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Inhaltsverzeichnis

primo loco
Vorurteilsfreies Miteinander als Selbstverständlichkeit leben 3
Sprechstunde: Erkrankungen der Speiseröhre
Wenn das Schlucken Probleme macht… 4
Vorgestellt: HautTumorZentrum Jena
Prävention ist das A und O 6
Zu Besuch am UKJ
Feel like a medical student 8
Titel: Notfallmedizin
Noch schneller und effizienter 10
Fit sein mit Hartwig Gauder (12)
Fitness-Formel H20 11
Zu Gast am Klinikum
Von der Summer School zum CSCC 12
Patientenfürsprecherin
Für Sorgen und Probleme stets ein offenes Ohr 13
GesundheitsUni
Lebenssaft Blut 14
Veranstaltungen 16
Service 17
Diagnostik und Therapie
Via SATELIT Schlaganfalltherapie verbessern 18
Zentrum für Ambulante Medizin
Von der Spielaudiometrie bis zur Nasen-OP 19
Gesundheitsmanagement
Was kann ich für meine Gesundheit tun? 20
Kooperationsvertrag
Verbriefte Partnerschaft 21
Forschung
„Managing Self-Management“ erhält Forschungspreis der
Welthausärztevereinigung WONCA 21
Erster Schritt auf dem Weg zu neuem Grippemedikament 22
Kurzmeldungen 23
Beziehungsbarometer eichen 24
Fakultät fördert optische Untersuchungen von Membranprozessen 25
Vielseitige Nanopartikel gegen Krebs 26
Pflegedienst
Stolz auf das Erreichte 27
Absolventenverabschiedung
Ausgezeichneter Jahrgang 28
Mosaik
Empfehlungen aus der Kinderbibliothek 29
Fantasievolle Sicht der Welt 30
Rätselseite 30

Titelseite: „Christoph 70“ im Anflug auf das Universitätsklinikum Jena. Die in Schöngleina statio-
nierten Rettungsflieger wurden im letzten Jahr zu fast 1400 Einsätzen gerufen und haben dabei
zahlreiche Menschenleben gerettet Foto: Szabó

2 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


primo loco

Vorurteilsfreies Miteinander
als Selbstverständlichkeit leben
Die Ermittlungen zu Verbrechen einer Davon zeugt das Engagement der Stu-
aus Jena stammenden rechtsextremis- dierenden bei der Gründung eines Me-
tischen Gruppe, ein streitbarer Fernseh- dinetz, das medizinische Hilfe für Per-
beitrag in einem Kulturmagazin und die sonen ohne legalen Aufenthaltsstatus
gewaltige Medienresonanz darauf ha- in Thüringen anbieten will.
ben am Ende des vergangenen Jahres Davon zeugt die Auszeichnung einer
das Thema Toleranz und Weltoffenheit bulgarischen Medizinstudentin, die sich
schlagartig in den Mittelpunkt des In- als Mentorin für ihre Kommilitonen ein-
teresses der Gesellschaft gerückt. gesetzt hat. Oder der Welcome-Club
Jena, eine private, nichtkommerzielle
Ein Thema, das selbstverständlich auch Initiative unter dem Dach der Friedrich-
bei uns am Universitätsklinikum – mit Schiller-Universität Jena. Der Club be-
täglich etwa 1000 Patienten, Mitarbei- treut die Familien der ausländischen
tern aus 58 Nationen und über 100 Gastwissenschaftler in den Gästehäu-
ausländischen Studierenden – eine Rol- sern der Universität.
le spielt. In kurzer Zeit unterzeichne-
ten zusammen mit dem Vorstand des Zeugnisse gegen kleingeistige Be-
Klinikums Hunderte Mitarbeiter, Pati- schränktheit, für Weltoffenheit und
enten und Besucher die Jenaer Erklä- Toleranz. Schön, aber nicht genug.
rung gegen Rechtsextremismus. „Wir wurden sehr gut aufgenommen“,
Doch wichtiger noch als ein solches beschreiben zwei Doktoranden des Uni-
Bekenntnis ist es, Weltoffenheit und klinikums, die aus Kamerun kommen,
Toleranz im Alltag zu leben, gegen jeg- ihren Start in Jena und in den Arbeits-
liche Diskriminierung und Form von gruppen. Doch einer muss auch von
Extremismus vorzugehen. einer negativen Erfahrung berichten,
Foto: Kasper
nicht bei uns im Klinikum, aber in Jena.
Wir tun das.
Davon zeugen die vielen multinationa- Es gibt viele Situationen in unserem Assistenzarzt sehr gut versorgt wird,
len Arbeitsgruppen, Kollegien und Se- Alltag, in denen wir unmittelbar oder oder wenn der junge Schulabbrecher
minargruppen, in denen ausländische mittelbar gegen Vorurteile und Intole- im Freiwilligendienst bei uns Orientie-
Studenten, Doktoranden, Wissenschaft- ranz wirken können: Wenn zum Bei- rung erhält und erfahren kann, welchen
ler und junge Ärzte bei uns lernen und spiel der erst pöbelnde Fußballfan in der Wert das Engagement für Hilfebedürf-
arbeiten. Notaufnahme von einem ausländischen tige und Schwächere hat.

Lassen Sie uns diese Situationen be-


wusst nutzen, gegen Vorurteile und
Abwehrhaltungen vorzugehen. Für Dis-
kriminierung ist am UKJ kein Platz.
„Wir sehen den ganzen Menschen, ge-
hen wertschätzend und aufmerksam
miteinander um, orientieren uns an der
Maxime Gleichheit und Gerechtigkeit“,
heißt es im Leitbild des UKJ.
Gerade haben wir eine nächste Phase
der Weiterentwicklung des Leitbildes
begonnen – die Toleranz und der vor-
urteilsfreie Umgang miteinander sind
uns dabei ein besonders wichtiges An-
liegen. Ziel ist es, dies als Selbstver-
ständlichkeit zu leben.

Prof. Dr. Klaus Höffken


Foto: Schröder
Dr. Uta von der Gönna

www.uniklinikum-jena.de 3
Sprechstunde: Erkrankungen der Speiseröhre

Wenn das Schlucken Probleme macht…

Die menschliche Speiseröhre (Ösopha- läutert der Oberarzt der Klinik für All- der Bevölkerung betrifft“, sagt Dr.
gus) ist ein Hohlorgan aus Muskeln gemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Scheuerlein. „Dabei kommt es zum Rück-
und Schleimhaut und beim Erwach- Ursächlich kann die Erkrankung bisher fluss von Verdauungssäften aus dem
senen etwa 25 bis 30 Zentimeter lang. nicht behandelt werden. Es ist allerdings Magen in die Speiseröhre. Dieser Rück-
„Den Verschluss zum Rachen und zum möglich, die Symptome weitgehend zu fluss, Reflux, verursacht Reizungen und
Magen bilden der obere und untere beseitigen. „Die Gastroenterologen kön- Schmerzen und kann vor allem im un-
Ösophagussphinkter. Diese ‚Schließ- nen den verengten Mageneingang mit teren Teil der Speiseröhre zu Entzündun-
gen führen.“ Die Refluxerkrankung wird
bereits seit Mitte der 1950er Jahre stan-
dardisiert operiert, heute zunehmend
minimal-invasiv. Seit über zwei Jahr-
zehnten stehen mit den so genannten
Protonenpumpeninhibitoren (PPI) au-
ßerdem Medikamente zur Verfügung,
die die Säurebildung effektiv hemmen.
„Bei Patienten mit einem sehr starken
Rückfluss, die teilweise zusätzlich unter
einem refluxbedingten Asthma leiden
oder bei Patienten, die diese Medika-
mente nicht einnehmen können oder
wollen, ist in vielen Fällen die Operati-
on eine sinnvolle Therapiealternative.
Dabei ersetzt eine aus dem oberen Teil
des Magens gebildete Manschette die
Funktion des unteren Ösophagussphink-
ters und verhindert das Zurücklaufen des
Oberarzt Dr. Hubert Scheuerlein im Patientengespräch Foto: Szabó Magensaftes. Durch diese so genannte
muskeln’ verhindern, dass Luft in die einem Ballon aufdehnen oder die Sphink- Fundoplicatio wird ein Ventilmechanis-
Speiseröhre gelangt oder der saure teröffnung mit einer Botulinumtoxin- mus nachgebildet.“
Magensaft zurück in die Speiseröhre Injektion erzielen. Führt dies nicht zu Eine Besonderheit der Refluxkrankheit
bzw. den Rachen läuft. Ein komple- dauerhaftem Erfolg, können wir den ist, dass etwa jeder zehnte Betroffene
xes System, das einen koordinierten muskulären Anteil des unteren Ösopha- einen so genannten Barrett-Ösophagus
Schluckvorgang ermöglicht und so gut gussphinkters im Rahmen einer meist entwickelt. „Bei diesen Patienten wird
funktioniert, dass man – theoretisch minimal-invasiven Operation aufspalten. das Plattenepithel der Speiseröhre durch
– im Kopfstand essen kann“, sagt Dr. Aktuelle Studienanalysen haben erge- ein Zylinderepithel ersetzt. Daraus“, so
Hubert Scheuerlein. ben, dass dies sogar die effektivste Be- Oberarzt Scheuerlein, „kann sich ein
handlungsmethode ist.“ Adenokarzinom entwickeln.“ Um dies
Mitunter treten allerdings Funktionsstö- Schluckstörungen oder das Aufstoßen rechtzeitig zu erkennen, müssen die Be-
rungen oder bösartige Erkrankungen und Hochwürgen unverdauter Nahrung troffenen endoskopisch überwacht und
auf, an deren Diagnostik und Therapie können durch Wandausstülpungen der regelmäßig biopsiert werden. „Lange Zeit
am Universitätsklinikum Jena die Inter- Speiseröhre (Divertikel) hervorgerufen glaubte man, mit der Reflux-Operation
disziplinäre Endoskopie, die Gastroente- werden. Vor allem ältere Patienten sind die Entstehung des Adenokarzinoms ver-
rologie, die Allgemein-, Viszeral- und davon betroffen. Die mit Abstand häu- hindern zu können. Eine große aktuelle
Gefäßchirurgie, die Strahlentherapie so- figste Form ist das so genannte Zenker- Studie aus Skandinavien zeigt allerdings,
wie die Internistische Onkologie betei- Divertikel, das am Ösophaguseingang dass dies nicht der Fall zu sein scheint“,
ligt sind. gelegen ist und entweder mit einem betont Hubert Scheuerlein.
„Eine dieser Funktionsstörungen ist die endoskopischen Eingriff oder in einer
Achalasie. Darunter versteht man im All- offenen Operation beseitigt werden Ösophaguskarzinome werden meist
gemeinen die Unfähigkeit des unteren kann. erst spät entdeckt
Schließmuskels, sich für den Durchtritt
des Speisebreis ausreichend zu öffnen. Bei Patienten mit starkem Reflux ist Das Adenokarzinom der Speiseröhre
Es handelt sich pathophysiologisch ge- häufig eine Operation erforderlich weist zurzeit die höchste Zuwachsrate
sehen aber um eine komplexe Störung, aller bösartigen Tumoren auf. Es entsteht
bei der häufig die Beweglichkeit der Weit verbreitet ist die Refluxerkrankung, im unteren Drittel des Ösophagus im
Speiseröhre insgesamt gestört ist“, er- „eine Volkskrankheit, die fast 10 Prozent Übergang zum Magen. Betroffen sind bis

4 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Sprechstunde: Erkrankungen der Speiseröhre

zu zehn Prozent der Patienten mit ei- ve Interventionen (z. B. Beseitigung ei- Gutartige Tumoren der Speiseröhre
nem Barrett-Ösophagus, darunter auch ner Engstelle durch Lasertherapie oder sind sehr selten. Diese so genannten
viele jüngere. Die übrigen Ösophagus- Stentverfahren) haben in den letzten Leiomyome treten in der Muskel-
karzinome, dabei handelt es sich über- Jahren an Stellenwert gewonnen. schicht auf und können ebenfalls zu
wiegend um Plattenepithelkarzinome, Tumor-Operationen des Ösophagus sind erheblichen Schluckstörungen führen.
treten auch im oberen und mittleren in aller Regel so genannte Zwei-Höh- Sie werden möglichst minimal-inva-
Drittel der Speiseröhre auf. Bei der Ent- len-Eingriffe, die vor allem ältere und siv im Sinne einer Ausschälung behan-
stehung dieser Karzinome, an denen vor vorerkrankte Patienten stark belasten, delt.
allem Menschen ab dem siebenten Le- weil dabei sowohl die Brust- als auch
bensjahrzehnt erkranken, spielt häufig die Bauchhöhle eröffnet werden muss. Varizen können lebensgefährlich sein
auch ein langjähriger Alkohol- und Ni- „Für diese Patienten ist deshalb ein mi-
kotinabusus eine wichtige Rolle. Weil nimal-invasives Vorgehen vorteilhaft, die Außerordentlich gefährlich für die Be-
Frühsymptome fehlen und die Schluck- Methode ist aber noch nicht flächen- troffenen können Ösophagusvarizen,

Karzinom der Speiseröhre (l.), Netzplastik bei


großer Zwerchfell-Lücke und Fundoplicatio (M.)
sowie Magenschlauch zur Rekonstruktion des
Speiseweges (r.) Abb.: AVC

störung als Leitsymptom oftmals erst in deckend verbreitet. Üblicherweise wird Krampfadern der Speiseröhre, werden,
einem fortgeschrittenen Stadium auf- die Bauchhöhle in herkömmlicher Wei- die vor allem bei fortgeschrittener Le-
tritt, werden die Krebserkrankungen der se eröffnet und zur Brusthöhle ein mi- berzirrhose auftreten. Infolge der schwe-
Speiseröhre häufig sehr spät entdeckt. nimal-invasiver Zugang geschaffen. ren Lebererkrankung entsteht ein Blut-
Die Prognose ist stadienabhängig. Sind Durch das sehr viel kleinere Zugangs- hochdruck in der Pfortader, der Vene
nur die oberen Schleimhautschichten trauma werden weniger postoperative zwischen Darm und Leber. Das führt zum
betroffen und die Lymphknoten tumor- Schmerzen und Atemprobleme verur- Rückstau des Blutes und zur Ausbildung
frei (T1N0), liegt die 5-Jahres-Überle- sacht“, erklärt Dr. Scheuerlein. von Varizen in der Speiseröhre und im
bensrate bei über 90 Prozent. Ist der Muss die Speiseröhre infolge einer Magen. „Wenn diese Varizen, die sehr
Tumor bereits tief in die Schichten der Krebserkrankung entfernt werden, sind groß werden können, stark bluten, ent-
Speiseröhre eingedrungen und sind auch auch die zugehörigen Lymphknoten in steht eine lebensbedrohliche Situation.
die Lymphknoten betroffen, ist die Pro- der Brust- und Bauchhöhle zu resezie- Zumeist“, so Dr. Scheuerlein, „gelingt es,
gnose deutlich ungünstiger. ren. „Die klassische Ersatzmethode der die akute Blutung endoskopisch, bspw.
Die Karzinome der Speiseröhre werden Speiseröhre ist der Schlauchmagen, der mittels Gummibandligatur oder Fibrin-
heute überwiegend multimodal versorgt. etwa 25 bis 30 Zentimeter durch die klebereinspritzung, zu stoppen.“ Der
„Das Adenokarzinom wird in Abhängig- Brusthöhle nach oben geführt und im Pfortaderhochdruck kann durch die An-
keit vom Stadium zunehmend neoadju- Thorax mit dem verbliebenen Rest der lage von Bypässen oder ein Katheter-
vant therapiert, das heißt die Tumorope- Speiseröhre verbunden wird. Mit Teilen verfahren (so genannter TIPS, Transju-
ration ist in ein Vor- und gegebenenfalls des Dickdarms (so genanntes Kolon- gulärer Intrahepatischer Portosystemi-
auch Nachbehandlungskonzept mittels interponat) oder durch ein freies Dünn- scher Shunt) behandelt werden. Dabei
Chemo- oder Radiochemotherapie ein- darminterponat kann ebenfalls ein Spei- werden die Pfortader und das allgemei-
gebunden. Für Patienten mit einem Plat- seröhrenersatz geschaffen werden. Alle ne venöse System kurzgeschlossen. Al-
tenepithelkarzinom ist ab einem be- drei Rekonstruktionsmöglichkeiten“, so lerdings entfällt damit auch ein Teil der
stimmten Stadium grundsätzlich die Oberarzt Scheuerlein, „finden an unse- Entgiftungsfunktion der Leber, was zu
neoadjuvante Radiochemotherapie eta- rer Klinik Anwendung.“ Der Direktor der Bewusstseinstörungen und sogar zum
bliert. Die Patienten profitieren dann Klinik, Professor Dr. Utz Settmacher, ist Leberkoma führen kann. „Die Ursachen
häufig zusätzlich von der Operation oder auf dem Gebiet der onkologischen Spei- werden durch all diese Maßnahmen
die Befunde werden durch die Vorbe- seröhrenchirurgie einschließlich der spe- nicht beseitigt. Die einzige kausale The-
handlung überhaupt erst resektabel“, zifischen Rekonstruktionsmethoden be- rapie ist die Lebertransplantation“, be-
erläutert Dr. Scheuerlein. Auch palliati- sonders ausgewiesen. tont Dr. Scheuerlein. mv

