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Inhaltsverzeichnis

primo loco
Gemeinsam 3
Gedanken zum neuen Jahr
Ein Stück Himmel für jeden Tag 4
Titel
Dank für fünf erfolgreiche Jahre 5
Sprechstunde: Chronische Erkrankungen im Alter
Breite internistische Kompetenz erforderlich 6
Diagnostik und Therapie
Sorgen und Ängste nehmen 7
Wenn das Herz aus dem Takt kommt… 8
Mitralklappe minimalinvasiv rekonstruiert 9
Vorgestellt: GB Rechnungswesen und Controlling
Ein korrektes Finanzwesen ist die Basis 10
Forschung
Förderpreis für UKJ-Geriatrie 11
Diagnostik und Therapie
Radikal und dennoch subtil 12
„Die Arbeit macht noch immer Riesenspaß“ 13
Effiziente Hilfe für Erwachsene und Kinder mit chronischen Kopfschmerzen 14
Forschung
Photonen im Dienst der Medizin 15
Veranstaltungen 16
Service 17
Vorgestellt: Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Seit 2010 alle Arbeitsbereiche unter einem Dach 18
50 Jahre Neonatologie am UKJ
Hilfe in der kritischsten Phase des Lebens 20
30 Jahre Knochenmarktransplantation am UKJ
Erfindergeist und Enthusiasmus 22
Nachruf 23
Diagnostik und Therapie
Wichtige Funktionen schneller wiederherstellen 24
Patientenbrief
Ankunft im normalen Leben 25
Diagnostik und Therapie
Behandlung von Nierenzelltumoren noch individueller gestalten 26
Personalia
Prostatakrebs-Experte leitet Klinik für Urologie 27
Höchste Sicherheit für Spender und Empfänger 28
Zeit, etwas Neues zu beginnen 29
Mosaik
Farbträume 30
Rätselseite 31

Titelseite: Dank für erfolgreiche Arbeit. Rudolf Kruse wurde am 16. Dezember von den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des UKJ verabschiedet Foto: Szabó

2 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


primo loco

Gemeinsam

Er ist zwei Kilogramm schwer und 20 und Besucher am Universitätsklinikum, Die Testphase war für 18 Monate vor-
Zentimeter groß. Der Unternehmens- die richtigen Wege zu Stationen, Am- gesehen. Die Finanzierung des Projek-
preis „Akzeptanz 2010“ wurde von Be- bulanzen oder anderen Orten zu finden. tes übernahm in dieser Zeit der Förder-
schäftigten mit Behinderung der Töp- Stets freundlich und kompetent werden verein des Universitätsklinikums Jena.
ferwerkstatt des Lebenshilfe-Werkes die Lotsen von Patienten, Angehörigen Schon nach kurzer Zeit zeigte sich der
Weimar/Apolda e. V. entworfen und ge- und Mitarbeitern daher sehr geschätzt. Erfolg. Nach Ablauf des Pilotprojektes
staltet. Dieser Preis wurde am 16. No-
vember 2010 von Landtagspräsidentin
Birgit Diezel, Wirtschaftsminister Mat-
thias Machnig als Schirmherr und Pro-
fessor Norbert Kleinheyer, Verbands-
geschäftsführer des Sparkassen- und
Giroverbandes Hessen Thüringen, dem
Universitätsklinikum Jena für das Koo-
perationsprojekt „Patientenlotsen“ ver-
liehen.

Mit ihrer Unterschrift unter die UN-Kon-


vention über die Rechte von Menschen
mit Behinderung hat sich die Bundes-
regierung im März 2009 zur selbst be-
stimmten Teilhabe am Arbeitsleben be-
kannt. Die Lebenshilfe Thüringen hat
diesen Gedanken aufgegriffen um mit
dem erstmalig verliehenen Preis „AK-
ZEPTANZ“ innovative Unternehmen in Jens-Peter Hinrichs, René Wolf und Maik Wild freuen sich mit Landtagspräsidentin Birgit
Thüringen auszuzeichnen, die in Eigen- Diezel, Wirtschaftsminister Matthias Machnig und Prof. Klaus Höffken über die Auszeich-
regie, in Kooperation mit der Lebens- nung Foto: Michaelis/TLZ
hilfe oder anderen Organisationen Men-
schen mit Behinderung mit beispielhaf- In der Unternehmensphilosophie des hat das Universitätsklinikum die Kosten
tem sozialem Wirken die Teilhabe am Universitätsklinikums hat die konse- übernommen. Auch in Zukunft werden
Arbeitsleben ermöglichen. Mit der Aus- quente Zuwendung zum Patienten ei- wir mit dem Saale Betreuungswerk zu-
zeichnung ist die künstlerische Arbeit nen festen Platz. Aber es braucht Men- sammenarbeiten, die Kontakte intensi-
eines Menschen mit Behinderung ver- schen, die diese „Soziale Wärme“ leben, vieren, und mit dem Preisgeld für den
bunden sowie 3.000 Euro, die der Preis- zum Beispiel unsere Patientenlotsen. Sie selbst gewählten sozialen Zweck wird
träger einem selbst gewählten sozialen richten ihre Zuwendung und Kompe- ein weiterer Patientenlotse finanziert.
Zweck zugute kommen lassen kann. tenz an Patienten, deren Besucher und Bewerbungen gibt es schon!
Das Kooperationsprojekt „Patientenlot- auch manchmal an ihre Kollegen.
sen“ ist Bestandteil des Projekts „Sozia- Für die Patientenlotsen war es gar nicht Mit der Absicht, als Klinikum in sozialer
le Wärme“, das der Vorstand des Uni- so einfach, den Job zu bekommen. Zu- Verantwortung zu handeln, haben wir
versitätsklinikums mit dem Förderver- nächst musste eine interne Bewerbung dieses Projekt für Menschen mit Behin-
ein und dem Saale Betreuungswerk der von Mitarbeitern der Behindertenwerk- derung ins Leben gerufen. Passiert ist
Lebenshilfe Jena gGmbH vor drei Jah- statt erfolgen, an die sich ein Auswahl- jedoch viel mehr! Das Klinikum bekommt
ren ins Leben gerufen hat. Der Alltag im verfahren und die Erstellung eines in- mehr zurück, als es gegeben hat. So war
Universitätsklinikum Jena soll durch die ternen Bildungsplanes anschlossen. Erst und ist auch in Zukunft das Konzept der
Patientenlotsen patienten- und besu- nach erfolgreicher Absolvierung des Bil- Patientenlotsen ein Projekt, das dem
cherfreundlicher gestaltet werden. Die dungsplanes startete eine Trainingspha- Universitätsklinikum Jena etwas wert ist.
Arbeit der Patientenlotsen räumt mit se über drei Monate im Universitätskli- Das betrifft die Wertschätzung der Ar-
dem weit verbreiteten Vorurteil gründ- nikum unter Betreuung eines Bildungs- beit ebenso wie die Finanzierung derer
lich auf, dass Menschen mit Behinde- begleiters des Saale Betreuungswerkes die sie tun.
rung lediglich hilfsbedürftig sind. Drei der Lebenshilfe gGmbH Jena. Nach der
junge Menschen mit körperlichem Han- Trainingsphase erfolgte der offizielle Hartwig Gauder
dicap unterstützen täglich Patienten Start des Pilotprojektes am 1. März 2008. Prof. Dr. Klaus Höffken

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Gedanken zum neuen Jahr

messen, wie man von anderen Abtei-


lungen eingebunden wird, wie man in-

Ein Stück Himmel formiert wird. Manche wünschen sich,


mehr mitreden, mitbestimmen zu kön-
nen. Aber auch daran, wie einmal trans-

für jeden Tag parent beschlossene Entscheidungen


auch ernst genommen und umgesetzt
werden. Klare Regeln geben Sicherheit.
In einem Arbeitsklima, in dem man gerne
seine Lebens- und Arbeitszeit verbringt,
fühlt man sich wohl, kann man sich
identifizieren, kann man sein Bestes ge-
ben. Idealerweise findet man aber dort
ebenso den Platz, wo Selbstfürsorge,
Selbstvertrauen und Vertrauen zum Ar-
beitskollegen, der/die ganz anders ist,
möglich sind.

„Meine Wünsche schicke ich nach


oben...“ Ob sie da Gott hört? Oder das
Schicksal? Wer ist schon unter uns, der
sein Leben zu hundert Prozent in der
Hand hat? Oft verstehen wir die Zu-
sammenhänge nur in Bruchteilen, ver-
suchen es mit Ursache-Wirkung, mit
Schuld-Anteil, sehen uns als Akteur–
Manchmal Einige Kolleginnen und Kollegen haben Opfer. Erleben wir Gutes, weil wir es uns
da möchte ich mich wieder die Arbeitsstelle gewechselt und damit wünschen? Oder weil wir das Schlimms-
einmal ins Gras legen das Klinikum verlassen, wie zum Beispiel te befürchteten und es nicht eintrat?
und zum Himmel hochschauen. Frau Sonntag. Sie war seit18 Jahren im
Den Wolken möchte ich nachsehen Klinikum als Seelsorgerin der Evangeli- Dionysius Areopagita formuliert es so:
und meine Gedanken ziehen lassen. schen Kirche tätig. Sie hat viele Men- „Wir sind nicht so klug, dass wir von
Ob es stimmt, dass da oben schen in den Zeiten der Krankheit be- uns selbst immer die Richtung wüssten.
die Freiheit grenzenlos ist? gleitet, war ihnen nahe beim Gesund- Man könnte schon meinen, dass man
werden, war ihnen nahe im Sterben. Ja, einen Felsen ans Schiff zöge, während
Meine Wünsche schicke ich nach oben, jeder Mensch braucht jemanden, der man doch das Schiff und sich selbst zum
ob sie da oben jemand erhören wird? einem auch einmal freundlich nahe ist, Felsen zieht. Man könnte schon meinen,
Mit den Wolken schicke ich sie sei es im Arbeitsalltag, zu Hause oder im dass man im Leben einen Schritt weiter
auf weite Reisen. Freundeskreis. vorwärts oder rückwärts tut und in
Wahrheit kommt einem nur das andere
Vielleicht finden sie ja ihr Ziel. Liebe Leserinnen und Leser, was wün- entgegen. Man könnte schon meinen,
Bis dahin aber, so vermute ich, schen Sie sich für die kommenden Mo- dass man im Leben fest stünde und die
werde ich erst einmal aufstehen müs- nate? Vielleicht fällt manchem erst anderen kämen zu einem. Und dabei
sen, einmal bei der Frage gar nichts ein. Und bewegt man sich selber auf diese ande-
um dem Glück etwas nachzuhelfen. doch brauchen wir Wünsche im Leben. ren zu, die selbst ganz unbeweglich ste-
Die Seele braucht etwas, worauf sie sich hen. Wer kann wissen, welche Richtung
freuen kann. Vielleicht wechseln die er hat? Wer zieht und wer sich bewegt,
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! Wünsche wie die Wolken am Himmel. wer steht? Der allein, der einen Maß-
Oder ihre Erfüllung fühlt sich so uner- stab hat, der über den Dingen steht –
Der Jahreswechsel liegt hinter uns, ein reichbar an. Auf jeden Fall aber dürfen der Beter.“
neues Jahr, vor uns. Das ist die beson- Wünsche so frei sein wie die Wolken.
dere Zeit im Jahr, in der wir zurück und Und Wünsche brauchen manchmal Vielleicht sind unsere Gebete, unsere
vorwärts schauen können. Dabei wird Mut. Was wünschen Sie sich? Gesund- Wünsche für die kommenden Monate
jetzt schon deutlich: Wie es im Kom- heit zuerst, und dass man die Arbeits- wie ein Weg, der uns sicher den Blick
menden Gutes und Schwieriges geben stelle behält, ein gutes Arbeitsklima, dass zum Himmel heben lässt: frei, voller gu-
wird, so gab es auch im Vergangenen es gut gehen möge mit den altvertrau- ter Kraft, mit Freude, Leichtigkeit und
Gutes und Schwieriges. Es sind Kolle- ten bzw. den neuen Arbeitskollegen, Humor. Ich wünsche uns allen ein Stück
gen in den wohlverdienten Ruhestand dass die Zusammenarbeit Freude macht. Himmel für jeden Tag.
gegangen. Manche, wie der ehemalige Wer möchte sich nicht akzeptiert füh-
Kaufmännische Vorstand Herr Kruse, len mit dem, was man zum Gelingen des Ihre Klinikseelsorgerin
sind zu anderen Ufern aufgebrochen. Ganzen beiträgt? Man möchte es daran Christine Alder Bächer

4 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Titel

Höffken, Medizinischer Vorstand am


UKJ verabschiedet Rudolf Kruse UKJ, „als Manager ebenso wie als

Dank für fünf erfolgreiche Jahre Mensch.“ Großen Respekt zollt dem
scheidenden Kollegen auch Prof. Klaus
Benndorf, Dekan und Wissenschaftli-
cher Vorstand, im Namen der Medizini-

Mit einer Feier verabschiedeten am 16.


Dezember der Verwaltungsrat und der
Vorstand des Universitätsklinikums
Jena den Kaufmännischen Vorstand
Rudolf Kruse. Kruse wird zum Jahres-
ende auf eigenen Wunsch nach über
fünf Jahren an der Spitze des UKJ-
Vorstandes ausscheiden. Künftig
möchte der 60jährige Manager be-
ruflich kürzer treten.

„Rudolf Kruse war als Führungspersön-


lichkeit ein Gewinn für das UKJ. Wir ver-
lieren ihn sehr ungern“, sagt Staatssek-
retär Prof. Dr. Thomas Deufel, der Vor-
sitzende des Verwaltungsrates. „Wie al-
les andere hat Rudolf Kruse aber seinen
Abschied auf die für ihn typische Weise
gestaltet: Er hat diesen Schritt früh an- Verabschiedeten gemeinsam mit zahlreichen Mitarbeitern den Kaufmännischen Vorstand
gekündigt und konsequent umgesetzt“, Rudolf Kruse (2. v. l.): Rektor Prof. Klaus Dicke, Dekan Prof. Klaus Benndorf, Landtags-
präsidentin Birgit Diezel, der Medizinische Vorstand Prof. Klaus Höffken und Staatssekretär
so Deufel weiter. „Wir respektieren die- Prof. Thomas Deufel (v. l.) Foto: Szabó
se Entscheidung und wünschen ihm al-
les erdenklich Gute für seine persönli- Dass dies auf Gegenseitigkeit beruht, schen Fakultät: „Er hat der besonderen
che Zukunft.“ zeigte die Verabschiedung: Über 150 Rolle des UKJ in Forschung und Lehre
Gut gerüstet für die Zukunft präsentiert geladene Gäste und Mitarbeiter des UKJ jederzeit Rechnung getragen und die
sich nach fünf Jahren unter Rudolf Kru- waren gekommen, um sich an seinem Belange der Fakultät außerordentlich
ses kaufmännischer Leitung auch das letzten Arbeitstag vom scheidenden unterstützt.“
UKJ. Im Mai 2005 startete der erfahrene Kaufmännischen Vorstand zu verab- Seinem Nachfolger oder seiner Nach-
Manager in Jena mit mehreren Zielen: schieden. Die Gäste erlebten eine ent- folgerin wünscht Rudolf Kruse viel Er-
Eine drohende Privatisierung des einzi- spannte Feierstunde mit vielen sehr per- folg, auch wenn die Person noch nicht
gen Thüringer Universitätsklinikums zu sönlichen Reden und besonderen Bei- feststeht. „Ihn oder sie erwartet eine
verhindern, einen Wechsel der Rechts- trägen. spannende Aufgabe mit vielen Heraus-
form hin zu mehr Selbstständigkeit für „Rudolf Kruse war für uns ein Glücks- forderungen, aber auch großem Gestal-
das UKJ durchzusetzen und die Unter- fall“, betont zum Abschied Prof. Klaus tungsspielraum.“ HR
nehmenskultur nachhaltig positiv zu
beeinflussen. Damals versprach Kruse
„das Juwel UKJ zum Funkeln“ zu brin-
gen, was auch die wirtschaftliche Sta- „Es gibt bereits alle guten Vorsätze. Wir brauchen sie nur noch anzuwenden.”
bilisierung des größten Thüringer Ar- Blaise Pascal (1623 - 1662)
beitgebers beinhaltete.
Liebe Leserinnen und Leser,
Fünf Jahre später kann Rudolf Kruse nun
absolute Zielerfüllung vermelden und
2010 liegt hinter uns, 2011 hat bereits begonnen. Mit oder ohne
mit Stolz von der Brücke gehen. „Wir
gute Vorsätze – ein neues, unverbrauchtes Jahr liegt vor uns. Wir
schreiben seit Jahren schwarze Zahlen,
können es gestalten und zu einem guten Jahr werden lassen. Wir
das UKJ ist als Teilkörperschaft des öf-
können gemeinsam etwas bewegen, Dinge angehen, die schon lan-
fentlichen Rechts heute handlungsfä-
ge darauf warten, können mutig sein, fröhlich, zuversichtlich und
higer denn je, und wir haben alle unse-
frei von Sorgen. Es liegt zu einem großen Teil in unserer Hand.
re Vorhaben voranbringen können –
Für den Rest wünschen wir Ihnen alles erdenklich Gute. Möge
einschließlich des Neubaus“, konstatiert
2011 Ihnen viel Kraft, Glück und natürlich Gesundheit bringen.
Rudolf Kruse. „Nach all den gemeinsa-
men Kämpfen fällt es mir tatsächlich gar
nicht leicht zu gehen, zumal ich mich Prof. Klaus Höffken Prof. Klaus Benndorf
dem Klinikum und seinen Mitarbeitern Medizinischer Vorstand Wissenschaftlicher Vorstand
sehr verbunden fühle.“

