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DAS BUCH DER ODEN

von Torsten Schwanke

TOCHTER ZION

ELEGIE

(für Paula Grensemann, heimgegangen am 21.1.1993)

Gott, der die Welt erschaffen, der Herr über Himmel und Erde,
Durch den Einen Menschen schuf Er das Menschengeschlecht,
Daß sie Ihn suchen sollten, ob sie Ihn finden und fühlen:
Mitten unter uns ist, Meister und Friedefürst, Gott!
Denn in Ihm alleine leben und weben und sind wir:
Alle in Einem vereint: Alles in Allem ist Gott!
Er gebietet aber nun dem Menschengeschlechte:
An der Welt Enden tut - nah ist das Himmelreich - Buß!
Er hat einen Tag bestimmt, da will Er richten den Erdkreis
Durch einen Menschen, den Er dazu bestimmt hat. Wir stehn
Fest auf dem Felsen Seines uns gebotenen Glaubens:
Er hat vom Tod, vom Tod Seinen Geliebten erweckt!

Heute hört ichs. Wir können uns freun, daß die Seele erlöst ist.
Du fragtest: Ist er da? Ist er das wohl, der da singt?
Und du dachtest: Er hat mich ja am Heiligen Abend
Mit dem heiligen Kuß - Liebe sei alles - geküsst.
Bringe mir die Botschaft von der Auferstehung der Toten!
Warst du der Stern, bei dem Pol, den ich am Himmel gesehn?
Jetzt war dein Namenstag der Tag deiner Grablegung. Christus!
Sieh, im Lampion Licht... Aber du, Leben, du lebst!
Dessen sei gewiß: Wer im Glauben an Jesus entschlafen,
Wird zu Jesus geführt, drum hat der Tod keine Macht.
Möge Gott dich mit Seiner heißen Liebe durchströmen,
Gebe Er dir die Frucht von Seinem lebendigen Baum!

Unser Herr erweise an euch Barmherzigkeit, wie ihr


Taten den Toten und tatet den Lebenden auch.
Unser Herr erweise an euch Barmherzigkeit, daß ihr
Findet eure Ruh einst in der heiligen Stadt.
Wo du stirbstm da sterbe ich auch, da sei ich begraben.
Christus, Dein Volk ist mein Volk, Dein Gott ist meiner!
Liebe, geschehe Dein Wille! Nicht der Tod soll uns scheiden.
Wo ist dein Stachel, Tod? Du bist verschlungen vom Sieg!
Gehe nicht auf einen anderen Acker als Meinen,
Gehe nicht fort von Mir, spricht zu der Seele der Herr.
Laß mich ruhn zu Deinen Füßen, lieber Erlöser,
Gehe doch ein zu mir, küsse mich, ich hab Dich lieb!

Du warst im Traum bei mir, ich dachte des Morgens, noch träumend:
Hagebutten, wie schön! fein blüht ein grünlicher Wall,
Zarten Blattes sind weiße und rote Blüten wie Kelche,
Wohlgeruch duftend, voll von goldenen Samen die Frucht.
Ich hab geweint viel Tränen. Aber du lebst ja, du lebst ja!
Rascheln des Laubes im Wind, hinter der Schulter, bist du's?
Ja, ich denke, du bists. Ich hab begeistert gerufen:
Heilig, heilig bist Du, heiliger, heiliger Herr!
So durchtönte im Leid mich Jubel seraphischer Engel.
Christus wurde erweckt! Lazarus wurde erweckt!

Draußen bei dir im Garten steht ein Falterbaum, um die


Blüten, die lila blühn, lobsingt der Schmetterlingschor.
Da erkenn ich besonders den roten Schmetterling mit dem
Blauen Augenpaar auf seine Flügel getupft.
Nicht anfassen dürfe man jene, sonst streife man ihre
Feine Farbe ab, oh, sei sie schimmernd bewahrt.
Das ist die Art wohl, wie einkommt ein himmlischer Bote
In des Mädchens Bereich, so ist es lieblich und heil.
Schön zu schauen ists, wenn im Frühlingslichte die Falter
Leis umschweben den Baum, wo sich die Sonne ergießt,
Wo Gewölke von Duft vorüberschweben den Sinnen,
Wo das erstaunte Ohr Anbetung Gottes vernimmt.

Sei getreu bis zum Tod, und Ich geb dir die Krone des Lebens!
Wer überwindet, dem geb Ich von dem Lebensbaum Speis!
Wer überwindet, dem geb Ich von dem verborgenen Manna
Und einen weißen Stein, und auf dem weißen Stein
Ist ein neuer Name geschrieben, den kennt, wer empfängt ihn!
Wer überwindet und hält bis ans Ende Mein Werk,
Dem geb ich Macht über Heiden, Ich will ihm den Morgenstern geben!
Wer überwindet, dem geb Ich ein linnenes Kleid!
Wer überwindet, den will Ich schaffen zum Pfeiler im Tempel
Meines Gottes, der Stadt, die vom Himmel her kommt!
Wer überwindet, dem geb Ich, mit Mir auf dem Throne zu sitzen,
Wie auch Ich Mich gesetzt auf Meines Vaters Thron hab!

Ist es so, daß Gott seine Stimme verborgen im Wetter?


Weil die Stimme uns sonst nicht zu ertragende wär?
Die wir schon vom Blick eines Engels beinah vergehen?
Doch wer hörte je tönen die Stimme von Gott?
Stürme wehen ums Haus, das ist wie Flötenspiel, Stürme
Branden um das Haus, dröhnen ins bange Gefühl.
Bäume rauschen im Wind, das ist wie rauschende Meere,
Wind umrauscht mir das Haupt, tönt durch den ängstlichen Sinn.
Hab keine Angst, meine Seele! Es sei eine englische Stimme.
Zeichen und Wunder wird, was sie bespricht an Natur.
Von der wahren Sonne der Liebe, die war am Anfang,
Nacht wird erleuchtet. Ich soll die Erweckung verstehn.
Heute ists mir aufgegangen. Das war wie eine Erstehung
In dem inneren Sinn. Heiligtum, du bist nun frei,
Wandelst in Schönheit über den Wolken in heimlichem Lichte.
Stille Seligkeit! Hab ich dich eben geahnt?
Abgestreift hast du eben alle unsre törichten Krücken,
Du hast die Reinheit jetzt, dich mit dem Himmel ergänzt.
Schon hast du aufgetan die lichten Augen des Herzens.
Meere von Wonne sind dein! Du gehst durchs himmlische Tor!
O, im Reiche des Meisters ist immerwährender Friede!
Hier ist der Abglanz davon, der ist ein wahrer Genuß.
Später sehen wirs alle: der Schöpfer lebt im Geschöpfe,
Im gesegneten Leib wohnte der göttliche Geist.

Ich fiel auf die Knie, auf mein Angesicht nieder,


Und ich betete an, rief mit dem flammenden Herz:
Herr und Gott! O, laß mich sein Dein würdiger Diener,
Leit mich auf Deinem Weg, bleibe fürs Leben bei mir.
O, allmächtiger Gott! Auf Dein Wort hin entstanden die Welten.
Und Du wurdest ein Mensch, unter uns, heiliger Gott!
O, allgnädiger Gott! Du bist wahr und gut und gedenkst mein.
O, mit der liebsten Stimm' riefst Du den Stein zu Dir her.
Gott von Ewigkeit, bist Du mir als der Menschensohn nahe,
Nimm mich fest an die Hand, daß ich das Himmelreich find.
Jesus! Du bist schön und süß und der Eine Geliebte!
Christus! Du lieber Herr! Paula nimm Du in Dein Reich!

Einst eine Fürstin, nun eine Witwe, Jerusalem. Siehe,


Ob es einen Schmerz gibt, wie den meinen, ich wein,
Tränen laufen mir aus den Augen die Wangen hinunter,
Doch die Tröstung ist fern. Ich bet das Trauergebet.
Ach, daß man an den Alten keine Barmherzigkeit übte,
Priester ehrte man nicht, ehrte den Feiertag nicht.
Ach, es sitzen die Jünglinge bei dem Saitenspiel nimmer,
Und es sitzen die Ältesten nimmer im Tor.
Unser Ende kam, unser Ende ist nun gekommen,
Unsere Tage sind aus. Das ist das Ende der Zeit.
Aber Du, Gott, bring uns zurück zu Dir, daß wir wieder
Heimkommen, daß wir dann dort immerdar wandeln im Geist!

Wir sind nicht trunken, sondern Gott hat den Geist ausgegossen,
Auch der Weissagung Geist ist eine Gabe von Gott.
Wundersam sollen eure Jünglinge sehen Gesichte,
Manch prophetischen Traum haben die Alten geträumt.
Auf des lebenden Gottes angenommene Kinder
Soll zu jener Zeit heiß sich ergießen der Geist.
Wunder geschehen zu jenen Tagen oben am Himmel,
Zeichen auf Erden, Blut, Feuer und Nebelgewölk.
Wer den Namen Gottes anruft, der wird gerettet
Vor der verzehrenden Glut, über das Feuer hinaus.
Wer im Geist des Erlösers bleibt und wirkt bis zum Ende,
Wird auf immerdar liebliche Seligkeit sehn.

Ostmals hat mich als Kind begeistert dein glänzender Spiegel,


Das war ein Spiegel mit spieglichten Flügeln begabt,
Die konnten zugefaltet sein, daß der Spiegel verborgen,
Aufgefaltet wars ein spieglichtes Triptychon da.
Und wenn die Flügelspiegel den Spiegel spiegelten wieder,
War man mehrfach darin, stand man vervielfältigt da,
Stand sich selbst im Rücken und sah sich ins eigene Antlitz.
Und man entging sich nicht, wundersam kam man hinein.
Ach, ist mit menschlichem Herze im Kristalle das Kommen,
Im sich spiegelnden Raum, linnenen Saumes zu sehn?
Lieblichkeit und Barmherzigkeit wird mir folgen zum Ende,
Dort im himmlischen Haus werde ich immerdar sein.

Heute hört ichs. Wir können uns freun, daß die Seele erlöst ist.
Du fragtest: Ist er da? Ist er das wohl, der da singt?
Und du dachtest: Er hat mich ja am Morgen des Abschieds
Noch gehalten im Arm, sah schon im Traum meinen Tod.
Bringst du mir die Botschaft von der Auferstehung der Toten?
Nimm dies an. Wer im Glauben an den Messias entschlafen,
Wird zu Jesus geführt, immerdar himmlisch zu sein.
Möge Gott dich immer mit lieblicher Liebe durchströmen,
Gebe der liebe Gott Frucht dir vom lebenden Baum.
Jesus! Du bist schön und süß und ihr Einer Geliebter!
Christus! Du lieber Herr! Paula nimm Du in Dein Reich!

JAKOB

Gott, gib den himmlischen Geist mir! Von Beerscheba Jakob


Machte sich auf den Weg nach Haran, kam an die Stätte,
Wo er blieb über Nacht, da war die Sonne untergegangen.
Er nahm einen Stein und legte sein Haupt auf den Stein hin.
Siehe, da sah er im Traum eine Leiter auf Erden
Stehn, die leuchtend hinastieg, die reichten oben zum Himmel.
Auf der Lichtleiter stiegen auf und nieder die Engel.
Aber oben erschienen ist Gott und sprach so zu Jakob:
Worauf du ruhest, dies will Ich dir und den deinen zueignen;
Dein Geschlecht soll zahlreich werden wie Staub auf der Erde,
Sand am Meere, du wirst dich breiten von Westen gen Osten;
Durch dich werden die Menschenkinder gesegnet auf Erden;
Siehe, Jakob, Ich mit mit dir und will dich behüten,
Wo du hinziehst, und will dich wieder heimführen schließlich;
Denn Ich gehe nicht von dir, bis Ich alles erfülle,
Wundersam alles tu, sowie Ich dir zugesagt habe.
Als nun Jakob von seinem Schlaf erwachte, da sprach er:
Dort ist Gottes Haus, und dort ist die Pforte des Himmels!
Jakob stand früh am Morgen auf und nahm jenen Stein, den
Er zu seinem Haupte gelegt, und richtetet jenen
Stein auf zu einem Steinmal und goß Öl oben drüber.
Jakob hieß dieselbe Stelle: Gotteshaus: Beth-El.
Vorher aber ward Lus geheißen die heilige Stätte.
Jakob tat ein Gelübde und sprach so: Wird mit mir Gott sein
Und mich wohl behüten auf meinem Weg, de ich gehe,
Und mir Brot zu Speise geben und Tücher zu Kleidung
Und mich in Frieden wieder heim zum Vaterland bringen,
So soll der Herr mein Gott sein! Das aufgerichtete, jenes
Aufgerichtete Steinmal soll ein Gotteshaus werden.

Da machte Jakob sich auf den Weg und ging in das Umland,
Das im Morgen liegt, und sah, und sieh, da war eine
Quelle. Siehe, drei Herden Schafe lagen dabei, denn
Von der Quelle pflegten sie die Herden zu tränken,
Und ein schwerer Stein lag auf der Quelle, zu sammeln
Pflegten sie dort die Herden und den Stein von der Quelle
Abzuheben, um dort die Herden Schafe zu tränken,
Daraufhin taten sie bei der Quelle wieder den Stein vor.
Siehe, da kam Rahel mit den Schafen geschritten,
Jakob sprach: Es ist noch hoher Tag, ist die Zeit nicht,
Einzutreiben das Vieh, so tränkt und weidet die Schafe.
Doch die Hirten der Schafe sprachen: Wir können es nimmer,
Erst wenn schließlich unsere Herden zusammengebracht sind
Und wir zusammen den schweren Stein von der Quelle zur Seite
Schieben, die Schafe zu tränken. Jakob sprach noch mit ihnen,
Da kam die schöne Rahel herbei mit den Herden der Schafe,
Denn sie hütete täglich die Schafe. Jakob sah Rahel,
Trat hinzu und schob den Stein von der Quelle zur Seite,
Tränkte die Schafe. Jakob winkte Rahel und weinte...
Rahel ging hin. In der Mittagsstunde sah Jakob die Schönste.

Rahel ging hin und sagte es ihrem Vater, als aber


Der es vernommen, da lief er heiter Jakob entgegen.
Jakob hatte Rahel liebgewonnen. Er sprach so: Ich will dir
Sieben Jahre dienen. Ihr Vater sprach: Besser, ich gebe
Dir sie, als einem Fremden; bleibe bei mir. Und so diente
Jakob um Rahel sieben Jahre. So liebgewonnen hat Jakob Rahel!
Dann ging Jakob zu Rahel ein in inniger Liebe.
Gott gedachte Rahel, erhörte sie, da wurde sie schwanger,
Und sie gebar ein Kind und ward froh und schimmerte milde.

DAVID

Gott, Du erweist die Gnade dem Gesalbten,


Stärk mich, sende aus Zion mir die Hilfe,
Führe mich hinauf zur strömenden Quelle,
Du bist mir trostreich.

O, weil du liebtest, hat dich Gott gesalbt, mit


Öl, wie niemanden deinesgleichen, lieblich
In den Elfenbeinpalästen erfreu dich
Saitenspiel, Schöne.
Myrrhe sind deine Kleider, lauter Myrrhe,
Sieh, im goldenen Schmuck die Königstochter
Stillen Geistes, schöne Jungfrau, geiert mit
Bernstein vom Meere.

Wisse, du Tochter, hold dein Ohr mir neige,


Denk nicht mehr an dein Volk und Haus der Heimat,
Sanft der König hat Verlangen nach deiner
Himmlischen Reinheit.

Tyrus und Sidon kommen mit Geschenken


Zu der perlengeschmückten Königstochter.
Schwebend ziehn sie ein mit Jubelschall in die
Zimmer der Liebsten.

Siehe, vom Zion kommt die Morgenröte,


Ihre Glorie kommt vom Berge Zion,
Die du gibst von Milch und Honig dem Erben,
Der ich so schmachte!

WEISHEIT SALOMOS

Kyrius Christe! Laß mich dienen der heiligen Weisheit,


Laß mich der Heiligen voller Wonne ein Heiligtum bauen,
Siehe, die Weisheit ist ein Geist voll Liebe zum Menschen!
Von dem Geiste des Herrn ist erfüllt der unendliche Erdkreis,
Der das All umfasst und herzt, weiß von jeglichem Worte.
Gott hat den Menschen zu einem unvergänglichen Leben geschaffen
Und zum Abbild seines eigenen göttlichen Wesens.
Stark sei die Hoffnung, daß ein frommes Leben belohnt wird
Und die Ehre dem tadellosen Menschen gegeben.
Die Gerechten zur Zeit ihrer Heimsuchung werden
Aufleuchten und wie Funken überm Stoppelfeld steigen!
Die Gerechten werden leben in Ewigkeit, denn der
Herr ist selber ihr Lohn, und der Höchste wird für sie sorgen.
Darum werden sie einst das Reich der Herrlichkeit von dem
Herrn des Lebens und eine schöne Krone erhalten.
Wer das Heilige heilig hält, wird werden geheiligt.
Sie ist für wahr ein unerschöpflicher Schatz für die Menschen,
Die sie erwarben, erhielten die Freundschaft des heiligen Gottes.
Sie ist ein Hauch der göttlichen Kraft, die heilige Weisheit,
Und ein reiner Strahl der lichten Herrlichkeit Gottes,
Des Allmächtigen! Sie ist ein Abglanz des ewigen Lichtes,
Reiner Spiegel des göttlichen Wirkens, Bild seiner Schönheit.
Gott, o Herr des Erbarmens! ich bitte Dich: Gib mir die Weisheit!
Sende sie von dem Thron Deiner Herrlichkeit, daß sie mir ratend
Stehe zur Seite, daß ich Dein Wohlgefallen erkenne.
Sie wird mich bei meinem Werk mit Besonnenheit leiten
Und mich behüten zu Deiner Herrlichkeit, glaub ich.
LIEBE SALOMOS

Küsse mich mit dem Kusse deines Mundes,


Deine Liebe ist lieblicher, als Wein ist,
Seh ich deine Taubenaugen, so bin ich
Trunken von Liebe!

Wohlgeruch sind mir deine Salben, eine


Ausgeschüttete Salbe ist dein Name,
Du bist zwischen meinen Brüsten ein Bündel
Duftende Myrrhe.

O, Tochter Zion, zu dem Myrrheberge


Wollt ich wallen, zum Weihrauchhügel wollt ich.
Du bist schön wie die süften Düfte vom Hermon,
Sulamith, Liebste!

Tu mir auf, meine Reine, meine Eine,


Meine Taube, o Rose ohne Dornen.
Denn mein Haupt ist voller Nachttropfen, meine
Haare voll Nachttau.

Fließende Myrrhe troffen deine Hände,


Und mein Innersten wallte dir entgegen.
Ach, ich liege in den Haaren gefangen,
Seele der Sehnsucht.

Unter dem Haupte liegt mir deine Linke,


Und wie sanft tut mir deine Rechte! Tu mich
Wie ein Siegel auf dein Herz! Mein Quelle
Strömt in dein Innres.

JESUS UND MARIA MAGDALENA

Jesus, von Bethlehem, Messias Gottes,


War dereinst in Bethanien im Hause
Eines Mannes namens Simon, und mitIihm
Waren die Jünger.

Da trat Maria voller Schönheit zu Ihm,


Ein Glas kostbares Salböl in den Händen,
Goß es auf das Haupt dem einen geliebten
Sohne der Gottheit.

Der sprach: Maria tat an Mir ein Gutes,


Da sie Salböl auf Meinen Leib gegossen,
Wahrlich, dieses tat sie nach der Bestimmung,
Für Mein Begräbnis.

Drei Tage später ist Maria mit zwei


Fraun zum Grab des Verschiedenen gegangen,
Hatten bei sich köstlich duftende Öle,
Um Ihn zu salben.

Da war der schwere Stein vom Grab gehoben,


Wo ein schimmernder Engel saß, der sagte:
Ihr sucht den Messias, Er ist nicht hier, Er
Ist auferstanden!

Der Messias erschien Maria, sie ging


Und verkündete seine Auferstehung
Den Aposteln, die da weinten. Sie sprach: Der
Herr ist erstanden!

JUNGFRAU ISRAEL

Israel! wie lieblich sind deine Brüste,


Ähnlich dem Gebirge Baschan die Brüste,
Wo einst Magdalena ihr Höhlenleben
Wie der schönen Himmlischen eine wohl in
Einsamkeit lebte.

Und dein Schoß ist himmlisch in Bethlehem, ist


Dort in einer "Zuflucht" geheißnen Krippe,
Wo im Licht des Bethlehemsterns geboren
Hat die Jungfrau meinen Messias, Heiland,
Jesus, den Christus!

Wie der See Genezareth ist dein Auge,


Wo Messias über die Wasser wie ein
Weißer Schleier wandelte und die Winde
Stillte und beruhigte Wellen, welche
Glühten im Morgen.

Aber wie dein anderes Auge schimmert,


Ists das Wasser Semachonitis, wo die
Flüsse fließen, Ströme der Tränen; aber
Erst die Leidenstränen, dann Freudentränen,
O bei Gischala!

Deine süßen Lippen des Mundes sind wie


Nazareth, wo einst an dem Tisch geredet
Mit Maria himmlisch ihr Sohn von Kana,
Wo in Wein das Wasser gewandelt hatte
Christ Nazarenus!

An die Füße spült dir das Salzmeer oder


Tote Meer, da ist an den Ufersäumen
Eine Palmenstättem Tamar geheißen,
Wo die hohen Palmbäume sind bei dutzend
Quellen des Wassers.
Aber von dem Haupte die Haare fließen
An der Seite hin wie im Morgen Wellen
Von dem Galiläischen Meer, wo einstmals
Von den Fischen der Messias den Felsen
Petrus berufen.

Deine weichen rötlichen Wangen sind wie


Jene Burg im Aufgang der Sonne mit der
Nase elfenbeinernem Turm der Zinne
Auf dem festen steinernen Wall der Stätte
Schöner Magdala.

Aber deine fragenden Brauen sind wie


Betsaida. War dies der Ort nicht von dem
Petrus und der leidenden Schwiegermutter,
An dem See Genezareth schön gelegen,
Wie auch der Boote?

Deine Ohren sind mit den lichten Locken


Wie die Städte Tyrus und Sidon, die zum
Mittelmeer hin offen sind, und wo oftmals
Feingewoben purpurnes Tuch geworden,
Harfen ertönten.

Deine eine Hand ist, wie Nächstenliebe,


Holde auf Samarien, wo der Brunnen
Jakobs ist. Dem Menschensohn schöpfte Wasser
Eine Samariterin, und der Juden
König sprach Danke.

Aber deine andere Hand ist, Liebe


Gottes, bei Judäa gelassen ruhend.
Da ist Myrrhe, lauterste Myrrhe, deine
Hand sehr sanft entgegengekommen einer
Seele im Tore.

Hebron ist dein Knie, deine Schulter Karmel,


So hast du gebetet, die Last getragen.
So hast du zu Abba gefleht im Ölhain,
Warest wie im Schlaf, und dann gingest du zu
Deinem Karfreitag!

Deine Lenden gürtetest du mit goldnem


Gürtel einst bei Dor an dem Mittelmeere.
Aber deine lange Nabelschnur ist die Schlange
Messingfarbnen Jordans, wo seine Taufe
Jesus empfangen!

O, die Maid Jerusalem ist dein Kreuz, ist


Wie das Mark des Menschensohns, wie die Seele
Des Messias, Christus der Liebe, Jesus!
Sieh, da ruht ein Steinchen von Zion in der
Göttlichen Liebe!

VOM NACHTIGALLENBERG

Zu dem Berge der Nachtigallen trage der Genius


Meine Seele, geschwind hinan zu Ephesos' Felsen.
Da ist das Haus der Mutter Jesu, der Kreuzweg zum Grabe,
Da Maria neun Jahre gelebt, gestorben, begraben!
Darum ist jetzt ein großes Fest auf dem heiligen Berge,
Allezeit singen die Mädchen: Gegrüßet seist du, Maria!
Tanzen der Reigen auf dem Berge der Mutter Maria,
Weitere wallen zu Zimbeln den schmalen Eselspfad aufwärts,
Streichen die Schwanenlyra bei dem Taufbecken leise,
Welches mit Wasser gefüllt in den Schoß der Erde gelassen.
Da ist die letzte Wohnstatt der seligen Mutter Maria,
Mutter Jesu! Da ist eine bescheidene Hütte,
Die ist von schattenspendenden hohen Platanen umgeben.
Innen ists frischer Dämmer. Durch der Vorhalle Pforte
Ist ein Weg in den dämmernden Raum, auf dem Eckstein gegründet.
Feingewirktes Linnen, Scharlach, blauer und roter
Purpur, dies verhüllt das Geheimnis, Teppiche schweigen.
Kerzen auf Leuchtern mit Kelchen wie Mandelblüten erhellen
Dieses Gebäude wie Dämmerung kommenden Tages!
O wie berührt die Seele am Berg zur Taufe die Quelle!
Wie die Schafe gekommen zu immerwährendem Leben,
Wandelten Seelen vorüber und sangen die Psalmen der Lilie:
Grüße der Auserwählten, erhabener Schwester und Herrin!
O du bescheidenes Haus, in dem Maria gestorben,
Wie bist du lieblich, wo der Hain Ortygia dämmert.
Da wird geschehn die leibliche Auferstehung Mariens,
Die dann die Himmelfahrt antritt an dem Tage des Himmels,
Wo das Sternbild der Jungfrau niedergefallen zur Erde.
Sei dies Segen den gläubigen Seelen, den lieblichen Schwestern.

Jetzt mit den Genius Hilfe in Makedoniens Kavala,


Sing ich die Hafenstätte Neapolis. Da sind die Fischer,
Die an dem Tage getaucht ins Meer die einfachen Netze,
Jetzt an der Mole die Fische bieten; da gibts auch des Landes
Früchte, die goldene Quitte und die rote Granate,
Violette Trauben und die grüngewellten Salate.
Dort am bevölkerten Hafen Neapolis' endete einst die
Via Egnatia, die Philippi durchquerende Straße.
Paulus und Silas und Timotheus kamen vorzeiten
Nach Philippi, der Stadt. Da lernten sie Lydia kennen,
Eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira,
Der in Lydien gelegenen Stadt der Weber und Färber,
Nahe der persischen Königsstraße von Susa nach Sardes.
Da ward Purpur bereitet und geschickt in die Ferne;
Mehr wert als Gold war das Rot der Purpurschnecke mit Honig;
Purpur zu tragen war aber vorbehalten dem Kaiser.
Wohl geschickt war Lydia, die nach Philippi gekommen,
Um in der römischen Militärkolonie zu eröffnen
Ihren Purpurhandel zur vollen Blüte. Im Hafen
Von Neapolis war sie gesiedelt, da war die Straße
Als Verbindung von der Ägäis zur Adria günstig,
Wodurch Byzanz und Roma enger zusammengerückt sind.
Da ging Lydia auch zum Theater am Ausgang des Ortes,
Sie besah den Faustina- und Antonia-Tempel,
Auch das heidnische Heiligtum Bendis', thrakischer Göttin,
Und besah sich einmal ein dionysisches Festspiel.
Aber die stadtbekannte Persönlichkeit Lydia hatte
Auch Geschäfte zu tun nach Persien und nach Ägypten,
Gallien und Britannien, bis zur erhabenen Roma,
Auch zu den Inseln und den anderen Mittelmeerländern.
Um sie waren Schiffsbauer, Schafzüchter, Färber,
Weberinnen und Pflückerinnen der weißlichen Wolle.
Aber als Paulus kam zur gottesfürchtigen Schönen,
Öffnete Gott ihr das Herz, so daß sie aufmerksam lauschte.
Als sie und alle aus ihrem Haus die Taufe empfangen,
Sagte Lydia: Wenn ihr gewiß seid, daß ich nun innig
Glaube an Jesus Christus, kommt in mein Haus, da zu wohnen.
Und sie drängte herzlich Timotheus, Silas und Paulus.
Gerne nahmen die jüdischen Wanderprediger ihre
Gastliche Freundschaft in Anspruch und blieben in Lydias Wohnung.
Manchesmal wandelten sie zusammen zum Flusse Gagitas,
Wo sie und andere Frauen heimlich beteten: Gott! Mensch!
Gib die Erkenntnis, die den Verstand übersteigt (wie Maria
Magdalena gesagt, die Vielgeliebte des Christus).
Manchesmal saßen sie einmütig in dem Innenhof ihres
Hauses. Da gingen aber verleumderische Gerüchte,
Daß sie zusammenkämen im Haus zu Orgienfeiern.
Da ging die Rede: Sie trinken Blut aus geweihten Gefäßen
Und verspeisen den Leib ihres Gottes, der selber es wollte
Hingeben ihnen, der Er sich selber opferte ihnen!
Da saßen Paulus, Silas und Lydia aber in Eintracht
Lang zusammen auf seidenen Kissen und sprachen vom Glauben,
Gingen umher im Garten am Haus, besprachen die Hoffnung,
Einmütig waren sie da zusammen in geistlicher Liebe.
Aber Paulus und Silas wurden des Tags auf der Straße
Überfallen, anschließend wegen Unruhestiftung
Hinter Schloß und Riegel gebracht. Da brachen die Mauern
Von dem gesandten Erdbeben, und der vulkanische Grundstein
Tat das Tor des Gefängnisses auf. Zu Lydia kamen
Paulus und Silas. Die Thyatirerin gab ihnen Briefe
Mit an die griechischen Freundinnen, mit nach Thessaloniki.
Später schrieb Paulus: Es ist nur recht, daß ich liebevoll denke,
Denn ich habe euch in mein Herz geschlossen. Gott weiß es,
Wie ich mich nach euch sehne mit der herzlichsten Liebe,
Wie auch Jesus, der Christus und Heilige Gottes, zu euch hat!
Alle Heiligen grüßen euch; die aus dem Hause des Kaisers.
Lydia grüßt, die kaiserliche Hoflieferantin,
Die mir so manches Mal von ihren Gaben gesandt hat.
Mir fehlt jetzt nichst mehr, seit ich vom Herz des Epaphroditus
Eure herzlichen Gaben empfangen der geistlichen Liebe!

Doch da gab es nicht nur die Purpurhändlerin, sondern


Auch Evodia und Syntyche, christliche Schwestern,
Die dort mit Stratonike und Klemens und andern Geschwistern
(Und mit der Magd mit dem Wahrsagegeist) die Gemeinde gebildet.
Paulus schrieb über Evodia und Syntyche: Die Namen
Stehen im Buch des Lebens! der er zugleich sie ermahnte:
Einmütig seid zusammen, und euer gemeinsames Beten
Soll nicht behindert werden. Es waren die Männer und Frauen
Eins in der Liebe Gottes, im Gebet an den Wassern
Goldnen Flusses Gagitas, an den Felsen Hilippis.
Da war der treue Gefährte Szyzygos, da war Syntyche,
Und Evodia ging mit der Purpurhändlerin manchmal.
Onias hatte mit Jason auch die Worte gewechselt,
Welche Demosthenes vor dreihundert Jahren geredet:
Dirnen dienen zur Lust und Konkubinen zur Pflege
Unsres Körpers, die Gattin als Gebärerin einer
Nachkommenschaft und treue Hüterin sittlichen Hauses.
Aber Syntyche sprach zu Evodia einst diese Worte:
Hörten wie jüngst nicht von den Geschehen in Thessaloniki,
Wo die Männer die Frauen sich untereinander gewechselt?
Meinten sie etwa, dazu hätte befreit sie der Christus?
Haben wir Freiheit doch, aber nicht zum Mantel der Bosheit!
Daraufhin redete sanft Evodia folgende Worte:
Haben Maria und Junia denn die Freudige Botschaft
Ganz vergeblich gepredigt? Wir sind doch Eines in Christus,
Ob wir nun Mann oder Frau sind, ist Eines, ob Grieche, ob Jude.

Jetzt will ich wieder nach Ephesos auf den Schwingen des Geistes
Eilen, wo an der Marmorstraße Priska gewandelt,
Die sich erfreute am Lied der Lerche am dämmernden Himmel.
Sie ging gemessenen Schrittes vorüber der Untren Agora,
An der Bibliothek vorüber, den Weg der Kureten.
Dann begab sie sich flugs zum Nachtigallberge, von wo sie
Weithin sah, die Stadt und das Land und das wogende Meer sah.
Sie gedachte der Heimat am Schwarzen Meere, in Pontus,
An die blühenden Tabakfelder, die Nüsse und Kirschen,
An die Weinberge, Ölbaumhaine, den flammenden Dornbusch,
An das Blöken der Schafe, an die friedlichen Pferde,
An das Elternhaus und an die mütterliche Gemeinde.
Da vernahm sie als Kind, was in den mosaischen Schriften
Aufgezeichnet, im Psalter, in Weisheitslehre, Propheten.
Später hatte sie sich verlobt mit dem Jüngling Aquila,
Der war benannt nach dem Adler, jenem König des Äthers;
Der auch als goldener Adler mit ausgebreiteten Flügeln,
Blitzbündel in den Krallen, den römischen Heeren voranflog.
Bald nach der Hochzeit hatten die beiden Pontus verlassen,
Um in Italien glücklich zu sein. Sie schlossen in Rom sich
Gläubigen Sinnes an der Synagogengemeinde.
Kaiser Claudius hatte im neunten Jahr der Regierung
Gegen die Juden ein Edikt erlassen, so daß sie
Wieder nach Griechenland übersiedelten, wo in dem Hafen
Von Korinth sie vorübergehend Unterkunft fanden.
Da kamen sie auch bald in die kleine Christengemeinde.
Chloe und ihre Leute, Fortunatas und Silas,
Stephanas, Achaikus, Timotheus, Paulus der Jünger,
Sowie andere Männer und Frauen zählten zum Leibe.
Phoebe kam, Diakonin im korinthischen Hafen,
Schließlich dazu und wurde Priskas Vertraute und Freundin.
Drei Tage blieb Pricilla in Ephesos mit dem Vertrauten,
Bis sie nach Rom aufbrachen. Am letzten griechischen Tage
Ging sie den schmalen Treppengang zwischen Hauszeilen wieder
Von dem Nachtigallberge hinunter. Zerbrochene Säulen,
Die herabgefallenen Marmorsimse, die Trümmer
Der zerstörten Prachtbauten rührten sie schwer an der Seele.
Sie ging die Kuretenstraße, blieb einen Augenblick vor dem
Weihestein des Hermes stehen, des Sohnes der Maja,
Ging dann weiter bis zu den Ruinen des Hadriantempels
Mit dem Amazonenfries, sie schalt die Diana,
Und sie sang so: Größer ist Gott als die Göttinnen alle!

Wolken umhüllten die Berge, weiße Schleier im Nebel


Hingen in grünliche Täler, und es troffen die Himmel.
Da war Laodikeia gelegen, die ruhmvolle Stätte,
Viel gerühmt für die Hahnenkämpfe. Da mußte ich weinen.
Da war am Haus der Weinstock zum dritten Stockwerk gewachsen,
Überwölbte die Balustrade in luftiger Höhe.
Aber im Jahre, da der Apostel Petrus gekreuzigt,
Wurde Laodikeia durch ein Beben vernichtet,
Später wieder erbaut in neuer herrlicher Schönheit.
Nahe Laodikeia lag die phrygische Siedlung
Der Kolosser, denen Paulus brieflich gepredigt:
Wir vernahmen von eurem Glauben an Jesus, den Christus,
Und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen heget.
Auch bei euch trägt das Wort des Evangeliums Früchte,
Seid ihr vernommen habt den Ruf der göttlichen Gnade.
In Kolossae und Laodikeia lebten zwei Mädchen:
Nympha die eine, wahrlich an Schönheit gleich einer Nymphe,
Appia hieß die andere, eine glühende Christin.
Alle Geschwister in Laodikeia empfingen die Grüße,
Nympha und die Gemeinde in ihrer geheiligten Hütte.
Appia war die Vertraute Philemons und die Mutter
Des Archipuus. Nympha war eines griechischen Mannes
Anvertraute, der nicht zur Christengemeinde gehörte.
Von Kolossae begab sich Appia jetzt mit dem Briefe
Richtung Laodikeia, Nympha das Schriftstück zu bringen.
Da war das Flüsschen Lykos geschwollen von Regen,
Aber sie ritt am Ufer entlang auf fliegendem Pferde,
Konnte es kaum erwarten, Nympha das Schriftstück zu geben.
Kaum hatte sie das Anwesen ihrer Freundin erreicht und
Einer hellenischen Magd den nassen Umhang gegeben,
Zog sie schon den Brief aus der Tasche und reichte ihn Nympha:
Wisset, ihr Lieben, ich hab einen schweren Kampf zu bestehen,
Der ich in Asien jüngst in solche Bedrängnis geraten,
Daß ich zu sterben mich sehnte! Ein Gewinn ist mir Sterben.
An Eunike und Lois in Lystra hab ich geschrieben:
Anständig mögen sich kleiden die Frauen; nicht goldene Flechten,
Perlen und kostbare Tücher seien ihr Schmuck, sondern die im
Innern verborgene Seele tue die Werke der Gnade.

Nahe dem Wasser Kopru, am Rand zimtfarbener Berge


Ist die lykaonische Stätte Lystra gelegen,
Da die Christinnen Lois und Eunike zuhause.
Nah war die Via Sebaste, die Königsstraße, an der sich
Derbe und Ikonion fanden. In Lystra nun lebten
Sowohl die lykaonischen Ureinwohner als Bauern,
Als auch die Griechen als besitzende obere Klasse.
Aber die Juden, wie sonst auch in der Diaspora, wahrten
Ihren Glauben und führten danach ihr gesetzliches Leben.
Kelten sind da, Germanen, Teutonen, die tragen viel Waffen,
Roms Beamte leben mit ihren Familien friedlich
In den Häusern, bedient von afrikanischen Sklaven
Und arabischen Sklavinnen orientalischer Schönheit.
Opfer brachten die Lykaonier viel ihrer Göttin,
Und die Griechen verehrten vor allem Zeus und Athene,
Und die Römer riefen zu Jupiter, riefen zu Venus,
Aber die Juden hielten ihrem Herrn, Gott Jahwe, die Treue!
Aber die Christen glaubten an Christus, an den Erlöser!
Paulus und Barnabas, jetzt angekommen in Lystra,
Wurden von Lois und ihrer Tochter Eunike empfangen.
Zwar war Eunikes Anvertrauter ein heidnischer Grieche,
Aber er wehrte nicht den Begeisterungen der Christin.
Lois war alt und wartete auf den Tag des Messias,
Und Eunike war fromm und glaubte dem lebenden Heiland,
Und so wurde ihr Sohn Timotheus gläubig erzogen,
Der sich in früher Jugend anschloß den Jüngern Jesu.

Phoebe ging so melodisch wie die Tochter der Hymne


Zum korinthischen Hafen Kenchrea, der Grenze der Fluten.
Sie gedachte in schwesterlicher Liebe zum Nächsten
Allen den süßen Glaubensgenossinnen herzlicher Neigung:
Chloe, der schlummernden Hirtin an dem Hange der Seele;
Junia, bräutlichen Herzens und mit goldnen Sandalen;
Priska, die von der Weisheit geküsste Erbin der Alten;
Damaris, eine Dienerin brandender Wasser der Liebe;
Klaudia, in dem Lobpreistanze von phrygischer Anmut;
Und Tryphäna, mit ihrer würdig-herrlichen Demut;
Und Tryphosa mit ihrem tränenglänzenden Antlitz;
Persis, der Morgensonne gleich über bebenden Bergen;
Und Olympas, mit luftigem Schleier und goldenem Gürtel;
Julia, maiensüße Tochter des himmlischen Königs;
Und die Mutter des Rufus, die war eine Mutter dem Paulus;
Rhode, die Petrus das Tor auftat, die Magd der Maria;
Und Tabita, die auch Gazelle geheißen, aus Joppe;
Und die Frau des Simon Petrus (ich kenn nicht den Namen);
Und dessen Schwiegermutter, einst vom Heiland geheilte;
Lydia aus Philippi, doch in tyrischem Purpur;
Und Evodia, schön wie vor dem Sündenfall Eva;
Und Syntyche, vom Los erkoren zur Botin der Freude;
Nympha, die in Kolossae einst empfangen die Taufe;
Appia, die in Laodikeia den Weg ging der Liebe;
Lois, zitternde Sängerin der verheißenden Psalmen;
Und Eunike, Miutter Timotheus, sie war aus Lystra;
Thekla, deren Blöße von einer Flamme verborgen;
Schließlich Maria, die so sehr liebliche Mutter Messias'.
Sie gehörten zur Gemeinde der Heiligen Jesu!

JUGENDLIEBE

DIE MUSE

O, im lichten Gewand, wallender Locken, so


Standest lächelnd du da, lasest aus einem Buch
Mir harmonische, schöne
Lobgesänge im grünen Hain.

Dir bewahren will ich Gutes in meiner Schrift,


Treu bewahren; vom Wahn schrecklich entstellt; jedoch
Scheint dein himmlisches Leuchten
Durch die Dämmerung auf mein Lied.

Ja, ich dichtete, wie Rosen erblühn im Schnee...


Aber fortwarfs der Wahn, warf es ein Taumelnder
Mit dem Abfall der Lügen
In verzehrenden Feuers Pfuhl.

LIEBE IM WEISSEN KLEID


In dem Winter lagst du, schneeweiß verhüllt, am Grund
Meines Traumes, doch du schliefst nicht, du lächeltest.
Nun, nun seh ich dich wieder
Schweben, Muse, wie einst im Mai.

Liebe Träumerin, du Blüte im Mai, du Licht!


Dir allein trag ich die silbernen Zweige zu,
Wandle singend auf deinen
Spuren, Liebe im weißen Kleid.

ROSENAUSSTREUENDE

Die du so mich entflammt, Rosenausstreuende!


Hast, wie Schnee, deine Hand mir auf das Haupt gesenkt,
Bist erschienen im Dunkeln
Freudeleuchtender Augen mir.

Deine schneeweiße Hand führte in höhern Raum


Meine Seele. Verzeih, ich war besinnungslos:
Deine Schrift muß ich retten
Aus des läuternden Feuers Glut.

Menschen fassen es nicht, was du mir bist, du Maid,


Ich ja selber auch kaum; aber in tiefster Not
Sind die Zweifel verweht wie
Staub im Sturm. Und was blieb, bist du.

PHÖNIX

Weißes Einhorn im Hain, Liebe, bewahre du


Meine Seele, daß ich nicht wie der Hase end
Auf dem Wege verblutend,
Überrollt von des Schicksals Rad.

Aber, Liebe, du lebst! Sonne der Liebe scheint!


Auf dem Hügel im Wald seh ich den Schleier wehn.
Reich die Traumhand, daß wir den
Morgen sichten, du Meeresstern!

Fand das Manuscript nicht den Bestimmungsort?


Ward Papyrus entflammt, steigt aus der Asche auf
Neu der Phönix der Liebe
Und Gesang grüßt der Liebe Licht!

ANRUFUNG

Deine Tochter, o Gott, tanzend beim Sternenfest,


Führ sie liebendem Sohn, deinem geliebten Sohn
Zu, der trunken von Wassern,
Singt der Liebe den Rosenkranz!

LÜTETSBURGER PARK

Sieh, ein steinerner Kelch in dem verträumten Park!


Ach, mein Weißes, von Zeit trübe verdunkelt, ward
Rings umschlungen vom Moose.
Ward mein Süßes mir Bitterkeit?

Doch entrückt aus der Zeit hier im verträumten Park,


Hier von Marmor den Kelch liebenden Augs zu sehn,
Wie blüht mir da im Herzen
Eine purpurne Rose auf!

Welch ein Name ist dein! Köstlicher ist der Trank,


Der da schlummert im Kelch, als wilder Bienen Seim:
Tau, vom Auge der Liebsten,
Wie die Mohnmilch des Traumes rein.

AM SCHWANENTEICH VON NORDEN

Wir sind ja kaum noch Lebende, Schatten bloß,


Das Kleid gewirkt von Tränen, das offne Herz
Hält sich nicht in sich. Alle diese
Pfade sind Pfade des Schattenreiches.

Ihr schwarzen Schwäne, weilt in Venedig ihr?


Aufs Neue gründelt ihr in der schimmernden,
Des Wasserspiegels andrer Seite:
Ewig dort sein mit der Liebe Herz!

Doch feindlich ist die Zeit. O, erhebt das Haupt,


Im Aug bewahrt der Lilie Lächelblick,
Um Sonne betet mit der Primel,
Fernher wird singen die blaue Blume.

IM VORFRÜHLING

Alles erblühte, drüber schwebten bunteste Falter,


Eine Blüte aus Licht sagte die Freude mir an.
Eine Gestalt, im Traume schwebend, im innersten Raume,
War im reinen Getränk und in dem frommen Gesang
Und in dem duftenden Strauß, den mir ein Freund überreichte.
Da verhieß mir der Lenz kommender Liebe Tag!

IN NORDDEICH

Feines, Lichtwolken Stäubendes, wirbelndes Weißes,


Bäume am See verschönend zu heiligen Kirchen.
Gang am schweigenden Deiche, tosendes Rauschen
Tiefen dunklen Meeres. Des Liebenden Schauen.
Vögel, spürend das bebende Wehen des Herzens.
Schnee, zum Himmel aufgestiegenes Meer, du!

IN BORDEAUX

Überm lilanen Strauch schwebte ein Licht hinan...


Aber mir ist es schwer, aufwärts zu steigen. Da
Ist ein Duften von Blüten,
Die, von Tränen benetzt, erblühn.

Hauchst du, Leuchtende, mir in den verweinten Sinn?


Dir allein schreib ichs auf. Siehe der Tod ist so
Traurig. Und wo ist Tröstung?
Kommt ein heiliger Geist herbei?

TRAUM

Von der Erde löste ich mich, ward leichter und leichter,
Schwebte hinauf durch die Nacht zum schimmerndsten Sterne,
Der da freudig erglänzte von einer anderen Sonne.
Mich dem Sterne nähernd, da werd ich jünger und jünger,
Und ich lande auf einem Felde weichesten Flaumes.
Um mich sind grüne Haine. Das Licht vom seligen Lichte
Fühl ich in mich strömen. Ich höre ein leisleises Singen.
Siehe, da kommt ein himmlisches Mädchen, bunt ist ihr Mantel,
Und sie fragt mich: Folgst du mir nach in die Bereiche der Freude?
Und ich erheb mich und schwebe mit ihr in fernere Landschaft,
Transparente Wohnungen dort, wie aus Honigduft, Früchten,
Avocado und Jujube. Das himmlische Mädchen
Spricht: Du mußt noch begreifen lernen Unendlichkeit in dir.

HÖHE

O dein Lächeln, so voller Ernst, deine fächelnden Hände,


Breiten die Himmel mir, der ich aufschau, aufschau und seh dich.
Reich mir die Hände, hinaufzurollen den Stein. Auf der Höhe
Deines Schimmers erreichen mich Schwingen einsamer Vögel.
Dort ins Wolkenbett liegt gebettet der Tod, der mein Bruder,
Schaut uns freundlich an, o Geliebte, die wir wie Kinder.
Küss den weißen Stein zu neu erwachendem Leben,
Daß wir gemeinsam fliegen mit weißen, goldenen Flügeln!

AN DIE ABGESANDTE VOM STERN DER PHANTASIE

Über träumenden Kreisen ein lichtes Gewand und ein Schleier.


Welche sind Widerhall deinem alldurchatmenden Wesen.
Andere flattern nur blind umher, von Ehrgeiz beflügelt.
Von Planet zu Planet schreit ich, folgend der heiligen Liebe.
Gebe mein Ich nicht bei jedem Wächter ab, aber schon hat es
Alldurchatmende himmlische Liebe mit sich genommen.

Wundergefährtin, wo ist das Land deiner Jugend, wo Heimat?


Welchen der Sterne liebst du, welcher Himmel ist Heimat?
Sind dort grüne Alleen und Gärten, die du durchwandelst,
Edelsteinpaläste wie unbeschreibliche Tempel,
Und am Saum des kristallenen Meeres im weißen Gewande
Singest du, die du zur Lyra die ewige Liebe bejubelst?

MIRJAM-LEBEN

Da der schwarze Tod in mein Leben eintrat


Mit der lieben heiligen Schwester Sterben
Und ein weher Schmerz meine Seele fasste
Eisiger Hände,

Kam mir, wie ein Bote des Liebeshimmels,


Wunderliebe Nachricht von einem Herzen,
Das in meinem Herz mit Gedenken wohnte
Altfrommer Zeiten,

Da der süße Morgenstern mir in meinem


Herzen aufging lieblich wie Rosenblüten.
Jene Zeiten atmeten goldne Ruh des
Liebenden Vaters.

Nun aus ihrer Einsamkeit rief mich eine


Stille Turteltaube der Himmelsliebe.
Und der Schwester englischer Gruß ward meiner
Seele zum Troste.

Ja, sie sprach von Liebe, von Schwesterliebe


Zu dem armen Bruder Poet, der traurig
Liebe nur in fernfernen Himmel dachte.
Aber die Schwester

Gab Gefühl von Liebe, die auf der Erde


Zwischen zweien einsamen Herzen möglich
In dem Geist verbindender wahrer Liebe
Himmlischen Vaters.

2
Vater, wolkiger Traum, lieblicher Alter an
Tagen, Nächten des Sterns, Nächten des Mondenscheins,
Süße Seele der Welten,
Hör des Schweigenden Beten an!

Vater, Opfer der Welt, blutendes Lammesherz,


Selbst das Schlachtopfer uns, die wir dir opfern Lob,
Dank und Ehre und Rühmung!
(Sieh die Kerze auf dem Altar.)

Vater, liebendes Herz! Wie wirst du abgelehnt


Von den Herren der Welt, vornehmen Damen und
Toten Priestern der Tempel.
Dennoch sei dir gesungen Lob!

Vater, Hirte der Welt, heiliges Vaterherz!


Mit dem ängstlichen Schaf gehst du zum Lebensquell,
Gibst Erquickung der Seele
Und des Leibes Erneuerung,

Vater, führest das Schaf Wiesen des Lebens zu,


Wo der schwankende Halm ruht in dem linden Wind
Und wo unter dem Himmel
Weit verbreitet des Lebens Grün.

Vater, heilige Schutz-Engel sind deine Macht,


Die wie Weisheit und Licht Liebe ergießen in
Deiner Kinder verzagte
Herzen, welche den Engeln traun.

Vater, siehe dein Kind, das ich besingen will,


Sankta Miriam sieh, siehe Sankt’ Agnes an,
Meine Schwester der Seele,
Hauch du ihr Liebe ins heilge Herz!

Mutter, sprich du das Wort heiliger Liebe aus,


Gib die Antwort dem Reich unseres Königs du,
Seines Reiches Vollendung
Bist in Liebe, o Mutter, du!

Rose will ich dich stets nennen in meinem Lied,


Wie dein Töchterlein auch blutrote Rose ist.
Sieh den Dornenkranz, Rose,
Wie er Rosenkranz wurde dir.

Mütterlicher und süß-balsamduftender Trost


Meiner Seele, o Trost weiblichen Traumes mir
Von der Schönheit des Himmels,
Mir mit deinem rotroten Mund.
Bete, Mutter, zum Herz, heiligen Himmelreichs,
Klag und flehe und ruf Gnade du in mein Herz
Und der heiligen Tochter
Banges, zärtliches, heilges Herz!

Deine Schönheit, o Frau, Schönheit der Frauen sei.


Reinheit, Heiligkeit, Gott-Seligkeit, Sanftmut und
Zarte Zierde der Seele,
Wie du inwendig Gott gefällst!

Sie die Taube im Nest, wie sie sanftmütig ruht


In des Lebensbaums Grün unter dem reinen Licht
Blauer Himmel der Tage,
Sorg fürs Küken, denn nun ist Nacht!

Sieh die Sperlingin süß, wie sie in Liebe spielt


Unter Linden im Gras, süß wie ein Minnesang,
Wie das Küken sie küsset,
Liebend, wie eine Mutter liebt!

Aus dem Willen des Herrn, welcher ein Vater ist,


Ward geboren das Kind, das ich besingen will:
Mirjam, Mirjam, o Mirjam,
Schöne Tochter des Himmels du!

Im Materieschoß, tief in der Erde Schoß


(Wie die Heilige Schrift spricht in poetschem Ton)
Ward bereitet ihr Körper
Und mit Geist angehaucht von Gott!

Und sie schaute, erst blind, balde das Licht der Welt,
Welches lieblich und süß Schimmer gab dem Gesicht.
Mirjam, Mirjam, o Mirjam,
Deine Augen so himmelschön!

Aber traurig sie weint, daß sie den Schoß verließ,


Der sie mütterlich barg, ferne dem Leid der Welt;
Kälte, Einsamkeit, Dunkel
Nun statt Ruhe im Heimatschoß.

Süße Milchmutter du mit der entblößten Brust,


Gabst der Tröstungen Milch für ihrer Seele Durst
Und den Hunger nach Liebe.
Lob der Milchmutter reichen Brust!

Und im Reinigungsbad Segen ward ihr zuteil,


Ihrem heiligen Haupt mit dem goldblonden Flaum.
(Später wollt sie erstatten
Dieses Segens verliehnes Pfand.)

Doch am wichtigsten war an der Geburt des Kinds,


Daß im Mutterschoß schon, ja vor der Schöpfung Tag -
Mirjam, Mirjam, o Mirjam -
Wahrlich, du wardst erwählt von Gott!

In dem Tempel des Herrn sie schon mit drei vernahm,


Als drei jahre sie alt, Miriams Lebensgang,
Wie das Mädchen am Nilstrom
Zwischen blühendem Lotos stand,

Und wie Miriam sah goldenes Schilf am Strom,


Am unheiligen Nil, Vater Ägyptenlands,
Und den Behemot schlummern
Zwischen blühendem Lotos da;

Die Prinzessin vom Land Mizraim sah sie da


Stehn am goldenen Schilf, baden im gelben Nil,
Da sie auffand im Schilfkorb
Mose, Retter von Israel.

Und sie hörte mit drei Jahren im Haus des Herrn


Von der Miriam auch, die ihrem Jesuskind
Mutter war und in Liebe
Fromm anbetende Loberin.

Sie sah Miriam auch unter dem Kreuze stehn


Mit dem blutenden Herz, heiliger Tränen Salz.
Fühlte irgendwer Schmerzen
Wie der heiligen Mutter Schmerz?

Sie sah Miriam auch, die war aus Magdala,


Die zum heiligen Grab ging mit der Salbung Öl,
Wie im Hain sie sich freut, den
Auferstandenen Herrn zu sehn!

Mit drei Jahren beschloß, heilig-ernst, jenes Kind,


Diesen heiligen Fraun liebend zu folgen auf
Ihrem Weg mit der Wahrheit,
Dem lebendigen Gottessohn!

Mirjam, Mädchen mit gold-glänzendem Weizenhaar,


Ging im schweigenden Wald, bis zu dem Lindenbaum,
Wo im Herzen sie ruhte,
Ewig-heiliger Liebe Herz.
Und da brachten ihr stolz Männer vom edlen Park
Rote Rosen der wahr-haftigen Liebe mit
Purpurn blutenden Herzen
Und mit sündigem Dornenkranz,

Andre brachten der Maid Lilien, keusch und weiß,


Wie die heiligen Jung-fraun des Legendenbuchs,
Die so herrlich erhaben,
Edel waren und schlank und stolz.

Einer brachte ihr da nicht von dem Wiesenmohn,


Wiesenkerbel mit weiß-schäumendem Blütenkranz,
Glockenblumen und Veilchen,-
Einen Grashalm gab er der Maid.

Einen Grashalm gab er ihr in die zarte Hand


(Und besah ihren Arm, der war so schön, so wie
Einstmals Romeo Julias
Schönen Arm einer Schwanin glich).

Mirjam war ihm ein Gras-Halm in der Wüste Staub,


Ein Versprechen des Hains ewigen Lebens und
Wunder holdester Demut,
Die dem Wind sich bescheiden neigt.

Da er also sie fand, flog eine Taube Flug,


Flog den rauschenden Flug, wonnigen Gurrens Laut,
Eine turtelnde Taube,
Die ein Grüßen der Minne war.

Lob dem König, dem Herrn seines gerechten Reichs


Wahrer Liebe und Lust ewig am lieben Gott,
Den die Engel lobpreisen,
Als die göttliche Majestät!

Lob dem Bräutigam, der lieblich und zart und lind


Und mit zärtlichem Laut Schönheiten offenbart
An der Seele des Mädchens,
Die ihn ewiglich lieben wird!

Lob dem heiligen Geist wahrhafter Liebe, o


Sanftes Wehen im Wind grünenden Grashalms, der
In dem Lustgarten blühet
Ewig heiliger Liebeslust!

Damit grüßte sie süß-lieblich das Bruderherz,


Der ein trauriger Freund der melancholischen
Schwester war, die ihn zärtlich,
Zärtlich liebte mit Schwesterlieb.

Mirjam dichtete zart traurige Oden, die


Ängstlich sagten ihr Herz, ihr melancholisches,
Das so zitternd vor Sehnsucht
Nach der himmlischen Liebe Glück!

Er auch dichtete zart traurige Oden, die


Ängstlich sagten sein Herz, sein melancholisches,
Das so zitternd vor Sehnsucht
Nach der himmlischen Liebe Glück!

Und des Bruders Gemüt pries ihre Schönheit ihr:


Wizengolden dein Haar, leuchtender Tag dein Aug,
Süß dein Mund wie die Minne,
Süß sangst du das Marienlied.

Den holdseligen Gruß, heilige Mirjam, dir!


Denn beim Heiligen ward Gnade gefunden, in
Gottes heiligem Herzen,
Jesu Herzen, für dich, mein Herz!

O Begnadete du, du von dem Herrn geliebt,


Liebe Dienerin du heiligen Königs, der
Dir sein Süßherz will schenken
Und des ewigen Lebens Lust!

Siehe, dir im Gemüt, dir in dem Geiste ward


Und am weiblichen Leib Liebe des Herrn zuteil,
Der mit süßester Zartheit
Küsst im heiligen Geiste dich!

Überwallende Flut heiliger Liebe ward


Und sie segnende Huld göttlicher Heiligkeit
Dir im Tode des Liebsten
An dem heiligen Kreuz geschenkt!

In dir wurde gezeugt Heiliges, als dein Herz


Ward vom Heiligen Geist wiedergeboren, da
Du das Wasser des Wortes
Nahmest dürstender Seele an.

Darum nennen wir dich heilige Dienerin,


Gottes heilige Magd, Braut eines Bräutigams,
Der die himmlische Liebe
(Wie auch mir) dir geschenkt im Tod.

Siehe, aber er lebt! Vater und Sohn und Geist


Sind bemüht um dein Herz! Ich bin der Bote nur,
Der den heiligen Gruß dir
Mit der Liebe des Himmels bringt.

Mirjam, wie du den Geist heilig empfangen hast,


Sagen kann ich es nicht, ist ein Geheimnis mir.
Doch vom Vater und Sohne
Kam die Liebe dir in dein Herz.

Siehe, Wahrheit ist er, Führer zur Wahrheit dir,


Der balsamischen Hauch dir, in der bösen Welt,
Sendet, wo dich der Zeit Geist
(Wie auch mich) mit der Bosheit quält.

Und wo Fröste und Eis, klägliche Dunkelheit,


Karge Einsamkeit dich, Zittern und Bangen quält,
Kommt er heiliger Stärke,
Gibt dir Mut und die stille Kraft.

Wo zum Schweigen vor Gott scheint alle Welt verdammt,


Ist er Wort und Gebet, süßestes Seufzen dir.
Und im Liebesgesange
Sagt er dir deine Seele aus.

Lob dem Heiligen Geist, der wie ein Schatte kam,


Wie ein Schatten aus Licht. Mitten in Todesnacht
Kommt der Engel des Herrn, die
Balsamstaude des Trostes dir.

Er gestaltet in dir täglich das Jesuskind,


Das im Herzen dir reift, dir in der Einsamkeit,
Kälte, Winternacht, Elend,
Leben (ach) in der fremden Welt.

Schöne Augen aus Licht, Leuchtglanz und Leben hat


Und vollkommene Lieb, lieblich, der gute Geist,
Innewohnender Geist, im
Herzen dir, und in Jesu Herz.

10

Ich erwarte mit dir heiliger Nächte Stern,


Da der schimmernde Glanz kommt mit dem sanften Kuß
Eines wunderlieb märchen=
Haften Traumes der Freiheit uns.

Ich erwarte mit dir Träume von Liebesüß


Und der Mutter des Monds mit dem besternten Kind.
Zauberblumen erblühen
Beim mondsteinernen Brückenfluß.

Ich erwarte mit dir Liebe, die Liebe ist,


Wunderlieblichen Traum, köstlicher Bäume Frucht
Voll von goldenen Sternen,
Duftend jenseits von Zeit und Welt.

Ich erwarte mit dir Reigentanz schöner Fraun,


Ganz gewoben aus Tau, keusch wie die Schwester Mond,
Wenn hebräische Harfen
Tönen träumereich in die Nacht.

Ich erwarte mit dir Lachen in Seligkeit,


Wo der Apfel des Glücks spielt in der weißen Hand
Und die Flüsse so rauschen
Wie Geheimnis der Ewigkeit.

Ich erwarte mit dir freudiger Tränen schnee=


Weißes Meersalz und Gischt, Jubel der goldenen
Lippen, Lilienrosen,
Und ein blühendes Angesicht.

Ich erwarte mit dir Apotheose des


Schmerzes, dessen blutrot-perlender Rosenkranz
Ist gewunden um eine
Menschenstirn wie ein Dornenkranz.

11

Wie verloren sind wir mitten in dunkler Nacht,


Welche Einsamkeit schwebt mitten in lauter Welt
Uns um unsere Herzen,
Keine Herberge in der Zeit.

Welche Wehen der Zeit, da schon das Neue will


Aus der Seligkeit Glanz Ahnungen schenken und -
Mitten, mitten im Schmerze -
Seine Süße bereiten dir.

Ruht die Seele im Schoß Gottes des Vaters doch,


Wie das heilige Kind auf der Madonna Schoß
Saß und seliglich lachte,
Lachte, freute sich, weinte leis.

Und der Schutzengel dein rauscht mit den Schwingen sanft,


Sanft dir; schrecklich der Nacht. Träumender Harfeton
Haucht vom rosigen Munde
Deines Engels ein Kyrie.

In den Nächten jedoch bangen so viele sehr


Vor dem schrecklichen Tod, vor dem Vergehn der Zeit
Und dem Ende. Du aber
Hörst die Botschaft des Engels wohl:

Lobe, lobe den Herrn, lobe mit Lobegold


Deines goldnen Gemüts! Siehe, wir knien und flehn
Zu der Kindlichkeit Christi,
Seiner heiligen Sohnschaft Thron:

Du warst Kind und bedroht, tief in der Angst der Zeit,


Der Verlorenheit kamst, darbend, du Lieblicher.
Darum fühlst du mit Mirjam,
Die dein Lächeln ersehnt, o Gott!

12

Ich kann sterben, o Gott, weil ich den Heiland kenn!


Nun kann kommen der Tod und mit der Sense mähn,
Denn mein Weizen des Lebens
Wird vom Heiligen eingebracht.

Ich kann sterben, o Gott, weil ich den Heiland kenn!


Nun kann kommen die Nacht und mich bedecken dann
Mit dem tiefschwarzen Mantel
Ihrer Königin Ewigkeit.

Ich kann sterben, o Gott, weil ich den Heiland kenn!


Nun kann kommen der Schmerz mit seinem goldnen Schwert,
Das sich bohrt in die Seele.
Mich schreckt nie mehr die letzte Pein.

Ich kann sterben, o Gott, weil ich den Heiland kenn!


Nun kann kommen der Angst schrecklicher Stundenschlag
Mit dem todkalten Herzschlag;
In mir duftet die Ewigkeit.

Ich kann sterben, o Gott, weil ich den Heiland kenn!


Nun kann kommen das Weh ewigen Abschieds von
Der vergänglichen Erde,
Jene Stund wird mir Hochgenuß.

Ich kann sterben, o Gott, weil ich den Heiland kenn!


Es wird kommen der Graus schrecklichen Ungewiß
Allen Zweiflern an Gott und
Armen Schuldigen. Ich werd sein.

Ich will sterben, o Gott, seit ich den Heiland kenn


Und will leben mit dir balde im Paradies
Unaussagbarer Liebe
Voller Wonnen der Ewigkeit!
13

O, das Morgenland! Träumendes Tibet lieb


Mit Himalayas Schnee weiß wie ein Adler, der
Kreist in blauenden Himmeln,
Offen schaut in der Sonne Aug,

Die verbotene Stadt, von den Unsterblichen


Eremitisch bewacht, welche von Tau und Duft
Leben zwischen den Bergen,
Zwischen einsamer Herzen Fels,

Der so unbeirrt ragt hoch auf dem Ararat,


Wo die Arche noch schläft, bis von dem Euphrat her
Babylonische Sintflut
Flut wie Flammen der Sonne strömt,

Wie das Strömen von Gold östlichen Morgensterns


Wüsten Persiens süß, süß wie die Milch des Mohns,
Und wie Rotwein erquicket,
Der wie Blut des Propheten rauscht,

Welcher tanzend und nackt seinen verlorenen


Gürtel wieder vom Strom Edens zurückholt durchs
Wildbachtal mit dem Jabbok,
Wo der Engel des Herrn zur Früh

Einst mit Israel rang. O und der Jordan fließt,


Von dem Wüstenland trennt Land der Lebendigen
Aus drei Quellen gespeist der
Tau der Taufe des Glaubenden.

Schließlich Bethlehems Nacht mit dem Kometenschweif


Und der Könige drei, welche die Wanderschaft
Zu dem heiligen Ende
Führten, bis zum Mariensohn.

14

Mirjam, Kinder sind süß, ja, und sie wolln im Schoß


Pochen leis an den Bauch, rufen der Mutter zu:
Siehe, ich bin lebendig!
(Wehe dem Töten der Embryos!)

Mirja, birg dich im Feld wogenden Weizengolds


(Gold wie Weizen dein Haar blüht auf dem weißen Arm).
Nimm den Sohn mit dir, ruhe,
Träume, berge dich, herze sanft.

Dann wird Feigenfrucht reif, reif wie der Sonne Süd,


Voll und fruchtbar sich dir neigen auf einen Wink
Lieben Sohnes, er ist ja
Saft der Feige und Feigenfleisch.

Alle Götter der Welt, Schönheit und Macht und Geld,


Stürzen, wenn du mit fest glaubendem Herzen nahst,
An dem Herzen den Sohn mit
Vollmacht Heiligen Geistes wahrst.

Geld und Macht und Genuß raubt sich die Welt, doch du
Wende Räubern das Herz, wend mit des lieben Sohns
Schönheit, Reichtum und Liebe
Missionarisch die Herzen um.

Sieh ein spielendes Kind, wie es von Engeln des


Herrn im Himmelreich wird lieblich begleitet in
Allem Spielen und Wachsen
In der Weisheit vom lieben Gott.

Bist du mütterlich nicht und so gesinnt wie die


Mutter unseres Herrn? Siehe, sie wob am Rock
Christi, den er am Kreuze
Trug und sah zu der Leidenden.

15

In Ägypten der Welt elende Sklaverei


Unterjochte das Herz, bitterer Sünde Lust
Grausam peinigte meine
Seele schwer mit dem Wahn der Welt.

Und ich sehnte mich sehr, sehr nach der Freiheit Land,
Wo des jubelnden Weins prächtige Traube reift
Und die Milch und der Honig
Wahrer Liebe in Fülle strömt.

Also zog ich, wie du, Mirjam, mit unserem


Heiland hoffnungsvoll aus, ging durch das Wüstenland,
Wo die Stacheln und Dornen
Blutig ritzten die Seele mir,

Wo mich täuschte, ein Wahn, Fata Morganas Bild,


Wo der irrende Traum narrte mit Hoffnungstrug.
Meine Seele ward öde,
Und der Heiland schien ferne mir.

Dann zerquälte das Herz Einsamkeit. Todesnacht


Schien der herrlichste Tag, welkende Kümmernis
Nagte zäh an der Seele,
Der die Hoffnung verloren schien.

Nur das Rauschen des Quells, heiligen Geistes Trost,


Und der Palmbäume Hain, liebenden Gottes Wort,
Trugen treu mir die Seele
Weiter über die Zeit hinweg.

Schließlich naht wohl das Land, göttlich verheißenes,


Wo das Leben beginnt, freudige Seligkeit,
Ewges Leben mit Jesus
In des Heiligen Heimatstadt.

16

Ach wo ist denn der schön-lächelnde Menschensohn?


Wohin ist die so sanft tröstende Wesenart
Mit dem Lieben entschwunden?
Mirjam, siehe, ich find ihn nicht!

Großer Ängstlichkeit Nacht fällt in das Herz mir ein,


Da verschwunden der Sohn Gottes aus meiner Sicht.
Und ich suche und flehe,
Aber hohl kommt der Hall zurück.

Meine Schwester (wie einst Abraham Sarah hieß)


Sieh, mein Herz ist verzagt. Ist es das deine auch,
Weil im Fragen und Suchen
Leer die Stimme dir wiederkommt?

Kennst du auch diesen Schwall täglicher Kümmernis,


Da der lächelnde Trost göttlicher Liebe dir
In der Ferne verschwunden
Ist und nimmer gefunden wird?

Groß im Herzen die Angst, daß all das Leid umsonst


Und Geborgenheit fern und all die Lieblichkeit
Jenes herrlichen Sohnes
Unsre Seele nicht mehr berührt!

Hat der ewige Gott ihn doch aus unsrer Sicht


Uns genommen! Und wir bitten und flehen nun,
Einmal wieder zu schauen,
Der die Freude den Herzen war.

Mirjam, siehe, du wirst finden den Gottessohn


In dem ewigen Haus Gottes des Vaters, wo
Er die Weisheit ergießet
Wie der ewigen Liebe Strom!

17

Mirjam, siehe, ich geh, geh in die Dunkelheit.


Halt die Seele dir treu, treu zu des Vaters Herz
Und gedenke auch meiner
In Gebeten von Tag und Nacht.

Helfen kannst du mir nicht, auch mir kein Trost mehr sein,
Da die Seele dir selbst wehklagt dein eignes Leid,
Und vollendet dein Herz mir
Gibt die Kraft nicht zum Überstehn.

Mirjam, außen ist hell, innen verworfen die


Schöne Welt und das Volk, dem ich gesungen die
Liebe Gottes des Vaters;
Sie verachten die Heiligkeit.

Galle wird mir gereicht, bittere Galle mir


Tiefer Einsamkeit, wo ich doch der Freude Wein
Und der Liebe Berauschen
Mit der dürstenden Seele sucht.

Weh! verlassen von Gott und seinem süßen Trost


Und der göttlichen Kraft und der Glückseligkeit,
Winden schwärzliche Wolken
Mir sich schattend um mein Gemüt.

Und vor elendem Schmerz und vor Verlorenheit


Und Gefallenheit all, all dieser leiblichen
Wünsche, Sehnsucht, Verlangen,
Muß mir bluten das wehe Herz.

Schließlich will ich den Tod, Mirjam, die Todesnacht


In der Schatten Gewalt, aber von Gott erhellt
Kommt, o Mirjam, die süße
Freude ewigen Lebens bald!

18

Eine weinende Frau bin ich, o König mein,


Und ich bet, daß dein Reich komme mit süßem Trost
In die bangende Seele
Der umnachteten Dienerin.

Oh, die Träne, sie tropft, mir auf der Wange Weiß
Tropft sie blutig und heiß, bis auf die Lippe mir,
Die die Wehklagen schluchzet
Um das bittere Kreuz - mein Herr!

Sieh, verloren bin ich, elend Gefangene


In des Todes Gewalt und seiner tiefen Nacht!
All mein Sehnen, o König,
Ist es, mit dir den Tod zu sehn!

Wenn in schrecklicher Nacht, fern von der Lebenden


Eitlen Freude und Glück, blutig dein Königsherz,
Will ich auch mich begraben
In der ewigen Nacht mit dir!

Ruh am traurigen Herz, König, o süßer Sohn


Gottes, einmal nur laß die mir gestorbenen
Lieben Lippen mich küssen,
Küssen all meine Trauer fort!

Du, gehangen am Kreuz, bist meiner Seele Tod!


Ich hing mit dir am Kreuz, ja, und ich starb mit dir!
Und mit deinem Erstehen
Wird mein Leben erstehen auch.

Mirjam heiß ich, die Süß-Bittere, ich bin die,


Die du innig geliebt! ja mit dem Tod am Kreuz
Hast du innig geliebt die
Süße, bittere Mirjam, mich.

19

Besser ist ja der Tag, da dir das Ende kommt,


Als der Tag der Geburt (salomo sagte so).
Denn das Jammertal oder
Tal der Tränen ist Elends voll.

Manche Kümmernis brach mitten ins Herz hinein,


Großer Einsamkeit Nacht schattete das Gemüt,
Seufzer flossen und Tränen
Strömten über das Antlitz hin.

Der Dämonen Gewalt lockte zur Sünde und


Innewohnender Schuld narrte uns Welt und Fleisch.
Oftmals suchten wir Hilfe
Bei dem rettenden Blut des Herrn.

Stets zu tragen das Kreuz - elendste Schmachgestalt -


Ward uns manchmal zu schwer. Seufzen und Klagen drang
Vor den Thron des Geliebten.
Half er uns immer mit seiner Kraft?

Treu bewahrte das Herz in den Versuchungen


Der allmächtige Gott, Glauben bewahrte er
Und lebendige Hoffnung
Auf den ewigen Trost dereinst.

Mirjam, siehe, wenn dir kommt deines Todes Tag,


Sinken dir in das Herz göttliche, heilige
Apostolische Worte
Von dem kommenden Auferstehn.
Die petrinische Kraft und die paulinische
Weisheit sind dann mit dir, und es wird mit dir sein
Johanneische Liebe
Jesu, der deinen Tod dir starb!

20

Hallelujah dem Tag, da aus der Gräber Meer


Alle Frommen erstehn und die Lebendigen
Gott entrückt in die Wolken
Zur Versammlung der Heiligen!

Hallelujah dem Tag, da unser Retter kommt


Mit der heiligen Schar ewiger Engel, da
Zu dem Ton der Posaune
Jubel, Jubel in Lüften jauchzt!

Hallelujah dem Tag, da in dem Preisgericht


(Wenn das Feuer verzehrt jegliches Werk aus Stroh)
Die Belohnungen Gottes
Jeder Fromme empfangen wird!

Hallelujah dem Tag, da zu dem Hochzeitsmahl


Mit dem Bräutigam schön kommt die erweckte Braut
Ohne Flecken und Falten,
Seine Jungfrau ganz makellos!

Hallelujah dem Tag, da in des Meisters Arm


Mirjam ewiglich ruht, ruht an dem süßen Herz
Jesu, der sie geliebet
Je und je und sie an sich zog!

Hallelujah dem Tag, da von des Meisters Mund


Fließen wird wie ein Strom ewiger Liebe Lust
Mit der Süße des Kusses
Eines heiligen Bräutigams!

Halleujah dem Tag, da, in dem Angesicht


Gottes, Herrlichkeit schaut Mirjam, von Gott erlöst
Zu der ewigen Liebe
Und Glückseligkeit Paradies!

21

Wenn du vor mir durchs Tor, seligen Todes Tor


Schreitest, betend zu Gott, laß mir als Pfand zurück
Von dem träumenden Haupt ein
Weizengoldenes Frauenhaar;

Und als weiteres Pfand, die deine kleine Hand


Marianisch gespielt, deine Gitarre, die
Sang, die Gnade gefunden,
Melancholisch im Ton a-moll;

Und die Geige, die du spieltest mit süßem Weh,


An die Schulter gelehnt ihren Violenleib,
Als ob du einen Lieben
Voller Grazie tröstetest;

Und in himmlischem Blau und in Schneeweiß dein Hemd,


Das gehangen so schön um deinen weiblichen
Leib, vom Schöpfer geschaffen,
Blaue Lilie Scharons du;

Und das rosige Band hölzerner Perlen, das


Mit dem silbernen Kreuz dir um das Handgelenk
Jesuanischer Andacht
Hing in herzlicher Frömmigkeit;

Und die Bibel, die dir Weisung und Trosteswort


War, vom Geiste belebt, mit den Bemerkungen,
Deiner Lebenserfahrung
Denkmal, Herzenserfahrungen;

Und die Lyrik, die du zärtlich gedichtet hast,


Wie ein Zittern der Angst, einsame Dunkelheit,
Glaube, Hoffnung und Liebe
(Wie ein Gürtel Mariens) mir.

22

Weil du ewigen Tod kanntest als letzten Feind


Und gedürstet dein Herz, voller Lebendigkeit
Froh zu sein, darum wirst du
Tragen ewigen Lebens Kranz.

Weil du Schwermut gekannt und die vertrauerte


Melancholische Nacht weinender Einsamkeit,
Darum wirst du gekränzt mit
Freude, Freude, die ewig währt.

Weil du Sterblichkeit, ach, Krankheit, Vergänglichkeit,


Welken müden Gemüts littest, darum wirst du
Tragen blühende Kränze
Lebenslustiger Ewigkeit.

Weil du betend gekämpft, ach, mit der Sünde Macht


Und dämonischer Wut in den Versuchungen
Und der Welt, darum wirst du
Tragen Kränze der Heiligkeit.
Weil du sehr dich gesehnt nach der Vollkommenheit
Dieser Erde, die fiel und ward entwürdigt vom
Fluch der Häßlichkeit, darum
Trägst du himmlischer Schönheit Kranz.

Weil dich wenige nur kannten, so wie du bist,


Letztlich Einer dich nur kannte, so wie du bist,
Darum wirst du dereinstmal
Tragen Kränze des wahren Ruhms.

Weil du traurig geweint, ach, die Armseligkeit


Dieser Welt dich geschmerzt, die nicht die Liebe kennt,
Gott zu lieben und dich, so
Kränzt dich Gott mit der Liebe Kranz!

EVELINISCHE ODEN

WIEDER VERLIEBT!

Lang hab ich gebrannt in den roten Feuern


Heißer Liebesleidenschaft, doch vergeblich,
Denn du wiesest lächelnd zurück den Mann ver-
Schlossenen Herzens.

Nieder sank ich flehend zu deinen Füßen,


Deinen Namen schreibend auf Himmelstafeln,
Nannte, Evi, dich mein erkornes ewges
Mädchen von Eden.

Doch du riefest: Dichter, ich lieb dich nimmer,


Lieb dich nimmer, liebe dich nimmer, nimmer!
Du erschlugst mein Herz und ich starb in weher
Marter der Minne!

Doch erbarmte himmlische Jungfrau gnädig


Meiner sich, zu Lebzeiten durft der Beter
In den Himmel, leidenschaftsloser Liebe
Lebend zur Jungfrau.

Sieh, da kamst du, lächelnd, so süß, so reizend,


Riefest mich, besuchtest mich in den Nächten,
Schautest reizumschimmert, vertrautest weinend
Mir deine Tränen.

Weh mir! wieder flammt mir durch meine Nerven


Feuer der verzehrenden Liebessehnsucht,
Meine Seele träumt sich in Liebesszenen
Törichter Hoffnung.
EROTISCHE PHANTASIEN

Du, wenn ich erwache, gedenk ich dein, da


Überfällt mich süßeste Lust der Liebe,
Und ich schließ die Augen und seh dich innen
In meiner Seele.

In der Seele lebt mir im Licht dein Garten,


Da du wandelst, reizend bekleidet, Süße,
Nur mit Evas Feigenblatt, transparenter
Duftender Seide.

Seh ich deinen schneeigen Busen, seh ich


Deiner Brüste bräunliche Schönheitsflecken,
Deine Hüfte schwenken und strahlend deinen
Zierrat der Venus.

In mir lebt die Insel auch, da wir gingen,


Liebste, Mann und Frau für drei schöne Tage,
Da du gingest nackender Beine in dem
Schlüpfer zu Bette.

Seh dein Schlafgemach, da ich Wächter wache


Deiner Einsamkeit, deiner Ängste Engel,
Darf dich sanft entkleiden, in schöner Blöße
Liebend erkennen.

Alles nur ein Traum! Doch der Traum viel schöner


Als was Fleisch und Wirklichkeit je geboten,
Wenn du hast in himmlischen Liebesspielen
Dich hingegeben.

FREUNDSCHAFT

Kalt ist, die ich liebte einst, die mich liebte,


Fremd, die deine Freundin ist, fremd und kühl. Ich
Leide an der Kälte der Welt und sehn mich
Nach deiner Nähe.

Weine deine traurigen Tränen, Liebe,


Und vertrau mir all deine Ängste an und
Laß mich schaun das freundliche Lächeln deiner
Freundschaft, o Freundin.

O ich hoff, du hegst einen Herzenswinkel,


Da ich wohne, daß du mich etwas lieb hast.
Sieh, ich lieb dich! Liebe macht warm mein Leben,
Wenn auch vergeblich!
HERZLIEB

Du, unsterblich lebst du in meiner Seele,


In den Himmel werd ich dich mit mir nehmen,
Unauslöschlich steht dein Name geschrieben
In meinem Herzen!

In der Bibel les ich von dir: Ich lieb dich!


Spricht der Herr, du Mutter des Lebens! Auch im
Herz Mariens find ich für dich, o Evi,
Zärtliche Liebe!

WALLFAHRT

Ach! auf Knieen wallfahren möcht ich, möchte


Auf zerschundnen blutigen Knien zu dir wall-
Fahren, an dem traurigen Hain vorbei der
Seufzenden Bäume,

Silberteiche einsamer Schwäne lang und


Weiden melancholischer Mutterkühe,
Bis in deinen blühenden Garten mit den
Kränzen der Rosen,

Dort vor deinen Füßen mit roten Nägeln,


Deinen schlanken Fesseln zusammenbrechen,
Dann im Tod hinaufschaun an deines Leibes
Elfenbein-Tempel,

Seufzend voller Liebe den Geist verhauchen!


Fiele dann ein Strahl deiner Himmelsschönheit,
Sonne meiner Seele, auf mich, so würd ich
Selig erstehen!

HERBST

Herbst; das Laub färbt schön sich an bunten Bäumen,


Lebensbaum, du gehst mit den Jahreszeiten,
Auf die braune Wolle fällt braunes Haar dir,
Mutter des Lebens!

Deine Augen strahlten vor Hoffnungsfreude,


Deine Augen blendeten nicht den Seher,
Da die feinen schwarzbraunen Wimpern sanft die
Augen verschleiert.

In die Arme nahmst du den vielgeliebten


Sohn, mit ihm zu kuscheln, zu nuscheln, lieblich.
Ach ich wollte auch mich in deinen warmen
Armen verbergen.
Von dem Sohne nahmest du küssend Abschied,
Doch mich rührte nichtmal als Freund dein Händchen.
Als du gingest, setzte dein Sohn sich zu mir,
Lauschte den Märchen.

Oh die Nacht wie dunkel! der Dichter einsam!


Stets vergeblich Liebender! ward er Beter:
O Maria, sei mir wie Evi - aber
Liebend, Geliebte!

MARIANISCHE LIEBE

Manchmal wein ich: Menschliche Liebe fehlt mir!


Auch verließ mich mitten zur Nacht Maria,
Ließ mich gottverlassen so bitter weinen
Bittere Tränen.

Morgens fleh ich weinend zu Jesus - da kommt


Auch Maria wieder zu mir, die liebe
Mutter, Frau und Königin, und sie sagt mir:
Toto, ich lieb dich!

Und da denk ich, Evi, an dich und lieb dich,


Will dir sein ein Zufluchtsort, will mit ganzem
Herzen für dich da sein, bereit, dir meine
Liebe zu geben.

GEISTIGER KUSS

Evi, allersanfteste, allersüßte


Junge Mutter, vielmals geliebte Schönheit!
Als ich von dir schied, du mein Himmelsmädchen,
Sah ich dein Lächeln -

Deinen roten Himbeermund, Himmelsbeere!


Süßer wars als jeder geküsste Kuß wär.
Und ich küsste blauen Oktoberhimmel
Schwärmender Küsse!

RAHEL

Ich bin Jakob, der mit dem Engel kämpfte


In der Morgenröte. Mein Weib ist Lea,
Praktisch ist die Lea, zuhaus auf Erden.
Aber die Rahel!

Rahel mein mit leuchtenden Augentiefen


Ist begegnet Tiefen der Seele, Rahel
Ist mir die Bevorzugte! Gott im Himmel
Segne mir Rahel!

MUTTER

Meine Mutter zeigte mir nicht, was Mutter


Heißt. An dir, du liebende Evi, lern ich,
Was da wahre Mutterschaft ist: totale
Liebe zum Kinde!

Solche Mutter bist du: Ich wollt, ich wäre


Auch dein Sohn, warmherzige Mutter Evi,
Möchte dir im Herzen und in den Armen
Ruhen als Kleiner!

Ja! so ist die zärtliche Mutter Gottes,


Solche milde, gütige, süße Mutter!
Dieser Mutter möcht ich für alle Zeiten
Ganz mich vertrauen!

Gottes Weisheit, Schöpferin allen Lebens,


Kommt zum gottesfürchtigen Weisheitssucher
So wie eine Mutter - wie du - und so wie
Eine Geliebte!...

Darum sei gesegnet, geliebte Freundin,


Tief, um deines heiligen Herzens willen,
Von der lieben Mutter der Mütter und der
Ewigen Weisheit!

EVIS HIMMEL

Lieber Gott, im Himmel gibts Wein, das weiß ich,


Laß doch auch den Teestrauch in Eden wachsen,
Denn ich möchte Tee trinken mit der heilgen
Evi in Eden!

Heilge Evi, wohn ich in deinem Herzen?


Holt dich Gott ins Himmelreich, nimm mich mit dir!
Du, ich hab dich gern, meine liebe Freundin -
Du mich auch? sag doch!

VEREHRUNG

Auf der Wippe standest du hoch erhoben,


In den Himmel ragend, du blaue Blume,
Liebesgöttin, Königin meines Herzens -
Ich dir zu Füßen!
Im Café mit Blick auf Kanal und Weide
Deine weiße Hand auf dem weißen Teetisch -
„Küssen“ nennen Israels Liebesdichter
„Neshikah“, Evi!

DES SOHNES ZÄRTLICHKEIT

Liebste, du hast viel mit dem Sohn geturtelt,


Daß er ganz zur Zärtlichkeit wurde, Liebste,
Sitzt auf meinen Schultern - ich trag den Kosmos -
Streicht meine Haare,

Und wir sehn das Jesuskind in den Armen


Allerreinster Mutter und sehn die Engel,
Er tut auf die Lippen und trinkt den Tropfen
Wassers voll Wunder,

Wirft sich in den Schoß mir, umarmt mich innig,


Redet Kindersprache von Kinderfreuden,
Ich streich seine Pfirsichwange und schau die
Asien-Augen

Und die Wangen Asiens - ganz die Mutter:


Schöner Sohn! Ich sehe zur Mutter: weh mir!
Allzu schön bist du! und ich glaub, ich werde
Sterben an Schönheit!

GEBET

O Maria, himmlische Mutter, Herrin,


Nimm in deinen Schutzmantel meine Evi,
Schenke du ihr inneren Frieden, schenk ihr
Innere Freude!

Bade sie im Meer des Erbarmens Gottes,


Salbe sie mit göttlicher Liebe, kleide
Sie mit Jesu Zärtlichkeit, schmücke sie mit
Gnaden des Geistes!

Führerin der englischen Himmelsscharen,


Stell ihr einen streitbaren Engelsfürsten
An die Seite, daß er erkämpfe ihr den
Weg in die Freiheit!

Engel mögen, Heilige für sie beten,


Beten Eva, Evelin, Magdalena
Und ihr guter Schutzengel und, Maria,
Bitte für Evi -

Daß ihr Gott, der wohnt ihr in ihrem Herzen,


Schenke ihr das ewige Leben, Leben
Voller Glück und Liebe im Paradies als
Braut des Geliebten:

DIE FRIEDENSKÖNIGIN

DIE JUNGFRAU VON GUADELUPE

O Goldene, o Blume der Blumen! Ros’


Der Reinheit in der goldenen Sonne! Gras-
Grün ist dein blauer Sternenmantel,
Lilie der Lieblichkeit, Ros’ Kastiliens!

Vollkommne Schöne, himmlisches Ebenbild,


Ikone dieses Zeitalters, Jungfraun-Stern,
O Großes Zeichen, o Madonne,
Die du die steinerne Schlange tötest!

Weh mir! ach Stein und Schlange auch ich! ah weh!


Frau! laß mich deine Sichel dem Seraph gleich
Erheben vor der unsichtbaren
Und vor der sichtbaren Welt, Maria!

Das Kommen deines Reiches geht Ihm voran!


Du trittst die Himmelstreppe zu uns herab,
O Königin des Friedens! Kommen
Wird der Messias - - Maranatha!

JEHOWAH IST MEIN BRÄUTIGAM

Jehowah ist mein Bräutigam, ist mein Mann,


Mein Gatte - nur nach Ihm mein Verlangen steht!
Urewig Einer, alles Lebens
Schöpfrischer Quell in der ersten Ur-Nacht!

O Gott des Lichts! O Liebe! O Lebenshauch!


O guter, guter Gott, Du der Wahrheit Gott,
Du Gott in ganz vollkommner Schönheit,
Sabbaoth himmlischer Heeresscharen!

O Vater Jahwe, Abba, mein lieber Gott!


Mein Gott ist der Allmächtige, reich an Huld,
Ist gnädig, gnädig und barmherzig,
Ist in Barmherzigkeit Schoß der Mutter -

Die Ur-Idee der Schönheit in Perfektion


Schuf Gottes Mutter, Unsere Liebe Frau,
Uns Freundin ist die sel’ge Jungfrau,
Schatz meines Herzens die Braut des Ew’gen!

AN EVI

So viel ich schöne Frauen schon sah und seh,


Scheinst du der Holden Holdeste mir zu sein,
Die Lieblichste in meinem Sinne,
Der deine traurige Seele liebhab.

Ja, die vollkommne Schönheit Maria gab


In Mexiko ein himmlisches Wunderbild,
Ein Bildnis ihrer Anmut. Evi,
Du bist am ähnlichsten meiner Herrin!

Ich sag dir das in herzlicher Zärtlichkeit


Und ohne jede wilde Begierde, fühl
Ich wie ein Hirte für sein Schäfchen,
Schwester, für dich, meine Wunderschöne!

AN INKA

Holdsel’ge Seele, Anmutgestaltige,


Du lebst, denn Gott ist lebender Seelen Gott!
Wer glaubt, wird nie und nimmer sterben -
Wo du auch seiest, ich grüß dich, Inka!

Ikone marianischer Anmut du,


Du wohnst in meiner Bibel, im Psalmenbuch.
Die Jungfrau segne dich, Geliebte!
Jesus, dein Bräutigam, liebt dich ewig!

Glücksel’ge Seele, die du mir Segen bist,


Wir leben in der Liebe des Bräutigams!
Du Schwanen-Jungfrau, rein wie Jade -
Ewig wird Gott dich mit Leben kränzen!

AN BERNADETTE

Einst in Lourdes in Zelten der Minneritter,


Unter hohen Kiefern und grünen Bergen
Und den Glocken der Kapelle
Unserer Immaculata Mirjam -

In den südfranzösischen Mitternächten


Die zerrissne Seele litt Seelenqualen,
Qualen! Stern der Magdalena
War ihm der Balsam der Mitternächte.

Liebende in Sommerromanzen liebten,


Wie der junge Perser Johannes Esther -
Die chinesische Madonna,
Mutter der Gnade, hat sie gepriesen;

David von dem Volke von Jahwes Zion


Schöne diamantene Jungfrau liebte:
Stern der schönen Mitternächte,
Eine holdselige Gottestochter!

Junge, unbescholtene, schöne Seele


Trat sie sanft, erbarmungsvoll, gütig, freundlich
Zu dem leidenden Poeten,
Lächelte... zeigte ihm Romas Schönheit.

IN DER SCHENKE

Zimbel und Leier ertönt, schmachtender Stimme Gesang


Von unglücklicher Liebe singt.
Da begrüß ich den Kelch, grüße den goldenen Wein,
Trinke meiner Magdalee zu:
Freundin! du wähltest mich! Wenn ich dereinst dich seh
In dem Garten des Morgensterns,
Will ich küssen, o Frau, dir deinen schaumweißen Fuß!
Grüß die Heiligenkönigin,
Grüß deinen Bräutigam, grüße den göttlichen Herrn,
Dessen Weisheit ich heute mich weih!

Jungfrau Maria, dich grüß heut ich beim Schlürfen des Weins,
Liebste, dir trinke ich maßvoll zu!
Siehe, Liebste, mein Herz, siehe mein Inneres ist
Wie ein heiliger Tempelraum,
Dir vor allen geweiht, ja, und du wandelst darin
In der strahlenden Grazie, Frau!
Nicht wie die Maler dich einst malten, die Engel der Kunst,
Raphael, Michelangelo,
Nicht wie mein dichtender Traum dich in der Seele gemalt,
Sondern wie du dich geoffenbart
In Amerika einst, Schlangenzertreterin,
Apokalyptische Herrin der Welt,
Strahlst du im inneren Licht, Sonne des Herzens, mir auf,
Wandelst die Himmelstrepppe herab.

Schau, ein Mädchen betritt eben die Schenke allein,


Weiß gewandet, mit blonderem Haar,
Von der Seele umschwebt, weibliche Anmut ganz.
Zärtlich blicke ich zu ihr hin,
Schüchtern schaut mir ihr Blick unter den Wimpern zu,
Und ich leere den Kelch auf sie.

GEBET FÜR MIRJAM


O Maria, bitte bewahre Mirjam
Treu in deinem heiligen Herzen, Dame,
Mütterlicher Zärtlichkeit sie begnade,
Immaculata!

Führ an deiner himmlischen Hand die Schwester


Durch das Tal von Disteln und Dornen, Stacheln,
Schütze sie vor Schlangen und Skorpionen
Hier in der Wüste!

Gib ihr alles, was sich ihr Herz wünscht, Herrin,


Was sie sich von dir und von deinem Sohne
Wünscht: die ganze göttliche Liebe und die
Menschliche Liebe!

Grüß sie in der Stille, im tiefen Schweigen,


Fern dem lauten Plappern der Heiden grüß sie,
Grüßt sie vor der Hostia dich, o Jungfrau,
Dich und Messias!

(Mir, o Frau, erhalte den Andachtswinkel


Stets in Mirjams Herzen; ich will sie lieben;
Will mit ihr vereinigt in deinem Herzen
Ewiglich leben!)

HIMMLISCHE HARFE

O die Stadt unsres Herrn möge stets lustvoll sein,


Bei dem rauschenden Quell unter dem Lebensbaum,
Bei orangener Frucht glühend im grünen Laub,
Da die Wohnungen Gottes sind!

Gott, gewähre mir, Gott, Wohnung in deiner Stadt!


Eine Harfe wird dort lehnen an goldner Wand,
Auf dem Diwan, beim Wein, sitzen vorm Blumenstrauß
Heil’ge Dichter versammelt da.

Aus dem Elfenbeinturm freut dich das Saitenspiel,


Aus dem Elfenbeinturm Davids ertönt ein Psalm.
Und da tret ich vom Turm an das kristallne Meer
Zu dem heiligen Lobgesang.

Paradiesische Frau’n singen mein Lied mir vor:


Gatte ist mir mein Gott! singen sie leis mir vor,
Wie auf Erden ich sang Christinnen, soll es dort
Schöner tönen im Himmel mir.

Paradiesische Frau, nimm mich an deine Hand!


Den bezaubernden Mund laß mich besingen dir!
Inspirierender Mund siegle den Dichtermund,
Ros’ der Rosen, o Liebe Frau!

Laß mich den Lorbeerkranz legen vor deinen Fuß,


Deinen Fuß auf dem Meer, welches voll Monden ist,
Leg den Lorbeerkranz du, Magnificat-Sängerin,
Vor die Füße dem ew’gen Gott!

DIE FLUT

Diesen Sommer die Flut stürzte aus Himmelsnacht,


Schleusen taten sich auf, Schleusen des Himmels auf,
Und die sprudelnden Brunnen
Ließen Ströme schwellen zur Flut.

Deiche brachen, das Land lag unter Moderschlamm,


In die Häuser hinein stieg die empörte Flut,
Vieh ertrank in den Wassern
Und viel Menschen starben den Tod!

Sieh, da klagen sie Gott, Gott den Gerechten an,


Die nach Gott nie gefragt, seinen Geboten nicht!
Und vor gottlosen Sündern
Soll sich nun rechtfertigen Gott?

Falsche Götter habt ihr euch in der Zeit gemacht,


Euren sportlichen Gott Herakles tief verehrt,
Aphrodite in Lastern,
Habt zum Kaiser Mammon gekürt!

Über Satan ergeht schließlich das Weltgericht!


Satan, der da die Welt will ins Verderben ziehn,
Satan zieht seine Kinder
In die See aus höllischer Glut!

Noch ist gnädige Zeit, noch ist der Gnade Zeit!


Sieh, die Königin ruft Menschen zur Umkehr auf,
Medjugorje des Friedens
Ruft uns auf zur Liebe zu Gott!

Die verdient das Gericht, hören der Gnade Ruf!


Darum ward auch die Glut Jüngsten Gerichtes uns
Mild zu fließenden Wassern.-
Kauft euch nun die Gnadenzeit aus!

Schaut zur Königin auf, die uns die Hoffnung zeigt,


Weckt den Glauben in euch, göttliche Liebe lebt!
Chinas Märtyrer zeugen,
Wenig fromme Deutsche davon!

Makellosestes Herz göttlicher Mutter! dir,


China will ich dir weih’n, weihen das deutsche Land,
Rußland dir und die Erde!.
Geh nun in die Arche, o Welt!

Wölbt sich über ihr schön Bogen des Friedens doch


Und den öligen Zweig bringt uns der neuen Welt
Gottes Taube, die Jungfrau -
Jesus auf dem Berggipfel steht!

AN DIE WAHRHEIT

Die Deutschen suchen redlichen Sinnes dich,


Sie suchen im Verstand zu ergründen dich,
Und mit Erforschen und Betrachten
Lesen sie Heilige Schriften Gottes.

Die nackte Wahrheit will der Verstand für sich;


Aufklärerische Rationalisten sehn
Doch nur Skelette von Gesetzen,
Kennen des Herzens Geheimnis nimmer!

Denn du, o Wahrheit, liebst das Verschleiertsein


Und hüllst dich in die heilige Schönheit ein!
Byzanz und Roma kennen Schönheit,
Preisen die herrliche Jungfrau selig!

Schau, Wahrheit, ich zur lieblichen Schönheit hin,


Da fühl ich Liebe, fühl ich Begeisterung,
Da ahn ich dein Geheimnis, Wahrheit,
Liebendes Jesusherz, schöne Wahrheit!

AN MIRJAM

In Geduld, in Geduld gehn wir der Liebe Weg.


Liebe göttlicher Art, menschlicher segne uns.
Beten, beten und beten,
Daß den Füßen leuchte ein Licht,

Wollen wir und das Herz achten als Ebenbild.


Sei die Seele uns wert, Gottseele Ahnenden.
Wahrhaft wollen wir immer
Wahrheit sagen, in Liebe nur.-

Fällt dir goldblond das Haar bis in den Nacken und


Ist es blond, doch nicht gold wie bei der Märchenfee,
Bist du Jesus die Schönste,
Die nicht eitel nach Schönheit fragt;

Doch die Schönheit verehrst, Schönheit der Seele liebst,


Daß der Mensch, den du liebst, weih’ sich der Liebe ganz;
Achtest Schönheit der Sprache
In weissagender Poesie,

Wenn du andere auch Dichter verehrst als ich


(Sei der deine geschätzt, schätze den meinen auch);
Schreibe Haikus zur Nacht, des
Tages Summe traumtrunken schon.

Mir nur gebe Ein Wort, das mir die Seele heilt,
Ob ich Dichter noch bin, einzige Leserin,
Dir genehm; deine Seele
Gebe heiliges Echo mir;

Der auch singen dich will, wie du erschienen bist


In der Bilokation goldenen Glorie mir,
Englisch tanzend im Regen
Oder schimmernd um Mitternacht,

Meine Engelin mir, heimisch im Himmelreich,


Meine Kirche (denn sonst kenn keinen Christen ich),
Holde Hirtin dem Schwane,
Die du in mir Heimatrecht hast!

DIE KAISER

Unter Salomo blüht’ Israels Königreich.


Zu der heiligen Zeit Kaiser Augustus’ ward
Uns geboren der Herr, König der Könige uns! -
Griechisch-römische Welt brachte ihm Konstantin dar,
Carolus Magnus das Reich fränkischen Abendlands.
Den Ottonen, dem Schirm marianischer Zeit,
Folgten die Spanier, die weihten Amerika Gott;
Doch die Armada sank!

Aufklärerischer Verstand metzelte nieder den Thron


Und die Revolution brachte den Freimaurer vor,
Der setzte Moskau in Brand. Gegen Thron und Altar
Standen die Bürger auf. Bolschewistische Schar
Schlug Mariens Knecht, russischen Zaren tot.
Da erhob sich das Tier, doppelten Hauptes das Tier,
Deutschlands finstrer Tyrann, Rußlands finstrer Tyrann;
Israel litt und Byzanz!

Pastor Angelicus sprach Christen von Demokratie,


Da die Herrschaft so schlecht oder so gut wie das Volk.
Und das Heil’ge Konzil sprach von vereinigter Welt,
Von der Regierung der Welt. Und Mariens Papst
Sprach von der neuen Kultur, Liebe und Leben sei
Fundament der Kultur, und es weiche der Tod!
(Südamerikas Hirt baute Kommunen auf,
Da der Arme sein Werk schafft für den Armen nur,
Nicht aber Mammon dient!)
Grüßt der Heilige Frau Armut aufs neue nun?
Menschenbrüderlichkeit unter der Lieben Frau
Hoffen die Betenden, ihr, Friedenskönigin, ihr,
Mutter der Muslim, Mutter Amerikas,
Indiens Mutter, die Ruß ward ihrem Herzen geweiht,
Ihr ward geweiht die Welt! Wendet die Welt sich zu
Himmlischer Königin, werden Geschwister sein
Alle Menschen, das Fest wahren Friedens beginnt,
Dantes Weltmonarchie, Universalharmonie
Unter dem Herrn der Herrn!

DIE PRIESTER UND DER POET

Nein, nicht daß sie verstünden den Dichter, nein,


Der von dem Ruf berichtet, ergangenem,
Die hohen Frauen zu verehren
Als die geliebteren Ideale;

Die ausgeschlossen weibliche Welt, die nur


Die greisen Damen väterlich weiden und
Barmherzig ihnen, voller Mitleid,
Tropfen der Gnade des Ew’gen spenden,

Die selbst sich hingegeben dem Ew’gen Wort,


Der intellektuellen Idee von Gott,
Und gehen mit dem Bruder Jesus
Einsame Wege in ihren Pfarren,

Den Freund zu bringen in die Familien, dort


Bei Tee und Kuchen göttliche Liebe zu
Verkünden und dann fortzugehen
Mit einem Gruß an die Muttergottes.

Doch was ist Minne? Nicht die behaglichen,


Die alten Pfarrer, auch nicht die geistigen,
Die jungen Denker, nicht erkennen
Rasend anbetende Dichterliebe,

Verehrung der Marien, in ihnen die


Glorreiche Jungfrau flammend zu lieben, die
Nicht Nonne oder Amme, welche
Herrliche Herrin und Minnedame,

Die ihn erkennt, die liebliche Jungfrau, ruft


Den Dichter zum Altare des Wortes, da
Die Weisheit ihm ein Mahl bereitet,
Ewige Weisheit, die Fleisch geworden!

Da steht der Priester, siehe, von Gott geweiht,


Er macht das Zeichen, faltet die Hände, hebt
Die Arme auf zum Himmel, betet,
Kniet vor dem Lamm, spricht die heil’gen Worte

Und bringt das Herz des Dichters, der Frauen Herz,


Der Liebe Gottes heiliger Weihe dar
Und ruft des Geistes Liebesflamme,
Die da verzehrt das geweihte Opfer,

Und teilt im Namen Gottes die Weisheit aus


Und nährt das Herz mit göttlicher Liebesglut
Und sendet den Poeten zu den
Frauen im Segen der Minne Gottes!

DER SATAN UND DIE SEELE

Und Mauern stellt der Satan der Seele auf


Und undurchdringliche Wände mit böser Macht,
Verdirbt die Freude ihr am Schönen,
Reißt sie in innere Widersprüche

Und lockt sie zu den falschen Propheten fort


Und läßt der Liebe Gottes sie widerstehn
Und macht zum Opfer sie des Hasses,
Hasses auf Menschen und auf den Ew’gen,

Daß sich der Seele Herz dem Gebet verschließt


Und sich verschließt der Botschaft der Königin -
Und doch der Friedensbotschaft Gottes
Liebliche Rede erquickt die Seele,

Denn wer vermag der Jungfrau zu widerstehn?


Das Himmelsbild der Schlangenzertreterin
Steht heilig vor der Seele Augen:
Und vor der Jungfrau wird fliehn der Drache!

AN DIE FREUDE ALLER FREUDEN

Tochter Gottes, Blume des Paradieses,


Nektar und Ambrosia, süßes Küssen
Ist es, dich, o Freude der Freuden, allen
Morgen zu grüßen!

Wandle mir voran an dem dunklen Tage,


Goldne Wolke herrlichen Jubels, wandle
In der Nacht voran mir als Stern und Flamme
Tiefer Beschauung!

Innen wohnst du, Quelle des Jubels, innen,


Schöne Zimbelspielerin allen Preises,
Tänzerin der himmlischen Tänze in der
Freude der Hochzeit!

Bitterkeit verbittert dich nicht, o Süße,


Wermut trübt dich nimmer, o klare Quelle,
Und kein Winter bleicht dich, o rote Rose,
Rot von der Liebe!

Deine Schmerzen, Freude der Freuden, deine


Leiden wirken Hoffnung und Trost und Leben
Quillt aus deinem Schoß und die Auferstehung
Nächten des Todes.

O daß ich dich grüße, daß ich dich küsse,


Jungfrau, meine Quelle des Jubels, meines
Paradieses Garten, aus Gnade Göttin,
Wonne des Ew’gen!

ZUR GEBURT EINES KINDES

Sehr schön ist Judith, schöner Maria noch,


Ganz klein, ist sie die Größte im Himmelreich!
Ich glaub, Sie dankt euch, daß ihr Gottes
Mitschöpfer waret an neuem Leben!

Speist ihr die Jesushostie, segnet sie,


Die durch die Taufe heilige Schwester wird!
Lernt, Kind zu sein, vom lieben Kinde!
Danket der seligen Freude Abba!

AN GOETHE

Viel der Dichter hab ich geliebt, bin dem Griechen der Deutschen
Und dem Reimer gefolgt, dem da der Wohllaut vertraut,
Folgte dem Griechen der Briten und folgte dem Römer der Briten
Und dem Dichter der Fee, englischer Eva Poet,
Dichter glückseliger Donna und dem David der Deutschen,
Überepischem Zug folgt ich, dem Bardensang nach.

Immer aber, mein Alter, kehr ich zu dir und zur Ruhe
Auf dem Diwan beim Wein, lese im Kerzenschein dich
Und genieß deine Lieblichkeit, lieb deine Grazien alle,
Deine Musen, den Gott, der dir geführt dein Genie.-
Vater der Deutschen, wenn du mich hörst im Elysischen Garten,
Gib deinen Genius mir, der da der Weisheit geweiht!

AN DEN SCHLAF

Strengen Denkens müde, der Wahrheitssuche,


Will ich werden Findender. Komme Gnade
Wie einst zu Endymion Luna. Küss mich
Träumer Maria!

Meine Lider senken sich auf die Augen,


Daß ich meine Augen im Innern auftu.
Schlaf, des Todes Bruder, du Himmelspforte,
Laß du mich Gott schaun!

DAS LEBEN

Das Leben ist ein flüchtiger Schatte nur,


Ist eines Träumers vielfach verworrner Traum,
Ist Blume, welche blüht am Morgen,
Aber am Abend zur Erde hinsinkt.

Ein Hauch nur ist das Leben. Sei heiß der Hauch,
Sei glühend er gewidmet dem Wein und Geist
Und hohem Lobe wahrer Schönheit.
Göttliche Liebe vor allem liebe!

Dann wird des Lebens Blume erneut erblühn


Im ew’gen Lenz, der glühende Hauch wird frisch
Im frischen Athem Gottes athmen,
Ewige Freude das Leben schenken!

AN JURI

Ich schrieb antike Oden am Mittelmeer


Einst bei Les-Saintes-Maries-de-la-Mer, da sang
Ich deiner schönen Mutter eine
Sapphische Ode an Aphrodite.

Da riefen wir ein Kind aus dem Himmel, doch


Die Weisheit Gottes wollte es anders, nicht
Ich sollte sein des Kindes Vater,
Aber das Kind doch zur Erde kommen.

Nun bist du da! In himmlischer Schönheit du


Liegst in den Kissen, süßester Säugling du,
Mit lichten Augen eines Engels,
Hast mir im Lächeln mein Herz erobert!

Und nun gehört mein Herz dir! Ich bring dein Herz,
Ein Priester, betend, göttlicher Liebe dar,
Dich segnend mit dem heil’gen Zeichen,
Sing ich dir himmlische Freudenlieder!

Wie wir uns lieben, Liebling! zum Himmel schaun


Und mit den Vögeln fliegen zum Sonnenlicht!
Wie du bin ich ein Kind, vertraue
Gott, der einst sog an Marien Busen.

AN QUENTIN

Am Himmel schweben sah ich ein schönes Bild,


Da eine liebe Mutter ein Kind gebar.
Ihr Sohn war göttlich, war der Retter,
Der uns vom Tod und vom Bösen rettet!