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Vorgestellt: HautTumorZentrum Jena

Prävention ist das A und O


Die meisten Hautkrebserkrankungen sind auf chronische
UV-Lichtexpositionen zurückzuführen

Hautkrebserkrankungen gehörten
noch in der Mitte des letzten Jahr-
hunderts zu den selteneren Krebs-
erkrankungen. Seither hat sich deren
Zahl deutlich erhöht, und das hat vor
allem mit einem veränderten Freizeit-
verhalten zu tun. Die ausgedehnten,
vielfach ungeschützten Sonnenbäder
vor allem der 1960er bis 80er Jahre
und die künstliche Bräunung im So-
larium fordern ihren Tribut. „Beson-
ders die Zahl der Patienten mit Ba-
salzell- und Plattenepithelkarzino-
men, die unmittelbar auf eine chro-
nische UV-Lichtexposition zurückzu-
führen sind, hat sich vervielfacht“,
sagt Dr. Steven Goetze, Oberarzt an
der Universitäts-Hautklinik und Ko-
ordinator des HautTumorZentrums
Jena. Oberarzt Dr. Steven Goetze ist Koordinator des HautTumorZentrums Jena Foto: Hellmann

An dem 2009 zertifizierten Krebszen- metastasierten Hauttumoren in den situ) bis Clark V, wo das Melanom be-
trum werden jährlich Hunderte Patien- Tumorboards der Chirurgie, der Neuro- reits tief in das Fettgewebe eingedrun-
ten mit Hauttumoren behandelt. chirurgie und der Hals-Nasen-Ohren- gen ist. Entsprechend unterschiedlich,
„Die meisten Melanome, Basalzell- und heilkunde“, sagt Oberarzt Goetze. so Oberarzt Goetze, ist die Prognose.
Plattenepithelkarzinome sowie andere,
seltenere Hautkrebsarten werden an Tumordicke und Eindringtiefe „Sonnenterrassen“ sind
unserem HautTumorZentrum operativ sind entscheidend besonders gefährdet
entfernt und die Patienten häufig noch
jahrelang nachbetreut. Hauttumoren Die gefährlichste Hautkrebsart ist das Wesentlich häufiger als Melanompati-
können allerdings nicht nur auf der Maligne Melanom, das in verschiede- enten werden am HautTumorZentrum
Haut entstehen. Das Maligne Melanom nen Unterarten vorkommt. Die häufigs- Patienten mit „weißem Hautkrebs“ be-
bildet sich auch auf der Mund- oder ten sind das oberflächlich spreitende handelt: dem Basalzell- und dem Plat-
Nasenschleimhaut, dem Darm, dem und das noduläre (knotige) Melanom. tenepithelkarzinom sowie dessen Vor-
Magen oder dem Auge. Diese Patien- Mit bloßem Auge kaum zu erkennen, stufen, den so genannten aktinischen
ten werden nicht von uns, sondern von ist das nicht-pigmentierte amelano- Keratosen. Bei letzteren handelt es sich
den zuständigen Fachkollegen operiert. tische Melanom. Unauffindbar bleiben um raue, rötliche Stellen, die sich an
Gleiches gilt für Lungen-, Leber-, Hirn- die so genannten okkulten Melanome. den „Sonnenterrassen“ des menschli-
und andere Hautkrebsmetastasen. Nach „Wir entdecken lediglich deren Metas- chen Körpers: Stirn, Jochbein, Nase, Un-
der Operation werden die Patienten im tasen, deshalb können wir den Primär- terlippe, Ohren, Nacken und Rücken bil-
HautTumorZentrum weiter betreut“, er- tumor auch nicht bekämpfen.“ den können. Das Basalzell- ist wie das
läutert Dr. Goetze. Ausschlaggebend für die Stadieneintei- Plattenepithelkarzinom eigentlich eine
Hauptkooperationspartner der Jenaer lung von Melanomen sind die Tumor- Krebserkrankung des älteren Menschen,
Hautkrebsexperten sind die Abdomi- dicke sowie die Eindringtiefe in die weil auch dessen Entstehung in einem
nal-, die Thorax- und die Neurochirur- Hautschichten. Das geschieht für die engen Zusammenhang mit der UV-
gen, die Internistischen Onkologen so- Tumordicke nach dem Breslow-Index Strahlung steht. Allerdings gibt es auch
wie die Strahlentherapeuten. Außerdem und für die Eindringtiefe nach dem Jüngere, die ein solches Karzinom ent-
arbeiten sie mit zahlreichen weiteren Clark-Level, das die unterschiedliche wickeln. „Diese Patienten leiden an ei-
Fachrichtungen zusammen. „Die enge Hautdicke in verschiedenen Körper- ner seltenen genetischen Erkrankung,
interdisziplinäre Zusammenarbeit wi- regionen (bspw. am Rücken oder am dem Basalzellnaevussyndrom. Sie wer-
derspiegelt sich auch in der Vorstellung Augenlid) berücksichtigt. Die Spann- den ebenso wie die Patienten mit ei-
von jährlich mehr als 100 Patienten mit weite reicht von Clark I (Melanoma in nem Malignen Melanom oder einem

6 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Vorgestellt: HautTumorZentrum Jena

Malignes Melanom, Basalzell- und Plattenepithelkarzinom (v. l.) Fotos: HautTumorZentrum

Plattenepithelkarzinom in der Nachsor- Hochwirksam, aber voran. Entsprechend schlecht ist dann
gesprechstunde unseres HautTumor- keine Wundermittel die Prognose der betroffenen Patienten.“
Zentrums weiter betreut. Fast 90 Pro-
zent der dort Behandelten sind aller- Nach der vollständigen operativen Ent- Dunkle Kleidung schützt
dings Melanompatienten. Die Patienten fernung werden Maligne Melanome mit besser als helle
mit dem weniger aggressiven und nur einer Eindringtiefe von mehr als 1,5 Mil-
selten metastasierenden Basalzellkar- limetern mit einer Interferon-alpha-Im- Sonnenlicht ist für den Körper und die
zinom betreuen wir in unserer Polikli- muntherapie behandelt. Damit sollen Psyche des Menschen außerordentlich
nik oder gemeinsam mit den niederge- nach der Operation im Körper verblie- wichtig. Es ist unter anderem für die
lassenen Kollegen. Das gilt auch für sehr bene Tumorzellen bekämpft und das Ri- Bildung von Vitamin D erforderlich, das
früh erkannte Maligne Melanome im siko der Bildung von Metastasen verrin- den Kalziumhaushalt reguliert und
Stadium 1a“, erläutert der Koordinator gert werden. Ist dies bereits geschehen, maßgeblich an der Mineralisation des
des HautTumorZentrums. können die Metastasen operativ entfernt Knochens beteiligt ist. Außerdem hellt
oder mittels Strahlen- bzw. Chemothe- es unsere Stimmung spürbar auf. „Den-
Melanomentstehung hat auch rapien bekämpft werden. Eine Heilung noch sollte man die Sonne, wenn mög-
genetische Ursachen ist durch diese Therapien allerdings nur lich, an heißen Sommertagen zwischen
in sehr seltenen Fällen möglich. 11 und 15 Uhr meiden. Das gilt vor al-
Allgemein gilt eine chronische UV- Neue Studien belegen, dass der Einsatz lem für Kinder, deren Haut sehr emp-
Lichtexposition als wichtigste Ursache von Antikörpern das Überleben beim findlich ist. Ganz besonders wichtig“,
für Hautkrebserkrankungen. „Das ist metastasierten Malignen Melanom ver- so Oberarzt Goetze, „ist ein angemes-
beim ‚weißen Hautkrebs‘ zweifellos der längern kann. „Der Antikörper Ipili- sener textiler Sonnenschutz. Das be-
Fall. Beim Malignen Melanom ist das mumab ist in Deutschland bisher nur ginnt mit der Mütze, die auch die Oh-
nicht so eindeutig. Zwar spielen auch zugelassen, wenn eine Vortherapie ren schützen sollte, weshalb ein Son-
hier Sonnenbrände in der Kindheit so- nicht erfolgreich war. Sein Einsatz nenhut mit Krempe einem Basecap vor-
wie häufige Besuche in Solarien eine macht allerdings nur Sinn, wenn die zuziehen ist. Wenig bekannt ist, dass
Rolle, ganz offensichtlich gibt es aber Tumorlast nicht zu hoch ist, weil sich dunkle Kleidung besser vor einem Son-
auch andere, vor allem genetische Ur- der Tumor und die Metastasen unmit- nenbrand schützt als helle. Wichtig ist
sachen. Denn Melanome entstehen telbar nach Therapiebeginn erst einmal aber nicht nur die Farbe. Die Kleidung
auch im Körper, und da scheidet die vergrößern. Außerdem“, so Oberarzt sollte möglichst dicht gewebt sein, da
Sonne als Ursache definitiv aus. Auch Goetze, „ist die Behandlung mit erheb- weite Maschen keinen effektiven Son-
Bauarbeiter, die im Sommer häufig mit lichen Nebenwirkungen verbunden.“ nenschutz bieten. Auch diese Stoffe
freiem Oberkörper arbeiten, Menschen, Neu sind auch die so genannten BRAF- können sehr leicht sein. Kinder sollten
die in der Landwirtschaft tätig sind oder Kinase-Inhibitoren, die allerdings nur mit einem Badeanzug bekleidet ins
Sportlehrer entwickeln wesentlich häu- bei den etwa 50 Prozent der Melanom- Wasser gehen, der auch die Schultern
figer Basalzell- und Plattenepithelkar- patienten wirken, die im BRAF-Gen eine bedeckt.“ Der chemische Sonnenschutz
zinome als Maligne Melanome. Das gilt V600E-Mutation haben. „Das Medika- sollte nach dem jeweiligen Hauttyp
ebenso für die Benutzer von Solarien“, ment hat deutlich höhere Ansprech- ausgewählt werden. „Da Sonnencremes
erläutert Oberarzt Goetze, der es be- raten als die Standard-Chemotherapie in der Regel zu dünn aufgetragen wer-
grüßt, dass in Deutschland Unter-18- und kann bei stark metastasierten Tu- den, ist mindestens Sonnenschutzfaktor
Jährigen die künstliche Bräunung im moren als First-Line-Therapie eingesetzt 50 mit UVA- und UVB-Schutz zu emp-
Solarium seit einigen Jahren verboten werden. Innerhalb der ersten ein bis fehlen. Die Creme sollte wasserfest sein.
ist. Schließlich ist die Haut junger Men- zwei Wochen kommt es zu einer deut- Dennoch muss während eines Strand-
schen ganz besonders empfindlich und lichen Reduzierung der Tumorlast. Das aufenthaltes mehrfach nachgecremt
das Hautkrebsrisiko entsprechend hoch. Medikament hat allerdings auch erheb- werden, um einen guten Sonnenschutz
„Außerdem“, so Dr. Goetze, „führt die liche Nebenwirkungen, und es ist kein zu erreichen. Denn Prävention ist bei
häufige Bräunung im Solarium zu ei- Wundermittel. Entsteht eine Resistenz, der Hautkrebsprophylaxe das A und O“,
ner deutlich verfrühten Hautalterung.“ schreitet die Tumorprogression massiv sagt Dr. Steven Goetze. mv

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Zu Besuch am UKJ

Feel like a medical student


Schüler der „Thuringia International School Weimar“ besuchten
die Universitäts-Frauenklinik und waren begeistert

Geschickt führt Leonard das OP-In-


strument und fasst eines der Kunst-
stoffteile im Laparoskopie-Trainer.
„It’s easy“, sagt er und versucht be-
reits, das nächste zu greifen. „Well
done!“, lobt Prof. Runnebaum. „He’s
doing a good job“, bestätigt einer der
Erstklässler und übernimmt die OP.

