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Inhaltsverzeichnis

primo loco
„Das Bessere ist der Feind des Guten“ 3
Sprechstunde: Schielerkrankungen
Rechtzeitig erkennen und behandeln 4
Titel: Knochenmarktransplantation
500 kranken Kindern eine Chance gegeben 6
Forschung
Jeder dritte Typ-1-Diabetiker hat auch Schilddrüsenprobleme 7
Neu am UKJ: Radiojodtherapie-Station
Durch Kompetenz und Qualität überzeugen 8
Vorgestellt: Geschäftsbereich Betreibung und Beschaffung
Leistungsfähig und effizient 10
Gesundheitsuni
Nicht nur „die Alten“ sind betroffen 12
Diagnostik und Therapie
Spektroskopie zeigt Anfangsstadien der Arthrose 13
Netzwerk für Kinderheilkunde 14
Schlaganfälle optimal behandeln 15
Früherkennung ist schwierig 16
Wichtige Hilfe bei Gleichgewichtsstörungen 17
„Bei Beschwerden sofort den Arzt aufsuchen“ 18
Gesundheitspolitik
Gesamte Solidargemeinschaft ist gefordert 19
Interview
Patienten werden ausgezeichnet betreut 20
Veranstaltungen 22
Service 23
Personalia
Prof. Andreas Hochhaus auf Professur für Hämatologie und Onkologie berufen 24
Forschung
Behandlungsempfehlungen nach aktuellem Stand des Wissens 25
Patientenservice
Projekt „Soziale Wärme“ ist ein voller Erfolg 26
Pflege
Intensivpatienten auf höchstem Niveau versorgen 27
Mosaik
Gesundheitsvorsorge und -aufklärung verbessern 28
Empfehlungen aus der Patientenbibliothek 29
Breites Spektrum alternativer Heilmethoden 30
Rätselseite 31

Titelseite: Grund zur Freude für den Jenaer Kinderklinikchef Prof. James F. Beck und Klinik-
Clown Knuddel: Dank Knochenmarktransplantation hat Isabella die Leukämie besiegt, sie
kann nun ihren 4. Geburtstag zu Hause in Erfurt feiern Foto: Schröder

2 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


primo loco

„Das Bessere ist der Feind des Guten“


„Nur noch Universitätsklinika können haben ihren Preis – auch hier gehen die eigentlich, dass wir der Gegenwart im-
es sich heute leisten, das ganze Spek- Investitionen in die Millionen. mer schon voraus sein müssen – hier
trum der Medizin abzudecken“, war Derzeit planen wir mit der Anschaffung müssen die jungen Mediziner jene zu-
kürzlich als Zitat eines Klinikmanagers eines OP-Roboters für die Urologie, Gy- kunftsträchtigen Innovationen kennen
in der Presse zu lesen. näkologie, Chirurgie und HNO-Klinik lernen, die später in ihrem Arbeitsalltag
Ist die Hochschulmedizin also der letzte eine weitere Millioneninvestition für die Routine werden.
Hort einer umfassenden Gesundheits- Versorgung schwerkranker Patienten. Für das UKJ bedeutet dies somit eine
versorgung? Investitionen in die Zukunft leisten wir stetige Verpflichtung zur Innovation –
Wenn dem tatsächlich so ist, dass näm- aber auch an anderer Stelle. Zum Bei- die Universitäten sind die Orte, von de-
lich den Unikliniken die Aufgabe zu-
kommt, als einzige künftig noch die
Vollversorgung zu wahren, dann ver-
pflichtet uns das umso mehr dazu, die
Qualität zu sichern und weiter zu ent-
wickeln. Frei nach dem voran gestellten
Motto sollten wir immer danach stre-
ben, noch besser zu werden: Bessere
Ärzte, bessere Forscher, bessere Lehrer,
bessere Pflegende, bessere Mitarbeiter.

Zu besseren Leistungen gehören aber


auch bessere Rahmenbedingungen. An
diesen Rahmenbedingungen arbeiten
wir unermüdlich. Das UKJ investiert jähr-
lich Millionen in die Ausstattung und in Im letzten Jahr wur-
die Gebäude des Klinikums, wie in der de der neue Hybrid-
Operationssaal am
vorliegenden Ausgabe des KLINIKMA-
UKJ-Herzzentrum in
GAZINs zu lesen ist. Gelder, die eine Ver- Betrieb genommen
sorgung auf höchstem Niveau sichern Foto: Schröder
– zum Beispiel durch die Einrichtung ei-
ner der modernsten Radiojodtherapie-
Stationen, die im März eröffnet wurde. spiel durch die Anschaffung von 26 nen Neuerungen ausgehen. Hier wer-
1,75 Millionen Euro kosteten der Aus- neuen Behandlungsstühlen für die Aus- den sie entwickelt, getestet, eingesetzt.
bau der Station für Schilddrüsenpatien- bildung von angehenden Zahnärzten in Nirgendwo ist die Forschung näher am
ten und die technischen Anlagen zur der Zahnklinik. Auch hier steht univer- Menschen, können Patienten unmittel-
Einhaltung des Strahlenschutzes. Im Er- sitäre Medizin synonym für modernste barer von den Erkenntnissen der Wis-
gebnis profitieren die Patientinnen und Medizin. Damit hat der anfangs zitierte senschaftler profitieren.
Patienten mit schweren Schilddrüsen- Klinikmanager wohl recht: Nur noch die
erkrankungen, aber auch die Umwelt, Großen, und zu denen gehören die deut- Für all das braucht universitäre Medizin
die durch den Einsatz modernster Tech- schen Universitätskliniken, können sich modernste Technik. Wer, wenn nicht wir,
nik geschützt wird, und natürlich die diese Investitionen auf allen Gebieten kann und muss die innovativsten Ver-
Mitarbeiter, deren Arbeitsbedingungen leisten. fahren, die modernsten Geräte einset-
sich verbessert haben. zen? Dazu verpflichtet uns unser Auf-
Ebenfalls modernste Medizintechnik Nicht nur können, nein, wir müssen so- trag, und wir nehmen die Verpflichtung
steht in dem kürzlich in Betrieb genom- gar. Denn auch für die Ausbildung der an. Im Interesse unserer Patienten, de-
menen Hybrid-Operationssaal des Klini- über 2000 Medizinstudenten am UKJ nen wir die bestmögliche medizinische
kums den Herz- und Schlaganfallspezi- brauchen wir modernste Bedingungen. Versorgung bieten wollen. Und im In-
alisten des Thüringer Universitäts-Herz- Die künftigen Ärzte und Zahnärzte ler- teresse der Studenten, die wir zu besten
zentrums zur Verfügung. Innovationen nen hier für die Zukunft. Das bedeutet Ärzten ausbilden wollen.

Rudolf Kruse Prof. Dr. Klaus Höffken Prof. Dr. Klaus Benndorf
Kaufmännischer Vorstand Medizinischer Vorstand Wissenschaftlicher Vorstand

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Sprechstunde

Rechtzeitig erkennen und behandeln


Früher Therapiebeginn hilft, Schielschwachsichtigkeit zu verhindern

Schielen (Strabismus) wird von Außen- peserkrankung entstehen“, betont Ober- Abdecktest mit oder ohne Prismen“, er-
stehenden vor allem als kosmetisches arzt Voigt und verweist darauf, dass es läutert Dr. Voigt. „Zumeist handelt es
Problem wahrgenommen. Doch das ist sich beim Lähmungsschielen um einen sich um ein deutlich sichtbares einsei-
nur eine Seite der Medaille, denn viele medizinischen Notfall handelt, der um- tiges Innenschielen. Um eine künftige
der etwa 3,2 Millionen Patienten mit gehend durch einen Augenarzt und ei- Schwachsichtigkeit des schielenden
Schielerkrankungen allein in Deutsch- nen Neurologen abgeklärt und behan- Auges zu verhindern, besteht sofortiger
Handlungsbedarf, denn 60 bis 80 Pro-
zent der Kinder mit frühkindlichem Schie-
len entwickeln eine Schwachsichtigkeit,
die nur durch eine genaue Brillenglas-
bestimmung sowie eine konsequente
Abklebebehandlung therapiert werden
kann.“ Das Schielen kann aber auch
wechselseitig auftreten, was für die Ent-
wicklung der Sehschärfe der Augen
sogar günstiger ist.

Typische Symptome kennen


und ernst nehmen

Allerdings ist die Fehlstellung der Au-


gen nicht in jedem Fall leicht diagnos-
tizierbar. Beim so genannten Mikrostra-
bismus (Mikrotropie), dem geringgradi-
gen oder kleinwinkligen Schielen, weicht
Sechsmonatiges Kind mit früh- die Stellung des betroffenen Auges nur
kindlichem Innenschielen: Über-
prüfung der Brille mittels Skia- um etwa drei bis fünf Grad von der Seh-
skopie Fotos: Augenklinik achse ab, was äußerlich kaum wahr-
nehmbar ist. „Da es für Säuglinge und
Kleinkinder keine spezielle augenärzt-
land (etwa vier Prozent der Bevölke- delt werden muss. Ein typisches Merk- liche Vorsorgeuntersuchung gibt, wird
rung) leiden auch unter Schwach- mal des Lähmungsschielens sind Dop- diese Fehlstellung leider häufig auch
sichtigkeit (Amblyopie). „Dabei han- pelbilder, die es beim frühkindlichen nicht erkannt, was zur Entwicklung ei-
delt es sich um eine zum Teil erheblich Schielen nicht gibt. ner erheblichen Sehschwäche führt.
reduzierte Sehstärke des betroffenen Fällt dann bei der Schuluntersuchung
Auges. Nicht zu unterschätzen sind Frühkindliches Schielen wird ab dem im Alter von sechs oder sieben Jahren
zudem die psychischen Auswirkungen dritten Lebensmonat erkannt auf, dass die Sehkraft des schielenden
der Erkrankung“, sagt Oberarzt Dr. Auges nur zehn oder 20 Prozent beträgt,
Ulrich Voigt von der Augenklinik des Zu den Risikofaktoren des frühkindli- ist das Problem kaum noch korrigier-
Universitätsklinikums Jena. chen Schielens, von dem etwa fünf bis bar, weil in diesem Alter die Sehentwick-
acht Prozent aller Kinder betroffen sind, lung bereits weitgehend abgeschlossen
Die Strabologen unterscheiden zwei gehören vor allem Frühgeburtlichkeit ist und das Auge das Sehen nie richtig
Gruppen von Schielerkrankungen, das und Fehlsichtigkeit (besonders eine hö- ‚erlernt’ hat. Um eine lebenslange ein-
so genannte Begleitschielen, das in der hergradige Weitsichtigkeit), außerdem seitige Sehschwäche zu vermeiden, gilt
Regel bereits im Säuglings- oder frühen gibt es offensichtlich eine genetische deshalb auch beim kleinwinkligen
Kleinkindalter diagnostiziert wird, und Komponente. Vor allem wenn ein Eltern- Schielen: Nur wenn es rechtzeitig er-
das Lähmungsschielen, das in jedem teil oder ein Geschwisterkind schielt, kannt wird, kann der Augenarzt erfolg-
Alter auftreten kann und durch eine Läh- sollte das Kind vorsorglich untersucht reich eingreifen und die entstehende
mung der Augenmuskulatur hervorge- werden. „Erkannt wird das frühkind- Schielschwachsichtigkeit effektiv be-
rufen wird. „Für das Lähmungsschie- liche Schielen, wenn die Kinder ab dem handeln“, betont Strabologe Dr. Voigt.
len können ein Tumor, eine Entzündung dritten oder vierten Lebensmonat be- Deshalb ist es wichtig, die Symptome
oder eine Durchblutungsstörung ver- ginnen, Personen und Gegenstände zu zu kennen, die auf einen Mikrostrabis-
antwortlich sein, es kann aber auch in- fixieren, exakt ermittelt wird der Schiel- mus hinweisen – dazu gehören vor al-
folge einer Borreliose oder einer Her- winkel durch verschiedene Tests wie den lem Lichtempfindlichkeit, Augentränen,

4 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Sprechstunde

Zukneifen eines Auges, chronische Lid- lichen Abweichung im Rahmen einer Fällen nicht erforderlich, allerdings sol-
randentzündung, schiefe Kopfhaltung Schiel-OP entspricht.“ Schieloperatio- len antibiotische Augentropfen mögli-
sowie ungeschickte Bewegungen – und nen werden von den Krankenkassen che Wundinfektionen verhindern“, sagt
umgehend einen Augenarzt aufzusu- generell bis zum vollendeten zwölften Oberarzt Voigt. Die Schielerkrankung
chen. Lebensjahr bezahlt, danach muss ein kann durch die konservative bzw. ope-
medizinisch begründeter Antrag gestellt rative Behandlung zwar erheblich ver-
Konservative Behandlung geht werden. bessert, aber nicht geheilt werden. „Des-
der Operation stets voraus

Die Behandlung des Lähmungsschielens


erfolgt in Abhängigkeit von den der Er-
krankung zugrunde liegenden Ursa-
chen. Begleitschielerkrankungen kön-
nen konservativ und chirurgisch behan-
delt werden. „Dabei geht die konserva-
tive Behandlung stets der Operation
voraus“, betont Dr. Voigt. „Mitunter ge- Sechsjähriges Kind mit Einwärtsschielen und nach der Korrektur des Schielwinkels mit einer
lingt es, das Schielen bereits durch eine Bifokalbrille
exakt angepasste Brille zu beheben. Nach der Operation – an der Jenaer halb macht es sich vor allem bei ope-
Wesentlich häufiger findet allerdings die Universitäts-Augenklinik werden pro rierten erwachsenen Schielpatienten
so genannte Okklusionstherapie Anwen- Jahr etwa 100 Schieloperationen durch- mitunter erforderlich, Jahre nach dem
dung.“ Durch das stunden- bzw. tage- geführt – bleiben die Patienten noch Eingriff einen erneut vergrößerten
weise Abkleben des gesunden Auges eine Nacht im Krankenhaus. Der Verband Schielwinkel zu korrigieren, der durch
mittels eines Okklusionspflasters wird wird aber bereits kurz nach dem Aufwa- Narbenschrumpfungen oder OP-beding-
das schielende und sehschwache Auge chen aus der Narkose entfernt. „Die Gabe te Verwachsungen entstehen kann“, er-
zum Sehen gezwungen. Auf diese Wei- von Schmerzmitteln ist in den meisten läutert Dr. Voigt. mv
se gelingt es im Laufe mehrerer Monate
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bis Jahre, dessen Sehstärke zu verbes-
sern. „Die Dauer der Behandlung ist vom
Alter des Kindes sowie von der Schwere
der Sehschwäche abhängig und reicht
zumeist bis zur Pubertät. Sieht das seh-
schwache Auge annähernd ebenso gut
wie das gesunde, ist das Behandlungs-
ziel erreicht“, sagt Dr. Ulrich Voigt. Aller-
dings können Patienten mit Begleit-
schielerkrankungen auch nach einer
erfolgreichen Schielbehandlung zumeist
nur eingeschränkt oder gar nicht räum-
lich sehen.
Wenn der Schielwinkel mit Hilfe der kon-
servativen Behandlung nicht entschei-
dend verkleinert werden kann, muss die
Augenmuskulatur operativ korrigiert
werden. „Wir operieren an unserer Kli-
nik die Kinder nicht schon im Alter von
zwei oder drei Jahren, sondern erst im
Frühjahr des Jahres, in dem sie einge-
schult werden. Die Langzeitergebnisse
sind in beiden Fällen etwa gleich, die
frühere Operation hat allerdings den
Nachteil, dass die Möglichkeiten der
konservativen Behandlung nicht voll
ausgeschöpft werden und die Kinder
häufiger nachoperiert werden müssen“,
erklärt Oberarzt Dr. Voigt. „Kinder mit
kleinwinkliger Schielerkrankung werden
ausschließlich konservativ behandelt,
weil der Schielwinkel von lediglich etwa
drei bis fünf Grad dem Wert der mög-

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Titel

500 kranken Kindern eine Chance gegeben


500. Knochenmarktransplantation an der Kinderklinik des
Universitätsklinikums Jena durchgeführt
Felix wäre im letzten Jahr sicher überall der Jenaer Kinderklinik zum Guten ge- ein weiteres neues Verfahren ein – die
lieber gewesen als in der Klinik, sogar in wendet haben – dank der noch zu DDR- Transplantation einer Mischung von
der Schule. Doch eine Leukämieerkran- Zeiten zuerst in Jena eingeführten Kno- Immun- und Stammzellen aus dem Blut
kung fesselte den 12jährigen in der Kin- chenmarktransplantation bei krebs- der Eltern, wodurch die Übertragung
derkrebsstation des Universitätsklini- kranken Kindern. Was mit jährlich ein der so genannten angeborenen Tumor-
kums Jena an das Bett. Krankenzimmer, bis zwei Behandlungen und noch sehr immunität der Eltern auf das Kind er-
möglicht wird, welche dann aktiv die
Krebserkrankung des Kindes bekämp-
fen soll. „Hier stehen wir am Beginn ei-
ner neuen Methode“, so Beck, der bisher
sechs solcher Transplantationen durch-
geführt hat und derzeit die Optimierung
der Methode erforscht. Eingesetzt wird
diese bei den schwersten Fällen, bei
denen keine herkömmlichen Verfahren
mehr helfen. „Dadurch konnten wir
bereits Kinder retten, die keine andere
Chance mehr hatten“, sagt Prof. Beck.

