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Inhaltsverzeichnis

primo loco
Neues und Unfertiges 2013 3
Vorgestellt: Fachambulanz für Naturheilkunde in der Onkologie
Integratives Konzept 4
Sprechstunde: Osteoporose
Bewegung tut den Knochen gut 6
Diagnostik und Therapie
Erstmals in Thüringen: Neues Hörgerät überträgt Signale direkt auf den
Innenohr-Knochen 7
Mit dem Brutkasten in das MRT 8
Expertenwissen bei Magen- und Speiseröhrenkrebs wird gebündelt 9
Gesünder essen, mehr bewegen, Stress abbauen 10
Herz in Gefahr 12
Auch im letzten Lebensabschnitt eine möglichst gute Lebensqualität sichern 14
Zu Besuch am Klinikum
Schülerprojekt: Früherkennung von Brustkrebs 15
Veranstaltungen 16
Service 17
Gesundheitstag
Mit Spaß, Sport und Entspannung gegen Stress 18
Selbsthilfe
Restitutio ad Optimum ist das Ziel 19
Baugeschehen am Klinikum
Zentrallager und Wertstoffhof 20
Qualitätsmanagement
Doppelt zertifiziert 21
GesundheitsUni
Zu viel, zu wenig oder gerade richtig? 22
Studium
Erste Summer School begeisterte 23
Forschung
Krankenhausinfektionen: Erstmals klinikweite Langzeitzahlen 24
Kurzmeldungen 26
Neue Wege zur maßgeschneiderten Antikörpertherapie 27
Patientenfürsprecher
Probleme gemeinsam und vertrauensvoll lösen 28
Empfehlung aus der Patientenbibliothek
Reisen zu den Enden der Welt 29
Mosaik
Viele Hundert Küsse 30
Rätselseite 31

Titelseite: Viel Spaß und Bewegung auch für die Kleinsten bot der 3. Gesundheitstag von Fried-
rich-Schiller-Universität und Universitätsklinikum Jena Foto: Hellmann

2 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


primo loco

Neues und Unfertiges 2013

Schlag Mitternacht am 31.12. beginnt


der 1.1. und damit das Neue. Wir ma-
chen einen Schnitt. Das alte Jahr ist
vorbei. Das Neue fängt an. Am klarsten
nachzuvollziehen an der Uhr.
Ebenso bei der Jahresendabrechnung.
Da ist der Zeitpunkt klar, wann das Alte
aufhört und wann neu angefangen
wird. Aber natürlich ist die Rechnung
nie genau am Jahresende fertig. Immer
nehme ich etwas mit. Und richtig fer-
tig und abgeliefert wird sie erst im Fe-
bruar oder so.

Der Schnitt zu Neujahr hat eigentlich


etwas Willkürliches, nicht unbedingt
etwas Natürliches. Und wenn ich ge-
nau hinschaue, dann wird ja in jeder
Zeitzone neu der Übergang gefeiert. Ja,
wenn ich noch genauer hinschaue, zieht
sich die gedachte Linie der Mitternacht
ohne jede Unterbrechung über die gan-
ze Erde. Von wegen in Görlitz und in
Aachen sei zum gleichen Zeitpunkt auszuhalten. Hände und Füße, Arme dass Gedanken allmählich reifen und
Mitternacht. Da liegt eine ganze Weile und Beine wachsen, aber der Rumpf wachsen und sie Gestalt annehmen,
dazwischen. Und wer ein bisschen rech- hält nicht Schritt. Ungeschickt stolpern ohne etwas zu überstürzen.
net, könnte wahrscheinlich genau sa- sie durch die Gegend und finden sich Könnte nicht auch der Weiterbau un-
gen, wie viele Minuten… Und wieso fei- selbst beschämend hässlich und unge- seres Klinikums ein Bild dafür sein. Dass
ern wir überhaupt den Jahresanfang am füge. Unmengen von Hormonen wer- es Übergänge gibt, bei denen wir nicht
1. Januar? den ausgeschüttet und verursachen Pi- erzwingen können, was morgen sein
ckel, neue Gerüche und heftige körper- wird.
In der Natur sind die Übergänge flie- liche Erscheinungen. Schlimm, so un- Wir dürfen darauf vertrauen, dass Got-
ßend. Da kann es im Februar richtig fertig und im Übergang zu sein. tes Hand uns gut durch das Werden
frühlingshaft duften und im April auch führen wird, auch wenn manches an
noch mal kräftig schneien. Jeder kennt So ein neues Jahr ist einerseits wie ein uns und um uns herum sich gleichsam
das. Und dieses Unklare und Ungewis- weißes Blatt, aber andererseits auch unfertig anfühlt.
se, das lieben wir eigentlich nicht so. immer schon beschrieben. Nicht voll-
Wir möchten die Schnitte schärfer und kommen weiß. Da sind auch angefan- So wünsche ich Ihnen zu Beginn des
klarer. Namentlich machen uns Wachs- gene Sätze meines Lebens, die noch Jahres, dass Sie Geduld haben, wie Gott
tumsprozesse zu schaffen. Sie gehen so fertig geschrieben werden wollen. Es ist Geduld hat, mit Ihnen, mit den ande-
langsam. Von einem Tag zum anderen gar nicht so blitz und blank, sondern ren, mit dieser Welt im Werden, im Ver-
ist gar nicht zu sehen, wie stark das Gras immer schon von früherem vorgeformt gehen und im Übergang in aller Unge-
gewachsen und wie viel dicker die Kar- und beeinflusst. wissheit und aller Unfertigkeit.
toffel geworden ist. Nach vier Wochen Wir Menschen möchten am liebsten die Denn es wäre ja schlimm, wenn Sie
aber schon. Zwischenstufen überspringen. Wir lei- schon am Jahresbeginn völlig fix und
den darunter, dass wir nicht wissen, was fertig wären!
Wachstum heißt unfertig sein, heißt im da Unbekanntes auf uns zukommt und Das wünscht Ihnen
Übergang sein. In der Pubertät ist das zu welchem Neuen wir unterwegs sind.
besonders spürbar und für die betrof- Aber Fortschritt heißt ja gerade, dass Pfarrer Michael Ipolt
fenen Jungen und Mädchen schwer sein Weg über Unbeständiges führt, von der Klinikseelsorge

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Vorgestellt: Fachambulanz für Naturheilkunde in der Onkologie

Integratives Konzept
Fachambulanz unterstützt seit 10 Jahren Tumortherapie am UKJ

„Wir behandeln unsere Patienten


stets in enger Abstimmung mit den
Onkologen. Das war bereits bei der
Gründung unserer Ambulanz im März
2003 so. Denn ‚Schulmedizin‘ und
Naturheilverfahren sind kein Gegen-
satz, sie ergänzen einander, im In-
teresse unserer zahlreichen schwer-
kranken Patienten“, sagt Doreen Jae-
nichen. Die Ärztin arbeitet seit 2004
in der Fachambulanz für Naturheil-
kunde in der Onkologie der Klinik für
Innere Medizin II unter Leitung von
Professor Dr. Andreas Hochhaus.

„Unsere Therapieangebote reichen von


den klassischen Naturheilverfahren
nach Kneipp – Phyto-, Ernährungs-,
Ordnungs-, Hydro- und Bewegungsthe-
rapie – über die Traditionelle Chinesi-
sche Medizin – Schröpfen, Akupunk-
tur, Akupressur – bis zur Neuralthera-
pie. Im Yi-Quan verbinden sich Bewe-
gung und Meditation. Das hilft, besser Doreen Jaenichen
versucht, mittels
mit Belastungssituationen umzugehen Schröpftherapie
und stärkt die Selbstheilungskräfte. Verspannungen zu
Sehr wichtig ist auch das Gesundheits- lösen und Schmer-
zen zu lindern
coaching, das Hilfe zur Selbsthilfe er- Foto: Wetzel
teilt. In therapiebegleitenden Gesund-
heitsprogrammen lernen unsere Patien-
ten, wie sie die Behandlung der Krebs-
erkrankung aktiv unterstützen können und erläutern unsere Möglichkeiten, beim Plasmozytom eingesetzt wird. Und
– durch eine gesunde Lebensweise, re- wir verschweigen aber auch unsere das kann fatale Folgen haben. „Es ist
gelmäßige Bewegung und Entspan- Grenzen nicht.“ Wichtig ist es, die Pa- deshalb wichtig, die Ärzte über alle Me-
nung, aber auch durch angst- und tienten zu motivieren, ihren Lebensstil dikamente, pflanzliche Präparate und
stressreduzierende Maßnahmen“, erläu- zu ändern und ihre Lebensqualität auch Genussmittel zu informieren und deren
tert Doreen Jaenichen. Auch mit der aus eigener Kraft zu verbessern. Hinweise exakt zu beachten. Auch die
Palliativmedizin arbeitet die Ambulanz Studien zufolge nutzen 80 Prozent der ‚sanfte Medizin‘ ist nicht frei von Kon-
eng zusammen, um Menschen in der Tumorpatienten in Deutschland kom- traindikationen. Was wirkt, hat eben
letzten Lebensphase eine möglichst plementäre Heilmethoden. „Dies sollte auch Nebenwirkungen“, betont Doreen
gute Lebensqualität zu erhalten. jedoch stets in Absprache und im en- Jaenichen.
gen Kontakt mit dem behandelnden
Was wirkt, hat auch Nebenwirkungen Arzt geschehen, denn es ist ein Trug- Lebensqualität während der
schluss zu glauben, dass pflanzliche Tumortherapie verbessern
„Unsere Patienten werden sowohl von Präparate nebenwirkungsfrei wären
Einrichtungen des Klinikums als auch und mit den onkologischen Medika- Ein Gegeneinander von Onkologie und
von niedergelassenen Ärzten überwie- menten keinerlei Wechselwirkungen Naturheilkunde gibt es am UKJ nicht.
sen, andere erfahren von Patienten oder eingehen würden“, sagt Doreen Jaeni- „Wir haben nur Erfolg, wenn wir zu-
Bekannten, dass es unsere Ambulanz chen und erläutert dies an einem Bei- sammenarbeiten. Entscheidend für den
gibt“, sagt deren Ärztin. „Wir erarbei- spiel: Grüner Tee hebt die Wirkung ei- Behandlungserfolg ist die onkologische
ten ein individuelles Therapieprogramm nes Chemotherapeutikums auf, das Therapie. Wir können deren Wirksam-

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Vorgestellt: Fachambulanz für Naturheilkunde in der Onkologie

Patienten beim Yi-Quan, das Bewegung und Meditation verbindet Foto: UKJ

keit aber mit unseren Möglichkeiten bensqualität unter einer Misteltherapie Lebensqualität während der Tumorthe-
unterstützen oder therapiebedingte Be- tatsächlich besser ist und während der rapie zu verbessern“, betont die Ärztin
schwerden lindern“, sagt Doreen Jae- Chemotherapie weniger Nebenwirkun- der Jenaer Fachambulanz für Naturheil-
nichen und erläutert dies am Beispiel gen wie Appetitlosigkeit oder Blutbild- kunde in der Onkologie, die sich im Ge-
der Akupunktur, die helfen kann, Ne- auffälligkeiten auftreten. Auch hier bäude des Zentrums für Ambulante Me-
benwirkungen von Chemotherapien zu trägt die Naturheilkunde dazu bei, die dizin am Carl-Zeiß-Platz befindet. mv
reduzieren. „Die Behandlung wird für
den Patienten verträglicher und das
Präparat kann länger in der optimalen
Dosierung eingesetzt werden.“
Andere Tumorpatienten leiden am Fa-
tigue-Syndrom, einer extremen Abge-
schlagenheit und Müdigkeit, die nach
der Chemotherapie auftreten kann und
die sich selbst durch viel Schlaf nicht
beheben lässt. „Die Fatigue-Symptoma-
tik kann mit einem Rosenwurzextrakt
reduziert werden“, erläutert Doreen
Jaenichen, deren Ambulanz an einer
entsprechenden wissenschaftlichen Un-
tersuchung teilnimmt und auch eine
Studie zur Misteltherapie für Brust-
krebspatientinnen durchführt. „Die
Pflanze findet in der Krebstherapie seit
über 90 Jahren Anwendung, die Wirk-
stoffe sind teilweise aber erst in den
letzten Jahren exakt analysiert worden.
Es gibt Studien, die zeigen, dass die Le-

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Sprechstunde: Osteoporose

Bewegung tut den Knochen gut


Gesunde Lebensweise hilft, der Osteoporose vorzubeugen

„Ein erster Hinweis auf eine Osteo-


porose ist häufig eine Radiusfraktur.
Dieser Bruch der Speiche nahe dem
Handgelenk entsteht, wenn man ver-
sucht, sich bei einem Sturz mit der
Hand abzufangen. Er wird deshalb
auch Wächterfraktur genannt. Typi-
sche Frühsymptome der Osteoporose,
die durch eine fortschreitende Ver-
minderung der Knochendichte ge-
kennzeichnet ist, gibt es allerdings
nicht“, sagt PD Dr. Gabriele Lehmann.
Die auch als „Knochenschwund“ be-
kannte Krankheit bleibt lange unbe-
merkt und ist vor allem unter älteren
Menschen weit verbreitet. In Deutsch-
land gibt es etwa 6,3 Millionen Be-
troffene, mehr als 80 Prozent sind
Frauen.
PD Dr. Gabriele Lehmann
ist Oberärztin im Funkti-
Ein weiterer Anlass für eine Osteopo- onsbereich Rheumatolo-
gie & Osteologie der Kli-
rosediagnostik ist die Abnahme der nik für Innere Medizin III
Körpergröße. Beträgt diese mehr als Foto: Schacke
vier Zentimeter, könnte eine Wirbelkör-
perfraktur die Ursache sein. „Entwickelt
sich diese sehr langsam, wir sprechen
dann von einer Sinterungsfraktur, spü- tion behandelt wurden, danach auch unzureichenden Versorgung mit Vita-
ren das die Patienten oftmals gar nicht. mit einer medikamentösen antiosteo- min D und Kalzium auch eine mögliche
Bricht ein Wirbelkörper allerdings sehr porotischen Therapie versorgt werden. familiäre Vorbelastung. Ebenso die Le-
schnell ein, ist das für die Betroffenen Die Physiotherapie hilft, die Muskula- bensweise. „Wer sich ungesund ernährt,
äußerst schmerzhaft. Im hohen Alter tur und die Knochen zu stärken und raucht und viel Alkohol trinkt, hat ein
beobachten wir verstärkt Hüftfraktu- damit auch das Gleichgewicht und die erhöhtes Osteoporoserisiko. Ganz be-
ren. Diese sind, wie auch die Wirbel- Gangsicherheit zu verbessern. Das trägt sonders problematisch ist der vor al-
körperfrakturen, mit einer erhöhten entscheidend zur Vermeidung künfti- lem im Alter verstärkt zu beobachten-
Sterblichkeit verbunden“, betont die ger Stürze und Frakturen bei.“ de Bewegungsmangel“, erläutert Ober-
Oberärztin im Funktionsbereich Rheu- ärztin Lehmann.
matologie & Osteologie der Klinik für Zahlreiche Risikofaktoren Die seltenere sekundäre Osteoporose
Innere Medizin III. In frakturierte Wir- hat andere Ursachen. Sie entsteht als
belkörper kann Knochenzement zur Wodurch eine Osteoporose ausgelöst Folge anderer Grunderkrankungen bzw.
Stabilisierung eingebracht werden. wird, ist in den meisten Fällen nicht klar deren medikamentöser Behandlung.
„Das eigentliche Therapieziel dieser Be- erkennbar. „Zweifellos erhöht das Nach- Hierzu zählen beispielsweise chronisch-
handlung ist die Schmerzreduktion, die lassen der Östrogenbildung das Osteo- entzündliche Darmerkrankungen, rheu-
bei den meisten Patienten auch erreicht poroserisiko. Dennoch erkranken nicht matische Erkrankungen, Störungen der
wird. Dieser Eingriff“, so PD Lehmann, alle Frauen nach der Menopause daran, Nierenfunktion, hormonelle Störungen
„sollte jedoch erst erfolgen, wenn an- und es gibt auch zahlreiche Männer, die und Krebserkrankungen, aber auch al-
dere Möglichkeiten der Schmerzbe- an einer Osteoporose leiden“, betont Dr. ters- oder krankheitsbedingte Bewe-
handlung – Medikamente und physio- Gabriele Lehmann und verweist auf gungseinschränkungen.
therapeutische Maßnahmen – nicht er- verschiedene Faktoren, die das Osteo- Diagnostiziert wird die Erkrankung vor
folgreich waren. Wichtig ist, dass Pati- poroserisiko erhöhen. Dazu zählt neben allem durch eine Knochendichtemes-
enten, die mit einer Zementaugmenta- dem Alter, dem Geschlecht sowie einer sung der Lendenwirbelsäule und der