Dass Schüler einer ersten Klasse die Uni-


versitäts-Frauenklinik besuchen, ist be-
merkenswert, dass während des zwei-
einhalbstündigen Field trips „Feel like
a medical student“ am 15. Februar 2012
ausschließlich englisch gesprochen
wurde, ist außergewöhnlich.
Punkt 10 Uhr begrüßte der Direktor der
Abteilung Frauenheilkunde, Prof. Dr. Ingo
Runnebaum, die 14 Mädchen und Jun-
gen im historischen Hörsaal der Frauen- Die Studenten von morgen mit Prof. Dr. Ingo Runnebaum und den Oberärztinnen Dr. Anke Mothes
klinik und informierte in einem halbstün- und Dr. Cornelia Scheungraber im Hörsaal der Frauenklinik Fotos: Szabó
digen Vortrag über den menschlichen
Körper und dessen Krankheiten, über die Der kindgerechte Einführungsvortrag umgeschlagen. Zwei Siebenergruppen
Arbeit im Operationssaal und auf Stati- war eine gute Vorbereitung auf den wurden gebildet und von den Oberärz-
on sowie über die Ausbildung der Stu- praktischen Teil des Vormittags, auf den tinnen Dr. Cornelia Scheungraber und
dierenden. Die Schülerinnen und Schü- sich die Schüler ganz besonders freu- Dr. Anke Mothes übernommen. Für die
ler der Klasse 1c der „Thuringia Interna- ten. Doch zunächst hieß es: OP-Klei- von Dr. Scheungraber betreute Gruppe
tional School Weimar“ (this), wo Englisch dung anziehen. Da es diese für Sechs- ging es zunächst zum Ultraschall, wo
Unterrichtssprache ist, folgten aufmerk- und Siebenjährige nicht gibt, wurden eine werdende Mutter untersucht wur-
sam, und ihre Fragen zeigten, dass sie den die kleinsten Einweg-Kasaks gekürzt de. Danach folgte die Neugeborenen-
Professor verstanden hatten. und die Beine der OP-Hosen mehrfach station. Dr. Mothes führte ihre Gruppe

Wie im richtigen Leben: Erst nach gründlichem Händewaschen durften die Erstklässler in den OP

8 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Zu Besuch am UKJ

Hochinteressant waren auch die Besuche der Neugeborenenstation und der Ultraschallabteilung

in den OP 3. Nach dem Anlegen der OP- Begeisterung und ohne Furcht vor dem ihnen auch zeigen, welche beruflichen
Haube und des Mundschutzes sowie OP-Saal oder der Technik machten sich Möglichkeiten ihnen die Medizin bie-
dem Anziehen der blauen Füßlinge die Schüler an die Arbeit. Nach etwa 40 tet“, sagte Prof. Runnebaum, der sich
folgte die Händedesinfektion, die von Minuten wurde gewechselt, sodass die wie die beiden Oberärztinnen vom In-
den Kindern mit großer Sorgfalt durch- Kinder die Möglichkeit hatten, alle Sta- teresse, von der Disziplin und von den
geführt wurde. Schließlich hatte ihnen tionen kennen zu lernen. Sprachkenntnissen der Kinder beein-
Prof. Runnebaum erst vor wenigen Mi- „Es war nicht der erste Besuch einer druckt zeigte. Gefreut haben sich auch
nuten erklärt, wie wichtig Hygiene im Schulklasse an unserer Klinik. Wir wol- die Schüler der „this“ und die sie be-
Krankenhaus und ganz besonders im len auf diese Weise die Schülerinnen gleitenden Lehrerinnen, für die dieser
Operationssaal ist. und Schüler verschiedener Klassenstu- Field trip ganz bestimmt nicht der letzte
Dann standen die Schülerinnen und fen über unsere Arbeit informieren und war. mv
Schüler erstmals in einem richtigen OP.
Prof. Runnebaum und Dr. Mothes er-
klärten die Instrumente sowie die Auf-
gaben von „surgeon, anesthesiologist
and nurse“, denn auch die OP-Sprache
war an diesem Vormittag englisch. Mit

Auflösung
„Kreuzgitter“ auf Seite 30
Waagerecht: Anlageberater (12), Bardame
(35), Kaaba (20), Cidre (32), Schiene (14),
Loest (28), Irre (7), Landesmeister (3), Ten
(21), Akteneinsicht (13), Area (33), Sumer (5),
Rustika (29), Zeste (30), Amati (23), Tonspur
(34), Drosselventil (22).
Senkrecht (spaltenweise): Albus (15), Ab-
stand (2), Crack (25), Lurch (26), Timpano
(16), Indie (11), Glace (6), Narziss (4), Mi-
nister (19), Biedermeierstil (18), Rennauto
(27), Rekelei (1), Senne (17), Swift (10), Tra-
jekt (9), Input (8), Ethik (24), Reaktor (31),
Acryl (36).

„Europareise“ auf Seite 31


1a, 2b, 3b, 4b, 5a, 6c, 7a, 8c, 9b, 10c

www.uniklinikum-jena.de 9
Titel: Notfallmedizin

Noch schneller und effizienter


Jenaer Rettungsflieger waren seit 1994 mehr als 20.000 Mal
im Einsatz

mar, Dr. Jens Reichel. 1364 Einsätze


waren es im letzten Jahr, nur 77 weni-
ger als im Rekordjahr 2009. Insgesamt
haben sich die Jenaer Rettungsflieger
seit Juni 1994 mehr als 20.000 Mal in
die Lüfte erhoben, ab Dezember 2011
im nagelneuen Eurocopter 135. Zwei
weitere Hubschrauber der DRF-Luftret-
tung sind in Nordhausen und Suhl sta-
tioniert. Der Intensivtransport-Hub-
schrauber in Bad Berka vervollständigt
die Thüringer „Luftflotte“.

Mehr Einsätze nach internistischen


und neurologischen Notfällen

Starten können die Hubschrauber nur


von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang
und bei guten Sichtverhältnissen von
mindestens 800 Metern. „Unsere Pilo-
ten fliegen auf Sicht, deshalb sind Flü-
ge bei ungünstigen Witterungsbedin-
gungen wie Nebel oder starkem Schnee-
Es ist kalt auf dem Flugplatz Jena- den und Erfurt im Westen“, erläutert fall aber auch Nachtflüge nicht mög-
Schöngleina und sehr windig. End- der Leiter des Funktionsbereichs Not- lich“, erklärt Oberarzt Jens Reichel. „Ent-
lich erscheint „Christoph 70“ am Ho- fallmedizin an der Klinik für Anästhe- sprechend unterschiedlich ist die Dienst-
rizont. Das Warten hat sich gelohnt, siologie und Intensivmedizin des Uni- dauer, die im Winter etwa neun und
und die Medienvertreter freuen sich versitätsklinikums Jena und Ärztliche im Sommer bis zu 16 Stunden beträgt.“
auf eine seltene Mitfluggelegenheit. Leiter des Rettungsdienstes Jena/Wei- Zur Crew des Rettungshubschraubers
Doch der Rettungshubschrauber be-
schreibt nur eine Kurve über dem
Flugplatzgelände und ist Sekunden
später wieder verschwunden. „Ein
neuer Einsatz, diesmal in Jena. In ei-
ner Stunde sollte er aber wieder zu-
rück sein, dann klappt es ganz be-
stimmt“, beruhigt Rettungsassistent
Alexander Meixner die Wartenden.
Und tatsächlich, circa 50 Minuten
später erscheint „Christoph“ erneut
am Horizont. Nur noch schnell tan-
ken, und schon kann es losgehen…

Der ADAC-Rettungshubschrauber
„Christoph 70“ ist einer von mehr als
70 Helikoptern, die zwischen der Nord-
see und den Alpen stationiert sind und
jeden Winkel Deutschlands erreichen.
„Unser Einsatzgebiet erstreckt sich von
Altenburg/Gera im Osten bis Schleiz/ ADAC-Stationsleiter und Pilot Ralf Plüch startet den Rettungshubschrauber „Christoph 70“. Im
Saalfeld im Süden, Naumburg im Nor- letzten Jahr absolvierten die Teams 1364 Einsätze Fotos: Vöckler

10 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Fit sein mit Hartwig Gauder (12)

gehören der Pilot, der Arzt und der Ret-


tungsassistent, der zugleich Navigator
ist. In Schöngleina arbeiten drei Pilo-
ten des ADAC, fünf Rettungsassisten-
Fitness-Formel H20
ten des DRK Jena-Eisenberg-Stadtroda
sowie insgesamt 22 Ärztinnen und Ärz- Heute kommt garantiert niemand ins rechte und danach die linke Fußsohle.
te der Klinik für Anästhesiologie und Schwitzen, denn wir trainieren mit und Der Armguss macht den Kopf wach
Intensivmedizin des UKJ. im Wasser. Im Winter bringt uns allein und belebt den ganzen Körper. Hän-
Verändert haben sich in den letzten der Gedanke an kalte Güsse zum Frös- gen Sie zunächst den rechten Arm über
knapp 18 Jahren die Einsatzgründe. teln, im Sommer sind sie eine wohltu- ein Waschbecken und führen Sie den
Anfangs galt fast jeder zweite Ret- Strahl vom Handrücken über die Au-
tungsflug einem Verkehrsunfall. Heute ßenseite von Unter- und Oberarm bis
sind das nur noch etwa zehn Prozent. zu den Schultern. Führen Sie den Strahl
„Deutlich erhöht hat sich hingegen die an der Innenseite wieder zurück und
Zahl der internistischen und neurolo- wenden Sie sich nun dem linken Arm
gischen Notfälle, vor allem Herzkreis- zu. Sie können das Ganze zwei- bis
lauferkrankungen und Schlaganfälle, dreimal wiederholen. Wenden Sie kal-
die heute fast die Hälfte aller Einsätze te Güsse nur auf warmer Haut an, strei-
ausmachen“, erläuterte der Vorsitzen- fen Sie das Wasser anschließend nur
de des ADAC Hessen-Thüringen, Sieg- ab und ruhen Sie danach ein wenig aus.
fried Wetterau, am 17. Januar 2012,
dem Tag der Luftrettung des ADAC, der Kneipp-Walking macht schöne Beine.
etwa die Hälfte aller Luftrettungssta- Das Wassertreten nach Pfarrer Kneipp
tionen in Deutschland betreibt. ist wahrscheinlich die populärste sei-
Aber auch zu Arbeits- und Freizeitun- ner Anwendungen. Aber wer hat schon
fällen wird der Rettungshubschrauber ende Erfrischung. Sie helfen bei Kreis- Lust, wie ein Zirkuspferd im traditio-
häufig gerufen. „Gleitschirmflieger ver- laufproblemen, Kopfschmerzen und nellen Kneippbecken seine Runden zu
unfallen oftmals in schwer zugäng- schweren Beinen und haben bei regel- drehen? Wenn Sie am Wasser wohnen,
lichem Gelände und sind deshalb für mäßiger Anwendung einen straffenden können Sie hier Ihr ganz natürliches
Rettungswagen nur schwer erreichbar. Effekt auf Haut und Bindegewebe. „Fitnesszentrum“ nutzen. Walken im
Außerdem können wir unser Ziel direkt Wasser entspannt und vitalisiert, es ak-
anfliegen, staufrei und mit einer Ge- Der Schönheitsguss für das Gesicht tiviert die Durchblutung und stärkt das
schwindigkeit von bis zu 240 km/h. Auf verwandelt müde Haut schnell in ei- Immunsystem. Beinmuskeln und Ve-
diese Weise erreichen wir nach maxi- nen rosig-frischen Teint und hilft auch, nenwände werden gekräftigt und
mal 15 Minuten jeden Notfall in unse- wenn der Schädel brummt. Stellen Sie Krampfadern haben keine Chance!
rem Einsatzgebiet“, sagt Jens Reichel, dazu den Duschstrahl ganz weich ein Und so funktioniert es: Machen Sie
der als Notarzt sowohl mit dem Ret- und lassen Sie diesen von der rechten zuerst einen flotten Spaziergang, da-
tungshubschrauber als auch mit dem Schläfe über die Stirn und mehrmals mit Füße und Beine warm werden.
Rettungswagen unterwegs ist und die rund um das Gesicht kreisen. Führen Dann geht es ins knapp kniehohe Was-
enge Zusammenarbeit von Flugrettung, Sie den Strahl dann einige Male waa- ser. Walken Sie im Storchenschritt und
bodengebundenem Rettungsdienst und gerecht über die Stirn, über die Au- heben Sie dabei Füße und Unterschen-
Kliniken hervorhebt. genbrauen, den Nasenrücken, die Na- kel bei jedem Schritt ganz aus dem
senflügel und die Wangen bis hinab Wasser. Die Arme schwingen diagonal
Rescue track findet am günstigsten zum Kinn. Von hier aus geht es für eine mit. Nachdem Sie ein paar Minuten
positionierten freien Hubschrauber zweite Runde wieder zur Stirn. Atmen langsam marschiert sind, legen Sie ei-
Sie dabei ruhig und gleichmäßig. nen kurzen Sprint mit kleinen Schrit-
Und was passiert, wenn „Christoph 70“ Der Schenkelguss kurbelt die Durch- ten ein. Dabei bleiben die Füße aller-
zum Zeitpunkt eines Notrufs gerade im blutung kräftig an und fördert die Ent- dings unter Wasser. Walken Sie wieder
Einsatz ist? „Dann müssen die Patien- schlackung des Gewebes. Das strafft die langsam und versuchen Sie, die Knie
ten nicht warten, bis dieser beendet ist. Haut, hilft gegen Cellulite und wirkt einige Male so hoch wie möglich zu
Die Leitstelle erkennt anhand des Res- entstauend und kräftigend auf die Ve- heben. Wer Lust hat, kann gern eine
cue track, eines Flugverfolgungssys- nen. Starten Sie am rechten Fuß und zweite Runde anschließen. Danach
tems, mit dem alle Hubschrauber aus- führen den Wasserstrahl langsam vom nicht abtrocknen, sondern das Wasser
gerüstet sind, wo wir uns gerade be- Außenknöchel an den Außenseiten von nur mit den Händen abstreifen und ein
finden und ruft den am günstigsten Wade und Oberschenkel hinauf zur wenig herumlaufen, denn die Verduns-
positionierten freien Hubschrauber. Das Hüfte. Hier kurz verweilen und danach tung auf der Haut verstärkt den Effekt
macht die Hilfe aus der Luft noch an der Beininnenseite wieder langsam des Kneippens.
schneller und effizienter“, sagt Dr. Rei- hinunter zu den Füßen wandern. Wie-
chel. „Auch wir fliegen deshalb biswei- derholen Sie das Ganze am linken Bein Viel Spaß dabei
len zu Einsätzen nach Sachsen, Sach- und begießen Sie abschließend erst die Ihr Hartwig Gauder
sen-Anhalt oder Franken.“ mv

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Zu Gast am Klinikum

Von der Summer School zum CSCC


Zwei junge Wissenschaftler aus Kamerun arbeiten in der Jenaer
Sepsisforschung

Michael Ekaney und Ndongson Dong-


mo Bernadin kommen aus Kamerun.
„Ich stamme aus Buea, der Hauptstadt
der Südwest-Provinz, die am Fuße des
Mt. Cameroon, des mit über 4000
Metern höchsten Berges Westafrikas,
liegt“, sagt Michael Ekaney. Ndong-
son Dongmo Bernadin wurde in der
Westprovinz geboren und hat danach
in der Nachbarregion Littoral gelebt.
Kennen gelernt haben sich beide in
Deutschland, im Herbst 2010 als Teil-
nehmer der ersten „Summer School
Molecular Medicine“ in Jena.