Auch sonst wird das für die Patienten


sehr belastende Verfahren der Trans-
plantation nur in speziellen Fällen ein-
gesetzt – wenn alle anderen Therapien
keine Heilung mehr ermöglichen kön-
nen: „Da aber unsere Standard-Behand-
In der von Prof. James F. Beck geleiteten Universitäts-Kinderklinik werden seit 1980 Knochen- lungsmöglichkeiten – beispielsweise bei
marktransplantationen bei krebskranken Kindern durchgeführt Foto: Schröder Leukämie – heute viel häufiger bereits

Untersuchungen, Ärzte und Schwestern unsicherem Ausgang begann, wurde –


statt Toben und Spielen mit Gleichaltri- mit derzeit etwa 25 Transplantationen
gen bestimmten den Alltag des Jungen im Jahr – zu einer sehr gut etablierten
– bis zur Knochenmarktransplantation
im vergangenen Jahr.
Behandlungsmethode mit guten Hei-
lungschancen weiterentwickelt.
Auflösung
Die übertragenen Zellen eines fremden „Die Verfahren der Knochenmarktrans-
Spenders wuchsen hervorragend an. plantation haben sich stetig verbessert“, „Kreuzgitter“ auf Seite 30
Nach Monaten auf der Jenaer Trans- erklärt der Leukämiespezialist Beck. „Wir
plantationsstation und kaum Kontakt haben heute eine Vielzahl von Möglich- Waagerecht: Schneemobil (40), Eklat (26),
nach außen ist Felix jetzt wieder zu Hau- keiten, unseren kleinen Patienten zu Stoma (35), Kommentator (27), Festkomitee
se, kann draußen spielen und in die helfen – auch bei Fällen, die vor weni- (9), Rationalist (4), Sendeanlage (19), Enter-
tainer (23), Reformismus (39), Arate (5), Rei-
Schule gehen. „Jetzt können wir sogar gen Jahren aussichtslos waren.“ Nicht
se (8), Moniereisen (6).
mit großer Sicherheit davon ausgehen, nur, weil es mit 13 Millionen typisierten Senkrecht (spaltenweise): Stek (32), Fräse
dass bei Felix der Krebs nicht wieder- Spendern weltweit ein gutes Spender- (29), Rahm (21), Korea (13), Enter (1), Helm
kommen wird“, freut sich Prof. Dr. Ja- angebot gibt und für vier von fünf Pati- (11), Stunt (14), Faun (16), Amati (2), Depot
mes F. Beck, Direktor der Universitäts- enten ein geeigneter Spender gefunden (38), Ente (3), Kober (18), Reue (33), Neon
Kinderklinik Jena. Felix war der 500. Pa- werden kann. „Die Therapien wurden so (12), Atem (31), Most (15), Manna (25), Irre
tient, bei dem Ärzte der Kinderklinik eine weiterentwickelt, dass jetzt beispielswei- (22), Tamil (30), Linse (28), Brot (17), Titan
Knochenmarkübertragung vornahmen, se immer häufiger auch Eltern für ihre (10), Miss (37), Moses (34), Genus (7), Lear
und so sein Leben retteten. Kinder spenden können“, beschreibt (24), Etter (20), Sein (36).
Prof. Beck die Verbesserungen.
Das ist nur eines der inzwischen vielen Seit dem Dienstantritt von Prof. Beck vor „Alte Kunst“ auf Seite 31
Kinderschicksale, die sich seit 1980 in etwa zwei Jahren setzen die Jenaer auch 1c, 2c, 3a, 4a, 5b, 6a, 7b, 8a, 9a, 10a

6 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Forschung

ohne Stammzelltransplantation heilen,


müssen wir immer seltener transplan-
tieren“, betont der Jenaer Pädiater. Im Jeder dritte Typ-1-Diabetiker
deutschsprachigen Raum, Österreich
und die Schweiz eingeschlossen, sind
das im Jahr inzwischen weniger als 300
hat auch Schilddrüsenprobleme
Fälle, die sich an wenigen großen Zen- UKJ-Endokrinologen für Studie ausgezeichnet
tren wie Jena konzentrieren. „Allerdings
haben wir dadurch auf den Transplan-
tationsstationen heute häufiger schwe- Die Internistin PD Dr. Wilgard Hun- Wilgard Hunger-Battefeld, Oberärztin
rere Fälle und seltenere Erkrankungen“, ger-Battefeld hat den Jahrespreis der an der Klinik für Innere Medizin III des
erklärt Prof. Beck. Fachzeitschrift „Medizinische Klinik“ UKJ. Dabei waren sowohl Hormon pro-
erhalten. Gemeinsam mit Kollegen duzierende Organe wie Schilddrüse
Nicht immer ist es Krebs, der eine Trans- der Klinik für Innere Medizin III und und Nebenniere als auch das Verdau-
plantation notwendig werden lässt. Labormedizinern des UKJ untersuchte ungssystem betroffen. Von den Stu-
Auch bei seltenen schweren Stoffwech- sie, inwieweit Patienten mit Typ-1- dienteilnehmern, die durchschnittlich
seldefekten oder Immunstörungen grei- Diabetes mellitus an weiteren Auto- 44 Jahre alt waren, litten über 20 Pro-
fen die Mediziner zu dem extremen Mit- immunerkrankungen leiden. Der zent an zwei und neun Prozent sogar
tel und tauschen das kranke Knochen- Preis wurde am 12. April auf dem an drei oder mehr Krankheiten des Im-
mark gegen gesundes aus. Auch bezüg- 116. Kongress der Deutschen Gesell- munsystems zusätzlich zur Diabetes-
lich dieser Verfahren gehört Jena zu den schaft für Innere Medizin überge- erkrankung. Diese Zahlen stiegen bei
großen Zentren und hat beispielsweise ben. der Folgeuntersuchung nach etwa ei-
mit die meisten Kinder mit einer Muko- nem Jahr nochmals an.
polysaccaridose, einer sehr seltenen Bei Patienten mit Diabetes mellitus vom Die weitaus häufigste zusätzliche Au-
Stoffwechselerkrankung, transplantiert. Typ 1, einer Autoimmunerkrankung, bei toimmunerkrankung betraf mit 29 Pro-
Bevor eine Knochenmarktransplanta- der das eigene Immunsystem die Insu- zent die Schilddrüse. Im Folgejahr stieg
tion erfolgt, haben die Kinder oft einen lin produzierenden Betazellen in der die Häufigkeit der Schilddrüsenerkran-
langen Kampf gegen ihre Krankheit hin- Bauchspeicheldrüse zerstört, kommt es kungen der Studienteilnehmer sogar
ter sich, die Übertragung gesunder Zel- gehäuft zu weiteren Autoimmunerkran- auf 32 Prozent. „Deshalb sollten die
len ist meist ihre letzte Chance. „Wenn kungen. Das ist das Ergebnis einer Stu- Ärzte von Patienten mit Typ-1-Diabe-
wir dann mit unserem ganzen Erfah- die am Universitätsklinikum Jena, in die tes auch an andere Autoimmunerkran-
rungsschatz etwas Gutes bewirken kön- 139 Patienten einbezogen wurden. kungen denken und vor allem die
nen, ist das einfach etwas Großartiges“, „Bei fast zwei Drittel der Teilnehmer Schilddrüsenwerte kontrollieren“, rät
begeistert sich Transplantationsexperte fanden wir auffällige Autoantikörper- die Endokrinologin. „Das ist besonders
Beck für sein Spezialgebiet. „Ich bin spiegel, in jedem zweiten Fall bestä- wichtig, weil unbehandelte Schilddrü-
überzeugt, dass wir künftig noch mehr tigten weitere klinische Untersuchun- senerkrankungen den Stoffwechsel
Patienten helfen können, denn auf die- gen eine Autoimmunerkrankung ne- beeinflussen und so die Einstellung
sem Gebiet gibt es immer wieder neue ben dem Diabetes“, so Studienleiterin des Blutzuckers erschweren.“ vdG
Erkenntnisse, die Mut machen.“ HR
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Neu am UKJ

Durch Kompetenz und Qualität überzeugen


Am UKJ wurde die neue Radiojodtherapie-Station eröffnet
Zahlreiche Schilddrüsenerkrankungen dere Menschen vor der – wenn auch ge- der Bachstraße vereinigt. Das spart Res-
können mit schwach radioaktivem Jod ringen – Strahlenbelastung zu schützen, sourcen und ermöglicht zudem einen
sehr effektiv und nebenwirkungsarm ist deshalb ein zeitweiliger stationärer effektiveren Personaleinsatz. Das Geld
behandelt werden. „Bereits eine win- Aufenthalt zwingend erforderlich.“ – das Investitionsvolumen für die Ein-
richtung der Station sowie eine der welt-
weit modernsten Abklinganlagen beträgt
1,75 Millionen Euro – ist gut angelegt“,
zeigt sich Prof. Höffken überzeugt.
Die Patienten sind auf der freundlich
gestalteten neuen Radiojodtherapie-
Station in vier Einzel- und drei Doppel-
zimmern untergebracht. Jeder Raum ist
mit Fernseher, Telefon und einem draht-
losen Internet-Zugang ausgestattet und
hat eine eigene Sanitärzelle. Eine Son-
de, die sich in der Zimmerdecke über
dem Bett befindet, misst bei jedem Pa-
tienten rund um die Uhr die radioaktive
Strahlung. „An einem Überwachungs-
monitor erkennen wir, wie sich die
Dosis verringert. Hat sie den zulässigen
Chefarzt Dr. Martin Freesmeyer führte die Gäste der Eröffnungsveranstaltung über die neue Grenzwert unterschritten, kann der Pa-
Radiojodtherapie-Station Foto: Schröder tient nach Hause entlassen werden“, er-
läutert Dr. Martin Freesmeyer. Zwischen
zige Menge radioaktiven Jods genügt, Beste Bedingungen für Patienten zwei Tagen und zwei Wochen – durch-
um Patienten mit gutartigen Schild- und Mitarbeiter schnittlich sind es vier Tage – verbringen
drüsenerkrankungen wie Schilddrü- die Patienten auf der Station. Diese un-
senvergrößerungen und -überfunk- Bisher waren die Radiojod-Patienten in terschiedlichen Aufenthaltszeiten erge-
tionen sowie Morbus Basedow, aber einem Gebäude am Steiger unterge- ben sich, weil für jeden Patienten eine
auch Schilddrüsenkarzinomen zu hel- bracht, das den Ansprüchen an eine individuell errechnete Dosis radioakti-
fen. In vielen Fällen stellt diese scho- moderne Klinik allerdings nicht mehr ven Jods verabreicht wird und nicht je-
nende Behandlungsform eine vorteil- genügte. Im März 2010 wurde deshalb der Organismus die Radioaktivität gleich
hafte Alternative zur Operation dar“, eine neue Station im ersten Stock des schnell abbaut. „Da unsere Patienten die
betont der Chefarzt der Klinik für ehemaligen Chirurgiegebäudes in der Station nicht verlassen und auch kei-
Nuklearmedizin des UKJ, Dr. Martin Bachstraße eröffnet. „Eine hochmoder- nen Besuch empfangen dürfen, ist es
Freesmeyer. ne Einrichtung mit besten Bedingun- umso wichtiger, dass sie während des
gen für unsere Patienten und Mitarbei- Aufenthaltes möglichst komfortabel
Um die exakte Behandlungsdosis bei ter“, sagte der Medizinische Vorstand untergebracht sind. Auch deshalb ha-
gutartigen Schilddrüsenerkrankungen des Universitätsklinikums Jena, Prof. Dr. ben wir versucht, die typische Kranken-
zu ermitteln, ist zunächst ein ambulan- Klaus Höffken, während der offiziellen hausatmosphäre so weit wie möglich zu
ter Radiojodtest erforderlich. Die eigent- Inbetriebnahme am 24. März. „Die Ein- vermeiden“, betont Dr. Freesmeyer.
liche Therapie ist sehr einfach: Die Kap- richtungen der Klinik, die sich bisher an Mit der Entlassung aus der Klinik ist die
sel mit dem radioaktiven Jod – die nicht drei Standorten befanden, sind nun in Radiojodtherapie allerdings noch längst
größer als eine Tablette ist – wird mit et- nicht abgeschlossen. Das, so Dr. Martin
was Wasser eingenommen, und das Jod Freesmeyer, ist erst nach etwa drei bis
wird über den Darm und das Blut zur vier Monaten der Fall, und mitunter ist
Schilddrüse transportiert. Wenn nach auch eine zweite oder dritte Radiojod-
einer Operation Schilddrüsenkrebs dia- therapie erforderlich.
gnostiziert wird, ist in vielen Fällen die
Heilung durch Einnahme einer einzigen Radioaktive Strahlung kann
Kapsel möglich. „Prinzipiell“, so Dr. Frees- nicht entweichen
meyer, „könnte die Therapie auch am- Radiojodtherapie einer Autonomie vor der
Therapie (l.): „Heißer Knoten“ mit vermehr-
bulant durchgeführt werden, doch wir ter Hormonproduktion – und nach der The-
Bleiverkleidete Wände und ein ständi-
arbeiten mit einer schwach radioakti- rapie (r.): Normalisierung der Schilddrüsen- ger leichter Unterdruck auf der Station
ven Substanz. Um die Umwelt und an- funktion Abb.: Nuklearmedizin sorgen dafür, dass die radioaktive Strah-

8 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Neu am UKJ

Die neue Station bietet den Patienten beste Aufenthaltsbedingungen Fotos: Küfner

lung nicht nach außen entweichen kann. len Bedingungen, keine Selbstverständ- Kompetenz und Qualität überzeugen
Jeder Mitarbeiter, der die Station ver- lichkeit“, betont Chefarzt Dr. Freesmey- und das Behandlungsspektrum weiter
lässt, passiert außerdem einen Geiger- er, der sich freut, dass sich innerhalb der ausbauen. „Neben der Schilddrüse könn-
zähler, der eine mögliche erhöhte Strah- letzten zwei Jahre die Zahl der an der ten wir auf unserer Station mittelfristig
lendosis anzeigt. „Um die Konzentrati- Klinik behandelten Schilddrüsen-Pati- auch Erkrankungen anderer Organe mit
on der Radioaktivität in der Raumluft enten verdoppelt hat. Die Jenaer Nuk- schwach radioaktiven Medikamenten
so gering wie möglich zu halten, wird learmediziner wollen auch künftig durch behandeln.“ mv
diese achtmal pro Stunde ausgetauscht
und mehrfach gefiltert“, erläutert Di-
plomingenieur Thomas Scholz, der für
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die technischen Anlagen der Klinik für
Nuklearmedizin zuständig ist. „Die Bett-
wäsche und die Wäsche der Patienten,
die das Klinikum stellt, wird in einem
speziellen Raum im Keller ein Vierteljahr
gelagert und erst gewaschen, wenn die
Strahlung vollständig abgeklungen ist.
Der Müll wird ebenso lange in einem
Kühlraum aufbewahrt und erst danach
entsorgt. Für die Aufbereitung der Aus-
scheidungen und des Abwassers wurde
eine hochmoderne Abklinganlage in-
stalliert, wo diese zunächst biologisch
aufbereitet und dann mit Hilfe von Ak-
tivkohlefiltern von den schwach radio-
aktiven Medikamenten gereinigt wer-
den. „Wir erreichen mit unserem klinik-
eigenen Klärwerk Ergebnisse, die deut-
lich unter den erlaubten Grenzwerten lie-
gen“, sagt Thomas Scholz. „Die Anlage
ermöglicht unseren Patienten zudem
endlich einen entspannten Umgang mit
Wasser, so dass beispielsweise tägliches
Duschen kein Problem mehr ist“, ergänzt
Dr. Freesmeyer.

