjenige, der einer Sache aus der Freude an dieser und aus Liebhaberei tat, wobei er durch
diese eben nicht seinen Lebensunterhalt bestritt. Als der Begriff im 18. Jahrhundert im Deutschen auftauchte, war seine
Bedeutung auch noch grundsätzlich positiv, wurde aber alsbald negativ konnotiert und mit dem Stümperhaften und
Fehlerhaftem gleichgesetzt.
Der Enzyklopädist Johann Georg Krünitz bescheinigte dem Dilettantischen noch 1793 ein lebhaftes Gefühl für eine Kunst, was der
ursprünglichen Bedeutung des Begriffs sehr nahe kommt. Dennoch wird dem Dilettanten nur wenige Jahre später das tatsächliche
Bewusstsein für Kunst abgesprochen oder es wird zumindest in der Deutschen Encyclopädie (1796) festgehalten, dass der Dilettant
durchaus einen verdorbenen Geschmack haben kann und sich insofern vom wahren Künstler unterscheidet.
Das Dilettantische bewegt sich also irgendwo zwischen Schüler und Meister oder Künstler und Pfuscher, ist also schwierig zu
greifen. Dennoch wurde es in der Folge vornehmlich negativ verwendet, also dem Pfusch zugeordnet. So griff beispielsweise Schiler
in einem Brief an Goethe vom 1. März 1799 auf die Wortfolge dilettantischen Leichtigkeit zurück, um das Werk Humboldts zu
charakterisieren und attestiert diesem im gleichen Zuge, dass er nicht verstünde, den Leser festzuhalten und eine trockne Manier.
Goethe und Schiller sind es außerdem, die die Definition des Begriffs weitertreiben und den Versuch wagen, ihn tatsächlich von
ähnlichen oder verwandten Begrifflichkeiten abzugrenzen. In einer Sammlung mehrerer Schriften (Über den Dilettantismus, 1799)
formulieren sie die nachfolgende Eingrenzung des Begriffs: Der Dilettant verhält sich zur Kunst wie der Pfuscher zum Handwerk.
So wird der Dilettant zum Pfuscher.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

 Als Dilettant wird eine Person bezeichnet, die eine Wissenschaft oder Kunst nur aus Liebhaberei betreibt. Demnach ist der
Begriff mit dem Amateur und dem Laien verwandt und steht dem Meister sowie Fachmann entgegen. Heutzutage wird der
Begriff oft abwertend gebraucht.
 Allerdings können beachtliche Leistungen und Arbeiten von Dilettanten erbracht werden, wobei auch zahlreiche bekannte
Namen in den Annalen des Dilettantismus zu finden sind. So haben beispielsweise Goethe, Einstein, Mendel oder auch
Foucault beachtliche Entdeckungen in Bereichen gemacht, denen sie aus Interesse, Freude und Neugier nachgegangen sind.
 Hinweis: Das Wort ist rechtschreiblich schwierig. Das einzelne l sowie der doppelte Konsonantbereiten hier Probleme. Oft
findet sich somit die Schreibweise „Dilletant“. Diese ist aber falsch.

Dilogie (Zweiteiler)
Als Dilogie, auch Zweiteiler, wird ein Werk bezeichnet, welches inhaltlich zusammengehört und aus zwei Teilen besteht. Bei
einer solchen Dilogie kann es sich um ein literarisches, filmisches, aber auch musikalisches Werk handeln. Allerdings wird
der Begriff zumeist im Zusammenhang mit literarischen Erzeugnissen (bspw. Romane) sowie in Bezug auf Filme gebraucht.
Oftmals funktionieren die einzelnen Werke des Zweiteilers selbständig, was bedeutet, dass die Handlung des einzelnen
Werkes häufig in sich abgeschlossen ist (siehe auch: Mehrteiler).
Der Begriff Dilogie leitet sich vom Altgriechischen Nomen dilogía ab. Dieses setzt sich aus dem Präfix difür zwei oder doppelt und
dem Substantiv lógos für Wort zusammen. Wortwörtlich handelt es sich bei der Dilogie also um ein Doppel- oder
auch Zweiwort und demnach im übertragenen Sinn um einen Inhalt, der aus zwei Teilen besteht. Umgangssprachlich wird das Ganze
also meist als Zweiteiler bezeichnet.

Diminutiv
Als Diminutiv, auch Deminutiv, Diminutivum, Deminutivum, wird in der Grammatik die Verkleinerung und Verniedlichung
eines Nomens (Substantiv) bezeichnet. Im Deutschen wird das Diminutiv durch das Anghängen von -chen oder -lein gebildet.
Oftmals ändert sich dabei der Stammvokal zu einem Umlaut (Summe → Sümmchen). Das Diminutiv kann für die Bildung
von Kosenamen, aber auch Koseworten genutzt werden und außerdem ein rhetorisches Stilmittel darstellen (vgl. Litotes).
Der Begriff lässt sich aus dem Lateinischen ableiten (deminuere) und in etwa mit vermindern oder verringern übersetzen, woraus
sich übrigens auch die Bezeichnung für die mathematische Subtraktion (minus) ableitet. Demnach verweist schon die Übersetzung
darauf, worum es prinzipiell geht: nämlich um das [sprachliche] Verringern [oder eben Verkleinern eines Substantivs]. Schauen wir
dafür auf ein Beispiel.

Das ist kein Haus, das ist ein Häuschen.

Im obigen Beispiel wurde das Substantiv Haus verniedlicht und somit sprachlich verkleinert. Dabei wurde aus
dem Haus ein Häuschen. Es ist ersichtlich, dass die Endung -chen angehängt und sich außerdem der Vokal a zum Umlaut ä
wandelte. Möglich wäre in diesem Beispiel aber auch, den Diminutiv durch das Anhängen der Endsilbe -lein zu bilden:
also Häuslein. Ein weiteres Beispiel:
Geben sie mir ein Brot und sechs Brötchen.

Im obigen Beispiel findet sich das Substantiv Brot und dessen Verniedlichung: Brötchen. Auch hier wurde die Endsilbe -
chen angehängt und der Vokal in einen Umlaut gewandelt. In diesem Fall ist auffällig, dass sich das Diminutiv Brötchen in unseren
Wortschatz geschlichen hat und gar nicht so eindeutig als Verniedlichung zu erkennen ist. Es gibt zahlreiche Nomen, die sich als
Diminutive verselbständigt haben.

Beispiele für Diminutive, die verselbständigt sind (Klappt beim Klicken auf!)

Bildung des Diminutivs

Die Verkleinerungsform kann aus jedem Nomen (Substantiv) im Deutschen gebildet werden, das nicht schon selbst eine
Verkleinerung darstellt (Bsp.: Häschen, Eichhörnchen, …). Dafür wird an das Wort die Silbe -chen oder -lein angehängt. In
einigen Regionen sowie Dialekten wird das Diminutiv durch das Anhängen von -erl realisiert (Bayern, Österreich, …).
Weiterhin wird der jeweilige Stammvokal eines Wortes zum entsprechenden Umlaut. Aus a, o und uwerden also ä, ö und ü,
wobei e und i zumeist erhalten bleiben. Außerdem entfällt bei Wörtern, die auf einen unbetonten Vokal enden, dieser in den meisten
Fällen. Schauen wir dafür auf einige Beispiele.

(1) Dose → Döschen, Döslein


(2) Rose → Röschen, Röslein
(3) Pferd → Pferdchen, Pferdlein
(4) Mann → Männchen, Männlein
(5) Haus → Häuschen, Häuslein

An die obigen Beispiele wurden die Endsilben -chen und -lein angehängt, wobei in einigen Fällen unbetonte Vokale am Wortende
entfielen (1, 2) oder die Stammvokale zu Umlauten wurden (1, 2, 4, 5). Durch diese Änderung wurde die Verkleinerungsform der
Nomen gebildet. In einigen Regionen wird -erlgebraucht.

Artikel des Diminutivs


Jedes Substantiv hat einen Begleiter. Dieser Begleiter wird als Artikel bezeichnet und gibt an, welches grammatische
Geschlecht ein Substantiv hat. Dieses Geschlecht ist für die Bildung desKasus (Fall) entscheidend und wird
als Genus bezeichnet. Man unterscheidet zwischen feminin(weiblich), maskulin (männlich) und neutral (sächlich), um das
Geschlecht zu kennzeichnen.
Das Diminutiv eines Nomens ist dabei stets sächlich, also neutral, und erhält demzufolge den bestimmten Artikel das. Es ist
unerheblich, welches Geschlecht das Nomen aufweist, denn in der Verkleinerungsform wird es stets zu einem Neutrum. Auch das
lässt sich anhand einiger Beispiele verdeutlichen.

die Bank → das Bänkchen, das Bänklein


die Wurst → das Würstchen, das Würstlein
der Hund → das Hündchen, das Hündlein

Die obigen Beispiele verdeutlichen das Prinzip. Der bestimmte Artikel des Diminutivs ist stets das, weshalb das Substantiv in der
Deminutivform stets sächlich ist. Hierbei gibt es keine Ausnahmen.

Diminutiv als Stilmittel

Die Verkleinerungsform kann durchaus als Stilmittel gebraucht werden. Einerseits kann es hierbei um die Entwertung oder
eben Verniedlichung einer Sache gehen, aber andererseits ebenfalls um das künstliche Abschwächen eines Sachverhalts oder
eine doppelte Verneinung.
Das Stilmittel, das durch die doppelte Verneinung etwas bejaht, wird als Litotes bezeichnet (keine Kleinigkeit, nicht gerade schön,
…). Allerdings muss nicht verneint werden, um etwas zu verstärken oder das Gegenteil auszusagen, sondern kann auch verkleinert
werden. Schauen wir zur Veranschaulichung auf ein Beispiel.

Wir müssen ein hübsches Sümmchen für das Haus zahlen.

Das obige Beispiel realisiert die Litotes durch die Verwendung des Diminutivs. Das Wort Summe wird durch das Anfügen der
Endsilbe -chen im Eigentlichen abgeschwächt. Aus dem Zusammenhang lässt sich jedoch erschließen, dass das Gegenteil gemeint
ist. Demnach kann das Abschwächen durchaus als Form der Übertreibung und Zuspitzung dienen, wobei dies aus dem Kontext
erschlossen werden muss.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Diminutiv im Überblick

 Das Diminutiv ist die Verkleinerungsform eines Substantivs und wird durch das Anhängen von -chen und -lein gebildet. In
einigen Dialekten entsteht es durch das Anhängen der Endsilbe -erl (Sack → Sackerl). Bei Nomen, die auf einen unbetonten
Vokal enden, entfallen ebendiese Vokale, wobei sich außerdem der Stammvokal zum entsprechenden Umlaut wandelt.
 Gebraucht wird die Verkleinerungsform vor allem um junge Menschen und Tiere zu bezeichnen, etwas zu verniedlichen, als
Kosewort und Kosename, als Untertreibung, zur Kennzeichnung kleinerer Gegenstände oder Pflanzen innerhalb einer Klasse
sowie als Wertung.
 Hinweis: Als Stilmittel kann die Verkleinerungsform vor allem wertend in Erscheinung treten: Sachverhalte, Personen und
Dinge werden so schwächer sowie unwichtiger dargestellt.

Dinggedicht
Als Dinggedicht wird eine Gedichtform bezeichnet. Das Dinggedicht meint ein Gedicht, das ein Objekt in den Mittelpunkt
rückt sowie aus dessen Perspektive geschrieben ist. Der Gedichttypus hat das Ziel, das Wesen des Dings aus dessen Sicht
nachzubilden, als würde ebendieses Objekt über sich selbst sprechen. Als Ding werden hierbei Objekte bezeichnet, die keine
eigene Stimme haben. So können Dinggedichte die Sicht eines tatsächlichen Dings (Gegenstand, Kunstwerk etc.) zeigen, aber
eben auch die von Lebewesen (Pflanzen, Tiere etc.). Ein bekanntes Beispiel ist Der Panther von Rilke.
Der Begriff wurde 1926 vom Germanisten Kurt Oppert geprägt, auch wenn solche Gedichte durchaus bereits früher auftraten und in
diversen literarischen Epochen auszumachen sind. Sehr häufig behandeln sie Werke der bildenden Künste, also Werke der Baukunst,
Bildhauerei, Malerei, Zeichnung und Grafik. Somit ist der Gedichttypus auch häufig bei Dichtern ausmachen, die eine enge
Beziehung zur bildenden Kunst haben.
Wesentlich ist für die Gedichtart, dass der Versuch unternommen wird, die möglichen Äußerungen über das jeweilige Ding aus
dessen möglicher Sicht wiederzugeben. Der Dichter versucht also, sich in das Objekt zu versetzen und dessen mögliche
Gedankengänge glaubhaft nachzuvollziehen. Schauen wir auf ein Beispiel:

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe


so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,


der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.
Das obige Beispiel ist Der Panther von Rainer Maria Rilke, das zu den bekanntesten Werken des Dichters zählt. Der Panther ist
ein Dinggedicht, weil es eine Sache beschreibt, die selbst keine Stimme hat. Das Werk gliedert sich in drei Strophen, wobei die
ersten beiden das Tier von außen beschreiben und in den letzten Verszeilen das Innere des Tieres gezeigt wird, das vollkommen
passiv seine Umwelt wahrnimmt.
Dennoch ist in diesem Beispiel ein Sprecher anwesend, der den Panther beschreibt. Allerdings tritt dieser beinahe vollständig hinter
der Beschreibung des Objekts zurück, was typisch für solcherlei Dinggedichte ist: das lyrisches Ich verschwindet beinahe vollends
und ist nur als beschreibende, distanzierte Instanz anwesend.
Charakteristisch ist auch, dass sich ein Dinggedicht nicht mit subjektiven Empfindungen des lyrischen Ichs befasst, bestimmte
Fragen reflektiert oder über das Künstler-Dasein sinniert. Im absoluten Vordergrund steht das Ding selbst, wobei es das Ziel ist,
dieses Ding so gut, wie nur möglich, zu beschreiben – sei es nun von außen oder von innen: Das Dinggedicht soll das Wesen des
Gegenstandes ausdrücken.