„Ich habe während eines Studienauf-


enthaltes in München im Internet ge-
lesen, dass in Jena ein solcher Kurs
stattfindet. Ich fand das sehr interes-
sant und habe mich um einen Platz be- Ndongson Dongmo Bernadin, PD Dr. Ralf Claus und Michael Ekaney Fotos: Vöckler
worben“, erinnert sich Michael Ekaney.
Er informierte sich umgehend im Netz Seit Mai 2011 sind die jungen Wissen- beda. Michael Ekaney in der Arbeits-
über die ihm unbekannte Stadt: „Die schaftler aus Kamerun wieder in Jena. gruppe von PD Dr. Ralf Claus und Ndong-
Bilder gefielen mir. Alles war so schön Das Center for Sepsis Control and Care son Dongmo Bernadin in der von Prof.
grün, fast wie bei uns zuhause.“ (CSCC) des UKJ hatte mehrere Promo- Dr. Reinhard Bauer.
Ndongson Dongmo Bernadin fand das tionsstellen ausgeschrieben. Bernadin
Angebot ebenfalls im Netz: „Ich stu- und Ekaney bewarben sich und hatten Trotz aller Unterschiede, vor allem in
dierte gerade in Turin und habe mich Erfolg. Einfach war das nicht, denn so- der Mentalität, fühlen sich die Afrika-
ebenfalls erfolgreich beworben. Die wohl die Kandidaten als auch deren ner in Jena und Thüringen wohl. „Wir
Summer School war eine großartige Forschungsprojekte wurden durch eine haben uns auch schon außerhalb Jenas
Veranstaltung mit Teilnehmern aus vie- Kommission des CSCC evaluiert. Bis umgesehen, waren in Weimar, Erfurt,
len Ländern. Es herrschte eine tolle At- 2014 forschen sie nun in den moder- Eisenach und Bad Blankenburg“, sagt
mosphäre“, schwärmt er noch heute. nen Labors am Beutenberg und in Lo- Michael Ekaney. Schlechte Erfahrungen
hat er nicht gemacht. Ndongson Dong-
mo Bernadin schon: „Ich wurde im Som-
mer letzten Jahres an einer Bushalte-
stelle von zwei jungen Männern ange-
pöbelt. Das war sehr unangenehm und
beängstigend, auch weil ihnen keiner
der zahlreichen Wartenden Einhalt ge-
bot. Glücklicherweise war das ein ein-
maliger Vorfall.“
Sehr angetan sind Ekaney und Bernadin
von den Arbeitsmöglichkeiten in den La-
bors und der Atmosphäre in den For-
schungsgruppen. „Wir wurden sehr gut
aufgenommen“, sagt Ndongson Dong-
mo Bernadin, der am Beutenberg die
Septische Kardiomyopathie erforscht.
Michael Ekaney pflichtet ihm bei. Sein
Michael Ekaney in einem der
Labors im Forschungszen- Forschungsschwerpunkt ist die Sepsis-
trum Lobeda assoziierte Mikrothrombus-Bildung. mv

12 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Patientenfürsprecherin

Christine Börner ist neue Patientenfürsprecherin am UKJ


Für Sorgen und Probleme stets ein offenes Ohr

Christine Börner hat 21 Jahre am


Universitätsklinikum Jena gearbeitet,
zuletzt als Stationsleitung der Inter-
nistisch-neurologischen Intensivsta-
tion. Seit April 2011 ist sie im Vor-
ruhestand. „Ich habe mich gefreut,
als mich die Pflegedienstleitung
Evelyn Voigt vor einigen Monaten
fragte, ob ich mir vorstellen könnte,
am Klinikum als ehrenamtliche Pati-
entenfürsprecherin tätig zu sein.“
Christine Börner sagte zu und steht
den Patienten und deren Angehöri- Christine Börner ist an
jedem zweiten Mittwoch
gen seit Mitte Januar 2012 als un- im Mitarbeiterservice in
abhängige Ansprechpartnerin und der Magistrale für die
Interessenvertreterin zur Seite. Zu- Patienten des UKJ und
deren Angehörige zu
ständig ist sie für alle Kliniken des sprechen
Universitätsklinikums Jena mit Aus- Foto: Vöckler
nahme der Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie, die mit Brigitte
Weinsheimer eine eigene Patienten- diagnostischen oder therapeutischen men. „Nur zu schimpfen oder sich zu
fürsprecherin hat. Maßnahmen – gebe ich die Informati- ärgern, hilft niemandem. Deshalb kann
on an den Klinikumsvorstand weiter, der jeder mit seinen Sorgen und Beschwer-
„Wir haben ein tolles Klinikum mit einer sich dann der Lösung dieser Probleme den zu mir kommen“, sagt die Interes-
Patientenversorgung auf sehr hohem Ni- annimmt. In einem vorbereitenden Ge- senvertreterin der Patienten des Uni-
veau. Aber wie überall gibt es auch hier spräch sagte mir der Medizinische Vor- versitätsklinikums, deren Arbeit von der
Fragen und Probleme – zur Unterbrin- stand, Prof. Höffken, dass man meine Ar- GesundheitsUni Jena unterstützt wird.
gung, zum Essen, zur medizinischen und beit unterstützen wird.“ Erarbeitet wird auch ein Flyer, den künf-
pflegerischen Betreuung oder im zwi- Christine Börner hofft, dass Patienten tig jeder Patient bei der Aufnahme er-
schenmenschlichen Bereich – die beant- und Angehörige das Angebot wahrneh- hält. mv
wortet bzw. gelöst werden müssen. Un-
sere Patienten und deren Angehörige
können sich mit allen Fragen, Vorschlä-
gen, Anregungen und Beschwerden an
mich wenden – vertraulich und ohne
Schwellenangst“, betont Christine Bör-
ner. „Vieles lässt sich ganz gewiss im di-
rekten Gespräch oder auf dem ‚kurzen
Dienstweg‘ klären. Ist das nicht möglich
oder gehört etwas nicht in meinen Auf-
gabenbereich – beispielsweise Fragen zu

Sprechzeiten für Patienten


und Angehörige
an jedem zweiten Mittwoch von
13.30 bis 15 Uhr im Mitarbeiter-
service in der Magistrale
Telefon: 0170/4589890
E-Mail: c.boerner@med.uni-jena.de

www.uniklinikum-jena.de 13
GesundheitsUni

Lebenssaft Blut
Institut für Transfusionsmedizin versorgt Kliniken und Arztpraxen
mit hochwertigen Blutprodukten

Dass Blut „ein ganz besonderer Saft“ ausschließlich an der Frischbluttrans- telsystem und integriertem Leukozyten-
ist, weiß man nicht erst seit Goethe. fusion fest.“ filter für die Blutkomponenten – Eryth-
Schon im Altertum wurde mensch- rozyten (rote Blutkörperchen), Throm-
liches Blut als „Medizin“ verabreicht, Weltweit sicherstes Plasma bozyten (Blutplättchen) und Blutplasma
und im Mittelalter hofften unter – gearbeitet. „Als einzige Einrichtung in
anderem Gichtpatienten beim Baden In den 1950er Jahren entwickelten die Deutschland setzen wir dafür moderns-
der schmerzenden Glieder in Blut auf Schott-Werke in Zusammenarbeit mit te Vollblutautomaten ein, die das Blut
Linderung. „Mit vermutlich fatalen dem Universitätsklinikum Jena Stan- in nur zehn statt 90 Minuten trennen.
Folgen für die Spender. Über Hei-
lungserfolge ist hingegen nichts be-
kannt“, sagte Prof. Dr. Dagmar Barz
während der ersten Jenaer Abend-
vorlesung im Jahr 2012.

Nach der Entdeckung des Blutkreislaufs


wurden im 17. Jahrhundert erste Blut-
transfusionen durchgeführt. Dabei er-
hielten die Patienten allerdings kein
menschliches, sondern Lammblut. Die
Therapie verlief in den meisten Fällen
tödlich. Es dauerte noch mehr als 100
Jahre, ehe man damit begann, Blut von
Mensch zu Mensch zu übertragen. 1808
transfundierte der englische Geburts-
helfer James Blundell einer Wöchnerin
sein eigenes Blut und rettete ihr damit
das Leben. Allerdings war nur etwa jede
zweite Übertragung erfolgreich. Prof. Dagmar Barz betreut eine Patientin während der therapeutischen Apherese Foto: Szabó
Das änderte sich erst nach der Entde-
ckung der Blutgruppen durch den Wie- dard-Glasflaschen für Blut und Blutkom- Wir erhalten auf diese Weise Blutpro-
ner Arzt und Begründer der modernden ponenten, die in allen Blutentnahme- dukte höchster Qualität. Seit etwa zwei
Transfusionsmedizin Karl Landsteiner stellen und Kliniken der DDR eingesetzt Jahren stellen wir darüber hinaus an un-
und dessen Mitarbeiter zu Beginn des wurden. „Diese Standardisierung war serem Institut ein speziell gefiltertes und
20. Jahrhunderts. Um die Verträglichkeit zweifellos ein Fortschritt, allerdings wa- bestrahltes Blutplasma her. Dieses pa-
von Spender- und Empfängerblut zu ren die Glasflaschen nicht bruchsicher, thogenreduzierte Apheresefrischplasma
testen und mögliche Blutgruppen-Un- und sie mussten nach jedem Einsatz ste- – die klinische Versorgung begann im
verträglichkeiten bereits vor der Trans- rilisiert werden“, sagte Dagmar Barz. Seit März 2011 – ist das weltweit sicherste
fusion auszuschließen, wurden Kreuz- dem Ende der 1980er Jahre werden in Plasma“, betonte die Direktorin des In-
proben entwickelt, die noch heute Deutschland ausschließlich Einweg- stituts für Transfusionsmedizin am UKJ.
durchgeführt werden. „Außerdem hal- Kunststoff-Blutbeutel genutzt, wodurch
fen Labortests, die Übertragung schwe- sich die Gefahr der Infektionsübertra- Therapeutische Apherese entfernt
rer Infektionskrankheiten wie der damals gung durch Blutprodukte deutlich ver- pathogene Bestandteile
weit verbreiteten Syphilis zu vermeiden. ringerte. Im Jahr 2001 entschied das
Man erkannte außerdem, dass Blut nicht Bundesgesundheitsministerium, dass die Die Aufgabe des Instituts ist die zuver-
zwingend als Frischblut übertragen wer- Leukozyten, die beim Patienten erhebli- lässige Versorgung des Klinikums und
den muss, sondern über eine gewisse Zeit che Antikörperbildungen und Infekti- der Jenaer Arztpraxen mit hochwer-
gelagert werden kann. Deshalb wurden onsübertragungen hervorrufen können, tigen Blutprodukten. Ebenso die Über-
in vielen Ländern Vorräte angelegt, um aus dem gespendeten Blut eliminiert wachung der immunologischen Ver-
auf das Blut im Bedarfsfall zurückgrei- werden. Seither wird in ganz Deutsch- träglichkeit, um den Erfolg der Trans-
fen zu können. In Deutschland“, so Prof. land, in Jena bereits seit dem Jahr 2000, fusion und die Sicherheit der Patien-
Barz, „hielt man allerdings noch lange mit einem geschlossenen Vierfach-Beu- ten jederzeit zu gewährleisten.

14 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


GesundheitsUni

Uta Gäbler führt bei einem Blutspender die Plasmapherese durch. Die Gewinnung des Blutplasmas stellt den Beginn der Herstellung des Plasmapro-
duktes dar. rechtes Bild: Seit einem Jahr versorgt das Institut für Transfusionsmedizin das UKJ mit dem pathogenreduzierten Apheresefrischplasma.
Gerlinde Franke schweißt an den tief gefrorenen Plasmabeutel das Interceptsystem, das potentielle Krankheitserreger inaktiviert Fotos: Szabó

Eine sehr effektive Möglichkeit, patho- Das meiste Blut wird dabei nicht für die „Um diese vermeidbaren Probleme von
gene – krankmachende – Bestandteile Versorgung von Unfallopfern, sondern vorn herein auszuschließen, ist jeder
aus dem Blut der Patienten zu entfer- für die Behandlung von Krebs- und Arzt verpflichtet, vor der Transfusion
nen, ist die therapeutische Apherese. Transplantationspatienten sowie Men- einen Bed-side-Test durchzuführen –
Dabei wird beispielsweise das von den schen mit Herz-, Magen- und Darm- die letzte immunologische Verträglich-
anderen Blutbestandteilen getrennte erkrankungen benötigt. Inzwischen gibt keitsprüfung von Spender- und Emp-
Plasma extrakorporal – außerhalb des es blutsparende Methoden, die den Blut- fängerblut direkt am Patientenbett“, er-
Körpers – unter anderem von Antikör- verbrauch pro Operation bzw. Transplan- läuterte Prof. Barz. mv
pern gereinigt. Nach der „Blutwäsche“ tation deutlich gesenkt haben. „Für eine
wird es dem Patienten wieder zuge- Lebertransplantation benötigte man
führt. Die therapeutische Apherese wird früher bis zu 30 Erythrozytenkonzen-
bei Transplantationspatienten aber trate, heute sind es weniger als zehn“,
auch bei der Behandlung von kardio- erläuterte Dagmar Barz.
logischen, neurologischen und Auto- „In Deutschland werden jährlich fünf
immunerkrankungen eingesetzt. Eben- bis sechs Millionen Blutabnahmen
so bei onkologischen und hämatologi- durchgeführt. Damit auch künftig ge-
schen Patienten sowie in der Geburts- währleistet ist, dass immer ausreichend
medizin. Blutprodukte zur Verfügung stehen,
Antikörper können zu schweren post- benötigen wir ausreichend Blutspen-
operativen Blutungen, zu Funktions- der“, betonte Prof. Barz und erläuter-
einschränkungen oder Abstoßungs- te, welche Untersuchungen der Spen-
reaktionen eines Transplantats führen. der und des Blutes gesetzlich vorge-
Sie können aber auch das ungeborene schrieben sind, um die Sicherheit der
Kind schädigen, einen Abort oder eine Blutprodukte zu gewährleisten. Und das
Totgeburt auslösen. „Wir arbeiten hier zahlt sich aus: Die gefährlichsten Vi-
eng mit den behandelnden Ärzten und rusübertragungen durch Bluttransfu-
Kliniken zusammen“, sagte Prof. Barz. sionen – vor allem HIV und Hepatitis C
„Zwar können wir nicht alle Nebenwir- – sind in den letzten 20 Jahren deut-
kungen ausschließen, deren Häufigkeit lich zurückgegangen. „Das größte Rest-
ist angesichts der hohen Qualität un- risiko besteht bei der Hepatitis B, weil
serer Blutprodukte aber deutlich gesun- dieses Virus zahlreiche Subtypen auf-
ken.“ weist. Aber auch hier“, so Prof. Dagmar
Barz, „sind Fortschritte zu verzeichnen.“
Moderne Verfahren sparen Blut Komplikationen bei der Bluttransfusion Modernste Vollblutautomaten trennen das Blut
treten heute relativ selten auf und wer- in nur zehn Minuten in Plasma, Erythrozyten-
konzentrat und Buffy-coat (Schicht aus Leu-
Der Blutbedarf ist in den letzten Jahr- den überwiegend durch die Verwechs- kozyten und Thrombozyten, die beim Zentrifu-
zehnten weltweit deutlich gestiegen. lung von Blutkonserven verursacht. gieren von Vollblut entsteht) Foto: ITM

www.uniklinikum-jena.de 15
Veranstaltungen

Informationsabende Tag der offenen Tür im FZL Patientenseminare im


für werdende Eltern Interdisziplinären Brustzentrum

Informationsabende für werdende Wir forschen für Ihre Gesundheit 11. April, 18.00 Uhr
Eltern finden an jedem zweiten 10 Jahre Forschungszentrum Lobeda Möglichkeiten der Akupunktur als
Donnerstag im Monat, 19 Uhr im unterstützende Therapie während
Am Samstag, dem 5. Mai 2012,
Hörsaal und im Kreißsaal der Uni- und nach der Krebsbehandlung
findet von 10 bis 14 Uhr
versitäts-Frauenklinik in der Bach- Referentin: Dr. Birgit Lehmann
straße 18 statt. Fachärztin für Physikalische und
der Tag der offenen Tür statt.
Rehabilitative Medizin
Nächste Termine: Forschungszentrum Lobeda 9. Mai, 18.00 Uhr
12. und 26. April, 10. und 24. Mai Erlanger Allee 101 Aktuelle Erkenntnisse zur Ursa-
che von Brustkrebs
Referent: Dr. Matthias Rengsberger
Förderverein des Universitätsklinikums Jena e.V. Facharzt für Gynäkologie und
Vorsitzender: PD Dr. Michael Hartmann, Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Geburtshilfe
Tel.: 03641/9 32 54 01, Fax: 03641/9 32 54 02, E-Mail:foerderverein@uniklinikum-jena.de
13. Juni, 18.00 Uhr
Ich/Wir möchte(n) Schutz der Weiblichkeit bei
Vereinsmitglied werden Krebserkrankung
Referent: PD Dr. Jürgen Weiss
eine Spende in Höhe von € überweisen
(Zutreffendes bitte ankreuzen)
Leiter Endokrinologie und
Reproduktionsmedizin
Name, Vorname, Titel:
11. Juli, 18.00 Uhr
Firma, Einrichtung, Verein: Zirkulierende Tumorzellen als
Anschrift: Prognosefaktor?
Referent: PD Dr. Oumar Camara
Telefon: E-Mail: Koordinator IBZ
Datum: Unterschrift: Beratungsraum des Interdisziplinä-
ren Brustzentrums, Bachstraße 18