„Mit der Inbetriebnahme der neuen Sta-


tion sind wir – in enger Zusammenar-
beit mit dem Klinikumsvorstand und den
Geschäftsbereichen – auf dem Weg der
Modernisierung der Klinik für Nuklear-
medizin einen weiteren Schritt voran-
gekommen. Das ist, noch dazu unter
den schwieriger werdenden finanziel-

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Vorgestellt

Leistungsfähig und effizient


Geschäftsbereich Betreibung und Beschaffung ist komplexer
Dienstleister und wichtiger Teil der Wertschöpfungskette am Klinikum

Die Arbeit flexibler und effektiver zu Wittek. Dem Geschäftsbereich ist das tete Abteilung Bau zuständig. „Zu den
gestalten sowie Überschneidungen Zentrum für Informations- und Kommu- Instandsetzungsarbeiten gehören bei-
und unproduktive Doppelarbeiten zu nikationstechnologie (ZIK) zugeordnet, spielsweise Renovierungsarbeiten oder
vermeiden, war das Ziel der vor vier das über eine eigenständige Struktur kleinere Reparaturen, wie der Austausch
Jahren in Angriff genommenen Neu- verfügt. defekter Fenster. Bei den Bauinvestiti-
strukturierung der Verwaltung am Der Geschäftsbereich Betreibung und onsmaßnahmen wird im Rahmen von
Universitätsklinikum Jena. „Aus ehe- Beschaffung versteht sich als Dienstleis- Neu-, Um- und Erweiterungsbauten
Vorhandenes saniert und Neues be-
reichsbezogen geschaffen – wie z. B. bei
der Einrichtung des Hybrid-OP. Darüber
hinaus werden am UKJ auch große Bau-
maßnahmen durchgeführt. So wird
beispielsweise seit einiger Zeit die Kli-
nik für Psychiatrie nicht nur aufwän-
dig saniert und instand gesetzt, sondern
auch um einen Hörsaalneubau erwei-
tert. Ein weiteres Beispiel ist der ZIK-Sep-
tomics-Neubau am Beutenberg, der sich
gegenwärtig in Planung befindet“, er-
klärt Rolf Deutscher.
Die Planung, Betreibung und Betreu-
ung sämtlicher haustechnischer Anla-
gen obliegt den Mitarbeitern der Abtei-
lung Gebäudetechnik, die von Roland
Brendel geleitet wird. „Das beginnt bei
elektrischen Installationen und Hei-
In der Küche des UKJ werden täglich mehr als 5500 Mahlzeiten zubereitet und portioniert zungsanlagen und erstreckt sich bis zur
IT-Infrastruktur“, erläutert Geschäftsbe-
mals drei Dezernaten entstand der Ge- ter und ist damit ein wichtiger Teil der reichsleiter Wittek. Der Verwaltungs-
schäftsbereich Betreibung und Be- Wertschöpfungskette am Klinikum, be- und medizinische Sachbedarf – von der
schaffung“, erläutert Matthias Wit- tont Geschäftsbereichskoordinator Rolf Büroklammer bis zum MRT – wird am
tek, der den Geschäftsbereich seit 2007 Deutscher, der darauf verweist, dass es UKJ von der Abteilung Beschaffung or-
leitet. am Klinikum keinen Bereich gibt, der ganisiert. Dabei müssen die Mitarbeiter
keine Leistungen des Geschäftsbereichs um Abteilungsleiter Uwe Roth – wie alle
Hervorgegangen ist der mit etwa 450 in Anspruch nimmt: „Das beginnt bei anderen Abteilungen auch – stets das
Beschäftigten größte Geschäftsbereich der Bereitstellung und Verwaltung von Vergaberecht und die Wettbewerbsbe-
am UKJ aus den Dezernaten Patienten- Räumen sowie der Instandhaltung und stimmungen einhalten. „Nutzeranforde-
nahe Dienstleistungen (ehemals Wirt- Sanierung von Gebäuden und reicht rungen, Qualität und Preis“, so Matthias
schaft), Zentrale Beschaffung und Faci- über die Speisenversorgung, die Bereit- Wittek, „müssen genau abgewogen
lity Management (ehemals Technik). stellung der Wäsche für Patienten und werden. Den Zuschlag erhält nicht der
„Ein Merkmal des Geschäftsbereichs Be- medizinisches Personal sowie die War- billigste, sondern der wirtschaftlichste
treibung und Beschaffung ist die flache tung und Instandhaltung der Medizin- Anbieter, bei dem neben der Qualität
Leitungsstruktur aus Geschäftsbereichs- technik bis zur Versorgung mit Kommu- und dem Preis auch die Folgekosten
und Abteilungsleitung. Aufgrund seiner nikations- und Informationstechnik stimmen, und die können vor allem im
Größe hat unser Geschäftsbereich zu- oder zum Einkauf medizinischer Groß- Rahmen von Instandhaltungs- oder
sätzlich einen Geschäftsbereichskoor- geräte.“ Wartungsverträgen bei der Medizin-
dinator, der eng mit den sieben Abtei- technik und bei Großgeräten erheblich
lungsleitern zusammenarbeitet, um ab- Für bauliche Instandsetzungsarbeiten sein.“
teilungsübergreifende Aufgaben mög- und Bauinvestitionsmaßnahmen am Sämtliche bebaute und unbebaute Flä-
lichst effizient zu lösen“, sagt Matthias UKJ ist die von Herwart Eichardt gelei- chen des Klinikums verwaltet die Abtei-

10 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Vorgestellt

lung Liegenschaften, die von Helga Lau-


tenschläger geleitet wird. „Die Kollegen
führen das Raumbuch, in dem alle am
Klinikum vorhandenen Räume den je-
weiligen Nutzern zugeordnet sind, und
sie sorgen dafür, dass die Grundstücke,
die mit dem Rechtsformwechsel in das
Eigentum des UKJ übergegangen sind,
auch entsprechend bewirtschaftet wer-
den. Zu den Aufgaben der Abteilung
gehört aber auch die Vermietung und
Anmietung von Gebäuden, die Beschil-
derung am Klinikum sowie die Umzugs-
planung, die in Zusammenarbeit mit der
Abteilung Logistik, die für die praktische
Durchführung der Umzüge verantwort-
lich ist, erfolgt. Die von Dr. Christian
Graudenz geleitete Abteilung, zu deren Hochkonzentriert: Thomas Scherf (Abteilung Medizintechnik) repariert ein defektes Endoskop
Fotos: Schröder
Aufgaben auch zahlreiche sehr patien-
tennahe Dienstleistungen wie der Hol-
und Bringedienst einschließlich des Pa- wachen. Zu den Aufgaben des Teams bunden ist der Geschäftsbereich auch
tienten- und Speisentransports gehö- um Abteilungsleiter Ulrich Kirsch gehört in die strategischen Planungen am Uni-
ren, ist darüber hinaus auch für die La- auch die Anlagenwirtschaft, die sämtli- versitätsklinikum. „Wir haben am Selbst-
gerwirtschaft, die Abfallentsorgung und che technische Ausstattung und Medi- bericht des Klinikums für den Wissen-
die gesamte Logistik der Klinikumsapo- zingeräte am Klinikum inventarisiert. schaftsrat und am Masterplan für das
theke zuständig, ebenso für die Betrei- Ohne Informations- und Kommunikati- UKJ mitgearbeitet. Wir haben dabei un-
bung des Fuhrparks des Klinikums, des onstechnologie ist ein modernes Uni- ter anderem analysiert, welchen Inves-
Rohrpost- und des Fahrerlosen Transport- versitätsklinikum nicht denkbar. Zentra- titionsbedarf wir über den zweiten Bau-
systems. „Von Ende Mai – Herr Eichardt ler Dienstleister für Services zur Infor- abschnitt hinaus am Klinikum haben
geht dann in den Ruhestand – bis zum mationstechnologie am UKJ ist das Zen- und wie im Rahmen des Neubaus frei-
Jahresende wird Dr. Graudenz zusätz- trum für Informations- und Kommuni- gewordene Gebäude am besten nach-
lich die kommissarische Leitung der kationstechnologie (ZIK), das 2006 aus genutzt werden können“, betont Mat-
Abteilung Bau übernehmen“, betont dem ehemaligen Klinischen Rechen- thias Wittek. „In enger Zusammenarbeit
Matthias Wittek. Ganz besonders pati- zentrum hervorgegangen ist und in dem mit dem Klinikumsvorstand und den
entennah ist die Arbeit der Abteilung alle DV-Mitarbeiter des UKJ zusammen- Leitungen der verschiedenen Einrich-
Service, die unter der Leitung von Ale- geführt sind. Die Mitarbeiter des von Dr. tungen ist es in den letzten Jahren ge-
xander Valdiek für den gesamten Kü- Jürgen Garschke geleiteten IT-Zentrums lungen, die Verwaltung am UKJ im In-
chenbetrieb, die Cafeteria, die Poststel- sind für die Betreuung sämtlicher Hard- teresse unserer Patienten und Mitarbei-
le, den Schlüsseldienst, die Thoska-Kar- und Software am Klinikum zuständig ter transparenter, leistungsfähiger und
te und vieles andere verantwortlich ist. und an der Entwicklung und Einführung effizienter zu machen“, konstatiert der
„Außerordentlich wichtige Bereiche zahlreicher neuer IT-Lösungen bis hin Geschäftsbereichsleiter.
sind auch die Gebäudereinigung und zur elektronischen Patientenakte und
die Wäscheversorgung für Patienten zum RFID (Radio Frequency Identifica- Damit dies so bleibt und künftig noch
und medizinisches Personal“, erläutert tion) beteiligt. verbessert wird, werden vom Geschäfts-
Matthias Wittek. Diese früher fremdver- bereich Fragen der Wirtschaftlichkeit so-
gebenen Leistungen werden inzwischen Viel zu tun gibt es für die Mitarbeiterin- wie die Erschließung von Einsparpoten-
von den 2008 vom UKJ gegründeten nen und Mitarbeiter des Geschäftsbe- tialen und Synergieeffekten mit hoher
Tochterunternehmen „JenClean“ und reichs Betreibung und Beschaffung bei Priorität verfolgt. Jedoch ist trotz brei-
„JenTex“ erbracht. der weiteren Vorbereitung und Reali- tem Angebot und hoher Qualität der
Für die Wartung und den Funktionser- sierung des zweiten Bauabschnitts des Sach- und Dienstleistungen nicht immer
halt der Medizintechnik gemäß den Vor- Klinikumsneubaus, einschließlich ver- zu gewährleisten, dass diese reibungs-
gaben des Medizinproduktegesetzes ist schiedener Interimslösungen, um auch los in Anspruch genommen werden
die Abteilung Medizin- und Gerätetech- während der mehrjährigen Bauzeit Kran- können. Dabei sind sich die Verantwort-
nik zuständig. Die Mitarbeiter, die eng kenversorgung, Forschung und Lehre lichen des Geschäftsbereichs bewusst:
mit dem Servicepersonal der Hersteller auf höchstem Niveau zu gewährleisten. Um gemeinsam Ziele zu erreichen, sind
zusammenarbeiten, haben die Funkti- „Diese Phase“, so Rolf Deutscher, „wird Problemlösungen nur in enger Koope-
onstüchtigkeit der gesamten Medizin- noch in diesem Jahr mit dem Abriss des ration und Abstimmung mit allen Betei-
technik bis hin zum Großgerät zu über- alten Lehrgebäudes beginnen.“ Einge- ligten möglich. mv

www.uniklinikum-jena.de 11
Gesundheitsuni

Nicht nur „die Alten“ sind betroffen


Gesunde Ernährung und Bewegung helfen, Arthrosen zu vermeiden
An Arthrose, dem Gelenkverschleiß, cke immer kürzer und die Betroffenen erläutert Prof. Hofmann. „Ganz beson-
leiden Millionen Deutsche, und dabei beginnen, sich jeden weiteren Schritt ders effektiv ist die Infrarot-nahe Spek-
handelt es sich keineswegs aus- ganz genau zu überlegen. Schließlich troskopie (NIRS), wo wir mit kurzwelli-
schließlich um ältere und alte Men- treten Ruhe- und Nachtschmerzen auf, gem Infrarotlicht Knorpelschäden sehr
schen. „Die Beschwerden beginnen gegen die nach einer gewissen Zeit auch früh erkennen und sehr genau diagnos-
wesentlich früher. So leiden unter Schmerzmedikamente und Gelenkinjek- tizieren.“ (siehe Beitrag auf Seite 13)
permanentem Knieschmerz nicht nur tionen – die, um gefährliche Infektio- Arthrosen haben vielfältige Ursachen.
Sie können genetisch, hormonell und
altersbedingt oder die Folge von Stoff-
wechsel- bzw. rheumatischen Erkran-
kungen sein. Sie können aber auch
durch Gelenkdysfunktionen, Über-,
Unter- und Fehlbelastungen oder Un-
fälle (posttraumatische Arthrosen) ent-
stehen, ebenso durch Fehlstellungen
der Beinachsen oder Hüftdysplasien –
Fehlstellungen zwischen Hüftkopf und
-pfanne im Säuglingsalter. „Um der Ent-
wicklung von Hüftdysplasien vorzu-
beugen, ist es wichtig, die Säuglinge
von Anfang an breit zu wickeln“, betont
Navigationsgestützter Er- Gunther Hofmann. Zur Zunahme von
satz eines Kniegelenks
durch Endoprothese
Gelenkerkrankungen trägt aber auch
Fotos: Unfallchirurgie unsere Lebensweise – eine ungesunde
Ernährung bei immer weniger Bewe-
gung – bei. Auch Raucher haben ein
60 bis 80 Prozent der Über-50-Jäh- nen zu vermeiden, unbedingt unter ste- signifikant höheres Risiko, an einer Ar-
rigen, sondern auch etwa 30 Prozent rilen Bedingungen erfolgen sollten – throse zu erkranken. „Durch eine aus-
der Unter-20-Jährigen und jedes nicht mehr helfen.“ gewogene, gesunde Ernährung, mehr
zehnte Kind unter 12 Jahren. Ähnli- Ist der Gelenkknorpel irreversibel zer- Bewegung und Sport – hier ist es Ge-
che Zahlen kennen wir auch aus an- stört, ist ein Gelenkersatz, eine Endo- lenk schonender Fahrrad zu fahren als
deren entwickelten Ländern“, erläu- prothese, zwingend erforderlich. „Die zu joggen und Langlauf zu betreiben als
tert Prof. Dr. Dr. Gunther Hofmann. Betroffenen fahren dann ‚auf der Fel- alpinen Skisport – kann ein effektiver
„Wenn die Gelenke nicht mehr wol- ge’, und es gibt kein Operationsverfah- Muskelaufbau gefördert werden, der die
len. Arthrose – was tun?“, fragte der ren und kein Medikament, das den zer- Gelenke entlastet und damit Arthrosen
Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- störten Knorpel wiederherstellen kann. vorbeugt“, sagt Prof. Hofmann.
und Wiederherstellungschirurgie wäh- Allerdings haben wir die Möglichkeit,
rend der Jenaer Abendvorlesung am kleinere Defekte durch die Transplanta- Frauen über 70 leiden besonders
24. Februar im vollbesetzten Hörsaal tion körpereigenen Knorpels zu repa- häufig an Gelenkproblemen
des Klinikums Lobeda. rieren. Auf diese Weise können wir die
Gelenkendoprothese häufig um einige Bis zum 50. Lebensjahr sind Männer et-
Arthrosen beginnen schleichend und Jahre hinausschieben, was vor allem bei was öfter als Frauen von Gelenkbe-
unauffällig, wenn sich ihr wichtigstes jungen Patienten sehr wichtig ist“, er- schwerden betroffen, berufsbedingte
Symptom, der Schmerz, bemerkbar läutert Prof. Hofmann. unphysiologische Gelenkbelastungen –
macht, sind sie bereits fortgeschritten. bspw. bei Fliesenlegern, Dachdeckern
„Typisch sind sowohl belastungsunab- Arthrosen haben vielfältige Ursachen oder Maurern – aber auch häufigere
hängige Schmerzen wie der so genann- Unfälle sind dafür verantwortlich. „Ab
te Anlaufschmerz, eine Gelenksteifigkeit, Nicht einfach ist die Früherkennung von dem 50. Lebensjahr ist dann allerdings
die besonders morgens oder nach län- Arthrosen. Röntgenbilder leisten dazu ein deutlicher Anstieg bei den Frauen
gerem Sitzen auftritt, als auch belas- keinen Beitrag. „Frühe Schädigungen zu beobachten, der vor allem hormo-
tungsabhängige Gelenkschmerzen, die des Knorpels lassen sich nur mit Hilfe nelle Ursachen hat. Die Schere geht in
man beim Gehen – vor allem aber beim der Kernspintomographie erkennen der Folgezeit immer weiter auseinander,
Bergabgehen und beim Treppensteigen oder mittels einer Gelenkspiegelung, der sodass bei den über 70-Jährigen mehr
– spürt. Nach und nach“, so Prof. Hof- Arthroskopie. Dabei ist es allerdings er- als 80 Prozent der Frauen an Gelenk-
mann, „wird die schmerzfreie Gehstre- forderlich, in das Gelenk einzudringen“, problemen leiden. Bei den Männern ist

