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HYMNEN AN DIE DREIFALTIGE GÖTTIN

von Torsten Schwanke

ERSTE HYMNE
AN DIE GÖTTIN DINA

O Muse, sing die schönste Göttin Dina!

Die Jungfrau Dina aber, Leas Tochter,


Die Lea hatte Israel geboren,
Sie ging heraus, zu sehn des Landes Töchter.
Da aber Sichem sah die schönste Dina,
Des Hamors Sohn, der Jüngling der Heviter,
Da nahm er Dinachen und lag ihr bei
Und schwächte sie. O Gott, erbarm dich ihrer!
Und Sichems Herz hing inniglich an Dina,
Er hatte lieb das Mädchen und er sprach
Zu Dina lauter liebevolle Worte.
Und Sichem sprach zu seinem Vater Hamor:
Nimm mir zur Frau dies schönste Mädchen Dina!
Und Jakob hat erfahren, dass sein Kind
Geschändet ward, die Lieblingstochter Dina,
Und Jakobs Söhne waren mit dem Vieh
Als Hirten auf dem Felde, Jakob schwieg
Vor lauter Schmerzen, bis die Söhne kamen.
Und da ging Vater Hamor, Sichems Vater,
Heraus zu Jakob, um mit ihm zu reden.
Die Söhne Jakobs kamen von dem Felde.
Und da sie hörten von der Schandtat Sichems
Und was er ihrer Dina angetan,
Verdross es sie, und zornig wurden sie,
Da sie sehr lieb gehabt die Schwester Dina,
Sie zürnten Sichem wegen seiner Torheit,
Die er an Schwester Dinachen begangen
Und mit Gewalt hat Dina beigelegen,
Der Tochter Jakobs, Tochter Israels.
So sollte es nicht sein auf Gottes Erde!
Und Hamor sprach mit ihnen und er sprach:
Die Seele meines Sohnes Sichem sehnt
Sich sehr nach Dina! Gib sie ihm zur Frau!
Bewfreundet euch mit uns, ihr, Gottes Kinder,
Mit uns, den Heiden, Kindern dieser Welt,
Gebt eure Töchter uns zu Ehefrauen,
Nehmt unsre Töchter euch zu Ehefrauen,
Und wohnt bei uns als Freunde in dem Land.
Das Land soll offen sein für euch und wohnt
Im Lande der Heviter, werbt euch Frauen
Und geht zur Arbeit hier und macht Geschäfte.
Und Sichem sprach zu Jakob und den Söhnen:
O lasst uns Gnade finden doch bei euch!
Und was ihr bittet, das will ich euch geben.
Nur gebt mir Dinachen zur Ehefrau!
Da sagten Jakobs Söhne zu dem Sichem
Und seinem Vater Hamor mit Betrug,
Weil sie geschändet hatten Schwester Dina,
Und sagten ihnen: Das kann nicht geschehen,
Dass wir die vielgeliebte Dina geben
Dem Heiden, unbeschnitten an der Vorhaut,
Das wär für Gottes Kinder eine Schande.
Wir wollen aber euch zu Willen sein
Und Dina geben euch zu Frau und Tochter,
Wenn ihr uns ähnlich werdet, Gottes Söhnen,
Und alle Männer sich beschneiden lassen,
Dann geben wir euch unsre schönen Töchter
Und nehmen eure Töchter uns zu Frauen.
Dann wohnen wir als Gast bei eurem Volk
Und Juden und Heviter werden Freunde.
Wenn ihr euch aber nicht beschneiden lasst,
So nehmen wir dann unsre schönen Töchter
Und ziehn mit ihnen fort in ferne Länder.
Das Wort gefiel dem Hamor und dem Sichem.
Da wartete der Jüngling nicht und tat es
Und ließ beschneiden sich an seiner Vorhaut,
Er hatte nämlich Lust am Liebling Dina!
Da kamen Vater Hamor und sein Sohn
Nun in das Tor der Stadt und sprachen
Dort mit den Bürgern in der Stadt und sprachen:
Dies Volk ist friedlich und will bei uns wohnen
Und Frauen werben. Groß ist unser Land
Und reicht für die Heviter und die Juden.
Und unsre Töchter werden ihre Frauen
Und ihre Töchter werden unsre Frauen.
Doch wollen sie nur bei uns wohnen, wenn
Sich alle unsre Männer an der Vorhaut
Beschneiden lassen mit dem scharfen Messer,
So wie die Juden auch beschnitten sind.
Ihr Vieh und all ihr Hab und Gut wird unser,
Wenn wir uns nur beschneiden lassen, denn
Dann werden sie als Freunde bei uns wohnen.
Und alle Männer hörten auf den Hamor,
Die Männer alle in dem Tor der Stadt,
Und so beschnitten wurden alle Männer
Mit scharfem Messer an sensibler Vorhaut.
Am dritten Tage, da sie Schmerzen hatten,
Da nahmen Jakobs Söhne Simeon
Und Levi, Dinas Brüder, ihre Schwerter
Und gingen in die Stadt und sie erschlugen
Dort alle Männer, die im Stehen pissen.
Für Gott und Dina! Das war ihre Losung.
Und sie erschlugen Hamor auch und Sichem
Und nahmen ihre Schwester Dina wieder
Aus Sichems Haus und gingen dann davon.
Und alle Söhne Jakobs kamen über
Die Toten der Heviter und die Stadt
Und plünderten und nahmen Schafe, Rinder
Und Esel und das ganze Hab und Gut
Und alle ihre Weiber und die Kinder
Sie nahmen als Gefangene und riefen:
Für Gott und Dina! Heiß ist unsre Rache!

II

Sankt Dina war die Tochter Seraphias.


Als dreizehn Jahre Dina war, da las sie,
Wie man sich hingibt an den Christus Jesus,
Indem man ganz sich hingibt seiner Mutter.
Mit fünfzehn Jahren las sie die Geschichte
Der kleinen Seele, die mit zwanzig starb,
Die lehrte, alles nur zu tun aus Liebe.
Sankt Dina lernte von den Ordensschwestern,
Klavier zu spielen, sie war sehr begabt.
Die Schwestern schickten Dina nach New York,
Dass sie perfekter werde im Klavierspiel.
Sie lebte in New York bei Ordensschwestern,
Den Schwestern von Maria und von Jesus,
Sie war von deren Leben sehr beeindruckt,
Dass sie nach ihrer Rückkehr in die Heimat
Nach Kanada sich diesem Orden anschloss.
Dort lehrte sie die Nonnen die Musik.
War sie als Lehrerin der Harmonie
Und der Musik an andern Orten tätig,
Dann gab sie oftmals ihren Einsatz auf,
Weil sie sehr krank und leidend war geworden.
Doch bis zu ihrem Tode blieb Sankt Dina
Die Lehrerin der Nonnen für Musik.
Im Jahre Neunzehnhundertfünfundzwanzig
Empfing Sankt Dina himmlische Visionen
Und schaute in das Reich der Ewigkeit.
So wurde sie zur Meisterin der Mystik.
Von der Äbtissin wurde sie beauftragt,
Die Offenbarungen und die Visionen
Und die Erkenntnis Gottes aufzuschreiben.
Im Jahre Neunzehnhunderteinundfünfzig
Sankt Dinas Knochen und Gebeine wurden
Gehoben und in einem Sarkophag
Gebettet, der in der Kapelle der
Maria-Jesus-Schwestern Kanadas
Verehrt wird. Die Reliquien Sankt Dinas
Sind Überreste ihrer Heiligkeit.
Ihr Buch von ihren Ewigkeitsvisionen
Ist schon in fünfzig Sprachen übersetzt.
Im Jahre Neunzehnhundertdreiundneunzig
In Rom von Papst Johannes Paul dem Großen
Sankt Dina ward zur Ehre der Altäre
Erhoben und als Selige verehrt.
Sankt Dina, bete du für uns zu Gott!

III

Der Engel Dina ist des Lernens Engel.


Schutzengel des Gesetzes und der Weisheit
Ist Dina. Als die Welt erschaffen wurde,
Da lehrte Dina alle Menschenkinder
Die zweiundsiebzig Sprachen aller Völker.
So Dina ist als wunderschöner Engel
Des Lehrens Engel und des Lernens Engel.
Ja, Dina ist der Name eines Engels.
Die Engel sind bekanntlich Boten Gottes.
Nun, Dina ist ein Engel, die uns schützt
Und die uns führt. Und Dina uns ermutigt
Nach Weisheit und nach Wissenschaft zu streben
Und Gottes Bibel fleißig zu studieren.
Ja, Dina ist die Engelin der Bibel
Und Botin femininer Weisheit Gottes.
Doch Dina, diese schönste Engelin,
Ermutigt nicht nur Menschen, nach dem Wissen
Und nach der Wissenschaft zu streben, sondern
Vor allem nach der schönen Liebe Gottes,
Und nach der Nächsten- und der Bruderliebe,
Denn höchste Weisheit Gottes ist – die Liebe!