16 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Service

Cafeteria
In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums
werden täglich drei Menüs angeboten, darunter ein
vegetarisches. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag
12.00 bis 16.30 Uhr
Mittwoch bis Sonntag
17.00 bis 20.00 Uhr

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie
eine solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer
Station an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda (ab April 2012 im Erdgeschoss der Magistrale in
den ehemaligen Räumen der Poststelle) hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis 17
Uhr geöffnet, die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von 9 bis
11 Uhr. Außerdem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für Psychi-
atrie sowie für Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Evangelische Klinikseelsorge: Katholische Seelsorge:
Pfarrer Heinz Bächer, 0151 1710 1492 Pfarrer Norbert Winter
Pfarrerin Christine Alder Bächer, 0151 1710 1493 (036421) 224 36 oder 0177 451 1927
Pfarrerin Dorothee Müller, 0151 1710 1494

Blutspende
Die Möglichkeit zur Blutspende besteht am Institut für Transfusionsmedizin im ehemali-
gen Chirurgie-Gebäude in der Bachstraße 18.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis19 Uhr und Freitag 8 bis13 Uhr
sowie jeden zweiten und letzten Samstag im Monat 9 bis13 Uhr

Wichtige Ansprechpartner
Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern
Leiter Leiterin Geschäftsstelle
Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75 Empfang Lobeda: 932 08 50
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
E-Mail: E-Mail:
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

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Diagnostik und Therapie

Via SATELIT Schlaganfalltherapie verbessern


UKJ arbeitet mit Kliniken in Altenburg und Erfurt im Telemedizin-
Netzwerk zusammen

Die Schlaganfallbehandlung in Thü- MRT-Aufnahmen des Gehirns analysie- ther und lobt die Möglichkeiten des Te-
ringen weiter verbessern wollen die ren, sie mit den Kollegen vor Ort aus- lemedizin-Netzwerkes, dessen Auf- und
Neurologischen Kliniken des Klini- werten und die korrekte Diagnose ab- Ausbau durch das Thüringer Ministe-
kums Altenburger Land, des HELIOS leiten. Denn nicht jeder Patient, der mit rium für Soziales, Familie und Gesund-
Klinikums Erfurt und des Universi-
tätsklinikums Jena. Die drei Neuro-
logischen Zentren haben sich deshalb
Ende letzten Jahres im „Schlaganfall-
Telemedizin-Netzwerk in Thüringen“
SATELIT zusammengeschlossen.

Die Versorgung von Schlaganfallpati-


enten hat in Thüringen eine hohe Prio-
rität. Bereits vor zwei Jahren haben
zehn Schlaganfallspezialstationen
(Stroke Units) die Initiative „Thüringen
gegen den Schlaganfall – Jede Sekun-
de zählt“ ins Leben gerufen. Jetzt wol-
len die an SATELIT beteiligten Neuro-
logischen Kliniken und zertifizierten
Stroke Units auch Krankenhäuser ohne
neurologische Schlaganfallstation noch
stärker in den Kampf gegen den Apo-
plex einbeziehen.
Effektive Betreuung von Schlaganfallpatienten via Telemedizin: Oberarzt Dr. Albrecht
Günther analysiert an seinem Arbeitsplatz am Universitätsklinikum Jena Aufnahmen
Per Video direkte Kontaktaufnahme eines Patienten in der Thüringen Klinik Rudolstadt Foto: Vöckler
mit Patienten möglich

„Trifft ein Patient mit Verdacht auf ei- Verdacht auf einen Schlaganfall in eine heit unterstützt wird: „Die finanzielle
nen Schlaganfall in der Notaufnahme Notaufnahme eingewiesen wird, hat Förderung ermöglicht es uns, die erfor-
eines der beteiligten peripheren Kran- auch einen solchen. Bei etwa einem derliche Computer- und Videotechnik
kenhäuser ein, wird die Bildgebung Drittel bestätigt sich dieser Verdacht zu erneuern.“
mittels CT bzw. MRT veranlasst und nicht“, sagt Albrecht Günther. Entspre-
parallel dazu Kontakt mit dem Teleme- chend wichtig sind die gemeinsame dif- Weitere Krankenhäuser in Netzwerk
dizin-Konsiliararzt aufgenommen, der ferentialdiagnostische Analyse und die einbinden
rund um die Uhr erreichbar ist“, erläu- Meinung eines externen Schlaganfall-
tert Dr. Albrecht Günther, Oberarzt der experten. Die Telemedizin, so Oberarzt Gegenwärtig kooperieren die Jenaer
Neurologischen Intensivstation des Günther, ist eine effektive Möglichkeit Neurologen auf dem Gebiet der Tele-
Universitätsklinikums Jena, wo jährlich der Schlaganfalldiagnostik und der medizin mit der Thüringen Klinik Ru-
600 bis 700 Schlaganfallpatienten be- Festlegung der bestmöglichen Therapie dolstadt. „Wir möchten in diese Zusam-
handelt werden. Die Schlaganfallexper- innerhalb kürzester Zeit. Denn das Zeit- menarbeit weitere internistische Klini-
ten können sich dann am Bildschirm fenster für die systemische Thromboly- ken der näheren Umgebung einbinden
vom Zustand des Patienten überzeugen. se, die medikamentöse Auflösung des und zum Wohl der zahlreichen Betrof-
„Über eine Kamera haben wir die Mög- Blutgerinnsels, ist nur in den ersten fenen rund um Jena ein Schlaganfall-
lichkeit, mit ihm Kontakt aufzunehmen viereinhalb Stunden nach Beginn der netzwerk aufbauen. Der Bedarf ist vor-
und seine Sprache, seine Augenbewe- Schlaganfallsymptome offen. handen“, sagt Oberarzt Günther und
gungen sowie die motorischen Fähig- „Ist ein neurochirurgischer bzw. neu- verweist darauf, dass sich das Teleme-
keiten zu analysieren. Dieser persön- roradiologischer Eingriff erforderlich, dizin-Netzwerk neben der Konsiliar-
liche Eindruck ist für die Schlaganfall- können wir ohne größeren Zeitverlust tätigkeit auch auf dem Gebiet der Wei-
diagnostik außerordentlich wichtig. die Verlegung an das Universitätsklini- terbildung der beteiligten Mediziner
Gleichzeitig können wir die CT- bzw. kum Jena veranlassen“, betont Dr. Gün- engagiert. mv

18 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Zentrum für Ambulante Medizin

Von der Spielaudiometrie bis zur Nasen-OP


HNO-Praxis erweitert Angebot am Zentrum für Ambulante Medizin

Mit der im letzten Herbst eröffne-


ten Praxis für Hals-, Nasen- und
Ohrenheilkunde wurde das Zentrum
für Ambulante Medizin (ZAM) des
Universitätsklinikums Jena um ein
zusätzliches Fachgebiet erweitert.
Das 2006 gegründete Zentrum um-
fasst damit fünf Praxen (Allgemein-
medizin, Humangenetik, Innere Me-
dizin, HNO sowie eine Hebammen-
praxis) und hält für die Patientinnen
und Patienten ein breites diagnosti-
sches und therapeutisches Angebot
bereit.

„Das Zentrum für Ambulante Medizin


hat im Oktober 2011 den HNO-Praxis-
sitz übernommen, den Dr. Günther
Schuhmann aus Altersgründen abgege-
ben hat. Dr. Schuhmann, der nach sei-
ner Tätigkeit als Oberarzt an der HNO-
Klinik mehr als 20 Jahre als niederge-
Das Team der HNO-Praxis am Zentrum für Ambulante Medizin: Jörg Flaschka, Dr. Günther Schuh-
lassener HNO-Arzt in Jena tätig war, ist mann, Arzthelferin Madlen Simon und Audiometrieassistentin Barbara Roßdeutscher
allerdings auch weiterhin an einem Vor- Foto: Thieme
und einem Nachmittag in unserer Pra-
xis tätig“, sagt Jörg Flaschka, der wäh- onen der Ohren, der Nase und des Kehl- keitsuntersuchungen sowie die Abklä-
rend dieser Zeit in der HNO-Klinik ar- kopfes führt Jörg Flaschka auch stimm- rung von Stimm- und Sprachstörungen.
beitet. „Ich habe dort eine Acht-Stun- verbessernde Eingriffe durch. „Unsere „Ein wichtiger Teil unserer Arbeit sind
den-Stelle und operiere auch die Pati- Patienten wissen diese Verbindung von Hörtests einschließlich Hörtraining und
enten unserer Praxis.“ Neben Operati- ambulanter und operativer Tätigkeit Hörgeräteberatung“, erläutert Jörg
sehr zu schätzen“, betont der ehema- Flaschka und verweist auf die ebenso
lige Leiter der Poliklinik an der Klinik bestehende Möglichkeit der Ultra-
für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde schalldiagnostik der Halsweichteile.
HNO-Klinik am Zentrum des UKJ.
für Ambulante Medizin „Zu den Schwerpunkten unserer Praxis
Breites diagnostisches und gehören Ohrerkrankungen und Hörstö-
Carl-Zeiß-Platz 8 therapeutisches Angebot rungen bei Kindern. Mit Barbara Roß-
07743 Jena deutscher haben wir eine ausgebildete
Die HNO-Praxis im Zentrum für Ambu- Audiometrieassistentin, die besondere
Sprechzeiten lante Medizin bietet das gesamte Spek- Erfahrungen auf dem Gebiet der Kin-
Montag 8-12 und 14-17 Uhr trum der ambulanten Versorgung des der- und Spielaudiometrie hat und der
Dienstag 8-12 und 14-18 Uhr Fachgebietes an. Dazu gehören die Ohr- die Arbeit mit den kleinen Patienten viel
Mittwoch 8-12 Uhr mikroskopie, die Endoskopie des Ra- Freude macht“, erläutert Jörg Flaschka,
Donnerstag 8-12 und 14-17 Uhr chens, des Kehlkopfes und der Nasen- der mit der Patientenresonanz ebenso
Freitag 8-12 Uhr haupthöhle, Erkrankungen der Nasen- zufrieden ist wie mit der Zusammen-
und nach Vereinbarung nebenhöhlen und der Speicheldrüsen, arbeit und der Atmosphäre in der HNO-
die allergologische Diagnostik und The- Praxis und am Zentrum für Ambulante
Anmeldung rapie, die Vor- und Nachbetreuung bei Medizin: „Das ist sehr wichtig und er-
Tel. 03641-934916 Operationen sowie die Tumornachsor- möglicht ein konzentriertes und effi-
Fax. 03641-934921 ge. Ebenso Schwindeldiagnostik und zientes Arbeiten im Sinne unserer Pa-
Schnarcherabklärung, Berufstauglich- tienten.“ mv

www.uniklinikum-jena.de 19
Gesundheitsmanagement

Was kann ich für meine Gesundheit tun?


Klinikum unterstützt Mitarbeiter durch Gesundheitsberatung

Die Mitarbeiter am Universitätsklini-


kum Jena untersuchen, therapieren,
pflegen, forschen, lehren und wirt-
schaften, damit die Gesundheit an-
derer erhalten bleibt oder wiederher-
gestellt wird. Damit verbinden sich
zum einen Freude und berufliche Er-
füllung. Zugleich kann diese Arbeit
aber auch anstrengen und emotiona-
len sowie körperlichen Stress mit sich
bringen. Um diesen Belastungen et-
was entgegen zu setzten, wurde vor
rund 15 Monaten damit begonnen,
ein Betriebliches Gesundheitsmana-
gement (BGM) am UKJ aufzubauen.
Dabei geht es zum einen darum, die
Arbeitsbedingungen am Klinikum
möglichst gesundheitsgerecht zu ge- Engagiert für die Gesundheit der Mitarbeiter: Prof. Ulrich Smolenski, Dr. Norbert Gittler-Hebestreit
stalten. Zum anderen sollen die Mit- und Dr. Norman Best (v. l.) Foto: Szabó
arbeiter individuell dabei unterstützt
werden, etwas für die eigene Gesund-
heit zu tun. Die Idee einer präventiven Gesundheits- werte Quote“, weiß Professor Ulrich
beratung ist nicht neu. Neu ist aller- Smolenski, Direktor des Instituts für
Zu diesem Zweck wurde die Gesund- dings, diese Beratung im Rahmen einer Physiotherapie. „Darüber hinaus bieten
heitsberatung etabliert. Gesundheits- Parallelsprechstunde durch Gesund- wir jedem, der bei uns in der Gesund-
interessierte Mitarbeiter können sich im heitsberater und Facharzt anzubieten. heitsberatung war, an, nach einem hal-
Rahmen einer fachlichen Sprechstun- „Zunächst geht es ja dem Mitarbeiter ben Jahr erneut zu uns zu kommen, um
de an einen ausgebildeten Gesund- darum, zu wissen, was er konkret tun mit uns über das Erreichte und weitere
heitsexperten und an einen Facharzt für kann, um fit und gesund zu bleiben“, Präventionsmöglichkeiten zu spre-
Physiotherapie wenden, um sich über sagt Dr. Norbert Gittler-Hebestreit, der chen“, ergänzt Dr. Norman Best, Fach-
die Möglichkeiten der eigenen Gesund- das Gesundheitsmanagement am UKJ arzt für Physikalische und Rehabilita-
erhaltung zu informieren. Dabei geht leitet und die Gesundheitsberatung tive Medizin/PRM und ärztlicher Part-
es nicht nur um Fragen des Gesund- durchführt. „Dabei ergeben sich allge- ner in der Gesundheitsberatung.
heitssports, sondern auch um Themen meine Fragen zur Gesundheitspräven- Das Angebot der Gesundheitsberatung
wie Stressprävention, gesunde Ernäh- tion ebenso wie detaillierte Fragen zu wird von allen Mitarbeitern des UKJ
rung oder Work-Life-Balance. körperlichen Belastungen. Wir sagen den genutzt, egal ob Pflegende, Ärzte, Wis-
Die Gesundheitsberatung beginnt mit Mitarbeitern genau, wo gesundheitsför- senschaftler, Verwaltungsangestellte
einer fachärztlichen und gesundheits- dernde Aktivitäten ansetzen sollten. Wir oder Mitarbeiter technischer Dienste.
orientierten Erstberatung in Verbin- kennen aber auch das Leistungsspektrum Zusammen mit weiteren Angeboten des
dung mit einem freiwilligen Gesund- regionaler Gesundheits-, Fitness- oder Betrieblichen Gesundheitsmanage-
heitskurzcheck. Ziel ist es, gemeinsam Wellnessanbieter sehr gut und können ments wurde das Konzept im Novem-
herauszufinden, in welchen Bereichen dabei unterstützen, das passende An- ber 2011 mit einem Bundespreis, dem
mögliche präventive Maßnahmen an- gebot zur individuellen Gesundheitsför- Corporate Health Award, geehrt.
setzen können. Daran anschließend wird derung zu finden.“
Unterstützung bei der gezielten Auswahl Maßgeblich an der Idee und Umsetzung Professor Dr. Ulrich Smolenski
geeigneter Aktivitäten im Gesundheits- der Gesundheitsberatung beteiligt ist Dr. Norman Best
präventionsbereich angeboten. In die- das Institut für Physiotherapie. „Über Dr. Norbert Gittler-Hebestreit
sem Zusammenhang können die Mit- 80 Prozent aller Mitarbeiter, die bei uns
arbeiter des UKJ bei einer Reihe von waren, gehen mit sehr genauen Vor-
regionalen Fitness- und Wellnessan- stellungen über das, was sie zukünftig Informationen und Termine:
bietern Sondertarife nutzen, die spezi- selbst aktiv tun wollen, aus der Bera- Tel. 03641 9-325278, E-Mail: termine-
ell für das Klinikum vereinbart wurden. tung heraus. Das ist eine bemerkens- iphys@med.uni-jena.de