12 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Diagnostik und Therapie

es nur etwa jeder Zweite“, betont Prof. Möglichkeit eines Gelenkoberflächen- Jahren, Zeiträume, von denen die Ärzte
Gunther Hofmann. „Aber auch Überge- ersatzes. Bewährt hat sich die compu- vor wenigen Jahrzehnten nicht einmal
wicht, das in vielen Ländern unaufhalt- ternavigierte Endoprothetik der Hüft- zu träumen wagten.
sam voranschreitet, führt zu einem er- und Kniegelenke, die am Universitäts- „Nach der Operation“, so Prof. Hofmann,
höhten Gelenkverschleiß: Bei einem klinikum Jena bereits seit 2003 durch- „bleiben unsere Patienten zehn bis 14
Body-Mass-Index größer 30 steigt das geführt wird, ein hoch präzises Verfah- Tage auf Station. Danach beginnt die
Risiko um das Vierfache!“ ren, das zu sehr guten Operationsergeb- Rehabilitation.“ Mobilisiert werden sie
Ist ein Gelenkersatz notwendig, ist nicht nissen führt. Enorm verbessert hat sich allerdings bereits während des Kranken-
in jedem Fall eine Totalendoprothese auch die Haltbarkeit der Metall-Kunst- hausaufenthaltes, denn Bewegung ist
erforderlich. Neben der Implantation stoff-Endoprothesen. Die meisten funk- auch für Patienten mit Gelenkersatz die
von Teilendoprothesen besteht auch die tionieren auch noch nach zehn oder 15 beste Therapie. mv

Spektroskopie zeigt Anfangsstadien der Arthrose


Mediziner am UKJ entwickeln neues Verfahren zur Frühdiagnose
von Gelenkschäden
Die nichtentzündliche Gelenkerkran- (NIRS) ergänzt, um so Messdaten zur mann. Der Einsatz von NIRS zeigt solche
kung Arthrose gehört zu den Volks- molekularbiologischen Beschaffenheit Veränderungen, die in Verbindung mit
krankheiten und häufigsten Ursachen des Knorpels zu gewinnen. In einer ak- weiteren Parametern wie Bewegungs-
für Gelenkschmerzen. Mit herkömm- tuell veröffentlichten Studie wiesen sie fähigkeit der Gelenke und Schmerzin-
lichen Verfahren können die Knorpel- jetzt nach, dass sich so Gelenkschäden tensität Aussagen über das Vorliegen
schäden in den Knie-, Hüft- oder Fin- im Vergleich zu anderen Verfahren wie früher Stadien der Arthrose ermögli-
gergelenken erst in späteren Stadien Röntgen, MRT und Arthroskopie we- chen. Die Ergebnisse dieser Studie wur-
diagnostiziert werden. Mediziner am sentlich früher erkennen lassen. „Durch den jetzt im Journal „Pathophysiology“,
Universitätsklinikum Jena haben jetzt den Einsatz von NIRS haben wir bei den 17(2010) publiziert.
in Zusammenarbeit mit Technikern untersuchten Patienten Anfangsstadi-
ein verletzungsfreies Verfahren zur en der Arthrose erkennen können, die „Das von uns entwickelte NIRS-gestützte
Diagnose der Arthrose im Anfangs- mit anderen Methoden unerkannt ge- Verfahren bringt für den Patienten kei-
stadium entwickelt. blieben sind“, so Prof. Hofmann. ne Belastungen mit sich und verlängert
Grundlage für diese Aussagekraft sind die Dauer einer Arthroskopie nur um
„Bisher konnten die durch Arthrose ver- die durch Infrarot-nahes Licht erkenn- etwa vier Minuten“, beschreibt Prof.
ursachten Gelenkschäden erst zu einem baren Veränderungen auf molekularer Hofmann den geringen Aufwand für die
Zeitpunkt erkannt werden, wenn der Ab- Ebene. „Wir wissen, dass die bei Arthro- Diagnoseerweiterung. „Unsere in der
bau und die Veränderungen des Knor- se auftretenden Schäden durch Störun- aktuellen Studie gewonnenen Ergeb-
pelgewebes bereits weit fortgeschritten gen des Knorpelstoffwechsels verur- nisse deuten darauf hin, dass NIRS künf-
waren“, erklärt Prof. Dr. Dr. Gunther Hof- sacht werden, so dass sich die erkrank- tig hilfreich sein könnte, um die Früh-
mann, Direktor der Klinik für Unfall-, ten Knorpel in ihrer biochemischen Zu- erkennung der Arthrose zu verbessern.
Hand- und Wiederherstellungschirurgie sammensetzung wesentlich von gesun- Dafür müssen jetzt in größeren Studien
am UKJ. „Die Unterscheidung von ge- dem Gewebe unterscheiden“, so Hof- weitere Untersuchungen folgen.“ HR
sundem Knorpelgewebe und den ers-
ten Stadien einer Arthrose war mit den Anzeige
bislang eingesetzten Verfahren faktisch
nicht möglich.“ Dies aber sei wichtig für
den Einsatz geeigneter Präventions-
und Therapiemaßnahmen, die die Ge-
lenkveränderungen zu einem frühen
Zeitpunkt stoppen und eine dauerhafte
Schädigung verhindern könnten.
Derzeit erfolgt die Diagnose in der Re-
gel durch eine Arthroskopie auf der
Grundlage des optischen Eindrucks und
des Betastens (Palpieren) des Knorpels.
Die Jenaer haben zur Steigerung der
Aussagefähigkeit das für die Arthrosko-
pie verwendete Endoskop um ein Instru-
ment für Infrarot-nahe Spektroskopie

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Diagnostik und Therapie

Neuropädiatrie der Universitäts-Kinder-


Netzwerk für Kinderheilkunde klinik informierte über das Krankheits-
bild und verschiedene Kriterien, die den
Pädiatrietag fördert Verzahnung von Kinderärzten helfen, zwischen sehr leb-
haften Kindern und Kindern mit Auf-
ambulanter und stationärer Versorgung merksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-
syndrom zu differenzieren. Ähnlich wie
ADHS können auch kindliche Schlaf-
„Bei der Betreuung bestimmter Krank- die therapeutischen Möglichkeiten bei störungen zu erheblichen Problemen
heitsbilder beschränken sich die Kin- angeborenen Stoffwechselerkrankun- innerhalb der Familien führen. „Nicht in
derärzte nicht auf den rein medizini- gen. Dr. Ralf Husain stellte Enzymersatz- jedem Fall müssen diese Ein- oder
schen Aspekt, sondern praktizieren
eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit
angrenzenden Berufsgruppen“, be-
tonte der Direktor der Klinik für Kin-
der- und Jugendmedizin des UKJ, Prof.
Dr. James F. Beck, während des Jena-
er Pädiatrietages am 20. März 2010.
Stationär und ambulant tätige Kin-
derärzte und -chirurgen, Psychologen
und Physiotherapeuten diskutierten
im Rahmen des Netzwerkes Kinder-
heilkunde über die Versorgung von
Kindern und Jugendlichen mit ver-
schiedenen sehr komplexen Erkran-
kungen. „Eine ausgesprochen praxis-
orientierte Veranstaltung, in deren
Zentrum die tägliche Arbeit in der
Klinik und in der Kinderarztpraxis
stand, die aber auch aktuelles Fach-
wissen vermittelte“, sagt Prof. Beck. Auch die Allerkleinsten werden am UKJ ausgezeichnet betreut Foto: Schröder

Verunsichert sind viele Eltern, wenn das therapien vor, mit denen Kindern, die Durchschlafprobleme von Ärzten und
Kind nicht rechtzeitig „trocken“ wird und an Mukopolysaccharidose, Phenylke- Psychologen behandelt werden, oft-
auch in der Schule noch einnässt. „Ganz tonurie und anderen Stoffwechseler- mals genügt die Einhaltung bestimmter
besonders problematisch ist das aber krankungen leiden, effektiver geholfen Regeln im Tagesablauf oder bei der Er-
für die betroffenen Kinder, die häufig werden kann. „Dabei handelt es sich nährung, betonte der Leiter unserer Kin-
von ihren Mitschülern gehänselt wer- zwar um relativ seltene Krankheiten, derschlafambulanz, Dr. Claus Doerfel.
den“, betont Prof. Beck. Dr. Michael Pohl gerade hier ist es aber besonders wich- Der behandelnde Arzt muss erkennen,
und Schwester Sophie Güntek von der tig, dass die behandelnden Klinik- und ob die Schlafprobleme noch im Normal-
Universitäts-Kinderklinik stellten ein niedergelassenen Ärzte wissen, welche bereich liegen oder ob sie an einer spe-
ganzheitliches Behandlungskonzept vor neuen therapeutischen Möglichkeiten zialisierten Einrichtung behandelt wer-
– von der Abklärung der organischen es gibt und an welche hoch speziali- den müssen“, erläutert Prof. James F.
Ursachen bis zu speziellen Trainings- sierten Einrichtungen sie sich wenden Beck.
methoden – das den Kindern hilft, den können“, betont Prof. Beck. Das gilt Um überforderte Eltern zu unterstützen
Harndrang besser zu kontrollieren. auch bei Nahrungsmittelunverträglich- und Fälle von Kindesvernachlässigung
„Hoch interessant“, so Prof. Beck, „ist keiten aufgrund des Fehlens bestimm- oder -misshandlung zu verhindern bzw.
auch ein neues Verfahren, über das der ter Verdauungsenzyme sowie bei Nah- aufzuklären, haben sich vor einigen
Leiter unserer Sektion Neonatologie und rungsmittelüberempfindlichkeiten und Jahren Kinderärzte und -chirurgen, Psy-
Intensivmedizin, PD Dr. Axel Hübler, in- -allergien. Dr. Brigitta Hucke informier- chologen, Jugendämter, Einrichtungen
formierte: Wenn sich Neugeborene mit te über diese seltenen Krankheitsbilder des Kinderschutzes sowie Gerichtsme-
einem Reifealter von mindestens 36 und stellte Spezialdiäten vor, die den be- diziner zur Thüringer Ambulanz für den
Schwangerschaftswochen nach der troffenen Kindern helfen und eine Man- Kinderschutz (TAKS) zusammenge-
Geburt in einem schlechten Allgemein- gelernährung verhindern. schlossen. Die Direktorin der Klinik
zustand befinden, kann eine kontrollier- Kinder mit dem Aufmerksamkeitsdefi- für Kinderchirurgie, Prof. Dr. Felicitas
te Absenkung der Körpertemperatur um zit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ste- Eckoldt-Wolke, berichtete über ver-
etwa 3 bis 4°C dazu beitragen, das Ge- hen seit einigen Jahren verstärkt im Fo- schiedene Formen von Kindesmiss-
hirn bei möglichen Komplikationen wie kus der Öffentlichkeit. Dass nicht jedes handlungen und verwies gleichzeitig auf
einem kurzzeitigen Sauerstoffmangel besonders lebhafte Kind unter ADHS die Verantwortung der Kinderärzte und
besser zu schützen.“ Deutlich zugenom- leidet, machte Prof. Dr. Ulrich Brandl aller am Kinderschutz Beteiligten, die
men haben in den letzten Jahren auch deutlich. Der Direktor der Abteilung für Eltern zu informieren und aufzuklären

14 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Diagnostik und Therapie

– auch über Gefahren für das Kind, die Mehrzahl der Kinder von ihren Eltern lie- eine außerordentlich wichtige Maßnah-
aus eher unbedachten Handlungen ent- bevoll umsorgt und behandelt wird. me zum Schutz unserer Kinder.“
stehen können. „Dazu zählt das Schüt- „Denjenigen, die hier Defizite haben,
teln von Säuglingen und Kleinkindern, müssen wir helfen, um drohende Fälle Die etwa 130 anwesenden Kinderärzte
das zu schwersten Behinderungen oder von Kindesvernachlässigung oder -miss- waren mit dem Verlauf des Pädiatrie-
sogar zum Tod führen kann und unter handlung zu verhindern. Ich unterstüt- tages, der dazu beigetragen hat, die Ver-
allen Umständen zu unterlassen ist. In ze deshalb auch die Idee, Vorsorgeun- zahnung von ambulanter und stationä-
puncto Kinderschutz ist vielfach noch tersuchungen bei Säuglingen und rer Versorgung weiter zu verbessern,
mehr Sensibilität erforderlich, um Ge- Kleinkindern zur Pflicht zu machen. sehr zufrieden. „Das positive Votum hat
fahren rechtzeitig zu erkennen und prä- Denn dabei handelt es sich nicht um uns bestärkt, unser Konzept einer pra-
ventiv im Sinne der Kinder zu interve- eine Einmischung des Staates in die xisorientierten Veranstaltung auch in
nieren“, betont Prof. Beck, der davon Rechte der Eltern, die selbstverständlich den kommenden Jahren fortzusetzen“,
überzeugt ist, dass die überwiegende respektiert werden müssen, sondern um resümiert Prof. Beck. mv

eignete Therapie beginnen, und so die


Schlaganfälle optimal behandeln Patienten optimal versorgen“, so Witte.
„Das Anliegen unserer Initiative ist es,
Neurologen-Initiative „Thüringen gegen den darüber zu informieren und dafür zu
sorgen, dass künftig jeder Schlaganfall-
Schlaganfall“ bündelt Spezialistenwissen patient die bestmögliche Hilfe erhält.“
Dazu werden in den nächsten Monaten
Etwa 10.000 Thüringer erleiden jedes zu spät.“ Vermeiden ließe sich das durch an allen zehn Standorten der Initiative
Jahr einen Schlaganfall. Dann ist jede eine sofortige Einlieferung der Patien- vielfältige Informations- und Weiterbil-
Minute entscheidend für das Überle- ten in spezialisierte Kliniken mit neuro- dungsveranstaltungen sowohl für Pati-
ben. Doch selbst wenn die unmittel- logischen Schlaganfallstationen – den enten und Betroffene als auch für me-
bare Lebensgefahr gebannt ist – ohne Stroke Units. In Thüringen gibt es zehn dizinisches Fachpersonal stattfinden. Ein
die richtige Behandlung gehen wert- solcher zertifizierter Stationen. „Hier detaillierter Veranstaltungskalender
volle Gehirnzellen verloren. Das führt können die Experten schnell und mit und weitere Informationen finden sich
in der Folge zu körperlichen und geis- allen der modernen Medizin zur Verfü- unter www.thueringen-gegen-den-
tigen Beeinträchtigungen. gung stehenden Verfahren sofort die ge- schlaganfall.de. HR

Damit dies künftig immer seltener ge- Anzeige


schieht, haben die Neurologen aller
überregionalen Thüringer Schlaganfall-
Spezialstationen (Stroke Units) am 17.
März in Jena die Initiative „Thüringen
gegen den Schlaganfall. Jede Sekunde
zählt e.V.“ ins Leben gerufen. Die Schlag-
anfallexperten aus zehn neurologischen
Kliniken des Freistaates haben sich hier
zusammengeschlossen, um sich ge-
meinsam für eine optimale Versorgung
von Schlaganfallpatienten einzusetzen.
Für die Eröffnungsveranstaltung am
Universitätsklinikum Jena konnten re-
nommierte Schlaganfallexperten aus
ganz Deutschland gewonnen werden,
die den aktuellen Stand und die Per-
spektiven der Schlaganfallbehandlung
vorstellten.
„Schlaganfälle sind nach wie vor für je-
den dritten Todesfall und die Mehrzahl
bleibender Behinderungen verantwort-
lich“, sagt Prof. Dr. Otto W. Witte, Di-
rektor der Hans-Berger-Klinik für Neu-
rologie am UKJ. „Das liegt auch daran,
dass Schlaganfälle häufig zu spät er-
kannt werden und die Behandlung erst
verzögert einsetzt, oft ist es dann bereits