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Sprechstunde: Chronische Erkrankungen im Alter

Breite internistische Kompetenz erforderlich

Als vor fast 130 Jahren die Gesetzli- tener stationär aufgenommen und ope- Entlassung einen vorläufigen ersten
che Krankenversicherung eingeführt riert werden. Entwickelt ein 75jähriger Arztbrief mit allen erforderlichen Infor-
wurde, waren nur etwa acht Prozent dieselbe Krankheit, geht es nicht darum, mationen; der endgültige folgt wenige
der Deutschen im Rentenalter. Heute mögliche Langzeitkomplikationen in 25 Tage später per Post.“
ist der Anteil der Über-65jährigen oder 30 Jahren zu verhindern, sondern Da der Genesungsprozess älterer Pati-
dreieinhalb Mal so hoch und liegt bei den Patienten medizinisch optimal zu enten bei der Entlassung aus dem Kran-
rund 28 Prozent, Tendenz weiter stei-
gend. „Entsprechend erhöhen wird
sich die Zahl chronisch kranker alter
Patientinnen und Patienten“, sagt
Prof. Dr. Andreas Stallmach, Direk-
tor der Abteilung Gastroenterologie,
Hepatologie, Infektiologie der Klinik
für Innere Medizin II des UKJ und
Vorsitzender der Thüringer Gesell-
schaft für Innere Medizin, deren 55.
Jahrestagung „Chronische Erkran-
kungen im Alter“ im November 2010
in Jena stattfand. Die Internistin Jessi-
ca Rüddel (KIM II) im
Gespräch mit einer
„Viele unserer älteren Patienten haben älteren Patientin
neben der akuten noch weitere Erkran- Foto: Szabó
kungen – Ko-Morbiditäten –, die wir
kennen und in unsere Therapieplanung versorgen, damit er so schnell wie mög- kenhaus zumeist noch nicht vollstän-
einfließen lassen müssen“, erläutert Prof. lich wieder in sein soziales Umfeld zu- dig abgeschlossen ist, ist es wichtig,
Stallmach. Entsprechend organisiert ist rückkehren kann und auch in den nächs- bereits im Vorfeld ein effektives ambu-
die internistische Facharzt-Weiterbil- ten Jahren eine gute Lebensqualität hat“, lantes Versorgungsnetz zu organisieren.
dung am Universitätsklinikum Jena. „Das erläutert der Gastroenterologe. „Das reicht von der Übergangspflege
hier angewandte Rotationsprinzip garan- über die niedergelassenen Ärzte und
tiert, dass die Kolleginnen und Kollegen Ein großes Problem bei der Behandlung ambulanten Pflegedienste bis zu den Fa-
in allen internistischen Bereichen tätig chronischer Erkrankungen im Alter ist milien und Altenheimen“, erläutert Prof.
sind und auf diese Weise neben der Spe- auch die Polymedikation, die zu Inter- Stallmach.
zialisierung als Kardiologe, Hämatologe/ aktionen und unerwünschten Neben-
Onkologe, Nephrologe oder Gastroen- wirkungen führen kann. „Dies vollstän- Diskutiert wurden auf der Jahrestagung
terologe eine breite internistische Kom- dig zu überblicken, ist für den behan- der Thüringer Internisten auch die stei-
petenz erwerben, die sie befähigt, den delnden Arzt außerordentlich kompli- genden Kosten im deutschen Gesund-
gesamten Menschen zu sehen.“ ziert. Deshalb bietet die Apotheke un- heitswesen und speziell bei der ambu-
seres Klinikums ein computerbasiertes lanten und stationären Versorgung äl-
Chronische Erkrankungen im Alter sind Medikamenten-Interaktionsportal an. terer Patienten. Von einer Kostenexplo-
durch besondere Probleme und andere Das ist sehr hilfreich und zeigt, wie mo- sion möchte Prof. Stallmach allerdings
Therapieziele gekennzeichnet. „Wird derne Informationstechnologien dazu nicht sprechen: „Wir haben in unserem
beispielsweise bei einem 20jährigen Pa- beitragen, die medizinische Versorgung Gesundheitssystem keine Kosten-, son-
tienten eine chronisch-entzündliche unserer Patienten zu optimieren“, be- dern eine Leistungsexplosion, die mit
Darmerkrankung diagnostiziert, hat die- tont Prof. Andreas Stallmach und ver- dazu führt, dass die Menschen, häufig
ser in der Regel eine Lebenserwartung weist auch auf die elektronische Pati- bei guter Gesundheit und Lebensqua-
von 60 oder 70 Jahren. Entsprechend entenakte, die am UKJ schrittweise ein- lität, immer älter werden. Es gibt heute
definieren wir die Therapieziele: Wir müs- geführt wird. „Sehr wichtig ist in die- – auch dank der Entwicklung minimal-
sen verhindern, dass der Patient Lang- sem Zusammenhang die Kommunikati- invasiver Eingriffe, wie z. B. dem Kathe-
zeitkomplikationen entwickelt und on mit den einweisenden Ärzten, denn ter-gestützten Herzklappenersatz, ein
dafür sorgen, dass es ihm auch in vier nur wenn uns diese alle Medikamente neues Verfahren, bei dem die Kardiolo-
oder fünf Jahrzehnten noch gut geht. und deren exakte Dosierung mitteilen, gische Klinik des UKJ in Deutschland
Durch den Einsatz neuer, hochwirksa- können wir die entsprechenden Schluss- führend ist – selbst für hochbetagte Pa-
mer Medikamente können wir dabei den folgerungen ziehen. Das gilt selbstver- tienten therapeutische Optionen, die
Langzeitverlauf der Erkrankung positiv ständlich auch umgekehrt. Deshalb er- wir noch vor 10 oder 15 Jahren nicht
beeinflussen, die Patienten müssen sel- halten unsere Patienten direkt bei der für möglich gehalten haben.“ mv

6 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Diagnostik und Therapie

Krebserkrankungen betreut, die nach der


Sorgen und Ängste nehmen Operation oftmals eine längere Zeit in
der Klinik bleiben müssen. Unterstüt-
Psychologische Betreuung von Krebspatienten zung erhalten die Krebspatientinnen in
der Frauenklinik auch in einer Informa-
muss dringend verbessert werden tions- und Entspannungsgruppe. Ein
Angebot – unter anderem mit Ernäh-
rungsberatung, Tanztherapie und Ent-
spannungsverfahren zur besseren Be-
Mehrere Hunderttausend Menschen hernd die Hälfte aller Krebspatienten wältigung der enormen psychischen
erkranken in Deutschland jährlich an psychoonkologischen Beratungsbedarf Belastung –, das gern in Anspruch ge-
Krebs. Dank neuer Medikamente und hat, ist das nicht einmal der berühmte nommen wird und den Patientinnen
Operationsverfahren kann heute den
meisten Betroffenen geholfen werden,
viele werden sogar vollständig geheilt.
Doch eine Krebserkrankung ist nicht
nur ein medizinisches, sondern auch
ein psychologisches Problem. Entspre-
chend hoch ist der psychoonkologi-
sche Betreuungsbedarf. „Doch darum
ist es nicht gut bestellt, vor allem im
ambulanten Bereich fehlen die ent-
sprechenden Angebote“, sagt der Di-
rektor des Instituts für Psychosoziale
Medizin und Psychotherapie am UKJ,
Prof. Dr. Bernhard Strauß.

Die psychologischen und ärztlichen


Psychotherapeuten mit aktuellen Aspek-
ten der Psychoonkologie vertraut ma-
chen, wollte deshalb das Symposium Veranstalter und Referenten des Jenaer Psychoonkologie-Symposiums Foto: UKJ
„Psychoonkologische Betreuung von
TumorpatientInnen“, das am 17. No- Tropfen auf den heißen Stein“, be- hilft, diese außerordentlich schwierige
vember in Jena stattfand. schreibt Prof. Strauß die prekäre Situa- Lebenssituation zu bewältigen.
tion. Denn Beratungsbedarf besteht
Die psychoonkologische Betreuung am nicht nur in der Zeit der Konfrontation „Unser Symposium mit mehr als 80 Teil-
Universitätsklinikum Jena liegt vor al- mit der gefürchteten Diagnose, auch in nehmern aus ganz Mitteldeutschland,
lem in den Händen der Mitarbeiter des der Phase der Nachsorge ergeben sich einem einleitenden Vortrag der Leiterin
Instituts für Psychosoziale Medizin und vielfach große Probleme. Dazu gehört der Abteilung Psychoonkologie am Kli-
Psychotherapie sowie der Abteilungen die Angst vor einem Wiederauftreten nikum München-Großhadern, Dr. Pia
Palliativmedizin und Onkologie der Kli- der Krebserkrankung ebenso wie die Heußner, und sehr interessanten Work-
nik für Innere Medizin II. „Wir alle be- Sorge um die Familie, den Arbeitsplatz shops erfreute sich großen Interesses“,
mühen uns um eine gute psychologi- oder die finanzielle Situation. betont Prof. Strauß, dessen Institut die
sche Betreuung der Krebspatienten am Veranstaltung gemeinsam mit der Ost-
Klinikum“, sagt Anke Matthes, die ge- Die Diplom-Psychologinnen Anke Mat- deutschen Psychotherapeutenkammer
meinsam mit Christina Brix für die Pati- thes und Christina Brix betreuen an der und der Abteilung Palliativmedizin des
entinnen des Interdisziplinären Brust- Universitäts-Frauenklinik mehr als 300 UKJ organisierte. „Wir waren uns einig,
sowie des Gynäkologischen Krebszen- Patientinnen pro Jahr. „Wir ermitteln dass die vor allem im ambulanten Be-
trums zuständig ist. „Problematisch ist den psychoonkologischen Beratungs- reich völlig unzureichende psychoon-
vor allem die Betreuung im ambulanten bedarf und suchen die Brustkrebs-Pati- kologische Versorgung, bei der es sich
Bereich, wo der Bedarf das Angebot bei entinnen, die nur etwa vier bis fünf Tage nicht um ein Jenaer, sondern ein allge-
weitem übersteigt, es kaum Termine und in der Klinik sind, meist nach dem ers- meines Problem handelt, dringend ver-
viel zu lange Wartezeiten gibt. Zwar exis- ten postoperativen Tag auf. Wir spre- bessert werden muss. Aber auch im sta-
tiert in Jena eine ambulante Beratungs- chen über das Befinden, die Sorgen und tionären Bereich“, so Prof. Strauß, „ist
stelle für onkologische Patienten, hier Ängste aber auch über den weiteren es erforderlich, die psychoonkologische
ist allerdings kein Psychologe tätig, und Verlauf der Krebstherapie. Zu den meis- Betreuung auf eine solidere finanzielle
die niedergelassenen psychologischen ten Patientinnen haben wir auch spä- Basis zu stellen, um den Bedürfnissen
und ärztlichen Psychotherapeuten kön- ter, während der Chemo- oder Strahlen- der zahlreichen Patientinnen und Pati-
nen nur sehr begrenzt ‚Notplätze‘ für Pa- therapie, Kontakt“, sagt Anke Matthes, enten nach qualifizierten Beratungs-
tienten in Krisensituationen bereithal- die gemeinsam mit Christina Brix auch angeboten noch besser gerecht zu wer-
ten. Wenn man bedenkt, dass annä- die Patientinnen mit gynäkologischen den.“ mv

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Diagnostik und Therapie

Wenn das Herz aus dem Takt kommt…


„Es war vor etwa vier Jahren, mein Patienten, Angehörige und Interessier- te der Direktor der Klinik für Herz- und
Herz begann plötzlich zu rasen, und te, das am 24. November im Rahmen Thoraxchirurgie, Prof. Torsten Doenst.
ich verlor das Bewusstsein. Die Ärzte der Herzwoche 2010 stattfand und sich Dazu wird mittels chirurgischer Schnitt-
am Universitätsklinikum Jena stellten der konservativen und chirurgischen führung in den Vorhöfen ein „Labyrinth“
Kammerflimmern, eine lebensbedroh- Behandlung von Herzrhythmusstörun- (englisch: Maze) aus Narbengewebe
angelegt, das nicht elektrisch leitfähig
ist und zur Unterbrechung der arrhyth-
mischen Erregung führt. Gelingt es we-
der mit dem Kathetereingriff noch mit
der Operation das Vorhofflimmern zu
beseitigen, müssen die Patienten le-
benslang blutgerinnungshemmende
Medikamente einnehmen, um die Bil-
dung von Blutgerinnseln und einen
möglichen Schlaganfall zu vermeiden.
Allerdings gibt es Möglichkeiten, die-
ses zu vermeiden, denn die Blutgerinsel
bilden sich in den so genannten Herz-
ohren, Ausstülpungen des linken Vor-
hofs, die mit einem Pfropfen, der über
einen Katheter eingeführt wird, ver-
schlossen werden können.
Ein schneller, stolpernder Herzschlag
von bis zu 300 Schlägen pro Minute
Dr. Dirk Prochnau und PD Dr. Ralf Surber im Herzkatheterlabor Foto: Schacke kennzeichnet das Vorhofflattern, das
liche Herzrhythmusstörung, fest. Mir gen widmete. „Doch dieses Glück ha- ebenso plötzlich beginnt wie es endet
wurde ein Defibrillator implantiert, ben nicht alle. Allein in Deutschland er- und von wenigen Minuten bis zu eini-
der mich vor einem erneuten Kam- leiden jährlich rund 120.000 Menschen gen Stunden andauern kann. Durch eine
merflimmern schützen sollte. Und tat- ein Kammerflimmern, von denen etwa Elektroschocktherapie (Elektrokardio-
sächlich, etwa ein Jahr später, trat 80.000 am plötzlichen Herztod verster- version) oder die Verödung des Teils des
der Defibrillator selbstständig in Ak- ben“, verdeutlichte der Direktor der Kli-
tion und rettete mir das Leben...“ nik für Innere Medizin I, Prof. Hans-Rei-
ner Figulla, die Dimension des Pro-
„Der damals knapp 70jährige Patient
hatte Glück, dass ihn beim ersten Kam-
merflimmern rechtzeitig ärztliche Hilfe
blems.
Weit weniger gefährlich als Kammer- ist
Vorhofflimmern, an dem zwischen vier
Auflösung
erreichte und ihn beim zweiten der De- und sechs Prozent der Über-60jährigen
fibrillator schützte“, erläuterte der be- und neun bis 15 Prozent der Über- „Kreuzworträtsel“ auf Seite 30
handelnde Kardiologe, Dr. Achim Klum- 80jährigen leiden. Beim Vorhofflimmern
bies, während des Herz-Seminars für überlagern arrhythmische Erregungs-
wellen die regelmäßigen elektrischen
Impulse des Herzens und bringen es aus
dem Takt. „Häufig gelingt es, den Herz-
rhythmus mittels eines Kathetereingriffs
dauerhaft zu normalisieren. Dabei wer-
den im Rahmen einer elektrophysiolo-
gischen Untersuchung die Regionen, die
für das Vorhofflimmern verantwortlich
sind, ermittelt und durch Hitze oder Käl-
te punktförmig verödet. Der Eingriff hat
eine Erfolgsrate von über 75 Prozent“,
betonte Oberarzt PD Dr. Ralf Surber.
„Doch das Vorhofflimmern kann nicht
nur konservativ, sondern auch mittels
Herzschrittmacher der letzten zwei Jahr- eines chirurgischen Eingriffs, der MAZE- „Auf Schienen“ auf Seite 31
zehnte im Größenvergleich
Operation, behandelt werden“, erläuter- 1b, 2b, 3b, 4a, 5b, 6a, 7a, 8c, 9a, 10b

