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Inhaltsverzeichnis

primo loco
Tradition trifft Zukunft 3
Vorgestellt: Stabsstelle Klinikhygiene
Hygienerichtlinien konsequent umsetzen 4
Sprechstunde: Kiefergelenkserkrankungen
Wenn das Kiefergelenk Probleme macht 6
Baugeschehen
„Was lange währt, wird gut“ 8
Titel: Hausbesuch in der Klinik für Urologie
„Das hat sich wirklich gelohnt“ 9
Personalia
Reizvolle Gestaltungsaufgabe führt ans UKJ 10
Forschung im Labor - immer mit dem Auge auf die Klinik 11
Diagnostik und Therapie
„Für mich gab es kein Zögern“ 12
14jähriger erhält Teilleberspende von seiner Mutter 13
Sicher erkennen und effektiv behandeln 14
Schonendere Laser-OP hilft Herzschrittmacher-Patienten 15
Veranstaltungen 16
Service 17
Diagnostik und Therapie
Das ganze Kind sehen 18
An die nächste Generation weitergeben 19
Kontakt zu den Menschen erhalten 20
Auf Herz und Nieren 21
Science-Fiction oder Realität? 22
Forschung
Erster minimalinvasiver Segelklappenersatz 23
Richtfest auf Beutenberg Campus 24
GesundheitsUni Jena
Sehkraft dauerhaft erhalten 25
Erfahrungsaustausch, Rat und Unterstützung 26
Mit Spaß und Bewegung ins Grüne 27
Ärztewoche Thüringen
Nachwuchsförderung muss weiter verbessert werden 28
Mosaik
Mehr als 1000 Artikel 29
Lust auf den Sommer... 30
Kontraste 30
Rätselseite 31

Titelseite: Zahlreiche Interessierte folgten der Einladung der GesundheitsUni zum „Hausbe-
such“ in der Klinik für Urologie, wo die Besucher, wie hier am Operationsroboter „Da Vinci“,
spannende Einblicke in das Fachgebiet erhielten Foto: Szabó

2 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


primo loco

Tradition trifft Zukunft

Feste Wurzeln einer reichen Tradition ternistischen Medizin in Jena wird dem- aber es ist nicht die Zeit, sich auf dem
sind die besten Voraussetzungen für nächst ein neues Zuhause finden – im Erreichten auszuruhen. Das ist auch
eine viel versprechende Zukunft. Aus neu entstehenden Zentrum für Innere nicht die Jenaer Art, die viel mehr für
dieser Überzeugung heraus hält das Medizin. Die neue Zukunft wächst so auf Visionen und Innovationen steht. In die-
Universitätsklinikum Jena seine Tradi- dem durch Generationen erworbenen sem Sinne haben wir viele Aufgaben vor
tionen in Ehren – aber scheut sich auch Erfahrungs- und Wissensschatz. Und uns, denn wir müssen unser Klinikum in
gleichzeitig nicht vor notwendigen Mo- wird möglich durch die Erneuerung im einen mit dem Bauvorhaben verbunde-
dernisierungen. Neubau: Neue Räume, moderne Tech- nen Wandlungsprozess führen und so

Bestes Beispiel für diese Verbindung ist


die in diesem Frühjahr nach erfolgrei-
cher Sanierung wiedereröffnete Klinik
für Psychiatrie und Psychotherapie. Hier
wurde an historischem Ort, im Gebäude
der fünftältesten psychiatrischen Klinik
Deutschlands, die Wirkungsstätte von
Otto Binswanger und Hans Berger war,
eine der modernsten psychiatrischen
Kliniken geschaffen.
Der bei laufendem Klinikbetrieb erfolg-
te Umbau schuf eine einmalige Syner-
gie aus Moderne und Historie, ganz im
Sinne der Maxime. „Bewahren, was er-
haltenswert ist, und erneuern, was er-
neuert werden muss.“ Das alte Klinik-
gebäude, innen komplett umgebaut,
wurde um einen schiffsrumpfähnlichen
modernistischen Hörsaal ergänzt. Das
verleiht der Klinik ein wenig Ähnlich-
keit mit einem ablegenden Dampfer. Und
um im Bild zu bleiben: In dieser „Werft“
werden ja auch tatsächlich die „Boote“
der jungen künftigen Ärzte faktisch fit
gemacht für ihre „Fahrt auf offener
See“, das Berufsleben in der Medizin.

Sehr viel weniger metaphorisch ist die- Baustelle Klinikum Lobeda: Im März begannen die Abrissarbeiten Foto: Szabó
se Zukunftsorientierung an anderer Stel-
le: In Lobeda haben die Bagger, Walzen nik aber auch neue Strukturen und in- Grundlagen schaffen, damit wir den
und Lastwagen die Baustelle sichtbar novative Prozesse sind die sich uns hier kommenden Herausforderungen ge-
gemacht, in die sich das UKJ-Gelände bietende Chance, das Klinikum nicht wachsen sind.
für die kommenden Jahre verwandeln einfach zu erhalten, sondern gleichzei-
wird. Manches Alte wird hier dem Neu- tig auch wachsen zu lassen. Dafür haben wir beste Voraussetzungen,
en weichen müssen – begonnen mit denn wir bauen auf einen festen Grund-
dem Lehrgebäude, das zuerst abgeris- Nicht mit Blick allein auf die Größe, son- stein. Auf über 450 Jahre Medizin und
sen wird. dern vor allem auf die Ausstrahlung, medizinische Lehre. Von diesem Geist
Die nächste Abrissbirne trifft dann die Leistungskraft und auch Leuchtturm- erfüllt, sollten wir die aktuellen Projek-
Kliniken für Innere Medizin. Zum Jah- funktion, die das UKJ als einziges uni- te angehen, die Zukunft im Blick und
resanfang haben wir deren 30. Jubilä- versitäres Klinikum im Freistaat überneh- unsere Tradition im Rücken.
um feiern können. Die hier bewahrte men muss. Wir haben zwar in den ver-
und gepflegte große Tradition der in- gangenen Jahren schon viel geschafft, Helena Reinhardt

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Vorgestellt: Stabsstelle Klinikhygiene

Hygienerichtlinien konsequent umsetzen


Eigenverantwortung jedes Mitarbeiters ist gefordert

Das Thema Klinikhygiene hat in den


letzten Monaten und Jahren immer
wieder für Schlagzeilen gesorgt, von
„skandalösen Zuständen in deutschen
Krankenhäusern“ war die Rede. Die
Kritik konzentrierte sich dabei vor al-
lem auf vier Probleme: die Einführung
bundesweit einheitlicher gesetzlicher
Regelungen, die Einstellung von Klinik-
hygienikern in allen Krankenhäusern,
eine verbesserte Händedesinfektion
sowie den konsequenten Kampf ge-
gen die besonders gefährlichen multi-
resistenten Keime.

„Bundesweit einheitliche Regelungen


gibt es. Dabei handelt es sich um die
Empfehlungen der Kommission für Kran-
kenhaushygiene und Infektionspräven-
tion am Robert-Koch-Institut – KRINKO. Dr. Ute-Helke Dobermann: Eine regelmäßige und gewissenhafte Hände-
Die Empfehlungen entsprechen dem ak- desinfektion ist die Grundlage einer optimalen Klinikhygiene Foto: Szabó
tuellen Wissensstand und sollten Be-
standteil des Hygieneplans in jedem
Krankenhaus sein. Am Universitätsklini- Medizinischen Vorstand unterstellt. einen zusätzlichen Impuls erhielt. Deut-
kum Jena ist dies der Fall“, sagt Dr. Ute- Auch das unterstreicht den Stellenwert lich verbessert wurde die Ausstattung
Helke Dobermann. Die Fachärztin für der Krankenhaushygiene am Klinikum“, mit Spendern zur Händedesinfektion,
Hygiene und Umweltmedizin leitet die sagt Dr. Dobermann. die heute 98 Prozent beträgt: Auf zwei
Stabsstelle Klinikhygiene und ist seit fast Die Situation auf den Stationen, in den Betten in der Normalpflege kommt ein
20 Jahren als Hygienikerin am UKJ tä- Ambulanzen und in den Funktionsberei- Spender, auf den Intensivstationen ist
tig. Nach den Richtlinien der KRINKO chen des Klinikums wird mindestens
sind die Leiter medizinischer Einrichtun- einmal pro Jahr im Rahmen von Hygiene-
gen verpflichtet, die Einhaltung der visiten analysiert, die die Leiterin und die
Standardhygienemaßnahmen zu ge-
währleisten und alle Maßnahmen zu er-
fünf Hygienefachkräfte der Stabsstelle
durchführen. „Gibt es Probleme, sind wir Auflösung
greifen, um die Entstehung nosokomi- selbstverständlich auch häufiger vor
aler Infektionen (Krankenhausinfektio- Ort“, betont Ute-Helke Dobermann. „Ein
nen) sowie multiresistenter Erreger und wichtiger Teil unserer Arbeit sind die „Rätselkombination“ Seite 30
deren Weiterverbreitung zu verhindern. hygienisch-mikrobiologischen Umge- Waagerecht (Kreuzworträtsel): 1 Rubrik,
bungsuntersuchungen, die sehr deutlich 2 Mehl, 3 Ramadan, 4 Dengel, 5 Jett, 6 Ge-
Regelmäßige und gewissenhafte zeigen, welcher konkrete Verbesserungs- nerator, 7 Liesen, 8 Berger, 9 Daus, 10 Gefa-
sel, 11 These, 12 Nordsee, 13 Aland, 14 Akri-
Händedesinfektion bedarf in den Einrichtungen besteht. Wir
bie, 15 Ahne, 16 Beatle, 17 Letten, 18 Bren-
werten die Ergebnisse der Proben, die im nerei, 19 Thai, 20 Tarant, 21 Matelot, 22
Die Krankenhaushygiene ist ein wichti- Labor für Krankenhaushygiene am Insti- Real, 23 Nomade. Senkrecht (Kreuzgitter,
ger Teil des Qualitäts- und Risikoma- tut für Medizinische Mikrobiologie ana- spaltenweise): Rudel (6), Arbiter (4), Ideal (7),
nagements am Universitätsklinikum lysiert werden, mit dem Personal der Ein- Bange (11), Alabama (10), Gespann (5), Trial
Jena. Sie soll Risiken und Gefährdun- richtung aus und geben Hinweise, um (19), Irene (18), Sodale (2), Kalender (15),
gen nicht nur erkennen, sondern auch erkannte Mängel zu beheben.“ Henkel (9), Aldan (20), Marabu (17), Skele-
ton (14), Tester (1), Erato (12), Major (16),
die entsprechenden Vermeidungsstra- Die Grundlage einer optimalen Klinik- Heister (23), Energie (13), Tiara (8), Seife (22),
tegien entwickeln und Gegenmaßnah- hygiene ist eine regelmäßige und ge- Laterne (21), Natte (3).
men einleiten. „Unsere Stabsstelle ist ein wissenhafte Händedesinfektion, die
Teil des Zentrums für Gesundheits- und durch die Beteiligung des UKJ an der „Bare Münze“ auf Seite 31
Sicherheitsmanagement und direkt dem bundesweiten Aktion „Saubere Hände“ 1b, 2a, 3a, 4a, 5b, 6c, 7a, 8c, 9b, 10c

4 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Vorgestellt: Stabsstelle Klinikhygiene

das Verhältnis sogar eins zu eins. „Da- Im Rahmen der Erfassung, Auswertung Fragen der Klinikhygiene stehen auch
mit ist es problemlos möglich, sich vor und Überwachung von nosokomialen im Zentrum des vierteljährlich tagenden
und nach jedem Patientenkontakt die Infektionen sowie von Erregern mit be- Infektiologischen Arbeitskreises am UKJ,
Hände zu desinfizieren“, betont Dr. Do- sonderen Resistenzen führen die UKJ- den Dr. Dobermann organisiert und in
bermann. „Dass die Anzahl der Hände- Klinikhygieniker spezielle Untersuchun- dem jede Klinik mit einem Verantwortli-
desinfektionen pro Patient und Tag am gen auf den Intensivstationen, der Neo- chen für Hygiene und/oder Infektions-
UKJ höher als im deutschen Durch- natologie, der Onkologie/Hämatologie therapie vertreten ist. „Dieser enge Kon-
schnitt ist, beweist, dass wir auf einem sowie der Hals-, Nasen- und Ohrenkli- takt zu den Kliniken ist außerordentlich
guten Weg sind, es gibt allerdings nach nik durch. Beteiligt ist die Klinikhygie- wichtig und hilft uns, die im Arbeits-
wie vor Verbesserungsbedarf. Außeror- ne auch an einem großen Forschungs- kreis gefassten Beschlüsse in den Ein-
dentlich wichtig ist eine sorgfältige Des- projekt der Jenaer Sepsisexperten um richtungen umzusetzen“, betont Dr.
infektion der Hände mit einer alkohol- Prof. Frank-Martin Brunkhorst, das über Dobermann. „Denn wir können als Kran-
haltigen Flüssigkeit aber nicht nur für zwölf Monate klinikumsweit die noso- kenhaushygieniker nur erfolgreich sein,
die Mitarbeiter, sondern auch für die komialen Infektionen und Erreger mit wenn wir mit den verschiedensten Fach-
Patienten und deren Angehörige, weil besonderen Resistenzen erfasst und richtungen kooperieren und mit den
sonst die Gefahr besteht, dass die Kei- Maßnahmen einleitet, um diese weiter Mitarbeitern auf den Stationen und in
me inner- und außerhalb des Kranken- zu reduzieren. Gemeinsam mit dem den Ambulanzen eng zusammenarbei-
hauses weiter verbreitet werden. Auch Infektiologen Prof. Dr. Mathias Pletz ten. Wir erläutern bei Beratungen und
hier muss noch mehr Informationsar- möchte die Klinikhygienikerin zudem an Weiterbildungen vor Ort, welche Mög-
beit geleistet werden.“ einer optimierten Antibiotika-Therapie lichkeiten der Verbesserung der Kran-
arbeiten, damit diese hoch wirksamen kenhaushygiene es gibt und welche
Antibiotika zurückhaltender einsetzen Medikamente, die hauptverantwortlich Gefahren aus deren Nichtbeachtung
für zunehmende Resistenzen sind, nur erwachsen. Wir können nur den Weg
Unter dem deutschen Durchschnitt liegt dort eingesetzt werden, wo sie wirklich zeigen, wie man Infektionen vermeidet
das UKJ auch bei den im Krankenhaus erforderlich sind. Allerdings werden An- und die Sicherheit von Patienten, Besu-
erworbenen MRSA-Infektionen (Methi- tibiotika zu rund 80 Prozent im ambu- chern und Mitarbeitern erhöht. Gehen
cillinresistenter Staphylococcus aureus). lanten Bereich verschrieben, was eine muss diesen Weg jeder selbst. Hier ist
„Ein 100prozentiges Aufnahmescree- enge Abstimmung von ambulanter und die Eigenverantwortung jedes Einzel-
ning wird am Klinikum nicht durchge- stationärer Behandlung erforderlich nen gefordert“, ist Dr. Dobermann über-
führt, da dies laut KRINKO-Richtlinien macht. zeugt. mv
nur erforderlich ist, wenn mehr als zwei
Prozent der Patienten mit MRSA besie-
delt oder infiziert sind. Am UKJ liegt die
MRSA-Rate deutlich unter einem Pro-
zent. Konsequent durchgeführt wird
das Aufnahmescreening allerdings bei
Patienten, bei denen bereits einmal
MRSA festgestellt wurde. Diese werden
im SAP-System erfasst und sind so bei
einer erneuten Aufnahme leicht zu iden-
tifizieren“, betont Dr. Dobermann. Pati-
enten mit nachgewiesenen MRSA-Erre-
gern werden am Klinikum von anderen
Patienten isoliert in einem Einzelzimmer
untergebracht. Ist das nicht möglich,
erfolgt eine Isolation innerhalb des Zim-
mers. Daran schließt sich mindestens
ein fünftägiger Sanierungsversuch mit
aseptischen Waschungen und einer
speziellen Nasensalbe an. „Diese Sanie-
rungsversuche sind bei Patienten mit
einem intakten Immunsystem zumeist
erfolgreich. Problematisch sind sie bei
Patienten mit offenen Wunden, mit Ka-
thetern, einem Tracheostoma oder ei-
ner PEG-Sonde, die Eintrittsöffnungen
für gefährliche Keime darstellen. Vor
allem bei immuninkompetenten Men-
schen können diese schwere Infektions-
erkrankungen bis hin zur Sepsis hervor-
rufen“, warnt Dr. Dobermann.