Da kam ein roter Drache, der böse war,


Der fressen wollt’ das göttliche Kind der Frau.
Die Frau floh mit dem lieben Sohne
Und ward verborgen in weiter Wüste.

Da kam der größte Engel, ein herrlicher


Und ganz aus Licht gemachter, mit Flügeln an,
Ein goldnes Schwert in seinen Händen,
Hat er geschlagen den bösen Drachen

Und hat ihn aus dem Himmel geworfen, ja,


Hinab in einen stinkenden Feuerteich!
Da kam die liebe Mutter wieder
Mit ihrem göttlichen Sohn, dem König!

Der Gottessohn nun saß auf dem Königsthron


Und seine Mutter saß ihm zur Seite auch.
Und alle Kinder waren glücklich,
Spielten für immer im Paradiese!

GEBET FÜR DEN PAPST JOHANNES PAUL II.

Abba im Himmel! Christi Stellvertreter auf Erden,


Den sanftmütigen Christus der Erde, unseren Vater,
Petri Nachfolger auf dem Apostolischen Stuhle,
Segne vom Himmel!

Mach ihn zum Garanten und Zeichen der Einheit der Kirche,
Ihn zum Felsen der Einigung Deines christlichen Volkes,
Ihn zu aller gottsuchenden Menschen heiligen Vater
In Deiner Gnade!

Hilf in seiner Schwäche ihm, Friede, Friede auf Erden


Allen den Menschen Deines Wohlgefallens zu künden,
Allen den Völkern des Lebens Freudenbotschaft zu künden,
Göttlicher Weisheit!

Ihm, dem bevorzugten Sohn der himmlischen Mutter Maria,


Mit dreifaltigem Charisma Petri, Johanni und Pauli,
Schenke Deine Kraft und Deine Weisheit in Jesus,-
Jetzt und für immer!
DIE ODE

Sappho sang die lesbischen Anmutmädchen,


Kränzte mit den Rosen der Pieriden
Göttin Aphrodite im bunten Throne:
Oh tot Adonis!

Lesbia gefolgt ist mit heißem Schmachten


Roms Catull, unglücklicher Liebe Sklave,
Lobte Ariadne auf Naxos, lobte
Liber, den Löser!

Lydia und andere Mädchen lobte,


Zucht und Sitte, Landleben, Wein und Armut
Und den Freund Mäcenas Horaz und ehrte
Jupiters Cäsar!

Siehe, in der neueren Zeit der Ode


Muse wählte Hölderlin sich zum Sänger,
Diotimas Liebenden, welcher liebte
Christos, den Heros!

Gottes Offenbarung im Odenfluge


Sang der Welt der deutsche Psalmist, der liebte
Cidli, Klopstocks Liebe, vor allen aber
Vater Jehowah!

AN MIRJAM

Nicht die Wallfahrt nach Lourdes sing ich dir nun, südliches Frankreich nicht,
Da die schneeweiße Ros’ du auf den Fels legtest im Grottenraum,
Sondern Heimreise sing heute ich dir, da du im Wagen saßst
Neben mir, ich nicht schlief, wachte des Nachts, dachte der Wallfahrt nach.

Und du legtest dein Haupt mir auf den Schoß, schliefest gerechten Schlaf:
Im jungfräulichen Schoß lag so der Leib Christi der Pieta!
Schmerzensmutter von Lourdes! Laß mich dir gleich mütterlich gnädig sein!
Sei mir heilig der Mensch, göttliches Bild, Ursakrament von Gott!

Morgens dann in dem Dom Zelebration, Freiburg, ich glaube, wars,


Augen fielen mir zu, sah ich im Geist, wie du mich auferweckt
Mit dem zärtlichsten Schlag, schaute ich auf, sah ich dich betend knien,
Vor der Hostie dich, Engel des Herrn, Führerin mir zu Gott!

DIE HIMMLISCHE MUTTER

„Ich weiß, du bist sehr müde, mein liebes Kind.


Willst du mir folgen bis in das Paradies?
Im Garten scheint das Licht des Lebens,
Siehe, du findest dort Ruh und Liebe,

Dein Herz wird heil, das Menschen verwundet oft.


Sieh, ich bin da. Du siehst mich? Begib dich nun
In meine Arme, Süßer, sauge
An meinen Brüste das Heil der Seele!“

AN REGINE

Freundin! freundlich bist du, suchst du mir ein Geschenk,


Fragst nach meinem Begehr, leiblichem Wohle gar?
Weins genung ist zur Nacht da,
Doch für Bücher ist knapp das Geld!

Welche Bücher ich mag? Neuere Schreiber, ach,


Haben närrisch sich ja Götzen der Zeit versklavt,
Nichts Erhabenes find ich,
Adel nicht im Gestottere!

Wenig Brüder, und ach, auch nur verkannte, hab


Ich in unseren Jahrhunderten, aber leb
Fern der Gegenwart, fern in
Philosophischer Welt Horaz’,

Mit Vergilius fromm, liebevoll mit Ovid,


Klage will ich Catulls hören im Beichtgespräch,
Ehr’ Alkäos und Pindar,
Lieb die lesbische Sappho sehr!

Also weißt du es nun, wes ich mich freu, ich freu


Deiner Freundlichkeit mich, will sie vergelten dir
Mit dem Honig von Maro
Und Gebeten zum Meeresstern!

AN EROS

Zwar kamest du sehr mächtig daher, kein Kind,


Als Jüngling an mit brennender Fackel, warfst
Den Brand in Mark und Bein und branntest
Hitzig das Herz mir zum Aschehaufen -

Und schwangest dich zurück in Cytheres Schoß.


Nun meinst du, Eros, ohne dich könne nicht
Der Sänger singen? Meine Muse
Schaut stillversonnen und lächelt weise

Und weist das Mädchen Philia mir, die sing


Ich mit der Seele Frieden, und mehr noch gar
Als Charis ehre ich die heil’ge,
Göttliche Agape, meine Herrin!

AN CHINA

Mein China, altehrwürdiges Volk! Mein Herz


Ist bei dir, Kind des Himmels! Der Vater gab
Zur Mutter dir die Weisheit Tao,
Weiseste Männer dir zu Propheten!

Der Lieder Buch, der Wandlungen Buch bewahr’,


Bewahre die Gespräche des Meisters dir,
Das Buch von Tao und von Tugend,
Südlichen Blütenlands Mystik hüte!

Das Erbe auch der Strahlenden Majestät


Bewahr’, des Himmelssohnes der Tang (es war
Nie eine Tochter Chinas schöner
Als die tagtäglich in Milch gebadet)!

Bewahre deiner seligen Dichter Schatz,


Das trunkne Lied, den himmlischen Schwung Li Bai’s,
Des ernsten Du Fu und des Dichters,
Der seine Magd hat geehrt als Muse...

Die Guan Yin verehrst du, doch, China, sieh,


Matteo Ricci hat dir geoffenbart
Die wahre Gnadenmutter, wahre
Mutter des göttlichen Himmelssohnes!

Die Jesuiten, Brüder Franziskus’ und


Des Dominikus brachten die Botschaft dir,
Das Lächeln gnadenvollen Gottes,
Himmlischen Vaters, des Himmels Chinas!

Verworfen hast das Kaisertum du, doch dann


Die Freiheit nahm der rote Tyrann dir weg!
Des Himmels fromme Kinder werden
In deinen Mauern nun hingeschlachtet!

Das Opferblut der Märtyrer schreit zum Herrn!


Doch ihr Verdienst wird Freiheit erflehen dir!
Dann wird die Kirche Chinas neue
Weise der Weltkirche Gottes schenken,

Ein engelgleicher Lehrer aus China wird


Konfuzius katholisch beerben, dann
Wirst du auch wieder Dichter haben,
Welche dein Erbe dem Himmel singen,

Der Gnade singen, jadener Jungfrau Lied,


Der reinen Pfirsichblüte des Himmels! - Dann,
O China, kommendes, gedenk auch
Des, der in Deutschland dich liebte, China!

AN DIE EVANGELISCHEN BRÜDER

Brüder, unter euch hielt lang ich mich auf und fand
Tiefe Liebe zum Herrn, Liebe zur Heil’gen Schrift,
Fand ein Streben nach Wahrheit,
Doch auch Feindsäligkeit gegen Rom.

Unter euch hat der Geist heilig gesät den Geist,


Ökumenischen Geist! Heiliger Geist verheißt
Heute allen Gemeinden
Gottes Einigkeit mit dem Herrn!

Unsre Kirche ruft heut Ruah der Wahrheit an,


Denn der Heilige Geist wirke die Einigung!
Menschlich scheint es unmöglich,
Aber Gott will es! und so gelingt’s!

Welche unter euch, ach, schüren die Feindschaft, die


Sie verleumden die Braut, Kirche der Heiligen,
Hure Babel sei Zion -
Torheit ist der Verleumdungsspruch!

Roma wird ihren Schatz, Schriften und Tradition,


Apostolischen Stuhl nimmer verleugnen, nie
Seligpreisung der Mutter
Gottes leugnen, sei ferne das!

Anders gäb sie das Herz christlicher Liebe auf,


Das katholische Herz seliger Zärtlichkeit.
Doch begrüßt sie euch, Brüder,
Um des gemeinsamen Zeugnis’ willen!

Nur den Betern allein kann es gelingen, das


Zum gemeinsamen Mahl alle gelangen einst. -
Apostolisch und heilig
Und katholisch ist Christi Braut!

AN MIRJAM

Der Herbst beginnt. Einst wurde Pierrot gestäubt


Und Colombine barg den Verwundeten
In ihrem Schoß. Wenn nun die Wetter
Kommen, will ich mich bei dir verbergen.

Der Regen prasselt laut an dein Fensterglas.


Ich lieg auf deinem Sopha beim Stofftier da,
Unter der Decke, auf dem Kissen,
Schau in die flackernde Kerzenflamme.

Du spielst mir auf dem Cello Konzerte vor.


Ich schau zum Bild der Jungfrau von Lourdes und tupf
Dir einen Tropfen Wunderwasser
Sanft auf die Stirn unterm blonden Schleier.

Nachtblauer Himmel wölbet sich über uns


Mit den Plejadensternen, versinkenden:
Der mütterliche Mantel hüllt in
Gottes Barmherzigkeit unser Leben.

Dies ist ein Traum. Doch laß mich im Herzen dein,


Geschwisterlicher Liebe entflammten Herz,
Nur immer ruhn und wärme mich mit
Treue der betenden Hirtenliebe!

AN DIE EINSAMKEIT

Schwermutbrütende du, Einsamkeit, wie willst du


Ein lebendiges Wort reden mir in das Herz,
Schattest du meine Kammer,
Wo da find ich der Hoffnung Heil?

Sieh, wie elend ich bin, siehe, wie schwach ich bin,
Mir bekräftigt kein Mensch hier meine Menschlichkeit,
Auch kein blühendes Fleisch macht
Meines Fleisches mich hier gewiß,

Auch kein segnender Mund sagt mir ein Gotteswort,


Auch kein denkender Geist schenkt mir das Geistesglück
Wechselseitigen Zeugens
In der Schönheit Idee; mir ist,

O gewaltige du, Einsamkeit, ist durch dich


Mein verzagteres Herz nur auf sich selbst gestellt.
Bin ich einzig auf Erden?
Wem dann, Seele, singst du dein Lied?

Singen will ich allein, wie mir mein Herz gebeut!


Weiß denn einer, ob ein kommendes Kind es hört,
Ob es ungehört hinsinkt?
Dunkle Einsamkeit, herzensstill

In des Herzens Gemach hör ich die Königin,


Die vom Hügel mir spricht heiliger Liebe Wort:
„Mensch, ich liebe dich! Liebe
Du mich auch! und sing Gott dein Lied!“

ZUM ELFTEN SEPTEMBER


Die Mörder aus Arabien, voller Haß
Auf alle Christen, und auf Amerika,
Ermordeten vieltausend Menschen,
Menschen, unschuldige! Aber nie wird

Gemeiner Mörder Märtyrer heißen, nie


Ein Hund und Mörder kommen ins Paradies!
(Verabscheun werden ihn die Huri,
Mahomed wendet sich angewidert.)

Du aber auch, Amerikas Herrscher, nicht


Ergreifst du, was dem Frieden dient, willst den Kampf
Von Gut und Böse gar entscheiden
Mit den unmenschlichen Waffenwerken;

Doch Jesu Jünger kämpft nicht mit Fleisch und Blut,


Die Christen kämpfen gegen Dämonen durch
Gebet allein, wir sollen beten,
Wie es der Herr lehrte, für die Feinde.

Die Stunde ist besonderer Gnade Zeit,


Denn in der Herzegowina offenbart
Sich in Marie von Medjugorje
Jesus als König des Friedens, Jesus

Ist Friedefürst! Er lebe, er lebe, wie


Die Sonne ewig! Berge des Libanon,
Ihr sollt den Frieden fruchten! Wann wird
Israel weise und salomonisch?

Wann wird das fromme Volk des Koran das Wort


Vom Frieden, den alltäglichen Friedensgruß,
Ergreifen und dem Zeichen folgen
Unsrer jungfräulichen Mutter Jesu!

Denn Gott ist gnädig, voller Barmherzigkeit,


Der da die Friedenskönigin uns gesandt!
O Mutter der Muslim, Maria,
Jungfrau Jerusalem, wirke Frieden!

Versöhnt euch! Friede! Siehe, schon rief der Papst


Die frommen Beter jeglicher Religion
In das Assissi des Franziskus:
Gott wird erhören Gebet des Friedens!

Zwar Satan will den Krieg, will Vernichtung gar


Der ganzen Menschheit, aller der Schöpfung - Doch
Am Ende triumphiert das heil’ge
Herz der Königin ew’gen Friedens!
AN KLOPSTOCKS SEELE

Ob du nun auf dem Jupiter droben schwebst,


Ob aufgestiegen du schon zur Sonne bist,
Wer weiß das, ob du schwebest bei der
Rose des Himmels, bei dem Altare?

Ja, droben auf dem blühenden Morgenstern,


Auf Orionen, zauberumgürteten,
Da feiren sie, des Lichtes Söhne,
Heilige Feiern der Ewigkeiten!

Sind denn die Freunde alle, die du besangst,


Bei dir, und lebt ihr tiefe Betrachtungen,
Und lebt ihr, bei dem Kelch der Weisheit,
Sänger, den heiligen Hymnen Gottes?

Siehst du nun Miltons seligen Schatten gehn


Bei dem des Mäoniden? erhebet der,
Wenn zu ihm kommt Messias’ Sänger,
Hebet Homer sich von seinem Stuhle?

Hat dir, dies frag ich, Weisheit begehre ich,


Dein Engel Salem Wahrheit dir prophezeit
Von Liebenden in Liebeshimmeln,
Siehest du wandeln Petrark mit Laura?

Ist Meta Cidli heilig dir zugesellt


Und wandelt beide, zärtliche Seelen, ihr
Im ew’gen Freudengarten Evas,
Sulamiths liebliche Lieder lispelnd?

Du ehrtest Sie, die Herrscherin, Richterin,


Die Huld des Höchsten, Gottes Barmherzigkeit!
So bist du selig! Feire Jesus!
Fleh den Messias für deinen Enkel!

REISESEGEN

Baltrum! Sieben Inseln ruhn im ostfriesischen Meere,


Aber die kleinste du, die in dem Perlenkranz gar
Die bescheidenste, ja, verschlafnes Dornröschen genannte.
Mir bist du Heimat. Und hätt einst das Geschick es gewollt,
Wär ich in dir zur Welt gekommen, du Reich meiner Mütter.
Nun begrüße du freundliche Freundinnen mir,
Evelin grüß und Karine grüß und Quentin und Juri!
Mutter, schenke der Schar Ruhe und glückliche Zeit,
Hagebuttengeschmückte, den Kleinen kindliche Freude,
Schenke ihnen des Meers herrlichen Rauschegesang,
In den Dünen bereite ein Bett den Müden und sende
Sanfte Kaninchen vorbei, sage den Träumenden dies:
Alle Schöpfung will spielen vor Gott wie die glücklichen Kinder!
Seliger Meeresstern! strahl deinen Segen des Lichts
Auf die Lieben herab und gib ihnen Ruh von der Mühsal,
Heilige du den Bund liebreicher Freundschaft der Fraun
Und erscheine den Kindern im Traum und zeige den Schatz des
Heiligen Nikolaus, der da fuhr über die See.
- Mag auch Eine gedenken vergangenen Urlaubbs, gedenken
Des Poeten auch, der hier gefunden sein Glück.
Er verehrt den reetdachgedeckten Rundtempel, wünscht sich
Hier ein Stoßgebet zu dem all-liebenden Gott!

AN EVI

Ich sitze in der Schenke und denk der Zeit,


Da Schmerz der Liebe mir mein Gemüt zerriß
Und durch den blut’gen Spalt ich schaute
Tief in die Mitte des Weltalls Gottes -

Und sah den Evelinischen Kosmos, sah


Die Blaue Blume wandeln als Königin
Und stieg auf ihrer Spur zum Throne
Gottes - - vom Blitze getroffen stürzt’ ich!

Ich lag im Staub, da weckte Maria mich,


Sie nahte mit Gefolge von Heiligen,
Von Mystikern und Büßerinnen,
Hob mich hinauf in das Reich der Himmel!

Da schweb ich nun in seliger Ruh, da leb


Ich in der Friedenskönigin Friedensreich
Und liebe voller Zärtlichkeit die
Liebliche Blume des Paradieses!

Ich hab am auferstandenen Leibe noch


Die Spuren meiner Wunden, am Herzen noch
Die Liebesnarbe; sehn’ mich manchmal
Töricht zurück nach den Liebesschmerzen...

AN MARIA

Maria, einst im Maien verlangte ich


Nur dich zu lieben, Einzige, Liebe Frau!
Ich weihte dir die bleiche Traumfrau,
Welche der Träumer dir nachgebildet,

Ich wollte von dem Schatten zu der Idee,


Idee der Schönheit höchster Vollkommenheit!
Da weihte ich mich deinem Herzen,
In deinem Herzen dem Herzen Jesu.
Ich pilgerte zur Grotte, da du dereinst
Erschienen, und verlobte mich an dem Quell
Vorm Sakrament des Tabernakels,
Jungfrau, mit dir, und ward Freund der Weisheit.

Da aber brach die Leidenschaft sich den Weg,


Da glühte ich, da liebt’ ich ein schönes Bild,
Und in Verlangen und Verehrung
Huldigte wieder ich einem Gleichnis.

Fürwahr, die unerwiderte Leidenschaft


Mir rammte einen Pfahl durch des Herzens Fleisch,
Ich lag im Staube unter Tränen
Einsam im nächtlichen Hain der Trauer.

Ich sah das Mädchen sternengekrönt im All,


Mich dorngekrönt am Kreuze! Ich starb! Ich ward
In deinem Schoß begraben, Mutter,
Die du mich salbtest mit deinen Tränen.

Du führtest meine betende Seele in


Das Himmelreich der Heiligen in dem Mai,
Da du im Säuseln schöner Stille
Heiliger Zärtlichkeit zu mir sprachest.

Da, Jungfrau, schien die Sonne des Glücks mir auf


Im Hain der Friedenskönigin.- Schau, ich lieb
Vor allen dich, mein Seelenfriede,
Die du bist Himmel in meinem Herzen!

O nimm des Herzens Schlüssel aus Jesu Hand


Und schließe zu, daß niemand mehr aufschließt, und
Schließ auf und laß mit dir allein mich
Bräutigam sein in dem Brautgemache!

CHARIS

Schau, Geliebte, o Freundin, ich kann dich nimmer vergessen,


Noch heute nach dem schwarzen Schreckenstraum
Zittern mir alle Glieder, ist sehr erschrocken die Seele,
Weil mich der Dämon überwältigt nachts,
Drückte mich, presste den Atem mir ab, ich rief nach der Jungfrau,
Bis mir der Gott erschien als kleines Kind.

Nun aber sitzt mir der Traum in Mark und Gebein und die Seele
Sehnt sich nach warmer Liebe süßem Trost;
Freundin, du könntest mich trösten mit umarmenden Armen
Und süßem Lächeln deines schönen Munds,
Klagte ich deiner Seele die bange Angst meiner Seele,
O Charis, wärst du Licht in meiner Nacht.

II

Ich brauche nie mehr wirklich dich anzuschaun


Und muß nicht werben mehr um die Liebe dein
Und zu dir mit dem Wagen rasen,
Heimkehrend aber durch Wälder schleichen;

Denn du bist mein, mein eigen, im tiefen Herz


Bist du, in meiner Herzkammer eingeschreint,
Dort seh ich deine Götterschönheit
Lächeln unsagbarer Liebesanmut.

III

Charis, keine der Fraun je zu vergleichen dir,


Noch so reizend und schön oder so schwesterlich,
Meine schöneste Schwester,
Du mein inneres Eigentum!

Werk der Augen getan, tu ich nun Herzenswerk.


Nicht mehr werb ich um dich, weil du mein eigen bist,
Meiner Seele Gemahlin,
Frau im Brautbett der Einigung!

Deine Augen sind Stern, lächelndes Himmelreich,


Eine Rose dein Mund, Lilie dein weißer Leib,
Eine Aue der Wonne
Innen in mir, ja, die bist du!

Du mein innerer Trost, innere Freude mein,


Bild der ewigen Frau, göttliche Schönheit du,
Liebe, Herz meines Herzens,
Mir vertraut von dem lieben Gott!

IV

Dein Garten ist ja nicht von der Welt, das Grün


Ist meiner Seele Hoffnung, die Iris blau
Ist eine heimliche Geliebte,
Keuschesten Kelches vorm weißen Falter.

Dein Garten ist ja nicht von der Welt, das Licht


Der Sonne ist das Licht meiner Liebe, schön
Die weißen, roten, goldnen Rosen
Kränzen dich, heilige Schönheit, Charis!
V

Wohl, ich sahe dich, Frau, fruchtbarer Mutterschaft,


Gottesmütterlich dich, Gottesgebärerin,
Einen Kosmos im Schoß, Mutter des Weltenalls,
Große Mutter der Fruchtbarkeit;

Wohl, ich sahe dich, Frau, säugen den kleinen Sohn,


Auf dem purpurnen Bett unter der Decke blau
Du im seidigen Weiß, Göttin mit Gottessohn,
Jungfrau, schwellender Mutterbrust;

Aber seh ich dich, Frau, innen im Herze mein,


Dich von Amor verklärt, Schönste der Frauen, dich,
Bist du meine Begehr, all mein Verlangen du,
Mir erotische Seelenbraut!

VI

In der Nacht, Geliebteste, sah ich deine


Dunkelblaue Blumengestalt auf Sternen
Durch des Universums Gebreite treiben,
Herrin des Weltalls,

Und mich fasste Liebe zu deinem Himmel,


Daß ich bat die ewige Gottheit: Vater,
Oh, ich möchte beten zur schönen Charis:
Herrin der Liebe!

VII

Sind erotische Fraun, schön, so doch schöner du,


All du meine Begehr, schöner, erotischer,
Lusterregender Reize
Reichste Königin meines Fleischs.

Doch das ist nicht dein Sieg, der mich zu eigen gibt
Dir, dein eigen bin ich, weil du mit siebtem Sinn
Liest im Buch meiner Seele,
Ohne Worte verstehst du mich!

VIII

Mond der Mitternacht du, dämmernden Schweigens reich,


Du unendliche Nacht, kosmische Blume blau,
Universum der Seele
Bist dem Sänger der Liebe du!
Mit dem Morgenrot du steigst aus dem Meer der Nacht,
Dunst und Schleier von Tau hüllt deinen Lilienleib,
Rosenarmige Göttin!
Deine Brustspitze mich durchbohrt!

IX

Meine Liebe bist du, weil ich dich nicht begehr,


All mein Frieden bist du, weil ich verzichtet hab,
Weil ich innig dich lieb, ohne zu lieben, lieb,
Du mein himmlisches Ideal!

Weise bist du und schön! Weisheit und Schönheit dein


Ist ein Spiegelbild, rein, makellos, unbefleckt,
Meiner Geistseele Geist, Göttin der Seele mir,
Du Idee aus der Liebe All!

Nur weil Andre neben dich treten, Charis,


Kenn ich dich, du unter den Frauen Schönste,
Die du mit erotischer Vollmacht lehrest,
Tochter der Lieder.

Ist die Jugend liebreizend anzusehen,


Jugend sehr verführerisch anzuschauen,
Scheint mir immer: Jugend ist Torheit, aber
Weisheit ist Charis!

XI

O deine Stimme! Ich bin bezaubert, Charis,


Deine Stimme ist eine Himmelsdichtung,
Nachtigall, du Tochter des Liedes, Charis,
Süß deine Stimme!

O deine Sprache! Ich verehr dich, Charis,


Deine Sprache ist rein wie der Poeten,
Edel und erlesen wie alte Schriften
Ewiger Weisheit!

XII

Sterne, o Sterne! Gleichen Sternbilds, Charis,


Der Geheimnisse Freundin, des Geschlechtes,
Wir geboren, Kalmus im Moor ist unser,
Scorpioweibchen;
Nicht aber unterm selben Mond alleine,
Auch im selbigen Jahr geboren beide,
Jahr der Schlange, wie die Chinesen sagen,
Du meine Schlange;

Siehe, die Handvoll Tage, die uns trennen,


Sind Orions und der Plejaden Nächte,
Da Orion jagte die Siebensterne,
O du Plejade;

Zwillinge sind wir, Kinder Eines Schöpfers,


Eine Mutter des Lebens war uns gnädig,
In das selbe Lebensbuch schrieb der Ew’ge
Unsere Seelen!

XIII

Du hast dich geschrieben in meine Seele,


Nahmst zur Tusche Rosenblut deiner Schönheit
Und zum Kiel den Rosendorn der Begierde,
Schriebst in die Seele,

Schriebst in die unsterbliche Seele, Charis,


Deines Namens Schriftzüge: Liebe heißt du,
Schönheit heißt du, Anmut und Liebreiz ist dein
Ewiger Name!

XIV

Traurig, meine Seele ist traurig, Charis,


Aber deshalb nicht ist die Seele traurig,
Weil du sie nicht liebtest - Ich traure, Charis,
Traurig vor Weltschmerz!

Du bist meine Zuflucht, vor deinem Antlitz


Und vor deinem lieblichen Lächeln, Liebe,
Scheint die Welt mir nicht mehr so bitter, gar so
Bitter, o Süße!

XV

Wir Seelen von dem Schwermutsgeschlecht, und du


Und ich, wir sind vom Schicksal geboren in
Der Nacht der Heiligen und Seelen,
Wandelnd schon lebend im Reich der Schatten!

So seufzen wir im Tränental, schwermutvoll,


Und wandeln nur entgegen der tiefern Nacht,
Wo du mir wirst zur Paradiesfrucht,
Weib meiner Weihnacht, geweiht der Weisheit!

XVI

Schweben will ich ins All, glühn in des Weltalls Herz,


Ob im glühenden Herz find ich die Blume blau
(Einst im Odenwald sah ich
Über deinem Gemache Gott!),

Sehe blauende Nacht, rein wie kristallner Tau,


Funkelnd Schimmer vom Mond, und auf dem fernern Stern
(Nach entfleuchendem Dunkel
Aus der Nacht taucht der Morgenstern)

Seh ich Bäume voll Frucht, Blüten zugleich am Baum,


Goldorangen im Laub, grüne Limonen auch,
Seh dich unter dem Baume
Purer Schönheit im Paradies!

Der lebendige Strom, Wasser des Lebens netzt


Deinen schwebenden Fuß über dem goldnen Pfad,
Durch die perlende Pforte
Strömen wir in der Liebe Licht!

Eins, vereinigt und eins! Wonnegefühl und Lust


Gießt der Geist in den Geist! Gottes Vereinigung
Mit der Seele vereinigt
Herz und Herz der Glückseligen!

DER WEIN

Weil ich verlassen bin und keine Liebe mir leuchtet,


Weil so bitter die Welt, und weil so dunkel die Nacht,
Ruf ich dich, du heiliger Gott in dem irdischen Kelche,
Der du mein strömender Trost, oder bist du nicht mein Trost,
Spende mir Weisheit, Einsicht und erleuchtete Augen,
Denn dein Herz ist aus Blut, Geist bist du, fließender Gott!

Fließendes Licht der Gottheit in dem rosigen Wingert,


Sing und spiel mir zum Tanz, lösche die Traurigkeit aus,
Lösche die Traurigkeit, lösche den Weltschmerz, Elend und Tränen,
Sing den Hochzeitsgesang, tritt in die Kelter mit Kraft,
Laß es spritzen, das Blut deines Herzens, blutende Minne,
Deinen begeisternden Geist, Zunge mit Feuer benetz!
Unterzusinken in meiner dunklen Einsamkeit Becher
Ist des Schicksals Gebot, sei du mein Wegegefährt,
Leuchte mir vor in der Nacht mit deiner rosigen Fackel,
Triefend umranktem Stab, Wanderer du in der Nacht
Mir an der Seite, geleite mich zum seligen Lager,
Wo der Traum mich entzückt, Seele mir lacht in dem Blut!

II

Mein Herz, es ist zerrissen, mein Herz zerriß,


Die Qual, sie trat die Kelter, es spritzte Blut,
Es spitzte Blut, ich trank die Ströme,
Ah! ich betrink mich am Blut und sterbe!

O Tod, gib keine Lethe mir, gib mir Blut,


Des Lebens Blut gib, das ich erlechze, gib
Das Blut des Lebens, gib vom Weine,
Welchen der Heiland vergoß am Holze!

III

Dichter, lad ich dich ein, komm aus dem Schattenreich,


Spann das Feuerpferd an, eile von Mond und Stern
In die Einsiedelei des
Der nicht Bruder zum Trinken hat!

Schenke weder noch Braut, die dir den Gott vertritt,


Wirst du finden bei mir, aber Gespräch, o Freund,
Von der Weisheit und Dichtkunst,
Du bring himmlische Weine mit!

Sind betrunken wir dann, lalle von Liebe dann,


Paradiesfrauen sing oder Triumphgesang
Gloriosa, o Dichter,
Gehst du, schlaf ich getröstet ein.

IV

Wein und Weiber, Weiber und Wein betören


Weise? Wärens Weise, würds sie betören?
Allerliebste Torheit, die Buhlerinnen,
Weibliche Torheit,

Allerliebste Torheit, die Buhlerinnen


Wissen zu betören und - bleiben ferne,
Ferne Torheit! Nah ist allein die Torheit,
Weiser, des Weines!
V

Wie lang noch, Herr, wie lange noch? Großes Leid


Befällt mich diesen Herbst, da der Regen strömt,
Fällt lauter Wasser aus den Himmeln -
Warum denn regnets nicht trockne Weine?

Ich tanzte auf den Straßen, vom Wein benetzt,


Den Weibern allen glühte der Wangen Scham
Und lüstern alle drängten dicht sich
Heiß in dem goldenen Harem, aber

Nun sitze ich allein und die Träne tropft,


Die Träne in den Weinbecher tropft, allein
Sitz ich im Regen vor dem Weine,
Weine und weine allein vorm Weine.

VI

Vielgeliebte, du singst nimmer mein Liebeslied


Einsam dir in dem Bett dämmernden Mondes vor,
So vergeblich erscheint meiner Verliebtheit Lied,
Wem Geliebte, wem sing ich vor?

Wein, mein Tröster und Trost, römischer Dichter schreibt


Mit dem Wein auf den Tisch, schreib ich mein Liebeslied
Mit dem Finger im Wein, schreib auf dem Tisch im Wein,
Schreib, und schlürfe den Rotwein auf.

VII

Ich schreibe, weil die Seele so übervoll


An Leiden bis zum Rand meiner Kehle ist
Und singe, singe um mein Leben,
Ob ich mir irgend noch Trost ersinge!

Ich trinke, weil die Seele so leer, so leer,


So leer, ob noch die Herrliche sie erfüllt?
Die Leere ist dem Gott gewidmet,
Der sich mir einflößt im Rebenblute!

VIII

Komm, ich beschwör dich, Liebe, in tiefer Nacht,


Komm nicht am Tag mit Tagesverpflichtung, komm
Zu mir um Mitternacht, Geliebte,
Komm wie ein Genius aus den Himmeln,
Komm, o Geliebte, trinke den Wein mit mir,
Trink Wein, Geliebte, bis dir die Wange glüht,
Den Becher küsse mit den Lippen,
Küsse, Geliebte, des Mundes Rose!

IX

Schwester! Kluge Jungfrauen trinken immer


Heiße Schokolade in Dichterstuben,
Blättern in Papieren, studieren Dichter,
Dichter! und nüchtern!

Komm du in die Höhle des schwarzen Panthers


Sinnlichkeit, der Jungfrauen reißt, der heißes
Blut wie Wein säuft, trunken vom herben Weine
Trunkener Liebe!

Trinken, Singen im Übermaß -


Singen: Wer sang Gesang meinem Gesange gleich,
Übermäßig und reich und schön,
Von der kommenden Welt schnöde vergessen, wer

Trank und sang so im Übermaß -


Trinken: Trinkt ihr den Wein, einsame Seelen ihr,
Die vergeblich der Liebe denkt,
Wisst, ihr werdet mein Blut trinken im roten Wein!

XI

Früher, Vielgeliebte, stand Gott geschrieben


In den Büchern heiliger Seher, Leben
Dir bekundend, Buße gebietend, Glauben,
Liebste, gebietend.

Heute steht mir Gott in dem roten Weine,


Gott des Blutes, blutender Gott der Liebe,
Gott des Bechers, weinender Gott der Minne,
Herrin, der Minne!

XII

Rot das Morgenrot, rot, rot ist des nachts der Mond,
Rot dein lockiges Haar, rot ist dein Rosenmund,
Rot die Brustspitze, rot, Schamlippe Purpur rot,
Rot mein Blut ist und rot der Wein!
XIII

Was denn blutet im Herz? Ist es der rote Wein?


Ist er süß oder herb? Allzeit von Leiden herb!
Trocken, trocken wie Tränen,
Herb wie Erde im Ernteherbst.

Was denn blutet im Herz? Ist es mein eigen Blut?


Das schwermütige Blut, Melancholei vom Mond,
Blutend, blutend wie Tränen,
Weinend, weinend wie Einsamkeit!

Was denn blutet im Herz? Ist es, o Frau, dein Blut?


Dein Blutsbräutigam ich, Blutsbronnen offen du,
Tauchst du mir aus der Vene,
Morgenröte des Roten Meers?

XIV

Gott, ich bin ein Kelch deiner Gottesfluten,


Schwermutsbecher deiner Glückseligkeiten,
Weinest in mich einsamer Tränen Blutschweiß,
Ich bin dein Kelch, Gott!

Nun ist es an dir, o mein Gott, nun hebe


Du den Kelch zum durstigen Munde, Heiland,
Wenn dich dürstet, Heiland, dich dürstet, trinke
All meine Tränen!

MAGDALENA UND JESUS

JESUS:
Nimm mein Fleisch, o Mirjam, nimms zum Gedächtnis,
Weil ich dich auf all meinen Wegen liebte,
Trink mein Blut mit durstigem Munde, Mirjam,
Meine Granatfrucht!

MAGDALENA:
Ich soll dein Granatapfel sein, o Jesus?
Bin nur eine staubige Wüstenöde,
Da dich der Versucher versuchte, Jesus,
Gras ist mein Fleisch nur!

JESUS:
Will ich doch dein Fleisch, o geliebte Mirjam,
Durch die kleine Hostie dich vergotten!
Denk nicht an die Nichtigkeit deiner Seele,
Du bist mir Göttin!
MAGDALENA:
Oh, gedenk der Einigung in dem Fleische
Benedeiter Hostie ich, so wein ich,
Überlassen heute so ganz mir selber,
Weilst du mir ferne!

JESUS:
Wenn ich ferne weile, geliebte Mirjam,
Nur um die viel näher zu sein, o Freundin,
Geh ich in den Ölgarten deiner dunklen
Einsamkeit, Mirjam!

MAGDALENA:
Schön ist, Jesus, Einsamkeit, bin Gebet ich,
Aber schwarze Isolation der Seele
Ist der Seele Einsamkeit, Jesus, wenn ich
Gott nicht mehr finde!

JESUS:
Sagen auch die Evangelisten, Jesus
Sei im Ölbaumgarten allein im Leiden,
Ist mein Trost, o Mirjam, du leidest mit mir
Tödliche Trauer!

MAGDALENA:
Stern der Wermut, Bitternis-Sterne walten
Über meinem Schicksal, wie Gottes Flüche!
Schon als Kind statt süßester Milch der Mutter
Trank ich den Essig!

JESUS:
Ich nun speis die Galle der Kindheit, Mirjam,
Ich nun trag die Flüche des Schicksals alle,
Der ich nach dem Willen des Vaters leere
Bitterste Becher!

MAGDALENA:
Leere sie, o Jesus, für mich, ich dürste
Nach Orangen, Pfirsichen, Milch und Wasser!
Aber warum, Ewiger, muß ich trinken
Bittere Becher?

JESUS:
Auserwählte Seele, sei glücklich, Mirjam,
Weil ich dich mir einigte in dem Fleische,
Will ich mich dir einigen in den Tränen
Tödlicher Ängste!

MAGDALENA:
Wenn dich der Verräter im Kuß verraten,
Wag ichs nicht, Geliebtester, dich zu küssen,
Unter meinen strömenden Tränen deine
Tränen zu küssen!

JESUS:
Nicht der Kuß ist, Liebe, Verrat an Jesus,
Küsse lieb ich, welche die Liebe küsset.
So, bevor die Stirne mir Dornen kränzen,
Küss meine Stirne!

MAGDALENA:
Aber küsse, Jesus, auch mir die Stirne,
Nicht die Lippen, Jesus, wie andre Männer.
Aber warum kommen wir nicht zum Küssen?
Mußt du so leiden?

JESUS:
Siehe, mit neunschwänzigen Peitschen geißeln
Sie mich, Liebe, gläserne Splitter schneiden
Schmerzlich in mein sündloses Fleisch um deinet-
Willen, Geliebte!

MAGDALENA:
Wie ich es erleide, o Jesus! Selber
Schneid ich mir mit gläsernen Scherben Wunden,
Daß ich eine Bluthochzeit feire, Jesus,
Mit dir alleine!

JESUS:
Deines Blutes Blut bin ich, Vielgeliebte,
Deines Fleisches Wunden geworden, Mirjam,
Ja, ich bin der Schmerz, zu erlösen alle
Selbstische Liebe.

MAGDALENA:
Lieben will ich, lieben, o Vielgeliebter,
Aber diese Leiden nicht mehr ertragen,
Tragen nicht die fürstliche Krone solcher
Dornen im Herzen!

JESUS:
Wie mir alle Dornen zu Rosen werden,
Deinetwillen, denk ich an dich, Geliebte,
Bett ich mich in Stacheln und Disteln, Mirjam,
Gleichwie in Liljen!

MAGDALENA:
Heil, dir werden Dornen zu Rosen, Jesus,
Aber meine Lilien werden Stacheln!
Liebe meine Stacheln, o Dorngekrönter,
Mach mich zur Lilje!

JESUS:
Wirst du nicht zur Lilie, Vielgeliebte,
Denke, daß die Lilien oft so stolz sind!
Du bist Fleisch, die Blume des Grases, die auf
Golgatha blühet!

MAGDALENA:
Alle Frauen sehe ich weinen, Jesus,
Alle seh ich mitleiden deine Leiden,
Alle tröstest du. Warum nur allein mir
Trost nicht zuteil wird!?

JESUS:
Weil ich mehr dich liebe als alle andern!
Wird mir denn die Tröstung zuteil, Geliebte?
Endlos ist mein Leiden, seh ich dich weinen
Trostlose Tränen!

MAGDALENA:
Sollte meine Tröstung dich trösten, Jesus,
Trockne meine Tränen, o Vielgeliebter,
Daß du nicht so leiden mußt, o mein Jesus,
Trostlose Leiden!

JESUS:
Leid ich deine Trostlosigkeiten trostlos,
Werd ich der Erlöser sein und dein Tröster!
Bleibst du bei mir, Freundin, folgst meinen Füßen,
Werd ich dich lösen!

MAGDALENA:
Simon von Kyrene, er trägt dein Kreuzholz,
Aber ich bin, Jesus, zu schwach im Leiden,
Dir dein Kreuz zu tragen, du Sohn des Menschen,
Bitte vergib mir!

JESUS:
Mit dem Leibe weniger muß ich leiden,
Leide schwerste Leiden der Seele, Schwester!
Wer will meine Leiden der Seele leiden,
Um mich zu lieben!?

MAGDALENA:
Löse von dämonischen Seelenschatten
Mein beflecktes Inneres, o mein Heiland!
Lebens-Angst und Schwermut verbittern schmerzlich
Mir meine Seele!

JESUS:
Unter deinen Herzensdämonen leid ich
Mehr als du! Ich stürz in den Staub der Erde!
Du bist Gras, ich aber ein Wurm, der Staub frißt,
Heilige Seele!
MAGDALENA:
Deine Füße wollte ich küssen, Jesus,
Deine Hände küssen, die segensreichen,
Aber deine Menschen durchbohren dir die
Hände und Füße!

JESUS:
Auf das Bett des Kreuzes mich so zu legen
Mit den Liebesleiden des Menschensohnes
Hab ich freien Willens beschlossen, Mirjam,
Für dich zu bluten!

MAGDALENA:
Einen Tropfen deines Erlöserblutes
Lasse von der schöpfrischen Rechten tropfen,
Meine blassen durstigen Lippen netze
Mir mit dem Rebsaft!

JESUS:
O! ein Tropfen meines Erlöserblutes
In die Wüste deines verlornen Herzens
Tropfend, wandelt dir deine Wüste um in
Fruchtbaren Garten!

MAGDALENA:
Eines Gartens Fruchtbarkeit? Meine Wüste
Schreit, wie eine durstige Hindin, Rehbock,
Den der Jäger jagte im Morgenrote,
Traf und erlegte!

JESUS:
Gott hat aus dem Schoß meiner Mutter, Mirjam,
Mich gezogen, mich an der Brust der Mutter
Einst genährt mit Milch – und nun dürst ich, dürste,
Dürste nach Liebe!

MAGDALENA:
Alle meine Liebe will ich dir schenken,
Ist es auch ein Tropfen nur, nur ein Fünklein,
Sieh es an als Meer oder Waldbrand, Jesus,
Gott meiner Liebe!

JESUS:
Komm doch näher, Mirjam, ich glüh vor Sehnsucht,
Daß mich jemand herze nach meinem Herzen,
Ich, von allen Menschen verlassen, brauche
Deine Liebkosung!

MAGDALENA:
Jesus, du der Schönste von allen Menschensöhnen,
Nun von Blut und Wunden entstellt, gar häßlich,
Schönster Jesus, laß mich verzweifelt deine
Füße umfassen!

JESUS:
Weine, weine, Mirjam, zu meinen Füßen,
Ist mir doch, als küsstest du meine Lippen,
Die zerplatzt vom Dürsten nach Liebe, Mirjam,
Stille mein Dürsten!

MAGDALENA:
Wie denn kann ich mehr dich noch lieben, Jesus?
Ärmste aller Armen ist deine Mirjam,
Bin ein Nichts! Die Nichtigkeit meiner Seele
Will dich liebkosen!

JESUS:
O, ich bin so glücklich im Leiden, Mirjam,
Daß ich dir mein Blut, meine Schmerzen schenke,
Schenke dir im Mitleiden einen Bruder:
Siehe Johannes!

MAGDALENA:
Oh, Johannes wagt es nicht, dir am Herzen,
Dir an deinem Busen zu ruhen, Jesus,
In der Ohnmacht stürzt er in treue Arme
Mutter Mariens!

JESUS:
Deine Mutter, Mirjam, und deine Schwester
Ist, die mich geopfert am Kreuz dem Vater!
Sie fürbittet, o Mirjam, für dich zum ewgen
DU, deinem Gotte!

MAGDALENA:
DU, o unergründliche Gottheit! Weh mir,
Jesus ist am Kreuze gestorben, Jesus,
Christus ist am Kreuze gestorben, Christus,
O tot Messias!

(Stille der Nacht.)

MAGDALENA:
Tot ist Glaube, Hoffnung und Liebe! Weh mir,
Wehe, wehe! Was ich vollbring, mein Opfer,
Ist, nur einen Leichnam in Duft zu hüllen,
Duftende Leiche!

JESUS:
Mirjam, Mirjam! Wen bei den Toten suchst du?
Suche in der Lebenden Land das Leben,
Unsichtbares Leben, das unvergänglich,
Sieh du im Menschen!
MAGDALENA:
Wer denn bist du, Mann in dem grünen Mantel,
Mann, bist du ein Gärtner im Todesgarten?
Was ist denn ein Mann, fehlt die Liebe Jesu!?
Oh wo ist Jesus?

JESUS:
Mirjam, Mirjam! Ich bin’s! O Vielgeliebte,
Ich bin mit dir! Ewiges Leben, Mirjam,
Pneuma-Fleisch und heilige Seele geb ich
Meiner Geliebten!

MAGDALENA:
Anzubeten, Jesus, zu deinen Füßen,
Deine Schönheit, Gott im verklärten Fleische,
Darf ichs, kann ichs? Sieh die Verwirrung meiner
Weiblichen Seele!

JESUS:
Ich bin Du, denn Du bist in Mich verwandelt,
Ich bin tiefer Du als Du selber Du bist,
Ich bin Dein, Dein göttliches Du, Geliebte!
Liebe Mich, Mirjam!

ODEN AN DIE DUNKLE NACHT

ERSTER TEIL

Mein Wäldchen, lichter Buchenhain, dunkler Hain


Von immergrünen Kiefern, verschlungene
Waldwege ziehn durch dein Gewölbe,
Mutter Natur, hier durch deinen Tempel.

Wenn mit den Hündchen täglich die Bürger gehn


Und feierabends läuft das Gesundheitsvolk,
Dann meid ich dich, wenn auch die scheuen
Eichhörnchen flüchten vorm Volk der Bürger.

Doch wenn des Nachts ich kehre zu meinem Haus


Von einem frommen Bibelgespräch, allein
Rabbuni Jesus war das Thema,
Liebender Bräutigam Magdalenas –

Empfängst du schweigend mich in dem Heiligtum,


Der Lebensbäume ehrfurchtgebietendem
Dom der Natur, der alten Mutter,
Da mir die Lüfte wie Liebesboten

Erscheinen, da mir predigt die Stille in


Dem holden Glanze goldenen Abendsterns,
Die Mondin schon im Osten anhebt,
Mystisches Schweigen spricht leis: Maria...

Wie oft ich auch am Tage geirrt, die Welt


Mich narrte mit den Zungen der Narretei,
Geschwätz der Toren, Lärm der Wagen,
Alles bewirkt, daß die Seele kranket –

Begeb ich mich allein in dein heiliges


Geweihtes Therapiezentrum, o Natur,
Seh ich das Liebesspiel der Sonne
Zärtlich in Gipfeln der Kronen tanzen,

Seh ich die Blätter zittern empfindungsvoll,


Wie Bibelseiten raschelnd im Geisteswind,
Beschrieben mit der Schrift der Weisheit
Uralt im Blutbuchen-Buch des Lebens,

Kommt in der Hochzeit mystischen Schweigens mit


Des Himmels Liebesflüstern im Lüftchen mir
Der Frieden über die Vernunft in
Meine verwundete Seele, siehe,

Da spricht der Therapeut meiner Seele sanft


Im Wind, der Hauch, der Heiland, von Ruhe mir,
Von heiligen Beruhigungen
Liebesgeflüster die ewge Weisheit.

O Jungfrau, in dem Dunkel der Glaubensnacht,


Da Zweifel meine Seele verzehren, komm,
Zertritt das Haupt der alten Schlange,
Tritt den Verführer dir unter, Jungfrau!

Leg ab das schwarze Trauergewand, o Frau,


Und kleide dich mit Linnen der Heiligkeit
Und deinem gloriosen Golde,
Nimm deine rosigen Perlenschnüre,

Das Muschelkettchen leg an den Schwanenhals,


Den Myrrhebeutel zwischen die Brüste leg,
Den goldnen Ring tu an den Finger,
Der dich den seligen Minnern antraut,

Setz in das schwarze Haar dir das Diadem


Aus lichtem Glanz des siegreichen Morgensterns,
Die Lippen rosig laß erblühen,
Winken die Wimpern der Morgenröte,

Leg deinen bloßen Füßen Sandalen an


Und tanz in den Sandalen den Hochzeitstanz,
O Sulamith von Mahanajim,
Tritt auf das lüsterne Haupt der Schlange!

Vom Monde, Unbefleckte, vom Monde komm,


Im Freudenglanz der herrlichen Sonne komm,
Heerbannerschrecklich wie die Heerschar
Alle Verführungen überwinde!

Die Weisheit hat sich Zion erwählt, ihr Zelt


Steht auf Moria, Jungfrau Jerusalem
Sah Gottes Weisheit, Fleisch geworden,
Jesus, erlösende Weisheit Gottes!

Tu, makelloser Wohnsitz der Weisheit, auf


Die enge Perlenpforte zum Paradies
In deinem Schoße, Jungfrau Mutter,
Meine Erlöserin mit dem Sohne!

Judith komme zu mir, komme am Morgen schön


Mit dem langschwarzen Haar und dem Verführungsblick,
Aus dem neunten der Himmel
Tret sie segnend ans Bett zu mir!

Wohl, glorwürdige Frau! das ist der Frauen Art,


Männern, heiß vor Begier, trennen das Haupt vom Rumpf!
Soll ich also schon fallen,
Judith, sei es von deiner Hand!

Tritt der Schlange aufs Haupt, Judith, mit bloßem Fuß,


Die sich giftspritzend schleicht mir an das Herz heran:
Weiber sollen nicht herrschen,
Herrsche, heilige Frau, in mir!

Schau, ich seh deinen Wink, hör meiner Herrin Geist,


Der mir Weisheit verheißt, weist auf Sophia hin,
Mutter sie und Geliebte,
Wenn am Fenster ich spionier

Vor der Wohnung der Frau Weisheit des morgens früh.


Sie ist immer bereit, mich zu empfangen, mir
Offenbarung zu schenken
Ihrer ewigen Göttlichkeit!
4

Komm trösten, Diva Claramontana! komm


Und schau mit melancholischer Augen Glut
Aus dunklem Antlitz in die Seele,
Königin! einsamen Frauenfreundes.

Der Jahre denk ich, da ich geliebt die Frau


Wie nie zuvor, mehr Anbetung wars als Lust,
Und nie zuvor war so sehr herrlich,
Nahezu göttlich ein Mädchen in mir,

War, was an göttlichweiblichen Wesen nur


Die Menschheit je erdachte, war mir zuletzt
Im Leiden Dea Dolorosa,
Schwarze Madonna, und Nacht, die Mutter.

Auf ihrer Stirn geschrieben stand stets das Nein


Zu mir, ihr Wort: Ich liebe dich nicht! Wie Mord
Im Herzen dauert noch das Echo,
Bis in die nächtlichen Liebesträume,

Da ich sie küsse, oder weit öfter noch


Sie mir ablehnend frostig mit Frauenstolz
Das Herz verwundet wie mit Dornen:
Ich trag am Herzen die Dornenkrone!

Komm, schwarze Schönheit, Madre Dolores! komm


Zum einsamen Verehrer, der Schmerzen Frau,
Der Schmerzen Braut, des Schmerzensmannes
Schmerzlich Vermählte im Bett des Kreuzes,

Komm, schau zu mir: Der Schmerzensmann lebt in mir


Mit dorngekränztem heiligem Antlitz fort
Als Archetypus meiner Seele
In dem Martyrium meiner Minne.-

Ich hör die unaufhörliche Botschaft leis


Sich in der Stille bilden, o Königin
Mit deinem schwertdurchbohrten Herzen:
„Liebling! Du leidest? Ich leide mit dir!

Ich stehe vor verschlossenen Herzen oft


Und poche oft vergeblich ans innere
Geheime Tor zur Herzenskammer,
Aber man weigert mir jede Liebe!

Nur du und ich, Geliebter! wir lieben uns!


Wir sind vereinigt tief in dem Schoß der Nacht!
Im Bett der Leiden blüht die Rose,
Werden die Tränen der Liebe Perlen!“
5

Die Taube zeigt mir Jesus, die Jungfrau mir,


Die kleine Blume, welche den kleinen Weg
Der Liebe wies zum Kinde Jesus,
Heiligem Antlitz des holden Buhlen.

Man nannte das Erotomanie, daß sie


Als Jungfrau all ihr Liebesverlangen ganz
Auf ihren Bräutigam im Himmel
Richtete und in der Seele Tiefe,

Das menschliche Verlangen nach Göttlichkeit


Des über alles ewig Geliebten, der
Ein Ideal ist, eine Gottheit,
Seligkeit schenkender Gott der Liebe –

Doch hierin wurden Eros und Religion


Vereinigt in dem menschlichen Seelengrund,
Erlöser wurde Gottes Eros,
Minnerin wurde die Religiöse.

Der Geist gibt mir das Ablaßgebet zur Hand


Der Lieben Frau vom Karmel. Andächtiger
Verehrer Sankt Mariens bin ich,
Die ich im Himmelreich rühm und feire!

Im Karmel riet die Greisin in Weisheit mir,


Die Wanderung des Glaubens zu wandern mit
Der Lieben Frau, zu Ihrem Jesus,
Jungfrauensklave in Ganzhingabe!

Gedenke ich der Liebfraue schwarzem Haar


Und ihrer schwarzen schimmernden Augen Glut
Und ihres schwarzen Trauerkleides,
Ruf ich die Liebfraue: Schwarze Buhlin!

Für mein Gefühl die süße Gefühlin mein,


Der innern Ehe Lieblingin, Liebe Frau,
Die mir gewiesen Herzensweise
Weise als Spiegel der Gottheit Mutter!

Nun wandle ich im Wald in der Dunkelheit


Des Lebens labyrinthischen Pfad, wo mir
Erscheint die Mutter der Erlösung –
Ähnlich chinesischer Gnadenmutter –

Und reicht gestillt mich still an das Morgenrot.


Maria ruft nach Bethlehem in den Stall,
Wo still die Kuh mit warmem Odem
Anbetung atmet mit Bruder Esel

Und wärmende Geborgenheit gibt das Stroh,


Wo von dem Haar Mariens verschleiert ruht
Die Gottheit in Gestalt des Kindes.
Weinend verlangt es den Mutterbusen

Mariens und die Zärtlichkeit ihres Blicks,


Der voll Vertrauen, Hingabe, Liebe ist.
Ihr Seelenfunke anschaut in dem
Göttlichen Kinde den Seelenfunken.

Ich murmle: O Maria, Maria! sprech


Marien Mutternamen mit Minne still,
Sprech: O Maria, o Maria,
Ave Maria! den Mutternamen.

Dies murmelt ihre Weisheit, Mariens, mir:


Du, Kindlein, lebst in Mutter Marien Schoß!
Schau, meines reinen Schoßes Frucht, das
Göttliche Kind lebt in deiner Seele!

Komm, tröste mich, der heiligen Weisheit Geist,


Mit Gottesworten mystischer Schrift! Ein Lied
Ertönt mir von der Gottesmutter
Machtvoll in weisen Prophetenworten:

Denn eine Löwin bist du, o Mutter, bist


Die Herrscherin im Löwenthron, einen Sohn
Erzogst du, einen starken Löwen,
Mächtig auf Raub geht er, Menschen fressen!

Wohlan denn, meine göttliche Mutter! du


Gibst mir den edlen Löwenstolz, sieh, mein Geist
Ist Priester in der Gottheit Tempel,
Nimmer zu schmähen von Gottvergessnen.

Nun aber sprichst du selber, o Königin


Des Himmels, aus der Sternenwelt mystisches
Trostwort zu meiner trauervollen
Seele vom ewigen Himmelsleben

In deinem Garten, mystische Rose, wo


Du wohnst in einem goldenen Haus von Gott
Mit deinen Lieblingen und Minnern
Unter unsterblichen Kunstgebilden,

In ewiger Natur mit den Seligen,


Und grüßest, Himmelskönigin, liebevoll
Der Gottesweisheit Bräutigame,
Weibliche Liebe der Einen Gottheit!

O Mnemosyne! Gott war in Frankreich einst


Am Wunderborn der Immaculata, da
Ich Pilger auf der Hochzeitsreise
Lag in dem Schoße des Hügeltales

Und flehte meine Dame der Minne an


Und sang als Gottes Troubadour zu der Frau
Maria, meiner Sulamithin,
Die mir erschien in der dunklen Höhle,

Als Offenbarung ewiger Schönheit in


Dem Schoß der Nacht, dem mystischen Schoß der Nacht,
Da makellos wie weißer Marmor
Schaute der Heiligsten schönes Antlitz

Und mit dem Mund Madonna Maria süß


Zum Musenpriester goldenen Mundes mich
Geweiht, im Kusse inspirierte,
Ich mich als Mann der Madonna hingab.

Du, Jungfrau, schwebtest über dem Baume in


Der Sonne über Portugal, Fatima,
Lucia hörte deine Worte:
Weiht euch dem Herzen, dem unbefleckten

Marienherzen, weiht mir die ganze Welt!


Auch Rußland, in der Revolution der Macht
Erlegen roten Drachens, wird sich
Apokalyptischer Jungfrau weihen! –

Doch nicht das allein das apokalyptische,


Das Magnum Signum, Jungfrau im Sonnenlicht,
Bist du und trittst den roten Drachen
Nieder, endzeitlichen Antichristen;

Auch da, wo sich die Hure von Babylon


Ergibt in der unheiligen Hochzeit dem
Weltgotte Mammon, Heilge, siegst du
Schließlich, du himmlische Tochter Zion,

Du Frau des Lammes, die du in letzter Zeit


Herniederkommst in Glorie einer Braut,
Und die sind mit dem Kreuz bezeichnet,
Sammelst im Herzen, im makellosen.

Denn das verhieß der Heilige einst, daß du


Wirst in den letzten Zeiten Apostel dir
In dem Zönakel deines Herzens
Weise erziehen zu treuen Zeugen.

So sagen heut Propheten, es ist die Zeit


Für die Herabkunft Heiligen Geistes und
Der Liebe Pfingsten, da der Jungfrau
Friedensreich anbricht! Drum sprichst du heute

In Medjugorje: Ich bin die Königin


Des Friedens! Betet, betet und schenkt euch mir,
Denn Jesus will euch große Gnaden
Schenken durch mich, aller Menschen Mutter! –

Auch hör ich, o Maria, du heißest auch


Die Frau der Völker, die du Maria bist,
Maria, nun die Frau der Völker,
Königin bist du der schönen Liebe,

Du bist die Rosa Mystica, die der Papst


Verkünden möge bald als die Schmerzensfrau,
Die Miterlöserin mit Christus,
Jungfrau, gekreuzigt am Mutterherzen!

10

Wie der Heilige sprach, Afrikas großer Sohn,


Lebt der glaubende Mensch tief in Marien Schoß,
Wird im Tode geboren
In wahrhaftige Jenseitswelt.

So erscheint mir mein Haus fast wie ein Bienenkorb


Oder, sag ich, ein Schoß bergender Mutter, die
Wird in schönen Ikonen
Meiner Wohnung gefeiert, da

Schaut die Jungfrau herab, Guadelupes Idol,


Auch Sixtina erscheint, göttliches Kind im Arm,
Die Madonna von China
Zur Madonna mit goldner Frucht

Schaut, die Jungfrau, die liebt zärtlich den Menschensohn,


Kündet göttliches Wort: Niemand liebt Gott als den,
Der Sophia im Beischlaf
Beiwohnt – tief in dem Schoß der Nacht

Zeigt Sophia die Brust, nährt den Poeten an


Dar sich bietender Brust, birgt ihn in ihrem Haar
Auf der fruchtbaren Erde
Unterm Vollmond der Sommernacht.

Und im nachtblauen Kleid, glühenden Flügelkleid,


Wohnt im Zentrum des Alls sie in der Welten Kreis,
In des Zodiaks Zone,
Mutter Nacht, mit dem Schlangenstab.

Wie die Mutter, die Nacht, ist ihre mystische


Gegenwärtige Gunst all um den mystischen
Frommen Sohn und Geliebten
Der Jungfräulichen Mutter. Du,

O Sophia, im Schoß mystischer Nacht den Mann


In Barmherzigkeit du birgst ihn und Gnade, der
Aus dem Schoße geboren,
Sterbend heimkehrt in deinen Schoß.

11

Gott Schöpfer wendet mütterlich sich der Welt


In Weisheit zu: Die Schöpferin aller Welt
Ist meine Meisterin und Mutter,
Herrin des Himmelreichs und der Erde.

Die bin ich, die ich bin – ist ihr Namen. Sie
Gab Offenbarung, weisendes Wort im Geist
Der Weisheit, die die Menschen liebet,
Wird zur Erlöserin aller Menschheit

Als menschgewordne Weisheit in unserm Herrn


Messias Jesus, jungfraugeborenem
Erlöser, Gottes Kraft und Weisheit,
Weisheit, gerechtfertigt durch die Werke,

Die Weisheit, die gerechtfertigt durch die Schar


Der Kinder, den Unmündigen offenbart,
Verkannt von Weisen dieser Welt, die
Torheit des Kreuzes ist Gottes Weisheit!...

Den Auferstandnen nannte Sophia man,


Die lang vor den Äonen vorherbestimmt,
Uns Gloria zu sein und Schönheit
Ewigen Lebens in den Äonen

Der Weltvollendung. – Zeiten der Gnade sind


Von Gottes Weisheit allen bereitet, daß
Die Kinder Gottes unter Führung
Heiligen Geistes im Glauben leben,
Getreu dem Geist der Weisheit, der Wahrheit Geist,
Der in der Braut und Jungfrau Ecclesia
Maria preist als Weisheit, nämlich
Heiligen Geistes Gemahlin ist sie

Und Salomonis Tempel und goldnes Haus


Auf sieben Säulen, Elfenbeinturm und Thron
Der Weisheit und der Weisheit Mutter,
Die sie Frau Weisheit ist gleichgestaltet

Allein aus Gnade göttlicher Weisheit, die


In ihr, der Frau, vergöttlicht das Weibliche,
Die Frau des Geists der Gottesweisheit
Umschuf aus Gnade in Gott zur Göttin! –

So führe uns zum heiligen Hochzeitsfest


Ins Brautgemach der Gottheit Dreifaltigkeit
Frau Weisheit, Mutter schöner Liebe,
Weisheit des Heiligen Geists, Maria!

12

Glücklich wahrlich der Mann, welcher der Weisheit Wort


Meditiert im Gebet. Nämlich ein Lebensbaum
Ist die liebliche Weisheit,
Friedensfürstin der Seele sie!

O du göttliche Frau, Weisheit, du Ewige,


Meine Schöpferin du, Mutter und Meisterin!
Deine, Schöpferin, Schöpfung
Sucht in deinem Gesetz die Ruh

Für die Seele in Not, Heilerin, und das Heil


Und den Schirm und den Schutz: Fittiche breite aus,
Nimm Jerusalems Küken,
Mutter, unter die Fittiche!

Liebestaube von Gott, Felstaube in dem Loch,


Gurre Mutterwort warm, laß mich in deinem Nest
Ruhn, dein Taubenei, Weisheit,
Brüte, Mutter, dein Täubchen aus!

Gottheit, ich dein Geschöpf, ich bin von dir geliebt,


Auserwählt von dem Geist ewiger Weisheit bin
Ich dein Bräutigam, Weisheit,
Gottheit, du meine Schwester Braut!

Meine Freundin, du bleibst allezeit bei mir, du


Weißt den heimlichen Sinn, der mir im Herzen wohnt,
Herzenskennerin, Weisheit,
Wissend alle Geheimnisse,
Die den Seelenkeim sieht, welcher ist unverletzt,
Innewohnendes Licht bist du im Seelenkeim,
Innewohnende Göttin,
Frau Erlöserin, du mein Heil!

13

Wie kam zu mir das Glück? Kam es vom Himmelreich,


Aus dem seelischen Grund, fruchtbarer Träume Welt?
Mit der göttlichen Gnade
Rührte an mich die Lebenslust.

Oft des Leidens gewohnt, war in dem Jubel ich


Unbeholfen, ich war ratlos: Wie freu ich mich
Gottesfürchtig am Leben?
Also frug ich Teresa von

Jesus, Avilas Frau Adlerin, die getanzt,


Kastagnetten gespielt abends im Karneval;
Und die heiligen Schriften
Wiesen mich auf den Heiland hin,

Der Gefangne befreit, Blindeste führt ans Licht.


So auf Straßen den Weg führte der Geist des Herrn,
Alma Mater, du locktest
In die Bibliothek den Sohn.

Die ist schwarz, aber schön – in der Historie


Ist jungfräuliche Braut Heiligen Geistes, der
Gottheit Ruach ha kadosch,
Als das weibliche Angesicht

Gottes: Mutter ist Gott, grundloser Urgrund, Schoß


Alles Lebens, ist Frau Weisheit, sich Schenkende,
Ist die Heilige Geistkraft –
Weiblichgöttlich in Unsrer Frau.

Also tanz ich im Glück selig des Nachts im All


Auf der Erde, der Frucht, tanz die Äonen durch,
Gottes Uterus inne,
Sophianischer Seligkeit!

ZWEITER TEIL

Morgens träumt prophetischen Traum der Träumer,


Also träumt ich Zeiten, da heimgegangen
Mein geliebter heiliger Papst Johannes
Paulus der Zweite.

Und ich kniete vorn an der Kirchenpforte,


Eine Volksgemeinde versammelt drinnen,
Sang ich charismatischen Lobpreis für den
Heiligen Vater,

Der des Papstes Nachfolger wird im Amte.


Sieh, da kam mir wandelnd entgegen, leuchtend
In dem weißen Linnen, der Sohn Mariens,
Pius der Zwölfte.

Wo sind die Frauen Gottes, die heiligen


Einwohnungen Sophias, die seligen
Begeisterten in Tänzen
Geistlicher Brautschaft mit Gottes Geiste?

Wo Magdalena, Mechthild, Therese, wo


Die Gleichnisse der Jungfrau Maria, wo
Die weisen Jungfraun Jesu Christi,
Welche allein sind der Schönheit Ruhm wert!

Nachts denke ich an Tirza Baptista, die


Von engelgleicher Reinheit und Anmut war
Und im Martyrium des Heimgangs
Mir die Verehrung der Jungfrau schenkte.

Du warst des Lobes würdig, der Jungfrau gleich


In deiner gottergebnen Jungfräulichkeit,
Im supernaturalen Glauben,
Schwester der Christen, so früh vollendet!

Um deinetwillen pries ich die Lilie


In ihrer unbefleckten Jungfräulichkeit
Als Schwester der Geschwister Christi,
Heilige in dem vertrauten Himmel!

Von Ihr, die aller Lilien Lilie,


Ist mir gekommen Ahnung, wie makellos
Jungfräulich ist die Eine Gottheit –
Dreimal du singst ihr dein Heilig! Tirza.

4
Großmutter, paradiesische Rose rot,
Du bist der Gottesmutter Symbol dem Kind,
Du bist die mütterliche Liebe
Ewiger Gottheit, die meine Mutter!

Geliebte Schwester Jungfrau, du Lilje weiß,


Du strahlst in unbeflecktestem Himmelsglanz,
Bild immerjugendlicher Jungfrau,
Gleichnis Sophias, geliebter Gottheit!

O wie schön, du Lilien-Jungfrau, ist es,


In der Morgenröte zu ruhn am Busen
Deiner reinen Liebe, du Makellose,
Liebe voll Wonne!

Draußen die alltägliche Mühsal wartet,


In der Welt die schmutzige breite Straße,
Da aufreißt der gottlose Drache seinen
Stinkenden Rachen!

Nur was ich liebe, ist mir ein Sakrament,


Die Vielgeliebte war mir ein Sakrament
Der Gottheit, nun sind liebe Kinder
Göttlichen Kindes Realsymbole.

Fröhlich sind sie, die fromm steigen den Berg hinan


Auf den Wegen des Lichts, heiligem Vater nach,
So als ging es dem Mai, Feuer der Liebe zu
Und dem künftigen Freudenreich!

Ich allein bin so dumm, einsam und elend bin


Ich der törichste Mensch, mitten in dichter Nacht
In Spiralen hinab zieht mich die Traurigkeit,
Doch ich liebe die Mutter Gott!

Wie schön der jesuitische Dichter singt


In Liebe, Jakob Balde, der als Poet
Maria singt, die Jungfrau Mutter,
Himmlische Muse und reine Göttin!
Wohl, unbefleckte Göttin, ich preise auch
Dir Dante, deinen Dichterpapst, der verheißt:
Wer sterbend ruft Mariä Namen,
Selig gelangt in die Paradiese!

Zehn Jahre ist es her, da ich sterben wollt,


Und hab seit jener Mitternacht manchen Kelch
Mit giftgem Schierlingstrank geleeret,
Sterbender, ohne zu sterben! Leben

War eines Wiedergängers gespenstisches


Nachtschattendasein, halb in dem Himmelreich,
Halb schmerzreich in dem Fegefeuer,
Das ich auf Erden zu leiden habe!

Ich sterbe! Aber, Jesus, wann sterbe ich,


Auf daß ich nicht mehr sterbe, und leben darf?
Ich schrei nur deinen Namen, Jesus,
Gott, o mein Gott, mich verdrießt zu leben!

10

Manche nennen dich Licht, Frau in der Sonne,


Nennen Morgenrot dich, Mutter der Sonne,
Manche nennen dich Mond, Spiegel der Sonne,
Nennen Morgenstern dich, Botin der Sonne.

Ich nenn, Mutter, dich Nacht, Schwarze Madonna,


In dem nachtschwarzen Haar, nachtschwarzer Augen,
In der Mitternacht nur, dunkelste Mutter,
Als das einzige Licht schimmern die Tränen!

11

Sie singen alle freudig vom Morgenrot


Und nennen dich die Frau in der Sonne Kleid –
Du bist die Sonne, ich der Vollmond,
Mein ist die Mitternacht und das Dunkel!

Ich sehn mich nach der mystischen Nacht allein


Und schwermutsvoll zur Schwarzen Madonna nur
Und geh als Mond in mütterlichen
Nächten allein, denn mein Gott ist dunkel!

12
Wenn ich traure voll Leid, tief in der Mitternacht,
Weint die Schwarze Madonna auch,
Weh mir, über dein Leid, Liebfrau, ich weinen muß,
Wie du über mein Leiden weinst!

Einmal werden des Leids Tränen mir weggeküsst,


Wenn ich Tränen der Freude wein,
Dank ich weinenden Danks einzig der seligen
Lacrimosa die Seligkeit!

13

Seid umschlungen, feirende Millionen,


Jauchz und juble, Menschheit, zum großen Gotte,
In dem Meer der Kerzen wie Sterne in der
Nacht euch vereinigt!

Mich laßt einsam! Eine allein begehr ich


Heimlichtrauter Zweisamkeit: Sankt Maria
In der Liebsten, oder im lieben Kinde
Göttlichen Jesus!

14

Als ich junger Wissender war, besaß


Die Wahrheit ich als Eigentum, felsenfest,
Das Evangelium besaß ich
Und die dogmatische Kirchenlehre.

Nun werd ich alt, nun such ich die Weisheit, doch
Was gibt die Weisheit? Ahnungen nur allein,
Die wie der Hauche Hauch erscheinen
Und sich verflüchtgen in Nacht und Dunkel.

15

Mir erscheint Odysseus ein Seelengleichnis,


Als er einsam mitten im Meereswüten
In der Nacht den Schleier fand Leucotheas,
Die ihn gerettet.

Nacht ist, o Maria, so undurchdringlich,


Satte schwarze Finsternis um die Seele!
Sende du mir, Meeresstern, deines Blickes
Funken der Liebe!

16
Frug Maria ich still, einsam im Kämmerlein:
Welchen Weg soll ich gehn? Rief sie ins Gotteshaus,
Und in Seligkeit brach das
Marianische Reich schon an,

Und als heiliges Wort gab sie zur Antwort mir:


Totus tuus! – Ganz dein bin ich, Maria, dein!
Fraue! Du bist auch mein, die
Totus tuus, o Toto! spricht.

17

Komm in meine Einsamkeit, o Maria,


Fern der Hirten, fern auch der hübschen Nymphen,
Such mich auf in schweigsamer Zelle in der
Nacht der Vermählung,

Da sich meine Seele entblöße gänzlich


Deinem reinen hingebungsvollen Herzen,
Deiner Minne Hingabe senkt mich in die
Gottheit, die bloße!

18

Gott! So gewaltig, mächtig, geheimnisvoll,


Ein Abgrund aller Wundergeheimnisse,
Vernunft und Weisheit übersteigend,
Gott, überwältigend und entgrenzend,

Oh, leg mich in die Arme Mariens und


Vertrau mich ihrem Schleier des schwarzen Haars
Und laß mit Küssen meines Mundes
Küssen Maria mit trunknen Küssen!

19

Ich, Amen, bin ein Monotheist, denn Gott


Ist einzig meine Eine Geliebte, die
Nicht duldet andre an der Seite,
Einzig und einig anbetungswürdig

Ist meine Gottheit, aber Mysterium,


Ist unausforschlich, dunkler noch als die Nacht,
Und nie hob wer die sieben Schleier
Meiner Geliebten, der bloßen Gottheit!

Die unergründlich einige Gottheit ist


Gemäß den Offenbarungen Liebe nur,
Drum ich vermähl mich dem Geheimnis,
Schenk mein Vertrauen der Gottheit Liebe!

20

Ich glaube die lebendige Gottheit, Sie


Ist Liebe! Die Vereinigung in der Nacht
Geschieht in Einsamkeit der Seele
Unter dem Antlitz der Namenlosen.

Ich habe nichts als Innigkeit, nur das Herz


Und meine Gottheit, welche die Liebe ist!
Ich nackt und nackt der Liebe Gottheit –
Eins in erotischer Nacht der Liebe!

DRITTER TEIL

Auf der Terrasse allein, da die Petunien dürsten,


Da die Birke ihr Laub wirft in den Garten, das Gold,
Nach den langen Gesprächen bei dem spanischen Weine
Und der Philosophie Rede von himmlischer Frau,
Saß ich in der erholsamen Mitternacht einsam beim Weine
Und besinnlichem Rauch, sah in das Dunkel hinein.
O wie groß ist die Nacht, so weiblich, geheimnisvoll, trostreich,
Dunkles Gleichnis für Gott, der im Geheimnis der Nacht
Als in dem mütterlichen Mysterium ewigen Schoßes
Sich geheimnisvoll birgt. Siehe, da dünkte mir so,
Daß Maria erschien, die Pforte des Himmels, die Dame,
Die von dem Karmel kam, Gottes Mysterienfrau,
Kam im goldenen Glanz von offener Pforte des Himmels,
Stand vor mir in der Nacht, Mutter, All-Königin, Geist.
Und ich sank auf mein Antlitz vor Madonna Maria,
Sprach: O heilige Frau, wenn ich die Nacht so beschau,
Will es mir scheinen, daß meine Seele, o schwarze Madonna,
Ist vereint mit der Nacht und in dem Dunkel mit Gott,
Und ich erkenne, ich bin allein lebendig gewesen
In Momenten der Zeit, da mir der Ewigkeit Geist
Gab Erfahrung des Eins-Seins mit Gott, so einzig das Eins-Sein
Mit dem Einigen Ein, Gott, ist lebendiges Sein!

Als ich mich einsam fühlte, verleugnet von Menschen,


Fuhr auf geflügeltem Rad ich durch die schweigende Stadt
Und beschaute die Jungfrau von Guadelupe in der Seele.
Über dem Friedhof erschien, sommerlich sonniges Licht
Umgeworfen als Mantel, droben die himmlische Dame.
Und in einer Vision sah ich, der Mandorla gleich,
Mandelförmiger Mandorla gleich aus rosigem Glühen,
Heiliger Mutter Schoß, heilig und makellos rein,
Und im Schoße der göttlichen Mutter erschien mir Messias
In der Mandorla, Licht, schneeweiß sein reines Gewand,
Stand er, wie im reinen Schoß, in der Pforte des Himmels
Mit dem heiligen Kreuz – Schau! schon im Schoß ist das Kreuz!

Wie ich gedürstet nach der Geliebten, Leidenschaft röhrte


Nach erquickendem Trank lauterer Quelle der Frau!
Wie ich, wie Nacht und Mondschein, wie Windhauch und Spiegel des Weihers,
Sehnte mit finsterem Licht nach der Vereinigung mich!
Oh wie mich dürstet nach dem Sakramente des Weibes,
Der jungfräulichen Milch kommuniziertem Getränk
Als dem Weine der Weisheit, eins mit dem Wasser der Einsicht,
Wie ich hungrig verschmacht, Bettler, nach süßestem Fleisch
Der Geliebten, die ist Verkörperung glorreichster Gottheit,
Nach dem mystischen Leib ewiger Weisheit verschmacht
Ich, ein Minner im römisch-patriarchalischen Kultus,
Will, daß Gott mir als Frau hingibt den weiblichen Leib!

Nicht mehr will ich mich sehnen nach dem lieblosen Liebchen,
Die nicht wollte mein Lied hören, der Huldigung Lied.
Irgendeine wunderschöne, doch grausame Göttin
Wohnt in ihrer Gestalt, oder der Pantherin gleich
Spielte sie interessiert mit ihrem verwundeten Opfer! –
Aber ich wende den Blick, schau zur jungfräulichen Magd
Gottes und sehe die Gottesmutter in himmlischer Wohnung
Lächeln zu meinem Lied, voll von der Grazie Huld.
Und die heilige Harfe, zu der sie das Magnificat singt,
Rauscht meine Oden nun schön, eins mit dem sphärischen Ton,
Und die Stimme des Fiat singt meine Oden der Gottheit –
Und ich sehe im Tanz, frei vor der Lade des Herrn,
Den Messias tanzen ekstatisch zu meinen Gesängen!...
So singt der Singschwan im Tod strahlender Schwanin Marie!

Nicht der Erde vermag ich zu trauen, befiel mich die Angst doch,
Daß die Erde der Bahn irr in das Chaos entstürzt!
Göttliche Mutter, du allein bist der ewige Felsen,
Bist das Fundament, darauf der Gläubige baut,
Die du hältst die Erde wie einen Reichsapfel, Mutter,
In bewahrender Hand, die du in Weisheit bestimmst
Anfang und Ziel der Schöpfung und alle die Wandlungen, Weisheit,
Mit der Vorsehung führst, göttliche Liebe, die du
Aus der finsteren Hölle der nackten Angst und des Ekels
Vorm abscheulichen Pfühl mich durch die Jungfrau erlöst,
Mich durch die Unbefleckte erlöst, die gekreuzigt am Herzen,
Miterlöserin ist, die mit der Weisheit am Kreuz
Mich vom Tode erlöst und nun in der einsamsten Stunde
Ist als mystische Braut mir an die Seite gestellt,
Fleisch von meinem Fleisch, die Schönste der Töchter der Menschen,
Die mir in ewiger Huld Gott meine Mutter geschenkt!

Wie kann ich weise werden? fragte einmal ein Schüler


Sokrates, der ihn gepackt, ihn unter Wasser getaucht,
Daß er rang um sein Leben und flehte einzig um Atem,
Bis ihn Sokrates hob: Wie du um Atem gefleht,
Dürste nach Weisheit, und du wirst die Weisheit erlangen! –
Darum dürst ich, dem Hirsch gleich, der nach Quellwasser brüllt,
Nach dem lebendigen Sakramente der Ewigen Weisheit,
Nach dem lebendigen Gott, der in der Weisheit erscheint.
Sie aber spricht, die Weisheit, mit heiligem Worte:
Wie ein lieblicher Kuß seien die Weisungen dir!
Daß du liebst, die dich hassen, daß du haßt, die dich lieben,
Ist dein Unglück, mein Freund. Aber beginnst du Gebet,
So verkündige ich dir mit dem Worte des Engels:
Du bist von Gott geliebt, Liebhaber Gottes, geliebt!

Ewig Seiende, wahre Lebendige, einzig all-eine


Allgottheit Jahwe! Urgrund, Ungrund, Schoß du der Gottheit,
Erste, Schöpferin du der Schöpfungen allen,
Immanent den Schöpfungen, transzendierst du die Schöpfung,
Allumfassende, alleserfüllende göttliche Mutter,
Die du aus Liebe geschaffen hast, überfließender Liebe,
Heißest die schöne Liebe, die allbarmherzige Liebe!
Du bist der Urgrund der Weisheit, heiliger Göttin Sophia,
Die ergossen in Ewigkeit, Alpha und Omega, Mitte
Deines göttlichen Herzens, die da liebhat das Leben,
Weil das Leben in ihr erschaffen, sie selbst ist das Leben,
Ursprung des Lebens und Vollendung, ewiges Leben,
Urbild alles Lebendigen, lautere Quelle der Schönheit,
Inbegriff der vollkommenen Wahrheit und Gutheit und Schönheit,
Höchstes Gut, ergossen in alles Lebendige! Inne-
Wohnende Göttin der Weisheit, in innewohnender Ruach
Alles Lebendige wird beseelt, von dem Geiste der Gottheit,
Alles entflammt von der Inspiration der göttlichen Schönheit,
Alles geläutert, gereinigt, verewigt vom heiligen Feuer
Allerseligster Liebe, die die Herrin der Herzen
Ist und der Zeiten Trösterin mit der Ewigkeit Tröstung,
Herrin, lebendige Liebesflamme, geistige Mutter,
Trösterin, Führerin, Lehrerin, Heilerin, Odem der Weisheit,
Hauch der schönen Liebe, die vergeistigt die Schöpfung
Durch die Künstlerin Weisheit heimgibt der schöpfrischen Liebe –
Ruhm, Anbetung und Weisheit Dir, der dreifaltigen Göttin!

Eine Frau, die still bedenkt die Worte der Lippen


Und sanftmütigen Geists spricht was dem Frieden dient, die
Ist zu loben, vom Schöpfer ist ihre Schönheit und Anmut,
Herzerfreuend dem Mann, daß es ihm prächtig ergeht,
Will sie ihm wohl und wendet sie sich als Spiegel der Tugend
Ihm in Liebe zu, freundlicher Gnade und Huld. –
Aber Vollkommenheiten, Ideen und Tugenden sammeln
Alle im Tempel sich hinter verschlossenem Tor,
Hinter verschlossener Pforte in dem Osten des Tempels,
Das ist die Jungfrau, allein Gott als der ewige Fürst
Teilte den Vorhang und schloß ihn hinter seinem Hindurchgang;
Dir aber sei das Tor Pforte des Herzens zum Heil!
Heil aber will dir spenden, o Mann, die ewige Weisheit,
Die als das höchste Gut reich ist an Gutem und reich
An der Erkenntnis Schätzen, Schönheit, heiligen Worten,
Die erfüllen dein Haus, wenn du der Weisheit dich weihst.
Wenn du der Weisheit dich weihst, dann singe als Sänger im Tempel
Vor dem heiligen Schrein, welcher geborgen das Wort,
Auserlesen aus vielen, allein von der Gottheit begnadet,
Nachts oft einsam allein, einzig der Gottheit vertraut,
Die dir kein anderes Erbe erteilt als den Lobgesang, keine
Frau dir vertraut, denn der Herr ist dir wie Mutter und Braut!

Ich erlaube dir keine Weltflucht in sphärische Himmel


Schöner Einsamkeit. Zwar geb ich Zeit dir und Zeit
Zum Gebet des Herzens, zum betrachtenden Beten
Und zum Studium auch heiliger Schriften. Gebet
Sei dir die Quelle der Kraft, Empfängnis der Liebe der Gottheit.
Aber, Philosoph, suchst du Alleinsein, Poet,
Um dich selbst zu genießen im Wohlempfinden der Weltflucht,
Ist deine Einsamkeit Einsamkeit ohne das Herz
Gottes. Nämlich der Gläubige soll ein Licht in der Welt sein,
Salz, das salzt in der Welt Speise, die fade sonst wär.
Trinke die Gottheit an der Quelle der Kraft und der Weisheit,
Aber geh in die Welt, Jesu Apostel, und zeig
Unfrommen Frauen und ungetauften Kindern die Liebe
Gottes. Sei wie das Lamm, Demut und Sanftmut sei dein.
Denn auch das Licht kam in die Finsternis, aber die Nacht hat
Nicht begriffen das Licht, aber der Christus am Kreuz
Starb aus Liebe zur Welt. So will die Mutter Maria,
Daß du ihr reines Herz trägst in die sündige Welt.
Ruhe wird später genug geschenkt, die ewige Ruhe –
Hier ist das Apostolat göttlicher Liebe dein Dienst!

10

Feindschaft zwischen der Schlange und den Söhnen der Schlange


Mit der heiligen Frau und mit den Kindern der Frau!
Siehe, die Frau ist Siegerin mit den Waffen der Schönheit,
Sie hat sich selbst nicht geschont, sondern den Bösen besiegt
Und ihm das Haupt zertreten mit dem schneeweißen Fuße,
Darum segnet sie auch Gottes erkorenes Volk.
Sie, die gesalbte Königin im verschlossenen Garten,
Bittet den König und Herrn zu sich ins Gartengefild,
Wo sie ihm heiligen Wein anbietet und schmelzende Speise,
Ihn zu bitten fürs Volk, welches auf Erden verbannt,
In den Gefahren der Welt dem Volk ward der Königin Hilfe.
Also baut ihr der Sohn, Königinmutter, den Thron,
Daß sie fleht für die Brüder des Königs um Liebe und Hochzeit.
Auch erscheint sie sehr schön oben auf heiligem Berg,
Evangelistin mit schönen Füßen, verkündet sie Frieden,
Tochter Zion, und spricht: Jahwe ist König und Gott!

11

Gott hat dir meine Seele gegeben, göttlicher Christus,


Nun bin ich völlig dein! Du aber wohnest in mir,
In dir aber ist gegenwärtig die Fülle der Gottheit.
Innerer Christus, o Geist du meiner Innerlichkeit,
Nicht von dieser Welt ist dein Reich, die Welt ist im Argen,
Ganz inwendig dein Reich, König des Herzens, und schön
Und voll Glorie. Aber ich leb in der Welt, ob ich gern auch
Flüchten möcht aus der Welt, immerdar bei dir zu sein.
Aber du sendest mich in die Welt. Bewahr mich vorm Bösen,
Vor dem höllischen Feind, Ich-Sucht und närrischer Welt,
Vielmehr heilige mich im Worte wahrhaftiger Weisheit,
Daß ich Licht in der Welt bin in der Nachfolge dein!

12

Wenn ich dir Leiden schicke, Mitternächte der Seele,


Sei beharrlich, vertrau du auf die Liebe allein
Und verzweifle nicht, denn nie bin ich grausam und böse,
Sondern ewiges Heil schenkt meine Güte und Huld.
Siehe, selbst wenn du mußt durch die Hölle der Angst und des Ekels,
Schau auf mein Angesicht, denk an Gethsemane nur,
An die Trübsal zum Tode und die Todesangst Christi,
So erlöst du der Welt Seelen gemeinsam mit mir.
Denn das weißt du: Größer als den Herrn zu betrachten,
Ist zu leiden am Kreuz, Leidender, eins mit dem Herrn.
Trage geduldig dein Kreuz und denk an die Mütter und Kinder,
Die du inbrünstig liebst, trage dein Kreuz für ihr Heil,
Geh durch die Hölle aus Liebe zu den verlorenen Seelen,
Das ist mehr als ein Kuß, das heißt zu leiden für Gott!
Nun, wohlan denn, erhebe dein Haupt, denn Christus ist in dir,
Schenk den Kindern der Welt Liebe, wie Christus sie liebt!

13

Wohl der Ratgeber spricht: Schau an den Bräutigam Jesus,


Seine Liebe ist Wein, köstlicher selbst als der Wein,
Schau auf die Jungfrau Maria und geh zur Vereinigung Jesu,
Den du im Innern empfängst, wie seine Mutter im Schoß. –
Ach, ich seufze einsam allein im nächtlichen Dunkel,
Da ich schwermütig Wein trinke, den heiligen Trost:
Nicht den bacchantischen Christus schlürf ich mit Lippen der Seele,
Sondern ein Weinstock ist mir meine Königin, sie
Ist die rebenschwangere Freundin mit Brüsten wie Trauben!
Ja, zur sterblichen Frau hab ich gebetet mit Durst,
War in Liebe versunken, als hätt ich vom Blute getrunken
Der Geliebten in Gott, siehe, das weibliche Fleisch
Und das weibliche Blut sei mein eucharistisches Hochfest,
Daß ich im mystischen Weg find die erotische Spur,
Denn wenn ich darf nicht in der Geliebten die Gottheit umarmen,
Sei mir Geliebte Gott – mystisch-erotische Braut!

14

Schau ich im Geiste des Glaubens auf zum Heiligen Antlitz


Christi, des Schmerzensmanns, seh ich mein inneres Selbst,
Seh ich den einsamen Christus in der Kultur des Todes,
Wohl, doch bet ich zum ihm, lösen die Qualen sich nicht,
Wird mir kein Friede, hör ich keine göttliche Stimme,
Bleib ich unerlöst, ach, vom Erlöser, dem Herrn. –
Aber schau ich zur schönen Ikone der Herrin Sophia,
Aller Schönheit Idee, Tugend, Vollkommenheit, Gold,
Bet ich zur Schöpferin, Löserin, Trösterin, ruf ich Sophia,
Mutter und Meisterin, göttliche Mutter und Braut,
Lösen die Qualen sich auf und findet Frieden die Seele,
Denn meine Seele erspürt meine Erlöserin, Sie!

15

Nur ein Gerücht vernahm ich von deinem Namen, Sophia,


Bis ich hinunterstieg tief in das nächtliche Reich
Uralter Mütter, und Mütter allein nicht, Mütter allein nicht,
Und als erotische Braut ahnte die Gottheit im All,
Da mir Beginn und Mitte und Ziel des geschöpflichen Kosmos
War der Gottheit Schoß, den ich begehrt, aber mehr,
Siehe, in dem ich geschwommen bin als selig Erlöster.
Wahrlich, aufgetaucht bin ich bereicherten Sinns,
Und die Offenbarung schien mir Wahrheit im Geiste
(Nicht dem Buchstaben nach) und da erkannte ich dich,
O Sophia, nicht nur den philosophischen Namen –
Wahre Gottheit! Person! Göttliche Mutter und Braut!

16

Gott, mein Gott, erbarme dich, arm bin ich, einsam und elend,
Meine Einsame wirft flehend sich nieder vorm Thron
In den Staub vor der göttlichen Majestät in der Höhe:
Jahwe, o Mutter, o Gott, ewige Mutter, o Gott,
O gekrönte Mutter, laß leuchten dein Antlitz, o Gottheit,
Schöne Liebe, gieß Frieden der Einsamen ein!
Komm und säusle mir Tröstungen zu, o Trösterin Ruach,
In mein verbittertes Herz gieße die Süßigkeit ein,
Heil die Verwundungen, Ruach, mit deiner Salbung Balsamen,
Sprich, o heiliger Geist, Geistmutter, Worte des Heils!
Laß mich anschauen deine Glorie, Christo-Sophia,
Heerscharenführerin himmlischer Ordnungen, Herr,
Himmlischer Harmonieen Alpha und Omega, Centrum,
Gipfel, vollkommener Kreis, leuchtende Säule und Gold,
Göttliche Süße, in deiner Fleischwerdung mystisch Geliebte,
Komm, vergöttliche mich, Christo-Sophia in Gott!

17

Nun also Nacht! und Nacht um Nacht das dichtere Dunkel,


Nun im Leben den Tod, Weisheit, das Sterben der Nacht!
Ohne Kraft mehr der Leib, in Angst verschmachtet die Seele,
Aber im grundlosen Fall fall ich in Gottmutters Hand!

18

Söhnlein, und bist du kraftlos und verschmachtest vor Schwäche,


Will ich dich bergen, mein Kind, an der barmherzigen Brust,
Brechendes Herzens, und will dich tragen wie eine Amme,
Sei nur getrost, mein Lieb, liebt dich die Mutter doch, Gott!

19

O Sophia, Jungfrau Geliebte, im friedlichen Morgen


Voll der Grazie Huld spendest Glückseligkeit du
Meiner Seele im mystischen Garten voll musischer Rosen,
Wo nicht die Schönheit quält – wo deine Liebe erquickt!
20

Blaue Abenddämmerung senkt den himmlischen Frieden


Auf die Krone des Baums, welcher bei Bethlehem steht,
Dort ruht die heilige Jungfrau, und manch ein Wanderer grüßt sie
Als das freundliche Licht menschlicher Ruhe in Gott.

21

Meiner unsterblichen Seele mystische Mutter Maria


Trägt in der Nacht mich im Schoß, wird mich gebären ins Licht.
Meines Lebens göttliche Schöpferin, Göttin Sophia,
Lädt in dem Heimgang mich ein, Hochzeit zu feiern mit Ihr!

22

Wohl, die Weisheit spricht: Es ist die Sehnsucht der Schwermut


Nach dem Troste der Nacht und nach der Mütter Gefild,
Heim in der Mutter Schoß! Ich rufe also die Weisheit:
Gib in der Nacht auch Licht, nämlich der Geist gleicht dem Mond!

23

Stürzte die Erde in kosmischer Katastrophe ins Chaos,


Saugte ins schwarze Loch Antimaterie mich,
Bliebe unsterblich die Seele. Wie aber ewiges Leben?
Bloße Gottheit mit mir in der Vereinigung Bett!

24

Du, Sophia, Schöpferin, Herrscherin aller Äonen,


Du gibst dich körperlich hin mir in der Eucharistie. –
Flüstert die Stimme der ewig Geliebten, der Göttin Sophia,
Innen in mir wie Hauch: Liebhaber, nun sind wir eins!

PYTHISCHE ODEN

AN DIE MUSE

Goldenthronende
Herrin Madonna,
Dir sei mein Singen
Zur heiligen Harfe
Einzig gewidmet!
Dein süßes Hauchen
Und mystisches Wort
Mir stimme die Saiten
Der Schwanenleyer!
Soviel ich umhersah
Bei Frauen auf Erden,
Die Unvergleichliche
Muß ich dich nennen!
Aber daß kunstreich
Sei mein Lobpreis
Und nahe würdig
Sich meiner Fürstin,
Sende vom Himmel
Mir deine Magd,
Die selige Mechthild,
Die Sappho Jesu,
Daß sie helfe
Meinem Genius,
Dich zu singen
Mit reinem Herzen
Und deine Erleuchtung
Von ewiger Weisheit!

GROSSMUTTER

In meiner Kindheit
Meine Großmutter
War die Liebe,
Die große Mutter,
Mutter der Liebe,
Mutter der Weisheit,
Mutter der Stille,
Süße Mutter,
Mutter des Brotes,
Milch und Honig,
Meine Priesterin,
Meine Muse,
Meine Heimat.
Seit geschieden
Sie von der Erde,
Sehn ich mich sehr
Nach meinem Heimgang.
Mit ihrem Heimgang
Bin ich gestorben,
Lebe allein noch
Dem Testamente
Meiner Großmutter:
Unserm Gotte!
SELIGES LIED

Am Morgen erbaut mir


Die ewige Weisheit
Mit Händen Mariens
Die heiligen Treppen
Zum Myrrhenberge
Der glückseligen
Anschauung Gottes!
Dann sendet der Herr mich
Zum Weihrauchhügel,
Ein Vater zu sein,
Ein segnender Vater
Der Freundin Sprößlingen.
Frühling im Lande!
Wir wandern im Walde,
Wir seligen Kinder,
Und breiten die Zweige
Dem Fürsten des Friedens,
Dem kinderliebenden
Jesus Christus!
Der segnet als Sonne
Mit lächelnden Blicken
Die Frau und die Kinder,
Den Dichter und Mönch,
Sind alle wie selig
Im Himmelreiche,
Im tausendjährigen
Friedensreiche
Der schönen Liebe,
Der ewigen Liebe!
(Die Gnaden der Gottheit
Sind alle geflossen
Durch benedeiende
Frauenhände
Der Magna Mater
Madonna Maria,
Der weih ich der Seelen
Glückseligkeit!)

KINDER

Erwachsene Denker
Nannten den Fürsten
Den kleinen Gott
Auf dieser Erde;
Die frommen Denker
Nannten den Menschen
Den kleinen Gott
Auf dieser Erde.
Aber Jesus,
Die ewige Weisheit,
Nennt die Kinder
Götter auf Erden,
Die kleinen Götter,
An die ergangen
Der Segen des Ewgen!
Ein Säugling liebkoset
Allezeit zärtlich,
Ein Kindlein spielt
Im Paradies!
Von Säuglingslippe
Und Kindermund
Tönt oft prophetisch
Der Lobpreis Gottes!
Werdet wie Kinder,
Große zu Kleinen,
Werdet zu Kindern,
Menschen, spricht Jesus,
Werdet zu Göttern!
Jeder Mann
Und jede Frau
Soll Kind der Liebe
Auf Erden sein
Und Gott und Göttin
Im Himmel der Liebe!

DORNRÖSCHEN

Ich träumte am Morgen,


Ich sei Dornröschen,
Im Schlummer Prinzessin,
In tausendjähriger
Ruhe die Seele,
Als wie auf der Insel
Des nördlichen Meeres,
Der Großmutter Insel,
Der Kindheit Heimat,
Dornröschen der Nordsee.
Ist meine Seele
Dornröschen im Schlummer,
Kommt himmlische Liebe,
Mich wachzuküssen!
Mich wachzuküssen,
Sandte der Prinz
Mir, der Erlöser,
Die heilige Mutter,
Die fromme Großmutter
Aus dem Karmel
Im Kleide Mariens.
So von Maria
Mütterlich zärtlich
Wachgeküsset –
Da werden die Dornen
Rosen, Maria,
Wo du gewandelt
Durch Dornengestrüpp,
Die Dornen in Rosen
Verwandelt Maria,
Das Kind unterm Herzen,
Die himmlische Mutter,
Die große Mutter
Der ewigen Liebe!

DIE ZELLE

Als König David


Dem Herrn ein Haus
Erbauen wollte,
Sprach Gott der Herr
Durch Nathan den Seher
Zu David dem König:
Ich selber will bauen
Dir selber ein Haus,
Den Zedernpalast
Dem König von Zion,
Und segnen dein Haus
Mit meiner Gnade,
Sprach der Ewige!
Meine Zelle
Im Einsiedlerkloster,
Dichterhütte
Mit Musendiwan,
Sei mir gegrüßt,
O meine Zelle,
Meine Freundin,
Traute Mutter
Der Kontemplation,
Du treue Geliebte
Der Poesie!
Ich will in dir wohnen
Für lange Zeiten,
Ich will in dir beten,
Du Haus des Herrn,
Du Pforte des Himmels,
Ich will in dir wohnen,
Du Einwohnung Gottes,
Heilige Zelle,
Umarmt von der Stille,
Geküsst vom Frieden,
In deinem Minnebett
Kosen Maria,
In deinem dunklen
Brautgemache
Ruhen im Schoße
Der ewigen Weisheit!

DIE FRAUEN UND MARIA

Ich diente der irdischen


Frauenliebe
Und Frauen um Frauen
Hab ich verherrlicht
Und im Gesang
Verewigt der Liebe!
Aber die Frauen
Waren nicht Göttinnen,
Sondern beleidigten
Ihren Sklaven,
Ob sie ihn morden
Könnten mit Blicken
Kalter Verachtung!
Zum Sterben zumute
(Nicht nur Einmal)
War dem Minner
Zur Mitte des Lebens! –
Aber nun dient er,
Er, der gestorben
Und auferstanden,
Der seligen Jungfrau
Maria mit Minne,
Nicht mehr wandernd
Von Frau zu Frau,
Ein treuer Gemahl
Der Lieben Fraue,
Kein Dichter der irdischen
Frauenliebe,
Sondern der himmlischen
Liebe Dichter.
Ruhe bescherte
Die himmlische Herrin,
Inspirierende
Muse Maria,
Der er zu eigen
Als ihr Sklave,
Sie aber huldvoll
Ist Herrin der Liebe!

ROSE UNTER DORNEN

Die schönen Frauen,


Alle Geliebten,
Angebeteten
Göttinnen – Götzen
Meiner Seele,
Grausame Frauen
Schufen mir Kreuze
Über Kreuze,
Schufen zum Märtyrer
Mich der Minne,
Schickten den Greuel-
Dämon des Selbstmords!
Dornen und Disteln
Die Frauen alle! –
Aber die Eine,
Meine Reine,
Die Makellose,
Meine Geliebte,
Ist die Rose
Ohne Dornen,
Die mystische Rose
Der himmlischen Minne,
Die Süßigkeit
Des Paradieses,
Die liebliche Liebe
Voll Zärtlichkeiten
Der Minneküsse
Und Umarmungen
In dem Minnebett,
Die Erkannte
Der Ganzhingabe,
O Maria!

AN DIE PARADIESMADONNA

Meine Göttin
Und wahre Mutter
Und meine Geliebte
Und meine Muse,
Meine Ruhe,
Meine Heimat,
Mein Paradies,
Madonna Maria!
Wenn ich im Himmel
Im Garten Eden
Meine Hütte
In deinem Garten
Vor deinem Palast
Erbaue einsam
Als dein Minner
Und als Nachtigall
Mystischer Rose,
Dein einsamer Liebling,
O Madonna –
So will ich doch nahe
An meiner Wohnung
(Denn es sind viele
Wohnungen Jesu)
Sehen die Wohnung
Meiner Großmutter
Auch in dem schönen
Rosengarten
Der Mutter Maria,
Der großen Mutter,
Der Großmutter Mutter,
Die selig ist
Im Paradiese!

MARIENS BRÜSTE

Im Jubel der Liebe


Erschuf aus Wollust
Die Dreifaltigkeit
Menschliche Seelen,
Im Paradiese
Die Geliebten!
Aber den Sündern
Zürnte der Zorn.
Aber die Weisheit
Erwirkte Erbarmen
Mit präexistenter
Maria zusammen!
Die nahm die heiligen
Patriarchen,
Des Bundes Erzmütter,
Könige, Dichter,
Seher, Prophetinnen,
An die Brüste!
Als sie, geboren,
Jesus geboren,
Küsste er kindlich
Ihren Busen!
Ihm wurde am Kreuze
Die Brust durchbohrt,
Marien Busen
Vom Schwert durchbohrt,
Geöffnet den Jüngern,
Da flossen die Brüste
Von Barmherzigkeit
Über und Liebe!
So nährst du auch mich
Mit sieben Strömen
Aus unversieglichen,
Reichlich schwellenden
Brüsten, Madonna,
Bis zu dem Tode,
Da ich schaue
Die benedeiten
Brüste Madonnas,
Die Christus tausendmal
Küsst, den Busen
Meiner Geliebten!

MARIA DER SCHRIFT

Am Anfang schuf Gott


Marien Idee,
Die Meere Gottes,
Die Taube der Ruach,
Die Himmelskönigin,
Mutter Erde,
Die fruchtbare Aue
Im Morgenlande,
Die Adama Adams,
Das Leben Evas!
Abraham liebte
Sie in Sara,
Isaak freite
Sie in Rebekka,
Jakob sah sie
In Rahels Augen,
Mose verehrte
Sie im Dornbusch,
David pries sie
Im Hochzeitspsalme,
Salomo sang sie
Im Hohenliede,
Salomo weissagte
Sie als Sophia,
Jesus erwählte
Sie zur Mutter,
Johannes erkor sie
Als seine Mutter
Und erschaute
Sie als Jerusalem
Droben im Himmel,
Paradeis!

SOPHIANISCHE MARIA

Als die Dreifaltigkeit


Schuf im Jubel
Ihrer Liebe,
Schuf sie zuerst,
Vor Himmel und Erde,
Madonna Maria,
Die Schönheit Gottes,
Das Meisterwerk,
Das erste Geschöpf,
Vor Bergen und Hügeln
Und Tälern und Quellen
Ward sie erschaffen
Als Gottes Geliebte!
Oh deine Schönheit
Ist unvergleichlich,
Schöner fast selber
Als die Schöpfung,
Ruf ich dich Göttin!
Gottes Geliebte
Und Mutter der Welt,
Bist du geschaffene
Magna Mater,
Himmelskönigin,
Mütterchen Erde,
Mutter Israels,
Tochter Zion,
Jungfrau Jerusalem,
Tempel Salomos,
Allerheiligstes,
Bundeslade,
Nabel der Erde,
O Maria!

DIE TRINITÄT IN UNION

Die göttliche Mutter,


Die Schöne Liebe,
Sie gebiert
Die ewige Weisheit,
Die Tochter Sophia!
Die göttliche Mutter
Ist die Liebende
Und die Tochter
Ist die Geliebte
Und sie sind eins
In göttliche Liebe,
In der Person
Der göttlichen Liebe,
Welche Geist ist,
Reiner Geist,
Und nicht ein Mann
Und nicht eine Frau,
Nur reine Gottheit!
Die göttliche Mutter
Schafft alles Lebendige
Und die Weisheit
Errettet vom Elend,
Macht Toren zu Weisen,
Macht Tote lebendig,
Macht Menschen zu Göttern!
Die Kraft der Liebe
Liebt in den Menschen
Als göttliche Liebe
Die ewige Weisheit,
Die göttliche Mutter!

DER SERAPH

Komm, heiliger Geist,


Mit deinem Geiste
Küss meinen Geist,
Entzünde das Feuer
Der Gottesliebe,
Du Geist der Weisheit,
Du Geist der Einsicht
Und Erkenntnis!
Schenk meinem Herzen
Das Reinigungsfeuer!
So fleht ich. – Da sah ich
Die Glorie Gottes:
Frau Schechina
Auf weißem Throne,
Von Iris umschleiert,
Das Antlitz wie Jade!
Und Seraphim sangen
Der Gottheit Sanctus,
Sanctus, Sanctus!
Da flog ein Seraph
Zu mir auf die Erde,
Da ich schrie im Gebete:
Ich bin ein Sünder
Mit unreinen Lippen
Und wohne bei Narren
Mit unreinen Zungen!
Da rührte der Seraph
Mit glühender Kohle
Meine Lippen
Und sagte voll Liebe:
Getilgt ist die Sünde!
Dann schnitt mir der Seraph
Den Busen auf,
Das steinerne Herz
Der Brust zu entnehmen,
Ein fleischernes Herz
Wie loderndes Feuer
Mir zu schenken
Aus himmlischer Liebe!
Er schloß mir das Herzfleisch
Mit Herzfleisch Mariens!

SOPHIA IM TRAUM

In des Traumes
Verschneiter Landschaft,
Im weißen Kleide
Erscheint Sophia.
In des Traumes
Tempel des Haines,
In Einsamkeit
Und grüner Stille
Spricht Sophia.
Meine Königin,
Göttliche Frau,
Umsonst die Sorgen
Um närrische Träume,
Du schenkst der Seele
Die Harmonie
Mit deiner heiligen
Weiblichen Weltseele
Durch die Gnade
Deiner Neigung
In der einsamen
Seele Traum.
Dich feiert Natur,
Dich feiert Einsamkeit,
Andachtsstille,
Traum und Gebet.
Heilig, heilig,
Heilig bist du,
O Herrin Sophia!

AN SOPHIA

Gesegnet sei
Der Weihrauchhügel,
Da heilige Mädchen
Und selige Kinder
Zünden den Weihrauch
Auf Kohlen der Liebe
Zur himmlischen Mutter
Im Kleid der Natur!
Geheiligt sei
Der Myrrheberg
Der süßen Einsamkeit!
Gleich dem Hirsch
Mit fliegenden Füßen
Und schmachtender Brust
Will eilen, Geliebte,
Sophia, allein ich
Zu deinem Altar,
O Mutter Schechina,
Auf dem Sinai,
Zu dem Feuer
Im reinen Dornbusch,
Will schauen, Geliebte,
Deine Verklärung
Im Lichtgewande,
Erscheinung der göttlichen
Majestät,
Sophia, droben
Auf dem Tabor!
Du bist die Tochter
Der göttlichen Mutter,
Der schönen Liebe,
O ewige Weisheit,
Dir will ich lauschen
In meiner Seele
Rosengarten,
Geliebte Sophia!

DIE NACKTE SOPHIA

Regina coeli,
Sapientia!
Wie süß du das Feuer
Der Liebe entzündet
Und mich erweckt
Mit Minneküssen,
Mich eingelassen
In deine Gottheit! –
Dann warst du verschwunden.
Ich suchte bei greisen
Vätern die Weisheit
Von deinem Reich,
Bei greisen Müttern
Die Weisheit der Mystik,
Bei heiligen Schwestern
Deine Kindheit,
Bei Bekennern
Deine Erlösung
Von Teufel und Tod,
Ich suchte in heiligen
Schriften das Wort
Der bräutlichen Gottheit,
Ich suchte im Minnen
Der Madonna
Deine Süße!
Aber du bliebest
Verborgen, Sophia,
Bis ich dir lisple:
Entkleide dich ganz
Von Bibel und Dogma
Und Kirchen und Lehren
Und Philosophien
Und allen Künsten
Und komme nackt
In deiner Gottheit
Und gebe mir hin
Die heilige Liebe
In mystischer Einung,
Denn ich bin nackt
Von allem Wissen,
Ein Narr vor Liebe!
So werde du Närrin
Unendlicher Liebe
Und gib dich mir hin
In nackter Gottheit!