IV

Nun meine Muse spricht Sanskrit der Weisen,


Denn im Sanskrit heißt Dina: Hilflos, klein,
Ein kleines armes Kind in seiner Demut,
In seiner Schwäche und in seiner Trauer,
Betrübt, bedürftig, eingeschüchtert, ängstlich,
So sind die Kinder in dem Tal der Tränen,
Im Jammertal, im Schattenreich des Todes.
Doch im Sanskrit der heiligen Brahmanen
Ist Dina auch die große Mutter-Gottheit.
Die Gottesmutter Dina ist die Schutzfrau
Der Armen und der Kranken und der Kleinen,
Sie ist die Mutter der Barmherzigkeit,
Und wenn du arm und hilflos bist und traurig,
Wenn deine Mutter dir gestorben ist,
Wenn dich dein eignes Kindchen hat verlassen
Und wenn dein liebster Freund dich hat verraten,
Dann wende dich zur Gottesmutter Dina,
Sie wird dich trinken lassen Milch des Trostes
Und wird dich betten zwischen ihren Brüsten.
Und wenn du leidest, wenn du traurig bist,
Dann klage du dem Vater in dem Himmel,
Gott-Vater nämlich trägt den Namen Dina,
Er ist der Vater der Barmherzigkeit.

Nun fragen wir die jüdischen Rabbinen


Und Magier der Astrologen-Torheit.
Zwölf Söhne hatte Jakob Israel,
Zwölf Tierkreisbilder hat der Zodiak.
Ein jedes Kindlein Israels ist eins
Der Tierkreisbilder in dem Zodiak.
Nur Josef ist kein Sternbild an dem Himmel.
Doch Dina ist die Tochter Israels,
Sie ist der Jungfrau Sternbild an dem Himmel,
Das aufgeht an dem Fünfzehnten August,
Das ist das Fest Marien Himmelfahrt.
Da Jungfrau Dina ist die Richterin,
Denn das bedeutet Jungfrau Dinas Name,
Ist recht für sie das Himmelssternbild Jungfrau,
Das einst die Griechen nach Asträa nannten.
Asträa, Göttin der Gerechtigkeit,
Den Römern die Justitia Divina,
Sie herrschte in der goldnen Vorzeit einst
Und war die Königin der ganzen Erde.
Der Mensch jedoch begann mit Krieg und Mord,
Mit Vergewaltigung und Gier nach Geld,
Da floh Asträa in den dritten Himmel.
Doch wird sie wiederkommen in der Endzeit!
Das ist die Jungfrau Dina, die wir preisen.
Und in der Offenbarung des Johannes
Erscheint Maria, stehend auf dem Halbmond,
Bekleidet einzig mit dem Licht der Sonne,
Auf ihrem Haupt der Kranz des Zodiak,
Zwölf Sterne kränzen Unsre Liebe Frau.
Und in dem Kranz der Himmelskönigin
Ist Dinas Stern der allerschönste Stern!

VI

Nun preisen wir der Kabbalisten Weisheit.


Die Herrlichkeit, die allerhöchste Schönheit,
Ist ewig herrlich, ewig wunderschön,
In ihr erscheint das ganze Reich der Engel,
Der Throne, Cherubim und Seraphim,
Und Gabriel und Michael und alle
Schutzengel aller Menschen auf der Erde.
Die Throne werden Götter auch genannt,
Die Cherubim die Engel sind der Weisheit,
Die Seraphim der heißen Liebe Engel.
Die Himmlischen erschufen sieben Himmel.
Wie ist der Name nun der Herrlichkeit?
Es ist der Schönheit Name Adonai,
Sie ist das Reich der Himmel auf der Erde.
Sie ists, von welcher alle Namen kommen,
Sie ists, die alles in der Welt erneuert.
Wie ist ihr Name? Der Allmächtige!
Sie, sie ist Gottes Wohnung in der Schöpfung,
Sie, sie ist Gottes himmlischer Palast,
Sie, sie ist Gottes Zelt und Tabernakel,
Sie, sie ist Gottes Lustort in dem Himmel,
Sie, sie ist Gottes Paradies und Lustschloss!
Von ihr hat David seine Königskrone,
Von ihr hat Salomo die Weisheit Gottes.
Sie ist die Mutter aller weisen Männer.
Sie lehrt die Bibel und die Tradition,
Sie lehrt uns die Torah und den Talmud.
Sie, unsre Meisterin und Lehrerin,
Sie ist die Nacht, die dunkle Mutter Nacht,
Sie ist der unbefleckte Spiegel Gottes.
Was schaun wir aber in der Schönheit Spiegel?
Die Mütter schaun wir in der Schönheit Spiegel!
Wir schauen Rahel mit den schönen Augen,
Wir schauen Lea mit den großen Brüsten,
Wir sehen Silpa, sehen Bilha dort,
Die Mägde der zwei Frauen Israels,
Wir sehen Jungfrau Dina in dem Spiegel!
Der Gottesschönheit unbefleckter Spiegel
Uns offenbart die Herrlichkeit von Dina!

(Die Hymne sang mein Geist für Dineke.)

ZWEITE HYMNE
AN DIE GÖTTIN SUSANNA

Meine Muse Urania, sing mir die Hymne der Jungfrau,


Sing mir die heilige Hymne der reinen Göttin Susanna!
Ich, o Muse, dein Priester und dein Prophet und dein König,
Bin nur die Schwanenfeder in deinen schneeweißen Händen.

Siehe, wie von Susanna singen die heiligen Schriften


Der Hebräer durch des Propheten Daniel Lippen.
Nämlich in Babylon lebte weiland der Juden Gemeinde,
Da war Joachim angesehen in der Gemeinde,
Hochverehrt, in seinem Hause versammelte immer
Wieder jeden Freitag sich die Gemeinde zum Lesen
in den heiligen Schriften und zu Streitdiskussionen.
Dieser erhabene Jude war vermählt mit Susanna,
Welche von allen verehrt ward als ein Inbild der Keuschheit,
Jener Keuschheit, die zukommt dem heiligen Bette der Ehe.
Diese Susanna war von reiner Lilienschönheit,
Braunem Haar und großen und warmherzigen Augen,
Sinnlichen Lippen, faltenlos waren die niedlichen Brüste.
Diese Susanna nahm nun in einem Sommer in Babel
In dem eigenen Garten des Hauses unter den Tulpen
In der aufgestellten Wanne ein Bad, dabei halfen
Ihr die zwei Mädchen Dina und Lea, die brachten die Seife.
Aber in den Büschen von Zaubernüssen standen zwei Männer,
Älteste der Gemeinde, voll von lüsterner Geilheit,
Und betrachteten gierig die nackte Susanna im Bade,
Wie sie ihre Schwanenbrüste im Schaume gebadet.
Heiß erhitzt von dem Dämon Eros traten die Männer
Aus den Zaubernüssen und traten zur nackten Susanna,
Die war allein im Bad, denn ihre blondlockigen Mädchen
Waren wieder ins Haus gegangen zu fleißiger Arbeit.
Aber die Männer sprachen frech zur nackten Susanna:
Komm und schlaf mit uns, mit uns beiden gleich hier in dem Garten.
Aber Susanna errötete, sagte voll stolzer Empörung:
Unbefleckt sei das Ehebett! Ich bewahre die Keuschheit!
Darauf die Männer, umgetrieben vom Dämon der Unzucht:
Bist du nicht willig, verklagen wir dich vorm Gericht der Gemeinde,
Sagen, wir hätten dich gefunden mit einem Geliebten
Ehebruch treiben im Garten, siehe, dann wirst du gesteinigt.
Aber Susanna betete: Herr der Barmherzigkeit, Vater,
Rette mich aus der Not und bewahr mir die Krone der Keuschheit!
Und zu den Männern sagte Susanna: Verklagt mich vorm Richter,
Ich vertraue mich ganz meines Gottes barmherzigen Händen,
Aber ich geb mich nicht hin der Gier von euch Frevlern und Sündern!

Komm, o Muse, und singe die kriminale Geschichte,


Wie die junge Susanna kam vors Gericht der Gemeinde,
Wie sie ward des Ehebruchs angeklagt da von den Alten,
Welche sagten, sie hätten Susanna im Garten gefunden
Nackend im Bad und ihr zu Füßen ein reizender Jüngling,
Der begehrte, mit ihr die Ehe zu brechen in Sünden,
Die den Sündern so süß, in ehebrechenden Lüsten.
Aber Susanna bestand auf ihrer Ehre der Unschuld,
Rief zum Zeugen den Himmel an, den Stifter der Ehe.
Und der Vater erhörte Susanna Beten und Flehen,
Sandte in der Juden Gemeinde einen Propheten,
Daniel, der besaß die Weisheit der heiligen Götter.
Dieser Daniel trat als Kommisarius auf und
Fragte den Ersten: Wo hast du denn Susanna gesehen
Nackend die Ehe brechen mit ihrem reizenden Jüngling?
Da log der Alte: Unter einer Zaubernuss Zweigen!
Daniel aber kannte gut den Garten Susannas,
Überführte den Alten seiner lüsternen Lüge
Und bedrohte ihn mit dem strengen Gerichte der Engel.
Darauf befrug er den zweiten Alten, der sagte die Lüge:
Unter der roten Blutbuche Blättern buhlte Susanna!
Aber Daniel kannte den schönen Garten Susannas,
Überführte den Zweiten und drohte mit göttlicher Rache.
Da ward Susanna frei gesprochen vom Juden-Gerichte,
Weil sie Daniel gut verteidigt, ja, kriminalistisch
Ihre Unschuld bewiesen und ihre ehliche Keuschheit.