8 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Diagnostik und Therapie

Herzmuskelgewebes, das für die Symp- Batterien müssen nur noch alle sechs nau und verwies darauf, dass auch für
tomatik verantwortlich ist, kann das Jahre gewechselt werden“, verdeutlich- Patienten mit Defibrillator fast alle Frei-
Vorhofflattern beseitigt werden. te Dr. Dirk Prochnau die Fortschritte in zeitaktivitäten möglich sind und auch
der Schrittmachertechnik. Komplika- der Umgang mit elektrischen Haushalts-
Doch Herzen können auch zu langsam tionen sind selten. Lebensgefährlich geräten ungefährlich ist. Gemieden wer-
schlagen. Ein krankhaft langsamer Herz- können allerdings Schrittmacher- oder den sollten allerdings starke elektro-
schlag unter 40 Schlägen pro Minute, Sondeninfektionen werden. „Treten die- magnetische Felder, weshalb MRT-Un-
der mit Schwindel symptomatisch ver- se auf, ist der umgehende Austausch des tersuchungen bei Patienten mit implan-
bunden ist, macht die Implantation ei- gesamten Systems erforderlich“, beton- tiertem Defibrillator nicht durchgeführt
nes Herzschrittmachers erforderlich. te Dr. Prochnau. Das gilt auch für den werden dürfen.
Dieser normalisiert den Herzschlag und implantierten Defibrillator, der, wie ein-
verhindert einen lebensbedrohlichen gangs dargelegt, Patienten mit lebens- Dr. Sigrid Geßner und Dr. Wolfgang Türk
Herzstillstand. „Herzschrittmacher gibt bedrohlichen Herzrhythmusstörungen schilderten die Behandlung von Pati-
es seit mehr als 50 Jahren, der erste und koronarer Herzkrankheit vor dem enten mit Herzrhythmusstörungen aus
wurde 1958 in Stockholm implantiert. plötzlichen Herztod schützt. „Das Gerät der Sicht des niedergelassenen Kardio-
Die Operation war gefährlich und die überwacht den Herzrhythmus kontinu- logen und verwiesen dabei auch auf die
Technik noch nicht ausgereift, auch die ierlich wie ein Langzeit-EKG, es erkennt enge Verzahnung von Hausärzten, Kar-
Haltbarkeit der Batterien, die alle zwei das Kammerflimmern, gibt selbststän- diologen und Klinik, die in Jena bereits
bis drei Stunden gewechselt werden dig einen Stromstoß ab und stellt damit gut funktioniert, im Sinne der zahlrei-
mussten, ließ noch zu wünschen übrig. den normalen Rhythmus wieder her. chen, vor allem älteren Patienten mit
Heute sind die Geräte viel kleiner, leis- „Die meisten Patienten kommen mit die- Herzerkrankungen aber noch weiter in-
tungsfähiger und zuverlässiger und die sem Gerät gut zurecht“, sagte Dr. Proch- tensiviert werden sollte. mv

Satelliten-Live-OP am UKJ
Mitralklappe minimalinvasiv rekonstruiert
Die Teilnehmer des 2. p-c-i-live Kon- dazu wurde in Hamburg ein Patient mit werden. Die Klappe befindet sich zwi-
gresses in München konnten sich An- derselben Diagnose mittels Katherter- schen dem linken Vorhof und der lin-
fang Dezember in mehreren Satelliten- intervertion behandelt. ken Herzkammer, wo das aus dem Lun-
Live-Übertragungen davon überzeugen, genkreislauf einströmende Blut in den
was moderne Herzchirurgie und inter- „Die Klappe des Patienten war hochgra- Körperkreislauf weitergeleitet wird, und
ventionelle Kardiologie zu leisten ver- dig undicht, weil einer der primären verhindert, dass das Blut bei der Kon-
traktion der Herzkammer zurück in den
Lungenkreislauf fließt. „Die regelrechte
Während der Satelliten-Live- Klappenfunktion war bei unserem Pati-
Übertragung aus dem Jenaer enten nicht mehr gewährleistet, und
Herz-OP wurde eine Mitral- deshalb musste das Segel rekonstruiert
klappe minimalinvasiv re-
konstruiert Abb.: medilive werden“, betont die 1.-OP-Assistentin
Dr. Gloria Färber. Der Eingriff wurde mi-
nimalinvasiv durchgeführt, der opera-
tive Zugang erfolgte durch einen Zwi-
schenrippenraum unterhalb der rech-
ten Brust. „Diese Methode wird seit ei-
nigen Jahren an verschiedenen deut-
schen Kliniken angewandt. Meist wer-
den Mitralklappenoperationen aller-
dings nach wie vor mittels Sternotomie
durchgeführt. Dabei“, so Dr. Bothe,
„muss das komplette Brustbein durch-
trennt werden.“
mögen. Eine der Live-Übertragungen Sehnenfäden am hinteren Mitralklap- Der dreieinhalbstündige minimalinva-
kam aus dem herzchirurgischen Opera- pensegel abgerissen war“, erläutert der sive Eingriff im Jenaer Herz-OP, bei dem
tionssaal des Universitätsklinikums Jenaer Herzchirurg Dr. Wolfgang Bothe, das hintere Klappensegel mit künstli-
Jena, wo die Kardiochirurgen um Prof. der den Eingriff live kommentierte. Die chen Sehnenfäden fixiert und ein neuer
Torsten Doenst vor laufender Kamera Mitralklappe besteht aus zwei segelähn- Mitralring eingenäht wurde, verlief ohne
einen 65jährigen Patienten mit Mitral- lichen Klappenteilen, die von mehreren Komplikationen. Die Mitralklappeninsuf-
klappeninsuffizienz operierten. Parallel so genannten Sehnenfäden gehalten fizienz wurde vollständig beseitigt. mv

www.uniklinikum-jena.de 9
Vorgestellt

Ein korrektes Finanzwesen ist die Basis


GB Rechnungswesen und Controlling wickelt die Finanzgeschäfte
des Klinikums ab und analysiert dessen wirtschaftliche Situation

Die Planung und Steuerung der wirt- reich Medizincontrolling gehört, die kenkassen an. Auch die Vorbereitung
schaftlichen Entwicklung eines Unter- Behandlungsfälle und Daten so aufbe- von Verhandlungen zu speziellen Leis-
nehmens ist ohne die Vielzahl an Da- reitet, dass stets eine korrekte und zeit- tungssegmenten bzw. neuen Versor-
ten, die das Rechnungswesen liefert, nahe Abrechnung sichergestellt ist. gungsformen sowie deren Abrechnung
nicht möglich. Am Universitätsklini-
kum Jena ist dafür der Geschäftsbe-
reich Rechnungswesen und Control-
ling zuständig, dessen Mitarbeiter
sämtliche Finanzgeschäfte des Klini-
kums abwickeln und dem Vorstand
sowie dem Verwaltungsrat umfang-
reiche Analysen zur betriebswirt-
schaftlichen Situation des Klinikums
zuarbeiten. Diese sind für die Ein-
schätzung der aktuellen Lage von
ebenso großer Bedeutung wie für die
mittelfristige strategische Planung.

„Unser Geschäftsbereich besteht aus


den Abteilungen Patientenverwaltung,
Finanzbuchhaltung und Betriebswirt-
schaft, der klassischen Organisations-
form der Finanzbereiche an den deut-
schen Universitätsklinika, die sich auch Geschäftsbereichleiterin Erika Dittmar (2. v. l.) im Gespräch mit den Abteilungsleiterinnen (v. l.)
in Jena bewährt hat“, sagt Geschäfts- Kirsten Rausch (Patientenverwaltung), Sabine Klüger (Betriebswirtschaft) und Ina Bösner
(Finanzbuchhaltung) Foto: Szabó
bereichsleiterin Erika Dittmar.
Dadurch“, so Erika Dittmar, „werden Er- nehmen heute einen erheblichen Teil der
Die zeitnahe und sachgerechte Abrech- lösverluste vermieden.“ Die hohe Qua- Tätigkeit der Abteilung Patientenver-
nung aller ärztlichen, pflegerischen und lität der Dokumentation und Abrech- waltung ein.
therapeutischen Leistungen stellt am nung wurde den Mitarbeitern des Ge-
Universitätsklinikum Jena die Abteilung schäftsbereichs vor einigen Jahren auch Die Abteilung Finanzbuchhaltung ver-
Patientenverwaltung sicher. Dazu wer- im Rahmen einer Wirtschaftsprüfung bucht alle Geschäftsvorgänge des Kli-
den jährlich rund 200.000 ambulante bestätigt. Parallel dazu nahmen die Rech- nikums mit externen Dritten. Dazu ge-
Sammel- und Einzelleistungsabrech- nungsprüfungen der Krankenkassen hören die komplette Bankbuchhaltung
nungen und ca. 60.000 stationäre Rech- über den Medizinischen Dienst ernorm und die Überwachung der Liquidität des
nungen an die Kostenträger gestellt. zu. Derzeit werden jährlich ca. 8.000 Klinikums, die Bearbeitung sämtlicher
Seit 2010 müssen zusätzlich etwa Anfragen in enger Zusammenarbeit mit ca. 85.000 Eingangsrechnungen für er-
20.000 Zuzahlungsrechnungen an die dem Geschäftsbereich Medizincontrol- haltene Lieferungen und Leistungen pro
Patienten gelegt und im Falle der Nicht- ling bearbeitet. Jahr, die Überwachung und Verbu-
zahlung durch das Klinikum angemahnt Zu den weiteren Aufgaben der Abtei- chung sämtlicher Zahlungseingänge
werden. Die Ermittlung des zuständigen lung gehörte auch die Umsetzung der der o. g. ambulanten und stationären
Kostenträgers, insbesondere bei Patien- Direktabrechnung der Leistungen des Leistungen des Klinikums, die Verwal-
ten ohne Versicherungsschutz (Auslän- Hochschulambulanzvertrages. „Mit die- tung des Anlagevermögens und die Be-
der, Selbstzahler), ist ein zunehmendes ser Maßnahme wird seitdem die von der rechnung der Abschreibungen. Die Ab-
Aufgabenfeld der Abteilung. Kassenärztlichen Vereinigung Thürin- teilung Finanzbuchhaltung führt zusätz-
Das im letzten Jahrzehnt am intensivs- gen erhobene jährliche Abrechnungs- lich die Bücher der Tochtergesellschaft
ten diskutierte Thema war die Einfüh- gebühr durch das Klinikum eingespart“, „JenTex“ sowie des Zentrums für ambu-
rung der stationären Fallpauschalen erläutert Erika Dittmar. Nachdem dieses lante Medizin und bereitet deren Jah-
(DRG). „Gemeinsam mit den Kliniken hat Problem nun bewältigt und ein festes resabschlüsse vor.
unsere damalige Abteilung Medizini- Verfahren etabliert ist, steht als neue „Außerdem werden hier die Mittel für
sche Dokumentation, die seit Mitte 2010 Herausforderung die Realisierung des die ca. 700 Drittmittelprojekte am Kli-
zum neu geschaffenen Geschäftsbe- Datenträgeraustausches mit den Kran- nikum verwaltet und deren Verwendung

10 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Forschung

gemäß den gesetzlichen Bestimmungen se, die über die wirtschaftliche Entwick- die UKJ-Betriebswirtschaftler seit 2003
überwacht. Dies geschieht in enger Ab- lung des Klinikums informieren und die auch an der Kostenkalkulation des In-
stimmung mit den Wissenschaftlern“, Basis für die strategischen Planungen stituts für das Entgeltsystem im Kran-
betont die Geschäftsbereichsleiterin. bilden. kenhaus (InEK) zur Verbesserung der
Neben der laufenden „Routine“ steht sachgerechten Abbildung von Leistun-
die Drittmittelbuchhaltung derzeit vor Für die Planung, Steuerung und Kon- gen der Universitätsmedizin im DRG-
der Aufgabe der Umstellung der wirt- trolle der finanziellen Prozesse des Kli- System mitwirken und wichtige Daten
schaftlichen Projekte auf die Vorgaben nikums mit dem Ziel einer langfristig zur Berechnung der DRG an Universi-
der Europäischen Union. Hierzu war im ausgewogenen Finanzsituation ist die tätskrankenhäusern liefern. „Dass wir
vergangenen Jahr in einem ersten Abteilung Betriebswirtschaft zustän- daran gemeinsam mit einigen weiteren
Schritt die Einführung von Kalkulatio- dig. Zu den Aufgabenbereichen der Mit- Universitätsklinika beteiligt sind, ist
nen für Industrieprojekte erforderlich arbeiterinnen und Mitarbeiter gehört auch ein Zeichen der Anerkennung un-
geworden. neben dem Controlling der Finanzpro- serer Arbeit bei der Lösung dieser sehr
Außerordentlich wichtig für die Arbeit zesse von Krankenversorgung, For- komplexen Aufgaben“, betont Erika
des Klinikumsvorstandes sind die von schung und Lehre auch die Vorberei- Dittmar. Sie verweist darauf, dass es vor
der Abteilung Finanzbuchhaltung vor- tung und Begleitung der stationären Er- dem Hintergrund sich ständig ändern-
gelegten Monats- und Jahresabschlüs- lösverhandlungen mit den Krankenkas- der gesetzlicher Rahmenbedingungen
sen. Darüber hinaus wurde am UKJ ein in den letzten Jahren einen stetigen
Modell der dezentralen betriebswirt- Anstieg des Arbeitsumfanges für die ca.
schaftlichen Beratung von Kliniken, In- 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Förderpreis für stituten, Geschäftsbereichen und Me-
dizinischen Service-Centers etabliert.
Geschäftsbereichs gegeben hat. „Das
betrifft neben der Anpassung der Da-

UKJ-Geriatrie „Die Leiter der Einrichtungen haben in


unserem Geschäftsbereich feste An-
tenverarbeitung, die wir in enger Zusam-
menarbeit mit den Kollegen des Rechen-
sprechpartner, die sie über die betriebs- zentrums durchführen, auch das Nach-
Dr. Anja Kwetkat, Chefärztin der Kli- wirtschaftliche Situation und die Leis- halten und die Schulung der Mitarbei-
nik für Geriatrie am UKJ, wurde mit tungsentwicklung ihrer Einrichtungen ter vor Ort, um jederzeit eine korrekte
dem Förderpreis der Wilhelm-Woort- informieren und die ihnen bei speziel- zeitnahe Abrechnung durch den Ge-
Stiftung für Alternsforschung ausge- len Problemen Ansprechpartner aus schäftsbereich zu sichern. Damit sorgen
zeichnet. Der mit 30.000 Euro do- anderen Bereichen des Klinikums ver- wir in unserem Arbeitsbereich für eine
tierte Preis wird alle zwei Jahre ver- mitteln“, erläutert die Geschäftsbe- gute Liquiditätsbasis zur Finanzierung
liehen und soll innovative Projekte reichsleiterin und verweist darauf, dass des laufenden Geschäfts.“ mv
in der geriatrischen Versorgung un-
terstützen.
Die Jenaer Geriatrie erhält den Preis
für die Durchführung eines Projek-
tes, mit dessen Hilfe Ärzte und Pfle-
gende künftig eine Entscheidungs-
hilfe dafür erhalten sollen, wann ein
Patient für eine geriatrische Behand-
lung geeignet sein könnte. Dafür
werden ca. 150.000 Datensätze aus
Gemidas Pro, einer bundesweiten
Datenbank analysiert, anhand derer
Aussagen zu Qualität und Quantität
geriatrischer Versorgung getroffen
werden können. „Unser Ziel ist es,
Informationen herauszuarbeiten, die
den Kollegen in den Hausarztpraxen,
in Notaufnahmen und anderen Klini-
ken eine schnelle Einschätzung er-
möglichen, ob der ältere Patient eher
in der Geriatrie oder in einer anderen
Abteilung behandelt werden muss“,
erläutert Dr. Kwetkat.
Die Untersuchung erfolgt in Koope-
ration mit dem Institut für Medizini-
sche Statistik, Informatik und Doku-
mentation am UKJ und dem Bundes-
verband Geriatrie. HR

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Diagnostik und Therapie

sive Chirurgie, Abdominal-Chirurgen,


Radikal und dennoch subtil Pathologen, Urologen, Röntgendiag-
nostikern, Schmerztherapeuten, Ernäh-
Patientinnen mit Endometriose werden rungsberatern und Psychologen eng
zusammen. Dieses Netzwerk wird durch
am UKJ auf höchstem Niveau versorgt die Selbsthilfe sowie eine endometri-
osespezifische Rehabilitation in Bad
Schmiedeberg komplettiert.

Die Freude war groß, als die Jenaer Wie wird die Endometriose diagnos- Gibt es einen Zusammenhang zwi-
Universitäts-Frauenklinik am 17. No- tiziert? schen der Intensität der Symptome
vember 2010 als „Endometriose-Zen- Durch eine Bauchspiegelung und eine und dem Ausmaß der Erkrankung?
trum Stufe III“ anerkannt wurde. Das histologische Untersuchung der Endo- Nein. Es gibt Frauen, die erhebliche
Zertifikat überreichten während des metrioseherde. Allerdings werden die Schmerzen aber nur eine geringe Zahl
Abendkolloquiums „Endometriose“
der Vorstand der Stiftung Endome-
triose-Forschung und „Nestor“ der
Endometriosebehandlung in Deutsch-
land, Prof. Karl-Werner Schweppe,
und Doreen Jackisch von der Endo-
metriose-Vereinigung Deutschland
e.V. und ebenfalls im Vorstand der
Stiftung Endometriose-Forschung.
Das Team um Prof. Ingo Runnebaum
ist damit das erste Zentrum der
höchsten Qualitätsstufe in Mittel-
deutschland und das 16. in Deutsch-
land, Österreich und der Schweiz.
KLINIKMAGAZIN sprach mit dem
Direktor der Abteilung Allgemeine
Gynäkologie und Leiter des Endome-
triosezentrums am UKJ.