AN DIE GÖTTLICHE MUTTER

Göttliche Mutter,
Ich dürste nach Milch
Des Muttertrostes,
Ich finde nur Essig
Der Väterlehren,
Ich schmachte nach Speise
Der Mutterworte
Und finde nur Steine
Der Vätergesetze.
Allein im Traum
In deiner Stille,
In deiner Gottheit
Bin ich gewandelt,
Sophia, Königin,
In den Hainen
Und am Weiher
Deiner schweigenden
Einsamen Liebe!
Nicht Väter noch Mütter,
Nicht Weise noch Dichter
Künden mir, Mutter,
Von deiner Liebe!
Meine Erlöserin
Ist die Liebe
Der ewigen Weisheit,
In göttlicher Einheit
Der göttlichen Mutter,
Die sendet das Feuer
Der ewigen Liebe!
Nun sing ich die Schönheit
Der Jungfrau-Mutter
Als deines Spiegels,
Die spricht mit der Stimme
Mütterlicher
Zärtlichkeiten
Zu dem Kleinen,
In leidenschaftlicher
Ganzhingabe
Die Braut zum Geliebten,
In deinem Namen,
Ewige Liebe!

HOHEPRIESTERLICHES GEBET

Heilige Mutter,
Ich bin auf dem Pfade
Zu deinem Throne,
Ich kehre zur Mutter
Heimgehend heim,
Gekommen von dir,
Aus deinem Schoße,
Zu lieben auf Erden,
Zu lieben als Abbild
Deiner Liebe,
O ewige Liebe!
Die du mir gegeben
Als meine Kleinen,
Die mir vertrauen,
Vertrauen der Liebe
Meines Herzens,
Die will ich dir weihen
In der Weisheit,
O treue Mutter!
Heilige alle
Meine Kleinen
In deiner Liebe
Und Weisheit und Gnade!
Ich bitte dich nicht
Für die Verdammten,
Ich bitte dich aber
Für meine Kleinen,
Die Frauen und Kinder,
Die du mir gegeben!
Laß sie auch dort sein,
Wo ich bin, o Mutter,
In deinem Reich
Der schönen Liebe!
Wenn ich zu dir komm,
O meine Mutter,
Laß bei mir sein
In deinem Himmel
Alle die Meinen,
Alle die Kleinen,
Alle die Lieben,
Im Reich deiner Liebe,
O göttliche Mutter!

TRAUM-KOMMUNION

Das Orgelspiel
Des Himmels wehte
Aus tausend Röhren
Mit Geistesatem
Und baute den Tempel
Der göttlichen Mutter!
Priesterlich weihte
Das weihende Amt
Das heilige Brot,
Den heiligen Wein,
Das heilige Fleisch,
Das heilige Blut
Der göttlichen Weisheit!
Die Versammlung
Im Schoße des Tempels
Von holden Frauen
Und frommen Weisen
War in dem dunklen
Tempel der Mutter,
Der Mutter Abbild
Auf dieser Erde.
Der göttlichen Mutter
Unendliche Gnade
Im Fest der Weisheit,
Im Hochzeitsmahle,
Gab sich selber
In Ganzhingabe
Den Seelen hin,
Den Söhnen der Mutter,
Den Minnern der Weisheit,
Den Töchtern der Mutter,
Den Schwestern der Weisheit,
Die durch das heilige
Liebesmahl
Der Kommunion
Sich innig vereinigten
Mit der Weisheit
Der göttlichen Mutter!
LESBISCHE ODEN

MAGDALENA

Magdalena, du himmelstürmende Wollust,


Des Menschensohnes Erkorene und Geliebte,
Nun kommen selige Ostern
Nicht ohne deine Grüße und Küsse!

Du umschlangest des Vielgeliebten Leib,


Des Bräutigams, der dich noch im Tode geliebt,
Du versüßtest sein Sterben
Mit der flammenden Ganzhingabe!

Jesu Taube, Christi geliebte Braut,


Dir erschien er im Liebesgarten der Seele,
Unter Lilien weidend,
Der Geliebte lispelte: O Maria!

Du brachtest nach Rom und brachtest in die Provence


Das Ei des Phönix, das purpurne Ei des Lebens,
Der Phönix der Lieblichkeit flog
Mit glühenden Flügeln in die Morgenröte

Der Glorie Gottes – aber du ihm nach


Vom Gipfel deiner mystischen Einsamkeit,
Vom französischen Berge
Steigend durch Wolken in den Himmel Gottes!

Zu dem Takte seraphischer Zymbeln tanztest


Du mit dem göttlichen Bräutigam in den Himmel,
Schwester der tanzenden Engel,
Jubelnde Freundin der tanzenden Hierarchien!

DIE MUSE

O mein junges geliebtes braunes Mädchen,


In deinen dunklen Augen will ich mich spiegeln
Und leben in deinen Pupillen
Alle Ewigkeit, meine Vielgeliebte!

Wie mystisch reines Gold deine Aura, Frau,


Du Sonne meines Herzens, du Lichtgestalt,
Uralte Konstellationen
Schmücken deinen mütterlichen Mantel.

Du trägst nicht wie die leichten Närrinnen Röckchen


Bäuerisch hochgeschürzt bis an die Schenkel,
Altadelig edle Dame,
Dein Rock bekleidet dich bis zu den Füßen.
Dein Kleid ist weißes Linnen der Heiligkeit
Mit einem Obergewand gehauchter Gaze,
Bestickt mit Frühlingsblumen,
Kleidsam der Flora von Nazareth.

Du bist die Muse der Künstlerseele


Und des Mannes zärtlich Geliebte du,
Ich gebe dir Kosenamen,
Du sprichst zärtlich, meine Geliebte, mit mir.

DER MUND MARIENS

Dein wundervoller Mund ist geheimnisvoll,


Bezaubernd wie ein Trugbild im Wüstensand,
Der Fata Morgana Kuß,
Und lieblicher als das Lächeln der Mona Lisa.

Dein Mund, Mysterium der Mysterien,


Ist der küssende Mund einer himmlischen Muse,
Philosophische Küsse
Küssend dem Mysten der ewigen Weisheit.

Deine Küsse sind sanfter als der Wein


Von Shiraz, den die Dichtermystiker tranken,
Berauschender deine Küsse
Als der edle Wein beim Hochzeitsmahl!

Betrunken vom Wein deiner Küsse, Madonna,


Muß ich schläfrig noch im Traume murmeln
Marianische Minne,
Als hätt ich von deinem Blut getrunken!

Wer trunken von Liebe, darf schauen im Traum


In einer Audienz die Herrin im Thron,
Sie, die Absolute,
Sie, die heilige Gottheit, die Mutter!

Du erwachst von Wundern der Liebe, Seele,


Und träumest wieder den unendlichen Traum:
In Ewigkeit bist du
Daheim am Herzen der göttlichen Mutter!

STILLENDE MADONNA

Ich sah am nachtblauen Himmel den goldenen Vollmond


Leuchten über der grünen Mutter Erde,
Vom Vollmond Tautropfen troffen
In das duftende Gras der frischen Auen.
Mitten im fruchtbaren Grün des Paradieses
Der neuen Erde unter dem neuen Himmel,
Im süßen Friedensreiche,
Saß die königliche Jungfrau Maria.

Sie thronte beim Nabel der Erde an der Spalte


Im königlichen Kleide von reinem Purpur,
Umflossen von schwarzen Haaren,
Die Gestalt der Mutter glich mächtigem Berge.

Da entblößte Maria ihre Brüste,


Die Trauben glichen, Tauben, Gazellenkitzen,
Aus ihren Brüsten strömte
Wie Tau des Mondes Milch des Trostes.

Da lag an ihrer linken Brust der Herr


In seiner Menschheit, trunken von seiner Gottheit,
An der anderen Brust
Aber lag überglückselig der sündige Mensch!

Die Mutter Maria umarmte beide Söhne,


Ernährte beide mit ein und derselben Milch
Der unverborgenen Brüste,
Mit ein und derselben Glückseligkeit!

MADONNA SULAMITH

Ich schrie in der schwarzen Mitternacht zu Sophia,


Der absoluten Göttin der Liebe und Schönheit:
Frau Weisheit, o Gottheit! schrie ich,
Ich schmachte nach dir in verzehrender Sehnsucht!

Da nahte mir Maria Sulamith,


Da ich mit Haaren voller Nachttropfen stand
Und pochte an ihre Pforte
Und sie mir auftat in der Nacht!

Ihr Inneres war erregt, ihr Herz im Busen,


Das liebende Herz der Taube ohne Galle,
Pochte vor heißer Liebe
Nach dem schmachtenden Vielgeliebten!

„Komm, lege mir die Linke unter das Haupt,


Liebkose mich mit deiner rechten Hand,
Und ruhe als Myrrhebüschel
Zwischen meinen Traubenbrüsten!

Komm, wir schlafen unter den Zyperblumen,


Du gekränzt mit dem Kranz der heiligen Hochzeit,
Ich mit des Schoßes Kelch
Voll mystischen Weins der Vereinigung!“
KOMM, GELIEBTE

Komm, meine Geliebte, meine Schöne, komm,


Du Balsamstaude, du duftender Nardenstrauch,
Komm, makellose Freundin,
Ich verschmachte vor Sehnsucht nach dir!

Komm vom Gipfel der schwarzen Pantherweibchen,


Komm vom Gipfel des Libanon, liebe Braut,
Eile, meine Gazelle,
Komm, geflogen komm mit Flügeln der Taube!

Der Ostwind weht in meine Gartenbeete,


Der Hauch des Frühlings liebkost die Rosenknospen,
Die Nachtigall singt so schmelzend,
Wenn der Tag verhaucht und die Schatten fliehn!

Mit bebendem Busen und Atem von Apfelduft


Und mit stürmischen Seufzerhauchen stürmst du
In meine offenen Arme,
Meine Genossin der Nacht und mein Mond!

Du bist meine himmlische Schenkin, o Jungfrau,


Dein Schoß ist der Kelch, deine Minne der Wein,
Deine Lippen wie rote Rosen,
Berauschender deine Küsse als Rebenblut!

Deine Schenkel gleichen Geschmeidespangen,


Deine Hüften sind Meisterwerke des Künstlers,
Deine Brüste sind Trauben,
Berauschende Trauben der trunkenen Liebe!

Du bist glorreich wie die Tänze der Sterne


Und milde wie der Mondin schimmernde Reinheit,
Du Königin mystischer Nacht
Und Lagergenossin im Brautbett der Minne!

DER SCHOOSZ DER MORGENRÖTE

Ach, die Eitelkeit, einer Heimsuchung Jammer,


Will die Seele verzehren mit Nichtigkeit.
In den Staub dieser Erde
Legt der Mann den Mund und schweigt.

Schweige und dulde deiner Heimsuchung Rute


Und mische deine Tränen dem irdischen Staub,
Und bist du ummauert von Blöcken,
Gedenke, vielleicht ist eine Hoffnung!
Siehe, Gottes Gnade ist immer neu
Und immer zurück kommt seine Barmherzigkeit,
In Gottes Gebärmutter wohnt
Die immerneue Barmherzigkeit.

Gottes Gebärmutter ist an jedem Morgen


Neu erfüllt von universellem Erbarmen,
Aus Gottes Mutterschoß
Strömt jeden Morgen Gottes Gnade!

O Maria, die weisen Mystiker preisen


Dich den heiligen Mutterschoß Gottes des Herrn,
Sie preisen deinen Schoß
Als Gottes ewiges Paradies!

Dein Schoß ist jeden Morgen frisch und neu,


Aus deinem Schoß der glühenden Morgenröte
Erhebt sich jeden Morgen der Glanz
Des ewigen Lichts der himmlischen Liebe!

Ewig jungfräulich, ewig bräutlicher Schoß,


Ewig jungfräulich, paradiesischer Schoß,
Maria, göttlicher Schoß,
Der Seele Glückseligkeit ist in dir!

DOXOLOGIE

O, Sie, sie ist die ewige Glorie Gottes,


Lobpreise sie, so hoch du immer kannst,
Es wird doch nimmer genügen,
Denn sie ist immer noch tausendmal schöner!

Gott schmückte Jungfrau Israel, seine Braut,


Die wurde aber eine Hure des Baal.
Gott freite die Jungfrau Maria,
Die blieb die immerwährende Jungfrau!

Braut Gottes, einzigartig licht und rein!


Braut Gottes, du aber liebst mich Menschensohn!
Was frag ich nach der Dirnen Liebe,
Da mich liebt des Ewigen Braut!

So groß bist du, so unausforschlich groß,


Ich kann nicht anders als dich Göttin nennen,
Aus Gottes Gnade Göttin,
Weil du Gottheit in Gottheit geworden!

Weil Gott ist ewige Liebe, schöne Liebe,


Ist Maria ewige, schöne Liebe,
Die liebt mich mit Ganzhingabe:
Halleluja! Gottes Braut die meine!
Nun also Gott die ewige Liebe ist,
Nun also Gott die schöne Liebe ist,
Madonna, ewige Weisheit,
Wie soll ich meine Gottheit verehren?

Du sprichst, Geliebteste: Mit der kindlichen Liebe,


Du liebe die Gottheit mit der kindlichen Liebe!
Wahrlich, da ich Kind bin,
Ist die Gottheit meine große Mutter!

KREUZIGUNG

(Karfreitag 2005)

In der grünschwarzen Nacht des Weltraums fliegt


Der Marterpfahl durch die schauerliche Stille,
Die Welt verwarf die Liebe,
Die Welt hat die göttliche Liebe getötet!

Aber auf dem Pfahle der Bräutigam


In seines gequälten Fleisches und Blutes Blöße,
Von Dornen der Rosen gekränzt,
Das bleiche Antlitz voll verborgener Schönheit,

Im Sterben ein segnendes Lächeln um die Lippen,


Ein Lächeln wie Salböl fließend durch seinen Bart,
Voller Hingabe schaut er
Zur Braut und seufzet: Anima mea!

In stürmischer Hingabe fliegt die heilige Braut,


Die ewige Psyche des göttlichmenschlichen Eros,
Die ewige Jungfrau Gottes,
Auf dem Pfahl durch den dunklen Kosmos,

In Umarmung und Liebesvereinigung


Mit dem nackten Bräutigam fliegt die Braut
In zerfließender Grazie
Durch die staunend schweigenden Sphären.

Alle Sterne halten den Atem an


Vor ihrem hingebungsvollen Frauenleib
In fließender Seide aus Licht
Und hingehauchter Gaze aus Äther.

Die lichten Gewänder, durchsichtig-undurchsichtig,


Fließen wie fließendes Licht der göttlichen Liebe
Um ihren liebenden Leib
Am Leibe des nackten Bräutigams.

In ihrem Herzen ist das Zentrum des Lichts


Und sieben strahlende Schwerter des ewigen Wortes
Kreuzigen die Madonna,
Deren Liebe mit Christus uns alle erlöst!

DER ZECHER

Ich habe sehr oft mit meinem Herrn gezecht


Im finsteren Keller nächtlicher Einsamkeit,
Hab viel vor Kummer geseufzt
Und darum viel vor Kummer gesoffen!

Mein Herr, ein herrlicher Jüngling, war mein Schenke,


Er schenkte mir ein den herben blutroten Wein
Der trockenen schwarzen Erde
In einen schlichten irdenen Becher.

Er ritzte den Arm sich und tropfte Blut in den Wein


Und wollte mein Blutsbruder sein beim Geheimnis des Weinstocks,
Ich mischte, wie Wasser in den Wein,
Aus meinen Augen die Tränen in den Becher.

Nun, siehe, nun trink ich mit Unserer Lieben Frau


Im Garten, wo wir unter Lilien lagern,
Wir ruhen bei Rosen und Reben
Und heben zur Sonne den goldenen Kelch!

Wie Granatäpfel sind der Herrin Brüste,


Die fließen nicht über von Milch, die strömen über
Durch ein Wandlungswunder
Vom Süßmost der Granatapfelfrüchte!

Der Süßmost schäumt vor überseliger Wonne,


So selig wie meiner himmlischen Schenkin Küsse,
Wenn sie lächelt und bittet:
Geliebter, küsse meinen Kelch!...

AN DIE GÖTTLICHE MUTTER

Einzig in dir, o Gottheit, göttliche Mutter,


Findet meine Seele die ewige Ruhe,
An deinem Mutterherzen
Ist mein Herz geborgen wie ein Kind.

Ich will stille sein und aufschaun zu dir,


Du Zuflucht meiner Seele und meine Heimat,
In beschauender Stille
Findet meine Seele deinen Frieden.

Welchen Menschenkindern kann ich vertrauen?


Welche Menschensöhne können mir helfen?
Allein vertrauen kann ich
Dir, du Gottheit meines Lebens!

Allein in dir ist mein Heil und meine Hilfe,


Treue Mutter, o du heilige Mutter,
Nur in dir ist Ruhe
Und die Macht und Rettung vom Bösen, Mutter!

Eine hohe Erkenntnis hab ich gewonnen


In der Stunde deiner Offenbarung
Und in deinem Worte
Und Erscheinen zweierlei erkannt:

Du bist die absolute Herrscherin,


Die allmächtige Weltenschöpferin,
Und in liebender Gnade
Und Barmherzigkeit meine göttliche Mama!

LIEBESLIED

Scheide das erhaben Göttliche nimmer


Vom ungöttlichen Erdenstoff, der Welt,
Das Göttliche wird verklären
Und Ungöttliches wird vergöttlicht!

Frage nicht nach allen deinen Geliebten,


Ob sie den Samen deines Geistes empfangen,
Deine Geliebte allein
Sei die ewige, einzig lebendige Liebe!

Die ewige Liebe neigt sich zum Geliebten


In allen schönen liebkosenden Zärtlichkeiten,
Die Liebe in aller Liebe
Ist allein deine wahre Geliebte!

So trunken von den himmlischtrunkenen Küssen


Bist du wiedergeliebt von der ewigen Liebe,
Selig in einsamen
Glücksmomenten der Begeisterung du!

Genieße die Glückseligkeit tief im Innern,


Die traute Intimität mit der ewigen Liebe,
Die prägt deiner Seele Seele,
Daß sie fortwirkt in empfänglichen Seelen.

Niemandem mußt du genügen, keinem gefallen,


Als allein der ewigschönen Geliebten,
Der ewigen Liebe selbst,
Sie ergötzt sich an deiner begeisterten Liebe!
VERKLÄRUNG CHRISTI

Der Sohn des Menschen stieg auf den Taborberg


Mit Petrus und den beiden Donnersöhnen,
Der Menschensohn schwebte
Mit den bloßen Füßen über dem Berg.

Das Urlicht des ersten Tages umleuchtete ihn


Und verklärte den Menschen in seine Gottheit,
Die Hagia Sophia
Erschien vor den traumumflorten Jüngern.

Ihr Kleid war lichter als reines Sonnengold,


Die feurigen Flügel berührten die Enden des Alls,
Ihr glühendes Antlitz
Glühte von der Glut der Liebe!

Mose schaute das Feuer am Sinai einst


Im jungfräulichen Dornbusch, dem unversehrten,
In diesem himmlischen Feuer
Fuhr Elia vom Karmel gen Himmel!

Aber in der Herrlichkeit goldenen Wolke


Senkte Gottes Schechina sich hinab,
Die göttliche Einwohnung
Schimmerte um die ewige Weisheit!

Da sprach die Schechina, sprach die göttliche Mutter


Aus der Wolke zu den törichten Menschen:
Jesus, meinem Wohlgefallen,
Sollt ihr vertrauen als ewiger Weisheit!

Da verschwand die Erscheinung, zurück blieb Jesus allein,


Der liebende Mensch schritt nieder vom Berg der Verklärung,
Mondsüchtige Kinder zu heilen
Und auf Kalvaria ganz sich hinzugeben!

DREIFALTIGKEIT

Also preis ich dich, o du ewige Gottheit,


Als Christ, und nicht als Jude oder Muslim,
Aber auf eigene Weise
Sing ich das Mysterium göttlicher Minne.

Sie preis ich, die göttliche Mutter, obere Mutter,


Deren Brüste reichen Rundtürmen gleichen,
Deren Gebärmutter aber
Ist die Quelle der Barmherzigkeit,

Die Schöpferin preis ich, den Weltenschoß des All,


Die ewige Mutter, die heißet Schöne Liebe,
ICH BIN, die Schöne Liebe,
Mein Ein und All und meine Gottheit!

Sie offenbart sich in ihrer ewigen Weisheit


Als Hagia Sophia, die himmlische Braut,
In transzendenter Reinheit
Sophia, in immanenter Liebe,

Die mich erkoren zu ihrem Bräutigam


In femininer Erscheinung der ewigen Weisheit,
Der Madonna Maria,
Die ich brennend liebe in Ganzhingabe!

Aber das Feuer dieser Liebe ist Geist,


Ist heilig, heilig, heilig, ist göttlicher Geist,
Die göttliche Liebe selber
Liebt in mir die göttliche Liebe!

Diese glühende Liebe zur absoluten


Gottheit, der Herrin, ist selber göttliche Herrin,
Meine Herrin, die Geist ist,
Die ewiges Leben schenkt ewiger Liebe!

SALOMONISCHE SOPHIA IM TEMPEL

Die Herrin, die mir zweimal erschienen ist,


Die ewige Herrin, das weibliche Antlitz Gottes,
Der Salomo zweimal erschienen,
Die Herrin Sophia erschien mir im Tempel.

Am hohen Fest der heilgen Dreifaltigkeit


Ist als die Morgenröte der Weltenschöpfung
Sophia herrlich getanzt
In göttlicher Schönheit am Altar!

Sophia nenn ich die dreifaltige Gottheit,


Das einige Wesen der drei Personen der Gottheit,
Die absolute All-Einheit
In dreifaltiger Offenbarung:

Sie ist die Mutter Schöpferin dieser Welt,


Sie ist die Salvatrix Mundi, Fleisch geworden,
Sie ist die heilige Inspiration
Und Führerin in die Fülle der Weisheit!

Und Sie, die Salvatrix Mundi, ist Braut des Frommen,


Die lädt ihn ein zum heiligen Hochzeitsmahl,
Eucharis im Liebesmahl
Ist Sie und lebt in Brot und Wein,

Sie ist die göttliche Frau, die mystische Braut


In ihrer Kommunion und Vereinigung,
Die nackt liegt auf dem Altar,
Sich hinzugeben dem Schriftgelehrten!

Sophia als Dreieinigkeit ewiger Gottheit


Und als mystische Braut der Kommunion
Ist meine Offenbarung,
Wie Sie sich offenbarte im Heiligtum Gottes!

SAPPHISCHE ODEN

SOPHIAS LIEBE

Also redet Jungfrau Sophia morgens,


Wenn der Minner fromm auf dem Lager betet
Zu der süßen zärtlichen Mutter, zu der
Mystischen Jungfrau,

Betend also: Jesus-Sophia, Herrin,


O Sophia, die du geworden menschlich
Im Messias, göttliche Jungfrau, dir nur
Will ich mich weihen!

Spricht Sophia: Lieber als andre Frauen,


Törinnen und zänkische Zungen, wähle
Dir die Frau der lieblichen Anmutrede,
Strahlender Schönheit,

Unter deren Zunge wie Milch und Honig


Wohnt der Weisheit ewiges Wort der Weisung,
Die da strahlt in Schönheit der Sonne gleich, der
Kerze im Tempel!

Mich nun liebt der ewige Vater innig,


Ich war sein im Anbeginn aller Schöpfung,
Seine Throngenossin und Vielgeliebte,
Scherzend vorm Vater,

Ich ging aus vom ewigen Vater, strahlend,


Fließend Licht vom ewigen Licht der Gottheit,
Meine Freude ist es, mit lieben Menschen-
Kindern zu spielen!

Mann, nicht du erwähltest Sophia, sondern


Die Sophia erwählte zum Bräutigame
Gottes Sklaven, nun der Vertraute Gottes,
Minner Sophias!
So wie mich der ewige Vater liebet,
Liebt Sophia göttlicher Liebe Toto!
Du sollst nun mit göttlicher Liebe lieben
Kinder der Menschen!

MADONNA

Zärtlich rührt die Jungfrau Maria meine


Seele an, die einsame, stillverborgne,
Und ich schau mit Augen der Seele meine
Jungfrau Maria!

Oh das sagt kein menschliches Wort, Maria,


Wie du voller Grazie, Charme und Anmut,
Sanft, Holdselige, scherzt in Minne! Gib die
Zungen der Engel!

Wie du wandelst vor mir mit bloßen Füßen


Hin und her, o tanzende Sulamithin,
Wie im Hochzeitstanze von Mahanajim,
Meine Prinzessin!

Sprichst du leis: Der ewige Vater weiß wohl,


Daß du eine Mutter brauchst, mein Geliebter,
Drum vertraue du dich mir an, ich bin die
Mutter der Liebe!

Weil ich dir der Schoß bin der Morgenröte,


Sollst du sehen aufgehen auch die Sonne,
Steigen sehn das fließende Licht der Gottheit,
Jesus-Sophia!

O Madonna, jugendlich Schöne, Anmut


Ausgegossen dir auf die Rosenlippen,
Du fürwahr die Schönste der Menschentöchter,
Schöne Madonna,

Eine Göttin über den Frauen bist du,


Eine Göttin bist du, dein Sohn ist Gott mir,
Meine Göttin, Jesus der kleine Gott, das
Lachen des Vaters!

Du bist mein, spricht liebevoll die Madonna,


Du mein Mann, mein Bräutigam und mein Gatte,
Ich will deine Göttin sein, die dich führt zur
Ewigen Liebe!

BOTSCHAFT MARIENS

O geliebter Sohn und Gemahl Mariens,


Deine lichte Lilie lächelt gnädig,
Spricht zu dir der ewigen Weisheit Wort, die
Fürstin des Friedens:

Bete, bete, bete, Geliebter, mit dem


Herzen bete Herzensgebet zur Gottheit,
Dich verwandelt ewige Weisheit dann im
Geiste der Liebe,

Dich verwandelt innig in der Versenkung


Dann der Geist der Seelenerneuerungen,
Du wirst mystisch wiedergeboren in dem
Bade des Geistes,

Dann erschließt der ewigen Weisheit Geist dir


Biblia, die Jungfrau der Weisung Gottes,
In dich schreibt die heilige Schrift den unaus-
Sprechlichen Namen

Und du wirst ein Name des Namens Gottes,


Wenn du meditierend die Weisung murmelst,
Wirst du schwanger, Seele, von dem Geheimnis
Ewigen Wortes.

Dann versammle um dich die Frau und Kinder,


Preise ihnen Gottes- und Menschenliebe,
Mutterliebe Gottes und sieggekrönten
Jesu Erbarmen,

Und erschein als heiligen Geistes Tempel,


Zu den Menschen wandelnder Tempel Gottes,
Liebend die Familie, mein Geliebter,
Weihe Maria!

Dann wirst du ein Lehrer der Religion sein


Und durch deine Worte der Weisheit fließen
Wird zu deiner Frau und den Kindern meine
Minne der Mutter!

MUTTER

Ach im Traum, unzärtliche Mutter, schicktest


Du mich von der Heimat der Kindheit fort, du
Warest nicht mehr Mutter, du warest Frau, ich
Nannte dich Doris,

Auch die Spielgefährtin der Kindheit fand nicht


Trost für die verwundete Kindesseele,
Auch die Freunde störten die Trauer nur mit
Trügrischem Troste.
Aber ich erwache im kalten Morgen,
Da erscheint Sophia mit Feuerflügeln
In der Morgenröte, die lichte Göttin,
Göttliche Mutter!

O du meine Göttin Sophia, du bist


Die geliebte Mutter, du nennst dich selber
Meinen allbarmherzigen Jesus Christus,
Jesus, die Mutter!

Mütterlich die Göttin Sophia redet:


Du ersinnst die Doxologie Sophias,
Singest mir die mystischen Psalmen! Laß die
Irdische Mutter

Dich doch nicht bekümmern, mein Sohn-Geliebter!


Schau, ich nähre dich an den Mutterbrüsten,
Aus den Brüsten fließen der Weisheit Ströme,
Jordan und Ganga!

TROST

Meine Seele, halte dich fromm und rufe


Immerdar zu Gott, der wird dich erlösen.
Mußt du tragen Herzeleid, trag geduldig,
Herzeleid heiligt!

Wenn du mit verbitterter Seele betest


Und den wehen Mund in den Staub legst schweigend,
Wird sich Gott erbarmen, barmherzig, gnädig,
Trocknet die Tränen!

Laß du ab von menschlichem Trost und Hilfe,


Weil sie nur mit Nichtigkeit trösten alle,
Sie sind weise, mit ihnen stirbt die Weisheit,
Nichtige Sprüche

Kränken deine Seele noch mehr als Gott will,


Also schweige, dulde und trag den Kummer!
Siehe, spricht der Herr, dieser Fromme hofft auf
Gott nur alleine!

Da wird sich die Nacht über dich erbarmen


Mütterlichen Trostes, barmherzig, gnädig,
In der Nacht die Weltseele wird, Sophia,
Dein sich erbarmen,

Mütterlich die Weltseele tut den Schoß auf


Und du schwimmst im Urwasser, kleine Seele,
Einig mit der Weltseele, mit Sophia,
Deiner Erlösung!
Du wirst in der Weltseele Seele werden
An dem Herzen Gottes, der großen Mutter,
An dem Herzen Gottes, der großen Mutter
Betest du: Mama!

MEINE GELIEBTE MARIA

Bei den Frauen immer an zweiter Stelle,


Immer nur der Nebenmann oder Hausfreund,
Helfer, Kinderhüter und Weisheitslehrer
Oder der Tröster,

Aber sinkt die Seele mein in den Kummer,


Sitzen Frauen feiernd mit andern Männern,
Sie selbst, die Vertrauteste, ließ allein mich,
Einsam im Leiden.

Aber da erscheinst du, Maria, schwarze


Jungfrau in der Mitternacht, o Madonna,
Weinest mit dem Weinenden, Mutter Weisheit,
Tröstende Mutter!

Frau, zu deinem Throne ist immer Zutritt


Mir gewährt, der Beter ist wie ein König,
Den die Himmelskönigin immer gerne
Gnädig empfänget.

Meine Freundin, einzige Freundin, Jungfrau,


Dir der Erste unter den Männern bin ich,
Ja, ich bin der Einzige deiner Gnade,
Dame der Minne!

Also wenn die Weisheit mir spricht das Trostwort:


Ich, ich will dich trösten wie eine Mutter,
Du wirst an Jerusalems Brüsten saugen
Muttermilch tröstend –

Also, o Geliebte, will Gottes Weisheit,


Daß ich mich als Büschel voll Harz der Myrrhe
Dir allein als ewiger Vielgeliebter
Bette am Busen!

WELTSEELE

Also spricht der Glaube: Wer glaubt, ist niemals


Einsam, denn die Gottheit ist immer bei ihm!
Sie allein kann aufheben deine dunkle
Einsamkeit, Seele!
Also war ich wund an der Kindesseele
Von der Kindheitswunde des Ungeliebtseins,
Da ich einsam betete zu der Gottheit,
Flehte um Liebe!

Also weil im Traum mich zurückgestoßen


Meine Mutter, weint ich um Frauenliebe,
Um die göttlichweibliche Liebe einer
Liebenden Göttin!

Und ich saß auf meinem Balkon zur Mainacht


Und die stille Mitternacht war wie eine
Sanfte und holdselige, liebevolle
Ewige Mutter!

Und der Geist der Mitternacht, Gottes Odem,


Als ein Geist des Friedens, der frommen Stille,
War wie eine Mutter der armen Seele,
Hauchende Ruach!

Und die Nacht erschien mir wie eine Göttin,


Die mich liebt! Die Weltseele wars, die dunkle,
War die schwarze Göttin, Sophia, Seele
Gottes im Weltall!

Denn die Gottheit wohnt in der Schöpfung, Weisheit,


Immanente Mutter, Sophia heißt sie,
Der ich mich als einsamer Minner in der
Mainacht vereinigt!

PROPHETIE

(Muttertag Mai 2005)

Jahwe spricht: Vergißt eine Mutter ihren


Sprößling, den mit Wehen zur Welt sie brachte,
Läßt sie ihre Leibesfrucht, ihre Wehen,
Den sie liebkoste?

Aber – selbst wenn sie ihn vergessen sollte,


Wie die Vogel Straußin im Wüstenlande
Ihre Eier läßt in dem Sande liegen,
Sie ohne Weisheit –

Ich, ich werd dich nimmer vergessen! Mutter


Bin ich, mehr noch Mutter als deine Mutter!
Ich hab dich geschrieben in meine Hände,
Du bist mein eigen!

Siehe, wo sind hin all die stolzen Frauen,


Die dich grausam niedergerrissen haben?
Keine Spur ist da mehr zu sehn von ihnen,
Sie sind verschwunden!

Ich hab dich errichtet, o Tochter Zion,


Die die Kinderlose gewesen, aber
Heute kommen Kinder dir fromm entgegen,
Die dir vertrauen,

Und du fragst: Wer hat mir geborn die Kinder,


Meiner Seele Söhne, wer trug im Schoß sie?
Ehren dich doch Alte im Geist und Ammen,
Weil ich dich segne!

Dich mach ich zum Bringer des Friedens, Bote,


Daß du denen, welche im Dunkel leben,
Licht schenkst aus zerbrechlichem Kelch, der du bist,
Licht meiner Liebe!

(Hab ich deine Mutter verstoßen? Zeig mir


Doch die Scheideurkunde!) Aber du bist
Mein geliebter Sohn! Ich, die Gottheit Mutter,
Ruf dich: Geliebter! - - -

DON JUANS GEBET ZUR HIMMELSKÖNIGIN

O Maria, meine Urgroßmutter


Hat so liebevolle lichte Augen
Und ein solches liebevolles Lächeln,
Segne sie, Herrin!

O Maria, meine liebe Oma


Schenkte mir in meiner Kindheit Liebe,
Stellvertreterin der Gottheit war sie,
Göttliche Mutter,

Darum ich auch Gott als Große Mutter


Liebe und den Herrn als Herrin Weisheit
Und den Geist als Ruach, o Maria,
Großmutter segne!

Meine Mutter, ach Maria Mutter,


Meine Mutter ist ja meine Tochter,
Ihren Mann hat sie geliebt, vergöttert,
Aber sie liebte

Kaum den Sohn, o Wunde meines Lebens,


Ursprung der Vergiftung durch die Süchte,
Ursprung meiner Liebe zur Madonna:
Mutter Maria!

Meine Tante auf der Heimatinsel


Schenkte meiner Seele eine Heimat,
Ein Dornröschen mitten in dem Meere,
Perle des Meeres,

Wo ich auf der Osterfeier selig


War und wo liebkost ward meine Seele
Mit den liebevollsten Kosenamen.
Segne die Tante!

Meine andre Tante aus der Ferne


War mir zugewandt von ganzem Herzen,
Ihre wilden starken Sorgensöhne
Vorbild des Jungen,

Die mit meiner Mutter sich zerstritten


Nach dem Tode meiner Oma, aber
Mich noch ihren lieben Jungen nannte,
Segne sie, Mutter!

Meine dritte Tante litt an Trunksucht,


Erbin sie der Trunksucht ihres Vaters,
Ich nun erbte meines Opas Trunksucht,
O du Geliebte,

Ich auch trinke nichts als Trauertränen,


Ich auch trinke nichts als Blut der Tränen.
Segne meine Tante, laß mich deine
Muttermilch trinken!

Jene Tante weih ich dir, Maria,


Die Großmutters Namen trug als Kindlein,
Sie, die Kleine, die als Kind gestorben,
Tot lag im Kindsbett.

Was verlor sie schon auf dieser Erde?


Sie erkor sich doch das beste Schicksal!
Gut ists, früh zu sterben, aber besser
Wärs, nie geboren!

Meiner Oma Schwester will ich danken,


Die mir ihr Pianoforte schenkte,
Das Klavier aus ihrer Bahnhofsschenke,
Ich hab geklimpert

Anna Magdalena Bachs Etüden,


Hab zumeist das Air geliebt, das süße,
Die Musik und meiner Oma Schwester
Weih ich Maria!

An die Urgroßtante muß ich denken,


In dem kleinen Häuschen am Kanale,
Denke ihres würdigen Gemahles,
Silbernen Greises,

Denke an die süßen Brombeerbüsche


In dem Garten, denk an Tee und Kekse,
Weihe dir die Urgroßtante und den
Alten an Jahren!

10

In dem Kinderwagen lag ich weinend,


Da sich meine erste Liebe neigte
Neugierklug aus lieben Augen schauend,
Lamentationen

Tröstend mit den kindlichreinen Blicken,


Mit dem liebevollen Mädchenlächeln.
Meine Nachbarin, das kleine Mädchen
Weih ich der Jungfrau.

11

O Maria, als am Schwanenteiche


Ich gefüttert Ente hab und Erpel,
Bei den Nymphensittichen und Pfauen
Bei mir ein Mädchen,

Die mit mir im Schlosspark ging spazieren,


Wo dem Waller holde Ruhe wurde
Beim elysischen Gefilde. Mädchen,
Sei mir gesegnet!

12

Meine erste Freundin in der Kindheit


War die Blonde mit den Sommersprossen,
Jüngstgeborene des Architekten,
Süß wie die Biene,

Die in ihrem Garten mir ins Ohr kroch,


Als wir in dem Garten Ping-Pong spielten.
Dieses Kind, das Jura auch studierte,
Weih ich der Jungfrau!

13

Meiner ersten Freundin große Schwester


Weih ich dir, o Hilfe aller Christen,
Die den Knaben eingeladen in die
Biblische Schule,

Daß ich Moses Schwester Mirjam liebte


Und des Pharaonem schöne Tochter
Und den Träumer Josef. O Maria,
Segne die Schwester!

14

Jenes fromme Fräulein will ich ehren,


Jene Jungfrau mit den Silberhaaren,
Die mich Josef, Moses, David lehrte
Herzlich zu lieben,

Josef, den die großen Brüder warfen


In den Brunnen, und den Knaben David,
Der besiegt den Riesen. O Maria,
Segne das Fräulein!

15

Weihen will ich Unsrer Lieben Frauen


Meines Freundes liebevolle Mutter,
Katholikin aus dem fernen Osten,
Schwarz ihre Haare,

Mutter eines Indianerknaben,


Der mit mir gestreift ist durch die Wälder,
Sie ernährte uns mit Trank und Speise.
Segne sie, Mutter!

16

In der Schule macht ich die Bekanntschaft


Mit dem Mädchen mit den blonden Zöpfen,
Tochter eines Fleischers, ihre Brüste
Sind schon gewachsen,

Sanft war sie, wie voller Mutterliebe,


Wie ein Weizenfeld, umsteckt mit Blumen,
Wie ein Weizenbündel ihre Zöpfe.
Segne sie, Mutter!

17

O wie schön mit ihrem Antlitz-Vollmond


Und der Sonne ihres Angesichtes,
Ihren Strahlenaugen, lichtem Lachen
War die Geliebte,

Da zuerst die große Macht des Eros


Spürte ich in ihrem Schlafgemache,
Ob wir sonst auch Schmetterlinge haschten.
Segne sie, Jungfrau!

18

Ach das Kind des Diamantenhändlers


Habe ich geliebt so unbeholfen,
Musste immer sie als Quälgeist necken,
War ich schon damals

Quälgeist schöner Frauen, dass der Vater


Sprach mit meiner Mutter, meine Mutter
Mahnte mich mit ernsten Worten rügend.
Mädchen, ich grüß dich!

19

Schwarz die Locken, schwarz die warmen Augen,


Tochter eines Feuerwassertrinkers,
Sie die indianische Prinzessin,
Ich war der Weiße,

Der sie liebte, den sie liebte, darum


Küssten zärtlich Küsse wir des Mundes.
Diesen ersten Kuß weih ich Maria.
Küss mich, Madonna!

20

Auch das arme Mädchen will ich weihen,


Welche nicht mit Schönheit reich gesegnet,
Aber musikalisch wie die Muse
Von dem Parnassos,

Welche mit mir musizierte: Alles


Was wir brauchen, ist allein die Liebe!
Sie und die Gitarre meiner Mutter
Weih ich Maria!

21

Eine Engelgleiche will ich weihen,


Welche liebevoll die Flasche küsste,
Als ich liebevoll die Flasche küsste,
Küsste die Flasche

So als ob ich einen Engel küsste,


Goldne Locken um das weiße Antlitz,
Lachte sie aus himmelblauen Augen.
Segne sie, Jungfrau!

22

Eine Insulanerin, Madonna,


Weih ich dir, die schlank und hochgewachsen,
Lachenliebende Geliebte, welche
Küsste im Schulhof,

Trotz des Urteils des Lateinischlehrers,


Der uns Cäsars Krieg in Gallien lehrte,
Küsserin ihr Name, denn sie küsste
Himmlisch, Madonna!

23

Mutter der Germanen, Mutter Edda,


Segne diese blonde Heldentochter,
Segne ihre benedeiten Brüste,
Brustspitzen lieblich,

Welche durchs Gewand sich drückten, Jungfrau,


Die mich küsste mit dem Kuß der Muse,
Daß ich schmierte Liebesbriefromane.
Segne sie, Herrin!

24

Jene mit den langen schwarzen Haaren


Und dem makellosen Mondgesichte
Und von Elfenbein den Perlenreihen
Weih ich Madonna,

Sie, die mich zur Politik begeistert,


Ohne Leidenschaft die Venus Russlands,
Keusche Venus Russlands, sei geweiht der
Mutter Maria!

25

Ihre Schwester auch will ich dir weihen,


Die, als ich die große Schwester liebte,
Mich geliebt, die Jüngere der Schwestern
Saß am Piano,

Meditierte auf den weißen Tasten,


Meditierte auf den schwarzen Tasten,
Trug im Herzen zärtlich Jesus Christus.
Segne sie, Mutter!

26

Auch der beiden schönen Schwestern Mutter


Weihe ich der makellosen Mutter
Christi. Christen halten hin die Wange,
Wenn sie geschlagen

Auf die linke Wange, halten Christen


Hin die rechte Wange. Sei von Russland
Bis Amerika das Reich des Friedens,
Fürstin des Friedens!

27

Hoch und schlank die liebevolle Schönheit,


Die mir ihre Pflanzen anvertraute,
Aber ihre Pflanzen wurden von dem
Lamme gefressen,

Welches weidete in meinem Garten.


Glaub mir, Schwester, ich fraß nicht das Grünzeug,
Ja, das Lamm hat wirklich sie gefressen.
Segne sie, Mutter!

28

Jene Mutter auch will ich dir weihen,


Die als Kind der großen Gottesmutter
Hasste zornig Satans Kommunismus,
Grüßte: Pax Christi!

Mit dem Gruß Pax Christi grüßte immer


Diese Mutter, bis sie Satan einfing.
O Maria, rette sie, sie schrie zur
Göttin Diana.

29

Wonneweib mit wonnevollem Busen,


Benedeitem Gottesmutterbusen,
Großen Glocken in der Kirche Gottes,
Läutend zur Liebe!

Darf ich dir die Schulaufgaben schreiben,


Russlands Fabeln dichten dir zur Ehre,
Der ich Wolf bin und den Mond anheule?
Segne sie, Mutter!

30

Dreizehnjährig jung mit roten Haaren


War der kleine Wildfang, meine Wonne,
Meines Freundes Freundin, der ich wollte
Lösen ihr Rätsel,

Doch sie sprach: Ich bin kein Kreuzworträtsel,


Ich bin ein Mysterium! O Mädchen,
O wie gut, noch leben wir auf Erden,
Sei mir gegrüßet!

31

Jene Mutter möchte ich dir weihen,


Die in ihrem Haus mich aufgenommen.
Sei gegrüßt, o Freiheit, meine Göttin,
Hier darf ich leben,

Hier, hier bin ich Mensch, hier kann ich leben,


Leiden, lieben, schöne Lieder singen.
Sei als Herrin hochverehrt die Hausfrau.
Segne sie, Mutter!

32

Auch der Mutter meiner neuen Heimat


Schöne Tochter weihe ich der Jungfrau,
Wirklich eine makellose Schönheit
Weiblicher Wonne!

Viel zu schön für einen Sohn der Erde,


Hört sie gnädig lächelnd das Geständnis,
Daß ich in die Lehrerin verliebt sei.
Segne sie, Jungfrau!

33

Meine Lehrerin will ich dir weihen,


Die mich unterrichtet in der Sprache,
Lehrte mich die ideale Sprache
Geistiger Schönheit,

Lehrte mich den Eros in der Sprache,


Nahm wie eine Mutter sich des Sohnes
Sich des Schülers an in seiner Krisis.
Grüß sie, Maria!

34

Der Tragödie Gretchen will ich singen,


Sie, die flocht die langen blonden Haare,
Sang der Mutter von dem Jesuskinde
Lieder der Weihnacht,

Die ich heimgesucht mit Blei der Lettern


In der Dunkelkammer, sie zu küssen,
Die ich liebte wie ein andres Christkind.
Segne sie, Jungfrau!

35

Ihre junge Schwester will ich singen,


Denn die Tugend hat auch einen Hintern
Und der Hintern hat auch eine Tugend.
Dante erblickte

Beatrice an dem Straßenrande


Und er sang die schöne Dame, ohne
Daß sie feucht geworden wäre. Weihen
Will ich die Schöne!

36

Jene schöne Frau will ich dir weihen,


Lunas Antlitz, nachtschwarz ihre Haare,
Die mich lehrte, dass der Indianer
Gott eine Frau sei.

Sexbesessen diese Indianer


Malen immer Phallus nur und Vulva,
Sterben sie, so liegen sie im Schoß der
Göttlichen Mutter!

37

Ihre Freundin weih ich dir, o Jungfrau,


Die Antigone mir war, die Jungfrau,
Was das Staatsrecht auch gebot, sie folgte
Nur dem Naturrecht.

Das Naturrecht ist das Recht der Götter.


Diese Jungfrau diente nicht den Herrschern.
Diese Jungfrau diente nur der Gottheit.
Segne sie, Jungfrau!

38

Wenn die Frauen Männern sich verweigern,


Legen Männer nieder ihre Waffen.
Bringt der Frauen Keuschheit uns den Frieden?
Friedlich die Frauen

Lächeln und es kommt das Reich des Friedens.


Da sah ich die Jungfrau meiner Seele,
Die Sophia meines neuen Lebens,
Meine Madonna!

39

Jenes Wonneweib will ich dir weihen,


Welche eben aus dem Bad gestiegen,
Trocknend mit dem Badetuch die Glieder,
Wie eine Venus

Zog sie mich nach Prag, zur Stadt der Kaiser,


Prag, die Stadt des Prager Jesuskindes,
Des geheimen Kaisers. Liebe Herrin,
Segne die Schöne!

40

Denken will ich an die liebe Mutter,


Die bei mir mit ihrem Kinde wohnte,
Wie Madonna mit dem Jesuskinde,
Liebende Mutter,

Die mich unterwies im Mutterrechte.


Ich las den Poeten Chiles, Göttin,
Weihe Südamerika der Schwarzen
Jungfrau Maria!

41

Tochter vom elysischen Gefilde,


Göttin Freyheit kehrte heim nach Deutschland
Und das Volk der Dichter und der Denker
Sang das Tedeum!

Großer Gott, wir loben dich! Die Frauen


Und die Männer preisen Gottes Liebe.
Weihen will ich die befreite Nymphe
Dir, Gottes Nymphe!

42

An der Universität der Weisheit


Akademisch und platonisch liebte
Ich die Musen und die Charitinnen,
Melische Nymphen,

Die Studentin dort und die Studentin


Dort, war im elysischen Gefilde
Ich und liebte beide schönen Nymphen:
Danae, Psyche.

43

Als vor mir erschienen diese Schönheit,


Sang die Ode ich an Aphrodite,
Die die Priesterin der Aphrodite
Schickte dem Dichter.

Mit der Priesterin der Aphrodite


Weih ich die Provence der Makellosen,
Mutter schöner Liebe ist Maria,
Fürstin der Liebe!

44

Ihre Freundin auch will ich dir weihen,


Die mir als Kleopatra erschienen,
Die erotische Verführung selber,
Isis im Fleische.

O Maria, diese neuen Heiden


In der Flut des neuen Heidentumes
Weihe ich dir ganz, du Sitz der Weisheit,
Herrin der Weisheit!

45

Jene Frau auch möchte ich dir weihen,


Die der Venus Medici so ähnlich,
Dieser Anima-Gestalt des Mannes,
Traumfrau der Seele!

O wenn sie den Bauchtanz tanzt im Sommer,


Bin ich wie in Salomonis Harem.
Laß dich schauen, Sulamith, im Tanze,
Sulamith, tanzen!

46

Auch die Frau will ich dir weihen, welche


In der Mutter Haus mich aufgenommen,
Wo Ikonen von der Gottesmutter
Tröstlich erstrahlten.

Alle, die erniedrigt und beleidigt,


Finden Tröstung in der Gottesmutter.
Dir, der Gottesmutter, weih ich auch die
Kunst des Theaters.

47

Auch die Töpferin der Großen Mutter


Weihe ich der großen Gottesmutter.
Augen voller mütterlicher Liebe
Schauten zum Dichter,

Welcher mit den kleinen Kindern spielte.


O Maria, all die schönen Mütter,
O Maria, all die lieben Kinder
Will ich dir weihen!

48

Eine Frau, die ernsthaft Gott gesucht hat,


Die gelesen in den Büchern Moses,
Will ich weihen meiner weisen Freundin,
Herrin der Weisheit!

O, ich suchte einst die Große Mutter


Und ich fand die Große Muttergottes,
Fand die Gottheit als die Große Mutter
Ewiger Liebe!

49

Jene Mutter meiner schönen Freundin


Weih ich dir. Ihr Name: Die Geliebte!
Sie war Mutter einer Kindermutter,
Großmutter Enkeln.

O Maria, schenke ihr die Weisheit,


Schenke ihr die süße Gottesliebe!
Weihen will ich sie Sankt Anna, jener
Großmutter Gottes!

50

O Maria, o Maria, Mutter,


O Maria, o Maria, Jungfrau,
Dir allein will ich mich ganz ergeben,
Immaculata!

Ganz dein Eigentum, noch mehr dein eigen


Als ein Sklave, du bist meine Herrin,
Ich der Sohn und du die Große Mutter,
Mutter des Schöpfers!

Du allein bist meine wahre Freundin,


Du allein mir Braut, Verlobte, Gattin,
Gott gab dich mir zur Gemahlin, immer-
Währende Jungfrau!
Führ zur Hochzeit mich im Paradiese,
Zu dem Hochzeitsbett im Garten Eden!
Ewig wir im Liebessakrament die
Liebe erfüllen!

DEA SYRIA

ERSTER TEIL

ERSTE ODE

Es war ein Herr in Syrien, König er


Und Heide, der die Götter verehrte, die
Allkönigin und den Adonis,
Welcher alljährlich den Tod erlitten,

Denn wenn Adonis starb in der Herbsteszeit,


Dann floß vom Berge Libanon rotes Blut
Nach Syrien und alle sahen
Ströme des purpurnen Bluts des Gottes.

Und wenn Adonis starb seinen Tod und war


Ermordet von dem Eber, im Grabe lag,
So heulten alle Klageweiber,
Schlugen sich trauervoll an die Brüste

Und rauften sich das herrliche schwarze Haar


Und so beweinten sie ihren toten Gott,
Adonis aber ist erstanden,
Wahrlich, er ist von dem Tod erstanden!

Lebendig ist gen Himmel gefahren er


Und feierte die heilige Hochzeit dort
Mit unsrer Königin Astarte,
Die auf dem Venusplaneten herrschte.

Der König nun von Syrien ehrte den


Adonis und die Königin, unsre Frau,
Die schöne göttliche Astarte,
Welche die Königin war der Liebe.

Der König hatte schon einen Sohn, als er


Nach seiner ersten Gattin Hinübergang
Ins Reich der Ewigkeit genommen
Sich eine blutjunge neue Gattin.

Und diese neue Gattin mit Namen hieß


Frau Stratonike. Wunderschön war die Frau,
Sie hatte lange schwarze Haare,
Eine gelockte und wilde Mähne,
Die Augen waren hell wie der Abendstern,
Die Lippen eine Perlenschnur rosenrot,
Die Brüste glichen prallen Trauben
Und einem Becher voll Wein ihr Becken.

ZWEITE ODE

Der Prinz, der Sohn des Vaters und Königs, war


Verliebt in seine Stiefmutter, war in die
Frau Stratonike heimlich, aber
Innig verliebt und von ganzem Herzen.

Er sah sie ja auch jeden der Tage und


Was kann die leidenschaftliche Liebe so
Ernähren wie das Sehen jeden
Tag und auch wenn sich die Nächte nahten?

Er sah die schöne Stiefmutter jeden Tag


Beim Mittagstische, wenn sie den Löffel nahm
Voll Honig in den Mund und leckte
Züngelnd den Honig vom Silberlöffel.

Er sah, wie sie den Ehemann schön begrüßt,


Wenn er vom Amte seiner Regierung kam,
Wenn Ehemann und Frau sich küssen,
Zärtlich und keusch auf die Wangen küssen.

Er sah die schöne Stiefmutter auch, wenn sie


Des morgens früh vom Bett sich erhoben hat
Und dann mit schlafverwirrten Haaren
Da stand im reizenden leichten Nachthemd.

Er sah die schöne Stiefmutter auch, wenn sie


Im Bade war, den nackenden Körper wusch,
Er sah sie durch den Schleiervorhang,
Nackt, nur verschleiert vom heißen Dampfe.

Da brannte seine Leidenschaft feuervoll


Und doch versuchte er, diese Leidenschaft
Vor Stratonike zu verbergen,
War sie doch schließlich die Frau des Vaters.

Wie aber sagt das Sprichwort des Orients?


In einer Manteltasche ist leichter zu
Verbergen eine heiße Kohle,
Als man verbirgt die geheime Liebe.

Im Garten seiner Stiefmutter blühte da


Die Iris mit dem schneeweißen Kelch und mit
Den violetten Farbenflecken,
Lockenden Nektar am Blütenstempel,

Die ist Symbol der heimlichen Liebe, ist


Der heimlichen Geliebten Symbol und so
Der Prinz gab Stratonike eine
Iris aus ihrem Adonisgarten.

DRITTE ODE

Nun von der unbefriedigten Liebe ward


Der Prinz ganz krank. Er konnte nicht schlafen mehr
Und saß die Nächte lang beim Weine,
Heulend alleine auf seinem Sofa.

Er mochte nichts mehr essen und trinken nichts


Als nur des Nachts die Unmengen roten Weins
Und fastete und seine Schwäche
Brachte ihn nahe an eine Ohnmacht.

Da er vor seiner Stiefmutter schweigend und


Verstummt erschien, so wusste die Schöne nicht,
Was ihn so krank gemacht und plagte,
Was ihm so grausam sein Herz zerrissen.

Die Freunde dieses leidenden Prinzen nun


Wie jene Freunde Hiobs in Gottes Buch
Mit manchem dummen Ratschlag kamen,
Ja, sie verspotteten fast den Prinzen.

So sagte einer: Wenn dich die Wollust plagt,


So gehe auf des Libanon Gipfel und
Dort wälze dich im Schnee, im kalten,
Dann wird geschmolzen des Fleisches Stachel.

Wenn du nicht auf dem Libanonberge willst


Dich baden in den Schneemassen, sondern willst
In Syrien dich selber heilen,
Wälze in Brennesseln deinen Körper.

Ein andrer Freund vernahm von dem armen Mann,


Dem Prinzen, dass er weine die ganze Nacht.
Da sprach er: Weinst du viele Tränen,
Fehlt dir die Flüssigkeit in dem Körper,

Dann mache eine würzige Suppe dir


Und trinke deine flüssige Suppe oft,
Sonst trocknet dir noch aus der Körper,
Musst du so reichliche Tränen weinen.

Ein Priester sagte: Wende dich an den Arzt,


Ich kann dir da nicht helfen. Die Götter ehrt,
Wer ehrt den Arzt in seinen Leiden.
Heil dir, es segne dich Herr Adonis!

So wusste dieser Prinz schließlich gar nicht mehr,


Wer ihn aus seiner Lage befreien könnt.
Die roten Lippen Stratonikes,
Die ihn verwundet, die könnten helfen!

VIERTE ODE

So also kam der Arzt in des Königs Haus


Und untersuchte sorgfältig dessen Sohn.
Warum war denn so schwach sein Atem?
Warum denn war er der Ohnmacht nahe?

Der Arzt befühlte messend des Kranken Puls


Und hörte horchend auch seine Lunge ab,
Er sah die Galle und die Nieren,
Sorgsam die Leber er untersuchte.

Er nahm vom Kranken Blut in ein kleines Glas


Und untersuchte auch das Urin, jedoch
Es war kein körperliches Leiden,
Welches ihn nahe dem Tode brachte.

Der Arzt war auch ein Seelenarzt, solcher Art,


Daß er den Kranken fragte nach seinem Traum,
Er untersuchte seine Träume,
Deutete alle sie nach dem Traumbuch.

So träumte unser elender Prinz einmal,


Daß einer Iris Blumenstiel steckte in
Kristallner Vase, einer runden,
Bauchigen Vase, und dort erstrahlte.

So träumte unser elender Prinz einmal,


Daß ein Juwel von länglicher Form war in
Dem tiefen Kelch der Iris-Blume.
Alles verstand dieser Arzt der Seele.

Mein sehr verehrter Prinz, sprach der Seelenarzt,


An körperlichen Leiden ich finde nichts,
Mal abgesehen von der Leber,
Weil du zuviel roten Wein genossen.

Auch bin ich voller Sorge, weil allzu kurz


Dein Schlaf ist in den Nächten, du solltest lang
In deinem Bette liegen bleiben,
Schlaf heilt den heftigsten Seelenkummer.

Ich bin jedoch der sicheren Meinung, dass


Du krank vor Liebesleidenschaft bist und dass
Da meine Drogen dir nicht helfen,
Weil deine Droge ein schönes Weib ist.

Ich sage nur, nach meiner Erfahrung ist


Die große Menge purpurnen Weines nicht
Geeignet, wirklich dich zu trösten,
Purpurner Rotwein macht melancholisch.

FÜNFTE ODE

Um nun herauszufinden, in wen der Prinz


Unsterblich und unglücklich verliebt voll Schmerz,
Ließ ihn der Arzt im Krankenbette
In dem Palaste des Königs liegen.

Der kluge Arzt vermutete, dass der Prinz


In eine Dame dieses Palastes sei
Verliebt mit trübstem Liebeskummer,
Darum der Arzt rief die Damen alle.

Nun legte dieser Arzt seine rechte Hand


Aufs Herz des Prinzen, fühlte den Herzschlag so,
Ließ an dem Prinz vorübergehen
Alle die Damen aus dem Palaste.

Die Konkubinen alle des Königs und


Die Dienerinnen alle, die Mädchen jung
Und hübsch und nett und ziemlich niedlich,
Alle berührten des Prinzen Herz nicht.

Die Seherin, die wahrsagte nach dem Los,


Die Priesterin der Göttin Astarte und
Die weisen Damen an dem Hofe,
Alle berührten des Prinzen Herz nicht.

Die jungen achtzehnjährigen Mädchen nicht


Und auch die vierzehnjährigen Knaben nicht,
Nicht philosophische Hetären,
Alle berührten des Prinzen Herz nicht.

Als Stratonike eintrat, die Königin


Und Hausfrau in dem Königspalaste, da
Begann des Prinzen Herz zu rasen,
Hüpfte das Herz ihm im Mannesbusen.

Da flog sein Herz und sprang aus dem Rhythmus auf


Und von der Fieberhitze der Leidenschaft
Das Herz im Busen glich dem Donner,
Trommelte laut wie der Donnerhammer!
Da wusste nun der listige Arzt, von wem
Verzaubert war der Prinz satt an Elend, wer
Ihm seinen Lebensgeist gestohlen,
Welche Geliebte ihn fast ermordet.

Der Arzt besah voll Neugier die Königin


Und dachte: Diese Frau hält das Schicksal des
Verliebten Prinzen in den Händen,
Sie hält das Los über Tod und Leben.

SECHSTE ODE

Da sprach der Arzt zum Könige dieses Wort,


Dies Wort von seinem Königssohn, der im Bett
Da lag mit seinem Liebeskummer
Und schon beinahe den Geist verhauchte:

Mein Herr und mein Gebieter! Der Königssohn


An keinem körperlichen Gebrechen krankt,
Er leidet an dem Leid der Liebe,
Krank ist sein Geist von der Liebeskrankheit.

Und weil die Seele ist ja des Leibes Form,


So wenn die Seele leidet am Liebesschmerz,
So wird der Körper auch erkranken,
Ohnmacht sind nahe und früher Tod gar!

Ich will ganz ehrlich sagen die Meinung des


Gelehrten Arztes: Wenn nicht der Königssohn
Befriedigung der Liebe findet,
Wird er zu frühe die Welt verlassen.

Ich hab herausgefunden, wen euer Sohn


So voller Unglück liebt, o mein Herr und Gott,
Es ist die Gattin eures Arztes,
Ja, meine eigene Frau, die sanfte.

Wenn ich nun denke, dass meine eigne Frau,


Das sanfteste, charmanteste Wesen selbst,
Die Lilie mit dem tiefen Kelche,
Ursache sein soll des frühen Todes,

So bricht mir das mein Herz in der Mannesbrust.


Und doch ich liebe meine charmante Frau,
Die Mutter meiner beiden Töchter,
Wie denn vermöcht ich sie zu verlieren?

Mein König, wenn mein Weib die Musik vernimmt,


Zu der ein Mädchen gerne den Bauchtanz tanzt,
Bewegt sie schön die schlanken Glieder,
Anmutig schön sie bewegt die Hüften.
Und wenn sie müde früh schon am Abend ist,
Verheißt sie eine Liebesumarmung noch
Im Bette ihrem Ehemanne.
Diese nun liebt euer Prinz und Liebling.

Wenn ich ihm meine Gattin nicht gebe, wird


Er an dem Liebeskummer noch sterben und
Ich bin dann schuld an seinem Tode!
O was gebietet mein Herr und König?

SIEBENTE ODE

Der König sagte nun zu dem weisen Arzt:


Ich bitte dich, gib du meinem Königssohn
Zur Ehe deine sanfte Gattin,
Rette du so meinen Sohn vorm Tode!

Zwar ist ein Mann glückselig, wenn er ein Weib


Des Nachts vertraut im Bette genießen darf,
Bei allen Werken der Astarte,
Das macht erst lebenswert dieses Leben,

Doch höher steht bei Göttern die Tugend noch


Und Herr Adonis sagte dies weise Wort:
Das ist die größte Menschenliebe,
Wenn sich ein Mann seinem Freunde opfert!

So bitt ich dich, errette doch meinen Sohn


Und gib ihm deine sanfte, charmante Frau,
Denn sonst verzehrt er vor Begierde
All seinen Lebensgeist und muß sterben!

Ich fordere von dir ja kein Opfer, Mann,


Zu dem ich nicht wär ebenso auch bereit.
So reizend meine Stratonike,
Wär er verliebt in mein liebes Weibchen,

Ich gäb sie ihm, mit großem Bedauern zwar,


Denn keine ist so reizend und so kokett,
Ist so erotisch wie Astarte,
Ach, wenn ich daran nur denke, Lieber!

Sie sagte gestern, dass sie zur Feier nicht


Die rechten Kleider habe, sie wolle nur
Zuhause bleiben, denn da brauche
Sie ja kein kostbares Kleid zu tragen.

Ich sagte: Über alles geliebte Frau,


In deines Herrn und Königs Palast brauchst du
Kein Kleid, nicht Schmuck und auch nicht Schminke,
Wie dich die Götter erschufen, nackend,

Bist du in meiner Kammer willkommen stets.


Sonst sind die weisen Damen so prüde, ach,
Vertrocknet alte Dattelfeigen,
Philosophierende Scheinzypressen,

Die jungen Mädchen sind ach so keusch wie Schnee!


Wenn Stratonike aber der Königssohn
Begehrte tödlicher Begierde,
Wollt ich sie geben dem Königssohne.

ACHTE ODE

Da sprach der weise Arzt zu dem König dies:


Ich hab euch angelogen, mein Herr und Gott,
Denn euer Königssohn begehrt nicht
Meine charmante und sanfte Gattin,

Sie wär ihm zu charmant und zu sanft und keusch,


Er liebt vielmehr die reizend-erotische
Gemahlin Stratonike, eure
Lagergenossin im Werk Astartes.

Nun tut, was euch das Mitleid befiehlt, mein Herr,


Und gebt ihm eure reizend-erotische
Gemahlin zur Gespielin, siehe,
Sonst muß er sterben den Tod der Liebe!

Der König mit dem Herz voll Barmherzigkeit


Und Liebe zu dem Prinzen, dem Liebling, rief
Die wunderschöne Stratonike,
Ließ auch den todkranken Prinzen kommen

Und sagte zu dem todkranken Prinzen und


Zur reizenden erotischen Ehefrau:
Ich scheide mich von Stratonike,
Göttin Astarte will diese Scheidung!

Ich gebe meine reizend-erotische


Gemahlin meinem Sohne, dem Prinzen, der
Mit höllischer Begierde feurig
Meine Gemahlin begehrt im Wahnsinn.

Du, Stratonike, reizend-erotische,


Du mache glücklich meinen geliebten Sohn!
Ich tret zurück von meinem Amte,
Ja, ich verlaß den Palast des Königs.

Der Prinz, wenn er gesundet vom nahen Tod,


Wenn auferstehen lässt ihn mein süßes Weib,
Soll sein in Syrien der König,
Königin mit ihm sei Stratonike.

Und Stratonike scherzte: Mein Herr Gemahl,


In deinem Alter wenig begehrenswert,
Den Vater liebe ich im Sohne,
Gebe mich ganz hin dem Königssohne.

Der Prinz rief: Auferstanden vom Tode bin


Ich Gott Adonis ähnlich und feire jetzt
Den Hieros Gamos mit der Herrin,
Göttin Astarte, mit Stratonike!

ZWEITER TEIL

ERSTE ODE

Als Stratonike nachts lag in ihrem Bett,


Da schlief ihr Körper, doch war die Seele wach.
Die Träume sind Erinnerungen,
Die sind gemischt mit den Phantasien.

Doch manchmal sprechen Götter zu uns im Traum.


So Stratonike träumte den Traum des nachts,
Da sah sie vor sich eine Göttin,
Herrlich die mächtig erhabnen Brüste,

Die große Göttin ist ihr erschienen nackt


Und sprach zu Stratonike im Traum das Wort:
Ich bin die große Liebesgöttin,
Syrische Göttin sollst du mich nennen.

Ich heiße Atargatis in Syrien


Und bin zugleich die Göttin Derketo und
In Kanaan bin ich die Göttin
Aschera, Göttin Astarte bin ich

Dem Volke der Phönizier, Babylon


Nennt mich Inanna oder auch Ishtar und
Ägypten nennt mich Göttin Isis,
Griechenland preist mich als Aphrodite.

Ich möchte, dass der syrischen Göttin wird


Ein Heiligtum errichtet in Syrien.
Du sollst es bauen, Stratonike,
Bau in Hierapolis meinen Tempel.

Ich will dich überschütten mit Huld und Gunst,


Wenn du als Architektin mein Gotteshaus
Errichtest. Nimm dir einen Helfer,
Bitte Kombabus, dir beizustehen.

Des liebevollen Königs Minister soll


Mit Stratonike reisen in jene Stadt
Hierapolis, mir meinen Tempel
Dort zu errichten zu meiner Ehre.

Geh, tu nun alles, was ich dir sagte, und


Sei ohne Furcht, ich bleibe dein Schutz und Schirm.
Kombabus soll an meinen Brüsten
Seligkeit trinken und Himmelswonne!

Kombabus ist der Göttin Erwählter und


Ein vielgeliebter Liebling der Göttin und
Ein mystischer Verlobter seiner
Göttin Astarte. Und nun, erwache!

ZWEITE ODE

Als nun die junge Königin ihren Mann


Erzählte von dem Traum von der Göttin und
Der Göttin Wunsch nach einem Tempel
Und von Kombabus, der ward benötigt,

Da sprach der junge König zur Königin:


O schöne Morgenröte, geliebte Frau,
Die Sonne heilt mit ihren Flügeln
Uns, ihre hüpfenden kleinen Kälber.

Du schöne Morgenröte, o Mädchen mein,


Du Sonne der Gerechtigkeit, weiß ich doch,
Kombabus ist voll ernstem Tiefsinn,
Einer der einsamen weisen Männer.

Ich rufe meinen treuen Minister gern,


Zu reisen nach Hierapolis, in der Stadt
Der Göttin Gotteshaus zu bauen,
Wie es die Göttin Astarte wünschte.

Die nackte Liebesgöttin Astarte will,


Daß ihr ein Gotteshaus werde aufgebaut,
Kombabus wird es in dem Geiste
Herrlich entwerfen gemäß der Weisheit.

Und wenn Kombabus unserer Göttin Haus


Im Geist entworfen, wie es die Göttin wünscht,
Dann sende ich geschickte Maurer,
Göttin Astarte das Haus zu bauen.

Der König rief Kombabus und sprach zu ihm:


Die schöne Morgenröte, die Königin,
Heil unter ihren Flügeln, Sonne
Voller Gerechtigkeit, o Kombabus,

Sie will mit dir am Orte Hierapolis


Das Gotteshaus erbauen der Königin
Des Alls, der Erde und der Hölle,
Göttin Astarte hat dies befohlen.

So reise, mein Minister Kombabus, mit


Der schönen Morgenröte, der Königin,
Zur Stadt Hierapolis, zu bauen
Unsrer Astarte der Göttin Kirche.

Kombabus sah zur Königin, sah zur Frau,


Zur schönen Morgenröte, der Königin,
Und sagte: Möge mir die Göttin
Heimliche Weisheit und Freude schenken!

DRITTE ODE

Kombabus dachte: Eine so schöne Frau


Wie Stratonike ist sehr gefährlich für
Die Ehre des Ministers, nämlich,
Leicht geht verloren der Ruf der Tugend.

Sie ist so zart und schön wie Susanna, die


In Susa lebte, zärtlich und schön und rein,
Die Alten wollten ihren Schleier
Reißen vom lächelnden Angesichte.

Wenn ich mit Stratonike den Tempel bau,


Als Architektin handelt die Königin,
So werden wohl die Leute reden,
Das ich was habe mit Stratonike.

Und wird dann eifersüchtig der König sein


Und denkt der junge König, die Königin
Sei fleißig nur im Kokettieren,
Droht mir der Tod an dem Marterpfahle.

Wie kann ich sicher sein, dass die Königin


Nicht ruiniert den Ruf meiner Tugend mir?
Ich hasse geile Ehebrecher
Wie auch die Scheidung des Ehebundes.

Da kann ich mich nur selber entmannen, ja,


Wenn ich Eunuch zum Ruhme der Tugend bin
Und als Eunuch der Göttin diene,
Wird mich beschuldigen kein Minister.
Mein bestes Stück, mein Mannesglied schneid ich ab
Und meine beiden Zwillinge schneid ich ab,
Die Hoden voll des Mannessamens,
Keusch will ich leben wie eine Jungfrau.

Ich werde als jungfräulicher Gottesmann


Der jungen schönen Königin dienen wie
Als wär ich ihre Kinderamme
Oder ihr Bruder, ja, ihre Schwester.

Wenn aber mich beschuldigen wird der Hof


Und wird mich bei dem König verklagen und
Mir meinen Ruhm der Tugend rauben,
Sage ich: Siehe, ich bin Entmannter!

Und so gerät die Königin nicht in den


Verdacht, zu kokettieren mit einem Mann,
Wenn in Hierapolis den Tempel
Baut sie der Göttin als Architektin.

VIERTE ODE

Kombabus legte seine Kleinodien


In eine kleine goldne Schatulle und
Trat so zu seinem jungen König,
Betete an seinen jungen König

Und sagte: Majestät, o mein Herr und Gott,


Ich habe hier ein Heiligtum aufbewahrt,
Das diene euch als treuer Zeuge,
Daß ich bin allezeit euer Diener.

Wenn ich nun mit der Königin reise nach


Hierapolis, der Göttin Astarte dort
Den Tempel zu errichten, bitt ich,
König, bewahrt meine Schatzschatulle.

Ich bin des Königs Diener und allzeit treu


Und weil ich bin dem König ein treuer Knecht,
Drum bin ich ein getreuer Sklave
Auch meiner Königin Stratonike.

Wenn jemals Zweifel aufkommen sollte, dass


Ich bin ein treuer Diener des Staates und
Der beiden Majestäten, nämlich
König und Königin, kommen Zweifel

An eurem Knecht auf, dass er dem Vater Staat


Nicht treu gedient, so schaut die Schatulle an,
Und wenn mein Ruf erst ruiniert ist,
Zeugt die Schatulle von meiner Reinheit.
Ich bitte euch, o Majestät, Herr und Gott,
Eröffnet meine goldne Schatulle nicht,
Bewahrt sie einfach unbesehen,
Hebt sie gut auf, o mein Herr und König.

Ich gehe jetzt nach eurem Gebote mit


Der jungen schönen Königin, um das Haus
Der Liebesgöttin zu errichten,
Göttin Astarte belohn den Diener!

Ich hüte eure Königin, o mein Herr,


Ich hüte sie als Heiligtum und als Schatz,
Ich hüte eure Ehre, Herrscher,
Wie auch die Ehre der Frau des Herrschers.

Denn wenn der König ist wie Adonis Gott,


Ist wie Astarte Königin eure Frau.
Ich geb das Beste meines Lebens
Göttin Astarte und Stratonike.

FÜNFTE ODE

Da Stratonike und ihr Minister oft


Zusammen waren bei ihrem Tempelbau,
Die junge Königin erkannte
Bald des Kombabus gelehrte Weisheit.

Die junge schöne Königin dachte sich:


Der Mann ist wie ein Lehrer der Weisheit mir,
Der er erkennt der Götter Willen,
Unsere Göttin Astarte lobpreist.

Ich sehe seine Tugend und Frömmigkeit


Und seh in seinen Augen der Liebe Licht,
Er hat ein Herz voll frommer Weisheit,
Er hat ein schenkendes Herz voll Güte.

Er ist nicht grade schön wie die Jünglinge,


Doch bin ich gerne in seiner Gegenwart,
Er hat so eine sanfte Aura,
Ja, er vermittelt der Götter Liebe.

Er ist so mild und sanftmütig, friedevoll,


Ist ein Orakel göttlicher Weisheit und
Kennt alle Kunst der Architekten,
Ja, ist ein göttlicher Kunsthandwerker.

Ich schätze ihn und in seiner Gegenwart


Schmilzt mir das Herz im Busen und meine Brust
Wird warm und sie gerät in Wallung,
Ja, ich empfinde so was wie Liebe.

Ja, Liebe ist das, mehr noch als Leidenschaft,


Die Liebe wird zur Leidenschaft und ich will
In seinen Mannesarmen liegen,
Möchte mich bergen an seinem Busen.

Doch ist er ja ein treuer Minister des


Verehrten Königs, dient seinem Vater Staat
Und wird die Würde seines Amtes
Wohl nicht erniedern durch Leidenschaften.

Wie kann ich ihm gestehen die Leidenschaft?


Weist er zurück der Königin Leidenschaft,
Muß ich mich schämen bei der Schande,
Das wär für beide doch mehr als peinlich.

Ich werde mich betrinken mit rotem Wein,


Denn wenn Betrunkne Leidenschaft geben kund,
So können sie noch immer sagen:
Das war der Wein, das war ich nicht selber.

SECHSTE ODE

An einem Abend saßen die Königin


Und ihr Minister stille zusammen da
Und tranken von dem roten Weine,
Sehr altem syrischem Traubenblute.

Da sprach die schöne Königin, trunken froh,


Sprach zu Kombabus lächelnd ein liebes Wort:
Kombabus, Bester der Minister,
Weisester aller der Königsmannen,

Ich bin so gerne in deiner Gegenwart,


Und jetzt da ich betrunken vom Weine bin,
Hab ich den Mut auch, dir zu sagen,
Daß ich dich liebe, mein sehr Verehrter!

Ich liebe dich! So einfach gesagt und doch


Ein Wort von großer Tiefe: Ich liebe dich!
Weil ich betrunken bin, so wag ich,
Dir zu gestehen, dass ich dich liebe!

Ich liebe dich mit geistiger Kraft und auch


Mit aller meiner weiblichen Leidenschaft
Und möchte jetzt, betrunken selig,
Küssen und küssen und nochmals küssen!

Ja, mehr noch, ich begehre das Liebesspiel


Und möchte nackt mit dir auf dem breiten Bett
Den süßen Sport der Liebe spielen!
Mach mir ein Kind, du mein Vielgeliebter!

Kombabus schluckte, stockte, errötete


Und sprach zur schönen Königin dieses Wort:
Wenn ich ein Mann wär, meine Herrin,
Gerne ich machte dir dann ein Kindlein!

Doch bin ich nicht ein Mann, ein Entmannter bin


Ich leider, meine Königin, ohne Glied,
Und kann dir die Begierde leider
Männlicherweise nicht völlig stillen.

Kombabus zog die Hose herunter und


Er zeigte seiner Königin, wie ihm da
Das Glied und seine Hoden fehlten.
Weinend die Königin sagte: Weh mir!

O weh mir, weh mir, wehe mir! Die Begier


Wird nicht gestillt mir von dem geliebten Mann!
Und dennoch, ohne Glied und Hoden,
Lieb ich dich schwesterlich, mein Kombabus!

SIEBENTE ODE

Nun Stratonike und ihr Minister oft


Zusammen waren, architektonisch klug
Zu dienen ihrer großen Göttin,
Um ihr das Heiligtum zu errichten.

Nun war Kombabus zwar ein entmannter Mann,


Und als Eunuch auch frei von Begierde und
Geschlechtslos, war er still befreundet
Mit seiner Königin, seiner Herrin.

Die junge schöne Königin aber doch


Empfand die unbefriedigte Fleischeslust
Und so verzehrte sich das Weibchen,
Immer verzichtend, doch unfreiwillig.

Wenn auch der süßen Liebe Erotik nicht


Gesättigt wurde, ach, in der Königin,
So blieb sie dennoch alle Tage
Gern in der Gegenwart ihres Freundes.

Auf diese Weise wurde verwandelt die


Erhitzte Liebesleidenschaft in den Bund
Der Freundschaft zweier guter Geister,
Einig im Dienste an ihrer Göttin.

Und so wie bei der Plage der Leidenschaft,


Wie kluge Freunde sagen, das Beste ist,
Sich einer Arbeit hinzugeben,
Daß man die leidende Lust vergesse,

So fand auch Stratonike, die Königin,


Den Frieden in der Architektur, dem Dienst
Der Göttin, in dem Bau des Tempels,
Den sie errichtete mit dem Freunde.

Wenn sie am Tage architektonisch klug


Gelenkt die Zimmermänner, die Maurer und
Die Meister und Gesellen alle,
Ganz nach dem Plane in ihrem Geiste,

Dann ward sie doch am Abend ein schwaches Weib


Und wenn sie lag allein auf dem Sopha still
Beim roten Blut der Rebentochter,
Sehnte sie sich nach Umarmung dennoch,

Und wenn sie nachts alleine im Bette lag,


So träumte sie wollüstige Träume oft
Vom Mann Kombabus, dem Eunuchen,
Diesem Eunuchen der Liebesgöttin!

DRITTER TEIL

ERSTE ODE

Der König, Stratonikes Gemahl, vernahm


Gerüchte aus Hierapolis, dass sein Weib
Mit dem Minister kokettiere,
Immer mehr hörte der junge König,

Daß sie sehr gerne tanzen ging mit dem Freund


Und leicht bekleidet ihn in dem Bad empfang
Und abends sitze mit dem Manne
Lächelnd und scherzend auf seinem Sofa

Und dass er einmal gar in der dunklen Nacht


Den nackten Rücken seiner Gebieterin
Auf ihrem Bett massierte, knetend
Ihre Verspannungen an den Schultern,

Und da der König dieses Gerücht vernahm,


Zitierte er den guten Minister gleich
Vor seinen Stuhl des Herrn und Richters
Und sprach zum treuen Minister dieses:

Kombabus, mein Vertrauen gehörte dir,


Ich gab dich meiner Königin gerne mit,
Das neue Heiligtum zu bauen
Göttin Astarte, des Reiches Herrin.

Doch du hast mein Vertrauen betrogen, Mann!


Ich hab dich eingesetzt als Verwalter beim
Errichten dieses Heiligtumes,
Unseres staatlichen Heiligtumes,

Und hab dich eingesetzt als den Meister der


Gesellen, jeden Maurers und Zimmermanns,
Ich machte dich zum Architekten
Unseres staatlichen Heiligtumes

Und habe dir des syrischen Staates Heil


Vertraut und meine Königin dir vertraut
Als Dienerin der großen Göttin,
Das aber hast du wohl missverstanden.

Die Ehe eines Königs ist heilig und


Das Ehebett der Königin unberührt
Zu halten, ist der Männer Ehre,
Du aber hast deinen Herrn betrogen.

Und darum spricht der syrische König und


Zugleich das ganze syrische Volk zu dir
Den Urteilsspruch, das Todesurteil!
Sei dir die Göttin Astarte gnädig!

ZWEITE ODE

Kombabus hat das Todesurteil gehört


Und betete zur Göttin Astarte still:
Du unbefleckte Jungfrau, Mutter,
Königin, Göttin, komm mir zu Hilfe!

Er ward geschlagen, wurde gefesselt und


Geführt zu seinem Kreuz auf dem Totenberg,
Wo man der Sklaven viel gekreuzigt,
Viele Rebellen und viel Verbrecher.

Kombabus stand vorm Kreuze und sah hinauf


Und sprach: Gewährt mir noch einen Wunsch vorm Tod,
Lasst noch mal mich den König sprechen,
Denn ein Geheimnis will ich verkünden.

Der König trat zu seinem Minister und


Sprach zu Kombabus: Sünder des Ehebruchs,
Beflecker du des Königsbettes,
Was will Kombabus von seinem König?

Kombabus sprach zum König: Mein Herr und Gott,


Als ich mit Stratonike gefahren bin
Zur Stadt Hierapolis, zu bauen
Göttin Astarte den schönen Tempel,

Da gab ich meinem König zuvor, ihr wisst,


Zu Händen eine goldne Schatulle und
Sprach: Herr, hebt gut auf die Schatulle,
Aber ihr sollt sie nicht öffnen, Herrscher.

Jetzt aber bitte ich meinen Herrn und Gott,


Zu öffnen jene goldne Schatulle und
Zu schauen, was in ihr bewahrt ist,
Leben und Tod nämlich davon abhängt.

Der König ihm gewährte den letzten Wunsch,


Nahm in Empfang die goldne Schatulle und
Tat die Schatulle auf und schaute
Penis und Hoden des treuen Mannes.

So hast du meine Gattin doch nicht befleckt,


Und hättest du gewollt, hättest nicht gekonnt,
So blieb die Gattin unbefleckt und
Darum soll leben mein Freund Kombabus!

Und weiter nichts vom Tode am Kreuz und nicht


Mehr Scham und Schande über Kombabus, nein,
Der König ehrte den Minister:
Göttin Astarte hat ihn gerettet!

DRITTE ODE

Der junge König sprach zu Kombabus dies:


Du bist ein wirklich treuer Minister, der
Die Genitalien eher opfert
Als einen heiligen Bund zu brechen.

Du bist dem ganzen syrischen Volke jetzt


Ein reines Tugend-Vorbild geworden, du
Bist Inbegriff der reinen Treue
Zu dem Gebieterpaar, und der Keuschheit.

In diesen wilden lüsternen Zeiten bist


Du heilige Ikone der Keuschheit, die
Zur Ehre seiner reinen Göttin
Opfert den Penis, die Zwillings-Hoden.

Ich habe solch ein großes Vertrauen nun


Zu dir, dass du zu jeglicher Tageszeit
In dem Palast des Herrn und Königs
Vor mir erscheinen darfst, mein Minister.
Und wenn ich selber speise zu Mittag, darfst
Du auch mit deinem Könige speisen und
Wenn du am Abend zu mir eintrittst,
Sollst du den Rotwein des Königs trinken.

Und wenn ich unterwegs bin im Staatsgeschäft


Und meine schöne Königin ist zuhaus,
So darfst du allzeit sie besuchen
Und ihr berichten nach deiner Weisheit

Von irgend neuen Himmelserscheinungen,


Vom König und vom syrischen Volke und
Dem Volke von Ägypten oder
Was sich ereignet in Jemen-Saba.

Und wenn die schöne Königin ist im Bad,


So bleibe ruhig vor ihrer Türe stehn,
Massiere den verspannten Rücken
Meiner geliebtesten Eheherrin.

Wenn ich selbst und die Königin in dem Bett


Gemeinsam liegen (selten nur kommt es vor)
Und du willst sprechen deinen König,
Ruhig betrete die Bettenkammer.

VIERTE ODE

Kombabus aber schließlich vollendete


Der großen Göttin Heiligtum in der Stadt
Hierapolis, der Göttin Tempel,
Syrischen Göttin Astarte Tempel.

Er stellte auf das Marmorbild einer Frau,


Die wie die Himmelskönigin Juno war
Voll ernster hoheitsvoller Würde
Und mit den lilienweißen Armen.

Er stellte auf das Marmorbild einer Frau,


Die wie die Jungfraungöttin der Weisheit war,
Minerva mit der langen Lanze,
Von Lapislazuli war ihr Auge.

Er stellte auf das Marmorbild einer Frau,


Die wie die süße Göttin der Liebe war,
Wie Venus mit dem großen Busen,
Marmornen Brüsten, gebenedeiten.

Er baute für die syrische Göttin auch


Sehr schön den elfenbeinernen Gnadenthron,
Da sieben Stufen elfenbeinern
Führten zum Gnadenstuhl seiner Göttin.
Zu beiden Seiten dieses sehr schönen Throns
Voll Majestät zwölf goldene Löwen da
Flankierten dieses Thrones Stufen,
Denn sie war Herrin der wilden Tiere.

Ihr Stuhl mit elfenbeinerner Lehne war


Von hinten mit dem goldenen Stier geschmückt,
Ein Sinnbild für den Gott Adonis,
Sinnbild des fruchtbaren Gnadenstromes.

Die Göttin war mit Edelsteinschmuck geschmückt


Und trug ein königliches Gewand von Gold,
Gekränzt mit einer Sternenkrone
War sie die Königin in dem Weltall.

Von wo auch immer jemand geblickt zur Frau,


Der Augen Lapislazuli schaute stets
Mit Mutteraugen voll Erbarmen
Gnädig zum Beter, der zu ihr flehte.

Kombabus ließ den Weihrauch in dichtem Qualm


Aufsteigen in der syrischen Göttin Haus,
So dicht die Wolke war des Weihrauchs,
Keiner mehr konnte die Göttin sehen.

FÜNFTE ODE

Da sprach die Liebesgöttin Astarte dies


Zu ihrem liebevollen Kombabus: Mann,
Ich bin wie eine große Mauer
Und meine Brüste sind runde Türme!

Ich hab dich auserwählt, mein geliebter Mann,


Bevor du mich gewählt als Geliebte hast,
Bevor du mir dein Herz geöffnet,
Bat ich um Einlaß in deine Seele.

Sei sicher, meine Liebe ist grenzenlos


Und eine Flamme Gottes ist meine Lust,
Ich lieb dich mit besondrer Liebe,
Ja, du bist mein und ich bin die Deine.

Daß du bist ein Eunuch für das Himmelreich,


Das ist mein Wille. So hab ich dich bewahrt
Vor sterblicher Verliebtheit, welche
Dornen dir mehr schenkt als Rosenblüten.

Ich habe dich bewahrt vor den Sterblichen,


Vor Frauen, welche schön in der Jugend sind,
Sind halbätherische Geliebte,
Später jedoch sinds Matronen rundlich.

Schau, ich bin sechzehnjährige Jungfrau, bin


Die reine immerwährende Jungfrau, bin
So schlank wie eine Dattelpalme
Und meine Brüste sind Rebentrauben.

Trink dich an meinen mächtigen Brüsten satt,


Dem Kinde tröpfelt Honigmilch meine Brust,
Dem Manne aber flutet Rotwein
Feurig aus meinen gefüllten Brüsten.

Ich habe dich erwählt als geliebten Mann,


Der Liebesgöttin Bräutigam bist du jetzt,
Nicht glücklich bist du wie die Leute,
Sondern glückselig wie Gott Adonis!

Ja, Gott Adonis auch trank an meiner Brust


Den Wein, den ich verwandelt in rotes Blut,
Du nun des Gottes Zwillingsbruder
Ruhst an den Brüsten der Muttergöttin!

Der Tod wird dich erlösen von allem Leid,


Dann kommst du in das ewige Freudenreich.
Adonis ist ja auferstanden,
Dort, Liebling, werden wir Hochzeit feiern!

ODEN VON ANAKREON

EROS

Ich will Helden, Herren singen,


Starker Verse, große Dinge!
Auf, o Muse! Doch die Saiten
Tun so revolutionär,
Wollen nichts als Eros tönen!
Ich zerriss die Saiten alle,
Spannte neue Saiten auf,
Doch auch diese rebellieren.
Neue werden mir gehorchen,
Diese tönen sicher Helden.
Eben ich begann mit Zeus
Und den Göttern, aber Eros
Lachte! Aus der sanften Leier
Kam nur Süßes, inspiriert
Von der Liebe und Begierde.
Helden, Könige, Adieu!
Heldenverse, große Dinge,
Euch Adieu! Nur Eros-Oden
Tönt mein Herz zu meinen Saiten.

SCHÖNHEIT

Allen, die den Äther atmen,


Kraft hat die Natur gegeben.
Bei dem Bau des edlen Stieres
Gab Natur dem Haupte Hörner
Und dem Pferd gab sie die Hufe
Und Geschwindigkeit dem Hasen
Und dem Löwen scharfe Zähne,
Auf der Meeresoberfläche
Lehrte sie die Schuppenschar
Die Kristallsee zu durchjagen.
Und das schattenreiche Wäldchen
Zierte sie mit Tirilieren.
Männern gab sie, stolzen Männern,
Ihre geistige Vernunft.
Was, oh Frau, was blieb für dich
Über von den ganzen Schätzen?
Die Natur gab dir die Schönheit!
Mächtiger als all der Pomp
Und die böse Macht des Krieges!
Feuer hat wohl solche Macht
Wie die Frau, wenn sie erobert.
O sei schön! Die Menschheit liebt dich!
Lächle – und die Welt wird schwach!

AN EINEN MALER

Du, des Rosenfarbentöne


Schaffen können Form und Seele,
Bester Maler! Komm und zeige
Diese wunderschöne Jungfrau,
Welche lebt in weiter Ferne.
Male ihre Locken spielend,
Seidenlocken, irre Ranken,
Und, wenn Malerei das kann,
Ihren Balsam destilliere,
Lass das kleinste Löckchen atmen
Einen Seufzer des Parfüms,
Locken, die gekräuselt fließen
Rötlich auf der Stirne Schnee.
Lass der Stirne Strahlen leuchten
Glänzend weiß wie Elfenbein.
Mach die Brauen ebenmäßig
Steigend in gewölbten Bögen,
Je ein Halbmond zärtlich zitternd,
Nicht sich mischend, nur sich teilend.
Aber hast du warme Funken
Für die Blitze ihrer Augen?
Lass sie streuen blaue Strahlen
Wie in der Athene Blicken,
Süß gemischt mit Licht, das fließt
Hold in Aphrodites Augen.
Auf die Nase, auf die Wangen
Gieße schamhaft Weiß und Rot,
Mische sie, wie wenn es glüht.
Charme kann blicken, Farbe strahlen,
Überlass den Rest dem Traum!
Ja, sie ist es, die ich suche!
Ja, sie lodert, ja, sie lebt!
Gleich beginnt sie auch zu sprechen!

DIE TAUBE

Lieblicher Kurier des Himmels,


Woher und wohin denn willst du?
Streust du doch - dein Ritzel spielt –
Duftstoff auf den ganzen Weg.
Ist es Arbeit? Ist es Liebe?
Sags mir, sags mir, sanfte Taube!

„Mit Anakreons Gelübde


Komm ich, das er schwor Myrtale,
Darauf seines Herzens Charme,
Die errötende Natur
Und das Lächelnde der Kunst.
Aphrodite – er umwarb sie –
Schickte mich zu ihrem Barden.
Er, Anakreon, ist Meister,
Er regiert jetzt meinen Flug.
Da die Briefe, die du siehst,
Schwere Ladung sind auf mir,
Denke nicht, mein Dienst sei hart,
Freudlos Arbeit ohne Lohn.
Lächelnd an des Meisters Tor
Freiheit wartet, wenn ich heimkehr.
Wilde Freiheit nur vergeblich
Lockt mich, wieder wild zu sein.
Kann ein kluges Täubchen kommen
In ein seliger Gefängnis
Als die meinen Fesseln sind?
Über Wald und Feld zu streifen,
Glückes Gast, doch ohne Heimat,
Und das Untere verlassen,
Seinen Kopf stets zu verbergen,
Leicht geschürzt, grob zugeführt –
Ich hab jetzt ein bessres Los:
Leckre Mahlzeit! Weiche Ruhe!
Nun die Schale ist bereit,
Nämlich meines Dichters Mund!
Pflegeschützling, frei von Angst,
Brot schnapp ich von seinen Fingern!
Dann mit üppig vielen Knaben
Spiele ich in seinem Haus!
Wenn der Wein den Mut beflügelt,
Streift mein Flügel sein Gesicht,
Wenn dann Fest und Freude reifen,
Schlafe ich auf seiner Leier!
Das ist alles. Nun, ich eile,
Und wie du nicht wissen kannst,
Werd ich meinen Ritzel tragen!
Ach, ich schwatz wie eine Hausfrau.“

KUMMERBRECHER

Als ich voller Durst mich neigte,


War mein Leiden eingeschläfert!
Diskussionen der Monarchen!
Ich der Glücklichste und Reichste!
Erster ich von allen Männern!
Sorglos überm Becher sing ich,
Phantasie macht mich zum König.
Gib des reichen Krösus Gaben –
Hätte ich denn Lust auf mehr?
Auf dem samtnen Sofa liegend,
Efeu meine Stirn umschlingt,
Meine Seele ist begeistert!
Was sind Könige und Kronen?
Arm seid ihr, ihr Mächtigen,
Hastend zu dem Blut des Krieges.
Lasst mir, lasst mir meinen Weinstock!
Andres Blut vergieß ich nicht
Als das Blut, das Wein einst war.
Breite volle Becher sehen,
Das nur heißt, mich zu besiegen,
Denn ich glaube, es ist weiser,
Als im bösen Krieg zu fallen,
Trinkend untern Tisch zu fallen!

TRINKEN

Ist die Mutter Erde trocken,


Dann trinkt sie des Himmels Regen.
Dann der Tau gibt frisch und herzlich
Jedem Pflanzendurst zu trinken.
Dämpfe, die am Abend schweben,
Sind Getränk den tiefen Hügeln.
Wenn die rote Sonne scheint,
Dann trinkt sie des Meeres Tränen.
Luna auch in bleichen Strömen
Glanz saugt aus der Sonne Pfeil.
Fort mit deiner Nüchternheit,
Denker! Die Natur trinkt immer
Nach dem heiligen Gesetz.
Das Gesetz ist auch das meine.
Ich verpflichte selbst das Weltall
Aufs Gesetz des roten Weines.

GOLD

Lieben ist ein großer Schmerz!


Ungeliebt ist größrer Schmerz!
Aber ach, die schlimmsten Schmerzen:
Liebend nicht geliebt zu werden!
Die Empfindung floh die Erde,
Auch das Feuer des Genies,
Auch der Adel der Geburt.
Himmelstugend kann betören,
Schönheit gnädig ist dem Lächeln.
Ach die Frau will nur das Gold,
Gold ist, was die Frau nur träumt.
Ich vergeb der Dirne nicht!
Nicht vergib der Sünderin,
O gerecht-empörter Himmel!
Wer als Erster tat verehren,
Wessen Herz zuerst sich schmückte
Für den bösen Schmutz des Geldes?
Ach, seit dieser Durst begann,
Tot ist das Gemeinschaftsleben,
Tiefes Fühlen ist entschwunden!
War es die Natur denn selbst,
Die der Liebe Charme besudelt,
Um mit Gold zu provozieren
Alle Völker zu den Kriegen?
Oh das Schlimmste ist von allem:
Gold zerreißt des Minners Herz!

EROS UM MITTERNACHT

Mitternacht. Rund um den Pol


Ward der Kleine Bär gesehen.
Sterbliche, vom Tage müde,
Haben Sorgen weggeschlummert.
Kam ein Knabe zu der Zeit,
Weinend kam in meine Laube,
Weckte mich mit Klageliedern,
Bat, ihn vor der Nacht zu schützen.
Und wer bist du, rief ich laut,
Der mir die Visionen scheucht?
Sanfter Vater, sprach der Knabe,
Nimm mich unter deine Flügel.
Ich hab Angst, ein Knabe einsam,
Wandernd durch die düstre Wildnis.
Kalt der Regen und kein Strahl
Mir erleuchtet meinen Weg.

Ich vernahm des Knaben Leiden,


Hörte bittern Nachtwind wehen.
Seufzend über sein Geschick,
Steckte ich die Lampe an
Und ich öffnete das Tor.
Es war Eros! Dieser Wandrer,
In der Nacht sein Ritzel strahlte.
Ich erkannte ihn am Bogen,
Kannte ihn in meinem Herzen.
Lieb nahm ich ihn an und blies
Aus der Asche auf die Glut.
Drücke du aus deinem Haar
Die Kristalle nur der Frostluft.
In der Hand und an der Brust
Hielt ich seine kleinen Finger.
Jetzt die Glut des Genius
Blies mir alle Ängste weg.
Bitte, sprach der kleine Schelm,
(Als er lachte, bebte ich)
Lass den Bogen mich versuchen,
Durch den Regen ging ich lang,
Dass ich fürchte fast, der Schauer
Hat den Bogen mir verdorben.
Nun das Kind den Bogen spannte,
Von der Sehne flog der Pfeil.
Schnell der Pfeil wie eine Flamme,
Kam in meinen innern Geist.
Und der Knabe sprach: Adieu!
Und er lachte laut und wild,
Zog geflügelt seines Weges.
So Adieu denn, nun ich weiß,
Dass der Regenschauer nicht
Meinen Bogen schlaff gemacht.
Ja, ich kann noch immer schießen,
Wie ich dir dein Herz durchbohrt!

EPIKURÄER

Unter Myrten in dem Schatten


Liege ich im Blumenbett,
Salb mit Salböl mir mein Haupt,
Um mich wachsen rote Rosen.
Was soll ich nun tun als trinken,
Zu entfernen alle Mühen?
Ja, im königlichen Staat
König Eros mich erwartet!
Eros, fülle mir den Becher
Und vermisch Gesang dem Becher,
Voller Witz und Heiterkeit
Stimmen gib und edle Glut,
Gib Gesundheit, Knabenliebe!
Denn das Rad des Lebens flieht
Nicht nur auf robuste Weise,
Sondern auch auf sanfte Weise.
Muss das Rad des Lebens fliehen,
Möge die Bewegung sanft sein.
Warum nicht mit Salböl salben?
Warum nicht den Rotwein trinken?
Schöne Blumen, warum nicht
Sie auf lieben Gräbern pflanzen?
Nichts kann uns der Staub mehr geben
Des Gebeins, das ward zu Staub.
Nach dem Tod begehr ich nichts mehr,
Lass mich jetzt das Leben lieben!
Alle Stoiker sind tot.

CATULL ODEN

S’ ist willkommen, wie einst dem raschen Mädchen


War der goldene Apfel, der, so heißt es,
Lang verschlossenen Gürtel ihr gelöst hat...

Sperling, köstliche Wonne meines Mädchens,


Gerne spielt sie mit dir, hält dich am Busen,
Reicht die Spitze des Fingers dir zum Angriff,
Reizt zu heftigen Bissen dich. Gefällt es
Meiner strahlenden Liebsten, Scherz zu treiben –
Kleine Tröstung für ihre Schmerzen – glaub ich,
Wird die heftige Glut von dir beschwichtigt.
Könnt ich spielen mit dir wie die Geliebte,
Ach, und lindern des Herzens dunklen Kummer!
3

Charitinnen, weint, weint, Eroten, trauert,


Zartbesaitete Menschen alle, trauert!
Nämlich meiner Geliebten Sperling, wehe,
Meines Mädchens Beglückung, ist gestorben,
Den sie mehr noch als ihre Augen liebte!
Er war lieblich und kannte seine Herrin
Als wie meine Geliebte ihre Mutter.
Nimmer floh er von ihrem Schoße, sondern
Hüpfte hierhin und dorthin, sprang und hüpfte,
Immer zwitscherte er vor seiner Herrin.
Jetzt die düsteren Pfade geht er, dorthin,
Woher niemand, so heißt’s, zurückgekommen.
Fluch dir, finsterer Hades, du Verderber
Alles Schönen, so schönen Sperlings Dieb du!
Ach, unseliger Sperling du des Unglücks,
Du bist schuld, dass jetzt meines Mädchens Augen
Rot geschwollen von heißvergossnen Tränen!

Leben wollen wir, Lesbia, uns lieben!


All das Murren der allzu strengen Greise
Gilt uns mehr nicht als Nichts und Eitelkeiten.
Sonnen sinken und auferstehen, aber
Wir, ist einmal erloschen unsres Lebens
Flamme, schlafen im Dunkel ohne Ende.
Gib mir zehntausend Küsse, dann noch tausend,
Hundert, abermals tausend und zehntausend!
Sind Millionen beisammen, o Geliebte,
Sei vergessen die Zahl der Küsse, also
Dass kein Neider mit bösem Blick behexe
Jemals uns, wenn er wüsst die Zahl der Küsse.

Wie viel Küsse von dir genug sind, fragst du,


Liebe Lesbia, oder je genügen?
Nenn des libyschen Sandes Zahl, Geliebte,
Beim Orakel des glutgeplagten Jove
Und dem heiligen Grab des alten Battus
In Kyrene, und sag die Zahl der Sterne,
Soviel Küsse, Geliebte, sollst du küssen!
S’ wär dem Wahnsinn Catulls genug, so reichlich,
Dass Neugierige sie nicht zählen können,
Böse Zungen uns nicht verhexen möchten!
6

Gib, Catullus, die Torheit auf, du Armer,


Was verloren ist, gib du auch verloren!
Einstmals leuchteten lichte Sonnentage,
Als du gingest, wohin dein Mädchen lockte,
Die Geliebte, wie keine je geliebt ward!
Da geschahen so süße Minnescherze,
Die willkommenen, gern gesehn vom Mädchen,
Damals leuchteten lichte Sonnentage!
Doch jetzt will sie nicht mehr! – So woll du nimmer
(Wenn’s gelänge) und jag nicht nach dem Mädchen!
Trag mit männlichem Sinn und steh mit Stärke!
Lebe wohl denn, Geliebte! Schau, Catullus
Wird dich nimmer mehr suchen und umwerben!
Du wirst Schmerzen empfinden, unumworben!
Weh dir, Schreckliche! Welches Leben bleibt dir?
Wer bemüht sich um dich? Wem bist du Schönste?
Wessen Liebste wirst du genannt? Wen lieben?
Wenn dann küssen und wem die Lippen beißen?
Ha, Catullus, steh männlich deinem Schicksal!

Furius und Aurelius, ihr bleibt Catullus’


Freunde, ist in Indien er, wo morgens
Schlägt die Woge laut an die weithin wider-
Hallende Küste,

Oder bei Hyrkanern er oder Sakern


Oder zwischen Arabern oder pfeilbewehrten
Parthern, an dem Meere, das färbt der sieben-
Armige Nilus,

Oder auf den schneeigen Alpen, singend


Ruhmestaten Cäsars, an Galliens Rheine,
Sieht die See er oder Britannien an dem
Schneeweißen Küsten,

Ihr seid stets bereit, meine Freunde, alles


Zu bestehen, was auch das Schicksal bringe!
Also meldet Lesbia meine Worte,
Worte des Zornes.
Leben soll sie wohl mit den vielen Freiern
In den Armen! Dreihundert Nebenbuhler!
Keinen liebt sie wirklich, doch allen saugt sie
Saft aus den Lenden!

Nimmer soll sie rechnen mit meiner Liebe,


Die durch ihre Sünde dahingesunken,
Wie am Wiesenrande geknickt vom Pflug die
Welkende Rose!

Gute Speise erwartet dich, Fabullus,


Schon in wenigen Tagen (Gott sei gnädig),
Wenn du reichliches Essen mitbringst, Lieber,
Und vergiss nicht: ein strahlend schönes Mädchen!
Wein und Salz nicht vergiss und gute Laune!
Wenn du solcherlei mitbringst, Liebenswerter,
Wirst du speisen vorzüglich. Denn der Beutel
Von Catullus ist voller Spinnenweben.
Doch als Gegengeschenk empfängst du Freundschaft,
Unverwässerte! Oder, was noch schöner,
Ein Parfüm will ich reichen, welches Lesbia
Venus schenkten und Amor! Wenn das duftet,
Götter, wandelt mich ganz in eine Nase!

Narren, Narren, ich werd das Maul euch stopfen,


Dir, dem Strichjungen, dir dem Kissenvögler,
Weil aus zärtlichen Versen ihr zu lesen
Wagtet, ich sei ein Lustmolch! Anstand ziemet
Dem Poeten, betreffs der Lebensweise,
Doch die Liederlein brauchen etwas Unzucht,
Anmut wird von den Zärtlichkeiten kommen
Und gepfeffertem Sexus! Nicht den Knaben,
Sondern Bärtigen mit den steifen Lenden
Ist es schön! Doch ihr lest von tausend Küssen,
Meint, unmännlicher Mann sei ich, Catullus?
Vögler, Schnabel und Loch werd ich euch stopfen!

10

Schenke, alten Falerner fülle, Knabe,


In den Becher! Posthumias Befehlen
Folg, der Herrin der Feier, selber trunken,
Volle Weinbeere sie! Doch Wasserfluten,
Weinverderber, hinweg zu Ernst und Freunden!
Das Dionysosblut wird hier getrunken!

11

Bitte, bitte, du süße Ipsitilla,


Meine Wonne, mein Glück, lass mich heut Mittag
Auf ein Schläfchen zu dir, du Süße, kommen,
Wenns dein Wille und Wunsch, und bleib zuhause
Und beschenke mich ohne Unterbrechung
Dann mit seligen Seligkeiten sieben!
Rasch nur, lass mich sofort ins Zimmer kommen,
Denn ich habe gespeist zu Mittag, liege
Auf dem Rücken, durchstoße Hemd und Mantel!

12

Sag, Papyrus, ich bitt, dem sanften Dichter,


Dem Gefährten Cäcilius, er soll kommen
Nach Verona, den Wall von Novum Comum
Und die larischen Haine rasch verlassen.
Möchte ich ihm doch einige Gedanken
Seines Freundes und meines Freundes sagen.
Also wird er, ist er verständig, eilig
Sich bewegen, wenn auch ein schönes Mädchen
Ihn beim Aufbruch zurückruft tausendmale
Und ihn bittet zu bleiben, ihn umhalsend.
Sie verschmachtet (berichtet man die Wahrheit)
Jetzt vor heftiger Liebe zu dem Dichter.
Seit sie seine Gedichte von der Göttin
Mutter Kybele las, verzehren Gluten
Bis ins innerste Mark die Allerärmste.
Ich vergebe dir, schönes Mädchen! Weise
Wie die Muse der Sappho bist du: Lieblich
Ist Cäcilius’ Sang der Magna Mater!

13

Geile Kneipe und geile Kneipengänger,


Glaubt ihr, ihr denn alleine hättet Schwänze,
Alles Weibliche zu erquicken, Schwänze,
Dürft die übrigen Männer Böcke nennen?
Weil ihr sinnlos in Reihen sitzt zu hundert,
Meint ihr, ich wagt es nicht, euch hundert Ärschen
Eure Schlünde zu stopfen! Will die Wände
Ganz mit männlichen Ruten euch bepinseln!
Denn das Mädchen, das floh aus meinen Armen,
Die ich liebte, wie keine je geliebt ward,
Hat sich niedergelassen in der Schenke!
Alle liebt ihr sie da in Glück und Wonnen,
Aber Narren seid alle ihr, Schandflecken!
Felder-, Wälder- und Wiesen-Freier! Aber
Du vor allem, mit deinen schwarzen Haaren,
Du kraushaariger Sohn Kaninchenlandes,
Dein Gebiss ist geputzt mit deiner Pisse!

14

Gruß dir, Mädchen, hast keine schöne Nase,


Keine zierlichen Füße, dunklen Augen,
Keine kusslichen Lippen, schlanken Finger,
Keine Zunge, die weise und geschickt wär –
Freundin du des bankrotten Formiani,
Nun erzählt die Provinz, du seist Frau Anmut?
Gar mit Lesbia willst du dich vergleichen?
Weh den Zeiten so närrisch und geschmacklos!

15

Der scheint einem Gotte mir gleich und – sag ich’s? –


Göttern überlegen, der gegenüber
Dir sitzt und dich immer und immer wieder
Anschaut und hören

Darf dein sanftes girrendes Lachen! Ah, mir


Armen raubt dies all meine Sinne! Siehe,
Kaum erblickt ich, Lesbia dich, blieb nichts mehr
............,

Es versagt die Zunge, es brennt wie Flammen


In den Gliedern, donnert in meinen Ohren,
Meine heißen Augen bedeckt das Dunkel
Finsterer Nächte! –

Leiden schafft die Muße, Catull, die Muße


Lässt dich übermütig zu viel begehren,
Muße hat die Fürsten gestürzt und segens-
Blühende Städte.
16

Sag mir, ist es dir lästig nicht, erklär mir,


Wo hältst du dich verborgen? Auf dem Sportplatz
Sucht ich, suchte im Zirkus, in den Läden,
Wo man handelt mit Büchern, dich im Tempel
Joves. In des Pompejus Wandelhallen
Hielt ich alle sie an, die lieben Frauen,
Sah ich irgendwo lachende Gesichter,
Gebt Camerius her, ihr schlimmen Mädchen!
Zwischen rosigen Brüsten ist sein Bette!
Eine Herkulesarbeit, dich zu finden!
Was so hochmütig hältst du dich verborgen?
Sag mir, wo wirst du sein, und sag es offen,
Sag es mutig, vertrau es an dem Lichte!
Halten milchweiße Arme dich des Mädchens?
Wenn verschlossener Mund die Zunge fesselt,
Schau, dann bringst du dich um die Frucht der Liebe,
Denn an wortreichem Plaudern freut sich Venus!
Oder, ist dir das lieber, halt den Schnabel,
Darf dann ich dir von meiner Liebsten reden!