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Sprechstunde: Kiefergelenkserkrankungen

Wenn das Kiefergelenk Probleme macht


KM-Interview mit Prof. Dr. Dr. Stefan Schultze-Mosgau
„Das Kiefergelenk ist ein Dreh-Gleit- stehen. Wir können das Problem korri- ration führen wir über einen zwei Zenti-
Gelenk und gehört zu den komple- gieren, indem wir den Diskus wieder in meter langen Face-Lift-Schnitt durch,
xesten, beweglichsten und am meis- die korrekte Position bringen. der unsichtbar in die Hautfalte hinter
ten beanspruchten Gelenken unseres dem Ohr gelegt wird. Mitunter ist die
Körpers. Dafür müssen das Gelenk, der Abnutzung allerdings bereits so weit
Bandapparat, die Muskulatur und die fortgeschritten, dass wir die Knorpel-
Zähne möglichst perfekt zusammen- scheibe komplett entfernen müssen. Bis
arbeiten“, sagt Prof. Dr. Dr. Stefan vor etwa 15 Jahren wurde der Diskus
Schultze-Mosgau, Direktor der Klinik durch ein Kunststoffimplantat ersetzt,
für Mund-, Kiefer- und Gesichtschi- heute nutzen wir körpereigenes Gewe-
rurgie/Plastische Chirurgie des Uni- be, z. B. Bindegewebe/Faszien- oder
versitätsklinikums Jena, wo Kieferge- Knorpeltransplantate (Abb. 2).
lenkserkrankungen zu den Behand- Fehlerhafte Kaubewegungen und Biss-
lungsschwerpunkten gehören. „Wir stellungen können außerdem zu einer
betreuen in unserer interdisziplinären Abb. 1: Konservative Therapie mittels Dekom- muskulären Gelenksfunktionsstörung
pressionsschiene Fotos: MKG-Chirurgie
Sprechstunde vor allem Patienten, bei führen. Auch diesen Patienten kann
denen die bisherige Behandlung nicht Wie geschieht das? zumeist mit einer mehrmonatigen Schie-
den gewünschten Erfolg hatte“, be- Über ein Stufenkonzept. Wir beginnen nentherapie geholfen werden.
tont der Klinikdirektor im Gespräch stets mit einer Schienentherapie, die wir
mit KLINIKMAGAZIN. in enger Zusammenarbeit mit den Poli- Werden Kiefergelenkserkrankungen
kliniken für Zahnärztliche Prothetik und auch offen operiert?
Wodurch werden Kiefergelenkser- Werkstoffkunde sowie für Kieferortho- Die offene Kiefergelenkschirurgie wird
krankungen hervorgerufen? pädie und dem Hauszahnarzt durchfüh- heute ausschließlich bei schweren trau-
Durch Veränderungen des Knochens, ren (Abb. 1). Ist die Schienentherapie matischen Frakturen oder Tumoren, die
des Knorpels oder der Muskulatur. Im nicht erfolgreich, haben wir die Mög- eine umfassende Rekonstruktion des
Bereich des Knochens sind das vor al- lichkeit, den Diskus mittels endoskopi- Gelenks erforderlich machen, ange-
lem Abnutzungserscheinungen, rheu- scher Kiefergelenksspülung oder Ope- wandt. Das geschieht häufig mit orts-
matische Erkrankungen sowie krank- ration wieder in die korrekte Position ständigem Knochenmaterial. Handelt es
hafte Knochenneubildungen, die eine zu bringen. Die Kiefergelenksspülung sich um ausgedehnte Befunde, können
Ankylose – eine Gelenkversteifung – her- mit einer sterilen Kochsalzlösung soll wir das Kiefergelenk auch durch kör-
vorrufen können. Springt das Kiefer- Anhaftungen und Verklebungen entfer- pereigenes Gewebe aus den Rippen oder
gelenk beim Öffnen des Mundes immer nen. Die minimalinvasive Diskus-Ope- dem Wadenbein rekonstruieren.
wieder heraus, kann der Knochenvor-
sprung, der verhindert, dass sich das Kie-
fergelenk selbstständig in seine ur-
sprüngliche Position zurückbewegt, mi-
nimalinvasiv abgetragen werden. Anky-
lose-Patienten aus Thüringen und weit
darüber hinaus kommen zur Kieferge-
lenksrekonstruktion an unsere Klinik.
Kiefergelenkserkrankungen können aber
auch durch eine Verschiebung oder Ab-
nutzung des Diskus, einer etwa 1,5 mal
1,5 Zentimeter großen Knorpelscheibe,
die als elastischer Puffer zwischen den
Gelenkflächen liegt, hervorgerufen wer-
den. Die Knorpelabnutzung ist vor allem
auf fehlerhafte Beiß- oder Kaubewegun-
gen zurückzuführen. Beim Öffnen und
Schließen des Mundes ist ein Knacken
vernehmbar, das zunächst nicht schmerz-
haft ist. Monate später kann daraus eine
Kieferklemme, die mit einer deutlich ein- Abb.: Vor der Operation bestand bei der Patientin eine schmerzhafte Mundöffnungsein-
schränkung auf nur 15 mm (A). In einem operativen Eingriff wurden der Diskus entfernt (B)
geschränkten Mundöffnung und erheb- und ein Knorpeltransplantat aus der äußeren Ohrmuschel eingefügt (C). 6 Monate nach der
lichen Schmerzen verbunden ist, ent- Operation war eine deutlich vergrößerte Mundöffnung von 27 mm zu verzeichnen (D).

6 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Sprechstunde: Kiefergelenkserkrankungen

Können Operationen am Kiefergelenk


zu Schädigungen, beispielsweise des
Gesichtsnervs, führen?
Dr. Ulrike Murzik erhielt Herbert-
Unsere Operateure sind erfahren und
gehen über standardisierte Zugangswe-
Hartmann-Promotionspreis
ge zum Kiefergelenk. Deshalb kommt es
nur sehr selten zu derartigen Problemen,
die außerdem zumeist nur zeitweise sind.

Wie werden die verschiedenen Arten


von Kiefergelenkserkrankungen diag-
nostiziert?
Außerordentlich wichtig ist eine aus-
führliche Funktionsdiagnostik des Kie-
fers, der Zähne und der Kaumuskulatur,
um pathologische Veränderungen des
Gelenks, einen fehlerhaften Biss oder
muskuläre Verspannungen festzustel-
len. Die klinische Untersuchung besteht
aus der Inspektion, der Erhebung des
Zahnstatus, der Palpation, der Austas-
tung der Kaumuskulatur, sowie der Aus- Für die Dissertation „Funktionelle Un- 2001 am UKJ vergeben wurde und an
kultation, der akustischen Analyse krank- tersuchungen zur Beteiligung von den Remscheider Chirurgen Dr. Herbert
hafter Geräusche im Kiefergelenk. Bei der S100A11 an der DNA-Schadensrepara- Hartmann erinnert, wurde im Rahmen
nachfolgenden Bildgebung mittels Com- tur und Zellzyklusregulation“ wurde die des 3. Postgraduierten-Symposiums
puter- oder Magnetresonanztomogra- Diplom-Biologin Dr. Ulrike Murzik am zur Krebsforschung am UKJ auf dem
phie erfassen wir Form, Größe, Position 30. April 2011 mit dem Herbert-Hart- Alten Schloss Dornburg überreicht.
und Funktion des Kiefergelenks. Daran mann-Promotionspreis für Onkologie Prof. Andreas Hochhaus und Prof. Klaus Höffken
kann sich eine endoskopische Gelenks- ausgezeichnet. Der Preis, der erstmals (v. l.) gratulieren der Preisträgerin Foto: Szabó
spiegelung anschließen.

Kiefergelenkserkrankungen sind oft Wie hoch sind die Erfolgsraten? höher. Hier kommt es wegen der star-
mit starken Schmerzen verbunden. Sie bewegen sich im Bereich von 80 bis ken Beanspruchung der Knorpelschei-
Wie manifestieren sich diese? 90 Prozent. Die Rezidivraten sind bei den be bei 20 bis 30 Prozent zu einem Wie-
Es gibt verschiedene Arten chronischer Kiefergelenkserkrankungen, die durch derauftreten der Probleme.
Kiefergelenksschmerzen. Patienten, die Veränderungen des Knochens und der
Probleme mit der Knorpelscheibe, dem Muskulatur hervorgerufen werden, ge- Vielen Dank.
Band- oder Kapselapparat haben, kön- ring. Bei den Diskus-Patienten sind sie (Die Fragen stellte Matthias Vöckler)
nen den Schmerz zumeist gut lokalisie-
ren. Schwieriger ist das bei muskulär be-
dingtem Schmerz, weil sich die Kaumus-
keln nicht nur am Kiefer, sondern auch
am Mundboden befinden und sich über
den Schläfenmuskel weit über den Schä-
del ziehen. Das Schmerzbild ist dann
zumeist diffus und strahlt über die ge-
samte Kopfhälfte aus. Andere Patienten
können den Schmerz überhaupt nicht
lokalisieren, weil dieser bis in die Nacken-
muskulatur und den Schulterbereich
ausstrahlt. In diesen Fällen müssen auch
orthopädische und neurologische Krank-
heitsbilder abgeklärt werden.
Nicht jeder Patient empfindet die mit
einer Kiefergelenkserkrankung verbun-
denen Schmerzen und Einschränkun-
gen gleich. Deshalb ist es wichtig, auch
den individuellen Leidensdruck und die
Beeinträchtigung der Lebensqualität
des Patienten in die Therapieplanung
einzubeziehen.

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Baugeschehen

Und dennoch wurden die bundesweit


geltenden Kostenrichtwerte durch opti-
male Planung und straffe Kostenkontrolle
um mehr als ein Viertel unterboten“, be-
tonte der Minister bei der Einweihung.
Damit hätte das Projekt die Vorbildfunk-
tion öffentlicher Bauten bestens erfüllt.
Auch Thüringens Minister für Bildung,
Wissenschaft und Kultur, Christoph Mat-
schie, gratulierte zur Einweihung: „Mit
der Sanierung ist ein barrierefreies Kli-
nikgebäude entstanden, das optimale
Bedingungen für die Forschung und den
Dienst am Patienten bietet.“ Moderne
Zimmer und ein neuer Hörsaal bringen
jetzt wesentliche Verbesserungen für die
vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten
der Klinik, wovon vor allem die jährlich
mehr als 6.500 Patientinnen und Pati-
enten profitieren werden.

Das denkmalgeschützte Hauptgebäude


der Klinik wurde 1879 vom renommier-
ten Berliner Architekturbüro Gropius &
Schmieden errichtet und galt damals als
„Was lange währt, wird gut“ richtungweisend. In zwei Bauabschnit-
ten seit Ende 2005 wurde das Gebäude
bei laufendem Klinikbetrieb saniert und
Nach fünf Jahren Bauzeit wurde im 1994 geplante Sanierung wurde immer um moderne Bauteile ergänzt. Hervor-
März die sanierte und umgebaute Kli- wieder verschoben, erst mehr als zehn stechend ist dabei der moderne Neubau
nik für Psychiatrie und Psychothera- Jahre später wurde 2005 tatsächlich mit des Hörsaals. Das Hauptgebäude verfügt
pie am Universitätsklinikum Jena fei- auf 4.431 m² Nutzfläche über Laborflä-
erlich eröffnet. Damit gehört nun chen, Raum für die Poliklinik und fünf
Deutschlands fünftälteste psychiatri- Pflegestationen mit überwiegend Zwei-
sche Klinik zu den modernsten und „am bettzimmern mit eigenem Bad. Auf der
geschmackvollsten“ sanierten Kliniken Nordseite des Gebäudes wurde ein Pati-
für Psychiatrie, wie Prof. Heinrich Sau- entengarten mit Tischtennisplatten und
er zur Eröffnung sagte. Basketballanlage errichtet. Weitere 1.183
m² Nutzfläche können durch die Sanie-
Der rücksichtsvolle und behutsame Um- rung des Pavillonbaus als Tagesklinik
bau des denkmalgeschätzten Gebäudes, genutzt werden. Hier wurden auch Arzt-
in dem schon Otto Binswanger und Hans zimmer, Therapieräume und Seminarbe-
Berger tätig waren, hat den Spagat zwi- reiche eingerichtet. Die Kosten für beide
schen Modernisierung und Traditions- Bauvorhaben betrugen rund 20 Millio-
wahrung erfolgreich gemeistert. Den nen Euro.
Patienten und Mitarbeitern der Klinik ste-
hen jetzt sowohl im Hauptgebäude am Zum zweiten Bauabschnitt am Haupt-
Philosophenweg 3 als auch im ebenfalls Minister Christian Carius: Architektonische standort des Uniklinikums Jena in Lobe-
Meisterleistung Fotos: Szabó
sanierten Pavillonbau helle, freundliche da sagte Carius, dieser sei nun auf einem
Räume mit viel Atmosphäre jenseits der dem Bau begonnen. „Hier hätte die Bau- guten Weg. Mit dem neuen, angepass-
Sterilität klassischer Krankenhausbauten verwaltung sicher schneller arbeiten ten Förderantrag des UKJ werde im Som-
zur Verfügung. können“, wie der Minister für Bau, Lan- mer gerechnet. „Unsere Bauverwaltung
Entsprechend lobende Worte fand da- desentwicklung und Verkehr, Christian prüft das Bauvorhaben in enger Abstim-
her auch Prof. Heinrich Sauer, der Di- Carius, in seinem Grußwort eingesteht. mung mit dem Klinikum bereits parallel
rektor der Klinik. „Was lange währt, wird Letztlich reihe sich das Ergebnis aber auf zur Planungsphase. So werden wir bereits
endlich gut“, sagte er in seiner Anspra- das schönste ein in die Riege der archi- wenige Wochen nach Antragstellung
che vor den Gästen der feierlichen Er- tektonischen Meisterleistungen, zu de- den Förderbescheid erstellen können.
öffnung im futuristischen neuen Hör- ren Eröffnung er in Thüringen ständig Das ist eine sehr ambitionierte Zeitschie-
saal der Klinik. Auch wenn es in diesem unterwegs sei. „Wir haben ein richtung- ne, aber wir wissen um die Bedeutung
Falle „wirklich sehr lange gewährt ha- weisendes und denkmalgeschütztes Ge- des Klinikums für die Stadt und die Regi-
be“, wie er ergänzte. Denn die bereits bäudeensemble von 1879 restauriert. on“, versicherte Carius. HR

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Titel: Hausbesuch in der Klinik für Urologie

„Das hat sich wirklich gelohnt“

„Am 24. Januar 2011 war ‚Da Vinci‘ plantationszentrum ist. Über die Vorbe-
erstmals im Einsatz. Bis heute haben reitung und Durchführung von Nieren-
wir mit unserem Operationsroboter 48 transplantationen sowie die Möglichkeit
Prostataentfernungen durchgeführt von Lebendnierenspenden informierte
und einen Nebennierentumor operiert“, Prof. Dr. Heiko Wunderlich die „Haus-
sagte Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm besucher“.
während des Hausbesuchs in der Kli- Mit der Entwicklung der Extrakorpora-
nik für Urologie am 4. Mai 2011. „Aber len Stoßwellenlithotripsie (ESWL) wur-
auch Blasen- und Nierenteilresektio- de vor 30 Jahren die Entfernung von
nen können künftig roboterassistiert Nierensteinen revolutioniert. „Bis dahin
erfolgen.“ war eine offene Operation erforderlich.
Heute“, so Oberarzt Dr. Torsten Husch-
Tumoren der Prostata, der Harnblase ke, „ist das nur noch selten der Fall.“
und der Nieren gehören zu den häu- Neben der ESWL findet an der Klinik für Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm stellte das brei-
figsten Krebserkrankungen, betonte Kli- Urologie unter anderem auch die Laser- te diagnostische und therapeutische Spek-
trum der Klinik für Urologie vor
nikdirektor Prof. Grimm, der den inter- lithotripsie Anwendung, ein hochmo- Fotos: Szabó
essierten Gästen erläuterte, wie robo- dernes Verfahren, das die Steine mittels
tergestützte Operationen funktionieren dünner Lichtfasern zerstört. Dass Harn-, es vor allem unter älteren Menschen
und welche Vorteile diese gegenüber Gallen- und Nierensteine erstaunliche weit verbreitet. Dr. Susan Voigt infor-
offenen und herkömmlichen laparosko- Formen und beachtliche Größen errei- mierte über die Ursachen und stellte
pischen Eingriffen haben. Im Foyer der chen können, verdeutlichte PD Dr. Wolf- verschiedene minimal-invasive Thera-
Klinik nutzten viele Besucher die ein- gang Berg, der die Steinsammlung der piemöglichkeiten vor, mit denen die In-
malige Gelegenheit, sich selbst an die Urologischen Klinik vorstellte. kontinenz behandelt und in vielen Fäl-
Steuerkonsole des OP-Roboters zu set- Die vielfältigen Möglichkeiten der Ul- len auch beseitigt werden kann.
zen und dessen Arme zu dirigieren. „Ei- traschalldiagnostik bei urologischen Er-
nige zeigten dabei viel Geschick“, lobte krankungen erläuterte Oberarzt Dr. Lars „Das war alles sehr interessant, das hat
Prof. Grimm. Twelker, der zudem über die Prostata- sich wirklich gelohnt“, sagte ein älterer
biopsie, die Entnahme kleinster Gewe- Besucher am Ende der Veranstaltung.
Die Uro-Onkologie ist ein Schwerpunkt beproben zu diagnostischen Zwecken, Auch der zweite Hausbesuch der Ge-
der Klinik, die das gesamte Spektrum informierte. sundheitsUni war ein voller Erfolg, da-
der urologischen Versorgung bereithält Harninkontinenz ist ein Thema, über das rüber waren sich Gastgeber und Gäste
und das einzige Thüringer Nierentrans- nur ungern gesprochen wird, dabei ist einig. mv

Über die Möglichkeiten der Ultraschalldiagnostik bei urologischen Erkran- Oberarzt Dr. Torsten Huschke erläuterte die Steinentfernung
kungen informierte Oberarzt Dr. Lars Twelker mittels Extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie

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Personalia

Reizvolle Gestaltungsaufgabe führt ans UKJ


Dr. Brunhilde Seidel-Kwem ist seit April neuer Kaufmännischer
Vorstand am Universitätsklinikum Jena

„Ich bin bei meinem Wechsel ans UKJ


dem Verstand und dem Bauchgefühl
gefolgt“, beschreibt Dr. Brunhilde Sei-
del-Kwem, seit April neuer Kaufmän-
nischer Vorstand am Universitätskli-
nikum Jena, ihre Beweggründe für den
Wechsels von Hamburg nach Thürin-
gen. In der Hansestadt war Seidel-
Kwem seit 1997 in verschiedenen füh-
renden Positionen im Krankenhaus-
management tätig, zuletzt im erwei-
terten Vorstand der Rhön-Klinikum
AG.