Beispiele für das Dinggedicht

Nachfolgend möchten wir Ihnen ausgewählte Dinggedichte vorstellen. Alle Beispiele haben gemein, dass sie das jeweilige
Objekt distanziert oder objektiviert darstellen und es so zeigen, als würde ebendieses Objekt übersich selbst Auskunft geben,
wobei das lyrische Ich kaum spürbar ist.
Auf eine Lampe, Eduard Mörike
Das Karussell, Rainer Maria Rilke
Römische Fontäne, Rainer Maria Rilke
Der römische Brunnen, Conrad Ferdinand Meyer
Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Gedichtform im Überblick

 Als Dinggedichte werden alle Gedichte bezeichnet, die versuchen, das Wesen eines Objekts darzustellen. Dabei kann das
jeweilige Ding von außen und innen beschrieben werden, aber eben so, als spräche das jeweilige Objekt über sich selbst.
 Hierbei kann eine Distanz zum Gegenstand bestehen, wobei die eigene Stimmung des lyrischen Ichs sowie des Dichters
ausgeschlossen bleiben oder das Beschriebene bestimmt maßgeblich die Form und Sprache des Gedichtes. Grundsätzlich
können dabei Alltagsgegenstände, komplexe Dinge oder auch stumme Lebewesen beschrieben werden.
 Hinweis: Verwandte Gedichtformen sind das Gemäldegedicht, das ein Bild beschreibt, und das Architekturgedicht, das
Bauwerke behandelt. Beide sind Sonderformen des Dinggedichts.

Dingsymbol
Als Dingsymbol werden in der Literatur Gegenstände, Tiere oder auch Pflanzen bezeichnet, die im jeweiligen Werk
eine symbolhafte Bedeutung haben. Solche Dingsymbole finden sich in sämtlichen literarischen Gattungen, sind aber
besonders charakteristisch für die Ballade (vgl. Gedichtformen) sowie die Novelle. Dingsymbole nehmen dabei eine zentrale
Rolle ein und werden an bedeutsamen Stellen des Werkes wiederholt, wodurch sie einen leitmotivischen Charakter
annehmen können. Das Dingsymbol kann tiefere Sinnzusammenhänge eines Werkes verdeutlichen und dabei stellvertretend
bestimmte Abläufe symbolisch veranschaulichen. Der Begriff stammt aus der Novellentheorie.
Der Begriff wurde erst im 20. Jahrhundert in der Literaturwissenschaft geprägt. Vorher formulierte Paul Heyse (1830-1914), ein
deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer, der für seine belletristischen Arbeiten den Nobelpreis für Literatur erhielt, die
sogenannte Falkentheorie. Die Bezeichnung rührt daher, dass Heyse die Theorie am Beispiel von Giovanni Boccaccios (1313-1375;
vgl. Trecento) Falkennovelleentwickelte.
Die Falkentheorie besagt, dass jede Novelle ein Problem oder einen Konflikt haben müsse, um welchen die Handlung kreist. Ein
solcher Konflikt kann – jedenfalls in der Theorie – durch ein Symbol wiederkehrend aufgegriffen und somit veranschaulicht werden.
Bei Giovanni Boccaccio ist es ein Falke, welchen Heyse stellvertrend anführt, um seine Theorie, die er 1871 veröffentlicht, zu
untermauern.
In Boccaccios Falkennovelle geht es um einen armen Ritter, der vergeblich um eine Dame wirbt. Nach Jahren der erfolglosen
Brautwerbung erscheint die Angebete bei ihm. Da der Ritter mittlerweile verarmt ist und sie folglich nicht standesgemäß empfangen
kann, opfert er seinen wertvollsten Besitz – einen Falken – und serviert ihr diesen. Allerdings war die Dame erschienen, um den
Falken für ihren kranken Sohn zu erbitten, da dieser ohne das Geschenk nicht genesen kann. Daraufhin stirbt der Junge, doch die
Frau erbt das Vermögen, das sie zuvor nur verwaltete und heiratet den Ritter, der somit doch noch ans Ziel gelangt. Der Falke wird
somit am Wendepunkt der Handlung zum zentralen Motiv der Novelle und folglich zum Dingsymbol.

Beispiele für das Dingsymbol


In der Literatur finden sich zahlreiche Beispiele, die angeführt werden könnten, um das Geschriebene zu verdeutlichen. Da
es allerdings nicht möglich scheint, hierbei eine umfassende Übersicht zu bieten, kann die nachfolgende Auswahl allenfalls
als subjektive Zusammenstellung gelten.

Beispiel Dingsymbol Erläuterung


(Autor)

Die Eisenbahn steht für das anbrechende Maschinenzeitalter, das


in jener Zeit teils als bedrohlich empfunden wurde.
Der Protagonist Thiel sieht sich im Werk häufig mit der
Bahnwärter Thiel unkontrollierbaren Macht der Eisenbahn konfrontiert, so wird er
Gerhart Hauptmann
Eisenbahn durch eine Flasche verletzt, die aus einem Zug geworfen wird,
ein Rehbock wird gerammt, wobei der Zugunfall am Ende des
Werkes den Tod von Tobias fordert und in der Folge auch Lene
und Thiels zweitem Sohn das Leben nimmt.

Ein junger Lord fordert sein Glück heraus, indem er mit dem aus
Kristall gefertigten Trinkglas, das als Glück von
Edenhallbezeichnet wird und symbolisch für das Glück seiner
Das Glück von Edenhall Trinkglas Familie steht, kräftig anstößt. Dabei zerbricht das Glas und
Ludwig Uhland
Feinde gelangen ins Schloss, woraufhin der junge Lord stirbt –
das zersplitterte Trinkgefäß, das für das Glück steht, hält er in der
Hand.

Der Spiegelung – oder vielmehr Spiegelungen – tauchen in


Hoffmans Werk an zahlreichen Stellen auf. Der Spiegel, der stets
Der goldne Topf nur ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit zeigt. Teils wird dieses
E. T. A. Hoffmann
Spiegel Motiv auch durch das Kristall oder Edelsteine, die reflektieren,
aufgegriffen. Solche Spiegelungen greifen die grundsätzliche
Idee des Irrealen im Hoffmanns magischer Welt auf.

Der Deich spiegelt gewissermaßen Haukes Leben wider.


Anfänglich hält der Deich und Haukes Leben verläuft in
geregelten Bahn, später bricht der Deich und gleichermaßen
Der Schimmelreiter Der Deich Haukes Leben. Weiterhin symbolisiert er den Kampf des
Theodor Storm
Menschen mit der Natur. Mitunter kann auch der Schimmel als
Dingsymbol der Novelle und als Symbol für den Teufel und das
Unheil gelten.

Alle negativen Dinge, die in der Novelle passieren, geschehen in


unmittelbarer Nähe zur titelgebenden Buche und stets des Nachts
Die Judenbuche Buche oder in der Dämmerung im Brederwald. Der Brederwald wird so
Annette von Droste-Hülshoff
schnell unheimlich und die Buche selbst zum Dingsymbol des
Werkes, das für ein unheilvolles Ereignis steht.

Falkennovelle Falke Siehe obige Ausführungen.


Giovanni Boccaccio

Die Kleidung des Schneiders Strapinski, vor allem sein Mantel,


Kleider machen Leute können hierbei als Dingsymbol gewertet werden. Die Kleidung
Gottfried Keller
Kleidung Strapinskis steht letzten Endes für den Widerspruch von Schein
und Sein und wird an zahlreichen Stellen des Werkes angeführt.

Die Pferde von Michael Kohlhaas sind ein Leitmotiv des Werkes
und tauchen an verschiedenen Stellen auf. Zu Beginn sind sie
stark und werden von anderen bestaunt. Sie sind hierbei eine
Michael Kohlhaas Pferde Spiegelung des Zustandes von Michael Kohlhaas und dessen
Heinrich von Kleist
Rechtschaffenheit. Später sind die Pferde geschändet und auch
Kohlhaas ist nun nicht mehr der rechtschaffen, sondern
schrecklich. Als die Pferde am Ende der Novelle wieder
aufgefüttert sind, scheint auch die Rechtschaffenheit des
Protagonisten “von den Toten auferstanden”.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

 Als Dingsymbol wird in der Literatur ein Gegenstand, eine Pflanze oder ein Tier bezeichnet, das eine symbolhafte Bedeutung
hat und wiederkehrend im Werk genutzt wird. Dabei können Dingsymbole bestimmte Aspekte der Handlung symbolhaft
aufgreifen sowie veranschaulichen.
 Dieser Begriff geht auf die Novellentheorie zurück. Paul Heyse, ein deutscher Schriftsteller, formulierte in
seienr Falkentheorie, dass jede Novelle einen zentralen Konflikt haben müsse, um den sie kreist. Ein solcher Konflikt kann
dabei durch ein Dingsymbol verdeutlicht werden, das stellvertretend für ebendiesen Konflikt steht.
 Allgemein gesprochen meint ein solches Dingsymbol also einen Gegenstand, der eine wichtige Bedeutung in einem Werk
hat, an vielen Stellen der Handlung benannt wird und diese beeinflusst und durch sie beeinflusst wird. Er symbolisiert das
Kernthema des Werkes. Darüber hinaus leiten solche Symbole oft den Wendepunkt des Werkes ein (vgl.Peripetie im
Drama).

Dionysien
Die Dionysien sind die Festspiele zu Ehren des Gottes Dionysos in der griechischen Antike. Dionysos ist der Gott des Weines,
der Freude, der Fruchtbarkeit, der Trauben, der Ekstase und des Wahnsinns. Anfänglich ging es hierbei um feierliche,
kultische Umzüge, die religiös geprägt waren, woraus sich in Athen die städtischen Dionysien entwickelten. Diese wurden
fortan alljährlich zwischen März und April begangen und dauerten acht Tage an. Dabei wurden kultische Riten (Tanz,
Opfer, Gesang) praktiziert, die letzten Endes als Vorläufer der griechischen Komödie sowie Tragödie gelten. Sehr
charakteristisch sind hierfür außerdem die sogenannten Dithyramben, also hymnenartige Chorlieder, die zu Ehren des
Gottes Dionysos vorgetragen wurden. Nachhaltig geprägt wurden die städtischen Dionysien vor allem durch Peisistratos (um
600 v. Chr. – 528/527 v. Chr.), einem Staatsmann und Tyrannen, der massiv die Verehrung von Athene und Dionysos
vorantrieb. Wesentlich ist für die Dionysien darüber hinaus der Wettstreit der Komödien- und Tragödiendichter (Agon), die
ihre Werke im Rahmen des Festes zeigten.
Der Begriff Dionysien leitet sich vom griechischen Nomen Dionysia ab, welches sich wiederum vom Namen des Weingottes selbst
ableitet. Folglich ging es in erster Linie darum, den Weingott zu ehren, wenngleich die Festspiele im Laufe der Zeit durchaus auch
zur Selbstrepräsentation der Stadt Athen begangen wurden.
Im Rahmen der Dionysien wurden die Dithyramben vorgetragen, deren wesentlicher Zweck es war, den Gott schwärmerisch und
ekstatisch zu feiern sowie ihm zu huldigen. Wahrscheinlich ist, dass sich aus den kultischen Gesängen sowie den Tanz- und
Opferriten, die zu Ehren des Gottes veranstaltet wurden, die griechische Tragödie und Komödie entwickelte. Speziell der Dithyram-
bus kann – da neben dem Preisen des Weingottes weitere epische Stoffe verwendet wurden – als Vorläufer der griechischen Tragödie
gelten.
Der Wettstreit der Dithyrambendichter war vor allem zu Beginn der Feierlichkeiten ein wesentlicher Höhepunkt des Festaktes.
Dennoch bildeten die Wettstreite der Komödiendichter und vor allem der Tragödiendichter den Höhepunkt des kultischen Festes.
Diejenigen, die in diesen Wettkämpfen als Sieger hervortraten, sind uns auch heutzutage noch bekannt, wie etwa Euripides,
Aristophanes oder auch Platon. Zahlreiche Werke, die aus jener Zeit überliefert sind, lassen sich jedoch keinem eindeutigen
Verfasser zuordnen (vgl. Adespota).