17

Cälius! Lesbia, meine Eine, Lesbia,


Die Catullus mehr liebte als sich selber,
Mehr als alle die Seinen, schröpft am Kreuzweg
Und in seitlichen Gassen Romas Enkel!

ALKÄOS ODEN

Seine Halle ist hell von Bronze strahlend,


Und geschmückt ist sein Dach mit Helmen glänzend,
Schlimmem Werkzeug des Kriegs. Der Pferde Kopfputz
Schimmert hoch, die den Stolz der Krieger trugen
Auf den Köpfen. An jeder Wand die 'Zinnen
Blank gerieben, da bargen all die Krieger,
Gegen Pfeile ist dieses Bollwerk sicher
Und durch purpurne Fahnen und die Scharen
Von gebogenen Schilden, scharfen Klingen,
Weißen Tuniken, Gürteln und von Kriegszeug.
Dies vergessen wir nicht, beachten's immer,
Da wir einmal zu kämpfen unternahmen.

*
Siehe, nun des Herbstes Blume
Purpurn färbt sich auf dem Hügel
Und die Rosen, sie verwelken
In der grünen Gartenlaube,
Und verschwunden ist der Dill schon.
Morgenluft ist scharf und glänzend,
Nachmittag ist voll von Lichtglanz.
Vesper nachts die Glocken läutet,
Brisen wehen feucht und fröstelnd.
Violette Rebenernte
Blutet purpurn in der Kelter.
Bacchus kommt, den Wein zu prüfen
Und zu segnen unsre Arbeit.
Bring die große goldne Schale,
Deine Sinne zu ersäufen,
Gleich, ob du dann anfängst, deine
Heimlichkeiten zu gestehen.

Spiegel ist der Wein, zu zeigen


Alle Bilder alles Schönen.
Freund von Heiterkeit und Frohsinn,
Feind der schattenhaften Sorgen.
Fülle deinen Griechenbecher,
Streu Rubine aus dem Kelche,
Trinke bis zum letzten Schluck und
So dein ganzes Weh ersäufe!

Durch Quadern nicht, noch durch des Gebälkes Holz


Noch durch des guten Baumeisters edlen Traum,
Durch Männermut besteht die Festung,
Sichere Burg für das Volk der Bürger.

O betet! Mischt nicht Wein in der Schale, wisst,


Ich mag nicht, dass die Arbeiter dieser Welt
Laut singen, zechen, lustig trinken
So wie Verdurstende, nichts sonst denkend.

Wann lassen wir im Winter den Morgenwind


Je schweifen überm glitzernden Meere faul?
Wir wollen schnell ein Schiff besteigen,
Binden es los, wo wirs festgebunden.

Und dann ergreifen freudig das Ruder wir


Und dann die Segel bauschen im Winde sich
Und so vergessen wir das Übel,
Besser ist das als ein Weingelage.
*

Er sprang herab, der mächtigsten Götter Gott,


Mit Zephyr, der in goldene Blumen blies,
Mit Iris' buntem Regenbogen.
Eros den Liebhaber hat gesegnet.

König Priamos und die Söhne starben,


Wegen gottloser Sünde straften Götter.
Schöne Helena, du des Zornes Ursach,
Warfst ins heilige Troja Feuersbrünste.

Nicht so du, wie das wunderschöne Mädchen,


Warst von Aeacus' Sohn geführt nach Hause,
Da in Nereus' Palast zuhaus war Chiron,
Wohin Götter zu segnen sind gekommen.

Eingeladene Gäste, Hochzeit feiernd,


Da sich sehnte von edlem Herzen Peleus,
Die glückselige Einheit mit dem Mädchen,
Die die Schönste von allen Nereiden.

Ein Jahr später der größte Held der Erde


Ward geboren, der Pferde führen konnte.
Doch im Kriege um Helena von Sparta
Alle Phryger sind mit der Stadt gefallen.

Nein, gib nicht auf! Die Traurigkeit nützt dir nichts!


Du dulde die abscheulichen Übel auch!
Dionysos! Das Beste bleibt doch,
Sich an dem Rotweine satt zu trinken.

Komm, nässe deine Brust mit Wein! Der Hundsstern jetzt


Steigt hoch und drückend glüht der schwüle Sonnenstrahl,
Die heiße Sommerzeit bringt allen großen Durst.
Aus den Johannisbeeren ruft die Amsel laut,
Süß unter ihren Flügeln schrillt der Amsel Sang.
Die heiße Hitze lodert, alles ist verdorrt,
Die ganze Erde ist verdorrt, die Distel blüht
Und hebt den Kopf. Jetzt macht verrückt die Frauenwelt
Mit Leidenschaft die Männer, sind die Röcke kurz,
Wenn Sirius verbrennt die Glieder und den Kopf.

Lass uns trinken, nicht bis zum Dunkel warten!


Warum denn auf das Licht der Lampe warten?
Kurze Spanne des Lebens ist ein Tag nur.
Liebster Freund, lass uns trinken, weil wirs können!
Nimm die Becher mit der Figuren Zierde
Und dann trinken wir auf den Sohn des Höchsten
Und dass Semeles Sohn den Menschen Wein gab,
Seine Gnade befreite uns vom Elend!
Einen Kelch sollst du mischen, einen zweiten,
Lasse über den Rand den Rotwein laufen!
Für uns alle den großen Becher fülle
Und dann komm noch mit einem größern Becher.

Nicht mehr für Lykos seufze ich, für den Freund,


Such nicht mehr seine Zärtlichkeit liebenswert,
Nicht seine dunkel-hellen Augen,
Nicht mehr den Reichtum der Rabenlocken.

Nicht freudenreichen Lobpreis erhöhe ich,


Wenn ich in seiner Nähe verweile, nicht
Besing ich seinen Namen lobend,
Lob nicht den Dreck seiner Fingernägel.

Doch hebe an, o Muse, das Lied für Sie!


Besing die purpurnlockige Jungfrau schön
Und lobe sie mit weicher Kehle,
Lob ihre Stimme, ihr leises Lachen.

Noch einmal singe all ihre Reize und


Der Augen hingerissene Zaubermacht
Und ihre braunen schlanken Arme
Und ihren Busen so weich und weißlich.

Ja, singe immer, ewig von ihr allein,


Von meiner sanft betörenden Königin,
Sie ist die Schönste aller Frauen,
Sappho, süß lächelnde Muse Sappho!

Alkaios heil entkam der Hand


Des Ares auf dem Feld der Schlacht,
Er floh zu seinem Vaterland,
Er folgte seinem Schwert und Schild,
Die Beute bracht er unters Dach
Und weiht sie dem Athene-Schrein.

Die Schiffsfracht warfen sie in die Meeresflut,


Das Schiff so doch vielleicht noch zu retten, das
Von Donnerwellen ward geschlagen,
Terror erfüllte mit Angst die Helden.

Ich streit nicht mehr mit stürmischer Wettermacht,


Mit wilden Stürmen, wild wie die Wünsche, nein,
Das Schiff treibt zu verborgnen Riffen,
Hoch wie die Berge die Meerflut anschwillt.

Vergessen will ich dies, mein Geliebter, will


Dir nahe meinen Kummer verscheuchen. In
Der Liebe und der Freundschaft wir mit
Rotwein und Wasser die Götter ehren.

Sie füllten lustig jeden Kelch


Mit ungemischtem Weine stets,
Nachts drängten sie als Masse laut
Und waren wilden Tanz gewohnt.

Der erste Mann kam auf die Welt


Und nie vergaß er diesen Brauch.
Er taumelte in jeder Nacht
Und dann zerbrach er seinen Krug.

Von solchen Ahnen stammst du ab


Und hast wie sie den gleichen Ruhm,
Den Ruhm von einem Adelshaus,
Du stammst von Adelsvätern ab.

Ach, er zechte bei jedem Trinkgelage,


Waren alberne Schlemmer seine Gäste.
Soll er doch sich im Stolze selbst bejubeln,
Dass von Atreus er seine Braut erobert.
Als mit Myrsilus er den Staat verschlungen,
Mocht er bleiben, bis der Erfolg uns wieder
Sieg im Kriege gab und wir Brüder wieder
Uns vom wütenden Zorn entspannen konnten,
Seelenraubenden Schmerzen heil entkommen,
Unsre streitenden Eingeweide weckten
Die olympischen Götter, uns zu helfen.
Gott gab Pittakos Ruhm, schön anzuschauen,
Aber unserem Volke nur Ruinen.

Schwere Last ist schwer zu ertragen, Kummer,


Bitter, voll Schmerzen,
Armut ist es, Armut die Schwester macht zu
Krüppeln die Menschen.

Jetzt wollen wir uns trinken satt,


Jetzt in Betrunkenheit verrückt,
Den Willen tränken wir mit Wein,
Denn Mysilus ist endlich tot!

Ach, Melanippus, warum klagst du mir Sehnsucht zum Tode?


Wie kannst du denken, dort noch das Licht der Sonne zu sehen,
Wenn du gekreuzt haben wirst des Acheron wirbelnde Fluten?
Komm, und such nicht nach hohen Dingen. Denk an den Stolz doch
Jenes Königs Sisyphos, dieses schlausten der Männer.
Er hat gedacht, dass nie kommen würde das Dunkel des Todes.
Aber für alle seine List traf ihn endlich sein Schicksal:
Wenn er wieder betritt des wirbelnden Acheron Ufer,
Wird der mächtige Kronossohn in der Unterwelt Dunkel
Auferlegen ihm eine schwere Aufgabe, Schmerzen.

O Kindlein wie die Berge alt,


O Kindlein aus dem grauen Meer,
Du füllst mit Freuden und mit Lust
Des kleinen Knaben großes Herz,
Du Muschel aus dem Ozean.

Windes heftigen Streit versteh ich nimmer,


Sanfte Wogen sich immer türmen höher,
Hier bald, dort bald. Wir sturmgeprüften Schiffer
In dem schwärzlichen Schiffe sind verloren.
Wut des Sturmes die Glieder will uns kühlen,
Wasser dringt in des Schiffes offne Löcher,
Große Risse in jedem Segeltuche,
Unsre lässigen Taue sind in Fetzen.
Jetzt die Welle ist Wellen überschwappend,
Auf dem Schiff die Gewässer laufen über
Und wir Arbeiter müssen selbst uns retten.

Ah, ich fühl das Kommen des Blumenfrühlings,


Nun erwachen Bäume und Rebenblüten,
Einen großen Krug bringe schnell und mische
Honig dem Weine.
Meinem Halse flechte aus Dill die Kränze,
Kröne mir den Kopf mit dem Blumenkranze,
Über meinen Busen Parfümaroma
Gieße in Schauern.

Zeus geht um in Schnee und Regen,


Hoch sein Zorn und tief sein Ingrimm.
Jeder Sturm vergisst zu fliehen,
Ewig ist der Schlaf des Winters,
Ozean und Wälder brüllen.

Schick den Sturm fort von der Haustür,


Lass das Holz im Ofen lodern.
Ungemessne Kelche gieße
Randvoll, hoch mit Nektar, lächelnd,
Dann dem Haupte deines Dichters
Schieb ein weiches Kissen unter.

Vom Weltenende grad zurückgekehrt,


Ein Schwert von Elfenbein hast du verdient,
Ein Schwert, das überzogen ist mit Gold,
Ein schöner Lohn für deine Arbeit ists,
Gegeben dir von Männern Babylons,
Du standest ihnen gratis bei im Krieg,
Du schlugest königliche Krieger, Mann,
Fünf Ellen groß (nur eine Spanne fehlt).

Kommt her, getreue, mächtige Söhne Zeus'


Und Ledas, vom Olympos herunter kommt
Mit blanken Helmen, frohen Geistes,
Kastor erscheine und Polydeukes!

Durchquert die ganze Weite der Erde und


Des großen und geräumigen Meeres auf
Den raschen Rossen, rasch zu retten
Männer, die Todesangst schon erfüllte.

Auf Spitzen der hochtürmigen Maste springt


Und leuchtet aus der Ferne in trüber Nacht.
Bringt Licht dem Mast, bringt Licht dem schwarzen
Schiffe, das treibt auf dem Meeresspiegel.

O schöne, veilchenlockige Sappho keusch,


O Jungfrau mit dem Lächeln wie Honig süß,
Ich wollte sagen, was ich fühle,
Müsste das Schamrot mich nicht betören.

Er denkt, dass der gesegnet ist,


Der weiß zu trinken oft und viel.
Der Wein ist seines Herzens Lust,
Sein Fluch prallt auf mit großer Kraft:
Sein Kopf herab gesenkt ist schwer,
Er schilt sein Herz und er bekennt
Die Buße voller Traurigkeit,
Das Trinken ist ihm süße Schuld.

Siehe, die Regen des Zeus vom Himmel stürzen herunter


Stürme treiben einher,
Auf den fließenden Wasserbächen der kalten Kanäle
Liegt gefroren das Eis.
Auf, und schlage den Winter und mache das wärmende Feuer
Steigen hoch im Kamin,
Mische Wein mit dem Honig von der fleißigen Biene,
Mische reichlich den Wein,
Und dann trinken wir. Und wir tragen gemütliche Wolle
Um die Glieder des Leibs.
Unsere Herzen sollen nicht nachgeben nagendem Wehe
Oder traurigem Leid,
Denn von der Traurigkeit werden wir profitieren kein bisschen,
Trauer flickt nicht das Weh.
Aber das ist die beste Medizin, mit dem Weine
Auszutreiben das Weh!

SAPPHOS ODEN

In dem Goldthron inthronisierte Charis,


Gottes Tochter, Weise, die ich verehre,
Göttin, meine Seele beherrsche, meinen
Kummer zerstreue!

Komm, wenn je vernommen du meine Stimme,


Lasse deines Vaters Palast im Himmel,
Wenn du je in älteren Zeiten kamest,
So komm auch heute.

Göttin, auf dem strahlenden Wagen komme,


Spatzen ziehn ihn, über der Erde schwebend,
Führen ihn vom Himmel herab, die eilig
Spreizen die Flügel!

Kamst du durch der Erde Portal, das breite,


Schautest du mit ewigem Antlitz lächelnd,
Fragtest, was ich leide, was für ein großes
Weh mich beschwere?

„Wie verzehrt dich alles verzehrend Liebe?


Überredungskünste beherrscht doch Peitho,
Wen soll sie bereden, dass sie dich liebe?
Sappho, wer kränkt dich?

Noch verschmäht sie dich, doch bald ist sie freundlich.


Jetzt nimmt sie Geschenke nicht an, bald schenkt sie.
Jetzt verschmäht dein Lieben sie, bald doch liebt sie,
Bald kommt sie zu dir!“

Komm jetzt wieder zu mir, zerstreu die Sorgen,


Ist die leidenschaftliche Seele traurig,
Meinen Herzenswunsch mir erfülle, sei mir
Freundin, o Göttin!

II

Der vor deinem strahlenden Antlitz sitzet,


Scheint mir gleich den himmlischen Göttern selig,
Wenn er hört dein Wort voll charmanter Gnade,
Freudiges Plaudern.

O du lachst ein Lachen der reinen Freude,


Und in meinem Busen das Herz vor Liebe
Flattert wild vor deinen geliebten Augen,
Und ich verstumme,

Meine Zunge ist mir gelähmt, ein Feuer


Meine Glieder völlig verzehrt und meine
Augen sehn nichts, und es rumort das wilde
Chaos im Ohr mir,

Heißer Schweiß rinnt an mir herab in Strömen,


Meines Leibes Glieder ergreift ein Zittern,
Ich bin leichenblass und mein Blut stockt, ich bin
Nahe dem Tode!

III

Wie deine Lichtgestalt mir erschienen, wars,


Als ob mir Herrin Hera erschien im Traum.
Da sprach man brünstige Gebete,
Beteten königlich Atreus' Söhne.
Als sie des Ares Arbeit beendet, dort,
Wo strömend der Skamandros beschleunigt fließt,
Sie kamen hierher in die Heimat,
Aber nach Argos nicht kommen könnend,

Bis sie dann flehten Zeus an, den Gott und Herrn.
Thyone auch, das liebliche Kind, Gebet
Sprach fromm mit Weihrauch, deren Bürger
Halten die alten Gelübde heilig.

IV

Ein Gott hat uns bezaubert, Gongyle!


Die Kinder sahn ihn sichtbar,
Denn Hermes selber wars, der kam zu mir.

Ich sah ihn nicht, doch sagte ich: O Herr,


Nicht Reichtum ist mir Wonne,
Nur dass ich bei der Herrin wär im Haus.

Der Tod ist alles, was ich noch begehr,


Zu sehn die Lotosblumen
Im Garten im Elysischen Gefild.

Du bist gekommen, gekommen, zu meiner riesigen Freude!


Denn ich hab mich gesehnt nach deinem willkommenen Anblick,
Mir im Herzen hast du die Flamme der Liebe entzündet,
Schon bevor du gekommen, brannte die Flamme der Liebe.
Herzlich Willkommen wünsche ich dir, begrüße dich herzlich,
Wünsche, dich begrüßen zu dürfen wieder und wieder,
Zu lang waren die Zeiten, da du abwesend warest.

VI

Mir zu zeigen Dankbarkeit, das verweigerst du bitter,


Doch von schönen Worten zur siebensaitigen Leier
Fernzuhalten deine Freunde, das wähltest du, Stolzer,
Und mich vorwurfsvoll anzugreifen mit bissigen Worten.

Nun, so ist es! An Unverschämtheit satt werden willst du,


Willst ermöglichen deiner Wut, im Herzen zu schwellen.
Darum niemals nachlassen könnte meine Verachtung,
Wegen des grausamen Zornes, den ich fürchten muss, leider!

VII
O Charis! Fand er dich denn nur bitter? Ach!
Und hat er denn verdient diesen Spott und Hohn?
Sie hat nun einmal ihn gefesselt,
Doricha ist sein ersehnter Liebling!

VIII

Ihr Nereiden, heilige Nymphen ihr,


Mein Bruderherz zurückkehren sicher lasst,
Gewährt ihr sonst auch keine Wünsche,
Ihm doch gewährt seines Herzens Sehnsucht!

Verlassen soll ihn all seine Schwäche und


Zur Freude soll er werden den Freunden treu,
Ein Schrecken aber seinen Feinden!
Nicht will ich trauern um meinen Bruder!

Sein Schwesterherz zu ehren sei er bereit,


Dass nicht ihr Herz erfüllt wird von Traurigkeit!
Jetzt stillt mir meine großen Leiden!
Niedergeschlagen ist meine Seele!

Denn meines Bruders Schmach ist gedrungen mir


Von fern in meine Seele, vernichtet mich,
Zu sehn bei den erregten Bürgern
Schwatzhaften Klatsch voller böser Reden!

Doch wenn mein Lied begeisterte je dein Herz,


O schöne Liebesgöttin, erhöre mich:
Vom Weh, vom Bösen uns erlöse!
Jage die Feinde hinweg ins Dunkel!

IX

Für mich war sie ein schönes Kind, behaupte ich,


Die Form wie goldne Blumen. Kleis nannt ich sie,
Geliebte Kleis, jung und alt bestaunten sie.
Und ist auch jede Lydia sehr schön, doch ach,
Sie können nicht ersetzen das vermisste Kind!

Einige denken, das Schönste sei's in der göttlichen Schöpfung,


Auf dem Pferde zu sitzen oder Waffen zu tragen,
Kriegsschiffe finden bei manchen die höchste Bewunderung, aber
Meine Seele schätzt es vor allem, dass ich geliebt bin!

Und es ist auch nicht schwer für mich, jeder Schönheit zu folgen.
Selbst die herrliche Helena, diese Schönste der Schönen,
Wenn auch viele sterbliche Schönheiten stolz waren leider,
War vor allem berühmt für ihres Liebhabers Pflege.
Und vergessen hatte die Eltern sie, selbst ihre Tochter,
Und ist Paris gefolgt, die das glorreiche Troja zerstörte.
Fern von den Freunden und der Heimat brachte die Frau er,
Der verführt war von Eitelkeit leidenschaftlicher Liebe!

Denn eine Frau, die leichtfertig ist, versucht es doch immer


Und nimmt leichtsinnig unüberlegt den, der ist in der Nähe.
So auch meine Anaktoria, die du dich leider
Nicht erinnerst an mich voll Sehnsucht und heute nicht hier bist!

Aber von deinem schönen Fußfall möcht ich wohl hören,


Wie du ziehst die Strahlenflut deiner leuchtenden Augen
Von dem Lärm der Kriegswagen ab und stürzt als Verrückte,
Wegen der Lydier, in der gepanzerten Kriegsmänner Schlachten!

Ach ich weiß, die Menschen gewähren sich niemals das Beste,
Es ist besser, nicht nach dem Guten und Besten zu fragen,
Was die Menge dir gibt, mit diesem sei nur zufrieden,
Denn umsonst ist das Streben nach dem Hohen und Höchsten.

XI

Gebrochen ist mein Herz! O stille mir mein Leid!


Ich sehn mich traurig in der Trübsal nach dem Tod!
Sie weinte und erfüllte mich mit Traurigkeit.

Und oftmals wollte also sprechen sie zu mir:


Ach weh mir, weh! Was für ein Elend mich bedrückt!
Dich zu verlassen, Sappho, das bricht mir das Herz!

Dann gab ich Antwort ihr und streichelte sie sanft:


Mit meines tiefsten Herzens Segen gehst du fort!
Erinnre dich an mich! Du weißt, ich liebe dich!

Weit mehr als an den bittern Abschied denke du


An jene schöne Zeit, die wir vereint gelebt!
O denk an mich und ja, an Gott im Himmelreich!

Sind viele Kränze von bescheidnen Veilchen blau,


Basilikum und Thymian und Rosen blühn,
Dein Liebeszeichen, das du mir gegeben, Schatz.

Und duftende Girlanden, Blüten aus dem Lenz,


Die flochtest du sehr schön und brachtest du mir oft,
Die ranken über mir nun voller Zärtlichkeit.

Und teure Salben auch von seltnem süßen Duft


Und königlichen Balsam für dein schönes Haar
Hast du gegossen häufig auf dein holdes Haupt.

XII
In der Lyder goldenen Stadt, dem strahlenden Sardes,
Mit der schönen Arignota mein Herz ist für immer,
Und Atthis oftmals denkt an sie,

Denkt an uns, wo wir zusammen leben in Liebe,


Denkt daran, wie sie dir göttliche Ehre gegeben,
Vernahm dein Lied mit großer Lust.

Aber nun wollen wir zu den Lydern, dort wo sie wandelt,


Sehen, wie die rosenfingrige Königin schimmert,
Die Mondin in der dunklen Nacht.

Denn die Mondin erobert die Sterne, glänzend im Glanze,


Gegenüber dem saftigen Ozean schimmert sie silbern
Und auf der Blumenwiese grün.

Wie erfrischend die Tautropfen auf den Blättern und Blüten,


Auf den purpurnen Rosen und dem Honigklee schimmernd,
Hibiskus ist jetzt voll erblüht.

Aber wenn sie denkt an Atthis, das zärtliche Mädchen,


Ist ihr Herz mit Sehnsucht und Wehmut und Kummer beladen,
Voll Angst durchstreift sie dann das Land.

Und sie ruft dann laut nach uns beiden, ihr dorthin zu folgen,
Doch vergeblich im Dunkel der tausend Ohren kommt hierher
Kein Wort der Liebe übers Meer.

XIII

O Gongyle, komm her zu mir,


Komm du im milchig weißen Kleid!
Ich liebe es, dir nah zu sein,
Wenn alles kündet deinen Charme.

Der bloße Anblick deines Kleids


Bringt einen Nervenkitzel mir.
Zu meiner Freude Charis ist
Verzweifelt fast vor Eifersucht.

XIV

Lange ist es her, wie viele Jahre,


Atthis, dass du meine Liebe kanntest.

XV

Ein kleines Kind du schienest mir zu sein,


Ich konnte keine Grazie in dir sehn.

XVI

Dass du nicht denkst an mich, ach Atthis, das ist abscheulich!


Jetzt Andromeda huscht um dich, du ziehst sie mir vor!

XVII

O Hero, fahrend auf dem Schiff, bericht ich dir,


Wer von Gyara alles ward hierher gebracht.

XVIII

Eranna! Nimmer, wo ich je gewesen bin,


Hab ich verächtlich je auf dich herabgeschaut!

XIX

Obwohl die reizende Gyrinno zärtlich ist,


Weit reizender ist wahrlich Mnesidice doch.

XX

Mnesidice, leg einen Kranz in die herrlichen Locken,


Winde mit zarten Händen Anisblüten dir in die Zöpfe,
Blumengeschmückte Mädchen sind gesegnet von Charis
Und von ihr begünstigt, sie hasst die ohne Girlanden.

XXI

Sachte, sachte darfst du Ruhe finden


Auf den Brüsten deiner lieben Freundin.

XXII

Sie hat die jugendliche Blüte jetzt erreicht,


Die Zeit zum Kränzeflechen ist gekommen jetzt.

XXIII

Unter allen den Mädchen, für welche aufgeht die Sonne,


Jetzt und in kommender Zeit keine ist weise wie du!
XXIV

Weit mehr als ich ists heute jemand anderes,


Ach, deren Liebe deinem Herzen Kitzel schenkt.

XXV

Ach, du hast ganz und


Gar mich vergessen!

XXVI

So hebt das hohe Dach und gebt ihm Raum -


O Hymenäus!

Ihr Bauarbeiter, höher hebt das Dach -


O Hymenäus!

Wie jetzt der starke Krieger Ares kommt -


O Hymenäus!

Der Bräutigam ist größer als das Volk -


O Hymenäus!

XXVII

Seine Rivalen übertrifft er mit Leichtigkeit, so wie


Dichter von Lesbos die Dichter von Griechenland weit.

XXVIII

Lieber Bräutigam, wem soll ich deine Schönheit vergleichen?


Ich vergleich dich am besten dem Baum, dem schlanken, dem schönen.

XIX

Wie die süßen Äpfel, die röten im obersten Wipfel,


Oben am höchsten Ast, sich kurz den Sammlern nur zeigend,
Du erreichst die Braut nicht, obwohl sie so leicht ist zu sehen!

XXX

Deine Gestalt und deine Augen sind voll von der Gnade,
Honigsüß deine Lippen und dein heiliges Antlitz,
Du hast von Aphrodite die ewige Liebe empfangen,
Sie hat mir oft davon gesprochen, wie sehr sie dich lieb hat!

XXXI

In der ganzen Welt entdeckst du nimmer


Eine solche schöne Jungfrau, Liebster.

XXXII

Und wenn ich Braut bin, werde ich noch Jungfrau sein?

XXXIII

Magdtum, o keusches Magdtum, wie bist du von mir gegangen!


„Ich komm nimmer zurück, nein, ich komm nimmer zurück.“

XXXIV

Die Ehe hast du dir gewünscht


Und dass sie schön vollzogen wird.
O Bräutigam, dir ward das Glück,
Die Braut, die du bewundert hast,
Die ist nun deine Ehefrau.

XXXV

Gute Wünsche geben wir dem Bräutchen


Und dem Bräutigam an ihrer Seite.

XXXVI

Der Vater sprach: Ich gebe dir die Jungfrau gern.

XXXVII

Sieben Meter lang für die Füße der Torwächter brauchte


Und von fünf Ochsen die Häute für seine riesigen Schuhe
Und zehn Schuster wurden dafür in Arbeit genommen.

XXXVIII

Wie der lila Hyazinthe


Blüten auf dem Berge blühen,
Auf dem Boden mit den Füßen
Kehrend heim der Hirte trat sie.

XXXIX

Hesperus, du bringst die Dinge, die glänzend die Eos zerstreut hat,
Schafe und Lämmer und Ziegen und Zicklein bringst du nach Hause,
Der du den jungen Sohn lässt heimkommen auch zu der Mutter.

XL

(…)

XLI

Hektor und seine Genossen Andromache bringen nach Hause,


Strahlende Augen der schönen Dame über dem Salzmeer
Schauen nach ihren Schiffen aus Theben, von sprudelnden Bächen.
Jetzt das Gold am Armband, jetzt trägt sie Purpurgewänder,
Jetzt werden viele Schätze sie bringen von kunstvoll Gesticktem
Und unzählige Silbergefäße und Elfenbeinbecher.
Also sprach er. Sein lieber Vater kam atemlos hastig
Und durch die große Stadt ging schnell und rasend die Botschaft.
Ihren Maultieren legten Trojaner an kraftvollen Wagen
Zügel an, Wagen bestieg der festlichen Frauen Gedränge.
Schlankfüßig folgten alle die Jungfrauen, während beiseite
Saßen des Priamos Töchter auf pompöseren Wagen,
Männer spannten die Rosse an, alles Jünglinge kraftvoll,
Lauter Schreie der Wagenlenker gab die Befehle,
Ältere Frauen lärmten, die alle lauthals sich freuten,
In den lieblichen Lobpreis die Männer gossen die Stimmen,
Riefen den Fernhintreffer, dessen Leier klingt herrlich,
Als sie wie Götter Hektor und Andromache sangen.

XLII

Bis zum Rand war gefüllt der Krug mit Ambrosia, Nektar,
Hermes hat ausgegossen den Kelch den unsterblichen Göttern,
Ihnen allen aus heiligen Kelchen Trankopfer strömten,
Während dem Bräutigam sie ihre segnenden Glückwünsche boten.

XLIII

So wie der Sturm, der auf dem Berg die Eichen fällt,
Mit harten Schlägen Eros unsre Herzen rührt!

XLIV
Bittersüßes Geschöpf, du unbesiegbarer Eros,
Lässt meine Glieder erzittern und meine Seele erbeben!

XLV

Nicht mehr, o Mutter, kann ich es


Ertragen an dem Webstuhl still,
Durch Charis fühl ich für dies Kind
Wehmütig-süße Sehnsuchtsglut!

XLVI

Der Mond das Himmelreich verließ,


Plejaden haben sich gesetzt,
Und in der Zeit der Mitternacht
Ich lieg allein in Einsamkeit.

XLVII

Komm, Genossin, komm vor meine Augen,


Zeige meinem Blick der Grazie Einfluss!

XLVIII

Wirkst du für Ehre oder Gerechtigkeit,


Die schlimme Zunge wirst du bezwingen wohl,
Auf Demut wirst du nicht verzichten,
Offen die Wahrheit du weißt zu sagen.

XLIX

Ich werde immer dir eine Freundin sein,


Doch suche eine jüngere Braut dir aus,
Mein hohes Alter wird sich weigern,
Dass ich für immerdar bei dir bleibe.

Heiraten werd ich nie,


Ich bleibe Jungfrau rein!

LI

Die, denen ich gedient mit aller meiner Kraft,


Mit einer großen Täuschung sie vergelten mirs.

LII

Weit entfernt, dass auf seinem eigenen Kurs ihn der Wind trägt,
Kann er nur unterdrückt werden mit Sorgfalt und Müh.

LIII

Ach, ungehobelte Geschöpfe seh ich nur,


Die ihre Grobheit schön verschleiern mit der Pracht,
Was wissen sie denn nicht, zu tragen ihren Rock,
Des Rockes Saum bis zu den Knöcheln tragend keusch!

LIV

Eine freudenreiche Heimkehr


Wohl Andromeda verdiente.

LV

Der Gorgo tat der Liebesgott


Mehr als genug, mehr als genug!

LVI

Ach, wegen jenem Kinde von Polyanax


Ich biet euch einen herzhaft langen Abschied nun.

LVII

Wenn grimmer Tod die Augen dir schließen wird,


Wird keiner um dich trauern, du reiche Frau,
Denn an der Pieriden Rosen
Hast keinen Anteil du, ungebildet.

Für dich wird tönen keinerlei Klagelied,


Vielmehr wirst ungeliebt du und unberühmt
Hinab gehn in des Hades Wohnung,
Wenn du hinab schwebst zum Schattenreiche.

LVIII

Komm jetzt, Gottes Schildpatt-Leier,


Dein ist schöne Macht der Rede.
LIX

Ich bete: Lehr mich, Muse, die thront in Gold,


Lehr schöne Verse mich wie den Sänger einst
Von Teos, dessen Leier eine
Menge von Jungfrauen inspirierte.

LX

Mir haben Musen gnadenreiche Ehren verliehen,


Die mich die Künste gelehrt, ja, meine himmlische Kunst.

LXI

Wenig fehlt mir, scheint mir, und ich


Kann das Himmelreich berühren.

LXII

In der Zukunft, bin ich sicher,


Mein Gedächtnis wird begangen.

LXIII

Für diese Mädchen, denen Freundschaft mich vereint,


Zu ihrer Freude klingen soll dies schöne Lied.

LXIV

Und wessen Ehre man als standhaft je befand,


Verpflichtet bin ich euch mit einem treuen Bund.

LXV

Ich hab nicht einen bösen Geist,


Bin liebend wie ein kleines Kind.

LXVI

Mir im Herzen brennt das Feuer


Heiß vor Sehnsucht und Verlangen!
LXVII

An wunderschönem Luxus sich erfreut mein Geist,


Ich lieb die goldne Sonne, ihrer Strahlen Licht.

LXVIII

Nein, ich sang nicht Klagelieder jammernd den Musen,


Und ich trug auch kein Leid, weil sich mein Wunsch nicht erfüllt.

LXIX

Wenn Leidenschaft im Wüten dich gefangen nimmt,


Der Zunge Stottern, Stammeln ich ertrage nicht.

LXX

Die Menge liebt allein, was schön den Augen ist,


Doch vielmals schöner scheinen die Gerechten mir.

LXXI

Den Reichtum, der mit Tugend nicht verbunden ist,


Den möcht ich wahrlich nicht an meiner Seite sehn.

LXXII

Nicht blähe auf dich wegen einem Ding,


Das nicht mehr wert ist als ein goldner Ring!

LXXIII

Steinerne Trümmer
Lasse allein du.

LXXIV

Für mich keine Honigwabe,


Für mich keine Honigbiene.

LXXV

Wohl die Kinder lieben Gello,


Gello liebt noch mehr die Kinder.
LXXVI

Götter haben entschieden: Jeder Mensch hat zu sterben!


Würde der Tod doch vorübergehen, wenn es denn gut wär.

LXXVII

Vollmond hat ein Silberantlitz,


Wenn der Mond am hellsten schimmert.
Wenn die Kugel ganz in Brand steht,
Sterne bergen ihren Lichtglanz.

LXXVIII

Von allen Sternen dieser Stern


Erscheint am allerschönsten mir.

LXXIX

Kühles Wasser tropft von oben


Durch die Apfelbäume.
Schlummer tropft von ihren Blättern
Wie in Kinderspielen.

LXXX

Goldne Kichererbsen leuchtend


Wuchsen an dem Strand des Meeres.

LXXXI

Bei Ebbe ist ihr Leben eine Strömung kühl,


Gefiedert ihre Flügel hängen schlaff herab.

LXXXII

O die schöne Frühlingsbotin!


Süß die Nachtigall singt Lieder.

LXXXIII

Was ist die Botschaft, die du heute bringen willst,


O schöne Schwalbe, Töchterchen des Pandion?
LXXXIV

Charis, komm zu unserem Festbankette,


Komm zu uns mit goldenen vollen Bechern,
Gieße ein den schimmernden Götternektar
Üppigen Jubels!

LXXXV

Der Insel Zypern schenke deine Gegenwart


Und Paphos und Panormus soll gesegnet sein.

LXXXVI

Akzeptiere von mir auf deinem Altar eine Ziege,


Drauf ein Trankopfer auch bringe vom Weine ich dar.

LXXXVII

O Charis, du mit Gold gekrönt,


Lass schaun mich deine Herrlichkeit!

LXXXVIII

Geboren wurdest du auf Zyperns Inselreich,


In unsern Träumen haben wir dich oft geschaut.

LXXXIX

Was, Sappho, nennst du immer nur allein


Die Göttin Charis deine Segensspenderin?

XC

Nicht für dich nur ist die Gnade,


Auch für meinen Diener Eros.

XCI

Nimm du nur den Purpurschleier


Für der Locken langes Wallen.
So ich schick dir meine Spende,
Eine kostbar seltne Gabe.
XCII

Schau, Aphrodites Magd,


So strahlend hell wie Gold!

XCIII

Der schöne Herr Adonis tot!


O Charis, sag, was soll ich tun?

O Jungfrau, schlag dir an die Brust


Und reiß dein schönes Kleid entzwei!

XCIV

O liebe Musen, kommt zu mir,


Verlasst doch euer goldnes Haus!

XCV

Musen mit schönen Haaren und ihr Grazien niedlich,


Hierher kommt eilig, empfangt tönenden Lobpreis von mir!

XCVI

Ihr mit den Waffen der rosigen Blüten,


Grazien, kommt bitte eilig zu Sappho!

XCVII

Kommt bitte, Grazien, denn ihr sollt wissen,


Längere Zeiten schon flattert das Herz mir!

XCVIII

Zu mir gekommen die Morgenröte in goldnen Sandalen,


Die ihr herrliches Licht heute mir lächelnd gezeigt.

XCIX

Ein Ei, umschlungen von den Hyazinthen schön,


Man sagte, dass von Leda es gefunden ward.

C
Mit eigner Kraft er konnte, sagte Ares einst,
Hephästus tragen in die weite Ferne leicht.

CI

Unter dem Himmel Gott Hermes fliegt schleunig,


Herrlich bekleidet mit purpurnem Mantel.

CII

Die Frauen, während hell der Vollmond leuchtet nachts,


Im Kreise stehen um den heiligen Altar.

CIII

Rund um den Altar die Jungfraun von Kreta


Schlagen den Takt zu den reizenden Tänzen.

CIV

Sanft auf die zärtlichen Spitzen des Grases


Und auf die Blüten die Jungfrauen traten.

CV

Ein schönes Mädchen – so was Schönes gibt es nicht -


Hab ich gesehn in einem Meer von Blüten jüngst.

CVI

Die Harfe kann nicht immer tönen schön und süß,


Auch edles Gold kann Gold im Überflusse sein.

CVII

Die Füße nackt in feinem Leder, reich gefärbt,


Der Lyder Werk die nackten Füße mir verbarg.

CVIII

Auf das weiche Kissen samtig


Meine Glieder leg ich müde.
CIX

Eine Decke, eine feine,


Über ihn mit Sorgfalt legt er.

CX

Vor ihren Augen jetzt erhob sich furchtbar groß


Die schwarze schreckenvolle Dunkelheit der Nacht.

CXI

Keine Ahnung, was zu tun ist,


Meine Seele ist gespalten...

CXII

So wie ein Kindlein hinter seine Mutter her,


Und trotzdem ich zu flattern immer noch hab Lust.

CXIII

Hab es beigebracht mir selber,


Weisheit lernt ich ohne Hilfe.

CXIV

Kinder, wenn mich jemand fragen sollte,


Sprachlos zwar, ich möchte Antwort geben,
Unermüdlich steht vor meinen Füßen
Dieser Worte Redekunst geschrieben:
Ich bin Leto, dies mein Mädchenname,
Und ich bin verbunden mit Arista,
Hermoclides' Tochter. Sei, o Herrin
Aller Frauen, gnädig deiner Sklavin!

CXV

Hier wird geweiht das Ruder von seinem Vater Meniskus,


So hat Pelagon gelebt elend als Fischer und arm.

CXVI

Dies ist der Staub der Toten, die vor der Vermählung gestorben,
Die von Persephone ward empfangen in finsterer Kammer,
Aber, obwohl sie tot war, ist auferstanden sie neulich,
Ihre Freunde sahen die Augenweide der Brüste!

HORAZ ODEN

I, 5

Was für ein schlanker Jüngling, o Pyrrha,


Ertrunken in flüssigen Düften,
Fordert dich auf
Unter Schauern von Rosen
In der angenehmen Höhle?
Für wen denn frisierst du dein Haar
Mit schlichter Eleganz?
Wie oft wird er weinen,
Weil du die Treue gebrochen
Oder über den Willen der Götter!
Ah, er wird sich wundern,
Vom Regen überrascht
Und von dunklen Stürmen,
Der heute noch dich genießt
Und glaubt, du seist die goldene Venus,
Der denkt, du seist die immerwährende Jungfrau
Und dass deine Schönheit nie verwelkt
Durch die tückischen Kinder.
Elend ist der, den du blendest,
Während du immer noch unerprobt bist.
Was mich betrifft:
Die Votiv-Tafel häng ich im Tempel auf
Und meinen nassen Mantel
Der Gottheit, die Macht übers Meer hat.

I, 8

O Lydia, sag mir, bei allen Gottheiten,


Warum ruinierst du Sybaris
Mit den Stürmen der Leidenschaft!
Warum kann er plötzlich nicht mehr leiden
Den sonnigen Marktplatz,
Der sonst so sehr geliebt
Den Staub und die Sonne!
Warum reitet er nicht mehr
Mit seinen frommen Freunden
Und warum liebt er nicht mehr
Die französische Zunge!
Warum fürchtet er nun,
Die Tiber zu berühren!
Warum enthält er sich des Salböls der Athleten,
Als wäre es Venom von Vipern!
Er erscheint nicht im Kampf mit den Waffen
Und nicht mehr mit dem Diskus
Und schleudert die Lanze nicht mehr!
Warum muss er sich verstecken
Wie Achill, der Meeresgöttin Thetis Sohn,
Bevor er Troja ruinierte!
Hat man ihn etwa weggeschleppt
Zur Schlachtbank,
Zur lykischen Armee?

I, 13

Lydia, wenn du lauthals lobst


Des Telephos rosigen Nacken,
Des Telephos wächserne Arme,
Beginnt meine brennende Leidenschaft
Sich zu erregen in mir
Mit Unruh und mit Zorn!
Weder meine Gefühle
Noch meine Hautfarbe
Bleiben wie zuvor,
Und auf meine Wange schleicht sich eine Träne,
Was deutlich beweist,
Wie mich im Innern ein Feuer verzehrt!
Ich brenne wie im Irrenhaus
Von innerem Streit
Die Betrunkenen brennen,
Wenn ich sehe die Bisse
Deiner Zähne auf seiner Schulter
Und auf seinen Lippen!
Wenn du mich nur wolltest!
Du würdest dir nicht so große Mühe geben,
Zeichen der Treue
Als Wunden zu hinterlassen
Mit deinem süßen, wilden Mund!
Deine roten Lippen hat Venus
Mit ihrem Nektar geschminkt!
Dreimal selig aber ist der Mann,
Der nie die Treue gebrochen,
Der die Liebe nie zerstört hat
Durch bösen Zank,
Sondern dessen Liebe lebt
Bis zum Jüngsten Tag!

I, 16

O schöne Tochter einer frommen Mutter!


Am Ende, was willst du?
Dass ich meine Sünden im Feuer verbrenne
Oder im adriatischen Meer ersäufe?
Kybele ist nicht so
Und so ist nicht Apollo,
Der aufwühlt die Priesterin
Pythia in dem Heiligtum,
Selbst Bacchus ist nicht so,
Noch sind so die Korybanthen
Mit ihren Klapperblechen.
Der Schmerz nun wütet in mir
Wie Schwerter oder Sturmflut,
Wie Strandräuber an dem Meer,
Oder wie Feuersbrunst
Oder das Gewitter Jupiters,
Wenn er dahinstürmt in blitzendem Zorn!
Man sagt, dass Prometheus,
Als er die ersten Menschen
Aus Lehm geknetet,
Ihnen den Geist eingeblasen
Eines zornigen Löwen!
Der Zorn hat Thyestes erniedrigt
Bis zum äußersten Ruin,
Der Zorn ist der Grund, dass große Städte
Völlig vernichtet, völlig verschwunden,
Und Armeen, verachtet,
Pflügen mit feindlichem Pflug
Und ebnen die Mauern ein
Und rauben sich die Beute.
Beruhige deine Seele!
Die Leidenschaft des Herzens
Hat sich an mir ausgetobt
In meiner reizenden Jugend
Und mich wahrlich verrückt gemacht,
Aber auch mir Verse geschenkt.
Ich möchte die bitteren Worte
In süße Worte verwandeln,
In magische Worte,
Dass ich dich bezaubern kann:
Werde meine Freundin
Und schenke mir Einmal dein Herz!

I, 18

Kultiviere deine Felder, mein Varus,


Mit den Reihen der heiligen Reben,
In Tiburs weichen Boden gesteckt,
Durch die Mauern aufgerichtet.
Was Gott verordnet, ist schwer zu tragen
Für den, der keinen Wein trinkt!
Gott gab uns keinen besseren Weg,
Unsre Sorgen zu verjagen!
Tief im Weinrausch, wer bemerkt noch
Den Weltkrieg und die hässliche Armut?
Wer nicht recht den Bacchus genießt,
Der kann nicht preisen die Schönheit der Venus!
Und damit ich nicht überschreite die Grenze
Der Vernunft beim Genuss des roten Weines,
Denk ich an Lapithen und Kentauren,
Die gekämpft im vollen Weinrausch
Mit dem rasenden Thraker,
Der den Bacchus verschmähte.
So will ich Wahrheit von Irrtum scheiden,
Wenn mich die Leidenschaft überwältigt!
Schöner Bacchus, ich bin nicht der,
Der gegen deinen Willen handelt,
Ich bring auch nicht ans Licht des Tages,
Was heimlich im Gebüsch geschieht.
Halte zurück die wilden Trommeln
Und die berycinthischen Hörner,
Und bewahre mich vor solchen Werken,
Die aus blinder Selbstliebe nur getan,
Bewahre mich vor Hochmut und Stolz,
Dass ich mich nicht über andre erhebe,
Und dass ich nicht verschwende
Die Mysterien unseres Glaubens
An einen transparenten Becher!

I, 19

O grausame Venus, des Gottes Mutter,


Bacchus befielt mir,
Der Jungfrau Semele Sohn,
Und du gebietest mir
Die zügellose Wollust,
Dass ich Amors Zeuge bin!
Siehe, ich brenne für Glykeras Schönheit,
Die viel schöner ist
Als Bilder aus parischem Marmor!
Ich brenne für ihre stolze Schönheit!
Ihr Antlitz ist viel zu blendend,
Als dass man es anschauen könnte!
Venus gebietet mir,
Ihr auf Zypern zu dienen,
Und nicht zu singen die Kriege
Von Parthern und Skythen,
Die rasen auf Kriegspferden wild,
Noch sonst etwas andres als Liebe!
Seht hier den grünen Wiesen-Altar,
Ihr Knaben,
Und die heiligen Ranken von Efeu
Und orientalischen Weihrauch,
Stellt hier ein Fass voll altem Wein auf!
Wenn ich das Opfer geopfert,
Wird die Geliebte mir gnädiger sein!

I, 21

Ihr zärtlichen Jungfraun,


Singt das Lob der Jungfrau Diana!
Und ihr lieben Knaben,
Preist Apollo mit den goldnen Locken!
Und feiert die Mutter Latona,
Innig geliebt vom alles überwindenden Höchsten!
Singt ihr Mädchen die Jungfrau,
Die die Flüsse und Wälder liebt
Und heilige Haine und den Hang des Algidus
Und dunkle erymanthische Bäume
Und den Wald auf dem grünen Cragus!
Ihr Knaben, lasst Lobpreis-Lieder erschallen
Von Tempe und Delos,
Apollos Heimatinsel,
Der an der Hüfte den Köcher trägt
Und des Merkurius Lyra.
Der Gott wird von uns vertreiben
Krieg und Hunger und Elend!
Er wird die Seuche vertreiben von unserem Volk,
Und wird Cäsar segnen, unsern Monarchen,
Durch unsre Fürbitt-Gebete gesegnet,
Und ihn senden zum Krieg mit den Persern!

I, 22

Der Mann, der rein lebt


Und frei von schwerer Sünde ist,
Der hat nicht nötig,
Mein lieber Fuscus,
Maurische Wurfspeere
Oder Bogen und Köcher
Voll vergifteter Pfeile,
Ob sein Weg durchs schwüle Syrien geht
Oder zum schroffen Kaukasus
Oder ob er seinen Weg sogar nimmt
Zu der fabelhaften Region
Der Gewässer des Hydaspes,
Während ich wandre
Über die Grenzen
Meines Landguts hinaus,
Durch den Sabiner-Wald,
Und singe sorglos,
Leicht bewegt
Von meiner lieben Lalage,
Flüchtet ein Wolf vor mir,
Ein Monster von Apulien,
Das sich ernährt in den Eichenwäldern,
Oder ist es vielleicht ein numidisches
Löwenjunges?
Stelle mich auf öde Ebenen,
Wo keine Bäume stehen
Unterm glühenden Hochsommerhimmel,
Oder stelle mich auf breite Straßen,
Wo Nebelschwaden schweben
Unter einem finsteren Himmel,
Stell mich in ein menschenleeres Land,
Wo der Sonnenwagen die Erde verbrennt,
Ich werde überall
Mit der Liebe lachen können,
Mit meiner heiter plaudernden Lalage!

I, 23

Du fliehst vor mir wie ein Rehkitz, o Chloe,


Suchst auf den pfadlosen Hügeln
Verängstigt deine Mutter,
Ziellos vor dem Terror fliehend
In dem sturmbewegten Wald.
Wenn der Frühling kommt
Und die Blätter rauschen,
Die zitternden Blätter,
Oder wenn eine grüne Eidechse schlüpft
In den Brombeerbusch am Wegesrand,
Dann zitterst du in Herz und Seele.
Und doch jag ich dich nicht
Und will dich nicht zerreißen
Wie ein wilder Tiger
Oder ein gätulischer Löwe.
Folge nicht weiter deiner Mutter,
Du bist doch schon geschlechtsreif
Für einen liebevollen Bräutigam!

I, 26

Freund der Musen,


Werde ich Trauer und Angst werfen
In den Sturm, der überm kretischen Meer weht,
Unbekümmert, wer auch immer der König ist?
Ob wir vor den eisigen arktischen Küsten uns fürchten,
Oder was auch immer uns schrecken mag,
O süße Muse, mit Freude an frischen Quellen
Flechte die Blumen zu einem Kranz,
Zu einer Girlande für meine Lamia!
Ohne dich, o Muse, ist wertlos mein Lobpreis,
Doch du und alle deine Schwestern
Sollen sie mit neuem Ruhm verewigen,
Die ich besinge zum Lied,
Gespielt mit dem Plektrum auf der lesbischen Lyra.

I, 30

O Venus, Königin du von Knidos und Paphos,


Verschmähe dein geliebtes Zypern,
Fordere reichlichen Weihrauch,
Komm zu dem schönen Heiligenschrein
Meiner Glykera!
Und lass den leidenschaftlichen Knaben Amor
Und die Grazien mit gelösten Gürteln
Und die Nymphen und die Jugend,
Die nicht reizend ist ohne dich,
Beeile dich und komm mit Merkurius!

I, 37

Jetzt ist es Zeit zum Zechen,


Jetzt ist die Zeit, die Erde zu treten
Mit uneingeschränkten Füßen,
Jetzt ist die Zeit
Für der Götter heilige Sofas,
Meine Freunde, und dass wir
Bereiten ein köstliches Fest!
Es wäre falsch, heute zu sparen
Den cäcubischen Wein aus alten Fässern!
Eine verrückte Königin
Will das Kapitol und das Reich ruinieren,
Mit ihrer Schar von schlimmen Kreaturen,
Krank vor Verworfenheit,
Ist sie voll heftiger Hoffnung
Und berauscht von Fortunas Gnade.
Aber ihre Raserei bewirkte,
Dass kaum ein Schiff den Flammen entkam,
Cäsar ward von Gedanken abgelenkt,
Betört vom maretoischen Wein
Und voller Furcht.
So verfolgte er ihre Nähe,
Als sie aus Rom geflohen,
Um u fangen das tödliche Monster
Und sie zu fesseln,
Wie der Sperber verfolgt das Täubchen
Oder der Jäger jagt den Hasen,
Über die schneebedeckten Ebenen von 'Thessalien.
Aber sie beabsichtigte,
Edler zu sterben,
Sie zeigte keine Zeichen von weibischer Angst
Vor dem scharfen Schwert.
Noch versuchte sie zu gewinnen
Mit ihren schnellen Schiffen
Zu einem verborgenen Ufer.
Und sie wagte es,
Ihr gefallenes Königreich zu bestaunen
Mit ruhigem Antlitz,
Und sie berührte die giftige Natter
Mit tödlichem Heldenmut,
So dass sie trank das tödliche Gift
In den Tiefen ihres Herzens,
Trank die Lösung, um zu sterben,
Verachtend die feindlichen Galeeren.
Keine gewöhnliche Frau,
Sondern eine wahre Königin,
Die man nicht einher führen konnte
Im stolzen Triumph.

II, 4

O phokischer Xanthis,
Schäme dich nicht der Liebe
Für eine einfache Magd,
Hat doch auch das Mädchen Briseis,
Die trojanische Sklavin mit schneeweißer Haut,
Gerührt den Achilles!
Und auch die Gefangne Tekmessa
Hat mit ihrer Lieblichkeit
Ihren Herrn Ajax bewegt,
Den Sohn des Telamon,
Und Agamemnon, auf der Höhe seines Triumphs,
Glühte für ein geraubtes Mädchen!
Während das Heer der Barbaren besiegt ward,
Siegte die Armee der Griechen,
Und Hektor ging verloren,
Übergab Troja den müden Thessaliern,
Eine leichte Beute.
Weißt du nicht, dass deine blonde Phyllis
Keinen Vater mehr hat,
Der wohlhabend ist
Und dich als Schwiegersohn annehmen könnte?
Sicherlich ist sie eine geborene Königin
Und trauert um ihre göttlichen Ahnen!
Glaube mir, das Mädchen, dass du liebst,
Stammt nicht vom gottlosen Pöbel!
Ein Mädchen, das so treu ist
Und das so schwer zu erobern ist,
Stammt von keiner sündigen Mutter!
Ich bin unvoreingenommen
Und lobe ihre bemalten Arme
Und ihr schlankes Gesicht
Und ihre formschönen Hände,
Sie ist frei von jedem Verdacht
Und wert eines Freiers,
Der im rasch verschwindenden Leben
Sie erkennt in seinem fünfzigsten Jahr!

II, 8

Wenn eine Strafe dich jemals heimgesucht,


Treulose Barine,
Für alle deine Meineide,
Wenn dir jemals in der finsteren Zeit
Ein verwöhnter Fingernagel weh getan hat,
Dann würde ich dir vertrauen.
Doch kaum hast du verpflichtet
Deine treulose Seele
Durch falsche Versprechungen,
Als du schon erschienen bist
Als die leuchtendste, schönste,
Ein süßes junges Ding!
Es hilft dir, zu schwören
Bei der Asche der begrabenen Mutter,
Bei stillen Konstellationen der Nacht,
Bei allen Himmeln und allen Göttern,
Die frei sind von der eisigen Kälte des Todes.
Venus selbst lächelt, wenn sie dich sieht!
Die schmucklosen Nymphen lächeln dir zu
Und der grausame Amor,
Der immer schärft den brennenden Pfeil
An einem blutbefleckten Stein.
Hinzuzufügen ist, dass alle Jünglinge
Dich gerne pflegen
Und werden zu deinen frischen Sklaven,
Während die alten Liebhaber
Fliehen aus dem Haus
Ihrer gottlosen Geliebten.
Alle Mütter fürchten für ihre Söhne,
Und die geizigen Väter
Und die anderen Bräute,
Die einst Jungfrauen waren,
Denn wegen deiner erotischen Ausstrahlung
Verweilen die Männer gerne bei dir.

III, 10

Wenn du das Wasser des fernen Don trinkst, Lyce,


Mit einem gewissen grimmen Mann vermählt,
Würde ich mich aussetzen den klagenden Winden
Deiner nordischen Mutter-Heimat,
Vor deine grausame Pforte hingestreckt.
Höre, wie der Rahmen knarrt,
Wie die gepflanzten Bäume
In deinem schönen Garten im Winde stöhnen,
Und wie die pure Kraft des Gottes Jupiter
Eisig weht über den gefallenen Schnee.
Deine Verachtung beiseite gelassen,
Sie ist verhasst der liebenden Venus,
Das Seil soll fliegen, während sich das Rad dreht,
Doch du bist nicht Penelope,
Treu auch angesichts der Freier,
Auch bist du nicht von etruskischen Eltern.
O, schone deine Bittsteller,
Obwohl dich keiner bewegt,
Keine Geschenke bewegen dich,
Auch mein Gebet bewegt dich nicht
Und nicht die Blässe deines Liebhabers,
Der blau gefärbt ist,
Und dich bewegt nicht der Mann,
Der von den Pieriden gezeichnet ist.
Du bist eine unbeugsame Eiche,
Nicht sanfter als eine maurische Schlange.
Ich werde nicht immer auf deiner Schwelle liegen
Im Regen, der vom Himmel fällt.

III, 12

Mädchen sind erbärmlich,


Die nicht zulassen wollen
Die Spiele der freien Liebe
Oder ertränken ihre Sorgen
In dem lieblichen Wein,
Erschrocken und voller Angst
Verschlingen ihre Zunge vor einem,
Der ihr Onkel sein könnte.
O Neobule, Kythera entreißt dir
Den geflügelten Knaben
Und nimmt dir die Wolle weg
Und nimmt dir deinen Arbeitsplatz,
Da du Minerva dienst,
Wenn dein Liebhaber kommt,
Der leuchtende Hebrus,
Der sein gesalbtes Haupt
In des Tibers Bad getaucht.
Er ist ein besserer Reiter
Als der Reiter Bellerophon,
Nie geschlagen im Faustkampf,
Klug, zu jagen das Reh,
Wie es flieht im erschrockenen Rudel,
Oder den wilden Eber zu töten
Im Dickicht des Waldes.
III, 22

Jungfrau! Beschützerin des Berges und des Waldes,


Dreimal gepriesenes junges Mädchen,
Die du bewirkst die Geburt und rettest vorm Tod,
O dreifaltige Göttin!
Dir bring ich diese Fichte meines Bauernhofs,
Damit ich glücklich bin auf der Reise,
Und ich opfre dir das Blut eines Ferkes,
Das gerade seine ersten Schritte getan.

III, 23

Phidyle, mein Mädchen vom Land,


Wenn du deine Hände gen Himmel hebst,
Der neugeborenen Luna entgegen,
Wenn du die Ahnen mit Brot versöhnst
Und mit dem Opfer eines Tieres,
Deine fruchtbaren Reben leiden nicht
Den Südwind und deine Pflanzen
Werden vernichtet von Ungeziefer,
Und die kleinen Lämmer werden geboren
Kränklich in dieser Jahreszeit.
Da das Lamm zum Opfer bestellt ist,
Lass es weiden auf der Aue
Des schneebedeckten Algidus-Berges
Unter den Eichen und Steineichen
Oder weide es auf den Albaner Bergen,
Bis es die Priester bluten lassen.
Es gibt keinen Grund für dich,
Gott zu versöhnen mit dem Opfer des Lammes,
Während du bekränzt die Ikonen
Mit Myrte und Rosmarin.
Wenn du mit reinen Händen zum Altar trittst,
Wenn du Gott auch nicht mit Opfern versöhntest,
Wirst du die feindlichen Väter im Jenseits versöhnen
Mit dem heiligen Brot und dem kultischen Tanz.

IV, 1

O Venus, ich habe lange


Dir zu opfern unterlassen,
Verzeih mir und erbarme dich meiner!
Ich bin nicht mehr das Opfer der Macht
Cinaras, wie ich es früher war.
Ich bin im fünfzigsten Jahr,
O schreckliche Mutter des Amor,
Lass sie jetzt zu mir kommen,
Die lange deinen Geboten sich widersetzt,
Und bringe sie zurück von dort,
Wohin sie die verführerischen
Gebete der jungen Männer gelockt.
Es wäre besser für dich, o Venus,
Von Schwingen weißer Schwäne getragen,
Zum Abenteuer zu kommen
In des großen Paulus Haus,
Wenn du ein würdiges Herz entflammen willst,
Denn er ist edel und schön,
Und er ist auch beredsam
Vor den ängstlichen Kunden,
Ein Mann von hundert Fähigkeiten,
Er wird deine Fahne treu tragen,
Er wird lachen,
Wenn er erfolgreich ist,
Trotz der teuren Geschenke seines Rivalen,
Und er wird dich erheben
An der Albaner See,
In einer Marmorstatue,
Unter einem Holzdach.
Du wirst guten Weihrauch riechen
Und Freude finden beim Klang der Leier,
Vermischt mit dem Klang der Flöte
Und dem Klang von Zungenpfeifen,
Während süße feiernde Mädchen
Dir die Ehre geben,
Und zweimal am Tag siehst du den Mann
Im Tanz den weißen Boden treten,
Im rechten Dreischritt, ein heiliger Tänzer,
Es tanzen Mädchen und Männer,
Voll unschuldiger Hoffnungen
Und gegenseitiger Liebe,
Wetteifernd im Weintrinken!
Ihre Stirnen sind gekränzt
Von frisch gepflückten Blumen.
Aber warum, ach Ligurinus, warum
Müssen sich Tränen sammeln auf meinen Wangen?
Warum muss meine Zunge,
Sonst so eloquent,
Manchmal stottern und stammeln?
In nächtlichen Träumen
Umfang ich die hartherzig Schöne
Oder folge der fliehenden Frau
Auch bis zu den Auen des Mars
Und folg ihr bis zu den Wassern des Styx!

IV, 3

O Muse Melpomene,
Den du bei seiner Geburt
Mit gnädigen Augen angesehen,
Der wird nie Ruhm erringen als Ringer,
Und keine starken Pferde werden ihn ziehen
Im griechischen Streitwagen,
Noch werden ihn kriegerische Taten
Führen auf den Kapitol,
Auch trägt er nicht den Lorbeer der Könige.
Aber das Wasser des fruchtbaren Tibur
Und das dichte Laub der heiligen Haine
Wird er gewinnen durch äolische Lieder.
Es wird erwartet, dass ich würdig Rom
Und Romas Söhne singe,
Die Erste der Städte,
Ich im ersten Rang
Im Chor der wahren Poeten,
Schon hacken nach mir die Zähne des Neides.
O pierisches Mädchen du,
Befiel mir, süße Melodien zu spielen
Auf der Schildpatt-Lyra.
O ihr Musen, wenn ihr wollt,
Singen wie der sterbende Schwan
Selbst die stummen keuschen Fische,
Alles ist Gnade.
Aber die Bürger weisen darauf hin:
Der da ist ein Poet Roms!
Aber du bist es, die mich inspiriert,
Und was mir gelingt, ist alles deine Gnade.

IV, 13

O Lyce, haben die Götter


Meine Gebete erhört?
Die Götter erhörten mich!
Lyce, du bist alt geworden,
Aber immer noch wünschst du,
Die Macht der Schönheit zu besitzen,
Und noch spielst du mit mir
Und trinkst so schamlos süßen Wein,
Und wenn du betrunken bist,
Dann flieht gelangweilt Amor von dir,
Und wenn du betrunken singst.
Denn immer wacht Amor nur
Über die schöne Wangen von Chia,
Die jung und schön ist,
Die als Expertin die Lyra spielt.
Er flieht voll Verachtung
Vor der knorrigen Steineiche,
Er läuft weg von dir,
Denn du bist entstellt
Von deinen gelben Zähnen
Und von den Falten und Runzeln
Und dem grauen Haar.
Jetzt deine teuren ägyptischen Kleider
Und all die Diamanten
Bringen nicht zurück die Jugend,
Die Pforte der Zeit hat sich geschlossen,
Und begraben ist die Jugend,
Von keinem öffentlichen Interesse mehr.
Wohin ist Venus geflohen
Und wohin ist deine Schönheit?
Wo sind jetzt deine reizenden Gesten?
Was ist aus dem Mädchen geworden,
Dem Mädchen, das atmete Amor,
Der mir nun entwendet ist,
Wie auch Cinara dahin ist,
Die berühmt war für ihre Schönheit
Und für ihr charmantes Wesen.
Das Schicksal hat Cinara
Nur kurze Jugend gewährt
Und schier endlose Leiden,
So lang zu leben wie eine alte Krähe,
So dass die einst lodernden Jünglinge lachen,
Die hier sehen ein heißes Feuer
Zu Asche zerfallen.

THEOGNIS VON MEGARA

Asche, böse Worte, außer der Jahrszeit gesprochen,


Wenn die Leidenschaften den Thron usurpieren von Grund auf,
Viele ruinierten. Ungerecht Leidenschaft ist und
Nach dem freien, transistorischen Stoße von Gna…...

II

Unser Staat ist schwanger, zu produzieren in Eile


Einen rohen Rächer des schlimmsten Missbrauchs an Menschen!
Die Gemeinen bisher erscheinen nüchtern im Geiste,
Aber die Vorgesetzten sind korrupt und verblendet.
Nein, die Regel der Edelleute, der tapfern und hohen,
Nie erlangt den Frieden und die harmonische Ordnung.
Ach, der hochmütig arrogante Vorwand der Toren,
All der Schwachköpfe, all der Unverschämten und Schlechten,
Die Gerechtigkeit haben und Wahrheit beiseite gewiesen
Durch die schlauen Schiebereien von Hochmut und Habgier!
Das sind unsre Ruinen, o Kumus, träume du nimmer
(Ruhig und ungestört, wie du scheinen magst in den Nächten)
Den zukünftigen Frieden und die sicheren Staaten.
Blutvergießen und Krieg wird früher folgen und später,
Stell dir nie vor, dass ein Land wird erbaut durch gerechte Gesetze,
Dass es deinen Geboten vertraue sein elendes Schicksal,
Um von einer einzigen Hand erneuert zu werden!

III

Lass du keine Überzeugungskunst laden zum Platze


Deines Vertrauens schlaue Köpfe und niedrige Basis!
Wer kann Antwort geben? Ist ihre Hilfe vergebens,
Wenn Gefahren drohen und deine Feinde angreifen?
Und den Segen, den die Götter zahlen in Kopfgeld,
Werden sie diesen Segen mit einem Freunde wohl teilen?

Nein! Die wogenden Wellen mit Getreidekorn zu bestreuen,


Jene Oberfläche der Hauptkultivierten, ist keine
Ehrliche Aufgabe mehr, ist eitel, ist völlig vergeblich,
Wie der Anbau von Verbündeten, denn diese Toren
Sind nur flatterhaft, sind nur unproduktiv wie die Meere!

Das sind alle niedern Verstandes, nimmer in Ruhe,


Immer mit neuen Forderungen aufdringlich pressend.
Eine neue Anspannung oder Anfrage, neue,
Bis, mit einer Ablehnung eines Letzten der Menschen,
Sie verleugnen die Pflicht gegenüber vergangenen Zeiten.

Mutige, tapfere Herzen aber sind leicht zu bekommen.


Und Getreue sind leicht zu erlangen, die ehrlichen Menschen,
Die die Schuld nicht leugnen und vergessen den Dank nicht!

IV

Niemals mit einem Schuft oder einem Feiglinge handle,


Meide ihn, Kurnus, als Verräter, als räudigen Rüden!
Diese Freunde und liebevollen Genossen, bedenke,
Sie sind bereit zur Freundschaft, wenn du schlemmest und zechest,
Diese einfachen Freunde schrumpfen in schwierigen Zeiten!

Für den klugen Intellekt die wichtigste Arbeit


Ist es, eine gemeine Seele so recht zu erfassen,
Keine Arbeit ist schwerer, denn der Toren sind viele,
Silber und Gold durch Berührung machen unrein den Reinen,
Also trenne die Reinen und entsorge die Krätze,
Ignoriere die Arbeit und die schweren Verluste.

Aber des Freundes Herz, das geringe und das erwachsne?


Freundliche Oberfläche mit einem Kern aus Verachtung!
Von all den Trügereien, mit denen das Schicksal verfluchte
Unsre einfache schlichte Art, ist das Schlimmste von allen:
Jenseits der Ruhe in ruinöser Freundschaft zu leben,
Das ist unter allen andern am schwersten erkennbar.

Männer- und Frauen-Herzen kannst du nimmer versuchen


Und erproben zuvor wie die Rinder, willst du sie kaufen.
Auch dem Menschengeist, der Vernunft, wenn du sie behandelst,
Können Betrügereien zu solchem Zwecke entströmen.
Phantasie verrät uns und unterstützt den Betrüger.

Ich beachte die Regel, das Maß und die herzliche Neigung
Allerseits, und du nimm die gerade Linie, Lieber,
Die im einzigen Zweck und Design fixiert und fundiert ist.
Lerne, mit glücklichen Gaben, Geschenken, fröhlich zu feiern
Und zu zivilisieren und zu würdigen Staaten.
Nicht verbünde dich mit der unzufriedenen Mannschaft,
Auch nicht mit Stolzen und mit Willkür-Herrschern nur selten.

VI

Der großzügige, tapfere und gemeinsame Ruhm ists,


Der von Zeit zu Zeit begegnet Lob oder Tadel.
Die Vulgären passieren unbeachtet, sie fliehn nicht
Vor der Kränkung in irgendeiner Form, vor Skandalen.
Am glückseligsten sind diejenigen, Lebende, Tote,
Derer selten gedacht wird. Das ist das Mindeste aber.

VII

Keine teuren Opfer noch teure Opfergeschenke


Können den Plan der Mächte des Himmels ändern, mein Lieber,
Was auch immer das Schicksal verordnet, Gefahr und Verwundung
Oder Tod, ist vorherbestimmt, und nichts kann das hindern.

VIII

Für die Menschennatur bleibt nichts als die göttliche Hoffnung


Von den Gottheiten allen, denn der Rest ist entflogen,
Abgereist ist der Glaube, Wahrheit und Ruhm sind gestorben,
Alle Grazien, meine Freundinnen, auch sind entflohen!
Ach, der spärlichen Exemplare Leben, es lohnt nicht,
Ach, es schrumpfte zu nichts, es ist die Erde gestorben!
Aber während ich lebe und sehe die Leuchten des Himmels,
Bleibt die göttliche Hoffnung, und nie hat sie uns verlassen
Oder wäre entflohn von der Welt. Die höchsten Bereiche
Meiner Hingabe sind es, die göttliche Hoffnung zu ehren.
Hekatomben werden geschlachtet, verbrannt auf Altären,
Wenn den Göttern allen wieder gehuldigt wird werden,
Lass die göttliche Hoffnung da sein, ja, mit der Hoffnung
Werden, mein Freund, die Opfer von Tieren enden auf Erden.
Unverschämtheit und Ungerechtigkeit, jedes Verbrechen,
Raub und Unrecht, kann für kurze Zeiten gelingen,
Aber sie werden rasch zerfallen und so auch die Menschen,
Die auf krummen Wegen und Hohlwegen irren auf Erden.

IX

Kumus, erfahre und lern und bedenke die einfache Wahrheit:


Bringe deinen guten Humor der Menschheit dar, Lieber,
Und die Menschennatur, nimm sie an, so wie du sie findest!
Eine Mischung aus Zutaten ist sie, aus guten und schlechten,
Das sind wir alle, doch sind wir das Beste, was da ist zu haben.
Selbst die Besten werden defekt befunden. Die andern,
Zur gemeinsamen Nutzung, auch sind ähnlich den Besten.
Nehmen wir an, es wäre anders beschlossen vom Schicksal,
Wie dann könnten die Geschäfte der Erde bestehen?

Ich habs ziemlich untersucht und wirklich verstanden,


Dass kein Mensch ist ganz Böser, noch vollkommener Guter.
Auch sind wir ja nicht gleichmäßig weise. In jedem der Fälle
Wirken Gewohnheit und Zufall, der Ort und die Stunde,
Auf den Menschen. Das ist die Art der menschlichen Rasse.

Ach, die Götter senden Verblendung, irre zu führen


Jenen Mann, den Vermögen verraten und Schicksalen narren,
Der ist prädestiniert, anheimzufallen dem Tode.
Wohlstand, Fürsorge, Reichtum, Verblendung, so finden wirs immer,
In Verbindung mit einem armen und dürftigen Geiste,
Die sind immer kombiniert mit Dreistigkeit, Frechheit!

Zürne nie mit Menschen gemeiner Art, die bewegt sind


Von verächtlichen groben Begierden, verhöhn ihre Wünsche
Und verachte in eiliger Rede all ihre Sorgen.

Zeus hält ewig die Waage, und die Götter verleihen


Allen Menschen Reichtum oder Armut, ja Elend!

XI

Lernen und Reichtum der Weisheit und der strebenden Suche


Leider ist unzureichend, um die Geister zu stillen.
Eine Begierde der Begierde zurückbleibt doch immer,
Etwas bleibt übrig, wegen dem wir nicht ruhn können friedlich,
Und das Letzte, was uns stets als das Beste erschienen,
Unbekanntes ists oder Nicht-Besessenes leider.

XII
Ach, die täglichen Ehen, die sie schließen auf Erden,
Wo das Geld ist alles, einzig nur für den Wohlstand
Männer freien und die Frauen werden genommen!
Jener Kerl, der Raufbold, der im Reichtum gediehen,
Kann seinen Nachkommen weitergeben ein stattliches Erbe.
So wird alles vermischt, das Edle mit dem Gemeinen!

XIII

Ha, ein Kind zu zeugen, ist einfach, doch es zu lehren


Die Moral und die Sitte, will uns nur wenig gelingen,
Törichte weise zu machen und Gottlose heilig zu machen,
Das hat die Wissenschaft dieser Welt doch niemals verstanden.
Und die Söhne des Gottes der Heilkunst? Wenn ihre Künste
Könnten heilen perverse Herzen und sündige Herzen,
Dann verdienten sie wohl die enormen Löhne. Doch wahrlich,
Unsere Geister sind nicht zusammengesetzte, kompakte
Einheit von Wort und Tat. Nein, leider, die menschliche Kunst hat
An der Menschennatur keinen Anteil, wir sind wie die Wilden.
Hass aufs Laster, die Angst vor der Schande, der Scham und der Sünde,
Das sind Dinge, die der Natur nur aufgepropft werden.
Anders könnten ja Frauen und würdige Väter verbessern
In den Herzen der Kinder jeden Fehler und Mangel.
Doch wir sehen, wie sie immer enttäuscht werden, leider,
Und kein Plan noch Kunstgriff unsrer menschlichen Klugheit
Kann die Leidenschaften berichtigen oder den Willen.

XIV

Du nun steigst in die Höhe, über Länder und Meere


Wirst du getragen auf den triumphierenden Flügeln,
Deine mächtigen Schwingen sind Musik und Gedichte,
Und dein einfacher Name, mit den Lettern geschrieben,
Wird geweht in die ganze Welt und wird einst vernommen
Bei Banketten und Festen, wird bejubelt, besungen,
Wird gehört und bewundert. Der Lüfte Modulationen
In den Flöten und zärtliche Stimmen der Jungen und Schönen
Rezitieren deine Verse in künftigen Zeiten.
Wenn dann in der finsteren Grabzelle drunten verschlossen
Deine Gestalt vermodert und deine unsterbliche Seele
Wandert entlang der tristen Küsten des Styx und der Lethe,
Bleibt dein Gedächtnis dennoch, frisch und jung wirst du bleiben,
Aufgezeichnet, und auferstehen in blühenden Mündern,
Wirst bekannt sein auf Kontinenten und Inseln im Meere,
Wo nur immer bewahrt wird die Sprache der griechischen Rasse!

Keine starken Fähigkeiten eines Rennpferdes hast du,


Aber ich sehe den Siegeszug der ätherischen Muse,
Die wird deinen Ruhm tragen über Länder und Meere,
Einen prachtvollen, einen unvergänglichen Namen!
Das ist der herrliche Lorbeerkranz, den du wirklich gewonnen,
Fest wie die Erde und unsterblich wie droben die Sonne!

Aber für alles dieses – keine Liebe geerntet!


Nicht ein Zeichen der Aufmerksamkeit, der liebenden Sorge!
Irre und verachtet und behandelt als Kindchen,
Und von Tag zu Tag mit leeren Worten betrogen!
Merke! Gerechtigkeit und gesunder Menschenverstand sind
Doch die besten Segnungen, die die Götter verleihen.
Jeder Mensch hat seine Aufgabe. Streben doch alle
Nach dem Begehrenswerten und was ihnen Wollust bereitet.

Wie ein feuriger Renner von erobernder Rasse


Ist an den schmutzig-gemeinen Wagenlenker gebunden,
Halt ichs mit der Verachtung, und manch einen Tag meines Lebens
Hab ich begehrt, am kotigen Straßenrand niederzubrechen!

XV

Für einen edlen Geist das schlimmste Elend der Erde,


Schlimmer als das trübselige Alter oder die Krankheit,
Ist die bittere Armut. Vor der Armut zu fliehen,
Ach, von einer hohen Felsenspitze ins Meer, es
Gäbe einen schönen Ausweg, nach unten zu springen!

Denn in der Armut, lieber Kyrnus, verzichten wir gänzlich


Auf die Freiheit in Wort und Tat, in Körper und Seele,
Handlung und Denken sind völlig gebunden, gefesselt.
Lass mich fliehen, lieber Kyrnus, noch einmal entfliehen,
Weit wie die Grenzen des Landes und weinroten Meeres,
Fliehen vor diesen Verstrickungen! Denn mit solch einer Aussicht
Ist der Tod das heilige Feuer der letzten Befreiung!

XVI

Stolze und unterdrückende Herrschaft zerstörte den Zustand


Der Magnesier. Und so war es das Schicksal von Smyrna.
Smyrna die Reiche! Das Imperium aller der Großen!
Wir werden folgen, früher oder später, mein Lieber.

XVII

Während ich trank die geheime Quelle des geistigen Lebens,


O wie war meine Vorstellungskraft voll heiliger Klarheit!
Aber jetzt ist es trübe! Denn jetzt trinke ich nicht mehr,
Sondern hänge über einen anderen Flussrand!
XVIII

Ich beneide nicht diese prächtige Feier der Toten,


Diese stattlichen Wagen, dieser Teppiche Purpur,
Lieber bleib ich zurück mit meinem billigen Wagen
Und dem unsterblichen Jubel in dem innersten Busen!
Denn ein Bett von Dornen – oder ein lüsternes Lager -
Das ist gänzlich gleichgültig doch der seligen Toten.

XIX

Jetzt, in der Mitte der Reise, überprüft ihre Stärke


Droben die lichte Sonne, pausierend, die wandernde Stolze,
So nun wollen wir speisen. Denn das Essen und Trinken
Ist das Beste von allem, was das Herz kann ersinnen.
Lass auch kommen das formschöne junge spartanische Mädchen
Mit den nackichten Armen und der reizenden Aura,
Uns zu salben und Kränze für unsre Haare zu flechten.
Trotz der Systeme und Regeln der kränklichen Narren -
Lass uns mutig sein und entschlossen, den Rotwein zu trinken!
Ob der Stern des Hundes steigt oder sinkt – lass uns trinken!

XX

Mein Gehirn wird schwindlig, wirbelt und stürzt von dem Rotwein!
Meine Sinne sind nicht mehr meine eigenen Sinne!
Meines Zimmers Decke und Wände wanken und schwanken!
Ich wills versuchen, vielleicht noch stehen fest meine Füße?
Ich will mich zurückziehn mit den restlichen Sinnen,
Denn ich fürchte die Ohnmacht in Handlung und lallender Zunge!

XXI

Ach, die weltlich Gesinnten und die Weltweisen alle,


Voller Ignoranz und Arroganz, voll Verachtung
Allen Talenten gegenüber, außer den eignen,
Denken, Weisheit ist das, ist ihre eigene Weisheit.
Aber nein! Die Lehren sind Betrug nur und Unrecht,
In der Tat, sie sind nicht tief und sind auch nicht ewig.
Viele kennen die Lehren. Doch ein besserer Wille
Lieber verbietet einigen, ihre Künste zu üben.
Manche nämlich haben Geschmack am Wahren und Schönen,
Andre aber haben Geschmack an Torheit und Tollheit!

APPENDIX VERGILIANUS

1
Die Gastgeberin, eine syrische Frau, um den Kopf trägt
Sie das griechische Stirnband und bewegt sich geschmeidig
Zu den Kastagnetten in der geschmeidigen Taille,
Unanständig tanzt sie und betrunken im Gasthaus,
Im berüchtigten, an den Ellenbogen die Glöckchen.
Wie denn bitte wäre es einem ermüdeten Manne,
Weg im Sommer zu sein von der Stadt und der staubigen Hitze
Und auf meinem gemütlichen Sofa den Rotwein zu trinken?
Denn hier gibt es Gärten und Zellen und Trinkbecher reichlich,
Rosen, Flöten und Gitarren und erfrischende Lauben
Unterm schattigen Strohdach. Siehe! Wie in der Grotte
Von Arkadien ist hier ein Mädchen, die weiß zu plaudern,
In dem Munde des Hirten klingen die ländlichen Rohre,
Kräftigen Rotwein gibt es hier, der erst neulich entflossen
Ist dem verpichten Weinfass, und es murmelt auch leise
Hier ein Bächlein von Wasser hin mit heiterm Geplätscher.
Und bescheidene Veilchen gibt es in Menge und Kränze
Goldener Blumen, geflochten schön zu Purpur-Girlanden,
Dazu gelbe Rosen und gesammelte Lilien
Vom jungfräulichen Fluss, die eine reizende Tochter
Bei dem Flussgott geerntet, in Weidenkörben gesammelt.
Kleine Käse sind hier auch und geflochtene Körbe,
Sind aus trockenen Binsen. Hier sind wächserne Pflaumen
Von dem herbstlichen Tage und Kastanien und Nüsse,
Süß errötende Äpfel. Hier ist Ceres so zierlich,
Hier ist Bacchus stark und der allmächtige Amor!
Rot sind die Maulbeeren auch und rot die fruchtbaren Trauben
In den schweren Bündeln, und von dem Stengel, dem steifen,
Hängt die grünliche Gurke. Und die einfache Hütte
Hat einen Vormund nun, mit Weiden-Sense bewaffnet,
Mit monströser Lende! Doch der Gott ist nicht schrecklich!
Also komm du hierher, Besucher der heimlichen Zellen,
Lass deinen kleinen müden Arsch doch mächtig hier schwitzen,
Nichts erspar ihm, denn der Esel ist Haustier der Vesta!
Und mit häufigen Sommergesängen die Grillen nun platzen
In den Bäumen und in Rückzugsorten, in kühlen,
Liegt die Eidechse jetzt verborgen. Bist du nun weise,
Lehne dich zurück und fülle die Becher des Sommers,
Oder, wenn du es lieber willst, dann hebe die Gläser
Und lass es tropfen aus den Kristallen. Hierher gekommen,
Müder Mann, darfst du ruhen im kühlen Schatten des Weinstocks,
Deinen schweren Kopf bekränzen mit Rosen-Girlanden,
Und den reizenden Körper eines zärtlichen Mädchens
Darfst du mit deinen Augen genießen. Zugrunde gegangen
Ist die bigotte Prüderie der ältlichen Frömmler!
Warum die süßen Parfüme eines sich schminkenden Mädchens
Sollten dir nicht gefallen? Willst du denn die Gebeine
Nicht mit Rosenkränzen schmücken? Lass strömen den Wein und
Wirf die Würfel im Spiel! Vergessen seien die Toren,
Die um die Zukunft sich sorgen! Denn der Tod zupft am Ohr dir,
Flüstert: Ich komme gewiss, so lebe die heutige Stunde!
2

Die Rosen suche ich im Frühling,


Im Sommer bringen sie die Ähren,
Im Herbst die Früchte, und im Winter
Kommt zu uns allen schwarzer Tod.
Ich fürcht den Frost, ich habe Angst,
Da brauche ich den Gott aus Holz,
Den stell ich nah am Feuer auf,
Daneben sitzen dicht die Bauern.

Ich bins, o Wanderer, diese trockene Pappel,


Ich mit rustikaler Technik errichtet,
Ich bewache das kleine Feld, wie du sehn kannst,
Links und rechts von dir, o wandernder Pilger,
Auch das Haus und den kleinen Garten, die Beete,
Ich beschütze den Eigentümer, den armen,
Schütze die Äpfel vor den Fingern des Diebes.
Auf mich legt man im Lenze Blumen und Blätter,
Gibt die Girlande mir in der Hitze des Sommers
Aus dem gelblichen Mais, im süßeren Herbste
Gruppen von Trauben mit grünen Ranken des Weinstocks,
Lässt mich von frostgereiften Oliven erglänzen.
Unter meinem Holze die zierlichen Ziegen
Tragen Euter voll Milch, auf städtischen Plätzen,
Und das gemästete Lamm wird von mir auch erzogen,
Hände voll Geld kann der Hirte schicken nach Hause,
Und das Opferkalb wird aus der Obhut der Mutter
Hier geschlachtet, das Blut vergossen im Tempel.
Wanderer, diesen Gott sollst du ewig verehren,
Davon wirst du profitieren, denn siehe,
Durch das Blasen der Hure wird aufsprießen Pollux.
Ach, den Pollux wollt ich wohl ficken, so sagst du.
Pollux bekommt ja sein Recht durch den schützenden Anwalt.
Ist ihm ein Arm ausgerissen? Wie großartig ist das?
Aber nah seiner Hand ist die gnädige Keule!

Lieber Freund, dies darf ich sagen,


Sagen darf ichs ohne Täuschung,
Hängt mich auf, weil ich verarmt, weil
Dieses Kind mich ruinierte!

Wie auch immer, dein Gebot ists,


Freund, dass ich dir alles sage,
Dennoch muss ich schweigen, ach, weil
Dieses Kind mich ruinierte!

O kleines Landhaus du und grüne Felder,


Wo unsre Syro lebte still mit mir!
Der Wohlstand werde deinem Eigentümer.
Dir weih ich mich und alle, die ich liebe,
Als Erste meine Mutter. Wenn es sein muss,
Dass ich erfahre etwas Trauriges
Und trauern müsse über unser Haus,
Dann sei du heute mir, was Mantua
Und was Cremona mir vorzeiten war.

O komm heraus, Schaluppe, wie du siehst,


Man sagt, du seist das schnellste aller Schiffe,
Und säumtest nicht, geschwinde fortzugehen,
Zu gehen übers Wasser, deine Arbeit,
Zu fliegen mit den Rudern und den Segeln,
Und dies in der Gefahr der Adria
Und auch an den Kykladen-Inseln mutig,
Bei Rhodos und beim wilden Thracien,
Im Meere Marmara und im Euxin.
Dort wurde die Schaluppe, die sie wurde,
Die vorher war ein buschiges Gehölz,
Ein Buchsbaum wars mit Blättern, flüsternden,
Oft ward ein Sound verursacht. In Amastris
An dem Euxin und in Cytorus war
Sie wunderschön mit grünem Laub bekleidet.
Nun, die Schaluppe sagt dir solches, dir
Ist es bekannt besonders, und sie sagt,
Ihr erster Ursprung war auf stolzen Höhen,
In dies Gewässer tauchte sie ihr Ruder,
Und durch so viele wilde Meere trug
Sie ihren Herrn, ob auf der linken Seite,
Ob auf der rechten Seite blies die Brise,
Und immer war der höchste Gott ihr gnädig.
Noch hat sie nicht den Göttern an der Küste
Geopfert, vor der allerletzten Reise,
In einem stillen Teich hat sie geankert.
Was war sie doch in frühern Zeiten! Ach!
Nun liegt sie abgetakelt da im Alter
Und widmet sich den Zwillingsbrüdern Kastor
Und Pollux. Pollux ist der Sohn des Vaters.

7
Was hat Gott gewünscht, der dich fortgeführt von dem Freunde?
Oder wars, weil du zuviel Becher mit Rotwein gesoffen?
„Ich bin betrunken mit dir, und wenn es ein Fehler sein sollte,
Aber das Schicksal quält jeden auf die eigene Weise,
Warum willst du mich denn des Verbrechens des Zechens beklagen?“
„Wahrlich, deine Gedichte werden wir ewig bewundern
Und die römische Geschichte bitter beweinen,
Die du allzu früh auf den Scheiterhaufen geworfen!
Aber du willst ein Niemand sein?“ Ihr grausamen Götter,
Ihr perversen Götter der Unterwelt, sagt und erklärt uns,
Was war das für ein Zorn, der verhindert dem Freunde das Leben?
Als sein Vater noch lebte, hatte er reichlich zum Leben.

Hochmütiger Nocturnius, du Pate stolz,


Die Frau ist dir gegeben, die dein Kamerad,
Gegeben dir, hochmutiger Nocturnius,
Die Dame suchtest du, und jetzt ist sie ja dein.
Doch siehst du nicht, hochmütiger Nocturnius,
Wie glücklich will die Tochter sein des Attilus,
Die glücklich leben will, auch wenn sie dir vertraut?
Nun kommt, ihr lieben Freunde, kommt, den Freund zu sehn!
Beschaut, wie immerdar voll Stolz Nocturnius
Die Flasche Rotwein leert und auf die Freundin trinkt!
Thalassio, Thalassio, Thalassio!

Ich kann nicht segeln auf dem Meere, wie bisher,


Ich leide an der Hitze, trage schwer am Frost!
Begleitet denn der Sieger auch die Arme noch?
Mein Zorn, der Grimm von alters her, die Zunge scharf,
Ich reiche dir die Hand, du Leben voller Schuld,
Verhurte Schwestern liegen nackt in deinem Zelt,
Die stark genug, die stark genug für meinen Schwanz.
Was willst du mich erregen? Und warum, o Mensch,
Bist du so frei von Scham und würdig der Zensur?
Von deinem Diebstahl muss ich reden, reden auch
Von deines Bruders Sparsamkeit und kargem Geiz,
Dein Bruder hat sein Erbe ja verschleudert schon.
Und selbst die süßen Sachen, die die Knaben tun
Mit reifen Männern, schon ganz nass ist das Gesäß,
In dunkler Nacht, worüber alle andern schrein:
Thalassio, Thalassio! Ich weiß nicht, wer
Hat plötzlich angehoben, dies zu rufen laut.
Warum erbleichst du denn, o Frau? Hat denn der Scherz
Dich schwer geplagt? Erkennst du deine Taten nicht?
Im Lauf des schönen Sommermondes lade mich
Doch in dein Brautgemach zu einem schnellen Fick!
Auch will ich blutig sehen den Altar und dann
Dich selbst auf einem Floße schwimmen auf dem Fluss,
So rühre deine Lenden, ruf dich selber an
Und mit Matrosen reise auf dem Gelben Fluss,
Am Orte der Gerüche, Schiffe auf dem Grund,
Untiefen voller Schlamm und Wasser spärlich nur.
Auch sollst du auf dem Weg zur Küche gehen und
Ein gutes Essen komponieren und ein Fest
Dem Freunde feiern, dem du deinen süßen Saft
Hast eingeschenkt als eine dralle Frau und brat
Ihm eine Bratwurst auch und leck ihn mit dem Mund!
Verletze mich, zerreiße mich, wenn überhaupt
Du hast die Macht! Ich rufe deinen Namen an.
O Lucius, Lustknabe, all dein Geld ist weg
Und von dem Grimm des Hungers knurrt dir schon der Bauch?
Ich kann dich sehen, du bist nackt und ärgerst Gott!
Und ein geplatzter Bauch und ein geschwollner Fuß,
Und dein betrunkner Onkel ist vom Fasten matt!
Bestimmt ist es dem Menschen, nach dem Alter tot
Im dunklen Grabe unterm Hügel auszuruhn.
Kein kleiner Gast sollst du in meinem Herzen sein.
Mit dem, was diese Narren schätzen an der Welt,
Kann Rom besiegen nicht das weisere Athen!
Das ehrne Schicksal keiner je besiegen kann.

10

O du, die du den Thron in Paphos aufstellst,


O Venus, abgeschlossen ist die Arbeit,
Da Trojas Prinz Äneas ich getragen
Im edlen Lied bis in die Stadt der Römer.
Ich werde nicht allein den Weihrauch räuchern
In deinem Tempel, oder Tafeln spenden,
Mit reinen Händen bring ich dir Girlanden,
Gehörnten Widder als bescheidnes Opfer,
Und einen Stier, und werde dann besprengen
Mit Opferblut das Feuer des Altares
Zu Ehren deiner Gnade, große Venus!
Geflügelt Amor wird zur Stelle sein,
Als Marmorstatue mit bunten Farben,
Den Köcher er verwendet nach der Mode.
O Unsre Liebe Dame von Kythera,
Sei du zur Stelle, denn dein Kaiser ruft dich,
Zu unserem Altar komm vom Olymp!

JUNGE ODEN

ASTRÄA
Asträa kam vom Himmel zur Erde in
Dem Frühling dieses Jahres so wunderschön,
Der Seher sah die Schönheitsgöttin,
Trunken der Sänger Gesang ihr lallte!

Verlassen hat die herrliche Göttin uns!


Wohin verschwand die strahlende Herrlichkeit?
Verwitwet die Poeten trauern,
Wehe! Nun müssen die Augen fasten.

JUVENTAS

Mit goldnen Locken Göttin Juventas strahlt


Und mit der blauen Augen charmantem Blick
Und präsentiert sich vor dem Seher:
Ich bin die Göttin! Komm, anzubeten!

Vor deinen Füßen fallen anbetend wir


Und voller Demut nieder, der Theolog,
Der Philosoph, der Musenpriester.
Herrsche, o heilige Jugendgöttin!

IHRE BRÜSTE

Ich sehe, Jugendgöttin, den Schmuck am Hals,


Wie glänzt das diamantene Diadem,
Doch lichter als Kristall und Perle
Schimmern die milchweißen Mädchenbrüste!

Am ersten Testamente ich trank mich satt,


Am neuen Testamente ich trank mich satt,
An deinen Brüsten, Mädchengöttin,
Schlürf ich genüsslich die Milch der Weisheit!

DER MOND

Steht in dunkler Nacht nicht der Mond am Himmel?


Jungfrau! Warum muss ich so trostlos klagen?
Traurig bin ich, einsam auf Erden, und mich
Tröstet der Mond nicht.

CAUSA NOSTRAE LAETITIAE

Ich schaue an die Schönste der schönen Fraun


Und finde in der Einsamkeit meinen Trost
An ihrem purpurroten Munde
Und an den milchweißen prallen Brüsten!

Ich möchte schaun in Ewigkeit solches Licht!


Urschönheit der Urgottheit, dich anzuschaun
Ist mir die Seligkeit der Seele
Und zu genießen der Wonnen Wonne!

Nun mag die dunkle Nacht dieser Erde mir


Den Geist umnachten – aber ich seh das Licht!
Mein trunkner Geist die Schönheitsgöttin
Schaut in der finsteren Nacht des Geistes!

Allein die Schönheit kann uns noch retten, spricht


Im Vatikan der Heilige Vater. Ja,
Die Frau der Freude, Gottes Schönheit,
Rettet durch Hoffnung auf Liebeswonnen!

PROPHEZEIUNG

Wenn Lotta trägt geduldig ein schweres Kreuz


Und wenn im Leiden traurig betrübt ist Tom,
Der Weise mit drei Namen auftritt,
Herrscht in der Kirche von Deutschland Torheit!

DAS HEILIGE KIND

Ach Kindchen, aller Trost mir in Traurigkeit


Strömt aus von deinem kusslichen Purpurmund!
Ich opfre mich für dich, mein Liebling,
Wie du dich opferst für mich aus Liebe!

DIE TÖCHTER DER GÖTTLICHEN LIEBE

Ah, ich sehe im Spiegel die Töchter der göttlichen Liebe,


Sehe die Makellose im Bild!
Anbetungswürdige, göttliche Jungfrau, ich schaue die Gottheit,
Schau die göttliche Schönheit bloß!

MEINE GÖTTIN

Schwebend auf in Platons Ideenhimmel,


Schau ich die Idea der Gottesschönheit,
Jungfrau Weisheit, nackend und keusch, die liebes-
Trunkene Göttin!

KRANKHEIT
Von Träumen bin ich wach und ich schlaf am Tage,
Ich kann nichts tun, nur leiden mit meinem Heiland,
Nur leiden, trunken lieben die Venus Russlands,
Wässerchen trinken

CHARIS

Von reiner Schönheit, glänzend, charmant, entzückend,


Voll liebevoller Freundlichkeit, lieblich lächelnd -
Durch mein Vertrauen bin ich gerettet durch die
Göttliche Charis!

DIE HERRLICHKEIT

Nachdem auf dem Altar ich das Lamm geopfert


Und Speiseopfer, Trankopfer dargeboten,
Kam schön wie eine Jungfrau zu mir die schöne
Herrlichkeit Gottes.

GERMANIA

Germania, du Blonde, den Zopf gewunden


Ums holde Haupt voll heiligen Denkens, Jungfrau,
Du hast zu deiner Hochzeit geladen mich, zur
Feier der Einheit!

THERESE VON LISIEUX

Nun trink ich von den Brüsten Jerusalems,


Nun sauge ich mich satt an der prallen Brust,
Ich liege in der Jungfrau Armen,
Werde liebkost auf der Jungfrau Schenkeln!

MADONNA MIT SCHOSSHUND

Im Schloss von Susan sah ich die Mädchen-Braut


Mit goldnen Zöpfen unter dem Schleier, schön!
Auf ihrem Arm sah ich kein Kindlein,
Sondern den seligen Schoßhund kuscheln.

MARIA SPRICHT

Verkünde meine Flamme der Liebe in


Der ganzen Welt! Mein Feuer der Liebe wird
Das Höllenfeuer Satans löschen!
Trunken verkünde Mariens Minne!
DIE JUNGE MUSE

Je älter ich im Jammertal werde, müder,


Des Lebens überdrüssiger, desto jünger
Wird meine idealische Muse, siehe
Sancta Juventas!

JUVENTAS BRÜSTE

Die Tür geht auf, mich lachen die Brüste an,


Die Brüste schwellen unter dem weißen Kleid,
Ich trinke Milch von ihren Brüsten,
Predige ihr von der Mutter Gottes.

JUVENTAS ZELLEN

Sie lag unter der Decke auf dem Sofa,


Sah zum Dichter mit strahlend hellen Augen,
Sang ein Lied mit der Melodie der Jugend:
Jede Zelle in meinem Leib ist sexy!

APHRODITE

Ich hab im Traum gesehen die Königin


Der Liebe und der Schönheit, im Meere, nackt,
Da lag sie an dem feuchten Sandstrand,
Inbild der Liebeslust, Aphrodite!

Am Tage schau ich stets die Ikone an


Der Schönsten aller Frauen am Meerestrand,
Ihr Hemdchen transparente Seide,
Schmachtend, verführerisch, lockend schaut sie.

Als Dichter ich gehorchte der Göttin, sang


Der Aphrodite Hochzeiten, Akt um Akt.
Als Lohn für meine trunknen Hymnen
Schenke mir Gott in dem Himmel Charis!

NACKTE WAHRHEIT

Sie sah mich an, den Jüngling, und liebte mich!


Vor ihr ist alles vollkommen nackt und bloß!
So Bräutigam und Braut zur Hochzeit -
Ich nackt und nackt die geliebte Weisheit!
VENUS-GLEICHE FRAUEN

Die starken Frauen herrschen im Thron der Macht,


Schon schwächer sind die Hausfrauen an dem Herd,
Zuletzt die Venus-gleichen Frauen
Dienen im Frauenhaus Göttin Venus.

Seh ich die Venus-gleichen Idole an,


So glaub ich, dass die göttliche Venus lebt!
Ich bitte Jesus um Verzeihung,
Dass ich noch immer die Venus liebe!

DER PLATONIKER

Im Geist lieb ich die heilige Diotima,


Die predigt schön von göttlicher Schönheit immer,
Mein Auge liebt die göttliche Schönheit in der
Nackigen Phryne!

VERKLÄRTE PSYCHE

Ich sehe Psyche nackt, nur ein Hauch von Kleid,


Ein transparentes Seidenhemd hüllt sie noch.
Reiß rasch herab den letzten Schleier!
Nackend mit Eros die Hochzeit feire!

TOCHTER BABEL

Die große Hure Babylon ist gefallen,


Nun in ihr wohnen Lilith und Fledermäuse,
Die war einst die verzärtelte Tochter voll der
Reizenden Schönheit.

MADONNA

Madonna kam vom Himmel, so jung und schön,


Im blauen Mantel, schneeweißen Hemdchen fein,
Mit vollen Brüsten, voller Liebe,
Fein war ihr Angesicht, voller Anmut,

Die dunklen Augen leuchteten Schimmer warm,


Die Augenbrauen fein und gebogen, braun,
Die langen Haare glatt wie Seide,
Kusslich die lieblichen Lächellippen.

Sie sprach vom reinen Herzen, der Keuschheit Ruhm,


Sie sprach: Verzeih der Mutter, verzeih der Frau
Und liebe, so wie ich dich liebe,
Opfere du dich am Kreuz der Liebe!

DIE ALLREINE

Der Meister sprach: Die Allreine kommt, du siehst


Sie in der nächsten Stunde erscheinen! Ja,
Sie kam, ich sah sie unterm Himmel,
Sie ist vorübergegangen segnend!

So schlank der Leib, die Haare so lang und braun,


Das schmale Antlitz anmutreich, ging sie schön
Im Schutze ihres Schirms vorüber.
Ich sah ihr nach, meiner Antilope!

HORTENSIE

Nicht Rosen stolz, jungfräuliche Lilien keusch,


Ich sah in Gottes heiligem Haine nur
Bei Butterblumen, Gänseblümchen
Sancta Juventas Hortensienblüte.

DIE LIEBE

Große, grausame Liebe, du allmächtige Göttin,


Die du immer schlachtest mein Herz!
Ach, wie soll ich in Schmerzen dich lieben, schreckliche Herrin,
Wenn du täglich mein Herz mir brichst?
Mir ergehts wie dem blutenden Lamm auf dem Opfer-Altare,
Wird gebrochen der heilige Leib!
Schlachtopfer bin ich auf deinem Altare, göttliche Liebe,
Bis mich der gnädige Tod erlöst!
Aber dann, o ewig Geliebte, o Wonne der Wonnen,
Göttin, bin ich verschmolzen mit dir!

INKA

O du bist tot, du christliche Heilige,


Du grüßt zu Allerheiligen in der Nacht,
Die du moralisch lebtest, sittsam,
Fromm, in unendlichem Gottvertrauen.

Stets hieltest du dich in der Gemeinde auf


Und wuchsest immer tiefer ins Gottvertraun.
Der Teufel hat dich angefochten,
Oft hast gerungen du mit Dämonen.

Du liebtest die Natur und der Tiere Welt,


Gesunde Nahrung, keinerlei Alkohol,
Du rittest gerne und du spieltest
Gern mit der niedlichen Schmusekatze.

Du sangest gern und spieltest Gitarre auch,


Warst immer freundlich, hilfsbereit, allen gut,
Das war dir Gottes Wille: Gutes
Allen den Menschen zu tun auf Erden.

Auch hast du die islamische Religion


Studiert und auch die Wissenschaft der Natur,
Die du das Leben liebtest, liebtest
Jeglichen Menschen, der dir begegnet.

Du warst von großer Intelligenz, voll Herz,


Und liebtest auch den Tanz und den Bräutigam,
Du lebtest keusch vor deiner Ehe,
Wolltest so gerne auch Mutter werden.

Als Frischvermählte fuhrest zur Arbeit du


Und bist dann einfach spurlos verschwunden – Gott,
Hast du am Tag zuvor geträumt, Gott
Ruft mich zu sich in den dritten Himmel!

Wie schön du warst, wie eine Madonna, jung


Und zart und fein, vergeistigte Schönheit, keusch,
Mit blonden Haaren, blauen Augen,
Blau war dein Mantel und weiß die Seide.

Und spricht man von der Heiligen heute noch,


So sagt man: Mancher Mann war verliebt in sie.
Ich bete schon seit vierzehn Jahren
Täglich für dich vor dem Tabernakel.

Geliebte, Unvergessliche, segne mich,


O bitt für mich den Herrn, dass ich sterben darf
Und Gottes Schönheit schaun im Himmel,
Göttliche Schönheit und deine Schönheit!

GRIECHISCHE VERSE

XENOPHANES
.

Jetzt ist der Boden sauber, die Hände jeglichen Gastes


Und die Becher! Ein Knabe setzt Kränze uns auf die Köpfe
Und ein andrer bringt einen Krug mit duftender Salbe.
Voll des guten Mutes steht die Schale voll Rotwein,
Andere Weine auch, die niemals falsch spielen, schwör ich,
Fertig im Becher, mild im Geschmack und süß im Geruche.
In der Mitte der Weihrauch spendet die heiligen Düfte,
Wasser steht kühl und süß und klar, und weißliche Brote
Werden gereicht und die Tafel mit leckerem Käse und Honig.
Der Altar ist mit Blumen geschmückt, das Haus ist voll Lieder
Und voll Schlemmereien. Jetzt die Getreuen besingen
Gott in der Heilsgeschichte und den ewigen Logos!
Wenn das Trankopfer dargebracht und die Pflichten erfüllt sind,
Dann ist Trinken richtig, jeder soviel wie er kann und
Wie er nach Haus kann, ohne dass der Sklave ihn trage.
Und ich preise den Mann, der, wenn er betrunken vom Wein ist,
Der hat ein gutes Gedächtnis, der dann nach Tugend noch strebte.
Der wird nicht Krieger singen oder die Schlacht der Titanen
Oder der Giganten Revolution und Zentauren,
Was die Alten fabelten, oder Zwietracht der Götter,
Sondern würdig preist er die ewig-lebendige Gottheit!

Wenn mit der Füße Schnelligkeit Menschen die Tage gewinnen,


In der Nähe des Zeus von Pisa, olympischem Strome,
Oder im Fünfkampf oder im Ringkampf oder im Boxkampf,
Rufen sie das Pankratium, solche werden gefeiert,
Sind geachtet in den Augen der Mitbürger, sitzen
Vorn in prominenter Reihe, Gewinner der Spiele,
Werden genährt vom Geschäft der Stadt und erlangen ein Erbe.
Oder auch wenn sie stolz sind auf den Sieg mit den Pferden,
Was fällt denen nicht zu und was verdienen die Reiter!
Aber die Kunst des Poeten ist besser als kräftige Menschen,
Kräftige Pferde! Sollte denn Stärke würdiger sein als
Heilige Seherkünste charismatischer Dichter?
Aber hat eine Stadt einen guten Boxer und einen
Guten Fünfkämpfer oder guten Ringkämpfer oder
Schnellen Läufer, das bringt Ruhm in den Augen des Pöbels.
Niemals aber werden die besseren Menschen gefeiert,
Sondern der Sieg des Sportlers an den Ufern des Pisa,
Damit werden der Städte Schatzhäuser völlig gemästet.

Nutzlosen Luxus der Lyder lernten sie eitel zu lieben,


Als sie befreit waren von dem hasserfüllten Despoten,
Gingen umher auf den Marktplätzen stolz in purpurnen Roben,
Tausende gingen voll stolzem Jubel mit Goldschmuck im Haar und
Übertünchend ihren Gestank mit erlesenem Salböl.

4
So sehr demoralisiert von der Trunkenheit waren
Einige, dass sie nie gesehen den Aufgang der Sonne!

Auch ein Mann gießt den Wein in den Kelch und mischt ihn mit Wasser,
Dann beginnt der Weise den Mischwein zu trinken mit Maßen.

Wenn du auch besungen des Knaben Hintern und Opfer


Brachtest vom Schenkel des Stieres, das sind kostbare Dinge,
Eines Mannes Begabung und Gnade, dein Ruhm wird nicht enden,
Du bist unsterblich, so lange man liebt die griechische Dichtkunst!

Nun will ich aber gehen zu einer andern Geschichte


Und will eine andere Art und Weise euch zeigen.

Eines Tages, als der Weise vorübergegangen,


Schlug der Pöbel einen Hund. Der Weise voll Mitleid
Sagte zum Pöbel: Halt, ihr sollt den Hund mir nicht schlagen!
Eine Seele hat mein Freund! Ich kenn seine Stimme,
Immer bellt er voll Freude, so oft ich ihm nahe gekommen.

Der Poet ist weit schwächer als ein gealterter Mann sonst.

10

Alle haben am Anfang gelernt von Homer, dem Poeten.

11

Irrtümlich haben Homer und Hesiod von den Göttern,


Irrtum geredet und zugeschrieben den heiligen Göttern
Sünden der Menschen, Diebstahl und Ehebruch, Unzucht und Lügen.

12
Menschen scheinen ersonnen zu haben die himmlischen Götter
Nach der eigenen Form und nach der menschlichen Sprache.

13

Wenn nun Pferd oder Rind oder Löwe wüsste zu malen


Götterbilder, würde das Pferd den Pferdegott malen
Und der Stier den Stiergott, ganz nach dem eigenen Bilde.

14

Afrikaner sagen, dass Afrikas Göttinnen schwarz sind,


Breite Nasen haben, der Griechen Göttinnen aber
Haben rötlichblonde Haare und meerblaue Augen.

15

Und die Menschen gaben den Göttern menschliche Seelen


Und behaupteten, Götter fühlten das selbe wie Menschen.

16

Bacchusse, Fichten, stehn rund um das fest gebaute Gebäude.

17

Götter gaben nicht den Menschen die Kenntnis der Dinge,


Sondern der Mensch hat im Laufe der Zeit erdichtet die Götter.

18

Und ein Mann wünscht stets sich ein Mädchen voll Reizen der Jugend.

19

Solche Dinge bespricht man im Winter am brennenden Ofen,


Wenn der Mann auf dem weichen Sofa trinkt seinen Rotwein,
Nüsse kaut, und der holde Knabe fragt ihn: Wer bist du?
Woher kommst du und wohin gehst du? Wie alt warst du, Alter,
Als die Krieger der Perser kamen an Salamis' Ufer?