Über welches Krankheitsbild sprechen Ausgezeichnete Versorgung von Endometriosepatientinnen am UKJ. Prof. Karl-Werner Schwep-
wir bei der Endometriose? pe, Doreen Jackisch, Prof. Ingo Runnebaum und Prof. Jürgen Weiss, Koordinator des Endo-
Es handelt sich um eine gutartige chro- metriosezentrums am UKJ (v. l.), während der Übergabe des Zertifikats Foto: Szabó
nische Wucherung der Gebärmutter- Symptome der Erkrankung häufig fehl an Endometrioseherden haben, wäh-
schleimhaut außerhalb der Gebärmut- gedeutet und viele Patientinnen zu- rend es bei anderen genau umgekehrt
terhöhle, die unkontrolliert in andere nächst ausschließlich wegen der Unter- ist. Warum das so ist, wissen wir nicht.
Organe – vor allem in das Bauchfell, die bauchbeschwerden behandelt. Deshalb
Eileiter und die Eierstöcke, aber auch in vergehen in Deutschland durchschnitt- Welche Therapieoptionen gibt es?
den Darm und die Harnblase – ein- lich sechs und in anderen Ländern bis Die wichtigste ist die Operation. Dabei
wächst. Es bilden sich Entzündungsher- zwölf Jahre bis zur korrekten Diagnose- entfernen wir alle sicht- oder tastbaren
de, die vor allem beim Wasserlassen, stellung – eine körperliche und psychi- Endometrioseherde. Neben der ober-
beim Stuhlgang und beim Geschlechts- sche Leidenszeit, die für die Betroffe- flächlichen gibt es die so genannte in-
verkehr außerordentlich schmerzhaft nen oftmals mit erheblichen Problemen filtrierende Endometriose, die, ähnlich
sein können. Verklebungen und Schä- im Beruf und in der Partnerschaft ver- einem Tumor, tief in das Gewebe ein-
digungen der Eileiter oder der Eierstö- bunden ist. Bei chronischen Unter- wächst. Ein Phänomen, das zu den For-
cke führen außerdem häufig zu Un- bauchbeschwerden sollte deshalb un- schungsschwerpunkten an unserem
fruchtbarkeit – in etwa 20 bis 30 Pro- bedingt eine diagnostische Bauchspie- Zentrum gehört, wo wir pro Jahr etwa
zent aller Fälle von ungewollter Kinder- gelung veranlasst werden. 100 Patientinnen mit Endometriose,
losigkeit ist Endometriose die Ursache. Um die Erkrankung früher und exakter von denen viele nicht aus Thüringen
zu diagnostizieren und die Patientinnen kommen, operieren. Die Entfernung der
Betrifft die Erkrankung demnach vor noch besser zu versorgen, existiert an Endometrioseherde stellt den Operateur
allem jüngere Frauen? unserer Klinik seit drei Jahren eine Spe- oftmals vor erhebliche Herausforderun-
Die meisten Frauen sind im gebärfähi- zialsprechstunde, die ein wesentlicher gen, weil er diese radikal entfernen und
gen Alter. Allein in Deutschland erkran- Teil unseres Endometriosezentrums ist. dennoch sehr subtil arbeiten muss, um
ken jährlich rund 40.000 Frauen zwi- Dort arbeitet ein interdisziplinäres Team die betroffenen Organe und das Ge-
schen dem 20. und 40. Lebensjahr neu von gynäkologischen Endokrinologen flecht von Nervenfasern, das den Darm,
an Endometriose, insgesamt sind mehr und Fortpflanzungsmedizinern, gynä- die Scheide und die Harnblase versorgt,
als eine Million betroffen. kologischen Experten für minimalinva- nicht zu verletzen.

12 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Diagnostik und Therapie

Geschieht dies mittels Bauchschnitt de können seit einigen Jahren auch mit von Endometrioseherden hemmt. Eine
oder minimalinvasiv? Strom oder einem Laser „verkocht“ wer- Schwangerschaft hat den gleichen Ef-
Wir operieren ausschließlich laparosko- den. Eine Nachuntersuchung von 1240 fekt. Die Rezidivrate liegt in Jena nach
pisch, also minimalinvasiv. Das ist für Unterbauchschmerz-Patientinnen an der Verödung oberflächlicher Herde
die Patientin nicht nur schonender und unserem Zentrum ergab, dass zwei Jah- unter fünf Prozent. Weil durch die The-
kosmetisch von großem Vorteil, sondern re nach der Behandlung mehr als 90 rapie häufig auch die Fertilität verbes-
auch für den Operateur, der das Opera- Prozent unserer Endometriosepatientin- sert wird, erfüllen sich danach viele Frau-
tionsfeld durch den Einsatz der Laparo- nen beschwerdefrei sind. en ihren Kinderwunsch.
skopie sechsfach vergrößert sieht. Auf Die operative Sanierung wird vor allem
diese Weise kann er auch kleinste, mit bei ausgedehnten Befunden mit einer
dem bloßen Auge kaum sichtbare En- gestagenbetonten hormonellen The- Vielen Dank.
dometrioseherde entfernen. Kleine Her- rapie kombiniert, die die Neubildung (Die Fragen stellte Matthias Vöckler)

„Die Arbeit macht noch immer Riesenspaß“


AKZEPTANZ-Preis für UKJ-Patientenlotsen

„Über Sie und Ihre Kollegen wurde


doch vor kurzen in der Zeitung be-
richtet…“ „Sind Sie nicht einer von
denen, die ich im Fernsehen gesehen
habe?“, werden die Lobedaer Patien-
tenlotsen seit einigen Wochen immer
wieder gefragt. Die Auszeichnung des
Projektes „Soziale Wärme“ des Uni-
versitätsklinikums Jena mit dem
AKZEPTANZ-Preis 2010 der Thürin-
ger Sparkassenstiftung ging durch die
Medien und hat auch am UKJ ein sehr
positives Echo gefunden.

„Als wir am Tag der Preisverleihung im


Neben ihrer Tätigkeit als
Sparkassen-Finanzzentrum Erfurt anka- Patientenlotsen unter-
men, wussten wir nicht, dass wir die stützten Maik Wild, René
Auszeichnung erhalten. Schließlich wa- Wolf und Jens-Peter Hin-
richs (v. l.) Anfang 2010
ren noch andere Vereine eingeladen auch die Aktion „Saube-
worden, die auch Menschen mit Handi- re Hände“
cap beschäftigen und den Preis eben- Foto: Storsberg
falls verdient gehabt hätten. Wir waren
total überrascht, dass ausgerechnet wir anderer Thüringer Behinderteneinrich- legen auch weiterhin als Patientenlot-
ausgewählt wurden“, erinnert sich Pa- tungen diskutierten. sen am UKJ tätig sein werden. „Wir ha-
tientenlotse René Wolf. „Umso mehr ben es hier überwiegend mit sehr net-
haben wir uns gefreut, als wir den Preis, Dass ihre Arbeit plötzlich so im Fokus ten Menschen zu tun. Man kommt
den ein Mensch mit Handicap gestaltet der Öffentlichkeit steht, motiviert Maik miteinander ins Gespräch und wird
hat, tatsächlich in den Händen hielten.“ Wild, René Wolf und Jens-Peter Hin- manchmal sogar zu einer Tasse Kaffe ein-
Dass ein solcher Preis gestiftet wurde richs, diese auch weiterhin zur vollen geladen“, freut sich René Wolf.
und bei seiner Übergabe die Vorsitzen- Zufriedenheit der Patienten zu erledi- „Ganz besonders aber freuen sich die Pa-
de der Lebenshilfe Thüringen, Landtags- gen. „Gerade in diesen Wochen, wo viele tienten, wenn wir ihnen unsere Hilfe
präsidentin Birgit Diezel, und Wirt- Einrichtungen innerhalb des Klinikums anbieten, wenn wir Älteren auch mal
schaftsminister Matthias Machnig als umziehen, müssen wir immer auf dem beim Tragen der Tasche oder Menschen
Schirmherr anwesend waren, „zeigt, dass neuesten Stand sein, um den Patienten im Rollstuhl helfen“, betont Maik Wild.
unsere Arbeit anerkannt wird und dass aber auch manchem Mitarbeiter zu hel- Kein Wunder, dass die Patienten immer
wir gebraucht werden“, freuten sich die fen. Die Arbeit macht noch immer Rie- wieder die Freundlichkeit und Hilfs-
Patientenlotsen, die anschließend in ei- senspaß“, sagt Maik Wild und ist sicht- bereitschaft der Jenaer Patientenlotsen
ner Gesprächsrunde mit Mitarbeitern lich stolz, dass er und seine beiden Kol- hervorheben. mv

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Diagnostik und Therapie

Effiziente Hilfe für Erwachsene und Kinder mit


chronischen Kopfschmerzen
UKJ und AOK PLUS starten integrierte Versorgung

Das Mitteldeutsche Kopfschmerzzen- ten interdisziplinären Diagnose- und duziert sich aber um mehr als 50 Pro-
trum Jena hat gemeinsam mit der AOK Therapietermin am UKJ, wo eine spezia- zent. Auch die kopfschmerzbedingten
Plus ein neues Versorgungskonzept für lisierte neurologische Diagnostik er- Fehlzeiten am Arbeitsplatz gehen um 50
Patienten mit chronischen Kopf- folgt. Außerdem werden Therapieemp- Prozent zurück“, betont Prof. Witte.
schmerzen und Migräne entwickelt. fehlungen zur Medikamenteneinnah-
Grundlage ist ein Vertrag zur integrier- me, und wenn erforderlich, auch zur Das Angebot umfasst aber nicht nur die
ten Versorgung, der im November psychologischen und zur Bewegungs- Behandlung von Kopfschmerzen bei
Erwachsenen, sondern auch bei Kin-
dern. „Dabei handelt es sich um ein zu-
nehmendes, aber nach wie vor viel zu-
wenig beachtetes Problem, das zu einer
erheblichen Beeinträchtigung der Ent-
wicklung führen kann und ein nicht zu
unterschätzender gesundheitlicher Ri-
sikofaktor für das weitere Leben ist. Ge-
meinsam mit dem Mitteldeutschen
Kopfschmerzzentrum haben wir deshalb
spezielle kindgerechte Behandlungs-
modelle entwickelt“, erläuterte der Ge-
schäftsführer der AOK PLUS, wo rund
20.000 Erwachsene und 1.200 Kinder
Prof. Ulrich Brandl, ab sechs Jahren, die unter Kopfschmer-
Prof. Otto Witte
und Reiner Striebel zen leiden, versichert sind.
(v. l.) Foto: Szabó Prof. Dr. Ulrich Brandl, Direktor der Ab-
teilung Neuropädiatrie an der Univer-
sitäts-Kinderklinik Jena, kennt diese Pro-
2010 geschlossen wurde. „Hierdurch therapie, gegeben. Ist eine fünftägige bleme. „Jeder neunte deutsche Schüler
verbessert sich die Versorgung chro- teilstationäre Kopfschmerztherapie not- hat mindestens einmal pro Monat Kopf-
nischer und von Chronifizierung be- wendig, erfolgt diese in der Tagesklinik schmerzen, und dreieinhalb Prozent ha-
drohter Kopfschmerzpatienten deut- des UKJ. Die Patienten werden dort me- ben jährlich mehr als 30 kopfschmerz-
lich“, erläutert der Direktor der Kli- dikamentös eingestellt und erhalten bedingte Schulfehltage. Hier ist eine
nik für Neurologie am Universitäts- eine psychologische Betreuung sowie integrierte Versorgung zwingend erfor-
klinikum Jena, Prof. Dr. Otto Witte. Physiotherapie. Nach sechs Monaten er- derlich, und zwar sowohl hinsichtlich
folgt ein Auffrischungstag zur Stabili- einer weiteren Verbesserung der Pro-
„Unsere Patienten profitieren von der sierung des Behandlungserfolgs. Pati- phylaxe als auch der medikamentösen
abgestimmten ganzheitlichen Behand- enten, die z.B. infolge einer zu häufigen und nicht-medikamentösen Therapie.
lung durch ein interdisziplinäres Team Einnahme von Schmerzmitteln unter Vor allem der Spannungskopfschmerz,
des Universitätsklinikums Jena, das aus Dauerkopfschmerzen leiden, können um den es sich in mehr als 60 Prozent
Schmerztherapeuten, Neurologen, Psy- vollstationär behandelt werden, wenn der Fälle handelt, ist stark von psycho-
chologen und Physiotherapeuten be- die ambulante Therapie nicht ausrei- sozialen Stressfaktoren abhängig. Es ist
steht“, betont Reiner Striebel, Ge- chend wirksam ist. Die wohnortnahe deshalb sehr wichtig, das gesamte sozi-
schäftsführer der AOK PLUS. „Damit ent- Weiterbehandlung erfolgt durch ein ale Umfeld in die Therapie einzubezie-
fallen Wartezeiten für Facharztbesuche Netzwerk niedergelassener Schmerzthe- hen, einschließlich psychoedukativer
sowie unnötige Krankenhausaufenthal- rapeuten, die eng mit dem Kopfschmerz- Maßnahmen, die den Betroffenen und
te, und die Leidenskarriere der Patien- zentrum kooperieren. „Unsere bisheri- deren Angehörigen mehr Informationen
ten kann sich erheblich verkürzen.“ gen Ergebnisse zeigen, dass durch die über die Erkrankung vermitteln und
Um jedem Kopfschmerzpatienten eine integrierte Versorgung eine herausra- Kopfschmerz auslösende Stressfaktoren
individuelle Therapie anzubieten, wur- gende, aufeinander abgestimmte The- minimieren“, betonte der Kinderneuro-
de ein mehrstufiges Behandlungskon- rapie möglich ist. Mit dieser Behandlung loge, der zudem dafür plädiert, dieses
zept aus ambulanter, teil- und vollstati- können wir Migräne und andere chro- Problem künftig auch in der Weiterbil-
onärer Betreuung entwickelt. Zunächst nische Kopfschmerzen zwar nicht be- dung von Kinder- und Allgemeinärzten
erhalten die Patienten einen ambulan- seitigen, die Kopfschmerzhäufigkeit re- stärker zu berücksichtigen. mv

14 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Forschung

Photonen im Dienst der Medizin im Gehirn sichtbar zu machen, bis zur


Korrektur von Alterssichtigkeit durch ul-
trakurze Laserpulse reichen die For-
schungsthemen, an denen die Wissen-
schaftler zurzeit arbeiten. Von ihren For-
Nach einem Briefwechsel 1878 erhielt die Carl Zeiss Meditec AG“, freut sich Prof. schungsergebnissen und Entwicklun-
Robert Koch von Carl Zeiss ein Mikro- Dr. Richard Kowarschik, Dekan der Phy- gen werden letzten Endes die Men-
skop mit Öl-Immersions-System, ein von sikalisch-Astronomischen Fakultät. „Die schen, die Patienten profitieren. „Das
Ernst Abbe entdecktes Verfahren zur regionale Industrie ist für uns ein wichti- Zentrum wird zur Stärkung der interdis-
Verbesserung der Abbildungseigen- ger Partner, um Ergebnisse und Entwick- ziplinären Forschung an der Friedrich-
schaften von Mikroskopen. Mit einem
solchen Mikroskop entdeckte Robert
Koch wenige Jahre später den Tuberku-
lose-Erreger. Heute arbeiten Physikoche-
miker und Intensivmediziner der Jenaer
Universität an neuen spektroskopischen
Verfahren für die Infektionsdiagnostik.
Am 25. November wurde an der FSU Jena
ein Zentrum für Medizinische Optik und
Photonik gegründet, das die Zusam- Doktorand Daniel Wei-
menarbeit der Wissenschaftler auf die- gel vom Institut für an-
gewandte Optik justiert
sem Gebiet weiter befördern will. den Messaufbau für ei-
nen Adaptiven Echt-
zeit-Phoropter
Im Mittelpunkt stehen dabei Kooperati- Foto: FSU
onen, die auf die Entwicklung optischer
und photonischer Verfahren zur Beant-
wortung medizinischer Fragestellungen lungen mit dem notwendigen Potenzial Schiller-Universität beitragen“, ist sich
zielen. „Immer wenn wir Photonen, bis zur Marktreife weiterverfolgen zu Prof. Dr. Herbert Witte, Prorektor für
Lichtquanten, auf Zellen oder Gewebe können.“ Von der Infrarot-Spektrosko- Forschung sicher. „Und es wird die er-
treffen lassen, sei es zur therapeutischen pie zur Diagnose von Knorpelschäden folgreiche Jenaer Tradition der Entwick-
Beeinflussung oder zum Informations- über den Einsatz der Zwei-Photonen- lung optischer Technologien für die Me-
gewinn für Forschung oder Diagnostik, Mikroskopie, um Vernetzungsprozesse dizinforschung fortsetzen.“ vdG
sprechen wir von medizinischer Photo-
nik“, so Prof. Dr. Klaus Benndorf, Dekan
der Medizinischen Fakultät, die gemein-
sam mit der Physikalisch-Astronomi-
schen und der Chemisch-Geowissen-
schaftlichen Fakultät der FSU das Zen-
trum trägt. In einer Auftaktveranstaltung
stellten Arbeitsgruppen dieser Fakultä-
ten ihre Forschungsthemen und Metho-
den vor, bis jetzt bekundeten etwa 30
Wissenschaftler ihr Interesse an der Mit-
gliedschaft. Dabei zielt das Zentrum
nicht nur auf die Vernetzung in der For-
schung. „Wir wollen fakultätsübergrei-
fend auch Lehrveranstaltungen für die-
ses zukunftsträchtige Fachgebiet anbie-
ten“, betont der Dekan der Chemisch-
Geowissenschaftlichen Fakultät Prof. Dr.
Reinhard Gaupp.