www.uniklinikum-jena.de 15
Diagnostik und Therapie

Plasmozytom und Multiples Myelom


Früherkennung ist schwierig werden im deutschen Sprachraum sy-
nonym gebraucht. „Korrekt ist das nicht,
Patiententag diskutierte Krebserkrankungen es handelt sich vielmehr um zwei Er-
scheinungsformen einer Krankheit. Das
des blutbildenden Systems Multiple Myelom ist durch viele – mul-
tiple – Tumorherde im Knochenmark
gekennzeichnet, das Plasmozytom ist
Jährlich wird in Deutschland bei etwa eine Sonderform der Erkrankung mit ei-
4000 Menschen ein Plasmozytom/ nem einzigen Krankheitsherd im Kno-
Multiples Myelom diagnostiziert, bei chenmark oder im Weichgewebe außer-
Männern etwas häufiger als bei Frau- halb des Knochens“, betont Oberarzt
en. „Dabei handelt es sich um eine Er- Mügge.
krankung des höheren Lebensalters, Myelomerkrankungen sind zumeist
Unter-40-Jährige sind nur selten be- nicht heilbar aber auch nicht in jedem
troffen“, sagt Oberarzt Dr. Lars-Olof Fall behandlungsbedürftig. „Patienten
Mügge. Der Onkologe gehörte zu den mit normalem Serum-Kalzium und ei-
Experten des Universitätsklinikums ner geringen Eiweißerhöhung, die we-
Jena, die die Teilnehmer des von der der Knochen- noch Nierenschäden ha-
Myelom-Hilfe Thüringen organisierten ben, werden deshalb lediglich beobach-
Patiententages „Plasmozytom/Mul- tet. Bei bereits eingetretenen Schäden
tiples Myelom“ über Entstehung, Di- können wir häufig mit modernen Che-
agnostik, Therapieoptionen und Risi- motherapieverfahren helfen und die
ken der Erkrankung informierten. Krankheit so weit zurückdrängen, dass
Osteolyse (Auflösung des Knochen- sie über Monate oder Jahre kaum Symp-
Plasmozytom und Multiples Myelom gewebes) im linken Oberarmknochen tome verursacht“, sagt Dr. Mügge. „Er-
sind Krebserkrankungen des blutbilden- chenschmerzen, Leistungsminderung, höhte Frakturgefährdungen der Kno-
den Systems und verursachen ein un- häufige Infekte – eher unspezifisch sind. chen und starke Schmerzen können
gehemmtes Wachstum von Plasmazel- Deshalb“, so Dr. Mügge, „wird es im zudem strahlentherapeutisch behandelt
len im Knochenmark. „Plasmazellen sind Frühstadium zumeist eher zufällig bei werden. Knochenbrüche werden chirur-
ein wichtiger Bestandteil unseres Im- Blutuntersuchungen entdeckt.“ Neben gisch und Wirbelkörperfrakturen neu-
munsystems, weil sie Antikörper produ- der Bestimmung der Eiweiß-, Kalzium- rochirurgisch versorgt.“
zieren, die wesentlich zur Bekämpfung und Nierenfunktionswerte gehören zur Unter 65-jährigen Patienten in einem
von Infektionen und Krankheiten bei- sicheren Diagnostik auch Knochen- guten Allgemeinzustand bieten die On-
tragen“, erläutert Dr. Mügge. „Beim Plas- markuntersuchungen. Um die Zahl der kologen nach der Chemotherapie zu-
mozytom/Multiplen Myelom wird durch Plasmazellen im Knochenmark exakt zu dem eine Stammzelltransplantation mit
die unkontrollierte Vermehrung von ermitteln, erfolgt eine Beckenkamm- autologen – körpereigenen – Zellen an.
Plasmazellen im Knochenmark jedoch biopsie. Außerdem werden die Teile des Dadurch kann das Fortschreiten der Er-
das Wachstum der gesunden, blutbil- Skeletts, in denen eine besonders inten- krankung verlangsamt werden, eine
denden Zellen gehemmt.“ Das führt zur sive Blutbildung stattfindet – die Schä- Heilung ist jedoch nur bei der Transplan-
Blutarmut und zu einem Mangel an den del- und Beckenknochen, die Wirbel- tation allogener – körperfremder –
für die Blutgerinnung erforderlichen säule, die Rippen, die Oberarm- und Stammzellen möglich. Dieser Eingriff ist
Blutplättchen sowie an weißen Blutkör- Oberschenkelknochen – geröntgt oder allerdings mit hohen Risiken verbunden
perchen, die wesentlich zur Infektab- mittels MRT untersucht. und deshalb vor allem jüngeren Patien-
wehr beitragen. Angegriffen und zuneh- ten vorbehalten, die keine anderen the-
mend zerstört wird aber auch das Kno- rapeutischen Optionen mehr haben.
chengewebe, vor allem in den Skelett-
teilen, die für die Blutbildung beson- Diskutiert wurde während des Patien-
ders wichtig sind. Gleichzeitig wird im tentages am 10. April auch, wie eine
Körper verstärkt Kalzium freigesetzt, was gesunde Ernährung und Lebensweise
unter anderem zu Herzrhythmus- und helfen können, das Immunsystem zu
neurologischen Störungen führen kann. stärken und inwieweit die Naturheilkun-
Die myelombedingte erhöhte Eiweiß- de dazu beitragen kann, vor allem das
konzentration im Blut verursacht zudem Befinden während der Chemotherapie
Organschäden bis hin zum Nierenver- zu verbessern. „Um auszuschließen, dass
sagen, das eine häufige Erstmanifesta- unerwünschte Interaktionen zwischen
tion der dann allerdings bereits fortge- Dichtes Plasmazellinfiltrat – Zellen mit blau- Chemotherapeutika und naturheilkund-
schrittenen Erkrankung ist. grauem Zytoplasma und violettem Zellkern – lichen Präparaten den Therapieerfolg
„Eine Früherkennung des Plasmozy- im Knochenmarkausstrich als Beweis einer gefährden, sollte dies jedoch nur in Ab-
Myelomerkrankung. Über 80 Prozent der kern-
toms/Multiplen Myeloms ist schwierig, haltigen Zellen sind Plasmazellen, normal sind sprache mit dem behandelnden Arzt
weil die typischen Erstsymptome – Kno- weniger als zehn Prozent. Abb.: Onkologie geschehen“, betont Dr. Mügge. mv

16 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Diagnostik und Therapie

Wichtige Hilfe bei Gleichgewichtsstörungen


Computergestützte Posturographie unterstützt die Entwicklung
von Kompensationsstrategien und hilft bei der Sturzprophylaxe
Störungen der Gleichgewichtsregu- Eine dieser Kompensationsstrategien nur analytisch, sondern auch für die
lation sind vor allem bei älteren Men- besteht darin, sich verstärkt visuell zu Entwicklung effektiver Therapien von
schen weit verbreitet. Neben der orientieren, doch das funktioniert nur, Bedeutung“, betont Prof. Guntinas-Li-
Rückbildung der Muskulatur sowie so lange es nicht dunkel ist. Andere Pa- chius. Das zeigt sich auch bei Untersu-
der Verschlechterung des Hörens und tienten verlassen sich vor allem auf Kör- chungen zur Sturzgefährdung. Im Falle
Sehens trägt dazu auch die altersbe- perwahrnehmungen, was im Vergleich eines drohenden Sturzes versuchen vie-
dingte Degeneration der im Ohr be- zur visuellen Kompensation erhebliche le ältere Menschen, das Gleichgewicht
findlichen Gleichgewichtsorgane bei. Vorteile hat. „Erkennen wir, dass sich der durch Verlagerungen im Becken zu hal-
ten, was häufiger zum Sturz führt als der
Versuch, diesen über ausgleichende Re-
Das computergestützte Posturographie- aktionen im Fußgelenk zu vermeiden.
system liefert den Ärzten komplexe In- „All dies können wir exakt messen, und
formationen. Über eine Messplattform wir haben die Möglichkeit, zielgerich-
werden die verschiedensten Bewegungs-
situationen simuliert tet physiotherapeutische Maßnahmen
Fotos: HNO-Klinik einzuleiten, um die Anti-Sturz-Strategi-
en zu verbessern und auf diese Weise
neben den Folgeschäden auch die Fol-
gekosten von Stürzen zu vermeiden“,
sagt Prof. Guntinas-Lichius und betont,
dass die Untersuchung, die auch mit
Kindern durchgeführt werden kann, ab-
solut ungefährlich ist, weil die Patien-
ten mit Gurten gesichert sind.
Derartige computergestützte Posturo-
graphiesysteme, die den Ärzten sehr
schnell sehr komplexe Informationen
liefern, gibt es in Deutschland bisher nur
an wenigen Kliniken. „Wir setzen das
Gerät an unserer Klinik im Routine-
„Damit erhöht sich für diese Menschen Patient vor allem auf visuelle Informa- betrieb ein und arbeiten auch eng mit
auch die Sturzgefahr erheblich“, sagt tionen stützt, haben wir die Möglich- den Neurologen des Klinikums zusam-
der Direktor der Klinik für Hals-, Na- keit, gezielt therapeutisch darauf hin- men“, erläutert Prof. Guntinas-Lichius,
sen- und Ohrenheilkunde, Prof. Dr. zuarbeiten, dass er verstärkt auf Körper- der sich auch wissenschaftlich mit Kom-
Orlando Guntinas-Lichius. wahrnehmungen setzt. Der Einsatz des pensationsstrategien bei Gleichge-
Posturographiesystems ist also nicht wichtsstörungen beschäftigt. mv
Analysieren kann man die Gleichge-
Anzeige
wichtsregulation mit Hilfe eines com-
putergestützten Posturographiesys-
tems, das seit einigen Monaten an der
Jenaer HNO-Klinik eingesetzt wird.
„Dabei wird über eine Messplattform,
mit der wir die verschiedensten Bewe-
gungssituationen simulieren können,
die Gleichgewichtsverlagerung des Pa-
tienten ermittelt, und wir erfahren, wel-
che Komponenten des Gleichgewichts-
systems möglicherweise gestört sind“,
erläutert Prof. Guntinas-Lichius und
verweist auf verschiedene Strategien
des menschlichen Körpers, Störungen
des außerordentlich komplexen Sys-
tems der Gleichgewichtsregulation aus-
zugleichen.

www.uniklinikum-jena.de 17
Diagnostik und Therapie

„Bei Beschwerden sofort den Arzt aufsuchen“


Experten informierten am UKJ über die Entstehung und Therapie
von Lymphödemen

Bei der Behandlung von Krebserkran- höhtes Risiko für Lymphödeme – vor al- das selbst Brustkrebs-Patientin ist, hat
kungen hat es in den letzten Jahr- lem in den Beinen. während unseres Informationstages
zehnten enorme Fortschritte gegeben, besonders geeignete Dessous vorge-
und auch die Nebenwirkungen der Neue Wege für den Lymphabfluss stellt.“
operativen, der Strahlen- und der anregen Die Patientinnen werden noch in der
Chemotherapie konnten zum Teil Klinik auf die mögliche Entstehung ei-
deutlich reduziert werden. „Zu den Die Lymphödeme verursachen keine nes Lymphödems als Folge der Krebs-
unerwünschten Folgen von Krebs- Schmerzen, sie sind für die Betroffenen therapie hingewiesen. „Wichtig ist, dass
therapien gehören auch Lymphöde- aber dennoch sehr unangenehm. Teile sie sich bei entsprechenden Sympto-
me. Dabei handelt es sich um Stauun-
gen, die entstehen, wenn die Lymph-
flüssigkeit nach der Lymphknoten-
entfernung im Rahmen einer Krebs-
operation über eine geringere Zahl an
Lymphbahnen abfließen muss“, erläu-
tert Brustschwester Kerstin Zellmann
vom Brustzentrum des UKJ, die ge-
meinsam mit ihrer Kollegin Sylke Kiel
und Rita Altenstein vom Sanitätshaus
„REHA aktiv 2000“ den Informati-
onstag „Lymphödem nach Krebsthe-
rapie“ organisierte. Brustkrebspatientin mit Lymphödem des rech-
ten Armes. Die Ödembildung ist deutlich er-
kennbar.
Experten informierten am 20. März am
Universitätsklinikum Jena mehr als 80
Interessierte über die verschiedensten
Aspekte der Entstehung und Therapie
von Lymphödemen. Lymphödem des rechten Armes, versorgt mit
einem Kompressionsarmstrumpf nach Maß
Fotos: Brustzentrum
Durch neue OP-Techniken mehr
Lymphknoten und -bahnen erhalten
der Arme bei Brust- oder der Beine bei men, die schon kurz nach der Operati-
„Vor allem verbesserte Operationstech- Unterleibsoperationen schwellen an, on aber auch erst Monate oder Jahre
niken beim Brustkrebs – hier werden bei was zu Bewegungseinschränkungen danach auftreten können, sofort bei ih-
der so genannten Sentinel-Operation führen kann. Außerdem empfinden die rem Frauenarzt oder im Brustzentrum
nur noch der Wächter- und einige weni- Patientinnen eine ständige Schwere in vorstellen“, sagt Kerstin Zellmann, die
ge weitere Lymphknoten entfernt – ha- den Armen bzw. Beinen. „Allerdings ha- sich mit dem Verlauf des zweiten Jenaer
ben dazu geführt, dass heute deutlich ben wir verschiedene Möglichkeiten, die Lymphödem-Informationstages sehr
mehr Lymphknoten und -bahnen erhal- Beschwerden zu lindern. Durch Bewe- zufrieden zeigte. „Er bot den Patientin-
ten bleiben und sich das Risiko der Ent- gung und Physiotherapie – manuelle nen und deren Angehörigen die Mög-
stehung eines Lymphödems in den Ar- Lymphdrainage und Kompressionsthe- lichkeit, sich ausführlich zu informie-
men auf etwa fünf bis sieben Prozent rapie – ist es möglich, neue Wege für ren, mit den Ärzten, Schwestern und
reduziert“, erläutert Dr. Anne Egbe vom den Lymphabfluss anzuregen. Ebenso Therapeuten ins Gespräch zu kommen
UKJ-Brustzentrum. Auch bei Krebsope- wichtig ist eine sorgfältige Hautpflege, und verschiedene Angebote – bspw. der
rationen am inneren und äußeren Ge- die die Haut geschmeidig macht und Selbsthilfegruppe Venen und Lymph-
nitale entwickelt die Universitäts-Frau- Infektionen mögliche Eintrittswege ver- gefäße – kennen zu lernen.“
enklinik Jena seit Jahren die schonende schließt“, erläutert Sylke Kiel. „Außer- Der Lymphödem-Informationstag ist
Wächterlymphknoten-Operation offen dem sollten unsere Patientinnen Des- eine von jährlich etwa 20 Veranstaltun-
und durch Bauchspiegelung. Müssen sous mit breiten Trägern bevorzugen. gen der Abteilung Frauenheilkunde und
die Lymphknoten in diesen Regionen Damit wird das Einschneiden in die Haut des Interdisziplinären Brustzentrums am
jedoch vollständig ausgeräumt werden, verhindert, was den Lymphabfluss zu- UKJ, die sich an Patientinnen und in-
haben die Patientinnen ein deutlich er- sätzlich behindern würde. Ein Model, teressierte Laien richten. mv

18 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Gesundheitspolitik

Gesamte Solidargemeinschaft ist gefordert


Ärztewoche Thüringen: Zunehmendem Ärztemangel entgegenwirken
Die Szene wirkt beklemmend: Mehr Arbeitszeitgesetzes, zunehmende Teil- gen geschaffen werden – auch um die
als 100 überwiegend ältere Frauen zeitarbeit, eine immer stärkere Arbeits- anhaltende Abwanderung in arztfrem-
und Männer stehen in einer langen verdichtung mit höheren Fallzahlen bei de Berufe oder in das Ausland einzu-
Reihe vor einem mehrstöckigen Neu- kürzerer Verweildauer sowie eine aus- dämmen. Doch auch die Kliniken sind
bau und warten geduldig auf einen ufernde Bürokratie haben allerdings da- in der Pflicht, bessere Rahmenbedin-
Termin bei ihrem Augenarzt. „Dieses zu geführt, dass in den Thüringer Kran- gungen für die Ärzte zu schaffen, wozu
Foto stammt aus einer Stadt in Sach-
sen-Anhalt, es könnte aber auch in
Thüringen gemacht worden sein, denn
der Ärztemangel ist auch hier längst
Realität“, sagt Regina Feldmann wäh-
rend der Pressekonferenz der Ärzte-
woche Thüringen, die sich nicht zum
ersten Mal dem Thema Ärztemangel
widmete.