20

Es ist ein Gott, der Größte unter den Göttern und Menschen,
Nicht den Sterblichen gleich in Formgestalt und Gedanken.

21

Gott ist ganz voller Augen, hört alles, kennt alle Gedanken.

22

Gottes Geist ist mühelos wahrnehmend, aufregend alles.

23

Stets am selben Ort bleibt das All und kriecht nicht noch schreitet.

24

Alles kommt von der Erde und wird am Ende zu Erde.

25

Siehe, das endlose Weltall ist zu unseren Füßen,


Wir gehn auf Äther und unter uns ist das Weltall unendlich.

26

Was auch wird und wächst, es ist alles aus Erde und Wasser.

27

Siehe, das Meer ist die Quelle des Wassers, die Quelle des Windes,
Ohne den großen Ozean gäbe es keinerlei Windhauch,
Keinerlei fließende Flüsse, noch Regenwasser vom Himmel,
So ist der Ozean Vater von Wolken und Winden und Flüssen.

28

Und die Sonne geht über der Erde, die Erde erwärmend.

29

Sie, die sie Iris nennen, ist eine farbige Wolke.


30

Wir sind gekommen, alle Geschöpfe, aus Erde und Wasser.

31

Ach, in Wahrheit weiß keiner, und wird auch keiner je leben,


Der von den Göttern wüsste, obwohl die Gelegenheit da ist,
Reine Wahrheit zu sagen, sagt man phantastische Dinge.

32

Lasst uns solches nun sagen, etwas ähnlich der Wahrheit.

33

Da sind so viele, die nie den Augen der Menschen erschienen.

34

Hätte nicht Gott der Schöpfer den goldenen Honig geschaffen,


Hätten die Männer gesagt, viel süßer seien die Feigen.

35

Ich aber warf mich von Stadt zu Stadt und bin wandernd gegangen.

36

Schwüre von Gottlosen sind nicht gerecht den gläubigen Menschen.

TYRTÄUS

Nämlich der Sohn des Kronos, der Bräutigam herrlicher Hera,


Zeus hat gegeben diese Stadt des Herakles Kindern,
Wir sind gekommen mit ihnen zur fernen Insel des Pelops.

Siehe, sie hörte die Stimme des göttlichen Phöbus Apollon


In dem pythischen Hause, das Orakel des Gottes,
Worte, die sich erfüllen, des Herrn mit dem silbernen Bogen,
Fernhintreffenden Phöbus Apollon mit goldenen Locken,
Herr, der aus seinem reichen Heiligtum Antwort gegeben:
Rat gab der Gott den altehrwürdigen Königen anfangs,
Deren Sorge Sparta ist mit den adligen Männern,
Diese ordnen die Lager und geben Verordnungen weise,
Sagen, was ehrenhaft ist, und tun, was gut ist und richtig,
Geben niemals den Menschen einen verlogenen Anwalt,
So wird das Volk den Sieg haben, und die Macht ist des Volkes,
Also ward unterwiesen die Stadt von Phöbus Apollon.

Wir sind mit unserem König, dem Freund der heiligen Götter,
Theopompus, durch den wir das große Messene genommen,
Dieses gut gepflügte und gut bepflanzte Messene,
Neunzehn Jahre haben wir unaufhörlich gestritten,
Unbeugsamen Herzens waren die Träger der Lanzen,
Unserer Väter Väter, und im zwanzigsten Jahre
Haben die Feinde das Land verlassen und flohen ins Hochland.

Und es wurmten sie die schweren Lasten der Esel,


Und sie brachten den Herren mit schwerer Notwendigkeit Opfer,
Brachten den Herren die Hälfte alle Früchte der Erde.

Und sie klagten über die Herren, sie selbst und die Weiber,
Weil das schmerzliche Schicksal des Todes viele ereilte.

Eine gerechte Sache ists, für den Guten zu fallen


Und zu sterben in Kämpfen für das Vaterland, während
Viele die Heimatstadt und die fruchtbaren Felder verlassen
Müssen, und Betteln ist von allem die elendste Sache,
Und zu wandern mit lieber Mutter und alterndem Vater
Und mit kleinen Kindern und der grauhaarigen Gattin.
Voller Hass wird ein solcher unter allen den andern,
Wenn er in Knechtschaft leben muss und abscheulicher Strafe,
Wenn er nur Schande bringt auf seinen Familienstammbaum,
Lügen gestraft wird seine edle einstige Schönheit,
Wenn ihm nur Schmach und Bosheit folgen. So wenig Gedanken
Macht man sich über die Wanderer, zollt ihnen keinerlei Ehre
Oder Respekt oder Mitleid. So lasst uns nun williglich kämpfen
Für die Heimat und lasst uns sterben für unsere Kinder
Und nicht nur retten voll Feigheit unser eigenes Leben.
Bleibt nun, junge Männer, Schulter an Schulter zu kämpfen,
Und seid nicht faul zu fliegen und fürchtet euch nicht, lasst das Herz sein
Groß und stark in dem Busen und niemals schrumpfen die Seele,
Wenn ihr die grimmigen Feinde seht. Und die älteren Männer,
Deren Knie nicht mehr flink zu kämpfen, sinken zur Erde.
Denn es ist ein übles Spiel, in Wahrheit, den Alten
Liegen zu sehn vor dem Jüngling, Kopf- und Barthaar ergraut schon,
Wenn sein Atem flieht aus der dicken Seele zur Erde,
Übel zu sehn solch ein Anblick, macht den Sehenden elend,
Macht den Seher krank, zu sehen den Körper so nackend.
Auch ist es Jünglingen ja nicht schicklich, der Blüte der Jugend,
Diesen Wundern von Männern, den von Frauen begehrten,
Schön, so lange sie leben, zu fallen im schrecklichen Kriege.
Jeder Mann beiße sich auf die Lippen mit schneeweißen Zähnen,
Halte sich fest und sitze rittlings auf schwärzlicher Erde.

Ihr seid vom Stamm des unbesiegbaren Herakles, Männer,


Wenn ihr guten Mutes seid, Zeus wandte sein Haupt nicht
Von euch ab! So fürchtet nicht die Vielzahl von Menschen,
Zuckt nicht zusammen, haltet den Schild in Richtung der Feinde,
Seid bereit, das Leben zu lassen und habet die dunklen
Geister der Toten lieber als die Strahlen der Sonne.
Denn ihr wisst, der Zerstörung Taten wird Ares beklagen,
Ares beklagt auch, dass man für traurige Kriege gelernt hat.
Die auf der Flucht und die sie verfolgen, Bitteres schmecken,
Und es genießen weder die einen noch auch die andern.
Die mit starken Schultern bedrängen die Feinde voll Ingrimm
Und die Erschlagenen alle – wer will retten die Toten?
Alle haben sie ihren Mut im Gemüte verloren.
Keiner der Menschen kann das Übel fassen in Worte,
Das den Männern widerfährt und der Unehre Schande.
Ist es denn angenehm, zu durchbohren im schrecklichen Kriege
Eines fliehenden Menschen Zwerchfell? In Ungnade fallen
All die Toten, vom Speer im Rücken zum Staube erniedrigt.
Soll nun jeder der Männer sich beißen fest auf die Lippen
Und auf der Erde rittlings sitzen, den Bauch sich bedecken
Mit dem breiten Schilde und Oberschenkel und Beine
Und die Brust und die Schultern, und schwingen die mächtige Lanze
Mit der rechten Hand, und würdig zu sein seines Wappens,
Soll er lernen und wie man vollbringe tapfere Taten,
Wie man sich schützt mit dem Schild vor des Feindes Feuerraketen.
Soll der Mann umschließen den Feind mit der eigenen Lanze
Und mit dem Schwert ihn verwunden und verletzen den Gegner,
Fuß bei Fuß und Schild bei Schild und Wappen bei Wappen,
Kämpfen Brust an Brust mit der Lanze oder dem Schwerte
In den Händen. Und ihr auch, leichtbewaffnete Männer,
Duckt euch hinter dem Schild und werft mit der Schleuder die Steine,
Schleudert die Speere neben den schwerbewaffneten Männern.
8

Nicht will ich rühmen den Mann, noch ihn in meiner Geschichte
Tapferer Taten im Rennen oder im Ringkampfe rühmen,
Denn er hatte nicht die Statur und Kraft der Zyklopen
Und übertraf nicht in Schnelligkeit den thrakischen Nordwind,
Noch war er ein besserer Mann als Tithonus oder
Reicher als Midas oder Kinyras, noch auch
War er ein besserer König als Tantalus, Sprößling des Pelops,
Hatte auch nicht des Adrastus überzeugende Zunge,
Auch wenn jedermann rühmte seine Stärke als Krieger.
Denn ein Mann ist nicht gut im Krieg, wenn er noch nicht bestanden
Hat die blutigen Schlachten und getötet die Feinde.
Dies nur ist Tapferkeit, dies ist der edelste Preis und das Schönste
Für den Jüngling, um in der Welt den Sieg zu erringen,
Ein gemeinsames Gut ist dies für die Stadt und die Leute,
Wenn ein Mensch steht fest im Vordergrund, wenn er nicht aufhört,
Wenn er Herz und Seele bewahrt und vergißt nicht zu fliegen
Und wenn er sich ein Herz fasst und wenn alles er durchsteht.
Solch ein Mensch ist gut im Krieg und eilig bekehrt er
Seine feindlichen Gastgeber, sendet die Pfeile des Kampfes
Starken Willens. Darüber hinaus ist bereit er zu fallen
Und sein Leben zu geben zur Ehre der Stadt und des Volkes,
Und wenn seine Brust getragen den Brustpanzer, seine
Hand den Schild, so wird er beklagt von Jungen und Alten
Und von der ganzen Stadt beklagt mit lautem Bedauern.
Und sein Grab und seine Kinder sind ruhmreich bei Menschen,
Seine Kinder und Kindeskinder bewahren den Namen
Und sein guter Ruf geht nie mehr verloren. Vielmehr noch
Wird er im unterirdischen Leben lebendig sein, selig,
Wenn er im Kampf fiel für das Land und die Kinder des Landes,
Wenn der heftige Ares ihn niedergeworfen im Kriege.
Aber wenn er dem Untergang und dem Tod ist entkommen
Und den Sieg hat errungen, dann ist herrlich sein Kriegsruhm.
Und mit Ehren von Jungen und Alten wird er dann sterben
Und hat zuvor genossen das Glück. So steht er im Volke,
Und es gibt keinen, der ihm nicht würde Ehre erweisen
Und der ihn verletzen würde und Unrecht begehen,
Alle feiern ihn an dem Ufer, Kollegen und Alte.
Tapfer darf der Mann dann sterben, sich ausruhn vom Kampfe.

Er mit dem Herz des majestätischen Löwen im Busen!

10

Zieht die Grenze zwischen dem Mut und dem sinnlosen Tode!
KALLINOS

Sagt, wie lange wollt ihr brachliegen? Jünglinge, Männer,


Wollt ihr nicht zeigen ein starkes Herz? Ihr müsstet euch schämen
Dieser Trägheit und Faulheit vor denen, die mit euch leben!
Ach, das Land ist im Krieg und ihr wollt ruhen in Muße?

Jeder Mann muss den Speer abgeben, wenn er verscheidet.


Ehrenvoll ist es und glorreich dem Mann, den Feind zu besiegen,
Für die Kinder und angetraute Gemahlin zu kämpfen,
Und der Tod widerfährt dem, dem es das Schicksal verordnet.
Schnell wie der Krieg soll vorwärtsgehen der Speer und die Rüstung
Und der Schild vor dem starken Herzen. Doch Männer entkommen
Nicht dem Tod, ob sie auch von unsterblichem Stamm sind.
Oftmals kommt man aus dem Konflikt der Kriege und Kämpfe
Und dem Todesuntergang wieder heil in die Heimat.
Doch ist dieses nicht lieb den Menschen, das Sterben im Kriege,
Und die Großen und Kleinen werden den Toten beweinen.
Wenn ein Held stirbt, stirbt das ganze Volk und beklagt ihn,
Während er aber noch lebt, ist er so gut wie ein Halbgott,
Wie ein Elfenbeinturm wird er angesehen vom Volke
Und er tut als Einziger Arbeit, geschickter als viele.

Zeus hat barmherziges Mitleid mit dem Volke von Smyrna.

Denke daran, wie die schönen Oberschenkel des Stieres


Wurden vom Volk von Smyrna verbrannt auf dem Opfer-Altare.

Dann kam das Heer des heimtückisch-bösen kimmerischen Volkes.

SOLON

1
Ich bin der Herold von der schönen Salamis Ufer,
Spreche statt meiner das Lied, das ich schuf mit zierlichen Worten.

Könnt ich meine Heimat verändern, nicht mehr Athen sei


Meine Heimat, sondern Pholegandros, Sicinus,
Bald erzählten die Menschen es sich: Dies ist ein Athener
Aus dem Stamme Salaminaphetä, der bringt uns
Lehrreiche Briefe von der schönen Salamis Ufer.

Lasst uns nach Salamis fahren, für die Insel zu kämpfen,


Für die schöne, denn Entehrung ist schwer zu ertragen.

SUSANNA

LOGOS

In ihrer Kindheit fragte Susanna oft,


Wie ist der Gott, der Ewige, und wie ist
Der lang verheißene Messias?
Aber doch zweifelte noch Susanna.

Ihr Vater war ein Seemann gewesen, der


Einst auf dem Nil Ägyptens geschifft im Boot
Und glaubte nicht an Gott, und glaubte
Weniger noch an Ägyptens Götter.

Und ihre Mutter pflegte den Herd im Haus


Und reich an Kindern war die Familie, oft
Kam man zum Fest zusammen, scherzte,
Feierte Israels Feste fröhlich.

Als junge Frau Susanna begegnete


Johanna, einer Jüngerin Jesu, die
Sprach schön von Jesus, dem Messias,
Plötzlich erkannte Susanna Jesus!

Johanna sprach, dass Jesus der Logos sei,


Der Logos war bei Gott und war selber Gott!
Der Logos ist das Licht des Lebens,
Alles erschaffen hat Gottes Logos!

Der Logos ist geboren auf Erden von


Der allerreinsten Frau, welche Jungfrau blieb,
Der Logos wandelte auf Erden,
Weisheit verkündend und Liebe Gottes!

Und wer den Logos, der der Messias ist,


Wer Jesus annimmt gläubigen Herzens, der
Wird von dem Geiste neugeboren,
Ist nicht mehr Tochter von Vater, Mutter,

Ist Tochter Gottes, Schwester des Christus, Braut


Des Geistes, eine Tochter der Kirche und
Mariens Tochter, eine Christin,
Christin, vereinigt mit Jesus Christus!

Dies alles glaubte Jungfrau Susanna, die


Vor Jesus kniete, stammelte hochentzückt:
Mein Herr und Gott und mein Geliebter!
Folge mir, Lieblingin, sagte Jesus!

TAUFE

Susanna war nun gläubig geworden, so


Begehrte sie die Taufe im Jordanstrom.
Johannes, der Apostel, taufte
Sakramental mit dem Geiste Gottes.

Johannes stand im Jordan, Susanna stand


An seiner Seite, und der Apostel hielt
Susanna fest, sie untertauchend
Dreimal im Wasser der Taufe Christi.

Johannes sprach: Susanna, ich taufe dich


Im Namen Gottes, Vater und Sohn und Geist!
Im Bad der Neugeburt geboren
Bist du nun neu als die Tochter Gottes!

Die alte Eva ist nun gestorben und


Geboren ist die Jüngerin Jesu, Braut
Des Geistes Gottes, Tochter Gottes,
Ewiges Leben dir eingegossen!

In deiner Seele ist nun das Siegel der


Getauften, Christin bist du mit Christus, bist
Gesalbt mit Geist, des Geistes Salbung
Ruht nun auf deiner gesalbten Stirne!

Und als Johannes taufte Susanna, da


Tat sich der Himmel auf, eine Taube kam,
Der Liebe Taube und des Friedens
Kam von dem Himmel, der Seelenvogel,
Und eine Stimme tönte vom Himmel wie
Das Rauschen von gewaltiger Wasserflut,
Und Jesus wartete am Ufer
Auf die getaufte Gemahlin Gottes,

Und von dem Himmel tönte das Wort: Mein Schatz,


Du bist die Vielgeliebte des Bräutigams
Und Tochter du der Liebe Gottes,
Du meine Wonne, mein Wohlgefallen!

Wie an der Braut der Bräutigam sich ergötzt


Und freut sich an der Schönheit der jungen Frau,
So freut sich Gott, so freut sich Jahwe
Über Susanna, des Christus Christin!

DIE FREUNDIN JOHANNA

Susannas beste Freundin Johanna war


Die Ehefrau des Chusa, und Chusa war
Der Kinderpfleger des Herodes,
Darum war wohlhabend auch Johanna,

Wohlhabend war Johanna, doch Sklavin nicht


Des Erdengötzen Mammon. Das Geld, der Gott
Der Erde, war nicht ihre Gottheit,
Sondern die Liebe im Himmel droben!

Die Schöne Liebe nannte Johanna Gott,


Herr Jahwe war die Ewige Liebe ihr,
Die Taube war der Liebe Vogel,
Christ der Gesandte der Schönen Liebe!

Und immer wollte ruhn sie an Gottes Brust


Und leben stets und weben in Gottes Schoß!
In Jesus sah sie eine Glucke,
Unter den Flügeln die Küken hütend!

Johanna war ein Ebenbild Gottes und


Verehrte Gottes Mutter und ihren Sohn!
Der Wesen Wesen war die Liebe,
Also war gleichfalls Johanna Liebe!

Johanna war voll Liebe, voll Schönheit und


Voll Weisheit, und sie liebte die Kinder sehr,
Und Jesus sehr, den Freund der Kinder,
Gott war ja selber ein Kind geworden!

Gott war ein Kind geworden, damit das Kind


Des Menschen werd aus Gnade des Herrn zum Gott!
Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder,
Könnt ihr nicht kommen in Gottes Himmel!
Johanna diente Jesus mit Hab und Gut,
Sie diente ihm mit ihrer Substanz, das heißt,
Sie diente ihm mit ihrem Wesen,
Siehe, ihr Wesen, das war die Liebe!

Sie führte auch Susanna zu Jesus, und


Susanna diente auch mit Substanz und Sein
Dem Bräutigam der schönen Seele,
Diente als heilige Ministrantin,

Als Diakonin diente sie, gottgeweiht,


Im Priestertum der Gläubigen Priesterin,
Als Königin und als Prophetin
Diente Susanna von Gottes Gnaden.

DIE BUSENFREUNDIN MAGDALENA

Die Freundin Magdalena war wunderschön,


Sie gab den schönen Leib als Hetäre hin
Und suchte nichts als wahre Liebe,
Die sie nicht fand bei den vielen Freiern.

So war verletzt das schmachtende Herz und war


Verwundet von der Unliebe dieser Welt.
Sie hörte ein Gerücht von Jesus,
Der ein Prophet sei, ein Gott der Liebe!

So kniete sie zu Füßen des Meisters, sprach


Der Lebensbeichte Sündenbekenntnis, sprach
Von ihrem großen Durst nach Liebe,
Weinte vor Jesus der Buße Tränen,

Die Tränen tropften ihm auf die Füße und


Sie trocknete die Füße mit ihrem Haar
Und Jesus sagte: Dämon Lilith,
Weiche mit all deinen sieben Lilim,

Ihr Unzuchtsteufelinnen, gebt frei dies Herz,


Dies Herz, geschaffen einzig zur Liebe! Nun,
Nun liebe du den Gott der Liebe,
Liebe den Bräutigam deiner Seele!

Und Magdalena sagte: Wer ist der Herr,


Dass ich ihm dien als Sklavin der Liebe? Ich
Will Sklavin sein des Liebesgottes,
Dass ich dem Göttlichen mich vermähle!

Und Jesus sagte: Ich bins! Geliebte, komm,


Ich küsse deinen scharlachnen Rosenmund!
Ich will dich küssen, Magdalena,
Will deinen Mund küssen, Magdalena!

Und Petrus hörte dieses des Meisters Wort


Und wurde eifersüchtig. Hat denn der Herr
Und Meister Lieblinge und liebt er
Mehr noch als Petrus die Magdalena?

Doch Jesus sprach zu Petrus: Was geht’s dich an,


Wenn ich der schönen Sünderin küss den Mund?
Du komm und folge deinem Meister!
Meine Geliebte ist Magdalena!

HOCHZEIT VON KANA

Und welche Hochzeit fand denn in Kana statt?


Susanna und Johannes, der Markus heißt,
Sie schlossen da den Bund der Ehe,
Anwesend war auch die Mutter Jesu.

Susanna war die Sanfte und Milde und


Ihr Markus war der Starke und Zornige
Und ihre Liebe war ein Abbild
Göttlicher Liebe der Einheit Gottes!

Da ging der Wein zu Ende. Maria sprach:


Nun, Markus und Susanna, getrost, habt Mut,
Ich werde meinen Liebling bitten,
Sicher wird Jesus ein Wunder wirken.

Maria trat zu Jesus und sprach: Mein Sohn,


Johannes Markus, Bräutigam dieses Fests,
Und seiner schönen Braut Susanna
Mangelt der Wein und den Hochzeitsgästen.

Und Jesus sagte: Unsere Liebe Frau,


Was ist das dir und mir? Doch erhör ich dich!
Denn Jesus stets erhört Maria,
Jesus verwandelte sieben Fässer

Voll Wasser in den köstlichsten alten Wein,


Der Wein war gut wie Spaniens bester Wein,
Und alle Gäste wurden trunken,
Trunken auch wurde vom Rotwein Markus.

Des frommen Markus Vetter war Barnabas,


Levit war er, und Josef sein Name war,
Er stammte von der Insel Zypern,
Kam von der Insel der Aphrodite,

Und Jesus nannte Josef: Des Trostes Sohn,


Und Josef stand allein auf dem Hochzeitsfest,
Der Schenke aber trat zu Josef,
Lächelnd zu Josef der Jüngling sagte:

Für dich hier ist der Krug voll von rotem Wein,
So trinke, werde trunken vor Liebe und
Erheb den Becher auf Susanna!
Trink auf den Wein und die schönen Frauen!

Johannes Markus aber und seine Braut,


Sie schlossen eine Jungfrauen-Ehe und
Vollzogen nicht den Akt der Einung,
Also Susanna blieb reine Jungfrau.

Und Markus und Susanna, vereint von Gott,


Vereint sie dienten Jesus. So Markus sprach
Als Prediger der Freudenbotschaft,
Aber Susanna war Diakonin.

VÖGEL UND BLUMEN

Und Jesus sprach zur Freundin Susanna dies:


Ich spreche von der Vorsehung Gottes nun,
Der siebenfach verhüllten Gottheit,
Von der verschleierten Schicksals-Herrin!

Susanna, schau die Grasmücken an im Park


Von Galiläa, Gott unterscheidet gut
Und ehrt zumeist die Mönchsgrasmücke,
Welche den Lobpreis dem Schöpfer aufsingt,

Und ehrt die Gartengrasmücke ebenso,


Die singt ihr Lied der Liebe dem Bräutigam.
Denn in der Schöpfung waltet Liebe,
Alle die Vögelein jauchzen Liebe!

Und sieh die kleinen Sperlinge auf dem Weg,


Wie hüpfen ihre Brüste so fröhlich doch,
Man sagt, die kleinen Spatzen ziehen
Kraftvoll den Wagen der Aphrodite!

Und sieh das schöne Rotkehlchen an, wie schön


Der kleinen Rotbrust purpurner Busen ist,
Wie kämpft für sie das Rotbrustmännchen,
Kraftvoll die Küken im Nest beschützend!

Und sieh die schwarze Amsel, wie elegant


In seinem schwarzen Anzug der Mann doch ist,
Und hör auch in der Trauerweide
Singen die Blaumeise: Alles Liebe!

Und auf des Nachbars Hütte auf hohem Dach


Das Paar von Tauben schaue und hör den Ruf
Der treuen ehelichen Liebe,
Schau wie sie schnäbeln und Flügel spreizen!

Ist alles Liebe in der Natur von Gott!


Und auf der Scharonwiese in Galilee
Schau an die Lilien, o Susanna,
Die du bist selber die Lilie Gottes!

So tief der Kelch der Lilie, die Weisheit sagt,


So tief ist auch die mystische Liebe und
Vereinigung mit Gottes Liebe!
Sei eine mystische Lilie, Liebling!

Und schau die roten Rosen voll heißer Glut,


Wie Schmetterlinge schweben um ihren Schoß!
In der Natur herrscht Gottes Eros!
Sei eine mystische Rose, Liebling!

Und sieh die Krokusblüten in Violett


Und Weiß und Gelb, die summenden Bienen schau,
Die Stachel tauchend in die Kelche!
In der Natur ist doch alles Hochzeit!

Und schaue die Narzisse, die liebt sich selbst,


Und hör der Osterglocke Triumphgeläut,
Schau gelbe Tulpen, rote Tulpen,
Purpurne Mohnblumen oder Poppie,

Treuherziges Vergißmeinnicht himmelblau


Und rosa, den Hibiskus, die Iris auch,
Ein Bild der heimlichen Geliebten,
Schneeweiße Pfingstrosen! Alles Liebe!

Selbst Sulamith im reizenden Hauchgewand


War nicht so schön gekleidet! Gott sorgt für dich!
Vertraue nur von ganzem Herzen
Göttlicher Vorsehung deine Zukunft!

DAS KREUZ

Als zu dem leidenschaftlichen Liebestod


Der Bräutigam der heiligen Seelen ging,
Die Frauen sind von Galiläa
Mit vor Jerusalems Tor gegangen.

Johannes Markus war in Gethsemane


Geflohn vor den Soldaten, geflohen nackt,
Und Petrus hatte Gott geleugnet,
Judas verzweifelt sich selbst ermordet!
Doch auf dem Kreuzweg Christi begleitete
Susanna den Geliebten und trocknete
Den kalten Schweiß von seiner Stirne,
Stand in der Todesangst bei dem Meister.

Und Jesus sagte: Frauen von Galilee,


Beweint nicht den Geliebten, beweint euch selbst,
Denn wenn schon muss der Meister leiden,
Müssen die Sklavinnen gleichfalls leiden!

Susanna nahm ihr Schweißtuch und trocknete


Vom Antlitz Christi blutige Tränen ab,
Da prägte sich das Antlitz Christi
Ein in das Schweißtuch der Vielgeliebten.

Und Christus ward gekreuzigt. Susanna stand


Mit ihrer Busenfreundin Johanna fern
Und schaute die Passion des Meisters
Mitleidend an in bewegter Seele.

Und Jesus wurde nackend gekreuzigt! Da


Nahm seine liebe Mutter Maria von
Dem langen schwarzen Haar den Schleier,
Gab ihn der Jüngerin Magdalena,

Und Magdalena trat zu dem Schmerzensmann


Und band den Schleier Unserer Lieben Frau
Um Jesu nackte Scham. Maria
Dankte der Jüngerin Magdalena.

Und Jesus starb den blutigen Liebestod!


Susanna in der Seele vernahm das Wort:
Ich bin für dich gestorben, Liebste,
Dass ich dir ewiges Leben gebe!

AUFERSTEHUNG

Am Sonntagmorgen kamen die Frauen an


Das Grab. Die Morgenröte erleuchtete
Maria Magdalena, Schwester
Salome, Jungfrau Susanna herrlich!

Das Grab war leer! Sie wollten ihn salben doch,


Die Myrrheträgerinnen, die schönen Drei,
Wo aber war der Vielgeliebte?
Wo war der göttliche Körper Christi?

Und Jesus ist erschienen den Dreien an


Dem schönsten Ostersonntag im Morgenrot
Im grünen Garten, bunt von Blumen,
Er der leibhaftige Jüngling Frühling!
Susanna kniete! Salome grüßte ihn!
Und Magdalena feurig umschlang den Herrn!
Und Jesus sagte: Auferstanden!
Wahrlich, der Christus ist auferstanden!

Auf, Magdalena, Salome, geht mit Gott,


Susanna, geh mit Gott und zu Petrus geh,
Zu Petrus, dem Apostelfürsten,
Geht zu Johannes und geht zu Thomas,

Apostelinnen seid der Apostel ihr,


Und Königinnen seid ihr, Prophetinnen,
Seid Freudenbotinnen der Völker,
Wahrlich, der Christus ist auferstanden!

Und Jesus schwand in goldener Wolke hin


Zur unsichtbaren Gegenwart Gottes in
Der Transzendenz! Susanna schaute
Sehnsüchtig nach ihrem Vielgeliebten!

Sie seufzte: Küssen will ich, o Herr, ich will


Dich küssen, deine Küsse berauschen mehr
Als Wein vom Hochzeitsfest von Kana!
Jesus, komm wieder, komm eilig wieder!

PFINGSTEN

Sie saßen in dem Saale des Abendmahls,


Ein Herz und eine Seele, und beteten,
Dass kommen möge Gottes Pfingsten,
Heiliger Geist auf die Erde komme!

Maria war, die heilige Mutter, da


Und Jesu Brüder, aber nicht leibliche,
Die Frauen auch von Galiläa,
Alle Apostel da, außer Judas!

Susanna war sehr still, diskutierte nicht,


Sie ehrte Christi Mutter als reine Frau,
Sie hörte gerne den Johannes
Reden vom göttlichen Logos Jesus.

Die Mutter Gottes betete um den Geist,


Sie war der Kirche Seele und schönstes Bild,
Die Kirche war die Braut des Geistes,
Die ihren Bräutigam heiß ersehnte!

Hier war das Grabmal Davids, das Abendmahl


Hat Jesus hier gefeiert und eingesetzt
Das Opfermahl des neuen Manna,
Eucharistie als das Opfer Christi.

Maria war die Mutter der Kirche, war


Die Mutter aller Christen und Christinnen,
Apostelfürst war Simon Petrus,
Felsen und Vorsitz der Kirche Gottes.

Sie flehten um den Geist und da kam der Geist!


Der Geist der Weisheit kam von dem höchsten Gott,
Der Feuergeist der schönen Liebe,
Brausend wie rauschende Meereswogen,

Wie Rauch und Donner einst auf dem Sinai,


Gott goss die göttliche Liebesglut
In Zungenküssen auf die Beter!
Siehe, Susanna empfing die Geistkraft!

Susanna war wie trunken von süßem Wein


Und sang in Zungenrede den Lobgesang
Und ward erfüllt von Geistesgaben,
Wurde begabt mit des Geistes Früchten!

Die fromme charismatische Jüngerin


Begabt war mit dem Geiste der Keuschheit und
Dem Geist der Demut und der Sanftmut,
Liebe erfüllte ihr ganzes Wesen!

MISSIONSREISEN

Johannes Markus ging nach Ägypten, um


Die Freudenbotschaft dort zu verkünden, doch
Susanna fuhr mit Magdalena
Und fuhr mit Salome zu den Kretern.

O Kreta! Muttergöttinnen ehrtest du


Und einen reinen Lilienprinzen auch,
Doch lebtest du in Furcht des Todes,
Ohne unsterbliche Hoffnung, traurig!

In deiner Seele Traurigkeit bis zum Tod!


Susanna mit der Botschaft der Freude kam:
Der Herr ist wahrhaft auferstanden,
Ewiges Leben den Guten gebend!

Und Magdalena sagte: Wir müssen noch


Ins schöne Land der Gallier fahren, kommt,
Wir überwinden den Teutates,
Den sie dort ehren mit Kinderopfern!

Sie fuhren mit dem Schiffe zum Löwengolf,


Sie sprangen in das Mittelmeer, badeten
Und tauchten aus dem Meeresschaume,
Meerschaumgeborene Aphroditen!

Sie standen an dem Strande, drei Grazien!


Der Dichter weiß zu sagen nicht, welche war
Die Schönste von den Dreien! Eine
Göttliche Schönheit in drei Personen!

Hier liegt begraben Maria von Magdala,


Ihr Schädel als Reliquie wird verehrt,
Hier liegt begraben auch Susanna,
Heilig verehrt man den toten Körper!

Sie werden auferstehen und ihr Gebein


Wird von dem Herrn verklärt und sie werden sein
Unsterblich in den Geisterkörpern
Selig in ewiger Jugendschönheit!

Susanna wird verehrt von den Griechen und


Den Russen, den Armeniern, ein Poet
Germaniens verehrt Susanna,
Betet zur heiligen Frau Susanna!

SUSANNA IM HIMMEL

Susannas Seele fuhr in den Himmel auf


Und schaute ihren göttlichen Bräutigam
Und sah im Spiegel ihre Seele,
Jesus, der Richter, war sehr zufrieden!

Und Jesus sagte: Komm, meine liebste Braut,


Geh ein zu deinem ewigen Freudenhaus
Und komm zum Hochzeitsmahl des Lammes,
Komm zur Vereinigung mit der Gottheit!

In Ewigkeit dein Bräutigam ist das Lamm,


Die du die schöne Nymphe des Lammes bist,
Gehüllt in reines weißes Linnen,
Dir gibt der Vater der Schönheit Krone!

Du wirst gekrönt, Susanna, von Gott dem Herrn,


Du trägst des Ruhmes Lorbeerkranz auf dem Haupt,
Dir wird zuteil der Schönheit Krone,
Himmelsprinzessin wird Gott dich nennen!

Nun sag mir, was begehrst du von mir, o Braut?


Sei es die Hälfte auch meines Königreichs,
Ich wills dir geben, Vielgeliebte!
Sag deiner Seele Verlangen, Liebste!
Susanna sprach zum göttlichen Bräutigam:
Vom Himmel will auf Erden ich Gutes tun!
Ich will es Lilien regnen lassen!
Ich will Patronin des Frühlings werden!

Und Jesus sagte: Süße Susanna, ja,


Du sollst, geliebte, schöne Susanna, sollst
Patronin sein des Menschheitsfrühlings!
Bringe der Menschheit den Liebesfrühling!

Und also fleht der einsame Beter in


Den letzten Zeiten, apokalyptischen,
Fleht in der Zeit des Dritten Weltkriegs:
Amen, erbarme dich, Sankt Susanna!

ANIMA

DIE TÖDLICHE MUTTER

Meine Mutter-Anima, Schoß des Dunkels,


Warum wolltest du denn mein Leben töten?
Was bist du so voller Verachtung, höhnisch,
Tödliche Mutter?

Willst du mich nicht willkommen heißen, Mutter,


In dem finstern Jammertal dieser Erde?
Soll ich ungeboren zurück zu meinen
Himmelsideen?

Weh mir, Mutter, dass du empfangen, weh mir,


Dass du mich geboren hast, Schoß der Mutter!
Besser als den Lebenden geht’s den Toten,
Die sind im Frieden,

Besser als den Toten geht’s aber jenen,


Welche nie empfangen im Mutterschoße,
Jenen, deren Anima ungeschaffen
Ruht in der Gottheit!

Nun, o schwarze Anima meines Unglücks,


Bin geboren ich zu dem Fluch des Selbstmords!
Dieser Fluch wird bleiben bei mir, der Fluch der
Finsteren Mutter!

Warum hat die Gottheit geschaffen meine


Unglückreiche Anima? Welches Schicksal
Sandte voller Hass in das Dasein meine
Todkranke Psyche?

Warum schuf die Gottheit das All des Schöpfung?


Wär doch ungeschaffen die Schöpfung besser!
Mutter, ich begehre das Nichts, das Nichtsein!
Alles ist nichtig!

DIE GUTE GROSSE MUTTER

Gute Mutter, Anima, Mutterliebe,


Liebe weise Großmutter meines Lebens,
An der Wiege standest du heiter lächelnd,
Himmel die Augen!

In der Schoß-Geborgenheit deines Herzens


Ruht ich wie am Busen der Liebesgottheit!
Meine Kinderamme und Krankenschwester,
Nährende Mutter!

Ja, die Himmelsgottheit ist süße Güte,


Wonne mir und Süßigkeit, Leben, Hoffnung,
Meine Liebe, göttlicher Liebe Abglanz,
Großmutter-Gottheit!

Heimat mir und Ozean, blauer Himmel,


Lichter Himmel lächelnder blauer Augen,
Meine große uralte Weisheit, ewig
Liebt mich die Weisheit!

Wahre Mutter, Mutter des Lebens, Garten


Eden mit den Bohnen der Ahnengeister,
Meine Seele, Schmetterling in der Rose,
Mystische Rose!

Ewigkeit der Ahnenverehrung, Mutter,


Große Mutter, Ursprung der schönen Schöpfung,
Gärtnerin und Weltseele, Brot des Lebens,
Milch der Madonna!

O von deiner Liebe ich leb für immer,


Reine Quelle ewiger Liebesströme,
Überfließen will ich von schöner Liebe,
Mutter, dir dankend!

DIE HEXE

Meine Märchen-Anima, alte Hexe,


Die du in dem Walde gehaust, der Hütte,
Krummes altes buckliges Weib, so hässlich,
Warzen im Antlitz!

Willst du mich verhexen mit Zaubersprüchen?


Willst mich fressen wie ein gebratnes Hühnchen?
Ach, ich hab verirrt mich im finstern Walde,
Stiefmutter, Hexe!

Ja, ich hab in Träumen gesehn die Hexe,


Klein und krumm sie saß hinterm Wagen-Lenkrad,
Kalte böse stecknadelkleine Augen,
Blitzend, durchbohrend!

Mit der Hexe kamen die Zauberflüche,


Kam der Hass der Revolution der Klasse,
Widerliches hässliches Weib, blasphemisch
Satan anbetend!

Alte kommunistische Veteranin,


Des Diktators williges Werkzeug, Sklavin
Satans, Hass hast du in den Geist gegossen
Törichter Jugend!

DAS MÄDCHEN

Tief in meiner Seele ein kleines Mädchen,


Zwischen fünf und zehn Jahren junges Mädchen,
Kind-Geliebte, Erste der jungen Musen,
Zärtlichkeit Gottes!

Mädchen, unter Schwänen der Trauer stehst du,


Unter weißen Singschwänen, Freude singend,
Tochter der elysischen Lustgefilde,
Jungfrau der Schwäne!

Und du gehst mit mir durch den Garten Chinas,


Stehst am goldnen Tempel der Freundschaft, Mädchen,
Ruhe ist dem Pilger bereit auf der Glück-
Seligen Insel!

Goldgelockte Tochter des Architekten,


Weise Architektin des Universums,
Kleine Ping-Pong-Partnerin, stehend auf dem
Ewigen Meere!

Bienen schlüpfen dir in die Muschelohren,


Du Apolls Prophetin Kassandra, Unheil
Du verkündest, taub sind die harten Herzen,
Seherin Gottes!

O Sophia, Schmetterling in der Rose,


Meine Sonne, strahlendes Wonnemädchen,
Kind-Geliebte, Gärtnerin, schöne Seele,
Lustgarten Gottes!

Lass uns Schmetterlinge im Garten haschen,


Violetten Schmetterlingsfliederbusches
Nektar saugen fühlenden Fühlers, Eros,
Eros und Psyche!

Eros kommt mit Bogen und Pfeil, o Psyche,


Wenn das Mädchen räkelt lasziv im Bette
Ihrer Schönheit sinnliche Reize – Gott! All-
Mächtiger Eros!

MISS AMERIKA

Blondgelockte Göttin am Niagara,


Bist du Mutter oder Geliebte? Schönheit
In der Jugend Tele-Visionen, junge
Strahlende Sonne!

Stets im Baumwollhemde die vollen Brüste,


Stets im weißen Kleide von feinster Seide
Oder junge Venus in Jeans! O Wonne
Milchpraller Brüste!

Schönheit kokettierender Reize, sinnlich


Schön und süße Verführung, blonde Venus,
Junge Miss Amerika, süße Traumfrau
Junger Erotik!

Auf dem Floß im rauschenden Flusse, feuchte


Liebesgöttin, Mutter Natur dein Umfeld,
Seele der Prärien, im Holzhaus wohnend,
Nackt auf dem Bette!

Zum Gesang der Tänzerin Kunst ausübend,


In dem Reizkleid sinnlich lasziv dich räkelnd,
Alle Männer beten dich an, o Göttin,
Westliche Venus!

Jungfrau oder heilige Hure, Göttin,


Du bist Magdalena Maria, Schönste,
Gattin Gottes, M.M., die Magna Mater,
Traumfrau der Kindheit!

SCHWEDENS BLONDE GÖTTIN

O du schöne Seele von Schweden, Edens


Eva, schlank und jugendlich, lieblich lächelnd,
Süß sind und charmant deine Lächellippen,
Goldene Haarflut

Fließt dir um den Körper, den schönen schlanken,


Blonde Anmutsgöttin und reine Jungfrau,
Ideal des Kindes, so rein und licht die
Klarheit der Stimme!

O Musik und Tanz deiner blonden Seele,


O Musik und Tanz deines schlanken Leibes,
Augenweide, Ohrenschmaus, blonde Traumfrau,
Jugendgeliebte!

Süß dein runder Popo, o Liebesgöttin,


Bist du die Callipigos, Popo-Göttin?
Oder bist du Agnes von Rom, die Maid im
Freudenhaus Gottes?

Oder bist du Unsere Liebe Freyja,


Königin der Liebe und reinen Schönheit,
Oder Nossa, Reizgöttin, Hlyn, die treue
Göttin der Freundschaft?

Die gerade Kerze des Anmutkörpers


Saugt mich jungen Schmetterling in die Flamme!
Reine weiße Lilie im Garten Schweden,
Paradies-Jungfrau!

Liebe meiner Kindheit und frühen Jugend,


Du des Tanzes Königin, siebzehnjährig,
Du vollkommne Schönheit, du Makellose,
Lichtblonde Göttin!

Deine Stimme, Schmeichlerin, deine Stimme,


Und dein musikalisches Opfer küsst mich
Tief in der Erinnerung, auferweckend
Selige Kindheit!

DIE INDIANERIN

In dem Wald der Kindheit die Indianer


Jagten Hirsche, Rothäute, nackte Krieger,
Jugendliche Friedensapostel und die
Schwester des Häuptlings!

Meine Schwester, Kindheitsgeliebte, Schöne


Morgenröte, Göttin der Indianer,
Schwarzgelockte Squaw meiner Jugendseele,
Küsse den Cowboy!

War ich nicht der Kuhhirte Krishna damals


Und mit schwarzen Haaren du meine Radha,
Meine Gopi, Kuhhirtin meiner Seele,
Mystische Freundin?

Ja, mit Pfeil und Bogen der junge Eros


Ging mit Kraft durch Indiens Wald, starkduftend,
Gott mit bunten Flügeln der Papageien,
Biene im Honig!

Küss mich, schwarzgelockte Geliebte, küss mich,


Du des Alkoholikers trunkne Tochter,
Meine heilig-trunkene Freundin, voll des
Nüchternen Geistes!

Gib mir Feuerwasser, Schamanin Gottes,


Gib Visionen magischer Drogenpilze,
Lass die Friedenspfeife uns rauchen, Weihrauch
Qualme der Freundin!

Pflück im Walde Tollkirsche, o Schamanin,


Pflück im Walde Stechapfel, o Schamanin,
Zeige mir die Nuggets der Indianer,
Squaw im Pueblo!

Lass uns mystisch heiraten, meine Freundin,


Nur ein Kuss im Walde sei Gottes Segen,
Großer Geist und Manitou wird uns segnen,
Braut der Apatschen!

Wenn du stirbst – die Goldgier hat dich ermordet,


Wirst du sterbend liegen in meinen Armen,
Fernher hörst du läuten die Kirchenglocken,
O du rufst Jesus!

DIE ZARENTOCHTER

Tochter Anastasia du, Wladimir


Ich, und deine Mutter die Zarin Russlands!
Leidenschafts-Geliebte Zarewna, Muse,
Muse der Mutter!

Wenn wir aus dem Samowar Tee getrunken,


Qualmte immer Weihrauch vor der Geliebten!
O wir lagen nackt auf dem weißen Lammfell
Liebend zusammen!

Russlands Venus, leidenschaftslose, reine,


Schutzfrau du des siebten November, meine
Erste Liebe, Küsserin mit den Zungen
Feuriger Liebe!

Küsse mit des Heiligen Geistes Zungen,


Gib mit Feuerzungen mir feuchte Küsse,
Jugendliche Lehrerin schöner Liebe,
Meisterin, Muse,

Muse der Mysterien deines Bettes,


Göttin, die du anbetest meinen Phallus,
Über mir im Himmel die Brüste hängen,
Himmlische Brüste!

Zwischen deinen Beinen das Cello streiche,


Göttin du des Violoncello, Jungfrau
Mit den offnen Schamlippen, o Geliebte,
Heilige Hure!

Lass uns unterm Dach deines Mutterhauses,


Vaterlose Tochter, im Lammfell liegen,
Wie die Tauben picken und Schwingen spreizen,
Taube der Venus!

Oder soll ich Edda dich nennen, Mutter


Der Germanen, Urmutter der Germanen,
Oder Unsre Liebende Fraue Freyja,
Herrin des Bettes?

Weihe in die Liebeskunst ein den Jüngling,


Russlands Venus, Mutter Sophia, Mutter
Du der heißen Revolution der Liebe,
Muse, Zarewna!

DIE KÄMPFERIN

Anima, die Kämpferin, will ich singen,


Ob sie ist Jeanne d'Arc, die Französin Gottes,
Ob sie Marianne ist mit den über-
Quellenden Brüsten!

Alexandra Kollontais freie Liebe


Lehrte sie, der Libido Überschwemmung
Allzu dialektischen Geistes durch Ent-
Fesselung des Sexus!

Weise die Studentin studierte heimlich


Und verborgen östliche Dialektik
Von der ewig werdenden Gottheit, von der
Wandlung des Stoffes.

Wo der Geist abstrakt war und theoretisch,


Kam das Wonneweibchen mit wilder Wollust!
Das war die Bacchantin des trunknn Bacchus!
Orgien-Gottheit!
Nie war so bacchantisch die trunkne Seele
Wie in diesem Stadium meiner Jugend!
Russlands Seele, trunken von Wodka! Rauschthaft
Liebte die Dirne!

In dem heißen Bett der Geliebten wühlte


Ich mich in den Mutterschoß wieder, trunken
Von der Magna Mater, dem mütterlichen
Archetyp Gottes!

Ihre Brüste Glocken des Venustempels,


Große und gewaltige Mutterbrüste!
Aber eng das Mündchen, das rote, feuchte,
Schmal ihre Lippen!

Schamhaft ihre Schamlippen? O Verschmelzung,


Königin und König im Hermes-Brunnen!
O der trunknen Seele Vereinigungen!
Fleischeslust weiblich!

DIE TRAUM-MUSE

In dem Traum bestieg ich die Ober-Kammer,


Die verschleiert war von den schönsten Tüchern,
Von den feinen Schleiern der Göttin Tyche,
Kammer der Mystik!

Doch das dialektische Denken half nicht,


Einzig half die Intuition des Träumers,
Das geheime Wissen des Unbewussten
Zeigte den Ausweg.

Durch den Tunnel oder Geburtskanal kam


Ich in einen inneren grünen Garten,
Zwischen Bäumen hing eine Kinderschaukel,
Da ich geschaukelt.

Neben mir die innere Muse stand, die


Trug ein weißes Kleid, einen weißen Schleier,
Eine schlanke Jungfrau voll feiner Anmut,
Goldene Locken!

Sie hielt in den Händen die Pergamente


Mit den Liedern uralter Weisheit, lesend
Sang sie mir harmonische Hymnen vor von
Himmlischer Schönheit.

Ja, die Schaukel war meine Kinderwiege


Und der Mutter Hochzeitskleid war der Schleier
Und die Muse stand an der Wiege segnend,
Segnend den Dichter!
Schöne Dame war diese Himmelsmuse,
Wie die philosophische Musendame
In Athenas Akademie, sie war die
Muse-Madonna!

MÄDCHEN VOM STERN DER PHANTASIE

Schöne Dame und allreine Venus Russlands,


Colombine, Taube des Geistes Gottes,
Morgenglanz der Ewigkeit und Aurora,
Jungfrau und Muse!

Liebesrote mystische Rosenblüte,


Liebesrote Rose der Menschheitsliebe,
Gottes Magd und Marionette Gottes,
Muse des Morgens!

O der schönen Seele bewegter Busen,


Keusche nackte Göttin Diana, badend!
In dem Kleid aus Blumen, im violetten
Kleide phantastisch!

Feuerblumen deine Passionen flammend,


Die dem Drachen sah in die Spiegelaugen,
Kannibalin, Fruchtbarkeitsgöttin, Mutter,
Schwester des Todes,

Meiner Nase Hauch, meiner Seele Atem,


Maske du des rötlichen Todes, Atem
Meines Lebens, Atem der Todesschwester,
Rose des Grabes!

Von den Sternen kommst du, vom Sternbild Jungfrau,


Mitte des Augustus gen Himmel fahrend,
Stern der Phantasia, du außerirdisch,
Extraterrestrisch!

Meiner Seele Seele, mein Geist, mein Atem,


Du mein Leben, du meine Schwester Todin,
Schwester, Engel, Muse, Madonna, Göttin,
Artemis, Jungfrau!

BLÜTEN-SCHWESTER

Einmal lag ich unter dem weißen Kirschbaum,


Zarte Blüten, rosa und weiß, wie Seide,
Und da stand der Hagedorn auch in Blüte,
Duftende Blüten,
Über diesen Blüten der blaue Himmel,
Lichter Himmel, heiterer Vater Äther,
Und voll Duft die heilige Luft, die Sonne
Glänzte im Äther,

Und der Duft, der geistige Duft der Blüten


Schwebte zu mir weiblichen Geistes, meine
Keusche Blütengöttin, die goldne Blüte,
Schwester der Seele!

Ja, ich glaub, ich hab eine schöne Schwester,


Aber keine leibliche Schwester, sondern
Eine reine geistige Seelenschwester,
Weltseele, Schwester!

Meine Schwester, Anima Mundi, keusche


Schwester-Göttin, blühende Aura, Tochter,
Kind-Geliebte himmlischer Äther-Gottheit,
Tochter des Himmels!

Komm zu mir und schwebe um mich als Falter,


Komm als Aura in meinen Äther-Körper,
Holde Maid, astralische Jungfraungöttin,
Lass uns vereint sein!

APHRODITE

Göttin Aphrodite ist mir erschienen,


Als ich Pindar, Hölderlin las und Wieland,
Als ich sah der Statue weißen Marmor,
Mächtige Brüste!

Plötzlich stand die Göttin vor mir im Lichtglanz,


Eine Gloriole um ihren Körper,
Schwarze Haare, mächtiger Busen, Augen
Ozeanblaue!

Aphrodites Priesterin war gekommen,


Wunderschöne Inkarnation der Göttin,
Brüste wie die Sphinx vorm Museum, trunken,
Bacchisch betrunken,

Sank sie zu mir lüstern aufs Bett der Liebe,


Eine wahre Meisterin in der Liebe,
Eine schöne Mystikerin des mystisch-
Tantrischen Sexus!

Ich hab mit der Göttin geschlafen! Einssein


Mit der schönen Göttin der Liebe, Wonne,
Wilde Wollust, Seligkeit und Ekstase
Feurigen Eros!
Und ich sang die Ode an Aphrodite,
Dass sie ihre Priesterin mir gesandt hat,
Nackte Hierodule der Göttin Venus,
Selbst eine Göttin,

Sexueller Einigung nackte Göttin


In dem Sakramente der freien Liebe!
Aphrodite, Anbetung dir, o Liebe,
Göttliche Liebe!

DIE STADTBEKANNTE DIRNE

Diese wüste Wollust ist eine Schande,


Schäme dich, o Seele, der geilen Unzucht!
Warst du nicht Madonnas Vertrauter, der du
Dienst jetzt der Venus?

War die keusche Artemis deine Schwester,


Jetzo dienst du Venus Porné, der Hure?
Sahst du nicht Urania? Der du bist Pan-
Demos versklavt nun?

Hast du mit Diotima nicht geredet,


Der du nun der Phryne betatschst den Busen?
Sahst du nicht die heilige Jungfrau, der im
Bett nun als Faun liegt?

Ist denn wie Dionysos Jesus Christus,


Ist wie Venus Unsere Liebe Frau denn?
Nun ist deine Seele di-psychos! Das ist
Schizophrenia!

In der ganzen Stadt ist bekannt die Dirne,


Die geliebt unzählige Männer sündig,
Deiner Sünde Sünderin voller Unzucht
Treibts wie die Huren!

Nun bist du versunken im Hurenbette,


Seele, doch die Geistseele sehnt zur Freiheit
Körperloser Jungfrau im Himmelreiche
Sich wie ein Engel!

ISHTAR

Göttin du von Babel und Berolina,


Du des Königs Gilgamesch Liebesgöttin,
Blaues Tor, o Göttin, mit Flügellöwen,
Orient-Glaube!

Du kommst aus dem Altertum, der Antike,


In der Preußen Hauptstadt zum Christus-Dome,
Zum Museum deutscher Geschichte und zum
Lustgarten, Göttin!

O dein Höchstes Gut ist die Lust der Liebe,


Du bist pure Lebenslust, pralles Leben,
Bist die pralle Vitalität der Lenden,
Phallus und Vulva,

Nicht nur Glied und Scheide, auch Mund und Phallus,


Glied und Zunge oder auch Scham und Finger!
Wonne, du ekstatische Wollustgöttin,
Sonne der Sinne!

Wie in Berolina die Schlösser schwitzen!


Wie das Schloss Charlottenburg heiß sich auftut!
Wie im See von Spandau die Venus badet
Nackt mit Adonis!

Komm mit deinem Wagen, o Göttermutter,


Von den Flügellöwen gezognen Wagen,
Fülle Berolina mit deiner Liebe,
Lust und Ekstase!

ISIS

Ja, ich hab die Isis gesehen, vor mir


Stand sie, sie stand über mir, hohe Herrin,
Herrscherin durch Macht der Erotik, Traumfrau,
Reizender Schönheit!

Ja, ich sah die Isis in Jeans, im Hemdchen,


Herrscherin in Netzstrümpfen, nur bekleidet
Mit der Leugnung jeden Gewandes, Hauchkleid,
Nackenden Lichtleibs!

Schwarze Locken, Schmachtlöckchen, lange Mähne,


Augen blau wie blitzende Abendsterne!
Trunken nahm die Flasche sie an die Lippen,
Saugend am Halse!

Göttin der archaischen Isis-Hymnen,


Schwester ihrer Mit-Göttin Nephtys, Freundin,
Busenfreundin sinnlicher Göttin, Freundin
Sie des Erstandnen!

Sie des Totenreiches geliebte Freundin,


Herrin sie der Toten und schwarze Katze,
Schwarzes Pantherweibchen gefährlich, voll der
Sinnlichkeit Hitze!
Komm, o hohe Herrscherin meiner Seele,
Geisterhafte Weltseele voll Erotik,
Ach, ich war besessen von deinem Dämon,
Sinnliche Isis!

Isis, deine Inkarnation im nackten


Körper der Kleopatra sah ich Siegfried,
Schaute an der tödlichen Quelle in dem
Odenwald Isis!

Und ich sah Gesichte im Feuerhimmel


Über der Kleopatra Lotosblüte,
Da am Himmel schwebte ein Herz aus Feuer,
Herz der Madonna,

Neben diesem feurigen Herzen schwebte


Ein Poet, seraphischer Engel, feurig
Strich er seine goldene Harfe für die
Isis-Madonna!

DIE GÖTTERMUTTER

Vor mir saß die Mutter der Götter, nackend,


Großes Weib, sumerische Göttermutter
Oder auch die phrygische Göttermutter,
Kybele, Große!

Schüttle deine Brüste, o Große Mutter,


Herrlich tauchst du nackt aus dem blauen Wasser,
Breit dein Becken, fruchtbarer Halbmond, Mutter,
Göttliche Vulva!

Überall die Weinberge praller Reben,


Rebenranken, schwanger von prallen Trauben,
Spenderin der Fruchtbarkeit und der Wonnen
Sinnlicher Liebe!

Prozessionen bacchischer Priesterinnen


Tragen den symbolischen Gott, den Phallus,
Lecken an dem Pinienzapfen lüstern,
Tanzen den Phallus,

Tragen Thyrsosstäbe und Pantherfelle,


Rasende Mänaden der Schöpfungswonne,
Wilde Weiber, Orgien-Priesterinnen,
Kybele, Bacchus!

Die entmannten Priester in Frauenröcken!


Galloi feiern Kybele, Gottes Mutter,
Mit der Sichel Atthis entmannt sich, Galloi,
Galliens Priester!
In dem Land der Fruchtbarkeit, in Südfrankreich,
In den Weinterrassen der Südprovinzen,
Trunken vom Kanister voll roten Weines,
Pries ich die Göttin,

Nicht in frommer Anbetung nur alleine,


Vielmehr in Vereinigung mit der Göttin,
Zog ich aus den rosigen Slip der Göttin,
Kybele liebend,

Liebend in dem Neste der Karawane,


Myrrhebüschel zwischen der Göttin Brüsten,
Liebend wir vereinigt wie Gott und Göttin,
Phallus und Vulva!

SAPPHOS GEIST

Pyrenäen, Pic du Midi! Ich schaute


In der Hirtenhütte im Licht der Kerze
Der Madonna eine Vision im Innern:
Geistseele Sapphos

Nannte ich die Frauenvision, die Dame.


Oben auf der Treppe stand sie voll Hoheit,
Birkenschlank, im weißlichen Seidenkleide,
Golden der Gürtel

Um die kleinen Brüste, die mädchenkeuschen,


Ganz aus Licht und Reinheit bestand die Jungfrau,
Heilig die Athenerin, makellose
Muse von Lesbos,

Eine siebensaitige Lyra hielt sie


In den Armen, goldene Harfe, Plektrum,
Schweigend, inspirierend, voll Gnade lächelnd,
Schweigender Mystik,

Eine reine Anima, eine Jungfrau,


Eine holde himmlische Dame, heilig,
Keusch und selig, ganz aus Verklärung, ganz im
Lichtglanz der Lichtleib!

Oder war es Sappho nicht, wars Madonna?


Wars Madonna Anima, meiner Seele
Seele, meine Seelengefährtin, innre
Freundin voll Weisheit?

IAHU

Auf dem Mittagsgipfel der Pyrenäen


Stand ich auf der Spitze des Felsens, unterm
Lichten Himmel, über der Mutter Erde,
Ich war im Himmel,

Weiße Wolken schwebten mir um das Haupt, ich


War erhaben über die Menschenmenge,
War entrückt der Erdengeliebten, einsam
Sprach ich mit Gott nur,

Da mir in den Sinn kam, es sei die Gottheit


Mutter, die erhabene Taube, Liebe,
Und ihr Name Iahu, große Gottheit,
Weiblich im Himmel,

Große Mutter, Taube der Schönen Liebe,


Schöpferin und heilige Geistkraft, Eine,
Liebevoll, lebendige Gottheit, Schönheit,
Heilige Geistkraft,

Große Mutter Iahu, Allmacht, Weisheit,


Güte, eine gütige Mutter, lächelnd,
Welche wohnt im Himmel der Himmel, ich die
Einwohnung Gottes,

Ich im Schoß der Mutter, ich lebe, webe,


Und ich bin im Schoße des Seins, das ewig,
Ich bin in der Gottheit, die Geist und Wahrheit,
Ewige Liebe,

Gottheit, welche eins ist und alles, Eine,


Die Alleinheit, Seele des Himmels, meine
Seele war entrückt in die himmlisch-stille
Seele der Gottheit!

HOHEPRIESTERIN

In der Nacht im Rhone-Tal, Feuer brannten


In der Ferne, schwarzblau die Felsenwände,
Leise die Ardeche mit dem klaren Wasser
Floss vor dem Felsen,

Da ich voll noch von der verzückten Hymne


An die Insel Patmos, der Seher schaute
Trunken vom Geheimnis des Weinstocks Christus,
Offen die Himmel,

Da ich schaute über die Hügel kommen


Eine Wolke, lichtgrüne Wolke, schwebend,
Voll der Energieen des Geistes, leuchtend,
Fließende Gottheit,
Ja, das Licht der fließenden Gottheit nahte
In der Nacht. Ich sah eine stille Hütte,
Eine stille Einsiedler-Zelle, in der
Einsiedler-Zelle

Schweigend stand am heiligen Tische eine


Junge Hohepriesterin meiner Seele,
Schlank und hochgewachsen, im weißen Lichtkleid,
Golden der Gürtel

Um die Brüste und um das Haupt ein goldnes


Stirnband oder Diadem, und die Muse
Hielt in Händen Gottes Orakel, Bilder,
Weissagend Zukunft,

Bilder, archetypische Ideale,


Himmlische Ideen, des Urbilds Bilder,
Und ich hörte leise die Stimme flüstern,
Feminin zärtlich,

Voller Seelenruhe und Geistesweisheit


Gab sie Antwort mir auf die stumme Frage,
Ob die Götter leben, der Mythen Götter,
Göttinnen leben?

Sprach die Hohepriesterin meiner Seele,


Lächelnd, voller Weisheit, die innre Stimme,
Dieses Flüstern meines Gewissens: Es ist
Göttliches in dir!

MAYA

In den Armen meiner Geliebten träumt ich,


Zwischen ihren mächtigen Brüsten träumt ich,
Träumte ich den indischen Mythos von der
Göttlichen Maya!

Maya, du allweibliche Große Mutter,


Du der Einen Gottheit in drei Personen
Bunter Schleier, Weltseele, femininer
Schleier der Gottheit,

Maya, Große Mutter des Universums,


Dein sind Himmel, Erde und Hölle, Mutter,
Du bist die Natur, bist der Frauen Sprache,
Sprache des Alltags,

Mutter Erde bist du und bist die Liebe,


Bist des Dichters sinnliche Frauenliebe,
In dir, Maya, alles ist weiblich, Maya,
Alles ist weiblich,
Du bist Fürstin, Prostituierte, Mutter,
Weise Frau, Geliebte des Liebesdichters,
Du bist Weisheit, weibliches Tier und Blume,
Göttliche Vulva!

Ich bin eingewoben in deinen Schleier,


Lebe in der all-femininen Göttin,
Lebe in dem Schoß der Natur, im Weltall,
Milchstraßen-Mutter!

Schlürfen darf ich Milch an den Mutterbrüsten,


Maya, im Mysterium deiner Liebe
Bin ich nur ein Traum der verträumten Gottheit,
Traum ist die Schöpfung,

Traum die Schöpfung, alles ein Spiel der Götter,


Götterpaare schaffen die Maya-Schöpfung
In der Götter Liebesspiel, sexuellem
Akte der Götter!

Ich und meine nackte Geliebte haben


Anteil an den göttlichen Liebesspielen,
Wir erschaffen Schöpfung im Liebesakte!
Alles ist Liebe!

DIE TOTE DICHTERIN

Wie erlangt man Kenntnis der Geisterwelten?


Öffne deine inneren Sinne, Geister
Werden kommen hellsichtig-offnem Seher,
Schaue die Geister!

Meine liebe Geistseele, reine Muse


Körperloser Liebe, alleine Seele,
Femininer Genius meiner Träume,
Muse, Marina,

Mutter der Poeten und junger Phönix,


Die im Feuer Verse geschrieben, lodernd,
Auferstanden schon aus dem Reich der Toten,
Heimsuchung, Geistfrau!

Du erschienst am Teich in dem Erlenwalde,


Zwischen dunklen Erlen des Orpheus, Hades
Ist dein Haus, Eurydice oder Kore,
Tödliche Jungfrau!

In dem Lichtkleid bläulicher Äther-Aura


Mit dem Feuer purpurner Liebesgluten,
In der violetten Gestalt des Lichtes,
Leuchtenden Geistes,

Nackte Seele du in dem Geistleib feurig,


Komm und weihe ein den Propheten, Muse,
Lass mich nüchtern hellsichtig sein und geistig
Weissagen Wahrheit!

Gib den sechsten Sinn mir, Prophetengabe,


Femininer Genius, komm zum Dichter,
Weihe mich der russischen Venus keusch, der
Mutter des Gottes!

MADONNA DIANA

Von dem Himmel Göttin Diana nahte,


Kam die Himmelstreppe herab zum Dichter,
Trug das Blumenkleidchen der Göttin Flora,
Mund wie Rubine,

Kam im Flug mit bräunlichen langen Locken,


Fragte, was der Dichter für Hilfe bräuchte.
Sprach der Dichter: Wie ist dein Name, Göttin?
Sie sagte: Buße,

Ich bin Metanoia, Madonna Mirjam!


Hilf mir, sprach der Dichter, vor diesen Ratten,
Die da wüten böse im Raum des Todes,
Ratten des Teufels!

Da nahm ihn Madonna Diana zärtlich


Bei den Händen, führte ihn eilig aufwärts
Zur kristallnen Kubus-Stadt voller Spiegel,
Bäumen des Lebens.

Unterm Lebensbaume die beiden standen,


Metanoia und der Poet in Liebe,
Sprachen durch die Blätter von schöner, frommer,
Heiliger Liebe!

TOTE GROSSMUTTER

Tot die Großmutter! Weh!


Stieg der Großmutter Geist aufwärts ins Himmelreich,
Trat zum göttlichen Thron,
Sprach zum heiligen Gott: Segne den Enkelsohn!

Gott der Großmutter Flehn


Voller Gnade und Huld hörte in seinem Geist,
Sandte Christus, den Sohn,
Unsre liebliche Frau Santa Maria auch!
Und des Enkels Vision
Sah den heiligen Gott Christus im Himmelslicht,
Sah die Jungfrau bei ihm,
Weihte ganz sich der Frau, Unserer Lieben Frau!

Sprach die himmlische Frau:


Sei mein frommer Poet, singe mir Minnesang!
Du studiere das Buch,
Voll der Weisheit von Gott, weihe der Weisheit dich!

Gottes Weisheit im Geist


Sei dir Seelenbraut, Mann, nenne Sophia sie,
Heinrich Seuse vernimm,
Jakob Böhme, und komm, liebe die Biblia!

In die Einsamkeit geh,


Leb im Zölibat keusch, lass von der heidnischen
Konkubine der Lust,
Fliehe Venus und komm du zur Madonna keusch!

HURE BABYLON

Albrecht Dürers Vision


Zeigte Babylon mir, zeigte die Hure mir,
Tochter Babel, das Tier,
Weib und Hure, die der Märtyrer Blut vergoss!

So des Antichrist Knecht,


Satans Sklave, ein Bild malte der Göttin Lust,
Auf dem Löwen sie ritt,
Nackt, mit wallender Brust, mächtiger Brüste Paar,

In den Händen sie hielt


Einen goldenen Kelch, voll mit der Unzucht Wein,
Mit der Trunkenheit Rausch,
Mit dem heiligen Blut heiliger Christenheit!

Ja, die Hure, sie wars,


Die im Bette bei mir lag in der Sünden Zeit,
Da der Heidenmann trieb
Unzucht, Hurerei, Lästerung Gottes! Weh!

Metanoia, so komm,
Jage die Hure fort, jage die Löwin fort,
Fluch der Venus! Zu Gott
Ich bekehre mich, komm, Tochter der Buße, Maid!

Göttin Buße, zu Gott,


Metanoia, der Mann wendet die Anima,
Apokalyptische
Dame, nahe dem Mann, welcher der Buß' vermählt!

MIRIAM

Tochter Biblia, komm,


Weih in Weisheit mich ein! Gib mir ein Wort von Gott!
Gott vom Sinai, komm,
Stimme Horebs, o komm, göttlicher Ich-bin-da!

Moses ist nicht allein,


Mit ihm Miriam ist da! Miriam, Heilige,
Komm, Prophetin des Herrn,
Mirjam, komm du zu mir, Seele der Biblia!

Das ägyptische Heer


Sank in das Rote Meer! Israel zog hindurch,
Kam zum Sinai-Berg,
Jahwe im Donner sprach, Miriam hörte Gott!

Nicht nur Moses allein


Ist ein Prophet des Herrn, Miriam weissagt auch,
Jungfrau, sauber und rein,
Keusche Tochter des Herrn, schlage das Tamburin,

Spiel die Flöte für Gott,


Miriam, Tänzerin, tanz ins Gelobte Land,
Schlag die Trommel, o Frau,
Führe du Israel in das Gelobte Land!

O, ich liebe dich sehr,


Miriam, reine Maid, Vorbild Madonnas, Maid,
Ich verlobe mich dir,
Miriam, Trommlerin Gottes, die Flöte spiel!

MARIONNA

Maid im schneeweißen Kleid,


O Madonna im Wald, Lichtglanz in dunkler Nacht,
Marionna, o Braut,
Metanoia, o Braut, siehe, ich liebe dich!

In die Augen zu schaun,


In die Seele zu schaun, Jungfrau, begehre ich,
In dem Arm dir zu ruhn,
Trauerschwanin und Braut, ist es was ich begehr!

Marionnas Gesicht
Sah Äone entfliehn, Ewigkeit, Ewigkeit,
Unsre Seelen vertraut
Von der Ewigkeit her, unsere Seelen eins,
Myriaden entflohn,
Unsre Seelen vertraut, Seelengefährtin mein,
Meine Seele bist du,
Atem, Leben und Sein, Alles und Eins bist du!

Schau Messias' Passion


Hier am Denkmal, und schau Jesu geliebte Braut,
Magdalena, die Braut,
Neue Sulamith sie, Minnerin ihres Herrn!

Wiedersehen verheißt
Die erschienene Frau, dann kommt der Liebe Kuss,
Küssen werden wir uns,
Ach, ich warte noch, Frau, auf den verheißnen Kuss!

UNGEBORENE TOCHTER IM HIMMEL

Idealisches Kind,
Das im Himmelreich lebt, geistige Licht-Idee,
Maienkönigin du,
O Prinzessin des Herrn, komme zum Vater dein,

Die Geliebte empfang


Von dem zeugenden Mann, Tochter, dein Lebenslicht,
Komm vom Himmel zu uns,
Sieh, ich opfere dir dieses mein Opfermahl!

In der Weihnacht dein Geist


Schwebt um mich auf dem Markt, Geistwesen, Seele rein,
Ungeborenes Kind,
Tochter, Jungfrau von Gott, meine Geliebte schon,

Noch nur reine Idee


Du im Heiligen Geist, noch nicht geschaffen, Hauch,
Schon Geliebte von mir,
Komm zur Erde, o Kind, weibliches Christkind du!

In der Kirche am Schluss


Von dem Gottesdienst ich wart auf den Segen, da
Christus segnet mein Kind
Durch den Mann am Altar, sprech er das Segenswort!

Ja, gesegnet sind wir,


Ich, die Liebste, das Kind, Gott segnet unsern Bund!
O, wo bist du, mein Kind?
Schau, ich sehne mich sehr, Tochter, nach deinem Blick!

IMMACULATA
Rein und unbefleckt, Frau,
Sankt Maria, bist du Göttin der Göttinnen,
Eine Allgöttin du,
Gottes Spiegel und Bild, liebenden Gottes Braut.

Und du redest vom Herz


Reiner mystischer Braut, welches durchbohrt, verletzt,
Von dem feurigen Pfeil
Amors, selig verzückt einzig nur liebt den Gott!

In Amerika du
Bist die Kaiserin, Frau, Jungfrau im Sonnenlicht,
Die du stehst auf dem Mond,
Sternenmantel und Kleid hauchfeinen Gazeflors!

Und du schenkst mir das Wort:


Gott ist Mutter, der Herr, Mutterschaft Gottes, groß,
Magna Mater ist Gott!
Nun ich weihe mich dir, Immaculata, Herz!

EUCHARIS-TÄNZERIN

Meine Erstkommunion,
Meine Eucharistie, mystisches Liebesmahl,
Da die Hostie sprach:
Ich bin Spiegel im Geist, Anima, schau mich an!

Viva, Anima, Frau!


In dem Spiegel von Gott, Gottes Orakel-Schau,
Sah die Anima ich,
Sah die Eucharistie, Tänzerin, Sängerin!

Labyrinthisch der Tanz,


Weiß der Tänzerin Kleid, braun der Geliebten Haut,
Warme Augen und groß,
Voller Tränen, o feucht, Augen als Tränenquell!

Schöne Schmachtlöckchen schwarz,


Marmor-Rücken, ein Bild, Venusidol in braun,
Billiardkugeln die Brust,
Volle bebende Brust, milchpralle Mutterbrust!

Ach wie schmachtend sie singt:


Ohne meinen Gemahl kann ich nicht leben mehr,
Komm nun, früher, mein Tod,
Weil die Seele entfloh, weil mich mein Sein verschmäht!

MAGDALENA

Das war eine Vision,


Magdalena kam schön zu mir vom Himmelreich,
Nicht die Büßerin, fromm,
Nein, die Liebende, schön, wie in der Renaissance!

An dem See Galilee


Traf sie Simon und Gott, Petrus, der liebte sie,
Aber Gott noch viel mehr,
Die Geliebte des Herrn, mystische Ehefrau.

Sie wie Venus so schön,


Die Apostelin kam einmal nach Zypern auch,
Sie verkündete Gott,
Gottes Eucharistie, Gottes heiliges Kreuz.

Und in Frankreichs Provence


Die Geliebte des Herrn kam mit den drei Marien,
Kam mit Salome und
Mit Susanna, die drei Grazien aus dem Meer!

Auf dem Berg der Provence


In der Einsamkeit sie lebte in mystischer
Liebesvereinigung mit
Ihrem Bräutigam Gott, o wie im Ehebett,

Wie im Ehebett Gott


Und die Lieblingin eins, hoch in dem Wolkenbett,
Gottes Flamme der Lust
Sie verzückte im Akt mystischer Einigung,

Dass gen Himmel sie fuhr


Jauchzend! Sie in dem Licht lebt nun im Paradies,
Venushimmel, in dir
Lebt die Heilige nun, Schutzfrau der Liebenden!

Und so kam sie zu mir,


Riss mich durchs Feuer hin, nahm an die Brüste mich,
An die Brüste wie Schnee,
An die Brüste wie Glut, dass ich gen Himmel fuhr!

RÜCKKEHR DER VENUS

An dem Rande des Grabs


Kam noch einmal die Lust, sinnliche Lebenslust!
O, der Schönheit Vision,
Botticelli hat die Göttliche schön gemalt!

Die Ikone der göttlichen


Schönheit, Anbetung der allgebenedeiten Frau,
Die Ikone von Gott,
Von dem weiblichen Gott, Urschönheit auch genannt!
O, wie Aura, der Geist,
Haucht die Psyche, die nackt taucht aus dem Weltenmeer,
Zu der Erde, die schon
Hält den Mantel von Stoff, leibliches Kleid bereit.

Diese göttliche Frau,


Psyche, Göttliche, Sie, neoplatonisches
Ideal und Idee,
Ist die Schönheit in Gott, anbetungswürdige!

Aber Venus kam auch


Als französische Frau, nackenden Oberleibs,
Wallt die Mähne des Haars,
Und sie schüttelt die Brust, göttlichen Busens Pracht!

Und sie öffnet den Mund,


Tut das Lippenpaar auf, saugt an der Traube prall,
Saugt den Lebenssaft ein,
Wollust, göttliche Lust, Lust als das Höchste Gut!

An dem Rande des Grabs


Die französische Frau nackt mir erschienen ist,
Höchstes Gut ist die Lust,
Ist die Lebenslust, Gott, schenk mir die Lebenslust!

FRAU WEISHEIT

In dem Kloster allein,


In der Zelle allein, göttliche Einsamkeit,
Hört ich die Biblia
Singen Weisheitsgesang, göttlich die Weisheit kam,

O, die göttliche Sie,


Weisheit, die Minnerin, Lieblingin für den Mönch,
Meine mystische Braut,
Göttin, Weltseele, Frau, weiblicher Göttlichkeit!

Mal die Schönste der Fraun,


Gib ein glorreiches Bild göttlicher Weiblichkeit,
Idealische Frau,
Reiner Schönheit Idee, das ist Sophia, Gott!

Ich bin Christus am Kreuz,


Gottverlassen, verflucht, fahr ich ins Totenreich,
In der Hölle, ah weh,
Leid ich Christi Passion, stinkendem Satan nah,

Satans Ratten sind da,


Die satanische Pest! Aber Sophia ist
Eingeflossen in mich,
Als am Kreuze ich hing, als mich mein Gott verließ!
THEOS UND SOPHIA

Eine Doppel-Vision
Gottes! Siehe, ich sah Theos im Dialog
Mit Sophia, im Geist
Hört ich predigen sie göttlicher Liebe Ruhm!

Theos sptach von der Lust


Gottes, Liebe zur Welt und zu dem Menschengeist,
Gott, verliebt in die Welt,
Gott hat Lust an der Welt und an des Menschen Herz!

Überfließend ist
Die Agape des Herrn, Quelle der Liebe, die
Liebt den menschlichen Geist
Und den menschlichen Leib, Göttin Agape ist

Selbstlos schenkende Lust,


Die glückselige Lust Gottes an dieser Welt,
Die verströmende Lust
Und die Wonne des Herrn, Göttin Agape ist

Gottes heiligstes Herz,


Gottes heiligster Zug, Göttin Agape wohnt
In der heiligen Brust
Gottes, in Gottes Schoß voller Barmherzigkeit!

Und Sophia sprach schön


Von der Liebe zu Gott oder der Pietas,
Von der Frömmigkeit Heil,
Wenn der Mensch ist verliebt trunken in Gottes Herz!

Ja, der Mensch ist verliebt


In die Gottheit, die ihn liebt voll Barmherzigkeit,
Liebes-Antwort ist dies
Auf das liebende Wort Gottes, der Liebe ist!

So vereint sich der Mensch


In der Liebe mit Gott, Wort ists und Antwort ists,
Der Vereinigung Bett
Ist das dornige Kreuz, das ist das Ehebett!

Und sie sprachen dann schön


Von dem menschlichen Weg menschlicher Liebe, da
Liebt der Mann eine Frau,
Liebt die Frau einen Mann, oder sie liebt ihn nicht,

Der Vereinigung Lust,


Nichtvereinigung Qual! Tödlich die Liebe ist,
Wenn der Mann liebt die Frau,
Gibt sich völlig ihr hin, aber sie liebt ihn nicht!

Schön der liebende Akt


Der Verschmelzung von Mann ist und von lieber Frau,
Aber Minne ist Qual,
Angebeteter Frau Herz ist von hartem Stein,

Wenn der Mann sich verschenkt,


Doch zurück nicht bekommt dies sein geschenktes Herz,
Weh, dann ist seine Seele
Plötzlich seelenlos, tot, und ist zum Tod verdammt!

ENGELIN

Meine Engelin kam


Plötzlich sichtbar von Gott, wusch mir die Füße wie
Christus Petrus getan,
Schwester Engelin schön, salbte mir auch das Haupt.

Und ich sah sie am Bett


Stehn im schneeweißen Kleid, golden gegürtet, Glut
Um die Lenden, das Paar
Weißer Flügel ein Schwert hielt in den Händen licht.

Unterm Wasserfall stand


Meine Psyche, ich sah nackend sie baden, und
Meine Engelin sang:
In dem Himmel dereinst sehn wir uns wieder, Schatz!

An dem Schwanensee ging


Ich und küsste den Pfahl, der an dem Teiche stand,
Meine Engelin so
Grüßend, segnend im Kuss, Schwester im Himmelreich.

Meine Schwester bei Gott


War die Engelin schön, namentlich rief ich sie
Mahanajim, das heißt
Doppellager der Schar Engel im Jabboktal.

Und auf Raffaels Bild


Sah ich ihr Ebenbild, Petrus im Kerker lag,
Mann im Kerker war ich,
Und die Himmlische kam schön und befreite ihn.

An dem Himmel Gewölk


Ließ mich Michael sehn, der mit dem lichten Schwert
Satans Ratte vertrieb,
Schlage drein, Gottes Schwert, ende die Höllenqual!

GUAN YIN
Die Madonna ist Gott,
Chinas Königin, die Guan Yin ich genannt,
Gnadengöttin und Frau,
Mutter, hörend des Wehs Schreie in dieser Welt!

Ihr sei China geweiht,


Seelen-Heimat, ich war weiland in China wohl,
Neugeboren ich bin
In Germanien nun, Chinas Poet, der ich

Trunken schaue zum Mond


In der Einsiedelei, jadener Jungfrau Mond!
Mutter-Königin du
Auf des Westens Gebirg, Göttin des Meeres du,

O Prinzessin im Geist,
Keusche Nonne und Geist voll der Barmherzigkeit,
Frau voll Mitgefühl, Herz,
Gnadengöttin von Gott, Frau der Barmherzigkeit,

Dir sei China geweiht,


Mein chinesischer Geist, der ich geboren bin
Ein Chinese der Tang,
Mönch, in Stille verliebt mönchischer Einsamkeit,

Gott als Mutter verehrt,


Huld, Barmherzigkeit, Gunst, Mitgefühl, Mitleid, Herz!
Herz der Mutter in Gott,
Hab Erbarmen mit mir, Mutter voll Mitgefühl,

Ich bin elend und schwach,


Tief in Not, nah dem Tod, voller Verzweiflung, Qual,
Schwermut, Melancholie,
In psychotischer Pein, Schizophrenie und Tod!

BI

Das Orakel I Ging


Zeigte Anmut mir, Bi, göttliche Anmut, Bi,
Gottes Grazie, jung,
Junges Mädchen so schön, Nachbarin Gottes, Heil!

Wenn ich trunken vom Wein


Und der Einsamkeit Weh, trunken von Tränenflut,
In der Zelle allein,
Schrie zu Gott in der Not, hörte ich kommen Bi,

Anmutsgöttin, o Bi,
Nacht meiner Seele, ich sah Venus mit rotem Haar,
Lang und rotblond gelockt,
Jadevase der Leib, darin die Lilie weiß,
Weiß der Körper und schlank,
Zart wie Jade die Haut, rötlich die Lockenflut,
Voller Grazie ging
Sie zum nächtlichen Tanz, duftend, berauschend, jung,

Schön, wie Leben so schön,


Wie der Frühling so schön, jugendlich graziös,
Wie sie lag in dem Bett,
Und ich schaute den Arm neben der Decke nackt!

Wellensittiche und
Nymphensittiche hat meine geliebte Bi,
Selber Nymphe von Gott,
Gottes Nymphe und Braut, Jungfrau und Tochter, die

Mich zum Tode geführt,


Ich zum Abschied ihr gab scheidend noch ein Geschenk,
Einen Fächer, er lag
Auf der Schwelle der Tür zu ihrem Schlafgemach.

CHINESISCHES MÄDCHEN

Jungfrau Weißgänschen, Traum


Roter Kammer, o Frau, Traumfrau aus Chinas Traum,
Glieder jadezart, weiß,
In dem schwärzlichen Haar, schön in dem Knoten steckt,

Heiratsmündigkeit, Maid,
Deine Nadel von Gold, Elfenbein und Nephrit.
Komm, Geliebte, o Braut,
Du der Liebeskunst Frau, Meisterin höchster Lust,

In dem hauchdünnen Kleid,


Oder lieber noch nackt, Meisterin höchster Lust,
Der Vereinigung Kunst,
Geisterfüchsin und Braut, Dämon der Sinnlichkeit,

Reine Jungfrau zugleich,


Stets verschlossen das Tor, jungfräulich eng die Scham,
Immerwährende Maid,
Immerwährende Braut, komm in das Hochzeitsbett!

HIMMELFAHRT

O Kalvarienberg,
Schädelstätte, Gesicht, Ohnmacht des Geistes, Tod,
Seele, Wiedergeburt
Und Entrückung im Geist oder im Leib, Gott weiß,
Da die Seele entrückt
Kam ins Jenseits, o Nacht, schweigende Nacht im All,
In dem geistigen Raum,
Nicht Materie mehr, Schatten nur oder Hauch,

Da die Toten, die Schar


Schatten, waren vereint, Pilger zum letzten Ziel,
Da ich irrte umher
Unter Toten, die stumm, antlitzlos, Schatten gleich,

Zu der Geistseele sprach


Meine Engelin leis, flüsternden Liebeshauchs,
Zärtlich, schwesterlich sanft:
Halt am Namen dich fest du des Messias, der

Ist das ewige Ziel,


Ich begleite dich treu, Schutzengel bin ich dir,
Mahanajim genannt,
Schutzfrau, dir von dem Gott beigesellt, Engelin.

Und so kam ich zum Tor,


Zu der Pforte zum Licht, himmlischer Pforte, die
Sich geöffnet, ein Spalt,
Und ich schaute ins Licht, blendende Herrlichkeit,

Und ich sah das Gesicht


Jesu Christi am Kreuz, heiliges Angesicht,
Mann der Schmerzen und Gott,
Voll Barmherzigkeit Gott liebevoll sah mich an!

DIE MÖRDERIN

Meine Mörderin, Tod,


Ich hab mein Herz verschenkt, habe mein Blut verströmt,
Meine Seele verschenkt,
Meinen Schatten verkauft, ach, an ein Herz von Stein!

Meine Seele ist fort,


Ausgeatmet der Hauch, saust mir der Atem aus,
Ströme traurigen Bluts
Tat ich opfern den Tod, Schwester des Todes, dir!

Einen Liebesbrief las


Ich vor dem Tod, ich las, Myrrhe, geliebte Frau,
Myrrhe bist du im Kelch,
Galle trink ich im Wein, Essig nur reichst du mir,
Gott, ich trinke den Tod!

Gott, den bitteren Kelch


Voller Liebesweh ich leere bis auf den Grund,
Schwester Todin, du kommst,
Violett ist dein Mund, tödlich dein Kuss, Vampir!

Stech den Dolch mir ins Herz,


Eros, Dämon, du Gott, Muse, gib mir den Tod,
Fegefeuer, ich komm,
Abzubüßen den Mord, Jesus, erbarme dich!

MADONNA DER TODESSTUNDE

Zappelnd lag ich im Blut,


Meine Seele, sie pfiff, sausend und säuselnd, Hauch,
Letzten Augenblicks Schau,
Die Madonna erscheint, Jungfrau und Königin!

Überm Sterbenden schwebt


Die Madonna im Kleid, rot wie die Rose rot,
Und im Mantel, so blau
Wie des Ozeans Blau oder des Himmels Blau.

Schön der Schleier des Haupts,


Schön das bräunliche Haar, schöner das Angesicht,
Augen, meerblau und licht,
Augen, lächelndes Licht, lächelnder Lippen Gruß!

Da du zappelst im Blut,
Psyche, tödlich verletzt, nun kommt der Bräutigam,
Kommt der Heiland zu dir,
Schenkt der Psyche das Heil, Heilung und Heiligung!

Psyche, da dich verschmäht


Deine Mutter und dein Vater, so zappelst du
Nun im Blut in dem Gras,
Nackte Jungfrau, schon wuchs prachtvoll die pralle Brust,

Schon die Lockenflut wuchs


Und das Schamhaar so kraus, keusch um den Venusberg,
Nun der Bräutigam kommt,
Blutes Bräutigam, der blutig vermischt mit dir,

Deine Pein ist sein Schmerz,


Deine Qual seine Qual, nun zu der Hochzeit kommt
Dein Gemahl und dein Gott,
Nackte Psyche und Braut, Eros und Psyche eins!

Und so lebe nun du,


Werde Lilie weiß, werde zur Lilie keusch,
Blüh als mystische Braut,
Tu den Kelch auf, so tief ist deiner Blüte Kelch,
Für die göttliche Lust!
Denn die göttliche Lust kommt als dein Bräutigam,
Psyche, kommt als dein Gott,
Das ist Gottes Natur, Liebesvereinigung!

RUSSLANDS MUSE

Charismatikerin,
Russlands Muse und Braut Heiligen Geistes, schön
War ihr rotblondes Haar,
Feuerzungen vom Glut loderten auf dem Haupt.

Wie Sibiriens Schnee


Rein, dem Baikal-See gleich war sie an Reinheit, keusch,
Die den Ehebund pries
Und das Konkubinat Sünde genannt und Schuld.

Die Ecclesia sie


In dem pfingstlichen Geist, welche in Zungen sprach,
Sang in Zungen Gesang,
Lallte Lobpreis dem Gott, jauchzte, frohlockte, sang!

Eine schneeweiße Frau,


Eine heilige Frau sie mit dem Hermelin,
Leonardo hat sie
Schön in Farbe gemalt, Freude der Keuschheit sie!

Ob Marina sie las


Oder Anna sie las oder den weisen Block?
Ich besang diese Frau
Als Jerusalem, Braut Heiligen Geistes, rein!

O Jerusalem, Frau
Du des Lammes und Braut, Nymphe des Bräutigams,
Rein wie Jaspis, Kristall,
Regenbogen und Gold, Perlen, Smaragd, o Frau!

Von dem Himmel herab


Kommt Jerusalem, Braut, schön für den Mann geschmückt!
Wissend von Poesie,
Von französischer Kunst und von dem Zungensang!

DIE SIEBENTE KÖNIGIN DER APOKALYPSE

Reine Jungfrau, wie schön


Die Getaufte im Bad, Wiedergeborene,
Blondes Mädchen, wie schön,
Taube Gottes und Frau, Schwester der Christenheit!

Wie die Katze so sanft,


Katzenköpfige Frau, Göttin der Katzen sie!
Eine Stute, so mild,
Vor dem Wagengefährt Pharaos edles Ross!
Wie sie Chinas Poet
Sang als Himmlische Gans, so wird der Schwan genannt,
Jade-Jungfrau so rein,
Meh-Meh, Schwesterchen, Braut Christi und Gottes Kind!

Ihr prophetischer Traum


Zeigte schön ihr das Aug göttlicher Taube, Gott,
Gott sprach, Elohim sprach:
Balde kommst du zu mir, kommst du zur Hochzeit, Braut!

Da das Wissen, das Wort


Gottes wurde gesucht, sagte der Prediger:
Eine Frau ist zu sehn,
Eine heilige Frau, apokalyptische

Frau und Nymphe des Lamms,


Diese Jungfrau ist die siebente Königin
Der Entschleierung, die
Magnum Signum genannt wird von der Prophetie!

Und der Kelch war voll Wein,


Und der Kelch war voll Blut, mystischer Kelch voll Glut,
Und die Taube war weiß,
Und die Taube war sie, Taube der Liebesglut!

Und wie Henoch entrückt


Ward die selige Frau, ritt wie Elias einst
Auf dem feurigen Ross
Zu der Hochzeit mit Gott, heiliger Hochzeitsnacht!

DIE SANFTE DEMÜTIGE

Wie sie sanftmütig war,


Wie voll Demut und gut, fromm und bescheiden sie,
Wie begierig sie war,
Evangelien zu hören vom Prediger!

Wie das heilige Herz


Jesu, demütig, sanft, so war die Frau und mild,
War so zauberhaft fein,
War so lieblich charmant, himmlischer Güte voll!

Gottes Güte, ja, Gott


War ihr Urbild und sie göttlicher Güte Bild,
Wie der Bräutigam gut,
Sie, die gütige Braut, voll von der Anmut Charme!

Wie sie lächelte süß,


Eine Grazie sie, reizende Nymphe sie,
Eine Engelin sie
In dem reizenden Leib göttlicher Cypria!

Engel, Nymphe und Gott,


In ihr alles zu sehn, offen die Seele stand,
Marianisch ihr Geist,
Die Madonna im Leib nackender Venus, ah!

VIRGO SPONSA

Die Madonna erschien


Gottverlassenem Mann, der in Gethsemane
In dem Garten geweint:
Meine Seele betrübt ist bis zum dunklen Tod!

Sie, die ewige Frau,


Ist als Jungfrau genaht, Braut und Madonna, die
Mit Barmherzigkeit nahte,
Mutter, jugendlich schön, mehr noch als Mutter, Braut!

Sie, die ewige Frau,


Gertrud lobte sie klug, heilige Dichterin,
Die Madonna im All
Schwebte, brennend ihr Herz war voller Liebesglut!

Die jungfräuliche Braut


Im poetischen Werk ist die ersehnte Braut,
Die platonische Freundin,
Stellvertreterin ist ewiger Frau die Frau,

Marianisches Bild,
Die Ergänzung des Alls, ewige Weiblichkeit,
Die den Dichter hinan
Zieht zum ewigen Gott ewiger Liebesglut!

VERLOBTE IMMACULATA

O du seliges Lourdes
In Südfrankreich, du Quell himmlischer Liebeshuld,
Da Madonna erschien
Einem einsamen Mann abseits vom Pilgerstrom

Im Gebirge allein,
Da sah er ihrem Mund, kussliche Lippen rot,
Und Madonna voll Liebe
Sagte: Sei mir verlobt! Ich geb mein Ja-Wort dir,

Liebling, ich sage Ja,


Sage du nun auch Ja, sei du mein Bräutigam,
Sei mein Josef, sei rein
Wie die Lilie weiß, lebe im Zölibat!
Und mit kusslichem Mund
Küsste Unsere Frau mich in dem Seelengrund
Und ich sagte mein Ja
Als Verlobter der Frau, Schwiegersohn Gottes ich!

Und ich sang ihr ein Lied,


Hohelied voller Lust seliger Liebesglut
In französischen Lieds
Zungenrede, ich sang selig voll Liebeslust,

In Verzückung im Geist,
Voll Agape von Gott, heiligen Geistes Kuss,
Meine Wonne und Lust
Die Madonna und Braut, mystische Sulamith!

MORENITA MIA

Und ich sah die Vision:


Vor Maria, dem Bild, Papa Johannes Paul
Betend, sie war so schön,
Dass ich weinte, ich sah völlig mein Ideal,

Morenita! Die Frau


Göttes, Kaiserin, Braut, Mädchen Amerikas,
Schwarz die Haare und lang
Und charmant war ihr Mund, süßer das Lächeln als

Mona Lisa, die Frau,


Für ihr Lächeln berühmt, schöner Marias Mund,
Und die Augen so groß,
Mandelförmig und braun, Photographie im Blick,

Augenlider so schwer
Und so zärtlich der Blick, Brauen der Augen fein,
Und dann sang sie ihr Lied
Indianischen Stils: Höre, mein Sohn, mein Schatz,

Lass von Kummer und Gram,


Siehe, ich bin doch da, ich bin doch deine Lust,
Deine Wonne und Lust,
Und du ruhst mir im Arm, brauchst du denn mehr als das?

Und ich sang ihr mein Lied:


Tochter, Mädchen und Kind, meine Geliebte du,
Ich dein Adlerschwanz, ach,
Du bist Alles für mich, heiligstes Ideal!

BRAUTMYSTIK
Ich wie Christus, o Frau,
Du die Kirche, o Braut, Freundin des Bräutigams,
Ich das ewige Wort,
Du die Meditation, Schweigen, Gehorsamkeit!

Ich der Bräutigam, Braut,


Du die mystische Braut, Freundin des Geistes du,
Ich aus Liebe am Kreuz,
Du die Eva, die Frau, Mutter der Lebenden!

Du die heilige Frau,


Als dein mystisches Herz Christentum anonym,
Ich der Bräutigam Wort,
Du die Frömmigkeit, du Sanfte, Holdselige.

Ich der Heilige Geist


Voll der liebenden Glut, komme wie Zungensang,
Du Madonna, so hold,
Geistes Inkarnation, weibliches Sakrament!

Du Madonna im Bild,
Ich der Christus im Bild, mystischer Hochzeit Paar,
Braut und Bräutigam wir,
Nicht im sinnlichen Fleisch, aber in Platons Geist!

GEISTZEUGUNG IN SCHÖNHEIT

Auf platonische Art


Liebte ich die Idee göttlicher Schönheit, die
War vollkommen und ganz
Gottes Abbild und Glanz, fast eine Göttin sie!

Auf platonische Art


Zeugte göttlicher Geist keusch in der Schönheit Schoß,
Die empfänglich war, Frau,
Die Empfängnis des Geists, ganz wie Madonnas Schoß.

O du lauschendes Ohr,
O du Muschelohr, du hörtest das Gotteswort,
Evangelium du
Hörtest offenen Ohrs, schweigend Empfängliche.

Dies Erotik im Geist,


Meine Stimme, dein Ohr, Phallus und Vulva fast,
Ich der heilige Geist,
Du empfänglicher Schoß weiblicher Schönheit, du

Femininer Empfang
Maskulinen Gebots, mystische Hochzeit dies,
Die Vermählung in Gott,
Zeugend mystisch den Sohn, das war die Frucht der Kunst.
Ich das männliche Yang,
Du das weibliche Yin, Animus, Anima,
Alchemystischer Akt
Der Vereinigung und mystisches Hochzeitsfest,

Da geboren die Kunst,


Du die Muse, und ich Priester der Muse, Kunst
War der mystische Sohn,
Sohn von Sonne und Mond, Knabe von Gottes Art.

EVA

Ach, berauscht von dem Gift,


Von der Rauchsäule Qualm, Marihuanas Kuss,
War ich im Paradies,
Edens Garten, in mir, mystischer Garten, Hain,

Da mir Eva erschien,


Jung und sinnlich und schön, reizend und schön und nackt,
Ich war Adam, der Mann,
Stark die Lende, das Glied, Fruchtbarkeitsgöttin sie,

In der Sinnlichkeit Hain


War voll Eros Natur, Weltseele, Eros, eins,
Die Natur war voll Lust,
Voll Erotik Natur, alles war Leidenschaft!

Blau die Blume erblüht,


Tauben ruckten Gegurr, girrendn Lockrufs heiß,
Flügelspreizend beim Akt,
Die Gazelle, der Hirsch, alles voll heißer Brunft!

Garten Eden, o Hain


Voller Lebenslust, voll sinnlicher Leidenschaft,
Da der Liebesakt schuf
Die Natur und der Akt heiliger Hochzeit schuf

Paradiesische Aun,
Liebeswelten voll Lust, Seligkeit, Wonne, Glück,
Und ein Himmelreich
Mutter Erde im Licht, Himmel und Erde eins,

Paradiesisch erblüht
War das himmlische Reich, Adam und Eva eins,
Eins der Hirsch und das Reh,
König Salomo eins mit seiner Sulamith,

Das war göttliche Lust,


Schöpfungswonne, wie Gott sie beim Erschaffen hat,
Gott, der zeugende Gott,
Gott voll göttlicher Lust, schöpferisch fruchtbar Gott!
DIE NYMPHE

Schön und lieblich war sie,


Reizend in diesem Hauch eines Gewandes, ach,
Da die Brüste zu sehn,
Mit dem Muttermal auch braun auf der linken Brust.

Nur ein Schleiergewand,


Nackt der weißliche Arm, nackt auch das weiße Bein,
Und der Minirock kurz,
Und der Slip war zu sehn, Seide und Spitze schwarz.

Und der Nabel gewiss


Ist sehr schön in der Form, und die gekrauste Scham,
Wie in Träumen zu sehn,
Wie der Maler gemalt, Ursprung der Welt, den Schoß!

Wenn im Garten sie stand


In dem Minirock und offen im Hemd die Brust,
War viel Glut in dem Grün,
Eros in der Natur, alles war Sinnlichkeit,

Alles Leidenschaft pur!


Und zu rühren die Brust leichthin im heitern Spiel,
Zu entkleiden die Frau
In dem nächtlichen Traum und in dem Traum am Tag!

DIE ABSOLUTE GÖTTIN UND DAS NICHTS

Göttin, Anbetung dir,


O Geliebte, mein Gott, Anbetungswürdige!
Ganz im göttlichen Glanz
Stehst du vor mir, o Frau, glorreiche Herrlichkeit!

In dem göttlichen Licht


Deiner Aura erscheinst du mir als weibliches
Antlitz Gottes, o Frau,
Feminines Gesicht Gottes, der Ewigkeit!

O Allmächtige du,
Herrlich bist du und groß, Herrin und Herrscherin,
Allgewaltige Frau,
Göttin bist du in Gott, Spiegel von Gott als Frau!

Aber ich bin ein Nichts!


Ich ein Nichts vor dem Gott, der in der Frau erscheint,
Wie Odysseus ein Nichts,
Niemand bin ich genannt, Staub unterm Fuß der Frau!
Du bist Atem und Geist,
Leben, Weltseele, Sein, ewige Göttlichkeit,
Ich bin Niemand und Nichts,
Deinen Schatten nur lass küssen mich in dem Staub!

SCHLEIERTANZ DER ISIS

Wie geheimnisvoll sie,


Die mir Lieblingin war, tief in der Seele sie
Sah ein inneres Weib,
Lang das schwärzliche Haar, nackend der schöne Leib,

Kaum in Schleier gehüllt,


Stand vorm Spiegel sie nackt, tanzte den Schleiertanz,
Seelen-Schleier der Frau,
Ist ein Rätsel die Frau, sei sie vom Mann gelöst,

Das Mysterium Frau,


Das Mysterium Gott, sind im Geheimnis eins.
Isis tanzt ihren Tanz,
Sieben Schleier um sie, göttliche Isis, die

Legt die Schleier im Tanz


Lächelnd ab, bis zuletzt auch noch der siebente
Schleier fällt und sie nackt
Vor dem Mystiker steht, nackt und zum Akt bereit!

So Johannes vom Kreuz


Von der Liebe von Gott sagte, der Mystiker,
Gottes Liebe, verhüllt,
Schleier ablegend, ah, Schleier um Schleier, bis

Sie den letzten noch trägt,


Nur den siebenten Hauch, der zwischen Gott steht und
Dem erkennenden Mann,
Und der Mystiker will Gott ganz erkennen, doch

Noch die Gottheit verhüllt


Ist nicht vollkommen nackt, so dass der Fromme ruft:
Gottheit, reiße herab
Noch das letzte von Kleid, dass du mir nackt erscheinst,

Rasch, den Schleier herab,


Gott, entkleide dich ganz, dass du mir nackt erscheinst,
Zu der Hochzeit bereit,
Zur Vereinigung, ach, - aber das ist der Tod!

ARABISCHE MUSE DER MYSTIK

In Arabiens Lied
Herrscht kein heiliger Krieg, sondern die Liebe nur,
Da war Layla zuerst,
Medschnun wurde verrückt, wahnsinnig von der Lust!

Dann hat Märchen erzählt


Im erotischen Ton Scheherezade schön,
Wie die Liebe gelingt
Und man selig verbringt tausend und eine Nacht.

Auch Suleika war schön,


Die den Josef geliebt, wie der Koran gelehrt
Und die Bibel es sagt,
Voll Verlangen und Lust war sie und Liebesglut.

Und Boteinah war jung,


Dschemils Nichte war sie, aber von Herzen treu,
Doch die Mutter war streng,
Ließ den Mann nicht zur Frau, Dschemil ging ins Exil.

Und Aischa war frech,


Hat gepinkelt im Buch, da hat man sie verklagt
Dreisten Ehebruchs, doch
Liebte sie der Prophet. Was ist am Pinkeln schlimm?

Aber Fatima jung


Hat gelitten viel Schmerz, sie hat den Sohn verlorn,
Terroristisch gequält
Ward die heilige Frau. Unbekannt ist ihr Grab.

Und Maria zumeist


Hat Messias geborn als eine Jungfrau rein
Von dem heiligen Geist.
Und zu Füßen der Fraun schön ruht das Paradies.

In dem Himmelreich wird


Mich beglücken die Schar Huris im Liebeszelt,
Stets jungfräulich und frisch,
Nach dem Liebesakt neu wieder jungfräulich eng.

JUNGFRAU TORAH

In dem Himmelspalast
Lebt die Jungfrau Torah. Manchmal der Mann der Schrift
Sieht am Fenster sie stehn,
Manchmal zeigt sie sich dort, Liebe zu reizen, dann

Will er öfter sie sehn,


Denn die Jungfrau ist schön. Salomo kannte sie,
Und er sagte von ihr,
Sie sei hold wie ein Reh, scheues Gazellenkitz.

Warum ist die Torah


Eine Hindin? Weil ihr Muttermund ist so eng,
Wie die Jungfrau so eng
Ist gebaut in der Nacht bräutlicher Einigung.

Und so bleibt sie denn auch


Jungfrau, eng bleibt ihr Schoß. Und ist der Weise alt,
Kann er paaren sich nicht
Mit der Ehefrau, weil beiden zu dick der Bauch,

Dass das Glied nicht zum Schoß


Kommen kann bei dem Paar. Aber Torah bleibt jung,
Bleibt jungfräulich und schlank,
Eng gebaut bleibt ihr Schoß wie in der Hochzeitsnacht.

Ob der Weise studiert


Zwanzig Jahre Torah, ob er schon fünfzig ist,
Sechzehn Jahre jung sie,
Immer jung, immer frisch, wie an dem ersten Tag.

Wenn der Weise schon längst


Überdrüssig des Weibs, weil sie so alt und dick,
Böse Furie, doch
Zur Erinnye zu fett, ist sie zuwider ihm,

Doch die Jungfrau Torah


Liebt er immer noch, wie einst an dem ersten Tag,
Immer schöner wird sie,
Und ihr Hymen intakt schenkt ihm die höchste Lust!

SCHECHINAH

Adam war nicht allein,


Bei ihm Schechinah war, mystische Adams-Braut,
Gottes Einwohnung sie,
Adam war so vermählt, mystischer Gottesmann.

Jakob hatte zwei Fraun,


Rahel, Lieblingin, und Lea, die Fruchtbare,
Himmelstreppen-Vision,
Auf der Treppe stand hoch Königin Schechinah!

Josef wurde verkauft,


Weil er Lieblingssohn war, neidisch die Brüder, doch
Im Gefängnis mit ihm
War die Schechinah, ließ Träume ihn deuten klug.

Mose trat in das Zelt,


Wolke, Herrlichkeit, Licht, da war die Schechinah,
Moses Antlitz voll Glanz,
Weil er mit ihr verkehrt, Mystiker Schechinahs.
In dem Hohelied singt
Jahwe, Bräutigam-Gott, mystischen Brautgesang
Seiner Schechinah-Braut,
In der Gottheit vereint Bräutigam sind und Braut!

BIBLIA

Nimm die Biblia dir


Doch zur Freundin, o Mönch, sei sie Geliebte dir!
Wie ein Liebesroman
Die Geschichte der Lust ist an der Biblia.

Erst du sieht an ihr nur


Ihren Schmuck und ihr Kleid, reizendes Hauchgewand,
Da du wortwörtlich nimmst
Und historisch das Wort, äußerlich liebst du sie.

Doch dann zieht sie sich aus,


Du siehst nackend den Leib, liebst sie voll Lustbegier,
Da Moralien du
Allegorisch erkennst, liebst du das nackte Buch.

Dann die Seele erkennst


Du, ihr Inneres, und liebst ihre Seele bloß,
Da du mystisch verstehst,
Wie sich Gott offenbart ewig im Menschenwort.

In der Seele nur Gott


Liebst du, Biblia dir offenbart Gott, sonst nichts,
In die Gottheit verliebt,
Wirst du Gott sein in Gott, gänzlich vereinigt sein!

DIE KEUSCHE

O Castissima, o
Sankt Susanna, o Frau voller Geduld und sanft,
Keusch und demütig, rein,
Lieb, holdselig, charmant, voll von der Frömmigkeit!

Was die Christinnen sind,


Bräute Jesu, zu sehn ists an der keuschen Frau.
Und sie kleidet sich schön,
Sie verschleiert sich keusch, geht nicht wie Eva nackt.

Von Madonna belehrt,


Lieb die Mode ich der heiligen Jungfrau, die
Nicht als Venus erscheint,
Aber feminin doch, anmutig, keusch und rein.

Auch die Ehe ist nicht


Ohne Keuschheit und Zucht, nicht die Erlaubnis zu
Unzucht, Sünde und trieb-
Hafter Begierlichkeit, nein, rein sei das Ehebett.

Nicht Fellatio und


Cunnilingus, dazu Masturbation und nicht
Wie der Lustknabe tut,
Der den Po bietet an, das tut die Ehe nicht.

Sie verhütet auch nicht,


Nimmt nicht Pille, Kondom oder Spirale, nein,
Offen ist für die Frucht
Stets der ehliche Akt, offen für Leibesfrucht,

Sex macht Babys, so denkt


Keusch die Ehefrau, wird abtreiben nicht die Frucht,
Sondern lieben das Kind
Und im Glauben erziehn. Schön ist die keusche Frau,

Heilt die Wunde im Herz,


Krankenschwester des Herrn. Wahrlich ich ehre sie,
Und ich freute mich sehr,
Als ich zufällig jüngst sah ihre nackte Brust.

GOTTESMUTTER MIT KNABEN

Gottesmutter, wie groß


Bist du mit deinem Sohn, der dir am Busen saugt,
Mutter, jugendlich schön,
Ja, ich sah dich im Bild, da du mit Kindern drei

Warest in der Natur


Bei den Schafen und dem Widder an dem Kanal
Und im atmenden Wald,
Die drei Knaben voll Lust jauchzten um deinen Rock,

Dass ich ketzerisch dich


Nenne Mutter der drei Götter in Einigkeit,
Vater, Sohn und der Geist,
Sie sind alle in dir, Frau der Dreifaltigkeit.

Und ich formte dein Bild,


Eine Göttin aus Ton, nannte sie Vierge Ouvrante,
Der im göttlichen Schoß
Die Dreifaltigkeit war, Vater und Sohn und Geist.

Und ich Armer dabei


Stand wie Josef so keusch, wenn dir am Busen nackt
Saugte Jesus voll Lust,
Bliebest unberührt du. Ich in dem Zölibat
Sah Madonna am Meer,
Wie sie lag in dem Sand weißlichen Meeresstrands,
Und ihr Gürtel voll Pracht,
Und ich wusste nicht recht, ob ich Madonna seh,

Oder Venus, so schön


War die Mutter der drei lieben Personen. Gott
War ein Knabe für mich,
Ein dreifaltiges Kind, das hat an mich geglaubt,

Ja, ich betete an


Gott, das göttliche Kind! Aber das Jesuskind
Glaubte selber an mich,
Jesus betete fast mich an als seinen Gott.

RUACH-MARIA

Gott, der Heilige Geist,


War für mich eine Frau, Ruach ward sie genannt,
Wie der blasende Wind,
Wie der Atem in mir, Ruach-Maria sprach

Meditierend mein Geist.