Ablauf und Organisation der Dionysien

Zumeist meint der Begriff das achttägige Fest, das in Athen gefeiert und zwischen März und April ausgerichtet wurde.
Allerdings bezeichnet der Begriff mehrere Feste, die in verschiedenen Monaten zu Ehren des Weingottes ausgerichtet
wurden. Man unterscheidet hier die Kleinen oderLändlichen Dionysien im Dezember und Januar, die Lenäen im Januar und
Februar, die Anthesterienim Februar und März sowie die Städtischen oder auch Großen Dionysien im März und April.
Folglich wurden in der Antike zu Ehren von Dionysos insgesamt vier Feste gefeiert, wobei zwei dieser Feierlichkeiten als
Dionysien (kleine/ländliche, große/städtische) bezeichnet werden. Die Ländlichen Dionysien und die Anthesterien waren nicht
unbedingt an die Aufführungen von Dramen gekoppelt, sondern galten zumeist als Feierlichkeiten, um den Weingott zu preisen.
Die Lenäen hatten wiederum eher einen lokalen Charakter und waren vor allem für die Darbietung von Komödien bekannt – dies bot
sich auch deshalb an, weil der Stoff der Komödie zumeist auf regionale Eigenheiten oder die Tagespolitik abzielte.
Die Großen oder eben Städtischen Dionysien sind das wichtigste Fest in der vorherigen Aufzählung. Da die Ausrichtung im Frühjahr
mit dem alljährlichen Wiederaufnehmen der Schifffahrt zusammenfiel, standen diese für jeden Menschen offen. Sie wurden in Athen
vom Archon Eponymos ausgerichtet. Archon Eponymos war im antiken Athen ein Amt, das Aufgaben der Staatsführung und die
Rolle als oberster Gerichtsherr übernahm. Außerdem leitete dieser die höchsten Gemeindefeste und bestellte hierfür die Chöre und
Chorführer.
Dabei wurden zumeist rund 150 Chorführer bestellt, welche ihre Dithyramben im Rahmen des Festes präsentieren sollten, wobei
außerdem rund 1000 Personen zu den Chören gehörten. Die Organisation dieser Feierlichkeiten dauerte über Monate und entlud sich
letzten Endes in einem gigantischen Fest, das über 8 Tage andauerte, wobei die einzelnen Werke, die am dichterischen Wettstreit
teilnahmen zwei Tage vor dem eigentlichen Fest bekannt gegeben wurden. Diese Bekanntgabe wird als Proagonbezeichnet.

Dionysos (mitte), Bild: Die Einführung des Ganymed in den Olymp von Charles-Amédée-Philippe van Loo

Beim Proagon stellten sich die Dichter, Chorleiter, Sänger des Chores sowie die Schauspieler dem Publikum vor. Einen Tag später,
also am Vortag des eigentlichen Festes, wurde dann ein Kultbild des Weingottes aus dem Tempel, der ihm geweiht war, geholt und
vor die Stadt getragen. Dieser Vorgang sollte die Präsenz des Gottes gewährleisten. Anschließend wurde das Kultbild wieder in den
Tempel getragen.
Am darauffolgenden Tag begannen dann die eigentlichen Festspiele. Die erste Hälfte der Feierlichkeiten wurde von Umzügen,
Opferungen und Chorgesängen bestimmt, wobei die letzten Tage der Dionysien vor allem um den dichterischen Wettstreit der
Tragödiendichter, später auch der Komödiendichter, kreiste.

Ablauf der Dionysien

Tag Geschehnisse

2 Tage Beim sogenannten Proagon stellten sich die Dichter, Chorleiter, Sänger des Chores sowie die
vor den Dionysien Schauspieler dem Publikum vor.

Eine Prozession trug ein Kultbild des Weingottes durch die Stadt. Anschließend wurde dieses zurück
1 Tag in den Tempel, der dem Gott geweiht war, getragen. Dieser Vorgang sollte sicherstellen, dass
vor den Dionysien

Dionysos bei den Festspielen präsent war.

Dieser begann mit einem feierlichen Umzug zum Tempel des Dionysos, den Höhepunkt dieses
Umzuges bildete ein Festwagen auf dem ein gefeierter Schauspieler stand. Daraufhin wurden die
großen Opferzeremonien begangen. Außerdem erhielten die Söhne gefallener Väter deren Rüstung
überreicht, wobei verdiente Männer mit einem Kranz geehrt wurden (seit 509 v. Chr.). Darüber
1. Festtag
hinaus wurden die Tribute des Attischen Seebundes im Theater ausgestellt. Am Nachmittag des
ersten Tages fand der Wettstreit der Dithyrambenchöre statt, wobei es zehn Männer- und zehn
Knabenchören gab, die wiederum aus jeweils 50 Sängern bestanden. Den Abschluss des Tages bildete
der Komos, ein festlicher Umzug zu Ehren des Dionysos.

2. Festtag An diesem Tag fand der Agon der Komödiendichter statt. Es wurden zumeist 5, in Krisenzeiten nur 3,
Komödien aufgeführt. Vorher wurde Dionysos ein Opfer dargebracht. Im Anschluss an die
Aufführungen wurden die Richter für diesen Agon gewählt, die noch am gleichen Tag den Sieger des
Wettstreits verkündeten. Dieser Wettstreit fand allerdings erst seit 486 v. Chr. statt, als die Komödien
in die Dionysien eingeführt wurden. Vorher gab es ausschließlich Tragödien.

An den nachfolgenden Festtagen wurde der Tragödienagon ausgetragen. Hierbei wurden je Tag drei
Tragödien und ein Satyrspiel von einem Dichter aufgeführt. Als Satyrspiel wird ein heiteres,
3. – 5. Festtag befreiendes Nachspiel, das den drei Tragödien folgte, bezeichnet und als Vorläufer der Posse gilt. Die
Einheit aus drei Tragödien und Satyrspiel wird als Tetralogie(Vierteiler) bezeichnet. Demnach traten
drei Dichter an, wobei am fünften Tag der Sieger gekürt wurde.

Formal endeten die Feierlichkeiten nach der Bekanntgabe des siegreichen Tragödiendichters.
1 Tag Allerdings gab es bereits am nachfolgenden Tag eine Volksversammlung, die den Ablauf der
nach den Dionysien Feierlichkeiten diskutierte. Hier wurde außerdem der Raum geboten, Zwischenfälle während des
Festes zu melden und zu besprechen.

Hinweis: Insgesamt können die Dionysien demzufolge als eine achttägige Feierlichkeit beschrieben werden. Diese setzen
sich aus den zwei Tagen vor den eigentlichen Festtagen zusammen, den fünf zentralen Tagen des Festes sowie dem
darauffolgenden Tag, der Raum für Nachbesprechungen und Bewertungen bot.

 Als Dionysien, auch Dionysia, werden die Feierlichkeiten in der Antike zu Ehren des Weingottes Dionysos bezeichnet.
Insgesamt gibt es vier Feste, die um diesen Gott kreisen: die Kleinen / Ländlichen Dionysien im Dezember und Januar,
die Lenäen im Januar und Februar und die Anthesterien im Februar und März sowie die Städtischen / Großen Dionysienim
März und April.
 Gemeint sind mit dem Begriff vornehmlich die Städtischen Dionysien, die in Athen begangen wurden und vor allem durch
Staatsmann Peisistratos vorangetrieben wurden. Peisistratos galt als ein Verehrer des Dionysos sowie der Athene. Sie
dauerten insgesamt acht Tage an.
 Dieses Fest wurde von zahlreichen Riten und Umzügen begleitet. Der wesentliche Bestandteil der Feierlichkeiten waren
allerdings die verschiedenen Wettkämpfe, die unter den Dichtern und Chorleitern ausgetragen wurden, die sogenannten
Agone. Es traten dabei Dithyrambenchöre, Komödien- und Tragödiendichter gegeneinander an.

Diphthong
Der Diphthong, auch Zwielaut und Zweilaut, ist ein Doppellaut aus zwei aufeinanderfolgenden Vokalen, die unterschiedlich
sind. Das bedeutet, dass die beiden Vokale (a, e, i, o, u) beim Sprechen verbunden werden und eben nicht voneinander
getrennt gesprochen werden. Im Deutschen sind vor allem diese Kombinationen üblich: au, ei, ai, eu, äu und ui. Die
Diphtonge ei / ai sowie eu / äu sind lautlich gleich.
Der Fachbegriff lässt sich aus dem Griechischen ableiten (δίφθογγος) und setzt sich aus den Wörtern disund phthóngos zusammen.
Diese lassen sich mit zwei und Laut übersetzen. Somit ist der Diphthong ein Zweilaut. Die Übersetzung verdeutlicht, worum es
grundsätzlich geht: nämlich um einen Laut, der aus zwei Vokalen gebildet wird [und innerhalb einer Silbe besteht, also untrennbar
ist]. Schauen wir auf ein Beispiel.

Pfui! Das Feuer verbrannte meinen Maiskolben.


Im obigen Beispiel wurden die einzelnen Diphtonge farblich hervorgehoben. Es kommen die Verbindungen ui, eu und ai zum
Einsatz. Entscheidend ist, dass die Verbindung der Vokal beim Sprechen verbunden werden, da sie nicht durch die Silben der Wörter
getrennt werden. Die Silbentrennung sieht folgendermaßen aus.

Pfui | Feuer | Maiskolben


Hierbei wird ersichtlich, dass Pfui aus einer Silbe besteht und den Diphthong in der Mitte trägt, wohingegen Feuer aus zwei Silben
gebildet wird, wobei der Diphtong in der ersten Silbe steckt, wobei der Maiskolben drei Silben aufweist. Auch in diesem Fall steckt
der Doppellaut in der ersten Silbe.
Diese Beobachtung ist entscheidend. Würden zwei Vokale aufeinanderfolgen, die lautlich nicht miteinander verbunden werden
und somit durch die Silben eines Wortes voneinander getrennt sind, spricht man von einem Hiatus. Als Hiatus wird das
Aufeinandertreffen des Schlussvokals eines Wortes mit dem Anfangsvokal des folgenden bezeichnet sowie das Aufeinanderfolgen
zweier Vokale oder Diphthonge im Wortinnern.

Hinweis: Ein Diphthong ist also stets eine Verbindung aus zwei Vokalen, die gemeinsam
gesprochen wird. Folgen zwei Vokale aufeinander, die verschiedenen Silben angehören,
spricht man von einem Hiatus. Das Deutsche kennt lautlich vier Diphtonge in
unterschiedlichen Schreibweisen: /ʊɪ̯ / (ui), /ɔʏ̯/ (eu, äu), /aɪ̯ / (ai, ei), /aʊ̯/ (au). In Dialekten
sind allerdings weitere Verbindungen denkbar (Bsp.: oi, oa, ua etc.).

Diphthong, Hiatus und ie


Es wurde beschrieben, was es mit dem Zwielaut auf sich hat sowie herausgestellt, wie sich dieser vom Hiatus abgrenzen lässt.
Dieser Umstand soll im Folgenden näher erläutert werden. Weiterhin wird auf die Sonderstellung des
Digraphs ie eingegangen, der bei näherer Betrachtung kein Diphthong ist.
Als Hiatus wird das Aufeinanderfolgen zweier Vokale bezeichnet, die nicht der gleichen Silbe eines Wortes angehören. Diese
können entwededer am Ende des einen Wortes stehen und der erste Buchstabe des nächsten sein oder im Wortinnern
aufeinanderfolgen. Schauen wir dafür auf ein Beispiel.

Unsere Abfüllung beinhaltet nur frische Milch.


Das obige Beispiel verdeutlicht die möglichen Stellungen eines Hiatus. Die Wörter unsere und Abfüllung stehen nebeneinander.
Das erste Wort endet mit dem Vokal e, wobei das nächstemit einem abeginnt. Somit verschmelzen die Buchstaben nicht zu einem
Laut, weshalb wir es mit einem Hiatus zu tun haben. Das Gleiche gilt für die Abfolge von e und i in beinhaltet. Auch diese werden
getrennt gesprochen.

Du bist ein mieser Viehtreiber!


Der Beispielsatz beinhaltet die Abfolge von e und i (ei) sowie von i und e (ie). Als Diphthong gilt hierbei ei, da durch die
Verbindung der beiden Vokale ein neuer Laut geschaffen wurde, der sich nicht trennen lässt. Bei ie verhält es sich allerdings anders.
In den Wörtern mieser und Vieh wird nämlich kein Doppellaut aus zwei Vokalen geschaffen, sondern nur das i gedehnt (länger
gesprochen). Das kann als Monophthong gelten.
Knifflig wird es aber dann, wenn in einem Wort das ie durch Silbentrennung aufgebrochen wird. Dann dient die Kombination
nämlich nicht als Dehnung des Buchstabens i, sondern ist ebenso als Hiatus zu werten. Ein Beispiel dafür ist die Karriere. Getrennt
wird hierbei nämlich folgendermaßen: Kar|ri|e|re.