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Sprechstunde: Osteoporose/Diagnostik und Therapie

Hüftknochen mit Hilfe einer speziellen vorzuenthalten“, sagt Dr. Lehmann. Der wesentlich davon ab, dass die Patien-
Röntgenuntersuchung. Dabei wird der Abbau der Knochensubstanz lässt sich ten regelmäßig ihre Medikamente ein-
so genannte T-Wert ermittelt, über den ebenso durch den Einsatz eines spezi- nehmen und die Einnahmebedingun-
die Mediziner eine präzise Aussage zum ellen Antikörpers hemmen. „Dieses Me- gen exakt beachten. Auch der Thera-
individuellen Knochenbruchrisiko er- dikament kann auch bei Osteoporose- piebeginn ist entscheidend für den Er-
halten. patienten mit Nierenfunktionsstörun- folg. Wurde bereits zu viel Knochen-
gen, für die Bisphosphonate nicht ge- substanz zerstört, können auch die
Deutliche Reduktion von eignet sind, eingesetzt werden“, erläu- modernsten Medikamente nur noch
Wirbelkörperfrakturen tert Oberärztin Lehmann. „Wir errei- bedingt helfen“, betont PD Dr. Leh-
chen mit dem Einsatz dieser Substan- mann.
Primäres Ziel der Osteoporosetherapie zen eine relative Reduktion der Wirbel- Verhindern kann man das Entstehen ei-
ist es, Frakturen zu vermeiden. Die Ba- körperfrakturen von 60 bis 70 Prozent.“ ner Osteoporose nicht. Man kann aber
sistherapie besteht in der Gabe von Kal- Ist der Abbau bereits weiter vorange- sein Erkrankungsrisiko reduzieren. Vor
zium und Vitamin D. Bisphosphonate schritten und sind unter der knochen- allem durch eine gesunde Lebensweise
hemmen die Aktivität der Osteoklasten, abbauhemmenden Therapie weitere – viel bewegen, gesund essen, nicht
die für den Abbau der Knochensubstanz Frakturen oder eine sichere Abnahme rauchen und nur wenig Alkohol trin-
verantwortlich sind. „Die Bisphospho- der Knochenmineraldichte eingetreten, ken. „Viel Bewegung“, so Oberärztin
nate sind in letzter Zeit in die Kritik können knochenaufbaufördernde Me- Gabriele Lehmann, „ist ganz besonders
geraten, weil es Hinweise auf uner- dikamente verordnet werden. Diese wichtig, weil diese nicht nur das Herz-
wünschte Nebenwirkungen wie atypi- müssen zwei Jahre lang injiziert wer- kreislaufsystem und die Muskulatur
sche Femur-, also Oberschenkelschaft- den und stimulieren die Osteoblasten, stärkt, sondern auch den Knochenstoff-
frakturen, und Kiefernekrosen gibt. Da die für den Knochenaufbau zuständig wechsel aktiviert.“ Denn ohne ausrei-
ein ursächlicher Zusammenhang zwi- sind. Um einen erneuten Knochenab- chende Bewegung versauert der Kno-
schen der Bisphosphonattherapie und bau zu verhindern, ist anschließend chen nicht nur im übertragenen, son-
diesen Erkrankungen keineswegs gesi- ebenfalls die Gabe eines abbauhem- dern im Wortsinne. Das aber fördert
chert und ihr Auftreten zudem selten menden Medikaments erforderlich. dessen Entkalkung und damit die Ent-
ist, haben wir kein Recht, unseren Pa- „Die osteologische Therapie ist eine stehung oder Verschärfung einer Osteo-
tienten diese sehr wirksame Therapie Langzeittherapie. Ihre Effizienz hängt porose. mv

Erstmals in Thüringen: Neues Hörgerät überträgt


Signale direkt auf den Innenohr-Knochen
Zum ersten Mal in Thüringen wurde Dabei wandelt ein Audioprozessor den direkt durch Knochenleitung übermit-
in der HNO-Klinik des UKJ ein neues Schall in Signale um, die direkt an das telt wird, daher der Name Bonebridge,
implantierbares Hörgerät bei einem implantierte System weitergegeben werden mögliche Probleme im Außen-
schwerhörigen Patienten eingesetzt, werden. Dort werden diese Signale in und Mittelohr umgangen“, erklärt
das die Hörsignale durch die geschlos- Schwingungen umgewandelt, die an Prof. Koscielny.
sene Haut direkt auf den Knochen des den Schädelknochen weitergeleitet
Innenohrs überträgt. Bislang musste werden.“ Der Knochen wiederum leitet Damit ist die HNO-Klinik des UKJ die
für die Übertragung der Signale eine diese Schwingungen an das Innenohr erste Klinik in Thüringen, die die kom-
gesonderte Verbindung durch die fort, wo sie ähnlich wie beim natürli- plette Bandbreite implantierbarer
Haut operativ angelegt werden. Die- chen Hören als Impulse an den Hörnerv Hörsysteme in der Patientenversor-
ser Schritt entfällt mit dem neuen übertragen werden. Das System besteht gung anbietet: Vom Cochlear Implan-
System namens „Bonebridge“. aus zwei Teilen, dem externen getra- tat bei ertaubten Patienten, über teil-
Prof. Dr. Sven Koscielny, stellvertre- genen Audioprozessor und dem chirur- implantierbare Hörsysteme, die in das
tender Direktor der HNO-Klinik am gisch eingesetzten Implantat. Mittelohr bei mittel- und hochgradi-
UKJ: „Das Hörgerät wird unsichtbar im gen Schwerhörigkeiten bei erhaltenen
Knochen hinter dem Ohr verankert. Das neue System ist unter anderem Ohrstrukturen implantiert werden, bis
Von einem Empfänger in der Größe besonders für mittel- und hochgradig zu diesem neuen System. Rund 15 Pa-
einer Euro-Münze erfolgt dann die schwerhörige Patienten geeignet, so- tienten werden am Thüringer Univer-
Übertragung über die intakte Haut wie für Patienten, die einseitig taub sitätsklinikum jährlich mit neuen Hör-
zum Hörgerät im Schädelknochen. sind: „Da bei diesem System der Schall systemen versorgt. dre

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Diagnostik und Therapie

Mit dem Brutkasten in das MRT


Kinderradiologie des UKJ verfügt über neues Inkubatorsystem für
Frühgeborene

Die medizinische Versorgung von Früh- den Schutz im Inkubator unbedingt borenen-Intensivstation des UKJ von
und Neugeborenen am Universitätskli- benötigen und diesen aufgrund ihrer den Inkubatoren auf der Station in den
nikum Jena wurde jetzt deutlich aus- körperlichen Unreife nicht verlassen „MRT-Inkubator“ verlegt und in diesem
gebaut: Am Thüringer Universitätskli- konnten. Eine Untersuchung im MRT dann im MRT untersucht. „Sie verblei-
nikum können nun auch Früh- und ohne die schützende Umgebung des ben somit geschützt im Inkubator, die
Neugeborene mit der Magnetresonanz- Inkubators hätte für diese Kinder eine nötige Temperatur und das spezielle
tomographie (MRT) untersucht werden, zu große Belastung dargestellt. Jetzt Klima des Brutkastens und eine ideale
Überwachung sind auch während der
Untersuchung im MRT permanent ge-
sichert“, erklärt Prof. Mentzel. Das Un-
tersuchungsspektrum kann mit Hilfe
des MR-Inkubators enorm erweitert
werden. „Gerade bei speziellen Hirner-
krankungen werden nun die bisherigen
Möglichkeiten des Ultraschalls verbes-
sert. So können beispielsweise auch
kleinste Gehirnveränderungen sicher
erkannt und deren Ursachen diagnos-
tiziert werden.“ Auch für Erkrankungen
des Brust- und Bauchraums der sehr
kleinen Frühgeborenen versprechen
sich die Jenaer Kinderradiologen eine
deutliche Erweiterung des diagnosti-
schen Spektrums.
Prof. Dr. James Beck, Direktor der Kin-
derklinik am UKJ, ist glücklich über die-
se Ausstattung der Jenaer Kinderra-
Mit dem neuen Inkubatorsystem, dem dritten dieser Art in Deutschland überhaupt, kann das
Team der UKJ-Kinderradiologie um Prof. Dr. Hans-Joachim Mentzel (r.) nun auch Frühgeborene im diologie: „Die MRT-Untersuchungen er-
MRT untersuchen Foto: Szabó gänzen das bisherige Untersuchungs-
spektrum enorm. Davon profitieren
für die zuvor eine MRT-Untersuchung können wir die Kinder mit dem neuen unsere kleinsten Patienten sehr. Und
zu belastend gewesen wäre. Möglich Inkubatorsystem direkt im MRT unse- natürlich können wir auch den Eltern
wird dies durch ein neues MR-taugli- rer Kinderradiologie untersuchen, da in dieser Ausnahmesituation noch prä-
ches Inkubatorsystem, mit dem die das System den Schutz der Kinder ga- zisere Auskunft geben.“ Möglich sind
Frühgeborenen direkt im MRT-Gerät rantiert und so konstruiert ist, dass es MRT-Untersuchungen nun bei Kindern
untersucht werden können. Während mit dem MRT kompatibel ist. Die Inku- ca. ab der 24. Schwangerschaftswoche
der Untersuchung bleiben die Kinder batoren, die auf den Stationen genutzt bis zu einem Gewicht von fünf Kilo-
dabei in dem speziellen Brutkasten. Es werden, sind für eine solche Untersu- gramm.
ist das erste System dieser Art in Thü- chung im MRT nicht ausgestattet“, er- Generell gelten Kinder, die vor der 37.
ringen, bundesweit gibt es nur zwei klärt der Leiter der Sektion Kinderra- Schwangerschaftswoche geboren wer-
weitere Kliniken (Tübingen und Essen), diologie Prof. Dr. Hans-Joachim Ment- den, als Frühgeborene. In Deutschland
die über ein solches System verfügen. zel. kommen jährlich rund 50.000 Kinder
vor dem errechneten Entbindungster-
UKJ ist erste Klinik in Thüringen Untersuchungsspektrum min zur Welt. Prof. Mentzel erklärt: „Es
mit neuem System enorm erweitert ist auch denkbar, dass Frühgeborene
aus anderen Kliniken hier in unserer
„Bislang konnten die Frühgeborenen Für die MRT-Untersuchung werden die Kinderradiologie untersucht werden.“
nicht im MRT untersucht werden, da sie Frühgeborenen direkt auf der Frühge- dre