Und ich atmete ein Ruach im Atemfluss
Und ich atmete aus
Die Maria, die Frau, innere Frau in mir,

Mein lebendiger Hauch


War voll göttlichem Hauch, Ruach-Maria war
In mir atmender Hauch
Gottes, Leben und Geist, Atemhauch feminin.

Und Maria war mir


Quasi Inkarnation göttlicher Ruach-Frau,
Und die Jungfrau ein Bild
Der Jungfräulichkeit der ewigen Gott-Natur!

SOPHIA-NATUR

Still ich stand an dem Strand


Auf der friesischen Sylt, hörte das schöne Meer
Rauschen, sah in der Luft,
In dem Äther ein Bild, himmlische Venus wars,

Oder Jungfrau Sophie,


Reine Weltseele, Geist, Göttin des Meeres und
Göttin heiliger Luft,
Seele schöner Natur, weiblicher Geist im All.

Meereskönigin du,
O Maria, du tauchst nackend aus Meeresschaum,
Da den Rosenkranz ich
Meditiere, du bist Aphroditissa, Frau,

Nicht am zyprischen Strand,


Nein, am Strande von Sylt, Göttin der Friesen, Frau,
Hab ich nackt dich gesehn,
Wie du rauschtest im Meer, badetest deinen Leib.

Komm und rausche zu mir,


O Maria-Sophie, Göttin des Meeres, nimm
In den Ozean mich,
O du Nymphe von Gott, komm zu der Hochzeit nun,

In den Ozean nimm


Mich, ins meerische, ins Fühlen von All und Eins,
Zu des Ozeans Gott,
In den Ozean der ewigen Liebeslust!

MARIENS BRÜSTE

Der Geliebten, der Frau,


Brüste prachtvoll und schön, denke ich an die Brust
Der Madonna, sie stillt
Auf dem Bilde das Kind, Galaktrophousa sie,

Spendet Muttermilch Gott!


Darum Gott wurde Mensch, um an des Weibes Brust
Milch zu saugen voll Lust.
So der Lieblingin Brust stillte den kleinen Gott,

So Maria auch mich


Legte, ach, an die Brust, selig am Busen ruht
Meine Seele voll Lust,
An der schneeweißen Brust, Busen, der prall von Milch.

So das Testament des


Ersten Bundes und das Testament neuen Bunds,
Sind zwei Brüste, ich trink
Milch der Weisheit daran, sauge der Weisheit Brust.

Und Maria-Sophie
Spendet Muttermilch mir, ihrem geliebten Kind,
Reicht die Brust voller Wein
Dem geliebten Gemahl, mystischer Weisheit Wein.

Eine Brust gibt die Milch


Puren himmlischen Glücks, Caritas nährt mich so,
Und die andere Brust
Gibt Ekstase des Weins mystischer Frau Sophie.
Und ich sehe die Brust
Der Madonna, das Kind saugte so stark an ihr,
Dass die Milch wurde Blut,
Ward zum mystischen Blut, trunkner Ekstase Rausch.

Und mit Augustin ich


Weiß nicht, wohin ich schau: Schau ich zum Blut des Herrn?
Zu der Milch Unsrer Frau?
Und im Sakrament ich trinke Mariens Milch.

VERLOBTE SOPHIA

Kap Arkona, du sahst,


Insel Rügen, du sahst meine Verlobung, Braut
War die Jungfrau Sophie,
Und der Bräutigam ward Josef von ihr genannt.

Der Verlobungsring war


Wundertätiges Bild schöner Medaille der
Unbefleckten Marie,
Gottes Talisman, mir angelegt von der Braut.

Und die Brautjungfern schön


Waren Kinder der Frau, die mich begleitete,
Voller Lust das Geschrei
Kleiner Zwerge am Meer und an dem weißen Fels.

Und die Hochzeitsmusik


War das Rauschen des Meers, heilige Symphonie,
Ozeanisches Lied
Voll der seligen Lust, Hochzeitsgesang in Dur!

Und der Segen des Herrn


War der Donner von Gott, Regen und Sturm und Blitz,
Himmel offen, vom Thron
Gottes zückte der Blitz, Gott sagte Amen, Ja!

Und der Bräutigam schwor


In dem mystischen Pakt zölibatär zu sein,
Ja, die Lebenszeit soll
Fromm, jungfräulich sein und einzig der Frau geweiht,

Einzig Jungfrau Sophie,


Eine Ehe mit Gott, mystischer Gottespakt,
Und es lachte Sophie:
Jetzt verlobt sind wir nur, leb in des Glaubens Nacht,

Doch im Himmelreich einst


Wir die Ehe vollziehn, ich geb mein Perllein hin
In dem himmlischen Bett,
Wo im mystischen Akt wir dann verschmelzen ganz!
KINDHEITSLIEBE

ERSTE POESIE AM BLAUEN FENSTER

Ich saß in meinem Zimmer vorm Fenster und


Sah auf die Erle. Dämmerungsstunde, blau
Die Luft, wie Meere blau der Himmel,
Da kam die Muse der süßen Wehmut.

Ich nahm ein leeres Schulheft zur Hand und schrieb


Mit blauer Schrift aufs weiße Papier, Erguss
Des ersten süßen Musenkusses,
Knabe, ich zählte erst dreizehn Jahre.

Gesicht des blauen Abends, der Wehmut Traum,


Vision der Zukunft, sehnsuchtsvoll, friedlich still,
Weltseele, melancholisch, schweigsam,
Göttlicher Anhauch der jungen Muse.

Ich schrieb, ich weiß nicht, was ich geschrieben hab


Und zeigte das den Eltern, sie blieben stumm.
Poet, kein Echo auf dein Singen,
Du ein verkanntes Genie, doch singe!

ABENDROT, DIE ENGLEIN BACKEN BROT

Wenn Abendröte glühte am Horizont,


So backten dort die Engel das Engelsbrot.
Wenn Angler saßen am Kanale,
Grüßten sie: Heil dir, Apostel Petrus!

Der Tannenbaum zur Weihnachtszeit und Gesang:


Kommt, Kinder, kommt zu Bethlehems Stall! Und seht,
Maria liegt im Stroh mit Josef,
Seht auch im lockigen Haar den Knaben!

O Weihnachtsfest, um Mitternacht, Kirchengang,


In Sankt Ansgari Unsere Liebe Frau,
Maria, unser Weihnachtsmädchen,
Und in der Krippe das blonde Baby.

Und Oma sang: Die Rose entsprungen ist!


Ich dachte, dass ein Rösslein entsprungen sei,
Der Pegasus der Musenquelle,
Mutter Medusa hat ihn geboren!
DIE EISENBAHN

Wie schön war meine Eisenbahn, das Modell,


Mit Bahnhof und mit Lokomotive, und
Mit Berg und Tal und grünen Eichen,
Riesig die Anlage stand im Keller.

Und durch das Dorf auch zogen die Schienen fort,


Ich las von Abenteuern des Schienenstrangs.
Auch durch den Wald die Schienen zogen
Bis zu der sinkenden roten Sonne!

O Fernweh! Oder Heimweh zum Horizont!


O roter Sonnenuntergang! Totenreich
Im Westen! Heimweh in den Himmel!
Sehnsucht nach ewiger Lebensfülle!

Wär Führer ich der Lokomotive doch!


Berufswunsch meiner Kindheit – ein Führer sein,
Mir nach, Genossen! Folgt mir, Männer!
Ich will den Weg euch zum Himmel führen!

LENZ PARK

Der Garten an dem Haus meiner Kindheit war


Ein Park, der Park der älteren Dame Lenz,
Dreihundert Jahre alte Buchen
Schauten auf bunteste Krokuswiesen.

Der Apfelbaum trug Früchte im Herbst, ich aß


Die sauen Äpfel immer zu einem Buch,
Ich aß die Bücher, aß die Weisheit,
Äpfel vom Apfelbaum der Erkenntnis.

Auch saure Kirschen hingen am Kirschbaum, rot,


Tiefrot, fast violett war die saure Frucht,
Kirschbommeln überm Ohre, Mädchen,
Das ist als Ohrringe vielmals schöner.

Und Pflaumen hingen süß an dem Pflaumenbaum,


Geteilt die Pflaume, zeigt sie das weibliche
Geschlecht, die süße Göttin Vulva,
Denn die Natur ist erotisch, sinnlich.

Und stets im Sommer weidete dort ein Lamm,


Von Bauern ausgeliehen, das fraß nur Gras,
Das fraß und schlief und pisste täglich,
Fraß auch die Marihuana-Blume.

Und wenn vom Garten Eden ich hörte, dacht


Ich immer an den Garten der Dame Lenz.
Ich sprech auch nicht von Frühlingsfreude,
Sondern chinesisch nur stets von Lenzlust.

Und immer Ostern, selige Osterzeit,


Und immer Ostern blühten die Krokusse,
Der weiße, lila, gelbe Krokus,
Wahrlich, der Christus ist auferstanden!

ERSTE LIEBE IM KINDERWAGEN

Ich saß im Kinderwagen, die Mutter stand


Mit meinem Bruder neben dem Wagen und
Das kleine Nachbarmädchen schaute
Liebevoll süß in den Kinderwagen.

O erste Liebe! Tochter Athenes du!


Hast du geprägt des Liebenden Ideal?
War die Idee schon in der Seele?
Das wusste selbst nicht der alte Goethe.

Und aus Hannover nahte Marita im


Karierten Röckchen, schneeweißen Hemdchen, und
Wir standen an dem Schwanenteiche,
Fütterten Enten und Trauerschwäne.

Und dann im Park von Lütetsburg bei dem Schloß


Saß mit Marita ich auf der weißen Bank:
Der Pilger findet hier die Ruhe,
Hier auf der Seligen Liebesinsel.

MEINE COUSINE PETRA

Aus Hameln war gekommen, aus Bad Pyrmont,


Cousine Petra, niedliches Mädchen, süß,
Im Sommer spritzten wir mit Wasser
Nackende Körper erfrischend nass und

Dann legte ich mich schlafen – ich tat nur so,


Sie kam, mich wachzuküssen – o erster Kuss!
So werde ich mich schlafen legen
Einmal auf gnädigem Totenbette

Und Unsre Liebe Frau kommt zu mir und küsst


Mich wach, ich werde auferstehn von dem Kuss!
Ja, Schwester Todin wird mich küssen,
Wie mich die himmlische Petra küsste!

DIE KINDERBIBEL
Wir hatten in der Schule auch Religion
Und eine Kinderbibel zum Lesen auch.
Ich kann mich noch sehr gut erinnern:
Samuel schlief in dem Tempel Gottes,

Ein kleiner Knabe Samuel, als ihn Gott


Berufen zum Propheten in Israel,
Noch kannte er nicht Gottes Stimme,
Dachte, es rief ihn der alte Priester.

Doch Gott rief zweimal, dreimal, und Samuel


Vernahm den Ruf. Ich auch hörte Gottes Ruf,
Beim Lesen in der Kinderbibel
Hörte ich auch, dass mich Gott berufen!

MEINE GESCHICHTE FÜR OMA

Ich schrieb für Oma eine Geschichte zum


Geburtstag, da sie saß zu der Rechten des
Pastoren, welcher aus der Bibel
Vorlas das Psalmlied vom guten Hirten.

Da saßen in dem Garten der Dame Lenz


Die Kinder in den Bäumen und bliesen die
Posaunen von der Auferstehung:
Gott ist das Leben, die Auferstehung!

Ich schrieb den Text in Kalligraphie und band


Die Blätter schön zum Buche und gab es ihr,
Poet des Glaubens und der Damen.
Großmutter war meine erste Muse.

SCHMETTERLINGSFLIEDER IN OMAS GARTEN

Es stand ein lila Schmetterlingsflieder stolz


In Omas Garten, neben den Fuchsien
Und den Geranien der Terrasse,
Neben den strebenden Bohnenstangen.

Und um den lila Schmetterlingsflieder war


Von Schmetterlingen stets ein Gewölk, Monarch
Und Admiral, Kohlweißling strahlend
Oder der gelbe Zitronenfalter.

Am liebsten mochte ich den Monarchen, der


Im Purpurmantel schwebte im Himmelreich.
Und Oma lehrte mich die Weisheit:
Rühre du nie an die Falterflügel,

Denn sonst verlieren Puder und Schminke sie


Und sie verlieren all ihren Zauber und
Sie sterben wie gemeine Motten.
Das war die Weisheit der Knabenweihe,

Von da an wusst ich: Rühre kein Mädchen an,


Denn nur die Unberührten sind zauberhaft,
Doch die Berührten werden sterben
Wie eine Motte im Licht der Kerze.

TEEZEREMONIELL

Ein feines Porzellan wars mit Rosenschmuck,


Mit grünen Blättern, rosiger Blüte, da
Der schwarze Tee ward aufgekocht und
Eingeschenkt dann in die feinsten Tässchen.

Der Tee war rötlichbraun und die Sahne weiß,


Der schwarze Tee war bitter, der Kandis süß.
Drei Tassen tranken die Ostfriesen,
Drei ist das heilige Recht der Friesen.

Ich saß mit Oma oft in der Stube still,


Wir spielten dann Mensch-ärgre-dich-nicht und auch
Das Brettspiel Dame, Oma schenkte
Dann auf dem Teewagen unsern Tee ein.

Auf diesem ihrem Teewagen waren schön


Bebildert blaue friesische Fliesen mit
Motiven aus dem Buch der Bibel.
Also wir tranken den Trank der Gottheit.

SCHULE

Was hab ich in der Grundschule denn gelernt?


Ich weiß nur zwei Lektionen noch, eine sprach
Von Gottes Liebe voll Erbarmen,
Von dem barmherzigen Samariter.

Ein Mann war unter Räuber gefallen, lag


Verwundet an dem Straßenrand, und da kam
Ein Priester, aber ließ ihn liegen,
Dann kam ein Frommer und ließ ihn liegen,

Dann kam ein armer gottloser Heidenmensch,


Der pflegte seine Wunden mit Wein und Öl.
Ich war der arme Mann der Wunden,
Gott der barmherzige Samariter.

Die andere Lektion auch vergess ich nicht,


Die Lehre der erotischen Liebe, da
Der Penis erigiert und eindringt
In des geöffneten Weibes Vulva.

Mysterium von Phallus und Vulva, o


Die Samen strömen all zu dem einen Ei,
Das Ei wählt Eine Samenzelle,
Same und Ei sich in Lust verschmelzen.

Zwei Liebesweisen, beide Mysterium,


Die Liebe Gottes und die Vereinigung
Des Mannes mit dem Weibe, also
Lernt ich genug in der Liebe Schule.

DES ARCHITEKTEN TOCHTER

Die junge blonde Nachbarin Dörte war


Des Architekten Tochter und spielte gern
Mit mir zusammen mit den Puppen,
Oder wir spielten im Garten Ping-Pong.

Ich wollte Maurer werden und Stein um Stein


Der Weisheit Pyramide errichten mit
Dem Schlusstein, mit dem frommen Dreieck,
Das war die Weisheit des Architekten.

Und seine Tochter war wie ein Sonnenschein


Und war Geliebte, Spielfreundin, Partnerin.
Mit mir der Vater und die Tochter
Gingen am Ewigen Meere segeln.

Wir fuhren in dem Segelboot, Sturm kam auf,


Wir kreuzten auf dem Ewigen Meer im Sturm.
Und überm Schaum des Meeres thronte
Dörte, die Braut, in der Muschelschale.

DAS GARTENHÄUSCHEN IN LENZ PARK

Im grünen Park der älteren Dame Lenz


Verlassen stand ein Gartenhaus, einsam dort
Die Bienenkörbe noch des Imkers
Und die Geräte des Gärtners, heimlich

Den ersten Tabak rauche ich dort, im Traum


Ich dachte dort an Schulmädchen auch, die jung
Und schön mich bitte küssen möchten,
Spinnweben hingen in allen Winkeln.

Ich war allein im Gartenhaus, stets allein,


Kein junges schönes Schulmädchen küsste mich,
Allein die Königin der Bienen
Mich in dem Matriarchate liebte,

Und sie, die schöne Allseele der Natur,


Die in dem Gartenparadies mich umgab,
Allein die Einsamkeit erfährt sie,
Wie sie mich küsst mit den süßen Lippen.

GRIMMS MÄRCHEN

Ich liebte das Schneewittchen, so weiß und rein,


Die Himmelsjungfrau schlank in dem weißen Kleid,
Der Spiegel sprach: Sie ist die Schönste!
Schön war sie schließlich noch im Kristallsarg!

Ich liebte das Dornröschen, die Rose rot,


Die Hagebutte, Weinbeere, Scharlachmund
Und kurzes rotes Kleid, Geliebte,
Wachküssen wollte ich die Geliebte.

Ich liebte Aschenputtel, wie Asche schwarz,


Mit langen schwarzen Haaren, Frau Armut, die
Die Taube hörte auf dem Friedhof
In der Kastanie am Grab der Mutter.

NIBELUNGENLIED

Die erste große Dichtung, die zu mir kam,


Das war das Nibelungenlied, episch-breit
Erschienen König Gunter, Siegfried,
Hagen von Tronje und König Etzel.

Ich weiß es noch, es war mir zu blutig all


Der Männermord! Doch sehe ich auch noch klar
Vorm Auge meines Geistes strahlen
Eine germanische Heldenjungfrau,

Die aus der Kemenate herabgeschaut,


Mit ihren blonden Zöpfen, geflochtenen,
Mit goldnen Locken, blauen Augen,
Schneeweißem Antlitz und Rosenmunde.

Das war nicht Brunhild, das war auch Kriemhild nicht,


Nein, das war ganz die friesische Königin,
Das war die wunderschöne Gudrun,
Die zu mir lächelte vom Balkone.

DER TABAK

Als erstes rauchte Schilfrohre ich im Park,


Pethedas Zigaretten auf Baltrum dann
Nahm heimlich in den Mund ich, paffte
Qualm in der Teestube, Tantes Küche,

Dann holte ich die Lord-Zigaretten aus


Dem Automaten, rauchte mit Freunden in
Dem Wald der Indianerspiele,
Qualmte die Wolke der Friedenspfeife.

Ich baute eine Pfeife mir selber in


Des Vaters Werkzeugkeller. Doch blieb ich bei
Den selbstgedrehten Zigaretten,
Rauchte den halbschwarzen Samson-Tabak.

Die Pfeife ist dem Raucher die Ehefrau,


Die Zigarette ist die Geliebte! Ehescheu
Zog vor ich die Geliebte, küsste
Oft die Geliebten, die Nikotinas.

INDIANER IM WALD

Ich war der Deutsche, der in Amerika


Des Indianers Bruder geworden war.
Und der katholische Andreas
War unser Häuptling der Indianer.

So zogen wir mit Bogen und Pfeil im Wald


Und suchten Spuren unserer Feinde, dann
Wir auf dem Abenteuerspielplatz
Trafen auf Karin, die schwarzgelockte,

Sie war die indianische Squaw, die Braut


Des Deutschen und die Schwester des Häuptlings, und
Ihr Name war: Der Tag der Schönheit,
Liebevoll küsste ich ihre Lippen.

DAS MESSER AUS NORWEGEN

Ich wollte gern ein Messer besitzen, um


Des Lichtes tapfrer Krieger zu sein, und bat
Um solch ein Messer, und es kam auch
Zu mir aus Norwegens hohem Norden.

Ein Hirschhornmesser mit schönem Schaft


Und scharfer Klinge silbernen Stahls und blank,
Es stak in einer Lederscheide,
Die ich am Hüftgürtel angebunden.

Ich schnitze kleine Boote aus Borke, ließ


Sie treiben auf dem Gartenkanal und sah
Der Barke nach, die schwand im Westen,
Wikinger, die nach Walhalla fuhren.

EIS UND LAKRITZ

Die Italiener machen das beste Eis,


Das gabs schon in des teuflischen Nero Zeit.
Spaghetti-Eis hab ich gegessen,
Erdbeern die rote Tomatensauce.

Ich liebte das Vanille-Eis allermeist,


Bananen-Eis und Erdbeer-Eis und dazu
Geschlagne Sahne, eine Wolke,
All dieses Süße im Waffelhörnchen.

Auch liebte ich Lakritze, am meisten das


Aus Holland, doch das dänische auch, mit Salz,
Doch auch die spitzen Katzenohren
Oder die weicheren Katzenpfoten.

Ich hatte mir die Zähne verdorben mit


Der Schleckerei der Süßigkeit, krumm und schwarz
War das Gebiss in meinem Munde.
Aber es war eine süße Sünde.

SKANDINAVIEN

Im klaren Skandinavien war ich oft,


Von Kiel und Lübeck kam ich nach Dänemark,
Die Insel Langeland war purpurn
Von all den träumenden Poppie-Blumen,

Da fragte meine Mutter mich, ob ich mehr


Die großen Brüste oder die kleinen mag.
Ich sah des Königs Kopenhagen,
Etwas war faul in dem Staat der Dänen.

Ich sah Stockholm, der schwedischen Königin


Geliebte Sommerresidenz Öland auch,
Mein Vater schwand im Segelboote,
Ging auf der Ostsee verloren. Weh ihm!

Auf Öland formt ich Vasen aus Lehm am Strand.


Mit einer roten Rose die Vase dann
Ich schenkte meiner lieben Oma,
Schweden war immer der Reim auf Eden.

Ich sah im klaren Norwegen auch das Licht


Der weißen Nacht des Sommers. Wir aßen Lachs,
Den Lachs der Weisheit der Druiden,
Lachs, der zur Quelle zurückschwimmt, Weisheit,

Die lehrt als Mutter, gegen den Strom der Zeit


Zu schwimmen tapfer, gegen den Strom der Welt.
Wir kamen an das stolze Nordkap,
Standen am nördlichsten Punkt Europas.

In Lappland standen Rentiere vor dem Zelt,


In dem ich in der freien Natur geruht,
Ich sah in Finnland auch die Birken,
Sah auch die zehntausend Seen von Finnland.

Ich sah den Dom von Uppsala, Heiligtum


War Uppsala germanischer Heidenwelt,
Nun Uppsala gehörte Christus!
Nun auch Brigitta von Schweden grüß ich,

An ihrem Tag mein Vater schied aus der Welt,


Es donnerte, es blitzte, es regnete,
Als Vater starb, ich hab gebetet,
Mutter sprach: Gott war voll Zorn und Ingrimm!

BALTRUM

Wie schön ist das Dornröschen der Nordsee doch,


Die Perle in der südlichen Nordsee Schaum,
Heil, meine Mutterheimat Baltrum,
Eiland im friesischen Archipele!

Von Paula Margarethe geboren ward


Petheda, meine zärtliche Muhme, die
Gastfreundlich mich als Kind empfangen,
Teestube hieß ihre schöne Wirtschaft.

Dort waren blauweiß friesische Kacheln am


Kamin mit schönen Bibelmotiven, dort
Der Ohm las vor von Indianern,
Arno, vergötterter Mann Pethedas.

Der Apfelkuchen süß war mit Zimt bestreut


Und Eis gab es mit Erdbeergeschmack genug
Und heimlich den Genuss des Tabaks,
Rauchte Petheda ihn in der Küche.

Schön lag die kleine Teestube in dem Grün,


Wir suchten bunte Eier zu Ostern dort,
Man sah Kaninchen dort und Rebhuhn,
Nah war das schweigende Kiefernwäldchen.

Am Wegrand lagen Heuballen schön zum Spiel


Des Kinds, zu bauen heimliche Wohnungen
Im Heu und dann zurückzukehren
Fröhlich zur liebenden Mutterschwester.

DER GOLIATHHÜGEL

Die Kinderbibelstunde belehrte mich,


Es lehrte mich das Fräulein Marie vom Hof,
Wie Moses als ein keines Kindlein
Ausgesetzt ward auf dem gelben Nile,

Wie Josef von den Brüdern gepeinigt ward


Und in den tiefen Brunnen gesperrt, verkauft,
Wie David kämpfte mit dem Riesen
Goliath, stark durch den Namen Gottes,

Der Knabe, der durch Zebaoths Kraft gesiegt.


Ich spielte mit den Freunden in der Natur,
Wir spielten schön auf einer Insel,
Da war ein Hügelchen, das ich nannte

Den kleinen Hügel Goliaths, denn es war


In meinem Denken David ein Riese und
Ein Knabe Goliath, ein kleiner
Knabe wie ich unter Gottes Segen.

KONFIRMATION

Als zu der Kirche Konfirmation ich ging,


Nichts von dem Evangelium hörte ich,
Geladen ward zum Abendmahle
Ich in der Kirche von Sankt Ansgari.

Ich trat zum goldnen Kelche mit Christi Blut,


Ich kniete vor dem Kelche mit Christi Blut,
Und da begann ich auch zu bluten!
Da war der Vorsehung Zeichen, nämlich,

Wir müssen unser Blut mit dem Blut des Herrn


Vermischen, unser Kreuz mit dem Kreuz des Herrn,
Und sind wir auch von Gott verlassen,
Jesus war gleichfalls von Gott verlassen,

Wir opfern auf dem Opferaltar nicht nur


Den Leib, das Blut des heiligen Lammes, auch
Uns selber sollen ganz wir opfern,
Mit dem Erlöser sein Miterlöser!

DIE MUSIK

Ich blies die Flöte, Volkslieder spielte ich,


Die Muse reichte früh mir die Flöte schon,
Doch dann kam das Piano-forte,
Johann Sebastian Bachus spielt ich,

Dann spielte ich auf Mutters Gitarre auch,


Und Mutter sagte; Lässt du sie weinen, Sohn,
Sie weinen ihre blauen Töne?
Aber ich hörte auch gern Gesänge.

Novalis war mein erster Poet. Im Lied


Ich hörte die Novalis-Gedichte gern.
Und Anna Magdalena Bachus
Blieb mir die Liebste doch aller Musen.

SCHMETTERLINGE IN SONJAS GARTEN

Die selben Schmetterlinge, die ich gesehn


An Omas lila Schmetterlingsfliederbusch,
Die sah ich auch in Sonjas Garten.
Sonja (die Koseform von Sophia)

Empfing mich voller Liebe in der Natur,


Und wie die Schmetterlinge im Hochzeitstanz
Stets schweben um den Baum des Lebens,
Feierten wir auch im Spiel die Hochzeit,

Denn Sonja lud mich ein in ihr Schlafgemach,


Ich saß auf ihrem Mädchenbett neben ihr,
O Gegenwart des Falters Eros!
Eros und Psyche, die Falter tanzend!

OMAS SPIEGEL

In meiner Oma Schlafzimmer sah ich stehn


Von altem braunem Holz die Kommode, drauf
Ein Triptychon von Spiegelflügeln.
Wenn ich geschaut hab in diesen Spiegel,

So spiegelte der Spiegel den Spiegel noch,


Und dieses Spiegelabbild des Spiegelbilds
Sich spiegelte im dritten Spiegel,
Da war im Spiegel ein Universum,

Das war Alice im Wunderreich, Celia,


Das war der Spiegel Anna Achmatowas,
Ein Gast war kommend aus der Zukunft
Sichtbar als Geist in dem Spiegel-Weltall.

OMAS BEERDIGUNG
Es war zu Christi Himmelfahrt. Hochzeitsfest,
Mein großer Bruder feierte Hochzeit. Da
Prophetisch sagte meine Oma:
Heirate niemals, mein lieber Junge!

Und als sie lag im Sterben, da sah sie noch


Den Geist des Enkels treten ans Sterbebett.
Sie fragte: Hier ist doch mein Junge,
Höre ich singen doch meinen Jungen!

Und als sie war geschieden aus dieser Welt,


In ihrem Hause trauerte ich des Nachts,
Und da kam zu mir Jesus Christus,
Ich fiel aufs Antlitz, hab angebetet!

Und als beerdigt wurde die liebe Frau


Und Mutter meiner Seele, da hörte ich
Ihr Testament im Orgelbrausen:
Ewige Gottheit, ich will dich loben!

Und meine Oma trat zu dem Thron des Herrn


Und bat für mich und sagte zu Gott dem Herrn:
Mein großer Gott! Gib meinem Jungen
Bitte die Gnade des wahren Glaubens!

OMAS BIBEL

Die Bibel meiner Großmutter, alt und schwarz,


Ich las sie bei der Konfirmation. Und nach
Dem Heimgang meiner lieben Oma
Erbte das Bibelbuch meine Mutter,

Und dann hat meine Mutter vererbt das Buch


Dem frommen Sohn. Zur heiligen Hochzeit einst
Hat Oma dieses Buch bekommen
Von dem Pastoren der Insel Baltrum.

Die Bibel wars im lieblichen Lutherdeutsch.


Die Bibel ist der Großmutter gleich, die spricht
Zu Gottes Enkel von der Liebe!
Nun liegt das Buch in der Bundeslade,

In der Kommode Omas an meinem Bett,


Und mit der Bibel Omas sind aufbewahrt
Ein Rosenkranz aus Lourdes, Mariens
Nabelschnur, mystische rosa Perlen,

Das braune Skapulier Unsrer Lieben Frau


Vom Berge Karmel, eine Reliquie,
Ein wenig Erde von dem Grabe
Karmelitanischer Sankt Therese.

Die Bibel ist der Großmutter gleich, die fromm


Vom lieben Gott erzählt. Der die Biblia
Studiert, der fromme Schriftgelehrte,
Ehemann ist er der Bibel Gottes.

DIE TAUBEN IM KASTANIENBAUM

Wie Cindarella hörte am Muttergrab


Die Tauben gurren in dem Kastanienbaum,
Im Park der Dame Lenz auch hörte
Tauben ich Ruckediguh in Ruhe

Mit ihrem schönen rollenden Stimmenton


Als Mütter gurren oder als Liebende
Mit süßem Girren sich liebkosen.
Das war mir immer der Seele Heimat.

So als ich meine Wohnung als Eigentum


Erworben, meine Tilsiter Einsiedlei,
Da sah ich vom Balkon und hörte
In dem Kastanienbaum Tauben gurren.

Und als ich in Besessenheit Evelin


Geliebt, stand ein Kastanienbaum vor dem Haus,
Da weiße Turteltauben ruckten,
Gurrten und girrten, die Äste krachten,

Wenn wild die Turteltauben im Liebesakt


Die Busen pickten, spreizten die Flügel, mit
Gegirre und Gegurre ruckten
Und ihren Liebesakt zelebrierten!

DIE GLOCKEN DER KIRCHE

In meiner Kindheit Garten vernahm ich stets


Der Kirche frommes Glockenspiel, hörte gern
Die Glocken der Ansgari-Kirche,
Fest in den Händen der Lutheraner,

Und das Geläut der kleinen Kapelle von


Sankt Wiho, da katholisch gefeiert ward
Das Opfer Christi am Altare,
Da zu der Wandlung erklang die Glocke.

Und das ist immer Heimat der Seele mir,


Der Gotteskirche Glockenspiel, das sich mischt
Mit Gurren im Kastanienbaume,
Tauben, Kastanien und Kirchenglocken!
*

Gesegnet ich, der ich in der Kindheit sah


In Gottes Augen, in diesen Liebesblick
Der großen mütterlichen Gottheit,
Die mich ins Leben geliebt, die Liebe!

PETHEDA

BALTRUM

Wie schön ist das Dornröschen der Nordsee doch,


Die Perle in der südlichen Nordsee Schaum,
Heil, meine Mutterheimat Baltrum,
Eiland im friesischen Archipele!

Von Paula Margarethe geboren ward


Petheda, meine zärtliche Muhme, die
Gastfreundlich mich als Kind empfangen,
Teestube hieß ihre schöne Wirtschaft.

Dort waren blauweiß friesische Kacheln am


Kamin mit schönen Bibelmotiven, dort
Der Ohm las vor von Indianern,
Arno, vergötterter Mann Pethedas.

Der Apfelkuchen süß war mit Zimt bestreut


Und Eis gab es mit Erdbeergeschmack genug
Und heimlich den Genuss des Tabaks,
Rauchte Petheda ihn in der Küche.

Schön lag die kleine Teestube in dem Grün,


Wir suchten bunte Eier zu Ostern dort,
Man sah Kaninchen dort und Rebhuhn,
Nah war das schweigende Kiefernwäldchen.

Am Wegrand lagen Heuballen schön zum Spiel


Des Kinds, zu bauen heimliche Wohnungen
Im Heu und dann zurückzukehren
Fröhlich zur liebenden Mutterschwester.

HAGE

Den Lebensabend wollte verbringen sie


Allein mit dem vergötterten Arno in
Dem Flecken Hage auf dem Festland,
Wo sie ein Haus bauten an dem Rehweg.
Ins Fundament des Hauses sie mauerten
Die Leberwurst für Arno ein und dazu
Pethedas süße Schokolade,
Dass ihrem Hause nicht Segen mangle.

Und Arno sang sehr kunstvoll im Männerchor,


Petheda liebte Opern von Verdi und
Geduldig fügte sie das Puzzle
Kunstreich zusammen zu schönen Bildern.

Wenn meine Eltern waren im Urlaub, war


Mein Bruder bei Petheda und Arno, ich
Geborgen war im Hause meiner
Großmutter, dort war ich glücklich, selig!

Wie Arno starb, ich weiß es nicht mehr, ich kann


Mich nicht erinnern. Aber Petheda litt
Und trauerte den Rest des Lebens,
Einsame Witwe voll Liebeskummer.

MARION

Ich liebte eine Frau, ein Idol des Traums,


Ich dachte, ohne sie kann ich leben nicht,
Sie war mein Lebenssinn, mein Alles,
Atem und Seele und Himmelsgöttin!

Sie wollte aber nicht mit mir sprechen, sie


Verschmähte mich und lehnte mich ab und sprach:
Ich will dich nie mehr sehen, Irrer,
Lass mich in Ruhe mit deinem Wahnsinn!

Da sprach ich mit der Muhme Petheda und


Hab ausgeschüttet ihr all mein Liebesweh
Und bat um Beistand sie und Hilfe,
Trösterin war mir da meine Muhme.

Ich will mit deiner Marion reden, will


Sie locken an das Telephon, dass du sie
Noch einmal hören kannst und deine
Schreckliche Liebesqual ihr verkünden.

So sprach Petheda. Marion sprach mit ihr,


Ich sprach noch kurz am Telephon Marion.
Sie sprach: Ich will dich nie mehr sehen,
Komm nicht nach Heiligenkirchen zu mir!

Da sprach Petheda: Herzilein, fahr zu ihr,


Im Teutoburger Walde besuche sie,
Zum Denkmal Hermanns geh, Thusnelda
Wartet in Heiligenkirchen, Liebling!

Hier hast du ein paar Taler. So reise du


Und kämpf um deine Liebe! Du liebst sie doch?
Ja, sprach ich, wie die reine Jungfrau,
Unsere Frau von den Externsteinen!

So half Petheda mir in dem Liebeswahn,


Denn sie war selber wahnsinnig Liebende
Und glaubte an die Macht der Liebe,
Die sich im Gottessohn offenbarte!

ENNO

Ach Norden, ach du elendes Norden an


Der Nordsee Mordsee! Kaum überlebte ich
Den teuflischen Versuch des Selbstmords,
Da mich der Heilige Geist gerettet,

Spazierte einsam stets auf dem Friedhof ich,


Ein Toter unter Toten im Erdengrab,
Da kam zum Einsamen ein Trinker,
Mich zum Spaziergange abzuholen.

Wir gingen durch die Maisfelder an den Deich


Und schauten uns das Wattenmeer an, das lag
Bei Ebbe offen, Austernfischer
Gingen umher und die Möwen flogen.

Ich sprach zum Trinker: Ich war im Höllenschlund,


Sah die Dämonenratten der Unterwelt,
Ich hörte Satanas befehlen:
Irrer, du möchtest dich selbst ermorden!

Der Trinker sprach: Es gibt keine Hölle, nur


Den Himmel, alle kommen ins Himmelreich!
Ich sprach: Ich war ja in der Hölle,
Darum auch weiß ich, es gibt die Hölle.

Ich saß auf der Terrasse vorm Elternhaus,


Genoss die Sonne, schaute den Park mir an,
Der Trinker aber hielt die Flasche
Bier in den zitternden bleichen Händen.

Petheda kam, da sah sie den Trinker mit


Der Flasche Bier am hellichten Tage, da
Sprach sie zu mir: Such einen andern
Freund dir, nimm Abstand von diesem Trinker.

Ich sprach: Er sitzt des Nachts in dem Raum allein,


Leert eine Flasche Bier nach der anderen.
Petheda sprach: Ach, auch mein Vater
War ja ein Säufer gewesen, trunken

Tyrannisierte Großmutter er und war


Ein Patriarch, wir fürchteten uns vor ihm.
Such du dir bessre Freunde, suche
Dir einen Freund mit Charakter, trau mir!

REGINA

Regina, eine Altphilologin und


Studentin auch der Theologie, sie sprach
Von Augustinus, Meister Eckart,
Luther, sie las ihre Bibel griechisch,

Sie übersetzte Platon und las Homer


Auf griechisch, lobte hoch meine Poesie,
Sie liebte mich, und ich besuchte
Einmal in Heidelberg diese Dame,

Wir saßen in dem Schlosse von Heidelberg,


Ich dichtete Catullus nach, aber nicht
Für sie, denn sie war schrecklich hässlich,
Die mir bereitete Augenschmerzen

Und Ohrenschmerzen noch mit der Stimme rauh.


Und sie besuchte auch mich in Oldenburg
Und sprach nach dem Erwachen: Endlich
Hab ich die Theodizee enträtselt!

Ich konnte ihre Nähe ertragen nicht,


Mir waren ihre Brüste zuwider, doch
Sie wollte mich zum Ehemanne.
Davon berichtete ich Petheda.

Ich sagte: Eine Frau will mich freien und


Mit mir zusammenleben im Ehebund.
Doch wenn ich an die Ehe denke,
Seh ich unzählige junge Mädchen,

Die alle ich als Musen noch lieben will


Und werde immer schwärmen für Jugendreiz
Und kann nicht treu sein einer Alten,
Wenn sie auch klug ist, doch furchtbar hässlich.

Petheda sprach: Du bist aber kompliziert!


Willst du wie Goethe immer nur schwärmen und
Von Blümelein zu Blümchen flattern,
Schmetterling, bis dich verbrennt die Flamme?

Die Ehe ist ein nüchternes Ding, kein Traum,


Der Ehebund ist Arbeit, auch braucht man Geld,
Die Ehe gleicht nicht den Romanzen,
Ist doch ein weltliches Ding die Ehe!

KARINA UND IHRE KINDER

Karina war mir Freundin und schenkte mir


Die Früchte ihres Leibes, den ersten Sohn,
Den starken Drachentöter Juri,
Der mich Gott-Vater genannt voll Liebe,

Und ihre beiden Zwillinge, die mich sehr


Geliebt als Papa, Milan und Simon, fromm
Der Gottesmutter Zwillingssöhne,
Aber am meisten mein Liebling Milan

War Herz von meinem Herzen, mein Ebenbild,


Mein kleiner Jesusknabe, mein kleiner Gott.
Karina aber, krank zum Tode,
Wurde vom tödlichen Krebs zerfressen.

Ich sagte zu Karina: Lass uns ein Haus


Zusammen nehmen, du bist die Mutter dann,
Ich bin der Vater deiner Kinder,
Bruder und Pfleger der Sterbenskranken.

Petheda aber sagte: Gib acht, mein Schatz,


So wirst du eines Tages alleine sein,
Wirst dreier Kinder Vater sein und
Ohne die Mutter alleinerziehend.

Ich kann dir dies nicht raten. Zwar ehrt es dich,


Doch so kommst du ins Elend. Du bist auch krank,
Bist selber krank, es ist unheilbar
Doch deine psychische Herzenskrankheit.

Nun sind die Kinder fünfjährig, o wie süß


Sind Knaben mit fünf Jahren, sie lieben dich,
Fast beten sie dich an, doch später
Werden sie kaltherzig dich verlassen.

Nein, bleib in deiner Wohnung und leb allein,


Einst wirst du deine Ruh wieder schätzen, dann,
Wenn dieses Unglück ist vorüber,
Dann wirst du würdigen meine Worte.

ACHIM

Pethedas Sohn, die einzige Leibesfrucht


War Achim, Frucht des Fehltritts zur Jugendzeit,
Nicht Arnos Sohn, von ihm erzogen,
Streng und mit Schlägen der Sohn erzogen.

Erst als Erwachsner aber erfuhr der Sohn,


Der Vater, der ihn schlug, war sein Vater nicht.
Und Achim hasste seine Eltern,
Blieb als Erwachsener unversöhnlich.

Ich mochte diesen älteren Vetter und


Hab oft mein Herz ihm offengelegt, wenn ich
Gelitten unter meinen Eltern,
Achim war mir da ein Freund und Tröster.

Doch später brach er jeden Kontakt mit mir


Und seiner ganzen Sippe erkältet ab.
Und als die Mutter ward zur Witwe,
Hat er die Leidende stets verleugnet.

Nicht nur, dass ihr Geliebter gestorben war,


Dass Arno tot war, war ihr ein Weh und Ach,
Auch dass die eigne Frucht des Leibes
Hartherzig, bitter, die Mutter hasste.

Er aber hatte Alpträume, ward verfolgt


In seinem Traum von Vater und Mutter und
War niemals willig zur Vergebung,
Sondern er rächte sich an der Mutter.

Joachim, warum hasst du die Mutter so?


Und fühlst du Mitleid nicht in dem Herzen, ist
Dein Herz so hart und kalt und steinern,
Kennst du nicht Mitgefühl und Erbarmen,

Dass deine Mutter sterben muss ganz allein,


Ihr lieber Sohn steht nicht an dem Sterbebett?
Willst du mit diesem Hass im Herzen
Denn vor den ewigen Richter treten?

MEINE ELTERN UND MEIN BRUDER

Petheda sprach: Ich kam einst zu Eberhard


Und fragte: Wo ist Doris? Und Eberhard
Sprach: Sie ist krank und liegt zu Bette.
Ich trat ins Schlafzimmer ein zu Doris

Und fragte: Schwester, nenn mir der Leiden Grund!


Und Doris sagte: Ach, ich bin schwanger, ach,
Ich möchte dieses Kind nicht haben!
Also war deine Geburt, mein Neffe.

Ich sagte: Niemals liebte mich Eberhard


Und niemals liebte Doris mich. Schwarzes Schaf
War immer der Familie ich und
Liebling der Eltern war stets mein Bruder.

Doch sagte meine Großmutter einst zu mir:


Mein Junge, trenn dich nicht von den Eltern, sonst
Bist eines Tages du alleine
Hier auf der Erde und wimmerst einsam!

Petheda sagte: Aber ich weiß, dich liebt


Dein Mutterherz, sie kann es nur zeigen nicht.
Und trenn dich nicht von deinem Bruder,
Sonst bist du einmal vollkommen einsam.

Denn Blut ist schließlich dicker als Wasser doch.


Die Freunde werden gehen, die Freundinnen,
Doch deine Mutter wird dir bleiben,
(……………………...)

HIOBS TOCHTER

Petheda liebte Arno auch nach dem Tod


Des Mannes und sie wurde vor Liebe krank,
Ihr Alter war ein stetes Leiden,
Krank war Petheda, war Hiobs Tochter,

Und dachte sich: Mein Ehemann ist zwar tot,


Doch ist unsterblich leidend mein toter Mann,
Und voller Sehnsucht in dem Jenseits
Sehnt er sich schmerzlich nach seiner Gattin.

Pethedas Herz ein Dom war und ein Altar


Für Arno, den vergötterten Ehemann,
Er war ihr Gott, ihr Ein-und-Alles,
Sie seine leidende Frau auf Erden.

Die Seele war voll Kummer, der Geist voll Gram,


Ihr Herz war von den Schmerzen erkrankt, geschwächt,
Ihr krankes Blut war voll vom Gifte
Elend-unsterblicher Liebesleiden.

Ihr Körper war Verwesung im Leben schon,


Ein Siechhaus und ein Beinhaus voll Todesweh,
Ihr Körper war ein Sarg und Kerker,
Aber geduldig hat sie gelitten.

Und Trauern bessert, wenn mans versteht, das Herz,


Wer leidet, weiß für Leidende rechten Trost,
Der Weise geht ins Haus der Trauer,
Nimmt sich zu Herzen des Todes Schicksal.
Der Schmerz hat ihre Seele geläutert, sie
War lebend schon im Fegfeuer ihrer Pein,
So ward ihr Herz barmherzig, zärtlich,
Gern hab mein Herz ich ihr ausgeschüttet.

Und wenn ich sie verließ, stand sie vor der Tür
Und sah mir nach, wie ich auf dem Rad entschwand,
Und an der letzten Ecke winkte
Mütterlich nach mir die Todgeweihte.

GEBET FÜR PETHEDAS SEELE

Nun Paula Margarethe gestorben ist,


Nun Arno auch gestorben ist, Eberhard
Ist tot und tot ist Achim, tot ist
Auch meine Muhme Petheda. Jesus,

Bei deinen Leiden, Jesus, beschwör ich dich,


Nimm meine Muhme auf in dein Paradies,
Befrei sie aus dem Fegefeuer,
Wahrlich, sie hatte genug gelitten.

Nimm ihre Schmerzen hier in dem Jammertal


Zur Sühne ihrer Schuld an und tröste sie
Und trockne alle ihre Tränen,
Lass die Geliebten sie wiedersehen

Und führe sie zur Hochzeit des Lammes, Gott,


Denn wer von reiner Liebe entbrannt, o Herr,
Der wird erkannt vom Gott der Liebe,
Selig den Körper lass auferstehen!
Und höre ihr Gebet für den Neffen, Gott,
Lass sie mir eine himmlische Schutzfrau sein,
Patronin meiner Seelenschmerzen,
Bis ich das Jammertal froh verlasse!

WELTGESCHICHTE

ADAM UND EVA

Von Mutter Erde Adama ward geborn


Der Mensch, es blies den Odem ein Elohim,
Und Adam ward lebendig, Seele,
Aber voll Einsamkeit in dem Eden.

Zwar Adam mit Sophia vereinigt war,


Ein androgyner Urmensch, doch fiel er ab
Und sehnte sich nach einem Weibe,
Er fiel in Tiefschlaf und träumt vom Weibe.

Und Gott schuf aus dem Fleisches des Manns die Frau,
Und Adam schaute Eva im Garten, nackt,
Und Adam ward zum Liebesdichter:
Siehe, sie ists! Meine Hilfe Gottes!

Von Angesicht zu Angesicht schauten sie


Sich an und waren nackt zwar, doch rein und keusch,
Einander schenkten sie die Liebe,
Das war die goldene Zeit des Friedens.

Da war des Menschen Frieden mit Gott, dazu


Des Mannes Frieden mit der geliebten Frau,
Des Menschen Frieden mit der Schöpfung,
Friede auch war da bei Lamm und Löwe.

Doch Eva hörte – Neugier, du heißest Weib -


Auf Luzifer und aß die verbotne Frucht,
Die Feige göttlicher Erkenntnis,
Gab auch die Feige dem Vielgeliebten.

Und aus dem Garten Eden vertrieben ward


Der Mensch mit seiner Mutter des Lebens, die
Das offne Einfallstor des Teufels
Wurde, die selber wollt Gottheit heißen!

Und Eva wurde schwanger, gebar den Kain,


Gebar den reinen Abel, den jüngeren,
Und Kain ermordete den Bruder
Abel, sein Blut schrie zum dritten Himmel!

Und Gott verhieß dem Menschen die Neue Frau,


Die Neue Eva, welche vernichten wird
Den Satan, Unsre Frau Maria,
Die uns den Retter gebären werde.

DER GELBE KAISER HUANG TI

In China stand der Peking-Mensch auf und gab


Sich einen Kaiser. So ist die Monarchie
Am Anfang uns von Gott gegeben,
Das war der göttliche Gelbe Kaiser.

Der Gelbe Kaiser herrschte gerecht und gut,


Ein priesterlicher Himmelssohn vor dem Gott,
Er herrschte in der Mutter Tao,
Weisheit von Himmel und Mensch und Erde.

Ihn segnete die Königin-Mutter von


Dem Westgebirge, lehrte das Tao ihn,
Er war ein Heiliger und Edler,
Ward nach dem Tode verklärt zur Gottheit.

GILGAMESCH

Es war der König Gilgamesch König in


Dem großen Uruk Mesopotamiens,
Er diente seiner Göttin Ishtar,
Feierte Hochzeit mit Hierodulen.

Er hatte einen Bruder und Freund, ihm gleich,


Der Freund und Bruder Enkidu war geweiht
Und eingeweiht von einer Hure
In die Mysterien Göttin Ishtars.

Der Kamerad doch musste ins Totenreich,


Und Gilgamesch begehrte das Wissen der
Unsterblichkeit der Menschenseele,
Ewigen Lebens, der Gottesgabe.

Da fragte er den Utnapischtim, den Mann,


Der überlebte einst in der Arche die
Erschütterung der schweren Sintflut,
Der aber konnte dem Mann nicht helfen.

Verschlossen war die Himmelstür, tot der Mensch,


Ein wesenloser Schatte im Totenreich,
Gespenst der Unterwelt, ein Dämon,
Noch war das Himmelreich nicht geöffnet.

SEMIRAMIS

Im Nahen Osten herrschte Semiramis,


Die Tochter sie der göttlichen Taube, selbst
Halb Frau, halb Göttin sie, die Fische
Waren der herrschenden Göttin heilig.

Sie war die große Liebende auf dem Thron,


Sie war die große heilige Hure, die
Halb Liebesgöttin war, halb Hure,
Aber auch Herrin von Gottes Gnaden.

Von Babylon bis Syrien herrschte sie,


In Tempeln dienten heilige Huren Gott,
Sie sehnte sich nach grünen Gärten,
Üppigen Bäumen auf jedem Hügel.

Der alten Zeiten Weltwunder war der Hain,


Den sie gepflegt, der Hängende Garten der
Semiramis, da sie die Liebe
Pflegte mit Liebhabern lüstern buhlend.

NEBUKADNEZAR

Der große König Nebukadnezar war


Der Herr der großen Babylon. Babel war
Vor Gott wie eine große Hure,
Nebukadnezar besah die Tochter.

Er stand auf dem Balkon des Palastes, sah


Die große Hure Babylon an und sprach:
Ich bin der Herr und sonst ists keiner!
Gott von dem Himmel dem Stolzen zürnte.

Der große König Nebukadnezar ward


Von seinem Königsthrone gestürzt und war
Gefällt gleich einer stolzen Eiche,
Wahnsinnig wurde der große König,

Die Haare wuchsen lang ihm und ungepflegt,


Der Bart war wild, die Nägel der Finger lang,
Verloren hatte er das klare
Denken des Menschenverstandes, Wahnsinn

Stieß ihn aus der Gemeinschaft der Menschen aus,


Er irrte durch die Wüste wie ein Schakal,
Er nährte sich wie Vieh von Gräsern,
Lallte unzüchtige Liebeslieder.

Nach sieben Jahren ohne Verstand im Geist,


Kam zu ihm wieder seine Vernunft und klar
Sah er die königliche Gottheit
Souverän herrschen im dritten Himmel.

Da unterwarf der König sich Gott dem Herrn


Und sagte: Die lebendige Gottheit ist
Allein die Macht im dritten Himmel,
Ich bin der Knecht nur der wahren Gottheit.

XERXES

Der große Schah von Persien gab zurück


Den Juden ihren Tempel Jerusalems.
Die Juden loben diesen Kaiser,
Hohen Gebieter von Gottes Gnaden.

Und Xerxes kämpfte gegen der Griechen Heer,


Es kämpften demokratische Griechen stolz
Und stritten mit dem Heer des Kaisers,
Tobten an Salamis' Mereresufer.

Die Griechen siegten über die Perser, und


Sie feierten den Sieg im Theater und
Lobpriesen Ares und Athene,
Göttin der Weisheit der Demokraten.

ECHNATON UND NOFRETETE

Es sind die alten Götter Ägyptens tot,


Tot sind Osiris, Isis und Horus, tot
Ist Ra und tot ist Göttin Hathor,
Goldene Göttin der Liebeslieder,

Und tot ist auch die blutige Sekmeth, tot


Ist Maat, der Wahrheit Göttin, Anubis tot,
Und einzig lebt der Eine Aton,
Welchen uns Echnaton fromm verkündet,

Der Eine Gott, der Vater am Himmelszelt,


Der Kreaturen Schöpfer, der Gott des Lichts,
Und Echnaton ist Atons Diener,
Monotheistischer Gottheit Priester.

Und nach dem Tode Echnatons diente Gott


Die schöne Nofretete, die Königin
Ägyptens, reine Magd des Aton,
Schöner als Sonnenschein Nofretete!

ABRAHAM

In Ur der Vater Abrahams glaubte an


Die goldnen Bilder, silbernen Statuen,
Doch Abraham vernahm die Stimme
Gottes vom Firmament, leise Hauche:

Schau an die lichten Sterne am Himmelszelt,


Schau an die goldnen Blumen der Himmelsau,
Schau droben den gestirnten Himmel,
Hör auf das Sittengesetz im Busen!

Die Gottheit ist kein goldenes Götzenbild!


Du glaube Gott! Sei Vater des Glaubens und
Des gläubigen Gehorsams, horche,
Hör, sei gehorsam, gehör der Gottheit!

Den Liebling musst dem Ewigen opfern du!


Den Sarah an der milchprallen Brust gesäugt,
Den Liebling bringe dar als Opfer,
Gott wird den eigenen Liebling opfern!
Und nun verlasse deine Verwandtschaft, Mann
Der Gottheit, und die Götzen des Vaters lass,
Gott führt dich in das Unbekannte,
Göttlicher Vorsehung ganz vertraue!

MOSES

Als Moses ausgesetzt ward auf gelbem Nil,


Da hat gerettet ihn die Prinzessin von
Ägypten, Miriam, die Schwester,
Schaute die Rettung des kleinen Bruders.

Und Moses ward erzogen in Weisheit von


Gelehrten Schreibern, Priestern Ägyptens, doch
Er floh und nahte sich dem Brunnen,
Da grad Zippora die Schafe tränkte.

Er weidete die Schafe des Reguel,


Zipporas Vater Jethro, und so kam er
Zum Horeb, hörte Gottes Stimme:
Ich, der befreiende Gott, bin Jahwe!

Und auf die Weisung Gottes hin Moses ging


Mit seinem Bruder Aaron zum Pharao:
Lass gehn das Volk des wahren Gottes!
Israel floh aus dem Sklavenhause

Und kam zum Berge Sinai. Moses stieg


Den Berg hinan, und Gott kam zum Sinai
Und schrieb die Weisung auf die Tafel,
Gottes Gebote, zehn goldne Worte.

Gott gab die reine Jungfrau Torah dem Volk,


Den lieben Kindern Israel, Gottes Volk,
Die irrten lange durch die Wüste,
Nährten sich täglich vom Himmelsmanna!

Sie kamen zum verheißenen Land, da sprach


Der Herr zu Mose: Siehe das schöne Land!
Schau hin! Du darfst es nicht betreten!...
Jahwe mit eigener Hand begrub ihn.

KRISHNA

In Hindostan war Krishna ein Kriegerfürst


Und war ein Religionsstifter, lehrte Gott,
Den Einen, Vishnu, Gott des Lebens,
Dem man sich einzig durch Liebe nahe.
Der Krieger Krishna sammelte Jüngerschaft
Und lehrte sie die Bhakti, die liebende
Vereinung Gottes und des Menschen,
Die von der Wiedergeburt erlöse.

Ob du nun tätig tust deine Pflicht als Mann,


Ob du asketisch übst die Versenkung, Gott
Will deine Liebe, so wie Krishna
Heilige Hochzeit mit Radha feiert.

Die Jünger Krishnas schrieben in Büchern auf


Die Lehre ihres Meisters, am wichtigsten
Im Mahabaratha, dem Epos,
Ist doch das Bhagavadgita-Epos,

Doch gibt es auch die Gitagovind, das Buch


Der Hochzeit zwischen Gott und der Seele, Lied
Der Liebe Krishnas zu der Hirtin
Radha, der heiligen Hochzeit Hymne.

HOMER

Homer (den man noch dreitausend Jahre liest)


Besang den Krieg der Götter und Göttinnen
Und Ehebruch der Aphrodite
In dem Mysterium freier Liebe.

Die blondgelockte Helena sang Homer,


Der blinde Dichter schaute sein Ideal,
Sie war die schönste Frau von Hellas,
Helena! Helios war kaum schöner!

Homer sang auch die Jungfrau Athene, Zeus'


Blauäugichte, vom Vater geborene,
Der Weisheit reine Jungfrau-Göttin,
Welche den Dulder Odysseus führte.

Odysseus, in Kalypsos Umarmungen,


Zufrieden war die Seele nicht mit der Lust,
Der Sinnlichkeit der Hexe Circe,
Sondern er sehnte sich nach der Heimat.

DAVID

Die Mutter Davids, namenlos blieb die Frau,


Die Urgroßmutter Ruth ist allein berühmt.
Der Knabe David war ein Hirte,
Zärtlich er liebte die kleinen Lämmer.

Er siegte über Goliath durch die Kraft


Des Namens Gottes, spielte die Harfe Saul,
Durch seine Harfe zu vertreiben
Melancholie und den bösen Dämon.

Er ward des Königs Schwiegersohn, das ist viel,


Und doch blieb Michal unfruchtbar, kinderlos,
Und David tanzte vor der Lade
Nackend, und Michal verhöhnte David.

Und David nahm sich Abigail, Nabals Weib,


Die weise Karmeliterin sich zur Frau,
Und nahm als Zweitfrau Ahinoam,
Welche ihm herrliche Knaben schenkte.

Und David sah Bathseba im Bade nackt


Und tötete den Ehemann in dem Krieg,
Bathseba wurde schwanger, siehe,
Salomo wurde geboren, Nathan,

Der Weise, hat den Knaben erzogen und


Jedidja ihn genannt. Was bedeutet das?
Das heißt: Der Vielgeliebte Jahwes!
Salomo wurde nach David König.

Doch Davids lieber Jonathan starb im Krieg


Und David sang elegischen Lobgesang:
O Jonathan, wie warst du lieb mir,
Liebte dich mehr als die schönen Frauen!

Und David war der König von Israel,


Und seine Tochter Tamar geschändet ward,
Ward vergewaltigt von dem Bruder,
Nach der Begierde er hasste Tamar!

Und David wurde älter, und lebensatt,


Er lag im Bett, ihm wurde nicht warm allein,
Doch da kam Abischag von Schunem,
Jüngste der Musen des Dichters Gottes.

Und David starb im Arm der jungfräulichen


Und jugendschönen Abischag. Salomo
Ward König. David noch verfluchte
Seine gewaltigen Feinde sterbend.

SALOMO

Wie sehr doch liebte Salomo Sulamith!


Sie sagte zu ihm: Schlomo, Geliebter, Schatz!
Wie Trauben waren ihre Brüste,
Es war ihr Schoß wie ein Kelch voll Mischwein!
Wie sehr doch liebte Schlomo Sophia, Gott
Im femininen Körper, die Göttliche,
Der er vermählt sich in der Ehe,
Spirituell, aber wahrhaft wirklich!

Auch kam zu ihm die Königin Sabas, die


Bilkis von Äthiopien, neugierklug,
Die gerne lauschte seiner Weisheit,
Staunte vor seinem gelehrten Wissen!

Und Salomo war Baumeister, Architekt,


Des Kosmos Architektin Sophia war,
So baute er den Tabernakel,
Zelt der realen Präsenz der Gottheit!

Doch liebte er die heidnischen Fraun zu sehr


Und diente deren Göttinnen, diente so
Astarte, freier Liebe Göttin,
Weil seine Heidinnen hocherotisch!

Da sprach der alte Prediger: Besser ists,


Schon tot zu sein, als hier in dem Jammertal,
Und besser noch als selbst den Toten
Geht es den noch nicht geschaffnen Seelen!

ORPHEUS

Am Anfang war die Mutter, die dunkle Nacht,


Sie tanzte mit dem Wind, der in ihr gezeugt
Den Urkeim, darin war der Eros,
Intelligenter und Immanenter!

Und Orpheus war ein Dichter, ein Philosoph,


Calliope, die Muse, war Mutter ihm,
Er sang die Göttinnen und Götter,
Alle Erscheinungen Einer Gottheit.

Dann starb ihm seine schöne geliebte Frau


Eurydice, die fuhr in das Totenreich,
Und seine Klagen musikalisch
Magisch betörten die Kreaturen.

Er ward zerrissen von den Mänaden, die


Des Nachts dem orgiastischen Gott gedient,
Dionysos von Wein und Wahnsinn,
Da schwamm sein Schädel davon im Hebrus.

ALEXANDER DER GROSZE

Der Knabe, Alexander der Große, war


Des weisen Aristoteles Pflegesohn,
Wenn Aristoteles trug Phryne
Auf seinem Rücken, der Knabe jauchzte!

Dann aber Alexander der Große war


Der höchste Herr hellenischen Weltenreichs,
Von Alexandrien zum Ganges
Reichte das Weltreich des Hellenismus.

Und Alexander, stärker als Darius,


Der Perser König, ritt bis nach Hindostan
Auf seinem Liebling, seinem Rosse,
Indien wollte der Held erobern,

Wie einst der Gott Dionysos Indien


Eroberte mit trunkenem Wein wie Blut,
Stets las Homeros Alexander,
Wollte ein Heros sein wie Achilleus!

Im Sieg der Held vergötterte selber sich,


Zum Abschied schrieb der Mutter er einen Brief,
Dann stieg er auf zu dem Olympos,
Wo ihn Dionysos lachend grüßte!

SAPPHO

O die liebe zärtliche Seele, die


Im langen Kleide keusch ist gewandelt auf
Der schwesterlichen Insel Lesbos,
Mädchen besingend, die süßen Blüten.

Ja, Sappho hat den Bruder geliebt und auch


Der liebevollen Mutter geklagt ihr Leid
Und lieb war ihr zumeist die Tochter,
Aber Alkäus auch, lieb ihr Phaon.

Erfinderin der lyrischen Leier sie,


Sie schlug die siebensaitige Lyra, sang
Ihr Herz voll Liebe und die Göttin:
Monotheistische Aphrodite!

SOKRATES

Dass Sokrates vermählt mit Xanthippe war,


Das war der guten Vorsehung weiser Plan,
Weil sie mit Kot ihn stets begossen,
Floh er zum Philosophieren lieber.

Und schöner als die zänkische Ehefrau


War sinnlich-schön Aspasia, war auch klug,
Sie disputierte über Dinge
Menschlicher Weisheit mit dem Denker.

Doch schöner als Aspasia selbst erschien


Der Knabe Alkibiades Sokrates,
Mit goldnen Locken, blauen Augen,
Körpergestalt wie ein Gott Apollon!

Allein die höchste Form der Erotik war


Die Priesterin von Mantua, wenn sie sprach
Von Eros und von Gottes Schönheit,
Sokrates sagt es den Zechkumpanen.

PLATON

Er sah den weisen Sokrates sterben fromm


Und trinken seinen Becher mit Schierlingsgift
Und setzte Sokrates ein Denkmal,
Wie er gedient hat dem Gott der Wahrheit.

Zwar Sokrates war hässlich, dem Satyr gleich,


In seiner körperlichen Gestalt, doch schön
Die Grazien in seiner Seele,
Das war der Anfang der innern Weisheit.

Denn von der Schönheit steigt eine Leiter bis


Zu Gott hinauf, zur göttlichen Schönheit, auch
Urania genannt, des Himmels
Göttlicher Schönheit der Aphrodite.

Das Höchste Gut der Schönheit ein Schleier ist


Vorm Angesicht der nackenden Wahrheit, die
Ist eine Gottheit, eine Gutheit,
So ist der Höchste vollkommne Güte.

Und diese Wahrheit schaute der Philosoph


Und Aphrodite schaute der Dichter einst
Im Himmelreiche der Ideen,
Aber dann, wehe, ward er empfangen

Im finstern Kerker materiellen Leibs,


Es ist das Sarx des Menschen ja nur ein Sarg,
Der Philosoph begehrt zu sterben,
Um in Elysium Gott zu schauen.

Wenn einer in platonischer Liebe schaut


Im Knaben Gott, im Mädchen Urania,
Der Schwan dann breitet seine Schwingen,
Jubelnd er singt in der Todesstunde!

Der Böse aber muss in den Feuersee!


Die Lauen werden feurig gereinigt! O,
Die Liebenden und Weisen schauen
Dann in Elysium Gottes Schönheit!

PLOTIN

Der Jünger Platons, Plotin, war unerzeugt,


Er hatte keinen Zeuger der Leiblichkeit,
Kein Mutterschoß hat ihn geboren,
Ach, wie er schämte sich seines Fleisches,

Dass er ein Götterfunke im Tierleib war!


Des Leibes Schönheit, was ist das Schöne dran?
Der Seele Schönheit ist das Wahre!
Göttliche Schönheit ist Aphrodite!

Urania, die göttliche Schönheit, die


Von einem reinen geistigen Wesen ist,
Die göttliche Natur, erkennbar
Nur in der trunknen Ekstase: Liebe!

Der wahre Eros reißt zu der Gottheit hin!


Sie ist die reine super-natürliche
All-Einheit, welche eine Dreiheit:
Denker, Gedachtes und reines Denken!

ARISTOTELES

Wenn Platon in der Akademie allein


Mit seinen Jüngern schwatze von den Ideen
Und Aristoteles nicht da war,
Dann sagte Platon: Es fehlt der Geist heut!

Belesen war der Peripatetiker


Und weil er lesen wollte, so schlief er kaum.
Die himmlischen Ideen Platons
Hat er ersetzt durch die reinen Formen.

(Was reine Form war, wusste der Philosoph


Von Phryne, von der schönsten Hetäre der
Antike, die der Aphrodite
Stand zum Modell auf der Insel Knidos!)

Gott ist der Erstbeweger, ist anfangslos,


Der Urgrund aller Ursachen, Wirkungen,
Gott ist das Wesen aller Wesen,
Gott ist das Ziel aller Kreaturen.

Die Menschen können lieben den Einen Gott,


Der Gott des Aristoteles liebt nicht selbst.
Es ist nur konsequente Logik,
Gott als den Ewigen anzubeten.

KONFUZIUS

Im gelben Reich Konfuzius las sehr viel


Und sammelte die Bücher des Altertums,
Dreihundert Oden, Buch der Wandlung,
Alles der Philosoph kommentierte.

Er zog umher als Fürstenerzieher, doch


Er hatte keinen rechten Erfolg am Hof.
So zog er lehrend durch die Städte,
Immer um ihn seine Schar von Jüngern.

Er lehrte, dass der Himmel ein Vater ist


Und dass der Kaiser Himmelssohn opfernd ist
Und dass der Vater der Familie
Innig verbunden dem Erstgebornen.

Und wenn nur die Familie in Ordnung ist,


Kommt auch das Reich der Mitte in Ordnung, und
Wenn Ordnung herrscht im Reich der Mitte,
Herrscht auf dem Weltkreis des Himmels Ordnung.

Wenn nur die Ahnen werden verehrt, dann lebt


Die Hoffnung für die Zukunft auch in der Welt,
Denn das ist Ewigkeit des Lebens,
Ahnen zu ehren im Schrein des Hauses.

LAO TSE

Der alte Lao Tse war ein Archivar,


Er floh aus dem verworrenen Fürstentum,
Da ritt er in das Westgebirge,
Ließ seine Weisheit zurück den Menschen.

Der Weg der Weisheit, Tao genannt, ist Weib,


Die Mutter ists der zehntausend Dinge, ist
Das ewig-weibliche Geheimnis,
Göttlich und mystisch und unaussprechlich.

Sie ist das Urbild aller der Bilder, ist


Die Güte und die Heiligkeit, feminin
In ihrer Demut, ihrer Sanftheit,
Rettet die Menschen durch reine Liebe.

Die Tao ist die göttliche Liebe, die


Zu Guten und zu Bösen die Liebe lehrt.
Sie ist der alten Meister Weisheit,
Sie ist die Heiligkeit wahrer Menschen.

Die Menschen aber lieben mehr Speis und Trank


Und wollen von der Weisheit nichts hören, nein,
Sind lieber lustig in dem Frühling,
Aber der Weise ist melancholisch,

Der Weise in der Einöde Mitte, ach,


Die andern Menschen suchen das Glück der Welt,
Der Weise, einsam, ehrt die Mutter,
Liebt seine nährende Mutter Tao!

BUDDHA

Der Prinz, sein Vater reich war an Geld und Gut,


Siddartha sah die Leiden in dieser Welt,
Sah Alter, Krankheit, Armut, Sterben,
Dass ihn der Weltekel ganz ergriffen!

Er wollte wissen: Was ist das Leiden und


Was ist die Überwindung des Leidens? Still
Saß unterm Feigenbaum der Buddha,
Bis er gefunden im Geist die Einsicht:

Gebornes Individuum sein ist Leid,


Erlöschen der Persönlichkeit ist das Heil,
Als Tropfen aufzugehn im Meere,
Ewig verlöschen im Ungewordnen!

SHI HUANG DI

Der Erste Kaiser aller Chinesen war


Tyrann, der Weisheitsschriften verbrannte, er
Erkannte nur den Legalismus:
Ich bin der Staat, das Gesetz des Himmels!

Doch suchte er Unsterblichkeit für den Geist,


Er suchte nach der Insel der Seligen,
Nach Peng-lai-shan im gelben Ostmeer,
Wo die Unsterblichen ewig leben.

Er baute sich die Anlage seines Grabs,


Zehntausend Terrakotta-Soldaten dort
Beschützten seine Fahrt ins Jenseits,
Sollten ihn schützen vor den Dämonen.

KLEOPATRA

Kleopatra war Inkarnation im Thron


Der Göttin Isis, Göttin der Weisheit und
Weltseele, freier Liebe Göttin,
Heilige Hure des Altertumes.

Sie war die letzte orientalische


Allkaiserin als heilige Hure auf
Dem Thron der wilden Liebesgöttin,
Göttin der Fruchtbarkeit und der Unzucht.

Sie liebte Mark Antonius lasterhaft


Und liebte dann den Julius Cäsar auch,
Der Venus Dirne, Kypris' Sklavin,
Heilige Hure von Gottes Gnaden!

Sie löste eine Perle im Essig auf


Und trank im Kelch den Reichtum der Kaiserin,
Legt eine Schlange an den Busen,
Starb an der heiligen Schlange Giftbiss.

CÄSAR

Es war die Venus Genetrix Mutter des


Cäsaren in der Ewigen Roma Reich.
Rom herrschte in der Ökumene,
Ewige Roma und Venus' Cäsar.

Nach Romas Republik kam das Kaisertum,


Der großen Roma Weltmonarchie, zum Gott
Auf Erden ward erklärt der Cäsar,
Fleischwerdung Gottes war Romas Cäsar.

Er starb durch seinen Pflegesohn Brutus, ach,


Auch du, mein Sohn, bist Mörder des Cäsars? Doch
Er fuhr gen Himmel auf, zu Jove,
Jupiter-Vater, dem Gott der Götter!

ARMINIUS

Arminius im Walde von Teutoburg


Befreite die Germanen vom Mittelmeer
Und von der Roma Göttin Venus,
Deutsche verehrten die keusche Hertha.

Doch Romas Sklavin wurde Thusnelda, die


Gefangen in Italien. Deutsche, ehrt
Thusnelda, trotz der schlechten Dichter!
Keusche und siegsfromme deutsche Jungfrau!

AUGUSTUS
Man pries den großen Kaiser Augustus Gott
Und Gottessohn und Heiland der ganzen Welt,
Der Mann, der bringt zurück Saturnus'
Goldenes Zeitalter, Heil und Frieden.

Augustus brachte gnädig der ganzen Welt


Die Pax Romana. Göttin des Friedens, Pax!
Die Monarchie der Welt und Romas
Segne mit deiner erwünschten Gnade!

Augustus hörte fromm der Sibylle Wort:


Es kommt die reine Jungfrau mit ihrem Sohn,
Nimmt in Besitz das Reich von Roma!
Kaiser Augustus rief an die Jungfrau!

VERGIL

Ein heiliger Adventdichter war Vergil


Und sang in seiner Vierten Ekloge Gott
Als Knaben, der geboren wird, des
Goldenen Zeitalters Fürst des Friedens.

Dann werden liegen Lämmer bei Löwen und


Die Disteln tragen Feigen, die Arche kommt
Und Friede herrschen wird auf Erden,
Kommt erst der göttliche Knaben-König.

Die Jungfrau wird gebären den Göttersohn.


Doch wer die Jungfrau-Mutter nicht ehren wird,
Wird niemals liegen voller Liebe
Selig im Bette der Liebesgöttin!

JESUS

O der Gottmensch Jesus gekreuzigt wurde


An der Römer Kreuz für Verbrecher, Juda,
Roma, beide kreuzigten Jesus, wehe,
Gott ist gestorben!

Halleluja! Auferweckt ward der Gottmensch,


Überwunden Teufel und Tod und Sünde,
Auferstanden Jesus, der Himmel offen
Ewigen Lebens!

PAULUS

Der Jude Paulus ritt nach Damaskus, um


Die Christen zu verfolgen, den neuen Weg,
Da fiel er von dem hohen Rosse,
Christus erschien ihm, das Haupt der Kirche.
Und da begab sich Paulus in Einsamkeit,
Allein das Evangelium anzuschaun,
Und jetzt verstand er erst den Mose,
Jungfrau Torah hat sich ihm entschleiert.

Dann ging er erst zu Petrus, der war der Fels,


Und Petrus sandte Paulus nach Griechenland,
Und Paulus reiste nicht allein, mit
Ihm war die heilige Charis Gottes.

Und Paulus ward entrückt in das Paradies,


Er war im dritten Himmel der Charis, da
Sah er das Antlitz Jesu Christi,
Sah in das blendende Licht der Gottheit.

Er war jedoch in Asien so bedrängt,


Es schien beschlossen ihm schon ein früher Tod.
Er musste sehr mit Christus leiden,
Aber so kam zu ihm Gottes Weisheit.

Er kam nach Rom, auch Markus war mit ihm da,


Da lehrte er die Rettung aus Charis und
Durch Pistis, und er starb als Zeuge,
Selig er ist nun im dritten Himmel.

SIMON MAGUS

Der Heide Simon Magus war Gnostiker,


Er gab sich aus als Gotteskraft, große Kraft,
Der Gottheit Kraft als Hypostase,
Welche zur heiligen Hochzeit wählte

Die schöne Hure Helena, vom Bordell


Aus Tyrus kam sie, war die Geliebte des
Erwählten, mystische Gemahlin,
Heiliger Hochzeit die Braut und Gattin.

Die schöne Hure Helena vom Bordell


War einst als schöne Helena Spartas schon
Auf Erden, aber neu geboren
War sie nun gnostische Hierodule.

So Simon Magus kam von dem Himmel als


Der Retter Christus, Helena seine Braut
Als die gefallene Sophia,
Heilige Hure und Braut Sophia.

Sophia Hypostase der Gottheit war,


Gefallen sündig in die Materia,
Als Hure dienend im Bordell, da
Christus die heilige Hure freite

Und sie befreite rettend aus dieser Welt


Und mit der schönen Hure gen Himmel fuhr,
Wo er im Himmel Hochzeit feiert,
Christus vereinigt sich mit Sophia.

AUGUSTINUS

Die fromme Mutter Monica betete


Die flüssigen Gebete wie herben Wein,
Denn Augustinus war als Jüngling
Fern von dem christlichen wahren Glauben.

Er hielt die Bibel nur für ein Fabelbuch,


Ein Buch nur für die Unweisen dieser Welt,
Ihm schienen weiser Manichäer
Mit ihren Spekulationen, geistig

War Augustinus, doch auch voll Fleischeslust,


So lebte er im Konkubinat, das Weib
Unehelich gebar den Sohn ihm,
Adeodatus, von Gott gegeben!

Dem Denker schien Vergil eleganter doch


Als Davids Psalmen, Cicero weiser doch
Als Paulus, Augustinus liebte
Schöne Beredsamkeit und Rhetorik.

So hörte er Ambrosius zu, der war


Ein Bischof in Milano und sprach sehr schön,
Beredsam von der Weisheit Gottes,
Deutete weise die Bibel mystisch.

Und Augustinus hörte ein Kind vorm Haus,


Das Kind sprach: Nimm und lies, nimm und lies das Buch!
Und Augustinus nahm die Bibel,
Siehe, da traf ihn der Logos Gottes,

Da sprach aus Jesu Worten der Geist zu ihm,


Das Buch war ein lebendiges Gotteswort:
Leg ab die fleischliche Begierde,
Ziehe den Herrn an im weißen Taufkleid!

MOHAMMED

Vermählt der Kaufmann Mohammed war mit der


Geliebten Frau Kadischa, die Christin war,
So hörte er vom Einen Gotte,
Manche Geschichte auch aus der Bibel.
Er konnte selber lesen und schreiben nicht,
Doch hört er der arabischen Bibel Wort.
Der Epileptiker ekstatisch
Hatte Visionen vom Einen Gotte.

Kadischa ihn ermutigte: Schau und hör!


Sie hoffte, dass er Christ werde. Aber Gott
Erkannte er nicht als Drei-Einen,
Sondern als einsamen Gott und Herrscher.

In Mekka aber ehrte Allath das Volk,


Die Göttin der Natur, in dem schwarzen Stein,
Der einst vom Himmel war gefallen,
Ehrte die Göttinnen und die Götter.

Doch Mohammed verkündete Einen Gott,


Die Menschen seien Sklaven des Gottes nur,
Gott ist der Schöpfer, voll Erbarmen,
Richtet die Lebenden und die Toten.

Doch die Mekkaner jagten den Seher fort,


Da griff der Seher Mohammed zu dem Schwert,
Durch Krieg verbreitend seine Botschaft
Von dem alleinigen Gott und Herrscher.

Kadischa starb, und Mohammed trauerte,


Dann aber legte er sich den Harem zu,
Wie es im Orient war üblich,
Sechsjährig war seine Braut Aischa,

Neun Jahre, als die Ehe vollzogen ward,


Auch nahm er seines Pflegesohns Ehefrau,
Die junge Zainab, die er schaute
Nachts nur im Nachthemde vor ihm stehen.

Am liebsten war die Tochter ihm, Fatima.


Er liebte sehr die Frauen. Im Paradies
Im Himmelszelt die Huris liegen,
Immer jungfräulich nach jedem Akte.

Und Mohammed eroberte Asien


Und Afrika, zerstörte das Christentum
In Syrien, Ägypten, Babel,
Brachte den Glaubenskrieg auf die Erde.

KARL DER GROSZE

Karl stiftete das Frankenreich, Gottes Knecht,


Der Papst in Rom, der König der Könige,
Ihm setzte auf die Kaiserkrone,
Karl war ein Kaiser von Gottes Gnaden.

Karl hat gekämpft mit Widukind, Heide war


Der Sachse, aber ließ sich dann taufen doch.
Karl thronte auf dem Thron zu Aachen,
Kaiserin Aachens die Gottesmutter.

Doch darf man auch den Roland vergessen nicht!


Er war des Kaisers Paladin in dem Kampf
Mit grausam-wilden Sarazenen
Einst in dem heiligen Kriege Gottes.

Er liebte die Prinzessin von China, ach,


Angelika, die Ritterin, wunderschön,
Sie aber liebte einen andern,
Er sank in Wahnsinn vor Liebeskummer,

Verstreute seine Waffen in dem Gebüsch


Und irrte nackt durch Frankreich, verrückt und nackt.
Sein Freund flog auf dem Pferd zum Mond, um
Rolands Vernunft von dem Mond zu holen.

DIE OTTONEN

Gestiftet ward das römische Kaiserreich


Im Christentum der deutschen Nation. Der Papst
Hat eingesetzt die deutschen Kaiser,
Sächsische Christen von Gottes Gnaden.

Ein starker Mann war Otto der Erste, ritt


Von Pfalz zu Pfalz, beweglichen Kaiserthrons
Im Sattel auf des Pferdes Rücken.
Otto der Dritte war fromm und mönchisch.

Ihr Reich lag zwischen Roma und Magdeburg.


Es kam die byzantinische Kaiserin
Theophanu mit Kunst und Schönheit,
Sachsen durchs Griechentum zu veredeln.

GROSZFÜRST WLADIMIR

Wladimir, seine Großmutter Anna war


Getaufte Christin, suchte fürs Fürstentum
Von Kiew eine Glaubens-Einheit,
Forschte in allen den Religionen,

In der Germanen Mythologie von Thor,


In Zarathustras feuriger Religion,
Der Juden Glauben an den Namen,
Mohammeds Glauben an Gott den Herrscher,
Doch da Muslimen Rauschtrank verboten, sprach
Wladimir: Das ist nichts für das Russenvolk.
Dann sah er in Byzanz die Messe,
Göttlich-liturgische Opferhandlung,

Im Anschaun der Ikone Sophias ward


Gefleht zu reinen Gottesgebärerin
Und Jesus Christus, Sohn des Vaters,
Russlands Erlöser, dem Christus Russlands!

DIE TANG-DYNASTIE

Der Kaiser Chinas, Ming-Huang, von den Tang,


Zur kulturellen Blüte hat er gebracht
Die Tochter Xian, in der Hauptstadt
Lebten die besten Poeten Chinas,

Beamte sie des Kaiser, wie Li Tai-bo,


Du Fu, Wang Wei und Bo Djü-I. Die Natur
War ihre Muse, Himmel, Erde,
Berge und Meere und Mond und Blüten.

Die Lieblingskonkubine des Kaisers war


Die wunderschöne Lady Yang Gue-fe, die
Fatale Frau, Modell der Schönheit,
Welche das Kaisertum ruinierte.

Der gute Kaiser förderte die Kultur


Und Religion. Das Christentum war am Hof
Durch Alopen vertreten, Bischof
Christlicher Nestorianer-Sekte.

Der Türke An Lu-shan in der Rebellion


Den Kaiser stürzte. Tang floh mit Lady Yang,
Und Li Tai-Bo in der Verbannung
Trunken unsterbliche Lieder lallte,

Er haschte nach dem Mond in dem Spiegelbild,


Im Dung-Ting-See der Dichter ertrunken ist,
Fuhr in die Phönixstadt am Ende
Schimmernder Milchstraße an dem Himmel.

MARCO POLO

Als Kublai-Khan der Kaiser von China war,


Da schrieb er einen Brief an den Papst in Rom
Und bat den Papst um Missionare,
Welche die christliche Weisheit lehren.
Der Papst hat Marco Polo gesandt, der jung
Und kräftig war, er nahm seinen Onkel mit,
Sie sind durch Persien geritten,
Und es versetzte ihr Glaube Berge,

Sie ritten durch die Wüste von Gobi, sind


Zum Kaiserhof gekommen und fanden schön
Das Reich der Mitte, Jungfrau China,
Drachen und Phönixe, Mond und Jade.

Sie brachten mit die Nudeln des Lebens, die


Spaghetti, die Italien gerne isst,
Schwarzpulver auch für die Raketen,
Donnergetöse zum Neujahrsfeste.

DANTE

Er schaute Beatrice, neun Jahre jung,


Und dichtete die schönsten Sonette ihr,
Er sah sie sterben, schaute Amor,
Der hielt das brennende Herz der Liebsten!

Dann irrte er im finsteren Wald, Vernunft


Hat ihn geführt ins heiße Inferno, dort
Sah Brutus er und Judas brennen,
Aber vor allem das Arschloch Satans!

Ins Fegefeuer führte Vernunft ihn dann,


Er sah das Fegefeuer der Sinnlichkeit,
In dem die Minnesänger brennen,
Da trat er ein in den Garten Eden...

Die Weisheit kam von oben, die göttliche


Geliebte Beatrice wars, hoch entzückt
Er reiste durch die sieben Himmel,
Bis er geschaut hat die Liebe Gottes!

HAFIZ

Er war der zweite Salomo, Liebeslied


Um Liebeslied dem Gott singend, der geliebt
Und liebend ist, dem Gott der Liebe,
Der in der irdischen Liebe lodert!

Und also sang die Freundin er, welche schön


Und heiß war, wie die mystische Rose rot,
Doch hörte sie nicht seine Werbung,
So sang die Nachtigall voller Schmerzen!

Auch sang er schön den lieblichen Knaben, der


War Schenke in der Kirche verbotnen Weins,
Wie schön und rein war seine Unschuld,
Ja, dieser Knabe war Gottes Engel!

Vor allem aber sang er berauschendes


Getränk, er sang den spirituellen Drink,
Verboten vom Koran, doch heilig,
Blut des Messias im Kelch der Liebe!

DIE KREUZZÜGE

In dem gelobten Lande die heiligen


Geweihten Pilgerstätten der Christenheit,
Die Grotte der Geburt des Heilands
Und das hochheilige Grab des Retters,

Sie wurden von den Moslems vernichtet und


Ermordet wurden christliche Pilger, dass
Die Christen Zions an die Christen
Romas die flehenden Briefe schrieben:

Ihr Ritter Jesu Christi, marschiert schnell ein


Und rettet eure Brüder im Orient!
Ein Seliger der Papst in Roma,
Christliche Könige von Europa

Er flehte an, auf Kreuzfahrt zu gehen, und


Auch Bernhard von Claiveaux hat gepredigt dies,
Dass sich verteidigen die Christen
Gegen den Terror der Krieger Allahs!

HILDEGARD VON BINGEN

Sie schaute in Visionen die Caritas,


Das Himmelsmädchen göttlicher Liebe, die
Am Busen säugt den Gottesknaben,
Liebe als göttliche Feminine!

Sie schaute in Visionen die Caritas,


Die weiblich lag im Ehebett Gottes nackt!
Die Caritas, die Magna Mater,
Führt in die mystische Hochzeitskammer!

Sie schaute auch die göttliche Weisheit, Frau


In Allem! Weib und Weltseele wunderschön!
Die Sapientia Divina
Gab die Visionen der kranken Nonne.

AKBHAR DER GROSZE


Der Herrscher war in Indien, wollte die
Welteinheitsrteligion stiften, dass vereint
Aus allen Glauben Einer werde,
Also lud ein er die Theologen.

Es kamen Hinduisten, Buddhisten und


Mohammedaner. Aber der Katholik,
Der Priester Christi, der blieb ferne.
Und als der Moslem zum Christen sagte:

Ich schwör auf den Koran, geh ins Feuer so,


Du schwöre auf die Bibel, ins Feuer geh!
Da sprach der Katholik: Wir glauben
Nicht an ein Buch, sondern an den Christus!

Die andern Religionen vermischten sich,


Da schrieben sie ein Credo der Einheit, Gott
War Einer, Akbhar war sein Priester,
Wiedergeboren die Seelen wandern.

BARBAROSSA

Der Kaiser Barbarossa begraben liegt


In einer Höhle in dem Kyffhäuser-Berg.
Da liegt er mit dem roten Barte,
Schlafend bei Rittern und edlen Rossen.

Und wenn in Deutschland Gottlosigkeit gesiegt


Und Anarchie vollkommen ist, kehrt zurück
Der fromme Kaiser Barbarossa,
Kommt als der mächtige Arm der Kirche!

COLLUMBUS

Ein Diener der katholischen Königin,


Von Spaniens Isabella, von Genua
Columbus wollte mutig segeln
Westwärts in Indiens Garten Eden.

Denn rund ist Mutter Erde, ist Gottes Ei,


Was auch der Wissenschaftler für Torheit spricht.
Im Westen finden wir den Osten,
Tellus, die göttliche, ist kein Teller.

So mit dem Schiffe Santa Maria fuhr


Columbus den atlantischen Ozean
Hinüber, suchte nicht Atlantis,
Suchte Johannes, den Priesterkönig
In Indien, dem Land von Gewürz und Gold.
Er kam im paradiesischen Kuba an,
Wo nackte Indianermädchen
Grüßten Columbus im Garten Eden.

So kam das Evangelium unsres Herrn


In das amerikanische Paradies,
Und mit dem Kreuz des Christus Jesus
Kam nach Amerika Gottes Mutter!

KARL DER FÜNFTE

Der Kaiser Karl der Fünfte, katholischer


Weltkaiser von dem Hause der Habsburger,
Regierte von den Philippinen
Bis nach Peru, bis nach Eldorado.

Die Sonne ging nicht unter in seinem Reich,


Ost-Indien, West-Indien war sein Land,
Ein Kaiser er von Gottes Gnaden,
Starker Verteidiger wahren Glaubens.

Ein Gott, ein Reich, ein Glaube! So Kaiser Karl


Die Welt vereinte unter dem Himmelreich,
Wo Christus war des Himmels Kaiser,
Himmlische Kaiserin Sankt Maria!

Im Alter zog der Kaiser ins Kloster ein


Und lebte nur noch frommem Gebet zu Gott.
Das Reich vererbte er dem Philipp,
Heiligem Könige Philipp, also

Schrieb einst im Brief Teresa von Jesus, die


Sprach von sich selbst: Ich bin nur ein Weib, dazu
Ein schlechtes Weib! Und doch Teresa
War die erwählte Geliebte Jesu.

LUTHER

Er war Student und liebte den Wein, Musik


Und schöne Weiber. Aber im Wettersturm
Sprach Gott zu Doktor Martin Luther
In dem Getöse von Blitz und Donner.

Und Martin Luther fürchtete sich vorm Herrn,


Voll Furcht vor dem allmächtigen Vatergott
Er weinend rief zu Santa Anna,
Großmutter Gottes, der Schutzfrau Luthers!

Und Luther ward ein Mönchlein und folgte nach


Dem weisen Augustinus, als er im Turm
Erkannte plötzlich Gottes Gnade,
Liebe, Erbarmen des lieben Gottes.

Doch war zuwider Luther der Götzendienst,


Da Gnade man zu kaufen gedachte, Geld
Befreie aus dem Fegefeuer,
Da man den Geldgötzen angebetet.

Da protestierte Luther: Allein die Huld


Des lieben Gottes, christlicher Glaube nur
Kann Seelen retten, nicht der Mammon,
Einzige Retterin ist die Gnade!

Des Antichristen Rattenschwanz hasste er,


Die Ketzer und Häretiker, Pöbel auch,
Der fromme Fürsten stürzen wollte,
Hasste häretische Bilderstürmer.

Er liebte Katharina von Bora, die


War eine fromme Zisterzienserin,
Herr Käthe nannte er die Liebste,
Wenn er betrunken vom Bier sie küsste.

SHAKESPEARE

Wie schön Miranda war in Amerika,


Die wunderschöne keusche Madonna aus
Italien, im Paradiese
War sie die Seele der schönen Schöpfung.

Wie schön war Phöbe, Hirtin im Frankrenreich,


Wie waren um sie alle verliebt im Wald,
Denn so gefällt es uns, wenn Liebe
Alles in Allen ist auf der Erde.

Wie schön war doch Kleopatra, Königin


Von Liebesgnaden göttlicher Isis, die
Den Julius und Mark geliebt hat,
Weisheit Ägyptens in Kypris' Kleide!

Wie schön die junge Julia, jung und schlank,


Dass Romeo der Rosamund bittern Hass
Vergaß vor dem Modell der Schönheit,
Jugend und Anmut und lieber Seele.

Wie schön war auch Titania, holde Fee,


Klaus Zettel mit dem Eselskopf war verliebt
In diese Königin der Elfen,
Barbusig, goldenes Haar mit Rosen!
So pries der Musenpriester Ben Jonson den
Poeten, der nicht griechisch sprach, nicht Latein,
Doch küsste ihn Britannias Muse,
Dass er Pan-Charis, die Göttin, lobte!

ELISABETH DIE GROSZE

Die Königin von England, Jungfräuliche,


Die Königin des Protestantismus, keusch,
Sie war die große Gloriana,
Himmlische Königin aller Elfen!

Da zwar die Protestanten vergaßen die


Erwählte Jungfrau Gottes Maria, doch
Sie sehnten sich nach einer Jungfrau,
Also sie sangen Elizas Reinheit.

Die Muse Edmund Spensers Eliza war,


Durch alle Tugend-Kategorien des
Antiken Philosophen führte
Aristotelisch die Jungfraun-Göttin.

Die Jungfrau war die Göttin des Meeres auch,


Die triumphierte über der Spanier
Armada. Jungfrau, triumphierend!
Muse Britanniens, die Jungfrau feire!

MATTEO RICCI

Es sandte die katholische Kirche aus


Franz Xaver, jesuitischen Missionar,
Und Jesuiten, Franziskaner,
Dass sie den Glauben nach China bringen.

Matteo Ricci kam an den Kaiserhof,


Es war die Zeit der Ming-Dynstie, der Mann
Den Kaiser wollt zu Gott bekehren,
Dass dann dem Himmelssohn folge China.

Auch Adam Schall von Bell war ein Missionar


Und wollt die konstantinische Wende auch.
Die Missionare schätzen Chinas
Weisheit kanonischer Weisheitsbücher.

Die Frage war nun: Wie wird der Herr genannt


Chinesisch? Etwa Shang-Di, der alte Gott
Des Vaters Himmel aus der Vorzeit?
Tian-Zhu nannte der Papst den Gottherrn!

Und was war mit der Ahnenverehrung nun


Zu tun im neuen christlichen Himmelreich?
Man unterband den Kult der Ahnen,
Heilige sollte das Reich verehren.

Doch dem Matteo Ricci gelang es nicht,


Den Kaiser zu bekehren zum Christentum.
Im Harem nur der Konkubinen
Hörten sie gern von der Gottesmutter!

Chinesen mochten Christus am Kreuz nicht sehn,


Denn unästhetisch war dieses Marterbild,
Die Konkubinen aber liebten
Bilder der Jungfrau mit kleinem Kindlein!

So China ehrt die Jungfrau Maria und


Verehrt sie als buddhistische Guan Yin,
Die himmlisch-schöne Jade-Jungfrau,
Mutter des göttlichen Allerbarmens!

ITALIENISCHE RENAISSANCE-MALER

Der große Michelangelo irrte sich,


Der Mann ist nicht der göttlichen Schönheit gleich,
Es ist die junge Frau, die nackte,
Schön ist die Pieta auch von Marmor.

Doch malte Michelangelo Adam nackt,


Von Gottes Finger schöpferisch erst belebt,
Gott-Vater, Jupiter vergleichbar,
Hielt schon im Arme die nackte Eva!

Doch Botticelli wusste: Die Frau ist schön,


Er sah die junge göttliche Schönheit nackt,
Die Jungfrau Venus auf der Muschel,
Fromme Ikone der Schönheit Gottes!

Die selbe Simonetta, die stand Modell


Zur jungen nackten Venus, die stand Modell
Auch zur Madonna mit Granate
Und zur Ikone der Nackten Wahrheit!

Dann kam der Träumer Raffael, ihm erschien


Madonna auf der Wolke, die Füße nackt,
Die Cherubim und Seraphinen
Beten Madonna an, Gottes Schönheit!

Mit Gold gemalt hat Tizian schön die Frau,


Die Venus von Urbino, die jung und schön
Lag auf dem Bette, nackte Jungfrau,
Spielend die Finger am keuschen Schoße.

Zuletzt der alte Tizian malte froh


Und fromm Madonnas Himmelfahrt, den Triumph
Der Frau, die auffährt in den Himmel,
Seelisch und leiblich verklärt von Jahwe!

VOLTAIRE

Es kam die Zeit der Aufklärung. Die Vernunft


Des Menschen ward zur Göttin erklärt. La France
Verehrte diese Menschengöttin,
Spöttisch Voltaire war ihr erster Diener.

Er sagte seinen Freunden: Und kommt der Tod


Zu mir, ruft bitte keinen katholischen
Weltpriester mit dem Sakramente,
Schwört es mir, bleibt mir vom Leib mit Christus,

Und wenn ich in der Stunde des Todes auch


Euch heule voll die Ohren: O schickt zu mir
Den Priester doch mit Christi Corpus,
Schwört es mir, hört nicht auf meine Bitte!

Und also lag Voltaire in dem Sterbebett


Und war erfüllt von Todesangst grauenhaft,
Er träumte nicht mehr von der Göttin
Menschlichen Denkens und nicht von Mädchen,

Er bat den Freund um Eines nur: Bring mir Gott!


Bringt mir das Allerheiligste Sakrament!
Doch sprach der Freund: Ich hab geschworen…
So starb der Philosoph ungetröstet.

ROBESPIERRE

Wie war die Göttin blutrünstig! Die Vernunft


Errichtet die tyrannische Despotie,
Sagt sie sich los vom wahren Glauben,
So wird die Göttin zur Welttyrannin!

Und Robespierre, ihr Henkersknecht, Advokat


Des Teufels, war des Terrorregimes Despot,
Das Kreuz ward abgeschafft, es herrschte
Nun die Vernunft mit der Guillotine!

Ein Meer von Blut! Paris ward im Blut ertränkt!


Die Mädchen gingen nackt durch die Stadt Paris
In revolutionärer Mode.
Das war die Freiheit – die sexuelle!

Die Göttin frisst die eigenen Kinder auf


Und Robespierre ward guillotiniert, Marat
Ermordet von Charlotte Corday.
Ruhm sei der Männin Charlotte Corday!

DEUTSCHER IDEALISMUS

Die Welt ist nicht erkennbar, so sagte Kant,


Und Gott ist nicht beweisbar durch die Vernunft.
Subjekte kennen sich nur selber,
Nur die Vernunft gibt’s und das Gewissen.

Und Fichte sprach vom Ego, das absolut


Und frei ist, dieses Ego allein, es steht
Dem ganzen Nicht-Ich gegenüber,
Einzig gewiss ist allein das Ego.

Und Hegel sprach: Ein werdender Gott ist Gott,


Gott wird zum Nicht-Gott, Gott wird zur Welt, um dann
Im Künstler und im Philosophen
Gott erst zu werden, erlöster Weltgeist.

Und Schelling sprach: Die Weltseele ist von Gott,


Wir brauchen neue Mythologeme von
Der Religion, wir brauchen neue
Mythische Dichter, Propheten Gottes!

NAPOLEON

Voll Ehrgeiz war der korsische Jüngling und


Verzehrt von Ruhmbegierde der Mann! Sein Stern
Schien Weltherrschaft zu prophezeien,
Erbe der Revolution und Konsul

War Bonaparte, machthungrig war der Mann,


Erfolgreich militärisch war sein Genie,
Europa lag ihn schon zu Füßen,
Einzig der Zar widerstand dem Feldherrn,

Allein die große Moskau in Flammen stand,


Den Russen half das Väterchen Frost, es half
Die große schwarze Gottesmutter,
So ist der Kaiser geflohn, und Blüchner

Nahm ihn gefangen, Waterloo war die Schlacht,


Das war des Welteroberers Untergang,
Man brachte ihn zur Insel Elba,
Wieder der Kaiser erhob die Hörner,

Man brachte ihn nach Helena, wo er schrieb,


Allein, die Autobiographie, vielleicht
Er dachte noch an Josephine:
Küsse du mich auf den Mund und tiefer!

GOETHE

Ach, um das Weib herumzuspazieren und


Die feminine Herrlichkeit anzuschaun
Und darf doch ihrem Mund nicht küssen,
Da kann man besser sich selbst ermorden!

Ach, diese hohe Herrin, des Andern Frau,


Sie scheint wie eine Göttin Diana und
Die himmelfahrende Madonna,
Heiliger müsste man sein, beim Himmel!

Und diese schöne orientalische


Allgöttin oder Huri im Paradies!
Man möchte Dichter sein des Ostens,
Immer den göttlichen Namen lallend!

Ach diese schöne Helena, Venus gleich,


Ach wär man wie Homeros dies sehend blind!
Das ewigweibliche Geheimnis
Zieht uns hinan zu der Schönen Liebe!

NIETZSCHE

Die Tafeln des Gesetzes von Gott dem Herrn,


Die wollte dieser Altphilologe ganz
Verkehren und Gesetze geben
Seines ganz gottlosen Übermenschen.

Nicht mehr der Juden Sklavenmoral und nicht


Der Christen Hundedemut und Sokrates'
Daimonium und Buddhas Milde,
Einzig jetzt gelte die Herrenrasse.

Es gelte jetzt der Arier Herrenmacht,


Allein nur noch der Wille zu Macht, er rief
Herbei die Macht des Antichristen,
Kommend, der stürzte ihn in den Wahnsinn.

Da suchte er Erbarmen bei einem Pferd


Und nannte sich Dionysos an dem Kreuz.
Die Weisheit nannte er ein Weib, die
Einzig die Kriegsmänner liebt, die wilden.

LENIN

Sein Leben lang in Bibliotheken saß


Der Russe, Dialektik studierend und
Karl Marxens Materialismus,
Kriegstheorie auch der alten Preußen.

Er schuf sich eine Kaderpartei, die war


Bereit zur Machtergreifung, zum Klassenhass,
Er predigte den Terrorismus
Gegen den Zaren und Gottes Herrschaft.

Der Erste Weltkrieg brach in Europa aus,


Der Bruderkrieg der christlichen Kaiser, da
In dem Tumult empörter Massen
Herrschte das Vakuum auf dem Throne.

Und Lenin griff im Putsch nach der Macht im Staat


Und herrschte terroristisch, die Diktatur
Des Proletariats despotisch
War die Parteiherrschaft oder Lenins.

Im Terror und im Kriegskommunismus ging


Das alte fromme Russland zugrunde, nun
Der militante Atheismus
Sandte viel Märtyrer in den Himmel.

Doch kurz nach seiner Revolution verstarb


Der Sünder, doch er sprach auf dem Totenbett:
Ich brachte Russland nur den Terror,
Was Russland jetzt braucht, ist Sankt Franziskus!

STALIN

Der Mann ergriff die Herrschaft nach Lenins Tod


Und herrschte als der Stählerne, als Tyrann,
Er brachte um die Kameraden,
Mordete Mönche und Priester Gottes.

Er wollte Russlands Glauben an Gott den Herrn


Ersetzen durch den Glauben an ihn, den Gott,
Im Götzendienst vereint die Massen
Führen in offene Erden-Höllen.

Es war kein Gott auf Erden mehr als allein


Gott Stalin, antichristlicher Welttyrann,
Das fromme Russland ruinierend,
Teuflisch die östliche Welt erobernd.

Es weihte damals Pius der Zwölfte, Papst,


Die Welt und Russland Unserer Lieben Frau.
Da fragte Stalin nur ironisch:
Wo ist des Heiligen Vaters Heerschar?

Und Stalin starb, der Gott dieser Welt, Tyrann


Und Sklave Satans, trat vor den Richtergott.
Da sprach der Papst: Nun wird Herr Stalin
Sehen des Heiligen Vaters Heerschar!

HITLER

Wer Hitlers Stimme hörte im Radio,


Der hörte den Besessenen, die Legion
Der bösen Geister, in ihm herrschend,
Werkzeug des Teufels war Adolf Hitler.

Den Zweiten Weltkrieg wollte der Antichrist,


Der Herrenrasse arische Tyrannei,
Der Tochter Zion liebe Kinder
Wollte er opfern als Ganzbrandopfer!

Und wer nicht an die Hölle glaubt, wird belehrt,


Die Hölle ist für Satan und seine Schar,
Dort brennen Hitler nun und Stalin.
Niemand darf beten für Hitlers Seele!

DIETRICH BONHOEFFER

Ein heiliger bekennender Christ war er,


Der über den Tyrannenmord nachgedacht,
Er war Spion des Reiches Gottes,
Wurde gefangen und hingerichtet.

Die Liebesbriefe aus dem Gefängnis an


Maria sind prophetische Poesie.
Wer bin ich wirklich? Das weiß Gott nur!
Furchtlos ich trinke den Kelch der Leiden!

Und als die National-Sozialisten ihn


Zum Galgen führten, ihn zu ermorden, da
Sprach er: Ich werde gar nicht sterben,
Sondern ich gehe ins Licht, zur Liebe!

EDITH STEIN

Im Karmel Benedicta vom Kreuz genannt,


Hat Edith Stein geopfert ihr eignes Kreuz,
Als Jüdin und als Karmel-Nonne,
Konzentrationslager Auschwitz leidend,

Hat sie sich selbst geopfert für Israel,


Dass Israel an Jesus Messias glaubt,
Für Deutschland und die Kirche Romas,
Für die Familie und für den Karmel,
Und dass die Macht des Antichrist wird gestürzt
Und dass die Menschheit wird vor dem Krieg verschont,
Gab sie sich hin als Ganzbrandopfer,
Israels Kreuz, Zions Holocaustus

Erleidend an dem eigenen Leibe in


Des Antichristen Gaskammer. Und zuletzt
Allein und nackt im Feuerofen
Rief sie als Sterbende ihre Mutter.

ATOMBOMBENABWURF

In Japan blühten Kirschbäume weiß und keusch.


Der Mond sah auf die Inseln und auf das Meer,
Der Fujiyama lag in Träumen,
Haikus verfasste verliebt der Kaiser.

Geflogen kam Amerikas Flugzeug mit


Der atomaren Bombe, die Bombe fiel,
Hiroshima und Nagasaki
Wurden vernichtet, zehntausend Menschen

Im atomaren Blitze verbrannten, Haut


Floss von den Knochen, flüssige Haut, allein
Die Jesuiten Nagasakis
Blieben verschont, zu Maria betend.

Und die amerikanischen Krieger, die


Geworfen hatten Trinity, little Babe,
So nannten gottlos sie die Bomben,
Was ist geworden aus diesen Kriegern?

Der eine ging ins Kloster und läutete


Nur noch die Glocke? Einer im Irrenhaus
Nur lallte Unsinn? Und der dritte
Wusste sich selber nur zu ermorden?

Nein, sondern als Familienväter nun


Am Reihenhaus sie standen im Garten und
Mit ihren kleinen Kindern spielend
Dankten sie Gott für ihr schönes Leben.

In Japan Nagasaki, Hiroshima,


Kyoto sahn die Kraniche fliegen, weiß
Und strahlend, von den Strahlen strahlend,
Flogen die Kraniche in den Himmel.

GANDHI

Der Hindu hat die Bergpredigt Jesu selbst


Gelebt, er widerstand nicht dem Bösen mit
Dem Bösen, sondern tat das Gute,
Liebend und friedlich die große Seele!

Mahatma Gandhi sagte: Europa glaubt


Nicht mehr an Christi Liebe! Ihr Gott das Geld!
Europa ward zur Sklavin Satans!
Aber in Indien siegte Christus!

MAO TSE-TUNG

Der Kaiser Chinas wurde gestürzt. Der Christ


Und Demokrat versuchte die Republik.
Doch Mao und die Kommunisten
Siegten im Bürgerkrieg. Kommunismus

Ward eingeführt in China, die Diktatur


Des Führers Mao, den man als Gott verehrt,
Der herrschte durch den Terrorismus,
Hungersnot, mordend Millionen Menschen,

Brach aus in China, Bauern fraßen die Ratten und


Zuletzt der totgeborenen Babys Fleisch,
Das sei bekömmlich, meinte Mao,
Zyniker, Menschenfeind, Werkzeug Satans!

Die Kirche ward verfolgt, alle Religion


Verboten, nur der Mao-Kult war erlaubt,
Die kleine rote Mao-Bibel
Machte die Blinden gesund und sehend,

Die Toten wurden wieder lebendig durch


Die Worte Maos. Maos Ideen sind
Wie eine atomare Bombe,
Sagten die Ideologen Maos.

Und Mao rief die Jugend zur Rebellion,


Der Roten Garden Terrorregime, der Mord,
Beherrschte China. Mao lachte,
Endlich wird alle Kultur vernichtet!

Kein Wort mehr von Konfuzius, Lao Tse,


Gautama Buddha, Jesus! Ein Gott allein
Auf Erden herrschte, nämlich Satan!
Aber das Christentum ist gewachsen!

RUDI DUTSCHKE

Die kulturelle Revolution begann.


Die Roten Garden terrorisierten schon
Das Reich der Mitte, als in Prag man
Wollte mit menschlichem Antlitz endlich

Den wahren Sozialismus und in Paris


Studenten Barrikaden errichteten
Und in Amerika Studenten
Vietnamesischen Kommunismus

Erhoben zum Idol und in West-Berlin


Der Demagoge Dutschke trat auf, der sprach
Fanatisch von dem Sozialismus,
Revolution der Studenten Deutschlands!

Die kulturelle Revolution begann


Im Geist der Lügen-Ideologien des
Marxismus und des Feminismus
Und des fernöstlichen Okkultismus.

Mit Drogen, musikalischem Krach und Sex,


Mit freier Liebe, Terror und Luzifers
New Age, der Zeit des Wassermannes,
Wollten die Volksmassen sie verändern

In eine antichristliche Pöbelmacht!


Und Dutschke sprach: Die Revolution wird Zeit
Benötigen, doch wird sie siegen!
Lasst uns genießen die freie Liebe!

Denn Ehe und Familie müssen wir


Zerstören durch entfesselten Sex, denn die
Sind Säulen noch des Christentumes,
Hindern die Herrschaft des Kommunismus!

JOHANNES PAUL DER GROSZE

Er hat den Kommunismus gestürzt, die Rusj


Dem Unbefleckten Herzen geweiht und die
Berliner Mauer eingerissen!
Deutschland war frei und sang laut Te Deum,

Sang laut Te Deum laudamus, großer Gott!


Das war der Papst der Märtyrer, welcher knapp
Der kommunistischen Pistole
Tödlichen Schüssen entgangen, Rettung

Hat ihm gebracht Madonna von Fatima!


Von Land zu Land der Erde gereist ist er
Und weihte alle Völker, Zungen,
Stämme, Nationen der Unbefleckten!

Er war ein großer Friedensapostel, stritt


Für Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt
Und für die Heiligkeit des Lebens,
Fötusse waren dem Vater heilig!

Er war ein großer Vater der Menschheit, war


Der Jugend Vater, Vater der Armen und
Der Kinder und der Kranken Vater,
Bild des barmherzigen Vatergottes!