Übersicht: Das Wichtigste zum Diphthong in der Übersicht

 Als Diphthong wird ein sogenannter Doppellaut bezeichnet. Das bedeutet, dass zwei Vokale, die nicht durch Silben
voneinander getrennt erscheinen, gemeinsam gesprochen werden und somit einen neuen Laut bilden. Im Deutschen kennen
wir /ʊɪ̯ / (ui), /ɔʏ̯/ (eu, äu), /aɪ̯ / (ai, ei), /aʊ̯/ (au).
 In Dialekten und anderen Sprachen sind natürlich beinahe sämtliche Kombinationen Denkbar. Grundsätzlich gilt also, wenn
zwei Vokale zusammen einen neuen Laut ergeben, wird das als Diphthong bezeichnet. Ganz egal, welche Vokale kombiniert
werden.
 Dennoch müssen wir das Ganze vom Hiatus und Monophthong abgrenzen. Beim erstgenannten Begriff folgen zwar auch
Vokale aufeinander, bilden zusammen jedoch keinen neuen Laut. Der Monophthong beschreibt einen einfachen Laut, also
sämtliche Vokale und Verbindungen, die lediglich der Dehnung dienen (ie). Die Qualität des Vokals ändert sich hier also
nicht.

Discours
Als discours wird eine Ebene des Erzählens beschrieben. Demzufolge stammt der Begriff aus der Erzähltheorie. Gemeinsam
mit der histoire bildet der discours zwei Elemente des Erzählens, die eng miteinander verknüpft sind. Die histoire meint dabei
die erzählte Geschichte eines Textes, wohingegen als discours der eigentliche Text eines Werkes bezeichnet wird.
Das bedeutet, dass die histoire angibt, was in einem Werk geschieht und somit die tatsächliche Geschichte und Geschehnisse meint.
Im Gegensatz dazu steht der discours. Dieser beschreibt, wie ein Text erzählt wird. Demzufolge kann es einen grundsätzlichen
Unterschied zwischen den beiden Ebenen geben: nämlich den der Chronologie, also der zeitlichen Abfolge der Ereignisse.
Die histoire meint nämlich den chronologischen Aufbau einer Geschichte und ist so die Auflistung aller Ereignisse in ihrer
tatsächlichen Reihenfolge. Auf der Ebene des discours kann es im Gegensatz dazu aber natürlich Rückblenden, Vorwegnahmen und
außerdem unterschiedliche Erzählperspektiven geben, die ein Geschehen zeitgleich vermitteln. Demnach sind die Begriffe eng mit
der Fabula und dem Sujetverwandt.
Die Bezeichnungen gehen auf den Linguisten Tzvetan Todorov zurück. Todorov entlehnte die Begriffe Emile Benveniste, einem
französischen Linguisten und reicherte sie außerdem mit Ideen von Boris Tomaševski an, der Fabula und Sujet vorschlug. Dieses
Wissen ist insofern wichtig, als dass die Begriffe teilweise in der Literaturwissenschaft miteinander verschwimmen und
doppeldeutig belegt sind.
Hinweis: Im Nachfolgenden soll geklärt werden, inwiefern discours und histoire mit Fabula und Sujet zusammenhängen, welche
Rolle story und plot spielen und warum die Begriffe teils verworren sind.
Unterschied: discours, histoire, fabula und sujet

1925 schlug Boris Viktorovič Tomaševskij in seiner Theorie der Literatur fabula und sjužet vor. Diefabula meint die
chronologische Abfolge der Ereignisse in einem erzählten Text. Das sjužet ist im Gegensatz dazu die Reihenfolge der
Ereignisse, wie sie im Text präsentiert werden. Demzufolge sind sie deckend oder meinen eine unterschiedliche Abfolge (dt.
Bezeichnung ~ Fabel / Sujet).
Zwar war kann die Verwendung der Begriffe schon beim russischen Formalisten Viktor Borisovič Šklovskij belegt werden, doch
Tomaševskij ist es, auf den man sich meist bezieht. Das liegt schlicht und ergreifend darin begründet, dass seine Abhandlungen eine
gewisse Populartität erreichten und kanonisch wurden.

 Fabula nach Tomaševskij (engl. story):


 Sämtliche Ereignisse und Motive in der kausal-temporalen, logischen Verbindung
 unabhängig und somit autonom von der jeweiligen Art der Darstellung

 Sujet nach Tomaševskij (engl. plot):
 Motive der Fabel, allerdings in der Ordnung und Verknüpfung, wie im Werk gegeben
 tangiert die jeweilige Art der Darstellung einer Geschichte
 zu dieser Darstellungsweise gehören:
o 1. Struktur der Zeit als Abfolge von Ereignissen
o 2. Struktur des Raumes
o 3. Wahl der Erzählperspektive

Der Strukturalist Tzvetan Todorov prägte in seinem Aufsatz Les catégorie du récit littéraire (1966) die
Begriffe histoire und discours, wobei er sich ganz eindeutig auf die Begriffe fabula und sujet bezieht. Das Knifflige ist hierbei, dass
er die Begriffe von seinem französischen Kollegen Émile Benveniste leiht und außerdem durch einige Aspekte der fabula und
des sujets anreichert.
Das Wesentliche bei Todorovs Ansatz ist, dass er hierbei das Erzählen in zwei Ebenen teilt. Demnach gibt es eine, die das Was des
Erzählens beleuchtet. Was wird überhaupt erzählt? Diese Ebene bezeichnet er als histoire, also als Geschichte. Weiterhin schlägt er
eine Ebene des Wies vor. Wie wird also erzählt? Diese Ebene bezeichnet er als discours, also als Rede.

 histoire nach Todorov:


 Die histoire kann unterschiedliche erzählt werden. Die histoire meint demnach die tatsächliche Geschichte, die erzählt wird, vollkommen
unabhängig von ihrer Darstellungsweise
 Die histoire ist ein Abstraktum: sie existiert nicht an sich; sie ist in dieser Form nicht existent
 Die histoire ruft eine Realität mit Ereignissen und Figuren hervor
 Diese Ereignisse (Handlung) und die Figuren, aber natürlich auch die Beziehung der Figuren untereinander (Figurenkonstellation), folgen
bestimmten Gesetzmäßigkeiten
 Solche Gesetze bestimmen die Realität der Figuren der erzählten Welt (Diegese) und sind demnach für alle Figuren der Erzählung wirksam
und verpflichtend
 Schlussfolgerung: Nach Todorov ist die histoire
o a) … die Geschichte unabhängig von ihrer Darstellungsweise. Diese ist jedoch ein Abstraktum, das keine an sich existierende Größe
darstellt (Die Begründung ist, dass jeder Inhalt schon einmal von irgendwem in irgendeiner Form erzählt wurde und somit als discours
bereits vorliegt)
o b) … die erzählte Welt eines Werkes. Zu dieser Welt gehören die Personen und die Gesetze (Regeln), die deren Leben innerhalb der
Erzählung bestimmen sowie die Handlung.
 discours nach Todorov:
 Der discours meint die Art und Weise, wie der Erzähler die Ereignisse dem Rezipienten vermittelt
 Der discours umfasst:
o Erzählaspekte: Es geht darum, was der Erzähler weiß. Weiß der Erzähler mehr oder weniger als die Figuren seiner Welt? (bei Genette wird
dies mit dem Begriff Fokalisierung bezeichnet.)
o Erzählmodus: Wer nimmt die Geschichte wahr? Verhältnis zwischen Erzählerrede und Figurenrede sowie Erzählperspektive, was
wird gezeigt und was gesagt? (bei Genette heißt dies Distanz, er unterscheidet zwischen narrativer, transponierter und dramatischer Rede.
Fokalisierung und Distanz werden dann unter dem Begriff Modus zusammengefasst.)
o Zeitstruktur und Unterschiede der Geschichte in Bezug auf histoire und discours
 Schlussfolgerung: Nach Todorov ist der discours
o a) … die Darstellungsweise einer Geschichte; wie wird diese also erzählt
o b) … das bezieht sich auf die Erzählaspekte (Fokalisierung), den Erzählmodus sowie die Zeitstruktur
o c) … ein Konstrukt für das der Erzähler verantwortlich ist. Somit ist dieser ein Teil des discours selbst.
 Hinweis: Der Erzähler wird bei Todorov zu einem wesentlichen Element, das selbst discours enthalten ist. Das liegt darin begründet, dass
der Erzähler nicht nur eine Sicht auf die Dinge preisgibt (Fokalisierung) und es durch Zeigen und Sagen vermittelt, sondern eben daran,
dass er die einzelnen Ereignisse auch ordnet, also in die Reihenfolge bringt, in der er sie dem Leser zeigt (Zeitstruktur).

Wichtig ist außerdem, dass der E.M. Forster das Begriffspaar story / plot im Werk Aspects of the novel and related writings
(1927) vorschlug. Diese haben nur bedingt etwas mit histoire und story gemein. Knifflig ist hierbei jedoch, dass Todorovs Ideen
einen großen Anklang fanden und beispielsweise von Seymour Chatman ins Englische übertragen wurden, der sie als story und
discourses übernahm.
Demzufolge ist der Begriff story in der Literaturwissenschaft doppelt konnotiert, wobei er allerdings in beiden Fällen etwas anderes
meint. Das sollte beim Lesen und Verwenden der Begrifflichkeiten beachtet werden, um Unstimmigkeiten vorzubeugen und unter
Umständen hervorgehoben werden.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum discours im Überblick

 Der Begriff discours geht auf den Linguisten Tzvetan Todorov zurück und gibt die Antwort auf die Frage, wie eine
Geschichte erzählt wird. Demnach ist er unweigerlich mit der histoireverknüpft. Diese beschreibt, was in der Erzählung
tatsächlich erzählt wird.
 Das Verhältnis aus discour und histoire beschreibt die Erzählzeit und wirkt sich somit stark auf das Erzähltempo aus.
Demzufolge kann das Verhältnis beider Ebenen durchaus den Rhythmus eines Werkes beeinflussen.
 Laut Todorov ist der discours somit die Art und Weise, wie eine Geschichte erzählt wird und meint damit im Besonderen
den Zeitablauf, die Erzählaspekte und außerdem den Erzählmodus.

Diseuse
Als Diseuse wird im Kabarett eine Künstlerin bezeichnet, die fremde oder eigene Chansons – also Lieder, welche in der
französischen Kultur verwurzelt sind – sowie Texte vorträgt. Synonym werden im Deutschen die Begriffe Chansonnière oder
auch Chansonnette, wobei das männliche Pendant der Diseuse als Diseur bezeichnet wird. Allegmein meint der Begriff
demnach eine Votragskünstlerin, die Sprechgesang, Lieder oder Sprechtexte im Kabarett oder auf einer Kleinkunstbühne
vorträgt.
Der Begriff geht auf das französische Verb dire ab, das sich mit reden, sprechen oder sagen übersetzen lässt. Folglich verweist
bereits die Übersetzung des Begriffs darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um den gesprochenen Vortrag, wenngleich
teilweise auch Lieder zum Programm der Diseuse zählen.

Disput
Als Disput wird ein kontrovers geführtes Gespräch oder auch Streitgespräch bezeichnet. Wer mit einer Person einen Disput
hat, trägt mit dieser ein Wortgefecht aus und versucht, die eigenen Argumente zu einem beliebigen Standpunkt vorzutragen
und sein Gegenüber zu überzeugen. Die Person, die einen Disput austrägt, wird als Disputant bezeichnet. Die Disputation
war ursprünglich eine Übung der Rhetorik und seit dem Mittelalter ein fester Bestandteil der akademischen Ausbildung.
Das Wort geht auf das lateinische Nomen disputatio zurück, welches sich vom Verb disputare ableitet. Dieses lässt sich
mit berechnen, genau überlegen oder auch von allen Seiten beurteilen übersetzen. Somit verweist bereits die Übersetzung auf die
ursprüngliche Bedeutung des Begriffs, als er vornehmlich als rhetorisches Streitgespräch verstanden wurde und nicht nur ein
kontrovers geführtes Gespräch meinte.
Aristoteles, einer der bekanntesten und einflussreichsten Philosophen der Geschichte, erläutert in der Topik, die der
Schriftensammlung Organon angehört, wie sich ein Disputant zu verhalten hat und welche Regeln für das rhetorische Streitgespräch
gelten. Die Topik ist das 5. und somit vorletzte Werk des Organon. In den vorherigen Schriften bleibt Aristoteles theoretisch und
erklärt sprachphilosophische und logische sowie grammatische Begriffe, wohingegen er in den letzten beiden Schriften viele
praktische Beispiele gibt.
In einer Disputation stoßen Proponent und Opponent aufeinander. Der Proponent ist derjenige, der in einem Dialog das Spiel
eröffnet und eine Behauptung (These) aufstellt. Die Aufgabe des Opponenten ist es nun, diese Behauptung mit Argumenten zu
widerlegen. Nach diesem Angriff versucht der Proponent, die eigene Behauptung argumentativ zu verteidigen. Gelingt ihm das, gilt
er als Sieger des Streitgesprächs, scheitert er, siegt der Opponent. Solche Disputationen gibt es bis heute an Hochschulen.
Nach dem Aufeinandertreffen von Proponent und Opponent formuliert der Lehrer einen Kompromiss, also eine Übereinkunft
durch gegenseitige Zugeständnisse, entlässt daraufhin die Disputanten und beantwortet schlussendlich selbst die Einwände, die der
Opponent vorgetragen hat. Heutzutage meint der Begriff zwar immer noch ein Streitgespräch, doch muss dieses nicht in der
beschriebenen Form ablaufen.
Aber auch im Alltag begegnet uns der Disput und wird zumeist auf Podiumsdiskussionen oder Talkshows ausgetragen. Diese
werden zumeist von einem Moderator geführt, erinnern in ihrer Form aber eher an das Interview. Dennoch gibt es auch heutzutage
wissenschaftliche Dispute zu diversen Themenbereichen, die tatsächlich an das ursprüngliche Streitgespräch erinnern. Schauen wir
dafür auf ein Beispiel.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff in der Übersicht

 Als Disput wird ein Streitgespräch bezeichnet, bei dem zwei Personen oder Personengruppen aufeinandertreffen und
versuchen, durch Argumente das Publikum und die Gegenseite vom eigenen Standpunkt zu überzeugen. Wer die besseren
Argumente hat, gewinnt den Disput.
 Die Disputation galt bei Aristoteles als Übung der Rhetorik und war ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung an einer
Hochschule. Auch heute wird die Disziplin an einigen europäischen Hochschulen gelehrt. Weiterhin spielt der Disput bei der
Promotion eine Rolle.
 Grundsätzlich gilt, dass der Sieger der Disputation derjenige ist, der die besseren Argumente vorträgt und die eigenen
Behauptungen begründen kann. Allerdings kann die Eloquenz des Redners und der sichere Umgang mit Stilmitteln über
inhaltliche Leere hinwegtäuschen.
 Hinweis: Synonym werden die Begriffe Auseinandersetzung, Debatte, Erörterung, Kontroverse, Meinungsaustausch,
Meinungsstreit, Streitgespräch, Wortgefecht und Wortstreit gebraucht.