Die Vorsitzende der Kassenärztlichen


Vereinigung Thüringen kennt die Zah-
len und weiß, dass im ambulanten Be-
reich, wo die Anzahl der Ärzte seit 1999
bei etwa 3300 stagniert, bereits heute
125 Mediziner fehlen, davon 104 Haus-
ärzte. Hinzu kommt, dass etwa 40 Pro- Dr. Ulrike Schramm-Häder (r.), Pressesprecherin der Landesärztekammer, moderierte die Presse-
konferenz mit Prof. Reinhard Fünfstück, Regina Feldmann, Dr. Mathias Wesser und Prof.
zent aller Thüringer Hausärzte älter als Günter Stein, Vorsitzender der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung Foto: Vöckler
60 Jahre sind, und bei den Fachärzten
sieht es nicht wesentlich besser aus. „An- kenhäusern dennoch etwa 250 Ärzte unter anderem die Gewährleistung ei-
gesichts einer immer älter werdenden fehlen. „Die Situation ist so dramatisch, ner kontinuierlichen fachlichen Quali-
Bevölkerung werden die Arztbesuche in dass in vielen Krankenhäusern inzwi- fikation der Weiterbildungsassistenten
den nächsten Jahrzehnten weiter zu- schen die Sorge um die Verfügbarkeit sowie die Sicherung familienfreundli-
nehmen. Deshalb benötigen wir eigent- und Sicherung qualifizierten Personals cher Arbeitsbedingungen und einer ent-
lich mehr Ärzte. In den nächsten zehn noch vor der Sorge um ausreichende sprechenden Vergütung gehören.
Jahren beispielsweise rund 70 zusätzli- Finanzierungsmittel rangiert“, sagt der Um mehr junge Mediziner für das Fach
che Allgemeinmediziner. Zählt man die Vorsitzende des Landesverbandes der Allgemeinmedizin zu gewinnen, wurde
768 Ärztinnen und Ärzte hinzu, die bis leitenden Krankenhausärzte in Thürin- in Zusammenarbeit mit den Ärztevertre-
2020 höchstwahrscheinlich altersbe- gen, Prof. Dr. Reinhard Fünfstück. tungen, dem Universitätsklinikum Jena
dingt ausscheiden werden, benötigen Dass die Lücke nicht noch größer ist, ist und weiteren Thüringer Krankenhäu-
wir sogar 838 neue Allgemeinärzte in der verstärkten Anwerbung ausländi- sern sowie dem Institut für Allgemein-
Thüringen“, betont die KV-Vorsitzende. scher Ärztinnen und Ärzte vor allem aus medizin am UKJ die Blockweiterbildung
„Das ist – auch angesichts einer aktuel- Osteuropa und Österreich zu verdanken, entwickelt, die eine besser organisierte
len Nachbesetzungsquote von lediglich wobei Letztere allerdings vor allem ihre und strukturierte Facharzt-Qualifikati-
etwa 25 bis 33 Prozent – illusorisch. Nur Facharzt-Weiterbildung in Thüringen on ermöglicht.
in Weimar und Jena können derzeit absolvieren. „Insgesamt sind gegen- Die verschiedenen Maßnahmen, so die
noch alle Arztsitze nachbesetzt werden.“ wärtig 619 ausländische Ärzte in Thü- Vertreter der Ärzteschaft, eröffnen Chan-
Ähnliche Probleme gibt es bei den Fach- ringen tätig und damit fast 500 mehr cen, dem Problem des fortschreitenden
ärzten, wo ebenfalls immer mehr Pra- als 2001", betont der Präsident der Lan- Ärztemangels entgegenzuwirken – wohl
xen verwaisen. Eine befindet sich in Er- desärztekammer Thüringen, Dr. Mathias wissend, dass der heutige Versorgungs-
furt. „Damit“, so Feldmann, „kann erst- Wesser. grad in Zukunft dennoch nicht aufrecht-
mals in einer deutschen Landeshaupt- erhalten werden kann. Wenig zielfüh-
stadt ein Facharztsitz nicht nachbesetzt „Die Stabilität einer qualifizierten medi- rend seien hingegen Vorschläge wie die
werden.“ zinischen Betreuung kranker Menschen Einführung eines Medizin-Bachelors
Die Lage in den Krankenhäusern ist nicht ist ein Problem, zu dem sich die gesam- oder die bevorzugte Vergabe von Stu-
minder schwierig. Zwar ist die Anzahl te Solidargemeinschaft bekennen muss“, dienplätzen an Abiturienten, die sich
der Thüringer Klinikärzte im letzten Jahr- fordert Prof. Fünfstück. In Zusammen- verpflichten, nach dem Medizinstudium
zehnt um etwa 25 Prozent auf mehr als arbeit mit der Politik und den Kassen als Haus- bzw. Landarzt tätig zu sein.
4300 gestiegen, die Auswirkungen des müssten verbesserte Rahmenbedingun- mv

www.uniklinikum-jena.de 19
Interview

Patienten werden ausgezeichnet betreut


Vor einem Jahr wurde die Abteilung Palliativmedizin eröffnet

Schwerkranken und sterbenden Pa- Klinikums verlegt. Annähernd 90 Pro- Wie viele Mitarbeiter sind in der Ab-
tienten die letzten Tage etwas leich- zent sind onkologische Patienten, au- teilung Palliativmedizin tätig?
ter zu machen, ist das Anliegen der ßerdem betreuen wir Patienten mit Etwa 25. Es ist uns gelungen, innerhalb
Mitarbeiter der Abteilung Palliativ- fortgeschrittenen Lungen-, Leber- und eines Jahres ein stabiles multiprofessi-
medizin, die vor einem Jahr am Uni- Herzkreislauferkrankungen sowie Mul- onelles Team aufzubauen, in dem Ärzte,
versitätsklinikum Jena eröffnet wur- tipler Sklerose und anderen neurologi- Pflegekräfte, Psycho-, Physio- und Er-
gotherapeuten sowie Sozialarbeiter und
Seelsorger sehr gut zusammenarbeiten.
Das gilt auch für das ambulante Pallia-
tivteam, das schon seit fast drei Jahren
besteht und ein wichtiger Teil unserer
Abteilung ist. Durch dessen engagierte
Arbeit können stationäre Einweisungen
vermieden oder Patienten früher aus der
stationären Betreuung entlassen wer-
den. Dadurch ist es vielen Schwerkran-
ken möglich, die letzten Tage zu Hause
zu verbringen und dort auch zu ster-
ben.

Kann jeder Krankenversicherte die


ambulante palliativmedizinische Be-
treuung in Anspruch nehmen?
Wir haben bereits vor drei Jahren einen
Vertrag mit dem Verband der Ersatzkas-
sen geschlossen. Seit über einem Jahr
Das Team der Abteilung Palliativmedizin mit den Chefärzten PD Dr. Ulrich Wedding und
PD Dr. Winfried Meißner Fotos: Schröder sind wir auch mit den übrigen Kranken-
kassen im Gespräch, um den gesetzlich
de und die palliativmedizinische Ver- schen Erkrankungen. Das Durchschnitts- bestehenden Anspruch aller Krankenver-
sorgung in Jena und Umgebung er- alter unserer Patienten, die überwiegend sicherten auf eine ambulante palliativ-
heblich verbessert hat. „Am 6. Janu- aus Jena und Umgebung kommen, liegt medizinische Betreuung zu gewährleis-
ar 2009 haben wir auf unserer Pal- bei 69 Jahren, der jüngste war 19, der ten. Hier muss die Kostenübernahme
liativstation mit zunächst vier und älteste 96 Jahre alt. derzeit noch im Einzelfall beantragt wer-
später zwölf Betten die ersten Pati- den, und sie wird auch nur zum Teil be-
enten aufgenommen. Insgesamt ha- Wie lange werden die Patienten auf willigt.
ben wir im ersten Jahr 370 stationä- der Palliativstation betreut?
re Behandlungen durchgeführt“, sagt Die durchschnittliche Verweildauer be- Wie verkraften die Mitarbeiter der
PD Dr. Ulrich Wedding, der die Abtei- trägt neun Tage. Nach der gesundheit- Palliativstation die ständige Konfron-
lung gemeinsam mit PD Dr. Winfried lichen Stabilisierung können etwa zwei tation mit schwersten Erkrankungen
Meißner leitet, im Gespräch mit KLI- Drittel der Patienten, die von den nie- und mit dem Tod?
NIKMAGAZIN. „Ganz besonders wich- dergelassenen Ärzten überwiesen wur- Das ist für unsere Mitarbeiter nicht ein-
tig ist, dass unsere Patienten und de- den, wieder in ihre häusliche Umge- fach. Die Belastungen, die die Arbeit im
ren Angehörige mit der Behandlung bung, in ein Pflegeheim oder in ein sta- Palliativbereich mit sich bringen, wer-
zufrieden sind und wir uns als Team tionäres Hospiz entlassen werden. Viele den aber zum einen dadurch erleich-
gut entwickelt haben.“ Patienten kommen nur einmal auf un- tert, dass wir im Team arbeiten und dass
sere Station, andere mehrfach, weil ihr die Teamarbeit bei uns sehr gut funk-
Wer überweist die Patienten auf die Gesundheitszustand eine erneute Auf- tioniert. Wir setzen uns beispielsweise
Palliativstation und was sind die häu- nahme erforderlich macht. Wir arbeiten einmal wöchentlich zusammen und re-
figsten Diagnosen? dabei eng mit den Angehörigen und den über die Patienten, die in der ver-
Etwa 60 Prozent unserer Patienten wer- dem Hausarzt zusammen, denn nur gangenen Woche verstorben sind. Das
den von den Hausärzten überwiesen, die wenn diese einbezogen sind, kann die ist eine Möglichkeit, Sterben und Tod
anderen werden aus Einrichtungen des häusliche Betreuung funktionieren. besser zu verarbeiten. Außerordentlich

20 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Interview

wichtig für unsere Arbeit sind regelmä-


ßige Supervisionen, außerdem bieten
wir ein Entspannungstraining für unse-
re Mitarbeiter an. Kraft schöpfen wir aber
auch aus den vielen positiven Rückmel-
dungen, die wir von unseren Patienten
und deren Angehörigen aber auch von
Pflegeheimen und Hausärzten erhalten.
Denn trotz der schwierigen gesundheit-
lichen Prognose fühlen sich die Patien-
ten bei uns sehr wohl, und das hängt
nicht nur mit den baulichen Gegeben-
heiten und der attraktiven Lage der Pa-
tientenzimmer, sondern auch mit der
durch das Team gestalteten Atmosphä-
re auf unserer Station zusammen.

Arbeiten Sie mit anderen palliativme-


dizinischen Einrichtungen zusammen? Die Mitarbeiter der Abteilung Palliativmedizin kümmern sich, wie hier Physiotherapeutin
Beate Tetzlaff, fürsorglich um die Patienten
Selbstverständlich. Sehr gut funktioniert
die Zusammenarbeit im „Netzwerk Pal-
liativmedizin Thüringen“, außerdem ste-
hen wir mit universitären palliativme- Ernährung von Palliativpatienten ver- ben, zum Essen drängen, denn das ist
dizinischen Einrichtungen vor allem in anstaltet. Worauf ist hier besonders für die meisten eher eine Quälerei als
Göttingen und Dresden in Kontakt. Auch zu achten? eine Hilfe, und es hat auch keinen posi-
mit dem ambulanten Hospizverein un- Zunächst sollte man wissen, dass krank- tiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf.
ter der Leitung von Prof. Bernd Wieder- heitsbedingte Stoffwechselprozesse bei Bedenken sollte man auch, dass in der
anders arbeiten wir sehr gut zusammen. onkologischen und anderen fortge- letzten Lebensphase die Lebensqualität
schrittenen internistischen Erkrankun- und nicht die Aufrechterhaltung eines
Die Leitung der Abteilung liegt in den gen häufig zum Verlust von Gewicht und Normgewichts im Mittelpunkt steht.
Händen von zwei Chefärzten. Eine sol- Muskelmasse führen. Dieser Prozess Auch in der unmittelbaren Sterbesitua-
che „Doppelspitze“ ist in Kliniken ja lässt sich nicht verhindern, sondern le- tion geht es nicht darum, die Flüssig-
eher ungewöhnlich. Wie funktioniert diglich hinauszögern, wenn beispiels- keits- und Nahrungszufuhr um jeden
die Zusammenarbeit? weise frühzeitig eine ergänzende Ernäh- Preis aufrechtzuerhalten, sondern Durst
Diese Art der Leitung ist am Universi- rung mit hoch kalorischer Kost einge- und Hunger als belastende Symptome
tätsklinikum Jena einmalig, sie funktio- leitet wird. Wenn immer möglich, sollte zu verhindern.
niert aber sehr gut. Zum einen, weil wir auch bei der Ernährung Schwerkranker
uns menschlich verstehen, und zum der normale Weg über den Gastroin- Vor allem bei onkologischen Patien-
anderen, weil wir die Qualifikationen testinaltrakt bevorzugt werden. Ist das ten sind häufig der Geruchs- und der
haben, die für die Leitung einer solchen Schlucken beeinträchtigt, ist die ente- Geschmackssinn beeinträchtigt. Wo-
Einrichtung ganz besonders wichtig rale Ernährung, die mit Hilfe einer PEG- durch wird das verursacht und lässt
sind: Privatdozent Meißner ist Anästhe- Sonde direkt über den Magen-Darm- sich das verhindern?
sist und Schmerztherapeut und ich bin Trakt erfolgt, möglich. Mitunter ist aber Beides kann durch die Krebserkrankung
Internist, Hämatologe und Internistischer auch eine parenterale – intravenöse – oder durch Medikamentennebenwir-
Onkologe, zudem bringe ich umfassen- Ernährung erforderlich. kungen verursacht werden. In der For-
de Erfahrungen aus der Geriatrie mit. schung wird derzeit untersucht, ob die-
Viele schwer kranke Patienten leiden se Symptome möglicherweise durch das
Was haben Sie sich in diesem Jahr vor- unter fehlendem Appetit, was kön- Ausschalten bestimmter Rezeptoren im
genommen? nen die Patienten oder deren Ange- Gehirn verhindert werden können. Beim
Wir wollen die Konsiliartätigkeit im Kli- hörige dagegen tun? Brechreiz ist das bereits weitgehend ge-
nikum weiter ausbauen und auch auf Der fehlende Appetit macht den Ange- lungen. Durch Medikamente, die die
anderen Stationen verstärkt palliativme- hörigen häufig mehr Sorgen als den Rezeptoren im Brechzentrum des Ge-
dizinische Leistungen anbieten. Außer- Patienten. Durch gemeinsames Zuberei- hirns ausschalten, konnte das Erbre-
dem möchten wir einen Förderverein für ten der Speisen und gemeinsame Mahl- chen vor allem während der Chemothe-
unsere Palliativstation gründen. zeiten kann es gelingen, den Appetit rapie deutlich reduziert werden.
und die Lust am Essen wieder zu stei-
Die Abteilung Palliativmedizin hat gern. Auf keinen Fall sollte man aber Vielen Dank.
Anfang des Jahres ein Symposium zur Schwerkranke, die keinen Appetit ha- (Die Fragen stellte Matthias Vöckler)

www.uniklinikum-jena.de 21
Veranstaltungen

Patientenseminare am Informationsabende
Interdisziplinären Brustzentrum für werdende Eltern

9. Juni Informationsabende für wer-


Moderne Schmerztherapie bei dende Eltern finden an jedem
Krebserkrankungen zweiten Donnerstag im Monat
PD Dr. Winfried Meißner um 19 Uhr im Hörsaal und im
Leiter der Schmerzambulanz UKJ Kreißsaal der Universitäts-
Frauenklinik in der Bachstraße
11. August 18 statt.
Ernährung unter und nach der
Therapie Nächste Termine:
Sylke Kiel, Brustschwester 27. Mai, 10. Juni, 24. Juni, 8. Juli
Universitätsfrauenklinik und 22. Juli

Beginn jeweils 18 Uhr


im Besprechungsraum des Eltern- und Babysitterschule der Kinderklinik
Interdisziplinären Brustzentrums
Haus 4, Erdgeschoss
Bachstraße 18 25. Mai, 15.30 – 18.00 Uhr
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern
Michael Iffland, Kinderkrankenpfleger für Pädiatrische
2. Jenaer Alumnitreffen Intensivpflege
am 19. Juni 2010
8. Juni, 15.30 – 17.30 Uhr
Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter
Das 2. Alumnitreffen der Jenaer Dipl. Med. Päd. Uta Mayer
Human- und Zahnmediziner findet
15. Juni, 15.30 – 18.00 Uhr
am Samstag, dem 19. Juni 2010, im
Erste Hilfe bei Säuglingen und Kindern
Kollegienhof der Friedrich-Schiller-
Michael Iffland, Kinderkrankenpfleger für Pädiatrische
Universität statt.
Intensivpflege
Weitere Informationen unter: Ort: Elternspeiseraum der Universitäts-Kinderklinik, Kochstraße 2
www.med-alumni.uni-jena.de Anmeldung: (03641) 93 82 11

Mittwoch, 26. Mai Mittwoch, 30. Juni


Schließlich geht es um mich! Stress mit dem Sex.
Wie viel Kompetenz brauchen Sexuelle Probleme, kein
Patienten? Grund für ein Tabu-Thema!
Dr. PH Sylvia Sänger Prof. Dr. Bernhard Strauß
Leiterin der Gesundheitsuni Jena Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie

n a e r A b e n dvorlesung
Je
s 19 Uhr
Beginn jeweil Al le e 101, Hörsaal 1
da /O st , Er la ng er
Uniklinikum Lobe

22 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Service

Cafeteria

In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums


werden täglich drei Menüs angeboten, darunter ein
vegetarisches. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag
12.00 bis 16.30 Uhr

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie
eine solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer
Station an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis
17 Uhr geöffnet, die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von
9 bis 11 Uhr. Außerdem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für
Psychiatrie sowie für Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Pastorin Barbara Sonntag Pfarrer Norbert Winter
Evangelische Klinikseelsorge Katholische Seelsorge
Tel. (03641) 932 00 56 oder 0179 8 50 30 20 (036421) 224 36 oder 0177 451 19 27

Wichtige Ansprechpartner

Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern


Leiter Leiterin Geschäftsstelle
Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Empfang Lobeda: 932 08 50
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
E-Mail: E-Mail:
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

www.uniklinikum-jena.de 23
Personalia

Leukämiespezialist Prof. Dr. Andreas Hochhaus auf


Professur für Hämatologie und Onkologie berufen
Professor Dr. Andreas Hochhaus hat den Mediziner kamen sechs Mitarbeiter von neu entwickelte Leukämiewirkstoffe
Ruf auf die Professur für Allgemeine In- Mannheim nach Jena, sie alle wurden erstmals klinisch getestet wurden. Im
nere Medizin mit Schwerpunkt Häma- rasch in das Team der Abteilung inte- 6. Forschungsrahmenprogramm der EU
tologie und Onkologie an der Friedrich- griert und fühlen sich in Jena sehr wohl. wurde das European LeukemiaNet eta-
bliert. Auf Initiative von Professor Hoch-
haus wurde jetzt auch das UKJ in dieses
Netz aufgenommen. „Die Vernetzung der
klinischen Zentren ist die Grundlage für
große Studien zu neuen Wirkstoffen,
Wirkstoffkombinationen oder Dosie-
rungen – nur so erhalten wir fundierte
Daten, wie die Behandlung optimiert
werden kann,“ erklärt Hochhaus.