20 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Kooperationsvertrag/Forschung

Verbriefte Partnerschaft
UKJ und FH intensivieren Zusammenarbeit

„Wir arbeiten ja bereits seit mehr als management sowie Personalmarketing


zehn Jahren sehr erfolgreich zusam- und -entwicklung. Ebenso Projekte, die
men, umso mehr freue ich mich, dass vom Bereich Medizintechnik der Fach-
wir unsere Partnerschaft nun verbrie- hochschule und Kliniken des UKJ (bspw.
fen“, sagte der Sprecher des Vorstan- Kardiologie, Augen- und HNO-Klinik)
des des Universitätsklinikums Jena, Prof. gemeinsam realisiert werden. Einge-
Dr. Klaus Höffken, anlässlich der Un- bunden in die Zusammenarbeit sind
terzeichnung eines Kooperationsvertra- auch die Allgemeinmedizin, das Ge-
ges zwischen dem UKJ und der Fach- sundheitsmanagement und die Ge-
hochschule Jena am 8. März 2012. „Vor sundheitsökonomie.
Prof. Gabriele Beibst und Prof. Klaus Höffken
dem Hintergrund eines intensiven The- Weiter intensiviert werden soll die Zu- unterzeichneten den Kooperationsvertrag
orie-Praxis-Transfers werden wir vor al- sammenarbeit in der studentischen Foto: Vöckler
lem die Zusammenarbeit auf den Ge- Lehre und in der beruflichen Weiter-
bieten der Gesundheitsförderung und bildung, betonten die Professoren triebswirtschaftliche Kenntnisse ver-
der Gesundheitsbildung weiter ausbau- Beibst und Höffken. Sie verwiesen dabei mitteln soll.
en“, erläuterte die Rektorin der FH Jena, unter anderem auf das FH-Masterstu-
Prof. Dr. Gabriele Beibst. dium Health Care Management, einen Ein Beispiel der erfolgreichen Zusam-
neuen Fernstudiengang für Fach- und menarbeit von UKJ und FH ist der 2. Je-
Zu den Themenfeldern der interdiszi- Führungskräfte von Gesundheits- und naer Palliative-Care-Kongress, der am
plinären Arbeitsgruppen gehören die Sozialeinrichtungen, der insbesondere Tag nach der Vertragsunterzeichnung
Pflegeweiterbildung, das Entlassungs- Ärzten und Pflegenden erweiterte be- eröffnet wurde. mv

„Managing Self-Management“ erhält Forschungspreis


der Welthausärztevereinigung WONCA
Jenaer Allgemeinmediziner entwickeln Anleitung zur Patienten-
selbstsorge mit
Ein von Jenaer Allgemeinmedizinern Professor Jochen Gensichen, Direktor an die Hand gegeben werden, mit dem
gemeinsam mit irischen und finni- des Instituts für Allgemeinmedizin am sie ihre Patienten besser zur Selbst-
schen Kollegen vorgeschlagenes Jenaer Universitätsklinikum. „Sein ak- sorge befähigen können.
Projekt zur hausärztlichen Unter- tives Mitwirken und seine Selbstsorge Das Projekt wurde auf der letzten Vor-
stützung der Selbstsorge von chro- sind entscheidend für den langfristigen standssitzung von WONCA Europe, der
nisch Kranken erhielt den For- Erfolg z.B. in der Diabetesbehandlung.“ europäischen Sektion der Welthausärz-
schungspreis der Welthausärztever- Für dieses Selbst-Management, bei- tevereinigung, mit dem Jubiläumsfor-
einigung WONCA. Der mit 100.000 spielsweise die Bestimmung des Blut- schungspreis ausgezeichnet. Der mit
USD dotierte Preis war mit Hinblick zuckerwertes, muss der Patient vom 100.000 USD dotierte Preis war mit
auf das 20-jährige Bestehen seiner Hausarzt und dessen Mitarbeitern ge- Blick auf das 20-jährige Bestehen der
europäischen Sektion WONCA-Eu- schult und unterstützt werden. Vereinigung 2015 für ein Vorhaben
rope 2015 für ein Vorhaben aus- Zusammen mit Allgemeinmedizinern ausgelobt worden, das bis dahin zum
gelobt worden, das bis dahin zum des Irish College of General Practioners Nutzen aller Hausärzte in Europa um-
Nutzen aller Hausärzte in Europa und der Finish Medical Society Duo- gesetzt werden kann. „Eine gute Selbst-
umgesetzt werden kann. decim will Professor Gensichen eine sorge verbessert die Arzt-Patienten-
strukturierte Anleitung zur Patienten- Beziehung und das Behandlungsergeb-
„Gerade bei chronischen Erkrankun- selbstsorge entwickeln und testen. Mit nis. Die hausärztliche Versorgung wird
gen, wenn die Behandlung zum All- dem modular aufgebauten Handbuch davon langfristig profitieren“, begrün-
tag gehört, ist der Patient der wich- soll Hausärzten und medizinischem dete der Vorstand seine Entscheidung.
tigste Akteur im Therapieprozess“, so Fachpersonal ein effektives Instrument vdG

www.uniklinikum-jena.de 21
Forschung

Virologen des UKJ testen neue Wirkstoffe gegen Influenza


Erster Schritt auf dem Weg zu neuem Grippemedikament

Neue Substanzen für die Medika- und so schwere Verläufe der Influenza Am mehrstufigen Testprozess sind
mentenentwicklung gegen Grippe und eine Lungenentzündung bzw. Sep- auch Bioinformatiker beteiligt
und sekundäre Bakterieninfektionen sis vermeiden helfen“, erklärt PD Dr.
sind das Forschungsziel eines jetzt am Michaela Schmidtke. Die Biologin vom Substanzen, die diese Tests bestehen,
Universitätsklinikum Jena gestarte- Institut für Virologie und Antivirale durchlaufen dann einen mehrstufigen
ten Projektes. Virologen, Bakterio-
logen und Bioinformatiker suchen
nach neuen Naturstoffen und syn-
thetischen Substanzen, die das von
Influenzaviren und auch von Bakte-
rien produzierte Enzym Neuramini-
dase hemmen. Die Forschergruppe
wird dabei vom Freistaat Thüringen
aus Mitteln des Europäischen Sozial-
fonds mit 750.000 Euro unterstützt.

Die Influenza gehört weltweit zu den


besonders häufigen Infektionskrankhei-
ten. Sie fordert allein in Deutschland
etwa 5000 bis 8000 Todesopfer je Sai-
son. Besonders gefährlich sind dabei
zusätzliche bakterielle Infektionen, die
bis zur Sepsis führen können. Diese
werden durch die virusbedingte Schä-
digung der Atemwege begünstigt.
Wirksamste Gegenmaßnahme ist die
vorbeugende jährliche Influenzaschutz- PD Dr. Michaela Schmidtke (r.) und Martina Richter bei der Bewertung antiviraler Tests. Am
Institut für Virologie und Antivirale Therapie des Universitätsklinikums Jena suchen sie nach
impfung. Seit einigen Jahren gibt es neuen Anti-Grippe-Wirkstoffen, die sich auch gegen Bakterien richten Foto: Szabó
zudem auch Medikamente, die bei
rechtzeitiger Gabe die Vermehrung der
Viren behindern. Neuraminidase-Hem-
mer blockieren ein Enzym, das das Ab- Therapie am UKJ leitet das 2012 gestar- Optimierungsprozess, in dem ihre Wir-
lösen neu gebildeter Viren von der tete Projekt „FluProtect“. kung weiter charakterisiert wird. „Wir
Wirtszelle ermöglicht und ein Verklum- In die engere Wahl als neue Wirkstoff- müssen beispielsweise eine Zellschä-
pen der Viren außerhalb der Zellen ver- kandidaten kommen dabei sowohl Na- digung und Wechselwirkungen mit an-
hindert. Wie die Bakterien gegen Anti- turstoffe und Extrakte, von denen eine deren Medikamenten ausschließen, so-
biotika können aber auch Influenza- antivirale Wirkung bekannt ist, als auch wie untersuchen, bei welchen Bakte-
viren Resistenzen gegen diese Medika- synthetisch hergestellte Substanzen, die rien- bzw. Virustypen, -subtypen und
mente entwickeln, so dass sie ihre Wir- aufgrund ihrer Molekülstruktur an Neu- -stämmen die Substanzen wie stark wir-
kung verlieren. raminidasen binden können. Bei der ken“, zählt Michaela Schmidtke einen
Auswahl der Stoffe arbeiten die Jenaer ganzen Fragenkatalog auf. Mit Hilfe von
Eine Waffe gegen zwei Feinde Wissenschaftler mit Pharmazeuten und Computerstudien sollen dann weitere,
Chemikern aus Innsbruck, Moskau und chemisch ähnliche Stoffe ermittelt und
Neuraminidasen kommen auch bei Bak- Cambridge zusammen. Die Mikrobiolo- auch in das Testprogramm aufgenom-
terien wie z. B. Pneumokokken, vor, die gen des UKJ stellen Bakterienkulturen men werden. Die Wirkstoffkandidaten,
bei grippegeschwächten Patienten Lun- und klinische Isolate von Grippepati- die sich in diesem iterativen Verfahren
genentzündungen und schwere Sepsis- enten, auch mit Influenzatypen, die ge- als am aussichtsreichsten herausstellen,
ähnliche Komplikationen verursachen gen die bekannten Substanzen Resis- werden schließlich auch unter In-vivo-
können. Deshalb wollen die Virologen tenzen entwickelt haben, für die anti- Bedingungen auf ihre Verträglichkeit,
und Bakteriologen jetzt mit einer Waf- virale und antibakterielle Testung zur Bioverfügbarkeit und antivirale Wirkung
fe zwei Feinde schlagen. „Wir suchen Verfügung. Die Wirkstoff-Kandidaten untersucht. Eine besondere Rolle kommt
nach neuen Wirkstoffen, die sich so- müssen sich zunächst in Enzym-, Zell- in diesem komplexen Testprozess den
wohl gegen die virale als auch gegen kultur- oder Bakterien-basierten Tests Bioinformatikern am Jenaer Hans-Knöll-
die bakterielle Neuraminidase wenden beweisen. Institut zu: Sie analysieren schon publi-

22 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Forschung/Kurzmeldungen

zierte Ergebnisse und die Daten, die im insgesamt 750.000 Euro aus dem Euro- kament zur Verfügung stehen“, dämpft
Projekt gewonnen werden. Ihr Ziel be- päischen Sozialfonds. Das Projekt wird Dr. Schmidtke allzu frühe Hoffnungen.
steht darin, Molekülstruktur-Wirkung- von einem Firmenbeirat begleitet, dem „Aber diese könnten dann schwere Kom-
Beziehungen sowie therapeutische Ef- fünf Jenaer Biotechnologieunternehmen plikationen bei Infektionen mit resisten-
fekte der Neuraminidase-Hemmer vor- angehören. „Wenn wir neue Neuramini- ten Influenzaviren verhindern und den
herzusagen sowie die Wirkstoffsuche dase-Hemmer finden, die all unsere Tests Antibiotika-Einsatz gegen bakterielle
und -testung effektiver zu gestalten. bestehen, wird es nochmals etwa zehn Sekundärinfektionen verringern helfen.“
Das Thüringer Wirtschaftsministerium Jahre voller Forschungs- und Entwick- Bereits im Januar begann die Testung
fördert „FluProtect“ für drei Jahre mit lungsarbeit dauern, bevor sie als Medi- der ersten 80 Substanzen. vdG

DNA in der Werkstatt: Geriatrie des Uniklinikums


Erwin-Reichenbach-Preis Wilhelm-Sander-Stiftung Jena erhält Qualitätssiegel
für UKJ-Zahnmediziner unterstützt Forschung
Die Klinik für Geriatrie des UKJ erhielt
Die Zahnärztekammer Sachsen-An- jetzt das Qualitätssiegel des Bundesver-
halt hat im Januar Christian Wetter- PD Dr. Christian Melle von der Arbeits- bandes Geriatrie. Anhand der baulichen
hahn mit dem Erwin-Reichenbach- gruppe Biomolekulare Photonik am und strukturellen Voraussetzungen, der
Förderpreis ausgezeichnet. Der Dok- Universitätsklinikum Jena erforscht die fachlichen Qualifikation des interdiszi-
torand der Medizinischen Fakultät Rolle eines Regulator-Eiweißes aus der plinären Teams und der Abläufe in der
Jena erhielt die mit 2500 Euro do- S100-Proteinfamilie bei der homologen Klinik bescheinigt es den Jenaer Alters-
tierte Ehrung für seine Forschung an Rekombinationsreparatur. Bei diesem medizinern großes Engagement und eine
winzigen Kanälen in der Zahnsub- zentralen DNA-Reparaturprozess wird hervorragende Versorgung ihrer Patien-
stanz. Mit der Auszeichnung, die zum anhand des intakten Schwester-Chro- ten. Über 600 betagte Patienten betreut
10. Mal vergeben wurde, würdigt die mosoms, das als Sicherungskopie in der das gut 40-köpfige Team um Chefärz-
Kammer die praxisnahe zahnmedizi- Zelle vorliegt, die beschädigte Struktur tin Dr. Anja Kwetkat im Jahr. Seit einem
nische Forschung. Namensgeber ist im lädierten Chromosom wiederherge- Jahr bietet die Klinik auch zehn Plätze
Erwin Reichenbach, der von 1947 bis stellt. Das Forschungsvorhaben wird in einer Tagesklinik, die die Schnittstelle
1961 die Unizahnklinik Halle leitete. von der Wilhelm-Sander-Stiftung ge- zwischen ambulanter und stationärer
fördert. Versorgung darstellt.