DRITTER WELTKRIEG

Mit dem Beginn des dritten Jahrtausends fing


Des Dritten Weltkriegs Terror an in der Welt,
Von Mexiko bis Philippinen,
Und von Nigeria bis nach London,

Der Terror herrschte und in Afghanistan,


Irak, Iran und Syrien, Pakistan,
Ägypten und Sudan und Mali,
Jemen und Libyen Terror herrschte,

Bis nach New York, Tschetschenien herrschte Krieg,


In Palästina, Israel herrschte Krieg,
In Indonesien und Thailand,
Überall wüteten Satans Krieger,

War überall der heilige Krieg am Werk,


Der Krieg der finstern Anbeter Satans, den
Sie ihren Gott und Herrscher nannten!
Mörder von Anbeginn ist der Satan!

PROPHETIE

Es kommt ein Neues Pfingsten, der Liebe Geist


Erweckt die charismatische Jugend, neu
Begeistert wird die Jugend
Und in den pfingstlichen Zungen singen!

Des Unbefleckten Herzens Triumph gewiss


Wird kommen, Russland findet den Glauben neu,
Die Orthodoxen, Katholiken
Sind dann vereint in der Una Sancta!

Es kommt ein neuer Frühling der Kirche, eins


Sind alle Jünger Christi in Gottes Geist
Und schöner wird die Kirche sein und
Jugendlich, faltenlos, voller Liebe!

Es kommt ein neuer Frühling der Menschheit, schön


Vereint sind in der Menschheitsfamilie dann
Die Religionen dieser Erde,
Leben im Friedensreich solidarisch!
Die Zivilisation schöner Liebe wird
Und die Kultur des Lebens gebildet sein,
Maria als der Menschheit Mutter
Herrscht mit dem Allkaiser Jesus Christus!

FRIEDENSGEBETE VON ASSISI

DIE TIBETISCHEN BUDDHISTEN BETEN ZUR WEISSEN TARA

Komm, o Weiße Tara, du femininer


Buddha, Millionen Äonen alte,
Du in deiner ewigen Jugendanmut,
Komm vom Nirwana,

Komm, erlöse alle gefangnen Wesen,


Die noch in der Wiedergeburten Kreislauf,
Die noch Ich sind, voll von dem Egoismus,
Werdelust, Ichsucht!

Komm, befreie alle die Kreaturen


Von dem Kerker sterblichen Körpers, führe
Alle Seelen aller der Wesen in die
Ewige Freiheit!

Mädchengöttin Tara! Auf dieser Erde


Herrscht der Krieg ich-süchtiger Menschenseelen,
Voller Habgier, Werdelust, Egozentrik,
Streit um das Haben!

Darum wir tibetischen Buddha-Mönche


Bitten dich als himmlische Jugendgöttin,
Dass du uns befreist von der Gier des Werdens,
Habgier des Habens!

Unsre Individuen du erlöse


In die Stille ewiger Leere, Freiheit,
Wo wir in harmonischem Frieden ruhen
Fern von dem Kriege.

Ändre bitte unser Bewusstsein, Jungfrau,


Dass wir Seelen werden des Allesbarmens,
Göttin der Barmherzigkeit, Boddhisattwa,
Mutter des Mitleids!

Du beende bitte den Krieg des Menschen


Gegen die Natur und die Kreaturen,
Krieg des Menschen gegen den Menschenbruder,
Streit in den Herzen!
Gib den Kuss harmonischer Liebe, schönste
Himmelsgöttin, gib uns den Kuss des Friedens,
Führe alle Wesen in der Erlösung
Lichtes Nirwana!

DIE CHINESISCHEN BUDDHISTIN BETEN ZU GUAN YIN

Guan Yin, du fromme Prinzessin, Nonne,


Die erlöst den feindlichen Vater, Tochter,
Die du aus der Wiedergeburten Kreislauf
Selig erlöst bist,

Mutter der Barmherzigkeit, Gnadengöttin,


Reine Jungfrau, spendend den Kindersegen,
Wie Tschang O stehst du auf des Mondes Sichel,
Fürstin des Himmels,

Die mit tausend Armen umarmt die Kinder,


Deren Leib bedeckt ist mit Sternenaugen,
Deren Muschelohren die wehen hören,
Klagen der Menschheit,

Femininer Avalokiteshvara,
Boddhisattwa weiblichen Allerbarmens,
Königin von China und Himmelsgöttin,
Schenk uns den Frieden!

Lass auf Erden ewiges Tao herrschen,


Wie im Himmel ewiges Tao herrschet,
Harmonie und ruhige Ordnung gib dem
Reiche der Mitte,

Und nicht nur dem Reiche der Mitte, sondern


Frieden allen Enden der Erde, Freiheit
Den Gefangnen, die in des Körpers Kerker
Dürsten nach Ruhe!

Sende uns die höheren Philosophen


Und die weise-trunknen Poeten Chinas,
Aller Völker Dichter, Propheten, Weise,
Sende den Geist uns

Und bekehre unser Bewusstsein, Göttin,


Dass wir stille Teiche den Mond nur spiegeln,
Dich nur spiegeln, Kaiserin des Erbarmens,
Himmlische Mutter!

Mach uns leer und frei von der Egozentrik,


Senke die Erlösung in unsre Seelen,
Alle Kreaturen mit Himmelsfrieden
Segne, o Jungfrau!

Lass die Waffen schweigen und Zank der Zungen,


Krieg der Herzen, sammle die Jugendlichen
Auf dem Platz des Himmlischen Friedens, Jungfrau,
Königin Chinas!

Komm, o Jungfrau-Mutter, erscheine China


Und erschein den Enden der Erde allen,
Segne Kaiser, Vater und Sohn, vereine
Phönix und Drache!

DIE TAOISTEN BETEN ZUM TAO

Tao, große himmlische Mutter aller


Wesen und der zehntausend Dinge, Tao,
Die du herrschst im Himmel, auf Erden, in den
Herzen der Menschen,

Komm, und wie du herrschest in Vater Himmel,


Herrsche auf der Erde auch, unsrer Mutter,
Gib, dass alle Menschen dem Tao folgen
Friedlich und weise.

Was denn ist der heilige Mensch des Tao?


Schau, er folgt alleine der großen Mutter!
Andre lieben Trank und Musik, der Weise
Liebt nur die Mutter!

Himmels-Urbild aller der Erden-Bilder,


Du Geheimnis, weibliche Himmelspforte,
Die du Weg und Wahrheit und Weisheit bist und
Herrin des Weltalls,

Lehre du die Menschen der Mutter Erde,


Weise, heilig, sanftmütig, voller Demut
Stets zu sein. Das weichere Wasser bricht die
Harten Gesteine,

Und die Demut siegt und die Menschenliebe,


Und die Sanftmut siegt und die Kindesliebe,
Wen der Himmel retten will, diesen rettet
Er durch die Liebe!

Wenn du herrschst, o Tao, im Menschenreiche,


Wird der große Staat nicht den kleinen Staat mehr
Mit Gewalt erobern, auf Feldern weiden
Kriegsrosse nimmer,

Wenn auf Erden wie in dem Himmel Tao


Herrscht und in den Herzen der Menschen, Friede
Wird dann in dem Reiche der Mitte herrschen,
Dann wird der Kaiser

Weise sein, ein Sohn er des Himmelsvaters,


Dann der Weise sitzt auf dem Drachenthrone,
Und beim Frühlingsopferfest preisen alle
Tao, die Mutter!

DIE HINDUISTEN BETEN ZU DEVI

Gott ist Ruhe, ewige Ruhe, aber


Seine Kraft ist Göttin, ist Akt und Wirken,
Diese Göttin, himmlische Mutter, rufen
Wir an dem Ganges.

Große Mutter, Siegerin in den Kriegen


Mit den bösen Geistern, die Welt zerstörend,
Menschen mit dem Irrtum verblendend, Mutter,
Töte die Teufel!

Die du ausgerüstet bist von den Göttern


Mit den Götterwaffen, zum Krieg des Himmels
Komm, vernichte alle Dämonen, alle
Feinde des Höchsten!

Wir sind deine Kinder, o Große Mutter,


Göttin Devi, deine ergebnen Söhne,
Ohne deine Allmacht ist nichts auf Erden,
Nichts in dem Kosmos.

Du, die große Schöpferin aller Welten,


Du bist eine schreckliche Schlachtengöttin
Gottes Feinden, aber den Menschenkindern
Liebende Mutter!

Ach, wir sind verblendet von Schein und Wahnsinn,


Allzusehr die sinnliche Welt verlockt uns,
Wir sind Sklaven unserer Liebestriebe,
Sklaven der Weltlust.

Aber du bist göttliche Wahrheit, Weisheit,


Komm, erleuchte unsere blinden Geister,
Lass durchschaun den Wahnsinn der blinden Scheinwelt,
Schenke uns Einsicht!

Unsre Seelengeister sind Atman, göttlich,


Gott ist Geist, ist göttlicher Brahman, einig,
Du vereine Atman mit Brahman mystisch,
Mystische Mutter,

Göttin, lass uns einswerden mit dem Gottgeist,


Dass wir schauen: Geist ist mit Gott vereinigt,
Ich bin Gott und Gott ist mein Ich und also
Bin ich Erlöster.

Mutter, aller Krieg um die Erdengüter,


Um den Götzen Geld, all der Hass, der Wahnsinn,
Schreit zu dir, o göttliche Mutter, dass sich
Menschen bekehren!

All die Sünden weltlicher Menschen, Habgier,


Streitlust, Wahnsinn, sinnliche Wollust schreien
Zu der Großen Mutter, bekehre alle,
Schenke Erlösung!

Mutter, wir, die Mönche vom Ganges, helfen


Gerne unsrer himmlischen Mutter siegen,
Darum murmeln oft wir dein Mantra, Mutter,
Heil Göttin Mutter!

Darum unsre Meditationen, Opfer,


Unsre Gnadengaben und unsre Armut,
Alles schenken ganz wir der lieben Mutter,
Dass du uns rettest!

DIE INDIANER BETEN ZUR PACHAMAMA

Pachamama, Mutter des Kornes, Mutter


Erde, heute rufen wir deine Huld an,
Unsre Mutter, wir deine Menschenkinder,
Söhne der Mutter!

Du bist die Natur und du bist die Gottheit,


Uns ist alles göttlich, und Sterne, Blumen,
Tiere, Frauen, alles ist göttlich, heilig,
Gott, du bist Alles!

Die Schamanen essen die Zauberpilze,


Und es raucht die Pfeife des Friedens immer,
Halluzinationen, Visionen kommen,
Lichte Momente,

Und da öffnen über uns sich die Himmel


Und wir sehn den Geist, sehn der Sonne Adler,
Sehn die Geister tanzen, wir sehn die Ahnen,
Götterdämonen,

Und wir träumen oft von den toten Ahnen,


Oft von unsern toten Geliebten, träumen,
Wandern in den ewigen Feldern, jagen,
Sprechen mit Tieren.

Alle Indianer versammeln ihre


Stämme und wir beten zum großen Geiste
Und zu Pachamama, der Großen Mutter,
Bitten um Frieden.

Mutter, schenk uns Frieden mit allen Brüdern,


Mutter, schenk uns Frieden mit allen Tieren,
Mutter, schenk uns Frieden mit allen Göttern,
Friede auf Erden,

Friede auf den ewigen Feldern, Mutter,


Friede mit den Ahnen und den Geliebten,
Friede mit dem Geiste, dem großen Geiste,
Friede, o Mutter!

Schütz die Indianer vor Bleichgesichtern,


Vor der Bleichgesichter gemeiner Goldgier,
Denn wir können Nuggets nicht essen, Mutter,
Nährende Mutter,

Doch die Bleichgesichter, sie lieben Gold nur,


Kommen mit den Waffen und führen Kriege,
Rotten aus die Rothäute, deine Kinder,
Mutter des Kornes,

Rotten aus die Rothäute nur aus Goldgier,


Denn ihr höchster Gott ist das Gold, doch
Wir verehren Mutter Natur, die nährt uns,
Alles ist Gottheit,

Auch der Büffel, welchen wir gerne essen,


Auch die Fische, welche wir gerne essen,
Die Kartoffeln, welche wir gerne essen,
Nährende Mutter,

Und das Wasser, da wir uns gerne baden,


Und das Feuer, zündend die Friedenspfeifen,
Und die Wolken, welche wir gerne lesen,
Brot ist uns göttlich.

DIE SUNNITISCHEN MUSLIME BETEN ZU AISCHA

Wie gesagt der Seher des Allerbarmens,


Ist das Paradies zu der Mütter Füßen.
Doch auf Erden leider der Männer Krieg herrscht,
Weltkrieg und Terror.

Darum wir die Fürbitte rufen an der


Lieblingsfrau der Sehers. Und nun, Aischa,
Bitte für den Frieden auf Erden, Mädchen,
Neunjährig Gattin,

Die du nicht im Ehebruch warst befunden,


Die du nur gepinkelt im Busch am Wege,
Die du wurdest sechsjährig schon Verlobte,
Neunjährig Gattin,

Die du trugst des Sehers Vermächtnis weiter,


Der er die Visionen sehr oft empfangen,
Wenn er lag an deinen geliebten Brüsten,
Sich dir vereinigt.

Allerliebste Ehegespielin, Herrin


Du des Harems, schenke der Welt den Frieden,
Die den Seher Liebe gelehrt, die Liebe
Seiner Geliebten

Und die Güte Gottes. Im Haus des Krieges


Leben alle, die glauben nicht Gottes Güte,
Und im Haus des Friedens die Frommen leben
Göttlicher Güte.

Den verbotnen Wein auf Aischas Liebe


Wir erheben, nämlich Aischa lehrt uns,
Gott nicht nur den Einzigen anzurufen,
Allah ist Alles,

Gott mein Ein und Alles, mein Schatz und Liebling!


Auf, Aischa, bitte für uns auf Erden,
Die wir voll der Liebe zu Frauen sind und
Araber-Pferden.

Wie am Himmel fliegende Schwäne bete,


Wie die Töchter Gottes, drei Gottestöchter,
Bete, dass die Menschheit ins Haus des Friedens
Eintritt voll Glauben,

Und dass alle Völker der Schrift vereinigt,


Juden mit der Jungfrau Torah und Christen
Mit dem Evangelium und Muslime
Mit dem Koranbuch,

Führe uns, Aischa, du Lieblingsherrin,


Dass die Juden lauschen der Schwester Aarons,
Dass die Christen lauschen der Jungfrau Mirjam,
Wir auf Aischa

Lauschen und auf Miriam, des Messias


Mutter, Jungfrau, die von dem Geist empfangen,
Jungfrau, frei von jeglichen Sündenflecken,
Führ uns, o Mirjam,

Dass wir würdig werden des Paradieses


Zu den Füßen unserer Himmelsmütter,
Dass wir würdig werden der Himmelsliebe
Herrlichster Huris!

Lehre die Verirrten, Prophetengattin,


Dass kein Mörder erben wird Gottes Garten,
Dass die Huris Liebende nur empfangen,
Friedliche Fromme!

Dann, Aischa, singen im Himmel Lobpreis


Die Poeten Mirjam, Aischa, Frauen
Gottes, in den Armen der Huris schmeckend
Ewige Liebe!

DIE SHIITISCHEN UND ALEWITISCHEN MUSLIME BETEN ZU FATIMA

O Propheten-Tochter, vom Himmel nahte


Einst der Engel Gabriel deiner Mutter
Und verhieß dem Mohammed eine Tochter
Himmlischen Glanzes!

Schöner bist du, Fatima, als die Engel,


Schöner bist du, Fatima, als die Peris,
Schöner bist du, Fatima, als die Huris,
Herrin der Huris,

Schöner bist du, Fatima, als die Töchter


Allahs, als die schwebenden Himmelsschwäne,
Die mit ihrer Fürbittmacht Gott bestürmen,
Göttinnen Mekkas!

Nur die Jungfrau Miriam, sie ist schöner,


Sie, die Himmelskönigin, welche schöner
Als die Göttin Sure vom Morgensterne,
Mirjam die Schönste!

Aber du, o Fatima, bist die Tochter


Des Propheten, Friede sei mit dir, Mädchen,
Gattin Alis, Märtyrers für den Glauben,
Wahren Kalifen.

Nach dem Tod des Mohammed wurde Ali


Der Kalif, der Hüter des Ein-Gott-Glaubens,
Seine Gattin Fatima war Prophetin,
Künderin Gottes.

Aber der islamische Terrorismus


Omars traf auf Fatimas Friedensliebe,
Zwanzigjährig Fatima litt durch Omar,
Litt für den Glauben.

Und sie schlugen Fatima wund und blutig,


Sie verlor die Leibesfrucht durch die Mörder,
Ward begraben, keiner weiß wo, die holde
Frau in dem Goldleib.

Nun, wir tragen Wundermedaillen gläubig


Um den Hals mit Fatimas Hand und bitten:
Deine Hand, o Fatima, schütz auf Erden
Alle Gerechten!

Nun wir weihen, Fatima, deinem Herzen


Unsre Welt, dem Herzen, das ohne Sünde,
Und wir bitten: Bete für uns, Geliebte,
Bete zum Richter,

Bitt für uns, o Fatima, zum Erbarmer,


Friede und Gerechtigkeit mögen kommen,
Denn es kommt Gerechtigkeit nur vom Herrn und
Friede auf Erden!

Bitt für uns, o Fatima, zu dem Schöpfer,


Dass er seine Schöpfung bewahre, Heil schenkt
Allen Kreaturen und allen Menschen,
Alten und Kindern!

Die du deine Leibesfrucht hast verloren,


Bete für die Leibesfrucht jeder Mutter,
Denn mit Satans Abtreibung kann nicht werden
Friede auf Erden!

Wir sind dein, o Fatima, deine Kinder,


Tochter Gottes, unsere Mutter bist du,
Und wir kleinen Kinder vertrauen ganz der
Heiligen Mutter!

DIE AFRIKANER BETEN ZUR KÖNIGIN DES SÜDENS

Jungfrau, die du lebtest im tiefen Süden,


Göttin, Mutter, Königin unsrer Völker,
Die du warest in dem Besitz der Weisheit,
Schwarze und Schöne,

Dir schrieb König Salomo Liebesbriefe,


Sandte dir den Wiedehopf mit der Botschaft:
Komm, o schwarze Königin, komm nach Juda,
Huldige Jahwe!

Ganz genau hat Salomo seine Augen


Auf der Jungfrau Beine gerichtet, nackte
Beine, die rasiert hat das junge Mädchen,
Beine des Fohlens!

Ja, du kamst vom Ende der Erde, Jungfrau,


Um zu hören Salomos kluge Predigt,
Auch sein Urteil über die beiden Huren
Hörtest du gerne.

Dir schrieb König Salomo Liebeslieder,


Muse seiner lyrischen Offenbarung.
Nur dem Schönen, Jungen und Schönen weiht der
Dichter den Griffel.

Dich liebt Jesus Christus, der Sohn des Vaters,


Der gesagt: Die Königin aus dem Südland
Wird erscheinen einst an dem Jüngsten Tage,
Sie fällt das Urteil

Über euch, ihr Sünder und Sünderinnen,


Denn sie lauschte Salomos Weisheit, aber
Hier ist mehr als Salomo, hier ist Jesus,
Ewige Weisheit!

O so komm, du Richterin aller Heiden,


Komm, und schenke Afrika deinen Frieden,
Gib den kleinen hungrigen Kindern Maismehl,
Milch der Madonna!

Bitte für die heidnischen Animisten,


Dass den Guten Gott sie im Herrn erkennen,
Nicht beschwören Götter und Geister länger
Oder die Ahnen.

Bitte für den Irrglauben der Muslime,


Die nicht glauben Jesus, dem Sohn des Vaters,
Seiner Offenbarung der drei Personen
Göttlicher Einheit.

Bitte für die irrenden Protestanten,


Unsre Brüder, die nicht den Corpus Christi
Lieben und nicht lieben die Jungfrau und den
Heiligen Vater.

Bitte für die Stämme im Bruderkriege,


Sei du Mutter aller der Afrikaner,
Dass dich alle Zungen der Afrikaner
Loben als Mutter.

Bitte für die teuflischen Terroristen,


Die Allah mit Satan verwechseln, Narren,
Sünder, Frevler, menschliche Teufel, Krieger,
Sklaven des Satan.

Bitte für die Hungernden und die Kranken,


Bitte für die Dürstenden und die Toten.
Satan will die Welt ohne Kinder haben,
Schütze die Kinder,

Bitte für die Föten im Mutterschoße,


Bitte für die Hungernden auf dem Müllplatz,
Bitte für die Kindersoldaten, schütz die
Kinder durch Liebe!

DIE JÜDISCHEN RABBINEN BETEN ZUR JUNGRFAU TORAH

Gott der Herr, der Ewige, seiner Tochter


Richtet eine Hochzeit aus in den Himmeln
Und auf Erden, sucht einen Ehegatten,
Mann seiner Tochter.

O du süße Jungfrau Torah im Himmel,


Die du wohnst in Gottes Palast im Himmel,
Zeige dich in Gottes Palast am Fenster,
Reizendes Mädchen!

Wenn der Schriftgelehrte nur einmal anschaut


Gottes Tochter Jungfrau Torah im Himmel,
Dürstet er, sie wieder zu sehen, immer
Wieder zu sehen.

Gottesmann, geh nicht zu dem fremden Weibe,


Zu der Ehefrau eines andern Mannes,
Geh nicht zu der Hure Frau Torheit, welche
Lebt mit Dämonen,

Sondern sei du treu deiner Jugendliebe,


Sei du treu dem Reh, der Gazelle Gottes,
Und berausche dich nur an ihren Brüsten,
Milchprallen Brüsten!

Warum ist die Jungfrau Torah dem Reh gleich?


Einen engen Muttermund hat das Reh und
Eine immerwährende Jungfrau ist die
Tochter des Höchsten.

Wenn der Schriftgelehrte auch fünfzig Jahre


Zählt, von Kindheit an in der Schrift studierte,
Bleibt doch jung die Jungfrau Torah, ein Mädchen,
Eng und jungfräulich,

Immer frisch und blühend und voller Neuheit,


Vierzehn, sechzehn oder auch neunzehn Jahre,
Immer ist ihr Hymen intakt, und fest und
Schön sind die Brüste!

Rufen wir die himmlische Jungfrau Tochter


Gottes an um Frieden für alle Völker,
Schenk den Frieden Israel, Palästina,
Heil allen Menschen!

Auserwähltes Gottesvolk aller Erden,


Juden, Gottesfürchtige, Proselyten,
Kommt und singt der himmlischen Jungfrau, Gottes
Wahrhafter Weisung!

Wenn der Schriftgelehrte studiert in Gottes


Weisung, in der Schriftrolle des Geliebten,
Kommt die Welt in Ordnung, studiert nur immer
Fleißig die Weisung!

O liebkost die Jungfrau Torah, beschaut sie,


Küsst sie mit den Küssen des Mundes, murmelt
Meditierend ewige Weisung Gottes,
Dann kommt der Friede.

Darum ist das Volk auch das auserwählte,


Dass es schenkt die Jungfrau Torah der Menschheit,
Dass Schalom auf Erden es werde, Heil und
Heiliger Friede.

Aber ohne Jungfrau Torah vergeblich


Sucht die Menschheit Frieden auf Erden, Friede
Ist der Name Gottes, und Gott allein schenkt
Frieden der Menschheit.

DIE JÜDISCHEN KABBALISTEN BETEN ZUR MATRONE SCHECHINA

O Matrone, Adam im Paradiese


Lebte mit der Einwohnung Gottes, seiner
Hilfe, seiner mystischen Ehegatiin,
Selig in Liebe.

Aber Adam hörte auf Eva, folgte


So der Schlange Luzifer, ward vertrieben
Aus dem Garten. Schechinah folgte Adam
In die Verbannung.

Mose in der Stiftshütte sah die Jungfrau


Und Matrone Schechinah, die Geliebte,
Sah die schöne Herrlichkeit aus dem Himmel
Strahlen auf Erden.

Jakob auf der Leiter zum Himmelreiche


Oben sah die Schechinah stehen lächelnd,
Aber er verlobte sich nicht mit ihr, denn
Rahel und Lea

Waren seine Weiber, und nicht die Herrin


In des Himmels Herrlichkeit. Doch die Kinder
Israel behütete stets die Mutter,
Gottheit auf Erden.

Doch der König Salomo voll der Weisheit


Hörte singen Schechinah und Jehovah
Ihre innergöttlichen Liebeslieder,
Hymnen der Hochzeit.

Denn Jehovah, göttlicher Geist des Himmels,


Ist der Gatte, Schechinah ist die Gattin,
Ist die Gott-Natur auf der Mutter Erde,
Gott in der Schöpfung.

Doch die Kinder Israel in Verbannung


Sehnen sich nach Gottes Messias. Mutter,
Führe uns zu Gottes Messias, zu dem
König der Juden!

O Matrone, Israels Kinder flehen


In Verbannung, dass der Messias komme,
Dass er kommt, der Friedefürst, zu der Erde,
Juden und Heiden.

O Matrone, wir sind verbannt auf Erden,


Christen und Muslime verfolgen Juden,
Jungfrau-Mutter Schechina, hilf den Juden,
Komm, o Messias!

O Matrone, o du Prinzessin Gottes,


Du bist Gottes Einwohnung in der Schöpfung,
Immanente Gottheit und Jungfrau-Mutter,
Herrin der Erde,

Richte du dein Himmelreich auf auf Erden,


Lass des Friedens Königreich Gottes herrschen
Auf der Erde, unserer Mutter Erde,
Herrsche, o Herrin,

Herrsche über Juden und alle Heiden,


Mutter Einer Menschheitsfamilie, Gottheit,
Mutter, Braut des Himmlischen Vaters Jahwe,
Vaters im Himmel!

Komm, o transzendenter Gebieter Jahwe,


In der immanenten Geliebten herrsche
Auf der Erde über die Menschen in dem
Reich des Messias!

DIE PROTESTANTEN BETEN ZUR HIMMLISCHEN BYBLIA


Weil die Bibel anfängt mit B, dem Worte
Bereschit, drum gibt’s eine Bibel mit A auch
An dem Anfang, das ist des Himmels Bibel,
Mutter des Buches.

Unsre Liebe, göttliche Tochter Bibel,


Gottes Wort im Menschenwort, Offenbarung,
Weisung, Prophezeiung und Freudenbotschaft,
Der wir gehorchen.

Erst verliebten wir uns in deine Kleider,


Die Frisur, die Locken mit goldnen Flechten,
Nasenring und Ohrringe, Perlenkette,
Hauchfeine Seide.

Dann verliebten wir uns in deinen Körper,


Da du nackt wie Eva im Garten Eden,
Wir betatschten deine Granaten-Brüste,
Wohnten dem Schoß bei.

Dann verliebten wir uns in deine Seele,


Denn dein Herz ist sanftmütig und bescheiden,
Du bist fromm und gütig, du liebevolle
Jungfrau und Mutter.

Dann verliebten wir uns in deine Gottheit,


Denn du bist Mysterium und du reichst in
Unsres Herrn Mysterium, Gottes Name
In dir geschrieben.

Wir in dem historischen Sinne forschten,


Denn du bist geschichtlichen Wesens, Jungfrau,
Und wir sahen Babel, Ägypten und die
Juden und Griechen.

Und wir sahn moralischen Anspruch, Tugend,


Hörten die persönliche Unterweisung,
Denn du meinst uns heute und ganz persönlich,
Liebende Mutter.

Auch den allegorischen Sinn erkannten


Wir im meditierenden Lesen, Murmeln,
Sahen in der Tora und den Propheten
Jesus den Christus.

Und wir hörten eschatologisch reden


Unsre Himmelsmutter, die Tochter Bibel,
Offenbarung ewigen Lebens, Gottes
Himmlische Hochzeit.

O du Jungfrau Byblia, Vielgeliebte,


Trunken von der Milch deiner Brüste, weise
Von den Testamenten der Bibel wurden
Wir an den Brüsten.

Und wir Schriftgelehrten erkoren Gottes


Eingeborne Byblia uns zur Freundin,
Zur Vertraute einsamer Stunden, Stunden
Liebender Weihe.

Schriftgelehrte wurden zu Ehemännern


Inspirierter Byblia und zu Gatten
Gottes in dem ewigen Wort, vermählt dem
Göttlichen Namen!

Alle Menschen sollen die Bibel lesen,


Alle Menschen sollen dem Wort gehorchen,
Alle Menschen sollen die Weisheit lieben,
O dann wird Friede!

DIE ORTHODOXEN BETEN ZUR PANHAGIA APHRODITISSA

Hört, ihr Meeresteufel, des Chaos Geister,


Teufel der Materie und des Dunkel,
Euch das Ewigweibliche wird besiegen,
Schönheit des Lichtes!

Erst geboren war aus dem Meeresschaume


Charis, schicklich blickende Göttin Hellas',
O die schöne Lieblingin Griechenlandes,
Tochter des Vaters!

Nämlich Vater Uranos, der entmannte,


Zeugte mit dem Phallus und Zwillings-Hoden
In dem Mittelmeere den Schaum des Meeres.
Melische Nymphen

Zeugte Gott und Charis, die Tochter Gottes,


Welche nackt getaucht aus der Gischt des Meeres,
Jung und schlank, mit goldenen Lockenfluten,
Göttin der Schönheit!

Und zur see-umgürteten Insel Zypern


Schwamm die junge Frau auf der keuschen Muschel,
Und sie kam an Salamis' Ufer, Paphos
Grüßte die Jungfrau.

Und sie trat mit nackenden schlanken Füßen


An den weißen Sandstrand der schönen Insel,
Rosen sprossen unter der Göttin nackten
Füßen, den kleinen.

Und es grüßten Grazien ihre Göttin


Und sie schmückten Charis mit Perlenketten,
Ohrgehängen, Fußkettchen, Nabelringen,
Hauchfeinem Kleidchen,

Feiner Seide bis zu den Oberschenkeln,


Und so stieg die Göttin auf den Olympus
In die Burg der Götter zu Zeus dem König,
Der zu ihr sagte:

Charis, nicht die Werke des Männermordes


Sollst du treiben, Krieg nicht auf Erden treiben,
Sei der Ehe Schutzgöttin und der süßen
Wonnen des Bettes!

Aber sie besiegte euch nicht, ihr Teufel,


Ihr Dämonen menschlicher Gier und Kämpfe,
Kommen musste erst noch die Neue Charis:
Aphroditissa!

In dem offnen Himmel ist sie erschienen,


Himmelsfrau der Apokalypse, Magnum
Signum, mit der Sonne bekleidet, mit dem
Lichtglanz des Christus,

Unter ihren Füßen des Mondes Sichel,


Denn sie ist die Herrin der Kreaturen,
Ist der Engel Königin und der Teufel
Schreckliche Herrin,

Die als Kranz den Zodiak auf dem Haupt trägt,


Denn sie ist die Herrin des Universums,
Königin der Milchstraße, der Galaxis,
Mutter des Weltalls.

Sie setzt ihren Fuß auf der Schlange Nacken,


Satan wird gedemütigt durch die Dame,
Denn nicht der Allmächtige schlägt ihn, sondern
Jene, das Mädchen!

Also zu Panhagia ruft der Griechen


Kirche, ruft zu Aphroditissa flehend:
Du vernichte Satanas und beende
Baldigst den Weltkrieg!

Hohe Herrin, Königin schöner Liebe,


Himmelsdame, Königin du des Friedens,
Wir sind deine Sklaven, o höchste Göttin
Aphroditissa!

DIE KATHOLIKEN BETEN ZUR GOTTESMUTTER MARIA


Immer beten Ave Maria unsre
Mädchen, Männer, Großmütter, Mönche, Priester,
Und wir flehn um Frieden der Menschheit zu der
Fürstin des Friedens.

Aber unser heiliges Mädchen selber


Betet um den Frieden zu Jesus Christus.
Und sie spricht zur Menschheit der Weisheit Worte,
Wie man zum Heil kommt.

Liebe Kinder! Ich bin die Makellose,


Bin die Unbefleckte Empfängnis, keusche
Reinheit, bin die Immaculata, euer
Himmlisches Mädchen.

Ich bin immerwährende Jungfrau und mir


Ist das Hymen immer intakt geblieben,
Wahren Gottes Mutter ich, Mutter Jesu,
Mutter der Menschheit.

Fürchtet nicht die Krankheiten eurer Seele,


Ich bin euch der Brunnen der Himmelsfreuden,
Ruht in meinen Armen, geliebte Kinder,
Saugt meine Brüste!

Betet, betet, betet nur immerwährend,


Opfert eure Leiden als Sühneopfer,
Betet oft den Rosenkranz, kommt zur Kirche,
Feiert die Messe,

Beichtet immer wieder und lest die Bibel,


Fastet und verzichtet auf Fleischeslüste,
Tragt das Skapulier, die Medaille und den
Rosenkranz bei euch.

Habt die Bibel immer in eurer Tasche,


Lest und meditiert und studiert die Bibel.
Doch vor allem sollt ihr verlieben euch in
Hostia innig!

Weiht euch meinem Herzen, dem unbefleckten,


Lebt die Weihe täglicher Ganzhingabe.
Ihr seid mein. Ich liebe euch, meine Kinder,
Liebe euch brennend!

Betet und versöhnt euch mit Gott dem Vater,


Dann wird Gott euch Frieden des Herzens schenken.
Schließt zuerst den Frieden mit Gott und Gott wird
Frieden euch schenken.

Wenn ihr Frieden habt in den Herzen, Kinder,


Frieden, welcher übernatürlich, Frieden,
Welcher übersteigt die Vernunft des Menschen,
Himmlischen Frieden,

Bringt ihn dann zu Frauen und Kindern, Brüdern,


Freunden in der Nähe und Ferne, Nachbarn,
Und der Friede breitet sich aus auf Erden
Unter der Menschheit.

Nicht kommt von den Staatspräsidenten Frieden,


Frieden kommt vom Beten der Kinder Gottes.
Wenn ihr kämpfen wollt für den Frieden, betet
Ave Maria!

LA FRANCE ODER DAS PARADIES DER JUGEND

VERCONGETORIX

Vercingeotorix, komm, komm mit der Freiheit, komm,


Und befreie das Reich von den Tyrannen, die
Frankreich krönen mit Dornen,
Von den sterblichen Göttern, die

Nur verwunden La France, aber sie dennoch ist


Unsre Wonne und Lust, komm du mit deinem Witz,
Dem Humor und der Freude,
Lehr uns jauchzen und jubeln, Glück

Gib den Herzen zurück, komm mit dem goldnen Schwert,


Mit gebratenem Fleisch und mit dem besten Wein,
Göttin Freiheit in Liebe
Segne heute das Paradies!

Zu Teutates, dem Gott, flehe, zum Himmelsgott,


Belisama, auch du, Königin, komm zu uns,
Segne Wälder und Wildschwein,
Segne unsrer Familie Dorf,

Wenn beim Feuer das Dorf sitzt zu dem Festbankett,


Vercingetoriz, du, Häuptling des ganzen Dorfs,
Deine Krieger beim Weinkelch
Und der Barde, der Troubadour!

Frankreich, Frankreich ist frei, gallische Freiheit siegt!


Und beim gallischen Hahn ferne ist der Verrat,
Freunde lieben wie Brüder,
Wenn dem Krieger auch bricht das Herz,

Denn so schön ist die Frau, gallischer Göttin gleich,


Aber hart ist ihr Herz, also des Kriegers Herz
Bricht, so hilft ihm der Bruder:
Auf, mein Krieger, zum Freiheitskrieg,

Für die Götter des Reichs, Gott und die Königin,


Beim Geheimnis des Kelchs und bei dem Hochzeitsmahl,
Frankreich, meine Geliebte,
Du bist ewig mein Paradies!

LES SAINTES MARIES DE LA MER

An dem Mittelmeer an Frankreichs Gestade ist


Schön die Bucht zu dem Ruhm dreier Marien, die
Tauchten nackt aus dem Schaume,
Aphroditen des Christentums,

Magdalena zuerst, Gottes Hetäre, Braut


Christi, venushaft schön, golden die Lockenflut
Fiel auf marmorne Brüste,
Locken, wallend bis zu der Scham,

Taucht sie nackt aus dem Schaum, tritt auf den weißen Strand,
Weiße Lilien erblühn unter dem nackten Fuß,
Und voll Liebe sie spricht vom
Evangelium, Engelin

Und Aposteln sie aller Apostel und


Die Apostelin sie Frankreichs. Und mit ihr kam
Tochter Salome, reizend
Taucht sie nackt aus dem Mittelmeer,

Hüllt in Kleidchen aus Hauch reizend den jungen Leib,


Tanzt den Bauchtanz für Gott, köstlichen Schleiertanz
Oder Striptease der Weisheit,
Der entschleierten Weisheit, nackt,

Am französischen Strand steht mit Susanna sie,


Die die Dritte im Bund, alle die Göttinnen
Voller Liebreiz und Anmut,
Und Susanna ist keusch, und nackt

Taucht sie rein aus dem Bad, keusch ist die Ehefrau
Gottes, jungfräulich keusch, sittsam sie tanzt den Tanz
Als vereinte Verlobte
Jesu, Gott ist der Tänzer, wir

Sind der Tanz! Und die drei stehn wie die Grazien,
Euphrosyne zuerst, dann kommt Thalia auch,
Und Aglaja die Dritte,
Nackte Grazien, und ich schau,

Und ich frage: Wer ist hier die Liebreizendste?


Magdalena ist schön, Salome jung und schön,
Und Susanna, die keusche,
Wie Aglaja, sie zeigt den Po.

Ob mir Hera erscheint, Jungfraun Athene auch,


Aphrodite zuletzt, wer ist die schönste Frau?
Grazien, drei sind zu ehren,
Einer Göttin Dreifaltigkeit!

DIE ZIGEUNER UND DIE SCHWARZE SARAH

Einmal war ich am Fuß hoher Karpaten, am


Schönen schimmernden Fluss, San ward der Fluss genannt,
Da Zigeuner im Lager
Sich gesammelt und ich im Zelt

Mit zwei Frauen im Arm lag voller Wollust da


Und dann las ich im Buch Gottes, da trat herein
Anja, Schönheit und Jugend,
Anja, eine Zigeunerin,

Sechzehn Jahre jung, schön, schwarz war ihr Lockenhaar,


Schwarz das funkelnde Aug, sagte zum Dichter sie:
Lass uns Liebe nun machen!
Doch der Dichter sang nur das Lied

Von Pierrot auf dem Berg: Lange gestorben ist


Meine Liebesglut, Gott, öffne das Himmelstor!
Die Zigeunerin Anja
Und die Sinti und Roma all

Sind gepilgert zu Fuß oder im Caravan


An des Mittelmeers Strand, denn dort verehren sie
Sarah, Magdalas Sklavin,
Schwarze Sarah, Marias Magd!

Magdalena im Boot nahte aus Israel,


Bei ihr Sarah, die Magd, Sarah, die schwarze Magd,
Welche schwarz war und nackend
Aus dem Meeresschaum aufgetaucht,

Große Brüste, wie schön! Sinnlich der volle Mund!


Afrikanische Frau Venus, ein Götzenbild,
Die ägyptische Isis, die
Liebesgöttin von Afrika!

Hohe Königin du, Göttin Kandake du,


Altägyptische Frau Isis, du Himmlische,
Die Zigeuner verehren
Dich katholisch in der Provence,
Ehren Sarah, die Frau, schwarze Madonna, die
Afrikanischen Bluts, Afrikas Seele ist,
Altägyptische Göttin
Isis, Pharaos Tochter, die

König Salomo sich nachts in sein Haus geholt,


Er hat Liebe gemacht mit der Ägypterin,
Mit der Zunge sie küsste,
Wie ich selber gesehn zur Nacht.

LA MADELAINE

Aus dem Mittelmeer taucht Magdala jung und schön,


Nackt aus schneeweißem Schaum, wringt sie das lange Haar,
Ihre goldenen Locken,
Hüllt die Brüste und hüllt den Schoß,

Tritt bei Clair de la lune sanft an den weißen Strand,


Unterm Fuße erblühn goldene Lilien, drei,
Die Apostelin Frankreichs,
Belisama des Christentums,

Gottes Schönheit im Bild, Venus des Christentums,


Magdalena, die Braut Jesu des Bräutigams,
Und in Aix-en-Provence sie
Predigt göttlicher Liebe Ruhm.

In Orange die Frau sprach im Theater als


Die Prophetin im Geist, mystische Seherin,
Sprach vom Himmel der Liebe,
Sprach vom himmlischen Paradies.

Dritter Himmel, tu auf uns deine Perlentür,


Venus-Sphäre bei Gott, Himmel der Liebenden,
Wo die Jungfrauen tanzen,
Blumenkränze im langen Haar,

Himmelsmädchen im Kleid fließender Seide weiß,


Alle jugendlich schön, singen den Lobgesang,
Singen: Gottheit der Liebe,
Schau, wir lieben dich, Liebesgott!

Also predigt Marie Magdala oder wie


Der Franzose sie nennt: La Madelaine, Weib
Paradiesischer Wonne,
Gottes mystische Tänzerin,

Die vom Berge Ventoux fuhr in den Himmel auf


Zu der Zimbeln Gesang, mystische Tänzerin,
Schönste Schwester der Engel,
In Verzückung zum Liebesgott,
Zu dem liebenden Gott ewiger Seligkeit,
Paradiesischer Lust mystischem Bräutigam,
Zu der Ehe mit Gott, in
Wonnen göttlicher Liebeslust!

MEROWINGER

Stark und jugendlich sprach unser geliebter Prinz,


Merowingischer Fürst, König von Frankreich: Ich
Bin der Sprößling von Jesus,
Den mit Magdala er gezeugt.

Ja, mein Zeuger ist Gott, Jesus der Bräutigam,


Seine bräutliche Frau ist meine Mutter, Frau
Magdalena von Frankreich,
Provencalische Frau des Herrn.

Jesus zeugte mich Sohn, als er in Galilee


War, in Magdalas Stadt, da er Maria sah,
Die Hetäre, die Schöne,
Da ihr Sex-Appeal ihn erregt.

Und so wurde die Frau Gottes Geliebte, er


Ward zum Vater mir so, sie wurde Mutter mir,
Meine Mutter Maria
Magdalena, erotisch schön!

So ein Sohn ich von Gott bin und von Gottes Frau,
Meine Mutter verehr ich als die Göttliche,
Menschengöttin aus Gnade
Gottes, himmlische Königin.

Ich bin Fürst von La France, weil meine Mutter kam


Schwanger hier in das Land, schwanger von Jesus, sie
Kam nach Gallien schwanger
Und gebar mich in der Provence.

So von göttlicher Gunst bin ich der Franken Herr,


König Galliens ich bin von der Huld des Herrn,
Ich bin göttlichen Ursprungs,
König, Gottessohn, Sohn der Frau!

So das gallische Reich wurde zum Gottesstaat,


Wo der Gottessohn herrscht und der Mariensohn,
Die Kultur schöner Liebe,
Ein Gesetz nur in Frankreich herrscht:

Dieses Himmelsgesetz: Dieu est Amour! Fürwahr,


Die Franzosen im Reich Gottes sind Liebende,
Sie sind Zivilisierte,
Sie sind Bürger des Himmelreichs!

AVIGNON UND SANKT KATHARINA

O du päpstliche Burg Avignon! Überm Fluss


Ist die Brücke, da tanzt froh das Theater, das
Mahabarata spielte,
Katharina kommt auch zum Tanz!

Lang ihr goldenes Haar, Männer begehrten sie,


Doch sie wollte allein Jesus zum Bräutigam,
Super-Bräutigam, Gottmensch,
Übermenschlichen Bräutigam!

Doch wie denkt ihr euch ihn? Siehe, Madonna kam


Mit dem göttlichen Kind! Göttlicher Knabe du
Mit den goldenen Locken,
Der am Busen Mariens saugt!

Dieser Gottknabe gab ihr einen Ehering,


Katharina verlobt sich mit dem Knaben-Gott.
Doch erwachsene Liebe
Katharina erfuhr als Pein:

Gott, mein Bräutigam, weh, wehe, dein Ehebett


Ist nicht rosenbestreut, sondern ein Dornenbett,
Ja, der mystischen Ehe
Bett ist tödlich das Kreuz des Herrn!

Und der Bräutigam-Gott hat ihr das Herz verletzt


Und die Stigmata trug innen im Herzen sie,
Mit der Wunde des Herzens
Sie berührte das Herz des Herrn!

Und die Mystikerin wurde gesandt von Gott:


Geh zur päpstlichen Burg Avignon, rede dort
Die prophetischen Worte,
Meine Weissagung rede du,

Sag zu Petrus, dem Papst: Komm nun, mein Stein, mein Fels,
Mit dem Schlüssel zum Tor Gottes, du komm nach Rom,
Fort von Babel, der Hure,
Die dich hält in Gefangenschaft

Ihrer sinnlichen Lust. Auf nun, mein Peter, komm


Und ermanne dich, sei Römer, ein starker Mann,
Nicht verweichlichter Lüstling,
Sei der Tugend ein Ehemann,

Tu die christliche Buß, komm du ins Paradies


Von Italien, dort trau dich der Jungfrau an,
Leb in Buß und in Keuschheit,
Sei ein römischer Gottesmann!

AVIGNON UND PETRARCA UND LAURA

O du heiliger Dom Klaras, der Heiligen!


Vor der Türe im Licht schaute voll Liebe an
Der Poet seine Muse,
Da Petrark seine Laura sah!

Schön wie Honig und Milch saß da die Frau im Licht,


Sonne, südliches Licht, Heiligenschein um sie,
Die antikische Nymphe
Tief betörte den Musensohn.

Musenpriester war er, göttliche Muse sie,


Die mit lächelndem Mund sang ihm der Liebe Lied,
Eine Venus-Madonna,
Aphrodite des Christentums.

Von der Schönheit im Glanz ganz war bezaubert er


Und er betete an dieses Geschöpf als Gott,
Ja, als weibliche Gottheit,
Göttin aus dem Ideenreich.

Und er liebte La France, liebte das Land, Provence,


Flüsse, Weinberge, Berg, Einsamkeit, Poesie,
Diesen Garten von Eden,
Dieses irdische Paradies!

Und da las er Homer, las die Vernunft Vergils,


Las Horaz und Ovid, las den Catullus auch,
Las Properz und Tibullus,
Sappho, Pindar, Anakreon,

Las den Dante und sah seine verklärte Frau


Beatrice bei Gott. Laura, auch du so schön!
Beatrice und Laura
Sind zwei Schwestern im Himmelreich!

Ich besinge dich noch, Laura, als himmlische


Weisheit, Intelligenz, Schwester der Himmlischen,
Meine selige Muse,
Meine Wonne im Paradies!

Ja, ich singe die Lust Gottes am Liebling, Lust


Gottes, selige Lust seiner Geliebten, Lust
Paradiesischer Wonnen,
Und ich preise dich selig, Herz!
DIE TROUBADOURE

Sängerwettstreit im Licht südlicher Sonne, da


Singt der eine Poet: O meine Herrin ist
Meine Katharer-Kirche,
Sie ist rein, nicht von dieser Welt,

Sie liebt geistiger Art, nicht im gemeinen Fleisch,


Sie ist himmlisch, und weiß ist und von Licht ihr Kleid,
Sie, ein Engel auf Erden,
Sie verachtet den Liebesakt.

Arm ist sie und das Geld hasst sie aus Herzensgrund,
Sie ist Bürgerin schon droben im Paradies,
Sie, ein Himmel auf Erden,
Eine Wolke der Juno sie,

Und ich diene ihr gut, wenn ich den Leib veracht,
Wenn ich heiliger Geist bin und nicht wildes Tier,
Wenn ich faste, des Sexus
Mich enthalt in Jungfräulichkeit,

Wenn ich Mann nicht im Fleisch, wenn ich ein Engel bin,
Der Visionen im Geist schaut und Ideen sieht
Im platonischen Himmel
Überirdischen Liebesglücks!

Denn die Herrin ist rein, Jungfrau Maria ists,


Ohne Leiblichkeit, Hauch nur in des Himmels Licht,
Eine Göttin der Keuschheit,
Komm nun, Tod, denn ich bin bereit!

Und der andre Poet sang dieses Liebeslied:


Meine Herrin ist schön, ist eine Römerin,
Kyriake von Roma,
Heilig ist ihr der Ehebund,

Und ein Sakrament ist ihr die Vereinigung,


Kommunion ists im Bett himmlischer Hochzeitsnacht,
Wilder Engel im Körper
Einer Venus des Vatikans!

Und ich diene ihr gut, wenn ich ihr Kinder mach
Und ein Vater mit Herz bin ihren Kinderlein,
In der heiligen Ehe
Wir sind Gott und Ecclesia,

Sie die Immaculée, sie ist die Römerin,


Auch das Altertum pries hoch ihren Liebreiz schön,
Sie ist Mutter der Kinder
Und die Seele in der Natur,
Sie der Atem im Geist, kreisend im schönen Leib,
Amors Mutter ist sie, Gottesgebärerin,
Sie ist Venus-Madonna,
Ich ihr heimlicher Ehemann.

Und so komm jetzt, du Tag ewigen Lebens, da


Wir vereint sind in Gott, lieben im Paradies,
Liebe alles in allen,
Einssein ewiger Liebeslust!

FRANZISKUS UND FRAU ARMUT

Der seraphische Franz, heiliger Troubadour


War er heiliger Frau Armut, der Bettlerin
Um die göttliche Liebe,
Seiner Ehefrau in dem Geist.

Und er sang ihr Gesang, nämlich er sah in ihr,


In der Herrin den Herrn, weiblicher Christus sie,
Die von Caritas lebte,
Die so arm wie die Vögel war,

Doch gehörte ihr die Mutter Natur, so sang


Franz den Minnesang ihr: Herrin, du bist so schön,
Meine weibliche Liebe,
Meine Christa, gottmenschliche!

Ich vermähle mich dir, der ich im Zölibat


Als jungfräulicher Mönch lebe, als Bettelmann,
Als ein Prediger Gottes,
Aber du meine Herrscherin.

Dir zu Liebe ich tu alles auf meinem Weg,


Dir verlass ich das Geld, wend mich vom Vater ab,
Lass die Ritterideen,
Nur der Caritas dien ich noch.

Hier auf Erden ich leb keusch in dem Zölibat,


Aber einst in dem Licht Gottes, o Herrscherin,
Meine Ehefrau, werden
Wir vereint in der Gottheit sein.

Sol, du Bräutigam-Gott, morgens erstehe du,


Steige steil zum Zenit, aber am Abend zu
Amphitrite ins Bett steig
In dem westlichen Ozean.

Luna, Schwester der Nacht, komm nun und küsse mich,


Denn der Hirte zur Nacht schlummert und träumt von dir,
Komm, o Mondgesicht, Schwester,
Göttin, küsse den Träumenden!
Venus, Morgenstern mein, lobe die ewige
Liebe du in dem All, wache im Herzen auf,
Venussphäre der Liebe,
Dritter Himmel im Paradies!

Schwester Todin, o Braut, leiblichen Todes Braut,


Komm und küsse den Geist mir in dem Sterbebett,
Liebstes Schwesterchen Todin,
Komm und hol mich ins Paradies!

ABÄLARD UND HELOISE

Abälard war gelehrt, Griechenlands Philosoph


Hat gedeutet er klug und auch die Biblia
Hat gedeutet der Weise
Und gepredigt der Lehrende.

Heloise, wie schön war unsre Jugendlust!


Doch den Phallus verlor ich durch das Strafgericht!
Doch ich liebe noch immer
Die Geliebte der Jugendzeit.

Nicht das Glied hat geliebt, nicht von dem Phallus kam
Meine Liebe, vielmehr weil du so glorreich warst!
Ich begehrte die Brüste
Nicht, vielmehr dein gerechtes Herz!

Und nun bin ich ein Mönch, und du bist gottgeweiht,


Du mein Himmel, mein All, meine Begeisterung!
Wenn die Prediger schwatzen
Leere Phrasen und dreschen Stroh,

Wenn der Narr, konsekriert zwar, aber doch ein Narr


Von der Kanzel herab Torheit nur predigt, ach,
Christen unwissend lallen,
Schwestern schauen so dumm da drein,

Ach, dann flieh ich zu dir, Intelligenz bei Gott,


Meine Weisheit bist du, Göttin im Nonnenkleid,
Keusche Göttin der Liebe,
Meine Nonne und Ehefrau!

Bitte schreib einen Brief mir, der ich einsam bin,


Sag mir, dass du mich liebst, göttliche Liebe du,
Deinem Zölibatären
Sei im Himmelreich Ehefrau!

DIE KATHARER
Nicht die Kirche von Rom, nein, der Verein und Bund
Von Toulouse, der Verein, Sekte der Heiligkeit,
Da die Reinen vereinen
Sich purgiert mit dem Himmelslicht.

Wie, der Katholik ist scheinheilig, heuchlerisch,


Pharisäer? Und ihr Heilige seid und rein?
Ihr seid wiedergeboren
In dem Geiste der Heiligkeit?

Zwar die Schönsten der Fraun hat eure Sekte, die


Gehn im schneeweißen Kleid, Engel im Kleid aus Licht,
Die sind luftig, ätherisch
Im astralischen Pneumaleib,

Aber etwas nun doch fehlt diesen Heiligen,


Mensch mit Körper und Blut hier in der Welt zu sein.
Sind wir alle denn Engel,
Nähren wir uns von reiner Luft?

Nein, den Rosenkranz wir beten in jeder Nacht,


Fleischgeworden das Wort, Logos im Leib erschien.
Unsre Ehen sind heilig,
Heilig unsere Kinder auch,

Heilig männliches Glied, heilig des Weibes Schoß,


Gottes Mitschöpfer sinds, Werkzeuge Gottes sind,
Im Mysterium Ehe
Wird der Körper zum Sakrament.

Eure Theosophie ist nur ein Luftgespenst,


Falscher Antroposoph, der nicht die Wahrheit kennt,
Eure Auren aus Äther,
Die astralische Geisterwelt,

Alles Unsinn und nur Eitelkeit, Luftgespinst!


Die katholische Welt ist eine sinnliche,
Wir bejahen das Leben
Und den Sexus im Ehebett

Und bejahen den Leib, unsere Menschlichkeit,


Sind nicht göttliches Sein, himmlischer Sternenstaub,
Blut und Fleisch unsrer Menschheit
Hat der Gottmensch für sich erwählt.

Ja, der göttliche Mann hing an dem Kreuze nackt,


Und der Körper ist ganz und das Geschlecht erlöst,
Genitalien Christi,
Ihr erlöstet auch unsern Sex!

JEANNE D'ARC
O du heilige Jeanne, wie ich dich liebe, sehr
Liebe, Jungfrau du von Lothringen, die du stark
Gottes Feinde vertrieben,
Ob katholisch sie nannten sich,

Doch Eroberer nur waren des Frankenlands.


Aber Michael stand dir zu der Seite, der
Krieger gegen den Drachen,
Den unchristlichen Antichrist,

Margarethe dazu, Perle des Meeres, die


Eine Mutter dir war, Feindin des Drachen auch,
Katharina desgleichen,
Welche klug von der Weisheit war.

Pfaffen prüften dich, sie sagten: Ein Scharlatan


Bist du oder ein Narr! Aber du sagtest nur:
Was ein Scharlatan, weiß ich
Nicht, was ist denn ein Scharlatan,

Aber das ich ein Narr, dass eine Närrin ich,


Das nimmt Jesus mir nicht übel, der weise ist,
Ich ein Narr bin in Christo,
Glaub der Torheit des Herrn am Kreuz!

Auf, die Fahne am Stab nimm in die schlanke Hand,


Sing der Lilien Lied, göttlicher Freiheit Lied,
Krieg der englischen Kirche,
Der französischen Kirche Sieg!

Und nun geh zum Dauphin, kröne den jungen Mann,


Denn so möchte es Gott, König der Könige,
Auf, für Freiheit und Frieden
Und den König von Gottes Gunst!

Wenn sie prüfen dich, ob Jungfrau du wirklich seist,


Ob dein Hymen intakt, ob du die Wahrheit sprichst,
Auf denn, Virgo intacta,
Gottes Jungfrau Maria hilft!

In den Krieg nun, o Frau, Kriegerin Gottes du,


Friede werde erkämpft, rette die Menschheit du
Vor dem Kriege, dem Vater
Aller Dinge in dieser Welt!

Sieg, o Jungfrau, dein Sieg kommt von den Himmlischen,


Doch die Freiheit musst du dir erst erringen noch
Durch das Opfer des Blutes,
Durch die Hingabe deines Bluts!

Und wer kreuzigt dich, Frau? Kirche du von Burgund,


Du hast dieses getan! Aber der Christus auch
In der Kirche gekreuzigt
Wird durch christliche Sünder oft!

Nun ins Feuer, o Frau, singe den Lobgesang


In der feurigen Glut, göttlicher Macht dein Lied,
Jesus, Jesus, o Jesus,
Deine Worte an deinem Kreuz!

Schau, du heilige Jeanne, siehe da dein Poet,


Der dein heiliges Bild stets in dem Mantel trägt,
O du Schutzfrau von Frankreich,
Schütz den Sänger des Frauenlobs!

VILLON UND MARGOT

Ach, ich muss an den Strick, hängen will man mich nun,
Der ich nichts war als Lied, singender Vagabund,
Nun vorm Tode am Galgen
Denk ich einmal noch an Margot!

Schön die Königin von Saba bei Salomo,


Auch Kleopatra schön, reizend war Phryne auch,
Aristoteles' Muse,
Aber lieblicher war Margot!

Schön die spanische Frau, Frau von Italia,


Schön die Frau aus der Schweiz, schön auch die Frau aus Wien,
Die Pariserin schöner,
Denn am schönsten fand ich Margot!

O in deinem Bordell, heiligem Freudenhaus


Lebt ich selige Zeit, heilige Venus du,
Da wir Liebe genossen
Tag und Nacht in dem breiten Bett!

Und nun schreibe ich mein christliches Testament,


Morgen hängen sie mich auf an dem Galgen, ich
Schenk die ewige Seele
Meinem Schöpfer und guten Herrn,

Auferstehenden Leib schenke ich der Margot,


Dass wir lieben uns im himmlischen Freudenhaus!
Meine Schulden vermach ich
Meinem Bruder, dem Geizigen,

Meine Sünden vermach ich meinen Feinden, all


Den Verdorbenen, die meine Margot besucht,
Hurenböcken und Sündern,
Dass sie fahren zur Hölle ab,
Den Furunkel am Arsch großmütig ich vermach
Allen Weibern, die mich nicht einmal mit dem Arsch
Angeschaut, diesen Stolzen,
Also leckt mich am Arsch, ihr Fraun!

Den verwesenden Leib und all den Madenkot


Meiner Mutter vermach ich, weil sie mich gebar,
Mutter, wehe mir, wehe,
Weh, dass du mich geboren hast!

Meine Pfennige schenk ich nun im Testament


Gassenbuben, dass sie Süßigkeit kaufen sich,
Schokoladenpralinen,
Zuckerbackwerk im Übermaß!

Und nun sterbe ich froh! Auf zu dem Schöpfer nun!


Sieh, ich komme, Margot! Sünder und Sünderin
In Jerusalem werden
Lieben toll wie, ach, in Paris!

MOLIERES TOD

Alter Schauspieler du, der du im Krankenbett


Auf der Bühne gebahrt gibst deine Leiden preis,
Jammerst allen die Ohren
Voll mit Selbstmitleids Ach und Weh!

Eingebildet dein Leid, wirst du zur Spottfigur,


Der sich selber nur liebt, voll von dem Selbstmitleid,
Alle tyrannisierend
Egoistischer Despotie!

Alle huschen herbei, alle bejammern dich,


Doch verhärtet dein Herz kennt nicht der Liebe Gott,
Du dein eigener Herrgott,
Selbst der Kaiser und selbst der Papst!

Aber bald wird es Ernst, mitten im Schauspiel ruft


Dich dein Bruder, der Tod, ruft von der Bühne dich,
Alle denken, ein Schauspiel
Sei dein Tod, ist doch bitter-ernst!

Auf der Bühne den Tod komisch erleidest du,


Tot der Schauspieler liegt öffentlich aufgebahrt,
Applaudierende Mengen
Applaudieren dem guten Spiel.

Gut hast du ihn gespielt, diesen Gevatter Tod,


Wirklich lebensecht fast gabst du den Bruder Tod,
Doch mit bitterem Ernste
Rief dich Gott zu dem Weltgericht.
Vorhang auf! Und du siehst Christus den Richter! Nun
Fällt die Maske dir ab! Aber auf Erden klagt
Das sakrale Theater
Der katholischen Kirche, ach,

Du starbst ohne das Brot, ohne Vergebung und


Ohne heiliges Öl. Lasst uns verscharren nun
Diesen Komödianten
In dem Erdenloch ungeweiht,

Soll kein Priester Gebet beten dem armen Geist,


Der sein Leben verspielt! Aber doch ein Abbé
Sich erbarmte des Sünders,
Trotz des kirchlichen Machtgebots

Er begrub den Molière doch in geweihtem Grund,


Sprach das Totengebet, Ruhe in Ewigkeit,
Und des Schauspielers Seele,
Des Poeten Genie sagt Dank!

RACINES ATHALJA

O Athalja, du Frau Baals und der Aschera,


Die du jeden Rival neben dir tötetest
Und ermordetest Kinder,
Wie es heidnische Frauen tun,

Doch ein einziges Kind wurde vor dir bewahrt,


Dieser Knabe, von Gott heilig beschützt, bewahrt,
Von der Schwester gerettet,
Schwester Josaba, die war fromm,

O die liebte das Kind, die hat das Kind versteckt,


Diesen Knaben des Herrn hat sie bewahrt, versteckt
In der Kammer der Kleider,
Denn der Knabe war gottgeliebt,

Denn der Knabe war fromm, heilig und gut und schön.
Und so gab man das Kind einem gerechten Mann.
Hoherpriester Jojada,
Du erzogest das kleine Kind,

Wie den eigenen Sohn, den du nicht hattest, hast


Du den Knaben geliebt, ja von dem Mutterschoß
Bis zum siebenten Jahre
Warst sein geistlicher Vater du.

Komm nun, Revolution ewiger Liebe, komm,


Dass der Knabe den Thron Israels nun besteigt!
All die Ascheren sollen
Weichen ewiger Liebe Gott!

Gott, das Gnadentum gib unserem Königskind,


Nun Athlaja und Baal sind und die Aschera
Aus dem Leben vertrieben,
Nun Athalja, die Frau, ist tot!

Doch der Knabe, er lebt, Joas, der Heilige,


Und Jojada, der Mann Gottes, der Heilige.
Jahwe segne den Knaben
Und den Hagiographen auch,

Der den Knaben besang, Alexandriner schön


Priesen hymnisch das Kind, also Racine sei Lob
Und germanischem Dichter
Schröder, der ihn so schön verdeutscht!

Du, Athalja, warst groß, Kaiserin Israels,


Aber schrecklich und wild, Kaiserin Israels,
Konnte Aschera retten
Die unsterbliche Seele dein?

BLAISE PASCAL

Aristoteles' Gott ist nicht der wahre Gott,


Der platonische Gott ist nicht der wahre Gott,
Und der Eine des Plotin
Ist nicht wahrhaft der Herr, mein Gott.

Nicht die Gottes-Natur ists von Spinoza, die


Allsubstanz allen Seins, da die Natur ist Gott,
Nicht Descartes hat in Wahrheit
Den lebendigen Gott erkannt,

Sondern Abraham wars, hingebend seinen Sohn,


Sondern Isaak wars, auf dem Altar der Sohn,
Jakob Israel war es
Und der heilige Josef wars.

Doch das Übel der Welt, woher denn kommt die Not?
Weil der Mensch, der allein lebt mit dem Gott vereint,
Kann nicht bleiben alleine
In der Zelle mit Gottes Wort,

Sondern will in die Welt, will zu den Leuten gehn,


Zu den Schwätzern und zu reizendem Frauenvolk,
Langeweile, Verdruss nur
Wirkt die Qual für das Menschenherz.

Klein nur bin ich im All, kleines Atom, Genom,


Staub der Evolution, aber die Galaxie,
Universen in Menge,
Ach, die siebzigste Dimension!

Doch die Seele ist groß, Geistseele voll Vernunft,


Denkt Gedanken des Alls, größer sie als das All,
Die die Gottheit kann denken,
Die Vernunft, Gottes Ebenbild!

GERARD DE NERVALS SELBSTMORD

Ah, der Dichter, er sah schön eine Traumfrau, rein,


Ideal und Idee, aber er wusste nicht,
War es Jungfrau Diana,
Wars die dantische Beatrix,

Wars Aurelia, Frau, Göttin und Engelin?


Wie ein Engel stand sie schön in dem himmlischen
Regenbogengewande
Auf der Erde und auf dem Meer!

Und der Wahnsinn befiel da den Poeten, er


Hat nur halluziniert, hörte Geflüster, sein
Denken kam durcheinander
Und er dachte an Suizid!

In der Psychiatrie band man in Ketten ihn,


Sperrte ihn ins Verließ, einsam war das Genie
Unter närrischen Narren
Und dem törichten Irrenarzt!

Nicht mehr Mutter Natur sah er, die Nachtigall


Nicht mehr hörte sein Ohr, rauschenden Ozean
Nicht und nicht mehr die Sonne,
Seine Geliebte und Heilige!

Aber wieder verließ doch er das Irrenhaus,


Aber Furien schwarz, Schlangen im schwarzen Haar,
Fette Furien, zänkisch,
Plagten immer den armen Mann.

Und er irrte umher, suchte des Priesters Rat,


Doch die Frau der Pfarrei dachte, er wolle Geld,
Und der Pfaffe, der fette
Bonze Gottes, der wies ihn fort.

Die Ecclesia hat keinerlei Tröstungen


Für den irren Poet, der an den Selbstmord denkt.
Willst du Geld von der Kirche?
Geh, du elender Bettelmann!

Und der Dichter sah nur Ratten noch in Paris,


Eine Plage-Vision, Pest nur als Stank um ihn,
Die satanischen Ratten
Hetzten ihn in den Suizid.

Und so ging er zum Tod: Tochter Jerusalem,


Tochter Zion, sei froh, siehe, dein König kommt,
Hosianna, o Tochter
Zion, siehe, dein König kommt!

Er verlor den Verstand, sah in dem Mantel nach,


Fand das Manuskript dort, Faust der Tragödia
Erster Teil von Johannes
Wolfgang Goethe, neu übersetzt

Von dem irren Poet fränkischer Zunge, da


Las er eben das Lied Gretchens im Kerker noch:
Ohnegleiche, o Gottes
Mutter, bitte, Barmherzigkeit!

Und so starb der Poet. Jungfrau Maria kam


Mit dem nackenden Kind, als der Poet im Blut
Lag und zappelte sterbend,
Den die Jungfrau gerettet hat!

RIMBAUD

In der Jugend Poet, voll von Vision und Traum,


Der das Heilige sah mystischer Trunkenheit,
Sah die Kybele, sah die
Magna Mater des Altertums,

Die geschlechtliche Lust in ihrer Göttlichkeit,


Sah die Sonne, das Fleisch, Schaum auf dem Ozean,
Sah die göttliche Ana-
Dyomene, die pure Lust,

Sah die Göttin vor ihm fliehen im Morgenrot,


Sah Diana im Wald, in des Gebirges Wald,
Und er folgte der Göttin,
Und der Schleier fiel ab von ihr,

Und er hat sie umarmt mystischer Einigung,


Sie, die Göttin, und er, Dichter, sie waren eins,
Und das Kind ward geboren,
Knabe, lag in des Waldes Moos.

In die Hölle jedoch musste der Seher auch,


Da die höllische Braut eins war mit Luzifer,
O du Jungfrau der Hölle,
Die du mordest den Mystiker!

So erleuchtet war er, schaute Visionen, sah


Als Erleuchteter den göttlichen Genius.
O du Genius göttlich,
Auf zum anderen Ufer nun,

Denn genug nun gesehn hab ich von Heiligem,


Paradiesische Lust wartet im Jenseits nun
In phantastischen Welten,
Sommer, Sonne und Ozean,

Weinberg, Erde und Stern, Sphäre der Venus, All,


Karawanen sind dort und das Zigeunerzelt,
Ich umarme die Göttin,
In der Göttin ein Genius!

BAUDELAIRE

Trunken sah er das Weib, doch nicht das blässliche


Mädchen krankhaften Traums, sondern die Göttliche,
Michelangelos Nacht nackt,
Eine riesige Götterfrau,

Angetan mit dem Reiz südlicher Sinnlichkeit,


In dem Hafen am Meer ging sie im kurzen Rock,
Ihr Parfüm war erotisch,
Ihre Brüste Gebirgen gleich.

O die göttliche Frau war in antiker Zeit


Aphrodite, des Schaums Meeresgeborene,
War Madonna des Südens
Mit der blutenden Brust, sie war

Muse, Schutzengel, Braut, Freundin und Kamerad,


Wenn der Dichter geraucht Marihuana, war
Sie erotisch und göttlich,
Paradiese der Sinnlichkeit

Von dem Weibe erfüllt, jugendlich schön und nackt,


Wo der Honig geströmt, strömte der Brüste Milch,
Im verheißenen Lande
Namens Weib war der Dichter da,

Der der Gottheit geweiht all seine Sünden, all


Seine Teufel und die Sterblichkeit und den Tod
Und des Satanas Hölle,
Den die Liebe allein erlöst.

MARIE ANTOINETTE

Ach, die Revolution griff sich die Königin,


Habsburgs Tochter Marie Antoinette, die
War schon trauernde Witwe,
Da schon guillotiert ihr Mann!

Und sie saß im Verließ, schrieb an ihr Schwesterherz:


Kommen werden sie gleich, bringen mich zu dem Tod,
Es zerreißt dir das Herz im
Busen, nimmt man die Kinder mir!

Und dann zog man sie aus, setzt auf die Karre sie,
Band mit Ketten sie an, schleifte sie durch Paris,
Pöbel schrie in den Gassen,
Man bewarf sie mit Spott und Kot!

Und sie legte ihr Haupt unter das Fallbeil, still


Sie geheim ihr Gebet sprach zu des Retters Leib,
Mystisch kommunizierend,
Starb und ging in den Himmel ein.

GÖTTIN DER VERNUNFT

Nun die Revolution stürzte des Herrn Altar


Und die Kirche, den Thron, guillotinierte Gott,
Nun erhebt sie die Göttin
Der Vernunft auf den Hochaltar.

Was die Menschen gedacht, das sei die Gottheit nun,


Gott der Aufklärung, der Illuminati Gott,
Transzendenz nicht des Vaters,
Sohnes, Heiligen Geistes, nein,

Nur ein menschlicher Gott, Übermensch, Überweib,


Marianne im Thron, Göttin der Denkenden,
Von Rousseau und Voltaire die
Göttin menschlichen Denkens, die

Göttin Ratio, die Aufklärungsgöttin, die


Göttin blutigen Mords, blutigen Terrors Gott,
Göttin mordenden Fallbeils,
Terrorherrschaft von Robespierre

War das menschliche Werk denkender Göttlichkeit,


Das Martyrium der heiligen Kirche, das
Menschenopfer der Göttin,
Da Paris in dem Blut versank,

In dem blutigen Meer, blutrünstig grausam war


Da die Göttin Vernunft, sie trug den Rosenkranz
Mit den Schädeln der Toten,
Dämon-Göttin des Satanas!
NAPOLEON UND JOSEFINE

Als Napoleon kam, Korse er, nach Paris,


Unbeholfen war er, linkisch und nicht galant,
Josefine belehrte
Ihn in Liebeskunst raffiniert.

Was Napoleon weiß von dem Geschick, der Kunst


Schöner Liebe, das weiß einzig er nur von ihr.
Zwar, sie hatte schon viele
Freier, die sie belehrt, doch er

Der Gelehrigste war. Aber er musste fort,


Denn es rief ihn sein Stern, rief ihn die Schicksalsmacht.
Aber fern von der Freundin
Immer dachte er an ihr Bett.

Also schrieb er: Geküsst sei du auf deinen Mund!


Sei der Busen geküsst! Sei dir geküsst der Schoß!
Josefine las seine
Liebesbriefe der Freundin vor.

Josefine im Haus lebte im grünen Park,


Trank mit Freundinnen Tee, hatte Galane auch,
Und Napoleons Stern stieg
Auf zu himmlischen Höhen, da

Wurde Kaiser der Mann, Kaiserin ward die Frau,


Er ward Kriegsgott und sie Göttin der Liebeslust!
Gott und Göttin vereinigt
In dem Bettenthron von La France!

Doch das Schicksal befahl: Schick die Geliebte fort!


Nimm die kleine Marie, nimm die Louise dir!
Josefine allein war,
Alt geworden, dahin der Reiz!

FRAUENMODE DER REVOLUTION

Frei die Revolution machte den Sexus nur,


Ungebunden und wild meistens die Weiber, die
Fern vom Christusaltare
In der Mode der Eva nackt

Durch die Straßen getobt. Heiß war Paris zur Nacht,


Da Hetären mit Macht ihrer Liebreizungen
Alle hielten in Banden
Mit den Fesseln der Sinnlichkeit.

Nun die Ader im Mann schlägt, er verliert den Kopf,


Und er rennt nach dem Rock und nach dem Unterrock,
Und französisch und sinnlich
Ist in Aufruhr die ganze Stadt.

Marianne voran, barbusig, stürmt sie an


Die Bastille, das Blut strömt von dem Menschenrumpf,
Da der Kopf ist gefallen,
Marianne ist im Triumph,

Nun die Weiber in Wut waten durch Lachen Blut,


Nichts an Kleidern am Leib, nur der Erotik Reiz,
Also Terror und Sexus
Immer wütender gehen um,

Wilder Orgie Blut, Fallbeil und Sinnlichkeit,


Nuditäten und Mord, Wahnsinn tobt in Paris,
Die Mänaden des Eros
Saugen Blut aus des Mannes Haupt!

CHARLOTTE CORDAY

Da Marat war das Tier, Antichrist und Prophet,


Wahrer Lügenprophet, hetzte den Pöbel auf,
Immer dürstend nach Blut und
Fleisch, verwesendem Menschenfleich,

Da mit Geifer den Hass hin schrieb der Journalist,


Der nach Opferblut schrie, Revolutionsgenie,
Guillotina verehrend,
Der verbündet war mit dem Tod,

In der Wanne lag er, sich zu erquicken im


Heißen Wasser mit Schaum, Zeitungen in der Hand,
Er, der Götze des Pöbels,
Da trat zu ihm Charlotte Corday.

Eine Bäuerin sie, einfache Frau vom Land,


Doch im schneeweißen Kleid sie einen Dolch verbarg,
Sie durchbohrte den Teufel,
Der mit Lästerung starb und Fluch!

Heroine der Frau Freiheit, Charlotte du,


Wahre Männin voll Mut, Ruhm dir für alle Zeit,
Heldin, freie Französin,
Gott der Herr nahm dein Opfer an!

LOURDES

In Arkadien war ich, als ich war in Lourdes,


Da die Dame erschien, heiligste Konzeption,
Makellose Madonna,
Weiß das Kleid und der Gürtel blau.

Bernardette war sehr schön, jugendlich, schlank und blond,


Die in David verliebt, Jüngling mit erstem Flaum,
Braun war Sulamith, tanzte
Abends unter dem jungen Mond.

Mirjam war da, die Braut Jesu, Novizin sie,


Germanistikstudent, Freundin der Poesie.
Medjugorjes Madonna
Schaute lächelnd von Bildern oft.

Neben Unserer Frau, jugendlich schön und schlank,


Pater Pio war alt, hässliche Missgestalt,
Unerträglich der Alte
Neben Unserer Lieben Frau.

Und ich ging im Gebirg abseits vom Pilgerstrom.


Alte Mütterchen da sangen die Litanei
Zu der göttlichen Mutter,
Doch ich suchte die junge Braut!

Michelangelos Bild war da, die Pieta,


Der Madonna und Frau Mund war so wunderschön,
Ja, mich küsste Madonna
Und ich küsste die Liebe Frau.

Sprach die heiligste Frau: Ich hab mein Ja gesagt,


Sagte Ja zu dir, nun gib du dein Ja-Wort auch.
Ich verlobte mich geistlich
Da mit Unserer Lieben Frau,

Sang das Hohelied ihr, sang in französischer


Sprache ihr den Gesang, Dame de l'amour genannt,
In Ekstase seraphisch
Gab ich ganz mich Maria hin!

NOTRE DAME DE PARIS

Mit der Lieblingin saß einst ich vor Notre Dame,


Asiaten, sehr viel Pilgernde waren da,
Ich sah tief in die Krypta,
Hörte Glockengeläut und da,

Quasimodo war da, hässliche Missgestalt,


Aber gut war sein Herz, doch die Zigeunerin
Esmeralda Hetära
Liebte Phöbus, den schönen Mann,

Aber dumm war der Mann, herzlos und grausam kalt,


Doch der Priester im Dom schwarze Magie betrieb,
Kabbalistische Forschung,
Alchemie um das liebe Gold,

Und verfallen war er, Eros-besessen er,


Esmeralda, so schön, war eine Teufelin,
Ihren Ziegenbock freiend,
Doch der Gottesmann liebte sie,

Sich verzehrend vor Lust, brennend vor Liebesglut,


Der den Schönling erdolcht, aber die Frau war schuld,
Einfallspforte des Teufels
Ist das Weib ja von Eva her,

Quasimodo war schuld, wurde gefoltert, da


Esmeralda ihm gab Wasser, dem Dürstenden.
Und die Zauberin wurde
Angeklagt von des Schönlings Braut,

Sollte werden gehängt, aber der Glöckner kam,


Quasimodo, er kam, rettete sie vorm Tod
Ins Asylum der Kirche,
Und sie lebte im Glockenstuhl

Mit dem Buckligen, der Mißgestalt, der war taub,


Doch sie pfiff und er kam, diente ihr wie ein Hund.
Eifersüchtig der Priester,
Der besessen vom Teufelsweib.

Esmeralda ist tot! Ach und die Mißgestalt


Legt sich zu ihr ins Grab, Staub neben Staub im Grab,
Im verwehenden Staube
Schönheit mischt sich mit Hässlichkeit.

Notre Dame des Paris! Einmal kam Paul Claudel,


Ein agnostischer Mann, trat in die Kirche ein,
Da Magnificat wurde
Schön gesungen vom Kinderchor,

An die Säule gelehnt stand er und hörte zu,


Da der Glaube an Gott ward ihm gegeben, er
War katholisch und glaubte,
Was die Mutter zu glauben lehrt,

Schlug die Biblia auf, las von der Weisheit drin,


Gottes Weisheit, die Frau wählte den Jünger sich,
Und der Dichter verehrte
Herrin Weisheit als ihr Poet!

PEGUY

Süße Mutter der Welt, Eva, der Lebenden


Mutter, nackt unterm Baum, heiligen Haines Frau,
Erste Göttin des Gartens,
Großmutter, höre den Schrei der Welt!

Schau, Maria, o Frau Gottes, o Königin,


Nun wir pilgern zu dir, Frankreich auf Pilgerfahrt,
Nun erbarme dich, Mutter,
Stern des Meeres und Liebe Frau!

Und wir weihen dir auch, den, der zum Selbstmord ging,
Den verzweifelten Geist, dieses verwirrte Herz,
Das in Ängsten und Schrecken
Rief den Namen Maria an!

Und Ginevra, du Frau, Hirtin von Frankreich du,


Weide Mutterschaf, Lamm, weide die Böcke auch,
Pastotale Geliebte,
Führ die Herde zum Hirten, und

Du, o heilige Jeanne, Kriegerin Gottes du,


Komm, verteidige uns, schenke die Freiheit uns,
O du Opfer der Kirche,
Wie die Kirche Messias quält!

Komm, die Kirche besingt dich und die Heiligen,


Mit dem Lilienschwert, komm mit der Fahne blau,
Jungfrau Lothringens, Jungfrau,
In den Schlachten die Siegerin,

Komm, befreie La France, kröne den König, schenk


Frieden, Glauben La France, Jungfrau, Patronin, Kind,
Katharina, hilf kämpfen,
Margarethe, hilf kämpfen uns,

Engel Michael, komm, stürze den Satanas,


Die gefallene Schar Engels-Dämonen stürz
In das Feuer der Hölle,
Dass der Ewige triumphiert!

Nun komm Caritas, Frau, wie ich dich liebe, Frau,


Nun komm Fides, o Frau, wie ich dir glaube, Frau,
Nun komm Spes, o mein Mädchen,
Mädchen, Mädchen, so göttlich schön,

Komm, o Mädchen, o Spes, gib mir den Liebeskuss


Mit dem purpurnen Mund, nimm an die Brüste mich,
Weiße hüpfende Brüste,
Komm, vereinige dich mit mir,

In der Einigung Akt schweb ich ins Paradies,


Denn vom Himmel herab kommst du und holst mich heim,
Göttin, Mädchen der Hoffnung,
Komm und führ mich ins Paradies!

THERESE VON LISIEUX

Zu der Heiligung brauchst du nur der Leiden Schwert,


An der Spitze, die scharf, wirst du geheiligt sein,
Durch dein Leiden erlöst du
Seelen, die sonst verloren sind.

Liebesbriefe schreib ich, der ich Herr Toto bin,


An das Schwesterherz, die Frau, die Frau Lulu heißt,
Eins sind Toto und Lulu
In der Liebe, die stammt von Gott.

O mein Jesuskind, Gott, Knabe und Amor du,


Willst du spielen nicht mehr mit deinem kleinen Ball?
Knabe, dann lass mich liegen,
Wie du willst, mein geliebtes Kind!

Nun ich sterbe, das Nichts mich in der Nacht versucht,


Gibts den Himmel und Gott, Freuden im Paradies?
Für die Gottlosen leid ich
Meine schreckliche Nacht des Nichts!

SIMONE WEIL

Rote Jungfrau! Karl Marx war nie ein Arbeiter,


Aber du die Fabrik sahest von innen, du
Schriebst der Arbeiter-Zeitung
Von der Philosophie Essays,

Platon für die Fabrik, aber der Arbeitsmann


War zu stumpf für den Geist Platons, erschöpft vom Werk,
Also gingst zu den Denkern
Du und qualmtest sie an die Wand,

Kettenraucherin du, ewig der Tabak qualmt


Wie der Weihrauch im Dom, Jüdin, du suchtest Gott,
Und du sahest den Christus
In der Dachkammer vor dir stehn!

Jede Religion kündet den Christus, nicht


Alle Glauben sind gleich, einzig der Herr ist wahr,
Logos-Spermien aber
Sind in jeglicher Religion.

Solidarisch warst du mit den Ungläubigen,


Die die Kirche des Herrn niemals von innen sahn.
Doch du glaubtest katholisch,
Eine mystische Braut des Herrn.
Und die Taufe, mein Gott? Da war kein Priester da,
Nein, ein Laie war da, Wasser im Bad war da,
Und drei Tropfen benetzten
Da da Kind mit der Gnade Tau.

Ist denn gültig vor Gott solch eine Taufe? Herr,


Die Begierde nimm an wie den vollzognen Akt!
Zeiten apokalyptisch
Brauchen Apokalyptiker!

DIE MUTTER ODER ANNAS ODEN

ERSTE ODE

Heute ging ich den Weg durch unser Osternburg


Still mit Josef allein, sagte mein volles Herz,
Wie ich wünsche ein Kind mir,
Wie so gern will ich Mutter sein!

Doch Diavolo will leider kein Kind von mir,


Und er ist doch der Mann, der mir zur Seite ist,
Welcher will mit mir schlafen,
Aber will nicht der Liebe Frucht!

Josef, sprach ich zu ihm, ich will die Mutterschaft!


Aber was, wenn der Mann zeugen will nicht ein Kind,
Will den Spaß nur der Wollust,
Doch Verantwortung will er nicht?

Soll ich heimlich denn nicht lassen die Pille fort,


Dass befruchtet der Schoß doch eine Frucht empfängt?
Denn dann muss doch der Mann ein
Vater eigenen Samens sein!

Aber Josef sprach: Nein, Anna, geliebte Frau,


Wenn die Leibesfrucht du heimlich ihm unterschiebst,
Wird der Zeuger ein schlechter
Vater eigenen Samens sein.

Josef meint es nur gut, will dass der Zeuger auch


Kindes-Vater ist, nicht Spender des Samens nur.
Doch was Josef mir nicht sagt,
Ist, wie Mutter ich werden kann?

Ach, ich träume vom Kind, ach, ich will schwanger sein!
Die Natur ists der Frau, Mutter und schwanger sein,
Mutterliebe zu schenken
Ihrem eignen geliebten Kind!
ZWEITE ODE

Endlich schwanger! Ach Gott, groß ist die Leibesfrucht


Schon im schwangeren Schoß! Ich bin ein Berg, mein Bauch
Kathedrale des Lebens,
Tempel ich für den Sohn in mir!

Auf dem Fest der Geburt Josefs war gestern ich,


Da Diavolo sich zankte mit einem Mann,
Freund und Bruder von Josef,
Der an Jesus den Christus glaubt.

Ich saß still nur dabei, lauschte dem schönen Lied:


Meine mystische Braut, Bogen und Pfeil sind dein,
Sarah, Abrahams Liebste,
Skorpionweib im Petticoat!

Da ich hochschwanger war, trank ich vom Rotwein nichts,


Aber Josef den Kelch leerte bis auf den Grund,
Trank auf meine Befruchtung,
Segnend fromm meine Leibesfrucht!

Heute hab ich geborn, hab in dem Hospital


Meinen Georg geborn! Was für ein schönes Kind!
O wie schön seine Nase!
Welches Licht in dem Augenblau!

Welcher kusslicher Mund! Er liegt auf meinem Bauch,


Ruht am Busen und schläft! Ich bin glückselig, Gott,
Welch ein Wunder des Lebens
Die Geburt eines Kindes ist!

Mein Geliebter, mein Sohn, schau in die Augen mir,


Licht der Seele und Licht! Komm an die Brüste, trink!
Eine heilige Kuh bin
Ich, mein Euter ist voll von Milch!

Im Millennium ist dieser mein Sohn geborn,


Ein Jahrtausendkind ist Georg, und er wird noch
Drachen töten als Ritter!
Gott, wie selig ich heute bin!

DRITTE ODE

Nun im Krankenhaus ich liege mit Georg, ich,


Mutter, liege im Bett, und in der Wiege er,
Kommt mein Freund zu Besuch und
Voll Bewunderung schaut er drein,
Sieht die Mutter im Bett, ha, ich empfinde wohl,
Wie der Mann mich begehrt, aber er ist mein Freund,
Dessen Keuschheit ich schätze,
Und so schaut er zu meinem Sohn,

Und die Liebe, die er hat für die Mutter-Braut,


Schenkt er ganz nun dem Sohn, nennt ihn sein Herzenskind,
Will ihn taufen im Bad der
Frommen Wiedergeburt im Geist,

Wie er sagte, und gab eine Ikone mir,


Wie im russischen Volk Unsere Liebe Frau,
Gottes Mutter, verehrt wird,
Große Mutter mit Gottessohn!

O wie traurig sie schaut, sieht in die Zukunft aus,


Sieht das kommende Leid ihres geliebten Sohns!
Welche Liebe der Mutter!
Sie ist Mutter Natur für mich.

Und dann gab mir der Freund eine Ikone noch,


Da Sankt Georg, der Held, sitzt auf dem weißen Ross,
Mit der Lanze den Drachen
Satan tötet, der Heilige!

Da sind Josef und ich mystisch im Geist vereint,


In der Liebe zum Volk Russlands und Russlands Gott
Und den Dichtern der Russen,
Zu der russischen Muse Ruhm!

Ich hab Tolstoi geliebt, las auch den Bakunin,


Ich studierte den Geist Tolstois, des friedlichen,
Meine Seele war voll vom
Evangelium Tolstois fromm.

Josefs Lieblingspoet, Puschkin ists, der Prophet,


Der die Schönheit geschaut, himmlischer Venus Leib!
Und den Solowjew liebt er,
Seher, göttlicher Weisheit Freund!

VIERTE ODE

O mein Söhnchen, mein Schatz, du willst die Mutterbrust,


Willst die nährende Milch, Liebe dazu als Trank,
An dem Busen der Mutter
Willst du Liebe und Lebenslust!

Georg, niedlicher Sohn, willst du denn ewiglich


Liegen mir an der Brust, an der geliebten Brust,
Die doch Josef begierlich
Anschaut, trinken auch möchte er!

Nicht mehr Mutterbrust sag ich und nicht Stillen mehr,


Nein, ich sage jetzt Tse, sag das chinesische
Wort für Meister der Weisheit,
Das bezeichnet jetzt meine Brust.

Nun ich sage: Das Wort! Dieses bezeichnet dann


Mutterliebe und Brust. Willst du das Wort, mein Sohn,
Willst vom Worte du trinken,
Willst du trinken des Wortes Milch?

Wenn ich stehe am Tisch und an dem Telefon


Mit den Freundinnen sprech, kommst du, mein kleiner Sohn,
Eben lerntest du laufen,
Kommst und hebst mir das Hemdchen hoch

Und entblößt meine Brust, weil du begierig bist


Nach der Muttermilch Trank, legst an die Brust den Mund,
Saugst in durstigen Zügen,
Während ich mit der Freundin sprech.

Josef hat mir erzählt, dass einst in China der


Letzte Kaiser es war, der im Palast gelebt
Der Verbotenen Stadt mit
Seiner Amme, die er geliebt.

Sieben Jahre alt war da schon der Kaiser, da


Er die Amme noch stets heimsuchte um die Milch,
Wenn die Mutter auch kalt war,
Süß die Amme und mütterlich.

Du mein Kaiser, mein Schatz, trinke du nur die Milch,


Saug die Liebe, die Lust, sag du zum Leben Ja,
Gottes Muttermilch trinke,
An den Brüsten des Herrn den Trost!

FÜNFTE ODE

Georg krabbelt noch meist, manchmal auch geht er schon.


Und wie freut er sich sehr, kommt zu Besuch der Freund,
Ja, wenn Josef kommt, siehe,
Schaut mein Kindlein nur Josef an.

Mit dem Arsch schaut er nicht mehr zu Diavolo,


Kümmert einzig allein sich um den Josef noch,
Er versucht schon zu sprechen,
Josef bringt ihm das Sprechen bei.

Georg krabbelt zu ihm, Josef nimmt ihn zu sich,


Setzt ihn sich auf den Schoß, nimmt ihn in seinen Arm,
Schaut mit liebenden Blicken
In die Augen dem Pflegesohn.

Georg interessiert sich für die Mutter nicht,


Ist der Vater nur da, Vater des Herzens, der
Pate, einzig nur Josef
Ist noch interessant fürs Kind.

Doch das habe ich gern und es erfreut mich sehr,


Dass mein Josef, mein Freund, so sehr mein Söhnchen liebt!
Und von Josef ich dachte
Schon in lustiger Jugendzeit,

Dass als Vater er wär liebevoll, zärtlich, gut,


Herzlich liebender Mann. Und so ist nun es auch,
Und mein niedliches Kindchen
Hat den Vater sich frei erwählt.

Nicht den Zeuger, den Schwanz, sondern das Vaterherz,


Abbild Gottvaters, ja, himmlischen Vaters Bild,
Denn es spüren die Kinder,
Wo die göttliche Liebe ist.

Darum freu ich mich sehr, kommt zu Besuch der Freund,


Ja, ich bitte ihn oft: Komm nur recht oft zu uns,
Denn es liebt dich mein Knabe,
Und ich liebe dich auch, mein Freund!

Denn mein Kind ist ein Stück ja von der Mutter Fleisch,
Der die Mutter du liebst, liebe nun auch den Sohn.
Sohn und Mutter sind eins, sind
Voll der Liebe zum Herzensfreund!

Da mein Georg dich liebt, liebt dich die Mutter auch,


Herzensvater des Sohns, Vater nach Gottes Bild,
Nach dem Herzen des Vaters
Du ein Vater und wahrer Mann!

SECHSTE ODE

Heute wickelte ich Georg am Winkeltisch,


Der Kommode, da lag er in der Windel nackt,
Und ich zog ihm sein Nachthemd
An, das Josef so niedlich fand,

Dieses rötliche Kleid, schwärzlich gepunktet, und


Georg schaute daraus licht aus den Augen blau,
Lag er still im Marien-
Käfer-Kleidchen so hübsch und süß.

Dieser Käfer, sprach er, heißt nach Maria, weil


Dieser Käfer vertilgt Blattläuse in dem Laub,
Wie Maria vernichtet
Die Dämonen, die reine Frau.

Josef schaute zu mir, wie ich zum Sohn gebeugt,


Wie mein bräunliches Haar fiel auf das Angesicht
Meines niedlichen Kindes
Mit verwirrender Zärtlichkeit.

Josef sagte: Mein Schatz, diese verwirrende


Frauenzärtlichkeit ist Ebenbild mir für die
Zart-verwirrende Liebe
Der Madonna, die meine Braut!

Und ich sagte: Mein Schatz, denkst du der Jugend noch,


Da am Mittelmeer wir lagen am Strande nackt
Und uns liebten vereinigt
In dem rauschenden Meeresschaum,

Wie ein Kindlein da war, spielte im weißen Sand,


Welchen Benjamin rief zärtlich die Mutter, und
Wir auch Mutter und Vater
Werden wollten von Kindern, da

Du das Söhnchen getauft, unseren Zukunftssohn,


Buffodontel, den Sohn, du dann das Töchterlein
Akkadanu getauft hast,
Kinder göttlicher Mutterschaft?

Nun, mein Josef, mein Schatz, bist du der Zeuger nicht,


Aber Vater bist du, wir nicht im Bett vereint,
Buffodontel ist dennoch
Unser herzlich geliebter Sohn.

So auch wird es doch wahr, was wir dereinst geträumt,


Nur platonisch, mein Freund, ohne die Sinnlichkeit,
Wie die Jungfrau zum Kinde
Kam der Vater zu seinem Sohn!

SIEBENTE ODE

Wie ich Afrika lieb, eine Kandake bin,


Die ich trommle so gern auf meiner Djembe laut,
Laut mit rhythmischen Schlägen,
Rhythmus Afrikas in dem Blut!

Afrikaner, mein Freund, Trommler Pascal, du lehrst


Mich den Rhythmus, den Schlag, auch meine Freunde sind
Mit im Kursus des Trommelns,
Afrikanischem Trommelkurs.
Und mein liebliches Kind stets in der Nähe ist,
Er hört Afrikas Puls, wenn er im Wagen liegt,
In dem Wagen das Kindlein,
Josef passt auf das Kindlein auf.

Wenn ich trommle, dann geht Josef spazieren mit


Meinem lieblichen Kind, führt meine Leibesfrucht
In dem Wagen spazieren,
Georg lauscht, Josef betet leis,

Betet Rosenkranz und Ave Maria, dies


Mantra murmelt er leis in seinem schönen Bass,
Seine Bass-Stimme herzlich
Kommt volltönend aus seinem Bauch.

Immer murmelt er neu Ave Maria und


Immer benedeit er Jesus, die Leibesfrucht,
Und wie Muttermilch saugt mein
Georg Josefs Gebete auf.

An der Stimme erkennt Georg das Vaterwort,


Das Maria nur spricht, Jesus, Maria stets,
In dem Mantra der Mutter
Wird mein lauschendes Kindchen groß.

ACHTE ODE

Ich bin schwanger, erneut schwanger mit einem Kind!


Zwar Diavolo nicht wollte ein zweites Kind,
Wie er auch schon das erste
Nicht gewollt hat, der Lumpenhund!

Zwar er will seinen Spaß, will seinen Schwanz im Schoß,


Doch Verantwortung nicht will er für Leibesfrucht
Übernehmen und Vater
Sein für das, was er selbst gezeugt.

Aber ich will das Kind, ja, ich hab so getan,


Als verhütete ich, sagte Diavolo:
Nur getrost, denn ich nehm die
Anti-Kinderlein-Pille, Mann!

Doch ich nahm sie nicht, nein, weil ich doch wollte sein
Schwanger, Mutter sein gern von einem zweiten Kind,
Und nun ist es gekommen,
Wie ichs wünschte von der Natur.

Heute ging ich den Weg zu dem Kanal, dem Deich,


Sagte Josef, dem Freund: Lieber, ich bin erneut
Schwanger, Lieber, was sagst du?
Und er freute von Herzen sich!
Und er sagte: Mein Schatz, sehr lieb ich Georg schon,
So als wär er mein Sohn, und er sagt ja auch
Vater zu mir, er denkt, er
Hätte einen nicht nur, nein, zwei

Väter hätte der Sohn, ja, und so glaubt er auch,


Dass nicht ein Gott allein herrsche im Himmelreich,
Nein, zwei Götter, so denkt er,
Gibt es, beide sind voller Macht,

Ein Gott aber ist gut, aber der andre bös,


Und der gute Gott ist Vater im Himmelreich,
Doch der böse Gott Vater
Ist der Lüge, ein Mörder er!

Aber nun, o mein Schatz, kommt noch ein zweites Kind,


Und ich weiß nicht, ob ich noch einmal lieben kann
Mit der gleichen Begeistrung
Noch ein anderes Kind von dir!

Hab ich Liebe genug, noch einmal so verrückt


Und wahnsinnig zu sein, wieder zu lieben ein
Kind des Herzens, noch einmal
So zu lieben, wie Georg ich

Liebe? Gott möge mir Liebe ins Herz genug


Geben auch für das Kind, dass dir im Schoße lebt!
Und nun: Sei du willkommen,
Neuer Mensch in dem Mutterschoß!

NEUNTE ODE

Nicht ein einsames Kind, nein, sondern Zwillinge


Hab im Schoße ich nun, eineiig Zwillinge,
Söhne, wie ich sie liebe,
Aber bin auch von Furcht erfüllt.

Und Diavolo sagt: Mache die Kinder weg!


Mach sie weg, sagt er nur, höhnischen Grinsens, bös,
Bös verzerrter Grimasse,
Wie ein Mörder von Anbeginn.

Doch Diavolo ists, der sie gezeugt im Schoß,


Wars sein Same doch, der sich mit dem Ei vereint,
Und wie soll ich alleine
Ohne Vater und ohne Mann

Denn die Kinder erziehn, diese drei Söhne mein,


Bin auch arbeitslos, arm, habe nicht Geld genug.
So ich will zur Beratung,
Ob die Abtreibung richtig wär?

Und ich bitte den Freund Josef, dass er mit mir


Fährt zum staatlichen Amt, das mich beraten will,
Zum Familien-Amte,
Und er will mich begleiten und

Während ich mich berat, passt er auf Georg auf.


Doch was sagte er noch, Josef, in seiner Art?
Alles Leben ist heilig,
Sagte Josef sehr ernst zu mir.

Ja, dass heilig das Sein, heilig das Leben ist,


Heilig Mutter Natur, das kann ich glauben, ja,
Heilig, heilig das Leben!
Wenn da nur diese Angst nicht wär.

Und nun sitz ich beim Amt. Josef im grünen Park


Sitzt mit Georg, der spielt, Josef den Rosenkranz
Betet, Ave Maria,
Mutter, schütze die Zwillinge!

Himmelskönigin du, Mutter der Lebenden,


Gib den Zwillingen Recht, dass sie das Licht der Welt
Doch geboren erblicken,
Dass die Abtreibung nicht geschieht,

Darum weih ich dem Herz meiner Gebieterin


Dieser Zwillinge Sein, rette ihr Leben, Frau,
Du die Abtreibung hindre,
Notre Dame de la vie, Marie! -

Und so saß ich im Amt, fühlte im Herzen heiß


Wehmut, Sehnsucht und Glut heiliger Liebe für
Meine Zwillinge, leben
Sollen beide und sterben nicht!

ZEHNTE ODE

Josef malte ein Bild, nämlich er malt jetzt gern,


Malt Ikonen der Frau Weisheit, und mir gab er
Die Madonna-Ikone,
Und erklärte mir dies sein Bild:

Schau, ein Foto von dir, Anna, war mein Modell,


Da du Georg im Arm, ihn an den Busen presst,
Du Modell der Madonna,
Georg ist hier das Jesuskind.

Überm Haupt dir geht auf vollkommen rund der Mond,


Dieser Heiligenschein zeigt dich als Heilige,
Jungfrau Mondgöttin, Anna,
Himmelskönigin auf dem Mond.

Und der Lebensbaum da neben dir, liebe Frau,


Stand im Paradies einst, oder es ist das Kreuz,
Das umrankt ist von Reben
Praller Trauben, mein Weinberg du.

Dir zu Füßen am Rand unten am Bild, da siehst


Du der Cherubim zwei, oder sinds Seraphim,
Die Madonna verehren,
Engelskönigin, Himmelsfrau,

Diese Cherubim sind Kinder, noch nicht geborn,


Sind die Zwillinge dein, dir in dem Mutterschoß
Selig wohnende Menschen,
Die gekommen von Gott dem Herrn,

Die gekommen von Gott, oder wie Klopstock sagt,


Von dem Adama-Stern, dort lebt die Kinderschar
Ungeborener Seelen,
Engel, schauen den Schöpfer an.

So bist du das Modell einer Madonna und


Georg ist das Modell hier für das Jesuskind
Und die Zwillinge beide
Sind Modelle der Cherubim.

Die Ikone verehr, es ist das heilige


Bild der Schutzfrau von dir, dir und den Kinderlein,
Der Familie Schutzfrau,
Die ich tief in dem Staub verehr.

ELFTE ODE

Ja, die Zwillinge sind ziemlich verschieden schon,


Wenn auch eineiig sie, dennoch verschieden schon
Im Charakter, die Menschen,
Wahren Menschen im Mutterschoß.

Da ist einer, der speist munter genüsslich vom


Mutterkuchen, sein Mund liebt den Genuss, den Trank
Von dem Fruchtwasser, groß wird
Er, befriedigt von Speis und Trank,

Und gesättigt sein Geist ist an dem Liebesmahl,


An dem Wollustmahl hier tief in dem Mutterschoß,
Ein Genießer, ein Süßer,
Mit den saugenden Lippen, Schatz.

Und der Bruder ist klein, ist ein Asket des Herrn,
Der das Fasten beginnt schon in dem Mutterschoß,
Er liegt traurig im Dunkeln,
Dürstend nach der Gerechtigkeit,

Er bekommt nichts vom Brot, hat auch nicht Wein genug,


Hungerleider des Herrn, sehnsüchtig Schmachtender,
Des Verzichtes Gelehrter,
Der von Liebe und Luft nur lebt.

Josef sagte zu mir, weise ist Josef ja,


Von der Psychologie, Zwillinge in dem Schoß
Doch erfahren das Leben
Unterschiedlich. Wird einer satt,

So im Leben wird er stehen präsent und stark,


Alle achten auf ihn, alle verlieben sich
In den Starken und Schönen
Mit zufriedenem Saugermund,

Der wird immer geliebt werden in dieser Welt,


Wird ein Liebling, ein Schatz, seliger Küsser er
Vor dem Herrn, ein erfreuter
Freudenbringer. Der Andere,

Der gehungert im Schoß, der wird im Schatten stehn


Seines Bruders, der wird kränklich und schwächlich sein,
Zaghaft, unscheinbar, hungernd
Wie ein Schatten der Unterwelt.

Heute war ich beim Arzt, der mir eröffnete,


Dass der Schwache zu schwach, weil ihm der Stärkere
Allen Kuchen genommen,
So des Schwächeren Leben ist

Von dem Tode bedroht, darum es eilig ist,


Dass ich beide gebär. Nun mit dem Kaiserschnitt
Sollen beide geboren
Werden, Kaiser von Gottes Huld.

ZWÖLFTE ODE

Nun geboren sind sie, Zwillinge, sie sind da,


Sehn den Lichtglanz der Welt, ich bin im Krankenhaus,
In dem Brutkasten beide
Sind zusammen und schlafen warm.

Josef heute war da bei mir im Krankenhaus,


Und die Zwillinge gab eins nach dem anderen
Ich dem Freund in die Arme,
Er nahm beide als Kinder an.
Maximilian dies, der dir im Arme schläft,
So zufrieden und satt, selig in deinem Arm,
Der dir ruht an dem Herzen
Wie Johannes an Jesu Brust.

Du umarmst ihn so warm wie eine Mutter fast,


Muttervater, mein Freund, der voll Barmherzigkeit
Einer Glucke vergleichbar
Küken unter die Flügel nimmt.

Hier ist Simeon, der kleine und schwache Sohn,


Der im Arme dir liegt, groß seine Augen, Geist,
Der dir schaut in die Augen,
Liebe suchend in deinem Blick.

Sei nur vorsichtig, Freund, der ist aus Porzellan,


Sei kein Elefant, nein, sei du ein rosa Schwan,
Josef, du bist ein Wesen,
Bist ein Wesen, ein rosa Schwan!

DREIZEHNTE ODE

Wenn ich mittags im Bett halte den Mittagsschlaf,


Meine Männer zu zweit wiegen die Zwillinge.
Dem Diavolo geb ich
Meinen Simeon in den Arm,

Maximilian geb Josef ich in den Arm.


Josef wiegt dann den Schatz, Ave Maria stets,
Marianisches Mantra,
Murmelnd mystisch in seinen Bart.

Mir hat Josef erzählt: Anna, Professor Freud


Sprach vom Penisneid einst, den jede Frau besitzt,
Ich besitze den Stillneid,
Würde geben gern meine Brust,

Maximilian liegt mir so vertraut im Arm,


Wenn das Fläschchen mit Milch ich ihm als Vater geb,
Hätt ich Brüste der Mutter,
Wär ich inniger ihm vertraut!

Josef hat es gesagt. Aber die Muttermilch


Kommt von mir doch allein. Simeon aber ist
Viel zu schwach, um zu saugen,
Trinkt die Milch nicht an meiner Brust,

Wie die heilige Kuh Indiens werde ich


Dann gemolken von der Pumpe an meiner Brust,
Dass das Euter des Rindes
Schenkt dem Simeon Muttermilch,
Der am Fläschchen dann trinkt, also wird er gestillt.
Maximilian trinkt mir an der Mutterbrust,
Saugt mit schmatzendem Munde
Mir am Busen, der süße Schatz.

Also lieg ich im Bett, barbusig, Josef kommt,


Maximilian saugt schmatzend die Muttermilch,
Und ich weiß wohl, o Josef
Dass du auch meine Brust begehrst!

MÜTTERCHEN RUSSLAND

GROSSMUTTER ANNA

O heilig-liebe Großmutter Anna, Gott


Hat dir dein Herz erobert mit Zärtlichkeit,
Das mütterliche Allerbarmen
Gottes erfüllte dir deine Seele.

Du hast geliebt die göttliche Weisheit, die


In Jesus und Maria war ganz präsent,
Die Hagia Sophia Kiews,
Griechische Weisheit des Christentumes.

Du hast des immerwährenden Betens Geist


Empfangen und die Fürsprache, dein Gebet
Wie Monica für Augustinus
Galt deinem Enkel Wladimir. Heil dir!

GROSSFÜRST WLADIMIR

Der Anna Enkel, Großfürst Wladimir, sah,


Dass Kiew einen Glauben braucht, Religion
Als Seele in dem Staatsgebilde,
Aber wo ist denn der wahre Glaube?

Er schaute in die Mythologie, die Welt


Der Götter und der Göttinnen der Natur,
Er fragte Thor und fragte Freyja,
Doch sie befriedigten nicht den Geist ihm.

Er fragte Zarathustra: der gute Gott


Im Kampfe mit dem Gotte des Bösen, da
Der gute Gott ist Himmelssonne,
Doch er verwarf diesen Dualismus.

Wladimir las auch Mohammeds Alkoran,


Gott Schöpfer war, barmherziger Gott, Gericht
Am Jüngsten Tage haltend, aber
Leider verboten war, Wein zu trinken.

Er fragte auch die jüdische Religion,


Doch stieß ihn die Gesetzlichkeit ab, der Zwang,
Spitzfindige Gesetze, tausend
Regeln, er liebte zu sehr die Freiheit.

Dann kam er nach Byzanz, sah die Messe dort,


Vor Hagia Sophias Ikone dort
Präsent war Jesu Christi Opfer,
Ihn überzeugte des Kultes Schönheit.

Wladimir hat entschieden: Das Christentum


In seiner byzantinischen Form des Kults
Fortan die Seele sei von Russland,
Russland geweiht sei der Weisheit Gottes!

IGORLIED

Die Christen mit den Heiden im Glaubenskrieg,


Wie einst die Griechen standen vor Trojas Burg,
Nun fromme Fürsten, unbedeutend,
Stritten mit Gottlosen, unbedeutend.

Die Christen waren Falken im Himmelsflug,


Die Heiden waren Wölfe im dunklen Wald,
Den Christen half die Himmelssonne,
Aber den Gottlosen half der Dämon.

Die Flüsse sprachen rauschend zu Gottes Ruhm,


Es sprach das schwarze Mütterchen Erde feucht
Von dem Triumph der Gottesmutter,
Über die Toten die Jungfrau weinte.

Das Igor-Lied die Tränen der Jungfrau sang,


Voll Schwermut war die russische Seele da,
Die Tränen waren Blut, es weinte
Blutige Tränen die Jungfrau Russlands!

DIE BYLINEN

In Frankreich hörten viel wir vom großen Karl,


Dem fromm und starken Kaiser der Christenheit,
Der kämpfte mit den Sarazenen,
Herrlich ihm dienten die Paladine.

Des Pfaffen Konrad Rolandslied lasen wir


Und Ariost, da sagte der Kardinal:
Wo hast du her den bunten Unsinn?
Aber wir lasen sehr gern von Roland

Und von der Frau Angelika, Rolands Horn


Wir hörten in dem Baskenland im Gebirg
Der Pyrenäen Rache rufen,
Lasen vom heiligen Kreuzzug Gottfrieds

Und von dem Zug zum heiligen Gottesgrab,


Der christlichen Befreiung Jerusalems,
Im Garten der Armida waren
Selig wir wie auf Kalypsos Insel.