Studie im „Journal of
Clinical Oncology“

Eine solche mögliche Therapieverbes-


Prof. Dr. Andreas Hochhaus
serung beschreibt er in einer kürzlich
Foto: Schacke veröffentlichten Studie im renommier-
ten „Journal of Clinical Oncology“. Ge-
meinsam mit Krebsforschern aus Mar-
Schiller-Universität angenommen. Be- Der Arbeitsschwerpunkt von Professor burg und Mannheim behandelte er CML-
reits seit dem Sommer 2009 leitet der Hochhaus ist die chronische myeloische Patienten mit dem Standardmedikament
Leukämie-Spezialist die Abteilung Hä- Leukämie (CML), die zweithäufigste Imatinib, das bei den Krebszellen einen
matologie und Onkologie der Klinik für Form chronischer Leukämien. Bei die- kontrollierten Zelltod auslöst, und zu-
Innere Medizin II am Universitätsklini- ser durch eine genetische Störung ver- sätzlich mit Interferon alpha. Dieser Wirk-
kum Jena. Andreas Hochhaus über sei- ursachten Erkrankung des blutbilden- stoff aktiviert das Immunsystem, so dass
nen nun offiziellen Start in Jena: „Ich den Systems kommt es zu einer starken es die Imatinib-resistenten Leukämiezel-
freue mich auf die Zusammenarbeit im Vermehrung der weißen Blutkörper- len in Schach halten kann.
Klinikum und mit den Thüringer Fach- chen. Heilbar ist die auch als Blutkrebs Nach der anfänglichen Kombinations-
kollegen; wieder in Thüringen zu sein, bezeichnete Erkrankung nur durch eine therapie erhielten die Patienten nur
ist für mich ein besonderes Glück.“ Stammzelltransplantation, die aber we- noch Interferon alpha, drei Viertel von
gen ihrer Risiken oder des Fehlens pas- ihnen blieben im Zeitraum von bis zu
Der gebürtige Mühlhäuser studierte in sender Spender nicht immer durchge- vier Jahren gesund. Den Studienteilneh-
Leipzig und Erfurt, wo er auch seine führt werden kann. Inzwischen stehen mern, die einen Rückfall erlitten, half
Facharztausbildung für Innere Medizin jedoch Wirkstoffe zur Verfügung, die die schnell die erneute Imatinib-Behand-
absolvierte. Danach arbeitete er am Kli- Aktivität des krebsauslösenden Gens lung. „Die Studie zeigt eine Möglichkeit,
nikum Mannheim der Universität Hei- hemmen. „Mit diesen Medikamenten, die CML-Medikamente zumindest zeit-
delberg und forschte in London mit ei- die dann allerdings lebenslang genom- weise absetzen zu können“, hebt Hoch-
nem Stipendium der Mildred-Scheel- men werden müssen, ist die Erkrankung haus den Erfolg hervor, „denn die lang-
Stiftung. Zuletzt hatte er eine José-Car- gut behandelbar“, so Hochhaus. fristige Einnahme erhöht das Risiko, dass
reras-Stiftungsprofessur für Leukämie- Krebszellen gegen die Wirkstoffe resis-
forschung an der Universität Heidelberg UKJ Mitglied im Europäischen tent werden.“
inne und führte kommissarisch die Leukämie-Netz
III. Medizinische Klinik der Universitäts- Konsultationszentrum für CML
medizin in Mannheim. Hier leitete der An der klinischen Testung dieser Leukä-
Internist, der auch im Vorstand der Ar- miewirkstoffe hat Andreas Hochhaus Deshalb werden die genetischen Ursa-
beitsgemeinschaft Internistische Onko- großen Anteil: Zusammen mit Fachkol- chen und die Therapie von CML auch
logie der Deutschen Krebsgesellschaft legen war er in Mannheim seit den 90er weiterhin Forschungsthema sein. „Ich
mitarbeitet, acht Jahre lang das Onko- Jahren am Aufbau eines Netzes deut- möchte Jena als Konsultations- und
logische Zentrum. Mit dem 50-jährigen scher Studienzentren beteiligt, in denen Forschungszentrum für CML etablieren

24 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Forschung

mit dem Ziel, die neuesten Erkenntnisse


rasch in die klinische Praxis zu überfüh- Behandlungsempfehlungen nach
ren“, so Hochhaus. An demnächst star-
tenden großen klinischen Studien wird
sich Jena als Studienzentrum beteiligen.
aktuellem Stand des Wissens
In den Wissenschaftlern im Zentrum für Jenaer Experten koordinierten Überarbeitung
Molekulare Biomedizin auf dem Beuten-
berg sowie den Humangenetikern und der Leitlinie zur Sepsis-Behandlung
Labormedizinern des Klinikums sieht der
Hämatologe wichtige Partner für die
Grundlagenforschung. Die fundierte
und praxisnahe Ausbildung der Studie- Auf Initiative der Jenaer Intensivmedi- benannten Gruppe ist die Planung, Or-
renden ist dem onkologischen Internis- ziner Prof. Frank Brunkhorst und Prof. ganisation und Auswertung klinischer
ten, der das Fach in der gesamten Brei- Konrad Reinhart und im Auftrag der Studien zur Sepsis, die vereinfachend als
te vertritt, ein besonderes Anliegen: Deutschen Sepsis-Gesellschaft (DSG) Blutvergiftung bezeichnet wird und als
„Wissen über Fakten und Zusammen- aktualisierte ein Komitee von 30 deut- schwere Komplikation von Infektionen
hänge, klinische Fertigkeiten und wis- schen renommierten Medizinern die in der Hälfte der Fälle tödlich verläuft.
senschaftliche Neugier – das müssen wir erstmals 2005 erstellte Leitlinie zur Be- „Wir wissen wenig über die Sepsis, und
den künftigen Ärzten vermitteln und handlung von Sepsis. Diese Neufassung was wir wissen, wenden wir längst nicht
ihnen die Liebe zum Arztberuf vorle- der Empfehlungen für die behandeln- immer an“, beschreibt Frank Brunkhorst
ben“, so Andreas Hochhaus. den Ärzte berücksichtigt aktuelle Ergeb- die Versorgung der Sepsispatienten in
Prof. Dr. Klaus Höffken, Medizinischer nisse großer Studien, die unter ande- Deutschland. Im Rahmen des Kompe-
Vorstand des UKJ, begrüßt seinen Fach- rem im Kompetenznetz Sepsis (SepNet) tenznetzes Sepsis, das vom Bundes-
kollegen und Nachfolger auf dem Lehr- durchgeführt wurden, und geht aus- ministerium für Bildung und Forschung
stuhl: „Wir freuen uns, dass wir mit Pro- führlicher auf Prävention und Nachsor- gefördert wird und über 120 Regional-
fessor Hochhaus einen renommierten ge ein. zentren in Deutschland vereint, testete
Leukämieforscher, einen insbesondere er gemeinsam mit Konrad Reinhart in
auch in der Therapie von Organkrebser- Die Leitlinie mit dem Titel „Prävention, großen klinischen Studien die Wirk-
krankungen erfahrenen leitenden Arzt Diagnose, Therapie und Nachsorge der samkeit von Therapiemaßnahmen. Da-
und einen beliebten Hochschullehrer für Sepsis“ wurde jetzt von der Arbeits- bei konnte er zum Beispiel zeigen, dass
unser Klinikum gewinnen konnten.“ vdG gemeinschaft der Medizinisch-Wis- zwei lange gebräuchliche Maßnahmen
senschaftlichen Fachgesellschaften – Infusionen mit Hydroxyethylstärke-
(AWMF) veröffentlicht. „Leitlinien sind Lösung und Insulininjektionen in beson-
keine juristisch verbindlichen Richtli- ders hoher Dosierung – den Sepsispati-
Spitzengutachter nien oder Universalrezepte“, stellt Prof. enten keinen Überlebensvorteil bringen,
Frank Brunkhorst als erstes klar, „sie aber die Rate von Komplikationen stei-
Der Direktor der Apotheke des Uni- sind Handlungs- und Behandlungs- gern.
versitätsklinikums, PD Dr. Michael empfehlungen auf dem Stand des ak- Diese Ergebnisse finden sich in der ak-
Hartmann, gehört zu den besten Gut- tuellen Wissens. Letztlich aber muss der tualisierten Leitlinie wieder: Wie soll ein
achtern der internationalen Fachzeit- Arzt immer anhand der individuellen Patient gelagert werden, wenn er künst-
schrift „Annals of Internal Medicine“. Situation des Patienten entscheiden.“ lich beatmet werden muss, welches Nie-
Das ermittelten die Herausgeber des Seit einem Jahr leitet der Intensivmedi- renersatzverfahren sollte bei akutem
renommierten Journals anhand der ziner, Oberarzt der Klinik für Anästhesi- Nierenversagen angewandt werden, wie
Bewertung, die die Autoren für die ologie und Intensivmedizin, die Paul- sollten Patienten mit schwerem septi-
Gutachter abgeben. Seit 2008 gehört Martini-Gruppe für klinische Sepsisfor- schen Schock ernährt werden – bei die-
der Jenaer Pharmazeut und Medizin- schung am Jenaer Universitätsklinikum. sen Entscheidungen hilft sie dem Arzt.
ökonom zu den internationalen Ex- Seine Professur wird von der Deutschen Die Grundlage dafür bilden kontrollier-
perten, die die eingereichten Artikel Sepsisgesellschaft und der Stiftung für te klinische Studien und das Wissen von
ihres Fachgebietes lesen und zur Ver- Technologie, Innovation und Forschung Experten – im Fall der jetzt aktualisier-
öffentlichung empfehlen oder den Thüringen (STIFT) finanziert, die zwölf- ten Sepsis-Leitlinie werteten 30 renom-
Autoren wichtige Verbesserungshin- köpfige Forschergruppe ist Bestandteil mierte deutsche Mediziner stellvertre-
weise geben. „Durch die Qualitäts- des Zentrums für Innovationskompe- tend für 16 nationale Fachgesellschaf-
steigerung der veröffentlichten Arbei- tenz „Septomics“ und wird im Rahmen ten aktuelle Studien aus. Beteiligt war
ten leisten die Gutachter mit ihrer Tä- der Pro-Exzellenz-Initiative des Frei- auch die Deutsche Sepsis-Hilfe als
tigkeit im Hintergrund einen wesent- staates gefördert. Selbsthilfevereinigung von Betroffenen.
lichen Beitrag zur Wissenschaft“, so Gemeinsam formulierten sie die gut
die Herausgeber. Zentrales Forschungsthema der nach 40 Seiten starke Leitlinie. Eine „Kittel-
dem Vater der klinischen Forschung taschenausgabe“ ist im Druck. vdG

www.uniklinikum-jena.de 25
Patientenservice

Projekt „Soziale Wärme“ ist ein voller Erfolg


Patientenlotsen unterstützen seit zwei Jahren Patienten und
Besucher des UKJ
„Im Grunde genommen begann alles chern den Weg durch den „Klinik- unbekannten Herausforderungen einer
mit einem Missgeschick. Dr. Edgar Nieß dschungel“ weisen und längst zu de- Tätigkeit im ungeschützten Raum zu-
vom Förderverein des Klinikums und nen gehören, die sich im Lobedaer Kli- nächst etwas skeptisch war, sich aber
ich hatten im Lobedaer Klinikum die nikum am besten auskennen. „Des- ebenso wie Maik Wild und René Wolf
Orientierung verloren. Und da wir halb“, so René Wolf, „helfen wir nicht längst hervorragend eingearbeitet hat,
nicht die einzigen waren, denen so et-
was passierte, entstand die Idee, un-
seren Patienten und Besuchern die
Orientierung im Klinikum durch den
Einsatz von Patientenlotsen zu er-
leichtern. Wir haben im Förderver-
ein des Klinikums und im Saale Be-
treuungswerk der Lebenshilfe Jena
Partner gefunden und das Projekt
‚Soziale Wärme’ ins Leben gerufen“,
erinnert sich der Leiter des Gesund-
heitsmarketings am UKJ, Hartwig
Gauder.

„Das war vor mehr als zwei Jahren.


Seither hat sich das Projekt ausgezeich-
net entwickelt, und deshalb wollen wir
es auch künftig weiterführen“, sagt der
Medizinische Vorstand des Universitäts-
klinikums Jena, Prof. Dr. Klaus Höffken,
und lobt die enge Zusammenarbeit zwi-
schen dem Klinikum, dem Förderverein
und dem Saale-Betreuungswerk. Die
Helfen seit zwei Jahren Patienten und Besuchern bei der Orientierung im Lobedaer Klinikum:
Gesamtkosten in Höhe von monatlich Die Patientenlotsen Maik Wild, René Wolf und Jens-Peter Hinrichs (v. l.) – hier im Gespräch mit
1200 Euro, die in der zweijährigen An- PD Dr. Michael Hartmann, Annelie Lohs, Prof. Dr. Klaus Höffken und Hartwig Gauder
laufphase der Förderverein des UKJ fi- Foto: Schröder
nanziert hatte, werden nun vom Klini-
kum übernommen. Wir haben uns sei- nur Patienten und Gästen, sondern „zumal wir auch als Team sehr gut zu-
nerzeit ganz bewusst für die Zusammen- manchmal auch Mitarbeitern bei der sammenarbeiten“.
arbeit mit Menschen mit Behinderung Orientierung.“
entschieden, und wir freuen uns, dass Zumeist werden die Patientenlotsen von Mut machen, etwas Neues
diese ihre Aufgaben mit so viel Engage- den Hilfesuchenden angesprochen, auszuprobieren
ment und Empathie erfüllen, betonen „wir sprechen sie aber auch selbst an,
der Vorsitzende des Fördervereins, Pri- wenn sie fragend im Eingangsbereich Die Patientenlotsen sind montags bis
vatdozent Dr. Michael Hartmann, und oder in der Magistrale stehen. Die Pa- freitags von 7 bis 15 Uhr im Klinikum
Prof. Höffken, der das Projekt „Soziale tienten und Besucher nehmen unsere Lobeda vor Ort, und ihre gute Arbeit hat
Wärme“ nach der Fertigstellung des Kli- Unterstützung gern an und freuen sich, sich längst auch außerhalb Jenas he-
nikumsneubaus auch personell weiter dass sie bei der Ankunft am Klinikum rumgesprochen. „Wir haben unter an-
ausbauen möchte. jemanden finden, der ihnen den Weg derem eine Anfrage aus dem westfäli-
zeigt und mitunter auch die Angst schen Detmold, wo die Stadtverwaltung
„Manchmal helfen wir auch nimmt, sich in einem so großen Haus ein ähnliches Projekt aufbauen will“,
Mitarbeitern bei der Orientierung“ zu verlaufen. Dabei kommen wir mit den sagt die Geschäftsführerin des Saale-
Patienten und Besuchern auch ins Ge- Betreuungswerkes, Annelie Lohs, die fest
Mit Begeisterung bei der Arbeit sind die spräch, was außerordentlich interessant davon überzeugt ist, dass die Teilnah-
Patientenlotsen René Wolf, Jens-Peter ist“, freut sich René Wolf. „Wir spüren, me an einem solchen Projekt nicht nur
Hinrichs und Maik Wild, die in ihren dass wir gebraucht werden und dass den Patientenlotsen hilft, sondern auch
leuchtenden orangefarbenen T-Shirts unsere Arbeit anerkannt wird“, ergänzt anderen Behinderten Mut macht, etwas
seit zwei Jahren Patienten und Besu- Jens-Peter Hinrichs, der angesichts der Neues auszuprobieren. mv