8 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Diagnostik und Therapie

Neue Spezialsprechstunde am UKJ ten Fällen ist auch eine Heilung durch
Strahlentherapie möglich.“
Expertenwissen bei Magen- und Die Experten der neuen „Spezialsprech-
stunde für Speiseröhren- und Magen-
krebs“ arbeiten dabei eng zusammen
Speiseröhrenkrebs wird gebündelt mit den weiteren Tumorspezialisten am
UKJ, etwa aus der Onkologie und der
Strahlentherapie. Auch Ernährungs-
berater stehen für die Patienten zur
Verfügung. „Von dieser engen Zusam-
Rund 20.000 Menschen in Deutsch- können. Nach einer kompletten Magen- menarbeit profitieren die Patienten
land erkranken jährlich neu an Ma- entfernung ist die Speiseröhre direkt enorm, da so die unterschiedlichen Ex-
genkrebs, über 5.000 Menschen an mit dem Dünndarm verbunden. Für die pertisen am UKJ zusammengebracht
Speisenröhrenkrebs. Als erste Klinik Patienten bedeutet dies unter anderem, werden“, sagt Dr. Dittmar. Auch die
in Thüringen hat nun das Universi- dass sie etwa sieben bis acht kleine neuesten Ergebnisse der langjährigen
tätsklinikum Jena eine Spezialsprech- Mahlzeiten täglich zu sich nehmen wissenschaftlichen Arbeit der Klinik auf
stunde für diese Patienten etabliert. müssen, statt etwa zwei oder drei gro- diesem Gebiet fließen in die Sprech-
stunden-Beratung ein, die selbstver-
ständlich auch externen Patienten of-
fen steht.
Während beim Speiseröhrenkrebs häu-
fig die Lebensführung, z.B. das Rauchen,
einen großen Risikofaktor darstellt, ist
beim Magenkrebs die Nennung von Ri-
sikofaktoren nicht so einfach: „Ein gro-
ßer Teil der Magenkrebsfälle ist auf eine
bakterielle Infektion mit Helicobacter
pylori zurückzuführen, welche auch bei
der Entstehung des Magengeschwürs
eine sehr wichtige Rolle spielen. Auch
die genetische Veranlagung spielt eine
Rolle“, so Dr. Dittmar. Zukünftig soll
auch ein enger Austausch der Patien-
ten untereinander ermöglicht werden,
geplant ist etwa eine jährliche Veran-
Dr. Alexander Koch, Dr. Yves Dittmar und Oberärztin Dr. Silke Schüle (v. l.) leiten die neue „Spezial- staltung.
sprechstunde für Speiseröhren- und Magenkrebs“ am UKJ in der Klinik von Prof. Dr. Utz Settma- Ein Hauptsymptom beim Speiseröhren-
cher (r.). Beim Magenkrebs ist häufig die komplette Entfernung des Magens nötig. Für die Patien-
ten bedeutet dies eine enorme Umstellung in ihrer Lebensführung. Foto: UKJ krebs können Schluckbeschwerden sein.
Beim Magenkrebs treten Symptome
Angesiedelt ist die Sprechstunde in ßer Mahlzeiten. Denn der Magen als häufig erst sehr spät auf, etwa in der
der Klinik für Allgemein-, Viszeral- Reservoir steht ihnen nicht mehr zur Form von anhaltenden Oberbauchbe-
und Gefäßchirurgie. Klinikdirektor Verfügung. Diese Umstellung und na- schwerden. dre
Prof. Dr. Utz Settmacher: „Damit kön- türlich die weitere Nachsorge beglei-
nen wir die Beratung und die Nach- ten wir intensiv im Rahmen der Sprech-
sorge dieser Patienten noch individu- stunde“, erklärt Dr. Yves Dittmar, der
eller gestalten.“ zusammen mit Dr. Alexander Koch und
Oberärztin Dr. Silke Schüle die Sprech- Sprechzeiten und Kontakt
Eine dauerhafte Heilung ist bei Magen- stunde leitet.
krebs nur möglich, wenn der Tumor Klinik für Allgemein-, Viszeral- und
vollständig durch eine Operation ent- Bis zu 50 Patienten mit Magenkrebs Gefäßchirurgie, Erlanger Allee 101
fernt werden kann. Häufig ist dabei die werden jährlich am UKJ versorgt, beim
Termin: jeden Freitag von 9 bis 13 Uhr
komplette Entfernung des Magens not- Speisenröhrenkrebs sind es rund 30.
Tel.: 9322618 (Dr. Y. Dittmar) oder
wendig. Für die Patienten bedeutet dies Dr. Koch: „Bei der operativen Behand-
9322676 (Dr. A. Koch) und 9322645
eine enorme Umstellung in ihrer Le- lung des Speiseröhrenkrebses muss in
(Sprechstundenzimmer)
bensführung. Ein Großteil der Patien- der Regel der größere Teil der Speise-
ten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt. röhre entfernt und durch einen so ge- E-Mail: yves.dittmar@med.uni-
„Nur in ausgewählten Fällen ist es mög- nannten Schlauchmagen oder ein Darm- jena.de
lich, einen Teil des Magens erhalten zu segment ersetzt werden. In ausgewähl-

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Diagnostik und Therapie

Gesünder essen, mehr bewegen, Stress abbauen


Eine Änderung des Lebensstils hilft, Steinleiden vorzubeugen

Ihre Größe reicht beim Menschen


von wenigen Mikrometern bis zu
mehreren Zentimetern, und sie lie-
gen lange unbemerkt im Harntrakt,
ehe sie sich, häufig mit heftigen
Schmerzen, bemerkbar machen oder
beim Röntgen bzw. im Ultraschall
entdeckt werden. „Harnsteine sind
das häufigste krankhaft gebildete
Biomineralisat in Mensch und Tier“,
sagt der Jenaer Biochemiker und
Harnsteinexperte PD Dr. Wolfgang
Berg.

Die Harnsteinentstehung hat verschie-


dene Ursachen. „Neben Stoffwechsel-,
Hormon- und Resorptionsstörungen im
Magen-Darm-Trakt können auch gene-
2,1 cm großer Blasenstein aus Kalziumoxalat-Monohydrat (Whewellit) mit höckriger Oberfläche.
tische Ursachen, Enzymdefekte oder die Im Kern ist ein deutlicher Schichtaufbau (Jahresringstruktur von Harnsäure) zu erkennen
Ernährung zur Harnsteinbildung füh- Fotos: Urologie
ren. Ebenso Funktionsminderungen der
Niere, Störungen des Harnabflusses und
häufige Harnwegsinfektionen. Auch der Jeder zwanzigste Deutsche erkrankt gen – jeweils etwa zur Hälfte Neuer-
pH-Wert des Urins spielt eine Rolle. Eine an Harnsteinleiden krankungen und Rezidive, das heißt er-
länger andauernde Veränderung der neute Steinbildungen. Die Zahl der
Urinzusammensetzung ist häufig das An Harnsteinen – Nieren-, Harnleiter- jährlichen Neuerkrankungen, so Wolf-
Resultat von Stoffwechselfehlfunktio- und Blasensteinen – leiden Menschen gang Berg, ist mit denen anderer Volks-
nen oder die Folge einer ungesunden aller Altersgruppen, selbst Kinder. Der krankheiten wie Gicht oder Diabetes
Lebensweise. Stress, mangelnde Bewe- Häufigkeitsgipfel liegt aber zwischen mellitus vergleichbar.
gung, eine ungünstige Ernährung und dem vierten und siebten Lebensjahr- Harnsteine werden unterschiedlich
Übergewicht können als exogene Fak- zehnt. Im Laufe seines Lebens erkrankt groß. „Etwa zwei Drittel der Steine er-
toren sowie als Merkmale des metabo- etwa jeder zwanzigste Deutsche ein- reichen maximal Stecknadelkopf- bis
lischen Syndroms die Harnsteinbildung oder mehrmals an einem Harnstein- Erbsengröße. Aufgrund ihrer scharfkan-
ebenfalls begünstigen“, erläutert PD leiden. Jährlich gibt es in Deutschland tigen Kristallstruktur verursachen sie
Berg. rund 1,2 Millionen Harnsteinerkrankun- aber dennoch erhebliche Schmerzen. Es
gibt allerdings, wenngleich seltener,
auch sehr große Steine. Nierenbecken-
ausgusssteine können das gesamte Nie-
renbecken ausfüllen und die Niere ir-
reparabel zerstören“, betont Dr. Wolf-
gang Berg.

Steine werden überwiegend


endoskopisch entfernt

Nieren- und Harnleitersteine machen


sich häufig mit sehr heftigen Koliken
bemerkbar, Blasensteine durch er-
schwertes Wasserlassen. Harnsteine bis
2,2 cm großer Maulbeerstein (Blasenstein) aus Erbsengröße müssen, wenn sie nicht im
Whewellit; rechts: Morgensternförmiger Nieren-
beckenstein (Größe: 1,2 cm) aus Whewellit mit Harntrakt wandern, in der Regel nicht
weißlicher Kalziumphosphat-Auflagerung sofort entfernt werden. Sie gehen – häu-

10 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Diagnostik und Therapie

fig unter starken Koliken – zumeist


spontan ab. Das sind etwa 65 Prozent
aller Konkremente. Medikamente kön-
nen die Schmerzen lindern und den
Steinabgang erleichtern, ebenso inten-
sives Treppensteigen. Zur Harnverdün-
nung sind neutrale Mineralwässer und
Früchtetees geeignet, Alkohol und Kaf-
fee sind hingegen mit Vorsicht zu ge-
nießen.
Seit den 1980er Jahren wurden größe-
re Steine mit Hilfe der Extrakorporalen
Stoßwellenlithotripsie (ESWL) entfernt.
Allerdings wurde bald deutlich, dass die
ESWL nicht bei allen Steinarten effek-
tiv funktioniert und zum Teil auch mit
erheblichen organischen Nebenwirkun-
gen verbunden ist. Dazu gehören Hä-
matome und eine durch Restfragmen-
te begünstigte verstärkte Rezidivstein-
bildung. „Heute werden überwiegend
minimalinvasive Verfahren eingesetzt
und die Mehrzahl der Harnsteine en-
doskopisch über die Harnröhre und den
Harnleiter oder einen kleinen Haut-
zugang entfernt. Auf diese Weise ver-
zeichnen wir weniger Nebenwirkun-
gen, eine kürzere Behandlungsdauer
und Steinfreiheitsraten von deutlich
über 90 Prozent direkt nach der OP“,
erläutert der Jenaer Harnsteinexperte.
Offen chirurgisch wird nur noch sel-
ten operiert.

Jeden Stein auffangen und


im Labor analysieren

Etwa drei Viertel der Harnsteine beste-


hen aus Kalziumoxalaten, 13 Prozent
aus Harnsäure und jeweils etwa fünf
Prozent aus Kalziumphosphat sowie Die Lehrtafel im DIN A0-Format wurde auf der Grundlage der aktuellen Leitlinien des Arbeitskrei-
ses Harnsteine der Akademie der Deutschen Urologen erstellt und durch Praxistipps aus der lang-
Magnesiumammoniumphosphat. Ins- jährigen Erfahrung der Autoren bei der Erarbeitung individueller Therapiepläne auf der Grundla-
gesamt gibt es mehr als zehn verschie- ge einer stoffwechselorientierten Behandlung von Harnsteinpatienten ergänzt.
dene Harnsteinarten, etwa 60 Prozent
sind Mischsteine, die aus mehreren Mi-
neralkomponenten bestehen. „Entspre- analyse gibt den Ärzten wichtige Hin- strategien von Harnsteinerkrankungen
chend exakt muss die Steinanalyse sein, weise auf geänderte Bildungsbedin- übersichtlich zusammen und stellt
die am Beginn jeder Therapie steht. gungen und den Krankheitsverlauf.“ komplexe Inhalte leicht verständlich
Deshalb ist es sehr wichtig, möglichst dar. Neben Abbildungen der wichtigs-
jeden abgehenden Stein aufzufangen Lehrtafel fasst Wissen übersichtlich ten Harnsteinarten werden an Mikros-
und im Labor zu analysieren. Nur dann zusammen kopbildern interessante morphologi-
können wir eine gezielte metabolische sche Details demonstriert. In der Stein-
Ursachendiagnostik und Nachsorge Bei der nicht immer einfachen Inter- sprechstunde, aber auch im Studium,
durchführen und drohende Steinneu- pretation der Laborergebnisse hilft kann die Tafel zu einem wertvollen und
bildungen von 50 bis 80 Prozent auf eine Harnstein-Lehrtafel, die PD Dr. übersichtlichen Kompendium werden.
unter 10 Prozent senken“, sagt PD Berg. Wolfgang Berg und der Mineraloge PD Das kann zur Verbesserung des Ver-
Auch die persönliche Steinzusammen- Dr. Norbert Laube vom Deutschen ständnisses zwischen Arzt und Patient
setzung bleibt nicht in jedem Fall le- Harnsteinzentrum Bonn erarbeitet ha- und der Compliance, der Therapietreue,
benslang gleich. „Bei Rezidiven“, so ben, und die im Herbst 2012 erschie- beitragen“, hoffen die langjährigen For-
Wolfgang Berg, „kann sich diese im nen ist. „Die Tafel fasst das Wissen über schungspartner Dr. Wolfgang Berg und
Laufe der Zeit ändern. Die Harnstein- Krankheitsursachen und Behandlungs- Dr. Norbert Laube. mv

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Diagnostik und Therapie

Herz in Gefahr
Herzwoche 2012 informierte über Koronare Herzkrankheit

Herzkreislauf-Erkrankungen stehen
in der deutschen Todesursachensta-
tistik schon seit Jahren auf Platz Eins.
Doch Herzen sind überall auf der
Welt in Gefahr. Auch dort, wo Herz-
kreislauf-Erkrankungen bis vor we-
nigen Jahrzehnten eine eher unter-
geordnete Rolle spielten, in China,
Indien und anderen Schwellenlän-
dern. „Fortschrittsfalle“ nennt das
Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla und
verweist auf die Erfolge der Kardio-
logie in den letzten Jahrzehnten. „Die
Menschen erkranken etwa zehn Jah-
re später als noch vor 30 oder 40
Jahren“, betont der Direktor der Kli-
nik für Innere Medizin I. „Viele sind
heute bereits in den Siebzigern, wenn
sie erstmals Probleme mit dem Her-
zen haben.“

Wie einer der Patienten, die der Kardi-


ologe Dr. Achim Klumbies während des Herzchirurgische Operation am UKJ Foto: HTC
Herzseminars der Herzwoche 2012 vor-
stellte. Der 74-Jährige, Nichtraucher
und sportlich aktiv, bemerkte vor etwa Allerdings kann es nach wie vor auch Stents versorgt wurden. Nach einem
einem Jahr beim Fahrradfahren, dass Jüngere treffen, wie der Fall eines 57- lebensgefährlichen Kammerflimmern
mit seinem Herzen etwas nicht stimmt. jährigen Patienten zeigte, der die zahl- wurde ein Defibrillator implantiert, und
Das bestätigten die kardiologischen reichen Besucher über seine Kranken- nach erneuten Stenosen der Herzkranz-
Untersuchungen. Drei Herzkranzgefäße geschichte informierte. Obwohl sport- gefäße mussten zusätzlich zwei Bypässe
wurden am Universitäts-Herzzentrum lich aktiv, wurden nach einem Herzin- gelegt werden.
Jena mittels Katheter aufgeweitet und farkt hochgradige Einengungen an den
mit Stents stabilisiert. Herzkranzgefäßen festgestellt, die mit Sofort den Notarzt rufen

„Die Arteriosklerose manifestiert sich


nicht nur am Herzen, sie betrifft zahl-
reiche weitere Organe wie das Hirn, die
Nieren, die Leber und die großen Gefä-
ße“, sagte der Leitende Oberarzt der
Jenaer Kardiologie, Prof. Dr. Dr. Mar-
kus Ferrari, und verwies auf deren wich-
tigste Risikofaktoren: Diabetes, Über-
gewicht, Bewegungsmangel, Bluthoch-
druck, Fettstoffwechselstörungen sowie
Stress und Rauchen.
Etwa 60.000 Herzinfarkttote gibt es in
jedem Jahr in Deutschland. „Die meis-
ten versterben, bevor sie die Klinik er-
Linke Herzkranzarterie mit Verschluss der End- Mammaria-Bypass nach Stentimplantation reichen. In der Klinik liegt die Sterb-
äste lichkeit bei nur etwa vier bis sechs Pro-