O meine himmlische Muse, singe die Göttin Susanna,


Wie sie Hebräer und Perser verehrten, im griechischen Mythos,
Da sie die keusche Jungfrau Athene mit Augen der Eule
Nackend im Bade war, wo sie Teiresias schaute!
Also lass ertönen, o Muse, die himmlischen Verse
Von der heiligen Jungfrau-Göttin Susanna Athena
Und besinge das Schicksal des erblindeten Sehers!

Dieser Teiresias war ein Priester des Wolkenversammlers


Zeus, als er am Berge Kyllini Schlangen gesehen,
Männliche Schlange und weiblich Schlange, sich zeugend begatten,
Aber Teiresias tötete da die weibliche Schlange,
Daraufhin ward Teiresias in ein Weibchen verwandelt,
Dieses Weibchen Teiresias wurde Priesterin Heras,
Zeus' Gemahlin und Schwester Hera mit Lilienarmen.
Diese Priesterin Heras hat geheiratet, zeugte
Kinder, darunter die berühmte Seherin Manto.
Sieben Jahre vergingen. Da traf Teiresias wieder
Kopulierende Schlangen, da er das Männchen getötet.
Daraufhin ward Teiresias wieder zum herrlichen Manne.

Also hatte er erfahren das Leben des Mannes


Und das Leben der Frau. Da baten den Priester die Götter
Zeus und Hera, zu sagen, welches Geschlecht in der Liebe
Größere Lust empfinde. Zeus, der Vater der Götter,
Sagte, die Frauen fühlten mehr Lust in der sinnlichen Liebe,
Hera meinte, die Männer hätten mehr Lust in der Liebe.
Da sprach Teiresias: Recht hat Zeus, der Vater der Götter,
Zeus, der Vater der Menschen, denn die Frauen empfinden
Neunmal so intensiv wie Männer die leibliche Liebe.
Da entbrannte Hera in Wut und strafte den Priester,
Ließ ihn kurzsichtig werden. Aber der Vater im Himmel
Zeus gab seinem Priester die Hellsichtigkeit des Propheten.

Hier aber kam Susanna! Nämlich die Göttin Athene


Badete nackt, die makellose Jungfrau der Weisheit,
Die ja bereits in Rüstung stieg aus dem Haupte des Vaters,
Hier aber war die Göttin mit den Augen der Eule
Nackt in Bad. Teiresias sah die nackige Jungfrau,
Sie erblickte den Spion im Hause der Liebe,
Zürnte, strafte, da erblindete plötzlich der Priester!
Weinend sagte er das seiner Mutter Chariklo, diese
Betete innig zu der heiligen Jungfrau der Weisheit:
Gib meinem Sohne Teiresias wieder die Sehkraft der Augen,
Himmlische Göttin Athene, wunderwirkende Jungfrau!
Aber Athene sagte zur Mutter Chariklo leise:
Was die Götter einmal beschlossen, das bleibe bestehen,
Aber weil du mich anflehst und rührst mich im heiligen Herzen,
Mache ich deinen Sohn zum Propheten, zum Seher und Weisen,
Selbst im Hades wird bei ihm bleiben die Gabe der Weisheit!

Dieser Teiresias hat den gewöhnlichen Menschen verraten


Die Geheimnisse göttlicher Weisheit, darum die Götter
Zürnten dem Priester, er stand unterm Zorne des himmlischen Vaters.
Seine Prophezeiungen aber, Sinnsprüche, weise
Sprichwörter, epigrammatisch kurz, waren treffend.
Aber nicht gerne gab er die Weisheiten preis den Profanen,
Widerwillig nur predigte er, verkündete Wahrheit.

Also im Kriege der Sieben gegen das heilige Theben


Prophezeite Teiresias: Einer muss freiwillig sterben,
Nur durch den Opfertod des Einen wird Theben gerettet!
Also sprach er. Da hat sich Megareus dem Tode ergeben,
Freiwillig starb er, um das Volk von Theben zu retten.

Dann trat Teiresias auf im Geschick von Ödipus König.


Ödipus forderte auf Teiresias, er solle helfen,
Nachzuforschen, den Mörder seines Vaters zu finden.
Aber Teiresias, er verweigerte Antwort der Frage,
Sprach nur: Du willst den Mörder deines Vaters nicht finden.
Ödipus ward entdeckt als Mörder des eigenen Vaters,
Blendete sich und irrte umher als blinder Verbannter.
Wieder trat Teiresias auf. Antigone nämlich
Hatte gegen des Königs Kreon Gebote begraben
Ihren Bruder, nach dem alten Naturrecht der Mütter,
Aber der König verurteilt Antigone grausam zum Tode,
Zum Verhungern in einer Felsenhöhle. Die Götter
Sandten Teiresias, der zum König vom Zorn sprach der Götter.

Schließlich starb Teiresias, als er vom Wasser getrunken,


Aus der Quelle Tiphussa. Teiresias kam in den Hades
Zu den Schatten, wo ihn der Dulder Odysseus besuchte.
Da war Teiresias auch im Totenreiche ein Seher,
Sprach zum Dulder Odysseus von dem Schicksal der Irrfahrt,
Sprach von den Herden des Helios auf Trinakia, aber
Des Odyssseus Genossen hörten nicht auf den Seher.

Hesiod lag einst am Hange des Berges der Musen,


An des Helikon Hang, da er geweidet die Lämmer,
Lag im Grase und schlief, der Hirte, da hört er die Musen
Singen von Aktäon, der freite Semele, seine
Tante, die Tochter des Kadmos, ward so zum Rivalen des Höchsten,
Zeus nämlich wars, der in Semeles Schoß den Dionysos zeugte.
Darum starb auch Aktäon. Aber als er gestorben,
Wollten seine Hunde sich nicht beruhigen lassen,
Bis der Zentaure Chiron eine Statue machte
Von Aktäon, der legten sich friedlich die Hunde zu Füßen.
Aber Pausanias, Stesichoros folgend, erzählte,
Die jungfräuliche Göttin Artemis habe Aktäon
In einen Hirsch verwandelt, bevor er Semele freite,
Seine Tante, die wurde die Geliebte des Höchsten
Und des Dionysos heilige Mutter, bis sie zum Opfer
Fiel der Eifersucht Heras, der Schwester und Gattin des Höchsten.
Als Aktäon gestorben, kam seine Mutter und suchte
Seine Gebeine, Autonoe hieß sie, und wanderte ziellos
In der Gegend umher, und fand ihr Grab in Megaris.

Aber Orchomenos berichtet vom toten Aktäon,


Dass er umging als ein Gespenst und bewarf die Bewohner
Seines Dorfes mit Steinen. Sie fragten das Gottes-Orakel,
Folgten der Prophezeiung und machten ein Bronzebild kunstreich
Von dem Heros und nagelten es an den Felsen des Ortes,
Da ging Aktäon nicht mehr als nächtlicher Spuk und Gespenst um.

Stesichoros besang in seinem Epos Europa


Auch Aktäon, wie er versuchte, Semele, heilig
War sie dem Zeus als Geliebte, zu vergewaltigen grausam.

Euripides beschrieb den Neid der Jagdgöttin, Jungfrau


Artemis, auf den Erfolg des Aktäon beim Jagen mit Hunden,
Dieses führte nun zu seinem schmählich-schrecklichen Ende.
Er ward als Hirsch zerrissen von seinen eigenen Hunden.
Nach dem Tod Aktäons sammelten alle die Hunde
Sich in einer Höhle. Die Mutter Autonoe suchte
Diese Höhle auf, der Hunde Betörung zu lösen.
Nun erst erkannten sie, dass sie den eigenen Herrn im
Zorn der Verzauberung hatten zerfleischt. Die Hunde bereuten.
Anvertraut wurden die Hunde dem neugeborenen Gotte,
Zeus' Sohn Dionysos, einem Vetter des Jägers Aktäon,
Der gestorben war auf dem berühmten Gebirge Kithäron.

Laut der reichen Bibliothek des Apollodorus


Sah Aktäon beim Jagen in einem Tal bei Platäa
Die jungfräuliche Göttin Artemis nackt in dem Bade,
Die mit den Nymphen badete in der Parthenischen Quelle.
Siehe! Hier ist die Göttin Susanna nackt in dem Bade!
Aber Aktäon ward entdeckt und ward von der Göttin
Mit dem Wasser der Quelle bespritzt, worauf er verwandelt
Ward in einen Hirsch, von seinen eigenen Hunden
Ward er gejagt und auf dem Berge Kithäron zerrissen.
Heulend suchten im ganzen Lande die Hunde den Herrn und
Wurden erst in Chirons Höhle beschwichtigt, als Chiron
Zeigte den Hunden das Bronzebild des Jägers Aktäon.
Mutter Autonoe sammelte ein des Sohnes Gebeine.

Diodoros Sikilos aber berichtet, Aktäon


Habe der Göttin Artemis Hirsche mit Hufen und Köpfen
Opfernd geweiht, die Beute der Jagd, doch dann hat der Jäger
Gar versucht, die Jungfrau im Heiligtum selbst zu verführen
Und mit ihr zu verkehren vor der heiligen Ehe,
Dann aber wollte er heiraten sie, die göttliche Jungfrau.