Mit Ausrichtung auf das Zentrum sind


im vergangenen Jahr Forschungsprofes-
suren an den Fakultäten besetzt worden.
Zwei weitere Professuren für angewand-
te Mikroskopie und für Ophthalmologie
wurden neu eingerichtet, die Berufun-
gen laufen noch. „Bei der Ausstattung
dieser Arbeitsgruppen unterstützen uns
die Carl Zeiss MicroImaging GmbH und

www.uniklinikum-jena.de 15
Veranstaltungen

Informationsabende
Eltern- und Babysitterschule der Kinderklinik für werdende Eltern

11. Januar, 9. Februar, 15. März, 6. April, 3. Mai, 15. Juni Informationsabende für werden-
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern, Teil 1 de Eltern finden an jedem zweiten
Kursleitung: Michael Iffland bzw. Angelika Völkner Donnerstag im Monat 19 Uhr im
18. Januar, 16. Februar, 22. März, 13. April, 10. Mai, 22. Juni Hörsaal und im Kreißsaal der
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern, Teil 2 Universitäts-Frauenklinik in der
Kursleitung: Michael Iffland bzw. Angelika Völkner Bachstraße 18 statt.

23. Februar, 18. Mai Nächste Termine:


Säuglingspflegekurs 13. und 27. Januar, 10. und 24.
Kursleitung: Uta Mayer bzw. Melanie Reiss Februar sowie 10. März 2011
2. März, 25. Mai
Tipps zum Stillen und zur Babykost danach
Kursleitung: Birgit Kaluza 30 Jahre
Klinik für Innere Medizin
9. März, 8. Juni
Babys gesunder Schlaf – Worauf ist zu achten?
Referentin: Melanie Reiss Anlässlich des „runden Geburtsta-
ges“ der „KIM“ findet am
30. März
Typische Beschwerden im Kindesalter – Wie kann ich mein Kind unter- 15. Januar 2011, 10 bis 13 Uhr
stützen?
die Festveranstaltung „Rück- und
Kursleitung: Uta Mayer
Ausblicke“ statt, zu der alle Patien-
4. Mai ten, Mitarbeiter und interessierte
Allergische Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter und Maß- Bürger eingeladen sind.
nahmen zur Vorbeugung Neben Vorträgen im Hörsaal 2 des
Referentin: Marion Mundri Klinikums Lobeda erwarten Sie in
der Magistrale ein Gesundheitspar-
Die Veranstaltungen finden jeweils von 15.30 Uhr bis 17.00 Uhr im Eltern- cours mit verschiedenen Gesund-
speiseraum im Poliklinikgebäude der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin heitstests und eine Fotoausstellung
statt. zur Geschichte der Klinik.

GesundheitsUni Jena am UKJ

Mittwoch, 26. Januar Mittwoch, 23. Februar

Gefährliche Infektionen – Genau betrachtet


Vorbeugung und Behandlung Welchen Augenerkrankungen
Prof. Frank Martin Brunkhorst kann man vorbeugen?
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin Prof. Jürgen Strobel
Klinik für Augenheilkunde

n a e r A b e n dvorlesung
Je
s 19 Uhr
Beginn jeweil Al lee 101, Hörsaal 1
be da /O st , Er la ng er
Uniklinikum Lo

16 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Service

Cafeteria

In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums


werden täglich drei Menüs angeboten, darunter ein
vegetarisches. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag
12.00 bis 16.30 Uhr

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie
eine solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer
Station an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis
17 Uhr geöffnet, die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von
9 bis 11 Uhr. Außerdem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für
Psychiatrie sowie für Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Evangelische Klinikseelsorge: Katholische Seelsorge:
Pfarrerin Christine Alder Bächer, 0151 1710 1493 Pfarrer Norbert Winter
Pfarrer Heinz Bächer, 0151 1710 1492 (036421) 224 36 oder 0177 451 1927

Blutspende
Die Möglichkeit zur Blutspende besteht am Institut für Transfusionsmedizin im ehemaligen
Chirurgie-Gebäude in der Bachstraße 18.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis19 Uhr und Freitag 8 bis13 Uhr
sowie jeden zweiten und letzten Samstag im Monat 9 bis13 Uhr

Wichtige Ansprechpartner
Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern
Leiter Leiterin Geschäftsstelle
Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75 Empfang Lobeda: 932 08 50
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
E-Mail: E-Mail:
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

www.uniklinikum-jena.de 17
Vorgestellt

Institut für Pharmakologie und Toxikologie


Seit 2010 alle Arbeitsbereiche unter einem Dach
Das Goethewort „Bei der Erweiterung zeptoren. Insbesondere die Somatosta- Umzug des Instituts vom Nonnenplan
des Wissens macht sich von Zeit zu Zeit tin-Rezeptoren sind als pharmakologi- in das Gebäude des ehemaligen Max-
eine Umordnung nötig, sie geschieht sche Zielstrukturen für die Diagnostik Planck-Instituts nach Drackendorf. Ins-
meist nach neueren Maximen, bleibt und Therapie neuroendokriner Tumore besondere die jungen wissenschaftli-
aber immer provisorisch“, ist in den zu- und für die zukünftige Therapie bei Er- chen Mitarbeiter – Biologen, Human-
rückliegenden zehn Jahren in unserem krankungen wie ischämischer Hirnschä- biologen, Biochemiker und Veterinär-
Institut Realität geworden. Im August digung, Epilepsie und Morbus Alzhei- mediziner – konnten am neuen Stand-
2007 wurde Professor Dieter Müller als mer interessant. Die seit 2005 am Insti- ort die Institutsarbeit durch Einbrin-
kommissarischer Institutsdirektor nach tut etablierten Möglichkeiten für verhal- gung ihres fachspezifischen Wissens
fast neun Jahren in dieser Funktion in tensbiologische Untersuchungen kön- kontinuierlich fortzusetzen.
den Ruhenstand verabschiedet. Unter nen für diese Fragestellungen ebenso
seiner Ägide wurden die von seinem genutzt werden wie für die Suche nach Seit Sommer 2010 sind auch die Mitar-
Vorgänger, Professor Wolfgang Klinger, neuen Medikamenten zur Demenzbe- beiter des Arbeitsbereiches Klinische
eingeschlagenen Forschungsvorhaben handlung, bei der sich die Zusammen- Pharmakologie unter Leitung von PD Dr.
fortgesetzt und weitgehend zum Ab- arbeit mit dem Pharmazeutischen Insti- Marion Hippius mit im Gebäudekomplex
schluss gebracht. tut Jena als sehr fruchtbar erwies. in Drackendorf tätig. Schwerpunkte der
Verschiedene Chemokin-Rezeptoren Arbeit sind pharmakoepidemiologische
Für seinen Nachfolger Professor Stefan spielen bei der Metastasierung malig- Analysen zur Minimierung von Arznei-
Schulz hieß es nach seiner Berufung auf ner Tumore, bei Entzündungsreaktionen mittelrisiken einschließlich Dosierungs-
den Lehrstuhl für Pharmakologie und und bei der Erholung des Gehirns nach empfehlungen und Therapieoptimie-
Toxikologie im Jahre 2007, das Institut einem Schlaganfall eine Rolle. Das Zu- rung mit Hilfe des Therapeutischen Drug
von Grund auf zu erneuern. sammenspiel der Chemokine mit hoch- Monitoring für das Klinikum und da-
Prof. Schulz studierte und habilitierte spezifischen Rezeptoren in den Zell- rüber hinaus. Leider ist es aufgrund der
sich 2002 in Magdeburg. Als erster In- membranen wirkt wie ein Navigations- begrenzten Raumkapazität im Gebäude
haber einer Heisenberg-Professur, die er system für die Zellwanderung. Der 2009 an der Drackendorfer Straße nicht ge-
in Würzburg innehatte, untersuchte er aus Magdeburg berufene Neurophar- lungen, die Kolleginnen, die im BfArM
die Funktion verschiedener Rezeptoren. makologe Professor Ralf Stumm, von geförderten Projekt „Erfassung und Be-
Unter seinem Direktorat schlägt das In- Haus aus Humanbiologe, widmet sich wertung von unerwünschten Arzneimit-
stitut völlig neue Arbeitsrichtungen ein, speziell der Erforschung dieser Regula- telwirkungen, die zu Krankenhausauf-
die auf molekularbiologischen Metho- tionsmechanismen. enthalten führen“ arbeiten, am gleichen
den und Techniken basieren. Im Mittel- Standort unterzubringen. So werden in
punkt stehen Untersuchungen zu So- In der Phase der Einführung der neuen den Kliniken für Innere Medizin in Jena
matostatin-, Opioid- und Chemokin-Re- Arbeitsrichtungen fiel 2009 auch der sowie im Sophien- und Hufelandklini-
kum Weimar (verantwortlich hier Frau
PD Dr. Farker) in separat agierenden
Pharmakovigilanzzentren unerwünsch-
te Arzneimittelwirkungen erfasst und in
Räumen in der Bachstraße hinsichtlich
ihrer Therapierelevanz bewertet.

Trotz der organisatorischen Neuorientie-


rung war es in den vergangenen Jahren
möglich, pro Jahr ca. 4 bis 6 Doktoran-
den zu promovieren; 2005 habilitierte
sich Dr. Amelie Lupp.
Eine große Herausforderung stellt auch
die deutliche Zunahme der Lehrver-
pflichtungen dar. So verdoppelten sich
die Zahl der Seminarstunden pro Stu-
dent und die Anzahl der Seminargrup-
pen, wodurch dem Streben nach Klein-

Das Team des Instituts für Pharmakologie


und Toxikologie Foto: Schröder

18 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Selbsthilfe

gruppenunterricht zunehmend besser


entsprochen werden konnte. Zur obli-
gaten Ausbildung von Medizin- und
Zahnmedizinstudenten, der Ausbildung
von Chemikern, Biochemikern und Bio-
logen in den Fächern Pharmakologie,
Klinische Pharmakologie und Toxikolo-
gie sowie der Beteiligung an Lehrveran-
staltungen des Studienganges Moleku-
lare Medizin, ist die Pharmakologieaus-
bildung der Pharmaziestudenten auch
im Abschnitt Pharmakotherapie/Klini-
sche Pharmakologie und Klinische Phar-
mazie hinzugekommen.
Die Weichen sind gestellt, die Wege sind
geebnet für eine erfolgreiche Arbeit in
Marion Astner und Hans-Jürgen Mayer Foto: Vöckler
den kommenden Jahren. Struxerunt Alii
nobis: nos Posteritati: Sic prius accep- Vor 20 Jahren wurde als eine der ers- des Thüringen, Hans-Jürgen Mayer.
tum reddimus officium. (Andere haben ten Selbsthilfegruppen Thüringens Beide dankten ganz besonders der
für uns gebaut, und wir für die Nach- die Frauenselbsthilfe nach Krebs ge- Gründerin und langjährigen Leiterin
welt: Früher empfangnen Dienst gelten gründet – um zu informieren, mitein- der Jenaer Gruppe, Dr. Renate Estel.
wir dergestalt ab.) ander zu reden und Trost zu spen- „Sie alle haben vielen Patientinnen
den. Daran erinnerten während ei- in schwerer Zeit geholfen und wer-
Prof. Dr. Christian Fleck ner Feier am 9. Dezember die Leiterin den dies mit dem gleichen Engage-
PD Dr. Marion Hippius der Gruppe Jena, Marion Astner, und ment auch weiterhin tun“, sagte Bür-
Institut für Pharmakologie der Vorsitzende des Landesverban- germeister Frank Schenker. mv
und Toxikologie

www.uniklinikum-jena.de 19
50 Jahre Neonatologie am UKJ

Hilfe in der kritischsten Phase des Lebens


Um die Mitte des letzten Jahrhunderts
hatte die Neonatologie erhebliche
Fortschritte gemacht. Neue Erkennt-
nisse über die Pathophysiologie der
Neugeborenenzeit und die nach wie
vor sehr hohe Säuglingssterblichkeit
zeigten, dass die früheste auch die kri-
tischste Phase im Leben des Menschen
ist. „Außerdem hatte man erkannt,
dass sich die Erkrankungen im Neu-
geborenenalter teilweise deutlich von
denen im späteren Leben unterschei-
den und dass es Krankheiten gibt, die
ausschließlich in der ersten Phase des
Lebens auftreten. Diesen neuen Er-
kenntnissen wurde 1960 auch in Jena
Rechnung getragen und auf Initiati-
ve des Direktors der Universitäts-Kin-
derklinik, Prof. Erich Häßler, eine Neu- Die ehemaligen Mitarbeiter nutzten die Möglichkeit, die Neonatologische Station zu be-
und Frühgeborenenstation eingerich- sichtigen Foto: Szabó
tet“, sagt PD Dr. Axel Hübler.
Schramm“, erläutert PD Hübler, der die wir in unserem Perinatalzentrum der
Die Station mit 23 Betten, auf der 15 Sektion Neonatologie und Pädiatrische höchsten Versorgungsstufe heute auch
Kinderkrankenschwestern im Schicht- Intensivmedizin seit Ende 2006 leitet. Kindern helfen, die nur etwa 500 Gramm
dienst tätig waren, gehörte zu den ers- „Die damals in den Räumen der Univer- wiegen“, freut sich Dr. Hübler.
ten neonatologischen Einrichtungen in sitäts-Frauenklinik eröffnete Neonato-
Deutschland. „Als strukturell eigenstän- logische Intensivstation ermöglicht es, Etwa 100 Schwestern und Ärzte, darun-
dige Abteilung wurde die Neonatologie kritisch kranke Früh- und Neugeborene ter viele Ehemalige, waren am 6. No-
Ende der 1960er Jahre unter Klinikdi- in räumlicher Nähe zur Mutter optimal vember in die Kinderklinik gekommen,
rektor Prof. Wolfgang Plenert etabliert. zu versorgen. Galt es noch in den um „50 Jahre Jenaer Neonatologie“ zu
Deren Leiter, Prof. Joachim Frenzel, führ- 1980er Jahren als großer Erfolg, wenn feiern. „Ganz besonders gefreut haben
te die Abteilung bis zu seiner Emeritie- Frühchen mit einem Geburtsgewicht wir uns, dass von den 15 Schwestern,
rung 1998 und übergab sie an Prof. Dirk von 1000 Gramm überlebten, können die 1960 auf der Neonatologischen Sta-

Standardwerk der Neonatologie


Die Jenaer Erfahrungen in der Neuge- Das Buch vereint mehr als 50 Exper-
borenenmedizin sind jetzt Bestandteil ten aus der Neonatologie und benach-
des neu erschienenen Standardwerkes barten Fachbereichen wie Kinderchi-
„Neonatologie“, das von PD Dr. Axel rurgie, -kardiologie und -nephrologie
Hübler und Prof. Dr. Gerhard Jorch, Di- sowie Geburtshilfe und Medizinischer
rektor der Magdeburger Universitätskin- Genetik, die den aktuellen Wissens-
derklinik, herausgegeben wurde. Das im stand zu allen Aspekten der Neugebo-
Thieme Verlag erschienene, über 600 renenmedizin wiedergeben. „Wir woll-
Seiten starke Fachbuch ist die erste deut- ten damit jungen und erfahrenen Kol-
sche Buchpublikation für das gesamte legen in Klinik und Praxis ein Arbeits-
Gebiet der Neonatologie seit ca. 20 Jah- mittel an die Hand geben, das schnell
ren. „In dieser Zeit hat es enorme Ent- und konkret Hilfestellungen in Diag-
wicklungen in der Frühgeborenenme- nostik und Therapie leisten kann und
dizin gegeben, die übersichtlich und angehenden Medizinern einen fundier-
PD Dr. Axel Hübler (r.) und Prof. Dr. Gerhard
Jorch haben das Fachbuch „Neonatologie“ umfassend darzulegen wir uns zur Auf- ten Überblick über das Gebiet der Neo-
herausgegeben Foto: Szabó gabe gemacht haben“, sagt Dr. Hübler. natologie vermittelt“, so Hübler. HR