Insgesamt blickt die erfahrene Diplom-


Kauffrau auf mehr als 20 Jahre im Kran-
kenhausmanagement zurück. An deren
Anfang stand die Universitätsmedizin:
Am Göttinger Universitätsklinikum war
Seidel-Kwem zuerst als Finanzdezernen- Dr. Brunhilde Seidel-Kwem ist neuer Kaufmännischer Vorstand am UKJ Foto: Szabó
tin und später als Verwaltungsdirekto-
rin tätig. Nach einer Vielzahl leitender
Funktionen bei verschiedenen Unter- – Tarife, medizinischer Fortschritt, Sach- Für das gut aufgestellte UKJ sieht Sei-
nehmen im Gesundheitswesen führt der kosten – erfordern ein konzentriertes del-Kwem zudem auch eine wichtige
Weg Dr. Brunhilde Seidel-Kwem nun und strategisch ausgerichtetes Handeln. Aufgabe in einer weiteren Vernetzung
wieder in die Universitätsmedizin. „Für „Im Zentrum aller Bemühungen muss die mit vielen Partnern im Thüringer Ge-
mich ist dies einer der spannendsten Weiterentwicklung unseres medizini- sundheitswesen. „Als einziges Universi-
Bereiche im Klinikmanagement, auch schen Leistungsangebotes und das Ge- tätsklinikum müssen wir unsere zentra-
vor dem Hintergrund des verschärften winnen des Vertrauens weiterer Patien- le Position dazu ausbauen, eine Leucht-
Wettbewerbs, so dass ich sehr gern nach ten und Zuweiser stehen. Die Vorberei- turmfunktion für die anderen Akteure
Jena gekommen bin“, so Seidel-Kwem. tung auf die neuen Strukturen im 2. einzunehmen und so eine flächende-
Besonders motiviert habe sie dabei die Bauabschnitt, aber auch Effizienzver- ckende Qualitätssicherung für die Thü-
große Gestaltungsaufgabe, die mit der besserungen in den gegenwärtigen ringer Patienten zu erreichen.“
Umsetzung des 300-Millionen Neubau- Strukturen müssen über Prozessverbes-
projektes vor dem Universitätsklinikum serungen und bessere Kapazitätsauslas- Aus ihrer reichen Kenntnis vieler Kran-
Jena liege. „Damit stehen wir aber auch tungen angegangen werden. Das alles kenhäuser in unterschiedlicher Träger-
vor einem harten Stück gemeinsamer wird uns nicht in den Schoß fallen, ich schaft bringt sie die Erfahrung mit, dass
Arbeit“, ist Dr. Brunhilde Seidel-Kwem bin aber optimistisch, dass wir unsere bei allen Unterschieden ein Aspekt doch
überzeugt. Die wichtigste Herausforde- Ziele mit vereinten Kräften erreichen. immer gleich ist: „Unsere Arbeit muss
rung sieht die erfahrene Krankenhaus- Dabei ist mir ein transparentes Vorge- sich immer daran messen lassen, wie gut
managerin dabei in der Umsetzung und hen unter Einbeziehung aller beteilig- wir die Bedürfnisse der Bevölkerung als
Finanzierung des Klinikums-Neubaus. ten Bereiche sehr wichtig. Nur so wird Gesundheitsversorger erfüllen“, so Dr.
„Dieser Prozess wird unseren Alltag über man Verständnis und Akzeptanz für Ver- Brunhilde Seidel-Kwem. „Dieser Versor-
Jahre bestimmen“, so Seidel-Kwem, änderungen gewinnen. Ich hoffe zu- gungsauftrag muss im Zentrum unserer
„und kann nur mit Unterstützung aller gleich auf die Offenheit und Bereitschaft Bemühungen stehen, vor allem in ei-
Beschäftigten am UKJ gelingen.“ möglichst vieler Beschäftigter in den nem Klinikum wie dem Jenaer, das als
unterschiedlichsten Berufsgruppen und einer der wenigen Thüringer Maximal-
Die Vorbereitung hierauf und die Finan- Hierarchieebenen, an diesen Verände- versorger auch die Funktion eines Stadt-
zierung der auch in den nächsten Jah- rungen konstruktiv mitzuarbeiten“, be- krankenhauses und Versorgers für die
ren zu erwartenden Kostensteigerungen tont Dr. Seidel-Kwem. Region erfüllt.“ HR

10 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Personalia

Forschung im Labor - immer mit geber und Korrektiv für unsere Arbeit“,
betont Hortense Slevogt. Zum Ende die-
ses Jahres wird ihre Arbeitsgruppe in den
dem Auge auf die Klinik bis dahin fertig gestellten Septomics-
Neubau einziehen. Gegenwärtig ist ihre
Professorin Hortense Slevogt erforscht die Gruppe im direkt benachbarten For-
schungszentrum Beutenberg des Uni-
Regelkreisläufe der Immunabwehr versitätsklinikums untergebracht.
Für ihre neue Forschungsaufgabe kann
Hortense Slevogt auf weit reichende Er-
fahrungen als klinisch tätige Internistin
Die Internistin und Infektiologin PD und eindeutig zu diagnostizieren und und erfolgreiche Wissenschaftlerin
Dr. Hortense Slevogt ist auf die Pro- bestimmte Bakterien von Pilzerregern bauen. Nach ihrem Medizinstudium an
fessur „Host Septomics“ am Univer- zu unterscheiden. der FU Berlin legte sie das deutsche und
sitätsklinikum Jena berufen worden. Wichtigste Partner der Gruppe von Pro- später auch das amerikanische Staats-
Mit ihrer Nachwuchsgruppe vervoll- fessor Slevogt werden dabei die beiden examen ab, absolvierte ihre Facharzt-
ständigt sie das Zentrum für Innova- ausbildung an der Charité und erwarb
tionskompetenz „Septomics“. Sie un- Zusatzqualifikationen in der Infektio-
tersucht, durch welche molekularen logie und Tropenmedizin. Ihre For-
Prozesse die Immunantwort auf In- schungsschwerpunkte sind molekulare
fektionserreger gesteuert wird und Prozesse des angeborenen Immunsys-
warum diese Steuerung bei einer Sep- tems bei der Erkennung von Krankheits-
sis entgleist. erregern und in der Wechselwirkung
von Erregern und Gewebe in der Lunge.
„Während meiner klinischen Tätigkeit Für ihre Habilitation über dieses Thema
habe ich viele Sepsis-Patienten betreut, wurde Slevogt mit dem Rahel-Hirsch-
ich kenne die Möglichkeiten und Gren- Stipendium der Charité gefördert.
zen der Behandlung und die sich daraus Die Unterstützung von Frauen in der
ergebenden Fragen“, so Slevogt, die als Wissenschaft liegt der zweifachen Mut-
Internistin mit dem Schwerpunkt Infek- ter sehr am Herzen. In ihrer Gruppe ar-
tiologie jahrelange klinische Erfahrung beitet eine Nachwuchswissenschaftle-
hat. Der Beantwortung der vielen offe- rin mit Familie. „Derzeit fehlen für Wis-
Prof. Hortense Slevogt Foto: privat
nen Fragen in der Diagnostik und der senschaftlerinnen noch effiziente För-
Therapie der Sepsis, einer aus dem Ru- anderen Arbeitsgruppen im Zentrum derprogramme und Teilzeitregelungen,
der gelaufenen Abwehrreaktion des sein, die sich mit Pilzinfektionen und mit die Frauen den Wiedereinstieg und die
Körpers auf eine Infektion, widmet sich klinischen Studien zur Sepsis beschäf- Koordination von Familie und Labor er-
in Jena ein Cluster aus Forschungs- tigen. Enge Kontakte zu den Intensiv- leichtern würden“, so die Medizinerin.
institutionen und innovativen Unter- medizinern, Internisten und Transfusi- Sie und ihre Familie stellen dieses Koor-
nehmen. Dazu gehört das vom Bundes- onsmedizinern des UKJ und den Wis- dinationsgeschick mit dem jetzigen An-
ministerium für Bildung und Forschung senschaftlern am Hans-Knöll-Institut tritt ihrer Professur und beim für das
geförderte Zentrum für Innovations- bestehen schon oder werden gegen- nächste Jahr geplanten Umzug ihrer
kompetenz „Septomics“, in dem Profes- wärtig geknüpft. „Die enge Anbindung Familie von Berlin nach Jena eindrucks-
sorin Hortense Slevogt die Nachwuchs- an die klinischen Disziplinen ist Impuls- voll unter Beweis. vdG
gruppe „Host Septomics“ leitet.
Der Name der Gruppe ist Programm:
Forschungsgegenstand der vier Natur-
wissenschaftler und zwei Doktoranden
sind die Abwehrmechanismen, mit de-
nen die Zellen des Wirts („Host“) auf das
Eindringen von Infektionserregern rea-
gieren. „Uns interessiert dabei beson-
ders die Regulation dieser Prozesse – wie
werden sie in Gang gesetzt und abge-
bremst, unterscheidet sich die Immun-
reaktion auf Pilze von der auf Bakteri-
en, gibt es Signalketten oder Prozesse,
die spezifisch sind für Gewebe oder Er-
reger?“ Ein wesentliches Ziel der Unter-
suchungen ist es, neue diagnostisch
verwertbare molekulare Marker zu fin-
den. Diese sollen helfen, Infektionen früh

www.uniklinikum-jena.de 11
Diagnostik und Therapie

„Für mich gab es kein Zögern“ kleiner 30 sein. Fettlebern werden nicht
transplantiert, außerdem dürfen keine
Begleiterkrankungen vorliegen, die das
Patientenseminar des Jenaer Lebertages Spenderrisiko erhöhen. „Die Vorteile der
Lebendleberspende liegen auf der Hand:
informierte über Lebendleberspenden Die Wartezeit reduziert sich deutlich
und die Operation ist besser planbar.
Durch die gute Qualität des Transplan-
tats und die sehr kurze Ischämiezeit –
der Zeitraum, in dem das Transplantat
„Meinem Mann ging es gar nicht gut, 40 (weit fortgeschrittene Erkrankung). nicht durchblutet ist – sind die Ergeb-
er war so krank, dass ihn nur eine neue „In manchen Fällen, beispielsweise bei nisse nach Lebendlebertransplantation
Leber retten konnte. Da diese nicht Patienten mit Leberkarzinom, wird der häufig besonders gut. Hinzu“, so Dr.
vorhanden war, gab es für mich kein Score der Dringlichkeit allerdings nicht Bärthel, „kommen Dankbarkeit und Ver-
Zögern. Schließlich wollen wir beide gerecht. Deshalb gibt es hier Ausnah- antwortung gegenüber dem Spender,
einmal 100 Jahre alt werden.“ – „Mein
Mann hatte einen Lebertumor und
keine Chance, in absehbarer Zeit eine
neue Leber zu erhalten. Für mich stand
sofort fest: Ich spende.“ Doch der Ehe-
mann war sich nicht sicher, ob er die-
ses Geschenk annehmen und seine
Frau dem Risiko einer Organspende
aussetzen sollte. „Ich habe lange da-
rüber nachgedacht, und es dauerte
einige Zeit, ehe sie mich davon über-
zeugen konnte“, sagt er rückblickend.
Ende letzten Jahres erhielten die bei-
den Männer am Transplantationszen-
trum Jena einen Teil der Leber ihrer
Ehefrauen. Während des 4. Jenaer
Lebertages am 30. März 2011 konn-
ten sich die fast 200 Teilnehmer des
Patientenseminars, darunter zahlrei-
che Lebertransplantierte und -spen-
der, von den Genesungsfortschritten
überzeugen.

„Die immer länger werdende Warteliste Oberärztin Dr. Christina Malessa (li.) und Schwester Susanne Steinbrücker im Gespräch mit
einem Patienten Foto: Szabó
ist ein großes Problem“, sagte Dr. Chris-
tina Malessa, Oberärztin an der Klinik für meregelungen“, sagte der Jenaer Leber- was zumeist ein besonders kooperati-
Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirur- chirurg. ves Verhalten während der Therapie zur
gie des Universitätsklinikums Jena. „Die Folge hat.“
durchschnittliche Wartezeit auf eine Ergebnisse sind nach Lebendspende Denn auch für den Spender ist der Ein-
neue Leber beträgt inzwischen etwa zwei häufig besonders gut griff mit Risiken verbunden. Zwar ist die
Jahre.“ Doch wer soll die raren Organe Mortalitätsrate mit 0,2 Prozent sehr ge-
erhalten, und wie lässt sich eine mög- Seit etwa zwei Jahrzehnten gibt es eine ring, bei einem Viertel treten aber – zu-
lichst große Verteilungsgerechtigkeit er- Alternative zur Lebertransplantation meist zeitweilige – gesundheitliche Pro-
reichen? „Mit dem MELD-Score – Model nach postmortaler Organspende, die bleme auf, vor allem Wundheilungsstö-
of End Stage Liver Disease – wurde ein Leberlebendspende. Die menschliche rungen und Gallenwegserkrankungen.
Instrument geschaffen, den Schwere- Leber besteht aus acht Segmenten, je- Bei den meisten Spendern arbeitet das
grad einer Lebererkrankung und die des ist eine funktionale Einheit und das Organ aber bereits rund zwei Wochen
Dringlichkeit einer Lebertransplantation ermöglicht die Teilleberspende. Kinder nach der Teilelleberentnahme wieder
objektiver einzuschätzen und auf diese erhalten die linken Leberlappen, Er- normal und nach etwa drei Monaten hat
Weise auch die Sterblichkeit auf der wachsene die rechten. „Das dem Spen- sich die Leber weitgehend regeneriert
Warteliste zu reduzieren“, erläuterte Dr. der verbleibende Lebervolumen muss und fast wieder ihre ursprüngliche Grö-
Erik Bärthel. Der 2002 in den USA ent- mindestens 30 Prozent betragen, und ße erreicht. „Trotz der vorhandenen Ri-
wickelte Score berechnet sich aus dem die Leberspender haben strenge medi- siken würden 98 Prozent der Spender
Kreatinin- und Bilirubinwert sowie der zinische Kriterien zu erfüllen“, erläuter- erneut einen Teil ihrer Leber zur Verfü-
Blutgerinnungszeit und reicht von 6 te Dr. Bärthel. Sie dürfen maximal 60 Jah- gung stellen“, betonte Dr. Bärthel und
(wenig fortgeschrittene Erkrankung) bis re alt und der Body-Mass-Index muss verwies darauf, dass am Transplanta-