Aber Ovid beruft sich auf Kallimachos, den Griechen,


Nachahmend singt der römische Dichter vom Jäger Aktäon,
Enkel des Kadmos war er. Nach erfolgreichem Jagen
Hatte zur Mittagszeit er die Genossen mit Speeren und Netzen
In die Dörfer geschickt. Jedoch die Göttin Diana,
Von den Griechen ward sie verehrt als Artemis, Jungfrau,
Jägerin, Jungfrau Diana badete nackt in dem Bade.
Siehe! Hier ist die Göttin Susanna nackt in dem Bade.
In Böotien wars, in Gargaphia, im Walde,
In dem heiligen Hain der Jungfrau-Jägerin-Göttin,
Da sie in einem Waldsee badete, kam von der Jagd sie.
Eine der Nymphen nahm ihr ab den Pfeil und den Bogen,
Krokale richtete ihre Haare, kastanienbraune,
Während die Nymphen Nephele und Hyale und Rhanis,
Psekas und Phiale die Göttin wuschen mit Wasser.
Sorglos durch das Walddickicht streifend, nahte Aktäon
Ohne Absicht dem Waldsee, wo er schaute die Jungfrau,
Wo er die Badende schaute, nackt im Waldsee die Göttin.
Zwar die keuschen Nymphen versuchten die Nacktheit der Göttin
Mit den eigenen Körpern zu verdecken, die nackten
Nymphen, aber die Jungfrau überragte die Nymphen
Und errötete unter den Blicken des Heros Aktäon.
Ihres Bogens beraubt und ihrer gefiederten Pfeile,
Sie bespritzte den Heros mit dem Wasser des Waldsees,
Rief: Nun sag, wenn du kannst, du habest mich nackig gesehen!
Daraufhin wuchs Aktäon ein Geweih aus der Stirne,
Seine Ohren wie Hirschohren wurden länger und länger,
Seine Hände und Füße wurden gespaltene Hufe
Und ein scheckiges Fell bedeckte den Körper des Heros.
Er ergriff die Flucht, die eigene Schnelle bestaunend.
Als er sein Spiegelbild zuletzt im Wasser erblickte,
Wollt er vor Staunen rufen, doch seine menschliche Stimme
War geschwunden, und nur ein Stöhnen entrang sich der Kehle.
Einzig sein Denken blieb unverändert, sein menschliches Denken,
Tränen rannen hernieder über sein pelziges Antlitz.
Reue und Scham hielt ihn zurück vom Palast seines Vaters,
Furcht ergriff ihn im Walde und im düsteren Dickicht.
Während er nachsann, erspähten ihn die Hunde des Jägers,
Sie verfolgen den Hirsch, von seinen Freunden gehetzte,
Die nur bedauern, dass nicht Aktäon war bei der Hetze.
Zwar die Freunde riefen nach ihm, doch nicht sie bemerkten,
Dass der Hirsch noch hörte auf den Namen Aktäon.
Da zerfleischten den Hirsch Aktäon die eigenen Hunde.

Aphrodite, die Göttin der Liebe und herrlichen Schönheit,


Kopulierte mit manchem Heros und wurde entjungfert,
Aber sie nahm darauf ein Bad und stellte aufs Neue
Ihre Jungfräulichkeit her. So sing ich die Bäder der Venus.
Nämlich auf Zypern bei den Bädern der himmlischen Venus
Führt ein schmaler gepflasterter Weg in wenig Minuten
Zu dem sagenumwobenen Orte. Ob es geholfen,
Fragte spöttisch ein Spötter, denn verbotenes Baden
In dem Bade der Göttin bringt dem badenden Menschen
Jugendschönheit zurück und Kraft und Glück in der Liebe.

Strenge Verbotsschilder an dem Rande des Bades der Venus


Sagen: Steige nicht in das Bad und schwimm nicht im Wasser!
Aber die Leute hüpften reihenweise ins Wasser
Mit dem Wunsch, zu verjüngen wieder die Schönheit des Körpers.

In dem natürlichen Wasserbecken mit sprudelnder Quelle


Unter einem Felsüberhang sah Akamas einmal,
Sohn des Theseus, im Bade nackend die Göttin der Liebe.
Aphrodite tat, was tun muss die Göttin der Liebe,
Sie vereinigte sich mit dem Jüngling im ersten Momente.
Aber die Göttin der Verleumdung verleumdete beide
Bei den olympischen Göttern, und Zeus, der Vater im Himmel,
Zeus befahl der Venus, hinan zu fahren gen Himmel.

Aber mit diesen mystischen Ort gemeint ist vielleicht doch


Eine westlich gelegene Meeresbucht, die Fontana
Amorosa, von der die Bewohner der Gegend auch glauben,
Dass sie sei die eigentliche Quelle der Liebe.
Wer aus der Quelle der Liebe trinkt, die Schönheit der Jugend
Kommt ihm zurück, die Kraft der Jugend und Glück in der Liebe,
Ja, ein Tropfen vom Wasser macht dich gleich zum Verliebten.
Zweifler, die bezweifeln die Gnaden der Göttin der Liebe,
Trinken von beiden Wasserstellen, aber wer lieber
Hat die Gesundheit als die Liebe, trinkt besser von keiner.

Die Fontana Amorosa mit Kieseln am Strande


Ist nicht spektakulär, doch angekommen am Quellort,
Kann man genießen alle Eigenschaften des Nasses,
Jugendlich schön zu werden und sich schnell zu verlieben,
Auf den ersten Blick zu lieben nach Weise der Venus,
Ja, den Ersten, der einem begegnet am Strande der Liebe.
Also Vorsicht, mit wem du pilgerst zur Quelle der Venus!

So wie Susanna angeklagt ward vorm Gericht der Gemeinde,


So stand vorm Gerichte auch Phryne, die schönste Hetäre.

Ursprünglich trug sie den Namen Mnesarete, der Name


Hat die Bedeutung: Sie ist eingedenk heiliger Tugend.
Aber weil sie so schön war, nannte man später sie Phryne,
Ist ein ironisches Kosewort und bedeutet: Die Fröschin!

Sie ward geboren in Thespiä, war des Epikles Tochter.


Erst verdiente sie Geld als Händlerin leckerer Kapern,
Kam aber dann nach Athen, wo sie aufgrund ihrer Schönheit
Geld bekam von den Freiern und bald war sie reiche Hetäre,
Ja, ihr Reichtum erlaubte es ihr, zurückhaltend-vornehm
Aufzutreten, nicht öffentliche Bäder besuchend,
Keine Schminke verwendend und tragend lange Gewänder.

Nach der Zerstörung Thebens durch Alexander den Großen


Wollte sie Theben wieder errichten auf eigene Kosten,
Dafür sollte Theben sich schreiben den Vers auf die Mauer:
Theben wurde zerstört durch Alexander den Großen,
Aber wieder erbaut von Phryne, der schönsten Hetäre!

Athenäus erzählte, dass bei den Zeremonieen


Der Mysterien von Eleusis öffentlich Phryne
Vor der Gemeinde der Heiligen abgelegt all ihre Kleider
Und anschließend nackt im Mittelmeere gebadet,
Dass da riefen die Mystiker: Aphrodite erscheint uns!
Diese Vision der badenden Phryne und wie sie dann aufstieg
Aus dem Schaume des Meeres, bewegte den Künstler Apelles,
Aphrodite Anadyomene zu malen
Nach dem Modell der badenden Phryne, der nackten Hetäre.
Auch für Praxiteles stand Modell die nackige Phryne,
Der nach ihr gebildet die Venus Knidia, nackte
Göttin, die zu erotisch war für Griechenlands Tempel,
Nur die Insel Knidos wollte die nackige Göttin,
Stellte die Statue auf im allerheiligsten Tempel.
Ein Verehrer ließ sich einschließen nachts in dem Tempel
Mit der Göttin allein, und am Morgen fanden die Priester
Männliche Samenflecken auf den Schenkeln der Göttin.
Phryne stand Modell und Praxiteles formte den Marmor,
Das war der Anfang, und in der Folge standen Hetären
Immer Modell für die Venus-Statuen griechischer Künstler,
Griechenland betete an die nackte Göttin der Schönheit,
Griechenland glaubte in Wahrheit an vergöttlichte Huren.

Nun Praxiteles bildete wieder die schöne Hetäre


Phryne, und diesmal in Gold und stellte die Statue Phrynes
In den Tempel von Delphi zu dem Orakel von Delphi.
Aber der zynische Weise Krates bemerkte zum Goldbild
Phrynes, das sei das Inbild der Verschwendungssucht Delphis.

Phryne wurde dann von Euthias angezeigt. Dieser


Klagte sie an wegen Schamlosigkeit im offnen Lyceum
Und wegen Einführung einer neuen Gottheit der Liebe.
Phrynes Advokat war Hesperides, der Dummkopf.

Dieser Advokat verteidigte schlecht die Hetäre.


Als es zum Urteilsspruch kommen sollte, da half die Hetäre
Besser sich selber, sie riss die schönen Kleider vom Körper,
Warf sich mit nackten Brüsten vor dem Richter zu Boden,
Der sprach sie frei, denn nicht des Advokaten Geschwätze
Überzeugte den Richter, sondern die göttliche Schönheit.
Als die Verurteilung drohte, brachte ihr Anwalt und Freier
Hesperides sie in die Mitte des Hohen Gerichtes
Und entkleidete sie. Da sprach der Richter das Urteil:
Vor uns erschienen ist Aphrodite mit göttlichen Brüsten!
O wir glauben an die Unschuld der Göttin der Schönheit!