12 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Diagnostik und Therapie

zent, denn hier kann den Patienten ef- Ausreichend Bewegung und gesunde Portion Rucola-Salat „abzuarbeiten“,
fektiv geholfen werden. Deshalb ist es Ernährung sind das A und O muss man sich eine halbe Stunde be-
wichtig, sofort den Notarzt zu rufen. wegen, für ein Stück Nusstorte benö-
Vor allem ältere Menschen sollten zu- „Man ist so jung wie seine Gefäße!“ Dr. tigt man fast vier Stunden!
dem stets eine Medikamentenliste bei Sigrid Geßner verwies auf zahlreiche Ausreichend Bewegung sowie eine ge-
sich tragen“, betonte Prof. Ferrari. Risikofaktoren, die unser Gefäßsystem sunde Ernährung mit viel Obst und
Häufig ist es möglich, die Herzkranz- vom Hirn bis zum Zeh nachhaltig schä- Gemüse sowie wenig Fleisch sind das A
gefäße mittels Ballondilatation aufzu- digen. Ein großes Problem ist der zu- und O einer Gefäß schonenden Lebens-
dehnen und mit Stents mechanisch zu nehmende Bewegungsmangel. „Unse- weise, betonte auch der Kardiologe Dr.
stabilisieren. Dabei werden jedoch nur re Vorfahren benötigten täglich zehn Wolfgang Türk. Das gilt ganz besonders
die erkrankten Segmente über eine Län- bis zwölf Stunden für die Nahrungs- für Menschen mit kardiovaskulären Er-
ge von wenigen Zentimetern behandelt. suche. Heute fahren wir in den Super- krankungen. Sehr wichtig ist zudem die
„Da es unmöglich ist, die Herzkranzge- markt, und wir bewegen uns immer korrekte Einnahme der ärztlich verord-
fäße vollständig mit Stents ‚auszuklei- weniger“, betonte die Kardiologin und neten Medikamente. „Es kommt leider
den‘, ist nach dem Eingriff eine effizi- empfahl ein gezieltes Herzkreislauf- immer wieder vor, dass Patienten ihre
ente Sekundärprophylaxe erforderlich. Training. Das beugt der Gefäßverkal- Medikamente reduzieren oder ganz
Das betrifft sowohl die Therapie mit kung vor, es verbessert die Herzleistung, absetzen, wenn es ihnen gut geht. Sie
Blut verdünnenden Medikamenten als normalisiert den Blutdruck und redu- vergessen dabei, dass es ihnen nur des-
auch die Reduzierung der Risikofak- ziert das Übergewicht. Auf diese Wei- halb gut geht, weil sie die Medikamen-
toren“, sagt Prof. Ferrari. Die erste Auf- se, so Sigrid Geßner, lässt sich die Sterb- te einnehmen und riskieren mit diesem
dehnung eines verengten Herzkranz- lichkeit an Herzkreislauf-Erkrankungen eigenmächtigen Handeln ihre Gesund-
gefäßes erfolgte 1977, nachdem zuvor um etwa ein Drittel reduzieren. heit oder sogar ihr Leben“, warnte Dr.
über siebzehn Jahre die koronare By- Allerdings sollte man auch hier nicht Türk. Unbedingt wahrnehmen sollten
passoperation als einzige Behandlungs- übertreiben, denn exzessiv durchge- Menschen mit einer Koronaren Herz-
möglichkeit zur Verfügung stand. führt, kann Sport der Gesundheit scha- krankheit die jährliche Grippeschutz-
den. Außerdem sollten Bewegung und impfung, die vor möglichen ernsthaf-
Arterielle Bypässe besonders geeignet Ernährung im Einklang stehen. Um eine ten Komplikationen schützt. mv

„Bei der Bypassoperation umgehen wir


die durch Plaques oder Blutgerinnsel
verengten Herzkranzgefäße mit Hilfe
von ‚Umleitungen‘ oder ‚Brücken‘. Auf
diese Weise senken wir das Risiko eines
ersten oder erneuten Herzinfarkts und
tragen ganz erheblich zur Verbesserung
der Lebensqualität und zur Lebensver-
längerung bei“, erläuterte UKJ-Herzchi-
rurg Dr. Tim Sandhaus. Als Bypassma-
terial eignen sich besonders die linke
und die rechte Brustwandarterie (A.
Mammariae), die Armschlagader (A. ra-
dilis) sowie Venen aus dem Bein. Da die
Bypässe, die aus einer Schlagader ge-
macht werden, länger offen bleiben als
venöse Bypässe, finden diese zuneh-
mend Verwendung. Bypassoperationen
werden heute in Jena routinemäßig
ohne Herz-Lungen-Maschine und wenn
möglich sogar minimal-invasiv durch-
geführt. Ist eine Durchtrennung des
Brustbeins erforderlich, tragen die Je-
naer Patienten seit einiger Zeit post-
operativ etwa sechs Wochen lang eine
Thoraxweste. „Das unterstützt die Hei-
lung des Brustbeins und verringert das
Risiko von Wundinfektionen und Wund-
heilungsstörungen“, betonte Dr. Sand-
haus.

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Diagnostik und Therapie

Palliativversorgung von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren


Auch im letzten Lebensabschnitt eine möglichst
gute Lebensqualität sichern
Neuerkrankungen an Kopf-Hals-Tu- sorgt werden. „Wir haben die Möglich- ge, in der Leber oder im Skelett. Letz-
moren haben in den letzten Jahr- keit, diese Tumoren chirurgisch abzu- tere zerstören den Knochen und verur-
zehnten weltweit zugenommen. In tragen und die Speise- oder Atemwege sachen häufig starke Schmerzen. Eine
Deutschland betrifft dies jährlich durch Stents offen zu halten. Chirur- Bestrahlung der Knochenmetastasen
mehr als 25.000 Menschen, rund 80 gisch abtragen können wir auch optisch kann diesen Prozess aufhalten und den
Prozent sind Männer. Wer raucht und
regelmäßig Alkohol trinkt, hat ein
erhöhtes Risiko, an einem solchen
Tumor zu erkranken.

Zu den Kopf-Hals-Tumoren gehören


Tumoren der Mundhöhle, des Rachens
(Pharynxkarzinom) und des Kehlkopfes
(Larynxkarzinom) aber auch des obe-
ren Teils der Speiseröhre, der Ohren, der
Speicheldrüsen, der Nase und der Na-
sennebenhöhlen. Früh erkannt, besteht
in vielen Fällen die Möglichkeit der
Heilung. Allerdings werden nur etwa ein
Drittel der Kopf-Hals-Tumoren in einem
solchen Stadium entdeckt. „Über alle
Tumorarten und -stadien hinweg kön-
nen wir zwischen 40 und 50 Prozent
der Betroffenen heilen. Patienten, wo
dies nicht möglich ist, versorgen wir mit
einer palliativen Therapie“, betont Prof.
Dr. Sven Koscielny. Der Leitende Ober- Prof. Dr. Sven Koscielny während einer Tumoroperation Foto: Wetzel
arzt an der Klinik für Hals-, Nasen- und
Ohrenheilkunde des UKJ war wissen- auffällige Tumoren“, erläutert Sven Knochen stabilisieren. Diskutiert wur-
schaftlicher Leiter des 17. Jenaer HNO- Koscielny. „Darüber hinaus legen wir de während der Jenaer Tagung auch die
Onkologie-Symposiums. Dieses be- Ports, chirurgische Zugänge für die In- Bestrahlung mittels Afterloading. „Da-
schäftigte sich Anfang Dezember mit fusion von Schmerzmedikamenten.“ bei wird die Strahlenquelle direkt an
der palliativen Versorgung von Patien- Damit kann auch Patienten, bei denen den Tumor gelegt. Der Krebs wird sehr
ten mit Kopf-Hals-Tumoren. die orale Gabe von Schmerzmitteln nur präzise bestrahlt und das umliegende
schwer möglich oder nicht ausreichend Gewebe geschont. Das ist vor allem bei
Fortgesetztes lokales Tumorwachstum ist, geholfen werden. Mundhöhlen- und Pharynxtumoren
ist in vielen Fällen mit Schluck- und Erhebliche Probleme bereiten vielen Be- eine wichtige Option“, sagt Koscielny.
Atemproblemen sowie Blutungen ver- troffenen Fernmetastasen, Absiedlun- Chemotherapien sprechen bei Kopf-
bunden, die durch den HNO-Arzt ver- gen von Kopf-Hals-Tumoren in der Lun- Hals-Tumoren sehr unterschiedlich an.
„Bei etwa einem Drittel verkleinert sich
der Tumor, und bei einem weiteren Drit-
tel wird er zumindest nicht größer. Es
gibt allerdings auch ein Drittel, wo die
Chemotherapie nicht anspricht und der
Tumor weiter wächst. Wir verfügen
Tumorverlegte Luft- heute über verschiedene Chemothera-
röhre (li.). Nach der piekonzepte, deren Einsatz von der Tu-
Operation helfen morart und vom Tumorstadium abhän-
Stents, diese offen
zu halten gig ist, und über den auch die Nieren-
Foto: HNO leistung und das Blutbild des Patien-
ten entscheiden“, erläutert Oberarzt
Koscielny.

14 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Zu Besuch am Klinikum

Das Konzept der Spezialisierten ambu- in die Luftröhre einwachsen. Die Tra- Klinik teilgenommen hat, möchten ne-
lanten Palliativversorgung (SAPV) wur- chealkanülen müssen auch weiterhin in ben Patienten auch Angehörige, die die
de in den letzten Jahren durch die UKJ- der Klinik gewechselt werden“, betont schwere Erkrankung ebenfalls stark be-
Palliativmediziner entwickelt. Die SAPV Sven Koscielny. lastet und die sich mit ihren Ängsten und
ermöglicht es, Palliativpatienten mit Sorgen häufig allein gelassen fühlen,
Unterstützung eines ambulanten Pfle- Zunehmend an Bedeutung hat in den psychoonkologisch betreut werden.
gedienstes oder Palliativteams zu Hau- letzten Jahren die Psychoonkologie ge- Leider ist das nicht immer möglich, weil
se zu betreuen. „Nicht immer möglich wonnen. „Bei den Kopf-Hals-Tumoren, es in Deutschland nach wie vor zu we-
ist das bei Patienten mit Tumoren der so das Ergebnis einer vor kurzem veröf- nige Psychoonkologen gibt“, bedauert
Atemwege oder mit Tumorrezidiven, die fentlichten Studie, an der auch unsere Prof. Koscielny. mv

Foto: UKJ

Schülerprojekt: Früherkennung von Brustkrebs


Schülerinnen aus Milda besuchten Klinik für Frauenheilkunde und
Geburtshilfe
22 Schülerinnen der Jahrgangsstufe schen Lernort und Partner in der be- Abtasten der Brust an Modellen üben.
9 der Freien Ganztagsschule Milda ruflichen Ausbildung kennen zu ler- Die Untersuchung ab 20 Jahren regel-
wurden im Rahmen ihres Schulpro- nen“, betont Kerstin Pechmann, Pfle- mäßig durchzuführen, bewertet Kerstin
jekts „Menschenskinder“ in der Kli- gedienstleitung der Klinik für Frauen- Zellmann als sehr wichtig. „Im Schnitt
nik für Frauenheilkunde und Ge- heilkunde und Geburtshilfe am UKJ. ertasten 80 Prozent der Frauen selbst
burtshilfe des Universitätsklinikums Wissenswertes zur weiblichen Brust und Knoten. Auch wenn das Haupterkran-
Jena über Brustkrebsvorsorge infor- Brustkrebsvorsorge erläuterten Kerstin kungsalter bei Brustkrebs zwischen 50
miert. Darüber hinaus waren beruf- Zellmann und Sylke Kiel. Dabei brach- und 69 Jahren liegt, sollten Jugendli-
liche Möglichkeiten am UKJ ein The- ten die Brustschwestern den Schülerin- che über die Gesunderhaltung der Brust
ma. Die Brustschwestern Kerstin Zell- nen anatomische Aspekte näher und aufgeklärt sein.“ Das IBZ Jena bietet sol-
mann und Sylke Kiel sowie Schwes- gingen auf Veränderungen in der Brust che Kurse zum Brustabtasten an.
ter Babett Walzog vom Interdiszipli- und deren Ursachen ein. „Das Interesse,
nären Brustzentrum Jena (IBZ) füll- welches die Mädchen zeigten, hat uns Einen weiteren Schwerpunkt des Pro-
ten zwei Stunden Vortrag sowohl mit sehr gefreut. Sie stellten viele Fragen und jekttages bildeten Informationen zu
Theorie als auch mit Praxis. brachten sich gut ein“, erklärt Zellmann. beruflichen Perspektiven, die das Uni-
Wie die Brust untersucht werden kann versitätsklinikum Jena bietet, wobei
„Dieser Projekttag leistete einen wich- und auf was Frau bei der Selbstunter- unter anderem der Berufszweig der
tigen Beitrag zur Prävention und Sen- suchung achten sollte, um frühzeitig Krankenpflege vorgestellt wurde. „Da-
sibilisierung. Gleichzeitig erhielten die Symptome von Brustkrebs zu erkennen, durch konnten wir Interesse für medi-
Schülerinnen die Möglichkeit, das Uni- vermittelten die Schwestern anschau- zinische Berufe wecken“, so Babett Wal-
versitätsklinikum Jena als außerschuli- lich. Denn die Mädchen konnten das zog. me

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Veranstaltungen

Informationsabende
Blutspende Jenaer Abendvorlesungen
für werdende Eltern

Informationsabende für werdende Regelmäßige Vollblutspende- in Kooperation von GesundheitsUni


