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Inhaltsverzeichnis

primo loco
Zurück in die Zukunft. Ein Rückblick. 3
Vorgestellt: Geriatrische Tagesklinik
Senioren wieder auf die Beine stellen 5
Sprechstunde: Angeborene urogenitale Anomalien
Komplexe Fehlbildungen erfolgreich behandelt 6
Diagnostik und Therapie
Arzneimittel in der Zahnmedizin 8
EHEC: Ministerin Taubert informierte sich am UKJ 9
EHEC und HUS dank Blut- und Plasmaspenden überstanden 10
Pralinen an Herrn Müller 10
„Jeder kann darauf angewiesen sein“ 11
„Die Blutspende war ein Teil meines Lebens“ 11
Jahresempfang
„Ärztemangel in Deutschland ist vor allem ein Verteilungsproblem“ 12
Herausforderungen gemeinsam meisten 13
Elf Promotionsstipendien vergeben 14
Erfolgreiche Vereinsarbeit 14
Titel
Gemeinsamer Gesundheitstag war ein voller Erfolg 15
Veranstaltungen 16
Service 17
GesundheitsUni Jena
Hand in Hand gegen den Krebs 18
Diagnostik und Therapie
Krebskrankes Baby ohne Bluttransfusion operiert 19
Erst den Hafen erreichen... 20
Kollegen treffen Kollegen 22
Mutter und Kind wohlauf 23
Ausstellung
Aktueller denn je: Der Mensch und seine Mikroben 24
Personalia
Einzelnen Molekülen auf der Spur 25
Forschung
Junge Forscherinnen geehrt 26
SkillsLab erhielt Janus-Cornarius-Lehrpreis 2011 26
Personalstudenten bringen Stein ins Rollen 27
Medizin und Ethik
Erfolgreiche „Inter-KEK“-Premiere 28
Mosaik
Empfehlung aus der Patientenbibliothek 29
Kissen kommen von Herzen 30
Rätselseite 31

Titelseite: Ein voller Erfolg war der erste gemeinsame Gesundheitstag der Friedrich-Schil-
ler-Universität und des Universitätsklinikums Jena. Auch zahlreiche jüngere Besucher
interessierten sich für das Thema Gesundheit. Foto: Szabó

2 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


primo loco

Zurück in die Zukunft. Ein Rückblick.

Vor zehn Jahren, am 1. August 2017, ren der Bettenbedarf zu weiteren Bau- Finanz- und Wirtschaftskrisen im Euro-
haben wir den 2. Bauabschnitt des Kli- maßnahmen führen würde. Viele erin- raum viele kleinere Krankenhäuser we-
nikums in Lobeda in Betrieb genom- nern sich daran, dass der Personalrat gen Investitionsstaus und Finanzie-
men. Damals war es das modernste lange Wege, kleine und eine zu geringe rungsschwierigkeiten den Betrieb ein-
Großklinikum Thüringens. Zahl an Dienstzimmern und Großraum- stellen und wir in der Folge die Patien-
Viele von uns erinnern sich noch mit büros anprangerte. Die Inbetriebnahme ten versorgen mussten? Erst die Errich-
gemischten Gefühlen an den Umzug. Er war also von schrillen Tönen begleitet. tung der beiden neuen Bettenhäuser
war zwar generalstabsmäßig geplant, Der darauf folgende Alltag sorgte für und des Patientenhotels jenseits der Er-
aber wie beim Umzug in den ersten Bau- Beruhigung. langer Allee hat zu einer Entlastung ge-

Das Klinikum Lobeda. Der 2. Bauabschnitt wurde am 1. August 2017 in Betrieb genommen. Abb.: Wörner und Partner

abschnitt ging einiges schief. Und wie Geschichte wiederholt sich nicht, wird führt. Damals hatten sich aber Träger,
nach dem ersten großen Umzug war an immer behauptet. Dennoch sorgten da- Verwaltungsrat und Vorstand gegen die
vielen Stellen Sand im Großgetriebe. mals zum wiederholten Mal Zentralisie- Einbeziehung eines privaten Kranken-
Endlich war zwar zusammen gewach- rungen der Operationssäle oder der In- hausbetreibers gestemmt. Damals wa-
sen, was zusammen zu gehören die Pla- termediate Care Stationen für Konflikte ren auch die privaten Betreiber noch
ner beschlossen hatten. Aber heute bei der Betreibung und über die Zustän- nicht bereit, eine Minderheitsbeteili-
noch sprechen Mitarbeiter über die Pro- digkeit. gung einzugehen.
bleme des neuen Miteinanders. Viele Der für die letzten vier Jahre des Bau-
fremdelten, manche protestierten, eini- geschehens verantwortliche Vorstand Aus heutiger Sicht können wir stolz auf
ge verließen das Klinikum. mit neuem Medizinischen Vorstand und das Erreichte zurückblicken. Wenn wir
neuem Dekan – beide übrigens nicht das Ergebnis betrachten, so ist doch das
Auch nach zehn Jahren ist die Erinne- aus den Reihen des UKJ kommend – Allermeiste sehr gut gelungen. Viele Be-
rung an den Festakt zur Fertigstellung hatte alle Hände voll zu tun, Konflikte reiche, die nur ungern die angestamm-
des Klinikumsbaus noch lebhaft: Die zu schlichten, Engpässe zu bearbeiten ten Domizile verlassen wollten, haben
damalige Ministerpräsidentin sprach und gleichzeitig die Leistungen weiter sich deutlich verbessert. Wir haben, nur
von dem großen finanziellen Kraftakt zu erhöhen, um den Eigenanteil des UKJ, um ein Beispiel zu nennen, heute ein
für den Freistaat. Mehr oder weniger der sich trotz aller vorherigen Beteue- freundliches, modernes Eltern-Kind-
offen diskutierten die eingeladenen rungen auf 100 Millionen Euro erhöht Zentrum, in dem endlich die Kinderme-
Gäste darüber, dass ja vor der Finanzie- hatte, zu realisieren. Manch einer der dizin mit der Geburtshilfe und der Gy-
rung des Klinikums der zehnfache Be- neuen Klinikchefs erinnert sich an die näkologie zusammengeführt wurde.
trag in die Sanierung der anderen Kran- harten Zeiten. Aber auch die Emeriti, an Unsere Studenten pendeln nicht mehr
kenhäuser Thüringens geflossen war. deren Spitze die rüstigen ehemaligen scharenweise zwischen der Innenstadt
Fast hätte es einen Eklat gegeben, als Chefs der Intensivmedizin und der Kar- und den Hörsälen und Seminarräumen
der damalige Medizinische Vorstand diologie stehen, können bei ihren re- hier in Lobeda. Viele bedauern immer
zwar Dank und Freude über die Fertig- gelmäßigen Treffen über schwere Zei- noch, dass es nicht zur Bildung eines
stellung äußerte, aber zugleich darauf ten berichten. zweiten Universitäts-Campus in Eisen-
verwies, dass man nur einen Ersatzbau Aus heutiger Sicht, in der Rückschau berg gekommen ist.
für die alten Pferdeställe bezogen hät- aus dem Jahre 2027, erscheinen diese Unsere verehrten früheren Fakultätsmit-
te, in denen bis dahin Altkliniken der Anfangsschwierigkeiten klein gegen- glieder haben die langen Erörterungen
Innenstadt universitäre Medizin betrie- über den gegenwärtigen Problemen. über Sinn und Nutzen der Studienreform
ben hätten. Und, dass in wenigen Jah- Hätten wir damals gewusst, dass durch in guter Erinnerung. Das ebenfalls vor

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zehn Jahren eingeführte, reformierte herer kommunaler Krankenhäuser sind rigkeiten in der Nachwuchsgewinnung
Studium ist – ob gut oder schlecht – in den letzten Jahren auf uns überge- oder einem erhöhten Krankenstand auf-
weitgehend rückgängig gemacht wor- gangen. grund einer alternden Belegschaft zu
den. Diese Aufzählung ließe sich weiter fort- kämpfen hat.
Wer hätte übrigens damals für möglich setzen. Doch das allein ist nicht alles. An diesen Stellen neue Modelle anzu-
gehalten, dass in der GesundheitsUni Wir haben an vielen Stellen auf Inno- gehen, gehört mit zur Rolle der Univer-
akkreditierte Studiengänge für die Be- vation gesetzt und gewonnen. Gewon- sitätsmedizin als führende Kraft im Ge-
völkerung etabliert wurden? Die neuen nen als Klinikum und als Unternehmen, sundheitswesen. Diese Rolle nehmen wir
Berufe des Gesundheitsmanagers und indem alle, auch die hier Beschäftigten, an, in jeder Hinsicht. Dazu gehört auch
Patientenpaten sind heute gefragt. heute von unseren seinerzeit neuen die inzwischen umgesetzte flächende-
Unsere Forschungsgruppen finden in Ideen profitieren. ckende, enge Vernetzung des UKJ mit
den zwei Forschungszentren die für ihre Kooperationspartnern in der Region, mit
Arbeit notwendigen Räume und Struk- Wir haben uns als Unternehmen der Forschungseinrichtungen ebenso wie
turen vor. Durch das Innovationszen- sozialen Verantwortung gestellt und in mit Wirtschaftunternehmen.
trum sind eine Reihe von kleinen Fir- Bereiche Kraft und auch Mittel inves- Gut, dass wir die Grundlagen dafür
men im Umfeld des Klinikums entstan- tiert, die scheinbar nicht profitträchtig rechtzeitig gelegt und bereits vor Jahr-
den, die jetzt angewandte Forschung in waren. Wir haben uns betriebliche Ge- zehnten die Weichen in die richtige
Kooperation mit den Kliniken des UKJ sundheitsförderung auf die Fahnen ge- Richtung gestellt haben. Lassen Sie uns
betreiben. schrieben, und Familienfreundlichkeit nun anlässlich des 10. Jubiläums der Er-
Nicht zuletzt ist auch die Verwaltung bis hin zur Umsetzung flexibler Arbeits- öffnung des 2. Bauabschnittes diesen
nach einer Zeit der Trennung vom klini- zeitmodelle. Das hat dazu geführt, dass unseren Weitblick gemeinsam feiern, in
schen Geschehen wieder näher an das das UKJ heute als der größte Arbeitgeber der Hoffnung, dass wir auch weiterhin
Herz des Klinikums herangerückt. Auch der Region am wenigsten mit Schwie- davon begleitet werden.
wenn sie vor zwei Jahren nicht in ur-
sprünglich geplanter Größe nach Lobe- Der amtierende Vorstand des Universitätsklinikums Jena
da kam. Durch die neuen Technologien
und die modernen flachen Hierarchien Medizinischer Kaufmännischer Wissenschaftlicher
sind ja heutzutage deutlich weniger Vorstand Vorstand Vorstand und Dekan
Mitarbeiter in der Verwaltung tätig.
Aus einem Uniklinikum mit mehreren
Standorten im Stadtgebiet ist so ein zen-
traler, weitläufiger und funktionaler
Komplex geworden, in dem die Einrich- Engagiert für die Organspende
tungen in einer sinnvollen Weise zusam-
mengeführt wurden. Universitätsklinikum Jena ausgezeichnet
Erst der Neubau hat es ermöglicht, die
Organisationsstruktur anzupassen. Aus Das Universitätsklinikum Jena wurde häuser in vorbildlicher Weise getan.“
Kliniken und Instituten wurden die am 20. Juni als eines von drei Kran- „Unser Dank gilt allen beteiligten Ärz-
mittlerweile gut funktionierenden 14 kenhäusern für ein besonderes Enga- ten und dem Pflegepersonal, die mit
Departments und Zentren. Die Schlag- gement für die Organspende ausge- hohem persönlichen Einsatz engagier-
worte der Interdisziplinarität und der zeichnet. Entscheidend für die von der te Arbeit leisten“, betonte Dr. Christa
engen Anbindung von Forschung und Deutschen Stiftung Organtransplanta- Wachsmuth, Geschäftsführende Ärz-
Krankenversorgung sind so tatsächlich tion (DSO) verliehene Auszeichnung tin der DSO in der Region Ost. „Die Ko-
mit Leben erfüllt worden. sind Kriterien wie die Unterstützung ordinatoren der DSO stehen rund um
der Transplantationsbeauftragten die Uhr bereit, um das Personal auf
Wir haben unsere Stärken der Jahre durch die Klinikleitungen, die Fortbil- den Intensivstationen im Falle einer Or-
2010 bis 2017 weiter betont: dung des Klinikpersonals sowie die ganspende zu unterstützen.“ Derzeit
Unser Transplantationszentrum kann Erarbeitung von Leitlinien und Verfah- warten in Deutschland 12.000 Men-
sich mehr denn je sehen lassen und ge- rensschritten für den Akutfall Organ- schen auf eine Transplantation. Etwa
hört zu den leistungsstärksten im Lan- spende. Ebenfalls ausgezeichnet wur- 1000 Menschen versterben jährlich,
de. Dazu beigetragen hat das neue den die Berufsgenossenschaftlichen weil für sie nicht rechtzeitig ein Organ
Transplantationsgesetz von 2015. Das Kliniken Bergmannstrost Halle und die zur Verfügung stand.
UKJ ist jetzt Referenzzentrum für Sep- Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau Am UKJ werden jährlich etwa 280
sisforschung und -behandlung. In der gGmbH. Transplantationen von Organen und
Erforschung und Behandlung der Alters- „Jedes Krankenhaus muss Strukturen Knochenmark vorgenommen. In die-
erkrankungen und Volkskrankheiten und Richtlinien für die Durchführung sem Jahr wurden bisher 39 Lebern, 35
Krebs und Diabetes gehören wir zu den einer Organspende festlegen“, so Hei- Nieren, 4 Herzen und 2 Lungen trans-
führenden Kliniken und haben erfolg- ke Taubert, Thüringer Ministerin für So- plantiert. Insgesamt warten am UKJ
reich unsere Spitzenstellung unter den ziales, Familie und Gesundheit. „Das derzeit mehr als 500 Patienten auf ein
Thüringer Krankenhäusern ausbauen haben die ausgezeichneten Kranken- neues Organ. HR
können. Viele Versorgungsgebiete frü-

4 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Vorgestellt: Geriatrische Tagesklinik

Senioren wieder auf die Beine stellen


Neues tagesklinisches Angebot am UKJ aktiviert mit intensiver
Betreuung die eigenen Kräfte

Wenn Ältere ernsthaft erkranken, be-


ginnt oft ein schleichender Abbau,
dessen Folge im schlimmsten Fall der
Verlust der bisherigen Selbstständig-
keit ist. Statt eines eigenständig be-
stimmten Alltags, erwartet die Senio-
ren dann die Pflegebedürftigkeit und
damit die Abhängigkeit von fremder
Hilfe. Besonders häufig tritt dies nach
einem Krankenhausaufenthalt im ho-
hen Alter auf. Liegend zugebrachte
Wochen fordern ihren Tribut, die
Rückkehr in das normale Leben ge-
lingt dann oft nur schwer. Eine an-
schließende Betreuung in einer Geria-
trischen Tagesklinik kann diese Ab-
wärtsspirale verhindern.