12 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Diagnostik und Therapie

tionszentrum Jena zwischen 1999 und rich Schmidt, Ärztlicher Direktor der bessern.“ Darüber hinaus werden die
März 2011 insgesamt 556 Lebern trans- MEDIAN-Kliniken, Bad Berka. „Unsere Patienten an der Reha-Klinik sozial-
plantiert wurden, 62 – elf Prozent – wa- Mitarbeiter informieren über Ernährung, medizinisch und psychologisch betreut.
ren Lebendspenden. Hygiene und vieles andere und helfen „Dabei geben wir auch Hilfestellung im
Doch nicht jeder, der ein Organ spen- mit ebenso einfachen wie wirkungsvol- Umgang mit der Angst vor Infektionen
den möchte, darf dies. „In Deutschland len Übungen, die Physis, vor allem den und möglichen Transplantatabstoßun-
bestimmt Paragraf 8 des Transplantati- Muskelaufbau und die Ausdauer, zu ver- gen“, betonte Prof. Schmidt. mv
onsgesetzes den rechtlichen Rahmen für
die Entnahme von Organen und Gewe-
ben“, sagte der Jurist Prof. Dr. Bernd-
Rüdiger Kern, Spezialist für Arztrecht an
der Universität Leipzig. Im Transplanta-
tionsgesetz ist auch festgelegt: Eine sol-
che Spende ist „nur zulässig zum Zwe-
14jähriger erhält Teilleberspende
cke der Übertragung auf Verwandte ers-
ten oder zweiten Grades, Ehegatten, von seiner Mutter
eingetragene Lebenspartner, Verlobte
oder andere Personen, die dem Spen-
der in besonderer persönlicher Verbun-
denheit offenkundig nahe stehen“. Die Mit einer Teilleberspende retteten die rierte das Team um Prof. Eckoldt und
größte Spendergruppe sind Ehegatten Chirurgen am Universitätsklinikum Prof. Settmacher, um die Hälfte der müt-
(42 Prozent), Eltern (33 Prozent) und Jena einem 14jährigen in akuter Not- terlichen Leber dem Sohn einzusetzen.
Geschwister (13 Prozent), Frauen spen- lage das Leben. Ein solcher Eingriff
den häufiger als Männer. „Jeglicher Or- bei Kindern wird nur an sehr wenigen
ganhandel ist verboten und Lebend- Transplantationszentren in Deutsch-
spenden sind generell nur zulässig, land durchgeführt.
wenn kein postmortales Organ zur Ver-
fügung steht“, betonte Prof. Kern. Kri- Der an Mukoviszidose erkrankte Junge
tisch sahen der Jurist und einige Teil- aus Jena wurde im Februar mit akuten
nehmer der Veranstaltung die versiche- Blutungen an den durch die Erkrankung
rungstechnische Absicherung der Spen- stark geschädigten Blutgefäßen an Spei-
der: „Hier sollte der Gesetzgeber unbe- seröhre und Magen im UKJ eingeliefert.
dingt nachbessern.“ „Die einzige Chance auf eine Rettung
war in dieser Situation eine Lebertrans-
Sozialmedizinische und psychologische plantation“, erklärt Prof. Dr. Utz Settma-
Betreuung in Reha-Klinik cher, Direktor der Klinik für Allgemein-,
Viszeral- und Gefäßchirurgie. In dieser
Viele ältere Transplantationspatienten Notlage entschieden sich die Lebertrans-
leiden bereits vor der Organübertra- planteure gemeinsam mit den Kinder-
gung an einem Diabetes mellitus, an- chirurgen für eine Lebendspende, bei
dere entwickeln diesen nach der Trans- der dem Jugendlichen ein Teil der Leber
plantation. Denn einen Diabetes kön- seiner Mutter übertragen wurde. Johannes und seine Mutter, die ihm einen
Teil ihrer Leber gespendet hat Foto: Szabó
nen auch Immunsuppressiva, Medika- Für die Mutter kam die Frage nach einer
mente, die die körpereigene Immun- Spende nicht überraschend. Seit Jah- Der Eingriff verlief ohne Komplikatio-
abwehr unterdrücken, um eine Absto- ren ist Johannes in der Mukoviszidose- nen, Spenderin und Empfänger vertru-
ßung des neuen Organs zu verhindern, Ambulanz der Jenaer Kinderklinik in gen die Operation sehr gut. Wenige Tage
auslösen. Prof. Dr. Ulrich Anton Müller Behandlung. Die fortschreitende Leber- danach war die Mutter bereits wieder
(Klinik für Innere Medizin III), Diabe- schädigung und die absehbar notwen- auf den Beinen. Auch Johannes, der
tesexperte am Universitätsklinikum dige Transplantation waren Ärzten und Ende März nochmals zu einer kurzen
Jena, erläuterte, wie die Patienten den Angehörigen bekannt. Dass dieser Ernst- Nachbehandlung in der Kinderchirur-
Diabetes effektiv behandeln und mit fall dann so schnell eintrat, kam aber gie am UKJ war, geht es sehr gut. „Kein
diesem auch nach der Lebertransplan- für alle überraschend. Vergleich zu vorher“, betont seine Mut-
tation gut leben können. „Wir mussten schnell handeln, denn der ter, die sich zusammen mit ihm in der
Der Weg vom Transplantationszentrum Junge hatte lebensgefährliche Blutun- Kinderchirurgie sehr gut aufgehoben
nach Hause ist nicht geradlinig, jeder gen“, erklärt Prof. Felicitas Eckoldt, Di- fühlt.
Transplantationspatient muss einen rektorin der Kinderchirurgie am UKJ, die „Wir freuen uns sehr, dass es sowohl
„Umweg“ über eine Rehabilitationsein- Situation. Der 14jährige leidet seit sei- Johannes als auch seiner Mutter in der
richtung machen. „Wir wollen unsere ner Geburt an Mukoviszidose, in deren jetzt mit der Entfernung einer Drainage
Patienten physisch und psychisch auf- Folge sich ein chronischer Umbau der abgeschlossenen Frühphase nach der
bauen und ihnen den Übergang in den Leber mit Entwicklung einer Zirrhose Transplantation so gut geht“, zeigt sich
Alltag erleichtern“, sagte Prof. Dr. Ul- einstellte. Fast fünf Stunden lang ope- Prof. Eckoldt zufrieden. HR

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Diagnostik und Therapie

Sicher erkennen und effektiv behandeln


Neuroradiologen und Experten anderer Fachgebiete diskutierten
über Wirbelsäulenerkrankungen

„Die Diagnostik und Behandlung von lenerkrankungen vor allem die Compu- tun, die die Tumoren zahlreicher ande-
Wirbelsäulenerkrankungen ist eine in- ter- und Kernspintomographie. „Das rer Organe in die Wirbelsäule streuen
terdisziplinäre Aufgabe, die nur im UKJ ist technisch gut ausgestattet und und die vor der neurochirurgischen Ent-
Zusammenspiel verschiedener Fachge- verfügt unter anderem über mehrere fernung exakt lokalisiert werden müs-
biete optimale Ergebnisse bringt. Ent- Hochfed-Kernspintomographen, da- sen“, erläutert der Neuroradiologe.
sprechend konnten wir zu unserem runter ein hochmodernes 3-Tesla Gerät
Neuroradiologie-Symposium neben für die Forschung und für klinische Stu- Diskutiert wurden während des Jenaer
Radiologen vor allem Neurologen, dien“, betont Thomas E. Mayer. „Sowohl Neuroradiologie-Symposiums auch Ge-
Neurochirurgen und Orthopäden be-
grüßen“, sagt der Leiter der Neuro-
radiologie am Universitätsklinikum
Jena, Prof. Dr. Thomas E. Mayer, und
freut sich über den großen Zuspruch:
Mehr als 250 Ärzte aus ganz Deutsch-
land waren am 1. April nach Jena
gekommen, um sich in Vorträgen so-
wie einem anatomischen und mehre-
ren interventionellen Workshops um-
fassend mit Erkrankungen der Wir-
belsäule zu beschäftigen.

Die meisten Wirbelsäulen-Patienten lei-


den an degenerativen Erkrankungen.
Neben Bandscheibenvorfällen sind das
vor allem Spinalkanalstenosen, die häu-
fig mit erheblichen Schmerzen einher-
gehen und im Falle von Nervenschä-
digungen auch zu Lähmungen führen
können. „Mit den Möglichkeiten der Die während des Neuroradiologie-Symposiums angebotenen Workshops erfreuten sich gro-
modernen Bildgebung sind wir in der ßen Interesses Foto: Szabó
Lage, diese vor allem unter älteren Pati-
enten nachweisbaren Verengungen des die Computer- als auch die Kernspinto- fäßerkrankungen des Rückenmarks. Da-
Wirbelkanals exakt zu lokalisieren. Ist mographie haben sich in den letzten bei handelt es sich vor allem um arte-
eine operative Behandlung der Wirbel- Jahren enorm weiterentwickelt, sodass riovenöse Fisteln, unnatürliche Verbin-
säule erforderlich, wird diese von den wir heute über hochauflösende Bilder dungen zwischen Arterien und Venen,
Neurochirurgen, mit denen wir eng zu- sowie 3-D- und Funktionsdarstellungen die einen Rückstau des arteriellen Blu-
sammenarbeiten, durchgeführt“, sagt von höchster Qualität verfügen. Das tes in die Venen verursachen und oft-
Prof. Mayer und verweist darauf, dass verbessert die Möglichkeiten der Diag- mals mit erheblichen Komplikationen –
es nicht in jedem Fall möglich ist, die nostik und Behandlung degenerativer beispielsweise Lähmungserscheinun-
Wirbelsäule so wiederherzustellen, dass Wirbelsäulenerkrankungen, Entzün- gen und Sensibilitätsausfällen – verbun-
der Patient vollständig beschwerdefrei dungen sowie Gefäß- und Tumorer- den sind. Allerdings werden diese Ge-
ist. „Wir verfügen aber über verschie- krankungen.“ fäßerkrankungen häufig nicht korrekt
dene, sehr effektive Möglichkeiten der diagnostiziert und als degenerative Er-
perkutanen Schmerztherapie. Neben der Tumoren der Wirbelsäule und des Rü- krankungen verkannt. „Für die Betrof-
Implantation einer Schmerzpumpe ist es ckenmarks sind relativ selten. „Zumeist fenen ist das häufig mit einem jahrelan-
möglich, die schmerzauslösenden Ner- handelt es sich um Tumoren der Dura, gen Leidensweg verbunden“, bedauert
ven mittels Elektrotherapie dauerhaft der so genannten Rückenmarkshaut, Prof. Mayer. „Dabei gibt es effektive kau-
auszuschalten.“ die man gut diagnostizieren und auch sale Behandlungsmöglichkeiten: Wir ver-
vollständig heilen kann, wenn sie recht- schließen die Fistel mittels Katheter und
Das Team um Prof. Mayer nutzt für die zeitig erkannt werden. Wesentlich häu- beseitigen auf diese Weise den Rückstau
Diagnostik und Therapie von Wirbelsäu- figer haben wir es mit Metastasen zu und die Probleme des Patienten.“ mv

14 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Diagnostik und Therapie

Schonendere Laser-OP hilft


Herzschrittmacher-Patienten
Universitäres Herzzentrum Jena bietet
neues Explantations-Verfahren von
Herzunterstützungssystemen an

Ein neues Laser-Verfahren zu Entfer- ge und damit Signale über Unregelmä-


nung von Herzschrittmachern und im- ßigkeiten an das implantierte Gerät
plantierten Defibrillatoren ist jetzt übermittelt werden. Die Elektroden ver-
erstmals am Universitätsklinikum Jena wachsen mit der Zeit mit dem Herzen. Dr. Torsten Bossert, Herzchirurg am UKJ, freut
eingesetzt worden. Dabei wurde ei- Muss das Gerät später ausgetauscht und sich mit seinem Patienten über den gelun-
genen Laser-Eingriff Foto: Szabó
nem 77jährigen Patienten aus Anna- entfernt werden, müssen die Elektroden
berg-Buchholz ein vor 14 Jahren im- gelegentlich operativ entfernt werden.
plantierter Herzschrittmacher ent- Dieser Eingriff konnte dann bisher nur ko verbunden. Mit dem lasergestützten
fernt. Durch den Einsatz eines Exci- mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine OP-Verfahren eröffnen sich daher neue
mer-Lasers dauerte die Operation durchgeführt werden, die für die Zeit Behandlungsoptionen. „Durch diese
statt der bisher üblichen zwei Stun- der Operation die Funktion des Herzens neue Methode können wir nun auch
den nur 30 Minuten und konnte ohne übernahm und den Kreislauf aufrecht- den Patienten helfen, für die bisher eine
Herz-Lungen-Maschine durchgeführt erhielt. Diese maschinelle Unterstützung Operation aufgrund der Belastung
werden. stellt einen großen operativen Eingriff durch die Herz-Lungen-Maschine zu
dar und ist für die betroffenen Patien- gefährlich gewesen wäre“, so Oberarzt
Der neue Laser kommt zum Einsatz, ten häufig mit einem erheblichen Risi- Torsten Bossert. HR
wenn Implantate zur Herzunterstützung
wie Defibrillatoren oder Herzschrittma-
cher aufgrund von Komplikationen ent-
fernt und neu eingesetzt werden müs-
sen. Das ist der Fall, wenn Defekte auf-
treten oder das Implantat zu Entzün-
dungen führt. Die neue OP-Methode,
die am UKJ-Herzzentrum neben den
Herzchirurgen auch den Kardiologen
und Radiologen zur Verfügung steht,
ermöglicht dabei den Ärzten ein sehr
viel schonenderes und vor allem risiko-
ärmeres Vorgehen als bisher. „Wir kön-
nen so die am Herzen implantierten und
eingewachsenen alten Elektroden sehr
schnell und ohne zusätzliche Belastung
für das ohnehin geschwächte Herz ent-
fernen“, erklärt Dr. Torsten Bossert, Ober-
arzt der Klinik für Herz- und Thoraxchi-
rurgie am UKJ, der den ersten Eingriff in
Jena durchgeführt hat.

Bei der Implantation eines Herzschritt-


machersystems werden Elektroden an
mehreren Stellen mit dem Herzmuskel
verbunden. Auf diese Weise werden die
elektrischen Impulse übermittelt, die das
Herz zu Kontraktionen anregen. Gleich-
zeitig können dadurch auch Informati-
onen über die Frequenz der Herzschlä-

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Veranstaltungen

Informationsabende für 21. Mai: „Thüringer Tag der


werdende Eltern Allgemeinmedizin“ am UKJ

Informationsabende für werdende Unter dem Titel „Wissensbrücke:


Eltern finden an jedem zweiten Don- Kollegen treffen Kollegen“ findet
nerstag im Monat 19 Uhr im Hör- am 21. Mai 2011 von 9.00 bis 16.30
saal und im Kreißsaal der Univer- Uhr im Universitätsklinikum Jena-
sitäts-Frauenklinik in der Bachstra- Lobeda, Erlanger Allee 101, der ers-
ße 18 statt. te „Thüringer Tag der Allgemein-
medizin“ statt.
Nächste Termine: Alle Praxisteams sind dazu herzlich
26. Mai, 9. und 23. Juni eingeladen.

Förderverein des Universitätsklinikums Jena e.V.


Ausstellung Vorsitzender: PD Dr. Michael Hartmann, Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Tel.: 03641/9 32 54 01, Fax: 03641/9 32 54 02, E-Mail:foerderverein@uniklinikum-jena.de
„MenschMikrobe“ in Jena Ich/Wir möchte(n)
Die Ausstellung zum Erbe Robert Vereinsmitglied werden
Kochs und zur modernen Infektions-
eine Spende in Höhe von € überweisen
forschung ist vom 30.7. bis 10. 9. (Zutreffendes bitte ankreuzen)
2011 im Foyer Carl-Zeiss-Cam-
pus zu sehen. Name, Vorname, Titel:
Sie wird ergänzt durch Führungen Firma, Einrichtung, Verein:
für Gruppen und Vorträge von Jena-
er Forschern jeweils donnerstags 18 Anschrift:
Uhr. Alle Angebote sind kostenlos.
Telefon: E-Mail:
menschmikrobe@med.uni-jena.de Datum: Unterschrift:
www.menschmikrobe.de

GesundheitsUni Jena am UKJ

Mittwoch, 25. Mai Mittwoch, 29. Juni

Hand in Hand - Die Behandlung von Schmerzliche Erfahrungen


Tumorpatienten im interdisziplinären Team - Was tun bei Schmerzen?
Prof. Dr. Andreas Hochhaus PD Dr. Winfried Meißner
Direktor des UniversitätsTumorCentrums Abteilung Palliativmedizin

n a e r A b e n dvorlesung
Je
s 19 Uhr
Beginn jeweil Al le e 101, Hörsaal 1
da /O st , Er la ng er
Uniklinikum Lobe

16 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Service

Cafeteria
In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums
werden täglich drei Menüs angeboten, darunter ein
vegetarisches. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag
12.00 bis 16.30 Uhr
Mittwoch bis Sonntag
17:00 bis 20:00 Uhr

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie
eine solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer
Station an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis
17 Uhr geöffnet, die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von
9 bis 11 Uhr. Außerdem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für
Psychiatrie sowie für Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Evangelische Klinikseelsorge: Katholische Seelsorge:
Pfarrerin Christine Alder Bächer, 0151 1710 1493 Pfarrer Norbert Winter
Pfarrer Heinz Bächer, 0151 1710 1492 (036421) 224 36 oder 0177 451 1927

Blutspende
Die Möglichkeit zur Blutspende besteht am Institut für Transfusionsmedizin im ehemaligen
Chirurgie-Gebäude in der Bachstraße 18.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis19 Uhr und Freitag 8 bis13 Uhr
sowie jeden zweiten und letzten Samstag im Monat 9 bis13 Uhr

Wichtige Ansprechpartner
Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern
Leiter Leiterin Geschäftsstelle
Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75 Empfang Lobeda: 932 08 50
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
E-Mail: E-Mail:
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

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Diagnostik und Therapie

Das ganze Kind sehen läutert Pflegedienstleitung Rita Hoeni-


cke und verweist auf die spezifischen
Herausforderungen im Schmerzma-
Kinderärzte und Pflegende tagten in Gera nagement der Kinderkrankenpflege:
„Wir betreuen Patienten vom Frühge-
borenen bis zum jungen Erwachsenen
und entsprechend differenziert gestal-
ten sich Schmerzempfinden und -ein-
Erstmals von zwei Kinderkliniken, dem loidentischen Transplantation werden schätzung. Man benötigt viel Erfahrung,
SRH Wald-Klinikum Gera und dem mangels geeigneter Spender in der Re- um all dies korrekt zu analysieren und
Universitätsklinikum Jena, wurde in gel die Eltern des Patienten als Spender eine adäquate Schmerztherapie einzu-
diesem Jahr die Tagung der Sächsisch- herangezogen. Deren Gene stimmen leiten.“ Für die Eltern epilepsiekranker
Thüringischen Gesellschaft für Kinder- allerdings jeweils nur zur Hälfte mit de- Kinder wird im Pflegedienst der Kinder-
klinik Jena eine Epilepsieschulung auf-
gebaut. „Eine Schwester unserer Klinik
hat darüber in Gera berichtet. Unser Ziel
ist es, die Eltern im Umgang mit ihren
Kindern sicherer zu machen und ihnen
weit verbreitete Ängste zu nehmen“,
betont Rita Hoenicke.