Distichon
Das Distichon ist ein Zweizeiler, wobei der erste Vers ein Hexameter ist und die zweite Zeile aus einem Pentameter besteht.
Es gibt grundsätzlich zwei Gedichtformen, die durch das Distichon gekennzeichnet sind: das Epigramm und die Elegie. Das
Epigramm besteht meist aus einem Distichon, wohingegen die Elegie aus der Reihung mehrerer Distichen gebildet wird.
Der Begriff stammt aus dem Griechischen (δι ~ di für zwei; στίχος ~ stíchos für Zeile) und lässt sich in etwa
mit Zweizeiler übersetzen. Das Distichon besteht demnach aus zwei Versen, die eine untrennbare Einheit bilden. Schauen wir auf ein
Beispiel, wobei die Hebungen und Senkungen des Distichons markiert sind:
– υ υ | – υ υ | – υ υ | – υ υ | – υ υ | – x (Hexameter)
– υ υ | – υ υ | – || – υ υ | – υ υ | – (Pentameter)

Das Beispiel zeigt den Aufbau der Verse. Es ist ersichtlich, dass der Hexameter aus einem sechshebigen Daktylus gebildet wird,
wobei der letzte Versfuß nicht vollständig ist. Die grüne Markierung gibt an, dass die letzte Silbe betont oder unbetont sein kann,
was als Syllaba anceps bezeichnet wird. Der Pentameter wird auch aus Daktylen gebildet. Allerdings entfallen nach der dritten und
sechsten Hebung die Senkungen, weshalb es zum Hebungsprall kommt, weil zwei betonte Silben aufeinanderfolgen (→Zäsur).
Die Versfüße wurden durch ein Symbol (|) voneinander getrennt, um sie besser unterscheiden zu können. Schauen wir uns das
Ganze nun in der Praxis, also in der Literatur an. Nutzen wir dafür ein Verspaar, das meist im Zusammenhang mit dem Distichon
gebraucht wird, weil es außerdem ein Merkvers für dieses ist.
Im Hexame ter steigt des Springquells flüssi ge Säule.
Im Pentame ter drauf fällt sie melodisch herab.

Das obige Beispiel stammt von Friedrich Schiller und trägt den Titel Distichon. In zahlreichen Quellen kann man diesen Merkvers
finden, ohne dass er genauer erläutert wird. Fehlt dies jedoch, ist er im Eigentlichen unverständlich und sorgt für
Folgefehler. Schauen wir uns deshalb beide Verszeilen genauer an.
Der Hexameter ist ein antiker Vers bestehend aus sechs Versfüßen. Diese Versfüße sind grundsätzlich Daktylen, also eine Hebung
und zwei Senkungen. Der Hexameter ist somit die Reihung von sechs Daktylen. Um Eintönigkeit zu vermeiden, wurden in der
Antike mitunter einige dieser Daktylen durch einen Spondeus ersetzt, der aus zwei Hebungen gebildet wird (siehe dazu: Hexameter).
Wichtig ist nun, dass das Griechische oder auch Lateinische auf einer quantitierenden Metrik beruht. Das bedeutet, dass das
Versmaß durch Hebungen und Senkungen, also lange und kurze Silben, angegeben wird. Hierbei kann eine Länge durch zwei
Kürzen ersetzt werden. Es ist somit denkbar, dass ein Daktylus durch den Spondeus ersetzt wird. Ein Hexameter kann somit aus
Spondeen und Daktylen bestehen.
Im Deutschen ist der Spondeus allerdings selten. Weiterhin hat das Deutsche eine akzentuierende Metrik, das heißt, dass wir Silben
nicht aufgrund ihrer Länge bemessen, sondern in betonte und unbetonte Silben unterteilen. Deshalb wurde der Hexameter den
Gegebenheiten der deutschen Sprache angepasst, was heißt, dass anstatt des Spondeus der Trochäus genutzt wurde, also
eine betonte und unbetonte Silbe.
Schauen wir nun auf den ersten Vers von Schiller, der einen Hexameter darstellen soll, wird auch klar, wie das funktionieren
kann. Die ersten beiden Silben sind hierbei ein Trochäus, darauf folgt ein Daktylus, dann wieder zwei Trochäen, wieder zwei
Daktylen, wobei der letzte katalektisch, also nicht vollständig ist:
Im He | xa me ter | steigt des | Springquells | flüssi ge | Säule.

– υ | – υ υ | – υ | – υ | –υ υ | – υ

Es sollte ersichtlich werden, wie die einzelnen Versfüße voneinander getrennt werden (|) und außerdem, dass Schiller insgesamt
drei Daktylen durch Trochäen ersetzt hat. Der Hexameter besteht somit immer noch aus sechs Versfüßen und die Betonung geht
auf. Widmen wir uns dem Pentameter des Distichons.
– υ υ | – υ υ | – || – υ υ | – υ υ | – (Pentameter)

Der Pentameter ist metrisch ein wenig strenger definiert. Grundsätzlich wird er allerdings ebenso aus Daktylen gebildet, wobei
nach der dritten Hebung, also nach nach siebenten Silbe die beiden Senkungen fehlen, wodurch eine Zäsur ( || ) entsteht. Gleiches
gilt für das Ende, auch hier gibt es nur eine Hebung.
Allerdings gilt dabei das Gleiche, wie im Zusammenhang mit dem Hexameter beschrieben: die einzelnen Daktylen können durch
Spondeen ersetzt werden. In der deutschen Nachahmung, also auch in Schillers Beispielvers, können dies aber auch Trochäen sein.
Schauen wir nun erneut auf die zweite Verszeile in Schillers Distichon und trennen die Versfüße optisch voneinander, ergibt sich das
folgende Bild:
Im Pen | tame ter | drauf || fällt sie me | lodisch he | rab.
– υ | – υ υ | – || – υ υ | – υ υ | –

Friedrich Schiller ersetzt also den ersten Daktylus durch einen Trochäus. Diesem folgt ein Daktylus, eine Hebung, zwei Daktylen
und noch eine Hebung. Demzufolge kann diese Verszeile als Pentameter identifiziert werden, wofür außerdem der Hebungsprall
nach der dritten Hebung charakteristisch ist. Das Werk ist also selbst ein Distichon, auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so
scheint. Es ist somit ein Merkvers.
Im He | xameter | zieht der äs | theti sche| Dudel sack | Luft ein.
Im Pen | tame ter | dráuf || lässt er sie | wieder he | raus.

Dieses Distichon stammt von Matthias Claudius, einem deutschen Dichter und Journalist, der vornehmlich in
der Empfindsamkeit wirkte (→ Literaturepochen). Es ist zwar eine Parodie des vorherigen Verspaars und dennoch kann diese
ebenfalls als Beispiel und Merkvers für den Aufbau des antiken Distichons gelten.
Hinweis: Wichtig ist also, dass das Distichon mitunter schwierig zu erkennen ist. Es muss nämlich stets angenommen werden, dass
der Daktylus durch einen Spondeus oder einen Trochäus ersetzt wurde.

Übersicht: Das Wichtigste zum Distichon im Überlick

 Das Distichon ist ein antiker Zweizeiler, der aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht. Grundsätzlich werden
diese aus Daktylen gebildet. Wichtig ist allerdings, dass diese daktylischen Versfüße durch Spondeen und in der deutschen
Dichtung durch Trochäen ersetzt werden können. Charakteristisch ist beim Pentameter dennoch der Hebungsprall.
 Das Distichon ist vor allem für zwei Gedichtformen charakteristisch: nämlich für das Epigramm und die Elegie. Beide
Formen lassen sich kaum voneinander unterscheiden. Allerdings ist das Epigramm meist nur ein Verspaar, wohingegen die
Elegie aus mehreren Strophen und somit auch aus mehreren Distichen besteht. Hierbei spricht man von elegischen Distichen.
 Hinweis: Weitere Beispiel für den Distichon finden Sie im Beitrag zur Elegie. Dabei sind alle angeführten Beispiele
ausschließlich elegische Distichen. Achten Sie aber auf die Versfüße.

Dithyrambus
Als Dithyrambus, auch Dithyrambos, wird seit der Antike ein griechisches, kultisches Chorlied oder Reigenlied bezeichnet,
das zu Ehren des Gottes Dionysos vorgetragen wurde, wenngleich neben dem Weingott auch andere Götter oder Helden
besungen wurden. Der Dithyrambus zeichnet sich durch eine ekstatische Ergriffenheit des Chores aus und wurde in einem
Wechsel von Chor und Vorsänger vorgetragen. Solche Dithyramben sind seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. belegt, lassen sich
allerdings in nahezu jeder literarischen Epoche nachweisen, wobei sie sich durch Unregelmäßigkeiten im Aufbau
der Verse und Strophen auszeichnen. Verwandt ist das Chorlied mit der Ode und der Hymne, wobei die Verherrlichung des
Gottes beim Dithyrambus noch gesteigerter erscheint (vgl. Gedichtformen).
Der Begriff leitet sich vom griechischen dithyrambos (διθύραμβος) ab, was ursprünglich ein Beiname des Gottes Dionysos war.
Dionysos ist in der griechischen Götterwelt der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns, der
Verwandlung und der Ekstase. Zu seinen Ehren wurden jährlich zwischen März und April die Dionysien (Festspiele zu Ehren des
Gottes) gefeiert.
Im Rahmen der Dionysien wurden die Dithyramben vorgetragen, deren wesentlicher Zweck es war, den Gott schwärmerisch und
ekstatisch zu feiern sowie ihm zu huldigen. Wahrscheinlich ist, dass sich aus den kultischen Gesängen sowie den Tanz- und
Opferriten, die zu Ehren des Gottes veranstaltet wurden, die griechische Tragödie und Komödie entwickelte. Speziell der Dithyram-
bus kann – da neben dem Preisen des Weingottes weitere epische Stoffe verwendet wurden – als Vorläufer der griechischen Tragödie
gelten.

Geschichte des Dithyrambus


Wie beschrieben, gab es in diversen Epochen Dithyramben. Dieser hymnenartige, ekstatische Gesang ist also kein
Phänomen, das sich nur im antiken Griechenland finden lässt. Allerdings geht es in neueren Abwandlungen der Lied-
oder Gedichtform eher um die Attribute schwärmerisch, ekstatisch, verherrlichend und nicht in jedem Fall um die feierliche
Preisung des Gottes Dionysos.
Ursprünglich galten als Dithyrambus sämtliche Chorlieder, die zu Ehren des Gottes Dionysos im Rahmen der Dionysien aufgeführt
wurden. Diese Chorlieder hatten noch keinen regelmäßigen Aufbau: folglich variierte die Anzahl der Strophen und Verse. Sie
wurden von Chören vorgetragen, die in etwa aus 50 Personen bestanden und hat Gesungene mit ekstatischen Bewegungen
unterstrichen.
Als erster Dithyrambendichter, der solche Dithyramben in Strophen (für den Vorsänger) und Antistrophen (für den Chor) unterteilte
und auch als Vollender dieser Gattung gilt Arion von Lesbos, ein griechischer Sänger und Dichter im 7. Jahrhundert v. Chr. Über
sein Leben ist wenig bekannt – lediglich eine Legende (vgl. Mythos), die der antike Geschichtsschreiber Herodot festhält. So heißt
es, dass Arion – um noch bekannter zu werden – an einem dichterischen Wettstreit auf Sizilien teilnahm, den er gewann und
daraufhin mit Reichtümern überhäuft wurde. Kurz darauf macht er sich mit seinen wertvollen Schätzen auf den Heimweg.
Die Schiffsleute wurden allerdings neidisch und stellten Arion vor die Wahl, entweder über Bord zu springen oder aber ermordert zu
werden. Allerdings stellten sie ihm frei, dass er ein letztes Lied singen dürfe. Arion tat dies auch und als er seinen Gesang
anstimmte, erschienen am Bug des Schiffes zahlreiche Delfine. Der Dichter sprang ins Wasser und wurde von den Delfinen sicher
ans Land gebracht.
Dieser Arion war es nun, der für den Tyrannen Periandros von Korinth, einem der sieben Weisen, einen Dithyrambus dichtete.
Wesentlich war hierbei, dass dieser aus Strophen, die der Vorsänger darbot, und Antistrophen bestand, die vom Chor übernommen
wurden. Aus diesem Grund gilt Arion von Lesbos als Vollender des Chorliedes, da er es zur Kunstform stilisierte sowie strophisch
gliederte.