„Wir versorgen hier Patienten, die bei- Wieder etwas fitter werden: Bewegungstherapie in der Geriatrischen Tagesklinik
Fotos: Szabó
spielsweise nach einem Klinikaufenthalt
weitere Therapien benötigen, aber nicht men nach Schlaganfällen oder Herz- zuhause sind. Auch wenn die Senioren
so mobil sind, um dies allein von Zu- infarkten zu uns, da müssen wir die Be- an einer leichten Demenz oder Depressi-
hause aus wahrnehmen zu können“, lastbarkeit langsam steigern und ent- onen leiden, kommt die Tagesklinik für
erklärt Dr. Anja Kwetkat, Chefärztin der standene Defizite ausgleichen helfen“, eine Behandlung in Frage. Wichtigste
Klinik für Geriatrie am Universitätsklini- beschreibt Dr. Anja Kwetkat die Aufga- Bedingung für die Aufnahmen ist ein
kum Jena, das Konzept ihrer Tageskli- be der Geriatrischen Tagesklinik. Ziel ist Mindestmaß an Beweglichkeit und Ei-
nik. Der Bereich wurde vor sechs Mona- aber nicht nur die Kräftigung und Wie- genbeteiligung. „Was wir hier machen,
ten neu eingerichtet, seither stehen hier derherstellung des Körpers, sondern ist auch ein bisschen anstrengend“, sagt
10 Plätze für die teilstationäre Betreu- auch die Stärkung des Vertrauens in die die Chefärztin der Klinik für Geriatrie. HR
ung Älterer zur Verfügung. eigenen Fähigkeiten.
„In der Regel sind unsere Patienten über Ein stationärer Klinikaufenthalt ist nicht
70 und benötigen beispielsweise nach Bedingung für eine tagesklinische Be-
Operationen eine intensive Begleitung, handlung. Auch andere Patienten kön-
um wieder etwas fitter zu werden“, so nen profitieren: Menschen mit chro-
Kwetkat. Dazu werden die Patienten wo- nischen Erkrankungen, beispielsweise
chentags zwischen 8 Uhr und 15 Uhr in des Bewegungsapparates, oder chroni-
der Tagesklinik unter ärztlicher Aufsicht schen Schmerzen, deren Zustand sich
versorgt, erhalten hier notwendige Phy- verschlechtert, ohne dass ein Klinikauf-
sio-, Ergo- und andere Therapien – Ab- enthalt schon notwendig wäre. „Unser
holung und Heimfahrt inklusive. Anliegen ist es, in solchen Fällen die
Im Schnitt 15 Tage dauert ein tageskli- Auswirkungen der Erkrankungen zu lin-
nischer Aufenthalt. „In dieser Zeit kön- dern und die Patienten wieder auf die
nen wir die eigene Leistungsfähigkeit Beine zu stellen“, erklärt Kwetkat. Eine
unserer Patienten wieder soweit stärken, stationäre Krankenhausbehandlung soll
dass ein möglichst selbstbestimmtes so möglichst verhindert werden, um ei-
Leben auch anschließend zu Hause ge- nen damit verbundenen Kräfteabbau
lingen kann“, sagt die Geriaterin Anja gar nicht erst zuzulassen.
Kwetkat. Dabei wird beispielsweise ge-
übt, wie Alltagssituationen trotz Ein- Grundsätzlich steht das Angebot allen
schränkungen mit Gehhilfen oder an- hochaltrigen Patienten offen, egal, ob
deren Hilfsmitteln gemeistert werden sie in der eigenen Wohnung, im betreu- Die älteren Patienten fühlen sich in der Ta-
können. „Viele unserer Patienten kom- ten Wohnen oder einem Pflegeheim gesklinik sehr wohl

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Sprechstunde: Angeborene urogenitale Anomalien

Komplexe Fehlbildungen erfolgreich behandelt


Jenaer Kinderchirurgen korrigieren Anomalien der Nieren, der
Blase, der Harnröhre und des äußeren Genitale

Bis vor wenigen Jahrzehnten war es


unmöglich, angeborene Fehlbildungen
pränatal zu erkennen. Das hat sich
mit der rasanten Entwicklung der vor-
geburtlichen Diagnostik und Bildge-
bung grundlegend geändert. Bereits
die frühe Untersuchung in der 12.
Schwangerschaftswoche macht die so
genannten großen Fehlbildungen (feh-
lendes Gehirn, schwere Fehlbildungen
der Gliedmaßen und Zeichen von
Chromosomenanomalien) sichtbar. Im
„Organschall“ in der 20. Schwanger-
schaftswoche können die lebenswich-
tigen Organe, einschließlich der Nie-
ren und der ableitenden Harnwege,
sicher dargestellt und angeborene
Anomalien zu einem hohen Prozent-
satz erkannt werden.

„Die Pränataldiagnostik erfolgt in der


Abteilung Geburtshilfe der Universitäts-
Frauenklinik, bei Harnwegsfehlbildun-
gen arbeiten wir zudem eng mit der
Abteilung Nephrologie der Universitäts- Höchste Konzentration: Das Team um Prof. Felicitas Eckoldt (2. v. l.) während der Operation
Kinderklinik zusammen. Damit ist neben einer urogenitalen Fehlbildung Fotos: Kinderchirurgie
der ausgezeichneten Diagnostik auch
eine engmaschige Betreuung im weite- ner Defekt der vorderen Blasen- und Fehlbildungen schon im Kleinkindalter
ren Verlauf der Schwangerschaft und Bauchwand, bei dem die Blasenrück- erhebliche psychische Belastungen her-
nach der Geburt gewährleistet. Werden wand frei liegt und der mit einem Spalt- vorrufen.“
die Kinder in der Universitäts-Frauenkli- becken sowie einer gespaltenen Harn- Zu den kompliziertesten, wenn auch sehr
nik geboren, leiten wir unmittelbar nach röhre einhergeht. Ebenso Harnröhren- seltenen Fehlbildungen gehören Diffe-
der Geburt alle erforderlichen Maßnah- klappen, die den Abfluss des Urins aus renzierungsstörungen des äußeren Ge-
men ein. Das ist sehr wichtig, um mögli- der Blase bereits während der Fetalent- nitale. „Bei sehr schweren Formen muss
che schwere Komplikationen zu verhin- wicklung erschweren, was sowohl die das Geschlecht in Zusammenarbeit mit
dern“, sagt die Direktorin der Klinik für Blase als auch die Nieren schwer schä- den Endokrinologen und Genetikern
Kinderchirurgie am Universitätsklinikum digen kann. Die Ureterabgangsstenose, des UKJ bestimmt werden. Entspre-
Jena, Prof. Dr. Felicitas Eckoldt. eine Verengung des Harnleiterabgangs chend komplex ist die Operation. Da wir
aus dem Nierenbecken, die zu einer Stö- zu den wenigen Einrichtungen gehören,
Patienten kommen aus allen Teilen rung des Harnabflusses führt, wird heute die diese Eingriffe durchführen, kommen
Deutschlands hingegen nur noch bei stark ausgepräg- Patienten aus allen Teilen Deutschlands
ten Einengungen operiert“, erläutert Fe- nach Jena. Das gilt auch für Säuglinge
Noch vor wenigen Jahren wurden die licitas Eckoldt. mit Blasenekstrophie“, erläutert Prof.
meisten urogenitalen Fehlbildungen in Fehlanlagen der Harnröhre, der Schei- Eckoldt.
den ersten Wochen nach der Geburt de, der Vagina, des Penis oder des Scro-
operiert, heute gehen die Kinderchirur- tums (Hodensack) werden in der Regel Eingriffe müssen mit äußerster
gen differenzierter vor. „Es gibt Fehlbil- bis zur Vollendung des ersten Lebens- Präzision durchgeführt werden
dungen, die auch weiterhin in der ers- jahres korrigiert, weil die Kinder danach
ten Lebenswoche operiert werden müs- beginnen, sich für den „kleinen Unter- Jeder 500. bis 700. Junge und etwa je-
sen. Dazu gehört beispielsweise die Bla- schied“ zu interessieren. „Hier“, so Prof. des 1.200. Mädchen wird mit einer fehl
senekstrophie, ein schwerer angebore- Eckoldt, „können deutlich sichtbare gebildeten Harnröhre geboren. „Bei den

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Sprechstunde: Angeborene urogenitale Anomalien

Jungen ist sie oftmals zu kurz und mün-


det an der Penisunterseite. Die Harnröh-
re wird dann zumeist aus ortsständigem
Gewebe verlängert. Bei sehr schweren
Fehlbildungen haben wir zudem die
Möglichkeit, die Harnröhre aus einem
freien Transplantat der Mundschleim-
haut zu formen. Die Wunde an der In-
nenseite der Unterlippe heilt innerhalb
weniger Tage“, sagt Prof. Eckoldt. In den
meisten Fällen ist die Harnröhre nach
der Operation voll funktionsfähig. Ist ein
sehr großer Teil zu ersetzen, kann ein
zusätzlicher korrigierender Eingriff er-
forderlich werden, um Engstellen oder
Fisteln entlang der Stichkanäle der Fä-
den zu beseitigen.
Bei den Mädchen münden mitunter
Harnröhre und Scheide in einem ge-
meinsamen ypsilonförmigen Gang. Die Die kleinen Patienten werden im Rooming-in ausgezeichnet betreut
Fehlbildung lässt sich operativ mit orts-
ständigem Gewebe beheben. Diese Ein- einheit misst. Haben wir den Verdacht zuordnen. Um entscheiden zu können,
griffe sind sehr aufwändig und müssen auf eine Stenose, spiegeln wir die Harn- ob beide Teile der Doppelniere funk-
mit äußerster Präzision durchgeführt röhre mit einem sehr feinen Endoskop tionsfähig sind oder ein Teil mögli-
werden, um die Harnröhre, die Scheide und beseitigen die Engstelle.“ cherweise entfernt werden muss, benö-
und den Darm nicht zu verletzen. Ge- Doppelnieren – dabei handelt es sich tigen wir eine Diagnostik, die Form und
gen die häufig zu Grunde liegende Stoff- um eine geteilte Niere, deren beide Tei- Funktion miteinander verbindet“, erläu-
wechselstörung (Adreno Genitales Syn- le jeweils einen eigenen Harnleiter ha- tert Prof. Eckoldt. Mit dem Uro-MRT, ei-
drom) müssen die Mädchen lebenslang ben – sind in der Regel symptomlos und nem speziellen Magnetresonanztomo-
Medikamente einnehmen, ansonsten werden meist zufällig entdeckt. In vie- graphen, der durch die Kinderradiolo-
sind die inneren Geschlechtsorgane voll len Fällen funktionieren beide Nieren gen um Prof. Mentzel am Universitäts-
funktionsfähig. Bei den Jungen steigt gut, sodass kein Behandlungsbedarf klinikum Jena mit entwickelt wurde,
mit der Schwere der Fehlbildung hin- besteht, bei einem Teil der Betroffenen steht ein solches Gerät zur Verfügung.
gegen die Gefahr nicht korrigierbarer gibt es allerdings Probleme. „Kommt es „Wir können damit sehr genau erken-
sexueller Funktionsdefizite. zu Nierenfunktionsstörungen, müssen nen, wo sich die gut und wo sich die
wir wissen, welche der Teilnieren die weniger gut beziehungsweise nicht funk-
Patienten und Eltern werden Störung verursacht. Dies zu diagnosti- tionierenden Teile der Niere befinden
im Rooming-in betreut zieren, war bis vor kurzem gar nicht so und wie in den einzelnen Abschnitten
einfach. Im Ultraschall ist zwar die Form, der Harnabfluss funktioniert. Das“, so
„Angesichts der Komplexität der Eingrif- nicht aber die Funktion der Nieren zu Prof. Eckoldt, „ist für die weitere Be-
fe ist es sehr wichtig, dass sich die be- erkennen und bei der Szintigraphie ist handlung und die Entwicklung des Kin-
troffenen Eltern an Einrichtungen wen- es schwierig, die Funktion der Form zu- des sehr wichtig.“ mv
den, die bei Operationen im Urogeni-
talbereich möglichst große Erfahrungen
haben“, sagt Prof. Felicitas Eckoldt.
Während des ein- bis zweiwöchigen Kli-
nikaufenthaltes werden die Kinder mit
ihren Müttern beziehungsweise Vätern
im Rooming-in aufgenommen und in
der Jenaer Kinderchirurgie ausgezeich-
net betreut. Hier erfolgt auch die Nach-
sorge. „Wir sehen die Mädchen etwa vier
Wochen und ein Jahr nach der Operati-
on sowie kurz vor der Pubertät, die Jun-
gen etwas häufiger. Viele Eltern kom-
men aber auch zwischendurch mit ih-
ren Kindern in unsere Sprechstunde“,
sagt die Klinikdirektorin. „Die Funktions-
fähigkeit der Harnröhre analysieren wir
mit dem ‚Uroflow‘, einem Gerät, das die
Harnmenge in einer bestimmten Zeit-

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Diagnostik und Therapie

Arzneimittel in der Zahnmedizin


Thüringer Zahnärzte diskutierten Möglichkeiten und Risiken

Wird bei Patienten, die gerinnungs- Treten in der Schwangerschaft Zahn- fende Zahn betäubt.“ Die Zahnärzte
hemmende Medikamente (Antikoa- schmerzen auf, sollte man bei der Wahl kommen mit einer wesentlich geringe-
gulantien) benötigen, ein Zahn extra- des Schmerzmittels sehr genau Acht ren Menge des Lokalanästhetikums aus,
hiert, sind sich diese häufig unsicher: geben, um das ungeborene Kind nicht und auch für die Patienten ist diese Art
Muss das Medikament wegen der ver- zu gefährden. „Verzichten sollte man der Betäubung nebenwirkungsärmer
stärkten Blutungsgefahr abgesetzt auf Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäu- und angenehmer, betonte der Oberarzt
werden, und welche gesundheitlichen re, weil diese wegen ihrer gerinnungs- der Poliklinik für Zahnärztliche Prothe-
Risiken sind damit möglicherweise hemmenden Eigenschaften Blutungen tik und Werkstoffkunde.
verbunden? „Erfolgt nach der Extrak-
tion eine sachgerechte Wundver-
sorgung, ist es in der Regel nicht er-
forderlich, gerinnungshemmende Me-
dikamente abzusetzen. In den meis-
ten Fällen reicht ein Druckverband
aus, um die Blutung zu stillen. Gelingt
dies nicht, gibt es noch andere Mög-
lichkeiten der chirurgischen Versor-
gung der Extraktionswunden“, erläu-
terte PD Dr. Wilfried Reinhardt.

Die zahnärztliche Versorgung von Anti-


koagulantien-Patienten war eines der
Themen der Frühjahrstagung der Thü- PD Dr. Florenti-
ringer Gesellschaft für Zahn-, Mund- ne Jahn und PD
Dr. Wilfried Rein-
und Kieferheilkunde am 28. Mai in Jena. hardt
Unter dem gemeinsamen Vorsitz von PD Foto: Szabó
Dr. Reinhardt und PD Dr. Florentine Jahn
vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kie-
ferheilkunde (ZZMK) des Universitäts- auslösen und sogar den Fötus schädi- Diskutiert wurden während der Jenaer
klinikums Jena diskutierten etwa 280 gen können. Auch ältere Personen, die Tagung auch die Behandlung von Abs-
Teilnehmer über Arzneimittel in der Antirheumatika einnehmen, sollten zessen, die oft von Zähnen ausgehen.
Zahnmedizin. Begrüßt wurden sie vom Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure Hier kann man gezielt Antibiotika ein-
Geschäftsführenden Direktor des ZZMK, meiden, weil die Gefahr von Magen- setzen. Ebenso bei der Prophylaxe der
Prof. Dr. Harald Küpper, der darauf ver- geschwüren und -blutungen besteht“, Endokarditis, einer gefährlichen Herz-
wies, dass die Approbationsordnung für betonte PD Jahn. Eher empfohlen wird klappenentzündung, die bei zahnärztli-
Zahnärzte von 1955 unbedingt den Er- dagegen Paracetamol, das deutlich we- chen Eingriffen durch das Einschwem-
fordernissen unserer Zeit angepasst niger Nebenwirkungen hat, aber eben- men von Erregern in die Blutbahn ver-
werden müsse, damit in der Lehre auch falls zurückhaltend eingenommen wer- ursacht werden kann. „Mit Antibiotika
humanmedizinisch-pharmakologische den sollte, weil es vor allem für immun- behandelt werden auch verschiedene
Themen verstärkt vermittelt werden geschwächte Patienten und Menschen aggressive Formen der Parodontitis, ei-
könnten. Prof. Küpper hob hervor, dass mit eingeschränkter Leberfunktion mit ner bakteriell bedingten Entzündung
Anlass zu dieser Tagung das kürzlich er- erheblichen Nebenwirkungen bis hin des Zahnhalteapparates. Dabei handelt
schienene Buch „Klinische Pharmako- zum Leberversagen verbunden sein es sich allerdings nur um eine unter-
logie in der zahnärztlichen Praxis“ sei: kann. stützende Therapie, zusätzlich zur Ent-
„Zahlreiche Mitwirkende an dieser Pu- Seit einigen Jahren kommt bei schmerz- fernung weicher und harter Beläge, ein-
blikation sind in unserem Klinikum tätig haften Zahnbehandlungen – besonders schließlich Wurzelglättung. Um diese
und befanden sich unter den Referen- im Unterkiefer – zunehmend auch die hoch wirksamen Medikamente mög-
ten und der Zuhörerschaft. Ziel des Bu- intraligamentäre Lokalanästhesie zum lichst effizient einzusetzen und Resis-
ches ist es, pharmakologisches Wissen, Einsatz. „Dabei“, so PD Reinhardt, „wird tenzen keinen Vorschub zu leisten, soll-
abgestimmt auf die zahnärztliche Tätig- das Anästhetikum nicht an den Nerv, te man statt eines Breitbandantibioti-
keit, praxisnah zu vermitteln.“ Prof. Küp- sondern mit einer sehr feinen Kanüle in kums Antibiotika verwenden, die sich
per lobte die hervorragende Beteiligung den Parodontalspalt injiziert. Auf diese gezielt gegen den konkreten Erreger
an der Veranstaltung und dankte den Or- Weise wird nicht mehr die gesamte Kie- richten. Eine solche gezielte Therapie ist
ganisatoren für ihr Engagement. ferhälfte, sondern lediglich der betref- allerdings nur nach einer mikrobiologi-