Nun belehrte uns der Historiker Tacitus, Romas


Großer Politiker, in der Schrift Germania über
Die germanische Göttin Nerthus, eigentlich Hertha,
Mutter Erde, die fuhr im von Kühen gezogenen Wagen
Durch das Land an der Küste und schenkte Frieden und Freude
Und der Landwirtschaft Fruchtbarkeit. Und nach diesem Umzug
Badete nackt die Göttin in dem Teiche der Hertha.
Siehe, hier ist die badende nackte Göttin Susanna!
Aber die Knechte der Göttin, die ihr halfen beim Umzug,
Wurden beim Bade der nackten Göttin Hertha geopfert.

Dieser Hertha-See lag in der Stubnitz. Die Halbinsel Rügen


Mit dem Orte Jasmund war der Ort des Geschehens,
Bei dem Borgsee und dem Borgwall feierte Hertha
Ihre Herrschaft des Friedens und der Fruchtbarkeit Freuden.
Und ein romantischer Dichter schrieb von der Wandrung durch Rügen:
Die Altäre duften von Brandopfern. Schöne Gesänge
Tönen durch grüne Gefilde un d durch heilige Haine.
Hocherhabene Hymnen erwecken die schlummernde Echo.
Alle Wege sind schön bedeckt mit blühenden Blumen.
In den ödesten Winkeln rosten die Waffen der Krieger.

Bei dem Hertha-See und der Hertha-Burg steht die Buche,


Steht die heilige Hertha-Buche, da Priester gepredigt
Weissagung nach dem Stürmen des Windes im Laube der Buche.
Dort steht auch der Opferstein, wo man Lämmer geschlachtet.

Nun auch sehn wir die nackte Jungfrauengöttin Susanna


In den Sagen von den Schwanenjungfraun des Himmels.
Diese sind den Germanen Walkyren, Feen und Elfen.

Nämlich der unvermählte Jüngling sah in der dunklen


Nacht im Mondschein die Schwanenjungfrau nackt in dem Bade
Eines Waldsees, das Schwanengefieder lag an dem Ufer.
Und der Jüngling stahl der Schwanenjungfrau das Kleidchen.
Darum konnte die Jungfrau nicht wieder zum Schwan werden, konnte
Nicht dem begierlichen Jüngling entfliehen zum rettenden Himmel.
Aber der Jüngling schlief mit der nackten Jungfrau im Walde,
Sie ward schwanger, gebar ihm einen lieblichen Knaben,
Dieser Knabe verriet ihr eines Tags, wo der Vater
Heimlich versteckt hielt das weiße Kleidchen der Jungfrau und Schwanin,
So dass die Schwanenjungfrau fliehen konnte gen Himmel.

So auch im Nibelungenliede können wir hören


Von zwei Schwanenmädchen, die lebten am Ufer des Rheines,
Die erschienen, als Hagen von Tronje, Siegfrieds Verräter,
Dort im Rheine den Schatz der Nibelungen versteckte.

In dem Wölundsliede der Lieder-Edda vernimmt man,


Dass drei Brüder Schwanenjungfraun geheiratet hatten,
Alle drei Jungfraun entflohen nach sieben Jahren den Männern.
Wölund machte nicht den Versuch, seine Jungfrau zu finden,
Darum muss er bei König Nidung bleiben als Diener,
Stellte sich Schwanenflügel her und entfloh seinem König.

Auch in China, dem herrlichen gelben Reiche der Mitte,


Ist die Schwanenungfrau bekannt. Die Flügelgewänder
Eines Vogelmädchens hatte ein Jüngling gestohlen,
Als sie badete nackt im See. Drei Knaben gebar sie
Jenem Jüngling. Später fand sie das Flügelkleid wieder
Und entfloh gen Himmel. Später kehrte sie wieder,
Brachte mit sich drei Flügelgewänder und holte die Knaben
Heim in den Himmel, des Vogelmädchens liebliche Heimat.

Also hab ich gesungen den Mythos der Göttin Susanna,


Wie mir die Muse diktierte die homerische Hymne.
O du himmlische Göttin Susanna, heiligster Reinheit,
Heiligster Keuschheit voll, du Makellose, Allreine,
Zeige am Himmel dich in deinem schwanweißen Kleide
Und entblöße die Brüste, spende die Milch allen Trostes,
Komm und erscheine der Menschheit über Jerusalem, Jungfrau,
Gib von Germanien bis nach China der Menschheit den Frieden,
Schenke der Schöpfung Fruchtbarkeit, Grünkraft, neue Gesundheit,
Schenke deinen Verehrern Seelenruhe und Frieden,
Freude im heiligen Geist und Freudenmädchen des Himmels!

DRITTE HYMNE
AN DIE GÖTTIN ANNA

Komm vom Himmel zu mir, o heilig göttliche Anna,


Dass ich singe dein Lob, wie es die Muse diktiert!
Dich will ich preisen als die weltweite göttliche Mutter,
Von den Völkern verehrt und von der Menschheit geliebt.

Huwass-Anna nannten sie dich, die luwitische Göttin,


Die du das Zentrum warst in dem gesegneten Kult,
Den sie gefeiert in Hupisna, in Ereglis Mauern,
Da das versammelte Volk pries dich die Mutter des Volks.
Die hethitischen Dichter besangen die heiligen Feste,
Die man Anna geweiht, da man der Göttin Geburt
Und der Göttin Abscheiden in den Himmel gefeiert.
Jeder Hethiter-Poet mühte im Lobgesang sich,
Mit luwitischen Worten die luwitische Göttin
Zu verehren, die sie geistig und sinnlich geliebt.
Wenige wissen heute noch von der göttlichen Anna,
Ihre Funktion im Kult heute ist wenig bekannt.
Ach, wie vergesslich ist doch die Menschheit der heiligen Mutter,
Aber darum bin ich gesandt, dass ich die Göttin besing,
Dass ich verkünde die Gnade und Barmherzigkeit Annas,
Schönheit und Liebe und Krieg, Mutter der Armen im Volk.

Zwar der hethitische Staat und seine staatliche Kirche


Feierten Anna nicht, einzig den männlichen Gott
Feierten König und Hohepriester, den Vater der Götter,
Der im Donner sprach, der in dem Wettersturm kam,
Aber die Kinderlein und die alten Weiblein des Volkes
Und die Armen und die Dichter des Lobes der Frau
Sangen in privater Verehrung die göttliche Anna,
Liebten sie inniger noch als den gewitternden Gott,
Weihten sich ihren Brüsten und ihrem sauberen Herzen,
Hofften von ihr den Trost, wenn sie die Trauer befiel.
Anna hilft immer! sagten die Frauen und Kinder und Dichter,
Aber Kirche und Staat ehrten die Himmlische nicht.

An den Feierlichkeiten des heiligen Kultes der Göttin


Tempelpersonal war in dem Tempel geweiht,
Priester, mit heiligen Mädchen zusammen, sangen die Hymnen,
Priesterinnen auch dienten mit Lehre und Wort,
Heilige Huren erquickten in heiligen Hainen die Männer,
Wer sich der Hure vereint, ward mit der Göttin vereint.
Die Verehrer brachten als Opfergaben der Göttin
Heiliges Brot und Salz, brachten das Traubenblut dar.
Die Verehrer beschenkten mit silbernen Münzen die Armen,
Warmen Getränken und Brot, Butter und Käse dazu.
Priesterinnen gemeinsam mit heiligen Sängern verehrten
Anna mit Psalmengesang, der zu dem Psalter ertönt.
Weise belehrten die Gemeinde mit Sprüchen der Weisheit,
Weise Frauen im Kult weihten der Heilkräuter Kunst.
Nämlich Anna ward nicht verehrt nur als Göttin der Liebe,
Auch der Gelehrsamkeit Göttin, des Studiums war
Anna, die Göttin ekstatischer Mystik und denkender Weisheit.
Und der Priester von Gott gab seinen Segen dazu.

Mehrere Tage feierten Menschen das Jahresfest Annas


Und das Sahhan-Fest, da sie die Göttin geliebt,
Und, wie die Tafelfragmente bezeugen der heiligen Schriften,
Auch ein Hochzeitsfest, da in dem bräutlichen Bett
Droben im Himmel die heilige Anna, die Göttin der Liebe,
Ihren Gatten empfing, und mit dem Manne verschmolz.

An den Festen wurde der heilige Rotwein getrunken


Und das himmlische Brot brachte der Gottheit man dar.
Was die Hethiter nicht kannten, aber im Kulte der Göttin
Anna klar ist bezeugt, das ist der kultische Kuss,
Da die Brüder die Schwestern küssen mit Küssen des Friedens,
Einmal nicht nur, der Kuss wurde da oftmals geküsst,
So in Ishtanuwa, der Stadt, die heiligen Küsse
Von dem luwischen Volk wurden im Tempel geküsst.

Auch ein Reinigungsritual gabs im Kulte der Anna,


Von der Priesterin Pappi im Tempel vollführt,
Um die Kranken zu heilen, die krank an Körper und Seele,
Wenn der Göttin Zorn Krankheit den Menschen gebracht,
Dann die himmlische Göttin zu versöhnen mit Salbung,
Da man opfert das Öl, Feigen, Rosinen und Seim,
Dass die himmlische Anna wieder schließe die Freundschaft
Mit dem Menschen, der krank, bittet um göttlichen Trost.
Frauen brachten der Göttin Anna Kuchen zum Opfer
Mit der Göttin Bild, Kuchen in Form einer Brust.