Auszeichnung für Jenaer


Erstmals ein Handbuch zu überzähligen Kinderdiabeteszentrum
Markerchromosomen erschienen
Der Verein Diabeteszentrum für Kinder
PD Dr. Thomas Liehr vom Institut für und Jugendliche Jena e. V. ist in Berlin
Humangenetik ist der Autor des ers- mit dem 1. Platz des Bayer Fine Star
ten Fachbuches zu überzähligen Mar- ausgezeichnet worden. Der Fine Star
kerchromosomen, das jetzt im Sprin- wird für deutschlandweite Projekte ver-
ger-Verlag erschienen ist. Als Hand- geben, die sich auf kreative Weise für
buch für Humangenetiker und Klini- Kinder mit Diabetes einsetzen. Der Preis
ker fasst es das gesamte aktuelle Wis- ist mit 10 000 Euro dotiert.
sen zu diesen Überzahlchromosomen Durch persönliche und berufliche Er-
zusammen, einschließlich der neues- fahrungen geprägt, gründeten unter
ten Forschungsergebnisse und zahl- anderem Dr. Axel Dost von der Kinder-
reicher Patientenberichte. klinik des Universitätsklinikums Jena,
Menschen haben in der Regel insge- Dr. Jutta Wendenburg sowie Liane und
samt 46 Chromosomen, wobei jedes Stephan Hansberg 2007 das Diabetes-
Chromosom doppelt vorkommt, ab- zentrum für Kinder und Jugendliche
gesehen von den X-und Y-Chromo- Jena e. V. Seit 2009 gibt es eine Bera-
somen bei Männern. Rund drei Mil- stammt und unterschiedliche Formen tungsstelle als Anlaufpunkt für Famili-
lionen Menschen weltweit haben je- haben kann. Etwa ein Drittel der Trä- en. Mit der Gründung des Vereins ent-
doch zusätzlich ein überzähliges ger zeigen klinische Symptome, wäh- stand ein Netzwerk, in dem Kinderdia-
Marker-Chromosom, das aus einem rend sich bei den anderen keine phä- betologen, Diabetesberaterinnen, eine
der 24 menschlichen Chromosomen notypischen Effekte zeigen. vdG Sozialpädagogin und ein Psychologe
zusammenarbeiten.

www.uniklinikum-jena.de 23
Forschung

Beziehungsbarometer eichen
Medizinpsychologen vergleichen Methoden in der Bindungsforschung

Medizinpsychologen des Universitäts-


klinikums Jena untersuchen gemein-
sam mit Dresdner Kollegen verschie-
dene Messmethoden, mit denen die
Bindungserfahrungen und die Fähig-
keit zum Aufbau einer engen Bezie-
hung erfasst werden. Sie testen vor-
handene Interview- und Beurteilungs-
methoden auf ihre Aussagekraft und
Vergleichbarkeit, denn die sichere Di-
agnose individueller Bindungsmuster
ist eine wichtige Grundlage für die
Psychotherapie. Die Studie wird von
der Deutschen Forschungsgemein-
schaft mit 250.000 Euro gefördert.

Der Eigenbrötler, die klammernde Freun-


din oder jemand mit langer Facebook-
Freundeliste – in ganz unterschiedlicher
Weise bauen Menschen Bindungen zu Eine Kamera zeichnet das Interview auf, das die Psychologin Sashi Singh (l.) mit einer Studien-
anderen auf, erwarten Nähe, Fürsorge, teilnehmerin führt Foto: Szabó
Schutz und Trost von einem Bindungs-
partner und fühlen sich selbst der Lie- Kindheit bis ins Erwachsenenalter er- chologen ebenso viele gesunde Proban-
be, Zuwendung und Aufmerksamkeit fragt. Zwei Wissenschaftler werten den. In Auswertung der Interviews und
anderer wert. Die ersten und zugleich dann die Antworten und die Videoauf- Einschätzungen können sie verschiede-
wichtigsten Bindungserfahrungen ver- zeichnung der Interviews unabhängig ne Bindungsstile ableiten, die sich, ganz
mittelt die Beziehung zwischen Mutter voneinander sprachanalytisch aus. Ähn- grob, in den sicheren und den unsiche-
und Kind, die die Fähigkeit prägt, sich lich laufen die „Adult Attachment Inter- ren Bindungstyp unterteilen lassen.
auf andere einzulassen. Doch auch im views“ ab, allerdings erfragen diese nur
Erwachsenenalter hängt das Bindungs- die Kindheitserfahrungen. „Für diese Weiterentwicklung der Methoden
muster mit dem Erleben und Verhalten sprachbasierten Fremdeinschätzungs- und der Bindungstypisierung
in nahen Beziehungen zusammen. verfahren werden die Interviewer spe-
„Aus zwei verschiedenen Forschungs- ziell geschult, denn sie müssen sich den Mit der Auswertung der verschiedenen
traditionen heraus haben sich unter- Befragten gegenüber sehr neutral ver- bindungsdiagnostischen Methoden
schiedliche bindungsdiagnostische Me- halten“, so die Psychologin Sashi Singh, verfolgen die Psychologen gleich meh-
thoden entwickelt. Ob diese das glei- die in dem Projekt mitarbeitet. rere Ziele. „Zum einen wollen wir er-
che messen und wo sie eventuell gar Die Probanden sollen ihre Bindungs- mitteln, inwieweit die Tests zum selben
nicht oder nur eingeschränkt anwend- muster aber auch anhand spezieller Fra- Ergebnis führen, wo sie sich widerspre-
bar sind, ist bisher kaum untersucht“, gebögen, die in der sozial- und persön- chen und warum das so ist“, sagt Pro-
beschreibt Studienleiter Professor Dr. lichkeitspsychologischen Forschung fessor Strauß. „So können wir diese
Bernhard Strauß den Ausgangspunkt entwickelt wurden, selbst einschätzen. Messinstrumente empirisch fundiert
des Projektes. Der Direktor des Instituts Zusätzlich absolvieren sie computer- weiterentwickeln, um die Bindungs-
für Psychosoziale Medizin und Psycho- basierte Assoziationstests, die die eher typen verlässlicher, genauer und öko-
therapie am UKJ hat einen Interview- unbewusste Reaktion auf Bindungsfra- nomischer zu charakterisieren.“ Darüber
Typ, das „Erwachsenen-Bindungspro- gen erfassen und auswerten. Befragt hinaus ermöglicht der direkte Vergleich
totypen-Rating“, selbst mitentwickelt. wird eine Gruppe von 175 Angstpatien- der beiden Probandengruppen, etwas
ten mit einer Panikstörung, die von Dr. über Gemeinsamkeiten und Unterschie-
Standardisierte Interviews und Katja Petrowski im Angstzentrum der de in den Bindungsmustern von Angst-
Selbsteinschätzungen Klinik und Poliklinik für Psychotherapie patienten und Personen ohne psycho-
und Psychosomatik am Dresdner Uni- logische Störung auszusagen. Die Erfas-
Dabei werden in standardisierten Inter- versitätsklinikum betreut werden. Als sung von Auffälligkeiten im Bindungs-
views die Bindungserfahrungen von der Vergleichsgruppe interviewen die Psy- verhalten gehört zur psychologischen

24 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Forschung

Diagnostik und hat Konsequenzen für Projektmitarbeitern in Jena und Dres- re Hundert einzelne Tests werden in den
die Therapie. „Allein schon, weil zwi- den sowie studentischen Hilfskräften, die kommenden zwei Jahren auszuwerten
schen Patient und Therapeut auch eine im Projekt ihre Master- oder Diplomar- sein. Für die richtige Bindung innerhalb
Art von Bindung entstehen muss“, er- beit anfertigen, führt sie seit Ende des der Arbeitsgruppe sorgen regelmäßige
klärt Sashi Singh. Gemeinsam mit den vergangenen Jahres Interviews. Mehre- Projekttreffen. vdG

Drei Forschungsverbünde bewarben sich um IZKF-Förderung


Fakultät fördert optische Untersuchungen von
Membranprozessen
Das Interdisziplinäre Zentrum für Klini-
sche Forschung der Medizinischen Fa-
kultät fördert einen Verbund aus Phy-
siologen, Anatomen, Genetikern, Bio-
chemikern, Biophysikern und Physiko-
chemikern, der mit biophotonischen
Technologien Dynamik und Stabilität
von zellulären Membranprozessen un-
tersuchen will. Als einer von drei Anträ-
gen war der der Biophotoniker mit Pro-
fessor Christoph Biskup als Sprecher bei
der Begutachtung im Januar erfolgreich.
Die Jury bildete der Wissenschaftliche
Beirat des IZKF, der aus 14 renommier-
ten Medizinern und Lebenswissen-
schaftlern in Deutschland besteht. Nach
Unter dem kritischen Blick
der Vorstellung der jeweiligen For- der Jurymitglieder erläu-
schungsziele und einer Posterpräsen- tern die Wissenschaftler
tation der geplanten Teilprojekte be- ihre Projekte Foto: UKJ
fragte die Jury die Jenaer Antragsteller
eingehend nach ihren wissenschaft-
lichen Vorarbeiten und bisherigen Ko- Begutachtung. Im März beginnt die gung einer Forschergruppe bei der
operationen. Zusätzlich zur Förderemp- Forschungsarbeit im neuen Verbund. Deutschen Forschungsgemeinschaft
fehlung gab die Jury allen drei Antrags- Sie soll die Grundlage für die Beantra- bilden. vdG
gruppen wertvolle Hinweise für die Prä-
zisierung ihrer Vorhaben.

Insgesamt schätzte der Beiratsvorsit-


zende, Professor Andreas Draguhn aus
Heidelberg, das IZKF, das nach einer
Neustrukturierung in den vergangenen
Jahren vor allem Forschungsinitiativen
des wissenschaftlichen Nachwuchses
und in den Schwerpunkten der Fakul-
tät unterstützt, als „ein hervorragen-
des Förderinstrument für die transla-
tionale biomedizinische Forschung in
Jena“ ein. Beeindruckt zeigten sich die
Gutachter auch von Vorträgen, in de-
nen Nachwuchsforscher Ergebnisse ih-
rer vom IZKF geförderten Projekte vor-
stellten, und von der sehr aktiven Teil-
nahme vieler junger Mitarbeiter bei der

www.uniklinikum-jena.de 25
Forschung

Vielseitige Nanopartikel gegen Krebs


UKJ-Radiologen erforschen in EU-Verbund die Anwendung von
magnetischen Nanopartikeln in der Krebsdiagnose und -therapie

Gemeinsam mit Wissenschaftlern


aus sieben europäischen Ländern er-
forschen Radiologen des Universi-
tätsklinikums Jena die Anwendung
von multifunktionellen magneti-
schen Nanopartikeln zur Detektion
und Bekämpfung von Krebs. Verse-
hen mit speziellen Antikörpern sol-
len die Eisenoxidteilchen die Krebs-
zellen erkennen und sich zielgerich-
tet an sie anlagern, so dass zum ei-
nen auch kleinste Absiedlungen im
MRT sichtbar werden. Zum anderen
sollen die Partikel durch äußere Ma-
gnetfelder für eine Überhitzung der
Zellen sorgen und mit zusätzlichen
Wirkstoffen ausgestattet werden.
Das auf vier Jahre angelegte Projekt
zur vorklinischen Forschung wird mit Prof. Ingrid Hilger zeigt eine Probe der Nanopartikel, die im Forschungsprojekt „Multi-
fun“ zu Mehrzweckwaffen gegen Krebs aufgerüstet werden sollen Foto: Grau
knapp 10 Millionen Euro von der EU
gefördert.

Die Nanotechnologie ermöglicht nicht


nur in der Umwelttechnik oder bei „Auf diese Weise entstehen multifunk- Tumorzelle bringen und wie sich die
Beschichtungen völlig neue Material- tionelle Nanopartikel“, erklärt die Lei- Partikel gegenüber gesunden Zellen
eigenschaften und Anwendungen, auch terin der Arbeitsgruppe im Zentrum für verhalten. Danach folgen Untersuchun-
die Mediziner erforschen mit großen Er- Radiologie, Prof. Dr. Ingrid Hilger, den gen im Tiermodell zur Bioverträglich-
wartungen neue Einsatzfelder für die Projektnamen „Multifun“. „Als Kontrast- keit und Pharmakokinetik der Nanopar-
Kleinstteilchen. Im Verbund mit 15 Part- mittel machen sie kleinste Tumoren im tikel. Dabei wird zum Beispiel erfasst,
nereinrichtungen aus insgesamt sieben Magnetresonanzbild sichtbar, sie trans- wie lange die Partikel im Körper ver-
Ländern Europas haben die Mitarbei- portieren die Chemotherapeutika direkt bleiben und ob es giftige Abbauproduk-
ter der Arbeitsgruppe Experimentelle zu den Krebszellen und durch ihre ma- te gibt.
Radiologie am Universitätsklinikum gnetischen Eigenschaften können wir „Schließlich testen wir als Vorausset-
Jena jetzt begonnen, nanometerklei- direkt im Tumor Wärme induzieren, um zung für klinische Studien die ange-
ne Eisenoxidpartikel zu zielgenauen ihn zu überhitzen.“ strebten diagnostischen und therapeu-
Mehrzweckwaffen gegen Brust- oder Die vielseitigen Kleinstpartikel könnten tischen Funktionen der Partikel auch im
Bauchspeicheldrüsenkrebs aufzurüs- so dazu beitragen, dass Tumorerkran- Tiermodell“, so Ingrid Hilger. Mit fünf
ten. kungen und Rückfälle früher erkannt Projektmitarbeitern wird die Human-
und zielgerichteter, das heißt mit we- biologin beispielsweise untersuchen,
Zunächst müssen in einem ersten Pro- niger Nebenwirkungen, behandelt wer- wie sich die Partikel im Tumorgewebe
jektschritt die biokompatiblen Partikel den können. Die vorklinischen Tests zu anreichern, welche Parameter das äu-
mit den gewünschten magnetischen Ei- dieser verheißungsvollen Perspektive ßere Magnetfeld für eine optimale Ge-
genschaften in ausreichender Menge werden den Großteil des Multifun-Pro- webeerwärmung haben muss und wel-
hergestellt werden. Eine weitere biotech- jektes ausmachen. Denn zunächst müs- che Mechanismen zum Tod der Tumor-
nologische Herausforderung ist die Aus- sen die Wissenschaftler überprüfen, ob zellen unter diesen Bedingungen füh-
rüstung der Partikel mit funktionellen die Nanopartikel in der Zellkultur wie ren.
Molekülen: Spezifische Antikörper sol- gewünscht funktionieren: Ob sie sich
len den Nanopartikeln den Weg zu den an und in die Brust- bzw. Pankreas- Das Multifun-Projekt wird im 7. For-
Krebszellen weisen, so dass außerdem krebszellen fest einlagern, für die ge- schungsrahmenprogramm der Europä-
aufgebrachte Zytostatika und Wachs- wünschte Erhitzung sorgen können, die ischen Union mit 9,8 Millionen Euro
tumshemmer genau hier wirken können. Antikrebswirkstoffe unbeschadet zur gefördert und läuft bis 2015. vdG