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Diagnostik und Therapie

EHEC: Ministerin Taubert informierte sich am UKJ


Zu einem Kurzbesuch kam am 1. Juni nik. „Das Universitätsklinikum Jena
die Thüringer Ministerin für Soziales, und die anderen Krankenhäuser im
Familie und Gesundheit, Heike Tau- Freistaat sind gut vorbereitet“, sagte
bert, an das Universitätsklinikum Jena. Heike Taubert. Die Ministerin nutzte
Sie informierte sich über den Gesund- auch die Gelegenheit, zu Blutspenden
heitszustand der beiden an HUS er- aufzurufen: „Die EHEC-Infektionswel-
krankten Frauen, die am UKJ behan- le zeigt, wie wichtig Blutspenden für
delt wurden. die medizinische Versorgung sind.
Die 24-Jährige aus Eisenach und die Gut, dass so viele Menschen Blut spen-
42-Jährige aus Erfurt hatten als Kom- den. Lassen Sie nicht nach!“
plikation einer Durchfallerkrankung Insgesamt wurden bis Mitte Juni am
das Hämolytisch-urämische Syndrom UKJ drei HUS-Patientinnen behandelt,
(HUS) entwickelt und waren zur Be- zwei von ihnen konnten bereits zum
handlung nach Jena verlegt worden. Monatsbeginn wieder entlassen wer-
Allerdings konnte nur im Fall der 42- den. Im Zuge der steigenden Zahl von
jährigen Patientin eine Infektion mit Verdachtsfällen und EHEC-Infektionen
dem EHEC-Erreger zweifelsfrei als Ur- wurde am UKJ die Station 500 als Iso-
sache nachgewiesen werden. Beide lierbereich eingerichtet, um EHEC-Pa-
Frauen litten als Folge der schweren tienten gesondert unterbringen zu
Erkrankung an Blutarmut und Nieren- Gesundheitsministerin Heike Taubert besuch- können. Die Zahl der EHEC-Patienten
funktionsstörungen und wurden in te EHEC-Patientinnen am UKJ am UKJ bewegte sich aber zu jedem
Foto: Bachmann/TLZ
dem auf HUS spezialisierten Bereich Zeitpunkt auf niedrigem Niveau.
Nephrologie der Klinik für Innere Me- Umständen entsprechend gut gehe. Seit dem 20. Mai wurden zum Stand
dizin III behandelt. Die Gesundheitsministerin dankte den 24. Juni am UKJ 279 Verdachtsfälle
Ärztinnen und Ärzten, Schwestern und bekannt, in 5 Fällen wurde EHEC nach-
Nach einem kurzen Besuch am Kran- Pflegern für ihre professionelle Arbeit. gewiesen. Ende Juni konnte auch die
kenbett sagte die Gesundheitsministe- Laut Ministerin bestand trotz einer letzte HUS-Patientin das UKJ wieder
rin, dass es den beiden Frauen den ernsten Situation kein Grund zu Pa- verlassen. HR

schen Identifizierung der Keime mög- mäßig mit weichen Materialien unter- tätigkeit zu stimulieren. Hierzu eignet
lich“, erläuterte die Arzneimittelbeauf- füttert“, betonten die zahnärztlichen sich vor allem feste Kost und bei Patien-
tragte des ZZMK, PD Dr. Jahn, und ver- Prothetiker Jahn und Reinhardt. ten mit intakter Kaumuskulatur und ge-
wies auf die enge Zusammenarbeit von Während jüngere Menschen mitunter sunden Kiefergelenken auch zuckerfrei-
Mikrobiologen und Zahnmedizinern am über einen Speichelüberfluss klagen, er Kaugummi. Darüber hinaus gibt es
UKJ. leiden viele ältere und multimorbide Speichelersatzmittel, die allerdings nicht
Patienten an einer trockenen Mund- zur Demineralisierung der Zahnhartsub-
Die Behandlung mit Bisphosphonaten schleimhaut. „Das ist mit Schluckbe- stanz beitragen dürfen. Schließlich ist es
hilft vielen Osteoporose- und Tumor- schwerden und häufig auch mit erheb- wichtig, viel zu trinken. „Hier empfehlen
patienten. Sie ist jedoch mit verschie- lichen Schmerzen verbunden“, erläuter- wir vor allem Milch und ähnliche Flüs-
denen Nebenwirkungen verbunden und te PD Jahn. Blutdruckmittel, Psycho- sigkeiten, die länger an der Schleimhaut
kann zu Wundheilungsstörungen im pharmaka und Chemotherapeutika, haften bleiben. Auch das Abtupfen der
Mundbereich sowie zum Absterben von aber auch Medikamente gegen Auto- Mundschleimhaut mit Olivenöl hilft,
Knochengewebe im Kiefer führen. Die- immun- und rheumatische Erkrankun- diese zumindest zeitweilig geschmeidi-
se schmerzhaften Knochennekrosen gen, rufen manchmal eine solche Aus- ger zu machen“, empfahl PD Dr. Floren-
werden von den Mund-, Kiefer- und trocknung der Mundschleimhaut her- tine Jahn.
Gesichtschirurgen operativ versorgt. vor. Außerdem kann die Bestrahlung ei- Die hohen Teilnehmerzahlen dieser Ver-
Gefordert sind hier aber auch die Pro- nes Tumors im Mund-Kiefer-Gesichts- anstaltung verdeutlichen, dass für die
thetiker, weil Prothesendruckstellen bereich die Funktion der Speicheldrü- „Pharmakologie“ ein großes Interesse
ebenfalls Ausgangspunkte für Nekrosen sen einschränken. Ist noch eine Rest- innerhalb der Zahnärzteschaft besteht
sein können. „Um dies zu verhindern funktion einer Speichelsekretion vor- und weitere wissenschaftliche Fortbil-
bzw. zu minimieren, werden die Prothe- handen, kann man versuchen, den Spei- dungen zu der angesprochenen Thema-
sen speziell bei diesen Patienten regel- chelfluss durch eine verstärkte Muskel- tik sinnvoll erscheinen. mv

www.uniklinikum-jena.de 9
Diagnostik und Therapie

EHEC und HUS dank Blut- und


Pralinen an
Plasmaspenden überstanden
Herrn Müller
„Als die Bluttransfusion anfing, in mei- sehr selten ist, waren ausreichend Blut- Herr Müller war immer da! Er hatte
ne Adern zu fließen, habe ich förmlich produkte vorhanden. Das hat Anke J. be- fortwährend Schichtdienst und ver-
gespürt, wie das Leben zurückkommt.“ eindruckt. „Ich hätte ja auch keine zwei sorgte mich Tag und Nacht. Es wird
Für Anke J., die nach einer EHEC-Infek- Tage mehr warten können, bis neues Blut Zeit, mich bei ihm zu bedanken.
tion an HUS, dem gefährlichen Hämo- da ist“, so die erleichterte Patientin. Was bietet sich besser an, als meine
lytisch-urämischen Syndrom erkrankte, Die Erkrankung hat ihre roten Blutkör- Leidenschaft für Pralinen mit ihm zu
waren die verabreichten Blut- und Plas- perchen, die Blutplättchen sowie ihre teilen? Seine Gaben an mich waren
makonserven eine ganz besondere Me- Nieren angegriffen. Dabei hat sie durch mindestens ebenso herzlich, obgleich
dizin. „Ich bin mir sicher, die Transfusio- die toxinbedingte Zerstörung der Blut- vollkommen ohne Geschmack, aber
nen haben mein Leben gerettet“, sagt die körperchen viel ihres eigenen Blutes ver- mit umso größerem Nährwert. Kein
42-Jährige, die das Universitätsklinikum loren. Während die Transfusionen in ih- Gourmet hat mir je besser getan...
Jena nach 15 Tagen verlassen konnte. ren Kreislauf tropften, hat sie oft an die Herr Müller ist (m)ein Infusionsstän-
der und die guten Gaben waren Blut-
plasma, Blut, Infusionen. Nimmer-
müde besorgte Ärzte und Schwestern
hängten dies dem guten Kerl an, um
sie mir von hoher Warte tröpfchen-
weise als Lebenselixier zuzuführen. All
das: Geschenke namenloser Spender,
ohne die mein Gesunden eine Illusi-
on bliebe...
Es ist mir Herzenswunsch, zu danken!
Bei all den unbekannten Blutspendern
kann ich dies hiermit tun! Sie haben
lange schon an eine wie mich gedacht,
die ein Biss in was auch immer in ein
Schneewittchen verwandelte: Weiß
wie Schnee! Ihnen gebührt an erster
Stelle mein tiefster Dank! Zudem wer-
de ich beim künftigen Pralinenverzehr
augenzwinkernd und herzlich ihrer
Mit Pralinen und einer Sektflasche an ihrem Infusionsständer bedankte sich Anke J. bei gedenken! Ich habe dazu jetzt min-
Oberarzt Martin Busch, Schwester Claudia und Prof. Gunter Wolf (v. l.) Foto: Szabó
destens ein Lebensjahr Zeit, denn wie
In dieser Zeit hat die Erfurterin unter an- Spender gedacht. „Es hat mich regelrecht jedes Kind weiß, wird man ja genau
derem Erythrozytenkonzentrate und acht ergriffen, dass jemand das für mich ge- in der Nacht vor seinem Geburtstag
Einheiten Blutplasma erhalten, die durch tan hat“, beschreibt sie ihre Gefühle. „Ich ein Jahr älter. Mein Geburtstag fiel in
das Institut für Transfusionsmedizin be- kann nur allen danke sagen, die mit ei- diesem Jahr einem als komaähnlich
reitgestellt wurden. Ein kompletter Plas- ner Blut- oder Plasmaspende helfen, empfundenen EHEC-Schlaf- und
maaustausch war medizinisch nicht not- schwerkranken Menschen wie mir das Krankheitszustand zum Opfer. Heim-
wendig. Zeitweise sei sie sich wie ein Un- Leben zu retten“, betont sie. lich und ungefragt luden sie noch HUS
fallopfer vorgekommen, so viele Blutkon- ein, auch den kannte ich nicht...
serven hingen an ihrem Infusionsstän- „Es wird selten so deutlich, wie jetzt an- Nun, nichts, weder ein Schokoladen-
der, den sie „Herr Müller“ getauft hat. gesichts der EHEC-Infektionswelle, wie herz, ein Strauß Gartenrosen (am 20.
„Herrn Müller“ kann Anke J. nicht dan- wichtig Blutspenden für die Medizin Mai!!!), noch ein Kerzenlicht vermoch-
ken, aber den Ärzten und Pflegern der sind“, sagt Prof. Dr. Dagmar Barz, Direk- ten mich zu wecken. Der Geburtstag
Station 430 der Klinik für Innere Medizin torin des Instituts für Transfusionsmedi- fiel also aus: Ich bleibe ein weiteres
III, die sie durch die schwere Erkrankung zin. Täglich würden am Klinikum bis zu Jahr 41! Ein Pralinenjahr.
begleitet haben. „Ich hatte das Gefühl, 200 Blutkonserven benötigt, für Patien- Es wird ein besonders glückliches
hier wachen alle Tag und Nacht über mein ten wie Anke J. „Blut bleibt ein unersetz- werden, denn Kerzen- und Rosen-
Leben“, sagt die Sonderpädagogin. Be- liches Mittel, das wir nicht künstlich her- geber haben alles daran gesetzt, mich
sonders danken möchte sie aber vor al- stellen können“, so Barz. „Wir sind auf auch zukünftig in ihrer Nähe zu ha-
lem den anonymen Blut- und Plasma- Spender angewiesen, die 500 Milliliter ben, mehr noch: Mich heute in ihre
spendern, die sie als ihre Lebensretter ihres Blutes geben, um jemanden ande- Arme zu schließen. A. J.
sieht. Obwohl ihre Blutgruppe B positiv rem das Leben zu retten.“ HR

10 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Diagnostik und Therapie

„Jeder kann darauf angewiesen sein“


UKJ zeichnete 52 besonders engagierte Blutspender aus
Dass Blut und Blutprodukte für die
moderne Medizin unverzichtbar sind,
ist eine Binsenweisheit. Wie unmittel-
bar lebensrettend sie sind, hat uns die
EHEC-Epidemie vor Augen geführt.
Um all die schwer kranken Patienten
zu versorgen, erreichten die Bestän-
de zahlreicher Kliniken ihre Grenzen.

„Dass hier in vielen Fällen so wirkungs-


voll geholfen werden konnte, ist all de-
nen zu verdanken, die regelmäßig Blut
spenden. Einen solchen festen Spender-
stamm haben wir auch am Universitäts-
klinikum Jena, wo – in normalen Zeiten
– täglich bis zu 200 Blutkonserven be-
nötigt werden“, sagte die Direktorin des Die Blutspender „Gold“ haben mindestens 150 Mal gespendet Fotos: Szabó
Instituts für Transfusionsmedizin, Prof. Dr.
Dagmar Barz, während der Spendereh- bozytenkonzentrate sowie 16.000 Ein- sein“, betonte Prof. Barz während der Fei-
rung anlässlich des Weltblutspendeta- heiten Blutplasma benötigt. „Wir sind bei erstunde im Rittergut München bei Bad
ges am 14. Juni. „Dank dieser uneigen- den Thrombozyten und beim Blutplasma Berka, wo die 52 aktivsten Spender aus-
nützigen Hilfe sind wir in den operativen Selbstversorger, bei den Erythrozyten de- gezeichnet wurden, die am Jenaer Insti-
Bereichen, in der Transplantationsmedi- cken wir unseren Bedarf bisher allerdings tut 25, 50, 100 oder sogar 150 Mal Blut
zin und auf den Intensivstationen in der nur zu etwa 25 Prozent. Das zeigt: Wir oder Blutbestandteile spendeten.
Lage, zahlreichen akut Erkrankten und benötigen noch mehr Spender, die an- Ein Grillabend beschloss die Veranstal-
chronisch Kranken zu helfen.“ Allein im deren Menschen mit ihrem Blut helfen. tung, die mit Jazz von Peggy Klemm und
letzten Jahr wurden am Klinikum etwa Schließlich kann jeder von uns auf eine Band hervorragend musikalisch umrahmt
25.000 Erythrozyten- und 8.000 Throm- lebensrettende Blutspende angewiesen wurde. mv

„Die Blutspende war ein Teil meines Lebens“


Seit 1978 habe ich im Universitätsklini- den war eben ein Teil meines Lebens! aussprechen und ihnen weiterhin alles
kum Jena Blut gespendet. Zunächst Voll- Macht es mich doch sehr stolz und Gute und viel Gesundheit wünschen.
blut und hin und wieder auch einmal glücklich, dass ich in all den Jahren vie- Volker Lauterbach
Blutplasma. Ab 1990 habe ich dann ar- len kranken Menschen helfen konnte.
beitsbedingt eine Pause von einigen Jah- Natürlich ist das nur durch das vorbildli-
ren einlegen müssen. Anschließend habe che und fachlich kompetente Team der
ich Thrombozyten sowie einige Male Transfusionsmedizin unter der Leitung
Blutplasma gespendet – bis zum Dezem- von Frau Prof. Barz möglich gewesen.
ber 2010. Die nette, freundliche und einfühlsame
Durch die Altersgrenze von 68 Jahren ist Betreuung der Blutspender stand immer
das nun leider nicht mehr möglich. Ich an erster Stelle.
bin immer gesund gewesen, habe mich
gut gefühlt und viel Sport getrieben. Ich Vielleicht kann ich hiermit möglichst viele
hätte gern noch ein paar Jahre mein Blut gesunde Menschen davon überzeugen,
zur Verfügung gestellt; aber man muss einen kleinen Beitrag für eine großartige
loslassen können. Sache zu leisten. Die Patienten werden
Es ist mir schwer gefallen, zu gehen, zumal es danken.
Volker Lauterbach wurde nach 213 Spenden
ich es sehr gern getan habe. Ein biss- Ich möchte hiermit allen Ärzten und von Prof. Dagmar Barz und Dr. Thomas Loren-
chen Wehmut ist auch dabei – Blutspen- Schwestern mein herzliches Dankeschön zen als Spender verabschiedet

www.uniklinikum-jena.de 11
Jahresempfang

„Ärztemangel ist in Deutschland man hingegen die Zeit, die einem Arzt
für die Behandlung zur Verfügung steht,
liegt Deutschland weit hinten, weil der
vor allem ein Verteilungsproblem“ bürokratische Aufwand in den Praxen
und Kliniken besonders hoch ist.“