Uro-MRT stellt Strukturen und


Funktionen präzise dar

„Urologische Fehlbildungen im Kindes-


alter sind nicht immer leicht zu diag-
nostizieren“, sagt die Direktorin der Kli-
nik für Kinderchirurgie am UKJ, Prof. Dr.
Felicitas Eckoldt, die auf der Jahresta-
gung über „Diagnostische Fallstricke in
der Kinderurologie“ sprach. „Mit dem
Uro-MRT, einem für die speziellen Fra-
gestellungen der Urologie modifizier-
Ärzte und Pflegende sind nicht nur am Krankenbett ein Team: Prof. James F. Beck, Kinder- ten Magnetresonanztomographen, ver-
krankenschwester Kerstin Weitnauer und Pflegedienstleitung Rita Hoenicke Foto: Szabó fügen wir aber über ein hochmodernes
und leistungsstarkes Gerät, mit dessen
und Jugendmedizin und Kinderchirur- nen des Kindes überein, weshalb die Hilfe sich sowohl die anatomischen
gie ausgerichtet. „Die Tagung stand Stammzellen speziell aufbereitet werden Strukturen als auch die Funktionen des
unter keinem Generalthema, sie sollte müssen. Urogenitaltraktes darstellen lassen. Und
vor allem die verschiedenen hoch spe- In der Neonatologie wurden unter an- zwar wesentlich schneller und präziser
zialisierten Teilgebiete unseres Faches derem die Behandlungsrichtlinien „mo- als mit den bisherigen Möglichkeiten
und die Pflege zusammenbringen. derater“ Frühgeborener diskutiert. Diese der Bildgebung. Das gilt auch für Fälle,
Schließlich müssen wir das ganze Kind Kinder, die ab der 32. Schwangerschafts- bei denen wir mit anderen Verfahren
sehen“, sagt der Direktor der Klinik woche geboren werden, stehen nicht so keine sicheren Diagnosen erhalten.“
für Kinder- und Jugendmedizin des Uni- im Focus wie die sehr kleinen „unrei- Einer ganz besonderen Pflege bedür-
versitätsklinikums Jena, Prof. Dr. Ja- fen“ Frühgeborenen. Doch auch bei ih- fen Kinder und Jugendliche nach Ope-
mes F. Beck. „Darüber hinaus gab es nen treten häufig Probleme auf, Infek- rationen im Anogenitalbereich. Sta-
ausreichend Gelegenheit, in Vorträgen, tionen, Ernährungsschwierigkeiten, tionsschwester Hannelore Spieler stellte
Diskussionen und Workshops spezielle Atemstörungen und Entwicklungsver- moderne Pflegetechniken vor und in-
Probleme zu thematisieren.“ zögerungen. Auf der Basis einheitlicher formierte über die kindgerechte Be-
Therapiestandards soll die Versorgung treuung – einschließlich der Möglich-
Bösartige Tumoren im Kindesalter stan- der „moderaten“ Frühgeborenen wei- keit des Rooming-in, der Mitaufnah-
den im Mittelpunkt des onkologischen ter verbessert werden. me der Eltern – in der Jenaer Kinder-
Teils der Veranstaltung. Erörtert wurde chirurgie.
dabei auch die Möglichkeit der haplo- Adäquate Schmerztherapie erforderlich
identischen Stammzelltransplantation. „Es gibt gemeinsame Veranstaltungen
„Wir haben am Kinderonkologischen „Im Rahmen der Pflegefortbildung ha- von Ärzten und Pflegenden, bei denen
Zentrum Jena mit dieser speziellen Form ben wir einen Workshop zum Experten- sich das Gemeinsame auf die Begrü-
der Transplantation bei schwerkranken standard Schmerzmanagement in der ßung und die Verabschiedung be-
Patienten bereits gute Heilungserfolge Kinderkrankenpflege angeboten und schränkt. Wir haben, ausgehend von
erzielt“, betont Prof. Beck. Bei der hap- über unsere Erfahrungen berichtet“, er- den Erfahrungen früherer Kongresse,

18 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Diagnostik und Therapie

versucht, eine wirklich gemeinsame „Das neue Konzept ist auch bei den Pfle- vorstellen kann, dass künftig auch ei-
Veranstaltung für beide Berufsgruppen gekräften, die fast die Hälfte der etwa ner der Plenarvorträge von der Pflege
durchzuführen, und ich denke, das ist 400 Teilnehmer stellten, sehr gut ange- gehalten wird: „Schließlich sind wir
uns gelungen“, freut sich Prof. Beck. kommen“, betont Rita Hoenicke, die sich nicht nur am Krankenbett ein Team.“ mv

An die nächste Generation weitergeben


Mediziner trainierten in Jena geburtshilfliche Fähigkeiten

„Die moderne medizintechnische Aus-


stattung der Kliniken, Praxen und
Kreißsäle ermöglicht während der
Schwangerschaft und unter der Ge-
burt eine optimale Betreuung von
Mutter und Kind. Doch moderne Me-
dizintechnik allein reicht nicht, das A
und O ist und bleibt die Beherrschung
unseres geburtshilflichen Handwerks“,
sagt Prof. Dr. Ekkehard Schleußner.
Der Direktor der Abteilung Geburts-
hilfe der Universitäts-Frauenklinik
hatte am 2. April zum 13. Geburtshil-
fe-Symposium nach Jena eingeladen.

Das Spektrum der Vorträge namhafter


Referenten aus ganz Deutschland reich-
te von der Schwangerenberatung über
die vaginale Geburt bei Beckenendla-
Prof. Ekkehard Schleußner: Geburtshilfliches Handwerkszeug bewahren Foto: Schröder
ge, geburtshilfliche Notfälle und Risi-
ken bei der Geburtseinleitung bis zum ist in der Lage, auch eine schwierige Doch die Realität sieht anders aus. In
Management von Blutungen unter der Geburt erfolgreich zu Ende zu bringen“, deutschen Krankenhäusern wird heute
Geburt und zum Kaiserschnitt. „Damit“, erläutert Ekkehard Schleußner, der be- fast jedes dritte Kind (31 Prozent) mittels
so Prof. Schleußner, „wollten wir die dauert, dass angesichts nach wie vor Kaiserschnitt entbunden. An der Univer-
Vielfalt der ärztlichen Aufgaben und sinkender Geburtenzahlen in vielen Tei- sitäts-Frauenklinik Jena, einem hoch
Möglichkeiten während der Schwan- len Deutschlands nicht mehr alle Klini- spezialisierten Zentrum mit wesentlich
gerschaft und unter der Geburt deut- ken eine umfassende Ausbildung ihrer mehr Risikoschwangeren – extremen
lich machen.“ Geburtshelfer gewährleisten können. Frühgeburten, Schwangerschaftserkran-
Erstmals gehörte zum Jenaer Symposi- „Geschieht vor oder unter der Geburt kungen und -komplikationen – als im
um auch ein dreitägiger Intensiv-Fort- etwas Unvorhergesehenes, fehlt den deutschen Durchschnitt, sind es etwa 26
bildungskurs, der gemeinsam mit der Ärzten dann oftmals die Erfahrung. Bei- Prozent. Damit hat das UKJ auch unter
Deutschen Gesellschaft für Pränatal- spielsweise bei Beckenendlagen, die bei den Universitätskliniken eine der nied-
und Geburtsmedizin durchgeführt wur- sechs bis sieben Prozent aller Geburten rigsten Kaiserschnittraten. „Dass bei uns
de. 30 Ärztinnen und Ärzte hatten dabei zu verzeichnen sind. Noch vor 25 Jah- mehr Kinder vaginal geboren werden,
die Möglichkeit, am Phantom und un- ren war auch dann die vaginale Geburt spricht für die Qualität der Betreuung der
ter fachkundiger Anleitung die ver- der Normalfall, heute werden 90 Pro- Schwangeren und für den Ausbildungs-
schiedenen Arten der vaginalen Entbin- zent aller Beckenendlagen mittels Kai- stand unserer Ärzte und Hebammen“,
dung zu trainieren. „Es ist außerordent- serschnitt entbunden“, sagt Prof. Ekke- erläutert Ekkehard Schleußner. „Eine er-
lich wichtig, dass erfahrene Geburtshel- hard Schleußner, der im Kaiserschnitt folgreiche Geburt setzt aber auch eine
fer ihr Wissen und ihre Fähigkeiten an eine wichtige Option sieht, in schwieri- gute Zusammenarbeit im interdisziplinä-
die nächste Ärztegeneration weiterge- gen Situationen einen für Mutter und ren Team von Geburtshelfern, Hebam-
ben. Denn wer mit allen Elementen des Kind risikoarmen Ausweg zu finden: „Er men, Kinderärzten und Anästhesisten
geburtshilflichen Handwerks vertraut ist aber nur eine Möglichkeit und sollte voraus, ebenso zwischen den ambulant
und im Kreißsaal erfahren ist, erkennt die Ausnahme und nicht die Regel sein. und stationär tätigen Frauenärzten. Auch
mögliche Risiken bereits im Vorfeld und Die vaginale Geburt ist das Normale.“ das hat unser Symposium geprägt.“ mv

www.uniklinikum-jena.de 19
Diagnostik und Therapie

ren und zu überzeugen, dass man den


Kontakt zu den Menschen erhalten MP3-Player nicht permanent tragen und
die Musik nicht immer bei voller Laut-
Hochmoderne Hörgeräte helfen allen stärke hören muss. Denn das Innenohr
hat nur etwa 6000 Sinneshärchen, die
Altersgruppen und Betroffenheitsgraden bei Lärm enorm in Mitleidenschaft ge-
zogen und nach und nach zerstört wer-
den. Irreversibel“, sagt Prof. Kollmeier.

Eine Brille wird häufig mit Klugheit as- nieure und andere Berufsgruppen zu- Regelmäßige Hörtests ermöglichen
soziiert, und Blinde wurden in vielen sammen, um den unterschiedlichen An- rechtzeitige Diagnostik
Kulturen als Menschen verehrt, die das forderungen von frühkindlichen Hör-
„sehen“, was den Augen verborgen problemen bis zur Hörstörung im Alter Hörprobleme stellen sich vor allem im
bleibt. Hörgeschädigte wurden dage- gerecht zu werden. Hören ist eine Grund- Alter ein. Nur etwa jedes 200. Kleinkind
gen bereits im Altertum diskriminiert. voraussetzung für eine gute Kommuni- leidet darunter, aber mehr als jede(r) Zwei-
kation, und Hörprobleme zählen zu den te Über-65jährige. Insgesamt sind in
Hauptgründen für Vereinsamung und Deutschland etwa 14 Millionen Men-
soziale Isolation. „Wer nicht sieht, ver- schen von Hörstörungen betroffen, die
liert den Kontakt zu den Dingen. Wer auch durch Innenohrentzündungen,
nicht hört, verliert den Kontakt zu den Durchblutungsstörungen, Tumoren oder
Menschen“, wusste bereits der Königs- Unfälle hervorgerufen werden können.
berger Philosoph Immanuel Kant vor „Entscheidend ist die rechtzeitige Diag-
mehr als 200 Jahren. „Heute“, so Ta- nostik. Deshalb sollten sich nicht nur die
gungspräsident Dr.-Ing. Thomas Braun- an Lärmarbeitsplätzen Tätigen regelmä-
schweig, „muss Hörverlust allerdings ßigen Hörtests unterziehen, sondern alle
kein Schicksal mehr sein.“ Menschen ab 55“, sagt Dr. Thomas
Braunschweig, Experte für Hörhilfsmit-
Den Ohren Lärmpausen gönnen tel an der HNO-Klinik des Universitätskli-
nikums Jena und am Cochlea-Implant
Jahrhunderte lang war der Arbeitslärm (CI)-Rehabilitationszentrum Thüringen.
der wichtigste Verursacher von Hörschä- „Ein modernes Hörgerät soll nicht das
den. Doch hier hat sich in den letzten Geräusch an sich verstärken, sondern
Jahrzehnten einiges getan. Vor allem in den Kontrast, um auf diese Weise den
den hoch entwickelten Ländern ist die Nutzschall vom Störschall zu trennen. Wir
Dr. Thomas Braunschweig zeigt einige der Arbeit deutlich leiser geworden. Hier sind wollen damit alle Altersgruppen und Be-
hochmodernen Hörgeräte Foto: Szabó Verkehrs- und vor allem Freizeitlärm troffenheitsgrade unterstützen, und das
„‚Taub ist dumm‘, lautete und lautet die inzwischen die wichtigsten Lärmquellen, gelingt uns mit unseren hochmodernen
ebenso simple wie törichte Gleichung. und hier machen den Medizinern die jun- Geräten immer besser. Cochlea- und
Da nimmt es nicht wunder, dass Hörhil- gen Leute ganz besondere Sorgen. Denn bisweilen auch Hirnstammimplantate
fen nach wie vor zu den am wenigsten zu den oftmals viel zu hohen Lärmpe- helfen selbst tauben Menschen, nicht in
akzeptierten technischen Hilfsmitteln geln in der Disco oder beim Rockkonzert bleierner Stille zu versinken“, betont Dr.
gehören, selbst wenn diese eine atem- ist im letzten Jahrzehnt die Dauerbeschal- Braunschweig und verweist auf die
beraubende Entwicklung genommen lung mittels MP3-Player hinzugekom- Möglichkeit, sein Gehör selbstständig
haben. Dank modernster Elektronik men. Damit gibt es für Jugendliche heu- über www.hoertest-per-telefon.de – kos-
wurden die Geräte in den letzten Jahr- te kaum noch Lärmpausen, und die Oh- tenpflichtig – zu überprüfen.
zehnten immer kleiner und können sich ren haben immer weniger Zeit, sich zu Hörgeschädigte haben alle fünf Jahre
heute sogar vollständig ‚unsichtbar‘ erholen, betont Prof. Dr. Dr. Birger Koll- Anspruch auf ein neues Hörgerät, wo-
machen“, sagt Prof. Dr. Patrick Zorow- meier vom Hörzentrum der Universität für je nach Qualität allerdings unter-
ka, Direktor der Universitätsklinik für Oldenburg, der zudem zu bedenken gibt: schiedlich hohe Zuzahlungen erforder-
Hör-, Stimm- und Sprachstörungen Ab 85 Dezibel beginnt die gesundheits- lich sind. „Hier sollte man nicht an der
Innsbruck und Präsident der Deutschen schädigende Wirkung des Lärms, bei 95 falschen Stelle sparen“, sagt Prof. Zo-
Gesellschaft für Audiologie (DGA). dB verdoppelt und bei 105 dB vervier- rowka. „Außerdem sollte man Hörgerä-
Deren 14. Jahrestagung „Lärm und Ge- facht sich diese. Das sind Durchschnitts- te in beiden Ohren zu tragen, denn nur
hör“ fand im März 2011 in Jena statt, werte, und nicht jedes Ohr verträgt gleich dann ist räumliches Hören, das für eine
wo die Lärmschadensforschung eine viel. optimale Kommunikation und Orientie-
lange Tradition hat und bereits in den „Doch Verbote, das weiß jeder, der selbst rung außerordentlich wichtig ist, mög-
1960er Jahren von Prof. Hans-Georg einmal jung war, helfen hier nicht wei- lich. Doch gerade hier gibt es noch er-
Dieroff begründet wurde. In der inter- ter. Aufklärung ist erforderlich. Deshalb heblichen Nachholbedarf. Die meisten
disziplinären deutschsprachigen Gesell- gehen wir in die Schulen, um vor allem Betroffenen scheuen die doppelte Zu-
schaft arbeiten Mediziner, Pädagogen, die 12- bis 14jährigen über die Auswir- zahlung und bleiben damit auch mit
Logopäden, Naturwissenschaftler, Inge- kungen des Freizeitlärms zu informie- Hörgerät gehandicapt.“ mv

20 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Diagnostik und Therapie

Auf Herz und Nieren Nierenfunktion frühzeitig zu erkennen.


Ebenso durch Urinuntersuchungen. Fin-
det sich dort vermehrt das Eiweiß Albu-
Nierenfunktionsstörungen belasten auch min, ist das ein wichtiger Hinweis auf eine
Nierenschädigung. Aus dem Albumin-
das Herzkreislauf- und Gefäßsystem und dem Kreatinin-Wert wird der Serum-
Albumin-Kreatinin-Quotient gebildet.
Liegt dieser über 30 mg/g ist eine weite-
re Diagnostik erforderlich, denn die Be-
„Herz und Nieren gehören nicht nur Vitamin-D-Haushalts infolge der Nie- troffenen haben neben einer Nierenfunk-
sprichwörtlich zusammen, sie beein- renerkrankung und die Wirkung des in tionsstörung auch ein deutlich erhöhtes
flussen sich auch in ihrer Funktion. den Nebenschilddrüsen gebildeten Pa- kardiovaskuläres Risiko. „Rechtzeitig er-
Deshalb ist uns Nierenschutz Herzens- rathormons rufen diese Veränderungen kannt und behandelt kann das Fort-
sache“, sagte der Direktor der Klinik des Knochenstoffwechsels hervor. Eine schreiten der Erkrankung im günstigs-
für Innere Medizin III, Prof. Dr. Gun- paradoxe Situation entsteht: Während ten Falle verhindert und die Dialyse ver-
ter Wolf, während des UKJ-Patien-
tenseminars zum 5. Weltnierentag am
10. März 2011. Denn Nierenfunkti-
onsstörungen haben erhebliche Aus-
wirkungen auf andere Organsysteme
und belasten vor allem das Herzkreis-
lauf- und das Gefäßsystem.