Eltern finden an jedem zweiten zeiten in der ehemaligen Klinik für und Förderverein des Universitäts-
Donnerstag im Monat 19 Uhr im Chirurgie in der Bachstraße 18: klinikums Jena
Hörsaal und im Kreißsaal der
Universitäts-Frauenklinik in der Mo-Do: 14.00 bis 19.00 Uhr 30. Januar 2013
Bachstraße 18 statt. Freitag: 8.00 bis 13.00 Uhr Damit das Herz schlägt: Möglich-
letzter Samstag im Monat: keiten der modernen Herzchirurgie
Nächste Termine: 9.00 bis 13.00 Uhr Prof. Dr. Torsten Doenst, Klinik für
14. und 28. Februar sowie 14. und Herz- und Thoraxchirurgie
28. März 2013 Telefon: 0 36 41/9 39 39 37
27. Februar 2013
www.transfusionsmedizin-jena.de Unser Gehirn: Neue Nervenzellen
www.blut-ist-leben.de für das alternde Gehirn
Patientenseminare im Prof. Dr. Christoph Redecker, Klinik
Interdisziplinären Brustzentrum für Neurologie
Patientenakademie der Klinik
27. März 2013
14. Februar 2013, 18.00 Uhr für Neurologie
Riechstörungen: Diagnostik und
Krebszellen unter dem Mikros-
Therapie
kop
Dr. Heike Reimann, Klinik für Hals-,
Referent: Oberarzt Dr. med. M. R. 19. März 2013, 17.00 Uhr (SR 1)
Nasen- und Ohrenheilkunde
Gajda, Facharzt für Pathologie Multiple Sklerose – MS und Blase
Referent: Fr. Neupert, Kranken-
24. April 2013
14. März 2013, 18.00 Uhr schwester
Allergien vermeiden, Allergien be-
Lymphödemtherapie und
handeln, mit Allergien leben
Prophylaxe 9. April 2013, 17.00 Uhr (SR 7)
Dr. Sibylle Schliemann, Klinik für
Referent: Thomas Fuchs, Physio- Multiple Sklerose – Hilfe im
Hautkrankheiten
therapeut Alltag durch Ämter und Vereine
Referent: Hr. Treske, Fr. Hartmann
29. Mai 2013
Die Seminare für Patienten mit Tu-
Unser Magen-Darmtrakt
morerkrankungen und Angehörige Die Veranstaltungen für Patienten
Prof. Dr. Andreas Stallmach, Klinik für
finden im Beratungsraum des Inter- und Angehörige finden im angege-
Innerer Medizin IV (Gastroenterolo-
disziplinären Brustzentrums, Bach- benen Seminarraum (SR) im Klinikum
gie, Hepatologie und Infektiologie)
straße 18, statt. Lobeda, Erlanger Allee 101, statt.
26. Juni 2013
Alleskönner Stammzellen – Theo-
Förderverein des Universitätsklinikums Jena e.V. rie und Praxis
Vorsitzender: PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf, Erlanger Allee 101, 07747 Jena, Dr. Herbert G. Sayer, Klinik für Innere
Tel.: 03641/9 325001, Fax: 03641/9 325002, E-Mail: foerderverein@med.uni-jena.de
Medizin II (Hämatologie/Internisti-
Ich/Wir möchte(n) sche Onkologie)
Vereinsmitglied werden
Juli/August Sommerpause
eine Spende in Höhe von € überweisen
(Zutreffendes bitte ankreuzen) (Stand Januar 2013, Änderungen
vorbehalten)
Name, Vorname, Titel:
Firma, Einrichtung, Verein: Die Abendvorlesungen finden ab
Anschrift: 19.00 Uhr im Hörsaal 1 im Klinikum
Lobeda, Erlanger Allee 101, statt.
Telefon: E-Mail:
www.gesundheitsuni.uniklinikum-
Datum: Unterschrift: jena.de

16 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Service

Cafeteria
In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums werden täg-
lich drei Menüs angeboten, darunter ein vegetarisches.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag 12.00 bis 16.30 Uhr
Mittwoch bis Sonntag 17.00 bis 20.00 Uhr

Patientenfürsprecher (patientenfuersprecher@med.uni-jena.de)
Patientenfürsprecher stehen den Patienten bei Problemen zur Seite:
Christine Börner (Tel.: 0170 4589890) Gabriele Spangenberg (Psychiatrie)
und Maria Lasch (Tel.: 0151 12211605) Sprechzeit jeden 1. und 3. Donnerstag
Sprechzeit mittwochs 13.30-15.00 Uhr im im Monat, 15.30-16.30 Uhr, Büro in
Mitarbeiterservice in der Magistrale der Institutsambulanz; Tel.: 9390415

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie eine
solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer Station
an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda (im Erdgeschoss der Magistrale in den ehemaligen
Räumen der Poststelle) hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr geöffnet,
die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von 9 bis 11 Uhr. Außer-
dem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für Psychiatrie sowie für
Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Evangelische Klinikseelsorge: Katholische Klinikseelsorge:
Pfarrer Heinz Bächer, Tel. 0151 1710 1492 Pfarrer Michael Ipolt
Pfarrerin Christine Alder Bächer, Tel. 0151 1710 1493 Tel. 0171 3281 158
Pfarrerin Dorothee Müller, Tel. 0151 1710 1494

Blutspende
Die Möglichkeit zur Blutspende besteht am Institut für Transfusionsmedizin im ehemaligen
Chirurgie-Gebäude in der Bachstraße 18.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis19 Uhr und Freitag 8 bis13 Uhr
sowie jeden zweiten und letzten Samstag im Monat 9 bis13 Uhr

Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern


Leiter Leiterin Geschäftsstelle Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Empfang Lobeda: 932 08 50
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

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Gesundheitstag

Gesundheitstag war ein voller Erfolg


Mit Spaß, Sport und Entspannung gegen Stress
Ressourcen erkennen und nutzen – versität und Uniklinikum Jena, der am Was kann jeder Einzelne für seine Ge-
das war das Motto des 3.Gesund- 17. November auf dem Abbe-Cam- sundheit tun? Wie kann man mit Stress
heitstages von Friedrich-Schiller-Uni- pus stattfand. und Belastungen umgehen?
Diese und andere Fragen wurden bei
Vorträgen, Aktivangeboten und Ge-
sundheitschecks beantwortet. Zahlrei-
che Aussteller informierten rund um
das breite Thema Gesundheit.

Vielfältige Angebote für


die gesamte Familie

Wie sich das die Organisatoren ge-


wünscht haben, waren nicht nur An-
gehörige von Universität und Uniklini-
kum, sondern auch viele andere Inter-
essierte jeden Alters auf dem Abbe-
Campus unterwegs. Mitten im Herzen
Jenas bot der 3. Gesundheitstag in die-

Ob Groß oder Klein – jeder hatte beim


Gesundheitstag seinen Spaß und viel Bewegung
Fotos: Hellmann

18 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Selbsthilfe

sem Jahr zahlreiche Möglichkeiten für heit bekamen die Besucher bei den lachte ebenso wie die Besucher und so
ein breites Publikum. Viele Familien mit verschiedenen Vorträgen. Schlagwor- konnten auch die Angebote im Außen-
Kindern waren dabei und die Kleinen te wie Burnout, Work-Life-Balance bereich – wie der begehbare Rettungs-
genossen ihr eigenes Programm ge- oder Zeit- und Selbstmanagement wagen – unbeschwert genutzt werden.
nauso wie die verschiedenen gesunden lockten viele Interessierte in die Hör- Zum Ausgleich ein wenig entspannen
Snacks. In der gesamten Zeit von 10 bis säle. Die Gesundheitschecks boten eine und abschalten konnte man bei Shiat-
16 Uhr wurden die Angebote gut ge- gute Möglichkeit, herauszufinden, wie su-Massagen, in der Relax-Lounge oder
nutzt – teilweise war der Andrang so es um die eigene Gesundheit bestellt auch bei verschiedenen Entspannungs-
groß, dass die Kapazitäten fast nicht ist – durch Stoffwechselanalyse, Seh- kursen.
ausreichten. Zwischendurch wurde und Hörtests oder auch Stress-Frage-
auch beim Gesundheitsquiz fleißig ge- bögen. Alles in allem zeigte der Gesundheits-
rätselt. Der ein oder andere wäre sicher Selbst aktiv sein und sich ausprobieren tag ein gutes Gesamtpaket, das helfen
gern noch länger geblieben. – das konnten die Besucher an der Re- kann, mit den Belastungen des Alltags
aktionswand, auf dem Balance-Board umzugehen – eine Mischung aus Wis-
Selbst aktiv sein und sich ausprobieren und bei Kursen wie Lachyoga oder dem sen, Aktivität und Entspannung, zusam-
heilsamen Singen. Die Freude, die die men mit einer Prise Humor.
Informationen rund um die Themen Teilnehmenden hatten, konnte man an
Stress, Stressbewältigung und Gesund- ihren Gesichtern ablesen. Die Sonne Organisationsteam Gesundheitstag

Restitutio ad Optimum ist das Ziel


Die Jenaer Polio-Selbsthilfegruppe feierte mit dem Symposium
„Poliomyelitis aktuell“ das 20. Jubiläum

Vor 20 Jahren wurde in Jena die Po- Seit 1995 besteht am Institut für Phy- tutio ad Optimum, das optimale Aus-
lio-Selbsthilfegruppe gegründet. An- siotherapie eine Poliosprechstunde, in schöpfen der vorhandenen Ressourcen.
lässlich dieses Jubiläums und des in- der etwa 220 Patienten vor allem mit Dr. Barbara Bocker
ternationalen Poliotages fand am Postpoliosyndrom überregional betreut
9. November 2012 unter der Schirm- werden.
herrschaft von Oberbürgermeister Grundlage für eine adäquate Therapie
Dr. Albrecht Schröder das wissen- und Rehabilitation ist die standardisier-
Verdienstmedaille für
schaftliche Symposium „Poliomyeli- te apparative und klinisch objektivier- Dr. Barbara Bocker
tis aktuell“ statt. te Befundung der Muskel- und Bewe-
gungs- sowie der Alltagsfunktionen. Im Rahmen des Symposiums „Polio-
Jenaer und auswärtige Experten infor- Die wissenschaftliche Begleitung der myelitis aktuell“ zeichnete der Bun-
mierten die 70 Therapeuten, Ärzte und aufgestellten Standards erfolgt in The-
Patienten über Strategien der weltwei- rapieverlaufs- und -vergleichsstudien,
ten Ausrottung potenzieller Poliomye- die auch in der Veröffentlichung der
litisinfektion, über medikamentöse In- Orientierungshilfe des wissenschaftli-
teraktionen, speziell bei der Behand- chen Beirates des Bundesverbandes
lung Polioerkrankter, sowie über Thera- zum Umgang mit Poliomyelitispatien-
pieoptionen bei poliobedingter Harn- ten zitiert werden.
inkontinenz. Darüber hinaus wurden In Zusammenarbeit mit den Neurolo-
wichtige Hinweise zu juristischen und gen ist zudem eine spezialisierte stati-
sozialrechtlichen Fragen gegeben. Un- onäre Untersuchung und Betreuung der
terstützt wurde die Veranstaltung durch Poliopatienten am Universitätsklinikum desverband Poliomyelitis Oberärztin
Geräte- und Hilfsmitteldemonstratio- Jena gewährleistet. Dr. Barbara Bocker mit seiner Ver-
nen der Firmen Staeb medical und Bas- Über die Zusammenarbeit mit der dienstmedaille aus. Die Fachärztin
ko sowie das Sanitätshaus Reha aktiv Selbsthilfegruppe erfüllen die Ärzte für physikalische und rehabilitative
2000, die in enger und kompetenter Zu- edukative Aufgaben, und sie befinden Medizin leitet die Poliosprechstun-
sammenarbeit an der Versorgung der sich hinsichtlich des Therapiezieles im de am Institut für Physiotherapie.
Patienten beteiligt sind. Konsens mit den Patienten: die Resti-

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Baugeschehen am Klinikum

Zentrallager und Wertstoffhof


Erweiterungsbau des Dienstleistungszentrums ist in vollem Gange

Im Dezember 2000, mehr als drei weitern, erläutert die an der Abteilung sen“, sagt der Leiter der Abteilung Bau
Jahre vor dem Umzug der Kliniken Bau und Gebäudetechnik des UKJ täti- und Gebäudetechnik im Geschäftsbe-
des ersten Bauabschnitts nach Lobe- ge Projektleiterin. Insgesamt werden reich Betreibung und Beschaffung, Dr.
da, wurde das Dienstleistungszen- etwas mehr als 6,8 Millionen Euro in- Christian Graudenz.
trum (DLZ) mit der Zentralküche und vestiert. Wegfallen werden durch die Verlegung
der Apotheke fertig gestellt. Der des Zentrallagers zahlreiche Transpor-
2012 in Angriff genommene Erwei- In die erste Ebene des Neubaus wird der te zwischen den Innenstadt-Kliniken
terungsbau des DLZ wird auch das Wertstoffhof einziehen, der sich gegen- und Lobeda. Allerdings nicht sofort,
erste Gebäude des zweiten Bauab- wärtig überwiegend im Dienstleis- sondern erst nach deren Umzug in den
schnitts sein. tungszentrum befindet. Seine Fläche Klinikumsneubau. „Einen Teil der neu
wird sich damit annähernd verdoppeln. geschaffenen Lagerflächen wird die
„Wir haben im April mit der Beräumung Die Pressen und Container, die sich Klinikumsapotheke nutzen, deren Lager
des Baufeldes begonnen, inzwischen ist während der Bauphase vor dem DLZ sich zurzeit noch im Apothekenbereich
der Rohbau schon weit fortgeschritten. und auf dem Parkplatz an der Dracken- befindet. Die Apotheke wird hier vor
Voraussichtlich im März nächsten Jah- dorfer Straße befinden, werden eben- allem Infusionsflüssigkeiten, die einen
res wird das Gebäude fertig gestellt falls im neuen Gebäude aufgestellt. Großteil der Lagerbestände ausmachen,
sein, im Sommer soll es in Betrieb ge- In der zweiten Ebene wird das Zentral- unterbringen“, erläutert Christian Grau-
hen“, sagt Sylvia Hirschberg. Mit rund lager eingerichtet, das von seinem lang- denz. Die im Dienstleistungszentrum
2800 Quadratmetern Nettonutzfläche jährigen Standort Am Johannisfried- frei werdenden Flächen werden für die
wird das dreistöckige Gebäude die Ge- hof 4 vollständig nach Lobeda umzie- weitere Verbesserung des Patientenser-
samtfläche des Dienstleistungszen- hen wird. „Sobald wir dort arbeitsfähig vices bei der Medikamentenversorgung
trums auf etwa 6000 Quadratmeter er- sind, wird das alte Zentrallager geschlos- genutzt. mv

Die Baustelle des Erweiterungsbaus des Dienstleistungszentrums Anfang Januar 2013. Mitte nächsten Jahres soll der Neubau in Betrieb genommen
werden. Foto: Vöckler

20 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Qualitätsmanagement

Doppelt zertifiziert
Qualitätsarbeit in Zentraler Notfallaufnahme bestätigt

Gleich doppelten Grund zur Freude


hatten in diesem Jahr die Mitar-
beiterinnen und Mitarbeiter der Zen-
tralen Notfallaufnahme des UKJ.
„Im Mai erhielten wir die DIN-ISO-
Zertifizierung und ein halbes Jahr
später das DGINA-Zert, das Qualitäts-
siegel unserer Fachgesellschaft. Bei-
de Zertifikate haben wir im ersten
Anlauf erhalten“, sagt der Leiter der
ZNA, Oberarzt Raik Schäfer, und
dankt dem QM-Verantwortlichen,
Oberarzt Dr. Christian Hohenstein,
sowie allen Mitarbeitern für ihr En-
gagement in dem zweijährigen Zer-
tifizierungsprozess.