Mediziner und Zahnmediziner


mit höchsten Erfolgsquoten
„In jedem Jahr beenden in Deutsch-
land etwa 10.000 Studierende das Wandern deshalb so viele Absolventen
Medizinstudium. Das sollte ausreichen, in nichtärztliche Bereiche ab?, fragte Dr.
entstehende Lücken zu schließen. Doch Hildebrandt und gab eine überraschen-
angeblich wird der Ärztemangel immer de Antwort: „Allgemein wird von einem
größer. Wie kommt das?“, fragte der Schwund von etwa 40 Prozent ausge-
Generalsekretär des Medizinischen gangen. Doch das ist falsch und auf
Fakultätentages, Dr. Volker Hilde- Fehlinterpretationen der Statistiken zu-
brandt, beim Jahresempfang des UKJ rückzuführen, tatsächlich sind es nur
am 31. Mai und machte sich in sei- etwa 15 Prozent.“ Ohnehin sei die Zahl
nem Festvortrag über „Ärztemangel der Ärzte sowohl im ambulanten als
– Dichtung und Wahrheit“ Gedanken. auch im stationären Bereich in den letz-
ten 20 Jahren deutlich gestiegen. Re-
Fest steht, so Dr. Hildebrandt, dass duziert wurden das nicht-ärztliche und
Deutschland mit der Zahl seiner jährli- vor allem das Pflegepersonal. „Das führt
chen Medizin-Absolventen weltweit an dazu, dass Ärzte verstärkt arztfremde Tä-
zweiter Stelle liegt. Nur in den USA ist tigkeiten ausführen müssen, und auch
deren Zahl fast doppelt so hoch, dort das trägt zu einer zunehmenden Unzu-
leben allerdings auch fast viermal so Dr. Volker Hildebrandt hielt den Festvortrag friedenheit bei“, betonte Volker Hilde-
viele Menschen. Auch eine OECD-Stu- brandt, der auch die These, dass zu we-
die zeigt: In Deutschland werden im gen Schweiz wurde in Deutschland aus- nige Medizinstudenten das Studium er-
Verhältnis zur Einwohnerzahl etwa dop- gebildet. Denn die jungen Ärzte sind folgreich abschließen, in das Reich der
pelt so viele Ärzte ausgebildet wie in den mobil und gehen oft dorthin, wo sie die Dichtung verwies: „Medizin und Zahn-
meisten anderen Industriestaaten. besten Bedingungen vorfinden“, sagte medizin gehören zu den Studienrichtun-
Dr. Volker Hildebrandt. Das gilt auch für gen mit den höchsten Erfolgsquoten,
Zu wenig Zeit für die Patienten Deutschland. Während die hausärztliche und auch die Nachfrage nach Medizin-
Versorgung im Kreis Starnberg (Bayern) studienplätzen ist ungebrochen.“
Die Zahl der Ärzte pro 1000 Einwohner bei fast 150 Prozent liegt, beträgt sie im Doch wird die Zahl der Absolventen aus-
liegt ebenfalls im oberen Bereich. Nur Saalekreis (Sachsen-Anhalt) weniger als reichen, damit das deutsche Gesund-
Österreich, die Schweiz und Norwegen 70 Prozent. heitssystem auch 2020 noch funktio-
übertreffen hier Deutschland – Länder, Nicht zu bestreiten ist die berufliche Un- niert? „Um die altersbedingten Abgän-
die übrigens ebenfalls über einen Ärz- zufriedenheit vieler Ärzte. „Die Wochen- ge zu kompensieren, benötigen wir in
temangel klagen, und wo zahlreiche arbeitszeit deutscher Ärzte liegt euro- den kommenden zehn Jahren etwa
deutsche Ärzte tätig sind. „Jeder zweite paweit an der Spitze, ebenso die Zahl 70.000 neue Ärzte. Da in dieser Zeit rund
Krankenhausarzt in der deutschsprachi- der behandelten Patienten. Betrachtet 100.000 Mediziner ihr Studium been-
den und gleichzeitig etwa eben so viele
die Facharztweiterbildung abschließen
werden, sollte uns selbst unter der Maß-
gabe, dass Teilzeittätigkeiten zunehmen
werden, nicht bange sein. Der Ärzte-
mangel ist vor allem ein Verteilungs-
problem innerhalb Deutschlands. Des-
halb sind weder eine Erhöhung der Zahl
der Studienplätze, die Qualitätsproble-
me in der Ausbildung mit sich bringen
würde, noch eine Landarztquote oder
Ähnliches hilfreich. Entscheidend ist es,
die Bedingungen so zu gestalten, dass
mehr ärztlicher Nachwuchs in die un-
terversorgten Regionen kommt. Zudem
sollten die Ärzte von fachfremden Tä-
tigkeiten entlastet werden. Dann haben
Sehr gut besucht war der UKJ-Jahresempfang sie auch mehr Zeit für die Patienten.“ mv

12 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Jahresempfang

Herausforderungen gemeinsam meistern

„Das UKJ ist ein leistungsstarkes Klini- den Lehrkrankenhäusern und den Koo- lem durch Behandlungsqualität und
kum. Viele Bereiche haben sich auch perationspartnern in den anderen Thü- Patientenzufriedenheit geprägt sind –
2010 sehr positiv entwickelt, und die ringer Kliniken erreichen wird. Faktoren, die sich schwerer als wirt-
Erlöse sind deutlich gestiegen“, sagte „Wir müssen das UKJ als Marke positio- schaftliche Ergebnisse messen lassen,
Prof. Dr. Klaus Höffken während des nieren, und wir müssen es uns verdie- die aber dennoch längst fester Bestand-
Jahresempfangs und dankte den Mitar- nen, unter den Thüringer Kliniken die teil medizinischer Zertifizierungsprozes-
beitern für die engagierte Arbeit. Aller-
dings reicht dies nicht aus, um die noch
stärker gestiegenen Kosten zu decken.
„Wir konnten diese Differenz auffangen,
weil wir in der Vergangenheit gut ge-
wirtschaftet haben. Ein Modell für die
Zukunft ist das aber nicht.“
Das UKJ, so der Medizinische Vorstand,
muss den Weg der Leistungssteigerung
fortsetzen, dabei aber noch konsequen-
ter auf die Kosten, auf Effizienzsteige-
rungen und Prozessoptimierungen ach-
ten. „Das kann freilich nur gelingen,
wenn der Klinikumsneubau bald voll-
endet wird. Seit dem ersten Spatenstich
sind bereits zwei Jahre vergangen. Ich
rechne fest damit, dass wir noch in die-
sem Sommer gemeinsam mit unseren
Partnern in der Landesregierung zu ei-
nem Abschluss kommen und mit dem Der neue Vorstand des UKJ: Prof. Dr. Klaus Benndorf, Dr. Brunhilde Seidel-Kwem und Prof. Dr.
Bau beginnen“, betonte Prof. Höffken. Klaus Höffken (v. l.) Fotos: Szabó
Er verwies darauf, dass das UKJ etwa 80 erste Geige zu spielen und gleichzeitig se sind. „Gute Medizin für alle ist mög-
der rund 300 Millionen Euro Gesamt- einen vernehmbaren Ton im Orchester lich, Ökonomie und Medizin sind kein
kosten selbst aufbringen wird. Große der deutschen Unikliniken anzuschla- Widerspruch“, betonte Brunhilde Seidel-
Hoffnungen in die Vollendung des Neu- gen. Davon hängt unsere Zukunft ab.“ Kwem.
baus setzt auch Lobeda, betonte Orts- Überwunden werden muss das häufig
teilbürgermeister Volker Blumentritt Voll und ganz für Unternehmensziele noch bestehende „Sprachproblem“ zwi-
während des Jahresempfangs. engagieren schen den Berufsgruppen. „Auch wenn
Vor großen Herausforderungen stehen der gemeinsame Zeichenvorrat in den letz-
in den kommenden Jahren Lehre und Wirtschaftlichkeit und Qualität in der ten Jahren gewachsen ist, gibt es noch
Forschung. „Wir werden in Zeiten knap- Medizin - (k)ein Widerspruch?, fragte Dr. viel zu tun. Denn nur gemeinsam können
per Mittel nur bestehen, wenn wir auf Brunhilde Seidel-Kwem. „Wirtschaften wir ein leistungsfähiges und wirtschaft-
allen Gebieten höchste Leistungen voll- heißt Umgang mit begrenzten Mitteln. lich gesundes Unternehmen aufbauen,
bringen“, betonte Klaus Höffken mit Blick Das ist nicht neu, und da macht das das die Aufgaben in der Patientenver-
auf die Kürzung des Landeszuschusses Gesundheitswesen keine Ausnahme. sorgung erfüllt und seinen Mitarbeitern
um zwei Millionen Euro und die demo- Zur technisch-professionellen und hu- eine gute berufliche Perspektive bietet.“
graphische Entwicklung, die zu einem manen gehört auch im Krankenhaus Dr. Seidel-Kwem gab zu bedenken, dass
noch schärferen Wettbewerb um die längst die ökonomische Dimension. die wirtschaftlich positiven Ergebnisse
besten Köpfe führen wird. Denn auch Ärzte, Pflegekräfte und The- von heute schon morgen Schall und
Trotz aller ökonomischen Zwänge be- rapeuten wirtschaften!“ Rauch sein können, wenn die Qualität
kennt sich das UKJ zu seinen Werten. Effektiver Einsatz der Mittel ist das Ge- der Versorgung sinkt, Patienten und Zu-
„Die Umsetzung unseres Leitbildes wird bot der Stunde, doch das heißt nicht weiser das Vertrauen verlieren und sich
konsequent fortgeführt. Wir haben das Sparen um jeden Preis. „Ziel unserer Be- die Mitarbeiter nur noch ungenügend
Gesundheitsmanagement etabliert und mühungen muss es sein, den Mittelein- für die Unternehmensziele engagieren.
arbeiten weiter an einer noch besseren satz und das Handlungsergebnis in ein „Denn neben dem fachlichen Können
Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, möglichst gutes Verhältnis zu bringen“, sind die Identifikation mit der Einrich-
sagte Prof. Höffken und betonte, dass betonte der Kaufmännische Vorstand tung und der Stolz auf die Tätigkeit ent-
das UKJ seine Ziele nur gemeinsam mit des UKJ und verwies auf die Unterneh- scheidend für die Qualität und den Er-
den Kollegen in den Niederlassungen, mensziele, die im Krankenhaus vor al- folg unserer Arbeit.“ mv

www.uniklinikum-jena.de 13
Jahresempfang/Förderverein

Elf Promotionsstipendien vergeben


Während des UKJ-Jahresempfangs wurden Promoti-
onsstipendien an folgende Medizinstudierende ver-
geben: Nicole Bernstein (Klinik für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe und Klinik für Hals-, Nasen- und Oh-
renkrankheiten) Analytik Jena AG; Johanna Sterner (AG
Experimentelle Rheumatologie) AJZ Engineering
GmbH; Claire Gordziel (Institut für Biochemie II) IZKF;
Martin Hartkopf (Klinik für Anästhesiologie und Inten-
sivmedizin) IZKF; Viktor Hartung (Klinik für Neurolo-
gie) IZKF; Stephan Hause (Klinik für Innere Medizin III)
IZKF; Alina Karapetyan (Klinik für Frauenheilkunde und
Geburtshilfe) IZKF; Anna Kussmann (Klinik für Anäs-
thesiologie und Intensivmedizin) IZKF; Luise Theuß (In-
stitut für Humangenetik) IZKF; Philipp Tinschert (Insti-
tut für Diagnostische und Interventionelle Radiolo-
gie) IZKF; Isabell Woest (Klinik für Anästhesiologie und
Intensivmedizin) IZKF

Dekan Prof. Dr. Klaus Benndorf gratulierte den Stipendiaten


Foto: Szabó

Zusammenarbeit mit der Fachschaft


Erfolgreiche Vereinsarbeit Medizin erstmals ausgelobt wurde.
Dr. Hartmann dankte allen Spendern
PD Dr. Hartmann erneut zum Vorsitzenden und hob eine Großspende der Firma
AJZ-Engineering für das Projekt „Sozia-
des UKJ-Fördervereins gewählt le Wärme“ hervor, das im letzten Jahr
den Akzeptanz-Preis der Thüringer Spar-
kassenstiftung erhielt.
Am Ende waren alle zufrieden. Die Kin- monatlichen Treffen der Emeriti und vie- Im zweiten Teil der Jahresversammlung
der über den Sieg, und die Ärzte, dass les andere. Auch der Therapiehund in der diskutierten die anwesenden Vereinsmit-
ihre kleinen Patienten so viel Spaß hat- Klinik für Kinder- und Jugendpsychia- glieder die überarbeitete Satzung und
ten. Das Benefizfußballspiel der Ärzte der trie wurde erneut vom Verein finanziert. wählten einen neuen Vorstand, der auch
Kinderklinik gegen ihre Patienten, das Vergeben wurde auch in diesem Jahr der in den nächsten beiden Jahren von PD
gemeinsam vom Förderverein des UKJ Janus-Cornarius-Lehrpreis, der 2010 in Dr. Hartmann geführt wird. mv
und der Kinderkrebshilfe organisiert
wurde, gehörte zu den Höhepunkten der
Vereinsarbeit im Jahr 2010. „Wir wer-
den auch in diesem Sommer ein solches
Förderverein des Universitätsklinikums Jena e.V.
Vorsitzender: PD Dr. Michael Hartmann, Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Fußballspiel veranstalten“, sagte PD Dr. Tel.: 03641/9 32 54 01, Fax: 03641/9 32 54 02, E-Mail:foerderverein@uniklinikum-jena.de
Michael Hartmann während der Jahres-
versammlung am 31. Mai 2011. Ich/Wir möchte(n)
Erfolgreich haben sich auch im letzten Vereinsmitglied werden
Jahr die Abendvorlesungen entwickelt.
eine Spende in Höhe von € überweisen
„Die zehn Vorlesungen, deren Themen- (Zutreffendes bitte ankreuzen)
spektrum von der Schlüsselloch-OP bis
zu den Patientenrechten reichte, waren Name, Vorname, Titel:
sehr gut besucht“, freute sich Dr. Hart- Firma, Einrichtung, Verein:
mann und dankte dem Team der Ge-
Anschrift:
sundheitsUni Jena für die ausgezeich-
nete Zusammenarbeit.
Telefon: E-Mail:
Der UKJ-Förderverein, dem 144 Mitglie-
der angehören, unterstützte auch 2010 Datum: Unterschrift:
zahlreiche weitere Veranstaltungen: das
Alumni-Treffen, das Mitarbeiterfest, die

14 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Titel

Gemeinsamer Gesundheitstag war ein voller Erfolg

Ein breites und umfangreiches Ange- Life-Kinetik. Beim Slacklining beein-


bot lockte am 21. Mai viele Interes- druckte der Übungsleiter nicht nur mit
sierte zum zweiten Gesundheitstag in eigenen Kunststücken und Sprüngen
die USV-Sporthalle. Die diesjährige auf dem Band, sondern gab den jungen
Veranstaltung, eine Zusammenarbeit Sportbegeisterten auch viele Tipps, wie
der Friedrich-Schiller-Universität und man das Gleichgewicht und den eige-
des Universitätsklinikums Jena, um- nen Körper auf dem schmalen Spann-
fasste zahlreiche Vorträge, Work- gurt halten kann. „Gar nicht so einfach,
shops sowie ein umfangreiches Ge- aber mit viel Spaß verbunden“, wie die
sundheitsrahmenprogramm und sorg- meisten herausfanden.
te für noch mehr Besucher als zur Pre- Neben den unterschiedlichen Bildungs-
miere im vergangenen Jahr. und Ausstellungsangeboten bot ein
ideenreiches Showprogramm gleich
Auffällig war, dass sich in diesem Jahr mehrere Highlights: Zum Auftakt be-
ganz besonders jüngere Besucher für geisterte die Hochschulsportgruppe
das Thema Gesundheit interessierten. Ropeskipping mit einer energiegelade-
Egal ob Jung oder Alt, die kostenfreien nen Vorstellung. Am späten Vormittag
Ganzkörper-Checks verzeichneten un- diskutierten dann ausgewiesene Exper-
unterbrochenen Zulauf: Vom Sehtest ten aus Universität und Klinikum ge-
über die Körperstrukturanalyse bis zum meinsam mit externen Partnern aus Wirt- Dass gesundes Essen schmeckt, zeigte „Noll“-
Wie-Fit-Test der Techniker Krankenkas- schaft und Industrie im Podium die Fra- Chefkoch Andreas Jahn Fotos: Szabó
se. Für jeden Besucher war etwas dabei, ge „Mitarbeitergesundheit – Verantwor-
so auch für die Kleinsten. Sie erfreuten tung des Arbeitgebers!?“ Für kulinarisch gramm“, so FSU-Rektor Professor Klaus
sich bei schönstem Sonnenschein an Interessierte präsentierte sich der Chef- Dicke in seiner Begrüßungsrede. „Mit
Sinnesspielen, am Malen, Herstellen von koch „Zur Noll“, Andreas Jahn, mit sei- Sicherheit wird diese Premiere zwischen
Obstspießen und natürlich an der Hüpf- nem Schaukochen auf der Bühne mit UKJ und FSU der Auftakt für weitere Ver-
burg. Die Großen hingegen übten sich anschließender Verkostung. Dass gesun- anstaltungen in diesem Format sein“,
mit voller Konzentration am Jonglieren. des Essen gut schmecken kann, konn- war sich auch der Vorstandssprecher des
Manch einer konnte sogar „schon nach ten die Zuschauer hier live erfahren. UKJ, Professor Klaus Höffken, sicher.
wenigen Versuchen erfolgreich drei Bäl-
le in der Luft halten“, so ein Besucher „Wir danken allen Organisatoren für Dr. Andrea Altmann (FSU)
begeistert von der neuen Trendsportart dieses umfassende Gesundheitspro- Dr. Norbert Gittler-Hebestreit (UKJ)

Ropeskipping hieß früher Seilspringen, fit hält es noch immer. Testen konnte man die vielfältigen Möglichkeiten der Rettungsdienste. Auch
die jüngsten Besucher machten davon Gebrauch.