26 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Pflege

Intensivpatienten auf höchstem Niveau versorgen


„Die Intensivpflege ist mit enormen He-
rausforderungen verbunden. Sie erfor-
dert eine hohe soziale Kompetenz, Team-
fähigkeit und Flexibilität, psychische Sta-
bilität und die Bereitschaft zu ständigem
Lernen. Schließlich benötigen wir hoch
qualifizierte Mitarbeiter, die unsere Pati-
enten auf höchstem Niveau versorgen“,
betonte der Geschäftsbereichsleiter Per-
sonalmanagement am UKJ, Dr. Thomas
Grethlein, während der Zeugnisübergabe
für die Weiterbildungskurse „Intensiv-
pflege und Anästhesie“ sowie „Pädiatri-
sche Intensivpflege“ am 23. Februar.
Die Bedeutung der Qualität der Pflege
Dr. Thomas Grethlein gratulierte den neuen Fachschwestern und -pflegern Foto: UKJ
für den Erfolg der intensivmedizinischen
Behandlung hob auch Prof. Dr. Konrad Seit 1992 sind in den Jenaer Kursen ca. folgreiche Zeit“, resümierte der Pflegeri-
Reinhart hervor. „Die Ergebnisse sind dort 230 Fachschwestern und -pfleger für In- sche Leiter der Weiterbildung Intensiv-
am besten, wo hervorragend ausge- tensivpflege und Anästhesie weitergebil- pflege und Anästhesie, Ingo Kühn, der
bildete Mitarbeiter tätig sind und Team- det worden, davon etwa die Hälfte für den Kurs gemeinsam mit Angelika Völk-
arbeit am besten funktioniert“, sagte der das UKJ. „Der Anteil wird weiter erhöht ner (Leitung der Weiterbildung für Pä-
Direktor der Klinik für Anästhesiologie und deshalb findet dieser Kurs auch diatrische Intensivpflege) durchführte
und Intensivmedizin, der sich mit der Ar- weiterhin jährlich statt“, betonte Pflege- und während der Feierstunde einige
beit auf den Intensivstationen des UKJ dienstleitung Evelyn Voigt. „Es war für Etappen des Lehrganges noch einmal au-
sehr zufrieden zeigte. uns alle eine anstrengende, aber sehr er- genzwinkernd Revue passieren ließ. mv
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Mosaik

Gesundheitsvorsorge und -aufklärung verbessern


Jenaer helfen bei Projekten zur Präventionsmedizin in Nikaragua
Seit 1998 sind Jena und San Marcos in heiten durchgeführt. Die Menschen
Nikaragua Partnerstädte. Koordiniert werden auch in ihren Häusern besucht,
wird die Partnerschaft vom Eine-Welt- um sie für diese Probleme noch stärker
Haus Jena e.V. und dessen nikaragua- zu sensibilisieren“, betont Wallstabe. Ein
nischem Partnerverein APRODIM. Einer wichtiger Grundpfeiler des Projekts ist
der Schwerpunkte ist die Zusammen- die Ausbildung von Multiplikatoren-
arbeit im Gesundheitswesen, über de- gruppen in den Dörfern, die das erwor-
ren Ergebnisse eine Fotoausstellung in bene Wissen weitergeben.
der Magistrale des UKJ informierte. „Wir möchten auch eine Zahnärztin in
„Wir haben bei San Marcos einen Ge- das Projekt integrieren, die Aufklärungs-
sundheitsposten aufgebaut, nun wol- veranstaltungen zum Thema Mundhy-
len wir gemeinsam mit APRODIM und giene und Kariesprävention durchführt
dem nikaraguanischen Gesundheits- und in einer kleinen Klinik auch Sprech-
ministerium ein Projekt zur Präventions- Der nikaraguanische Arzt Dr. Mario Mairena stunden anbietet. Das ist sehr wichtig,
medizin umsetzen. In Nikaragua gibt es begeisterte mit Liedern aus seiner Heimat und denn Karies ist ein riesiges, in den länd-
informierte während des Galeriegesprächs am
bisher kaum Präventionsarbeit, da die 24. Februar über Land und Leute lichen Regionen Nikaraguas aber weit-
finanziellen und personellen Ressour- gehend unbehandeltes Problem“, erläu-
cen sehr begrenzt sind“, sagt Erik Wall- auf dem Gebiet der Gesundheitsvorsor- tert Erik Wallstabe, der noch Kooperati-
stabe vom Eine-Welt-Haus Jena e.V. Der ge und -aufklärung erfahrenen nikara- onspartner und Unterstützer sucht. mv
Jenaer Medizinstudent war bereits mehr- guanischen Krankenschwestern Veran-
fach in San Marcos tätig, das im Westen staltungen zu Themen wie Hygiene, se- Eine-Welt-Haus Jena e.V.
des mittelamerikanischen Landes liegt. xuell übertragbare Krankheiten oder Kontonummer 30600
„In allen Gemeinden werden von zwei Übertragungswege von Tropenkrank- BLZ 83053030

Medizinstudenten ganz weit weg

Fotos: Vöckler
Stimmungsvolle Aquarelle auf Seide und
Kohlezeichnungen – faszinierende Land-
schaften aus Licht und Schatten – sind
seit Mitte April im Hospizverein Jena in Helfen, wo der Mangel an ärztlicher Hil- ckenden wie oftmals auch bedrücken-
der Drackendorfer Straße 12a zu sehen. fe am Größten ist – nach diesem Grund- den Momentaufnahmen zu präsentie-
Die Bilder der Designerin und Kunstthe- satz handeln Jenaer Medizinstudenten, ren. Unterstützt wurde die Ausstellung
rapeutin Annette Andiel sollen Men- die die Famulatur oder das PJ in Län- von der Jenaer Gruppe „Internationale
schen in der letzten Phase ihres Lebens dern der Dritten Welt absolvieren. Die Ärzte für die Verhütung des Atomkrie-
und deren Angehörigen helfen, zu ent- „ganz kleine Galerie“ gab den Studie- ges, Ärzte in sozialer Verantwortung“
spannen und neue Kraft zu schöpfen, renden in den letzten Wochen erneut (IPPNW), die während der Vernissage
betonte der Vereinsvorsitzende Prof. Dr. die Möglichkeit, ihre ebenso beeindru- über ihre Arbeit informierte.
Bernd Wiederanders.

28 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Mosaik

Empfehlungen aus der Patientenbibliothek


Wie in jedem Jahr gab es auf der Buch- Liebe aufwirft, für die man – in diesem stil, mit dem Geiger die Geschichte des
messe in Leipzig vom 18. bis 21. März Fall für eine Frau – sogar die anschei- langjährigen Ehepaares beschreibt, gro-
viel Neues zu entdecken. Zwei Lesun- nend gut funktionierende Partnerschaft ßes Lesevergnügen bereitet. Im Wech-
gen haben mich dazu inspiriert, die Ro- samt Kindern in Frage stellt, nur um sei- sel von Dialogen und Ich-Perspektive,
mane vollständig zu lesen und für un- nen individuellen Glücksanspruch zu mit Rückblenden und in der Gegenwart
sere Patientenbibliothek zu erwerben. erzählt Arno Geiger uns vom Alltag des
ganz normalen „Familienwahnsinns“.
Um Herta Müllers Buch „Atemschaukel“, Sally, die den Zenit ihres Lebens über-
zumal wenn man die Schriftstellerin live schritten hat, aber noch voller Taten-
erlebt hat, kommt man wohl nicht he- drang und Plänen steckt, fühlt sich in
rum. Die Bücher der in Rumänien gebo- der grauen, trostlosen Vorhersehbarkeit
renen und seit 1987 in Deutschland le- ihres Lebens eingeengt. Alfred, ihr
benden Autorin werden immer gefrag- kreuzbraver Gatte, mit einer gewissen
ter und wohl auch in den nächsten Jah- seelischen Behäbigkeit behaftet, ist der
ren nicht in den Regalen verstauben. Ich Ruhepol der Beziehung. So geht das Le-
weiß allerdings nicht, ob es angebracht ben seinen ruhigen Gang, bis ein Ein-
ist, die „Atemschaukel“ im KLINIKMA- bruch in ihr Haus ein totales Chaos hin-
GAZIN zu empfehlen, denn diese Chro- terlässt, das man als Sinnbild ihres see-
nik des ewigen Hungerns, dargestellt am lischen Desasters verstehen kann, aus
Beispiel der Deportation des 17-jähri- dem beide auf sehr unterschiedliche
gen Oskar Pastior in eine Koksfabrik in Weise herauszukommen versuchen. Al-
der russischen Steppe, ist nicht so leicht lein wie lange Alfred dazu Anlauf nimmt
zu verkraften. Bei der Lektüre fragt man und die Frage, ob er die Hürden meis-
sich mehrfach, ob es überhaupt ange- Die Leiterin der Kulturellen Patientenbetreu- tert, lohnen, das Buch zu lesen.
messen ist, das Elend dieser Menschen ung am UKJ, Gudrun Türk, empfiehlt „Atem- Das sind nur zwei Angebote aus unse-
schaukel“ und „Alles über Sally“ Foto: Vöckler
in einer so schönen, poetischen Spra- rem reichhaltigen Repertoire. Sollte Ih-
che zu beschreiben. Die Ungeheuerlich- realisieren. Obwohl der Inhalt keine nen der Sinn eher nach Naturerlebnis-
keit der eigentlich grundlosen Gefan- besonders spektakuläre Handlung auf- sen, regionalen Besonderheiten, Krimis,
genschaft kommt zum Beispiel in dem weist, teilweise sogar etwas banal wirkt Märchen oder einfach nach einem schö-
lapidaren Satz: „Wer für nichts verur- und zudem auch noch mit offenem nen Bildband stehen, dann besuchen
teilt wurde, muss auch nichts essen“, Ende ausklingt, hat mir der stimmige, Sie uns doch einfach in der Patienten-
zum Ausdruck. Herta Müller legt bei ih- dynamische, teilweise ironische Sprach- bibliothek. Gudrun Türk
ren Schilderungen des Lagerlebens eine
Art „poetische Schutzschicht“ um die Anzeige
Wörter und erfindet Eigenkreationen wie
„Hungerengel“, „Herzschaufel“, „Eigen-
brot“ oder eben „Atemschaukel“, um so
die beklemmende Lektüre auf paradoxe
Weise erträglich zu machen. Sicherlich
entspricht das Buch nicht jedermanns
Geschmack. Mich hat es aber sehr be-
wegt und beeindruckt.

Nicht verpassen wollte ich auch die Le-


sung des österreichischen Schriftstel-
lers Arno Geiger, der bereits 2005 mit
dem Buchpreis für den Roman „Es geht
uns gut“ ausgezeichnet wurde und des-
sen lebensnahe, kurzweilige Schreib-
weise den Zeitgeist des heutigen nor-
malen bürgerlichen Familienlebens au-
thentisch widerspiegelt. In seinem neu-
en Roman „Alles über Sally“ geht es um
die klassische, schon in allen Varianten
literarisch verarbeitete Dreiecksbezie-
hung, die natürlich immer auch die
grundlegende Fragen nach der großen

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Mosaik

Breites Spektrum alternativer Heilmethoden


Naturheilverfahren stehen bei vielen Pa-
tienten hoch im Kurs, und sie haben am
Universitätsklinikum Jena eine lange
Tradition. Christoph Wilhelm Hufeland,
Medizinprofessor an der Universität Je-
na, gehörte um 1800 zu den wichtigs-
ten Vertretern der Naturheilkunde, und
1923 wurde Emil Klein als Professor für
Naturlehre und Naturheilverfahren nach
Jena berufen. Seit 1999 finden auf Ini-
tiative von Prof. Christine Uhlemann, Lei-
terin des Kompetenzzentrums Natur-
heilverfahren, Symposien über die Ra-
tio und Plausibilität in der Naturheilkun-
de statt, und 2003 wurde in der Onko-
logie die Fachambulanz für Naturheil-
kunde eröffnet.
AGETHUR-Geschäftsführerin Dr. Eva-Maria Hähnel und der Leiter der Stabsstelle Gesundheits-
marketing am UKJ, Hartwig Gauder, während der Ausstellungseröffnung Foto: Vöckler
Einen instruktiven Überblick über die am
häufigsten praktizierten alternativen desvereinigung für Gesundheitsförde- therapie, Entspannungsverfahren, Yo-
Heilmethoden erhielten die Besucher rung Thüringen e.V. AGETHUR entwi- ga/Meditation, Akupunktur/Akupressur
der Ausstellung „Naturheilverfahren“, ckelte Exposition beleuchtete auf neun und Organsprache – anschaulich und
die im März in den Räumen der Blut- informativen Schautafeln – Naturheil- verständlich das breite Spektrum sowie
spende des Klinikums in der „Alten Chi- verfahren, Homöopathie, Pflanzenheil- die vielfältigen Möglichkeiten der Na-
rurgie“ zu sehen war. Die von der Lan- kunde, Kneipptherapie, Reflexzonen- turheilverfahren. mv

30 Klinikmagazin Ausgabe 2/2010


Rätselseite

4. Welchem Zweck diente das 27 v. Chr. 8. Welcher Architekt war maßgeblich am

Alte Kunst errichtete Pantheon in Rom?


a allen Göttern geweihtes Heiligtum
Bau des Prager Doms und der Karls-
brücke beteiligt?
b Zentrale Bibliothek Roms a Peter Parler
c Begräbnisstätte römischer Kaiser b Gerhard von Rile
1. Wo entstanden im 16. Jh. v. Chr. die 5. Im Gedenken an welchen Sieg der Rö- c Andreas von Everdingen
berühmten Stierspielfresken? mer wurde die Trajanssäule errichtet? 9. Wer ist der Schöpfer des Isenheimer
a in Andalusien a über die Briten Altars?
b in Südfrankreich b über die Daker a Matthias Grünewald
c auf Kreta c über die Perser b Albrecht Dürer
2. In welcher Stadt wurde im 6. Jh. 6. Welches Reich erschütterte zwischen c Veit Stoß
v. Chr. das Ischtartor errichtet? 726 und 843 der „Bilderstreit“? 10. Unter wessen Leitung wurde die
a Jerusalem a Byzanz Kuppel von Santa Maria del Fiore in
b Persepolis b Russland Florenz errichtet?
c Babylon c Bulgarien a Filippo Brunelleschi
3. Wann entstand die 1974 wieder ent- 7. Die Miniaturmalerei welches Klosters b Piero della Francesca
deckte chinesische Terrakottaarmee? erlangte im 10. Jh. große Bedeutung? c Sandro Botticelli
a um 210 v. Chr. a Memleben
b um 350 b Reichenau
c um 880 c Lorsch (Auflösung S. 6 unten)

Who’s who?
Er schaut etwas skeptisch drein, der jun- Heft 90, Ausgabe 2/2010
ge Mann auf dem Gemälde „Anbetung Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
der heiligen drei Könige“. Dass sich der derverein des Universitätsklinikums Jena
Künstler hier selbst porträtiert hat, wird Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
vermutet, ist aber keineswegs erwiesen. Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
Wie so vieles im Leben des 1445 in Flo- Helena Reinhardt, Stabsstelle Öffentlich-
keitsarbeit
renz Geborenen, der mit bürgerlichem häufig etwas melancholischen Porträts, Dr. Uta von der Gönna, Öffentlichkeits-
Namen Alessandro di Mariano Filipepi anstelle der bisher üblichen starren Pro- arbeit Medizinische Fakultät
hieß und zu den bedeutendsten Malern filansichten. Anfang der 1480er Jahre PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der
der Frührenaissance zählt. Seine Werke wurde er gemeinsam mit anderen Künst- Apotheke des Klinikums und Vorsitzender
des Fördervereins des UKJ
wurden zum Inbegriff der Kunst im Flo- lern von Papst Sixtus IV. nach Rom be- Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik
renz des goldenen Zeitalters der Medi- rufen, um dessen neu errichtete Kapel- für Kinder- und Jugendmedizin
ci. Dabei war die Konkurrenz gewaltig, le auszumalen. Vor 500 Jahren – am 15. Maria Lasch, Pflegedienstleiterin Klinik
für Innere Medizin, Klinik für Herz- und
mehr als 130 Maler waren zu jener Zeit Mai 1510 – ist der Schöpfer der „Ge- Thoraxchirurgie
in der Stadt am Arno tätig. burt der Venus“ und zahlreicher weite- Gabriele Stoschek, Büro Medizinischer
Ganz besonders beeindruckten bereits rer Meisterwerke in seiner Geburtsstadt Vorstand
die Zeitgenossen seine sehr lebendigen, verstorben. (Einsendeschluss: 15. Juni 2010) Layout: Klinisches Medienzentrum
Satz: Matthias Vöckler
Ihre Lösung schicken Sie an die In Heft 89 suchten wir: Druck: Druckhaus Gera GmbH
Redaktionsschluss: 24. April 2010
Redaktion KLINIKMAGAZIN Francis Drake Dieses Heft wurde überwiegend aus Mit-
Bachstraße 18 teln des Fördervereins und Werbeeinnah-
07743 Jena Daniel Steinbach aus Jena men finanziert und auf umweltfreund-
(Büchergutschein zu 40 €) lichem Papier gedruckt.
oder an: voecklers@aol.com
Redaktionsschluss nächste Ausgabe:
Ria Heins
Unter den Einsendern mit der richtigen Mitte Juni 2010
Benjamin Heuer
Lösung verlosen wir unter Ausschluss des Die Beiträge geben Meinungen der Auto-
Rechtsweges einen Büchergutschein im und Randolf Schmidt ren wieder und müssen nicht mit der
Wert von 40 € und drei Büchergutschei- (Büchergutschein zu je 10 €) Ansicht der Redaktion übereinstimmen.
Die Veröffentlichung unverlangt einge-
ne im Wert von je 10 €, die von der Jenaer wurden als Gewinner gezogen. sandter Manuskripte liegt im Ermessen der
Universitätsbuchhandlung Thalia ge- Redaktion.
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch!

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