In der seit Mitte 2007 eigenständigen


Betriebseinheit des UKJ arbeiten mehr
Im Notfall schnell
als 50 Mitarbeiter, darunter 17 Ärzte. die richtige Ent-
„Es ist uns in den letzten Jahren gelun- scheidung treffen,
müssen die Mit-
gen, immer mehr Kolleginnen und Kol- arbeiter der ZNA
legen für unser Fach zu begeistern. Die Foto: ZNA
Arbeit ist anstrengend, aber sehr interes-
sant und findet vor allem unter jungen
Medizinern eine hohe Akzeptanz. Hat-
ten wir noch vor fünf Jahren fast aus- rurgie, die Innere Medizin, die Anästhe- für die Weiterbehandlung zuständige
schließlich Rotationsstellen, arbeiten in siologie und Intensivmedizin oder die Klinik überwiesen. „Auch diese Nahtstel-
der ZNA heute mehr als zwei Drittel fest Allgemeinmedizin – hinausblicken, und len, die reibungslos funktionieren müs-
angestellte Ärzte. Das hat sich sowohl er muss in der Lage sein, komplex und sen, konnten wir während des Zertifi-
auf die Organisation als auch auf die interdisziplinär zu denken. Denn häufig zierungsprozesses weiter effektivieren.
Qualität unserer Arbeit sehr positiv aus- bleibt uns nicht viel Zeit herauszufin- Wir haben Abläufe hinterfragt und zahl-
gewirkt und ist einer der Gründe, dass den, ob der Patient vital bedroht ist und reiche Prozesse standardisiert. Das gilt
wir als erste deutsche Notfallaufnahme welche Erkrankung oder Verletzung am auch für die Qualität der Aus- und Wei-
doppelt zertifiziert worden sind“, betont gefährlichsten ist. Außerdem muss man terbildung unserer Mitarbeiter. Denn
Raik Schäfer. die Ruhe bewahren, wenn es hoch her- Notfallmedizin“, so Oberarzt Schäfer,
geht und innerhalb kurzer Zeit mehrere „erlernt man nirgends so gut wie in der
34.000 Patientenkontakte pro Jahr, mit- Notfälle eingeliefert werden“, betont der Notfallaufnahme.“
unter 170 bis 180 täglich, erfordern ein Leiter der ZNA. In solchen Situationen
gut eingespieltes Team. Versorgt werden kann es für nicht lebensbedrohlich Ver- Raik Schäfer und Dr. Christian Hohen-
Patienten mit allen nur denkbaren Be- letzte oder Erkrankte und deren Ange- stein freuen sich, dass die Arbeit der
schwerden. Das Spektrum reicht von hörige zu längeren Wartezeiten kom- Zentralen Notaufnahme von den exter-
Bagatell- bis zu lebensgefährlichen Er- men. „Hier müssen wir um Verständnis nen Qualitätsprüfern so positiv bewer-
krankungen oder Verletzungen. Um vor bitten“, sagt Oberarzt Hohenstein und tet worden ist. „Zufrieden zurücklehnen
allem in Stresssituationen den Überblick betont, dass sich die Ärzte, Schwestern werden wir uns allerdings nicht. Denn
zu behalten und die richtigen Entschei- und Pfleger um möglichst kurze Warte- zum einen wollen wir unsere Arbeit und
dungen zu treffen, sind ein umfangrei- zeiten für jeden Patienten bemühen. die organisatorischen Abläufe selbst
ches medizinisches Wissen und viel Er- immer weiter verbessern und zum an-
fahrung erforderlich. „Wer hier arbeitet, Nach dem Abschluss der Diagnostik wer- deren warten in den nächsten Jahren re-
muss weit über den Tellerrand seines ei- den die Patienten, die stationär aufge- gelmäßige Rezertifizierungen“, betonen
gentlichen Fachgebietes – sei es die Chi- nommen werden müssen, zügig in die die Notfallmediziner. mv

www.uniklinikum-jena.de 21
GesundheitsUni

Zu viel, zu wenig oder gerade richtig?


Hormonüber- oder -unterproduktion kann zahlreiche Erkrankungen
auslösen

In der Jugend spielen sie häufig


sprichwörtlich „verrückt“. Jahrzehn-
te später machen vielen Patienten
Schilddrüsenerkrankungen und Dia-
betes zu schaffen. Hormone, der Be-
griff leitet sich vom griechischen
Wort für „anregen“ ab, beeinflussen
unsere Stimmungen, Befindlichkei-
ten und Wünsche. Vor allem aber
regeln sie zahlreiche lebenswichtige
Vorgänge, vom Wachstum über den
Blutdruck und den Blutzuckerspie-
gel bis zur Schwangerschaft. Hormo-
ne sind chemische Botenstoffe, die
Informationen zwischen dem Gehirn
und den übrigen Körperregionen
übermitteln.

Prof. Dr. Ulrich-Alfons Müller leitet den


Fachbereich Endokrinologie und Stoff-
wechselerkrankungen der Klinik für In-
nere Medizin III, wo Menschen mit hor-
monellen Störungen behandelt werden.
„Diese Störungen können verschiede-
ne Ursachen haben. Knoten oder Zel-
len in der Schilddrüse, der Nebenniere, Prof. Dr. Ulrich-Alfons Müller Foto: Schacke
der Bauchspeicheldrüse oder einem
anderen Organ, die Hormone im Über- Hypophysenhormone steuern die ler und erläutert dies an einigen Bei-
fluss produzieren, und auch unser Ab- Hormonbildung in den Organen spielen: „Zu viel bzw. zu wenig Wachs-
wehrsystem kann Antikörper ausbilden, tumshormon führt bei jungen Men-
die die Bildung von Hormonen stimu- Geregelt wird der Hormonhaushalt in schen zum Riesen- oder Minderwuchs.
lieren. Es gibt aber auch den umgekehr- der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, Bei Erwachsenen ruft die Überproduk-
ten Fall: Die Hormonbildung ist sehr die ihrerseits Signale vom Hypothala- tion eine Akromegalie, ein übermäßi-
gering oder kommt völlig zum Erlie- mus, einem Abschnitt des Zwischen- ges Wachstum der Hände, der Füße, der
gen“, erläuterte Prof. Müller während hirns, erhält. In der Hypophyse entste- Nase, der Ohren oder des Unterkiefers
der Jenaer Abendvorlesung im Novem- hen die Hormone, die die Hormonbil- hervor. Diese Menschen haben auch
ber 2012. dung in den Organen steuern. Die wich- eine verstärkte Neigung zu Diabetes,
Hormonelle Erkrankungen können sich tigsten Hypophysenhormone sind das Osteoporose und Tumoren. Frauen mit
auf vielfältige Weise äußern. Starke Er- Wachstumshormon STH, das Schilddrü- zu viel Prolactin haben Milchfluss auch
regung, Schlafstörungen, übermäßiges senhormon TSH, das follikelstimulieren- außerhalb der Schwangerschaft, Män-
Schwitzen, ungewollte Gewichtsabnah- de Hormon FSH, das die Nebennieren ner eine eingeschränkte Libido. Frauen
me, Bluthochdruck, Durchfall und an- stimulierende Adrenocorticotrope Hor- mit zu wenig Prolactin ist es nicht mög-
deres können Symptome einer Hor- mon ACTH, das Melanozyten stimulie- lich, zu stillen.“
monüberproduktion sein. Eine zu ge- rende Hormon, das für die Färbung der
ringe Hormonproduktion führt zu ge- Haut sorgt, und Prolactin, das für die Bluthochdruck kann auch Symptom
genteiligen Erscheinungen. „Allerdings“, Milchbildung unabdingbar ist. einer Hormonerkrankung sein
so Prof. Müller, „sind die meisten Symp- „Ist die Funktion der Hypophyse auf
tome nicht typisch für eine Hormon- Grund einer Erkrankung, eines Tumors Schilddrüsenerkrankungen sind nach
erkrankung. Sie treten auch bei ande- oder eines Unfalls gestört, kann es zu dem Diabetes die zweithäufigsten hor-
ren Krankheiten auf, und das macht die einer Hormonüber- oder -unterproduk- monellen Krankheiten. „Besonders häu-
Diagnostik häufig nicht einfach.“ tion kommen“, sagt Ulrich-Alfons Mül- fig tritt die Schilddrüsenüberfunktion

22 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Studium

auf, während Unterfunktionen etwas


weniger oft zu beobachten sind“, er-
Unfallchirurgie und Orthopädie
läutert Prof. Müller. Zu viel Kalzium im
Blut haben Patienten mit einer Über- Erste Summer School begeisterte
funktion der Nebenschilddrüse. Das be-
günstigt Organverkalkungen und Stein-
bildungen. Menschen mit einer Unter-
funktion leiden hingegen häufig unter
Muskelkrämpfen und Osteoporose. Bei- Ende September 2012 startete die ers- sowohl Umstellungsosteotomien am
de Erkrankungen kommen relativ häu- te Summer School Unfallchirurgie und Fuß als auch eine dorsale Wirbelsäu-
fig vor. In den Nebennieren werden Orthopädie, die von Dozenten der Kli- leninstrumentation und die Implan-
unter anderem die Hormone Adrena- nik für Unfall-, Hand und Wiederher- tation einer Knietotalendoprothese am
lin, Dopamin, Aldosteron und Cortisol stellungschirurgie gemeinsam mit Or- Modell geübt werden. Abgerundet wur-
gebildet. Hoher Blutdruck, Angst, Herz-
rasen, Schweißausbrüche, Kopf- und
Brustschmerz sind typische Symptome
einer Nebennierenüberfunktion. Men-
schen mit zu viel Aldosteron leiden am
Conn-Syndrom, das unter anderem
durch einen sehr hohen Blutdruck ge-
kennzeichnet ist. „Etwa jeder zehnte
Bluthochdruck-Patient hat zuviel Al-
dosteron“, sagt der Leiter des Fachbe-
reichs Endokrinologie und Stoffwech-
selerkrankungen.
Das Fehlen bzw. Verschwinden der se-
kundären Geschlechtsmerkmale und
eine Abnahme der Libido kennzeichnet
Frauen und Männer mit einem zu ge-
ringen Östrogen- bzw. Testosteronspie-
gel. Eine unerwünschte männliche Be-
haarung bei Frauen ist hingegen ein
typisches Zeichen einer Testosteron-
überproduktion. „Das ist medikamen-
tös behandelbar, allerdings dauert es
oftmals lange, ehe sich Erfolge einstel-
len“, erläutert Prof. Müller. Die häufigs-
te hormonelle Erkrankung ist der Dia-
betes mellitus. Dieser entsteht, wenn die
Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin
produziert. Im umgekehrten Fall leiden
die Patienten an einem Insulinom, ei-
ner sehr seltenen Erkrankung, die häu-
fig durch einen Tumor ausgelöst wird. Medizinstudentinnen beim Setzen einer Zugschraube am Kunstknochen
Kann dieser vollständig entfernt wer- Foto: Unfallchirurgie
den, ist der Patient geheilt.
„Die meisten Hormonstörungen lassen
sich relativ gut behandeln, medikamen- thopäden der Universitäten Jena und de der praktische Teil durch einen Un-
tös, operativ oder mittels radioaktiver Erlangen organisiert wurde. Rund 20 tersuchungskurs der großen Gelenke
Substanzen“, betont Prof. Müller, des- Studierende aus dem klinischen Studi- und einen Nahtkurs am Schweinefuß.
sen Fachbereich bei der Diagnostik von enabschnitt gewannen in einem für das Kurzvorträge ermöglichten sowohl die
Hormonstörungen eng mit dem Insti- Medizinstudium neuartigen Lernkon- Integration von Randgebieten des Fa-
tut für Klinische Chemie und Labora- zept einen tieferen Einblick in das Fach. ches, wie die Kinderorthopädie, als auch
toriumsdiagnostik, der Klinik für Nuk- berufspolitischer Themen.
learmedizin und dem Institut für Diag- Es wurde bewusst auf einen hohen Pra-
nostische und Interventionelle Radio- xisanteil gesetzt, um die theoretischen Teilnehmende Studenten und Dozen-
logie zusammenarbeitet. Ebenso mit der Grundlagen wie die Funktionsweise ei- ten waren gleichermaßen von der Ver-
Klinik für Neurochirurgie sowie der Kli- ner Osteosynthese für die Teilnehmer anstaltung begeistert. So ist es gelun-
nik für Allgemein-, Viszeral- und Ge- erfahrbar zu machen. Unter fachkun- gen, ein wenig von der Faszination für
fäßchirurgie, wenn ein Knoten oder ein diger Anleitung konnten neben den unser Fach zu vermitteln. Fortsetzung
Organ entfernt werden muss. mv klassischen Osteosynthesetechniken folgt.

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Forschung

Krankenhausinfektionen: Erstmals klinikweite


Langzeitzahlen
ALERTS-Studie am UKJ schließt Forschungslücke in Deutschland

Erstmals in Deutschland erfasst die


ALERTS-Studie am Universitätsklini-
kum Jena die Zahl der auftretenden
Krankenhausinfektionen in einem
gesamten Klinikum über einen län-
geren Zeitraum. Damit schafft sie
wesentliche Vorraussetzungen für die
Evaluierung von Präventionsstrate-
gien.

Bisher schätzen Experten die Zahl der


Fälle im Jahr, in denen sich Patienten
in einem deutschen Krankenhaus eine
Infektion zuziehen. Diese Schätzungen
basieren allerdings auf Erhebungen, die
weit über zehn Jahre alt sind, nur Sta-
tionen mit einem besonders hohen
Risiko oder an einem einzelnen Stich-
tag berücksichtigten, und sind daher
entsprechend unsicher. Zahlen von
600.000 und mehr werden genannt,
weil aktuelle, fundierte Ausgangsdaten
fehlen. Als Modell für andere Krankenhäuser bezeichnete Prof. Petra Gastmeier die von ALERTS entwi-
ckelte Erfassungs- und Überwachungsmethode für Krankenhausinfektionen. Mit den Jenaer Er-
gebnissen können die Expertenschätzungen für deutsche Kliniken bestätigt und erstmals wis-
Engagement aller Berufsgruppen senschaftlich untersetzt werden, betonte Studienleiter Prof. Frank M. Brunkhorst (li.)