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Veranstaltungen

Eltern- und Babysitterschule der Kinderklinik


Mitarbeiterfest des UKJ

10. August und 13. September, 15.30-17.00 Uhr


Das Mitarbeiterfest des Universi- Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern, Teil 1
tätsklinikums Jena findet am Kursleitung: Angelika Völkner, Leiterin der Fachweiterbildung für Pädiatri-
10. September 2011 statt. sche Intensivpflege, bzw. Michael Iffland, Kinderkrankenpfleger für Pädiatri-
Alle Mitarbeiterinnen und Mitar- sche Intensivpflege
beiter sind herzlich eingeladen. 17. August und 27. September, 15.30-17.00 Uhr
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern, Teil 2
Nähere Informationen finden Sie Kursleitung: Angelika Völkner bzw. Michael Iffland
unter:
www.uniklinikum-jena.de 24. August, 15.30-17.00 Uhr
Säuglingspflegekurs
Kursleitung: Uta Mayer, Diplom-Medizinpädagogin

Informationsabende 31. August, 10.00-11.30 Uhr


für werdende Eltern Tipps zum Stillen und zur Babykost danach
Referentin: Simone Vogelsberger, Laktationsberaterin

Informationsabende für werdende 7. September, 15.30-17.00 Uhr


Eltern finden an jedem zweiten Babys gesunder Schlaf – Worauf ist zu achten?
Donnerstag im Monat 19 Uhr im Referentin: Melanie Reiss, Kinderkrankenschwester
Hörsaal und im Kreißsaal der Uni-
21. September, 15.30-17.00 Uhr
versitäts-Frauenklinik in der Bach-
Wie wir unsere Kinder von Anfang an stark machen
straße 18 statt.
Referentin: Susanne Hübler, Diplompsychologin
Nächste Termine:
28. Juli, 11. und 25. August, 8. und Die Veranstaltungen finden im Elternspeiseraum im Poliklinikgebäude der
22. September Klinik für Kinder- und Jugendmedizin statt.

Patientenveranstaltungen

Patientenseminar des
Interdisziplinären Brustzentrums

10. August
Möglichkeiten der Ergotherapie
bei Brustkrebs
Christine Scharloth
(Ergotherapeutin)

14. September
Welche Unterstützungsmöglich-
keiten gibt es für Angehörige?
Dipl.-Psych. Christina Brix
(Institut für Psychosoziale Medizin
und Psychotherapie)

Beginn jeweils 18 Uhr


im Beratungsraum des IBZ
Bachstraße 18

16 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Service

Cafeteria
In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums
werden täglich drei Menüs angeboten, darunter ein
vegetarisches. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag
12.00 bis 16.30 Uhr
Mittwoch bis Sonntag
17.00 bis 20.00 Uhr

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie
eine solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer
Station an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis
17 Uhr geöffnet, die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von
9 bis 11 Uhr. Außerdem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für
Psychiatrie sowie für Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Evangelische Klinikseelsorge: Katholische Seelsorge:
Pfarrerin Christine Alder Bächer, 0151 1710 1493 Pfarrer Norbert Winter
Pfarrer Heinz Bächer, 0151 1710 1492 (036421) 224 36 oder 0177 451 1927

Blutspende
Die Möglichkeit zur Blutspende besteht am Institut für Transfusionsmedizin im ehemaligen
Chirurgie-Gebäude in der Bachstraße 18.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis19 Uhr und Freitag 8 bis13 Uhr
sowie jeden zweiten und letzten Samstag im Monat 9 bis13 Uhr

Wichtige Ansprechpartner
Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern
Leiter Leiterin Geschäftsstelle
Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75 Empfang Lobeda: 932 08 50
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
E-Mail: E-Mail:
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

www.uniklinikum-jena.de 17
GesundheitsUni Jena

Hand in Hand gegen den Krebs erster Stelle, es folgen der Dickdarm-
und der Gebärmutterkörperkrebs. „Das
Prostatakarzinom kann heute in vielen
Im UniversitätsTumorCentrum Jena werden die Fällen gut operiert und auch geheilt
werden, weshalb daran vergleichsweise
Patienten im interdisziplinären Team versorgt wenige Männer versterben. Ganz anders
sieht das beim Lungenkrebs aus, wo die
Sterblichkeit nach wie vor außerordent-
lich hoch ist. Bei den Frauen ist sie sogar
Um Krebserkrankungen erfolgreich sammenarbeiten. Für die Behandlung deutlich angestiegen, Todesursache
zu behandeln, müssen zahlreiche von fünf Tumorarten wurden bzw. wer- Nummer Eins ist und bleibt hier aber der
„Zahnräder“ perfekt ineinander grei- den Einrichtungen des Universitätskli- Brustkrebs“, sagte Prof. Hochhaus.
fen: Der Radiologe und der Patholo- nikums Jena durch die Deutsche Krebs- In Deutschland erfolgt die Tumorbe-
ge erkennen und analysieren den Tu- gesellschaft zertifiziert. Damit existieren handlung auf der Basis von Leitlinien,
mor. Der Chirurg, der Internist, der die den aktuellen Kenntnisstand in der
Strahlentherapeut und der Fachon- Versorgung von Krebserkrankungen
kologe für spezifische Organsysteme widerspiegeln. „Sie dienen der Qualitäts-
entscheiden gemeinsam über die op- sicherung aber auch der Vermeidung
timale Therapie, der niedergelassene nicht erforderlicher oder überholter
Onkologe und der Hausarzt setzen die medizinischer Maßnahmen, die die Pa-
Betreuung im ambulanten Bereich tienten und die Budgets der Kassen un-
fort und die Angehörigen geben dem nötig belasten würden. Denn im Gegen-
Tumorpatienten den familiären Rück- satz zu vielen anderen Ländern werden
halt und zeigen ihm, dass er in dieser in Deutschland nach wie vor alle zuge-
schwierigen Lebenssituation nicht al- lassenen Krebstherapien auf Kassen-
lein ist. Im Bedarfsfall stehen spezia- kosten durchgeführt, entsprechend
lisierte Psychoonkologen unterstüt- sorgsam müssen wir mit den vorhande-
zend zur Verfügung. nen Mitteln umgehen“, sagte der Krebs-
experte und erläuterte die Anwendung
Denn wird ein Patient mit der Diagnose Prof. Andreas Hochhaus Foto: Schröder
der Leitlinien am Beispiel des Darmkreb-
Krebs konfrontiert, bricht für ihn häufig ses, wo durch den Einsatz zielgerichte-
eine Welt zusammen, und es entstehen am UKJ ein Brustzentrum, ein Gynäko- ter und individualisierter Therapien in
zahlreiche Fragen: Wie gehe ich mit die- logisches Krebszentrum, ein Darm- den letzten Jahren beachtliche Behand-
ser lebensbedrohlichen Krankheit um? krebs- und ein Hauttumorzentrum. In lungserfolge erzielt wurden.
Welche Behandlungsmethoden gibt es? Kürze wird ein Prostatakrebszentrum Auch die Diagnostik und Therapie zahl-
Wo soll ich mich behandeln lassen? folgen. „Fünf Organkrebszentren gibt es reicher weiterer Krebserkrankungen hat
„Krebspatienten benötigen eine Einrich- auch an Universitätsklinika nicht allzu in den letzten Jahrzehnten erhebliche
tung, die alle diese Fragen kompetent häufig. Dass dies in Jena so ist, zeugt Fortschritte gemacht. Neben neuen
beantwortet. Dies geschieht in Jena in vom hohen Niveau der Versorgung. Im Operationsmethoden sind vor allem die
der Onkologischen Eingangsambulanz Rahmen des Tumorzentrums führen wir Strahlen- und die Chemotherapie wei-
des UniversitätsTumorCentrums“, sagte wöchentlich acht Konferenzen für die ter verbessert worden, um die Tumor-
dessen Leiter, Prof. Dr. Andreas Hoch- verschiedenen Krebsarten durch. Das ist zellen immer präziser und nebenwir-
haus, während der Abendvorlesung der eine sehr enge und außerordentlich ef- kungsärmer zu attackieren. Beide wer-
GesundheitsUni Jena am 25. Mai 2011. fektive Zusammenarbeit“, betonte Prof. den sowohl neoadjuvant (um den Tu-
„Fachlich diskutiert werden die Krebs- Hochhaus, der auf die Einrichtung ei- mor vor der Operation zu verkleinern)
erkrankungen in einem Tumorboard, in ner onkologischen Tagesklinik mit 34 als auch adjuvant (um die Rückfallhäu-
dem alle beteiligten Disziplinen vertre- Behandlungsplätzen im zweiten Bauab- figkeit nach der Tumoroperation zu ver-
ten sind. Das ermöglicht eine ebenso schnitt des Klinikumsneubaus in Lobe- ringern) eingesetzt. Beim Brust- und
kompetente wie effiziente Versorgung da verwies, wo künftig Tumoren aller Prostatakrebs besteht außerdem die
unserer Patienten.“ Fachgebiete behandelt werden. „Damit Möglichkeit einer Hormontherapie. „In
werden sich auch die Möglichkeiten der den letzten Jahren wurde eine Vielzahl
Zertifizierte Organkrebszentren ambulanten Tumortherapie am Klinikum neuer Krebsmedikamente entwickelt,
garantieren hohes Versorgungsniveau weiter verbessern.“ die zielgerichtet in den Stoffwechsel des
Die Häufigkeit von neu erkannten bös- Tumors eingreifen und diesen sehr ef-
Etwa 30.000 der mehr als 270.000 Pa- artigen Tumoren liegt in Deutschland fektiv bekämpfen“, erläuterte Hochhaus.
tienten, die jährlich am UKJ behandelt bei etwa 420 pro 100.000 Einwohner
werden, sind Tumorpatienten. Diese im Jahr. Bei Männern ist das Prostata- Vorsorge statt „Vogel-Strauß-Politik“
kommen aus ganz Thüringen und auch karzinom die mit großem Abstand häu-
aus angrenzenden Bundesländern nach figste Krebserkrankung, gefolgt vom Gesammelt und ausgewertet werden die
Jena, wo Spezialisten für die verschie- Dickdarm- und vom Lungenkrebs. Bei umfangreichen Daten zu den verschie-
densten Krebserkrankungen eng zu- den Frauen steht der Brustkrebs klar an denen Krebserkrankungen in den sechs

18 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Diagnostik und Therapie

Thüringer Tumorzentren mit Jena als sen“, betonte der Leiter des Universi- nährung, viel Bewegung und der Ver-
Leitzentrum. „Mit der Führung des Kli- tätsTumorCentrums Jena. Teilnehmer an zicht auf Nikotin gehören. Unbedingt
nischen Krebsregisters haben wir die klinischen Studien haben zudem die wahrnehmen sollte man die verschie-
Möglichkeit, die Behandlungsqualität Möglichkeit, unter lückenloser medizi- denen Vorsorgeuntersuchungen. „Eine
der einzelnen Tumorarten, die Langzeit- nischer Kontrolle sehr frühzeitig von den ‚Vogel-Strauß-Politik‘ ist gerade bei
ergebnisse, die Rückfallhäufigkeit, die innovativsten Therapien zu profitieren. Krebs völlig unangebracht, denn jeder
Nebenwirkungen der Therapien und die Den Schutz der Patienten gewährleis- von uns kann an einem Tumor erkran-
Lebensqualität der Patienten in den ein- ten auch die Ethik-Kommissionen, die ken. Wird dieser in einem frühen Stadi-
zelnen Regionen zu vergleichen. Unser alle Studien genehmigen müssen. um erkannt, ist er häufig heilbar, kann
Ziel ist es, jedem Krebspatienten unab- Eindringlich verwies Prof. Hochhaus auf er ungehindert wachsen, verschlechtert
hängig von seinem Wohnort die best- die Notwendigkeit der Krebsprävention, sich die Prognose“, betonte der Jenaer
mögliche Therapie zukommen zu las- zu der unter anderem eine gesunde Er- Onkologe. mv

Krebskrankes Baby ohne Bluttransfusion operiert


Gefährlicher Lebertumor bei 16 Monate altem Mädchen am UKJ
ohne Fremdblutgabe entfernt

Mit einer ausgedehnten Operation ha- folgreich, der Tumor konnte vollstän- Prof. Settmacher ist spezialisiert auf
ben die Chirurgen des Universitätskli- dig entfernt werden. Sona, die inzwi- Operationen mit geringsten Blutverlus-
nikums Jena einen bösartigen Lebertu- schen nach Hause in die Nähe von Brno ten, das UKJ firmiert daher als eine Re-
mor bei einem Baby entfernt. Der Ein- zurückgekehrt ist, hat gute Chancen, ferenzklinik für die Glaubensgemein-
griff bei dem 16 Monate alten Mädchen
aus Tschechien erfolgte gänzlich ohne
Transfusion. Kinder- und Allgemeinchi-
rurgen standen dabei gemeinsam im
Operationssaal, um den vom Krebs zer-
störten Teil der Leber zu entfernen.

Das Kind gehört der Glaubensgemein-


schaft der Zeugen Jehovas an, die jegli-
che Fremdblutgaben ablehnen. Darauf
mussten sich die Ärzte bereits vor der
Operation einstellen. „Das erfordert von
uns Chirurgen ein sehr filigranes Arbei-
ten mit dem Ultraschallskalpell, das mit
einem Wasserschall schneidet“, erklärt
Prof. Felicitas Eckoldt, Direktorin der
Kinderchirurgie am Universitätsklinikum
Jena. Das Ziel dabei ist, die Blutungen
minimal zu halten. „Das heißt, Gefäße
müssen schnell erkannt und verschlos-
sen werden, was bei einem Baby natür-
lich noch höhere Ansprüche an unser
Können stellt als bei einem Erwachse- Prof. Utz Settmacher und Prof. Felicitas Eckoldt haben den Lebertumor der 16 Monate alten
nen“, so die Kinderchirurgin, die ge- Sona gänzlich ohne Transfusionen entfernen können Foto: Szabó
meinsam mit dem Leberexperten Prof. gesund zu werden. „Sie wird anschlie- schaft. Auf diesem Wege fand auch die
Utz Settmacher im Operationssaal stand. ßend eine Chemotherapie erhalten, und Familie aus Tschechien nach Jena. „Als
Im Falle der kleinen Sona aus Tschechi- wir sind sehr optimistisch, dann den Kinderchirurgen versuchen wir auch
en handelte es sich zudem um einen Krebs dauerhaft besiegt zu haben“, sagt immer, bei unseren Operationen mög-
großen Tumor in einer sehr kritischen, Prof. Settmacher, Direktor der UKJ-Kli- lichst ohne Transfusionen auszukom-
von vielen Blutgefäßen durchzogenen nik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäß- men“, ergänzt Professor Felicitas Eckoldt.
Körperregion. Die Operation verlief er- chirurgie. HR

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Diagnostik und Therapie

fert uns in nur eineinhalb Minuten die


Erst den Hafen erreichen... bildgebende Diagnostik des gesamten
Körpers. Das ist sehr wichtig, denn in
Polytrauma-Patienten werden am UKJ auf dieser Phase bedeutet ein Zeitverlust
von drei Minuten eine um ein Prozent
höchstem Niveau versorgt höhere Sterblichkeit.
In der dritten Phase hat eine weitere
wichtige Veränderung stattgefunden.
Wir sind vom Prinzip des „Early total
Jährlich werden in Deutschland allein 20 Minuten mit dem Rettungshub- care“, der frühzeitigen Komplettversor-
bei Verkehrsunfällen mehr als 350.000 schrauber zu erreichen sind. Damit ver- gung, zur „Damage control“, Schadens-
Menschen verletzt, etwa 60.000 schwer. kürzt sich die Zeit, einen Schwerverletz- begrenzung, übergegangen. Dieses
Viele dieser Patienten sind Mehrfach- ten von nahezu jedem beliebigen Ort Prinzip kommt aus der militärischen
verletzte. Um deren Leben zu retten, in ein Trauma-Zentrum zu transportie- Seefahrt und bedeutet: Ein schwer be-
müssen Rettungskräfte, Ärzte und ren, ganz erheblich. Diese Zentren der schädigtes Schiff muss zunächst erst
Pflegende ebenso professionell wie ef- Grund-, der gehobenen und der Maxi- einmal den Hafen erreichen. Erst dann
fektiv zusammenarbeiten. „Mit den malversorgung sind für eine erfolgrei- kann es vollständig instand gesetzt
werden.