Auch folgten König Arthus wir, Lanzelot


Vom See und seiner Ginevra schön,
Wir hörten Merlin in dem Grabe,
Wohin ihn sperrte die schöne Nimve,

Wir hörten prophezeien den Zauberer,


Wir sahen Tristan freien Isolde, Tod
Der Liebe sterben, sahen töricht
Parzival knieen vorm Gral im Tempel.

All das hat auch die russische Poesie,


Da lesen wir, wie Großfürst Wladimir fromm
In Kiew an der Tafelrunde
Recken versammelte und Bojaren.

Der kämpfte mit der Goldenen Horde Wut,


Der zog ins schöne Indien voller Gold,
Der freite seines Fürsten Nichte,
Der war im Kampf mit der schwarzen Schlange,

Des Fürsten Recken waren Elija und


Der starke Simson, welcher Delila liebt,
Der Räuber Nachtigall im Wipfel
Flötete Lieder zum Spiel der Gusli.

Auch ich saß an der Tafel Wladimirs, trank


Genugsam aus dem goldenen Kelche Met
Und sang dem Fürsten die Bylinen,
Strich mir die Mettropfen aus dem Barte.

DIE GOLDENE HORDE

Panmongolismus! Schrecken der Christenheit!


Vom Fernen Osten stürmen die Heiden an,
Sie saufen Pferdeblut und fressen
Pferdefleisch, alle sind gute Reiter

Und große Krieger, blutrünstig, wild und roh,


Schamanen prophezeien dämonisch, Tod
Sie bringen zur Europa Gottes,
Heidnische Mörder im Auftrag Satans!

Wer wird beschützen Christi Europa? Braut


Des Gottessohns die Nymphe Europa! Gott
Beschützt Europa und die Jungfrau
Stellt die Armee auf der blauen Fahne!

O Mutter Russland, heiliges Bollwerk du,


O Heer der Gottesmutter von Kazan du,
Mit der Ikone Sankt Mariens
Streitest du gegen die Goldne Horde!

Es siegt der Gottesmutter Ikone, Sieg!


Die Mutter Russland schützte Europas Reich
Der Freiheit in dem freien Geiste
Gottes vorm Ansturm der Satans-Krieger!

KLAGE UM LOMONOSSOWS PETER DER GROSSE

O Muse, singe Peter den Großen mir!


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…………………………………
……………………….

KATHARINA DIE GROSSE IN IHRER JUGEND

Die junge Frau Sophia von Sachsen wars,


Die schickte König Friedrich der Große in
Das große Zarenreich von Russland,
Dass sie da Peters des Dritten Frau wird.

Erzogen sie im Protestantismus deutsch,


Sie wandte sich zur Orthodoxie, Byzanz
Statt Wittenberg, und Katharina
Nannte Sophia sich nun in Russland.

Der dritte Peter, hässliche Missgeburt,


Als Mann war zeugungsunfähig, doch gebar
Die junge Katharina, Wunder!
Aber man riss ihr den Sohn vom Schoß weg.

Der dritte Peter wurde als Zar gekrönt,


Doch Katharina rettete Russlands Reich
Vorm Idioten auf dem Throne,
Peter verkaufte an Preußen Russland.

Und Katharina, russische Deutsche sie,


Verband sich mit dem Grafen Orlow, Galan
Der schönen Frau war er und Kämpfer,
Der ihr eroberte Russlands Thronstuhl.

Die junge Katharina, die schöne Frau,


Ritt hoch zu Ross nach Petersburg, die Armee
Rief: Lange lebe Mutter Zarin!
Lang lebe Mütterchen Russland selig!

O Schönheit, Katharina, dein Antlitz licht,


Die Lockenfluten schwarz und die Lippen rot,
Du Amazone und du Nymphe,
Jungfrau und Zarin von Gottes Gnaden!

NAPOLEON IN RUSSLAND

Napoleon dem Stern ist gefolgt, dem Ruhm,


Dem Helden-Schicksal, Krieg der Eroberung
Ausdehnend auf Europa, aber
Russischer Kaiser war Alexander

Und vor der Gottesmutter Ikone er,


Der Zar, auf seinem Angesicht lag, Gebet
Erhebend zu der Gottesmutter,
Siegerin ist sie in Gottes Schlachten!

Napoleons Armee zog in Moskau ein,


Der goldnen Moskau, vierzig mal vierzig dort
Der Kirchen sind mit goldnen Kuppen,
Aber in Flammen stand Mutter Moskau!

Das Dritte Rom im Meere von Flammenglut,


So dass der Konsul musste von dannen ziehn.
Es lachten höhnisch heiße Flammen:
Du willst ein gottloser Cäsar herrschen?

Da schickte zornig Mütterchen Russland ihm,


Das feuchte schwarze Mütterchen Erde und
Das Mütterchen, die Gottesmutter,
Winterfrost, Schneesturm und Hagelströme!

Napoleon erfroren ist in dem Eis,


Den Antichrist besiegte das Mütterchen,
Es triumphierte Gottes Mutter,
Segnend den siegreichen Alexander.

Und der Franzosen große Armee im Schnee


Geschmolzen ist, im Flammenmeer Moskaus, dass
Europa konnte wieder atmen
Geist nach der Revolution des Teufels!

SHUKOWSKI
Und so begann die russische Poesie:
Der Dichter auf dem Friedhof beim Grabeskreuz
Die Tote sang, die freie Seele,
Schutzengel, Gottes Geliebte, Göttin!

Dann sang der Dichter Märchen der Mütterchen,


Des frommen Volkes Märchen, der Amme Lied,
Schneeweißchen und die Schwanen-Jungfrau,
Jungfrau Dornröschen und Cindarella.

Der Dichter sang die reine Geliebte, Licht-


Gestalt, Idee, platonisches Ideal,
Der Himmelsjungfrau Himmelsliebe
Sang in prophetischem Wahn der Seher!

Es war die Nacht der Epiphanie, die Nacht


Der neuen Schönheits-Epiphanie, da sah
Der Seher in dem Geisterspiegel
Schweben die selige Liebesherrin.

PUSCHKIN

Der Doppel-Adler russischer Poesie


Erhob die Schwingen über das Zarenreich.
In seiner Jugend Revoluzzer,
Freimaurer er in geheimer Loge,

Als Dichter Diener göttlicher Venus und


Der Venus-Priesterinnen mit Charme und Reiz
Und Meister des sublimen Eros,
Priester der nackenden Musenweiber,

Der stets dem Bacchus huldigte und dem Kelch


Von Abendmahl und Eucharistie, im Wein
Hat nackte Wahrheit er gefunden,
Liebte den spritzenden Strahl Champagner,

Er mochte nicht Vergilius, doch Ovid


War in Verbannung Seelenverwandter ihm,
Und mehr als Epiktet und Cato
Mocht Epikur er und Aristippus.

Einst rief er: Ecce femina! Anna Kern


Stand vor ihm, idealische Schönheit sie,
Die femina divina, Anna,
Dass er betrunken von Liebe aufsang,

Da schrieb er seinen Liebesroman, er sang


Des stillen Mädchens Liebestragödie,
Dann wandte er sich zu der Prosa,
Wurde Geschichtsschreiber seines Zaren

Und wurde häuslich lächelnder Schönheit Mann,


Koketter Dirne, welche ihn umgebracht!
Als Kaiser Alexanders Denkmal
Höher auf ragt des Poeten Denkmal!

SOLOWJEW

Er sah Sophia einst in dem Gotteshaus,


Da mit der Amme betete er zu Gott,
Die feminine Weisheit,
Grazie, Jungfrau des Regenbogens.

Es war nicht Beatrice, neun Jahre alt,


Die, wie die Amme sagte, ein dummes Ding,
Nein, wie der Weihrauch in dem Tempel,
Weltseele, Lichtjungfrau, Gottes Weisheit.

Dann sah er in der Briten Museum sie,


Da er studiert die Theosophie im Buch,
Die Kirchenväter, Philosophen,
Mystiker aller der Religionen.

Er sah ihr Antlitz, nicht ihren schlanken Leib,


Wie einst im Gotteshaus er den Leib gesehn,
Nun sah er nur das schönste Antlitz,
Hörte ihr Flüstern: Geh nach Ägypten!

So reiste nach Ägypten der Philosoph


Und ging von Kairo weiter zur Wüste, nachts
Man hielt den Mann für einen Teufel,
Nahm ihn gefangen, schlug ihn mit Stöcken.

Doch morgens sah er über dem Wüstensand


Die Klarheit einer Himmelsvision, das Licht,
All-Einheit sah er, die verklärte
Weltseele und die Idee der Menschheit.

TOLSTOI

Zwei große Frauen russischer Poesie:


Tatjana, die den Eugen Onegin liebt,
Und ihre große Seelenschwester
Anna Karenina, voll der Liebe.

Ich kannte selber Anna Karenina,


Die von der Auferstehung im Bette las
Und sprach: Ich muss mein Leben ändern!
Tolstoi verheißt mir die Auferstehung!
Wer denn verkündet wahre Gerechtigkeit?
Ist es der anarchistische Bakunin?
Ists Tolstoi, der Apostel Jesu?
Anna Karenina schrieb darüber.

DOSTOJEWSKI

Ich las von Schuld und Sühne in Petersburg,


Des Mörders irre Seele voll Skrupel war,
Im Lager seine Strafe büßend,
Da ihm erschienen zuletzt die Hoffnung,

Da überm strengen Strafarbeitslager und


Unendlich weißer Schnee-Ebne aufgestrahlt
Die junge schöne Morgenröte
Oder das himmlische Mädchen Sonja!

Dann las ich vom Idioten am Flusse San


In Polen an dem Fuß der Karpaten, an
Der Grenze zur Ukraine, Myschkin
War der vollkommene Narr in Christo!

Zwei Frauen liebte Myschkin, die eine war


Aglaja, Freundin meiner Gefühle, das
Blauäugicht reine Tugendmädchen
Oder ein weiblicher Himmelsengel,

Die andre meine Leidenschaft, ich verfiel


Nadeshda ganz, der Sünderin schön und wild,
Passion im Doppelsinn des Wortes,
Leidenschaft, Leiden und Liebesschmerzen!

Dann las ich von erniedrigten Menschen und


Beleidigten im sorbischen Hause in
Der deutschen Hauptstadt Berolina
Unter Ikonen der Gottesmutter,

Und war gerührt zu Tränen von diesem Buch,


Doch ach, die Liebste machte ein Essen mir,
Doch habe ich sie nicht beachtet,
Nun ist sie tot und ich bin voll Reue.

Die Brüder Karamasow las ich allein


In einer schwarzen Gondel Venezias,
Nun weiter keine Konkubinen!
Gott will das Opfer der reinen Seele!

Es lehrte mich der Starez Soshima von


Der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, von
Der Herzensreinheit! Sei nicht weltlich!
Sei eine gläubige fromme Seele!
RASPUTIN

Der von der Mutter Gottes Gesandte kam


Zur Zarin, deren Knabe ein Bluter war,
Den er durch Handauflegung heilte,
Gottes Schamane, Mariens Sklave.

Er war so wie ein russischer Bauer fromm


Und war auch so versoffen und so verhurt,
Zwei Huren lagen ihm im Arme,
Als in der Schenke er Wodka zechte.

Die Zarin aber schätzte den Gottesmann,


Der sprach zum Zaren: Führe du keinen Krieg,
Sonst wird der erste Weltkrieg kommen,
Eine Tragödie des Jahrhunderts.

Wenn ich von Feinden Russlands erschlagen werd,


Gerettet wird die Zarenfamilie sein,
Doch sinds des Zaren Offiziere,
Die mich erschlagen, dann weh dem Zaren!

Und Offiziere schlugen ihn tot, jedoch


Er lebte, sie vergifteten ihn, jedoch
Er lebte, bis sie ihn erschossen,
Schossen von hinten in seinen Rücken.

Der Krieg brach aus. Die Revolution begann.


Die Bolschewiki schossen den Zaren tot,
Die Zarin und den Sohn des Zaren,
Nur Anastasia überlebte.

LENIN

Sein Leben lang in Bibliotheken saß


Der Russe, Dialektik studierend und
Karl Marxens Materialismus,
Kriegstheorie auch der alten Preußen.

Er schuf sich eine Kaderpartei, die war


Bereit zur Machtergreifung, zum Klassenhass,
Er predigte den Terrorismus
Gegen den Zaren und Gottes Herrschaft.

Der Erste Weltkrieg brach in Europa aus,


Der Bruderkrieg der christlichen Kaiser, da
In dem Tumult empörter Massen
Herrschte das Vakuum auf dem Throne.

Und Lenin griff im Putsch nach der Macht im Staat


Und herrschte terroristisch, die Diktatur
Des Proletariats despotisch
War die Parteiherrschaft oder Lenins.

Im Terror und im Kriegskommunismus ging


Das alte fromme Russland zugrunde, nun
Der militante Atheismus
Sandte viel Märtyrer in den Himmel.

Doch kurz nach seiner Revolution verstarb


Der Sünder, doch er sprach auf dem Totenbett:
Ich brachte Russland nur den Terror,
Was Russland jetzt braucht, ist Sankt Franziskus!

ALEXANDER BLOK

Er sang die Schöne Dame in Heiligkeit,


Die Venus Russlands, leidenschaftlos und rein,
Sie Königin und er ihr Diener,
Betend vor himmlischer Frau Ikone.

Dann saß er in der Schenke und sah die Frau


Mit Pfauenfeder, schlank und mit weißer Hand.
In vino veritas die Säufer
Grölten beim Anblick der Unbekannten.

Dann sah der Dichter Mütterchen Russland, sah


Pan-Mongolismus drohen von Orient,
Sah Christus schreiten mit den Zwölfen,
Dann aber sah er das Grauen kommen!

MAJAKOWSKI

Er brüllte: Mutter Russland, dein fetter Arsch


Bewegt sich in der Revolution, und ich,
Ich gröle wie der rote Chor der
Arbeiterklasse und Bauernklasse!

Die Stimme ich der Massenbewegung, ich


Bin der Kanonenschuss der Aurora, ich,
Ich bin der siebente November,
Ich bin der Arbeiter, ich bin Lenin!

Ich, ich bin der sowjetische Werther, ach,


Und Lilja meine Lotte, ich bin ihr Bär,
Ich muss mich wegen ihr erschießen!
Tot ist der russische Bär! Beweint ihn!

MARINA ZWETAJEWA
Als ich den Doktor Steiner studierte und
Marina las, da glaubte ich an die Frau,
Die war nicht Helena, nicht Venus,
Die war die Psyche, die Gottesmutter!

Und ich verliebte heimlich mich in die Frau,


Wenn sie noch lebte, wäre sie hundert schon,
Sie liebte mich, den deutschen Dichter,
Kam mir entgegen aus Ewigkeiten.

Sie prophezeite, wie die Sibylle alt,


In Lied und Prosa, Drama und Brief sie sprach,
Wie sie mich liebte, o wie feurig,
Weiblicher Phönix im Fegefeuer!

Sie kam zu mir. Erscheinung, Vision der Frau,


Im blauen Mantel, purpurnen langen Kleid,
Ganz Lichtgestalt und Äther-Aura,
Meine Geliebte sie im Astralleib!

Und als ich leider wahnsinnig ward, den Tod,


Nur noch den Tod begehrte auf Erden, ach,
Kam sie zu mir in meinen Träumen,
Treue Geliebte im Fegefeuer!

Marina, meine Geistergeliebte du,


Ich grüße dich, Bojarin im Paradies,
Du Marterzeugin unter Stalin,
Liebe mich oftmals und lang und heftig!

ANNA ACHMATOWA

Ich stand zerrissen zwischen zwei Frauen, ach,


Wie liebte ich die irdische Venus doch,
Noch mehr die himmlische Maria,
Anna Achmatowa, sprich, Orakel!

Der marche funèbre klang, als am Telefon


Ich flüsterte Maria ins Muschelohr,
Sie lag im Schaum der Badewanne,
Venus studierte Kyrill und Method.

So ging ich zu dem jüdischen Friedhof nachts,


Es war am Fest der Epiphanie, da saß
Ich vor dem weißen Marmortempel,
Wahnsinnig wie ein Gespensterhoffmann.

Bist du die Donna Anna des Don Juan?


Bist du die Colombine des Harlekin?
Bist du die Zauberin, die Psyche,
Lächelnd, betörend, mit nackter Schulter?

Ich sah, und siehe, Anna Achmatowa


Erschien mir auf dem jüdischen Friedhof nachts,
Es war um Mitternacht bei Vollmond,
Da mir erschienen des Himmels Dame.

Da sah ich in dem Spiegel der Zukunft Gast,


Im Spiegel und im Weihrauch die Geisterfrau:
Es war die himmlische Maria,
Es war die russische Gottesmutter!

STALIN

Der Mann ergriff die Herrschaft nach Lenins Tod


Und herrschte als der Stählerne, als Tyrann,
Er brachte um die Kameraden,
Mordete Mönche und Priester Gottes.

Er wollte Russlands Glauben an Gott den Herrn


Ersetzen durch den Glauben an ihn, den Gott,
Im Götzendienst vereint die Massen
Führen in offene Erden-Höllen.

Es war kein Gott auf Erden mehr als allein


Gott Stalin, antichristlicher Welttyrann,
Das fromme Russland ruinierend,
Teuflisch die östliche Welt erobernd.

Es weihte damals Pius der Zwölfte, Papst,


Die Welt und Russland Unserer Lieben Frau.
Da fragte Stalin nur ironisch:
Wo ist des Heiligen Vaters Heerschar?

Und Stalin starb, der Gott dieser Welt, Tyrann


Und Sklave Satans, trat vor den Richtergott.
Da sprach der Papst: Nun wird Herr Stalin
Sehen des Heiligen Vaters Heerschar!

TAUWETTER

Nun der gefrorne Schnee ist geschmolzen, nun


In Bächlein und in Pfützen das Wasser lebt
Und aus der Erde kommen Blumen,
Schneeglöckchen läuten vom Menschheitsfrühling.

Wie schön, nach all dem heftigen Winterzorn,


Nun atmet auf die Mutter Natur und grünt
Und lebt erneut in neuer Grünkraft,
Vitalität triumphiert, die Jugend,
Da Schwester Leben über den Tod gesiegt,
Die trikolore Fahne des Krokus weht,
Der Himmel küsst die Mutter Erde,
Dass sie nun träumt in dem Blütenschimmer.

Das Eis auch auf dem Teiche geschmolzen ist,


Und selig im lebendigen Wasser schwimmt
Der weiße Schwan mit seiner Schwanin,
Um ihn versammelt die Entenküken.

Und in den Büschen wieder die Nachtigall


Ihr Lied singt für die mystische Rose, ach,
Ein Lied aus Brunst und Liebesschmerzen,
Nachtigall, Dornenkranz auf dem Herzen!

PERESTROIKA UND GLASNOST

Das war die wahre Revolution von Gott,


Das Ende kommunistischer Diktatur!
Der slawische Apostel Petrus
Brachte den Geist zu der Erde Polens!

Man sagte Perestroika, Glasnost dazu,


Das Ende wars der Christenverfolgungen,
Und Russland wurde demokratisch,
Drohte nicht weiter mit dem Atomkrieg!

Frau Freiheit zog im Osten Europas ein,


Und alle Herzen schlugen bis an den Hals:
Ists der Triumph der Unbefleckten?
Kommt nun der Friede der Gottesmutter?

Nein, noch ist nicht das Friedensreich Gottes da,


Die Wende ist noch nicht das Verheißene.
Das aber kommen wird, wenn Russland
Wird sich bekehren zu Jesus Christus!

WEIHE RUSSLANDS AN DIE HAGIA SOPHIA

Nun weihe ich das Mütterchen Russland dir,


O Hagia Sophia, du Königin
Des Universums und der Menschheit,
Schutzengel, Muse, Madonna, Göttin!

Erwirke die Bekehrung des ganzen Volks


Durch deinen guten Heiligen Geist zumeist
Und die Erneuerung der Erde,
Komme der selige Menschheitsfrieden!
Wenn Russland sich bekehrt zu dem wahren Gott
Und betet an die göttliche Weisheit, dann
Kommt des Messias Reich des Friedens,
Dann kommt die Theokratie der Schönheit!

Ja, es ist wahr, die göttliche Schönheit nur


Kann uns noch retten, die wir verloren sind,
Der Jugend Schönheit, Kraft der Jugend
Gebe der Erde ein frommes Antlitz!

Du Gottesbild der kommenden Zeiten, Gott


Der Zukunftskirche, gieße das Feuer aus
Des neuen Pfingsten schöner Liebe,
Fülle mit Trunkenheit Russlands Seele,

Die ganze Schwermut russischer Seele sei


Erfüllt vom Geist der nüchternen Trunkenheit!
Wenn Moskau wird gehorsam Petrus,
Dann ist vollkommen die Una Sancta!

O Hagia Sophia, geheime Frau


Und Freundin, meine mystische Braut in Gott,
Ich bin ganz dein, ich bin dein Sklave,
Du meine heiligste Herrin Gottheit!

DIE WELTSEELE

DIE SEELENRETTUNG

Von der Weltseele stammen alle die menschlichen Seelen,


Sünderinnen sind sie,
Seelen, die dienen Anubis, dem Hundsgott des Todes,
Und dem Antichrist!

Seelen, die weihen sich okkulten Mächten und Kräften,


Die in der Finsternis sind,
Rufen die Ratten und Strumpfbandnattern und spielen mit Drachen,
Rufen den Sie-Teufel an,

Seelen, die beten an das Geschöpf, Dionysos dienen


Sie und der Venus nackt,
Seelen, die Ehebruch treiben oder beten das Geld an,
Leben im Konkubinat!

Diese Seelen benötigen einen Retter der Seelen,


Aber Buddha ists nicht
Und nicht Krishna und nicht Mohammed, Friede sei mit ihm,
Und auch Moses ists nicht,
Sondern Jesus allein! Der kommt zur verfinsterten Seele,
Ruft aus der Finsternis sie,
Steht vor der Seele in seiner vollkommenen herrlichen Gottheit
Und als verklärter Mensch,

Ruft die Seele ins himmlische Reich des Gottes der Wahrheit,
Gottes der Liebe! Gott
Nun erfüllt die Seele mit seinem heiligen Geiste
Und erneuert das Herz.

Und die Seele wird zur Botin der göttlichen Liebe


Für die Schwestern, die noch
Sind gefangen in Okkultismus und sinnlicher Unzucht,
Lädt zur Bekehrung sie ein.

Lobpreis sei Jesus gesungen, dem einzigen Retter der Seele,


Der das Urbild ist
Und die göttliche Form der Seelen als himmlischer Gottmensch,
Jede Seele sein Bild,

Darum ist jede Seele auch von Natur aus schon Christin,
Jeder Mensch ist ein Christ,
Wer aber dient dem Teufel und seinen Dämonen, ist Unmensch,
Mensch ist man einzig in Gott.

DAS LICHTKLEID

Ja, ich sah die Weltseele in der schneeweißen Seide


Ihres weiblichen Lichts,
Mehr erleuchtend die Nacht des Weltraums selbst als noch Luna,
In dem fließenden Licht

Ewiger Gottheit schwebte sie als Lichtglanz im Dunkel


Und erhellte den Wald
Schwarzer Föhren, da ich in der Mitte des Lebens
Irrte verloren umher,

Aber doch nicht verloren, denn die Weltseele weiblich


War als Mutter mit mir,
Da ich umarmte im schneeweißen Taufkleid die himmlische Jungfrau
Und in die Augen ihr sah

Und in das Licht ihrer Augen, die reinen Spiegel der Seele,
Myriaden im All
Und Äonen schwanden dahin, die Weltseele liebte
Mich von Ewigkeit her!

Sieben Jahre später sah ich die Weltseele wieder


In dem Lichtkleid aus Hauch,
Ah, sie war erotisch geworden im Garten von Eden
Unter dem Apfelbaum.
Wie sie schwebte als Seele der Natur durch den Garten
Eden, lebendig erblüht
Unter Mohn und Malve, unter Hibiskus und Iris
Wie ein duftender Hauch!

Schön umflossen der göttliche Leib einer himmlischen Venus


Von dem Reigewand,
Welches als fließendes Taufkleid um den heiligen Körper
Floss wie schäumende Flut,

Fließender Lichtglanz heiliger Taufe um jadenen Körper,


Und voll Eros Natur,
Die Natur versammelt im erotischen Körper
Weiblicher Weltseele nackt!

Dieses transparente Lichtkleid aus Düften der Blüten


War wie Sonnenlicht
In dem Paradiese des Sommers im Süden von Eden,
O so erkannte ich sie!

DIE GROSSE VERWIRRUNG

In dem ersten und zweiten und dritten Weltkrieg auf Erden


Herrschen Terror und Hass,
Und die Menschen sind verwirrt durch die Ideologieen,
Satan herrscht in der Welt.

Die Materie beten sie an und die heidnischen Götter


Und des Hasses Gott.
Keiner glaubt mehr an Gott. Sie glauben an Wissenschaft oder
Kosmische Energie.

Atheistisch die Männer, abergläubisch die Frauen


Beten wieder zum Mond.
Andere Götter werden erfunden, Sexgöttin, Geldgott
Oder der Fußballgott.

Die Vernunft wird geleugnet, in fanatischem Wahnsinn


Schlimmster Irrglaube lebt.
In dem Namen Gottes wird Hass gepredigt und Terror,
Andere lästern Gott,

Nennen den Glauben an Gott eine Torheit, rasenden Wahnsinn,


Andre hoffen aufs Nichts,
Suchen das Nichts, das Verlöschen der Persönlichkeit, Leere,
Gottlose Religion!

Andre beten zum Antichrist, andre verkaufen die Seele


An den Teufel, um Geld
Zu bekommen und zu genießen den Reichtum der Welt und
Sterben dann ohne Gott.

Unter den Christen die Analphabeten bilden die Mehrheit,


Wissen wenig von Gott,
Immer mehr Sekten bilden sich, streiten gegen die Wahrheit,
Lästern Unsere Frau.

Katholiken sind ungebildet und fressen den Corpus


Christi wie einen Keks,
Priester und Mönche missbrauchen schutzbefohlene Kinder
Zum perversen Sex.

Komm nun, Heiliger Geist, auf die Fürsprache deiner Geliebten,


Unserer Lieben Frau,
Komm, und das Antlitz der Erde wird neu, ein Pfingsten der Liebe
Segne die Weltseele neu!

REINIGUNG DURCH MELCHISEDEK

Komm, o Melchi-Zedek, Fürst der Gerechtigkeit, komm nun,


Komm aus Kanaan, komm,
Bringe Brot und Wein dar dem Allerhöchsten, der Gottheit,
Bringe das Opfer dem El!

Hohepriester des mystischen Opfers, der kosmischen Messe,


Bringe dein Sühnopfer dar,
Lege all deine Leiden in das heilige Brotstück,
Wonnen all in den Wein!

Wenn am Morgen die Sonne aufgeht im strahlenden Osten,


Du erhebe das Brot,
Dieses Brot ist die östliche Sonne, das Licht dieser Welt, der
Auferstandene Leib!

Wenn am Abend die Sonne untergeht blutrot im Westen,


Opfre deinen Wein,
Dieser blutigen Wein ist die Lebensglut für die Toten,
Glanz im Totenreich!

Komm, du Hohepriester der Gerechtigkeit Gottes,


Fülle die Weltseele du
Mit dem kosmischen Opfer, mit dem fließenden Licht der
Gottheit voll Gnade und Huld!

Komm und versühne mit dem Kult die Gerechtigkeit Gottes,


Rufe Barmherzigkeit
Auf den Weltkörper nieder und die Weltseele Gottes
Allerbarmen herab!

Sühne, o Priester, die Sünden der Weltseele, sühne im Opfer


Du die Sünde der Welt,
Opfre dich selbst auf dem Opferaltar als Brot und als Wein, die
Weltseele weihe dem Herrn!

DER ALLHERR IN UNSRER MITTE

Unter uns der Allherr, Kaiser des endlosen Kosmos,


Mitten unter uns Gott,
In dem Zelte der Offenbarung, in dem geheimen
Tabernaculum Gott!

In der Gemeinde lebt er mit seinem heiligen Geiste,


Inspiriert ihr Gespräch,
Stiftet Liebe zwischen Christen und Christinnen, Brüder
Sind und Schwestern sie.

In dem Buch der Bücher lebt der lebendige Logos,


Ob ihn einer versteht.
Wer ihn verstanden, soll ihn die anderen Heiligen lehren,
Dass sie auch ihn verstehn.

In dem Gebete und in der kontemplativen Betrachtung,


In Beschaulichkeit Gott
Spricht mit Eingebung zu der meditierenden Seele,
Leise flüsternden Hauchs.

In den Träumen redet die Weisheit ihre Orakel,


Engel lassen sich sehn,
In die Träume kommen Jesus und Jungfrau Maria,
Heilige, selige Fraun.

In der Schönheit der Geliebten, im Lichtglanz der Aura,


Schimmert weiblich Gott,
Göttliche Schönheit wird offenbar in der Schöpfung der Frauen,
Liebende schauen Ideen!

In den Augen des kranken Kindes, des fiebernden Knaben


Lebt der leidende Gott,
In den Augen des fiebernden Knaben sichtbar das Antlitz
Christi, leidend am Kreuz.

In den Blumengärten und in dem Gurren der Tauben


Siehst und hörst du Gott,
In der treuen Freundschaft der Hunde, aber vor allem
In dem rauschenden Meer.

Schön begegnet dir göttliche Liebe, Zärtlichkeit Gottes,


Gottes Treue und Huld,
Gottes Demut und Gottes Freundschaft im heiligen Herzen
Deiner Freundin bei Gott.
SCHAFFUNG DER WELTSEELE

Platon sah im Gesicht Gott, der als Demiurg,


Als der Schöpfer der Welt, göttlicher Nous, der Geist
Schuf die Weltseele also
Aus dem Sein und dem Werdenden,

Aus dem einigen Eins und aus dem Vielerlei.


Und der Schöpfer das Sein nahm und das Werden und
Mischte beides im Mischkrug,
Wein und Wasser in Einem Kelch,

So die Weltseele schuf Gott, der als Schöpfergeist


Diese Weltseele schuf, dass sie den Leib der Welt
Mit dem Leben beseele,
Elemente, Atome, All,

Ja, der Körper des Alls wird erst Lebendiges


Durch der Weltseele Hauch, göttlichen Geists Geschöpf,
Die zur Mittlerin wurde
Eingesetzt von dem Gott, dem Geist,

Die die Mittlerin ist zwischen dem Leib der Welt


Und dem himmlischen Reich reiner Ideen, die
Sind im göttlichen Geiste
Die Gedanken des Schöpfergotts.

Plotin sah im Gesicht über dem Seiendes


Unaussprechliches Eins, göttliche Einheit, die
Quelle göttlichen Geistes,
Gottes Emanation, der Geist,

Ist der Denker, zugleich auch das Gedachte und


Reines Denken zugleich, Geist in Dreifaltigkeit,
Quell der Weltseele, welche
Ist die Emanation des Geists.

Von der Weltseele stammt alles Lebendige,


Menschenseelen, die all flossen aus ihr hervor,
Und die materielle
Schöpfung, Mutter Natur genannt.

DER FALL DER WELTSEELE

O die göttliche Frau Weisheit, Sophia, sie


Ist der Weltseele Form, göttliches Urbild ist
Sie der Weltseele, Jungfrau,
Gottes Jungfrau aus reinstem Licht.

Und die Weltseele ist frei, wie sie Gott erschuf,


Willensfreiheit in ihr sehnt sich zum guten Gott
Oder irrt ab zum bösen
Feind, dämonischem Engelsgeist.

So ist zwischen dem Gott ewiger Güte und


Dem dämonischen Feind teuflischer Bosheit sie
Und ist Güte und Bosheit,
Muss sich wenden zu Gott dem Herrn.

Als der Schöpfer erschuf Räume und Zeiten und


Den Astralleib der Welt, Weltseele schuf er auch,
Die als Jungfrau im Kosmos
Schwebte, Seele im Leib des Alls.

Schönes Ebenbild war sie der Sophia, schön,


Voller Güte ihr Herz, Demut und Sanftmut war
Diese weibliche Seele,
Feminines Gemüt der Welt.

Doch der Engelsgeist kam, ach, der gefallne Geist,


Der als Engel des Lichts listig verstellte sich
Und verführte die Jungfrau,
Dass sie abließ vom Gütigsein,

Dass dämonisch sie ward, finster und stofflich fett,


Nicht mehr graziös schlank, nicht mehr im lichten Kleid,
Nun in schwärzesten Stoffen,
Harten Herzens und voller Zank.

METANOIA DER WELTSEELE

Die Menschheit

Mutter Afrika, schwarz, heilige Eva du,


Aus Äthiopien stammt, Menschheit, dein Ursprung, und
Alle Länder erobernd,
Alle Menschen sind Neger, denn

Von der Negerin stammt jeder, von Eva ab,


Nach Arabien zog Eva, nach Asien,
Nach Europa und schließlich
Nach Amerika. Und die Welt

Schuf die Weltreiche, schuf Babel und Persien,


Das hellenische Reich, ewiger Roma Reich,
Monarchieen der Menschheit,
Aber nimmer das Friedensreich,

Sondern Weltkriege sind tödlich gezogen durch


Alle Länder, zuerst war er des Bruderstreit
Der Familie der Kaiser,
Dann der Arier Tyrannei,

Dann der Terror-Islam, der alle Welt bedroht.


Und so wurde die Welt einzig im Tod vereint.
Doch die Globalisierung
Macht den Globus der Erde eins,

Und die Welt ist ein Dorf, China, Amerika,


Nachbarn sind sie im Dorf, Russland bekehrt sich noch,
Und die Menschheit verbrüdert
Sich, so will es der Friedefürst,

Denn ein einiger Gott Vater der Menschheit ist


Und die himmlische Frau Frau aller Völker, und
Eine Menschheitsfamilie
Auf dem blauen Planeten lebt.

Menschheitsfrühling, o komm, wie es geweissagt ist


Von dem heiligen Geist, bald kommt das Friedensreich,
Tausendjähriger Friede
Durch Messias, den Herrn der Welt.

Das Bewusstsein

Erst betracht ich die Welt, Schönheit der Schöpfung seh


Ich, die schöne Natur, Nachtigall, Rosenbusch,
Meer und Erde und Himmel,
Alles Gleichnis dem Schöpfergeist!

Dann die seelische Welt schau der Geliebten ich,


Dieses innere All, voll von den Tugenden,
Voll von Mächten, Gewalten,
Eine Innerlichkeit für Gott.

Dann im eigenen Ich seh ich, im Seelenschloss,


In dem siebten Gemach innen, im Brautgemach
Die kristallene Gottheit,
Wo die ewige Weisheit liegt.

Und das Denken erkennt Gott als das All und Eins,
Als das einige Eins, ewiges Seiendes,
Absolute Alleinheit,
Gottes Transzendenz-Immanenz!

Und das Denken erkennt, einzig das Gute ist,


Doch das Böse ein Nichts, Gott ist der Gütige,
Göttlich himmlische Güte,
Eine Gottheit der Gutheit ists.
Dem geöffneten Geist fällt dann vom Himmel ein
In Ekstase der Rausch nüchterner Trunkenheit,
Dass die Gottheit ist Liebe,
Schöner Liebe Vereinigung!

Die Demut

Demut, heiliges Weib! Ich bin ja nur ein Weib


Und ein schlechtes dazu! Demut, wie schön du bist,
Fromme Mutter der Tugend,
Milde, gütige Süßigkeit!

Ich, ich bin nur ein Nichts, Gott nur ist All und Eins,
Ich, geknetet von Lehm, Gott ist der Odem, Gott
Ist mein inneres Leben,
Gott der Schöpfer und ich Geschöpf!

Aber innen in mir, innen das Göttliche,


Seelenfunke in mir, in mir ein Gottesbild,
Ich das originale
Gottes-Ebenbild, Spiegelbild.

Gottes Spiegel bin ich, spiegle die Weisheit und


Schöne Liebe, ich bin Liebe, wie Gott es ist,
Spiegel göttlicher Schönheit,
Ich und Gott sind im Innern eins!

Darum freu ich mich sehr, dass ich die Demut bin,
Denn so bin ich geliebt! Ewige Liebe ists,
Die mich liebt, sich vereinigt
In dem inneren Brautgemach,

Da in Demut die Magd, Sklavin des Ewigen,


In des Göttlichen Arm liegt in Umarmungen
Und der Gott und die Magd sind
Eins im Ehebett voller Lust!

Die Zerschmetterung

Nichts als finstere Nacht! Überall herrscht der Tod!


Es verblutet das Herz! Gott fährt ins Totenreich!
Meine Seele verblutet,
Meine Seele, durchbohrt vom Schmerz!

Ja, ich sah in der Nacht, Weltseele, deinen Schoß,


Das Zentralfeuer sah ich in des Weltraums Nacht,
Sah das Zentrum des Kosmos,
Das war, Weltseele, war dein Schoß!

Anti-Liebe im Streit ist mit der Liebe! Krieg


Ist der Vater der Welt! Zänkische Zungen noch
Machen Krieg in dem Frieden!
Feindschaft ernte für Liebe ich!

Nichts als hässlicher Hass! Zungenkrieg überall!


Ach ein Mord im Gebein, wehe, ein Seelenmord!
Meine Mörderin, meine
Minneherrin, die mich verflucht!

Flüche Satans auf mir, Liliths Verwünschungen!


Ich seh finstere Nacht, nirgends ein Morgenstern!
Mir verschlossen der Himmel,
Mir geöffnet der Höllenpfuhl!

Meine Psyche am Kreuz, Psyche im Dornenkranz,


Von dem Schwerte durchbohrt, bis zu dem Tod betrübt,
Miterlöserin Psyche,
Die Verdammten erlös ich noch!

Wenn die Seele verströmt blutige Tränen und


Kalten Angstschweiß, der Tod flieht die Geliebte dann!
O Zusammenbruch, wehe,
Meine Seele verdammt zur Qual,

Meine Seele am Kreuz, blutig die Lippe lallt


Gottverlassenheit aus, Satanas triumphiert,
Und ich fahre zur Hölle,
Wandre nackt durch die Höllenglut,

Geh mit nackigem Fuß über die Scherben in


Dem verlassenen Pfuhl, als mich die Frau verließ,
Als mir Gott nahm die Liebste,
Als mir Gott nahm die Kinder all,

Als ich einsam zur Nacht wollte verlöschen nur,


Nichts im Nichts nur noch sein! Schlage mich tot, o Gott!
Ungewordene Psyche
Will ich werden, ein Nichts im Nichts!

Resignation

Wenn auch traumatisiert ist meine Seele, krank,


Gottes Wille geschieht, das ist mein Schicksal nun,
Wie viel tausende Tode
Hab ich doch überstanden schon.

Schau, ich lebe noch, Gott, wenn ichs auch selbst nicht will,
Wenn ich selber den Mord will meiner Seele, doch
Gott will, dass ich noch lebe,
Gottes Liebe sagt zu mir Ja.

Ob auch traumatisiert ist meine Seele, krank,


Und am Anfang das Nein zu mir gestanden hat,
Gott ist Ja-Wort und Amen,
Meine Resignation ist dies:

All das seelische Leid wird noch zum Perlenschmuck


Und die Tränen, die Flut blutiger Tränen wird
Wonne werden im Himmel,
Leid verklärt wird zur Seligkeit.

Dies die Resignation mitten in all dem Schmerz:


Ich bin Christus am Kreuz, ich trag den Dornenkranz,
Steig wie Gott ins Inferno,
Werde auch mit dem Herrn erstehn!

Also, Schicksal, schlag zu, alles zu überstehn


Todesmutig bin ich, denn in dem Paradies
Werde tanzen ich, lachen,
Singen Unserer Lieben Frau!

So sei mutig, mein Herz, bald wirst du auferstehn,


Leb vertröstet und du stirbst auch vertröstet und
Dann mit deinen Geliebten
Wirst du eins sein in Himmelslust!

Ganzhingabe

Der Madonna Gesang sing ich und Lob und Preis


In der feurigen Glut, Ofen der Trübsal, dein!
Der den Herrn nicht gefunden,
Fleht Maria um Weisheit an.

Erst der Leib und das Herz, Seele, Gemüt und Geist
Sei Madonna geweiht. Hyperdulie gebührt
Unsrer Herrin, noch tiefer
Als von Sklaven wird sie verehrt.

Und der Herrin des Alls sei der Planet geweiht,


Von Amerika bis China am Gelben Meer
Und von Afrika bis nach
Skandinaviens klarem Fjord.
Und die Kirche geweiht sei der Madonna ganz,
Ob katholisch sie ist oder auch orthodox,
Luthers Schüler und Calvins,
Oder Kopten, sind alle dein.

Und die Völker geweiht, die in dem Weltkrieg sind,


Friedenskönigin, Frau jeglichen Volkes du,
Uns erflehe den Frieden,
Die Gerechtigkeit in der Welt.

Und die Kinder geweiht, all meine Lieblinge,


Die Missbrauchten und die Kindersoldaten, die
Kinderarbeit schon leisten
Müssen, alle sind dir geweiht.

Ungeborene auch seien der Frau geweiht,


Mutter aller, dass sie kommen zum Licht der Welt,
Und die sterbenden Alten
Und die sterbenden Jungen auch.

Und die Frauen, die schön, und auch die weise sind,
Und die Frauen, die fromm, und auch die lüstern sind,
Alles deine Geliebten,
Frau der Frauen und Königin.

Und die Erde geweiht dir und der Ozean


Und die himmlische Luft und auch die Galaxie,
Sol und Luna und Venus
Dein, o Kaiserin du des Alls!

Entscheidung

Auf dem Libanon steht heut noch ein Heiligtum,


Da das Bildnis gemalt ist der Astarte und
Dann das Bildnis von Jesus,
Und der Dichter steht mittendrin.

Und Elias, Prophet, einziger Visionär,


Der noch übrig ist hier in dieser Heidenwelt,
Sagte: Dient ihr Jehova
Oder Aschera und dem Baal?

Und die Heidinnen nackt tanzen im Labyrinth


Und sie beten zum Mond, jauchzen ekstatisch wild,
Tätowieren den Körper,
Feiern Orgien nackter Lust.

Und die Christinnen keusch preisen den Bräutigam,


Jüngerinnen des Herrn, forschen in Gottes Wort,
Opfern Brot ihm und Wein ihm,
Singen Lobpreis in Heiligkeit.

Und der Dichter allein sah ein Gesicht zur Zeit,


Da der Winter begann, wieder die Sonne stieg,
Da das Weihnachtsfest nahte,
In der Tele-Vision er sah

Die Naturgöttin nackt, sah den Gehörnten auch,


Das erotische Fest heiliger Hochzeitsnacht,
Und sah Christus den König,
Der vom ewigen Leben sprach.

Nun entscheide dich, Welt, ewiger Liebe du


Folge, aber bekenn: Wer ist das Liebste dir:
Venus oder der Christus?
Wer ist göttlicher Liebe Bild?

Und der Dichter bezeugt: Jesus, du ganz allein


Hast das göttliche Wort ewigen Lebens, doch
Venus kann nicht erlösen
Aus dem Hades, dem Schattenreich.

Nur die irdische Lust Venus verheißt dem Mann,


Aber Jesus allein Seelen-Glückseligkeit
In der ewigen Liebe
Himmelsparadies, Gottes Lust!

Verfolgung

Als der Gottkaiser sprach: Betet die Venus an,


Haben Christinnen keusch Jesus allein bezeugt,
Sind gestorben für Jesus.
Betet für uns, ihr Heiligen!

Als der Arier kam, herrischer Rasse Herr,


Sprach er: Juda und Rom sterbe in Feuersglut!
Aber Juden und Christen
Starben, opferten sich dem Herrn.

Als der christliche Zar wurde gestürzt, geköpft,


Kam der rote Tyrann, Mönche und Priester er
Bei lebendigem Leibe
Fror sie ein in dem kalten Eis.

Reich der Mitte, geliebt du von dem Geist des Herrn,


Grausam war dein Despot, blutig verfolgte er
Chinas Kirche, gelitten
Hat sie treu das Martyrium.
Und der Terror-Islam, Satanas' Kalifat
Tobt in Syrien und in dem Irak voll Wut,
Und die Kirche Chaldäas
Opfert Gott ihr Martyrium.

Und der einsame Christ hier in Germania


Ward, als er sich bekehrt, grausam von Satans Sohn
Fortgejagt und verspottet,
Vom dämonischen Magier.

Und der einsame Christ rettete Zwillinge


Vor dem Vater des Mords, aber der Antichrist
Spuckte Frösche aus sprechend
Und verfluchte Marien Sohn.

Und der Kommunist auch, starrsinnig und verstockt,


Auf den einsamen Christ prügelte lästernd ein
Und mit zänkischer Zunge
Er verfluchte den Vatergott.

Die okkulte und von Lilith belastete


Frau verfolgte den Mann, der mit dem Kreuz vermählt,
Und sie lästerte höhnisch
Seiner Sühne Erlösungsleid!

Der Durchbruch

Da der Tod mich befiel, tödlicher Liebe Qual,


Und ich sah in der Nacht finsterer Seele den
Ozean des Erbarmens
Und ich löste in Gott mich auf,

Meine Mutter und mein Bruder, sie brachten mich


In die Psychiatrie, da ward ich eingesperrt,
Durfte länger nicht beten,
Und kein Priester sprach da mit mir,

Als entmündigen sie wollten den armen Mann


Und zum Schräubchendrehn dann schicken ihn in das Werk,
Trat ich in die Kapelle,
Kniete nieder vor dem Altar,

Bat um Freiheit den Herrn! Freiheit, die Göttin, kam


Und befreite mich rasch, Moses, der stand mir bei,
Der Befreier der Kinder
Israel, aber Franziskus auch,

Aus unmündigen Mund lallte ein Idiot:


Sankt Franziskus, der sprach auch mit den Vögelein!
Und mein Engel zur Seite
Mit erhobenem Schwert aus Gold.

Und der Irrenarzt war irre und lachte laut:


Holde Schwäne, ihr tunkt nüchtern das trunkne Haupt
In den See, aber klirrend
Fahnen wehen im Winterwind!

Aber da trat der Herr mir an die Seite, Gott,


Der befreiende Gott, Allmacht und Freiheit, Gott,
Der mich führte ins Weite,
Denn mein Gott hatte Lust an mir!

Doch die Schwägerin und irre der Irrenarzt


Und die Lieblingin, die Sonne des Morgens mir,
Sprachen höhnische Worte,
Schmähten mich, den der Herr erlöst!

Halleluja, mein Gott, starker Befreier-Gott,


Mirjams Tamburin dröhnt, Mirjam im Lobpreis-Tanz!
Dieser Durchbruch zur Freiheit
Kam von Jahwe vom Sinai!

10

Gebetserhörung

Als der Fromme allein fragte, ob Weisheit sei


Gottes Name für ihn, ob die Sophia lebt,
Sprach der Mensch zu der Gottheit:
Gib ein Zeichen mir, lieber Gott,

Wenn Sophia es ist, die ich verehren soll,


Lass mich finden ihr Bild, ihre Ikone bald,
Dann erkenn ich in Wahrheit,
Dass mein Beten dir angenehm.

Und nach kürzester Zeit, etwa drei Tagen nur,


Die Ikone bereits war in dem Raum präsent,
Die Ikone der Weisheit,
Sankt Sophia von Nowgorod.

Und der Fromme erneut in sich den Zweifel trug,


Und er las ein Gedicht: Venus von Russland, rein,
Ohne Leidenschaft, Keusche!
Und da fragte der fromme Mann:

Bist, Sophia, du die Venus von Russland, rein,


Schöne Dame und keusch, Königin in dem Dom?
Und da schaute der Fromme
Ihren Namen geschrieben an

Eine Wand an dem Weg, da er Sophia las


Und ein Herz war gemalt über den Namen. Da
Dankte er für das Zeichen,
Und er rief die Sophia an.

11

Glaubensprüfung

Eine Jungfrau in Gott lebte dem Kreuz geweiht,


Schwester war sie vom Kreuz, Schwester mit Schwestern, die
In dem Kloster vereinigt
Lebten einzig dem Bräutigam.

Und sie hatte studiert, Weisheit der Märchen las


In dem Studium sie, und sie erfuhr dabei
Von der Weisheit der alten
Frauen, all ihrer Fabelei,

Von den Hexen vernahm nun die Novizin, vom


Glauben auch an den Mond und an die göttliche
Dreiheit: Jungfrau, Geliebte,
Alte Mutter des Totenreichs.

Und sie hörte, dass Gott Vater ein Drache war,


Der die Mutter zerriss, aber in alter Zeit
In dem Matriarchate
Glaubten Mütter allein dem Mond,

Ihrer Mondgöttin, die himmlische Jungfrau war,


Bienenkönigin auch, heiliger Hochzeit Weib,
Aphrodite des Sommers,
Alte Hexe der Unterwelt.

Und die göttliche Frau, Jungfrau Diana wars,


Luna, Hekate keusch, Wiedergeburt im Tod
Schenkte sie den Verehrern,
Nackten Tänzern im Labyrinth.

Und der Göttin Gemahl war der uralte Gott,


Der vom Christentum ward dämonisiert, der Gott
Satan, Sohn und Geliebter
Göttin Hekates, Hexengott.

Und den Christus verriet, ach, die jungfräuliche


Schwester, Abfall vom Kreuz lehrte die Sünderin,
Die in lesbischer Liebe
Nun die Göttin der Hexen pries.
12

Letzte Prüfung

Eine liebliche Frau hörte den Prediger


Gerne predigen von Gott und dem Gottessohn
Und dem Heiligen Geiste
Und von Unserer Lieben Frau.

In der Jugendzeit sie sagte in ihrem Geist:


Weisheit suche ich! Ach, sie ist erreichbar nicht,
Wenn mir hilft nicht ein Meister,
Der mich einweiht ins Heilige.

Also nun sie vernahm gerne vom Prediger,


Dass die Weisheit von Gott steht in der Biblia,
Und sie betete Psalmen,
Las die Apokalypse auch,

Vaterunser sogar hat sie gebetet und


Rief den Schutzengel auch, war schon fast Christin, da
Die dämonische Lilith
In der Sucherin Seele fuhr!

Esoterisch, okkult war der Dämonin Geist,


Und die Sucherin ward dämonisiert und rief:
Ach, die ewigen Kreuze
Machen unglücklich nur den Mann!

Nein, die Gottheit der Kraft, Gottheit der Energie,


Sie ist böse und gut, Schatten und Licht gepaart,
Den dämonischen Schatten
Integrier ich in meinen Geist,

Ich will lieb nicht mehr sein! Unsere Liebe Frau


Ist kein Vorbild für mich! Gottvater ist mein Feind,
Ich verehre die Schlange,
Die zur Göttin mich werden lässt!

Ich bin selber ja Gott, ich bin ein Teil von Gott,
Engels-Inkarnation bin ich und böse Frau,
Und der Teufel ist in mir,
Der mich frei macht, zur starken Frau!

Was ihr gut nennt, das nenn böse ich, umgekehrt,


Nenn das böse ich gut, Weisheit steht auf dem Kopf,
Ich bin Gottvaters Feindin,
Ich bin Luzifers Höllenbraut!

LOBLIED DER WELTSEELE


Großes hat mir getan Gott, der der ewige
Vater ist und der Herr, Allgott, der mich erschuf,
Unbefleckte Empfängnis,
Großes hat an mir Gott getan,

Der die Niedrigkeit sah seiner geliebten Magd,


Meine Demut, die ich Nichts vor dem Allgott bin,
Selig bin ich gepriesen
Von den Gläubigen aller Zeit,

Die dem Vater geglaubt, Gottes Barmherzigkeit,


Der die Reichen lässt leer, aber den Armen gibt,
Der die Stolzen vom Throne
Stürzt, erhebend das arme Volk.

Ach, ich bin es jetzt leid, dass man mich Kaiserin


Nennt und Fürstin des Alls, ich will die Schwester sein
Meiner heiligen Armen,
Arme Schwester und arme Magd.

So vom Haupte ich nehm dieses mein Diadem


Mit dem Edelsteinschmuck, Silber, Rubin und Gold,
Nur die schwärzlichen Haare
Lass ich wallen, den Wasserfall!

Und des Mantels Brokat und meinen Hermelin


Leg ich ab vor der Welt, bin nicht mehr Herrscherin,
Ich die Magd der Beherrschten,
Ich die Freundin der Kleinen, will

Auch das Seidenkleid nicht, welches zu zart und fein


Für der Arbeiter Welt und für der Bauern Welt
Und zu duftig und hauchfein
Für die Frauen der dritten Welt.

Byzantinische Schuh möchte ich auch nicht mehr,


Die Pantoffeln in Rot, Purpur der Kaiserin,
Lasst mit nackenden Füßen
Schreiten mich durch den Staub der Welt.

Und den Gürtel voll Charme leg ich auf den Altar,
Dass mein Bräutigam ihn sich an die Lenden legt,
An die Lenden der Seele,
Dass er rein wie mein Josef ist.

Nun ich nackt vor euch steh, gebt mir der Armut Kleid,
An die Beine die Jeans, T-Shirt dem Oberleib,
Gebt mir Turnschuh von Linnen,
Und ins Haar einen Lorbeerkranz.
DAS UNERKENNBARE MYSTERIUM

Was die Weisheit ist, die aussprechbar ist, das ist


Nicht die Weisheit bei Gott, sondern die Weisheit ist
Ein Mysterium Gottes,
Ewigweibliches Heiligtum.

Doch die Weisheit bei Gott Mutter der Wesen ist,


Der Zehntausende und jeglichen Dings im All.
Zwar ich weiß nicht den Namen,
Also nenne ich Weisheit sie.

Das Geheimnis des Tals ist sie, des Sanften Macht,


Sie ist Demut, ist Magd, und doch die Herrscherin,
Wen sie retten will, rettet
Sie durch Liebe zum lieben Gott.

Unaussprechlich, En-Soph! Nicht zu erkennen Gott!


Dieses ewige Sein, transzendent, absolut,
Offenbart sich in seinen
Hypostasen dem Menschengeist.

Weisheit sind und Vernunft göttliche Augen, die


Sind erkennbar im Geist, aber nicht das En-Soph!
Weisheit, himmlischer Vater,
Himmelsmutter ist die Vernunft.

Wahrlich, ist nicht der Herr auch ein verborgner Gott,


Jahwe, Israels Gott, ist ein verborgner Gott,
Jahwe, Israels Retter
Und der Heiland der ganzen Welt!

Wenn du Gott nicht verstehst, weil er verborgen ist,


Wenn sein Angesicht er vor dir verborgen hat,
Schau auf Jesus am Kreuze,
Gottverlassen, und Gott ist da!

DER SCHÜLER AM SCHEIDEWEG

Da ist Herkules, Mann, Heros und Halbgott, der


An dem Scheideweg steht, wo ihm zwei Frauen im
Licht erscheinen, zwei Frauen
Oder Göttinnen voller Macht.

Ja, Voluptas war schön, groß war ihr Busen, nackt,


Weich und sinnlich ihr Mund, der gern die Flöte bläst,
Auch das lockige Schamhaar
Lockte Herkules in den Schoß.

Mit Voluptas genoss er seines Lebens Lust,


Sonne, Süden und Meer, Nacktheit und Liebesakt,
Ein Arkadien sinnlich
Und der Sinnlichkeit Paradies!

Mit der Hedone nackt war er in Griechenland,


Psyche war da die Braut, Eros der Bräutigam,
Aber Hedone Tochter
War der heiligen Hochzeitsnacht!

O wie schön war Frau Welt doch in der Liebe Licht,


Fruchtbar Mutter Natur, alles war Eros, war
Pan-erotische Wollust,
Höchstes Gut war die pure Lust!

Und als Herkules sie nackend genossen hat


In der Vitalität saftvoller Männlichkeit,
Ach, als er sich ergossen,
Floß die Leidenschaft auch mit aus

Und die Liebe entfloh! Herkules träumte nun


Immer öfter von der Göttin Virtute, die
Rein, asketisch und geistig,
Seele leiblos war, reiner Geist!

Wie Virtute erschien makellos, heilig, keusch,


Rein im weißen Gewand himmlischer Heiligkeit,
Nicht ein Weib nur, ein Engel,
Himmelskönigin, Geistes Braut!

Ja, Virtute erstrahlt ihm wie ein Weg zu Gott,


Seelenführerin sie, himmlische Psyche, die
Nur ein Hauch war der Gottheit
In der inneren Seelenburg!

Also Herkules' Wahl? Er hat Virtute sich


Gleich zum Vorbild erwählt, folgte Virtute nach,
Mit Verachtung er wandte
Von Voluptas sich gänzlich ab.

NEUER HIMMEL NEUE ERDE

Wenn Andromeda die Milchstraßen-Galaxie


Überfallen wird, die Sonne zum Riesen wird
Und zum weißlichen Zwerge
Und auf unsere Mutter stürzt,

Wenn im Feuer die Welt völlig vernichtet wird,


Elemente und all ihre Atome von
Gottes Zürnen vernichtet
Sind im riesigen Weltenbrand,

Wird der Himmel erneut und wird die Erde neu,


Das chaotische Meer Tohuwabohu wird
Nicht mehr da sein, es werden
Neue Welten erschaffen sein.

Dann erscheint uns von Gott Jungfrau Jerusalem,


Weiße Dame und Frau, himmlische Königin,
Mit dem Mond zu den Füßen
Und bekleidet mit Sonnenschein

Und gekränzt mit dem Kranz, siehe, des Zodiaks,


Und am Muschelohr den Ohrring der Heiligkeit,
Perlenkette am Busen,
Glöckchen klingelnd am nackten Fuß,

Ehering an der Hand für den geweihten Mann,


Und im Nabel, dem Kelch, kostbar die Perle und
Um die Lenden der Seele
Einen Gürtel von Reiz und Charme,

In dem schwärzlichen Haar trägt diese junge Frau


Eine Nadel, dass sie mündig zur Heirat ist,
Eine Symbol ists der Jungfrau,
Die zur Hochzeit des Lammes kommt.

Ihre Brauen sind fein, kunstfertig ausgezupft,


Augenschminke des Lids blau wie Lazurgestein,
Ihre scharlachne Schnur ist
Rot geschminkt ihr geliebter Mund!

Und da höre ich Gott: Dies ist mein Himmelszelt,


Dies die Einwohnung ist Gottes in dieser Welt,
Tabernaculum Gottes,
Gott wohnt mitten in seinem Volk.

Ihr seid Kinder von Gott, Söhne und Töchter, seid


Die Geliebten des Herrn! Wie eine Mutter wird
Gott euch trocknen die Tränen,
Trinken dürft ihr des Trostes Milch!

Neu der Himmel und neu ist auch die Erde, wo


Nicht Verletzungen mehr, unheilbar Kranksein nicht,
Nicht mehr Einsamkeit, Kummer,
Seelenqualen und Herzeleid!

Und wer tot ist, erwacht, ewiges Leben wird


Dort im Lande des Lichts, dort in dem Friedensland
Sein und Liebe ist alles,
Lust ist alles in allen dort!

DIE GEISTESSCHULE
In die Schule des Geists ging ich bei Salomo,
Der das Hohelied sang, Weisheit und Philosoph
Liebten da sich erotisch,
Da die Ehe vollzogen sie.

Las den Kohelet auch, Weisheit des Predigers,


Alles Eitelkeit, Dunst, Haschen nach Luftgespinst,
Eine Abenderkenntnis,
Iss dein Fleisch nun und trink den Wein.

Las im Weisheitsbuch auch, Salomo zeigt den Weg


Da der Ehe mit ihr, die ist die Herrlichkeit
Gottes, Ausfluss der Kraft des
Herrn und Emanation des Lichts.

Las die Sprichwörter auch, da er von Weisheit spricht,


Neun Kapitel des Buchs stellen Sophia vor,
Und die mächtige Dame
Ist die Weisheit am Schluss des Buchs.

Und bei Seuse, dem Mönch, war ich im Kloster auch,


Der die Minnefrau hoch heilig verehrte, die
Minnedame Sophia,
Der gekreuzigte Christus wars.

Sankt Grignion las ich auch, der von Maria sprach


In dem heiligsten Ton, auch von der Weisheit sprach,
Gottes zweiter Person, die
Mensch geworden in Jesus Christ.

Jakob Böhme hab ich lernend gelesen, der


Sprach von Jungfrau Sophie als von der Himmelsbraut,
Die in himmlischer Ehe
Gibt dem Weisen ihr Perllein hin.

Und den Baader hab ich lernend gelesen, der


Von erotischer sprach, Philosophie, vom Gespons,
Androgynem Geheimnis,
Von der Weisheit der All-Natur.

Arnold las ich, sein Buch von der jungfräulichen


Mutter-Freundin Sophie war wie ein Hohelied,
Sang von Kuss und Verlobung,
Von der mystischen Ehe Bund.

Saint Martin las ich auch, der ließ Sophia selbst


Reden, wie man sie kennt, wie man sie findet, die
Höchste Schöpferin oder
Die Erlöserin meines Ichs.

Und den Solowjew dann las ich Student der Frau


Weisheit, Freundin war sie diesem Erleuchteten,
Göttin, Weltseele, Freundin,
Welche ich mir zur Braut erwählt.

DAS FEURIGE DREIECK

Gottes Dreieck, das ist Gottes Dreifaltigkeit,


Das sind gleichschenklig drei Linien, Eine Form,
Mit der Spitze nach oben,
Über allem der Vater thront.

In dem Dreieck des Herrn, Form der Dreifaltigkeit,


Das allsehende Aug, göttliche Weisheit ists,
Die allwissende Gottheit,
Die dreifaltige Weisheit ists.

Doch ich sah auch im Bild, wie zu dem Dreieck mit


Seiner aufrechten Form kam eine zweite Form
Mit der Spitze nach unten,
Diese Dreiecke wurden eins.

Dieser Dreiecke Bund, männlich und weiblich eins,


König Davids Symbol, Israels Stern war dies,
War der Davidsstern Judas,
Des Messias Realsymbol.

Und die Kabbala sprach: Männlich und weiblich eins


Ist die Gottheit, vereint männlicher Gottesgeist
Mit der Gottnatur weiblich,
Ist ein Hohelied im En-Soph!

Und in Hindostan der Gymnosophist erklärt:


Gott und Göttin sind eins, Mutter und Vater ist
Die vereinigte Gottheit,
Innergöttlich der Liebesakt!

Und das Dreieck mit der Spitze nach unten sah


Glühen ich in dem All, Zentrum des Weltalls war
Dieses weibliche Dreieck,
Sankt Mariens geliebter Schoß!

Tiefste Verehrung sei Unserer Frauen Schoß!


Zentrum feurig des Alls, Vulva Madonnas du,
Schau, ich sehe dich schweben,
Vulva feurig in Nacht und All!

DIE MACHT DES ZEBAOTH

Pater Sabaoth, Gott, der du alleine warst,


Was ist Allmacht, mein Gott? Noch war nicht Raum und Zeit,
Nur die ewige Gottheit
War von Ewe zu Ewe da!

Du dreieiniger Gott Zebaoth, der du bist,


Noch nicht Engel und Mensch, Himmel und Erde war,
Sondern du warst alleine
In unendlicher Liebe da!

In unendlichem Eins Vater und Sohn und Geist,


In der Liebe Verein, schenkender Liebe Bund,
Wechselseitiger Liebe,
Zwei Personen im Geiste eins!

Da beschlossest du, Gott, Seelen-Glückseligkeit


Wolltest schaffen du, Gott, Liebe zu schenken den
Ewig seligen Seelen,
Darum schufest du Raum und Zeit.

Darum, Zebaoth, du schufest im freien Akt


Deines Willens den Keim, Ball voller Energie,
Ball, der schwebend im Leeren
Hing, den Urkeim des ganzen All.

In dem kraftvollen Ball Intelligenz von Gott


War beschlossen, im Ball göttliche Weisheit war,
Urbild aller der Bilder,
Form der Formen der ganzen Welt.

Diese Intelligenz Gottes gebot dem Ball,


Zu entfalten die Kraft, Evolution begann,
Urstoffs Entelechie und
In dem Urknall begann die Welt.

Deine Allmacht, o Gott Zebaoth, wars allein,


Die den Urknall begann, Schöpfer aus purem Nichts,
Darum Anbetung, Allmacht,
Darum Anbetung, Zebaoth!

MONADEN

Urmonade, mein Lied sing ich zur Lyra dir,


Die du Schöpferin bist oder Vernichtende,
Urmonade, du schaffest
Die Monaden der Schöpfung all.

Die Monade ist Eins, Einheit, Substanz und Ding,


Ohne Fenster ist sie, in sich verschlossne Welt,
Spiegel ist sie des Weltalls,
Die Monade, ein Bild von Gott.

So voll Leben ist die Pflanzenmonade, ist


Voll Gefühl und voll Kraft, voll von der Grünkraft, ist
Die vitale Monade,
Ist der vegetative Sinn.

Voll Empfindungen ist und voll Erinnerung


Die Monade des Tiers, Sinn animalisch, Trieb,
Auch ein Spiegel der Gottheit
Der lebendige Tiersinn ist.

Doch der menschliche Geist Seele ist voll Vernunft,


Denken, Sprache und frei, frei ist der Wille, frei,
Höchster Spiegel der Gottheit
Die unsterbliche Seele ist!

Die Monaden im All leben nach Gottes Plan


In harmonischem Bund, ewig harmonisch tönt
Schön der Chor der Monaden
Im symphonischen All von Gott!

Und der menschliche Geist, Seelen-Monaden, all


Sind vereint im Verein menschlicher Ordnungen,
In dem Gottesstaat einig,
In der Theokratie des Geists!

All die Entelechien werden, vergehen nicht,


Sondern Gott schafft die Welt, Gott auch vernichtet sie,
Und im ewigen Leben
Die Monaden harmonisch sind,

Urmonade, von dir heilig geordnet in


Hierarchieen des Seins, höher im Dasein der
Mensch als Pflanzen und Tiere,
Höhre Realität der Mensch,

Doch die Realität, welche vollkommen ist,


Die Substanz und das Sein, das ist die göttliche
Urmonade, die Herrin,
Die die Kaiserin ist des Alls!

DER HERR KENNT MEINEN NAMEN

Ob ich werde benannt, Taufname, nur mit dir,


Ich dem Thor ward geweiht und seinem Hammerstein,
Ob man nennt mich das Schwänchen,
Schwan vorm Wagen der Cypria,

Ob die Freundin mich nennt Toto, der Alles ist,


Totolino sogar, oder mich nennt Pierrot
Colombine, mein Täubchen,
Ja, ich heiße der Tor vor Gott,

Ob ich Petrus geweiht bin und dem Tor, dem Stein,


Christus wurde geweiht, Eckstein und Himmelstor,
Ob mein Vater der Papst ist,
Petrus, Stein der Ecclesia,

Ob ich Lied bin genannt oder auch Pionier


Chinas, ob ich gelehrt werde genannt und Tang,
Räum die Steine vom Wege,
Dass der Christus nach China kommt,

Ob ich Josef geweiht bin und den Namen trag


Unsrer Frauen, dazu Großmutters Namen trag,
Mädchennamen der Oma,
Also Mutter genannt und Milch,

Mai und Majestas, ob Josef ich bleib geweiht


Und Maria dazu, Ewiger Weisheit auch,
All die Namen ein Schallen
Und ein Rauchen vor Gott dem Herrn!

Ja! Ich kenne den Herrn, kenne den Namen-Gott!


Unaussprechlich bist zwar, göttlicher Name du,
Ewig-seiende Gottheit,
Die du warst und wirst sein und bist,

Doch ich kenne den Herrn, aber der Herr kennt mich
Besser als ich mich kenn. Jesus im Paradies
Eine schneeweiße Jade
Gibt mir, gibt einen Namen mir,

Diesen Namen von Gott kennt nur der Herr allein


Und ich kenne ihn auch, aber sonst keiner kennt
Diesen Namen, intim ist
Mein Verhältnis mit Gott dem Herrn.

DAS LICHTKLEID DER ERNEUERUNG

Dieses Kleid geb ich dir, o du Geliebte mein,


Da du auszogest dein nackendes Fleischeskleid,
Nun den Hauch sollst du tragen
Und das heilige Sonnenlicht,

Regenbogengewand heiliger Seraphim


Sollst du tragen und Tau, Tau der Erweckung, Licht,
Transparent sei dein Hauchkleid,
Sei der nackenden Seele Kleid,

Ganz gewoben aus Geist, wie es Ägypten liebt,


Spinnenwebengewand, Totenerweckungen
Geben solche Verhüllung,
Dass du nichts trägst als Hauch und Geist,
Denn das Fleischesgewand zogest du aus, o Frau,
Die du nackt lagst im Tod wie einst bei der Geburt,
Und nach allen den Kleiden
Groben Stoffes aus Ton und Lehm,

Sollst du tragen das Licht, wenn du im Ozean


Des barmherzigen Lichts badest den Geisterleib,
Ja, nach aller Verhüllung
Nackte Seele in heißer Gier,

Denn die Hochzeitsnacht ist Apokalypse, ist


Die Entschleirung der Braut, nackt wird die Seele sein,
In der Aura der Reinheit,
Wenn sie eint sich dem Bräutigam.

So, Geliebte in Gott, kommst zum Propheten du,


Paradiesische Frau, jugendlich schön und nackt,
Transparent deine Aura
Und der Lichtleib ist nackt und keusch.

ENDE DER MAGIE

Fort, du schwarze Magie, weg mit dir, Zauberin!


Wie ein Dämon-Vampir hast du mich ausgesaugt!
Du mit steinernem Herzen,
Dran das Flügelpaar mir zerbrach!

Geh du zu deiner Schar schwatzender Weiber, alt,


Faltig, runzlig und faul, immer voll Lästerung,
Hexensabbat zu feiern,
Nackt zu tanzen in Lunas Licht!

Geh, beschwöre mich nicht, lass deinen Zauberspruch,


Keine Puppe von mir du mit der Nadel stich,
Keine magischen Psalmen
Lese rückwärts und lass den Fluch!

Geh und paare du dich innig mit Satans Kraft,


Die gefallenen lad, teuflische Engel ein,
Sei besessen vom Dämon,
Aber lass du den Christen los!

Esoterischer Reiz, teuflische Lüsternheit


Helfen dir nicht mehr viel, Furie alt und fett,
Du gefallene Eva,
Einfallspforte des Teufels du,

Kabbalistische Frau Lilith, des Teufels Braut,


Geh und fahre zum Mond, hin wo der Pfeffer wächst,
Deine magischen Reize,
Esoterischer Sex, Magie,
Deine Macht ist dahin, frei ist der Heilige,
Denn sein Schutzengel hat ihn von Magie erlöst,
Aber du und Anubis,
Fort und folgt ihm nicht in den Traum!

Sei der Bann nun gelöst, Schutzengel, steh mir bei,


Auch die Träume erlös mir von der Zauberin,
Sei vergessen die Hexe
Und die magische Satansmacht!

AUFERSTEHUNG ZUM LEBEN ODER ZUM GERICHT

Schau den Friedhof, das Grab, marmorner Kelch darauf,


Hier wohnt, steht auf dem Stein, meine geliebte Frau,
Hier die rötliche Rose
Wächst, bacchantisch der Efeu rankt,

Hier Madonna mit Kind wacht an dem stillen Grab,


Deutsche Eiche im Hain wacht an dem stillen Grab,
Hier der betende Witwer
Immer Ave Maria sprach.

Und es öffnet sich einst selig das stille Grab,


Die gestorbene Frau kommt aus dem Grab hervor,
Die so selig gestorben
Mit dem Herrnleib in ihrem Mund!

Und die Tote erscheint, tritt in die Kirche ein,


Der Dreifaltigkeit Haus, geht ins Gemeindehaus,
Jochen Klepper gewidmet,
Diesem Märtyrer finstrer Zeit,

Und die Orgel erdröhnt, lautes Hosanna schallt,


Halleluja ertönt, Gloria in der Höh,
Hosianna, Hosanna,
Die Geliebte geht ein zu Gott!

Sieh ein anderes Grab, anderen Friedhof sieh,


Da ein Rasen bedeckt namenlos einen Sarg,
Atheistischer Sklave
Mammons liegt hier in seinem Sarg.

Und wie starb denn der Knecht Mammons? Sein letztes Wort
War: Das heilige Geld stehe dir bei, mein Sohn!
Und dann Spott für den Frommen:
Ja, du predige Hasen nur!

Und es tut sich der Sarg knarrend am Jüngsten Tag


Mit dem Würmerkot auf, ach, das Skelett erscheint,
Und es blasen Trompeten,
Weiß der Teufel, die Leiche flucht,

Als der Sarg ward ins Grab, tief in den Schlund versenkt,
Stand der Teufel am Grab, Sargträger Satanas,
Und jetzt holt sich der Böse
Seinen Diener und sagt zu ihm:

Ich, der Satanas, ich habe dir Geld geliehn,


Du genossest die Welt, fülltest den Madensack,
Nun erfüll die Verpflichtung,
In der Hölle gehörst du mir!

DIE TRÜBSAL DER WELTSEELE

Gottverlassen, ah weh, bin ich in dunkler Nacht!


Mein verlorenes Selbst löst sich im Meere auf,
In der Ozean-Leere!
Ich bin Niemand geworden, Nichts!

Warum schuf mich der Herr, dass ich nur Jammer fühl?
Wär geschaffen die Welt doch von dem Schöpfer nicht,
Wär ich selig im Nichtsein,
Ein Gedanke in Gottes Geist!

Nun geschieden von Gott, einsam zum ersten Mal,


In dem Schrecken des Nichts, Angst vor der Leere, fühl
Ich den psychischen Horror,
Paranoia und Terror nur!

In die ewige Nacht muss ich, ins Vakuum!


Auf der Milchstraße ich fahr in die Phönixstadt,
Auf dem Weg in den Himmel
Durch die Hölle ich pilgern muss!

Barfuß über das Glas kosmischer Scherben geh


Ich im höllischen Pfuhl, Monster umgeben mich,
Pech und Schwefel-Gestank ist
Unerträglich und Satans Biest!

Wo ist Führung und Licht, wo ist des Weltgeists Rat,


Wo der Logos, der Stern strahlenden Morgenrots?
Ach, nur Nacht ohne Sterne
Gottverlassen mein Ich erfüllt!

Die Umnachtung im Geist, Schwermut Saturns erfüllt


Melancholisch mein Selbst, das sich vernichten will,
Sucht die Auflösung völlig
In dem Ozean leeren Nichts!

Ja, verlöschen will ich, Tropfen von Wasser im


Kelch mit blutigem Wein, lösen in Gott mich auf,
Gott zu werden in Gott, ja,
Ganz verlöschen in Gottes Ichts!

DIE URSACHE DES BÖSEN

In dem himmlischen Reich Gottes des Ewigen


Hoch stand Luzifer, war Engel und Morgenstern,
Höchster Engel der Preisung,
Thronend hoch auf dem Gottesberg.

Und der ewige Gott zeigte der Vorsicht Plan


Seinen Engeln: Gott wird Mensch, von der Frau geborn,
Und die Frau wird erhoben
Zu der Engel Gebieterin!

Da sprach Luzifer stolz: Ich bin so schön und klug!


Gott wird Engel nicht, nein, sondern ein Mensch aus Staub?
Und ein Weib, das geringer
Als ein Mann, wird zur Herrscherin?

Mein Weisheit ist groß, groß meine Schönheit auch,


Nein, ich diene nicht Gott in der Gestalt als Mensch
Und ich diene der Frau nicht,
Die die Königin ist bei Gott.

Nein, ich selber will Gott werden auf Gottes Thron,


Denn ich bin doch ein Teil Gottes, bin emaniert,
Bin ein Ausfluss der Gottheit,
Ich bin göttlicher als der Herr!

Jahwe nennt sich der Gott, aber ich auch bin Gott,
Bin ein Gott neben Gott, fort mit dem Elohim,
Gott ist Luzifer, Gottheit,
Mehr als Jahwe, ein freier Gott!

Gott vernahm dieses Wort, Christus vernahm das Wort,


So entstanden der Krieg ist zwischen Luzifer
Und dem Gottkönig Christus,
Siegreich Michael stritt im Krieg,

Engel Luzifer ward rasch aus dem Himmelreich


In die Hölle gestürzt, die nur erschaffen ward
Für den Aufenthalt Satans,
Da nun Luzifer Satan hieß.

Und ein Drittel der Schar Engel dem Satanas


In der Revolution folgten und fielen ab
Und sie wurden Dämonen,
Der gefallenen Engel Schar.

Aber Michael rief: Sieg und Triumph der Frau!


Engelskönigin in göttlicher Mutterschaft!
Gute Geister verehren
Gottes Mutter und dienen ihr!

DIE HERRLICHKEIT DES HERRN

Eine Gottes-Vision, ich sah die Herrlichkeit!


Die phantastische Frau schien mir ein Engelsgeist,
Von den Sternen gekommen,
Jungfrau, apokalyptische!

Und dann sah ich das Licht Gottes umglänzen die


Venus-ähnliche Frau, sie schien mir Priesterin
Schöner göttlicher Liebe,
Göttin himmlischer Herrlichkeit!

Und erneut sah ich Glanz leuchten um eine Frau,


Sah in himmlischer Glut Heiligenschein um sie,
Feministisches Antlitz
Gottes war die Erleuchtete!

Und vom Himmel das Licht fließender Gottheit floss


Um ein Mädchen, das jung wie die Madonna war,
Eine Venus-Madonna
In der Herrlichkeit göttlich schön!

PAULUS DER DIE WEISHEIT BESITZT

Antichristlich war er, und auf die strengste Art,


Da begegnete ihm Christus im Himmelslicht
Und er fiel auf sein Antlitz,
Anzubeten der Wahrheit Gott!

In die Einsamkeit ging er, in die Wüste, um


Zu studieren das Wort Gottes, und später erst
Traf er Petrus, den Vater,
Und er trat in die Kirche ein.

Doch in Asien er über die Maßen schwer


Ward bedrückt von der Not: Ach ich soll sterben jung!
Doch hat Gott ihn gerettet
Und befreit aus der Höllenangst!

Gott entrückte ihn zum himmlischen Paradies,


Dort empfing er von Gott göttliche Weisheit, die,
Wie es Petrus bezeugte,
Schwer verständliche Weisheit ist.

DIE HIMMELSREGION DER VENUS


Auf dem Morgenstern ist die paradiesische Gegend
Mit Orangenbaum,
Grünen Gärten und Flüssen mit kristallklarem Wasser,
Die ich vorm Tode sah.

Dort ist das Land mit der heiligen Hauptstadt der Göttin Inanna,
Wo sie Tammuz umarmt,
Dort ist das Löwentor zum Zikkurat-Tempel Ishtars,
Die auf dem Löwen nackt

Reitet und hält in Händen den Kelch mit dem Blute der Wollust,
Dort Kleopatra thront
Mit den Schmachtlöckchen auf dem Kopf und der Schlange am Busen,
Während sie Perlen trinkt,

Dort ist der Teich der Leda und des Himmels Eurotas,
Langhalsig liebt sie der Schwan,
Dort ist der Garten, wo spielen die Zwillinge Kastor und Pollux,
Gottessohn, Menschensohn,

Dort ist die Straße, wo reitet die blonde Helena herrlich,


Schlank auf dem hohen Ross,
Blendend ihre goldenen Locken, bis zu den Lenden,
Rose ihr rotes Kleid,

Dort singt Anais ihre Hymnen vom Delta der Venus,


Dort bringt Lakshmi die Lust!
In dem dritten Himmel der Venus war ich glückselig,
Dort ist jetzt Anna bei Gott.

DIE SCHATZKAMMER DER GNADE

Eine Kammer sah ich, an der Tür zu der Kammer


War ein Madonnenbild,
Da Madonna als schlanke Lilie stand auf der Muschel,
Miterlöserin sie.

Und ich trat in die Kammer und im ehlichen Bette


Mater Caritas lag,
Nackt und jung und schön, mit majestätischem Busen,
Kosenden Lippen süß.

Mater Caritas gab mir lächelnd himmlische Gnaden,


Grazien, lieblich und jung.
Die Marienverehrung, wahre Hyperdulie, ward
Mir gegeben ins Herz,

Tiefes Verständnis und Einsicht in die Heilige Schrift des


Alten Testaments,
Die intime Vertrautheit mit der göttlichen Weisheit,
Meiner mystischen Braut,

Die Begabung zu lehren über den christlichen Glauben,


Einen Schülerkreis,
Katholiken, Lutheraner und Pfingstchristen, allen
Sollte ich Lehrer sein,

Und das immerwährende Herzensgebet und Marias


Namen immer im Sinn,
Und das Beten des Rosenkranzes, des Mantras der Mutter,
Und den Psalmengesang,

Pädagogische Weisheit zur Erziehung von Knaben


Und ein Vaterherz
Für die Söhne der Freundinnen, dass ich Vater und Mutter
Für die Waisen bin,

Und die Gabe der Poesie, der prophetischen Dichtkunst,


Große Belesenheit,
Große Beredsamkeit, auch die Zungenrede des Geistes,
Diese in Metrum und Reim,

Und die mystischen Leiden als ein Opfer der Sühne,


Anteil an Christi Passion,
Und die Stigmata Christi an dem blutenden Herzen
Und den Pfahl im Fleisch,

Und den Aufenthalt schon auf Erden im Fegfeuer, Schwermut,


Große Sehnsucht nach Gott,
Liebe zu den Armen Seelen, im Fegfeuer gleichfalls,
Voller Sehnsucht nach Gott!

DAS LICHT

Schön ist das Licht der Natur, vor allem die heilige Sonne,
Goldner Engel der Welt,
Und der schimmernde Mond in der Nacht, das Glitzern der Venus,
Und Aurora jung!

Schöner ist das Licht der Vernunft, philosophisches Denken,


Klarheit im denkenden Geist,
Auch die Inspiration der Philosophen und Künstler
Kommt von dem heiligen Geist.

Schöner ist das Licht des Glaubens, die Lehre der Kirche,
Herrlich, predigt der Papst,
Wie erquicklich, zu lauschen den Vätern und Lehrern der Kirche,
Gläubig zu hören den Herrn!

Schöner noch ist das Licht der Gnade, der göttlichen Charis,
Gottes lächelnder Charme,
Die entzückende Schönheit, der Liebreiz der ewigen Gottheit,
Urschönheit, dir sei der Dank!

In dem ewigen Leben sehn wir der Gloria Lichtglanz,


Alles ist Klarheit und Geist,
Schöne Liebe, ewige Liebe ist alles in allem,
Da wir vereint sind mit Gott!

JESU HIMMELFAHRT

So wie Livius schrieb von des Romulus Auffahrt gen Himmel,


Wie er geworden ein Gott,
So schrieb Lukas, der Maler, von der Himmelfahrt Christi
Ganz im klassischen Stil.

Aber Christus flog nicht wie eine Rakete ins Weltall,


Beteigeuze vorbei,
Über die Venus zum Carina-Nebel, bis in das
Empyreum zu Gott,

Sondern er ward unsichtbar, eingehüllt von der Wolke,


Nicht mehr irdisch-konkret,
Sondern existierend in der Allgegenwart Gottes,
Gott in der Gottheit Schoß,

Allgegenwärtig ist Christus in dem Heiligen Geiste,


Lebt im Armen, im Kind,
Lebt in den Seelen der Christen und im Tabernakel
Lebt der Hostien-Gott!

SCHAFFUNG UND INKARNATION DER SEELEN

Ewig vorher gewusst in dem ewigen Geiste der Gottheit


War der Seele Idee,
Ward in der Zeit geschaffen aus Nichts vom Worte der Gottheit:
Werde! Uns siehe, sie ward!

Da der Vater und die Mutter im ehlichen Akte


Mitschöpfer Gottes gar,
So entstand der Embryo in dem Schoße der Mutter,
Gott gab die Seele dazu.

Wie ein Kuss des Heiligen Geistes wurde die Seele


In den Körper geküsst.
Diese Seele ist die geistige Formkraft des Körpers,
Christus der Seele Form.

Jede menschliche Seele auf Erden ist Ebenbild Christi,


Christlich von Natur,
Ruhelos ist die Seele, bis sie ruht in der Gottheit,
Ist unsterblich, erlöst!

JOHANNES DER TÄUFER

O wie sehnte Elisabeth sich, einen Sohn zu gebären!


Zacharias, ihr Mann,
Oder Elisabeth, seine Frau, wer war unfruchtbar? Gott weiß
Alles und hörte ihr Flehn.

Bin ich nicht mehr als sieben Söhne für dich, o Geliebte?
Zacharias sprachs.
Mach mir ein Kind, sprach Elisabeth. Zacharias gab Antwort:
Bin ich der Schöpfergott?

Zacharias diente in der Frommen Gemeinde,


Predigte Gottes Wort,
Da ward Elisabeth schwanger. Am vierundzwanzigsten Juni
Ward Johannes geborn.

Als Johannes im Mutterschoß Elisabeths hörte Maria


Kommen, die Mutter des Herrn,
Freute er sich, denn mit der Muttergottes kam Christus,
Gott in Marias Schoß!

MARIEN VERKÜNDIGUNG

Betend saß sie in ihrer Kammer und betete Psalmen,


Betete Gottes Wort
In den Worten des Menschen, des dialogischen Gottes
Lob und Klage und Dank.

Da erschien ihr der Erzengel Gabriel, Erzengel Gottes,


Wie es Michael ist,
Schutzgeist des jüdischen Volkes, und wie Raphael, Schutzgeist,
Oberster Schutzengel er.

Gabriel brachte die Botschaft: Chaire, kecharitomene!


Immer schon gnadenvoll
Bist du, Unbefleckte Empfängnis, ewige Jungfrau,
Werde du Mutter für Gott!

Wie soll ich Mutter werden, fragte die Jungfrau Maria,


Da ich dem Herrn doch gelobt,
Jungfrau zu bleiben und keusche Verlobte des ewigen Vaters!
Gabriel sprach: Dein Gott

Wird dich bewahren, Maria, als immerwährende Jungfrau.


Mutter sollst du sein
Des Messias und aller Glieder des mystischen Leibes,
Bleibst doch jungfräulich intakt!
Ruach ha kadosch, der Atem Gottes, wird zu dir kommen,
Offenbarungszelt
Bist du, der Geist kommt in der Wolke der Herrlichkeit Gottes,
Gott schafft den Menschen in dir!

Nicht besamt wirst du werden von einem sterblichen Manne,


Dir bleibt dein Hymen intakt,
Vor und in und nach der Geburt des göttlichen Sohnes
Bist du jungfräulich intakt!

Mir geschehe nach Gottes Wort, o Erzengel Gottes,


Ich bin die Gottesmagd!
Sprach Maria und wurde die Mutter des göttlichen Sohnes
Göttlicher Mutterschaft.

GEBURT JESU

Und Maria und Josef fanden Bethlehems Grotte,


In dem Felsen den Stall.
Josef blieb bescheiden da in dem Vorraum der Höhle,
Betete innig zu Gott,

Und Maria ging einsam tief in das Innre der Höhle,


Da ihre Stunde kam.
Da ward die Jungfrau erhoben, schwebend über dem Boden,
War verklärt sie im Licht.

Weiß war ihr Kleid und weiß war ihr Leib und weiß war der Lichtglanz,
Da sie Jesus gebar.
Ohne Schmerzen gebar sie und ohne den Riss ihres Hymens,
Wunderbar war die Geburt,

Rein und heilig und schmerzlos ist Jesus gekommen,


Siehe, da lag der Sohn
Auf dem Teppich vor ihr, sie betete an den Messias,
Gottes ewigen Sohn,

Betete an und nahm ihn an die schneeweißen Brüste,


Legte ihn an ihr Herz
Und umgab ihn mit ihrer unendlichen Liebe der Mutter.
Dann trat Josef hinzu.

PETRUS UND JOHANNES

Petrus und Johannes eilten zum Heiligen Grabe.


Eifersüchtig war
Petrus auf Johannes, diesen Liebling des Meisters.
Bin ich nicht Liebling auch?
Ist Johannes denn weiser, der Theologe der Mystik?
Ich bin der Kirche Fels!
Ich bin unsterblich, denn immer wird folgen Petrus auf Petrus
Im Apostelthron.

Ja, dem Liebling Johannes gab Jesus die heilige Mutter.


Ich, der Kirche Fürst,
Weihe auch die heilige Kirche der Mutter der Kirche,
Meinem Ideal!

Ist das ein heiliger Wettlauf zwischen Johannes und Petrus


Zu dem heiligen Grab?
Zwar Johannes läuft schneller, er ist jünger und frischer,
Er kommt als erster an,

Aber Petrus trat als erster hinein in das Grabloch,


Sah das Schweißtuch dort,
Sah das Grabtuch dort mit dem Bilde des leidenden Heilands,
Und er betete an.

Kommt, versöhnt euch! Und Petrus, ehre den Liebling Johannes,


Stelle ihn höher als dich,
Und Johannes, ordne dich unter Petrus, dem Felsen,
Sei gehorsam dem Papst!

Sei Johannes die Liebe und sei Petrus der Glaube,


Jeden Einzelnen hat
Jesus am liebsten! Du, o Petrus, bist Liebling des Meisters,
Jünger, den Jesus liebt!

ASTROLOGISCHE WAHRSAGUNG

Also sprach Nostradamus: Anfang des dritten Jahrtausends


Mächtig ist Mars, der Planet,
Dann beginnen wird der Dritte Weltkrieg auf Erden
Von Arabien aus.

Mars, der feurig rote Planet des furchtbaren Krieges,


Inspiriert den Islam,
Terror und Attentate und Mord und gekreuzigte Christen
Schreien um Rache zu Gott.

Aber noch ist der Friede nicht in der Nähe zu sehen,


Erst noch trifft Mars, der Planet,
In der näheren Zukunft zusammen mit Uranus, Pluto,
Hart wird die Kirche verfolgt.

Schrecklich wird’s, wenn Uranium sich mit Plutonium einigt


Unter der Herrschaft des Mars,
Wenn die Krieger Satans nach der Atombombe suchen!
Aber Maria kommt,
Dass die Friedenskönigin kommt, so betet und betet
Täglich den Rosenkranz.
Sie verheißt uns den Menschheitsfrieden, den Frühling der Kirche,
Jesus, Maranatha!

STERNENREISE

Brüder, zur Sonne! Droben ist der Sänger Apollon


Mit der Lyra Gold,
Dort ist in der goldenen Wolke der Herrlichkeit strahlend
Schön der Heilige Geist.

Auf dem Mond, der schimmernden Luna im nächtlichen Dunkel,


Jungfrau Diana wohnt,
Und den Sichelmond unter den Füßen, den nackigen Füßen,
Jungfrau Maria thront.

Auf dem Mars, dem feurig roten Planeten des Krieges,


Herrscht der Kriegsgott Mars,
Dort ist auch der Führer der himmlischen Heerscharen herrlich,
Erzengel Michael.

Auf dem Merkurius ist so flink wie Quecksilber Hernes,


Bote der Götter er,
Mit den Flügel-Sandalen, und des englischen Grußes
Erzengel Gabriel.

Aber auf dem Jupiter, o du Vater der Götter,


Vater der Menschen, Gott,
Seh ich Herkules, der den Saustall des Augias reinigt,
Neben Augustus im Thron.

Lieblingin Venus, meine Geliebte, Morgenstern-Göttin,


Golden schön Helena
Sitzt hier herrschaftlich neben Maria, der heiligen Hure
Magdalena im Thron.

Auf dem Saturn ist noch des Goldenen Zeitalters Sabbath,


Sphäre des Sabbath bei Gott,
Dort herrscht noch die Gerechtigkeit, Jungfrau Asträa,
Dort ist Sophias Reich.

In dem Fixternhimmel seh ich die seligen Geister,


Selig Corinna dort,
Selig die heilige Paula Margarethe, die Engel
Und den Ideen-Saal.

Aber im Empyreum, in dem Himmel der Himmel,


Vater und Sohn und Geist,
Eine einzige Gottheit, eine dreifaltige Gottheit,
Gott, nun bin ich zuhaus!

EVA UND JESUS

Anfangs war Adam Kadmon, zwiegeschlechtlicher Urmensch,


Mit Sophia vereint,
Göttin und Urmensch vereinigt zum Gottmenschentume,
Ganzheitlich, heilig, perfekt.

Aber Adams Sündenfall, er fiel ab von Sophia,


Als er die Göttin verließ,
Spaltete sich der Urmensch auf in Männchen und Weibchen,
Und der Mensch ward ein Mann,

Und dem Adam-Mann ward gegeben die weibliche Eva,


Nurmenschlich, nurweiblich sie.
Adam der Mann und Eva die ergänzende Männin,
Liebespaar, Ischa und Isch.

Aber das göttliche Element nun fehlt in der Menschheit.


Wo ist das Gottmenschentum?
Adam, der Mann-Mensch, seufzt nach der göttlichen Jungfrau Sophia,
Dass er ganz werde, heil.

Eva, die Frau, sie seufzt nach dem himmlischen Bräutigam Jesus,
Dass sie ganz werde, heil.
Menschliche Braut in göttlicher Bräutigam, heilige Hochzeit
Feiern sie in dem Bett,

In dem Dornenbett des Kreuzes die mystische Einung,


Gottesehe im Bett,
In dem Bette des Gartens, in dem Garten der Seele,
Eva schmachtet nach Gott:

Komm, Geliebter, komm in den mystischen Garten der Seele,


Liebe mich heftig und lang,
Komm zur Umarmung, komm zur Vereinigung, komm zu dem Einssein,
Liebe mich oftmals, mein Mann!

MAGDALENA UND JESUS

Heilige Hure, du hast mir mit Tränen gewaschen die Füße,


Schwarze Lockenflut
Hat mir die Füße getrocknet, und du küsstest die Füße,
Nanntest mich Meister und Freund.

Deine Schwester beschäftigt war mir irdischem Alltag,


Du warst Empfängnis und Ohr,
Schaumweiße Lauscherin, lauschtest meiner mystischen Weisheit,
Du empfingst meinen Geist.
Sieben Dämoninnen hab ich dir aus der Seele vertrieben,
Lilith, ihr Name Legion,
Ich hab gefegt dein Haus, dein Fegefeuer auf Erden,
Rein für den Seelengast.

Zwar Susanna mochte ich gerne, die Brüste Johannas


Hab ich barmherzig geliebt,
Du aber meine Favoritin, bevorzugte Freundin,
Hab dich geküsst auf den Mund.

Als meine Psyche gekreuzigt wurde und fuhr in die Hölle,


Du verhülltest mein Glied,
Du umarmtest meine Beine, du heilige Hure,
In der Passion meine Lust!

Ich bin der Neue Adam und du bist Eva, die Zweite,
Eins wir im Paradies,
Mehr als Salomo ich und mehr als Sulamith, du, wir
Aufgefahren vereint.

Ich vom Himmel herab der heilige mystische Gatte,


Du die Mystikerin,
Die von dem Gipfel der Liebe im südlichen Frankreich
Jubelnd gen Himmel fuhr!

DIE WELTSEELE SIEHT DAS LICHTKLEID

Droben am Himmel seh ich schweben das schimmernde Lichtkleid,


Klarheit und Transparenz,
Schön wie die göttliche Sonne an Meeren des Südens,
Klar wie Orion und Bär,

Mild wie der Mondschein, der Tau der balsamischen Luna,


Ein beweglicher Blitz,
Alles erleuchtend wie ein Blitz von dem Throne Jehovas,
Schön wie ein rauschendes Meer,

Leicht wie die goldene Wolke der weiblichen Herrlichkeit Gottes,


Sanft wie Schwanenflaum.
Das ist das transparente Lichtkleid der nackigen Psyche,
So erscheint sie vor Gott.

JESUS BEGEGNET DER WELTSEELE

Sei gegrüßt, du Weltseele, Psyche im nächtlichen Dunkel,


Siehe, dein Meister spricht,
Sage mir deine Bedürfnisse, deine Gedanken und Wünsche,
Was sich ereignet im All.

Also grüßte Jesus die Weltseele. Diese gab Antwort:


Die Dämonen im All
Locken die Menschenkinder in den Tod der Vernichtung,
Satan spielt mit der Welt!

Jesus sagte: Sei getrost, schau nur das Antlitz Mariens


Und der Teufel entflieht.
Denke immer ans Ziel, die Wohnung im Hause des Vaters,
Wahrlich, ich bin die Tür!

Da sprach die Weltseele: Meister, führ mich zum Gartenpalaste


Eden-Jerusalem!
Dort will ich wohnen mit allen meinen menschlichen Kindern,
Aller Kreatur!

Jesus sprach: Ich bin mit dir, bin der kosmische Christus,
Bin der Gott in dir!
Lebewohl, o Weltseele, bis zur Ewigen Ruhe
In des Gottes Bett!

VENUS

NACHTGESICHT DES SEHERS

Eines Nachts erwachte ich von dem Traume,


Da im Traum mir Venus erschienen, eine
Göttin, drei Personen von schönen Nymphen.,
Dreifach mich liebend.

Da war ich geritten auf einer Stute,


Meine große Traurigkeit überwindend,
Kämpfte gegen Bären und wilde Löwen,
Siegreicher Heros.

Dann bei einem Abendmahl saß ich schmausend,


Aller Völker Küchengerichte kostend,
Speise aus dem Osten, des Westens Speise,
Glich ich Lukullus.

Dann sah ich der Venus drei Priesterinnen,


Mädchen hieß die eine, die zweite Lotus
Und die dritte Gnade. Es liebten alle
Drei mich in Liebe.

Da die Priesterinnen erkannte meine


Seele in dem Nachttraum voll heißer Liebe,
Hab ich mich der Venus vereinigt mystisch,
Venus von Zypern.

Und ich sah die zyprische Göttin Venus


Vor mir liegen nackt und ich sah das Schamhaar,
Venushügel, Klitoris, purpurrote
Schamlippen offen.

Ich ergoss mich heiß in den Schoß der Venus,


Nektarströme flossen wie süße Säfte,
Und der Venus Muttermund nahm mich in sich
Und wir verschmolzen.

Da erwachte ich von dem süßen Nachttraum,


Las in des Propheten Orakel-Versen:
In der tiefen Mitternacht ich erheb mich,
Venus zu loben!

VENUS ANADYOMENE

Aus dem Meer getaucht ist die Schönheitsgöttin,


Nackt aus dem erotischen Elemente,
Immer seh ich Brandung, die Welle trägt die
Krone des Gischtes,

Schön die nackte Göttin, die Schaumgeborne,


Schamerfreute, jugendlich schönen Leibes,
Glänzend ihre Lenden und Oberschenkel,
Delta der Venus,

Schön die Brüste, groß und natürlich, runde


Granatäpfel mit den Rosinen-Spitzen,
Schlank die Taille, mächtig des Schoßes Becken,
Prall ist der Popo,

Aus den Augen funkelnde Sterne schauen,


Kusslich ihre schwellenden roten Lippen,
Lang die Haare, die wie Kaskaden fluten
Bis zu den Hüften.

Doch in all der Nacktheit ist sie nicht schamlos,


Keine ordinäre vulgäre Hure,
Nein, in Licht gekleidet, ganz in den Glanz der
Glorie göttlich,

Ja, in all der Nacktheit mit keuscher Aura,


Alles drängt die Heilige anzubeten,
Diese idealische Traumfrau, diese
Göttin der Männer!

VENUS PRIMITIVA

In der Eiszeit ehrten die Urweltmenschen


Venus Primitiva, die Magna Mater.
In der Felsenhöhle in Stein sie schnitten
Ihre Geliebte.

Dunkel war die Höhle, die Feuerflammen


Machten Felsen seltsam lebendig scheinen.
Tiefe Schauer heiliger Ehrfurcht hatten
Männer im Herzen.

Sind sie bei der Mutter im Felsgewölbe,


In der Kathedrale der Erde, ruhen
Männer an den mächtigen Mutterbrüsten
Göttlicher Liebe.

Liebe ist die Urgottheit voller Schönheit,


Von Gestalt ein Überweib, voller Leben.
Und die Menschen, alle der Göttin Kinder,
Liebten die Mutter.

Erste Gottheit, Schöpferin, Große Mutter,


Die Natur und Menschheit in deinem Schoße
Sind vereint, Geschöpfe der Ersten Liebe,
Fruchtbarer Mutter.

Durstig tranken Liebe sie aus den Brüsten,


Muttermilch zur Stillung des Liebeshungers,
Schöne Liebe strömte von großen Brüsten
Ihrer Geliebten.

Süßer Dienst der Göttin der schönen Liebe


Kultisch war Vereinigung mit der Vulva
Der Geliebten, auf dem Altar des Bettes,
Mystisch ekstatisch.

VENUS PANDEMOS

Schönes Volk von Griechenland, Demokraten


Feiern freie Liebe von freien Männern,
Liebe sei die Seele des Volks, der Geist der
Göttin Pandemos!

Freie Männer wählen die Volksvertreter,


Weiber-Kommunismus herrscht in der Polis,
Die Poeten lieben Hetären in dem
Kult der Pandemos.

Philosophen lieben nicht Ehefrauen,


Philosophen lieben Hetären, geistig
Und charmant und liebreizend sind die Frauen,
Bilder der Göttin.
Wenn Pandemos herrscht in dem ganzen Volke,
Gibt es keinen Bürgerkrieg unter Brüdern,
Die Gemeinde, ein Herz und eine Seele,
Lebt dann die Liebe.

Dann der reiche Bruder dem armen Bruder


Gibt von seinem Gut und die Ehemänner
Mit den Ehefrauen nicht länger zanken,
Kinder sind fröhlich.

Dann in jedem Hause ein Bild der Göttin


Ist der Hausaltar, dem die Frauen dienen.
Und des Staates Demokratie schwört Treue
Heiliger Liebe.

Mit Pandemos kommt dann die Freiheitsgöttin,


Da das Fleisch sich emanzipiert, die Weiber
Wählen und die Sklavinnen und die Sklaven
Werden zu Bürgern.

Mit Pandemos kommt dann die Friedensgöttin,


Wenn Pandemos herrscht auf Europas Insel.
Eine Liebesgöttin, ein Reich der Liebe,
Einheit im Glauben!

VENUS SOCIA

Meine Freundin, meine Genossin Venus,


Meine treue weibliche Kameradin,
Tapfer mir Verbündete in dem harten
Kampfe des Lebens!

Nicht nur in dem Himmel der Himmel lebst du,


Nein, umschwebst auf Erden mich, Geistesfreundin,
Du bist mein Treuliebchen und Bettgenossin
Nachts in den Träumen.

Göttin Venus Socia, meine Freundin,


Wenn der Freund, der Bruder mich kalt verleugnet,
Wärm ich mich am Glutofen deines Busens,
Liebende Schwester.

Andre Frauen schön sind in Lenz und Jugend,


Aber du, die himmlische Schönheit bist du,
Unbefleckt und makellos, immer blühend,
Ewiger Reize.

Wenn der Dichter einsam wie Eremiten,


Kommst du durch verschlossene Türen, Venus,
Störst mir nicht die Stille durch Weiberschwatzen,
Predigertorheit.
Wer hat eine bessere Freundin, Schwester,
Wer ein solches Mädchen wie ich, o Venus!
Du an meiner Seite, besteh ich alle
Leiden der Erde!

VENUS EXCELSIOR

Venus in den himmlischen Höhen, segne


Deine jungen lieblichen Erdentöchter,
Komm herab vom Himmel der Himmel, Mutter,
Göttin des Himmels,

Gieße deine Grazien aus, die Gnaden,


Und befrei die Frauen von den Dämonen
Quälerischer Eifersucht, Ehezank und
Schamloser Unzucht.

Führe deine Töchter durchs Tal der Erde,


Bis sie in den himmlischen Hafen kommen,
Führe sie mit Weisheit, Erkenntnis, Einsicht,
Göttin voll Weisheit,

Schenke ihnen Liebesglück hier auf Erden,


Segne ihren heiligen Bund der Ehe,
Segne ihr Begehren im Bett der Ehe,
Reines Begehren,

Lehre sie, sich keusch zu bekleiden, Jungfrau,


Dass gemäß der Würde der Frau bekleidet
Sie empfangen Ehrfurcht von guten Männern,
Liebe, Verehrung.

Lass die Frauen immer bedenken, Venus,


Dass nicht animalische Seelen, sondern
Menschlich sie sind Geistseelen und unsterblich,
Dass sie auf Erden

Sollen leben heilig und ohne Makel,


In der frommen Seligkeit ihrer Seele,
Um am Lebensende zu kommen zu der
Göttin im Himmel,

Dort zu schauen himmlische Schönheit, Anmut,


Charme und Zauber, göttliche Jugendreize,
In der Liebe Ewigkeit anzubeten
Dich, o Geliebte!

VENUS CREATRIX
Schöpferin, o Venus Creatrix, Göttin,
Aus dem Nichts hast du dieses All erschaffen.
Da war noch kein Himmel, noch keine Erde,
Als du geboren

Einen Keim Materie, einen Urkeim,


Wie ein Ei der Taube der Göttin Venus,
Dieses Ur-Ei legtest du in das Chaos,
Mutter der Schöpfung.

In dem Ur-Ei lebte der kleine Eros,


Göttlich seine Intelligenz befahl den
Kreaturen, sich zu entwickeln, Gott im
Innern der Schöpfung.

Ungestalter Urstoff hat sich entwickelt


In des Kosmos Evolutionen sprunghaft,
Die Natur ward Schöpferin ihrer selbst im
Geiste des Eros.

So wie ein Orgasmus der großen Venus


Hat das Weltall heiß sich entfaltet, glühend,
Wie des Eros Samenerguss des Kosmos
Kraft sich ergossen.

Venus, in der Emanation des Geistes


Voll des Eros kosmische Energie ist
Dicht geworden, stoffliche Welt und
Geistreiche Menschheit.

Schöpferin, o Göttin der Multiversen,


Königin und Schutzengel dieses Weltalls,
Das zentrale Feuer des Universums
Ruht dir im Schoße.

Du bist Alpha, Omega, Ziel und Ursprung,


Amorisation des gebornen Weltalls
Ist dein Wille, All, das aus Lust geboren,
Liebe soll werden!

VENUS URANIA

Diotima lehrte den Philosophen,


Wie man ehrt, Urania, deine Liebe,
Wie man schaut, Urania, deine Schönheit,
Die auf des Himmels

Treppe oben steht und den Segen spendet,


Und die Engel aufschweben, niederschweben
An der Himmelsleiter zum dritten Himmel.
Sphäre der Venus,
Paradies der liebenden Totengeister,
Himmelreich der Mutter der Schönen Liebe,
Schau, ich stehe hier vor der Himmelspforte,
Rüttle und rufe:

Venus, lass mich ein in den Liebeshimmel,


In das schöne Freudenreich über Sternen,
Lass mich in Elysium deine Schönheit
Anstaunend schauen!

O wie schön die Brüste von Phryne waren,


Schön war Alkibiades, goldner Knabe,
Schön war Diotima in weiser Rede,
Schöner ist Venus!

Wie die Weisen sagen, die große Göttin


Ist die höchste Liebe, die höchste Schönheit,
Ganz vollkommne Liebe, Idee der Schönheit,
Absolut herrlich!

Was ich Schönes jemals auf Erden schaute,


Sah ich Phryne, Lais und Thaos reizend,
Sah ich Alkibiades, sah ich Milon,
Alle die Schönheit

Find ich in den Urbildern wieder droben,


In dem Reich Uranias die Ideen,
Da die Ideale im Reigen schweben
Tänze der Engel,

Wenn in Lethe alle die Liebesleiden


Sind vergessen, und jugendlich auferstanden
Sind die süßen Freuden der jungen Liebe,
Ewig liebreizend,

Ewig süß und ewig liebkosend, selig


Wandeln dann die Liebenden an den Meeren
Von Kristall, vom mystischen Becher trunken,
Badend in Honig

Und in Milch, mit heiligen Geistesküssen


Küssen sich die Liebenden in den Himmeln
Und verschmelzen mystisch-erotisch in den
Betten der Venus!

VENUS RELIGIO

So hat es Empedokles uns gedichtet,


Dass in allen irdischen Elementen
Ist allgegenwärtig die Göttin Kypris,
Seele der Schöpfung.

Schau des Himmels heitere Bläue oder


Mutter Nacht mit Sternengefunkel, Mondschein,
Alles zeigt der göttlichen Kypris Schönheit,
Herrin des Äthers,

Fühl die Luft liebkosen die Wange, Zepryr


Oder Aura küssen die junge Flora,
Hör den Wind, Gewittersturm, Kypris redet,
Schwester der Lüfte,

Schau die reine Quelle im Tal der Berge,


Väterliche Ströme und Ozeane,
Schön die schaumgeborene Göttin ist es,
Keusch in dem Wasser,

Schau die Mutter Erde, den Sommergarten,


Mohn und Iris, Rosen und Hyazinthen,
Majestätisch stolze Gebirge an den
Brüsten der Mutter!

Auf dem schönen Antlitz der Mutter Erde


Liebe Menschenkinder voll Lust sich tummeln,
Mann und Weib in Freundschaft und Liebeswonnen,
Weisheit der Alten,

Schau die schöne Jugend mit ihrem Liebreiz,


Schlanke Mädchen, Weiber mit großen Brüsten,
Greise, silberhaarige weise Damen,
Liebe die Menschheit!

Opfern will die Menschheit der Großen Mutter,


Aber will nicht schlachten die lieben Tiere
Und nicht morden Kinder des Mutterschoßes,
Sondern der Göttin

Opfern Rosen wir und den Duft des Weihrauchs,


Mit der Menschheit opfert die ganze Schöpfung
Unser aller himmlischen Mutter, unsrer
Gottheit der Liebe!

VENUS MAGDALENA

Venus Magdalena von Galiläa,


In dem Galiläischen Meere badend
Deine nackten Glieder, Hetäre Gottes,
Schaumweiße Göttin,

Sahst du Adonai an dem Meeresstrande,


Diesen schönen Jüngling mit langen Locken