20 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


50 Jahre Neonatologie am UKJ

tion arbeiteten, fünf anwesend waren.“


Unter ihnen die damalige Stations-
schwester Ursula Reinhold, die – wie die
ehemaligen Leiter, Prof. Frenzel und
SSBnet beschert Kinderklinik
Prof. Schramm, sowie Prof. Gerhard
Jorch aus Magdeburg – über die Ent-
wicklung der Station und der Neonato-
logie berichtete.
Schon früh hatte man erkannt, dass
Früh- und Neugeborene eine konse-
quente Wärmepflege benötigen. Bereits Klinikdirektor Prof.
vor etwa 100 Jahren wurden deshalb James F. Beck dank-
die ersten technischen Hilfsmittel zu te im Namen der
Patienten für die
deren Verbesserung entwickelt: Inkuba- Spende, die Patrick
toren, die zunächst sogar eine Kohle- Junghans (Vertrieb/
heizung hatten. Die intensivmedizi- Marketing) und Ge-
schäftsführer Jan
nische Versorgung begann Ende der Seyfarth (r.) über-
1970er Jahre, nachdem spezielle Beat- reichten
mungsgeräte für die kleinsten Patien-
ten entwickelt worden waren. Um den kleinen Patienten der Krebsstation ein schönes Weihnachtsfest zu
„Verändert haben sich die Ansichten ermöglichen, unterstützte das SSBnet in diesem Jahr die Weihnachtsfeier in
über den frühen Eltern-Kind-Kontakt der Kinderklinik Jena mit einer Spende von 1.000 Euro. Damit möchte sich
und die mikrobiologische Gefährdung das SSBnet-Team für die ausgezeichnete Zusammenarbeit bedanken.
Früh- und Neugeborener. Lange Zeit“, Die SSBnet GmbH ist der regionale Dienstleister für Dokumentenmanage-
so Axel Hübler, „war den Eltern der Zu- ment und Web-Portale und unterstützt die Friedrich-Schiller-Universität und
tritt zur Station untersagt, sie durften das Universitätsklinikum Jena mit effizienten IT-Lösungen.
ihre Kinder lediglich durch eine Glas-
scheibe sehen. Das änderte sich in Jena
Ende der 1980er Jahre, als die Eltern die Kinderhilfestiftung e. V. Jena wurde der Hypothermie, einer Kühltherapie,
zweimal wöchentlich zu festen Besuchs- die technische Ausstattung immer wei- die drohende Hirnschäden bei Frühchen
zeiten auf die Station kommen durften. ter verbessert“, sagt Dr. Hübler und ver- und Neugeborenen mit einer schweren
Heute haben wir eine offene Station, auf weist unter anderem auf das neue Mo- Anpassungsstörung nach der Geburt
der die Eltern jederzeit Besuchsrecht nitoringsystem, mit dem die Vitalfunk- verhindern kann. „Gegenwärtig sind wir
haben. Nach einer entsprechenden Vor- tionen der kleinen Patienten optimal dabei, die Pflege und die Therapie noch
bereitung durch die Schwester können überwacht werden, die hochmoderne stärker zu individualisieren“, sagt Dr.
die Mütter ihr Kind beim ‚Kangarooing‘ Netzhautkamera, mit deren Hilfe Durch- Hübler und dankt allen Ärzten und
sogar unter Intensivtherapie und künst- blutungsstörungen des Auges rechtzei- Schwestern für das tägliche Engage-
licher Beatmung auf die Brust legen. Die- tig erkannt werden oder die Einführung ment im Interesse der Kinder. mv
ser frühe und sehr enge Kontakt ist au-
ßerordentlich wichtig für die Mütter und
die Entwicklung unserer Patienten.“

Selbstverständlich hatten die ehemali-


gen Mitarbeiter auch die Möglichkeit,
die Station zu besichtigen und sich vor
Ort über moderne Neonatologie und
Intensivmedizin zu informieren. „Dane-
ben gab es zahlreiche Begegnungen
zwischen Mitarbeitern, die sich oftmals
seit vielen Jahren nicht mehr gesehen
hatten – auch mit unserer heutigen Sta-
tionsschwester Birgit Dressler, die zu den
ersten Frühgeborenen gehörte, die auf
unserer Station versorgt wurden“, sagt
PD Hübler.
Heute betreuen auf den drei hoch spe-
zialisierten neonatologischen Stationen
mit 15 Intensiv- und 10 Postintensiv-
Betten 38 Schwestern jährlich mehr als
500 Kinder. „Dank der großzügigen
Unterstützung durch das Klinikum und

www.uniklinikum-jena.de 21
30 Jahre Knochenmarktransplantation am UKJ

Erfindergeist und Enthusiasmus und Reifenkombinat ‚Pneumant‘ in


Fürstenwalde um Hilfe und erhielten
auch prompt den erbetenen Silikon-
schlauch. Etwas skeptisch, wie dieser mit
menschlichem Blut und organischem
„Mit der Knochenmarktransplanta- verlassen und das meiste selbst entwi- Material reagieren würde, waren wir
tion konnten wir viele Erkrankungen ckeln. Dabei“, so Prof. Zintl, „wurden wir dennoch. Nach mehrmonatigen Tests
heilen, denen wir zuvor machtlos ge- von den Handwerkern des Kombinates stand aber schließlich fest: keine Reak-
genüberstanden“, sagte Prof. Felix Carl Zeiss Jena sowie der Zentralwerk- tion. Wir verwendeten die Schläuche
Zintl am 27. November im Jenaer statt für Forschung und Entwicklung des aus Fürstenwalde bis 1990", sagte Prof.
Volksbad, wo etwa 60 ehemalige Pa- Klinikums hervorragend unterstützt.“ Felix Zintl unter dessen Leitung bis 2007
tienten und deren Familien sowie frü-
here und heutige Mitarbeiter das 30.
Jubiläum der ersten Transplantation
an der Universitäts-Kinderklinik fei-
erten.

Mit der erfolgreichen Durchführung der


ersten Knochenmarktransplantation
(KMT) am 1. Oktober 1980 hatte der
damalige Oberarzt Zintl nicht nur an der
Jenaer Kinderklinik, sondern im Osten Die zweite, ver-
Deutschlands absolutes Neuland betre- besserte Lami-
ten und damit völlig neue Möglichkei- nar-Airflow-Ein-
heit war in der
ten in der Therapie zahlreicher bisher Jenaer Kinderkli-
unheilbarer Krankheiten eröffnet. nik von 1986 bis
Anfang der 90er
Jahre in Betrieb
„Wir mussten uns vor allem auf
uns selbst verlassen“

Ganz besonders gilt das für Kinder und Doch vollständig konnten die Klippen 475 Knochenmark- bzw. Stammzell-
Jugendliche mit akuter lymphatischer der Mangelwirtschaft auf diese Weise transplantationen durchgeführt und
bzw. myeloischer Leukämie, die fast die nicht umschifft werden. So waren bei- mehr als 60 Prozent der Patienten dau-
Hälfte aller KMT-Patienten ausmachen. spielsweise geeignete Gefäße zur Auf- erhaft geheilt wurden.
„Etwa 85 Prozent dieser Patienten kön- bewahrung des Knochenmarks einfach
nen mit einer Chemotherapie geheilt nicht zu bekommen. „Wir wussten aber, Meist retten „genetische Zwillinge“
werden, allen anderen kann nur eine dass es in den Interhotels Kaffeekänn- das Leben der Patienten
Knochenmarktransplantation helfen“, chen und Suppentassen aus hochwer-
betonte der langjährige Klinikdirektor tigem Edelstahl gab. Der Direktor des „Das war eine aufregende Zeit, und auf-
und blickte zurück in das Jahr 1980: Jenaer Interhotels stellte uns das Benö- regend ist die Entwicklung der Stamm-
„Das damalige Umfeld war außerordent- tigte freundlicherweise zur Verfügung zelltransplantation auch noch heute –
lich schwierig, denn weder die Laminar- und verbuchte die außerplanmäßigen für uns Ärzte, angesichts immer neuer
Airflow-Einheit noch die meisten Gerä- Verluste an Edelstahl-Geschirr unter ‚so- und besserer therapeutischer Möglich-
te konnten in der DDR gekauft werden, zialistische Hilfe‘.“ Doch auch die für die keiten, vor allem aber für die betroffe-
und ein Import scheiterte am chroni- Transplantation unverzichtbaren zentra- nen Kinder und Jugendlichen und de-
schen Devisenmangel des Landes. Wir len Venenkatheter gab es nicht zu kau- ren Familien, die zwischen Sorge und
mussten uns deshalb vor allem auf uns fen. „Wir baten deshalb das Gummi- Hoffnung leben“, betonte Prof. James
F. Beck. Der Direktor der Universitäts-
Kinderklinik lobte die hervorragende
Arbeit der Ärzte, der Schwestern, der
Mitarbeiter im Stammzelllabor und in
den Einrichtungen des Klinikums, mit
denen die Kinderärzte interdisziplinär
zusammenarbeiten, und dankte dem
Klinikumsvorstand und der Kinderhil-
festiftung e. V. Jena für die ausgezeich-
nete Unterstützung. „Wir alle geben
unser Bestes, um möglichst viele Kinder
dauerhaft zu heilen und unseren Pati-
Knochenmark-Abnahmeset der 1980er Jahre – die Edelstahlgefäße steuerte das Jenaer enten und deren Familien diese schwe-
Interhotel bei Fotos: Kinderklinik re Zeit etwas leichter zu machen. Auch

22 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Nachruf

deshalb begehen wir den heutigen Tag

Prof. Christine Uhlemann verstorben


gemeinsam“, sagte Prof. Beck, der die
Gäste der Jubiläumsfeier über neue
Möglichkeiten der Stammzelltransplan-
tation informierte.
„522 Kinder und Jugendliche erhielten Am 14. Dezember verstarb im Alter von terbildung zur Fachärztin für Physika-
bis zum heutigen Tag die oftmals le- 64 Jahren Professor Dr. med. Christine lische und Rehabilitative Medizin.
bensrettende Knochenmarktransplan- Uhlemann, die Leiterin des Kompe- 1998 erhielt sie den Lehrauftrag für
tation“, sagte der Medizinische Vorstand tenzzentrums für Naturheilkunde am Naturheilverfahren an der Friedrich-
des UKJ, Prof. Klaus Höffken, und wür- Universitätsklinikum Jena. Schiller-Universität und leitete das
digte neben dem Engagement aller Be- 2005 gegründete Kompetenzzentrum
teiligten auch die Menschen, die durch für Naturheilverfahren an der Klinik
ihren Eintrag in das globale Knochen- für Innere Medizin II. Ihre Mitglied-
markregister die zahlreichen erfolgrei- schaft in einer Vielzahl nationaler und
chen Transplantationen ermöglichen. internationaler wissenschaftlicher Bei-
„Weltweit umfasst dieses Register 15 räte und Fachgremien sind Ausdruck
Millionen Menschen, allein vier Millio- der hohen fachlichen Reputation, die
nen leben in Deutschland und exakt sich Christine Uhlemann als Wissen-
5267 sind im Jenaer Register typisiert. schafterin erarbeitet hat.
In zwei Drittel der Fälle retten nicht Ver- In sehr beliebten Vorlesungen und Se-
wandte, sondern fremde ‚genetische minaren vermittelte sie den Studieren-
Zwillinge‘ das Leben dieser schwerkran- den naturheilkundliche Themen im
ken Patienten. Die Bereitschaft, einem Sinne einer integrativen Medizin, die
Unbekannten mit Zellen des eigenen eine rationale, plausible Naturheilkun-
Körpers zu helfen, verkörpert wie kaum de als sinnvolle Ergänzung zur etab-
etwas anderes den Gedanken der Nächs- lierten Medizin versteht. Auch in der
tenliebe“, betonte Prof. Höffken und Es war ihr nicht mehr vergönnt, wie breiten Öffentlichkeit trafen die Vor-
dankte Prof. Zintl und dessen Team, de- die Jahre zuvor im Dezember, renom- träge von Christine Uhlemann auf gro-
ren Enthusiasmus, Erfindergeist und mierte Schulmediziner und Naturheil- ßes Interesse; bei ihren Abendvorle-
Optimismus die erste erfolgreiche Kno- kundler zum ihrem Symposium „Zur sungen waren die Hörsäle bis auf den
chenmarktransplantation in Jena mög- Ratio und Plausibilität in der Natur- letzten Platz gefüllt.
lich machte. Deren Empfänger, ein heu- heilkunde“ nach Jena einzuladen. Die-
te 43jähriger Familienvater, war am 27. se Veranstaltungsreihe hatte Professor Als langjährige Gleichstellungsbeauf-
November 2010 gemeinsam mit Ehe- Uhlemann mit der ihr eigenen Energie tragte der Medizinischen Fakultät setz-
frau und Tochter ebenfalls im Volksbad zu einer überaus erfolgreichen Fach- te sie sich für Studentinnen, junge
anwesend. tagung etablieren können, auf der sich Wissenschaftlerinnen und Ärztinnen
Vertreter der klassischen Schulmedizin am Klinikum ein. Sie hatte dieses Amt
Zehn dieser 30 Jahre hat Dorothea und Alternativmediziner zu zentralen nicht inne, weil sie nicht schnell genug
Kromphardt mitgestaltet, die, einmal medizinischen Themen wie Schmerz, „nein“ gesagt hatte, sondern weil sie
nicht im Clownskostüm, „in Vertretung Schlaf oder Ernährung verständigten es als echte Aufgabe für sich annahm.
meines Freundes Knuddel“ an der Ver- und über der akademischen Diskussi- In jedem Berufungsverfahren achtete
anstaltung teilnahm und sich ein Leben on niemals das Wohl der Patienten aus sie darauf, dass Bewerberinnen nicht
ohne „ihre“ Kinder und deren Eltern dem Blick verloren. übervorteilt wurden. Krankheitsbe-
nicht mehr vorstellen kann. Die gelern- Genau so verstand Professor Christine dingt musste Professor Christine Uhle-
te Physiotherapeutin, Schauspielerin Uhlemann den Heilberuf: Als Wissen- mann dieses Amt vor einem Jahr nie-
und Clownin beweist täglich aufs Neue, schaftlerin untersuchte sie klassische derlegen.
dass Lachen eine ganz besondere Me- naturheilkundliche Methoden wie Fas-
dizin ist und dass man mit kleinen Ges- tentherapie, Akupunktur oder Kneipp- Unser Mitgefühl ist bei ihrer Familie.
ten und viel Menschlichkeit Angst neh- sche Wassertherapie auf deren Wir- Wir werden Professor Christine Uhle-
men und Mut machen kann. Beides ist kungen und therapeutische Wirksam- mann als fürsorgliche Ärztin, innovati-
unverzichtbar, um einer so schweren keiten. Und mit diesen Verfahren half ve Wissenschaftlerin, engagierte Hoch-
Erkrankung am Beginn des Lebens zu sie ihren Patienten, für die sie jeder- schullehrerin und hoch geschätzte Kol-
trotzen. zeit da war – darunter viele chronisch legin in Erinnerung behalten.
Videos aus dem Klinikalltag der jungen Kranke, bei denen schon verschiede-
Patienten sowie von den Segeltörns der ne andere Therapien erfolglos waren,
Prof. Dr. Klaus Höffken
„Sailing kids“ und „Sailing heroes“ be- Schmerz- und Krebspatienten oder
Medizinischer Vorstand
schlossen den offiziellen Teil der Jubi- auch Mitarbeiter des Klinikums.
läumsfeier und zeugten wie der Sketch Prof. Dr. Klaus Benndorf
der „Gebeutelten“ von der Lebensfreu- Christine Uhlemann studierte in Jena Wissenschaftlicher Vorstand
de und vom Optimismus der Kinder und Medizin, hier absolvierte sie die Wei- Dekan der Medizinischen Fakultät
Jugendlichen. mv

www.uniklinikum-jena.de 23
Diagnostik und Therapie

Wichtige Funktionen schneller wiederherstellen


Neue Erkenntnisse und Methoden in der HNO-Onkologie

„Infektionen mit Humanen Papilloma- pie (IMRT), die den Tumor hoch präzise tionen oder mit einer versteiften Wir-
Viren verbessern möglicherweise die und unter Schonung des umgebenden belsäule. Besonders häufig sind ältere
Prognose für Patienten mit Kopf- Gewebes bestrahlt, sowie neue und sehr Patienten betroffen“, erläutert Prof.
Hals-Tumoren. Das lassen klinische Be- wirksame Antikörpertherapien. Koscielny. Entsprechend gut sollte man
obachtungen vermuten“, sagt der Lei- „Nicht verbessern können wir damit sich bei der Sicherung der Atemwege
tende Oberarzt der Klinik für Hals-, allerdings die Prognose für Patienten auskennen, doch vor allem Ärzte aus
Nasen- und Ohrenheilkunde des Uni- mit malignen Kopf-Hals-Tumoren, wo kleineren Häusern, wo diese Fälle rela-
versitätsklinikums Jena, Prof. Dr. Sven die Fünfjahres-Überlebensrate etwa 50 tiv selten vorkommen, haben kaum Ge-
Koscielny. „Sollte sich dies bestätigen,
könnten vor allem die nachfolgenden
therapeutischen Maßnahmen – Be-
strahlung und Chemotherapie – stär-
ker individualisiert werden.“