Welche Vorteile hat das?


Früher wurden Polytrauma-Patienten
viele Stunden lang operiert. Am Ende
waren zwar alle Frakturen versorgt,
allerdings überlebten viele Patienten
diese langen Eingriffe nicht. Heute wis-
sen wir, dass man Schwerverletzte nur
in den ersten drei Stunden nach dem
Unfall ohne größeres Risiko operieren
kann. Bereits zwischen der dritten und
sechsten Stunde erhöht sich dieses
deutlich. Danach befindet sich der Pa-
tient in der höchsten Gefahrenzone.
Deshalb behandeln wir zunächst nur die
akut lebensbedrohlichen Verletzungen.
Der Patient wird dann auf der Intensiv-
station weiter stabilisiert. In den Tagen
2 bis 4 befindet er sich in der Phase der
Bei Polytrauma-Patienten werden zunächst nur die akut lebensbedrohlichen Verletzungen
versorgt, die übrigen werden zwischen dem fünften und zehnten Tag nach dem Unfall
Hyperinflammation. Hier wäre es zu ge-
operiert Fotos: Unfallchirurgie fährlich, die chirurgische Behandlung
fortzusetzen. Die restlichen Verletzun-
Trauma-Zentren und -Netzwerken che Behandlung von Polytrauma-Pati- gen werden deshalb erst zwischen dem
wurden dafür in Deutschland sehr enten unerlässlich. fünften und zehnten Tag operiert.
gute Strukturen geschaffen. Auch Außerordentlich wichtig für unsere Ar-
darüber haben wir während des Thü- Was geschieht nach dem Eintreffen beit ist das Trauma-Register, das von der
ringer Unfallchirurgisch-Orthopädi- des Patienten im Krankenhaus? Deutschen Gesellschaft für Unfallchi-
schen Symposiums am 21. Mai in Jena Er wird zunächst im Schockraum ver- rurgie seit etwa 20 Jahren geführt wird
diskutiert“, sagt der Direktor der Kli- sorgt. Mit einem in Halle und Jena ent- und inzwischen mehr als 30.000 Fälle
nik für Unfall-, Hand- und Wieder- wickelten Konzept ist es uns gelungen, umfasst. Die Daten dieses weltweit ein-
herstellungschirurgie des UKJ und der diese zweite Behandlungsphase deut- zigartigen Registers bilden die Basis für
Berufsgenossenschaftlichen Unfallkli- lich zu verkürzen. Früher wurden die die Versorgungsforschung an Schwer-
niken Bergmannstrost Halle, Prof. Dr. Schwerverletzten von einer Untersu- verletzten und die Arbeit der Trauma-
Dr. Gunther Hofmann. chungsstation zur nächsten transpor- Zentren und -Netzwerke in Deutschland.
tiert. Dieser „Polytrauma-Tourismus“
Deutschland gehört zu den Ländern, kostete viel Zeit und damit Überlebens- Wann ist ein Patient ein Polytrauma-
in denen Schwerverletzte am besten chancen. Patient?
versorgt werden. Woran liegt das? Das wird anhand einer international
Außerordentlich wichtig war der Auf- Wodurch lassen sich diese Transpor- gültigen Skala ermittelt. Diese teilt den
bau eines flächendeckenden Luftret- te vermeiden? Körper in die Bereiche Schädel, Thorax,
tungsnetzes, der 1970 begann. Heute Indem wir alle Untersuchungen an ei- Bauch, Wirbelsäule, Becken und Extre-
gibt es in Deutschland nur noch weni- nem Gerät, dem Mehrzeiler-CT, im mitäten ein und beurteilt die einzelnen
ge Regionen, die nicht innerhalb von Schockraum durchführen. Das MSCT lie- Verletzungen nach ihrem Schweregrad.

20 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Diagnostik und Therapie

und absolut professionell gehandelt


wird. Das gilt auch für die Klinik. Wir
müssen ständig zehn Mitarbeiter vor-
halten, um für den Fall der Fälle gerüs-
tet zu sein. Das kostet Geld, doch nur
wenn wir technisch optimal ausgerüs-
tet sind und hoch qualifizierte Mitarbei-
ter haben, können wir das erreichte Ni-
veau halten und weiter verbessern.

Auch die Zusammenarbeit zwischen


den Trauma-Zentren der verschiede-
nen Versorgungsstufen muss optimal
funktionieren. Wie gelingt das?
Durch regelmäßige Kontakte, Fallkon-
ferenzen und Fortbildungsveranstaltun-
gen, in die neben den Klinikärzten auch
die Rettungskräfte einbezogen werden.
Denn nur, wenn die Verletzungen der
Patienten bereits am Unfallort korrekt
eingeschätzt werden, kann man diese
schnellstmöglich in das geeignete Zen-
Der Einsatz des Mehrzeiler-CT macht den „Polytrauma-Tourismus“ überflüssig und verkürzt trum transportieren. Das ist sehr wich-
die bildgebende Diagnostik auf rund eineinhalb Minuten
tig, denn jede unnötige zusätzliche Ver-
legung kostet wertvolle Zeit und Über-
Die Skala reicht von 1 „geringgradig“ weil deren Stellen eingespart werden? lebenschancen.
bis 6 „fatal“. Die Grade der drei schwers- Wir können unsere Patienten nur dann
ten Verletzungen werden ins Quadrat auch weiterhin in dieser hohen Qualität Vielen Dank.
gesetzt und addiert. Liegt der Wert über versorgen, wenn in allen Phasen schnell (Das Gespräch führte Matthias Vöckler)
16, handelt es sich um ein Polytrauma.

Wie viele Polytraumata werden in


Jena und Halle behandelt?
Jährlich jeweils etwa 120 bis 130.

Wie gut ist deren Versorgung im deut-


schen Vergleich?
Wir liegen an der Spitze. Während die
Schockraum-Behandlung im Bundes-
durchschnitt 88 Minuten dauert, benö-
tigen wir lediglich 11 Minuten, die Über-
gabe an den OP bzw. die ITS erfolgt nach
98 und bei uns nach 38 Minuten. Wel-
che Konsequenzen das hat, zeigt die 24-
Stunden-Letalität. Sie beträgt im deut-
schen Durchschnitt 7 Prozent, in Jena
und Halle aber lediglich 4,1 Prozent, die
Gesamtsterblichkeit liegt bei bundesweit
14 Prozent und bei uns bei 11 Prozent.
Und das, obwohl der Schweregrad der
Verletzungen in Jena und Halle (43,5)
fast doppelt so hoch wie im Bundes-
durchschnitt (23,7) war.

Und international?
Das sind auch weltweit Spitzenwerte. Es
gibt allerdings Risiken. Denn was nüt-
zen uns die besten Rettungssysteme,
wenn den Rettungsdiensten, dem Tech-
nischen Hilfswerk und den Feuerweh-
ren die qualifizierten Mitarbeiter fehlen,

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Diagnostik und Therapie

Kollegen treffen Kollegen


Erster „Thüringer Tag der Allgemeinmedizin“ bot vielfältige
Möglichkeiten des fachlichen Austauschs und der Fortbildung

„Die Allgemeinmedizin ist das einzige


Fach, das ausschließlich die Medizin
außerhalb des Krankenhauses lehrt.
Das ist aber nur möglich, weil sich
zahlreiche Thüringer Hausärzte in der
studentischen Ausbildung engagie-
ren“, sagt der Direktor des Instituts
für Allgemeinmedizin am UKJ, Prof.
Dr. Jochen Gensichen. 23 der mehr als
240 Thüringer Lehrpraxen wurden
anlässlich des ersten „Thüringer Ta-
ges der Allgemeinmedizin“ am 21. Mai
in Jena ausgezeichnet. „Wir sind sehr
froh, dass so viele Kolleginnen und
Kollegen unsere Studierenden betreu-
en und damit ein praktisches Ver-
ständnis für die komplexen Erforder-
Die Hausärztin Dr. Annette Rommel aus Mechterstädt gehörte zu den 23 ausgezeichneten
nisse in der hausärztlichen Tätigkeit Lehrpraxen, die am ersten „Thüringer Tag der Allgemeinmedizin“ am UKJ ein Zertifikat für
vermitteln“, betont Prof. Gensichen. besondere Qualität in der Lehre erhielten Foto: UKJ

„Wissensbrücke: Kollegen treffen Kol- die medizinischen Fachangestellten in am UKJ mit der ‚Facharztweiterbildung
legen“, lautete das Thema des ersten unsere Veranstaltung aufgenommen. aus einem Guss‘ und der intensiven Be-
„Thüringer Tages der Allgemeinmedizin“. Ebenso einen Ganztageskurs zur Umset- gleitung durch das Institut funktioniert
„Mehr als 100 Ärztinnen, Ärzte und me- zung der neuen Reanimationsrichtlinien, sehr gut und motiviert junge Mediziner
dizinische Fachangestellte aus ganz Thü- der großes Interesse fand“, betont Prof. zunehmend, eine Weiterbildung in un-
ringen folgten unserer Einladung“, zeigt Gensichen. serem Fach am UKJ aufzunehmen“, freut
sich Prof. Gensichen zufrieden. Und die „Sehr gut angekommen ist die Arbeit in sich Prof. Gensichen und verweist auch
Zufriedenheit beruhte auf Gegenseitig- kleinen Gruppen. So wurden zahlreiche auf die im letzten Jahr durch die Kas-
keit, denn das thematisch breit gefä- Fachgespräche zwischen den Kollegen senärztliche Vereinigung, die Landes-
cherte Fortbildungsprogramm traf den und den Experten ermöglicht. Gefreut ärztekammer und die Thüringer Landes-
Nerv der Ärzte und Praxisteams. Das haben wir uns, dass auch Ärzte aus dem krankenhausgesellschaft mit Unterstüt-
Spektrum reichte von der Diabetesbe- UKJ anwesend waren“, sagt Jochen Gen- zung durch das Jenaer Institut gegrün-
handlung über die hausärztliche Phar- sichen. Denn das Universitätsklinikum, dete Koordinierungsstelle Allgemeinme-
makotherapie, die Behandlung der Bor- das machte der Medizinische Vorstand, dizin. „Sie soll die Weiterbildung in un-
reliose und die Palliativmedizin bis zur Prof. Dr. Klaus Höffken, in seinem Gruß- serem Fach unterstützen und helfen, die
kleinen Chirurgie für Hausärzte und wort deutlich, ist ein Glied in einer gan- hausärztliche Versorgung im Freistaat
Konsultationsgesprächen mit schwieri- zen Kette der ambulanten und statio- langfristig zu sichern.“
gen Patienten. nären Patientenversorgung: „Die Pati- Die Ärzte und Praxisteams, die aus ganz
„Hausärzte sind heute keine ‚Einzel- enten, die am Klinikum medizinisch ver- Thüringen nach Jena gekommen waren,
kämpfer‘ mehr. Sie arbeiten eng mit den sorgt werden, kommen von Kollegen sehen im „Thüringer Tag der Allgemein-
Kollegen der verschiedenen Fachrich- und werden von Kollegen weiterbehan- medizin“ ein interessantes Forum, das
tungen zusammen und können nur im delt, und deshalb ist es wichtig, die Kon- vielfältige Möglichkeiten des fachlichen
Praxisteam erfolgreich sein. Da ange- takte zu den ambulant und stationär Austauschs und der Fortbildung bietet.
sichts der demographischen Entwick- tätigen Ärzten zu pflegen und weiter „Und auch wir haben von den Prakti-
lung und des zunehmenden Hausärzte- auszubauen“, betonte Prof. Höffken. kern zahlreiche Anregungen für unsere
bedarfs die Patienten in den Praxen zahl- Arbeit erhalten“, sagt Prof. Gensichen.
reicher und die Aufgaben umfangrei- Das 2008 gegründete Institut ist in Leh- Da die meisten Thüringer Hausärzte in
cher werden, ist es zwingend erforder- re und Forschung sowie in der Weiter- Jena studiert haben, will ihnen das In-
lich, diese Zusammenarbeit sehr effizi- bildung zum Facharzt für Allgemeinme- stitut künftig ein akademisches Zuhau-
ent zu gestalten. Wir haben deshalb dizin engagiert. „Das in den letzten Jah- se sein – auch am 17. März 2012, wenn
auch Themen wie Wundversorgung, Se- ren entwickelte Programm zur Struktu- der zweite „Tag der Allgemeinmedizin“
niorenbegleitung oder Datenschutz für rierten Weiterbildung Allgemeinmedizin in Jena stattfinden wird. mv

22 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Diagnostik und Therapie

ner sowie den Ärzten und Psychologen


Mutter und Kind wohlauf des Gynäkologischen Krebszentrums
gefallen. Heute sind die Eltern über-
Trotz Tumor erfolgreiche Schwangerschaft glücklich, dass sie ein zweites gesun-
des Kind haben, und auch die Mutter
am Gynäkologischen Krebszentrum Jena hat die Krebserkrankung überstanden.
Hier und in vielen anderen Fällen zeigt
sich sehr deutlich, wie wichtig speziali-
sierte interdisziplinäre Tumorzentren für
Das Entsetzen war groß, als während es gelingen, das Tumorwachstum auf- eine optimale Betreuung der Patienten
einer Routineuntersuchung im Kran- zuhalten. „Wir erreichten dies durch sind“, betont Prof. Runnebaum und ver-
kenhaus der Stadt Stollberg im Erz- eine niedrig dosierte und für den Fötus weist darauf, dass im Tumorboard des
gebirge bei einer 33-jährigen Patien- unbedenkliche Chemotherapie, die der Gynäkologischen Krebszentrums jeder
tin ein etwa zwei Zentimeter großer Patientin in dreiwöchigen Abständen Einzelfall mit Experten aus fünf Fach-
Gebärmutterhalstumor festgestellt
wurde. Die junge Frau war in der 20.
Woche schwanger und wurde umge-
hend in das Gynäkologische Krebs-
zentrum des UniversitätsTumorCen-
trums Jena überwiesen.

„Bei unseren ersten Gesprächen war die


Patientin fest entschlossen, den Tumor
sofort vollständig beseitigen zu lassen,
und das hieß in diesem Fall: Radikale
Entfernung der Gebärmutter und damit
das Ende der Schwangerschaft“, sagt der
Direktor der Abteilung Frauenheilkun-
de und Leiter des Gynäkologischen
Krebszentrums des Universitätsklini- Mutter und Kind
kums Jena, Prof. Dr. Ingo Runnebaum. sind wohlauf, auch
Prof. Ingo Runne-
„Diese Reaktion war absolut verständ- baum freut sich
lich. Dennoch stellte sich uns die Frage: Foto: Szabó
Gibt es einen Weg, Mutter und Kind zu
retten?“
verabreicht wurde“, erläutert Prof. Run- disziplinen besprochen wird. „Das ist ein
Prof. Runnebaum beriet sich mit dem nebaum. erheblicher Aufwand, den die Ergebnis-
Leiter der Abteilung Geburtshilfe, Prof. In regelmäßigen Ultraschalluntersu- se unserer Arbeit aber rechtfertigen. Alle
Dr. Ekkehardt Schleußner, und dem chungen überzeugten sich die Ärzte beteiligten Disziplinen arbeiten ausge-
Leiter der Sektion Neonatologie/Pädia- vom weiteren Verlauf der Schwanger- zeichnet zusammen. Das ist in unserem
trische Intensivtherapie der Universi- schaft. „Dieser war lange Zeit unauf- Gynäkologischen Krebszentrum, das vor
täts-Kinderklinik, PD Dr. Axel Hübler. fällig, wegen eines Infekts der Mutter vier Jahren von der Europäischen Ge-
„Wir haben daraufhin mit der Patien- mussten wir die Schwangerschaft dann sellschaft ESGO akkreditiert wurde und
tin über die Möglichkeit gesprochen, aber doch drei Wochen früher als ge- seit einem Jahr von der Deutschen Krebs-
die Schwangerschaft trotz Krebser- plant beenden. Die Entbindung führ- gesellschaft zertifiziert ist, tägliche Pra-
krankung fortzusetzen. In diese Gesprä- ten wir nach 33 Schwangerschafts- xis.“ mv
che einbezogen war auch Anke Mat- wochen mittels Kaiserschnitt durch.
thes vom Institut für Medizinische Psy- Anschließend habe ich mit meinem
chologie und Psychotherapie, die an Team eine nervenerhaltende radikale
unserem Krebszentrum als Psycholo- Gebärmutterentfernung durchgeführt
gin tätig ist. Darüber hinaus standen
wir mit der behandelnden niedergelas-
sowie zusätzlich weitere Lymphknoten
entnommen. Auch diese waren tumor-
Anerkennung für
senen Gynäkologin und dem überwei-
senden Krankenhaus in engem Kon-
frei und der Tumor war im Gesunden
entfernt“, erläutert der Leiter des Gynä-
sanierte Psychiatrie
takt“, sagt Prof. Runnebaum. kologischen Krebszentrums das weite- Die in diesem Jahr nach der Grund-
Die pathologische Untersuchung der re Vorgehen. sanierung wieder eröffnete Klinik für
von Prof. Runnebaum mittels Bauch- Psychiatrie hat am 9. Juni 2011 bei
spiegelung entnommenen Lymphkno- Die Entscheidung, die Schwangerschaft der Verleihung des „architekturprei-
ten zeigte, dass diese tumorfrei waren. trotz Krebserkrankung fortzusetzen, war ses 2011“ als eines von sechs Objek-
Tumorzellen hatten den Tumor offen- nicht leicht und ist in zahlreichen Ge- ten eine Anerkennung erhalten.
bar noch nicht verlassen. Nun musste sprächen mit der Patientin, deren Part-