Neben der Göttin Anna, Anna bedeutet die Mutter,


Wurden auch andere Fraun droben im Himmel verehrt,
Anna war nicht eifersüchtig, wenn Dichter lobsangen
Der Aruna, dem Meer, oder Sar-Mamma, dem Fluss,
Und in Kuliwischna, der Stadt, lobsangen die Dichter
Auch die Göttin der Lust, Ishtar, von Huren geliebt.

II

Anna ist des alten Anatoliens Göttin,


Als die Assyrer-Macht kolonialistisch geherrscht
In Kleinasien, da ward in Karum Kanesch die Göttin
Anna vom Volke verehrt, Altanatoliens Volk.

Anna war die Hauptgöttin in dem Gebiete von Kanesch,


Göttin der Göttin sie, Mutter der Götter war sie.
Schwurgöttin war sie in den Verträgen assyrischer Händler,
Wenn sie handelten mit Altanatoliens Markt,
Da erschien sie neben dem Gott der Assyrer, Gott Assur.
Göttin von Kanesch sie rief man und Göttin der Stadt.
Und der König von Kanesch besuchte Anna im Tempel
An dem Tag ihres Fest, weihte der Göttin sein Amt,
Denn er war der König von Kanesch von göttlichen Gnaden,
War der Göttin geweiht, sie war die Herrin des Herrn.
Zweitausend Jahre vor Christus ward gestürzt von dem Throne
Göttin Anna durch Baal, Baal, den verfluchten Stier,
Diesen donnernden, regnenden Gott der assyrischen Herrn.
Altanatolien, du bliebest der Göttlichen treu.
Aber von Syrien bis zu Mesopotamiens Strömen
Herrschte der Wettergott, Baal, der Verfluchte des Herrn.

Aber die Göttin Anna wird auch erwähnt in den Texten


Der Hethiter zur Zeit, da war gewaltig ihr Reich,
Meist im Zusammenhang mit dem alten luwischen Kulte.
Da man die Göttin verehrt, Anna, die Mutter des Volks.
Göttin Anna, identisch mit der Anna von Kanesch,
Huwass-Anna genannt ward in Hupisna vom Volk.

III

Anna, auch Annu genannt von ihren verliebten Verehrern,


Göttin der Kelten sie war in dem irischen Land,
Die von den Iren verehrt ward als die göttliche Mutter,
Bis mit Sankt Patrick kam Gottvater, Jesus und Geist.

Anna ward im Buche von Cormacs Flüstern gepriesen


Als die Mutter der irischen Götter, man pries
Sie als mater deorum Hibernensium, Anna,
Mutter Gottes, im Buch über die Namen verehrt
Ward sie als Fruchtbarkeitsgöttin, verantwortlich für das Gedeihen
In der grünen Natur, Und in der Landnahme Buch
War sie identisch mit Morrigan, mit der Göttin des Schicksals,
Tochter von Ernmas und Aed. Nach den Triaden vom Reich
Und der Insel Britanniens ist die heilige Anna
Gattin des Beli Mawr, Mutter des Afallach-Sohns.

Irland, die grüne Insel, ward von den Priestern der Muse
Land der Anna genannt. Dichter benannten das Paar
Schön geschwollener heiliger Hügel Brüste der Anna,
Paps of Ana. Zum Lob dieser geheiligten Frau
Werden nahe den heiligen Hügeln, den Brüsten der Anna,
In der Mittsommernacht heilige Feuer entfacht.

Anna ward auch verehrt als Göttin Danu und Danann,


Und in dem kymrischen Volk nannte Black Annis man sie.
Und das schottische Volk pries als Gentle Annie die Göttin,
Aber das keltische Volk nannte Annea die Frau.

In den Sagen und Märchen und im Volksglauben Irlands


Aine Cli heißt die Fee, Annu die Göttin ist das.
Aine war eine Tochter des Gottes Manannan, war Tochter
Seines Ziehsohns, vielleicht Tochter von Caulan, dem Schmied.
Sie hat dem irischen König abgebissen die Ohren,
Der vergewaltigt hat diese jungfräuliche Fee.
Sie aber liebte Fion mac Cumhaill, der sie nicht liebte.
Earl of Desmond, du hast unsere Göttin entführt
Und einen Sohn ihr gezeugt, und dieser Knabe der Göttin
Jedes siebente Jahr wieder gespenstisch erscheint.
Noch bis heute besteht der Glaube des irischen Volkes,
Der die Aine ruft, anruft die göttliche Fee,
Bittet in der Mittsommernacht um Fruchtbarkeit Anna
Und um Gesundheit von Leib, Psyche und denkendem Geist.

IV

Anna Perenna, ewig wiederkehrende Anna,


Ist eine Göttin von Rom, von den Etruskern verehrt,
Die Etrusker verehrten Anna als Erdmuttergöttin,
Ähnlich wie Gäa und auch ähnlich wie Tellus von Rom.

Anna Perenna ward am fünfzehnten Tage des Märzen


Mit einem Festmahl geehrt, Via Flaminia war
Die geheiligte Straße, da das Annafest stattfand,
Da man sich mächtig besoff. Mann, wie viel Becher du trinkst
Mit Wacholder-Wässerchen in der Festnacht mit Anna,
Soviel Jahre wirst du leben noch hier in der Welt.
Und die Männer tanzten, es tanzten erotisch die Mädchen,
Tanzten den Striptease-Tanz, alle die Lieder des Volks
Waren erotische Lieder am Fest der heiligen Anna,
Griechischer Anthologie nachgeahmt, lüstern, obszön.

Diese göttliche Anna war einst eine menschliche Anna,


Die dem römischen Plebs Kuchen gebracht hat statt Brot,
Selbstgebackene Kuchen in Form ihrer herrlichen Brüste,
Und die Armen ernährt, sie vom Verhungern erlöst.
Diese menschliche Anna ward zur Göttin vergöttlicht,
Apotheosen schrieb jeglicher Dichter der Frau.
Und man sang zu ihren Ehren obszöne Gesänge,
Sang vom Fellatio ihr und von dem Mentula ihr,
Sang vom Cunnilingus und von der Cunnus der Göttin,
Sang, wie Diogenes sich öffentlich selber gekrönt,
Wie die Kyniker kopulierten auf offenem Markte,
Pries sie als Venus porné, zeigte ihr Pornographie.

Mars der Kriegsgott war verliebt in die weise Minerva,


Die jungfräulich und keusch stets wies den Kriegsgott zurück.
Also ging Mars zu Anna, der pornographischen Göttin,
Sie sollte Kupplerin sein. Anna verkleidete sich
Als die keusche Minerva und spreizte dem Ares die Beine,
Der in dem Glauben war, Jungfrau Minerva zu frein.
Diese göttliche Anna war die Namenspatronin
Jener Anna, die war Schwester von Dido, so sagt
Naso, welcher selbst ein Verehrer der göttlichen Anna,
Darum er ins Exil ward von Augustus verbannt.

Anna-Purna will ich besingen, Fülle der Nahrung,


Anna-Purna, sie ists, die uns die Nahrung beschert,
Anna-Purna, die Mutter des Brotes, die göttliche Mutter,
Speisevolle, sie ist Göttin der Fülle, des Brots,
Sie ist eine Erscheinung der göttlichen Mutter Parvati,
Und ihr Attribut, das ist ein Kessel voll Reis,
Und sie steckt ihre Hände in den Kessel voll Nahrung,
Göttliche Hände, sanft, zärtlich und makellos schön.
Anna-Purna ist ein Berg im Himalaya Nepals,
Und eine Upanishad trägt ihren Namen zu Recht.
Anna-Purna ist eine Göttin des indischen Himmels,
Manifestation ist sie Parvatis, der Frau
Shivas. So sehen wir Shiva in Bildern als Bettler um Liebe,
Anna-Purna gibt Almosen gerne dem Gott.
Shiva ist ein Bettler um Liebe, Gaben empfangend,
Wir sind Bettler vor Gott, betteln um Gnade und Huld,
Wir sind Bettler, und Almosen schenkt uns die göttliche Mutter.
Wenn du zur Arbeit gehst, täglich den Lohn dir verdienst,
Dass du als Vater ernähren kannst die Frau und die Kinder,
Wenn auf dem Konto Geld, wenn du den Kindern was sparst,
Letztlich ist alles ein Almosen von der Göttin der Fülle.
Katastrophen im Reich unsrer geliebten Natur
Oder ein Hausbrand oder irgend etwas anderes, siehe,
Nichts mehr funktioniert. Also sei demütig, Mensch,
Wisse, die Göttin gibt uns alles, die göttliche Mutter
Gibt uns alles, was wir brauchen zum Leben der Welt.

So auch gibts ein Gebet, das ist eine heilige Hymne:


Göttliche Mutter, wir stehn hier wie die Bettler vor dir.
Bitte, du gibst uns Nahrung in Fülle, das tägliche Brot, gib
Weisheit und Wissen uns auch, Weisheit als Speise dem Geist!

Anna-Purna ist auch ein Berg im Himalaya Nepals,


Das ist ein heiliger Berg, der ist der Göttin geweiht,
Der ist geweiht der göttlichen Mutter der Fülle der Nahrung.
Und in dem Ashram nennt man, in dem Heiligtum nennt
Man die Küche Küche der Anna-Purna, der Göttin,
Wo man kocht den Reis, wo man Gemüse und Milch
Zubereitet, dies alles geweiht der göttlichen Mutter,
Auch der Abwasch darauf, auch ist der Einkauf geweiht
Dieser göttlichen Mutter, das Fleisch von heiligen Tieren
Und der gesegnete Kelch mit dem berauschenden Trank,
Alles zu Ehren der Göttin Anna-Purna, der Mutter,
Die die Hausfrau ist dort in der Zelle des Mönchs.