Arion von Lesbos auf dem Delfin, Bild: Der arme Sänger von M. Kern (1841)
In den folgenden Jahren wurden vermehrt weltliche Themen im Dithyrambus besungen, es ging also nicht mehr vordergründig um
den Gott des Weines, sondern ebenso um andere Götter oder Helden. Wesentlich war dennoch, dass der Text ekstatisch sowie
schwärmerisch vorgetragen wurde und als eine Art Preislied erschien. Da die Form nun um weitere epische Inhalte erweitert wurde,
kann das ehemalige Chorlied nun als erster Vorläufer der griechischen Tragödie bewertet werden. Als wesentliche Vertreter dieser
ursprünglichen Gedicht- und Liedform gelten unter anderem Pindar (522/518 v. Chr. – nach 446 v. Chr.), Simonides (557/556 v.
Chr. – 468/467 v. Chr.) sowie Bakchylides (um 520/516 v. Chr. – um 451 v. Chr.).
Doch erst Lasos aus Hermione (um 548 v. Chr.) belebte die Gattung mit neuen Ideen – er war es, der die Inhalte des Dithyrambus
noch stärker verweltlichte und die Form von der strophischen Gliederung löste und vermehrt freier gestaltete. Aus dieser Loslösung
erwuchs letzten Endes der sogenannte Jung-Dithyrambus: ein Gesang, der sich vor allem durch wechselhafte Rhythmen und
zahlreiche Solopartien auszeichnete. Wesentliche Vertreter sind hierbei Melanippides (um 500 v. Chr.), Philoxenos ( 435 v. Chr. –
380 v. Chr.) sowie Timotheos (450 v. Chr. – 360 v. Chr). Der Gesang wurde nun schwülstiger, nahm beinahe opernhafte Züge an
und beeinflusste maßgeblich das spätere Werk des Euripides (480 v. Chr. oder 485/484 v. Chr. – 406 v. Chr.).
Da sich der Dithyrambus so von einer metrischen Form löste und, wie bereits beschrieben, ebenfalls die strophische Gliederung
entfiel, ist es in der Folge schwierig, ihn von der Ode oder der Hymne abzugrenzen, da diese Formen nunmehr miteinander
verschwimmen, was vor allem durch die Hinwendung zu weltlichen Inhalten oder das Besingen von Helden und anderen Göttern
erschwert wird.
Dennoch: auch nach der Antike und dem Mittelalter finden sich in Europa einzelne Werke, die sich der Form bedienen oder
zumindestens an sie angelehnt sind. Zwar ist es hierbei vor allem das Enthusiastische und Schwärmerische, was für diese Werke
charakteristisch ist, doch blieb immerhin dieses Element erhalten. In Frankreich sind es beispielsweise Pierre de Ronsard (1524-
1585) oder Jacques Delille (auch Abbé Delille, 1738-1813), in England ist es etwa John Dryden (1631-1700) mit seiner
Ode Alexander’s Feast, die dithyrambische Züge aufweist und später von Georg Friedrich Händel vertont wurde (siehe: Youtube).
Aber auch in Deutschland finden sich Annäherungen an die Dithyrambendichtung: Beispiele sind Friedrich Gottlieb
Klopstocks (1724-1803) Freien Rhythmen, Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832)Wanderers Sturmlied, wobei als bedeutendste
Dithyramben die Dionysos-Dithyramben des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900) gelten können, auch wenn sich darüber
hinaus bei Yvan Goll (1891-1950)und Josef Weinheber (1892-1945) die Lied-/Gedichtform ausmachen lässt.

Dithyramben-Beispiele

Die nachfolgenden Beispiele sind nicht aus der Antike, sondern sollen die Form, die sich später vor allem durch ihren
ekstatischen, schwärmerischen Charakter auszeichnete, abbilden. Folglich wurden Werke von Nietzsche, Goethe und
Dryden berücksichtigt, welche die Dithyrambendichtung, wie sie heute meist verstanden wird, verdeutlichen und an die
ursprüngliche Form angelehnt sind.
 Friedrich Nietzsche
 J. W. v. Goethe
 John Dryden
Das Feuerzeichen
Was floh Zarathustra vor Thier und Menschen?
Was entlief er jäh allem festen Lande?
Sechs Einsamkeiten kennt er schon -,
aber das Meer selbst war nicht genug ihm einsam,
die Insel ließ ihn steigen, auf dem Berg wurde er zur Flamme,
nach seiner siebenten Einsamkeit
wirft er suchend jetzt die Angel über sein Haupt.
Verschlagene Schiffer! Trümmer alter Sterne!
Ihr Meere der Zukunft! Unausgeforschte Himmel!
Nach allem Einsamen werfe ich jetzt die Angel:
Gebt Antwort auf die Ungeduld der Flamme,
fangt mir, dem Fischer auf hohen Bergen,
meine siebente letzte Einsamkeit!

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Dithyrambus im Überblick

 Als Dithyrambus, auch Dithyrambos, wird seit der Antike ein griechisches, kultisches Chorlied oder Reigenlied bezeichnet,
das zu Ehren des Gottes Dionysos vorgetragen wurde, wenngleich neben dem Weingott später auch andere Götter oder
Helden besungen wurden. Solche Dithyramben wurden ursprünglich im Rahmen der Dionysien von einem Chor vorgetragen.
 In der Folg löste sich dieses Chorlied allerdings von der ursprünglichen Form, so fiel die metrische und strophische
Gliederung weg und lediglich das Ekstatische, Schwärmerische blieb erhalten. So näherte sich der Dithyrambus vermehrt der
Hymne und der Ode an, weshalb eine genaue Unterscheidung aus heutiger Sicht kaum noch möglich scheint.
 Hinweis: Von diesen ekstatischen, schwärmerischen, teils lustvollen Gesängen, die an den Weingott gerichtet waren, leitet
sich auch das Adjektiv dithyrambisch ab, das in etwa „wild“, „schwärmerisch“ oder auch „wild begeistert“ bedeutet.

Doppelreim
Der Doppelreim ist eine Reimart. Als Doppelreim werden drei- oder auch mehrsilbige Endreime mit der
folgenden Verszeile bezeichnet. Das bedeutet, dass in aufeinanderfolgenden Versen mehreren Silben gereimt werden, die das
Ende der Zeile bilden. Eine Sonderform dieser Reimart ist der Schüttelreim, dabei werden die
Anfangskonsonanten reimender Silben eines Reimpaars vertauscht.
Der Doppelreim basiert demnach auf dem Reim zweier mehrsilbiger Wörter, die nahezu gleich klingen und das Ende
aufeinanderfolgender Verse bilden (Klanggeister auf Sangmeister). Jedoch finden sich auch zahlreiche Beispiele in der Literatur und
im Rap oder Hiphop, bei denen sich der Reim über mehrere Wörter erstreckt.
Ich trüge Seide in meiner Traumrolle,
doch das Leben schenkte mir nur Baumwolle

Im obigen Beispiel reimen sich die Wörter Traumrolle und Baumwolle. Das Entscheidende ist nun, dass sich nicht nur die
Endungen reimen, sondern alle Silben der einzelnen Wörter. Baum reimt sich auf Traum, Rolle auf Wolle. Demzufolge haben wir es
in diesen Versen mit einem dreisilbigen Doppelreim zu tun.
Nun wird das Meer nicht mehr bitter sein,
Auf stiller und wilder Flut
Wirst du der seligste Ritter sein.

Diese Verse sind einer Strophe aus Schulmeister Klopfstock von Clemens Brentano entnommen. Hierbei fallen zwei Dinge auf.
Einerseits wird ersichtlich, dass der Doppelreim auch erst im übernächsten Vers greifen kann, da er Reimpaare miteinander
verbindet und nicht zwangsläufig nachfolgende Verse. Außerdem werden zwei Wörter mit zwei Wörtern verbunden, es muss also
nicht nur ein Reimwort sein.

Sonderform: Schüttelreim

Als Schüttelreim wird eine Sonderform des Doppelreims bezeichnet. In diesem Fall reimen sich nicht nur die mehrsilbigen
Endreime aufeinander, sondern es werden außerdem die Anfangskonsonanten der reimenden Wörter vertauscht. Blicken wir
zur Veranschaulichung auf ein Beispiel.
Es klapperten die Klapperschlangen,
bis ihre Klappern schlapper klangen.

Die beiden Zeilen erfüllen die Kriterien eines Doppelreims. Demnach reimt
sich klapper auf schlapperund schlangen auf klangen. Der Clou ist nun aber, dass sich nicht nur mehrere Silben reimen, sondern
außerdem die Anfangskonsonanten vertauscht wurden. Das sch wanderte vom ersten zum zweiten Reimwort und das k vom zweiten
zum ersten. Dieses Austauschen kann eine humorvolle Wirkung haben.
Kurzübersicht: Bedeutung, Wirkung und Funktion

 Der Doppelreim ist ein drei- oder mehrsilbiger Endreim mit der folgenden Zeile. Mitunter aber auch mit einer späteren (vgl.
Brentano-Beispiel). Meist enthalten die Wörter, die sich reimen, mindestens zwei Hebungen oder zwei selbständig
miteinander reimende Wörter.
 Da es sich in der Regel um aufeinanderfolgende Verszeilen handelt, wird die Reimart prinzipiell von
einem Paarreim bestimmt. Das meint, dass sich zwei aufeinanderfolgende Verse reimen.
 Eine Sonderform des Doppelreims ist der Schüttelreim. In diesem Fall werden außerdem die Anfangskonsonanten der
Reimwörter vertauscht. Vor allem als Schüttelreim kann der Doppelreim eine witzige, überraschende sowie humorvolle
Wikrung haben.

Dossier
Als Dossier wird eine Sammlung verschiedener Schriftstücke zu einem bestimmten Thema bezeichnet. Diese gebündelten
Dokumente werden zumeist durch eine feste Hülle zusammengehalten. Ein solches Dossier enthält unterschiedliche
Informationen zu dem jeweiligen Thema, wobei nicht vorgegeben ist, welche Informationen vereint werden. Demzufolge
können Wirtschaftsberichte, Berichterstattungen, Protokolle, Abrechnungen, Aufsätze und Ähnliches im Dossier enthalten
sein. Dieser Begriff meint außerdem eine Art Zeitungsartikel (Zeitungsdossier). Diese bereiten Informationen aus Akten auf,
wobei außerdem eine Bündelung mehrerer Zeitungsartikel, Berichte, Interviews, Porträts oder Ähnlichem zu einem Thema
in Zeitschriften (oft als Sonderbeilage) als Dossier benannt wird.
Der Begriff geht auf das französische Nomen dossier zurück und lässt sich mit Akte, Aktenbündel oder
auch Sammelmappe übersetzen. Folglich beschreibt bereits die Übersetzung des Wortes, worum es grundsätzlich geht: nämlich die
Bündelung einzelner Dokumente [zu einem bestimmten Thema]. Ein solches Dossier kann beispielsweise für die Beurteilung der
wirtschaftlichen Entwicklung einer Sache oder zur Funktionsfähigkeit einer Einrichtung erstellt werden. Häufig werden die
einzelnen Dokumente in einem Abschlussbericht zusammengefasst und unter Umständen nach gewissen Kriterien für den späteren
Leser erläutert.

Geheimdossier

Vor allem in militärischen und staatlichen Zusammenhängen werden darüber hinaus Geheimdossiers erstellt, die in der
Regel der Geheimhaltung unterliegen. Diese können psychologische Gutachten zu Politikern, aber auch Berichte über die
Entwicklung eines Landes und Ähnliches umfassen.
Als beispielhafter Bestandteil eines solchen Geheimdossiers kann dabei ein Dokument angeführt werden, das vom Office of Strategic
Services (OSS) 1943 über den Diktator Adolf Hitler angelegt wurde. Der Leiter des OSS, Donovan, beauftrage den Psychoanalytiker
Walter C. Langer, ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen.
Hierfür befragte Langer zahlreiche Menschen, die in dieser Zeit aus dem Deutschen Reich in die USA kamen. Unter anderem
gehörten dazu Eduard Bloch (Arzt der Mutter Hitlers), Ernst Hanfstaengl und der ehemalige Auslandspressechef der
Nationalsozialisten sowie William Patrick Hitler. Aus den Angaben in ebendiesen Befragungen und einigen eigenen Untersuchungen
erstellte Langer ein Profil des Diktators, das das wahrscheinliche Verhalten in der Zukunft umfasste und außerdem Bestandteil eines
Dossiers war.