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Ausstellung

Aktueller denn je: Der Mensch und seine Mikroben


Wanderausstellung zur Infektionsforschung macht vom 30.7. bis
10.9. Station in Jena

Die Ausstellung „MenschMikrobe“ rich- gesellschaft – und von der Stiftung Tech- Jena bearbeitete Themen der Infektions-
tet sich an ein breites Publikum und nologie, Innovation und Forschung forschung in Postern und Vorträgen pu-
beantwortet mit zehn Themenstationen Thüringen sowie der Carl Zeiss Micro- blikumswirksam darstellt.
grundlegende Fragen – etwa nach der Imaging unterstützt.
Natur der Mikroorganismen und der Die Ausstellung wird von einem Rah- Weitere Informationen:
Funktion der Körperflora, nach den öko- menprogramm begleitet, das aktuelle in www.menschmikrobe.de

„MenschMikrobe - das Erbe Robert Kochs


und die moderne Infektionsforschung“
im Foyer am Uni-Campus Carl-Zeiss-Straße
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 9 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Führungen:
täglich um 10, 14 und 18 Uhr, Sonderführungen nach vorheriger Anmeldung
unter menschmikrobe@med.uni-jena.de
Öffentliche Vorträge:
jeweils donnerstags um 18 Uhr im Hörsaal 5
4. August
Klinische Mikrobiologie heute: Ist Robert Koch noch aktuell?
Prof. Dr. Eberhard Straube, Universitätsklinikum Jena, Institut für Medizini-
logischen und sozialen Entstehungs- sche Mikrobiologie
bedingungen von Epidemien, der Be- 11. August
deutung und den Grenzen der Antibio- Wie gefährlich sind Krankenhausinfektionen wirklich?
tikatherapie und den Möglichkeiten der Prof. Dr. Frank Martin Brunkhorst, Universitätsklinikum Jena, Paul-Martini-
Krankheitsverhütung. Forschergruppe Clinical Septomics
Durch umfassendes Informationsmate- 18. August
rial, das sich auch speziell an Schüler- Masernparty und Gelbfieberprophylaxe: Impfen als Training für das Immun-
gruppen wendet, und online reservier- system
bare kostenlose Führungen ist die Aus- Prof. Dr. James Beck, Universitätsklinikum Jena, Klinik für Kinder- und Jugend-
stellung zum einen eine Ergänzung zum medizin; Prof. Dr. Wolfgang Pfister, Universitätsklinikum Jena, Institut für Medi-
Fachunterricht, zum anderen weckt sie zinische Mikrobiologie (in Zusammenarbeit mit der GesundheitsUni Jena)
das Interesse an Zusammenhängen und 25. August
Methoden in den Lebenswissenschaf- Lungenkrankheiten – Volkskrankheiten
ten und der Medizin. Prof. Dr. Mathias Pletz, Universitätsklinikum Jena, Klinik für Innere Medizin II,
Sektion Klinische Infektiologie; Prof. Dr. Hortense Slevogt, ZIK SEPTOMICS,
„MenschMikrobe“ ist eine Ausstellung Forschergruppe Host Septomics, Universitätsklinikum Jena
der Deutschen Forschungsgemein- 1. September
schaft und des Robert Koch-Instituts. Gibt es das denn noch? Die Pest im 21. Jahrhundert
In Jena wird sie von Institutionen reali- PD Dr. Herbert Tomaso, Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut
siert, die auf dem Gebiet der Infektions- für Tiergesundheit (FLI), Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen Jena
forschung arbeiten – Friedrich-Schiller- 8. September
Universität, Universitätsklinikum Jena, In guten wie in schlechten Zeiten: Der Mensch und seine Mikroben
Zentrum für Innovationskompetenz Prof. Dr. Oliver Kurzai, ZIK SEPTOMICS, Forschergruppe Fungal Septomics,
„Septomics“, Hans-Knöll-Institut, Jena Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-
School of Microbial Communication, Institut
Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen, Der Eintritt in die Ausstellung, Führungen und Vorträge ist kostenfrei!
Friedrich-Loeffler-Institut und Sepsis-

24 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Personalia

Einzelnen Molekülen auf der Spur


Physikochemiker Michael Börsch zum Professor für Mikroskopie-
Methodik ernannt

Professor Michael Börsch leitet die in- Familienvater zunächst zwischen Jena
terdisziplinäre Arbeitsgruppe Mikrosko- und Stuttgart pendeln.
pie-Methodik an der Medizinischen Fa-
kultät. Der Physikochemiker entwickelt Mit seiner neuen Jenaer Arbeitsgruppe
optische und spektroskopische Metho- wird Michael Börsch Projekte umsetzen,
den zur Visualisierung der Dynamik ein- die die Wissenschaftler der Vision von
zelner Biomoleküle in der Zelle. der direkten Beobachtung und der Ma-
nipulation einzelner molekularer Maschi-
Es ist der Traum der Lebenswissenschaft- nen in der lebenden Zelle ein Stück nä-
ler: In die lebende Zelle hineinschauen; her bringen. Methoden der Einzel-
sehen, wie sich das einzelne Proteinmo- molekül-Analyse bilden daher auch die
lekül darin bewegt und seinen Weg ver- Schwerpunkte seiner interfakultären
folgen. Beobachten, wie Enzyme das Lehrveranstaltungen. „Jena bietet ein
Molekül umbauen oder zerlegen. Noch höchst interessantes und attraktives wis-
ist den Biologen und Medizinern dieser senschaftliches Umfeld“, betont Profes-
unmittelbare Zugang zu den elementa- Prof. Dr. Michael Börsch Foto: Szabó sor Börsch. Wichtige Partner sieht er in
ren Lebensprozessen verwehrt, aber ver- den Biophysikern, Elektrophysiologen
einzelt gelingt schon der Blick aufs Mo- Rotationsmotoren innerhalb einer ein- und Physikochemikern an der Universi-
lekül in Aktion. zelnen ATP-Synthase sowie die Inter- tät, in den Mitgliedern des Zentrums für
Für das ATP-Synthase genannte Enzym aktion einzelner Moleküle untersuchen Medizinische Optik und Photonik sowie
zum Beispiel, das den für alle Stoffwech- lassen.“ Da einzelne Projekte noch nicht in den forschenden Optik-Unternehmen
selprozesse zentralen Energieträger ATP abgeschlossen sind, wird der dreifache der Region. vdG
immer wieder auflädt wie ein Ladegerät
den Akku. „Durch schaltbare Fluores-
zenzfarbstoffe und extrem empfindli-
che und schnelle Fotosensoren können
wir die Aktivität des Enzyms lichtmikro-
skopisch sichtbar machen und im Zeit-
verlauf als Film erfassen“, so Michael
Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla
Börsch. „Daraus lässt sich die Lokalisie-
rung einzelner Enzymproteine auf 20 erhielt Sven-Effert-Preis
nm genau berechnen und als Bild dar-
stellen“, ergänzt der 47-jährige Physiko-
chemiker, der seit Mai die Professur für Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla, Direktor
Mikroskopie-Methodik am Universitäts- der Klinik für Innere Medizin I am UKJ,
klinikum Jena innehat. Für seine inter- ist mit dem Sven-Effert-Preis 2011 der
disziplinäre Arbeitsgruppe bevorzugt er Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
den programmatischen Namen „Single- – Herz- und Kreislaufforschung e.V.
Molecule Microscopy Group“. ausgezeichnet worden.

Nach seinem Chemiestudium in Frei- In seiner Laudatio würdigt das Kurato-


burg arbeitete Michael Börsch in seiner rium die klinisch-wissenschaftlichen
Promotion und als Post-Doc auf dem Arbeiten Professor Figullas, in denen er
Gebiet der Fluoreszenz-Spektroskopie sich „kontinuierlich über viele Jahre me-
in Mitochondrien und mit der ATP-Syn- dizintechnischen Entwicklungen in der
Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla Foto: Schröder
thase. Dann wechselte er an die Uni Interventionellen Kardiologie gewidmet
Stuttgart und baute am 3. Physikali- hat. Dies betrifft die Einführung von
schen Institut eine eigene Arbeitsgrup- Herzunterstützungssystemen in der Klappenprothesen.“ Der seit 2002 jähr-
pe auf, die zur Einzelmoleküldetektion Interventionellen Kardiologie, unter- lich vergebene Preis ist nach dem Pio-
forscht. „Unser Schwerpunkt lag hier schiedliche Devices zum Verschluss von nier der Ultraschalldiagnostik von Herz-
auf dem Förster-Resonanzenergietrans- Septumdefekten und die Entwicklung klappenfehlern benannt und mit 5.000
fer, mit Hilfe dessen sich die beiden neuartiger perkutan implantierbarer Euro dotiert. vdG

www.uniklinikum-jena.de 25
Forschung

8. Tag der Nachwuchswissenschaftler nur aufgrund der guten Kinderbetreu-


ung am Standort Jena“, betont die Preis-

Junge Forscherinnen geehrt trägerin. Den von der Carl Zeiss Micro-
Imaging GmbH gestifteten ersten Pos-
terpreis erhielt Stephanie Binas, die an

Mit Diana Schmerler, Stephanie Binas,


Susanne Kossatz und Stefanie Allert ge-
wannen vier Wissenschaftlerinnen aus
den klinisch-experimentellen Arbeits-
gruppen des UKJ den Nachwuchswis-
senschaftlerwettstreit im Forschungs-
zentrum Lobeda. 16 Mediziner, Biologen,
Biochemiker und Biotechnologen stell-
ten am 25. Mai ihre Forschungsergeb-
nisse in Vorträgen und auf Postern vor.
„Die jungen Wissenschaftler haben hier
die Möglichkeit, sich im Präsentieren zu
üben und finden darüber hinaus eine
Plattform für vielfältige Diskussionen
über die Grenzen von Arbeitsgruppen
und Fächern hinweg“, betont die Koor-
dinatorin des Forschungszentrums, Dr.
Katrin Hoffmann. Prof. Dr. Ralf Mrowka,
Die Preisträgerinnen des Nachwuchstages im Forschungszentrum Lobeda: Stefanie Allert,
Prof. Dr. Mathias Pletz und Dr. Joachim Susanne Kossatz, Diana Schmerler und Stephanie Binas (v. l.) Foto: Grau
Clement bewerteten als Jurymitglieder
die Beiträge und lobten vor allem die sierung von Sepsis-Markern vor und er- der Klinik für Innere Medizin I ihre Di-
hohe Qualität der vorgestellten Arbeiten hielt dafür den 1. Vortragspreis, der auch plomarbeit auf dem Gebiet der Stamm-
und das Engagement der Kandidaten. in diesem Jahr von der AJZ Engineering zellforschung anfertigt. Zweite Preise
Den besten Vortrag hielt Diana Schmer- GmbH Jena gestiftet wurde. Die 29-jäh- gingen an Susanne Kossatz und Stefanie
ler vom Institut für Klinische Chemie und rige Diplombiochemikerin und Mutter Allert. Die Ausrichtung des Nachwuchs-
Laboratoriumsdiagnostik. Sie stellte ein einer zweijährigen Tochter promoviert wettstreits unterstützten die Firmen
modernes massenspektrometrisches Ver- als Vollzeittätige in der Arbeitsgruppe Qiagen GmbH und BITHAHN Analytik
fahren zur Identifikation und Charakteri- Molekulare Diagnostik. „Möglich ist dies Technology. vdG

SkillsLab erhielt Janus-Cornarius-Lehrpreis 2011


Mit dem Janus-Cornarius-Lehrpreis gewinn, sondern auch die angenehme det die Jury aus Studierenden und
zeichnete die Fachschaft Medizin am Atmosphäre und gegenseitige Wert- Hochschullehrern ihre Entscheidung.
30. Juni im Rahmen des Sommerfes- schätzung wahrgenommen“, begrün- vdG
tes das Team des SkillsLab aus. In dem
im Wintersemester 2010 eröffneten
Übungszentrum trainieren Studieren-
de ärztliche Fertigkeiten.
Mit dem Preis würdigt die Jury das En-
gagement der Initiatoren und Koordi-
natoren, der ärztlichen und organisa-
torischen Leitung sowie der studenti-
schen Turoren für eine praxisorientierte
Medizinerausbildung. „Innerhalb kür-
zester Zeit hat sich das SkillsLab unter
den Studierenden einen hervorragen-
den Ruf erarbeitet, der sich auch in
den Evaluationen widerspiegelt. So
werden nicht nur der große Wissens-
Der Janus-Cornarius-Lehrpreis 2011 der
Fachschaft Medizin geht an das Team des
SkillsLab Foto: von der Gönna

26 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Lehre und Forschung

Personalstudenten bringen Stein ins Rollen

Im Rahmen eines semesterübergreifen-


den Personalprojektes beschäftigten
sich 12 Studentinnen und Studenten der
Fachhochschule Jena seit Oktober 2010
intensiv mit der Altersstruktur des Uni-
klinikums Jena.

Zu Beginn der Kooperation hat das ge-


samte Team gemeinsam mit der Perso-
nalabteilung die Altersstrukturen für alle
Kliniken grafisch dargestellt und nach
deren Verlauf in Gruppen eingeteilt.
Schnell wurde ersichtlich, dass in Zu-
kunft besonders die derzeit alterszen-
trierten Kliniken, wie beispielsweise die
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrank-
heiten und die Klinik für Innere Medizin
III von den älteren Mitarbeitern domi-
niert werden. Deshalb hat das Projekt-
team Szenarien entwickelt, die in naher
Die Projektteilnehmer während der Abschlusspräsentation Foto: Hellmann
Zukunft das Klinikum betreffen werden.
Dabei entstanden z. B. Prognosen über zess wurde den jeweiligen Stationsleitun- Durch Umsetzung dieser Konzepte könn-
die Bewerberzahlen auf Ausbildungs- gen zugeordnet, die als Bindeglied zwi- te das Uniklinikum die ersten Schritte in
plätze und Festanstellungen, Annahmen schen dem gesamten Klinikum und je- Richtung einer „gesunden“ Altersstruk-
über die klinikspezifischen Fluktuations- dem einzelnen Mitarbeiter aber auch zwi- tur gehen und somit auch die Motivati-
raten und natürlich auch Szenarien für schen den Mitarbeitern fungieren. on der Mitarbeiter weiter steigern. Wenn
den auftretenden Fachkräftemangel. Das bei den Mitarbeitern kritisch be- jetzt nicht gehandelt wird, dann sind
Im Folgenden hat das Team Handlungs- trachtete Thema der Job-Rotation be- manche Kliniken bereits im Jahr 2020
felder entworfen, die langfristig einer inhaltet, dass Mitarbeiter nach einem von einer so starken Überalterung be-
Überalterung des Klinikums entgegen bestimmten Rotationsplan verschiede- troffen, dass nur mit enormen finanziel-
wirken sollen. Dabei wurden unter an- ne Einsatzmöglichkeiten am Klinikum len und organisatorischen Mitteln eine
derem die Bereiche Personalbeschaf- durchlaufen. Die damit verbundene annähernd ausgewogene Altersstruktur
fung und -bindung genauer beleuch- Entwicklung soll einerseits die Motiva- hergestellt werden kann.
tet und Maßnahmen zur Zielerreichung tion steigern und andererseits auch ei-
festgelegt. nen auf der Entwicklung basierenden Julia Rehberg
Karrieresprung initiieren. Personalprojekt UKJ-FH Jena
Durch intensive Zusammenarbeit mit der
Personalabteilung und der Pflegedirek-
tion des UKJ gelang es den Studentin-
nen und Studenten am 8. Juni 2011 ihre
Ergebnisse der Fachhochschule und
UKJ-Mediziner ausgezeichnet
dem Klinikum zu präsentieren. Für ihren Vortrag „Prozedurenspezifi- in Medicine in Montreal wurde Fer-
Als Resultat wurden ca. zehn detaillier- scher Qualitätsvergleich der postope- dinand Schweser mit einem 1. Poster-
te Umsetzungskonzepte vorgestellt, die rativen Schmerztherapie“ erhielten San- preis in der Kategorie „Cancer Imaging“
sich intensiv mit der Reaktion auf den jay Aduckathil (Köln), Hans Gerbersha- ausgezeichnet. Die Jury hob beson-
demografischen Wandel beschäftigten. fen (Utrecht) und Winfried Meißner ders die Originalität, klare Darstellung
Im Rahmen der Personalbindung wur- vom UKJ den zweiten Vortragspreis auf und Relevanz der Ergebnisse seiner
den Umsetzungskonzepte zur Teambil- dem Deutschen Anästhesie Congress. Arbeit hervor, in der der Wissenschaft-
dung und Job-Rotation entwickelt. Im Rahmen des von der EU geförder- ler von der Arbeitsgruppe Medizini-
Der Kern der Teambildung soll in der ten QUIPS-Projekts stellten die Wissen- sche Physik die quantitative magne-
Identifikation mit dem Klinikum liegen. schaftler die Auswertung der Daten von tische Suszeptibilitätskartierung auf
Hierbei wird ein WIR-Gefühl vermittelt, 529 operativen Eingriffen vor. MR-Mammographiedaten mit dem Ziel
das alle Mitarbeiter des Pflege- und Auf der Jahrestagung der Internatio- anwandte, Kalzifikationen im Brust-
Funktionsdienstes zu einem Team ver- nal Society for Magnetic Resonance gewebe nachzuweisen. vdG
bindet. Eine Kernfunktion in diesem Pro-

www.uniklinikum-jena.de 27
Medizin und Ethik

Erfolgreiche „Inter-KEK“-Premiere
Klinisches Ethikkomitee aus Erlangen zu Gast am UKJ