„Nierenkranke haben deshalb auch ein


deutlich erhöhtes Herzinfarkt- und
Schlaganfallrisiko“, betonte die Nephro-
login Dr. Mandy Seifert. Erkrankungen des
einen Organs haben früher oder später
stets Auswirkungen auf das andere. Das
heißt: Je schlechter die Nierenfunktion,
desto häufiger entstehen Herzkreislauf-
erkrankungen (renokardiales Syndrom)
und je schlechter die Herzfunktion, des-
to häufiger ist eine Nierenerkrankung die
Folge (kardiorenales Syndrom). Oberarzt PD Dr. Martin Busch während einer Ultraschalluntersuchung Foto: Szabó
Weil auch Verkalkungen der Blutgefä- sich der Knochen langsam auflöst, ver- mieden, zumindest aber deutlich verzö-
ße von der Aorta über die Herzkranzge- knöchern die ehemals elastischen Ge- gert werden“, betonte Dr. Schinköthe und
fäße bis zu den Kapillaren der verschie- fäßmuskelzellen. verwies auf die wichtigsten Ursachen der
densten Organe zu den Folgeschäden chronischen Nierenerkrankung: Blut-
chronischer Nierenerkrankungen gehö- Typische Frühsymptome chronischer hochdruck und Diabetes mellitus. „So-
ren, arbeiten am UKJ Nieren-, Herz- und Nierenerkrankungen gibt es nicht. Wer- wohl ein hoher Blutdruck, bereits ein Wert
Gefäßspezialisten eng zusammen. „Men- den diese festgestellt, beispielsweise von 140/90 ist problematisch, als auch
schen mit Nierenerkrankungen verster- Ödeme (Wassereinlagerung in den Bei- ein schlecht eingestellter Diabetes for-
ben wesentlich häufiger an Herz- und nen, im Gesicht oder in der Lunge), hat cieren den Verlust der Nierenfunktion.
Gefäßerkrankungen als Nierengesunde die Nierenschwäche bereits ein fortge- Darüber hinaus können entzündliche
– mitunter, bevor die Nierenerkrankung schrittenes Stadium erreicht. Andere Nierenerkrankungen, Nierentumoren, Er-
überhaupt bemerkt wurde. Die Früh- Symptome wie Übelkeit, Juckreiz oder krankungen des Immunsystems sowie
erkennung von Nierenerkrankungen ist Leistungsschwäche sind unspezifisch erbliche Vorbelastungen zu einer Beein-
deshalb auch eine wichtige Präventi- und werden nicht immer mit einer chro- trächtigung und schließlich sogar zum
onsmaßnahme von Herzkreislauferkran- nischen Nierenerkrankung in Verbindung vollständigen Verlust der Nierenfunktion
kungen“, sagte Oberarzt PD Dr. Martin gebracht. „Umso wichtiger ist es, ab dem führen.“
Busch. Im Unterschied zu „normalen“ 35. Lebensjahr den zweijährigen Check- Eine gesunde Lebensweise und Ernäh-
Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) la- up beim Hausarzt zu nutzen. Risikopati- rung mit viel Obst und Gemüse (medi-
gert sich der Kalk bei Patienten mit Nie- enten mit Bluthochdruck, Diabetes mel- terrane Kost), eine ausreichende Flüs-
renerkrankungen aber nicht im Gefäß- litus, Herzkreislauferkrankungen oder Er- sigkeitszufuhr von mindestens 1,5 Liter
inneren, sondern in der Muskelschicht krankungen des Immunsystems sollten pro Tag, regelmäßige körperliche Akti-
der Blutgefäße ab. „Das Kalzium, das die diesen sogar jährlich wahrnehmen“, sag- vität, wenig Alkohol sowie der vollstän-
Gefäße spröde und brüchig macht, wird te Dr. Claudia Schinköthe. Über die Mes- dige Verzicht auf Nikotin sind für die
dem Skelett entzogen und führt zur Kno- sung des Blutdrucks und des Blutzuckers Prävention von Nieren-, Herzkreislauf-
chenerweichung“, betonte PD Busch. sowie die Bestimmung des Kreatinin- und Gefäßerkrankungen außerordent-
Störungen des Kalzium-, Phosphat- und Wertes im Blut gelingt es, Störungen der lich wichtig. mv

www.uniklinikum-jena.de 21
Diagnostik und Therapie

myeloischer Leukämie (CML) kann mit


Individualisierte Krebstherapie dem Wirkstoff Imatinib geholfen wer-

Science-Fiction oder Realität? den. Allerdings nur, wenn die Leukämie-


zellen der Patienten das BCR-ABL-Gen
tragen. „Da dies bei mehr als 95 Prozent
der Patienten der Fall ist, ist das streng
genommen keine personalisierte Thera-
pie. Wir individualisieren aber in einem
„Wer heute von personalisierter oder Signalübertragung des EGF-Rezeptors, zweiten Schritt. Patienten, die auf diese
individualisierter Medizin spricht, re- der das Tumorwachstum fördert, hem- Behandlung weniger gut ansprechen,
det von Science-Fiction. Vieles, was men sollten. Zunächst erfolglos. Doch erhalten entweder eine andere Dosis
unter diesem Begriff verhandelt wird, dann erkannte man, dass zumindest eine oder eine alternative Therapie“, sagt
klingt zwar attraktiv, ist aber wenig Patientengruppe von den neuen Medi- Prof. Andreas Hochhaus. „Optimal ist es,
oder gar nicht belegt“, wurde der On-
kologe und Vorsitzende der Arznei-
mittelkommission der Deutschen Ärz-
teschaft, Prof. Dr. Wolf-Dieter Lud-
wig, Mitte März 2011 in der „Süd-
deutschen Zeitung“ zitiert.

Prof. Dr. Andreas Hochhaus sieht das


anders: „Wir haben auf dem 9. Thürin-
ger Krebskongress am 12. und 13. März
in Weimar die unterschiedlichsten As-
pekte individualisierter Krebstherapien
diskutiert und festgestellt, dass diese in
verschiedenen Bereichen schon Reali-
tät sind“, sagt der Direktor der Abtei-
lung Hämatologie und Internistische
Onkologie der Klinik für Innere Medizin
II des Universitätsklinikums Jena und
verweist auf die Behandlung des Mam-
makarzinoms mit dem Antikörper Tras-
tuzumab: „Der Wirkstoff wird bereits Prof. Dr. Andreas Hochhaus (li.) und Prof. Dr. Ernst H. Schmidt, Deutsche Krebsgesellschaft
e.V. Bremen und Vorstandsmitglied der Deutschen Krebsgesellschaft, während des 9. Thürin-
seit mehreren Jahren zur effektiveren ger Krebskongresses Foto: Christian Meyer
Behandlung von Patientinnen einge-
setzt, bei denen der Tumor den Rezep- kamenten profitiert: Bronchialkarzinom- wenn wir anhand prognostischer Mar-
tor HER2, der dessen Wachstum fördert, Patientinnen mit einem Adenokarzi- ker schon vor Beginn der Behandlung
exprimiert.“ Trastuzumab blockiert HER2 nom, die nicht geraucht hatten. Im EGF- wissen, ob eine Standard- oder eine in-
und verbessert damit die Prognose die- Rezeptor dieser Gruppe fanden sich dividualisierte Therapie eingesetzt wer-
ser Patientinnen. Mutationen, die auf die Wirkstoffe sehr den sollte.“
empfindlich reagieren. Entsprechend
Standard- oder individualisierte verbessert hat sich die Prognose dieser Patienten noch zielgerichteter
Therapie? Patienten.“ und individueller behandeln
Ein anderes Beispiel betrifft Darmkrebs-
„Wir können die individualisierte The- Patienten. Hier wurde festgestellt, dass Individualisierte Therapien sind kosten-
rapie von Anfang an einsetzen, wir kön- der Antikörper Cetuximab, der die Sig- intensiv, sie sparen aber auch Geld, weil
nen aber auch mit einer Standardthera- nalwege der Tumorzellen unterbrechen die Mediziner wesentlich zielgerichte-
pie beginnen und erst, wenn diese nicht soll, nicht bei allen Patienten wirkt. ter vorgehen und bestimmten Patien-
oder nicht ausreichend wirkt, zur indi- „Nach genaueren molekulargenetischen tengruppen unnötige und ebenfalls sehr
vidualisierten Therapie übergehen. Und Untersuchungen wurden in den Signal- teure Behandlungen ersparen. „Ent-
auch im Falle eines Rezidivs, des Wie- wegen des EGF-Rezeptors Mutationen scheidend ist aber, dass bei den Patien-
derauftretens eines Tumors, können wir des RAS-Moleküls gefunden, und es ten, wo diese neuen Präparate wirken,
die Therapie individuell nach den bio- wurde festgestellt, dass bei Patienten mit auch die Ergebnisse besser sind“, sagt
logischen Markern des Tumors anpas- diesen Mutationen Cetuximab nicht Prof. Hochhaus. Ermöglicht wird die In-
sen“, erläutert Prof. Hochhaus die Vor- wirkt. Deshalb“, so Prof. Hochhaus, „er- dividualisierung der Therapie durch die
gehensweise der Onkologen und nennt halten ausschließlich Patienten ohne erfolgreiche Suche und Analyse geneti-
einige Beispiele. „Für die Behandlung RAS-Mutationen diese Therapie.“ scher Tumormarker, die auch in den La-
des nichtkleinzelligen Bronchialkarzi- Die Möglichkeit einer individualisierten boren des Universitätsklinikums Jena
noms wurden vor einigen Jahren ver- Therapie gibt es nicht nur bei soliden stattfindet. „Mit dem Next-Generation-
schiedene Wirkstoffe getestet, die die Tumoren. Patienten mit Chronischer Sequencing sind wir in der Lage, Tumo-

22 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Diagnostik und Therapie/Forschung

ren sehr zügig komplett zu sequenzie- niedergelassenen Onkologen und Haus- sierte Bevölkerung. Selbsthilfegruppen
ren. Ich erwarte, dass wir damit in Zu- ärzten so zu entwickeln, dass jeder Thü- hatten die Möglichkeit, ihre Arbeit vor-
kunft die Spezifika jedes einzelnen Tu- ringer Krebspatient nach der Vorstellung zustellen. „Dabei berichtete unter an-
mors noch präziser erfassen und unsere in einem Zentrum auch heimatnah best- derem ein Leukämie-Patient, der an un-
Patienten noch zielgerichteter und in- möglich behandelt werden kann. „Die- serer Klinik behandelt wird und eine
dividueller behandeln können“, betont se Zusammenarbeit, die gerade für ein inzwischen weltweite Patienteninitiative
Andreas Hochhaus. Flächenland wie Thüringen außeror- im Netz gestartet hat, über die vielfäl-
dentlich wichtig ist, funktioniert bei tigen Informations- und Kommunika-
Diskutiert wurde während des Thürin- verschiedenen Krebsarten bereits sehr tionsmöglichkeiten, die das Internet –
ger Krebskongresses auch über Vorzü- gut. Wir müssen erreichen, dass alle www.leukaemie-online.de – den Pati-
ge und Nachteile des Einsatzes des Ope- onkologischen Patienten, egal wo sie enten bietet. Wir betrachten die Pati-
rationsroboters „Da Vinci“ bei Tumor- wohnen, nach den gleichen hohen enten und Selbsthilfegruppen als Part-
operationen. „Beim Prostatakarzinom, Standards wie in den Zentren behan- ner und unterstützen auch deren Be-
das machte der Direktor der Klinik für delt werden. Diese Vernetzung mit den streben, naturheilkundliche Verfahren –
Urologie, Prof. Grimm, deutlich, gibt es stationären und ambulanten Einrichtun- am UKJ gibt es bereits seit 2003 eine
erhebliche Vorteile. In der Abdominal- gen spielt auch bei der weiteren Gestal- Fachambulanz für Naturheilkunde in der
chirurgie steht – zumindest bisher – der tung des UniversitätsTumorCentrums Onkologie – stärker in die Krebsbehand-
Beweis noch aus“, sagt Prof. Andreas Jena (UTC) eine wichtige Rolle“, erläu- lung zu integrieren. Zunehmendes In-
Hochhaus. tert Prof. Hochhaus. teresse besteht auch an der Teilnahme
Außerordentlich wichtig ist es, die an klinischen Studien, die den Patien-
Strukturen in der Thüringer Onkologie Der zweite Tag des Thüringer Krebskon- ten den frühest möglichen Zugang zu
und die Zusammenarbeit von onkologi- gresses richtete sich auch in diesem modernsten Therapien eröffnen“, betont
schen Zentren, Heimatkrankenhäusern, Jahr an die Patienten und die interes- Prof. Andreas Hochhaus. mv

Erster minimalinvasiver Segelklappenersatz


UKJ-Herzmediziner auf Kardiologenkongress ausgezeichnet
Für ihre Arbeit zum perkutanen Um auch diesen Patienten helfen zu sehr gut, die physische Belastbar-
Ersatz der Trikuspidalklappe von können, arbeiten Kardiologen des Uni- keit des Patienten hat sich nach dem
vorklinischen Versuchen bis zum versitätsklinikums Jena unter der Lei- Eingriff erhöht, und auch Folgeer-
ersten Einsatz beim Patienten er- tung von Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla krankungen wie die Wasseransamm-
hielten die Kardiologen des Uni- an einem faltbaren Segelklappenersatz, lung in der Bauchhöhle besserten
versitätsklinikums Jena den Ru- der sich wie beim inzwischen etablier- sich.
dolf-Thauer-Posterpreis der Deut- ten Verfahren für den Ersatz der Aor-
schen Gesellschaft für Kardiolo- tenklappe, minimalinvasiv mit Hilfe ei- „Dieser Erfolg ist eine ehrenvolle An-
gie. Der beste von 700 Posterbei- nes Katheters von der Leiste über eine erkennung unserer bisherigen Ar-
trägen auf dem Jahreskongress Vene ins Herz einführen lässt. Für das beit“, freuen sich Dr. Lauten und Prof.
der Gesellschaft in Mannheim be- Projekt erhielten sie 2008 den Innova- Dr. Figulla über den renommierten
schreibt die Ergebnisse eines vom tionspreis Medizintechnik des Bundes- Preis. „Natürlich müssen wir weitere
BMBF geförderten Forschungspro- ministeriums für Bildung und For- Erfahrungen sammeln, um den lang-
jektes. schung (BMBF). fristigen Nutzen und mögliche Ne-
benwirkungen des Verfahrens ein-
Die Schlussunfähigkeit der Trikuspi- „Nach mehrjährigen vorklinischen Tests schätzen zu können.“ so Prof. Figul-
dalklappe, der zwischen dem rech- im Tiermodell haben wir das Verfahren la. Doch für Patienten, für die eine
ten Herzvorhof und der Herzkammer im August 2010 weltweit erstmals bei große Herz-OP zu belastend wäre,
gelegenen Segelklappe, geht oft mit einem Patienten durchgeführt. Für den könnte der minimalinvasive Ersatz der
weiteren schweren Erkrankungen 79jährigen stellte dies nach drei Ope- Trikuspidalklappe eine neue Behand-
einher und zieht Herz, Leber und an- rationen am offenen Herzen die einzi- lungsmöglichkeit eröffnen. Diesen
dere Organe in Mitleidenschaft. Für ge Behandlungsmöglichkeit dar“, so innovativen Ansatz würdigte die Jury
viele Herzkranke kommt deshalb die Projektleiter Dr. Alexander Lauten von mit dem Rudolf-Thauer-Preis für das
effektivste Behandlung, eine Opera- der Klinik für Innere Medizin I (Kardio- beste Poster auf dem Jahreskongress
tion am offenen Herzen zur Rekon- logie, Angiologie, Pneumologie und der Deutschen Gesellschaft für Kar-
struktion oder zum Ersatz der Klap- Internistische Intensivtherapie). Die diologie, der mit 3000 Euro dotiert
pe, nicht in Frage. eingesetzte Segelklappe funktionierte ist. vdG

www.uniklinikum-jena.de 23
Forschung

Richtfest auf Beutenberg Campus der Sepsis zu erlangen. Dies ist Voraus-
setzung für die Entwicklung neuer, drin-
gend benötigter lebensrettender Sep-
sis-Diagnostika und -Therapeutika. vdG

Genau fünf Monate nach der offiziellen stellung des Rohbaus können nun die
Grundsteinlegung fand am 3. März das Arbeiten im Inneren des Gebäudes be-
Richtfest für das neue Forschungs- ginnen. Geht alles so gut und schnell
gebäude des Zentrums für Innovations- voran wie bisher, können die SEPTOMICS
kompetenz (ZIK) statt. Der 700 m² gro- Forscher ihre neuen Labore und Büros
ße Neubau, der nach seiner Fertigstel- wie geplant Ende 2011 beziehen.
lung die beiden SEPTOMICS Forschungs- SEPTOMICS ist eine BMBF-geförderte
gruppen sowie die Geschäftsstelle des Forschungseinrichtung der Friedrich-
ZIK unter seinem Dach vereinen wird, Schiller-Universität Jena und wissen-
geht zurück auf einen Entwurf des Ar- schaftlich assoziiert mit dem Universi-
chitekturbüros A.BB Architekten aus tätsklinikum Jena sowie dem Leibniz-In-
Magdeburg. An Planung und Umset- stitut für Naturstoff-Forschung und In-
zung des vom Freistaat Thüringen und fektionsbiologie e.V. – Hans-Knöll-In-
dem Europäischen Fonds für Regionale stitut. Zentrales Forschungsgebiet von
Entwicklung mit 5,4 Mio. Euro finan- SEPTOMICS ist die Pathogenese und die Prof. Konrad Reinhart (li.), Vorstandsspre-
cher von SEPTOMICS, dankte allen Beteilig-
zierten Bauprojektes sind zumeist regio- Pathophysiologie der Sepsis. Ziel ist es, ten, Polier Gerhard Burgold sprach den tra-
nale Firmen beteiligt. Nach der Fertig- ein besseres molekulares Verständnis ditionellen Richtspruch Foto: Szabó

Weiterbildungs- Handbuch zu neuem Bildgebungsverfahren


Innovationspreis 2011
Jena ist eine von fünf Weiterbildungs- Der Jenaer Medizinphysiker Jürgen R. chung von Schädel-Hirn-Verletzungen
stätten der Deutschen Gesellschaft für Reichenbach und sein amerikanischer oder neurodegenerativen Erkrankun-
die Weiterbildung zum/zur Diabetesbe- Kollege E. Mark Haacke haben ein Hand- gen. In den einzelnen Buchbeiträgen
rater/in. Im letzten Jahr haben die Wei- stellen international renommierte Wis-
terbildungsstätten eine neue Weiterbil- senschaftler den aktuellen Forschungs-
dungs- und Prüfungsordnung entspre- und Anwendungsstand von den physi-
chend dem europäischen Qualifikati- kalischen Grundlagen bis zur Methodik
onsrahmen erarbeitet. Dafür erhielten der verschiedenen klinischen Anwen-
sie den Weiterbildungs-Innovations- dungen vor. vdG
preis 2011 des Bundesinstituts für Be-
rufsbildung. Als fachliche Leiterin der Haacke, E. Mark/ Reichenbach, Jürgen (Hg.):
„Susceptibility Weighted Imaging in MRI:
Weiterbildungskurse in Jena war Dr. Ni- Basic Concepts and Clinical Applications“,
colle Müller (Klinik für Innere Medizin John Wiley & Sons, 2011, 760 Seiten, ca.
III, FB Stoffwechsel/Endokrinologie) an 132 €, ISBN-10: 0-470-04343-1, ISBN-13:
der Erarbeitung der neuen Weiterbil- 978-0-470-04343-1
dungs- und Prüfungsordnung beteiligt.