Anna-Purna versorgt uns mit Nahrung, die göttliche Mutter,


Die in Benares berühmt und in Kalkutta berühmt,
Anna-Purna, die Hindu-Göttin des täglichen Brotes,
Anna-Purna wird Brot Frommen im täglichen Mahl.
Alle ernährt sie, vom Brahmanen zum Paria, alle,
Nährt die Kinder mit Milch von ihrer eigenen Brust.
Sie wird angerufen, dass keiner Hunger mehr leidet,
Und wer den Kindern gibt Reis und gebratenes Huhn,
Der wird zur Hand der göttlichen Mutter, Barmherzigkeit spendend.
Aber Verschwendung von Brot, wirft man das Brot in den Müll,
Diese Wegwerfgesellschaft der reichen Kulturen im Westen,
Das erweckt in der Brust unserer Göttin den Zorn.

Shiva sprach zu Parvati, dass die Welt ist ein Trugbild,


Maya ist die Welt, Nahrung ist Maya. Da ward
Zornig die Mutter des Brotes und verschwand von der Erde,
Da blieb stehen die Zeit, da ward zu Leere der Raum,
Da verschwand die Erde aus dem galaktischen Weltraum,
Nirgend fand man mehr Brot, da kam die Hungersnot, da
Starben die Kinder der Menschen aus Mangel an Liebe und Nahrung.
Komm, o Mutter des Brots, komm auf die Erde zurück!

Mutter Parvati war erfüllt von barmherzigem Mitleid,


Herzlichem Mitgefühl, als sie das Leiden gesehn,
Als sie den Hunger gesehen der armen Kinder der Menschen,
Sie kam zurück in die Welt, sie, die in Kashi erschien,
Sie, die in Kashi eingerichtet die Küche der Menschheit.
Als das Shiva erfuhr, siehe, voll Reue der Gott
Sah das Brot nicht mehr an als leeres Trugbild der Maya,
Seifenblase und Schaum, Gott nun verehrte das Brot.
Seit der Wiederkunft Anna-Purnas verehrt man Parvati
Als die Mutter der Welt, Mutter des heiligen Brots.

Anna-Purna möchte ich malen, die goldene Kelle


In der gesegneten Hand, vor sich ein Kessel mit Brei,
Shiva, der Gott der Asketen, kniet vor der göttlichen Mutter,
Der in der Rechten die Schale des Bettelnden hält.

Einen berühmten Tempel, Anna-Purna gewidmet,


Karnataka, der Ort, hegt dieses Heiligtum ihr.
Und am Festtage Anna-Purna-Puja die Beter
Beten die Mutter an, opfern ihr Brote und Wein,
Opfern ihr Kuchen in der Form ihrer nährenden Brüste,
Opfern den Rauschtrank ihr, den man im Heiligtum trinkt.
West-Bengalen und andere Länder Ost-Indiens feiern
Anna-Purnas Fest, beten die Himmlische an.

Dieses Anna-Fest oder die Ehrerbietung der Göttin


Feiern die Frauen allein, Alte und Mädchen zugleich.
Dieses Fest wird gefeiert bei dem zunehmendem Monde,
Wenn die Sichel glänzt, darauf die Göttin erscheint,
Während des Chaita-Monats, gemäß des Kalenders Bengalens,
Anna-Purna verehrt tief das bengalische Volk.
Anna-Purna-Jayanti ist die Feier der Göttin
In Nordindien im Monate Margaschirsch stets.
Während der Feier singen die Dichter Hymnen der Göttin,
Musen-Priester ist dort jeder geweihte Poet.
Während des Navaratri-Monats Südindien feiert
Anna-Purna im Fest, opfert ihr Rauschtrank und Reis.
In dem gesegneten indischen Lande Kashi die Göttin
Ist als Bhavani bekannt, Shakti von Bhava, dem Herrn,
Shakti von Shiva ist Anna-Purna Bhavani, die Göttin,
Die als Mutter der Welt wird von ganz Kashi verehrt.

Anna-Purna ist ein heiliger geistlicher Name,


Göttin der Fülle des Brots, die wird im Haushalt verehrt.
Jungen Mädchen, gehen sie in die heilige Ehe,
Gibt man Statuen mit dieser vergöttlichten Frau.
Aspirantinnen kann der Name der göttlichen Anna-
Purna werden vertraut mit einem Mantra des Herrn.

Anna-Purna ist ein Name der Göttin Parvati,


Shivas Shakti, der Frau, die ist dem Herrn zugesellt,
Gottes Göttin. Anna-Purna als geistlicher Name
Wird gegeben der Frau mit einem Mantra des Herrn,
Wenn sie betet das heilige Mantra Om Namah Shivaja,
Oder sie betet auch leise das Mantra der Frau,
Om Shri Durgayai Namah, immer murmelnd das Mantra
Auf dem Rosenkranz oder den Perlen der Schnur.
Anna ist zum einen die reine physische Nahrung,
Anna-Maya jedoch ist wie der Schaum in dem Traum.

Aber Anna, das ist auch die göttliche geistliche Nahrung,


Ist das Brot von Gott, das ist die Gottheit als Brot.
Liebchen, wenn du den Namen Anna-Purna bekommen
Von dem Frauen-Poet, kannst du auch sagen: Ich bin
Die, die geben möchte alles den Andern in Fülle,
Ich will Helferin sein, Dienerin bin ich der Welt,
Aber ich habe die Fülle von der göttlichen Mutter,
Habe, was ich nur brauch, diene den anderen gern.
Ich bin die heilige Anna-Purna, die Tochter der Göttin,
Die von der Gottheit bekommt, was sie im Irdischen braucht,
Die von der göttlichen Mutter bekommt, von der Mutter des Brotes,
Meinen Gott als mein Brot, der mir die Ewigkeit schenkt.

VI

Anna, Urmutter der Christinnen, mystische Mutter Marias,


Großmutter Jesu, des Herrn, gib mir den Segen zum Lied!

In der Bibel nicht ist erwähnt das Leben von Anna,


Mutter Mariens, und doch sind der Legenden gar viel
Von der Urmutter. In des Neuen Testaments Schriften
Wird nicht Anna erwähnt, Lukas, Matthäus sind stumm,
Markus und Johannes sind stumm und künden nicht Anna,
Aber Jakobus, des Herrn leiblicher Vetter, er spricht
In dem Proto-Evangelium schön von Maria
Und von Anna und Joachim, ihrem Gemahl.

Proto-Evangelium kommt vom griechischen protos:


Erstes, Anfang, Beginn. Das ist die Quelle und Schrift
Für die Geburt Mariens und die heilige Anna,
Das ist die Tradition, die uns von Wahrheit erzählt.

Andere Quellen entspringen einer Sehnsucht nach einer


Großmutter, einer Figur weisester Urmutter, der
Weisen Alten, welche in manchem geistlichen Mythos
Auftritt als ewige Frau, Göttin der Schöpfung der Welt.
Schon der Name Anna verweist auf ältere Wurzeln,
Ältere Göttinnen auch, so wie die Perser verehrt
Anahita, die Inder die große Mutter Ananta,
Wie man in Syrien pries Anath, in Kanaan auch,
Der Sumerer Inanna und die hethitische Hanna,
Keltische Göttinnen auch, Anu und Dana, sie all
Urmütter, liebende Großmütter der vereinigten Menschheit,
Schöpferinnen der Welt oder der weibliche Gott.

Dazu kommt noch die römische Muttergöttin, die Janna


Oder Juno heißt, die es den Christinnen leicht
Machte im römischen Reiche die christliche Urmutter Anna,
Großmutter Jesu, des Herrn, tief zu verehren im Kult.

„An“ ist eine der wenigen Ursilben frühester Menschheit


Und bezeichnet den Ahn, ehrwürdig uralten Ahn,
Unsere Ahnin, die Altmutter und die Vorfahrin aller
Menschen der irdischen Welt, Anna, die Mutter der Welt.

Also wurde der Name der heiligen Großmutter Jesu


Nicht zufällig gewählt, war er den Menschen vertraut
Doch schon lange als göttliche Urahnin, Großmutter Anna.
In der Syrer Version von dem Jakobus-Bericht
Wird die heilige Anna übrigens Dina gerufen,
Oder Diana und Di-Ana, göttliche Frau.

Parallelen gibts auch zur römischen Anna Perenna,


Und auch zu Afrikas Nanna Buruku, die zwei
Sind die Großmütter ewiger Zeiten, der Zeitraum
Ewiger Ewigkeit ist ja der neue Äon,
Und Äonen um Äonen, das ist der Zeitraum
Annas, der himmlischen Frau, Urgöttin über der Zeit.

Doch zurück zur Legende um die jüdische Anna.


Sie war mit Joachim heilig im Bunde vermählt,
Lange war das Ehepaar ohne Kinder geblieben.
Joachim, reich und fromm, spendete Almosen oft,
Gab den Zehnten seines Vermögens Jerusalems Tempel
Und einen Zehnten dazu Armen und Kindern des Volks.

Aber ein strenger Priester wies sein Opfer ab, dieser


Sadduzäer im Amt sagte: Du hast ja kein Kind,
Darum bist du nicht gesegnet vom ewigen Vater,
Der die Kinder erschafft, Segen sind Knaben vom Herrn.