Seit 2004 bietet das Klinische Ethik- gesprochen gut über uns und unsere Selbstverständlich konnten in der Kür-
Komitee (KEK) Fallberatung und Wei- Arbeit informiert hatten. Nach einer kur- ze der Zeit nicht alle Fragen bis ins letz-
terbildungsveranstaltungen zu medi- zen persönlichen Vorstellungsrunde te Detail ausdiskutiert werden. Zum Ab-
zinethischen Fragen am UKJ an. Be- stiegen wir in die Arbeit ein. Professor schluss dieses sehr anregenden und in-
reits mehrere Jahre ist das KEK auch Frewer stellte zunächst die Arbeitsfel- teressanten Nachmittags lud Professor
im Arbeitskreis Klinische Ethik-Bera- der und Struktur des Erlanger KEK vor. Frewer das Jenaer KEK zur Teilnahme an
tung der Akademie für Ethik vertre- Ausgestattet mit einer Professur für der 100. Sitzung des Erlanger KEK im
ten. Eine erste, über das Klinikum hi- Ethik in der Medizin am Institut für Ge- Juni nach Erlangen und zum nächsten
nausgehende Anerkennung dieser Ar- schichte und Ethik der Medizin, wird Erlanger Ethik-Tag im Herbst 2011 ein.
beit war im vergangenen Jahr die Ein-
ladung zur Mitarbeit in Form einer
Fallbesprechung für das Jahrbuch
„Ethik in der Klinik“, herausgegeben
von Mitgliedern des Klinischen Ethik-
Komitees des Universitätsklinikums
Erlangen.

Das positive Ergebnis dieser ersten Zu-


sammenarbeit veranlasste die Erlanger
Thüringer statt Nürn-
Kolleginnen und Kollegen, ein gemein- berger. Die Erlanger
sames Treffen beider KEKs in Jena vor- Gäste machten sich
zuschlagen. Für uns eine Gelegenheit, während des Stadt-
rundgangs auch mit
über den eigenen Tellerrand hinauszu- den kulinarischen Be-
schauen und mit einem anderen KEK, sonderheiten Jenas
das auf eine langjährige erfolgreiche vertraut
Foto: KEK
Arbeit verweisen kann, in den Erfah-
rungsaustausch zu treten.
Die Erlanger Delegation, die wir am 28. neben Lehre und Ethikberatung viel Professor Frewer betonte, dass wahr-
April am UKJ begrüßten, wurde vom mehr wissenschaftlich und öffentlich- scheinlich zum ersten Mal in Deutsch-
Vorsitzenden Prof. Dr. Dr. Rascher (Di- keitswirksam gearbeitet. So werden land Klinische Ethik-Komitees verschie-
rektor der Kinder und Jugendklinik) so- bspw. Bücherreihen herausgegeben, dener Einrichtungen gemeinsam getagt
wie Professor Dr. Dr. Frewer (Professor Ethik-Tage und ein Ethik-Café organi- und ethische Falldiskussionen geführt
für Ethik in der Medizin) geleitet. siert. Auch wenn wir das schon rein per- haben. Dieses „Inter-KEK“ war ein über-
sonell nicht leisten können, gab es doch aus gelungener Versuch, einen neuen
Eine Führung durch das Stadtzentrum verschiedene Anregungen und das An- Weg der Zusammenarbeit zu gehen. Er
mit seinen historischen Sehenswürdig- gebot, zu den Publikationen auch künf- sollte fortgesetzt und eventuell um an-
keiten stand am Anfang des Programms tig Beiträge beizusteuern. dere interessierte Ethik-Komitees erwei-
und endete mit einer XL-Rostbratwurst, tert werden, weil alle davon profitieren.
die die Gäste nicht nur wegen ihrer Grö- Den Hauptteil der gemeinsamen Sitzung
ße, sondern auch wegen ihres Ge- bestimmte die Diskussion verschiede- Wir bedanken uns bei unseren Gästen
schmacks beeindruckte, der dem Ver- ner konkreter Fallbeispiele, die die Kol- für ihr Interesse und ihre Offenheit so-
gleich mit den in Erlangen üblichen Nürn- legen aus Erlangen mitgebracht hatten. wie bei Professor Frewer für die Gestal-
berger Bratwürsten durchaus stand- Es wurde deutlich, dass vorhandene un- tung der gemeinsamen Sitzung. Be-
halten konnte. terschiedliche moralische Positionen zu sonderen Dank auch an den Vorstand
Am Nachmittag ging es ins Klinikum, wo Einzelfragen weniger zwischen den bei- unseres Klinikums, der die Besuche der
die Gäste in zwei Gruppen jeweils die den Komitees zu finden waren, sondern Stationen genehmigte und uns finanzi-
Palliativ- und die neurologische Inten- sich annährend gleichermaßen über die ell großzügig unterstütze, so dass wir
sivstation besuchten. Pünktlich um gesamte Gruppe verteilten. So gab es unsere Gäste auch entsprechend Thü-
15.30 Uhr begann die gemeinsame viele Ansatzpunkte zu sehr offen geführ- ringer Gastfreundschaft bewirten konn-
Kommissionssitzung, deren Moderati- ten Diskussionen, an denen sich alle ten.
on und Gestaltung Prof. Frewer über- beteiligten und die uns zeigten, dass wir
nahm. Sehr schnell zeigte sich, dass die in unserem Umgang mit ethisch schwie- Dr. Ulrike Skorsetz
Erlanger sich im Vorfeld im Internet aus- rigen Fällen ähnliche Ansätze verfolgen. Klinisches Ethik-Komitee

28 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Mosaik

Empfehlung aus der Patientenbibliothek

„Ein geschenkter Tag“ ist sicher nicht die dann noch die frisch geschiedene Lola Heiter, spritzig, aber auch poetisch und
anspruchsvollste Geschichte von Anna zusteigt, fliegen die Worte wie Pfeile. melancholisch erzählt Anna Gavalda von
Gavalda, die ja bereits mit ihrem ersten Enttäuscht stellen sie bei der Ankunft dieser überraschenden Landpartie, die
Erzählband „Ich wünsche mir, dass ir- fest, dass ihr jüngster Bruder Vincent den Geschwistern eine kurze Flucht aus
gendwo jemand auf mich wartet“ und nicht angereist ist. Der Gedanke an ein dem Alltag gewährt. Die vierundzwan-
dem Roman „Ich habe sie geliebt“ die zig Stunden, die sie gemeinsam verbrin-
französischen Bestsellerlisten erobert hat. gen, geben ihnen ein Stück Kindheits-
Trotzdem möchte ich Ihnen dieses gera- geschichte zurück, lassen sie in alten
de einmal 139 Seiten umfassende, klei- Träumen schwelgen, den Sonnenschein
ne Büchlein empfehlen, weil es einerseits genießen und einfach unbeschwert
richtig schönes, typisch französisches sein. Dabei beschreibt die Autorin die
Sommerflair inmitten üppig blühender Personen sehr genau und bildhaft, nicht
Landschaften und duftender Lavendel- zuletzt mittels schneller, witziger Dialo-
felder in der Provence ausstrahlt. Ande- ge, so dass man sich richtig in die Ge-
rerseits hat die Handlung – eine einfa- schichte hineinversetzt fühlt.
che Familiengeschichte – bei mir Erin- „Ein geschenkter Tag“ ist eine Art klei-
nerungen an die eigene Kindheit ausge- nes Sommermärchen, das sich leicht
löst. Nach der Lektüre wurde es inner- liest und als Urlaubslektüre zu empfeh-
halb meiner Familie weitergereicht, wo- len ist.
bei mir viele Wiedererkennungsmerk- Falls Sie sich in dieser schönsten Zeit
male in den einzelnen, sehr unterschied- des Jahres jedoch lieber in einen Krimi,
lichen Charakteren der handelnden Per- Gartenratgeber, Kunstband, Historien-
sonen rückgemeldet wurden. schmöker, in lustige Geschichten oder
Die Geschichte erzählt von drei Ge- förmliches, biederes Familienfest mit Hörbücher vertiefen möchten, dann be-
schwistern, die zu einer Hochzeit im den üblichen seichten Gesprächen lässt suchen Sie uns doch in unserer Patien-
Verwandtenkreis unterwegs sind. Bereits sie während des Kirchganges der übri- tenbibliothek und lassen sich von un-
im Auto prallen die Meinungen der le- gen Gäste die Flucht ergreifen und ih- seren Mitarbeiterinnen beraten.
benslustigen Garance und ihrer emp- ren jüngsten Bruder, der auf einem
findlichen Schwägerin aufeinander. Als Schloss in der Nähe arbeitet, besuchen. Gudrun Türk

Auflösung
„Kreuzwort-Puzzle“ auf Seite 30

„Hansisches“ auf Seite 31


1a, 2c, 3c, 4a, 5c, 6c, 7c, 8c, 9b, 10b

www.uniklinikum-jena.de 29
Mosaik

soren, denn „allein können wir die Kos-


Kissen, die von Herzen kommen ten dafür auf Dauer nicht tragen“, erklärt
Antje Töteberg, Leiterin der Begegnungs-
stätte. HR

Sie sind hell, freundlich und bunt, und


sie sollen Mut machen: Die Herzkissen
für die Frauen mit Brustkrebs. 60 dieser
Kissen durfte Brustschwester Kerstin Zell-
mann vom Brustzentrum am UKJ in Emp-
fang nehmen. Genäht und liebevoll ge-
füllt wurden die Kissen von der Bastel-
gruppe der Seniorenbegegnungsstätte
„Jahresringe“ in Jena und Schülern der
Klassen „Jobtransfer“ und „Regio“ der Je-
naer Euro-Schulen. Die herzförmigen
Kissen mit etwas längeren „Ohren“ sol-
len Frauen nach einer Operation Entlas-
tung bringen, indem Schmerzen in der
Achselhöhle im Sitzen oder Liegen vor-
gebeugt wird. Schwester Kerstin Zellmann (Mitte) freut sich über 60 „Herzkissen“ für die Brustkrebspatientinnen
am Brustzentrum des UKJ Foto: Szabó
Aber nicht nur durch ihre Form sollen Idee begeistert und haben sehr gern die Wer dabei helfen möchte, kann sich an
die Kissen helfen, sondern auch durch Bastelgruppe unterstützt und ebenfalls das Begegnungszentrum wenden oder
die guten Wünsche, die die Helferinnen Kissen genäht.“ eine Spende überweisen an die:
eingenäht haben und die den Patientin- Diese Begeisterung teilten auch die Frau-
Seniorenbegegnungsstätte
nen zeigen sollen, dass an sie gedacht en der Seniorenbastelgruppe, die das
„Jahresringe“ Jena
wird. „Ich hoffe, dass es den Frauen hilft“, Material für die als Spende an das Brust-
beschreibt Schülerin Christiane Rath ihre zentrum übergebenen Kissen stellten. Kontonummer: 23124, BLZ: 83053030
Motivation. „Wir alle waren total von der Dafür suchen die Frauen nun noch Spon- Sparkasse Jena, Stichwort „Herzkissen“

30 Klinikmagazin Ausgabe 3/2011


Rätselseite

4. Wie hieß das Londoner Hansekontor? 8.Welchen erfolgreichen Krieg der Han-
a Stalhof se beendete im Jahr 1474 der Frieden
Hansisches b Themsehof von Utrecht?
c Petershof a gegen Dänemark
5. Was war bis zum Ende des 14. Jh. der b gegen Schweden
1. Wann entwickelte sich aus den Ge-
wichtigste Schiffstyp der Hanse? c gegen England
meinschaften der Ost- und Nordsee-
händler die Kaufmannshanse? a Karavelle 9. Welche für die Hansekaufleute wich-
a um 1150 b Triere tige Ostseeinsel eroberten 1394 die
b um 1250 c Kogge Vitalienbrüder?
c um 1350 6. Wie viele Städte gehörten im 15./16. a Rügen
Jh. zur Hanse? b Gotland
2. In welchem Jahr fand der erste Han-
a ca. 50 c Bornholm
setag statt?
a 1145 b ca. 100 10. In welchem Jahr wurde die Freie
b 1216 c ca. 200 Reichsstadt Mühlhausen/Thüringen
c 1356 7. In welcher Stadt wurde Ende des 12. Mitglied der Hanse?
Jh. das wichtigste Hansekontor in a 1325
3. Wer war als Hanse-„Vorort“ die füh-
Osteuropa gegründet? b 1430
rende Hansestadt?
a Moskau c 1525
a Greifswald
b Wismar b Kiew
c Lübeck c Nowgorod (Auflösung S. 29 unten)

Who’s who?
Das Schicksal des heute Gesuchten ist Heft 97, Ausgabe 3/2011
eng mit der Geschichte der Hanse ver- Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
bunden. Um 1321 als Sohn König Chris- derverein des Universitätsklinikums Jena
tophs II. von Dänemark geboren, wurde Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
er 1340 zum König gewählt. Im ersten Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
Jahrzehnt seiner Herrschaft gelang es Helena Reinhardt, Stabsstelle Öffentlich-
keitsarbeit
ihm, die Königsmacht in weiten Teilen Dr. Uta von der Gönna, Öffentlichkeits-
Dänemarks zu festigen und die Kon- arbeit Medizinische Fakultät
trolle über die Kirche zu erlangen. PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der
1361 eroberte er die Hansestadt Visby Apotheke des Klinikums und Vorsitzender
des Fördervereins des UKJ
auf Gotland und entzog den Hansestäd- Stralsund, der den Höhepunkt der Macht Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik
ten wichtige Privilegien. Der nachfol- der Hanse im Ostseeraum darstellte und für Kinder- und Jugendmedizin
gende Erste Hansisch-Dänische Krieg dieser sogar ein Mitsprachrecht bei der Maria Lasch, Pflegedienstleiterin Klinik
für Innere Medizin, Klinik für Herz- und
endete mit einem Erfolg des Königs. dänischen Königswahl einräumte. Thoraxchirurgie
Der Zweite begann 1368 mit der Zer- Eine empfindliche Niederlage für den Gabriele Stoschek, Büro Medizinischer
störung Kopenhagens durch hansische Monarchen, der fünf Jahre später starb. Vorstand
Schiffe und endete 1370 im Frieden von (Einsendeschluss: 10. August 2011) Layout: Klinisches Medienzentrum
Satz: Matthias Vöckler
Ihre Lösung schicken Sie an die In Heft 96 suchten wir: Druck: Druckhaus Gera GmbH
Redaktionsschluss: 30. Juni 2011
Redaktion KLINIKMAGAZIN Krösus Dieses Heft wurde überwiegend aus Mit-
Bachstraße 18 teln des Fördervereins und Werbeeinnah-
07743 Jena Annett Hafermann aus Jena men finanziert und auf umweltfreund-
lichem Papier gedruckt.
oder an: voecklers@aol.com (Büchergutschein zu 40 €)
Redaktionsschluss nächste Ausgabe:
Unter den Einsendern mit der richtigen Walther Bollmann Mitte August 2011
Lösung verlosen wir unter Ausschluss des Danny Sänger Die Beiträge geben Meinungen der Auto-
Rechtsweges einen Büchergutschein im und Susanne Sodan ren wieder und müssen nicht mit der
Wert von 40 € und drei Büchergutschei- (Büchergutschein zu je 10 €) Ansicht der Redaktion übereinstimmen.
Die Veröffentlichung unverlangt einge-
ne im Wert von je 10 €, die von der Jenaer wurden als Gewinner gezogen. sandter Manuskripte liegt im Ermessen der
Universitätsbuchhandlung Thalia ge- Redaktion.
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch!

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