Zeitungsdossier

In Bezug auf Zeitungen meint der Begriff zweierlei: so werden einerseits Zeitungsartikel, Berichte, Interviews, Porträts oder
Ähnliches häufigigebündelt und unter einem Oberthema als Sonderbeilage veröffentlicht, wobei andererseits aufbereitete Artikel aus
Aktenmaterial als Dossier gekennzeichnet werden.
Weiterhin kennzeichnen zahlreiche Onlineausgaben der gängigen Printmedien die virtuelle Bereitstellung von Beiträgen, die
ursprünglich frei verfügbar waren und nun kostenpflichtig zu erwerben sind, als Dossier. Solche Sammlungen gibt es beispielsweise
auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Dossier im Überblick

 Gemeinhin ist ein Dossier die Sammlung diverser Dokumente zu einem Thema. Häufig findet sich in Dossiers ein
Abschlussbericht, welcher die gesammelten Dokumente bewertet oder in einen urteilenden Zusammenhang bringt.
 Vor allem in staatlichen Zusammenhängen werden sogenannte Geheimdossiers angefertigt. Diese können
Persönlichkeitsprofile und Dokumente zur wirtschaftlichen sowie militärischen Entwicklung eines Landes umfassen oder
ähnliche beinhalten, unterliegen dabei allerdings zumeist einer strikten Geheimhaltung und demnach einer hohen
Sicherheitsstufe.
 Als journalistische Textsorte meint der Begriff vornehmlich Sonderbeilagen zu einem bestimmten Thema, die aus ganz
unterschiedlichem Material bestehen können oder auch aufbereitetes Archivmaterial sowie einst kostenlose Onlineinhalte, die
nun kostenpflichtig sind.
 Hinweis: Synonym zum Dossier können in der Regel die Begriffe „Akte, Aktenbündel sowie Aktensammlung, Archivalien,
Dokumente, Faszikel, Konvolut, Schriftstücke und Unterlagen“ gebraucht werden, wobei mitunter die Verwendung geprüft
werden sollte.

Trilogie (Dreiteiler)
Als Trilogie, auch Dreiteiler, wird ein Werk bezeichnet, das inhaltlich zusammengehört und aus drei einzelnen Teilen
besteht. Bei einer Trilogie kann es sich um ein literarisches, filmisches oder auch musikalisches Werk handeln, wenngleich
der Begriff heutzutage auch in anderen Bereichen verwendet wird. Wesentlich ist für die Trilogie, dass ihre einzelnen Teile
zumeist selbständig funktionieren, was bedeutet, dass diese zwar einen gemeinsamen Rahmen haben, aber in sich
abgeschlossen erscheinen (vgl. Mehrteiler). Demzufolge werden Trilogien auch selten durch starkeCliffhanger unterbrochen,
die die gezeigte Handlung abprupt unterbrechen würden.
Der Begriff geht auf das griechische Nomen trilogía (τριλογία) zurück, das sich aus den
Wörtern treis für drei und lógos für Wort zusammensetzt. Demzufolge handelt es sich bei der Trilogie im wortwörtlichen Sinn um
ein Dreiwort und nur im übertragenen Sinn um ein dreiteiliges künstlerisches Werk.
Ursprünglich wurde der Begriff auf Dramen angewandt. Als Trilogien wurde nämlich eine Abfolge von drei zusammengehörigen
Tragödien bezeichnet, die von den Dichtern der Großen Dionysien im tragischen Agon – ein dichterischer Wettstreit in der Antike –
gezeigt wurden. Teils wurde die Trilogie um ein entspannendes Satyrspiel erweitert und somit zur Tetralogie – Mehrteiler aus vier
Stücken – ausgebaut.

Geschichte der Trilogie

In der Literatur sind solche Trilogien – wie bereits erwähnt – seit der griechischen Antike belegt. Dabei handelte es sich anfangs
zumeist um drei Tragödien, die aus demselben Mythenkreis (vgl. Mythos)stammten. Bisweilen wurden diese Dreiteiler noch um ein
entspannendes Nachspiel (Satyrspiel) oder ein eher ernstes Stück erweitert und dadurch zur Tetralogie (Vierteiler) ausgebaut.
Solche Tetralogie bestimmten seit dem 5. Jhd. v. Chr. maßgeblich den tragischen Agon (Wettkampf) der Großen Dionysien. Diese
Dionysien waren die Festspiele zu Ehren des Gottes Dionysos in der griechischen Antike. Hierbei traten
mehrere Dichter gegeneinander an und präsentierten ihre Werke dem Publikum, wobei der Wettstreit der Tragödiendichter den
Höhepunkt darstellte. Die mehrteiligen Tragödien wurden an einem Tag aufgeführt und bauten aufeinander auf, weshalb der
stoffliche Zusammenhang sehr eng war, wie etwa in der Orestie (458 v. Chr.) des Dichters Aischylos.
Später, etwa bei den Werken des Euripides oder auch Sophokles, waren die einzelnen Teile solcher Zyklen zwar immer noch
inhaltlich miteinander verbunden, boten aber innerhalb der einzelnen Werke eine enorme Konzentration der Handlung, weshalb die
einzelnen Stücke durchaus als selbständig zu bewerten waren. Allerdings sprengte diese Verdichtung der Handlung aufgrund der
enormen Inhaltsfülle nahezu den Rahmen der Dionysien, da die drei teils in sich abgeschlossenen Werke, die an einem Tag gezeigt
wurden, kaum noch den früheren einheitlichen Gesamteindruck des Wettstreits wahren konnten.
Das Aufteilen von dramatischen Stoffen war aber auch in späteren Epochen üblich. Ein bekanntes Beispiel aus der Literatur ist
etwa Friedrich Schillers Wallenstein, der als Trilogie angelegt wurde, um den umfangreichen Stoff aufzulockern. Die einzelnen
Werke des Mehrteilers sind hierbei aber unselbständig. Wesentlich ist demnach für solche dramatischen Mehrteiler, das sie zumeist
dazu dienen, die Länge des Stoffes aufzulockern, um die Aufmerksamkeit des Publikums während der Aufführung nicht zu
verlieren.
Im 21. Jahrhundert sind solcherlei Mehrteiler allerdings auch in der epischen Literatur gang und gäbe und bestimmen große Teile
der Belletristik. Aktuelle Beispiele sind die dystopische Romantrilogie Die Tribute von Panem von Suzanne Collins oder auch die
Fantasy-Romane der Tintenwelt-Trilogie der Autorin Cornelia Funke, die Bände Tintenherz, Tintenblut sowie Tintentod umfasst.
Als lyrischer Mehrteiler gelten Johann Wolfgang von Goethes Trilogie der Leidenschaft oder auch Josef Weinhebers Heroische
Trilogie.

Erscheinungsjahr
Als Erscheinungsjahr, auch Publikationsjahr, bei Druckerzeugnissen auch Druckjahr, wird das Jahr bezeichnet, in dem eine
Publikation auf den Markt kam. Das Erscheinungsjahr wird üblicherweise im Impressum angegeben, wobei diese Angabe
nicht in jedem Fall zuverlässig ist. Vor allem Werke der Frühen Neuzeit – also der Übergang vom Spätmittelalter über
die Renaissance in die Neuzeit – zeichnen sich bisweilen durch verschiedenen Angaben aus: so wurden Texte etwa vordatiert,
um auch noch im Folgejahr als aktuell zu gelten. Darüber hinaus wurden die Titelblätter einzelner Schriften teils mit
aktualisiertem Erscheinungsjahr versehen, um aktuell zu erscheinen und so die alte Auflage zu vertreiben. Das war vor
allem bei Romanen des 17. und 18. Jahrhunderts üblich.
Das Erscheinungsjahr eines Buches ist rückblickend vor allem für die Recherche und wissenschaftliche Auseinandersetzung
relevant. Wer nämlich versucht, sich einen Überblick einzelner Abhandlungen zu einem beliebigen Thema zu verschaffen, geht
zumeist chronologisch vor – sortiert also vom Werk mit dem ältesten Erscheinungsjahr zum neuesten. So kann etwa der aktuelle
Forschungsstand zu einem Thema oder die Entwicklung der Betrachtungsweise untersucht und beurteilt werden.
Dabei lässt sich mitunter feststellen, inwiefern sich die einzelnen Texte aufeinander beziehen und in welchem historischen Kontext
sie entstanden sind, was für die zusammenfassende Beurteilung des Geschriebenen wesentlich ist. Wer also weiß, wann ein Text
erschienen ist, kann auch wissenswerte Details über die Umstände seiner Entstehung in Erfahrung bringen und berücksichtigen.
Wesentlich ist dabei allerdings, dass in der jeweiligen Publikation angegeben wird, in welcher Auflage und an
welchem Erscheinungsort diese veröffentlicht wurde. Ansonsten sind die Angaben über das Erscheinungsjahr zumeist irreführend.
Es ist nämlich üblich, ein Werk, das in einer neuen Auflage erscheint, mit einer neuen Datierung zu versehen. Wird hierbei die
Auflage nicht angegeben, bezieht sich das Erscheinungsjahr eventuell nur auf die vorliegende Auflage, nicht auf die
Erstveröffentlichung.

Duecento
Als Duecento wird in Literatur und Kunst das 13. Jahrhundert in Italien bezeichnet. Gemeint ist damit vor allem die Zeit der
Protorenaissance, also die Vorläufer der Renaissance, die sich in Kunst und Architektur niederschlugen sowie die
Tendenzen, die diese begünstigten. Hierbei wurden erstmalig die antiken Vorbilder, was dann in der Renaissance zum
zentralen Motiv wurde, nachgeahmt. In Bezug auf die Architektur meint dies vor allem die Marmorverkleidung von
Gebäuden, wobei außerdem die italienische Gotik in dieser Zeit aufblühte. In der Literatur findet sich ein neues
Selbstbewusstsein, was dazu führte, dass italienische Autoren erstmals in ihrer Landessprache schrieben. Weitere
Jahrhunderte, die um die italienische Renaissance kreisen, werden von Kunsthistorikern
als Duecento, Trecento, Quattrocento, Cinquecento sowie Seicento bezeichnet (vgl. Literaturepochen).
Der Begriff geht auf das italienische Zahlwort duecento zurück, das sich wortwörtlich mit zweihundertübersetzen lässt. Folglich
handelt es sich hierbei um eine Form der Verkürzung, da der Begriff im Eigentlichen mille duecento meint und folglich das Jahr
1200 und demnach das 13. Jahrhundert (1200-1299) in Italien.
In diesem Jahrhundert entstehen – einmal vom Künstlerischen abgesehen – in Italien zahlreiche innovative wirtschaftliche
Ideen.So entwickelte sich im Duecento die Buchführung, erste Aktiengesellschaften, das Bankwesen, der Devisenmarkt, wobei es
außerdem erste Staatverschuldungen gab. Das Zentrum dieser finanziellen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen ist das italienische
Florenz, wobei die Florin – von 1252 bis 1533 in Florenz geprägte Goldmünzen – zur wesentlichen Währung des internationalen
Handels wurde.
Italien war folglich ein wichtiger wirtschaftlicher Standort, weshalb zahlreiche Dichter und Denker nach Italien kamen, wobei
allerhand Ideen sowie Werke entstanden. Diese günstigen Bedingungen im italienischen Duecento trugen dafür Sorge, dass
zahlreiche Ideen entstehen konnten und darüber hinaus die Vorläufer der Renaissance sowie das Aufblühen der Gotik begünstigt
wurden.

Architektur im Duecento

Im frühen Duecento war es vor allem die italienische Gotik, deren Merkmale sich auf die Bauwerke der Zeit auswirkten. Bauwerke
solcher Art lassen sich in ganz Italien finden, wenngleich die Toskana eines der Gebiete ist, das am meisten architektonische
Bauwerke jener Zeit beheimatet.
Im Gegensatz zu anderen Ländern, deren gotischer Stil sich vor allem durch in die Höhe strebende Räume, großflächige
Durchbrechungen der Wände mit großen Maßwerkfenstern, offenes Strebewerk und reichen Bauschmuck, große Figurenportale
sowie Doppelturmfassaden auszeichnete, setzten hier die ialienischen Baumeister auf klare sowie gerade Bauformen mit sehr
großen, oftmals reich bemalten Wandflächen und niedrigere sowie oft in die Breite gehende Räume, wobei die Außenbauten eher
schlicht waren.
Die wesentlichen oder auch wichtigsten Bauwerke sind wohl: die Oberkirche von San Francesco in Assisi (1228–1253), die
Kirche Santa Maria della Spina in Pisa (1230), die Antonius-Basilika in Padua (1290) sowie die fünfschiffige Basilika San
Petronio in Bologna (1393-1479), welche die fünftgrößte Kirche der Welt ist.
Was heutzutage als Protorenaissance bezeichnet wird, lässt sich im Duecento allerdings auch schon erahnen. In der Architektur
meint dies vor allem, dass Gebäude vermehrt mit Marmor verkleidet wurde, was eindeutig ein Nachahmen der antiken Vorbilder
darstellt. Hierbei wäre unter anderem der Schiefe Turm von Pisa ein typisches Beispiel dieser Baukunst, der zwischen Duecento
und Quattrocento errichtet wurde.