Diese Forschungslücke schließt die


ALERTS-Studie am Universitätsklinikum le, genau 823-mal, traten Krankenhaus- tionen wie Wund- oder Atemwegs-
Jena. Als ein zentrales Projekt des vom infektionen auf. Die Auswertung wei- infektionen entwickelt, die auf die je-
BMBF geförderten Integrierten For- terer sechs Monate läuft noch. „Damit weilige Patientengruppe und die Ab-
schungs- und Behandlungszentrums können wir die bisherigen Experten- läufe in der Klinik zugeschnitten sind.
„Center for Sepsis Control and Care“ schätzungen für deutsche Kliniken be- „Wir wollen Maßnahmenbündel schnü-
erfasste sie ein Jahr lang die Zahl der stätigen und erstmals wissenschaftlich ren, die im Alltag auch umsetzbar sind.
am Klinikum auftretenden Kranken- untersetzen“, wertet der Studienleiter Deshalb fassen wir jetzt die für die je-
hausinfektionen. „Die Studie stellt ei- Prof. Dr. Frank M. Brunkhorst das Er- weilige Infektion vielversprechendsten
nen wichtigen Beitrag für die Patien- gebnis. „Und wir haben die Vorausset- Maßnahmen zusammen, zur Verringe-
tensicherheit an unserem Klinikum dar, zungen für die nächste Studienphase rung der katheterassoziierten Infekti-
deshalb beteiligen sich alle Berufsgrup- geschaffen, denn ohne Ausgangswerte onen, beispielsweise die kritische Prü-
pen mit großem Engagement“, betont lässt sich der Effekt von Präventions- fung der Notwendigkeit, die strikt asep-
Prof. Dr. Klaus Höffken, Medizinischer maßnahmen nicht ermitteln“, so der In- tische Anbringung und die rechtzeiti-
Vorstand des UKJ. Hierfür wurden bei tensivmediziner und Sepsisexperte wei- ge Entfernung von Venenkathetern.
fast 40.000 Patienten in den vergan- ter. Dann testen wir, ob sich durch diese
genen zwölf Monaten klinikumsweit Maßnahmenbündel auch unter ‚real
Daten weit über das übliche Kranken- Maßgeschneiderte Präventions- life‘-Bedingungen in einem großen Kli-
hausinfektionsüberwachungssystem maßnahmen im „real-life“-Test nikum eine Reduzierung der Kranken-
KISS hinaus erhoben, beispielsweise hausinfektionen erreichen lässt“, so
auch Daten zur Antibiotikatherapie Genau das ist das Ziel der zweiten Stu- ALERTS-Koordinator Dr. Stefan Hagel.
oder die Schwere einer Krankenhaus- dienphase von ALERTS. In Ergänzung zu Auch des hygienischen Dauerbrenners
infektion. den bestehenden Hygieneregeln wer- Händedesinfektion nimmt sich das Stu-
Das Ergebnis: Bei 4,3 Prozent der in den den Maßnahmen zur gezielten Präven- dienteam an: Eine mit der Bauhaus-
ersten sechs Monaten behandelten Fäl- tion der häufigsten Krankenhausinfek- Universität Weimar entwickelte Poster-

24 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Forschung

ALERTS-Koordinator Dr.
Stefan Hagel demonstriert
die korrekte Händedesin-
fektion Fotos: Schacke

kampagne spricht alle Klinikumsmit- mien mit großem Interesse verfolgt chungsmethode für Krankenhausinfek-
arbeiter, aber auch Angehörige und Be- wird. Prof. Dr. Petra Gastmeier, Leiterin tionen als „Modell für andere Kranken-
sucher an. Die ergonomische Anbrin- des Nationalen Referenzzentrums für häuser. Es ist geeignet, international
gung von Desinfektionsmittelspendern Surveillance von nosokomialen In- etablierte Surveillance-Definitionen
in der Nähe der Patientenbetten soll fektionen, bezeichnet die von ALERTS und -Methoden zu überprüfen und zu
Abläufe in der täglichen Routine ver- entwickelte Erfassungs- und Überwa- validieren.“ vdG
einfachen.

Ziel: Reduzierung der Infektionen


um 20 Prozent

Ob und wie wirksam die einzelnen Maß-


nahmen sind, wird sich ab März 2013
zeigen, denn dann beginnt eine erneu-
te Erfassung der Infektionen. Parallel
wird anhand der Daten ein exakteres
Risikoprofil formuliert, um so spezielle
Patientengruppen noch gezielter und
wirksamer schützen zu können. Prof.
Brunkhorst: „Es ist unser Ziel, die Kran-
kenhausinfektionen an unserem Klini-
kum nachhaltig um 20 Prozent zu re-
duzieren.“ Mit der steigenden Anzahl
älterer und chronisch kranker Patien-
ten nimmt gerade in Kliniken der Ma-
ximalversorgung der Anteil der Patien-
ten mit einem erhöhten Infektionsrisi-
ko zu. „Schon das ALERTS-Zwischener-
gebnis bescheinigt unseren Mitarbei-
tern einen höchst sorgfältigen Infekti-
onsschutz“, so Professor Höffken, „ge-
rade als Universitätsklinikum sind wir
in der Pflicht, bestehende Maßnahmen
auszubauen und neue Ansätze zu ent-
wickeln und umzusetzen.“
Mit ALERTS nimmt das UKJ hierbei eine
Vorreiterrolle ein, die in den Fachgre-

www.uniklinikum-jena.de 25
Kurzmeldungen

Posterpreis für Jenaer


Neurogenetiker Prof. Pletz in RKI-Grippebeirat berufen
Der Leiter der Sektion Infektiologie am und baut derzeit ein Zentrum für In-
UKJ Jena, Prof. Dr. Mathias Pletz, ist fektionsmedizin und Krankenhaushy-
Die Deutsche Gesellschaft für Neuroge- für drei Jahre in den Influenza-Beirat giene am Klinikum auf. Er arbeitet im
netik zeichnete Dr. Christian Beetz auf des Robert-Koch-Instituts berufen Vorstand der Paul-Ehrlich-Gesellschaft
ihrer Jahrestagung in Frankfurt/Main mit worden. Das 15-köpfige Expertengre- und im Kompetenznetz für ambulant
dem Preis für das beste Poster aus. In mium berät das Institut im Fall einer erworbene Lungenentzündungen mit.
seinem Beitrag stellte der Neurogeneti- starken Grippewelle oder einer länder- „Die Berufung in den Grippebeirat ist
ker vom Institut für Klinische Chemie übergreifenden Ausbreitung der Influ- für mich eine große Anerkennung und
und Laboratoriumsdiagnostik klinische enza. Verantwortung“, so Prof. Pletz. „Mein
und genetische Untersuchungen einer Die Arbeitsschwerpunkte von Prof. Dr. Schwerpunkt dabei werden Maßnah-
neuen Form von spastischer Spinalpa- Mathias Pletz sind Atemwegsinfekti- men zur Eindämmung bakterieller Se-
ralyse vor, die die Identifizierung des onen und Infektionen durch multi-re- kundärinfektionen sein, denn diese
mutierten Gens und die funktionelle sistente Erreger. Der Infektiologie und können im Fall einer Virusgrippeepi-
Analyse des physiologischen sowie des Pneumologe leitet eine klinisch-infek- demie den Bedarf an medizinischer
mutanten Proteins umfassten. tiologische Forschergruppe am UKJ Versorgung immens erhöhen.“ vdG

Jenaer Immunologe in
Fachbeirat gewählt Aktuelles Wissen zu Diabetes und Niere
Prof. Dr. Thomas Kamradt, Direktor des Nierenschäden als Folge von Diabetes Behandlungsrichtlinien der internatio-
Instituts für Immunologie, ist in den Bei- sind weltweit die häufigste Ursache ei- nalen Fachgesellschaften. Gefährdeten
rat der Deutschen Gesellschaft für Im- ner chronischen Nierenerkrankung. Das Organsystemen wie Herz und Gefäßen,
munologie gewählt worden. Die Amts- aktuelle medizinische Wissen dazu stellt Augen oder Knochen und Gelenken und
zeit im Gremium dieser medizinischen der jetzt im Wiley-Verlag erschienene auch besonderen Patientengruppen wie
Fachgesellschaft beträgt vier Jahre. Kindern oder Schwangeren sind eigene
Kapitel gewidmet. Fünf der insgesamt 17
Beiträge stammen von Autorenteams
Biobanken verstärken des Uniklinikums Jena.
„Modernste Diagnose- und Therapieme-
Zusammenarbeit thoden ermöglichen die langfristige Er-
haltung der Nierenfunktion, die eines der
In den letzten Jahren sind in Deutsch- wichtigsten Ziele in der Betreuung von
land in zahlreichen Forschungsnetzwer- Diabetespatienten darstellt. Es ist sowohl
ken wie den Kompetenznetzen in der gesundheitsökonomisch als auch für die
Medizin, im Nationalen Genomfor- Lebensqualität der Patienten von gro-
schungsnetz oder in den Netzwerken für ßer Bedeutung“, betont Prof. Wolf. vdG
Seltene Erkrankungen umfangreiche
Biobanken aufgebaut worden. So auch
am Universitätsklinikum Jena. Über
Stand und Perspektiven der deutschen Band „Diabetes and Kidney Disease“ zu- Ausgezeichnete Jenaer
Biobanken-Infrastrukturen für die me- sammen. Herausgeber des neuen inter-
dizinische Forschung diskutierten am 12. nationalen Standardwerkes ist der Ne-
Dissertation
Dezember 2012 in Berlin deutsche und phrologe und Diabetologe Professor Dr. med. dent. Oliver Schäfer von der
internationale Experten. Gunter Wolf, MHBA, Direktor der Klinik Poliklinik für Zahnärztliche Prothe-
PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf, Mitglied für Innere Medizin III am UKJ. tik und Werkstoffkunde erhielt einen
im Programmkomitee des 1. Nationalen Das Fachbuch wendet sich an Internis- der zwei Dissertationspreise des Ku-
Biobanken-Symposiums und Leiter der ten und Hausärzte, junge Mediziner in ratoriums perfekter Zahnersatz 2012.
Biobank am UKJ, informierte in seinem der Facharztausbildung und Praktiker in Der wissenschaftliche Beirat des Ku-
Vortrag über Stand und Perspektiven des der Klinik. Es enthält auf dem neuesten ratoriums würdigte damit die Ergeb-
Liquid-Biobankings. wissenschaftlichen Stand sowohl die nisse der Promotionsarbeit, in der der
Das Nationale Biobanken-Symposium medizinischen Grundlagen und Krank- Jenaer Zahnmediziner ein dreidimen-
wird künftig jährlich stattfinden und den heitsmechanismen, als auch anwen- sionales Verfahren zur Analyse der
Expertengruppen Gelegenheit für einen dungsorientiertes Wissen zur Präventi- Genauigkeit zahnärztlicher Abfor-
intensiven Austausch und eine verstärkte on, Diagnose und Therapie der häufigen mungen entwickelte.
Zusammenarbeit geben. Erkrankung, einschließlich der geltenden

26 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Forschung

Neue Wege zur maßgeschneiderten Antikörpertherapie


UKJ-Mediziner erforschen in EU-Verbund die Wirkung von
Antikörpertherapien gegen Organabstoßung

Antikörpertherapien haben in den Tiermodellen Immunprozesse, die im


letzten Jahren die Behandlung vieler Rahmen der Ausgangserkrankung ab-
Krankheiten – insbesondere Krebs- laufen und die durch die Antikörper-
erkrankungen – revolutioniert. Den- therapie beeinflusst werden. „Unser
noch ist es meist nur ein Teil der Pa- Ziel dabei ist es, die Mechanismen der
tienten, bei denen die zielgerichtet Therapieantwort zu entschlüsseln sowie
eingesetzten Immunproteine die ge- mit einer Art „Immunfingerabdruck“ die
wünschte Wirkung erzielen. Denn individuelle Therapieentscheidung zu
obwohl sich die Antikörper ganz spe- erleichtern und die Behandlung besser
zifisch gegen Rezeptoren oder Pro- zu überwachen“, so Prof. Alexander
teine richten, die im jeweiligen Krank- Berndt vom Institut für Pathologie des
heitsgeschehen eine zentrale Rolle Universitätsklinikums Jena.
spielen, ist wenig darüber bekannt,
wovon das Ansprechen des einzelnen Überleben der Patienten erheblich
Patienten auf die Therapie beeinflusst beeinträchtigt
wird.
Die Jenaer Projektpartner konzentrie-
Wissenschaftler von fünf Universitäten ren sich dabei auf chronische Absto-
und drei Firmen unter Leitung der ETH ßungsprozesse nach Herztransplantati-
Zürich untersuchen deshalb jetzt im von onen, die im Gegensatz zu akuten Un-
der EU geförderten Verbundprojekt verträglichkeitsreaktionen schwer zu
PRIAT die individuelle Immunreaktion behandeln sind. „Monate oder Jahre
mittels eines systembiologischen Ansat- nach der Transplantation kommt es
zes. Dazu erfassen sie bei Patienten mit dabei zu Gefäßverengungen und Ver-
Krebs, Arthritis und nach Herztrans- narbungen im transplantierten Herzen“,
plantationen sowie in entsprechenden beschreibt PD Dr. Marcus Franz, Arzt
und Wissenschaftler der Klinik für In- PD Dr. Marcus Franz und Prof. Alexander
Berndt (r.) vom Universitätsklinikum Jena un-
nere Medizin I des UKJ, den Prozess, der tersuchen durch chronische Abstoßungspro-
schwerwiegende Komplikationen nach zesse verändertes Herzgewebe
sich zieht und das Überleben der Pati- Foto: von der Gönna

Auflösung enten nach Transplantation erheblich


beeinträchtigt.
Den Ablauf dieser Abstoßungsreakti-
on wollen die Mediziner ergründen, in-
Kreuzgitter auf Seite 30 dem sie mit einem massenspektrome- Von Organabstoßung Bedrohte
trischen Screening die Art und Menge frühzeitig erkennen und behandeln
Waagerecht: Perestroika (24), Aron (13), von verdächtigen Eiweißen im Blut
Brot (8), Postmoderne (37), Atta (15), Reim erfassen, die für die Patienten-indivi- Marcus Franz: „Speziell bei Herztrans-
(35), Solei (18), Akte (33), Niet (7), Typ (14), duelle Ausprägung der Immunantwort plantationen haben wir ein großes In-
Trara (4), Raser (32), Tri (9), Realo (1), Snack von zentraler Bedeutung sind. Diese so teresse, von Organabstoßung bedrohte
(17), Cheftrainer (28), Karo (29), Geld (25), genannten HLA-Peptidomanalysen Patienten frühzeitig zu erkennen und
Titel (39), Veto (36), Urne (20).
werden dann auch während einer An- behandeln zu können. Deshalb erhof-
Senkrecht (spaltenweise): Papa (23), Ta-
tikörperbehandlung gegen die Absto- fen wir uns von diesem übergreifenden
rock (40), Erotiker (19), Hase (34), Rost (10),
Araber (11), Entase (26), Foto (12), Tatort
ßung durchgeführt und mit Gewebe- Ansatz Erkenntnisse zu grundlegenden
(2), Trolley (22), Röte (6), Prisma (16), Obe- untersuchungen abgeglichen. In ent- Mechanismen der Wirksamkeit von
rin (27), Iglu (3), Irre (30), Spanne (21), Ko- sprechender Weise erforschen die Pro- Antikörpertherapien und der Immun-
nifere (38), Elan (5), Atem (31), Rekord (41). jektpartner die Immunprozesse bei der antwort darauf. Weiterhin erwarten wir
Antikörpertherapie verschiedener Tu- die Entwicklung neuer Markerproteine
„Berufe“ auf Seite 31 morformen und rheumatioder Arthri- für die Überwachung des Krankheits-
1a, 2b, 3b, 4c, 5b, 6a, 7a, 8b, 9a, 10c tis. und Therapieverlaufes.“ vdG