Joachim zog sich darauf zurück in die Wüste Judäas,


Vierzig Tage lang fastete, betete er.
Da erschien ihm ein Engel – zugleich der heiligen Anna,
Die in Jerusalem war. Und dieser Engel erklärt:
Deine geliebte Anna wird ein Kindlein empfangen,
Eine Tochter von Gott heilig empfangen und rein.
Freudig kehrte nun Joachim nach Jerusalems Goldner
Pforte, dem engen Tor Zions, zum Tempel die Tür,
In der Goldenen Pforte umarmte er liebevoll Anna.
In der Umarmung ward Jungfrau Maria ganz rein
Von der heiligen Anna empfangen, in einer
Reinsten Empfängnis, die unbefleckt, makellos, keusch.
Dies war Vorschatte von Mariens Jungferngeburt von
Jesus Christus, dem Sohn, da blieb ihr Hymen intakt.

Diese Empfängnis Mariens, ein Fest der katholischen Kirche,


Die empfangen ward ohne der Erbsünde Fleck,
Das wird gefeiert am achten Dezember, Empfängnis Mariens,
Tag besonderer Huld unsrer verewigten Frau.

Diese Feier gibts seit dem neunten Jahrhundert nach Christus.


Und neun Monde darauf Anna gebar dann ihr Kind,
Diese Geburt Mariä wird am achten September
Heilig begangen vom Volk, das ihrer Mutter getreu.

Aber da scheiden sich die Geister der denkenden Männer.


Bei der Umarmung von Anna und Joachim, gabs
Austausch von Körperflüssigkeiten? Floss da des Mannes
Samen in den Schoß seiner empfänglichen Frau?
Oder ist mit der Goldenen Pforte der Eingang zum Tempel
Zions wirklich gemeint oder der weibliche Schoß,
Ists die Goldene Pforte zum Tempel des göttlichen Körpers
Annas, Jungfrau, zugleich Mutter Mariens von Gott?

Man ging lang davon aus, dass Anna ohne des Mannes
Akt und Samen empfing, rein wie ihr Töchterchen war.
Das weist auf den Status der großen heiligen Göttin,
Die aus sich selber schöpft, die aus sich selber gebiert.

In dem Fall von Anna und Maria, der Tochter,


Ist das noch klarer als bei Unserer Frau und dem Herrn,
Denn bei parthenogenetischer Zeugung entsteht eine Tochter
Nach dem treuen Gesetz göttlicher Biologie.

Diese Geburt Mariens aus der jungfräulichen Anna


Ward von der Kirche zuerst anerkannt, so ward erklärt
Unserer Frauen Sündlosigkeit. Doch später die Väter
Sagten, zwei Jungfrauen sein eine zu viel in der Welt.

Ja, da könnten ja einige kommen auf den Gedanken,


Dass Maria, als Frau, eine Erlöserin sei!

Also wurde die Jungfraungeburt aus der heiligen Anna


Wieder verworfen, man sprach von der normalen Geburt.

Allerdings war Maria schon im ersten Momente


Ihrer Zeugung durch Huld Christi von Sünde erlöst.
Deshalb spricht man auch von der unbefleckten Empfängnis,
Von der Konzeption, welche war makellos rein.

Dieses stellte Papst Pius der Neunte fest als ein Dogma,
Welches zu glauben ist, welches gewisslich ist wahr,
Dass Maria die Unbefleckte Empfängnis ist, sündlos,
Rein seit der Zeugung im Schoß, makellos, heilig und keusch.
Also ist Maria nach diesem Dogma des Papstes
Sündlos, der einzige Mensch, der ist von Erbsünde frei.
Damit bewahrte Gott der Herr seine treue Maria
Vor der Sünde Fleck, dass sie mit Gott ist vereint.

Aber zurück zu Anna. Der Christen Verehrung der Anna


Ist schon ziemlich alt. Sechstes Jahrhundert, du hast
In Byzanz erbaut die Kirche der heiligen Anna.
In Europa der Kult hat in der mittleren Zeit
Seinen Höhepunkt erreicht, als Papst Sixtus der Vierte
Annas Gedenktag schrieb in den Kalender von Rom,
Bis Papst Gregor der Dreizehnte ihren Festtag bestimmte,
Mitten im Sommer den Tag, da man die Anna verehrt.

Seit dem Jahre Fünfzehnhundert Reliquien liegen


Annas in Düren und Wien und in manch anderem Ort.
Aber vor allem in Deutschland, in dem Deutschland Mariens,
Breitete aus dich der Kult Annas im heiligen Sturm.
Nach den Epedemien der Pest das Bürgertum wieder
Ward gefestigt, erstarkt, da die Familie vor Gott
Ward geschätzt, und Pflegevater und Mutter und Kindlein
Wurden heilig verehrt, aber die Großmutter auch.

Denn es passte gut in das neuere Weltbild der Zeiten,


Neben Mutter und Kind Großmutter Anna zugleich
Heilig zu verehren, die Mutter der Jungfrau Maria,
Großmutter Jesu, des Herrn, matriarchalisch und groß,
Urmutter der Familie und Ahnin der heiligen Sippe.
Annenbruderschaft diente am Annenaltar.

Damals malte man Anna selbdritt, die christlichen Künstler


Malten Anna mit Jungfrau Maria und Kind.
Eine besonders berühmtes Gemälde von Anna selbdritt hat
Leonardo gemalt, welchen die Muse geküsst.

Allerdings hatte Anna nach des Joachim Tod zwei


Weitere Gatten noch, Kleophas, Salomas, von
Denen Anna wieder eine Maria empfangen.
Das ist ein Wunder fürwahr, da sie ja eigentlich schon
Bei der Jungfrau Maria Geburt schon lange gewartet,
Zwanzig Jahre wohl, da sie als unfruchtbar galt
Schon allein aufgrund ihres hohen Alters, ein Wunder,
Daher singt auch das Volk: Heilige Anna, o du
Warst ein seliges Weib, die drei Marien geboren!
Mutter der Trinität wurde Maria genannt.
Diese drei Marien sind die dreifaltige Göttin,
Jungfrau, Liebste und Greis, das ist die Anna selbdritt,
Anna, die aus sich selbst heraus die dreifaltige Göttin
Als eine Jungfrau gebiert. So von den Kelten verehrt
Ward die dreifaltige Göttin wie die Erdmutter Anbeth,
Diese wurde im Zug einer Verchristlichung der
Grünen Insel Irland zur heiligen Großmutter Anna,
Ihrer Huldigung Art blieb da die gleiche und auch
Gleich geblieben sind Rituale und Kultplätze Annas,
Der dreifaltigen Frau, göttlicher Anna selbdritt.

So hat der Annentag im Juli, im Gipfel des Sommers,


Wie er gefeiert wird in der ursprünglichen Form
Viele Elemente zur Ehrung der Erntegöttinnen, Mütter,
Die man im Sommer beschwört, Fruchtbarkeitsgöttin Natur.

Und auch die vielen Plätze und Ortschaften, tragend den Namen
Annas, wie Annaberg, Annental, Annenbronn auch,
Lassen schließen auf Kultstätten alter Göttinnen-Mütter,
Die unterm Schutzmantel der heiligen Anna fortan
Weiter existierten und gewürdiget wurden
Vom katholischen Volk in ihrer Volksreligion.

Wie nun Anna tatsächlich als Großmutter Jesu, des Enkels,


Zu ihm gewesen war, wissen wir Späteren nicht.
War sie eine gütige, ernste, fröhliche Oma,
Spielgenossin des Kinds, spielte mit Jesus sie Schach,
Konnte er ausweinen sich an ihrem Großmutterbusen,
Gab sie ihm Süßigkeit, die ihm Maria verbot,
Honigkuchen und Kuchen auch von Datteln und Feigen,
Leckeren Traubensaft, salzige Mandeln dazu,
Hat sie ihm beim Einschlafen vorgelesen Geschichten
Oder gesungen den Psalm, den sie am liebsten gehabt,
Ihren Psalm vom guten Hirten, von David gedichtet,
Tausendjährigem Ruhm würdig des frommen Poets?
Wer kann das wissen? Das ist der Zauber der heiligen Anna
Und der Urgöttin, die segnet als Großmutter uns.

Einiges aber ist von Anna als Mutter Marias


Überliefert der Zeit. Göttin der Weisheit ist sie,
Eine Mutter, der wichtig ist die Bildung der Tochter.
So in der christlichen Kunst gibt es das herrliche Bild,
Da die heilige Anna ihrer Tochter Maria
Liebevoll unterweist, wie man die Biblia liest.
Anna und Maria! Eine hält in den Händen
Gottes heilige Schrift, beide zusammen vereint
Konzentrieren sich und sind in das Lesen versunken,
Lesen von Genesis bis Maleachi das Wort.

Andere Bilder zeigen die erwachsene Jungfrau,


Siebzehn Jahre, Marie! mit ihrem Kind auf dem Schoß,
Anna steht neben ihnen, steht neben Maria und Jesus,
Und sie schauen ins Buch. Jesus lernt Lettern und Sinn.
Diese Frauen sind Schriftgelehrte der heiligen Bibel,
Lehrerinnen des Worts wie auch des inneren Sinns.

Und so weihe ich meine Hymne an Anna, die Liebe,


Nicht dem Vater-Gott, aber dem Großmutter-Gott.

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