Springer-Preis In Expertengremium
für Dermatologie berufen
PD Dr. Uta-Christiane Hipler von der Kli- Prof. Dr. Jürgen R. Reichenbach, Lei-
buch zur suszeptibilitätsgewichteten
nik für Hautkrankheiten ist als Mitauto- Bildgebung herausgegeben. Diese neue ter der Arbeitsgruppe Medizinische
rin für den besten Originalbeitrag in der leistungsfähige Technik der Magnet- Physik im Institut für Diagnostische
Zeitschrift „Der Hautarzt“ mit dem Sprin- resonanztomographie ermöglicht es, auf und Interventionelle Radiologie, ist
ger-Preis für Dermatologie ausgezeich- nicht-invasive Weise räumlich hochauf- in die Strahlenschutzkommission des
net worden. Der prämierte Beitrag mit gelöste tomographische Bilder zu erstel- Bundesministeriums für Umwelt, Na-
praktischer Relevanz für die Behandlung len, die besonders empfindlich gegen- turschutz und Reaktorsicherheit be-
von Pilzinfektionen der Haut „unter- über der Anwesenheit von Blutabbau- rufen worden. Er wird zwei Jahre lang
mauere vorbildlich die innovativen An- produkten oder Eisen sind. Damit eig- im Ausschuss „Strahlenschutz in der
sätze im Bereich der dermatologischen net sich das Verfahren insbesondere zur Medizin“ mitarbeiten.
Mykologie“, so die Jury. Neurobildgebung, z.B. zur Untersu-

24 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


GesundheitsUni Jena

Sehkraft dauerhaft erhalten Messungen des Augeninnendrucks und


des Gesichtsfeldes sind zwar keine Kas-
senleistungen, dennoch sollte man die-
se Vorsorgeuntersuchung ab dem fünf-
ten Lebensjahrzehnt, spätestens aber ab
der ersten Lesebrille, unbedingt wahr-
Von Augenerkrankungen sind Men- Mitunter muss er auch durch Nahrungs- nehmen, um ein Glaukom (Grüner Star)
schen jeden Alters betroffen, doch mit ergänzungsmittel stabilisiert werden.“ frühzeitig zu erkennen. „Wer hier spart,
den Jahren verstärken sich die Pro- spart an der falschen Stelle“, sagte Prof.
bleme. Weil die Augenheilkunde in den Eine gesunde Ernährung, Normalge- Strobel, denn das Glaukom kann unbe-
letzten Jahrzehnten enorme Fort- wicht und ausreichend Bewegung hel- handelt zu Gesichtsfeldausfällen und
schritte gemacht hat, sind wir dem fen, Bluthochdruck und Diabetes melli- sogar zur Erblindung führen. Eine neue
heute nicht mehr hilflos ausgeliefert. tus vorzubeugen, die zu schweren Netz- Möglichkeit der Glaukom-Diagnostik
Es kann aber auch jeder selbst etwas
dafür tun, seine Sehkraft möglichst
dauerhaft zu erhalten. „Genau be-
trachtet – Welchen Augenerkrankun-
gen kann man vorbeugen?“, fragte
deshalb der Direktor der Universitäts-
Augenklinik Jena, Prof. Dr. Jürgen
Strobel, am 23. Februar 2011 in der
Abendvorlesung der GesundheitsUni.

Der Farbstoff Lutein ist ein Xantophyll


und für die Prävention einer der verbrei-
tetsten Augenerkrankungen von ganz Prof. Jürgen Stro-
bel: Es gibt viele
besonderer Bedeutung, der Altersabhän- Möglichkeiten, Au-
gigen Makula-Degeneration (AMD). „Die generkrankungen
Makula ist der Bereich der Netzhaut, der vorzubeugen
Foto: Schröder
für die Detailerkennung in der Mitte des
Sehfeldes verantwortlich ist. Bei der AMD
zerstören Drusen, Ablagerungen chemi- hautschädigungen führen können. Bei ist die Bestimmung der Dicke der Seh-
scher Stoffwechselvorgänge, die Pig- Diabetikern treten diese vor allem nach nervenfasern, die auch an der Augen-
mentschicht der Netzhaut, sodass nur langjähriger Insulintherapie (diabeti- klinik Jena genutzt wird. Behandelt wird
noch das periphere Sehen erhalten sche Retinopathie) auf. Rechtzeitig er- das Glaukom zumeist medikamentös, es
bleibt“, erläuterte Prof. Strobel. Zur Früh- kannt, können diese Schädigungen mit- werden aber auch Laser- sowie chirur-
erkennung gibt es eine einfache Metho- tels Laser behandelt werden. Durch die gische Eingriffe durchgeführt.
de: Betrachtet man ein kariertes Blatt gitterförmige Vernarbung ausgewähl-
Papier mit einem Auge in einem Abstand ter Gebiete der Retina wird der Sauer- Auch Medikamente können die Augen
von etwa 30 cm und nimmt man die Li- stoffbedarf verringert und der Verlust schädigen. Prof. Jürgen Strobel verwies
nien im Zentrum verzerrt wahr, sollte man der Sehkraft aufgehalten. „Man kann auf den medikamentenbedingten Kata-
umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Netzhautschädigungen entgegenwir- rakt (Grauer Star), eine Erkrankung, die
„Die AMD, von der etwa jeder Dritte Über- ken, wenn Blutzucker und Blutdruck op- vor allem durch Kortisonpräparate aus-
60jährige betroffen ist, geht in eine timal eingestellt sind. Außerdem sollten gelöst wird. „Da diese bei einer Vielzahl
feuchte oder trockene Form über. Bei der sich Betroffene mindestens einmal jähr- von Krankheiten unverzichtbar sind, ist
besonders gefährlichen feuchten Form lich beim Augenarzt vorstellen.“ es oftmals nicht ratsam, die Therapie zu
kann sich die Sehleistung innerhalb we- Blitze, Rußregen, Schlieren und Schat- beenden, um einer möglichen Linsen-
niger Wochen auf fünf bis 10 Prozent ten vor den Augen sind Alarmsignale, trübung vorzubeugen. Im Zweifelsfall“,
reduzieren. Noch vor wenigen Jahren die auf eine beginnende Netzhautablö- so Prof. Strobel, „sollte man eher eine
waren wir machtlos, heute haben wir die sung hinweisen. Diese kann zu einer Katarakt-Operation in Kauf nehmen.“
Möglichkeit, die Sehleistung durch die dauerhaften schweren Schädigung und Nicht zu unterschätzen sind Augenschä-
Injektion hochwirksamer Medikamente zur Erblindung des betroffenen Auges den, die durch UV-Licht verursacht wer-
in das Auge weitgehend zu erhalten. Bei führen, und selbst nach einer erfolgrei- den. „Deshalb ist es sehr wichtig, die
der trockenen Form verläuft der Prozess chen Operation können Narben das Seh- Augen vor einer direkten oder zu inten-
des Sehverlustes über Jahre, es bleibt vermögen beeinträchtigen. Deshalb siven Sonneneinstrahlung zu schützen,
wesentlich mehr Zeit, die Erkrankung zu sollte man die Vorboten dieser Erkran- und auch bei der Wahl der Sonnenbrille
behandeln“, betonte Jürgen Strobel. „Der kung sehr ernst nehmen. „Durch eine sollte man sich gut beraten lassen“, sag-
altersbedingte Abfall des Luteinspiegels rechtzeitige Laserbehandlung“, so Prof. te der Direktor der Universitäts-Augen-
lässt sich durch den regelmäßigen Ver- Strobel, „kann der vollständigen Netz- klinik, der nachdrücklich darauf hinwies,
zehr beispielsweise von Broccoli, Grün- hautablösung vorgebeugt und das Seh- dass die Tönung einer Brille nichts über
kohl oder Salzwasserfischen verhindern. vermögen des Auges erhalten werden.“ deren UV-Schutz aussagt. mv

www.uniklinikum-jena.de 25
GesundheitsUni Jena

Etwa 130 Selbsthilfegruppen bieten in Jena


Erfahrungsaustausch, Rat und Unterstützung

Bis zu zwei Millionen Menschen sind in halten, ist ein wichtiges Motiv für die- sind annähernd 100.000 Selbsthilfe-
Deutschland von Essstörungen betrof- ses Engagement. Denn gemeinsam“, so gruppen mit rund drei Millionen Mit-
fen. 90 Prozent sind Frauen, doch auch Wiesner, „fällt es oft leichter, Erkrankun- gliedern aktiv. Die meisten, etwa zwei
immer mehr Männer bekennen sich zu gen und andere schwierige Lebensum- Drittel, beschäftigen sich mit chroni-
dieser Krankheit. Der Weimarer David R. stände zu ertragen.“ Die Selbsthilfe hat schen Erkrankungen und Behinderun-
gehört zu ihnen. Anfang 2007 gründete sich in Thüringen in den letzten 20 Jah- gen, ein Drittel mit sozialen Problemen.
er in seiner Heimatstadt eine Selbsthilfe-
gruppe. Die Gründung scheiterte an feh-
lenden Räumlichkeiten. „Feste Treff-
punkte und Zeiten sind aber sehr wich-
tig für unsere Arbeit“, betonte er wäh-
rend der Abendvorlesung der Gesund-
heitsUni „Sich selbst helfen. Kann Selbst-
hilfe dabei helfen?“ am 30. März. Ende
2009 erfolgte der Neustart der „Essies“,
diesmal unter dem Dach von IKOS in Jena.
Gegen die angeborene Netzhautdege-
neration, eine seltene Augenerkrankung,
die zu einem zunehmenden Verlust des
Sehvermögens führt, gibt es bisher kei-
ne wirksame Therapie. Bei Gudrun U. ist
die Erkrankung schon weit fortgeschrit-
ten. Dennoch lässt sie sich nicht entmu-
tigen und arbeitet aktiv in der Selbsthil-
fegruppe „Pro Retina“. „Wir wollen uns
gegenseitig unterstützen, wir engagie-
ren uns aber auch dafür, dass die medizi- Seit 20 Jahren gibt es den Jenaer Selbsthilfetag, wo die Gruppen über ihre Arbeit informie-
ren Foto: IKOS
nische Forschung intensiviert wird und
künftigen Betroffenen unser Schicksal ren zu einem wichtigen Beratungs- und Selbsthilfe findet längst nicht mehr im
vielleicht erspart bleibt“, hofft sie. Hilfsangebot mit etwa 1500 Gruppen Verborgenen statt. Bei Selbsthilfetagen,
Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die und zu einer festen Säule in der aktiven die es seit 20 Jahren auch in Jena gibt,
von Zecken übertragen wird. Nicht immer Gesundheitsförderung entwickelt. präsentieren sich die Gruppen einer brei-
wird sie erkannt und mitunter werden ten Öffentlichkeit. Für alle, die in Jena
Betroffene als Hypochonder abgetan. Die Ursprünge der Selbsthilfebewegung Selbsthilfe suchen, ist IKOS der Ansprech-
Noch nach Monaten oder Jahren kann liegen Jahrzehnte zurück. 1935 entstand partner. Die 1991 in Kooperation mit der
die Borreliose die unterschiedlichsten in den USA die erste Gruppe der „Anony- Arbeiterwohlfahrt gegründete Einrich-
Gewebe und Organe befallen und zu er- men Alkoholiker“. Die Gründer hatten tung befindet sich heute im Ricarda-
heblichen gesundheitlichen Beeinträch- festgestellt, dass sich ihr Zwang zum Trin- Huch-Haus am Löbdergraben 7. „Wir
tigungen und starken Schmerzen füh- ken reduzierte, wenn sie offen über ihre haben dort drei Gruppenräume, wo mo-
ren. Sabine K. engagiert sich seit 2002 in Probleme sprachen. Später kam diese natlich etwa 110 Treffen stattfinden. In-
der Selbsthilfegruppe, die auch dafür Form der Krankheitsbewältigung auch formationen zur Selbsthilfe und Termi-
kämpft, dass Diagnostik und Therapie der nach Europa. 1953 wurde die erste deut- ne für Gruppentreffen finden Interes-
Borreliose weiter verbessert werden. sche Selbsthilfegruppe – ebenfalls „An- sierte im Internet unter www.selbsthilfe-
onyme Alkoholiker“ – gegründet. thueringen.de sowie in einem Schau-
„Zahlreiche Menschen aller Berufe und „Selbsthilfe kann keine medizinische kasten am Institut für Anatomie. Seit
Altersgruppen engagieren sich in den oder psychotherapeutische Behandlung 1999“, so Gabriele Wiesner, „haben wir
etwa 130 Jenaer Selbsthilfegruppen“, ersetzen, sie kann diese aber effektiv un- zudem einen festen Platz im Radio. Im
sagte Gabriele Wiesner vom Jenaer Be- terstützen“, sagt Gabriele Wiesner und ‚Offenen Kanal Jena‘ gehen wir einmal
ratungszentrum für Selbsthilfe (IKOS) verweist darauf, dass Selbsthilfe für die monatlich mit dem Selbsthilfemagazin
während der Abendvorlesung. „Sich in Gesellschaft keineswegs ein teurer Lu- ‚Chance‘ live auf Sendung.“ „Chance“ ist
einer schwierigen Lebenssituation aus- xus ist. „Jeder hier eingesetzte Euro rech- auch der Titel der jährlich erscheinenden
zutauschen und dabei Rat und Unter- net sich und spart zwischen sechs und Zeitschrift, in der die Jenaer Gruppen über
stützung durch Gleichbetroffene zu er- zwölf Euro Folgekosten.“ In Deutschland ihre wichtige Arbeit informieren. mv

26 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


GesundheitsUni Jena

Nordic Walking für Senioren


Nordic Walking für Senioren
Mit Spaß und Bewegung ins Grüne Termin: dienstags von 8.00-9.30 Uhr
Treffpunkt: Universitätssportzen-
trum, Oberaue 1, 07745 Jena
Material: Stöcke können in den ers-
Es ist wieder Frühling, und die Men- Menschen, die schon einmal eine Herz- ten Einheiten (Schnupperkurs) kos-
schen drängt es ins Grüne. Diesen operation hatten. Auch bei massiven tenfrei ausgeliehen werden
Drang mit Gesundheitsvorsorge zu Gelenkproblemen sollte man vorsichtig Kursleiter: Kai Haberkorn, Diplom-
verbinden, hat sich ein wichtiger Part- sein. Ich empfehle deshalb, immer mit sportwissenschaftler und lizensierter
ner der GesundheitsUni am UKJ vor- der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, Nordic Walking-Trainer
genommen: der Universitätssportver-
Kosten: Schnuppereinheit kosten-
ein Jena. Über das Angebot „Nordic
frei, danach Mitgliedschaft im USV
Walking für Senioren“ sprach die Lei-
Jena für 86 Euro im Jahr möglich
terin der GesundheitsUni, Dr. Sylvia
Sänger, mit der Sportwissenschaft- Kursbeginn: Der Einstieg ist jederzeit
lerin Dr. Andrea Altmann. möglich

Für wen eignet sich Nordic Walking


besonders? diesen Kursen teilnehmen. Sie eignen
Nordic Walking eignet sich sowohl für sich für Anfänger ebenso wie für aktive
den Wiedereinstieg nach langen „Sport- Läufer. Wichtig sind Bewegung im Grü-
pausen“ als auch für „Sportmuffel“, die nen unter fachkundiger Anleitung und
wenig oder noch nie Sport getrieben ha- vor allem der Spaß in der Gruppe.
ben. Die Sportart hat viele Vorteile. Sie ist
schnell erlernbar, ein Einstieg ist auf sehr Sportwissenschaftlerin Dr. Andrea Braucht man eine besondere Sport-
Altmann empfiehlt Nordic Walking
niedriger Belastungsstufe möglich, und bekleidung?
es werden gleichzeitig das Herzkreislauf- ob es aus medizinischer Sicht Einwände Nein. Wir bewegen uns aber im Freien,
system und bis zu 90 Prozent der Kör- gegen diese Sportart gibt. Wenn das deshalb sollte man sich dem Wetter ent-
permuskulatur trainiert. Außerdem ist nicht der Fall ist, sollte jeder selbst aus- sprechend kleiden. Außerdem sollten
Nordic Walking sehr Gelenk schonend. probieren, ob Nordic Walking für sie oder die Teilnehmer auf bequemes Schuh-
ihn in Frage kommt. Schließlich soll der werk zurückgreifen, das sie sonst auch
Wer darf diese Sportart nicht aus- Sport ja keine Belastung sein, sondern bei Wanderungen tragen. Für den
üben? zum Wohlbefinden beitragen. Schnupperkurs muss man sich nichts
Prinzipiell ist Nordic Walking für jeder- Wir bieten eine kostenfreie Schnupper- Neues anschaffen. Wer sich dafür ent-
mann geeignet. Aufpassen sollten jedoch einheit an, bei der auch die Walking-Stö- scheidet, regelmäßig zu kommen, dem
cke ausgeliehen werden können. Wem rate ich jedoch, eigene Nordic Walking-
diese Schnuppereinheit gefallen hat, der Stöcke anzuschaffen und sich im Sport-
kann anschließend für 86 Euro pro Jahr fachgeschäft über das geeignete Schuh-
USV-Mitglied werden und regelmäßig an werk beraten zu lassen.