Die Bedeutung von HPV-Infektionen für


die Tumorprognose war einer der
Schwerpunkte des 15. Jenaer HNO-On-
kologie-Symposiums, das sich am 2.
und 3. Dezember mit Innovationen in
der Diagnostik und Therapie von Kopf-
Hals-Tumoren beschäftigte. „Auf dem
Gebiet der onkologischen Diagnostik Endoskopieübun-
wurden außerdem die Untersuchung gen am Tiermodell
verdächtiger Schleimhautveränderun- Foto: HNO-Klinik
gen mittels Bürstenbiopsie sowie die
Nutzung moderner bildgebender Ver- Prozent beträgt. Das liegt vor allem da- legenheit, die notwendigen praktischen
fahren – PET-CT, CT-MRT und Konfokal- ran, dass unsere Patienten zumeist erst Erfahrungen zu sammeln.
mikroskopie – vorgestellt“, erläutert sehr spät den Arzt aufsuchen“, sagt Prof. Die Mediziner, überwiegend HNO- und
Prof. Koscielny. Im Zentrum des thera- Koscielny. „Denn typische Erstsympto- Anästhesie-Assistenzärzte, die aus allen
peutischen Teils der Veranstaltung stan- me von Tumoren der Mundhöhle, des Teilen Deutschlands nach Jena gekom-
den verbesserte Möglichkeiten der Re- Schlundes und des Kehlkopfes gibt es men waren, lernten verschiedene Mög-
konstruktion von Tumordefekten sowie nicht. Bei chronischer Heiserkeit und lichkeiten der Sicherung der Atemwege
aktuelle Entwicklungen in der Strahlen- Schluckbeschwerden sowie Lymphkno- kennen und übten am Tiermodell Tra-
und Chemotherapie. „Ganz besonders ten-Schwellungen im Hals sollten sich cheotomien (Luftröhrenschnitte) und
interessant war die Vorstellung neuer Betroffene allerdings bei einem HNO- Koniotomien, die Eröffnung der Atem-
chirurgischer Verfahren zur Rekonstruk- Arzt vorstellen, um einen Tumor auszu- wege in Höhe des Kehlkopfes bei aku-
tion von Tumordefekten der Zunge, des schließen oder einen solchen in einem ter Erstickungsgefahr. Außerdem ver-
weichen Gaumens und des Schlundes möglichst frühen Stadium zu erken- schiedene Beatmungstechniken wie die
mittels gestielter oder freier Lappenplas- nen.“ Jetventilation, bei der ein Sauerstoff-
tiken, die mit endoskopischen Verfah- Luft-Gemisch unter hohem Druck und
ren der Laserchirurgie kombiniert wer- Atemwegssicherung bei schwer in kurzer Impulsfolge in die Atemwege
den. Wir erreichen damit eine schnelle- intubierbaren Patienten geleitet wird. Angewendet wird die Jet-
re Wiederherstellung wichtiger Funkti- ventilation, wenn der Tubus den Opera-
onen – des Essens, Trinkens oder Spre- Lebensrettende praktische Fertigkeiten teur behindert oder in sehr enge Atem-
chens – und eine bessere Lebensquali- zur Sicherung der Atemwege bei schwer wege nicht eingeführt werden kann.
tät. Außerdem können die Patienten ra- intubierbaren Patienten erwarben die
scher für die nachfolgende Strahlen- Teilnehmer des 4. Endoskopiekurses der „Ein solcher Kurs, bei dem sowohl star-
und Chemotherapie aktiviert werden, Jenaer HNO-Klinik am 29. und 30. Ok- re und flexible Techniken der Endosko-
wo wir dank neuer Verfahren bessere tober. „Als schwer intubierbar gelten pie als auch die verschiedenen Metho-
Ergebnisse bei geringeren Nebenwir- etwa zehn Prozent unserer Patienten, den der Atemwegssicherung und Beat-
kungen erreichen“, betont Sven Kosciel- und dabei handelt es sich neben Men- mung geübt werden, ist nach wie vor
ny und verweist auf die dreidimensio- schen mit Kopf-Hals-Tumoren auch um einmalig in Deutschland“, sagt Prof.
nale intensitätsmodulierte Radiothera- Unfallpatienten, Patienten nach Opera- Koscielny. mv

24 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Patientenbrief an die Klinik für Unfallchirurgie

Ankunft im normalen Leben Diagnose. Ich bin mir bewusst, dass Le-
ben und Zeit für mich nicht selbstver-
ständlich sind. Aber ich werde nicht
aufgeben, aus allem das Beste zu ma-

Sehr geehrter Herr Prof. Hofmann,

ein schlimmer Einschnitt in meinem Le-


ben jährt sich in dieser Vorweihnachts-
zeit zum zweiten Mal: die Diagnose
Myxofibrosarkom am rechten Oberarm.
Permanent verdeutlicht mir eine lange
Narbe, wie schmal die Grenze zwischen
Wohlergehen und Leid ist. Die OP vor
zwei Jahren, die von Ihnen und Ihrem
Team durchgeführt wurde, war eine
Herausforderung für alle Beteiligten. Die
schnelle Realisierung des Eingriffs so-
wie das entschlossene, kompetente
Vorgehen haben mir und meiner Fami-
lie – soweit ich das überhaupt beurtei-
len kann – viel Leid erspart. Elke Thomas beim Sportunterricht und vor dem 41. Müritzschwimmen Fotos: privat

Es ist für mich keine Selbstverständlich- rechnete damit, dass ich jemals wie- chen. Es ist wichtig für mich, zu wissen,
keit, dass ich meinen Arm wieder fast der in einem Wettkampf antrete. Es ist dass draußen im Klinikum Ärzte sind, die
normal bewegen kann und schrittweise ein völlig anderes Bewegungsgefühl, mir wieder helfen würden, falls nicht
zu alter Leistungsfähigkeit zurück fin- manchmal richtig irreal. Nun träume ich alle Träume in Erfüllung gehen.
de. Ich möchte Sie an meiner bisheri- wieder von der Teilnahme an Einzelmeis- Ich wünsche Ihnen, Ihrem Team und Ih-
gen Erfolgsgeschichte ein wenig teil- terschaften. rer Familie alles Gute und vor allem Ge-
haben lassen, weil ich weiß, dass Sie sich Meine Ankunft im normalen Leben ist sundheit.
über solche Nachrichten freuen. ... das, was mich eigentlich stark macht Mit freundlichen Grüßen
Obwohl mir zunächst an anderer Stelle – zwei schöne Jahre nach einer bitteren Elke Thomas
mitgeteilt wurde, dass ich meinen Beruf
als Sportlehrerin vergessen könne, war
es eine große Genugtuung für mich,
schon im Juni 2009 wieder in der Turn-
halle zu arbeiten und meine Schüler in
Bewegung zu bringen. Vor einem Jahr
entstand das Bild am Stufenbarren, mit
dem rechten Arm dirigiere ich die Ab-
wärtsbewegung bei einer Turnübung. ...
Das andere Bild – ich lasse mir gerade
die Startnummer auf den Arm schrei-
ben – stammt vom August 2010. Mit
meiner Tochter, einigen Freunden und
600 weiteren Startern nahm ich am 41.
Müritzschwimmen teil. Es war ein Ge-
fühl großer Glücksseligkeit und Dank-
barkeit, als ich nach 46 Minuten und
zwei Kilometern Streckenlänge locker im
Mittelfeld das Ziel erreichte.
Ich sehe auch noch die schmunzelnden
Gesichter der Ärzte vor mir, als ich nach
der OP den Wunsch äußerte, meinen
geliebten Kegelsport wieder zu betrei-
ben. Begonnen habe ich mit der Kin-
derkugel und mit dem linken Arm, zum
Ausgleich. Seit September spiele ich
wieder Wettkämpfe: 100 Wurf mit rechts
mit der regulären, 2,8 kg schweren Voll-
kugel. ... Keiner meiner Sportfreunde

www.uniklinikum-jena.de 25
Diagnostik und Therapie

Behandlung von Nierenzelltumoren


noch individueller gestalten
An der Jenaer Klinik für Urologie wer- es mitunter ausreichend, eine Biopsie der Tumor entdeckt wird, und 30 bis 40
den jährlich etwa 100 Patienten mit durchzuführen und den Patienten eng- Prozent entwickeln nach der Tumorent-
Nierenzelltumoren, den mit Abstand maschig zu beobachten“, erläutert Pro- fernung Metastasen. „Haben die Tumo-
häufigsten Tumoren der Niere, behan- fessor Heiko Wunderlich, stellvertreten- ren primäre Metastasen oder entstehen
delt. „Die meisten Nierenzelltumoren der Direktor der Klinik. Die Jenaer For- diese in den ersten beiden Jahren nach
werden bei Menschen im siebenten Le- scher haben in Zusammenarbeit mit In- der Tumorentfernung, ist die Prognose
zumeist ungünstig, die Fünfjahresüber-
lebensrate liegt dann häufig unter zehn
Prozent. Treten einzelne Metastasen erst
nach vier Jahren oder später auf, kön-
nen diese operativ entfernt oder syste-
misch behandelt werden. Dann ist die
Prognose wesentlich besser“, sagt Kers-
tin Junker. Doch eine exakte Voraussa-
ge des Metastasierungsrisikos für jeden
einzelnen Patienten ist derzeit noch
nicht möglich. „Hätten wir exaktere
Marker, könnten wir auch die Tumor-
therapie noch individueller und zielge-
nauer gestalten. Wir sind gegenwärtig
dabei, entsprechende Verfahren zu ent-
wickeln“, sagt die Leiterin des moleku-
Prof. Dr. Heiko Wunderlich und PD Dr. Kerstin Junker Fotos: Szabó larbiologischen Forschungslabors der
Klinik für Urologie, wo man seit rund
bensjahrzehnt diagnostiziert. Zumeist dustriepartnern ein Diagnostik-Kit ent- 15 Jahren auf diesem Gebiet arbeitet
eher zufällig, denn 80 Prozent dieser wickelt, das durch Farbsonden die für und über eine umfangreiche Nierenzell-
Tumoren, die von den Epithelzellen der die verschiedenen Subtypen spezifi- karzinomgewebebank verfügt, die für
Nierenkanäle ausgehen, sind asymp- schen Veränderungen in den Chromo- eine effektive Forschung unerlässlich ist.
tomatisch und werden im Rahmen von somen der Tumorzellen anzeigt und die
Ultraschall- oder CT-Untersuchungen Entscheidung erleichtert, ob der Tumor Deutlich verbessert hat sich die Thera-
des Bauchraumes entdeckt. Außerdem entfernt werden muss. Ist das erforder- pie bei metastasierten Tumoren. „Lange
gibt es, wenn auch sehr selten und lich, wird heute, wann immer möglich, Zeit“, so Prof. Wunderlich, „stand uns
überwiegend bei jüngeren Patienten, organerhaltend operiert. Eine organ- hier neben der Operation lediglich eine
genetisch bedingte Nierenzellkarzi- erhaltende Resektion des Nierentumors Immuntherapie zur Verfügung, die aber
nome“, sagt die Vorsitzende des Deut- ist onkologisch sicher und geht lang- nicht sehr wirksam war und zudem er-
schen Netzwerkes Nierenzelltumoren, fristig mit einer besseren Nierenfunk- hebliche Nebenwirkungen hatte. Seit
PD Dr. Kerstin Junker, die anlässlich tion einher. Studien zeigen, dass diese etwa fünf Jahren haben wir Medika-
des 3. interdisziplinären Symposiums Patienten langfristig weniger kardio- mente, die die Gefäßneubildung der
„Klinische und experimentelle For- vaskuläre Probleme haben. „Eine Nie- Tumorzellen hemmen.“ Diese Tyrosinki-
schung beim Nierenzellkarzinom“ mehr renteilresektion ist ein technisch an- nase- und mTOR-Inhibitoren sind we-
als 100 Experten aus ganz Deutsch- spruchsvoller Eingriff. Deshalb wird an sentlich effizienter und nebenwirkungs-
land in Jena begrüßte. vielen Kliniken leider immer noch sehr ärmer und eröffnen die Möglichkeit,
häufig eine radikale Tumornephrektomie nun auch Patienten mit einem metasta-
„Wir unterscheiden nach dem histolo- durchgeführt“, sagt Klinikdirektor Prof. sierenden Nierenzellkarzinom effektiv zu
gischen Bild verschiedene Subtypen von Marc-Oliver Grimm. Mit dem neuen Ope- helfen. „Wir können sie zwar auch mit
Nierenzellkarzinomen. Der mit rund 80 rations-Roboter, der Anfang 2011 in Be- diesen neuen Medikamenten nicht hei-
Prozent häufigste ist das klarzellige Kar- trieb genommen wird, sind an der Uro- len, wohl aber die Überlebenszeit bei
zinom, gefolgt vom papillären mit etwa logischen Klinik erstmals auch minimal- verbesserter Lebensqualität deutlich
15 Prozent. Entsprechend differenziert invasive Nierenteilresektionen in hervor- verlängern“, erläutert Prof. Heiko Wun-
gestaltet sich die Therapie. So muss ragender Qualität möglich. derlich.
beispielsweise nicht jeder lokal begrenz- Etwa 80 Prozent der Nierenzelltumoren „Allerdings gibt es auch hier ein Pro-
te Tumor von weniger als vier Zentime- sind bösartig. Zwischen 15 und 20 Pro- blem: Wir können noch nicht sicher
tern zwingend operiert werden. Hier ist zent haben bereits metastasiert, wenn vorhersagen, welches dieser hochwirk-

26 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Personalia

samen Präparate bei welchem Patien- hebliche Kosten“, betont PD Junker, tasierendem Nierenzellkarzinom in Thü-
ten am effektivsten hilft und wann sich deren Forschungsgruppe im Rahmen ringen anbietet, eine stark klinisch ori-
möglicherweise Resistenzen entwickeln. verschiedener nationaler und internati- entierte Forschung“, sagt die Vorsitzen-
Es ist deshalb zwingend erforderlich, onaler Projekte und klinischer Studien de des Deutschen Netzwerkes Nieren-
prädiktive zell- und molekularbiologi- auch diese Fragestellungen untersucht. zelltumoren, wo Kliniker und Forscher
sche Biomarker im Tumorgewebe und der verschiedensten Disziplinen an der
im Blut zu finden, mit deren Hilfe wir „Wir betreiben in der Jenaer Urologie, Verbesserung der Diagnostik und The-
dies möglichst exakt vorhersagen kön- die auf dem Gebiet des Nierenzellkarzi- rapie des dritthäufigsten urologischen
nen. Dann ersparen wir unseren Patien- noms zu den führenden deutschen Kli- Tumors arbeiten, an dem allein in
ten nicht nur nutzlose Therapien, son- niken gehört und die einzige Spezial- Deutschland jährlich rund 15.000 Men-
dern der Solidargemeinschaft auch er- sprechstunde für Patienten mit metas- schen erkranken. mv

Prostatakrebs-Experte leitet Klinik für Urologie


Professor Dr. Marc-Oliver Grimm lei- bor wurde seinerzeit mein Interesse für
tet seit dem 1. Oktober die Klinik für die klinische Urologie überhaupt erst
Urologie am Universitätsklinikum geweckt“, beschreibt er seinen Werde-
Jena. Der 43jährige Experte für Pro- gang. Für die Fortsetzung seiner wis-
statakrebs wechselt nach vierjähri- senschaftlichen und klinischen Arbeit
ger Tätigkeit als leitender Oberarzt findet er nun am UKJ beste Bedingun-
aus Dresden auf den Jenaer Lehrstuhl gen vor, was auch den Ausschlag gab,
für Urologie. Zuvor war er mehrere sich gegen einen parallelen Ruf nach
Jahre am Universitätsklinikum Düs- Göttingen und für die Saalestadt zu ent-
seldorf tätig. scheiden. „Das Team der Jenaer Klinik
für Urologie leistet seit Jahren sehr gute
Mit dem neu berufenen Klinikdirektor Arbeit, vor allem im Bereich der bösarti-
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm gewinnt das gen Erkrankungen von Niere und Blase
UKJ einen Experten für urologische On- und der Nierentransplantation“, be-
kologie, mit viel Erfahrung vor allem bei schreibt Prof. Grimm seine Motivation.
Prof. Marc-Oliver Grimm Foto: Szabó
der Behandlung und Erforschung des „Meine Aufgabe ist es, dieses hohe Ni-
Prostatakarzinoms. Bereits am Uniklini- veau beizubehalten und zu sichern und
kum Dresden hat Prof. Grimm erfolg- ten verfügbaren Therapien anbieten zu zusätzlich unsere Kompetenzen in wei-
reich ein Prostatakrebszentrum aufge- können.“ teren Bereichen noch stärker auszubau-
baut und als eines der ersten sechs An der Weiterentwicklung solcher Neu- en.“ Außer der gut aufgestellten Klinik
deutschlandweit zertifizieren lassen. erungen arbeitet der Wissenschaftler gefällt dem dreifachen Vater auch die
Zudem war er als Mitglied der Leitlini- Grimm auf dem Gebiet der Erforschung Atmosphäre Jenas. „Die Stadt wird stark
engruppe und federführender Autor molekularer Grundlagen bei der Entste- von jungen Menschen geprägt, dass fällt
einzelner Kapitel bei der Erstellung der hung von Harnblasen- und Nierenzell- sofort sehr positiv auf“, zeigt sich Grimm
Leitlinie zum Prostatakarzinom beteiligt. karzinomen. „Über diese Arbeit im La- angetan. HR
Für die kommenden Jahre hat sich der
aus dem Ruhrgebiet stammende Urolo-
ge das Ziel gesetzt, die Jenaer Klinik zu
einem Zentrum für Prostatakrebsbe-
handlungen auszubauen, gemeinsam
mit den Partnern aus anderen Kliniken
und Instituten des UKJ sowie dem Uni-
versitätsTumorCentrum.
„Prostataerkrankungen, gutartige wie
auch bösartige, gehören zu den häu-
figsten urologischen Erkrankungen“, so
Prof Grimm. „Hier werden wir in der
nächsten Zeit neue therapeutische und
diagnostische Methoden etablieren und
Studien durchführen, um entsprechend
der Aufgabe der Universitätsmedizin
unseren Patienten jeweils die moderns-