Literatur im Duecento

Die Literatur im 13. Jahrhundert in Italien war vor allem dadurch gekennzeichnet, dass italienische Autoren begannen, in ihrer
eigenen Sprache, also dem Italienischen, zu schreiben. Folglich entstanden nun – neben griechischen und lateinischen Texte –
erstmals Werke auf Italienisch, was die spätere Entwicklung in der tatsächlichen Renaissance begünstigte. In der Lyrik war
die Stanze eine beliebte Form.
Kennzeichnend ist außerdem, dass sich im Duecento eine Strömung der italienischen Literatur entwickelte: Der dolce stil nuovo.
Dieser zeichnet sich vor allem durch seine Liebesthematik aus. Hierbei wurde mithilfe zahlreicher Symbole und Metaphern die und
unter Berücksichtigung der platonischen Ideenlehre und höfisch-literarischer Anschauungen die Liebe enorm erhöht sowie als eine
göttliche Kraft gesehen. Neu ist außerdem, dass der Dichter die weibliche Schönheit und ihre Wirkung auf die Seele des
Schreibenden darstellte. Als wesentliche Vertreter gelten Guido Guinizelli, Cino da Pistoia sowie Dante Alighieri.

Kunst im Duecento

Die Kunst und vor allem die Malerei wurde vor allem durch zwei Meister beeinflusst: diese waren Cimabue, ein Florentiner Maler
und Mosaik-Künstler, und Duccio di Buoninsegna, ein italienischer Maler. Ihre Arbeiten waren zumeist religiös geprägt und fanden
auf Altären Verwendungen, wie etwa die zahlreichen Darstellungen der Madonna (die Mutter Jesu) sowie des Jesuskindes selbst.
Ein weiterer Vertreter dieser Zeit ist Giotto di Bondone, der als entscheidender Wegbereiter der Renaissance gilt. Er wurde von
Cimabue beim Zeichnen seiner Schafe entdeckt, wobei sich sein Stil durch eine enorme Detailtreue auszeichnete. Hierbei ist schon
der Grundgedanke der Renaissance ersichtlich, dass ein künstlerisches Genie bereits als solches geboren wird. Eine Anekdote besagt,
dass Giotto einst eine Fliege auf ein Meisterwerk des Ciambues zeichnet, welche so echt aussah, dass der Meister versuchte, sie von
der Leinwand zu verjagen und erst nach einiger Zeit bemerkte, dass es nur eine Illusion war.
Ebendieser Aspekt ist es auch, der die wesentliche Leistung Giottos darstellt: seine Kunst, die im italienischen Duecento entstand,
zeichnete sich durch eine hohe Natürlichkeit und Lebhaftigkeit der Figuren aus, wenngleich auch Giotto vornehmlich religiöse
Themen in seinen Werken verarbeitete. Als ein Beispiel seiner Kunst kann der folgende Ausschnitt der Anbetung der Heiligen Drei
Könige gelten, der sich in der Cappella degli Scrovegni in Padua findet. Hier finden sich zahlreiche Freskengemälde von Giotto di
Bondone.

Dystopie
Als Dystopie, auch Anti-Utopie und Mätopie, wird in der Literatur das Gegenstück der positiven Utopie (vgl.
Eutopie) bezeichnet. Die Dystopie ist eine Erzählung, welche ein negatives Zerrbild der zukünftigen Menschheit zeigt. Diese
Zukunft ist von einer Gesellschaft geprägt, die sich zum Negativen entwickelt hat. Häufige Themen sind die Versklavung der
Menschheit und allgemein die Beschneidung sämtlicher Freiheiten, was oftmals durch eine übermächtige Technik bedingt
wird, die zwar vom Menschen selbst entworfen wurde, aber zukünftig nicht mehr zu händeln ist. Darüber hinaus zeigt die
Dystopie oftmals den totalitären Staat und dessen Machtmittel, wobei nur kleine Gruppen Privilegien genießen und der
Lebensstandard in Unter- und Mittelschicht unter dem Niveau zeitgenössischer Gesellschaften liegt. Häufig findet sich in
solchen Dystopien ein Protagonist, der ebendiese gesellschaftlichen Verhältnisse hinterfragt und spürt, dass etwas im Argen
liegt, wobei er in der Folge gegen das System oder die Machthaber aufbegehrt.
Der Begriff setzt sich aus der altgriechischen Vorsilbe dys- (δυς), die sich mit miss-, un- oder übel-übersetzen lässt, und
dem Nomen tópos (τόπος), das Ort bedeutet, zusammen. Somit handelt es sich bei der Dystopie um einen üblen Ort. Entscheidend
ist allerdings, dass der Begriff vor allem als Gegenstück für Utopie gebraucht wird, was im eigentlichen Wortsinn
aber paradox erscheinen kann.
Die Utopie ist nämlich im Eigentlichen ein Nicht-Ort (aus altgriechisch ou- für „nicht-“ und tópos für „Ort“) und meint demnach
den Entwurf einer fiktiven, meist zukünftigen, Gesellschaftsordnung. Allerdings wird der Begriff zumeist für gute und positive
Gesellschaftsbilder gebraucht, was tatsächlich aber durch den Begriff der Eutopie gefasst wird. Demnach wäre die Utopie der
Oberbegriff für Eutopie und Dystopie, wohingegen Dystopie und Eutopie tatsächliche Gegensätze bilden. Im folgenden Beitrag wird
die Utopie allerdings – dem allgemeinen Sprachgebrauch folgend – als Gegenstück der Dystopie verstanden.

Übersicht: Merkmale der Dystopie

 Die Dystopie kann häufig als Kritik der gesellschaftlichen Zustände einer Zeit aufgefasst werden, da sie aufzeigt, welche
möglichen, aber noch nicht realen, Zustände durch eine etwaige Entwicklung zukünftig Realität werden könnte. Zumeist
bedient sie sich dabei naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und steht diesen kritisch gegenüber, wodurch technologische
Entwicklungen und ähnliche Tendenzen angegriffen werden.
 Die ersten literarischen Dystopien finden sich erst im Zuge der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Zwar gab es
schon in den literarischen Epochen zuvor kritische Stimmen, die sich gegen den Fortschritt oder die Naturwissenschaften im
Allgemeinen wandten, doch finden sich zuvor in der Literatur keine verschriftlichten Zukunftsvisionen, die ein negatives
Gesellschaftsbild zeigten, das durch den Fortschritt und die Wissenschaften bedingt war.
 Diese Zerstörung des Fortschrittsglaubens, der dann literarisch verarbeitet wurde, lässt sich vor allem an vier Punkten
festmachen. 1) Die technische Entwicklung nahm ein bisher ungekanntes Ausmaß an, das mitunter erschreckend erschien,
wobei erstmalig Menschen durch Maschinen ersetzt werden. 2) Die Jahre zwischen 1890 und 1914 sind folglich in vielen
Bereichen von einem ganz bestimmten Lebensgefühl bestimmt: Als wesentliches Merkmal gilt eine Untergangsstimmung.
Bedingt wurde diese vor allem durch den nahenden Epochenwechsel. Diese Verfallsstimmung äußerte sich in einer
pessimistischen Weltsicht, einem starken Lebensüberdruss, aber im gleichen Maße in Zukunftseuphorie, aber ebenso
Zukunftsangst sowie einer Wendung gegen den Fortschritt und folglich gegen den Naturalismus (vgl. Fin de Siècle). 3) Die
bewohnbaren Räumen und Flächen im Allgemeinen waren in der Hand von Personen, Organisationen, Institutionen sowie
Regierungen: der wirtschaftliche und bewohnbare Raum wurde folglich erstmalig als begrenzt und aufgeteilt
wahrgenommen, wobei 4) viele Länder vermehrt zentralisiert verwaltet wurden und so die wesentlichen Aufgaben auf einen
kleinen Kreis konzentrierten.

Grundzüge dystopischer Gesellschaften. Meist finden sich mehrere der Merkmale in Dystopien.

 Industrie und Wirtschaft arbeiten mit maximaler Effizienz. Der produzierte Überschuss wird entweder von einer
verschwenderischen Bevölkerung konsumiert, fließt in kriegerische Auseinandersetzungen oder wird von den (technischen)
Machthabern verwertet. Allgemein gilt, dass die gezeigte Wirklichkeit enorm fortschrittlich und modern erscheint.
 Oberflächlich wird ein utopisches Bild entworfen. Die Welt ist frei von Krankheiten, Armut, Konflikt und emotionalen
Problemen. Auf den zweiten Blick stellt sich aber heraus, dass ebendiese Privilegien nur durch umfassende gesellschaftliche
Einschränkungen, Gewalt und Machtmissbrauch gegenüber Personen, Gruppen oder Gesellschaften möglich wird.
 Viele Wirtschaftszweige sowie Konzerne, die Lebenswichtiges herstellen/fördern, sind privatisiert und unterliegen somit
nicht der Regulierung einer staatlichen Aufsicht. Die Konsequenz ist oftmals, dass die unteren Schichten dieser
Gesellschaft – da sie sich die Versorgung nicht leisten können – keinen Zugang zu Wasser oder ähnlichen Dingen haben.
 Die verschiedenen Schichten der Gesellschaft sind eindeutig definiert und voneinander abgegrenzt. Zumeist fehlt es hierbei
an Durchlässigkeit, was bedeutet, dass der Wechsel zwischen den verschiedenen Schichten kaum möglich ist oder gänzlich
untersagt wird. Folglich werden die Bewohner der dystopischen Ordnung in der Regel in ihre Rolle, die meist mit
bestimmten Aufgaben und Privilegien verbunden ist, hineingeboren.
 Das System wird von einer kleinen Gruppe geführt, die einer privilegierten Oberschicht angehört. Das Gefälle zu den anderen
Schichten wird hierbei besonders deutlich – die Oberschicht zeichnet sich durch einen enormen Luxus aus, hat Zugang zu
Luxusgütern und Nahrung – wohingegen andere Teile der Bevölkerung oft auf Nahrungsergänzungsmittel oder
minderwertige Nahrung zurückgreifen. Darüber hinaus haben die untersten Schichten keinerlei (politisches) Mitspracherecht
in Bezug auf Entscheidungen.
 Häufig wird hierbei die Individualität des Einzelnen beschnitten, wobei oftmals gilt, dass Bildung, eigene Gedanken und
Ansichten – die unter Umständen das System angreifen könnten – strikt untersagt sind und verboten werden. Dieses Verbot
ist häufig in den einzelnen Gruppe verankert, wobei man sich fürchtet, eigene Gedanken zu äußern und nicht infrage stellt,
warum es sich so verhält und sich demnach fügt.
 Dabei sichert oft ein gigantischer Propagandaapparat die Ergebenheit der Bevölkerung gegenüber dem Staat. Dieser wird
oftmals durch eine einzelne Führerfigur symbolisiert, die in einem hohen Maße verehrt, teils sogar vergöttert
wird (vgl. Apotheose). Diese Verehrung wird durch einen großen Personenkult deutlich (Statuen, Plakate etc).
 Die Oberschicht gibt und lebt vor, dass das eigene System das einzige ist, das richtig und gut ist: folglich wird die restliche
Welt, die nicht Teil des Systems ist, verabscheut und „gefürchtet“. Diese Ansichten werden der breiten Masse aufgezwungen,
wobei es teils staatliche Apparate gibt, die vorschreiben, was überhaupt gedacht oder angenommen werden darf. Gesichert
wird dies durch militarisierte Polizeikräfte und ein Rechtssystem, dem die „gerechte“ Rechtssprechung fehlt. Auffällig ist
auch, dass oftmals eine gebildete Mittelschicht, die das Ganze hinterfragen könnte, fehlt.
 Sollte es eine Wirklichkeit außerhalb des Systems geben, ist diese zumeist von den Machthabern vorgetäuscht. Dabei werden
äußere Feindbilder entworfen, die das Fortbestehen der Gesellschaft gefährden, wobei es erforderlich ist, sich verstärkt den
Ideen und Idealen des Systems zu unterwerfen – folglich wird ein äußerer Druck aufgebaut und eine externe Bedrohung
konstruiert, um die inneren Strukturen zu bewahren.

Häufige Themen / Inhalte: Bevölkerungsexplosion, enormer wissenschaftlicher Fortschritt, Versklavung der Menschheit /
Unterdrückung bestimmter Schichten, Vernichtung oder Einschränkung der Freiheit des Menschen, andauernde(r) Bedrohung /
Kriegszustand, mitunter postapokalyptisches Szenario.