www.uniklinikum-jena.de 27
Ärztewoche Thüringen

Nachwuchsförderung muss sende gehen Bissverletzungen, die an-


gesichts der Maulhöhlenbesiedlungen
mit teilweise stark pathogenen Bakteri-
weiter verbessert werden en nicht ungefährlich sind und proble-
matische Wundinfektionen hervorrufen
können. Viele Tierhalter wissen nicht,
dass man auch etwas für die Maulhygi-
ene seines Haustiers tun muss“, sagte
der Weimarer Tierarzt, Dr. Axel Peukert,
Leitsymptome, Arzneimittelsicherheit, rer der Kassenärztlichen Vereinigung der zu den Referenten der Weimarer Ver-
Palliativmedizin, Reanimation, Daten- Thüringen, Sven Auerswald, für einen anstaltung gehörte, im Gespräch mit
schutz und Hygiene waren einige der forcierten Abbau bürokratischer Hemm- KLINIKMAGAZIN.
Themen, über die Fach- und Hausärzte nisse, eine effektivere Verzahnung von Geimpft sein sollten Tierhalter unbe-
während der 19. Ärztewoche Thüringen ambulanter und stationärer Medizin, die dingt gegen Tollwut. Zwar findet man
in Weimar diskutierten. „Mit etwa 1000 Sicherung eines wohnortnahen medi- diese gefährliche Krankheit in Mittel-
Teilnehmern verzeichnete die Ärzte-
woche, die ein wichtiger Teil der ärztli-
chen Fortbildung in Thüringen ist, und
zu der auch eine Pflegetagung gehörte,
erneut eine sehr gute Resonanz“, freute
sich Tagungspräsident Prof. Dr. Günter
Stein und verwies darauf, dass im letz-
ten Jahr mehr als 6200 Fortbildungs-
veranstaltungen – etwa 800 mehr als
2009 – durch die Ärztekammer bestä-
tigt wurden. „Die Veranstaltungen fin-
den nicht nur in Weimar, Erfurt oder
Jena, sondern flächendeckend statt. Da-
mit haben alle Kolleginnen und Kolle-
gen die Möglichkeit, diese regelmäßig
wahrzunehmen“, betonte der Vorsitzen-
de der Akademie für ärztliche Fort- und
Weiterbildung der Landesärztekammer.
Das Ärzteorchester unter der Leitung von Joan Pagès Valls spielte unter anderem Werke von
ˆ
Beethoven, Mozart und Dvorák Foto: Gruschka
Mit verfügbaren Ressourcen
gewissenhaft umgehen zinischen Versorgungsangebotes sowie europa heute eher selten, weil deren
die weitere Verbesserung der ärztlichen wichtigster Überträger, der Fuchs, kon-
Nach wie vor kritisch gestaltet sich die Nachwuchsförderung plädierte. sequent mittels Ködern geimpft wurde,
personelle Situation in den Thüringer ein Restrisiko bleibt aber dennoch.
Kliniken und Praxen. „Einer wachsen- Kann mich mein Tier krank machen? „Oftmals nicht ausreichend informiert
den Zahl älterer Patienten steht eine sind Tierhalter über Parasitosen, die für
zwar absolut zunehmende Zahl von Ärz- Hunde waren Jahrhunderte lang dazu immungeschwächte Personen, für Klein-
tinnen und Ärzten gegenüber, die al- da, Haus und Hof zu bewachen, Katzen, kinder und ältere Menschen sehr gefähr-
lerdings durch die Erkrankungshäufig- um Mäuse zu fangen. Kaum jemand lich sein können. Um diese zu verhin-
keit und Mehrfacherkrankungen betag- wäre auf die Idee gekommen, mit sei- dern, sind regelmäßige Entwurmungen
ter und hochbetagter Patienten mo- nen Haustieren zu schmusen oder diese der Haustiere – mindestens viermal pro
mentan schon nicht ausreichend ist“, sogar mit ins Bett zu nehmen. Doch die Jahr – zwingend erforderlich“, betonte
sagte der Präsident der Landesärzte- Zeiten haben sich geändert. Aus dem Axel Peukert. Die Entfernung und Ent-
kammer Thüringen, Dr. Mathias Wesser, Haustier ist häufig ein Familienmitglied sorgung des Hundehaufens ist deshalb
während der Berufspolitischen Presse- geworden und entsprechend innig ge- auch nicht nur ein ästhetisches Problem,
konferenz. Noch brisanter, so Wesser, staltet sich das Verhältnis. Zu den klas- sondern ein hygienisches Erfordernis, um
wäre die Situation im Freistaat, wenn sischen Haustierarten sind in den letz- mögliche Infektionsketten zu unterbre-
nicht über 700 ausländische Ärzte die ten Jahrzehnten viele weitere – darunter chen. „Bei Exoten ist ein zu inniger Kon-
Lücken vor allem im Krankenhaus fül- zahlreiche Exoten – hinzugekommen, takt unbedingt zu vermeiden, weil diese
len würden. und für manchem Besitzer stellt sich die häufig eine äußerst pathogene Bakteri-
Auf die Notwendigkeit, mit den verfüg- Frage: Kann mich mein Tier krank ma- enflora haben“, sagte Dr. Peukert und re-
baren Ressourcen gewissenhaft umzu- chen? sümierte: „Es gibt zahlreiche Erkrankun-
gehen, verwies der Vorsitzende des Lan- Antworten darauf gaben Thüringer Tier- gen, die durch Haustiere auf den Men-
desverbandes der Leitenden Kranken- ärzte in der traditionellen „Veranstal- schen übertragen werden können, bei
hausärzte, Prof. Dr. Reinhard Fünfstück, tung für die Bevölkerung“ während der sachgerechter Pflege und Hygiene ist
der ebenso wie der Hauptgeschäftsfüh- Ärztewoche. „Jährlich in die Zehntau- diese Gefahr aber relativ gering.“ mv

28 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Mosaik

Mehr als 1000 Artikel Treue und den Verantwortlichen am Kli-


nikum für die gute Zusammenarbeit.
Doch nicht nur hier stimmt die Chemie,
Imbiss & Shop seit 10 Jahren am Klinikum sondern auch innerhalb des Imbiss &
Shop-Teams. „Die Atmosphäre ist su-
per“, sagen Sabine Genschel und Iveta
Rath, die seit sechs bzw. vier Jahren hier

„Als wir am 21. Juni 2001 unseren Im-


biss & Shop in der Klinik für Innere Me-
dizin eröffneten, konnte niemand ah-
nen, dass wir hier so lange bleiben wür-
den und sich unser Geschäft so positiv
entwickelt. Seit 2004 haben wir einen
weiteren Laden in der Magistrale des
Klinikumsneubaus“, erinnert sich Udo
Seidler, der vor zehn Jahren im wahrs-
ten Sinne des Wortes klein angefangen
hat: Mit zwei Mitarbeiterinnen auf le-
diglich 35 Quadratmetern. „Wir muss-
ten uns zunächst etablieren und einen
Kundenstamm aufbauen. Das war nicht
immer leicht, inzwischen können wir
aber sagen: Es hat sich gelohnt“, be-
tont der Imbiss & Shop–Chef, der heute
acht Mitarbeiter beschäftigt.
Udo Seidler (Mitte) und seine Mitarbeiter Petra Schmidt, Norbert Kahnt, Beata Cetin, Iveta
Auch das Angebot für die Patienten, Rath, Marion Konsolke, Sabine Genschel und Cindy König (v.l.) Foto: Vöckler
Mitarbeiter, Studenten und Besucher hat
sich erheblich erweitert. „Neben Imbiss- nötigt. Und wenn einmal etwas nicht tätig sind und vor allem während des
typischem wie Kaffee und Capuccino, vorrätig ist, besorgen wir es zumeist noch Semesters alle Hände voll zu tun haben.
Schnitzel, Bockwurst, Bouletten, Sala- am selben Tag“, verspricht Udo Seidler, Dann nutzen täglich zwischen 500 und
ten und Kuchen bieten wir auch ein der Obst und Gemüse täglich frisch auf 600 Kunden den Imbiss & Shop, der
Mittagsgericht an. In unserem Sortiment dem Großmarkt einkauft. „Da wir hier auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet
befinden sich aber auch Zeitungen und keine Lagerkapazitäten haben, können ist. „Außer am Neujahrstag, da machen
Zeitschriften, Hygieneartikel, Briefmar- wir unseren Kunden garantieren, dass wir Betriebsferien“, sagt Udo Seidler
ken, Textilien und vieles andere. Insge- das, was sie essen, auch wirklich frisch schmunzelnd und verspricht: „Am 21.
samt mehr als 1000 Artikel und damit ist“, sagt Seidler und dankt der Kund- Juni haben wir noch eine besondere
fast alles, was man im Krankenhaus be- schaft für die ein Jahrzehnt währende Überraschung für unsere Kunden.“ mv

Gelungene
Überraschung
Mit einer selbst verzierten Kiste voller
leckerer Sachen erfreute Ortsteilbür-
germeister Volker Blumentritt in den
Wochen vor Ostern zahlreiche Lobe-
daer Kinder. Süßigkeiten und einen
großen Plüschhasen – gesponsert
von der Firma Linimed – gab es auch
für die Mädchen und Jungen der Kin-
derchirurgie. Klinikdirektorin Prof. Dr.
Felicitas Eckoldt dankte im Namen der
Patienten und Mitarbeiter für diese
gelungene Osterüberraschung.
Foto: Szabó

www.uniklinikum-jena.de 29
Mosaik

Kontraste
Mehr als 50 Gäste hatten sich am 23.
März in der Cafeteria des Klinikums zum
Galeriegespräch eingefunden. Die Aus-
stellung „Kontraste“ zeigt auf Fotos den
morbiden Charme des Vergänglichen
in Zeitdokumenten. Daneben sind
Aquarelle und Acrylbilder von sonnen-
durchfluteten Landschaften und leuch-
tenden Blumen zu sehen. Damit wird
ein herber Kontrast zwischen der rea-
len Welt und einer gewünschten oder
Uta Froehlich, Prof. Bernd Wiederanders und Andrea Kliewer Fotos: Vöckler erträumten erzeugt. Die Organisatoren
der Ausstellung waren sich nicht sicher,
wie die Provokation beim Betrachter
Lust auf den Sommer... ankommt. Recht einhellige Meinung
der Gäste war jedoch, dass gerade
„Jede Ausstellung ist immer wieder ein zeigt vor allem Aquarelle und Pastell- durch die Darstellung dieser Kontraste
Erlebnis. Ganz besondere Freude macht bilder mit sommerlich leuchtenden Blu- der Blick für das jeweils Gegenteilige
es mir, mit den Künstlern ins Gespräch men, die durch ihre Farbigkeit beste- in besonderer Weise geschärft würde.
zu kommen“, sagte Prof. Bernd Wieder- chen und Lust auf die warme Jahreszeit Zu einem Erlebnis der besonderen Art
anders anlässlich der Eröffnung der 40. machen, aber auch einige herbstliche wurde der Abend auch durch die mu-
„Ganz kleinen Galerie“ am 20. April und Motive, die nachdenklich stimmen... sikalische Umrahmung mit einem un-
freute sich, dass die Vernissage erneut Heiteres und Nachdenkliches gab es gewöhnlichen Instrument, einem Ban-
so gut besucht war. auch musikalisch. Andrea Kliewer spiel- doneon, das von Joachim Rotha meis-
„Sommerleuchten“ heißt die Jubilä- te Werke – unter anderem von Bach und terlich gespielt wurde. BW
umsausstellung. Uta Froehlich aus Jena Piazzolla – auf der Querflöte. mv

30 Klinikmagazin Ausgabe 2/2011


Rätselseite

4. In welchem Land entstanden im 10. 8.Wie viele Papiermark mussten wäh-

Bare Münze Jh. die Vorläufer des Papiergeldes?


a China
rend der Währungsreform im Novem-
ber 1923 in Deutschland für eine
b Syrien „Rentenmark“ gezahlt werden?
1. Wo wurde im 7./6. Jh. v. Chr. das ers- c Byzanz a eine Million
te Münzgeld geprägt? 5. Wo wurde 1483 das erste europäi- b eine Milliarde
a Athen sche Papiergeld ausgegeben? c eine Billion
b Lydien a Frankreich 9. In welchem Jahr konnte man in den
c Indien b Spanien USA Bankgeschäfte erstmals über das
2. Was war vom 3. Jh. v. Chr. bis in das 3. c Portugal Internet abwickeln?
Jh. n. Chr. die wichtigste römische Sil- 6. Wie viele Geldsorten waren um 1850 a 1989
bermünze? in den deutschen Staaten im Umlauf? b1995
a Denarius a ca. 100 c 2001
b Solidus b ca. 180 10. Welches EU-Land führte am 1. Ja-
c Drachme c ca. 300 nuar 2011 als 17. Staat die europäi-
3. Wer führte Ende des 8. Jh. mit dem 7. Was wurde auf der Internationalen sche Gemeinschaftswährung ein?
Denar eine einheitliche Währung ein? Währungskonferenz 1867 eingeführt? a Polen
a Karl der Große im Frankenreich a Goldstandard b Schweden
b Michael I. in Byzanz b Einheitswechselkurse c Estland
c Alfred der Große in England c Dollar als Leitwährung (Auflösung S. 4 unten)

Who’s who?
Vermutlich wurde nicht unter seiner, Heft 96, Ausgabe 2/2011
sondern bereits unter der Herrschaft sei- Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
nes Vaters, König Alyattes II., die Münz- derverein des Universitätsklinikums Jena
prägung erfunden und die ersten Gold- Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
münzen herausgegeben. Sicher ist, dass Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
er zu den reichsten Herrschern seiner Zeit Helena Reinhardt, Stabsstelle Öffentlich-
keitsarbeit
gehörte, und deshalb ist sein Name, auch Dr. Uta von der Gönna, Öffentlichkeits-
mehr als 2500 Jahre nach seinem Tod, arbeit Medizinische Fakultät
noch immer ein Synonym für unermess- das mächtige Perserreich zu erobern. PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der
lichen Reichtum. Reich gemacht hatten Doch das Vorhaben misslang, und der Apotheke des Klinikums und Vorsitzender
des Fördervereins des UKJ
den Lydier vor allem die Tribute unter- König geriet in Gefangenschaft. Das gro- Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik
worfener kleinasiatischer Staaten und ße Reich, das er zerstört hatte, war sein für Kinder- und Jugendmedizin
Städte. Bestärkt durch seine militärischen eigenes, denn die Niederlage besiegelte Maria Lasch, Pflegedienstleiterin Klinik
für Innere Medizin, Klinik für Herz- und
Erfolge und einen Spruch des Orakels von das Ende eines eigenständigen Lydischen Thoraxchirurgie
Delphi: „Wenn Du den Halys überschrei- Reiches. Wann und wo er starb, ist ebenso Gabriele Stoschek, Büro Medizinischer
test, wirst Du ein großes Reich zerstö- unbekannt wie Jahr und Ort seiner Ge- Vorstand
ren“, versuchte er 547/546 v. Chr. auch burt. (Einsendeschluss: 15. Juni 2011) Layout: Klinisches Medienzentrum
Satz: Matthias Vöckler
Ihre Lösung schicken Sie an die In Heft 95 suchten wir: Druck: Druckhaus Gera GmbH
Redaktionsschluss: 4. Mai 2011
Redaktion KLINIKMAGAZIN Königin Victoria Dieses Heft wurde überwiegend aus Mit-
Bachstraße 18 teln des Fördervereins und Werbeeinnah-
07743 Jena Marco Reining aus Gera men finanziert und auf umweltfreund-
lichem Papier gedruckt.
oder an: voecklers@aol.com (Büchergutschein zu 40 €)
Redaktionsschluss nächste Ausgabe:
Unter den Einsendern mit der richtigen Sabine Ahrens Mitte Juni 2010
Lösung verlosen wir unter Ausschluss des Simone Ehms Die Beiträge geben Meinungen der Auto-
Rechtsweges einen Büchergutschein im und Guido Neumann ren wieder und müssen nicht mit der
Wert von 40 € und drei Büchergutschei- (Büchergutschein zu je 10 €) Ansicht der Redaktion übereinstimmen.
Die Veröffentlichung unverlangt einge-
ne im Wert von je 10 €, die von der Jenaer wurden als Gewinner gezogen. sandter Manuskripte liegt im Ermessen der
Universitätsbuchhandlung Thalia ge- Redaktion.
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch!

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