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Personalia

Höchste Sicherheit für Spender und Empfänger


Transplantationschirurgin Professor Uta Dahmen forscht am UKJ

Die Chirurgin PD Dr. Uta Dahmen ist auf chung der spontan ablaufenden Hei- wird ihre Arbeitsgruppe weiter wachsen.
die Professur für Experimentelle Trans- lungsprozesse im Lebergewebe selbst. Mit den Lehrveranstaltungen, die Pro-
plantationschirurgie am Universitätskli- Uta Dahmen arbeitet im jüngst verlän- fessor Uta Dahmen im Masterstudien-
nikum Jena berufen worden. An der Kli- gerten systembiologischen Forschungs- gang Molekulare Medizin anbieten wird,
nik für Allgemeine, Viszerale und Gefäß- projekt HepatoSys mit, in dem Biologen, möchte sie die Studierenden für die kli-
chirurgie erforscht sie Durchblutungs-, nisch-experimentelle Forschung begeis-
Heilungs- und Abstoßungsmechanis- tern.
men bei Organtransplantationen.
Nach ihrem Medizinstudium in Ham-
Bei einem Versagen der Leber, dem zen- burg, Freiburg und Montpellier arbeite-
tralen Stoffwechselorgan, ist eine Trans- te Uta Dahmen als Chirurgin in Ham-
plantation der einzige Ausweg. Das Re- burg und Pittsburgh, bevor sie in Essen
generationsvermögen der Leber ermög- eine Arbeitsgruppe für experimentelle
licht auch, dass Angehörige einen Teil Chirurgie leitete. Die Nähe ihrer For-
ihrer Leber spenden, der das kranke Or- schungsgruppe zur Klinik ist ihr wich-
gan ersetzt und zu einer voll funktions- tig: „So können Fragen, die sich aus der
tüchtigen Leber heranwächst. Doch wie klinischen Praxis ergeben, schnell in ein
teilt man das asymmetrische Organ, das Experiment überführt werden und noch
sowohl sauerstoffreiches Blut vom Her- viel wichtiger: Die Patienten profitieren
zen als auch nährstoffreiches Blut aus schnell von unseren Forschungsergeb-
Magen, Darm, Milz und Bauchspeichel- nissen. Unser Ziel dabei ist es, bei Or-
drüse erhält, so, dass beide Teile ausrei- Prof. Uta Dahmen Foto: Szabó gantransplantationen die Risiken für
chend durchblutet werden und funkti- Informatiker und Mediziner ein virtuel- Empfänger und Lebendspender weiter
onsfähig sind? Überträgt sich der Im- les Organmodell für die Leber entwi- zu verringern.“ HR
munschutz des Spenderorgans auf den ckeln wollen. „Ausgehend von den phy-
Empfänger, und wie begegnet man der siologischen Prozessen in der Zelle sol-
erhöhten Infektionsgefahr, wenn das len das Lebergewebe und das gesamte
Immunsystem des Empfängers unter-
drückt werden muss, um eine Absto-
Organ in silico nachgestellt werden, um
durch Computersimulation im Sinne ei-
Prof. Hochhaus im
ßung zu vermeiden? ner individualisierten Medizin Vorher- Vorstand der AIO
Diese Fragen untersucht Uta Dahmen sagen über Krankheitsverläufe, Medika-
in ihrer Forschungsarbeit. „Wir wollen mentenwirkung und Regenerationspro- Der Jenaer Onkologe Prof. Dr. Andre-
die besten Startbedingungen für das zesse machen zu können“, so Uta Dah- as Hochhaus ist als Mitglied im Vor-
einzigartige Regenerationspotential der men. Neben der Lebertransplantation er- stand der Arbeitsgemeinschaft Inter-
Leber schaffen“, so die Chirurgin. „Das forscht die Chirurgin auch Aspekte der nistische Onkologie (AIO) der Deut-
beginnt mit einer Vorbehandlung des Übertragung anderer Organe, wie Herz schen Krebsgesellschaft bestätig wor-
Spenders, dazu zählen Operationsme- oder Niere. Ihre Kooperationspartner den.
thoden, die die Durchblutung während sind die Mediziner des Herzzentrums in Der Direktor der Abteilung Hämato-
und nach der Transplantation sicherstel- Berlin und Wissenschaftler am Fraun- logie und Internistische Onkologie
len, und Diagnoseverfahren, um Durch- hofer-Institut für Bildgestützte Medizin der Klinik für Innere Medizin II am
blutungsstörungen oder Immunreakti- in Bremen. An der Jenaer Uniklinik wird Universitätsklinikum Jena wird damit
onen schnell erkennen und darauf rea- sie vor allem mit den Kollegen der Kli- für weitere drei Jahre dem Leitungs-
gieren zu können.“ In einer klinischen nik für Allgemeine, Viszerale und Gefäß- gremium der mit 1200 Mitgliedern
Forschergruppe am Universitätsklinikum chirugie zusammenarbeiten und sieht in größten onkologischen Arbeitsge-
Essen erforschte sie zum Beispiel, wie den Themen Organversagen und -trans- meinschaft angehören. Die AIO ver-
die Schädigung des Lebergewebes bei plantation wichtige Anknüpfungspunk- eint bundesweit alle internistisch tä-
Sauerstoffunterversorgung und an- te an den Sepsis-Schwerpunkt des Kli- tigen Onkologen. Ziele des Zusam-
schließender Wiederdurchblutung ab- nikums. menschlusses der auf dem Gebiet der
läuft und welche Signalprozesse die Krebstherapie arbeitenden Mediziner
Immunantwort des Körpers gegen das Mit Uta Dahmen sind fünf ihrer Dokto- sind vor allem die Durchführung kli-
Transplantat regeln oder die Regenera- randen aus Essen nach Jena gekommen; nischer Studien und die Sicherung
tion der Leberzellen steuern. für die aus China stammenden jungen und Weiterentwicklung der medika-
Diese Projekte wird sie in Jena fortfüh- Wissenschaftler setzt sie sich besonders mentösen Krebstherapien. HR
ren. Ein Schwerpunkt ist die Untersu- ein. Durch die jetzt gestarteten Projekte

28 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Personalia

nen ich zwei nennen möchte: da ist seit


Pastorin Barbara Sonntag: ca. Mitte der 90er Jahre meine Mitar-

Zeit, etwas Neues zu beginnen beit in der „AG Ethik in der Pflege“, in
der auch Wurzeln für das jetzt gut funk-
tionierende Klinische Ethikkomitee lie-
gen. Ein wichtiges Anliegen der AG war,
die Auseinandersetzung mit Abschied
Liebe Leserinnen und Leser des Klinik- gen, wenn wir Patienten in ihren Kran- und Sterben am Klinikum zu fördern.
magazins! kenzimmern besuchten. Dazu gehörte z.B. ein Fragebogen (mit
Wie hat sich das in den letzten Jahren hohem Rücklauf), wie das Pflegeperso-
Während ich Ihnen diesen Brief schrei- verändert, vor allem mit dem Umzug in nal diese Problematik empfindet und
be, bin ich nicht mehr am Universitäts- den Klinikumsneubau im Jahr 2004! dann das starke Engagement der AG für
klinikum tätig. Seit dem 1. Oktober ar- den Bau des Abschiedsraums im „Klini-
beite ich als evangelische Pfarrerin in kum 2000“. Wie froh war ich auch da-
der Gefängnisseelsorge in der Justizvoll- rüber, dass ich nun Vertreter aus ande-
zugsanstalt „Roter Ochse“ in Halle an ren Berufsgruppen des Klinikums als
der Saale. Von hier grüße ich Sie herz- Kollegen hatte! Ein weiterer wichtiger
lich und möchte diesen Weg nutzen, Meilenstein war das Pilotprojekt Pallia-
mich von Ihnen zu verabschieden, vor tivmedizin in einer „interdisziplinären
allem von denen ich mich nicht persön- onkologischen Palliativabteilung“ im
lich verabschieden konnte. Jahr 2000 in der Radiologie, als Pallia-
tivmedizin, vor allem in den neuen Bun-
Zum Verabschieden gehört, dass man desländern, noch in den Kinderschu-
Rückschau hält und so gehen meine hen steckte. Besonders viel Freude hat
Gedanken oft in die Zeit vor 18 Jahren es mir gemacht, Ehrenamtliche, „Grüne
zurück, als ich als Klinikseelsorgerin am Damen und Herren“, für den Besuchs-
Klinikum der Friedrich-Schiller-Univer- dienst am Klinikum zu gewinnen – jede
sität begann. 18 Jahre Klinikseelsorge und jeder hat etwas Eigenes mitge-
sind auch 18 Jahre Geschichte des Uni- bracht: Lebenserfahrung oder Jugend;
versitätsklinikums Jena! jeder sein eigenes Potential und beson-
In der Radiologie, der Augenklinik, der deren Charme.
Hautklinik und der Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie – damals noch in der Pastorin Barbara Sonntag im Andachtsraum Mein inneres Leitbild, das mich geführt
Bachstraße – bin ich meine ersten seel- des Klinikums Foto: Szabó hat bei der Begleitung kranker Men-
sorgerlichen Schritte gegangen: An fes- Wie selbstverständlich war es für mich schen und ihrer Angehörigen, waren
ten Tagen war ich auf „Nord 2“, „Nord 3“ geworden, während meines Dienstes am Verse aus dem bekanntem Psalm 23
und „Süd 2“ der MKG, freundliche Klinikum jeden Morgen in das Dienst- vom „Guten Hirten“, der schon Tausen-
Schwestern nannten mir Patienten, de- zimmer der Klinikseelsorge zu gehen, de von Menschen getröstet hat „... und
nen mein Beistand gut tun könnte. In mit Patienten in der Klinikkapelle zu sit- ob ich schon wanderte im finstern Tal
der Radiologie und der Hautklinik ging zen, ins Intranet zu gehen oder auch im fürchte ich kein Unglück, denn du bist
ich am Abend durch die Patientenzim- Medienzentrum einen Flyer in Auftrag bei mir, dein Stecken und Stab trösten
mer, um für die Gottesdienste einzula- zu geben und kompetent erfüllt zu be- mich...“. Manchmal „Stecken und Stab“
den, die im Wartezimmer der Augenkli- kommen. sein zu dürfen, wenn Patienten und ihre
nik oder im Hörsaal der Hautklinik statt- Zuvor gab es einige wichtige Stationen, Angehörigen im „tiefen Tal“ waren, vor
fanden. Viele Patientenkontakte kamen die mir sehr am Herzen lagen, von de- allem in schweren Schicksalssituationen
auf diese Art zustande – das änderte
sich, als die Patienten in den Genuss von
Fernsehgeräten und Telefonen in ihren
Krankenzimmern kamen – oft hatten Pa-
tienten nun am Abend Kopfhörer auf
den Ohren und waren damit beschäf-
tigt, sich die „Welt“ auf diese Weise in
ihre Krankenzimmer zu holen.

Zu jener Zeit verfügten wir, das damali-


ge Team der Klinikseelsorge, über kein
Büro, kein Telefon, geschweige denn
eine Kapelle oder einen Computer. Un-
sere Arbeit machten wir von Zuhause
aus. Wir hatten keinen Kleiderhaken, um
unsere Jacken und Mäntel aufzuhän-

www.uniklinikum-jena.de 29
Mosaik

auf der Intensivstation oder in der Un-


fallchirurgie, auch oft bei Menschen, die
der Kirche eher fern standen, habe ich
als großes Geschenk empfunden: Men-
schen haben mir ihre Seelen geöffnet
und sich mir anvertraut.

Nun bin ich nicht mehr im Besitz der


Thoskakarte, die mir die Türen zur In-
tensivtherapie und Palliativstation öff-
net, sondern habe ein dickes Schlüssel-
bund, mit dem ich schwere Eisentüren
aufschließe. Ich habe sehr gern am Je-
naer Universitätsklinikum gearbeitet
aber auch gespürt, dass die Zeit nach
18 Jahren reif ist, etwas Neues zu be-
ginnen und zu neuen Ufern aufzubre-
Fotos: Vöckler
chen. Ich bedanke mich bei allen, die
mir persönlich und meiner Arbeit offen
und freundlich entgegengekommen Farbträume Inspiriert von lateinamerikanischer
Malerei erhellen die leuchtenden Far-
sind. Dem UKJ werde ich immer verbun- ben den Raum und die winterliche
den bleiben und wünsche allen Mitar- Weiße Häuser mit roten Dächern, das Stimmung des Betrachters. Die meis-
beitern Ernst und Frohsinn bei ihrem Grün der Bäume kontrastiert mit dem ten Bilder, so Swetlana Philipp, ent-
verantwortungsvollen Tun, vor allem Gelb und dem Rot der Felder – „Farb- stehen am Sonntagabend beim „Tat-
wenn der 2. Bauabschnitt im wahrsten träume“ heißt die Ausstellung mit Ar- ort“ oder begleitet von Hörbüchern.
Sinne des Wortes „viel Staub aufwir- beiten von Swetlana Philipp, die bis Musikalisch umrahmt wurde die Ver-
belt“. Februar 2011 in der „ganz kleinen Ga- nissage am 2. Dezember 2010 von
Behüt’ Sie alle Gott! lerie“ am Nonnenplan zu sehen ist. Matthias Schleußner. mv
Ihre Barbara Sonntag

30 Klinikmagazin Ausgabe 6/2010


Rätselseite

4. Welche erste deutsche Fernbahnstre- 8. Welches war das erste Land mit voll-

Auf Schienen cke wurde 1839 eröffnet?


a Leipzig - Dresden
ständiger Elektrifizierung der Eisen-
bahnstrecken?
b Magdeburg - Braunschweig a Niederlande
1. Welche Eisenbahnstrecke wurde c Berlin - Hamburg b Österreich
1825 als weltweit erste für den Per- 5. Wie lang ist die 1869 eröffnete Stre- c Schweiz
sonenverkehr eröffnet? cke New York – San Francisco? 9. Zwischen welchen Städten verkehrte
a London - Greenwich a ca. 4500 km von 1883 bis 1977 der legendäre Ori-
b Stockton - Darlington b ca. 5.300 km ent-Express?
c New York - New Jersey c ca. 6900 km a Paris und Istanbul
2. Wer baute die legendäre „Rocket“? 6. Wann wurde mit dem Bau der Trans- b London und Kairo
a James Watt sibirischen Eisenbahn begonnen? c Casablanca und Damaskus
b George Stephenson a 1891 10. In welchem Land befindet sich die
c William Baldwin b 1918 mit 530 km längste völlig kurvenfreie
3. Wie hieß die Dampflok, die am 7. De- c 1946 Bahnstrecke der Welt?
zember 1835 zwischen Nürnberg und 7. Wann und wo fuhr die erste Lokomo- a Russland
Fürth fuhr? tive schneller als 100 km/h? b Australien
a Sperber a 1848 in Frankreich c China
b Adler b 1862 in den USA
c Falke c 1870 in Deutschland (Auflösung S. 8 unten)

Who’s who?
Der 24. Juli 1841 war ein wichtiger Tag Heft 94, Ausgabe 6/2010
im Leben des heute gesuchten Pioniers Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
des deutschen Eisenbahnbaus. Eine in derverein des Universitätsklinikums Jena
seinem Unternehmen gebaute Lokomo- Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
tive distanzierte auf der Strecke Berlin – Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
Jüterbog eine englische um zehn Mi- Helena Reinhardt, Stabsstelle Öffentlich-
keitsarbeit
nuten. Das zeigte: Man konnte auch in Dr. Uta von der Gönna, Öffentlichkeits-
Deutschland Dampflokomotiven bauen, arbeit Medizinische Fakultät
die den englischen zumindest ebenbür- PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der
tig waren. Apotheke des Klinikums und Vorsitzender
des Fördervereins des UKJ
Der 1804 in Breslau Geborene gründe- Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik
te 1836 in Berlin eine Maschinenbau- für Kinder- und Jugendmedizin
anstalt, wo vier Jahre später die erste beherrschte, den Ruf eines „Lokomotiv- Maria Lasch, Pflegedienstleiterin Klinik
für Innere Medizin, Klinik für Herz- und
Lokomotive fertig gestellt wurde. In den königs“. Kurz nach der Fertigstellung der Thoraxchirurgie
folgenden Jahren erwarb sich der Un- 500. Lokomotive im Jahr 1854 verstarb Gabriele Stoschek, Büro Medizinischer
ternehmer, der 1850 rund 97 Prozent er an den Folgen eines Schlaganfalls. Vorstand
des deutschen Lokomotivbaumarktes (Einsendeschluss: 15. Februar 2011) Layout: Klinisches Medienzentrum
Satz: Matthias Vöckler
Ihre Lösung schicken Sie an die In Heft 93 suchten wir: Druck: Druckhaus Gera GmbH
Redaktionsschluss: 22. Dezember 2010
Redaktion KLINIKMAGAZIN Georg Philipp Telemann Dieses Heft wurde überwiegend aus Mit-
Bachstraße 18 teln des Fördervereins und Werbeeinnah-
07743 Jena Katharina Stück aus Weimar men finanziert und auf umweltfreund-
lichem Papier gedruckt.
oder an: voecklers@aol.com (Büchergutschein zu 40 €)
Redaktionsschluss nächste Ausgabe:
Unter den Einsendern mit der richtigen Janet Matz Mitte Februar 2011
Lösung verlosen wir unter Ausschluss des Christina Schlensog Die Beiträge geben Meinungen der Auto-
Rechtsweges einen Büchergutschein im und Dr. Marius Scholz ren wieder und müssen nicht mit der
Wert von 40 € und drei Büchergutschei- (Büchergutschein zu je 10 €) Ansicht der Redaktion übereinstimmen.
Die Veröffentlichung unverlangt einge-
ne im Wert von je 10 €, die von der Jenaer wurden als Gewinner gezogen. sandter Manuskripte liegt im Ermessen der
Universitätsbuchhandlung Thalia ge- Redaktion.
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch!

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