26 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Pflegedienst

Stolz auf das Erreichte


32 Schwestern und Pfleger absolvierten Intensivpflege-Weiterbildung

Vor 100 Jahren verstarb in Mitteleu- zeichnet wurde, unterstreicht das hohe
ropa jedes vierte Kind vor der Voll- Niveau der Jenaer Kurse.
endung des ersten Lebensjahres, und Diagnostik und Therapie werden immer
noch vor 30 Jahren hatten die meis- komplexer und damit steigen auch die
ten an Krebs erkrankten Kinder oder Anforderungen an all jene, die an der
sehr kleine Frühgeborene kaum professionellen Versorgung Schwerst-
Überlebenschancen. Dass sich das kranker beteiligt sind. Mitentscheidend
grundlegend geändert hat, ist der ra- für den Behandlungserfolg ist eine qua-
santen Entwicklung der Medizin ein- litativ hochwertige Pflege, betonte der
schließlich der Intensivmedizin und Leitende Oberarzt der Intensivstation II
den dort tätigen Ärzten und Pflegen- des UKJ, PD Dr. Andreas Kortgen, und
den zu verdanken. Und das gilt für hob das ganz besondere Engagement der
die Kinderheilkunde wie für die Er- Schwestern und Pfleger hervor, die sich
wachsenenmedizin, sagte der Direk- neben der tagtäglichen beruflichen He-
tor der Universitäts-Kinderklinik rausforderung der fachlichen Weiterbil-
Jena, Prof. Dr. James F. Beck, am 28. dung stellen. Das taten auch Angelika
Februar 2012. Völkner und Ingo Kühn, die zudem mit
einem Augenzwinkern daran erinnerten,
32 Fachkrankenschwestern und -pfleger dass die Fachweiterbildung zwar über-
– 21 für Intensivpflege und Anästhesie wiegend, aber keinesfalls ausschließlich,
Angelika Völkner und Ingo Kühn leiten die Fach-
sowie 11 für Pädiatrische Intensivpflege aus Seminaren, Praktika, Klausuren, Re- weiterbildungen für Intensivpflege am UKJ
– erhielten an diesem Tag am Uniklini- feraten und Facharbeiten besteht... mv Foto: Vöckler
kum Jena die Abschlusszeugnisse. Ver-
dienter Lohn einer erfolgreichen zwei-
jährigen Fachweiterbildung, die parallel
zu den beruflichen und häufig auch fa-
miliären Verpflichtungen stattfand und
allen Beteiligten viel abverlangte.
„Sie können stolz auf das Erreichte sein“,
betonte Arne-Veronika Boock und ver-
wies darauf, dass in den letzten zwei
Jahrzehnten in Jena fast 200 Mitarbei-
ter des UKJ und etwa 90 Pflegende aus-
wärtiger Krankenhäuser auf dem Gebiet
der Intensivpflege weitergebildet wur-
den. Die Pflegedirektorin hob das En-
gagement der langjährigen Leiter der
Fachweiterbildungen, Angelika Völkner
(Pädiatrie) und Ingo Kühn, sowie der
zahlreichen Referenten, Mentoren, Fach-
ärzte, -schwestern und -pfleger hervor,
die sich um die Weiterbildung verdient
gemacht haben. Dass Angelika Völkner
und Ingo Kühn an den Rahmenricht-
linien der Intensivpflege-Fachweiterbil-
dung der Deutschen Krankenhaus Ge-
sellschaft mitarbeiten und mit Franzis-
ca Rieger erneut eine Absolventin der
Jenaer Fachweiterbildung mit dem In-
tensivpflegepreis der Deutschen Gesell-
schaft für Fachkrankenpflege ausge-

www.uniklinikum-jena.de 27
Absolventenverabschiedung

Ausgezeichneter Jahrgang

Grund zur Freude hatten am 13. Ja- Die Approbation als Zahnarzt ist Ihre heit bei Kindern und Erwachsenen. „Die
nuar die Jenaer Zahnmediziner. Wäh- Eintrittskarte in ein neues Leben, sagte verstärkte Orientierung auf Prävention
rend der festlichen Abschlussfeier Prof. Dr. Dr. Stefan Schultze-Mosgau, und Prophylaxe hat in einem erhebli-
wurden 37 Absolventinnen und 16 der in seinem Festvortrag auf das Stu- chen Maße dazu beigetragen, dass heu-
Absolventen in den „Ernst des Lebens“ dium zurückblickte und dabei die ver- te wesentlich seltener gebohrt oder ex-
verabschiedet. Und die Bilanz konnte schiedenen Facetten von der Ausbil- trahiert werden muss. Im Gegensatz zu
sich sehen lassen: Elf Mal „sehr gut“ dung und den Studienbedingungen früheren Generationen werden deshalb
und 42 Mal „gut“, bei einem Noten- über das Studentenleben bis zur ge- zahlreiche Menschen auch im hohen
durchschnitt von 1,77. meinsamen Geselligkeit beleuchtete. Alter noch einen guten Zahnstatus ha-

Der Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Prof. Dr. Harald Küpper, gratuliert den Absolventen. Andrea Peschke, Maria Franc-
zyk, Anne-Sophie Hajduk und Kristin Kronberger umrahmten die Veranstaltung musikalisch Fotos: Vöckler

Ausgezeichnete Leistungen eines aus- Prof. Schultze-Mosgau verwies auf das ben“, sagte Prof. Stefan Schultze-Mos-
gezeichneten Jahrgangs, befand der erfolgreiche Bemühen des Lehrkörpers gau, der abschließend die enge und kol-
Geschäftsführende Direktor des Zen- und aller Mitarbeiter des ZZMK, ein Stu- legiale Zusammenarbeit mit der Lan-
trums für Zahn-, Mund- und Kieferheil- dium auf hohem Niveau zu organisie- deszahnärztekammer Thüringen her-
kunde (ZZMK) am UKJ, Prof. Dr. Harald ren und den Studierenden zusätzliche vorhob.
Küpper, der neben der Ausbildung auf Lehrangebote zu unterbreiten. Dabei
hohem Niveau auch das gute Verhält- nehmen die Schwerpunkte Prävention Auf eine mehr als 20-jährige erfolgrei-
nis zwischen Studierenden und Lehren- und Prophylaxe einen immer breiteren che zahnärztliche Selbstverwaltung in
den hervorhob: „Die Studierenden füh- Raum ein. Sehr erfreulich sei, dass an- Thüringen blickte Landeszahnärztekam-
len sich an unserer Universität, unse- nähernd 90 Prozent der Jenaer Zahn- mer-Präsident Dr. Andreas Wagner zu-
rem Zentrum und in Jena sehr wohl.“ medizinstudenten das Studium in der rück. Diese zu erhalten sei heute wich-
Regelstudienzeit beenden, ebenso der tiger denn je, betonte Dr. Wagner, der
Das bestätigte auch Zahnarzt Martin relativ geringe Anteil der Studienabbre- auf die sich häufig ändernden wirt-
Deichsel, der im Namen der Absolven- cher, betonte der Direktor der Klinik für schaftlichen und rechtlichen Rahmen-
ten für die Ausbildung am ZZMK dankte Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. bedingungen verwies, die die Arbeit der
und „auf fünfeinhalb unvergessliche Obwohl in Deutschland im letzten Jahr- Zahnärzte nicht leichter machen, und
Jahre in Jena“ zurück blickte. Begeis- zehnt die Zahl der Zahnmedizin-Absol- der sich gegen Versuche wandte, die
tert sei er nicht gewesen, als ihm von venten auf rund 1700 (2010) und die zahnärztliche Selbstverwaltung und
der Zentralstelle für Studienplatzver- zahnärztliche Versorgung von 73 auf 82 Freiberuflichkeit in Frage zu stellen.
gabe Jena als Studienort zugewiesen Zahnärzte pro 100.000 Einwohner ge- „Wir werden Sie jederzeit unterstützen,
wurde. Doch diese anfänglichen „Zahn- stiegen ist, sind die Berufsaussichten auch durch vielfältige Fort- und Wei-
schmerzen“ gaben sich schnell: „Schon nach wie vor sehr gut. Positiv entwi- terbildungsangebote“, versprach der
bald war ich von der Stadt und der At- ckelt haben sich in den letzten Jahren Kammerpräsident den jungen Kollegen.
mosphäre total begeistert.“ auch die Mundhygiene und -gesund- mv

28 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Mosaik

Empfehlungen aus der Kinderbibliothek

Wir haben in unseren Empfehlungen


aus der Kinderbibliothek schon einmal
ein Buch aus der Reihe „Das Magische
Baumhaus“ besprochen. Weil diese Bü-
cher den Kindern gut gefallen, möch-
ten wir diese Reihe heute etwas aus-
führlicher vorstellen.
Das Geschwisterpaar Philip und Anna
entdeckt im Wald ein Baumhaus voller
Bücher, aus allen Orten der Welt, aus
allen Zeiten und Kulturen. Das Baum-
haus gehört der Zauberin Morgan, mit
deren Hilfe es möglich ist, in jedes Land
und in jede Zeit zu reisen, um dort die
Abenteuer zu bestehen, die ihnen die
Zauberin aufgibt. Doch keine Angst,
wenn es gefährlich wird, steht Morgan
den Kindern stets hilfreich zur Seite.
Es ist eine interessante, Phantasie an- Große Auswahl für kleine Patienten Foto: Vöckler
regende und Wissen vermittelnde Lek-
türe für Leser ab 8 Jahre. Zum Vorlesen Die Verfasserin der bereits auf mehr als zahlreichen Ländern begeistert und fas-
ist es ohne Weiteres auch für 5- bis 6- 40 Titel angewachsenen Reihe ist Mary zinieren noch immer, weil sie die Mäd-
jährige Kinder geeignet. Pope Osborne. Die Bücher sind sehr chen und Jungen zum Mitmachen auf-
schön illustriert und auch wegen der fordern. Sie werden angehalten, Dinge
Hier nur einige der zahlreichen Titel: großen Schrift sehr gut zu lesen. oder Personen zu bestimmten Themen
Geheimnis der Mumie zu suchen, wie bei
Im Land der Samurai Um auch unsere ganz kleinen Patien- Komm mit ans Wasser
Im Schatten des Vulkans ten spielerisch an das Buch heranzu- Hier in den Bergen
Die Insel der Wikinger führen und sie von ihren Problemen ab- Unsere große Stadt
Abenteuer in Olympia zulenken, haben wir in unserer Kinder- Bei uns im Dorf
Der geheime Flug des Leonardo (da Vinci) bibliothek auch Bücher ohne Text.
Abenteuer auf dem Mond Zu diesen gehören unter anderem die Unsere kleinen Leser können sich mit
Bücher von Ali Mitgutsch, der dafür diesen, wie auch den „Wimmelbüchern“
Selbstverständlich lernen die kleinen bereits 1969 den Deutschen Literatur- allein beschäftigen. Sie sind aber auch
Leser auch die Tierwelt kennen: preis erhielt. Die Bücher haben in- nützlich für die Arbeit der Erzieherin-
Der Ruf der Delphine zwischen Generationen von Kindern in nen. Hilde Werner
Im Tal des Löwen
Gorillas auf der Spur
Auf den Spuren der Eisbären
Im Reich des Tigers
Das verborgene Reich der Pinguine

Zahlreiche Abenteuer sind zu bestehen:


Verschollen auf hoher See
Im Land der ersten Siedler
Abenteuer in der Südsee
Im Bann des Eiszauberers
Piratenspuk am Mississippi
Die Rätsel der Geisterstadt

Und selbst in die Welt der Oper (Die ge-


heime Macht der Zauberflöte) werden
die kleinen Leserinnen und Leser ent-
führt.

www.uniklinikum-jena.de 29
Mosaik

Foto: Vöckler

Fantasievolle Sicht der Welt


Es war eine außerordentlich anrühren- und pädagogischen Leitung von Mar- ven Selbstverständlichkeit und Fanta-
de Veranstaltung, als im Januar in der tina Heller betrieben wird. sie, aber zum Teil auch mit welch tech-
Magistrale unseres Klinikums die Bil- Anrührend war die Veranstaltung vor nischer Perfektion viele der Werke ge-
derausstellung eröffnet wurde. Sie steht allem deshalb, weil die Behinderten schaffen wurden. Es zeigt einmal mehr,
unter dem Motto des Goethezitats „Die selbst zu Wort kamen und die Zuhörer wie ambivalent es ist, von Behinderung
Kunst ist eine Vermittlerin des Unaus- ihre innere Bewegung und ihren Stolz zu sprechen. Irgendwie sind wir wahr-
sprechlichen“ und zeigt Arbeiten aus spüren ließen, die Bilder zeigen zu kön- scheinlich alle „normal behindert“, wie
der Werkstatt für behinderte Menschen, nen. Am meisten waren die Profis un- Martina Heller einführend treffend be-
die vom Lebenshilfe-Werk Weimar/ ter den Gästen erstaunt, also diejeni- merkte.
Apolda e. V. unter der künstlerischen gen, die selbst malen, mit welcher nai- Bernd Wiederanders

30 Klinikmagazin Ausgabe 1/2012


Rätselseite

4. Welches zentralasiatische Land ge- 8. In welchem Jahr entstand das unab-


hört mit etwa fünf Prozent seiner Flä- hängige belgische Königreich?
Europareise che zu Europa? a 1465
a Mongolei b 1648
1. Welches Land gehörte zu den sechs b Kasachstan c 1830
Gründungsstaaten der Europäischen c Usbekistan 9. An welcher Stelle der portugiesischen
Wirtschaftsgemeinschaft? 5. Durch die Hauptstadt welches Lan- Atlantikküste befindet sich der west-
a Italien des fließt der Dnepr? lichste Punkt des europäischen Kon-
b Spanien a Ukraine tinents?
c Österreich b Weißrussland a Punta de Tarifa
2. Welches Mitglied der Europäischen c Moldawien b Cabo da Roca
Union liegt geografisch nicht in Euro- 6. Wo befindet sich der Regierungssitz c Ponta do Pico
pa? der Niederlande? 10. Welche Stadt ist mit mehr als zehn
a Malta a in Amsterdam Millionen Einwohnern die bevölke-
b Zypern b in Rotterdam rungsreichste Europas?
c Kanada c in Den Haag a London
3. Womit bezahlt man in Liechtenstein? 7. Was ist der höchste Gipfel der Schweiz? b Paris
a Schilling a Dufourspitze c Moskau
b Franken b Matterhorn
c Euro c Eiger (Auflösung S. 9 unten)

Who’s who?
Europa war nur ein Ziel der Forschungs- Heft 101, Ausgabe 1/2012
reisen des heute Gesuchten. Geboren
Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
wurde der Naturforscher, Ethnologe, derverein des Universitätsklinikums Jena
Reiseschriftsteller und Politiker 1754
nahe Danzig. Mit seinem Vater, einem Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
Pfarrer, ging er als 10-jähriger auf eine Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
erste Forschungsreise nach Russland. Dr. Uta von der Gönna, Öffentlichkeitsarbeit
Nach dem Umzug nach London (1766) Medizinische Fakultät
PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der Apo-
nahm er von 1772-75, ebenfalls mit sei- Professur für Naturgeschichte in Kassel theke des Klinikums und Vorsitzender des
nem Vater, an James Cooks zweiter Welt- und später in Wilna. 1788 wurde er Fördervereins des UKJ
umsegelung teil. Er beschrieb zahlreiche Oberbibliothekar der Universität Mainz. Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik für
Kinder- und Jugendmedizin
unbekannte Tier- und Pflanzenarten der Er bereiste unter anderem Holland, Eng-
Maria Lasch, Pflegedienstleiterin Klinik für
Südsee, sein besonderes Interesse galt land und Frankreich und gehörte nach Innere Medizin, Klinik für Herz- und Thorax-
aber der vergleichenden Länder- und der französischen Besetzung von Mainz chirurgie
Völkerkunde. Noch nicht 23-jährig, wur- im Jahr 1793 zu den Gründern der Main- Layout: Klinisches Medienzentrum
de er 1777 Mitglied der Royal Society zer Republik. Der Reichsacht verfallen,
in London. Im Jahr darauf erhielt er eine starb er 1794 in Paris. Satz: Matthias Vöckler

Druck: Druckhaus Gera GmbH


Ihre Lösung schicken Sie an die In Heft 100 suchten wir:
Redaktionsschluss: 8. März 2012
Redaktion KLINIKMAGAZIN König Konrad I. Dieses Heft wurde überwiegend aus Mitteln
Bachstraße 18 des Fördervereins und Werbeeinnahmen fi-
07743 Jena Jana Butenhoff aus Jena nanziert und auf umweltfreundlichem Pa-
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Redaktionsschluss nächste Ausgabe:
Unter den Einsendern mit der richtigen Susanne Jacobs Mitte April 2012
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und Rainer Strathausen Die Beiträge geben Meinungen der Autoren
Rechtsweges einen Büchergutschein im wieder und müssen nicht mit der Ansicht der
Wert von 40 € und drei Büchergutscheine (Büchergutschein zu je 10 €)
Redaktion übereinstimmen. Die Veröffentli-
im Wert von je 10 €, die von der Jenaer wurden als Gewinner gezogen. chung unverlangt eingesandter Manuskrip-
Universitätsbuchhandlung Thalia ge- te liegt im Ermessen der Redaktion.
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch!

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