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Patientenfürsprecher

Probleme gemeinsam und vertrauensvoll lösen


Maria Lasch und Gabriele Spangenberg neue Patientenfürsprecherinnen

„Ich habe mich sehr gefreut, dass ich Lasch überzeugt und fügt hinzu, dass
nach dem Ende meiner beruflichen Tä- die Patientenfürsprecherinnen nicht
tigkeit am Klinikum unseren Patienten nur die Interessen der Lobedaer, son-
auf diese Weise verbunden bleiben dern auch der Patienten der meisten
kann“, sagt Maria Lasch. Seit Novem- Innenstadtkliniken vertreten, die sich
ber ist die ehemalige Pflegedienstlei- während der Sprechzeiten persönlich
tung, die 44 Jahre lang am UKJ gear- oder telefonisch melden können.
beitet hat, ehrenamtlich als Patienten-
fürsprecherin tätig. Gemeinsam mit Die Kliniken für Psychiatrie sowie für
Christine Börner, die diese Funktion Kinder- und Jugendpsychiatrie haben
bereits Anfang des Jahres übernommen eine eigene Patientenfürsprecherin.
hat, berät sie Patienten und deren An- Auch hier hat es in den letzten Mona-
gehörige. ten einen Wechsel gegeben. Seit Sep-
„Unser Büro in der Magistrale hat da- tember 2012 fungiert Gabriele Span-
mit nicht mehr nur vierzehntäglich, genberg als unabhängige und nicht
sondern wöchentlich geöffnet, jeden weisungsgebundene Vertrauensperson
Mittwoch von 13.30 bis 15 Uhr. Frau der beiden psychiatrischen Kliniken. Die
Börner und ich sind abwechselnd für Aufgabe erfordert viel Einfühlungsver-
Gemeinsam mit Christine Börner ist Maria Lasch
die Patienten da“, sagt Maria Lasch und mögen und intensive Kontakte mit den als Patientenfürsprecherin am UKJ tätig
ermuntert diese, sich bei Problemen an Ärzten, Schwestern, Pflegern und The- Fotos: Vöckler
die Patientenfürsprecherinnen zu wen- rapeuten der Klinik. „Als Ansprechpart-
den. „Und zwar möglichst frühzeitig. ner und Interessenvertreterin der Pati-
Wir können dann in einem sachlichen enten nehme ich deren Anregungen, tigen, ihre Sorgen und Probleme offen
und vertrauensvollen Gespräch ge- Hinweise und Beschwerden entgegen und freimütig anzusprechen“, sagt die
meinsam nach Lösungen suchen, und und setze mich entsprechend den ge- ehemalige Pflegedienstleitung und ver-
wir werden diese in den meisten Fällen gebenen Möglichkeiten für eine Lösung weist auf die strikte Beachtung der
ganz bestimmt auch finden“, ist Maria ein. Ich möchte unsere Patienten ermu- Schweigepflicht, die selbstverständlich
auch für die Patientenfürsprecherinnen
der nichtpsychiatrischen Kliniken gilt.
Persönlich oder telefonisch ist Gabrie-
le Spangenberg an jedem ersten und
dritten Donnerstag (die exakten Termi-
ne liegen auf allen Stationen aus) zwi-
schen 15.30 und 16.30 Uhr in ihrem
Büro im Erdgeschoss in der Instituts-
ambulanz erreichbar. Außerhalb der
Sprechzeiten haben die Patienten die
Möglichkeit, Informationen oder Ge-
sprächswünsche aufzuschreiben und in
den Briefkasten neben dem Sprechzim-
mer zu werfen. mv

Telefon- und Email-Kontakt

Christine Börner 0170 4589 890


Maria Lasch 0151 1221 1605
Gabriele Spangenberg 9-390415

patientenfuersprecher@med.uni-
Nach 43 Jahren am UKJ ist Gabriele Spangenberg nun ehrenamtliche Patientenfürsprecherin der jena.de
Kliniken für Psychiatrie sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie

28 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Empfehlung aus der Patientenbibliothek

Reisen zu den Enden der Welt

Trotz vieler Neuerscheinungen auf dem sche Orte, zu denen er sich hingezogen den der Liebe und des Begehrens, der
Buchmarkt ,von denen auch zahlreiche fühlt. Patagonien in Südamerika, Ton- Illusionen, der Ordnung und Verstän-
Titel in unserer Bibliothek zu finden ga im Südpazifik an der Datumsgren- digung. Um das Ende des Lebens und
sind, möchte ich Ihnen heute „Die En- ze, Island, Hongkong, Bombay, Kinsha- um den Neubeginn. Als bestimmende
den der Welt“ vorstellen. Ein Buch, in sa, Gibraltar, der Nordpol. All diese Orte Kräfte für seine Reisen nennt er in ei-
das ich mich in der Weihnachtszeit zum stehen für objektive Grenzen, für tat- nem Interview, dass man zu Hause
wiederholten Mal vertieft habe, denn sächliche Enden der Welt. immer in der gleichen Routine lebt und
es erschließt sich einem nicht unbedingt sich nicht mehr erneuern kann. Man
beim ersten flüchtigen Lesen. empfindet dann einen Sog von außen,
wird angezogen von anderen Men-
Roger Willemsen hat so ziemlich alle schen, von Atmosphäre und der Aus-
Weltgegenden bereist, in denen sich ein sicht, man selbst könnte ein anderer
Literat als Abenteurer und Erforscher werden, was man ja meist auch bis zu
von Stimmungen und extremen Situa- einem gewissen Ausmaß wird.
tionen bewähren kann. Überall spürt er Willemsen begegnet uns in dem Buch
Besonderheiten und Kuriositäten auf, als Rastloser, Melancholiker und Einsa-
die man als „normaler“ Reisender gar mer. Er lässt sich auf jede Erfahrung ein
nicht wahrnimmt. Mit hoher Intensität und schreckt vor nichts zurück, schil-
und Genauigkeit gelingt es ihm, uns in dert eindringlich seine besonderen Ge-
die jeweilige Atmosphäre hinein zu zie- fühlslagen und immer wieder seine
hen, wobei ich finde, dass sein doch Dankbarkeit, die er bei jedem Abschied
recht eigenwilliger Schreibstil manch- an den Tag legt.
mal zu sehr ins Detail geht und etwas Bei der Lektüre spürt man sehr deut-
schwerfällig und konstruiert wirkt. lich, dass neben Reden und Schreiben
Wenn man sich aber in die literarische das Reisen eine seiner großen Leiden-
Dichte und wie er selbst sagt, in den Doch manchmal waren es aber auch schaften ist. Seine unstillbare Neugier,
„Rausch der Genauigkeit“ eingelesen ganz einzigartige individuelle Endpunk- tief reichendes Beobachtungstalent,
hat, dann erschließen sich einem die te: eine Bahnstation in Birma, ein Bett wobei er selbst Grenzsituationen aus-
Befindlichkeiten des Autors an den ein- in Minsk, ein Fresko des Jüngsten Ge- lotet und Abgründe erspäht, gepaart
zelnen Orten und er legt uns seinen richts in Orvieto, eine Behörde im mit seinem präzisen, geschliffenem
persönlich gefärbten Blick auf die Welt kriegszerrütteten Kongo. Immer aber Schreibstil, machen jede Reiseetappe
dar, der den Leser zunehmend in sei- geht es in seinen Reisebildern auch um reizvoll und lesenswert.
nen Bann zieht. ein Enden in anderem Sinn: um ein En- Gudrun Türk

Wegen der Fülle an Beschreibungen ist


es ratsam, das Buch möglichst in Etap-
pen zu lesen, so ist jede Folge eine Ge-
schichte für sich. Dabei gibt es eigent-
lich nichts, was wir nicht schon von an-
deren Schriftstellern erfahren hätten.
Aber es ist eben kein Reiseführer, son-
dern eine innerlich seelisch-mentale
Betrachtung der Orte, die er innerhalb
von 30 Jahren auf fünf Erdteilen als sei-
ne persönlichen Enden der Welt aus-
gewählt hat. Sehr anrührend ist der
Auftakt des Buches, der die Begegnung
mit einem kleinen todkranken Jungen
schildert, dessen Wunsch es ist, an das
Ende der Welt zu reisen, was den Autor
zu seinen außergewöhnlichen Reflexi-
onen inspirierte. So legt er uns in sei-
nen 22 Geschichten quasi die ganze
Welt zu Füßen. Seine Ziele sind mysti-

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Mosaik

Viele Hundert Küsse


Street-Art in der „Ganz kleinen Galerie“

„Kuss“, „KUSS“, „kUSS“, „KuSs“ oder


„KUSSSSS“. „Es ist schon erstaunlich, in
wie vielen Variationen man dieses Wort
schreiben kann“, sagt Prof. Jürgen
Langner. Der Hobby-Fotograf hat die
Kuss-Sticker in Halle gefunden und
zeigt deren Fotos jetzt in der „Ganz klei-
nen Galerie“. Auf mehr als 300 schätzt
er sie. Außerdem vermutet er, dass sie
von ein und derselben Person stammen:
„Wahrscheinlich von einem Studenten
der Burg Giebichenstein.“
Neben dem oder der glücklich oder un-
glücklich Verliebten sind Arbeiten zahl-
reicher weiterer Vertreter der hallischen
Street-Art-Szene in der Ausstellung
„VIVA LA STREET ART“ zu sehen. Sticker
und Graffiti mit Tieren, Menschen, Ko-
mikfiguren und zahlreichen anderen
Motiven – allesamt thematisch geord-
Mit viel Humor präsentierte Jürgen Langner in der „Ganz kleinen Galerie“ seine „Schätze“. Der
net und von Jürgen Langner humor- ehemalige Direktor des Instituts für Medizinische Immunologie der Martin-Luther-Universität
voll beschrieben. mv Halle hat sich seit einigen Jahren der Fotografie von Street-Art verschrieben. Foto: Vöckler

30 Klinikmagazin Ausgabe 6/2012


Rätselseite

4. Womit beschäftigt sich der Aktuar? 8. Womit beschäftigt sich der Xylo-

Berufe a) mit Archivalien


b) mit erotischer Fotografie
graph?
a) Bau spezieller Musikinstrumen-
c) mit Versicherungsfragen te
5. Wer produziert Räder, Wagen und b) Herstellung von Druckformen
1. Für die Zubereitung welches Getränks andere landwirtschaftliche Geräte c) Teppichweberei
ist ein Barista zuständig? aus Holz? 9. Wo war in früheren Jahrhunderten
a) Kaffee a) Böttcher der Pedell tätig?
b) Cocktails b) Stellmacher a) an der Universität
c) Wein c) Drechsler b) bei der Eisenbahn
2. Welche Tiere hatte der Caprarius zu 6. Gefäße aus welchem Material stellt c) im Schiffbau
hüten? ein Küfer her? 10. Spezialformen welches Berufs sind
a) Rinder a) Holz der Schwarz-, der Weiß- und der
b) Ziegen b) Kupfer Rotbinder?
c) Pferde c) Ton a) Seilmacher
3. Welcher Beruf wird auch als Coif- 7. Welcher Handwerker verarbeitet Felle b) Leineweber
feur bezeichnet? und Leder? c) Küfer
a) Kaffeeexperte a) Kürschner
b) Friseur b) Tallierer
c) Pralinenhersteller c) Tüffelmacher (Auflösung auf Seite 27)

Who’s who?
Die Azteken nannten den Saft des Gum-
Heft 106, Ausgabe 6/2012
mibaumes „Tränen der Bäume“ und stell-
ten daraus unter anderem Bälle und Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
Gegenstände für religiöse Zeremonien derverein des Universitätsklinikums Jena
her. Auch die Europäer zeigten sich in-
Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
teressiert. Nutzen konnten sie das Ma-
terial, das bei Kälte brüchig und bei Hitze Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
klebrig wurde, allerdings kaum. Experimente seine Gesundheit. 1839 ge- Stefan Dreising, Leiter Stabsstelle Unter-
Das änderte sich erst mit einem Hobby- lang ihm der Durchbruch: Ein erhitztes nehmenskommunikation
Dr. Uta von der Gönna, Referentin Öffent-
Chemiker und Erfinder, der 1800 im Kautschuk-Schwefel-Gemisch verwan- lichkeitsarbeit der Medizinischen Fakultät
amerikanischen New Haven geboren delte sich nach der Abkühlung in fle- Lutz Fischer, Vorstandsassistent
wurde. Der Versuch, die Eigenschaften xiblen und dennoch stabilen Gummi. Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik für
des Kautschuks zu verändern, diesen sta- Der Erfinder der Vulkanisation starb Kinder- und Jugendmedizin
bil und technisch nutzbar zu machen, 1860, beruflich erfolgreich und aner- PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf, Vorsitzender
des Fördervereins des UKJ
kostete dem Autodidakten zunächst al- kannt. Reich wurde er nicht, denn als
lerdings viel Geld und schlaflose Näch- Geschäftsmann war er weniger erfolg- Layout: Klinisches Medienzentrum
te. Außerdem schädigten die zahllosen reich.
Satz: Matthias Vöckler

Druck: Druckhaus Gera GmbH


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Redaktionsschluss: 10. Januar 2013
Redaktion KLINIKMAGAZIN Galenos von Pergamon Dieses Heft wurde überwiegend aus Mitteln
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des Fördervereins und Werbeeinnahmen fi-
07743 Jena Angela Ortloff aus Jena nanziert und auf umweltfreundlichem Pa-
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Angelika Taudte Ende Februar 2013
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Rechtsweges einen Büchergutschein im und Dieter Wilhelm Die Beiträge geben Meinungen der Autoren
Wert von 40 € und drei Büchergutscheine (Büchergutschein zu je 10 €) wieder und müssen nicht mit der Ansicht der
im Wert von je 10 €, die von der Jenaer Redaktion übereinstimmen. Die Veröffentli-
wurden als Gewinner gezogen. chung unverlangt eingesandter Manuskrip-
Universitätsbuchhandlung Thalia ge-
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch! te liegt im Ermessen der Redaktion.

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